Gratis-Beilage zum„Allgemeinen Anzeiger für Brakel“ und zur„Beverunger Zeitung“. Verlag von Emil Ruthe in Brakel. Nr. 51. Gva Gröger. Roman von Anna Riedel. (Fortsetzung.)(Nachd uck verboten.) yhomas sah mich an mit einem Blick, den ich mein Lebtag nicht vergesse, und sagte dann, völlig ruhig und ganz leise:„Du weißt ja gar nicht, was Du sagst. Du weißt auch nicht, was Du tust. Deine Seele schläft noch. Aber eines Tages wird sie erwachen. Und ich sage Dir, zu Deiner Qual wird sie Dir erwachen. Dann wirst Du auch wissen, was Du mir angetan hast.“ Er ging. Ich stand mit zusammengekrampften Händen allein in meiner Ecke in die ich mich vor ihm geflüchtet hatte. Ich hörte, wie die Haustür ins Schloß fiel und wie sein Schritt in dem kleinen Vorgarten verhallte, in dem wir im Sommer so ost gesessen hatten. Das ist das letzte, was ich von ihm selber hörte. Dann kam der Hochzeitstag. Wir wohnten nahe der Kirche und ich hatte darauf bestanden, den kleinen Weg zu Fuß zu machen. Es war ein unbeschreiblich grauer Novembertag. Als wir aus der Tür traten, fielen die ersten Flocken; das Schneien nahm mit großer Geschwindigkeit zu. Als ich in die Kirche trat, war mein Schleier über und über mit winzigen weißen Flocken besät, die sich nachher in dem warmen Raum auflösten und wie Tränen schimmerten. Als ich am Abend in mein Zimmer ging, um mich umzuziehen, kam eine der Frauen aus der Küche zu mir, um mir zu helfen und sagte, während sie mit übertriebener Vorsicht die weiße Seide herunterzog, ob ich schon gehört habe, es sei ein Unglück geschehen. Der nette hübsche Student, mit dem ich im Sommer so oft getanzt, sei im Fluß ertrunken. Ich erschrak so heftig, daß ich gar nichts sagen konnte. Sobald ich fertig war, bat ich einen der Gäste, sofort nähere Erkundigungen einzuholen. Ich wartete draußen, bis er zurückkam. Es war eine furchtbare Viertelstunde, denn der Gedanke, daß der Unglücksfall kein zufälliger sei, ließ mir keine Ruhe. Nach einer halben Stunde kam der Herr zurück. Er reichte mir sofort die Hand und sagte, ich solle ruhig sein, Magnussen lebe. Zwei Holzarbeiter, die im Walde arbeiteten, hätten bei Von Kriegsgefangenen erbaute Grabkapelle. ihrem Vesperbrot das Umkippen eines Fahrzeugs bemerkt und dem Sinkenden sofort eine Stange hingehalten. Er sei aber wohl schon zu schwach gewesen, die Stange zu ergreifen, und so habe ihn der eine herausholen müssen. Er sei allerdings längere Zeit bewußtlos gewesen, aber er lebe. Er beschrieb mir darauf die Stelle, wo das Unglück geschehen sei; ich kannte sie wohl; wir hatten im Sommer, wenn die Sonne unterging, dort am grünen Abhang gesessen..... Mein Mann reiste mit mir nach dem Süden. Als wir heimkamen, horchte ich, ob ich etwas von meinen Bekannten über ihn erführe. Erst im Frühling hörte ich, daß es ihm schlecht gehe. Er sei längere Zeit trübsinnig gewesen und habe einen zweiten Selbstmordversuch mit dem Revolver gemacht. Die Kugel sei aber fehlgegangen und habe das Herz nicht getroffen, er habe sich dann einen zweiten Schuß in die Schläfe beigebracht und sich dabei das linke Auge ausgeschossen. Jetzt sei er bei seinen Eltern. Nächste Weihnachten wurde mein Kind geboren. Ich empfing es mit großer Sehnsucht, denn meine Ehe war keine glückliche. Alle die Eigenchaften, die ich aus der Ferne so an meinem Mann bewundert hatte, erwiesen sich beim Zusammenleben als wenig liebenswert. Seine Ruhe wurde Kälte, seine zurückhaltende Schweigsamkeit Wortkargheit und Verschlossenheit. Auch war er sehr viel auf Reisen und wochenlang erhielt ich nichts von ihm als Postkarten, auf denen er mir kurz seinen Aufenthalt anzeigte. Aber ich litt wenig darunter, denn ich ging ganz in meinem Kinde auf. Als es ein Jahr alt war starb es. Es war der erste große Schmerz, der mich bis in das Innerste erschütterte. Ich lag mehrere Wochen krank, und als ich wieder aufstand, war eine große Veränderung mit mir vorgegangen. Ich konnte nicht glauben, daß mir die Seele meines Kindes für alle Zeiten entschwunden sei und ich glaubte, sie überall in der Natur wiederzufinden. Alles, was ich in mir und um mich gewahrte, wurde mir lieb und wert. Die kleine Blume im Grase sah mich plötzlich an, der Wind, der meine Wange streifte, wollte mir etwas sagen, der Vogel sang sein Lied mit Worten in meine Brust hinein, und ich konnte niemals einem Hunde oder Pferde in das Auge sehen, ohne meines Kindes zu gedenken und seiner kleinen, stummen, fragenden Seele Vermehrung der Gemüseerzeugung? Was eine Vollernte an Kartoffeln? Was reichliche Fischanfuhr, wenn sie das Gemüse nicht fetten, die Kartoffeln nicht braten oder zu Salat anrichten, die Fische nicht backen kann? einen geschenkten Hasen— kochen muß? Mit Hilfe unseres Viehbestandes können wir unsere Haus(Staatsverträge) in Berlin jetzt so weit georehen sind, daß sie nächste Woche abgeschlossen werden können. Dies war die Vorbedingung für eine Lösung der Thronfrage. Bekanntlich hat ein litauischer Staatsrat(ein verkleinertes Landesparlament) den Herzog von Urach Gefahr verschlafen, wir haben Kleinmut und Unentschlossenheit gezeigt. Unter den Arbeitermassen macht sich Müdigkeit und Apathie bemerkbar. Stellenweise finden wir Fälle direkten Verrats an der Sache der Arbeiter und Bauern und noch häufiger teilnahmsloses Weuing, Braner. Kaffeebrenner in Walzenform eingetroffen. Anton Meyer, Brakel. ( Auch für die Menschen, für ihre Leiden und Freuden war mir das Herz verschlossen. Da wurde mein Mann schwer krank. Es war ein sehr qualvolles Krebsleiden, von dem er nicht wieder gesund werden sollte. Die Krankheit zog sich drei Jahre hin. Als mein Mann gestorben war, teilte mir unser Geschäftsführer mit, er habe die Zahlungen einstellen müssen, der Zusammenbruch sei unvermeidlich. Er gab mir den guten Rat möglichst viel für mich in Sicherheit zu bringen, jetzt sei es noch Zeit. Ich verstand nicht viel vom Kaufmännischen, aber die Unehrenhaftigkeit, die in einer solchen Handlung gelegen hätte, war mir doch klar. Ich nahm die wenigen Gegenstände, die meine Mutter mir einst angeschafft hatte und siedelte wieder zu ihr über Ich kam von einem Krankenbett an das andere, und auch hier sollte der Tod das Ende sein. Nach einem Jahre starb sie. Doch davon, Herr Kammerkoog, habe ich Ihnen schon gestern erzählt, und auch von dem was mir die nächsten Jahre brachten. Seit zwei Jahren lebe ich hier in Ihrer Stadt ruhig und sorgenfrei. Seit dem vorigen Herbst aber läßt mir der Gedanke an Thomas Magnussen keine Ruhe mehr. Wunderbarerweise aber macht es mich nicht allein unglücklich, sondern ich bin sogar dankbar und froh, daß ich heute so weit bin, zu ertennen, wie unrecht ich an ihm gehandelt habe. Im Herbst nahm ich mir seine Briese wieder vor. Sie waren vergilbe, denn zwölf Jahre lang hatten sie in ihrem Versteck gelegen, manche waren auch verknittert und zerlesen, weil ich sie damals oft tagelang bei mir getragen hatte. Meine Jugend stieg wieder vor mir auf, und alles, was so lange tot und begraben war, wurde lebendig. Ich sah das kleine Haus meiner Mutter, unser Gärtchen, den sonnenbeschienenen Gang, den Thomas entlang zu gehen pflegte wenn er kam. Ich ging wieder mit ihm über das Feld, dem Walde zu, in dem er am liebsten war. Die Vögel sangen; er kannte sie und nannte mir ihre Namen, der Wind strich durch das Gras und spielte mit den Bändern meines Kleides, weiße, wanderlustige Sommerwolken zogen am Himmel. Und die Sonne schien. Ja, das war das Wunderbare, immer schien die liebe Sonne! Ich fühlte, ich hatte ein Gottesgeschenk mit Füßen von mir gestoßen, und ich erschrak über die Gedankenlosigkeit, mit der ich zugesehen hatte, wie sich ein junges, blühendes Leben zerstörte. Was war aus ihm geworden? Lebte er überhaupt noch? Sein Körper war zerstört— wie wurde er mit dem Leben fertig? Ich hätte mich ja nach ihm erkundigen können, aber eine gewisse Scheu hielt mich davon zurück. Der Traum fürchtet die Wirklichkeit und entflieht vor ihr. Aber nun, lieber Freund, haben Sie gesprochen. Und mit dem Augenblick, wo Sie mich zu Ihrem Weibe begehrten, wußte ich auch, was ich zu tun habe. Es ist helle Klarheit. Ich weiß nicht, ob Sie nach dem, was ich Ihnen schreiben mußte— denn heute würde ich lieber allein und elend sterben, als mit der kleinsten Unaufrichtigkeit in die Ehe treten—, ob Sie mich jetzt auch noch zu Ihrer Frau begehren. Ich weiß nur, daß ich Ihrem Ruf nicht folgen kann. Ich kann nicht mit dieser Schuld zu Ihnen kommen; ich kann nicht daran denken, mir ein Glück zu bauen, denn ich habe das seine vernichtet. Baron Steinheil, der neu ernannte ukrainische Gesandte in Berlin. Der neue Sultan Wahid Eddin. Ich werde zu ihm gehen. Ich bin traurig, wenn ich daran denke, was ich zurücklasse, welchem Schicksal ich vielleicht entgegengehe. Nun habe ich Ihnen alles gesagt, was ich sagen mußte, und ich bitte Sie jetzt nur noch, kommen Sie heute abend nicht zu mir. Leben Sie wohl! Eva Gröger. ** Und der Tag kam, und mit ihm die Sonne. Ach, wie war es schön, zu denken, daß der Winter nun bald vorbei war. Der Himmel wölbte sich hoch und festlich in ungetrübter Weiße und Klarheit; er gab seinen blendenden Schein dem grauen Straßenpflaster und den finsteren Mauern der Häuser; und die Messingstangen vor den Kaufläden, die kleinen Fenster der Gaslaternen, die blanken Schilder an den Mützen der Schutzleute und Dienstmänner, die große goldene Kugel auf dem alten gotischen Kirchturm, all die unzähligen Spiegelscheiben der stattlichen breiten Straße, bis hinab zu dem kleinen Fensterchen, das die Menschen in ihren Augen trugen— alles blinkte und blitzte und funkelte und strahlte in diesem herrlichen wiedergekehrten Sonnenschein des ersten Märztages. Auch zu Frau Gröger war der Sonnenschein gekommen, hell und aufdringlich. Er schmerzte in den Augen und an den Schläfen und am allermeisten schmerzte er im Herzen. Sie hatte die Vorhänge zugezogen, aber da war er durch den kleinen Spalt gekrochen und schlüpfte nun am Fußboden entlang, auf das Mahagonitischbein zu, unter das Sofa und dann oben an der Decke entlang, am Ofengesims, am Bilderrahmen. Sie saß da mit gefalteten Händen, blickte um sich, als sei sie zum ersten Male in diesem Raume. Und der Tag ging weiter. Die Tür ging auf und ein kleines Mädchen trat herein. Es hatte seine dicke Winterjacke im Arm. wie ein Badelaken, und warf sie in weitem Bogen in die Sofaecke. „O, wie ist es warm! Wie warm! Ich habe meinen Mantel ausgezogen, denn ich konnte es wirklich nicht mehr rushalten. Aber, bitte. sagen Sie es nicht Mama. Sie kann es ta nicht begreifen, wie heiß es mir ist. Sie friert immer.“ Das Kind trat ganz nahe an Frau Gröger heran und sah sie treuherzig an. Sein kleines, rundes Gesicht glühte.„Bitte, schelten Sie nicht, wenn ich heute nicht spielen kann. Ich glaube, es zeht nicht so sehr gut. Wir haben heute mittag Pudding und Saftsauce gegessen, es ist ja der erste März. Ich wollte Ihnen etwas mitbringen, aber Mama wollte es nicht haben. Sie sagte, Sie würden es übel nehmen Ach, sehen Sie nur, wie blau der Himmel ist.“ Und eine andere Schülerin kam. Sie knixte zierlich und legte einen schönen, dicken Strauß herrlicher Schneeglöckchen in Frau Grögers Hand.„Bitte, nehmen Sie diese Blumen, ich habe sie in unserm Garten gepflückt. In der Ecke bei der großen Tanne steht so ein großer Fleck! Jedes Jahr werden es mehr. Und die Stare sind auch schon da. Mein Papa hat sie gesehen. Wir haben nämlich einen Vogelkasten an unserem Apfelbaum. Nun dauert es nicht mehr lange, dann haben sie Eier, und dann werden sie Junge haben.“ So war überall in den Herzen die Sehnsucht nach dem Frühling lebendig geworden und hatte sie unruhig gemacht, wie draußen den feuchten, schwarzen Ackerboden, in den nun Alexander Malinow, der neue bulgarische Ministerpräsident. Raffeebrenner (Trommelbrenner) in drei Größen vorrätig. Welling, Brakel. 44 Uhr yl. Messe. 9½„ Hochamt mit Predigt. Kapuzinerkirche: 7¼ Uhr hl. Messe. Gottesdienst. Vormittags 10 Uhr Hauptgottesdienst, nachher Christenlehre. und Borden empfiehlt in schöner Auswahl Carl Schulze, Brakel. Telephon 150. Anton Meyer, Brakel. Gußeiserne Kochtöpfe, mit und ohne Ring, inoxydiert und emailliert, wieder eingetroffen. Th. Welling, Brakel. Denkmal des ersten Hetman der Ukraine, das Chmielniczki-Denkmal in Kiew. Bild= und Filmamt. Pawel Petrowitsch Skoropadski, der neue Hetman der Ukraine. lauschte auf die verhallenden Schritte. Dann kam Leben in sie. Sie lief in ihr Schlafzimmer, riß Hut und Mantel vom Nagel und eilte die Stufen hinunter. Draußen blickte sie nach beiden Seiten. Er war nicht da! Welchen Weg war er gegangen? Zur Rechten oder zur Linken? Sicherlich doch der Stadt zu! Sie rannte die ganze lange Straße hinunter, immer meinend, er müsse, müsse doch irgendwo auftauchen, aber sie sah ihn nicht Unschlüssig drehte sie um, vielleicht war er doch in eine der Nebenstraßen eingebogen. Ihr Herz schlug laut und schwer, sie fror jetzt nicht mehr, sondern war ganz heiß und aufgeregt. Immer weiter lief sie, durch viele kleine, dunkle Gassen, um jode Ecke guckte sie.. Kinder sahen ihr nach, Frauen und Männer blieben stehen, wenn sie aufgeregt an ihnen vorüberhuschte und bei jeder neuen Gestalt spiegelte ihre aufgeregte Phantasie geharkt. Die alte Frau mit dem milden weißen Haar ging nie an dem buchsbaumeingefaßten kleunen Blütenreich vorbei, ohne sich nach einer Brennessel oder einem Kälberkopf zu bücken. Aber sie war schon seit drei Jahren tot. Und da nicht einget eten war, was die Schönbecker prophezeiten, daß ihr Amtsrichter sich nun bald verheiraten würde, und da die Wirtschafterin, die er sich nahm, für Schäden und Mängel kein sorgsames Auge hatte, so machte sich in Haus und Garten bald eine Unordnung bemerkbar, die die Schönbecker nicht gern einmal bei ihrem Pantoffelmacher sahen, viel weniger bei ihrem Amtsrichter. (Fortsetzung folgt.) bald die Saat gelegt werden sollte. Aber er selber war noch nicht da. Frau Gröger merkte es, als es dunkel wurde und sie allein in ihrer Stube saß. Nun die Sonne gegangen war, wurde es wieder kalt. Sie sah nach dem Thermometer, es fiel und als sie über die Fensterscheiben strich, merkte sie, daß sich in den Ecken eine Eisschicht bildete. Es würde heute nacht kälter werden als in all den Wochen. Der Himmel war klar, die Sterne gingen auf und leuchteten mit hartem Glanz hernieder. Ihr lebhaftes Funkeln tat ihr weh, wie sie am Tage die Sonne geschmerzt hatte. Sie zog die Vorhänge zu und setzte sich in eine Ecke. Sie yätte jetzt, wie allabendlich, die Lampe anzünden und ihre Arbeit oder ihr Buch vornehmen müssen, aber sie mochte nicht. Eine dumpfe Traurigkeit lähmte ihr die Glieder. Grübelnd lehnte sie den Kopf an die Schrankecke und fühlte, wie sie in der Untätigkeit kälter und kälter wurde, ohne daß sie sich entschließen konnte, ein Tuch oder eine Decke herbeizuholen.„Ich glaube,“ sagte sie„ich bin noch niemals so traurig gewesen,“ aber sie sprach die Worte nicht zu Ende, denn der Klang ihrer Stimme erschreckte sie. Wie lange sie so gesessen, wußte sie nicht, aber nach und nach verwirrten sich ihre Gedanken; sie wollte eben nachdenken jetzt nach fünf Minuten dann schlafe ich und alles ist für eine kleine Zeit vorbei— da wurde geklingelt, laut und kräftig, das wie laute Lebensstimmen ihre stille Wohnung durchdrang. Sie fuhr entsetzt in die Höhe. Jetzt erst fühlte sie, wie kalt sie geworden war Ihr Herz schlug laut und hämmernd, und mie festgebannt blieb sie in ihrer Ecke sitzen. Es klingelte wieder. Zitternd, mit verhaltenem Atem schlich sie zur Tür und horchte. Zum dritten Mal! Lauter und anhaltender. Sie stand regungslos, die Hände fest zusammengedrückt. Ein Schritt ging die Treppe hinunter. Sie öffnete die Tür vorsichtig und ihr vor, er sei es, der auf sie zukomme, und doch wußte sie ganz genau, daß sie ihn nicht finden würde. Vielleicht wartete er noch an ihrer Türe. So lief sie auf dem kürzesten Weg zu ihrer Wohnung zurück. Niemand stand an der kleinen Pforte, niemand im Blumengarten. Sie flog die Treppe hinan, die Etagentür war nur angelehnt. Sie hatte in der Eile versäumt, sie zu schließen. Wenn er drinnen war? Im Dunkeln lief sie durch alle Zimmer, tastete in jede Ecke und rief mit schüchterner Stimme seinen Namen. Aber der Klang ihrer Stimme brachte sie zur Wirklichkeit zurück. Beschämt, verzweifelt und gobrochen sank sie auf einen Stuhl nieder in dem dunklen Zimmer. In dieser Stunde verlor sie den Glauben an das Segensvolle ihres Vorhabens. Schönbeck ist ein Landstädtchen und Marktflecken, wie es deren Hunderte im deutschen Vaterlande gibt. Eingefaßt von Wiesen, Laubwäldern und Kornäckern. streckt es sich an der langen, gepflasterten Landstraße, die zur Sommerszeit wie ein lichtes Band das grüne Land von Norden nach Süden durchzieht. Dieses Schönbeck war die Heimat und der Aufenthaltsort des Amtsrichters Thomas Magnussen. Er lebte in dem kleinen, roten Häuschen, in dem die ganzen Jahre hindurch seine Eltern gelebt hatten. Das Häuschen war allerdings schon recht baufällig; aber wie die Schönbecker ihren Amtsrichter nun einmal kannten, war nicht anzunehmen, daß er sich in absehbarer Zeit ein neues bauen würde. Füher wurde alljährlich das Dach geteert, die Fensterrahmen wurden mit schöner, glänzonder, grüner Farbe versehen, wo eine Latte im Zaun los war oder ein Loch in der Dachrinne, da wurde der Schaden bald aus der Welt geschafft. Auch der kleine Blumengarten war immer sauber und zierlich Konteradmiral a. D. v. Hintze, der neue Staatssekretär des Auswärtigen. LP. W nt dermehrung der Gemüseerzeugung? Was eine Vollrnte an Kartoffeln? Was reichliche Fischanfuhr, wenn ie das Gemüse nicht fetten, die Kartoffeln nicht braten der zu Salat anrichten, die Fische nicht backen kann? sa einen geschenkten Hasen— kochen muß? Mit dilfe unseres Viehbestandes können wir unsere Haus(Staatsverträge) in Berlin jetzt so weit geblehen sind, daß sie nächste Woche abgeschlossen werden können. Dies war die Vorbedingung für eine Lösung der Thronfrage. Bekanntlich hat ein litauischer Staatsrat(ein verkleinertes Landesparlament) den Herzog von Urach Gefahr verschlafen, wir haben Kleinmut und Unentschlossenheit gezeigt. Unter den Arbeitermassen macht sich Müdigkeit und Apathie bemerkbar. Stellenweise finden wir Fälle direkten Verrats an der Sache der Arbeiter und Bauern und noch häufiger teilnahmsloses C Am Vage der Ernte. Kriegserzählung von Georg Heinr. Daub. (Schluß.)—(Nachdruck verboten.) agen Sie mal!“ begann der ältere der beiden Offiziere den Alten anzureden,„ist dies hier der Hof des Bauern Kaspar Lürwink?“ „Kaspar— Lürwink?— Herr, das bin ich selber!“ stammelte der Heidjer. „So?— Dann bin ich ja richtig gefahren... Ich bin der Hauptmann v. Keßler aus dem Großen Generalstabe... Ich habe höheren Auftrag, Sie,— als den Vater des Timm Lürwink,— zu grüßen.. „Von— Timm?“ kam es zitternd von des Alten Lippen. „Ja,— von Ihrem Sohn! Sie wissen ja doch, daß er draußen im Felde in hervorragender Weise sich ausgezeichnet hat und schnell befördert worden ist, nicht wahr?!“ „Nein,— ich weiß nicht—“ „Hm. Lesen Sie denn keine Zeitungen. Haben Sie nicht gehört, daß Timm Lürwink, Fliegerleutnant, Ritter des Eisernen Kreuzes erster Klasse geworden ist und daß sein Name ehrenvoll im Tagesbericht der Heeresleitung genannt wurde?“ „Timm,— mein Sohn Timm, Leutnant?“ „Ja, ja. Und das wissen Sie nicht? Hat er es Ihnen denn nicht geschrieben?“ „Doch, doch—„Aber, Herr Hauptmann,— ich hatte mit meinem Jungen gebrochen... Er ist seine eigenen Wege gegangen.“ „Hm,— und da haben Sie seine Briefe nicht angenommen, nicht wahr?— Das ist aber Unrecht von Ihnen gewesen, lieber Herr Lürwink... Und wenn Ihr Sohn Timm seinen eigenen Weg gegangen ist, so scheint mir doch, daß er da ganz recht gehandelt hat. Seh'n Sie mal, wenn er bei Ihnen geblieben wäre, hier in der Heide, dann hätte er doch höchstens das bleiben können, was Sie sind. Aber das Vaterland muß doch alle tüchtigen Kräfte notwendig gebrauchen,— und es fragt sich doch, ob Timm ein so tüchtiger Kriegsheld geworden wäre, wenn er von dem Hof weg eingezogen worden wäre... Meinen Sie nicht auch...?“ „Ja,— ja!“ antwortete der Alte ganz kleinlaut. „Na,— und nun können Sie doch gans stolz sein auf Ihren Sohn „Ja,— das bin ich doch auch!“ rief der alte Heidebauer. „Aber nun, wie es jetzt steht, da wird er mir grollen und von mir, der ich ihn immer zurückgestoßen habe, nichts mehr wissen wollen...“ „Meinen Sie?“ fragte der Hauptmann lächelnd. Dann aber fuhr er ernsthaft fort:„Sie irren sich aber!— Timm denkt viel an Sie und hat keinen anderen Wunsch, als Frieden mit Ihnen zu machen... Und mit Recht. Seh'n Sie mal,— wie oft hat er in Erfüllung seines gefahrvollen Berufs zwischen Tod und Leben geschwebt!— Was wäre das für Sie ein ewiger Vorwurf gewesen, wenn er nun da draußen im feindlichen Feuer gefallen und im flanderischen Sande ein Grab gefunden hätte. „Herr!“ rief der alte Bauer hastig aus,„warum sagen Sie mir das alles? Ich hab' ja nur den einzigen Wunsch, mit Timm—“ — Frieden zu machen, nicht wahr?“ lächelte der Generalstabsoffizier. Dann wandte er sich um und zog den blonden Fliegerleutnant, der sich hinter seinem Rücken geschickt verborgen gehalten hatte, hervor: „Bauer Lürwink— hier steht Ihr Sohn...“ Timm, der seine Freude kaum meistern konnte, sprang zwei Schritte vor und laa seinem Vater an der Brust, ehe sich der Heidjer von der Stelle rühren konnte. Eine Weile war es ganz still. Dann aber. fast unhörbar für des Fremden Ohren, kam es von des Alten Lippen: „Timm. mien leiwe Jung,— mien leiwe Jung.. Mehr brachte er nicht hervor. Aber der Sohn verstand ihn doch. „Es ist wieder alles gut, Vater, nicht wahr?“ fragte der blonde Fliegerleutnant. Und ohne eine Antwort abzuwarten, schob er den rechten Arm unter den seines Freundes und zog mit dem anderen Arm den alten Mann mit sich fort, dem plötzlich das Herz weich geworden war, so daß Tränen in seine so lange trockenen Augen traten. „Komm, lieber Albert!“ sagte der junge Lürwink freudestrahlend.„Jetzt wollen wir mit meinem lieben Mütterlein ein Wisdersehen feiern.. Und nach einer Weile, dicht vor dem Heidehof, fuhr er tiefatemholend fort: „Diesmal kommen wir nur auf ein paar Minuten, Vater. Aber in einigen Wochen bekomme ich längeren Urlaub. Dann mußt Du mir aber noch ein paar alte Freunde einladen... Den alten Lehrer Raabe vor allen, wenn er noch lebt, und dann den biederen Schäfer...“ „Und unseren— Pfarrer— Vohwinkel!“ fügte da der Bauer ruckweise und mit tiefer Bedeutsamkeit hinzu; und leise, so daß die beiden Offiziere ihn nicht verstanden, murmelte er: „Er hat recht gehabt,— der alte Pastor, nun kann ich noch sorgen, daß ich nicht mit leeren Händen dastehe,— am Tage der Ernte.“ Zu unsern Bildern. Die erste von Gefangenen erbaute Grabkapelle auf einem Kriegsgefangenen=Friedhofe in Deutschland befindet sich zu Gardelegen, welche zu Ehren der im Kriegsgefangenenlager verstorbenen Polen errichtet wurde. Die Kosten des Baues sind vollständig aus freien Beiträgen der polnischen Kriegsgefangenen zusammen gekommen. Sämtliche notwendigen Arbeiten sind von polnischen Kriegsgefangenen selbst fertiggestellt worden. Vurmzug=Problem. Magisches Quadrat. DEEEEEILLOORRRSS Vorstehende Buchstaben sind so in das nebenstehende Quadrat einzustellen, daß die senkrechten Neihen gleich den entsprechenden wagerechten lauten. Die Worte bezeichnen: 1. Blume, 2. deutschen Fluß, 3. Bindemittel, 4. Laubbaum. Kreuzrätsel. 1—2 Fluß in Mitteldeutschland. 1—3 befestigtes Lager in Afrika. 1—4 altertümliche Waffe. 3—2 Larve. 3-4 Teil des menschlichen Körpers. 2—4 Waffe. Umtanschrätsel. Das Wort im grauen Altertum Dereinst ein König war. Vertauschst den Kopf Du mit dem Fuß, Kennt's unserer Helden Schaar Als Tier, gar unscheinbar und klein, Das manchem brachte schlimme Pein. Die ersten beiden heiß ersehnt Das Ganze nennt Dir eine Stadt, Die Welt seit vielen Tagen. Sie liegt in Deutschlands Norden, Die letzte sieht von ferne man In der Geschichte häufig ist Schon in die Lüfte ragen. Genannt der Name worden. Auflösung der Rätsel in nächster Nummer. Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Silbenratsel: Undank— Nest— Ehe— Iller— Nassan— Gelb— Echo— Sonnino— Comet— Hulk— Rohr— Assagai— Eiche— Naumburg.— Uneingeschränkter U=Bootkrieg. Besuchskarten=Rätsel: Maschinenbauer. Scharade: Morgenstern. Verwandlungsrätsel: Kaffee— Wein. Nachdruck aus dem Inhalte dieses Blattes verboten.— Redigiert unter Verantwortlichkeit des Herausgebers. Herausgeber und Drucker: Chr. Münstermann in Gelsenkirchen. Kaffeebrenner in Walzenform neu eingetroffen. Anton Meyer, Brakel. Raffeebrenner (Trommelbrenner) in drei Größen vorrätig. Th. Welling, Brakel. 714 Ahr hl. Mesfe. 9½„ Hochamt mit Predigt. Kapuzinerkirche: 7¼ Uhr hl. Messe. Evangelischer Gottesdienst. Vormittags 10 Uhr Hauptgottesdienst, nachher Christenlehre. und Borden empfiehlt in schöner Auswahl Carl Schulze, Brakel. Telephon 150. Anton Meyer, Brakel. Gußeiserne Kochtöpfe, mit und ohne Ring, inoxydiert und emailliert, wieder eingetroffen. Th. Welling, Brakel.