( 2 riertes Gratis-Beilage zum„Allgemeinen Anzeiger für Brakel“ und zur„Beverunger Zeitung“. Verlag von Emil Ruthe in Brakel. Nr. 50. 1918. Gva Gröͤger. Roman von Anna Riedel (Fortsetzung.)(Nachdruck verboten.) „err Kammerkoog war betroffen. Himmel, was war denn das? Und dann kam ganz plötzlich eine Freudigkeit über ihn. Da steckte nichts Ernstes dahinter. Frau Gröger war eben viel zu vael allein gewesen und hatte zuviel gegrübelt. Unglück ins Haus bringen? Mein Gott, das hörte sich fast an, wie aus einer Schicksalstragödie. Auf dem Grunde seines Herzens schien schon lange wieder die Sonne. Er trat auf sie zu und stellte sich dicht vor sie, er strich ihr über das Haar, er streichelte ihr die Hände und sprach freundliche beruhigende Worte. „Frau Gröger“, sagte er,„sagen Sie mir nur das eine, ehe wir weiter verhandeln— ich kann ja gar nicht klug aus Ihnen werden— lieben Sie mich? Oder— Sie kennen mich ja erst so kurze Zeit, glauben Sie, daß Sie mich lieben werden?“ Frau Gröger hob den Kopf, aus ihren schönen Augen quoll ein so tiefer leuchtender Strahl, wie er ihn noch nie in ihren etwas verschleierten Augen wahrgenommen hatte, und sie sagte: „Ja!" Er wollte sie in seine Arme ziehen, aber sie wich zurück. Der: beglückte Strahl in ihren Augen verglomm, rasch wie er gekonmen, und machte einer tiesen Traurigkeit Platz, daß er die erhobenen Arme sinken ließ. „Ich verstehe Sie nicht. Ist dann nicht alles gut?“ „Nein, es ist nicht alles gut, es ist schrecklich. Glauben Sie mir, Herr Kammekoog, ich kann nicht Ihre Frau werden. Ich muß Generalfeldmarschall von Woyrsch wurde von Kaiser Karl zum Oberstinhaber eines k. und k. Infanterieregiments ernannt. Feldmarschall von Boroevic, erfolgreicher Führer der österreichisch=ungarischen Truppen bei den Kämpfen in Italien. General Fürst Schönburg-Hartenstein wurde bei dem Uebergang seiner Truppen über den italienischen Fluß Piave verwundet. Ihnen eben noch vieles erzählen, und Sie müssen mich anhören. Nicht wahr, das sagen Sie doch auch gegen die Stimme seines Gewissens darf und soll sich keiner verschließen?“ Sie stand auf und schraubte an der Lampe die qualmende Flamme herunter. Es lag eine trostlose Traurigkeit in ihrer Haltung und Stimme.„Ich soll nicht glücklich werden! Wenn ich Ihnen alles erzählt habe, werden Sie mich verstehen, daß ich nicht anders handeln kann. Und dann gehen Sie und holen Sie sich in Ihr Haus eine andere Frau. Es gibt so viele schöne, junge, blühende Mädchen.“ Sein erster Gedanke war, daß sie an einen anderen gebunden sei, aber dann schien ihm das nicht glaublich, sie hatte ja gesagt, daß sie ihn liebe, und er fühlte, daß ein solcher Blick nicht lügen kann. Schuld, Vergehen? Mein Gott, das konnte ja nicht sein. Er hatte sich in dieser Beziehung doch stets auf sein Gefühl verlassen. Mit einem festen Entschluß sprang er auf, nahm ihre Hand und zog sie zu sich nieder. Wie innig er sie liebte! Er hatte es sich nicht so schwer gedacht, sie zu erringen, sie stand ja so allein und schutzlos in der Welt und war viel anlehnungsbedürftiger als viele Frauen unserer Zeit. Er drang in sie, ihm doch alles zu sagen; das müsse ja mit wunderbaren Dingen zugehen, wenn es auf dieser Welt jemand geben solle, der sie ihm streitig machen wolle. Wer denn einen Anspruch an sie habe? Aber Frau Gröger hatte plötzlich alle Lust zu Bekenntnissen verloren. Sie war wieder ganz ruhig, saß da mit im Schoß verschlungenen Händen und blickte traumverloren in das Licht. Nein, heute abend nicht, dann sei sofort alles zerstört; nur diese eine Stunde möge er ihr noch gönnen und morgen abend wiederkommen. Sie werde dann viel ruhiger und fester sein und ihm alles vernünftig erzählen. Und dann müsse er sie eben handeln lassen nach ihrem Herzen und Gewissen. Aber eine kleine Weile möge er noch bleiben, bis der Zeiger auf voll stehe. Nun sahen sie alle beide auf das Zifferblatt, auf dem der kleine Zeiger mit listiger Unmerklichkeit weiter schlich, das heißt, Herr Kammerkoog sah mehr auf Frau Gröger. Ihre Art machte fällt auch die reiche Ernte an der Wolga in Hände, und dann sind wir unbesiegbar. Nur eine Anfrage auf derselben Versammlung bezeichnete Trotzi das Gerücht, daß in Moskau in Zivilkleidung deutsche Instrukteure in einer Anzahl von fast zwei Regimentern leben, als eine freche, gewissenlale Lüge mit provokatorischen Absichten. Nach im Kriegsressort vorliegenden Meldungen Zugestandnisse wonnten ausgesprochenen deutschfeindlichen Hetzorganes wie der„Idea Nazionale" überraschen; zweifellos verbindet das Blatt aber mit seiner Offenherzigkeit die Nebenabsicht, die Wankelmütigen in den eigenen Reihen mit dem Hinweis auf die Entschlossenheit und militärische Tatkraft der Geoner zu beschämen und aufzurütteln. den Enderfolg. Zu den sehr hoffnungsfreudigen Aeußerungen, die in der letzten Zeit in der Presse unserer Gegner über das vermeintliche Versagen des U=Boot=Krieges laut wurden, hat der Chef des deutschen Admiralstabes C ihm wirklich Sorge; diese Art, wie sie sich beim Vorrücken des Zeigers enger und enger an ihn schmiegte, sagte ihm viel. Es wurde ihr bitter schwer, ihn zu lassen.. Er legte den Arm immer fester um sie.„So leicht gibt es für mich keine Hindernisse“, flüsterte er ihr ins Ohr. Sie wollte sagen: Das ist kein Hindernis. Ich selbst bin das Hindernis; und wärst du zehnmal stärker als du bist, du kannst es nicht brechen. Aber sie schwieg und genoß den Frieden der wenigen Minuten. Da schlug die Uhr, Frau Gröger zuckte zusammen, aber dann machte sie sich sogleich frei und stand auf. „Wollen Sie morgen wiederkommen?“ „Ja, ich komme. Leben Sie wohl.“ Er war froh und hoffnungsfreudig gekommen, jetzt lag wieder jener Ausdruck von Sorge auf seiner Stirn, der ihr in jenen Nacht ins Herz geschnitten hatte. Und zugleich stieg in ihr das Bewußtsein auf, daß sie nicht nur sich selbst ein Leid antue, daß sie jetzt auch ihm einen Stich ins Herz versetzte. Diese neue Regung machte sie stumm und befangen, denn er stand ja so groß und stattlich vor ihr, sein Leben war frei und unabhängig, und stolz und unabhängig war ja sein Sinn. Eine förmliche Angst, er könne etwas von dem Mitle h wahrnehmen, das brennend in ihrer Brust für ihn emporstieg, packte sie. Sie zwang ein Lächeln auf ihr Gesicht; und als sie draußen im Vorgärtchen seinen Schritt hörte, sank sie wie gebrochen aufeinen Stuhl und weinte. Aber schon nach einer kurzen Weile verKapitänleutnant Hashagen. Kapitänleutnant Prinz Heinrich Reuß XXXVII. Kapitänleutnant Hundius. Kapitänleutnant Georg. Deutsche U-Booihelden. siegten die Tränen. Sie überlegte: Was war denn eigentlich geschehen, das ihr das Herz so schwer machte? Noch vor ein paar Stunden, als sie an Bartels Besuch dachte, war ihr Herz voll Freude gewesen. Was war jetzt trauriger als vorhin? Unter diesen Gedanken zog bald wieder eine große Glückseligkeit in ihr Herz. O, wie war sie doch töricht, hier zu sitzen und zu weinen. Es war ja das Schönste und Herrlichste geschehen. Er war hier gewesen, hier bei ihr hatte er gesessen, und er hatte ihr gesagt, daß er sie liebe. Sie öffnete das Fenster und stellte sich mit gefalteten Händen an das Kreuz. Lust überkam sie, Hut und Mantel zu nehmen und hinauszustürmen, ihren gewohnten Weg auf das freie Feld, und ihr übervolles Herz in die Natur hinauszutragen, aber dann war das Zimmer leer, in dem er noch soeben gewesen! Sie ging auf den Tisch zu, strich zärtlich mit der Hand über die Stelle, wo seine Hand gelegen. Sie küßte die Rosen, das kleine altmodische Falzbein aus Veilchenholz, mit dem er gespielt hatte, und schließlich setzte sie sich in den Sessel, in dem er gesessen, schmiegte ihre Wange an die Lehne, wo Bartel Kammerkoogs Arm gelegen, schloß die Augen und sann und träumte. Das Fenster stand offen. Wenn ein lebhafter Zugwind die Gardine spielend bewegte und an ihre Wange rührte, vermeinte sie einen Geuß des Himmels zu verspüren, der sie in der Stunde ihres Glückes nicht allein lassen wollte. So saß sie lange; und erst als es spät geworden war, erhob sie sich, deckte den Tisch ab, streichelte noch einmal jeden Gegenstand zärtlich, den Bartel Kammerkoog berührt hatte, und dann entkleidete sie sich langsam und sorgfältig, weil an einem solchen Tage auch die kleinste Verrichtung mit Liebe und Andacht getan werden mußte, und mit dem festen Vorsatz, nur dem Gedanken an ihn Zutritt zu geben, ging sie zu Bett. Sie liebte es so sehr, zu träumen, und sie wußte so genau, daß dies der letzte Tag war; denn schon morgen mußte sie ihre Träume vertreiben wie eine Schar lästiger Sömmervögel und mußte— handeln. Lieber Herr Kammerkoog! Die Nacht ist vergangen und es ist Tag geworden, und obwohl das Licht noch bleich und grau ist, ist es doch weit heller und durchsichtiger als der Dämmerschein, in dem Sie mir gestern abend gegenübersaßen. Wenigstens sehe ich jetzt alle Dinge klarer und schärfer. Und ich fühle deutlich, daß es meine Pflicht ist, Ihnen jetzt alles zu erzählen, wozu ich gestern abend nicht völlig die Kraft oder den Mut hatte. Ich bitte, haben Sie ein wenig Geduld und hören Sie mich ruhig an. Ich hoffe, daß Sie dann verstehen, warum ich nicht anderschandeln kann, als ich zu handeln für meine Pflicht halte: daß ich nicht Ihre Frau werden kann. Lassen Sie mich von Thomas Magnussen erzählen. Es wird eine ganz gewöhnliche Liebesgeschichte wie sie sich überall in kleinen Städtchen in jedem Frühling von neuem abspielt. Magnussen war auch Student und kam oft in den Flecken, wo ich mit meiner guten Mutter lebte; denn der kleine Ort war ein beliebKapitänleutnant Walter Remy. Oberleutnant z. S. Schmitz. ter Ausflugort für die Studenten aus der Universität.. Sie saßen dann in einem Wirtshausgarten, der nicht weit von meiner Mutter Haus lag, und wir konnten ihre hellen Stimmen zu uns herüberschallen hönen. Die jungen Mädchen waren immer glücklich, wenn die frohen Burschen auftauchten, und quälten ihre Mütter so lange, bis sie auch mit ihnen hinausgingen. Einer setzte sich ans Klavier, die Bänke wurden zusammengeschoben, und der Tanz fing an. Oder sie fuhren mit uns auf dem kleinen Fluß. Alle meine Freundinnen hatten einen bestimmten, den sie besonders gern hatten. Ich gehörte nicht so recht dazu, auch war keiner darunter, der mir irgendwie nahe gekommen wäre, denn ich war damals sehr scheu und ein wenig hochnäsig. Einmal sagte ich zu meinen Freundinnen:„Ach, Ihr denkt immer nur an die Studenten! Was soll das? Heiraten könnt Ihr sie doch nicht. Wenn der Sommer vorüber ist, gehen sie fort in eine große Stadt. Keiner von ihnen denkt daran, Euch zu seiner Frau zu machen.“ Eine lachte und sagte:„Warum wollen wir nicht mit ihnen lustig sein? Wir sind ja jung. Wer weiß, was später kommt.“ Die andere sagte:„Du redest so, weil Du niemand hast, der sich was aus Dir macht. Aber warum bist Du auch immer so hochmütig?“ Da kam Thomas Magnussen. Ich hörte seinen Namen oft nennen, und immer wurde dabei gesagt, daß er der Hübscheste und Lustigste von allen sei. Das reizte mich. Ich begann, mit ihm zu kokettieren, und bald war er mem unzent ennlicher Begleiter, wenn irgend etwas Gemeinsames unternommen wurde. Er war im Winter gekommen und blieb auch im Sommersemester noch in der kleinen UniversitätsOme Extabramne DeNN EnRTII Bequeme Deckung der Kriegsschädenbeiträge aus den künftigen Dividenden oder aus der auch im Kriegssterbefall sofort und voll zahlbaren Bersicherungssumme. Vertreter in Brakel Kr. Höxter: Generalagent Anton Bordfeld. Aeußere Feier des Libori=Festes. Pfarrkirche: 6 Uhr hl. Messe, 8 Uhr Frühmesse mit Predigt, 9½ Uhr Hochamt mit Predigt, Nachm. 2 Uhr Andacht. Kapuzinerkirche: Morgens 8 Uhr hl. Messe mit Predigt. Evangelischer Gottesdienst. Vormittags 10 Uhr Hauptgottesdienst, hernach Christenlehre. beste Sorte, geben wir auch an unsere Kundschaft ab, ebenso Wagenfett, Lederfett, Treibriemenfett. Gebr. Rox, Brakel. Cmpfteutt Anton Meyer, Brakel. Maschinenöl und Wagenfett empfiehlt Anton Meyer, Brakel. stadt. Und in diesem Sommer traten wir uns sehr nahe. Meine Mutter schalt zwar und sagte:„Er wird Dich nicht heiraten und Dich nur ins Gerede bringen; dann kannst Du sehen, wie Du durch die Welt kommst.“ Aber wenn er dann kam, war sie freundlicher und liebevoller als ich, weil er etwas an sich hatte, daß jedermann ihm gut sein mußte. Meine Freundinnen neckten mich:„Siehst Du wohl, jetzt treibst Du's ärger als wir.“ Ich zuckte die Achseln.„Was kann ich dabei tun, wenn man mir keine Ruhe läßt,“ sagte ich gleichgiltig. So ging der lange schöne Sommer zu Ende. Als die sauren Kirschen schwarz an unserm Kirschbaum hingen und das Sommerkorn auf den Feldern geschnitten wurde, gingen die Studenten fort. Thomas war beim Abschied sehr erregt. Ich mußte ihm versprechen, ihm oft zu schreiben. Zum Herbst komme er wieder und dann wolle er sehr fleißig sein, denn dann ginge es ins Examen.„Und in einem Jahre best Du meine Braut und ich nehme Dich mit zu meinen Eltern.“ Er schrieb mir alle paar Tage und ich antwortete ihm auch; aber seine Briefe waren schöner und vielsagender als die meinen Ich war oft ganz beschämt, wenn ich seine zärtlichen Worte las, und fühlte deutlich, daß ich so viel Liebe gar nicht verdiene. Ich weiß, daß ich manchmal bitterlich geweint habe, weil ich mir schlecht und falsch vorkam. Aber daneben wurde ich von einer anderen Angelegenheit stark in Anspruch genommen. Es lebte im Ort ein reichen Kornhändler, über den viel geredet wurde. Er war noch ziemlich jung und unverheiratet und galt, wenn auch nicht gerade für einen Sonderling, so doch für wenig umgänglich und wortkarg. Er war ein ansehnlicher Mann, der viel von der Welt gesehen hatte. Für mich war er eine interessante Gestalt, die über den gewöhnlichen Geist des Städtchens hoch erhaben war. Dazu mag etwas die Kunde seines großen Reichtums beigetragen haben, denn da ich bei meiner Mutter in sehr bescheidenen Verhältnissen lebte, erschien mir jede Wohlhabenheit als etwas Märchenhaftes. Dieser Mann mit dem unbestimmten Nimbukam plötzlich zu meiner Mutter, und zwar mit einem Anlicgen, das so dünn und fadenscheinig war, daß meine Mutter dahinter sogleich einen tieferen Zweck sah. Sie sagte mir natürlich als kluge Frau nichts von ihren Gedanken, war aber sehr freundlich zu dem Kornhändler, so daß er schon in den nächsten Tagen wiederkam. Ich habe nicht gewußt, daß die Besuche mir galten und bin völlig harmlos und unbefangen gegen ihn gewesen. Eines Tages sagte meine Mutter mir, daß Herr Gröger bei ihr um meine Hand angehalten habe. Ich erschrak furchtbar und weinte sehr; es war mir aber auch sofort klar, daß ich seine Frau werden würde. Wenn ein so reicher und angesehener und stattlicher Mann mir eine solche Ehre erwies, so war das überhaupt eine Fügung des Himmels; und es kam weder meiner Mutter noch mir in den Sinn, den Antrag abzulehnen. Aber wohl war mir nicht dabei zu Mute. Ich wurde seine Braut. Er war wortkarg, ernst, pedantisch und geschäftsmäßig; und wortkarg, ernst und geschäftsmäßig war mein kurzer Brautstand. Es ist wohl in jener Zeit viel über die Verlobung im Orte gesprochen worden, doch ist davon wenig zu mir gedrungen, weil mich andere Dinge beschäftigten. Erstens die Ausstattung und dann— Thomas Magnussen! Drei Wochen nach meiner Verlobung schrieb ich ihm von meiner baldigen Heirat. Mir war sehr unbehaglich zu Mute, wenn ich mir vergegenwärtigte, wie er den Brief aufnehmen würde. Umgehend kam die Antwort, sie war ein Verzweiflungsschrei voll bitterer. Vorwürfe, heißer Klagen und leidenschaftlicher Anrufe meines Gewissens. Mich trafen seine Worte wohl, aber nicht tief; denn ähnliche Dinge kannte ich aus dem Leben meiner Freundinnen, und ich hatte die dunkle Vorstellung, als gehöre derlei dazu. Vier Tage vor meiner Hochzeit saß ich allein in unserer Wohnung, denn meine Mutter war zu der Näherin gegangen. ) Sie besorgte fast alle diese Gänge für mich, denn der Gedanke, daß ich nun bald die Frau eines reichen Mannes sein werde, machte sie über die Maßen dienstfertig gegen mich. Ich saß am Klavier und spielte. Das Instrument war alt und klapprig; immer war es mein Hauptwunsch gewesen, ein schönes neues Piano zu haben, und doch war es zwischen meinem Bräutigam und mir vor ein paar Stunden zu einer harten Auseimandersetzung gekommen, als er mir untersagte, dies alte Klavier mit in sein Haus zu nehmen. Ich hatte ihm zum erstenmal getrotzt und erklärt, ich wolle sein neues Instrument nicht, und wenn es noch zehnmal mehr koste, ich wolle das Klavier um mich haben, auf dem schon mein Vater gespielt und mir den ersten Unterricht erteilt hatte. Natürlich hatte ich nachgeben müssen. Ich hatte mir ein paar alte Notenblätter hervorgesucht, nach denen mein Vater einst unterrichtete. Dabei liefen mir die Tränen übers Gesicht. Da klopfte es, und als ich öffnete, stand Thomas vor mir. Ich erschrak. Er sah schrecklich aus. Sein lockiges Haar hing ihm wirr in die Stirn. er war blaß und triefte vor Nässe, denn draußen floß der Regen. Ich nahm ihm den Hut ab, schüttelte die Wasserlache heraus und bat ihn, die Jacke auszuziehen, sie solle am Ofen trocknen. Er hatte mich starr und ohne ein Wort zu sagen angesehen, aber als ich ihn nun an der Schulter berührte, stieß er mich heftig zurück, ich solle erst sagen, ob das alles wahr sei, was ich geschrieben. Ich sagte halb trotzig und halb verschüchtert ja, in der nächsten Woche sei meine Hochzeit. Nun erfolgte eine furchtbare Szene. Er tobte, sprang auf mich zu, packte mich an beide Arme, schüttelte mich heftig bin und her und schrie in einem fort, ich solle doch zur Besinnung kommen, ich wisse ja gar nicht, was ich tue. Es sei Sünde und Betrug, Betrug gegen ihn und Sünde gegen mich. Ich verkaufe mich und stürze ihn und mich ins Verderben. Dabei hatte er mich so wütend angegriffen, daß es mich schmerzte. Ich fürchtete mich vor ihm. Vor wenigen Wochen hatte in einem Arbeiterkaten ein Knecht sein Mädchen niedergestochen, weil es ihm untreu geworden war. Weinend rief ich:„Du willst mich wohl auch n, wie der Brandt die Liese Haß ermordet hat?“ (Fortsetzung folgt.) An Tage der Ernte. Kriegserzählung von Georg Heinr. Daub. (Fortsetzung.)(Nachdruck verboten.) . gleich lehrreich fielen die Worte des Pfarrherrn in die lauschenden Seelen..... Dem alten Schäfer Dinkelmann jedoch dünkte es fast, als seien die Worte des Priesters mit einem besonderen Sinn an das Ohr des neben ihm sitzenden Heidjers Lürwink gerichtet. Und der Heideschäfer konnte es sich nicht versagen, sich zu räuspern und den Bauern mit einem vielsagenden Blick zu streifen. Als aber der Gottesdienst zu Ende war und die Dorfkirche sich leerte, ging auch Kaspar Lürwink mit demselben unnahbar stolzen Gesicht hinaus, wie es sonst seine Gewohnheit war. Ohne sich durch die Grüße, die er mit den Belannten tauschen mußte, sonderlich aufhalten zu lassen, durchschritt er hastig das Dorf und kam bald auf die breite, weißsandige Straße, die sich wie ein Silberstreif durch die braune Heide zog. Hier erst, wo er keine anzüglichen Fragen mehr zu fürchten brauchte, setzte er sich auf einer am Wege liegenden Grauwacke nieder. Die buschigen Augenbrauen, die seinem Gesicht etwas Finsteres gaven, zogen sich in tiefem Sinnen empor und die dünnen Lippen flüsterten ein paarmal leise: „Ick heww Recht,— un de Junge hett Unrecht—! Un ) Gine Blockhütte als Wohnstätte unserer Feldgrauen im Westen. ermorde fällt auch die reiche Ernte an der Worgu in Unfere Hände, und dann sind wir unbesiegbar.“ Auf eine Anfrage auf derselben Versammlung bezeichnete Trotzki das Gerücht, daß in Moskau in Zivilkleidung deutsche Instrukteure in einer Anzahl von fast zwei Regimentern leben, als eine freche, gewissenlnie Lüge mit provokatorischen Absichten. Nach im Kriegsressort vorliegenden Meldungen ZJugestanonisse Tnnten so ausgesprochenen deutschfeindlichen Hetzorganes wie der„Idea Nazionale“ überraschen; zweifellos verbindet das Blatt aber mit seiner Offenherzigkeit die Nebenabsicht, die Wankelmütigen in den eigenen Reihen mit dem Hinweis auf die Entschlossenheit und militärische Tatkraft der Geoner zu beschämen und aufzurütteln. den Enderfolg. Zu den sehr hoffnungsfreudigen Aeußerungen, die in der letzten Zeit in der Presse unserer Gegner über das vermeintliche Versagen des U=Boot=Krieges laut wurden, hat der Chef des deutschen Admiralstabes ( doch, hart bün ick west,— keinen Breif von em heww ick annahmen... Wat de oll Paster woll dormit meint: am Tage der Ernte!?———“ 6. In der Offisierskantine der Feldflugstation saßen ein junger Hauptmann aus dem Großen Generalstab und Fliegerleutnant Timm Lürwink in eifrigem Gespräch zusammen. Die beiden hatten sich in Sturm und Not des Kampfes als wackere, unerschrockene Männer kennen und schätzen gelernt und sich nach näherer Bekanntschaft, allen gesellschaftlichen Hindernissen friedlicher Zeiten zum Trotz, zu echtem Freundschaftsbündnis zusammengeschlossen. Albert v. Keßler hatte bald erkannt, daß dem kühnen, zukunftssicheren Fliegerleutnant irgend ein Druck auf der Seele laste, der ihm versagte, voll und ganz der glänzenden Erfolge seiner Kriegszeit sich zu freuen. Bei einer Flasche edlen Rheinweins machte er eines Tages den blonden, schweigsamen Heidebauernsohn gesprächig: „Sag' mal, mein Lieber!— was ist das doch für ein seltsamer Rufname, den Du führst? Timm,— es erinnert mich an die Namen der Engländer—“ Da hatte der junge Lürwink erzählt... Am Kalendertag des heiligen Timotheus, am 24. Januar 1890, habe er in einem einsamen Heidekotten das Licht des Daseins erblickt,— und einem alten Hausgebrauche nach den Namen seines Geburtstagsheiligen in der Taufe erhalten... Und als dann der Hauptmann vorsichtig weiter fragte, ließ der Fliegerleutnant nach und nach die Tage seiner Heidejugend und die Gestalten aus dem Kreise seiner Bekannten aufspazieren: er sprach von seinem Trachten und Träumen, von den tiefwurzelnden Weisheitssprüchen des alten Lehrers Raabe und von seinem biederen Freunde, dem Heideschäfer Dinkelmann. Dann gab er eine Charakteristik seines Vaters, dessen Widerstand gegen seine Berufsneigung so hartnäckig war, daß er sich gegen dessen Willen seinen Weg bahnen mußte. So sei er nach Stuttgart gekommen in eine kleine aber angesehene Maschinenfabrik. Gerade der Flugzeugmotorenbau habe ihn stets sehr interessiert, und der Fabrilbesitzer, Herr Albin Röchlin, habe es wohl bemerkt. Durch ihn protegiert, sei es ihm nach mit eisernem Fleiß betriebenem Selbststudium möglich geworden, noch einige unerläßliche Schulprüfungen zu machen und dann die Technische Hochschule zu besuchen. In die Werkstatt zurückgekehrt, habe er mit Erfolg neue Motorformen konstruiert.... Auch im Hause des Chefs seiner Firma habe er viel verkehrt. „Und nichts Weibliches ist dabei im Spiele?“ fragte lächelnd der junge Generalstäbler, sich an den Verlegenheitspausen in dem Bericht seines Freundes weidend. „Ja,— doch!—“ bekannte endlich der blonde Hüne. „Albin Röchling's Tochter war auch eine der Triebfedern, die mich vorwärts brachten....“ „Bruder, Deine Liebste heißt?“ stimmte da Albert von Keßler den studentischen Rundgesang an und Timm Lürwink, dem das Hers leichter geworden war, fiel ein: „Aagnes,— sie soll leben!“ Fröhlich klangen die Gläser aneinander. Aber ernster werdend. griff der Hauptmann nach einer Weile wieder auf das Gehörte zurück. „Du kennst mich und meine gradlinige Jugend im Hause meines landrätlichen Papas,“ begann er, Du weißt auch, daß das Bild einer lieben, herzigen Braut mich in den Krieg begleitet und daß ich glücklich bin in dem Gedanken an eine frohe Zukunft. Darum möchte ich auch Dich. mein lieber, wackerer Junge. ganz glücklich machen.... Du mußt mit Deinem alten Herrn Frieden machen. So— oder so.“ Da seufzte der hünenhafte Fliegerleutnant tief,— und erzählte dann all' die vergeblichen Versuche, wieder eine Brücke zu schlagen zu dem Hause seiner Jugend. „Na,— das müßte doch mit dem Kuckuck zugehen!“ sagte der Hauptmann energisch.„Weiß denn Dein Vater, was aus seinem Einzigen geworden ist?“ „Nein. Nur der Mutter schreib' ich auf Umwegen..“ „Schön! Weißt Du, Timm,— im Kriege ist die beste Taktik die der Ueberrumpelung. Laß' mich einen Plan aushecken,— ich will doch mal sehen, ob ich umsonst in den Geheimnissen der höheren Strategie herumgekramt habe! Und nun Kopf hoch, alter Junge, Agnes und Annemarie— sie sollen leben!“ 7. Auf dem tiefen Italienerblau des Himmels, der sich über der sommerlichen, rosig blühenden Heidelandschaft spannte, schwammen ein paar weiße Wölkchen. Der alte Heidjer Lürwink, der soeben von einem Gang aus dem Kirchspieldorf und einem Besuch bei dem ehrwürdigen Pfarrer Vohwinkel zurückkehrte, betrachtete mit Stolz seine Saatfelder, den blutfarbenen Klee und den korallenroten Buchweizen... Da machte ein seltsames, surrendes Geräusch in der Luft ihn aufmerksam, und plötzlich sah er über einem Birkenwäldchen am Heiderand einen großen Flugapparat, von dessen Tragflächen große schwarz=weiße Bilder des Eisernen Kreuzes grüßten, herabschweben... Ein Schrecken faßte den alten Bauern, als er sah, wie der Flugapparat herabgleitend, gerade der Fläche sich näherte, auf der er einherschritt. Das niegesehene Schauspiel einer Landung solch' eines Riesenvogels auf ebener Erde hielt dem Heidjer den Atem an und staunend sah er, wie zwei Herren in feldgrauer Uniform, die halb unter einem kostbaren Pelzmantel verborgen war, dem Flugzeug entstiegen und sich ihm näherten. (Schluß folgt.) Silbenvätsel. as, burg, che, cho. co, dank, e, e, ei, gai, gelb, he, hulk, il, ler, met, nas, naum, nest, ni, no, rohr, sa, sau, son, un Aus vorstehenden 26 Silben sind 14 Worte zu bilden, deren Anfangs= und Endbuchstaben, beide von oben nach unten gelesen, einen Wendepunkt im Weltkriege bezeichnen. Die Worte bedeuten: 1. schlechte Eigenschaft, 2. tierischen Wohnungsbau, 3. Bündnis, 4. deutschen Fluß, 5. deutschen Bundesstaat, 6. Farbe, 7. Naturerscheinung, 8. italienischen Staatsmann, 9. Himmelskörper, 10. Schiffstyp, 11. Wasserpflanze, 12. Waffe der Neger, 13. Laubbaum, 14. deutsche Stadt. Hans Meiner Caub. 8. 1 2 selbst in der heißen Zeit Ist kühl und sehr erquickend. 3 am 1 2 vom Himmel glänzt, Die Strahlen zu uns schickend. Das Ganze ist die 3 zugleich, Du siehst's an klaren Tagen, Als Waffe auch dient' es dereinst, Den Feind damit zu schlagen. Verwandlungsrätsel. Durch Hinzufügen von je einem Buchstaben vor und nach jeder Figur ergeben sich zwei beliebte Getränke. Auflösung der Rätsel in nächster Nummer. Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer: Rösselsprung: Die Jugend freut sich nur des Vorwärtsstrebens, Versucht sich weit und breit, versucht sich viel. Der Kräfte Spielen ist drum nicht vergebens. So kennt sie bald sich Umfang, Maß und Ziel. Der Most, der gärend sich vom Schaum geläutert, Er wird zum Trank, der Geist und Sinn erheitert. Goethe. Worträtsel: Vesuv— Venus. Wandelrätsel: Weiß, Schweiß, Schwein, Schwan, Schwanz, Schwarz. Streichholz=Aufgabe: Nachdruck aus dem Inhalte dieses Blattes verboten.— Redigiert unter Verantwortlichkeit des Herausgebers. Herausgeber und Drucker: Chr. Münstermann in Gelsenkirchen. ) DIS ERABIAMe BURN ERRI Bequeme Deckung der Kriegsschädenbeiträge aus den künftigen Dividenden oder aus der auch im Kriegssterbefall sofort und voll zahlbaren Versicherungssumme. Vertreter in Brakel Kr. Höxter: Generalagent Anton Bordfeld. Aeußere Feier des Eibori=Festes. Pfarrkirche: 6 Uhr hl. Messe, 8 Uhr Frühmesse mit Predigt, 9½ Uhr Hochamt mit Predigt, Nachm. 2 Uhr Andacht. Kapuzinerkirche: Morgens 8 Uhr hl. Messe mit Predigt. Evangelischer Gottesdienst. Vormittags 10 Uhr Hauptgottesdienst, beste Sorte, geben wir auch an unsere Kundschaft ab, ebenso Wagenfett, Lederfett, Treibriemenfett. Gebr. Rox, Brakel. Anton Meyer, Brakel. Maschinenöl und Wagenfett empfiehlt Anton Meyer, Brakel.