Rote Rosen. Roman von H. Courths=Mahler. (Fortsetzung.) „Denkst du, unter all den Menschen, mit denen wir verkehren müssen, Papas Stellung wegen, ist einer, mit dem ich mich sn gern unterhalte als mit dir? Ausfrage, ob sie meine Frau werden will. Deshalb kam ich zuerst zu dir mit meiner Werbung. Du wirst mir offen lagen, ob sich Jostas Herz einem anderen Manne zugeneigt hat, denn du hast mich, trotz unseres Alterunterschiedes, deiner Freundschaft gewürdigt.“ Der Minister nickte. „Ja, Rainer, ich hatte dich immer gern! Dein I T AURII IAA * Aachen, 20. Juni. Das 19 Jahre alte Dienstmädchen Katharina Heutz aus Karken bei Heinsberg, das am 28. Februar d. J. den dortigen Pfarrer Fischer und dessen bejahrte Haushälterin mit einer Axt und einem Messer in grausamer Weise ermordete, um Nachforschungen wegen eines Vergehens zu verhindern, wurde vom Zivilkriegsgericht 2meimal zum Tode verurteilt. Die geständige Anvon Emil Ruthe in Brakel. Nr. 25. chöller Das geheimnisvolle Von H. Buttstaedt. (Nachdruck verboten.) höller hatte wirklich Zahnschmerzen, es war keine Verstellung. Er mochte sich bei seiner nächtlichen Wanderung das Uebel zugezogen haben. Nach dem Weggang des Grafen, dem chr t fallen. Nur gut, daß ich alles Verdächtige beizeiten im unterirdischen Gange versteckt habe, sonst hätte die Spionage leicht böse Folgen für mich haben können.“ Immer weiter um das Haus vorrückend, hörte er, wie die beiden die Treppe hinabstiegen, ihre Stimmen klangen nur noch undeutlich aus der Tiefe herauf. Jetzt war der richtige Zeitpunkt zum Handeln gekommen. Mit wenigen Schritten erreichte er den Vorraum, löste die Klammer, dargstelle hatte, als sie wirklich war, Rauch nachblickend, konstatierte er mit Genugtuung das vollständige Schwinden seiner Zahnschmerzen Was nun tun? Das war doch ganz ktar, er hatte endlich die Gauner gefangen, die das Schlößchen mit ihren Streichen unsicher gemacht, er brauchte sie nur noch dem Grafen auser dargestellt hatte, als sie wirklich w lief er umher, um eine früher gebrauchte Salbenusuchen aber nirgends, in keinem Kastenicht mehr aushalten konnte, lief ezyne irgend an ein besonderes Ziel zu denken, die Landstraße entlang. Die Schmerzen beruhigten sich aulgemach und er kehrte ziemlich schmerzfrei nach seinem Häuschen zurück. Schon aus weiter Entfernung sah er zwei Männer am Torweg stehen und nach kurzem Zaudern eintreten. „Hollah, was ist denn das?“ dachte er,„sollten die bei mir herumstöbern? Das soll ihnen schlecht bekommen, so wahr ich Schöller heiße.“ Einen neben der Straße herlaufenden Fußpfad verfolgend, lief er zum Torhaus zurück. Hier benutzte er nicht den Haupteingang, sondern kroch durch die Hecke an der Rückwand des Hauses, von wo er gut durch die Fenster blicken konnte. „Wahrhaftig, der Detektiv Hat sich Kerl schon wie der von seiner Rotweinkur erholt?“ Leise schlich er ums Haus und hörte durch die geöffneten Fenster, wie Mosler das Versagen seiner Blendlaterne beklagte. „In den Keller wollt Ihr also auch? Na, wartet,“ grollte er,„die nächsten Stunden werden Euch kaum geder Die erste Wertpapier-Vernichtungsmaschine, die von der Stadt Berlin zur Vernichtung von Wertpapieren und Lebensmittelkarten in Betrieb genommen wurde. Die Papiere werden von der Maschine zu einer grauen Masse verarbeitet, die den Papierfabriken zugeführt wird, während früher die Wertpapiere verbrannt wurden und somit das Rohmaterial verloren ging. die glänzende Belohnung—in die Tasche zu stecken. Schmunzelnd, auf die vergeblichen Be mühungen der Gefangenen lauschend, holte er seinen Hut, bürstete sich sauber ab, wie er es immer tat, wenn er zum Grafen ging, und schlug den Weg zur Villa ein. Der Graf war zuest nicht geneigt, ihn zu empfangen, denn der mißglückte Versuch des Detektivs und nicht zum mindesten das lange Ausbleiben seiner Tochter hatte seinen Zorn im höchsten Grade erregt. „Na, was gibt's denn nun schon wieder,“ fauchte er den Alten an, „scheinen ja Ihre Zahnschmerzen schnell losgeworden zu sein.“ „Jawohl, Herr Graf, und zwar durch einen merkwürdigen Zufall, der mein ganzes Nervensystem in Aufregung versetzte.“ ( habe die beiden endlich erwischt," triumphierte Schöller. die Kerle, die die Spukereien im Schlosse verübt haben, ich kam gerade dazu, wie sie meinem Keller eine Visit abstatten wollten. Habe natürlich die Gelegenheit beim Schopf gefaßt und die Klappe zugeworfen. „Wirklich, Schöller,“ rief der Graf erfreut,„wenn Sie das zu Wege gebracht haben, sollen Sie eine gute Belohnung erhalten. Aber nun wollen wir gleich sehen, was Sie für Vögel gefangen haben.“ von Groote, der neue Oberpräsident für die Rheinprovinz, bisheriger Vorsitzender der Landschaftskammer. „Sie scheinen zu glauben, daß ich jemand versteckt habe. Nun“ sagte der Graf, der den ganzen Disput schweigend mit angehört hatte,„so unwahrscheilich ist die Sache nicht, es scheint sich nur um einen ärgerlichen Irrtum zu andeinerdings, recht ärgerlich, ich wünsche nur, Herr Graf, Sie hätten die Zeit da unten mit zugebracht, ich zweifle nicht, daß Sie dann einen anderen Ausdruck für diesen Irrtun gefunden haben würden. Haben Sie eine Bürste da?“ fuhr der Rat dann den Alten an. Dieser holte sogleich eine herbei und reinigte die beiden mit großer DienstfertigBaNKaICKIVI N. in Stockholm hat die Hälfte seines Vermögens in Höhe von 30 Millionen Mark zu einer Stiftung für wohltätige und gemeinnützige Zwecke hinterlegt. räsident Dr. Kaempf F. Der Graf, Schöller, und drei mit Stöcken bewaffnete Diener begaben sich auf den Weg. Schon am Torweg hörten sie verzweifeltes Klopfen und Geschrei. „Das sind sie," sagte Schöller mit schlauer Miene,„aber nur vorsichtig, daß beiner entwischt, es scheinen ganz verwegene Kerle zu sein.“ Der Graf und der Diener postierten sich an der Tür, während die beiden anderen die Falltür emporhoben. Von Kohlenstaub geschwärzt, unsicher umherblinzelnd, erschien ein Mann auf der Treppe. Der Graf erhob den Revolver und der Diener seinen Stock, zum Zuschlagen bereit. Einen Augenblick starrte der Graf den vermeintlichen Verbrecher sprachlos an, dann ließ er sein Pistol mechanisch sinken. „Herr Rat!“ stotterte er entsetzt. „Jawohl, Herr Graf,“ erwiderte dieser mit vor Zorn bebender Stimme,„Ihr famoser Schöller hat uns diesen Streich gespielt, mir und dem Mosler.“ Letzterer hatte sich unterdessen auch heraufgedrängt, die Augen mit der Hand vor dem eindringenden Lichtstrahl schützend. Er war von dieser neuen Prüfung noch zu sehr ergriffen, um seine Entrüstung in Worte kleiden zu können. „Schöller,“ sagte der Graf mit einem furchtbaren Blick, „haben Sie sich wirklich erdreistet, diese Herren einzusperren?" Herr Graf!“ rief er, verzweifelt die Hände ringend, „wie konnte ich denn wissen, daß sich der Herr Rat und Herr Mosler in meinem Keller zu schaffen machen würden. Ich sah beide von Ferne um das Haus schleichen und glaubte sicher, Herr Graf, in Ihrem Interesse zu handeln, wenn ich sie dingfest machte. Ich mußte doch annehmen, daß Leute, die ohne mein Wissen in meinem Hause herumstöbern, nicht gerade in freundschaftlicher Absicht kamen.“ „Warum haben Sie uns nicht angerufen?" rief der Rat, noch immer an allen Gliedern bebend. „Aber, Herr Rat,“ erwiderte Schöller vorwurfsvoll, „wenn Sie wirklich Spitzbuben gewesen wären, hätten Sie mir altem Manne ja den Garaus machen können.“ „Ach, Unsinn!“ schrie Mosler, der jetzt seine Stimme wiederbekam,„die Sache sieht ganz nach Schabernack aus. Sie konnten sich doch denken, daß nach den Vorgängen im Schlosse auch Ihre Wohnung durchsucht werden würde.“ „Meine Wohnung?“ sagte Schöller in maßlosem Erstaunen.„Ja, warum denn?" keit vom Kohlenstaub. „Herr Rat,“ sagte er, fast weinend,„ich hoffe, Sie werden mir meine Voreiligkeit nicht nachtragen, bedenken Sie, daß ich nur das Beste wollte und froh gewesen wäre, wenn ich Ihnen einen Dienst hätte leisten können." „Ach was, papperlapapp,“ machte Mosler verächtlich. „Ich denke," sagte der Rat, sich vor dem Grafen zeremoniell verbeugend,„die Rätsel in diesem Schlößchen werden sich auch ohne unser Zutun lösen lassen, ich empfehle mich Ihnen, Herr Graf.“ Auch Mosler machte eine stumme Verbeugung, dann zogen sich beide, kochend vor Wut, auf dem Wege nach der Stadt zurück. Sie wußten recht gut, daß sie die Sache, wenn sie sich nicht unsterblich blamieren wollten, nicht weiter verfolgen durften. Der Graf blickte den beiden zornig nach.„Einfältige Narren," brummte er vor sich hin,„sind selber daran schuld, haben die Sache so ungeschickt wie möglich angefaßt, sollen froh sein, daß sie ohne öffentliche Blamage davongekommen sind. Und Sie, Schöller, hätten auch vorsichtiger sein können, nein, keine Entschuldigung, unerhört, die Herren in den Kohlenkeller zu sperren.“ Damit drehte er sich um und ging nach der Villa zurück. Seine Sorge um die Komtesse wuchs von Minute zu Minute. Selbst die längsten Spazierritte auf die Dörfer der Umgegend hatten nie so viel Zeit in Anspruch genommen. Am Torhaus der Villa angekommen, hörte er Pferdehufe hinter sich. Voller Hoffnung zurückblickend, sah er einen Mann, der das Pserd der Komtesse am Zügel führte. Ein furchtbarer Schreck bemächtigte sich seiner. War ein Unglück geschehen? Lag die Tochter irgendwo verletzt im Graben? Er stürzte dem Mann entgegen und fragte in atemloser Hast, wo sich die Komtesse befinde. Statt aller Antwort überreichte dieser einen Brief.„An Sie, Herr Graf,“ sagte er lakonisch. Die Hand des Grafen zitterte, als er den Umschlag öffnete. Die ersten Worte des Schreibens mußten ihm schon über das Verbleiben der Vermißten Aufschluß geben, denn mit zornigem Griff knüllte er es zusammen und befahl dem Manne, das Pferd im Stalle abzuliefern. Niemand von der Dienerschaft merkte, welcher Schlag den Herrn getroffen hatte. Erst als er sein Zimmer erreicht und die Türen verschlossen hatte, brach er zusammen. Undank für Liebe zu ernten, gehört zu den bittersten Leiden der Menschheit. Auch der Graf mußte diese Erfahrung machen. Er war sich nicht bewußt, seiner Tochter, außer in dieser einen Sache, entgegen gewesen zu sein. Stets hatte er ihre Wünsche, soweit es in seiner Macht stand, 9 Rote Rosen. Roman von H. Courths=Mahler. (Fortsetzung.) „Denkst du, unter all den Menschen, mit denen wir verkehren müssen, Papas Stellung wegen, ist einer, mit dom ich mich in gern unterhalte als mit dir? Ausfrage, ob sie meine Frau werden will. Deshalb kam ich zuerst zu dir mit meiner Werbung. Du wirst mir offen lagen, ob sich Jostas Herz einem anderen Manne zugeneigt hat, denn du hast mich, trotz unseres Alterunterschiedes, deiner Freundschaft gewürdigt.“ Der Minister nickte. „Ja, Rainer, ich hatte dich immer gern! Dein ?M * Aachen, 20. Juni. Das 19 Jahre alte Dienstmädchen Katharina Heutz aus Karken bei Heinsberg, das am 28. Februar d. J. den dortigen Pfarrer Fischer und dessen bejahrte Haushälterin mit einer Axt und einem Messer in grausamer Weise ermordete, um Nachforschungen wegen eines Vergehens zu verhindern, wurde vom Zivilkriegsgericht zweimal zum Tode verurteilt. Die geständige Animmer bestrebt, ihr das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten. Nun kam ein junger Mann, ein Tunichtgut, dem sie ihre Zukunft ohne Weiteres anvertraute. Grübelnd saß er in seinem Lehnstuhl am Fenster, von wo er die ganze Herrlichkeit seiner Besitzung überschauen konnte, er hatte aber keinen Blick dafür, seine Augen von Tränen verdunkelt und seine Gedanken weilten voll Zorn und Sehnsucht bei derjenigen, die ihn so lieblos verlassen hatte. Es wurde dunkel im Zimmer, der Graf merkte es nicht, erst ein Pochen an der Tür schreckte ihn aus seinen Träumen auf. Es war der Hausmeister, der, besorgt über das lange Schweigen seines Herrn, sich erkundigte, ob ihn ein Unwohlsein befallen habe. Der Graf riß sich zusammen. ist nichts," sagte er,„eine kleine Unpäßlichkeit, wird bald vorübergehen.“ „Und das gnädige Fräulein,“ stotterte Benzler,„wird sie heute noch zurückkehren?“ „Nein,“ erwiderte der Graf, sich gewaltsam zur Ruhe zwingend.„Sie wird einige Tage bei einer befreundeten Familie bleiben, habe vorhin die Nachricht bekommen. Servieren Sie in meinem Zimmer.“ Auch Schöller kehrte nichts weniger als triumphierend in sein Heim zurück. Der Graf tat ihm leid, nicht des Aergers wegen, den er ihm verursacht hatte, sondern wegen des Verlustes seiner Tochter. Er selbst hatte ähnlichen Kummer kennen gelernt. Bei dunkolndem Abend saß er vor seiner Tür und schmiedete Pläne. Er saß darüber die halbe Nacht, bis er endlich todmüde sein einsames Lager aufsuchte. 10. Kapitel. Auf dem Berg war es sehr still geworden. Die herrlichen Blumen im Garten der Villa blühten umsonst, niemand kümmerte sich darum. Nur der alte Gärtner sorgte unermüdlich weiter Die gnädige Komtesse sollt bei ihrer Rückkehr alles wiederfinden, wie sie es verlassen. Gäste blieben selten länger als einige Stunden, die üble Stimmung des Grafen scheuchte s bald wieder von dannen. Auch die Ausritte wurden nur spärlich unternommen und dann nur innerhalb der Parkmauern. Der Graf fürchtete, daß die Leute mit Fingern auf ihn zeigen würden und legte sich eine freiwillige Gefangenschaft auf. Haar und Bart waren weiß geworden, allerdings nur aus Mangel an Nußextrakt. Der Graf hatte sich in Anbetracht seines Kummers aller Färbemittel enthalten. Wenn er am Scharfenecker Torhaus vorüberritt und mit flüchtiger Geste den ehrfurchtsvollen Gruß des Alten erwiderte, fühlte dieser sein Gewissen schlagen. Wie gern hätte er ihm einige Worte des Trostes gesagt, fürchtete aber den für Freundlichkeiten empfänglichen Charakter des Grafen. Der alte Schöller korrespondierte fleißig, er pflegte dem Briefträger, wenn er ihn von Ferne sah, entgegenzulaufen Schlüssel in Verwahrung hatte, kam manchmal herüber und sah nach, ob alles in gehöriger Ordnung sei. Eines Abends, der Graf saß gerade über seinen Rechnungsbüchern, trat der Hausmeister mit bestürzter Miene ins-Zmmer. „Was ist denn los?“ fragte der Graf, die Brille abnehmend,„haben Sie wieder ein Gespenst gesehen?“ „Gesehen nicht, Herr Graf, aber daß sie wieder anfangen, ihr Wesen zu treiben, das ist sicher.“ „Wieso, Benzler, was veranlaßt Sie zu dieser Vermutung?" „Wenn der Herr Graf die Freundlichkeit haben wollen, mit ins Balkonzimmer zu kommen, können sich der Herr Graf selbst überzeugen.“ Brummend erhob sich der Schloßherr und folgte seinem Diener zu dem eine Treppe höher liegenden Balkonzimmer. Der Hausmeister öffnete die Flügeltüren und ließ den Grafen hinaustreten. Von hier hatte man einen herrlichen Blick auf wogende Baumwipfel, das Flußtal und die am fernen Horizont aufragenden Alpen. Jetzt allerdings war es Nacht und der Mond hüllte alles in seinen geheimnisvollen Schleier. „Nun, Benzler, was ist hier zu sehen?“ fragte der Graf, bereits ungeduldig. Der Hausmeister wies mit dem Finger nach einer Stelle, wo ein schwacher Lichtschein aus dem Laub der Bäume herWie der Franzose seine eigenen Stäckte zerstört: Das unter schwerem französischen Feuer liegende Noyon. Untergebener wenig kam im Schritt zum Torhaus herabgeritten. Schöller, einen Brief in der Hand, trat an ihn heran und bat um einige Augenblicke Gehör. Als der Graf aber merkte, daß es sich um seine Tochter handelte, wandte er das Pferd und ritt ohne Gruß zur Villa zurück. Obgleich es ihm fast das Herz brach, konnte er es nicht über sich gewinnen, die Briefe seiner Tochter zu lesen, sie wanderten alle in ein Geheimfach seines Schreibtisches. Auch Schöller erfuhr in diesem Augenblick, daß der Stolz des Grafen über die Liebe zu seiner Tochter gehe. Der Herbst stand vor der Tür, die Blätter begannen zu fallen und der Altweibersommer zog seine Fäden von Ast zu Ast. Immer öder wurde es in der Villa, Gäste kamen gar nicht mehr und die Diener verrichteten still und verdrossen ihre Arbeit, ein Teil war sogar freiwillig davongezogen. Auch das Schlößchen stand verlassen, niemand achtete darauf. Mit geschlossenen Türen und Fenstern glich es mehr als je einem Gespensterhaus. Von der Dienerschaft getraute sich niemand in seine Nähe und der Graf mied es aus Gründen der Antipathie. Nur Schöller, der jetzt die vorleuchtete. „In dieser Baumlücke,“ sagte er,„ist das Schlößchen sichtbar. Der Lichtschein kann also nur von dort kommen. „Wirklich,“ rief der Graf,„Sie haben recht, Benzler, gehen Sie- doch einmal in mein Zimmer und holen Sie meinen Feldstecher herauf.Shlus folgt) Der Fingerzeig. Erzählung von Georg von Herdecke. (Nachdruck verboten.) as Schuljahr war zu Ende und einige Dutzend glückliche Knaben und Mädchen durchtrollten die Straßen des Bergdorfes Winkelroda. Froh, ein Joch abgeworfen zu haben,— ahnungslos, bald den jungen Nacken unter die schwere Tagesfron beugen zu müssen,— genossen die Schulentlassenen die kurze Spanne zwischen Schule und Leben in ausguer einer unter den Knaben nahm nicht Teil an der allgemeinen Freude— Fritz Rhoden. Er war der Erste in der Klasse gewesen und der Letzte, den der greise Hauptlehrer Volkmann entließ.„Geh mit Gott, mein lieber Junge“, hatte der Schulmann gesagt,„bleibe brav und fleißig,— richte den Blick nach oben und rege wacker Deine Hände. Was Dir bestimmt ist, zu ) in reicher ginger abe. auf der ganzen Front vor in der Meinung, daß ein Durchbruch, wo er auch glücken en einn een der ganzen Front zur Folge Clemenceau für Frieden? den muß, wobei noch besonders die Herabsetzung der Brotration zu berücksichtigen ist. :: Die ersten Gefangenen aus Frankreich sind oa. Nach den deutsch=französischen Vereinbarungen über Gefangenenfragen sollen die vor dem 15. April 1918 in der Schweiz internierten deutschen Kriegsgefangee ie Deutscher — Berlin, 20. Juni 1918. Der Reichstag kam heute nach mehrtägiger Pause/ wieder zusammen, allerdings nur zu einer anderthalbstündigen Sitzung. Die Tagesordnung war schnell erledigt. Sie betraf als einzigen Punkt Bittschrifwerden, das wirst Du— keine Macht wird Dich daran hindern, Dir Deinen Weg zu erkämpfen. Aber gehorche der Mutter! Will sie Dir Deinen Herzenswunsch nicht gewähren, so geh' den Weg, den sie Dir weist, und Du wirst Gottes Segen ernten. Vom Lehrer war Fritz zum Pfarrer gegangen, dem ehrwürdigen Seelsorger, der in des Schülers Seele las, wie in einem offenen Buche. Und als er ihm gedankt hatte für den genossenen Unterricht und die empfangenen guten Lehren,— als ihm dann der welterfahrene Priester einige Worte der Aufmunterung sagen wollte, da ging ein krampfhaftes Aufschluchzen durch den Körper des Knaben und, beide Hände vor das Gesicht pressend, ließ er seinen Tränen freien Lauf. „Still— stille doch, Fritz!“ mahnte der Seelenhirte.„Du bist ein Knabe— wird denn der wohl weinen? Kopf hoch— noch ist nichts verloren. Ich will noch einmal mein Heil versuchen und wenn es auch heute oder morgen nicht fruchtet— vielleicht bekommt auch Deine Mutter eines Tages den Fingerzeig des Himmels, der sie umstimmen und Deinen Wünschen geneigt machen wird." Unablässig über die Worte des Pfarrherrn nachdenkend, saß Fritz Rhoden am Nachmittag an einem einsamen Berghang. Wie weh war ihm ums Herz! Mittags, als er nach Haus geommen war, hatte er noch einmal die Mutter flehentlich geeten, ihn doch Lehrer werden zu lassen, ihn doch nicht zu dem Sandwerker zu schicken, mit dem sie schon einen Vertrag festgemacht hatte. Aber die Mutter hatte„Nein“ gesagt, wie stets, wenn er diese Bitte vorbrachte. Sie hatte kein freundliches Wort gehabt für ihn, kein Interesse für sein schönes Zeugnis. War das Liebe? Regina Rhoden, Fritzens Mutter, hatte in der Tat ihrem Sohne nie das gegeben, was man Mutterliebe nennt; jenes herrliche Gefühl, das des Menschen Lebenspfad erwärmt und das wie ein trautes Licht aus der schönen Jugend den Menschen bis ins späte Alter hinein erhellt und beglückt,— sie hatte es nie gekannt. Sie stammte aus einer Arbeiterfamilie und hatte sich als Dienstmagd zu einem Bauern verdingt, bei dem sie schon Gantie Jahre diente an dem Tage, da der Witwer was ihr der arternde Handweltsmeister entheenoracwesen mihr erfüllte ihn der Wunsch, die Bequemlichkeiten eines geordneten Hausstandes sich zu erhalten. Und dafür, daß er ihr die con der Dienstbotengeschäfte abnahm, gab sie ihm eine ansehnliche Summe vom Munde abgedarbter Ersparnisse. Die Kinder erster Ehe des Zimmermeisters Rhoden waren ereits versorgt. als ihm Frau Regina nach mehrjähriger Ehe einen Knaben schenkte ein kränkliches Kind, dem beide Gatten kein: besondere Zuneigung entgegenbrachten. Als dann eines Tages der Vater, an einer Erkältung heftig erkrankt. das Zeitlich- segnete, da gab die Frau das dreijährige Bübchen einer Naa arin in Pflege und ging selbst zu einem Fabrikherrn um sih als Arbeiterin zu verdingen. Zwar hätte sie von ihren Ersparnissen und dem Ertrag des kleinen Besitztums hinlänglich zu leben gehabt. Aber sie hatte keine Ruhe in ihrem Hause und die Gewohnheit der Arbeit führte sie von ihrem Herde in den Fabriksaal. Nur Sonntags kam Fritz zu ihr ins Haus und später, als er schulpflichtig war, wohnte er wieder bei seiner Mutter. Dann versuchte er es oft, durch besonderen Fleiß sie zu erfreuen oder durch zärtliche Liebkosungen sich in ihr Herz zu stehlen. Die Mutter jedoch, die für den häßlichen Knaben nie Liebe empfunden hatte, wehrte ihm und bezeigte kein Interesse für sein Tun und Treiben. Aber es gibt einen Gott, der auch für die Waisen sorgt und für die liebedurstigen Seelen. Und auch in das Herz des kleinen Knaben war ein Etwas eingesenkt, das eines Tages aus seinem Schlummer erwachte und seine Seele so erfüllte, daß es ihn über die trüben und bitteren Stunden federleicht hinwegtrug. Das war die Liebe zur Musik. Fritz Rhoden war der talentierteste Sänger in Lehrer Volkmanns Klasse. Und als dieser dem Zwölfjährigen eines Tages eine Geige zum Geschenk machte da gewann derselbe bald eine solche Fertigkeit des Spielens. daß der greise Lehrer des Staunens kein Ende finden konnte. (Schluß folgt.) XI Zur Belehrung und Unterhaltung. IXX Zu unsern Bildern. Reichstagspräsident Dr. Kaempf f. Der Präsident des Reichstages Dr. Kaempf ist am 25. Mai verschieden. Er wurde am 18. Februar 1842 als Sohn eines Gymnasialprofessors in Neu=Ruppin geboren. Nachdem er 1869 die Abiturientenprüfung bestanden hatte, widmete er sich dem Kaufmannsberuf und war von 1871 bis 1899 als Direktor der Darmstädter Bank in Berlin tätig. Seit Anfang dieses Jahrhunderts stand er an der Spitze des Verliner Aeltestenkollegiums und war seit 1905 Präsident des Deutschen Handelstages. 1908 wurde er als Nachfolger von Langerhans von der freisinnigen Volkspartei für den Wahlkreis Berlin I aufgestellt, den er seitdem im Reichstag vertrat. Von 1907—1909 war er zweiter Vizepräsident des Reichstages. Am 14. Februar 1912 wurde er mit 193 von 201 gültigen Stimmzetteln zum Präsidenten des Reichstages gewählt. An seinem 70. Geburtstage, 18. Februar 1912, verlieh ihm die Universität Berlin die Würde eines Dr. jur. h. c. Zum Jahrestag des 4. August 1914, am 4. August 1915. verlieh ihm der Kaiser den Charakter als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz. Oberst(die Kaserne inspizierend): Sind Sie mit der Kost zufrieden?— Soldat: Ja, Herr Oberst!— Oberst: Wie wird das Fleisch verteilt?— Bekommt nicht einer eine große, der andere eine kleine Portion?— Soldat: Nein, Herr Oberst, sie sind alle klein. Die Buchstaben in nebenstehender Figur sind derart zu umstellen, daß sich Worte von folgender Bedeutung ergeben: e4—e3 Zierde des Mannes, e3—c5 Hausgerät, b5—b2 Figur aus der Sage, b2—12 Raubvogel, f2—16 Seesäugetier, f6—b6 überirdisches Wesen, a6—al deutsche Stadt, 1 2 3 4 5 6 b1—fl Schrecken der Völker Sind die Worte richtig gefunden, so ergeben die Eckbuchstaben der Spirale von außen nach innen eine hohe militärische Behörde. Homonym. Zugleich ist es in Freundesland Ein weltbekannter Ort. Streichholz=Aufgabe. Durch Umlegen von 4 Hölzchen und Hinzunahme von 4 Hölzchen soll der Name einer deutschen Großstadt gebildet werden. Scherz=Rebus. Aus den nicht zur Uniform gehörenden Gegenständen auf dem ebus ergibt sich das gegenwärtige Dienstverhältnis des Soldaten. Auflösung der Rätsel in Auflösung der Rütsel aus Turmzug=Problem: Abzuwenden die Gefahren, Treu zu hüten uns're Ehr', Und des Friedens Gut zu wahren, Hältst Du scharf des Reiches Wehr. Nimmer müde ist Dein Ringen Und Dein Auge immer klar Gebe Gott Dir voll Gelingen, Schirme Gott Dich immerdar. nächster Nummer. voriger Nummer. Silbenrätsel: Meter, Allahn, Chrom, Kreta, Ente, Nauen, Sinai, Elbe, Norwegen. Mackensen— Rumänien. Rätsel: Mode— Ode. Nachdruck aus dem Inhalte dieses Blattes verboten.— Redigiert unter Verantwortlichkeit des Herausgebers. Herausgeber und Drucker: Chr. Münstermann in Gelsenkirchen. 2)