Gratis-Beilage zum„Allgemeinen Anzeiger für Brakel“ und zur„Beverunger Zeitung“. Verlag von Emil Ruthe in Brakel. Nr. 3. 1918. Von Arbeit und Liebe. Erzählung von Emil Frank. (Fortsetzung.)(Nachdruck verboten.) 3. ünfmal hatte sich seit jener Rheinfahrt des Jahres Kreislauf vollendet. Wolfgang Gärtner war aus der Fremde in die Heimat zurückgekehrt. Die Zeit der Ausbildung lag hinter ihm. Nun sollte er sich in der Fabrik seines Oheims betätigen. Es tat ihm leid, daß er für seinen Beruf keine rechte Liebe aufzubringen vermochte. Aber er wußte, daß sein Pflichtgefühl stark genug entwickelt war, so daß sein Oheim keinerlei Enttäuschungen zu befürchten brauchte. dankbarer Freude. Und als er vom Wagen aus einen Blick in Heidts Garten warf, sah er Hedwig, die ihm errötend winkte. Da schloß er beglückt die Augen. Vielleicht war es doch gut so, daß ihm die Kämpfe des werdenden Künstlers erspart blieben. Als er auf seinen Wanderfahrten durch Deutschlands Gaue und weit über diese hinaus vor den Werken der größten Meister gestanden hatte, da war der Zweifel über das Maß seiner Begabung in ihm aufgestiegen. Was als angenehmer Zeitvertreib iym Freude bereitete, war wohl kaum ausreicheno, um darauf eine Zukunft aufzubauen. Wozu noch länger über Dinge grübeln, die für ihn doch ein für allemal vorüber sein mußten! Gerbard Vandermark führte seinen Neffen und Erben in den Kreis der Angestellten ein, die sich im festlich geschmückten Vor der deutschen Kommandantur auf dem Viktor Gmanuel-Platz in Udine. Aufnahme des Bild= und Gerhard Vandermark ließ es sich nicht nehmen, seinen Neffen selbst von der Bahn abzuholen. Das Haus war festlich geschmückt. Das alles erfüllte das Herz des Heimkehrenden mit Hauptsaal des Fabrikgebäudes versammelt batten. Wolfgang Gärtner sollte von jetzt ab Teilhaber des aufstrebenden Unternehmens sein. Niemand war über diese Mitteilung sonderlich 5 5 2 nicht, auch find die Beziehungen g und Chinesen noch nicht so herzlich, wie man wünschen dürfte. Aber der gemeinsame Druck der Angelsachsen kann mit der Zeit nur zur Bildung einer geistigen Allianz der orientalischen Rassen dienen. Gleichzeitig wird er die Bande der Intimität zwischen Britannien und den Vereinigten Staaten enger zieben. kommissars, wöhin er gerusen wordenwa schlüsse zu geben, verhaftet worden. Comby wurde unmittelbar darauf in das Gefängnis La Sante(Gefängniskrankenhaus) abgeführt. e see. Sie trafen weder feindliche Kriegsschiffe noch Handelsfahrzeuge an, trotzdem sie nördlich der ThemseMündung bis dicht unter die englische Küste vorstießen. Dort nahmen sie wichtige Hafenanlagen auf nächste Entfernungen bei guter Beobachtung mit über 300 Schuß unter wirksames Artilleriefeuer, ( erstaunt. Wolfgang war ergriffen über dieses Maß von Vertrauen, das der Oheim ihm bewies. Dankbar schüttelte er die Hand seines Wohltäters, und er sprach es aus, was an guten Vorsätzen ihn bewegte. Seine ganze Kraft sollte fortab dem Unternehmen gewidmet sein, das unter seines Oheims tatkräftiger Führung sich aus kleinen Anfängen zu seiner jetzigen Bedeutung entwickelt hatte. Die Angestellten und Arbeiter wurden festlich bewirtet. Für den Abend aber hatte der Oheim einen kleinen Kreis von Gästen eingeladen. Daß Heidts nicht fehlten, war bei den alten Beziehungen der beiden Häuser selbstverständlich. Und jetzt hatte Wolfgang die Freude, Hedwig mit Wort und Handschlag zu begrüßen. Sie war zu einer herrlichen Jungfrau erblüht, und in ihren graublauen Augen sprühten neckische Flammen. Sonst aber war Hedwig seltsam zurückhaltend. Sie schnitt Wolfgangs Fragen nach ihren letzten Erlebnissen ziemlich hastig ab, als verlohne es sich nicht, darüber auch nur ein Wort zu verlieren. Statt dessen wollte sie wissen, was er jetzt vorhabe. Und als er ihr erzählte, daß er schon jetzt Teilhaber der Fabrik werden sollte, da wurde sie wieder weicher und hingebender. „Du wunderst Dich vielleicht, daß ich gerade dieser Angelegenheit ein so großes Interesse entgegenbringe, lieber Wolf. Aber ich konnte während Deiner Abwesenheit die Sorge nicht bannen, daß in der Fremde Dein alter Hang zur Malerei neue Nahrung erhalten könnte. Und das hätte mir um Deinetwillen leid getan. Denn der Werdegang eines Künstlers ist doch meist recht dornenvoll, und nur die ganz Großen vermögen sich durchzuringen, während sehr, sehr viele mit der bescheidenen Rolle eines Kunsthandwerkers sich begnügen müssen. Nun sage Dir selbst, ob ein solch bescheidenes Los Dich locken könnte. Hier bist Du jetzt schon Herr und Gebieter und brauchst nur den Weg fortzusetzen, den Dein Oheim mit kräftiger Hand gebahnt hat.“ Wolfgang hörte aus ihren Worten etwas wie Erleichterung heraus, daß ihre Befürchtungen sich als grundlos erwiesen hatten. Und es tat ihm weh. daß sie in sein Können so wenig Vertrauen setzte. Wie nun, wenn er nicht durch die Verpflichtungen gegen seinen Oheim sich gebunden gefühlt und den Weg eingeschlagen hätte, zu dem alles in ihm drängte! Ob sie auch dann noch sein Liebeswerben so freundlich aufgenommen haben würde? Fast erschrak er bei diesem Gedanken. Wie, Hedwig sollte um seiner äußeren Stellung willen eine Verbindung wünschen? Nicht das rein Menschliche an ihm sollte ausschlaggebend sein? War es nicht ein Unrecht an ihr, daß er ihr eine derartige Gesinnung zutraute? Doch so sehr er sich auch Mühe gab, sie im hellstrahlenden Lichte seiner Liebe zu sehen, es wollte ihm nicht gelingen, dieses fröstelnde Mißtrauen zu bannen. Sein Blick hatte sich in der Fremde geschärft, und Hedwig hatte ihre Gedanken wohl etwas zu offen enthüllt. Ich muß Gewißheit haben! Das war Anfang und Ende all seines Grübelns. Eine feine Röte deckte seine Wangen. Er faßte Hedwigs Hand und schaute ihr vertrauensvoll in die Augen. Die Erregung zitterte in seiner verschleierten Stimme wieder. Sie aber schlug die Blicke nieder und lächelte, als wollte sie ihn zu dem ermuntern, was ihrer Meinung nach unbedingt kommen mußte: zu der Frage, die ihre Zukunft entschied. „Liebe Hete,“ so sprach der Heimgekehrte und er preßte stärker des Mädchens schlanke Hand;„daß ich seit vielen Jahren Dein Bild im Herzen trage, ist Dir wohl kein Geheimnis geblieben. Und in der Fremde blieb ich Dir treu. Ich liebe Dich heiß und innig und kann mir kein größeres Glück denken als das Leben an Deiner Seite. Nun mußt Du mir aber auch eine Frage gestatten: Wäre ich frei gewesen, mich für den Beruf zu entscheiden, zu dem meine Veranlagung mich treibt, hätte ich auch dann von Liebe zu Dir sprechen dürfen?“ Das schöne Mädchen sann eine Weile nach. Dann gab Hedwig zur Antwort: „Ich bin nicht romantisch genug veranlagt, um den Gedanken ertragen zu können, mein Dasein in Not und Entbehrungen verbringen zu müssen. Daß ich Deine Neigung erwidere, weißt Du. Ich habe nicht geheuchelt. Aber ich würde entschieden gegen diese Neigung angekämpft haben, wenn mir Deine äußeren Verhältnisse nicht gesichert erschienen wären. So, nun hast Du ja auf Deine offene Frage eine ehrliche Antwort. Willst Du noch mehr wissen?“ Wer weiß, was jetzt geschehen wäre, hätte ihre Unterredung nicht eine jähe Unterbrechung gefunden. Der Hausherr trat an das junge Paar heran. Jedenfalls war er in dem Glauben, die beiden wären einig und er brauchte den Gästen nur zu verkünden, daß sein heimgekehrter Neffe und Erbe sich gleich am ersten Tage eine Weggenossin erkoren habe. Und Gerhard Vandermark wünschte sehnlich schon um seinetwillen, daß Wolf sich auf diese Weise für immer binden möchte. Darum konnte ei es kaum erwarten, bis seine Hoffnung sich erfüllte, und er trat an die beiden Menschen just in dem Augenblicke heran, als Hedwig ihr freimütiges Bekenntnis abgelegt hatte. Wolfgang war offensichtlich froh, daß er für den Augenblick einer peinlichen Fortsetzung dieses Gespräches enthoben war. Lebhafter als sonst wandte er sich an den Oheim und stattete ihm nochmals seinen Dank für die Liebe ab, die sich in all den Veranstaltungen des heutigen Tages kund getan hatte. Der Fabrikant lächelte geschmeichelt über die anerkennenden Worte seines Neffen. Diese Dankbarkeit Wolfgangs hatte etwas Rührendes an sich. Es war nur schade, daß Vandermark früher oder später ihm den Glauben an des Oheims uneigennützige Gesinnung zerstören mußte. Nicht länger konnte und wollte Vandermark ihm verheimlichen, daß er gar nicht so arm sei als er immer geglaubt, daß erst sein Vermögen ihn in die Lage gesetzt hatte, das Fabrikunternehmen zu begründen und auszubauen. Bei Wolfgangs Großjährigkeitserklärung war Gerhard Vandermark dieser peinlichen Verpflichtung nur dadurch entgangen, daß er seinen Neffen an Sohnesstatt angenommen hatte, so daß sich eine Auseinandersetzung über die Vermögenslage erübrigte. Jetzt aber, wo Wolfgang Teilhaber geworden war, mußte er darüber aufgeklärt werden. Der Fabrikant hielt es für gänzlich ausgeschlossen, daß sein Neffe jetzt noch romantische Seitensprünge machen könnte. War er nicht ) Der Weihnachtsengel der neuen Zeit. Den deutschen Truppen, die in Palästina und in der syrischen Wüste liegen und die durch keine Bahn oder ein anderes schnelles Beförderungsmittel zu erreichen sind, wurde ihre Weihnachtsfeldpost durch deutsche Flieger überbracht. Phot. A. Grohs, Verlin. ( mit starken Banden an die Heimat gefesselt? Würde nicht schon die Verpflichtung gegen Hedwig ihn hier festhalten? Andere Gäste näherten sich der kleinen Gruppe, und Wolfgang mußte von seinen Reisen erzählen. Aber er war zerstreut und unruhig. Hedwigs Worte zitterten in ihm nach. Eine große Angst war plötzlich über ihn gekommen, als sei sein Glück gefährdet, als verdunkelten häßliche Wolken seinen Zukunftshimmel. Er mußte mit sich ins reine kommen, welchen Einfluß Hedwigs offenes Bekenntnis auf ihre gegenseitigen Beziehungen hatte. Dazu aber bedurfte er der Ruhe. Eine so schwerwiegende Frage konnte nicht hier inmitten plaudernder Gäste gelöst werden. Noch war er frei in seinen Entschlüssen. Wolfgang Gärtner vermied ein Alleinsein mit Hedwig. Als er ihr aber zum Abschiede die Hand drückte, da wallte die Liebe heiß in ihm auf, und er dachte: muß ich ihre Offenheit nicht ehren? Und ist es denn wohl auch so ganz sicher, daß sie nur jetzt so spricht, weil sie genau weiß, daß ich niemals in die angedeutete Lage kommen werde? Wozu soll ich mich also noch länger mit Grillen plagen! Ganz vollkommen ist menschliches Glück wohl selten, überall ist ihm ein Hauch irdischer Trübung beigemengt. Am folgenden Morgen erwartete ihn der Oheim bereits im Frühstückszimmer. Wolfgang hatte sich ein wenig verspätet, er wollte sich darum entschuldigen. Gerhard Vandermark wehrte aber lachend ab: „Das ist doch ganz selbstverständlich, daß Du Dich hier erst wieder einrichten und einleben mußt. Es war übrigens gestern reichlich spät. Na, dürfen wir nicht bald Eure Verlobung feiern?“ Wolfgang sah, wie bei diesen Worten ein listiges Lächeln des Oheims Mund umspielte; ein Zwinkern mit den Augen ergänzte das Unausgesprochene. Wolfgang war fast ärgerlich, daß er überall jetzt immer so leicht Verdacht schöpfte. Hatte der Oheim für all seine sorgende Liebe nicht Anspruch auf sein vollstes Vertrauen? Aber er kämpfte vergebens gegen sein Mißtrauen an, und immer wieder stellte er sich die Frage: Ob Hedwig wohl mit dem Oheim im Bunde ist? Darum ging er auf des Oheims Andeutungen nicht ein. Nach dem Frühstück begleitete er den Fabrikanten in dessen Arbeitszimmer. Gerhard Vandermark hatte einen Stapel Papiere bereit gelegt und machte ein sehr feierliches Gesicht. Wolfgang aber lächelte. Aha, jetzt würde die Erörterung über des Oheims Vermögen kommen, und dann war sein Lebensring geschlossen. In goldenem Käfig saß er gefangen. Nur Liebe, Dankbarkeit und Pflichtgefühl würden ihn festzuhalten vermögen. (Fortsetzung folgt.) Die Skizze von Emil Frank. (Nachdruck verboten.) ichard Henricius verlangsamte seinen Schritt und schaute versonnen auf die kleine Stadt, die zwischen sanften Hügelwellen gar lieblich eingebettet lag. Wer weiß, 3 ob er wohl je auf den Gedanken gekommen wäre, ihr einen Besuch abzustatten, obgleich seines Vaters einziger Bruder hier wohnte. Denn Strehlenau lag seitab von der großen Verkehrsstraße, und der gestrenge Oheim hatte auf die eindringlichen Bittschriften des fidelen Bruders Studio regelmäßig mit heilsamen Ermahnungen, sehr selten aber mit dem ersehnten Mammon geantwortet. Nun aber war der würdige Rektor Johannes Henricius zur ewigen Ruhe eingegangen. Der Freund des Verstorbenen teilte Richard mit, daß der Oheim ihn in seinem Testamente bedacht habe. Da aber an die Erbschaft einige Klauseln geknüpft seien, müsse Herr Henricius sich persönlich nach Strehlenau bemühen, denn nur mündlich ließe sich die Angelegenheit erledigen. Richard Henricius, der bisher auf der hohen Schule zu Prag ein recht vergnügtes Leben geführt hatte, erwiderte auf dieses Schreiben umgehend, er hoffe, in wenigen Wochen seine Studien zu einem befriedigenden Abschluß zu bringen. Dann wolle er Die Deutsche Krankenschwestern mit Gasmasken. Schwestern bringen den Verwundeten während eines Gasangriffes die erste Hilfe. sogleich die weite und beschwerliche Reise antreten. Inzwischen möge der Herr Syndikus ihm mitteilen, welcher Art die Klauseln wären, die der Oheim in seinem Testamente festgelegt hätte. Auf diese Anfrage erhielt der Kandidat Henricius die Summe von zwanzig Dukaten zugesandt, von denen leider die Prager Manichäer einen erklecklichen Anteil beanspruchten. Eine Aufklärung über die Klauseln aber könne er nur mündlich erteilen. Nachdem Richard Henricius zum Magister der schönen Künste bestallt worden war, trat er seine Reise an. Zum Glück machte der Himmel sein allerfreundlichstes Gesicht, und der junge Magister konnte auf die Beförderung im Postwagen verzichten. Auf Schusters Rappen wanderte er durch Böhmen gegen Norden, in seines Vaters schlesische Heimat. Und nun war er am Ziele angelangt und betrachtete mit einer gewissen Neugier die kleine Stadt, die zu seinen Füßen im goldenen Geleucht der Sommersonne sich darbot. „Was das wohl für Klauseln sein mögen!“ fragte sich der Magister wieder einmal uno zog seine Stirne in Falten. Wenn er sich recht erinnerte, hatte der Oheim ein Mädchen adoptiert, nicht, auch fino vie und Chinesen noch nicht so herzlich, wie man wunschen dürfte. Aber der gemeinsame Druck der Angelsachsen kann mit der Zeit nur zur Bildung einer geistigen Allianz der orientalischen Rassen dienen. Gleichzeitig wird er die Bande der Intimität zwischen Britannien und den Vereinigten Staaten enger zieben. kommissars, wohin er gerufen schlüsse zu geben, verhaftet worden. Comby wurde unmittelbar darauf in das Gefängnis La Sante(Gefängniskrankenhaus) abgeführt. see. Sie trafen weder feindliche Kriegsschiffe noch Handelsfahrzeuge an, trotzdem sie nördlich der ThemseMündung bis dicht unter die englische Küste vorstießen. Dort nahmen sie wichtige Hafenanlagen auf nächste Entfernungen bei guter Beobachtung mit über 300 Schuß unter wirksames Artilleriefeuer. eine Tochter des Syndikus ein. Der Gast aber teilte seine ganze Aufmerksamkeit zwischen der Hausfrau und der Aeltesten, Berta. Als er sich einmal sehr eifrig mit Berta unterhielt, glaubte er ein ermunterndes Lächeln der Mutter zu bemerken, während Bertas Altersgenossin schweigend auf den Teller schaute. Das bestärkte ihn in seinem Glauben, daß die unscheinbare Stickerin seines Oheims Adoptivtochter sein müsse.(Schluß folgt.) Zur Belehrung und Unterhaltung. und es war Henricius gleich aufgefallen, daß nicht obengenanntes Fräulein den Nachlaß des gestrengen Oheims erbte. Vielleicht hatte der wunderliche Herr letztwillig verfügt, daß er dieses Mädchen heiraten solle! Oder er verlangte gar, daß er in diesem weltverlorenen Gänsenest sich niederlassen sollte! Doch weder das eine noch das andere war nach Richards Geschmack. Wäre ja noch schöner, wenn er in einer kleinen Stadt sein junges Leben mit allen Hoffnungen und Plänen vergraben müßte! Nein, daraus würde so leicht nichts. Magister Henricius nahm den holprigen Weg wieder unter die Füße und befand sich bald inmitten der Stadt Streblenau. Eigentlich machte sie einen sehr freundlichen Eindruck. Behäbige Menschen standen plaudernd auf dem Marktplatz; in den blanken Scheiben der stattlichen Häuser spiegelte sich die Sonne, und vom Turme her dröhnten die Glocken, als läuteten sie sein Kommen ein. Unschlüssig blieb der Fremdling stehen. Wohl oder übel mußte er einen Bürger nach der Wohnung des Syndikus Metzner sragen. Da eilte ein schmuckes Mädchen an ihm vorüber. Richard Henricius hatte sie mit einem raschen Blick gestreift, und sogleich setzte er sich in schnellere Bewegung, denn er hätte gar zu gerne noch etwas mehr von dieser jugendfrischen Schönheit gesehen, vielleicht gar ein freundliches Wort von ihren Lipen vernommen. Nun hatte er sie eingeholt. Höflich zog er den Dreispitz und fragte nach der Wohnung des Syndikus Metzner. Ein Schelmenlächeln glitt über des Mädchens rosiges Gesicht, und die Blauaugen leuchteten verführerisch auf, daß der Magister vermeinte, die Sonne scheine ihm bis ins innerste Herz hinein. „Wenn der Herr sich mit meiner Führung begnügen will, so werde ich ihn gerne in das Haus des Herrn Syndikus geleiten; ich habe ja dasselbe Ziel.“ Die Worte plätscherten ihr nur von den Lippen, und Richard Henricius sagte sich mit unendlichem Johlbehagen, daß seine Begleiterin ihn mit mühsam verhehlter eugier von der Seite musterte. Wie pries er den Zufall, der ihn gleich bei seinem Eintritt in die Stadt dieses bildsaubere Mädchen hatte finden lassen! Und da er vermutete, daß seine Begleiterin des Sondikus Tochter sei, vermochte er keinen Grund einzusehen, sich über den Zweck seines Kommens in feierliches Schweigen zu hüllen. „Ich habe doch die Ehre, neben der Tochter des Herrn Metzner einherzuschreiten?“ fragte Richard vorsichtig. Das Mädchen nickte und fuhr mit der Hand über die kirschroten Lippen. Der Magister fuhr fort:„Nun, dann wird es dem Fräulein ja nicht unbekannt sein, was mich nach Strehlenau führt. Ich bin der Magister Richard Henricius, und Ihr Herr Vater teilte mir mit, daß ich hier das Erbe meines Obeims antreten soll. Aber da sind anscheinend einige Bedingungen zu erfüllen, über die ich mir bisher vergebens den Kopf zerbrochen habe. Ist Ihnen vielleicht etwas darüber bekannt?“ Das Mädchen senkte errötend den Kopf. Die Erörterung dieser Angelegenheit auf offener Straße schien ihr nicht sonderlich angenehm zu sein, und Richard Henricius entschuldigte sich wegen seiner Neugierde. Und weil er seine Worte so schön zu setzen wußte und obendrein ein hübscher Junge war, lächelte seine Begleiterin ihn wieder freundlich an. „Uebrigens muß ich dem Herrn Magister bekennen, daß er sich einige Tage wird gedulden müssen. Der Herr Syndikus ist nämlich nach Breslau in städtischen Angelegenheiten gereist—“ „O, ich habe Zeit genug,“ erwiderte der Magister rasch, und man sah ihm die Freude darüber an, daß es ihm vergönnt sein würde, noch öfter mit diesem reizenden Mädchen zu plaudern. Der Aufenthalt in Strehlenau erhielt durch diese Bekanntschaft eine erhöhte Bedeutung. Gern hätte er den Namen seiner Begleiterin erfahren, und er brauchte nicht lange zu fragen: Berta hieß sie, und er konnte sich kaum genug tun, diesen Namen immer wieder auszusprechen. So waren sie bereits gute Freunde geworden, als sie das Haus des Syndikus erreichten. Es lag am entgegengesetzten Ende der Stadt und war von einem großen Garten umgeben. Berta führte ihn in die Familie ein. Die Frau des Hauses war freilich noch in der Küche beschäftigt. Im Wohnzimmer aber saß ein Mädchen von Bertas Alter; es beugte sein schmales sommersprossiges Gesicht über eine knifflige Handarbeit. Es war schwer anzunehmen, daß diese ungleichen Mädchen Schwestern sein könnten. Richard Henricius schloß daraus, daß er seines Oheims Adoptivtochter vor sich haben müsse. Sollten sich etwa an sie die unbekannten Bedingungen knüpfen, unter denen er die Erbschaft seines Oheims antreten sollte, dann würde freilich aus der Sache nichts werden. Denn einmal war das junge Mädchen nichts weniger als schön, und dann hatte ihm eben der Zufall eine Begleiterin zugeführt, an deren jugendfrischem Reiz er jedes andere Mädchen messen würde. Der Magister wurde mit großer Freundlichkeit aufgenommen. Am reichbesetzten Mittagtisch fanden sich noch zwei Söhne und 3 Kölselsprung. Silbenrätsel. a, ahr, au, breit, car, de, eh, en, fal, ga, ga, gen, ger, ha, her, i, jo, lus, me, men, mi, mu, ne, neu, ni, ni, ol, rak, ren, ring, ro, ro, schan, see, sem, sen, ska, sol, stein, ta, tag, ter, ti, ve, zun. Aus vorstehenden 45 Silben sind 16 Worte von folgender Bedeutung zu bilden: 1. Alpenfluß, 2. Oper, 3 weiblicher Vorname, 4. sudanesischer Negerstamm, 5. römischer König, 6. asiatische Stadt, 7. Held des Nibelungenliedes, 8. weiblicher Vorname, 9. ungarische Stadt, 10. europäisches Seitenmeer, 11. spanischer Fluß, 12. Fisch, 13. Schmetterling, 14. deutsche Festung, 15. weiblicher Vorname, 16. deutscher Badeort. Die Anfangs= und Endbuchstaben ergeben die Namen vier bedeutender Männer aus der Zeit der Befreiungskriege. Botanilches Rätsel. Die Punkte sind so durch Buchstaben zu ersetzen, daß man Worte von nebenstehender Bedeutung erhält. Die auf fallenden Buchstaben nennen sodann eine beliebte Gartenblume 1. W..... g, Gemüse, 2. K...», Distelgewächs, 3. A..... l, Gartenblume, 4. F..*.. r, Gartenstrauch, 5. K.... e, tropisches Gewächs, 6. Z.*. t, Gewürz, 7. T. e, Frucht, 8. Z.... l, Gewürz, 9. A#. r, Sternblume, 10. K.*. e, Baumfrucht, 11. R..*. a, duftende Blume, 12. B#. e, Baumfrucht, 13. F.#.. e, Nadelholz, 14. F.... e, Gartenblume, 15. Z... 4.e, Trauerbaum, 16. T.#. e, Nadelholz. Hieroglyphenrätsel. V Auflösung der Rätsel in nächster Nummer. Nachdruck aus dem Inhalte dieses Blattes verboten.— Redigiert unter Jecantwortlichkeit des Herausgebers. Herausgeber und Drucker: Chr. Muntermann in Gelsenkirhen. )) Der Bürgermeister. Kintzen. Preis 50 Pfg. Zu haben in der Buchhölg. E. Ruthe, Brakel. Buchhandlg. K. Ruthe. sind vorrätig. K. Ruthe. Jüdischer Gottesdienst Freitag abend 4.50. Samstag morg. 9.00, nachm. 3.30, abends 5.36 Uhr. Pactum Liborianum. Serie 145, Nr. 98: Frau Maria Düweke, geb. Meyer. Prima Wagenfett in kleinen und größeren Packungen hat am Lager