Rote Rosen. Roman von H. Courts=Mahler. (Fortsetzung.) „Natürlich! Eine Rose ist kein nutzbares Küchengewächs. Sie hat nichts zu tun als zu blühen und Kreis und * Beverungen, 24. August 1918. — Gutes Erntewetter. Das abscheuliche Wetter der beiden ersten Tage dieser Woche ist schnell wieder sommerlicher Witterung gewichen. Der gestrige Donnerstag, an an der Sternstraße durch Einbruch 7 Hühner und 4 Kücken aus dem Keller gestohlen. Zwei Glucken mit Kücken ließ der Täter sitzen. Als Entschädigung für die gestohlenen Tiere sind 25 Mark in Papiergeld vor die Kellertür gelegt worden. N Man4 onnta Gratis-Beilage zum„Allgemeinen Anzeiger für Brakel" und zur„Beverunger Zeitung“. Verlag von Emil Ruthe in Brakel. Nr. 34. 1918. (Fortsetzung.) Roman von Anna Riedel. (Nachdruck verboten.) m nächsten Tag in den Nachmittagsstunden traten sie ihren Gang an. Das große Haus lag auf einer Anhöhe, zu der zehn Stufen heraufführten, die aus unbehauenen Findlingen ungeschickt hergestellt waren. Vor dem Haus standen vier alte Linden, die es von der Straße aus verdeckten, so daß der große Flur mit den beiden eichenen Truhen kühl und dämmerig war. Die Klingel verhallte, die große Dielenuhr tickte schläfrig. Frau Gröger dachte gerade darüber nach, aus welcher der sechs Türen wohl eine Gestalt treten werde, als sich oben eine Tür öffnete und ein Schritt die Treppe hinunter kam. Gleich darauf wurde ein schlankes Mädchen sichtbar. Sie tuug ein dunktes Reformkleid, den schlanken Hals frei. Frau Gröger sah, daß bei ihrem Anblick ein Erschrecken über das ausdrucksvolle Gesicht des Mädchens flog. Sie reckte sofort den Kopf etwas höher und nahm einen gewissen abweisenden Ausdruck an; und während sie leichtfüßig die Stufen hinuntergeeilt war, wurde ihr Schritt gemessen, als sie auf ihre Gäste zuging. Thomas Magnussen schien das nicht zu bemerken. Er streckte ihr herzlich die Hand entgegen. Er begrüßte sie mit „Fräulein Lisbeth“ und stellte ihr Frau Gröger als seine Braut vor. Lisbeth Elle sagte, daß sie heute morgen bereits die Anzeige erhalten habe. Sie wünschte viel Glück, wobei sie ihnen ganz flüchtig die Fingerspitzen reichte, die lang und schmal waren wie ihre ganze Gestalt. Ihre Mutter werde sehr bedauern, sie nicht begrüßen zu können, sie sei bei einer Freundin. Sie führte ihre Gäste durch die erste der sechs Türen in ein gemütliches Zimmer und nötigte sie auf das Sofa. Sie setzte sich ihnen gegenüber: Der hochmütige Ausdruck ihres Gesichts war gewichen. Zumeist richtete sie sich an Frau Gröger, wie es ihr hier gefalle. Sie habe sie des öfteren schon auf der Straße gesehen. Nicht wahr, die Gegend sei doch schön. Ihr großer treuherzigen Mund lachte viel und zeigte weiße Zähne. Sie hatte beide Hände um das Knie geschlungen und wiegte den Oberkörper leise hin und her. Die Kriegshilfe der Hu „Wissen Sie noch,“ sagte sie zu Thomas,„wie ich Ihnen hier mit meiner Grammatik und Algebra gegenübersaß. Oh, ich glaube, Sie sind manchmal ganz verzweifelt gewesen. Wenn ich bedenke, wie ungeschickt ich mich in der Mathematik benahm!“ „Ja“, sagte Thomas,„die Mathematik bot unüberwindliche Schwierigkeiten. Es ist schade, daß all die Mühe so vergeblich gewesen ist.“ Bei den letzten Worten blickte sie zum Fenster hin, ein dunkler Schatten glitt durch die Scheiben.„Ach, da kommt Mama. Wie schön daß sie Sie noch trifft! Bitte, warten Sie einen Augenblick, ich werde ihr Bescheid sagen.“ Sie ging hinaus; man hörte auf dem Flur ein kurzes geflüstertes Wechselgespräch dann kam die Frau Doktor selbst herein und begrüßte ihre Gäste. Sie war sehr sorgfältig angezogen, die kleine zierliche Dame. Als sie so neben der schlanken hohen Tochter stand, sah sie aus wie ein Nippfigürchen, und ihre Bewegungen waren bei vieler Zierlichkeit nicht frei von Affektation. Sie sprach jedes dritte Wort mit einer würdevollen Betonung, wie Leute in kleinen Orten das häufig tun, weil sie gewobnt sind, daß man ihren Worten große Beachtung zukommen läßt. Es war unzweifelhaft große Aehnlichkeit zwischen Mutter und Tochter, doch war die Mutter sicherlich in ihrer Jugend schöner gewesen als die Tochter, denn Mund und Nase, die bei der Tochter groß und unregelmäßig, waren bei ihr fein und wohlgebildet. Sie übernahm sogleich die Unterhaltung, tat ungefähr dieselben Fragen wie die Tochter und musterte Frau Grögers Anzug. Als das Gespräch stockte, sprach Thomas Magnussen sein Anliegen aus. Darauf war die Frau Doktor in keiner Weise gefaßt. Sie sagte ein paarmal stockend, sie wisse nicht recht, ob ihr Haushalt darnach eingerichtet sei; zu gleicher Zeit aber entsann sie sich daß sie ja von früher dem Amtsrichter verpflichtet sei, und in peinlicher Verlegenheit blickte sie zu ihrer Tochter hinüber. Lisbeth Elle hatte sich in ihren Stuhl zurückgelehnt. Seitdem die Mutter da war, beteiligte sie sich nicht mehr an der Unterhaltung. Aller Glanz war aus ihren Augen geschwunden, sie sah at und vergrämt aus. Jetzt richtete sie sich in die Höhe und sagte: „Ja, Mama. ich glaube, das Schulzimmer würde Frau Gröger sicherlich zusagen. Es ist im Frühling und Sommer wirklich hübsch, denn es geht zum Garten hinaus. Wollen wir einmal hinaufgehen?“ Damit war die Entscheidung gefallen. Lisbeth Elle ging voran, und die andern folgten ihr die Treppe hinauf. Das Zimmer war dasselbe, in dem vor Jahren der Amtsrichter seine eifrige Schülerin unterrichtet hatte. Frau Gröger stieß einen Ruf der Ueberraschung aus, als sie den Raum betrat.————— Schön am nächsten Tage bezog Frau Gröger ihr neues Heim. Sie ging etwas bedenklich in das Haus hinter den vier grünen Linden, denn eine innere Stimme sagte ihr, daß sie ) kausend und die südliche von fünftausend Yards. Bei Beginn des Angriffes herrschte dunkles Wetter, später fiel sehr dichter Nebel. Bei Tagesanbruch, gegen fünf Uhr, erzitterte die Luft von dem plötzlichen Abfeuern der englischen Geschütze. Das Sperrfeuer währte fast drei Stunden. Darauf rückten die englischen Angriffstruppen vor, die erste Angriffslinie war durch Tanks geleitet, die in Abständen von ungefähr hundert Die Volschewiki=Truppen schreiten vorwärts und be setzten die Station Tschekujewo, 80 Werst von Archangelsk, zwischen Onega und Obosersk. Außerdem fiel ein Dampfschiff des Gegners in ihre Hände. 50 Werst östlich von Obosersk ist der Feind vor dem Dorf Selezkaja zurückgeschlagen. Die Versuche des Feindes, im Kasan=Rayon vorwärts zu kommen, scheitern an der Standhaftigkeit der Sowjet=Truppen, die die Gewerkvereine der Holzarbeiter zusammengetreten, um neue Teuerungszulagen für die Arbeiter festzusetzen. Nach dreitägigen Verhandlungen ist vorbehaltlich der Zustimmung der Beteiligten Generalversammlungen folgende Vereinbarung zustande gekommen: Alle Arbeiter erhalten sofort eine Lohnzulage von 10 bis 15 Pf. und ab 1. Dezember eine weitere Zulage von 10 Pf. für die Stunde. Für die Arbeiterinnen heträgt die ebenfalls mit geteiltem Herzen empfangen würde. Das schwarzhaarige Mädchen hatte gleich beim ersten Blick ihr Interesse erregt, aber sie war sich nicht klar, wie sich ein Zusammenleben mit ihr gestalten würde, und so beschloß sie vorsichtig zu sein. Sie war deshalb freudig überrascht, als sie von der schlanken Lisbeth mit stiller, aber unverkennbarer Herzlichkeit empfangen ihres Vaters, wenn sie mit ihner Schiefertafel bei ihm an dem großen Schreibtisch saß, aber was dieser Blick eigentlich hatte sagen wollen, das wußte sie erst viele Jahre später, als sie nach seinem Tode in eben diesem Schreibtisch in einem kleinen Notizbuch eine Sammlung Gedichte fand, die überschrieben waren:„An mein liebes Kind“. Dieser Tod war der erste Von links nach rechts: Die drei erfolgreichsten deutschen Kampfflieger. Leutnant Menckhoff, Leutnant Ernst Udet und Hauptmann Berthold, sämtlich Ritter des Orden Pour le merite wurde, während die Mutter weder jetzt noch in der Folgezeit eine gewisse Reserve ablegte. In sechs Wochen sollte die Trauung sein. Die Handwerker waren in voller Arbeit. Schon saß die Näherin Tag für Tag an der Nähmaschine und ein fertiges Stück nach dem andern brachte sie, in ein sauberes blaugewürfeltes Umschlagetuch ge wickelt, in der Dämmerung zu Frau Gröger. Eva selber stand schon bei Sonnenaufgang auf und nähte und nähte. Ihre Nadel flog durch das feine Zeug, aber mitunter sanken ihre Hände viertelstundenlang in den Schoß, und sie starrte vor sich hin. Lisbeth Elle ahnte natürlich nicht, daß die Frau mit den schönen warmen Augen bei ihr noch etwas mehr suchte als einen ihr angemessenen Aufenthalt. Sie hatte auch in dieser Zeit soviel mit sich selber zu tun, daß sie nicht Zeit fand, sich in das Seelenleben einer glücklichen Braut, die Frau Gröger natürlich in ihren Augen war, hineinzudenken. Aber als sie sie ein paar Tage beobachtet hatte, da wurde ihr Interesse geweckt, denn sie hatte selber zu viel heimliches Leid getragen, als daß sie nicht bei anderen den Blick dafür gehabt hätte. Bis zu dem Tode ihres Vaters waren ihre Jahre gleichmäßig dahin geslossen. Sie hatte zwar niemals die lauten Vergnügungen anderer junger Mädchen kennen gelernt, aber wie schön ihr Leben troydem gewesen war, das hatte sie erst nach seinem Tode erfahren. Der schon immer etwas kränkliche Mann hatte mit der niedlichen Kleinstädterin, die einst durch Jhre Koketterie sein Herz entzückte, in der Ehe nicht das gefunden, was er erhofft hatte. Da kehrte er zu seinen Büchern zurück. Seine kleine Tochter liebte er zärtlich, bei ihr fand sein weiches Gemüt jene gläubige Vertrauensseligkeit, die seine Gattin nicht für ihn hatte, die so oft über den weltfremden Schwärmer lachte. Die kleine Lisbeth fühlte wohl den zärtlichen Blick General Loihar v. Trotha, der Besieger der Hereros, beging zu Godesberg am Rhein seinen 70. Geburtstag. große Schmerz in ihrem Leben. Ihr Vater war ihr bester Freund gewesen. Wo war nun jemand, der ihr übervolles Herz in Empfang nahm? Sie blickte suchend nach allen Seiten. Die pekuniären Verhältnisse lagen nicht zum besten. Die Mutter nahm Pensionäre. Das Gehen und Kommen fremder Gestalten war ihrem beweglichen Sinn zusagendDas ging so ein paar Jahre. Da starb ihr Großvater, und die Mutter, die mit ihrem geschäftlichen Unternehmen mehr Aerger als Verdienst erzielt hatte, beschloß in ihr früheres gemütliches Leben zurückzubehren. Man zog zu der einsamen Großmutter in die Kleinstadt. Durch Bitten erreichte Lisbeth bei der Mutter den Unterricht bei Thomas Magnussen. Dann zog sie auf die Universität. Sie hatte bisher gemeint, der Unterricht mit ihrer gewissenhaften Schulbücherarbeit sei für sie das, was für den Bau eines Hauses das Fundament bedeutet. Die Enttäuschung war bitter. Da gewann sie die Freundschaft einer jungen Livländerin. Jeder Tag, wo sie Inge traf, war wie ein Fest. Sie mieteten sich ein gemeinsames Zimmer, das Zusammenarbeiten war nichts weiter, als ein ununterbrochenes Vergnügen; jede war voll herzlicher Bewunderung für die andere; und seit Inge da war, maren alle bösen Gedanken und Sorgen wie weggeblasen. Ihre Augen waren so hell. ihr Lächeln so sonnig. Da wurde die liebe Inge krank. Lisbeth saß jede freie Stunde an ihrem Krankenbett. Eines Tages entschloß sie sich schweren Herzens und schrieb den Eltern. Sie kamen. Es gab einen kurzen wehmütigen Abschied, und dann zogen sie mit ihrem Liebling heim. Ein paar Monate später kam die Todesnachricht. Nun begann wieder die alte böse Zeit der Grübeleien über urat Kunze, der Erfinder einer Wunderbremse. unerklärbare Dinge. Sie warf sich mit aller Kraft auf die Arbeit, und weil sie 2) Rote Rosen. Roman von H. Courts=Mahler. (Fortsetzung.) „Natürlich! Eine Rose ist kein nutzbares Küchengewächs. Sie hat nichts zu tun als zu blühen und Aus Stadt, Kreis und * Beverungen, 24. August 1918. — Gutes Erntewetter. Das abscheuliche Wetter der beiden ersten Tage dieser Woche ist schnell wieder sommerlicher Witterung gewichen. Der gestrige Donnerstag, an an der Sternstraße durch Einbruch 7 Hühner und 4 Kücken aus dem Keller gestohlen. Zwei Glucken mit Kücken ließ der Täter sitzen. Als Entschädigung für die gestohlenen Tiere sind 25 Mark in Papiergeld vor die Kellertür gelegt worden. (( des Nachts vor düsteren Gedanken doch keine Ruhe fand, saß sie auch dann bei irgend einem Buch, meist naturgeschichtlichen Inhalts. So ging den Winter hin, die ersten Frühlingsanzeichen lagen in der Luft und sie überzeugte sich immer mehr, daß es mit ihrer Arbeit rückwärts ging, alle Leute sagten ihr, daß sie krank aussähe.. Auch in den Vorlesungen vermochte sie nicht wie sonst zu folgen. Immer irrten ihre Gedanken ab zu weichen lieben Bildern. Das waren die ersten Anfänge des Nervenleidens, das später den Schluß ihres Studiums bewirken sollte. Als sie einigermaßen wieder hergestellt war, holte ihre Mutter sie nach Schönbeck. Es war im April. Sie mußte viel in einem dunklen Zimmer sitzen, stundenlang einsame Spaziergänge machen, und allmählich fühlte sie, wie die alte Kräftigkeit und Arbeitslust wiederkam. Eines Abends stand sie niedergeschlagen am Fenster und zeichnete mit dem Finger auf den schweißbedeckten ScheibenEin paar Damen hatten den ganzen Nachmittag bei ihnen am Kaffeetisch gesessen. Draußen auf dem Flur tönte noch die laute Stimme der Frau Postmeister. Sie wandte sich um und instinktiv streckte sie in das leere Haldunkel des Zimmers ihre Arme nach jemand aus, der nicht da war. Die Mutter trat wieder Lerein. Lisbeth sprach ein paar Worte mit ihr, dann ging sie hinaus und schlug den Weg zu dem kleinen Schullehrerhäuschen ein. Sie klopfte leise an die Haustür, aber sie war verschlossen. Da ging sie um das Haus herum durch den Küchengarten und faßte an die Küchentür. Sie war offen. Lisbeth trat leise in die Küche, wo sie so unzählige Male mit dem Amtsrichter und seiner Mutter gestanden hatte. Es sah wüst und unordentlich in dem Raume aus. Da fiel ihr ein, daß erzählt worden war, Frau Magnussen läge schon seit Tagen krank. Sie dachte eben daran, sich leise wieder wegzuschleichen, da kam Thomas vorsichtig aus dem Schlafzimmer. Er hatte eine Tasse in der Hand und rief erstaunt ihren Namen. Er führte sie in das Wohnzimmer, wo es ebenfalls unaufgeräumt aussah, und sie mußte sich in das alte Sofa setzen auf dem sie ihm vor Jahren immer gegenübergesessen hatte. Es war schon dämmerig, aber aus irgend einem Grunde holte er keine Lampe herein, sondern schlug die Vorhänge zurück, daß das weiche Abendgrau das Zimmer notdürftig erhellte. Lisbeth fragte nach der Mutter, und er beantwortete ihre Fragen; er halte die Krankheit für bedenklicher als der Arzt und mache sich ernstliche Sorge. Lisbeth erschrak darüber und es wurde ihr doppelt schwer, von ihren eigenen Angelegenheiten zu sprechen. So saßen sie sich ein paar Minuten stumm gegenüber, und gerade wollte sie aufstehen, als er fragte: „Aber es kam mir so vor, als wenn Sie noch etwas auf dem Herzen haben. Kann ich Ihnen in irgend einer Weise behilflich sein?“ Diese Frage machte sie ganz wirr. Sie wußte plötzlich selbst nicht mehr, was sie hier wollte. Da fragte er zum zweiten Mal.„Habe ich mich geirrt, Fräulein Lisbeth?“ Sie sah ein, daß sie nicht mehr zurück konnte, und begann, von sich zu erzählen. Er hörte ruhig zu und sah sie dabei ernsthaft an. Als sie geendet hatte, stand er auf und sagte:„Ja, Fräulein Lisbeth, ich kann mir sehr wohl denken, wie es in Ihnen aussieht. Ihnen mag zu Mute sein, wie jemandem, der in einer unbekannten Gegend im Dunkeln herumirrt und einsieht, daß er durch eigene Kraft nicht wieder auf den rechten Weg kommt. Es muß schon ein Wunder geschehen, wenn en wieder aus der Wirrnis herausgelangen soll. Dazu kann ich Ihnen nur eines sagen, eindringlichst sagen: Dieses Wunder geschieht nicht! Es gibt keinen Menschen, der Ihnen helfen kann. Es gibt für Sie Der Wellwanderer Louis Rohmeyer in Berlin. zwei Wege: entweder Sie raffen Ihre Energie zusammen und sehen zu, was Sie jetzt noch aus ihrem zerbrochenen Leben machen können— und das ist, glaube ich, ein gut Teil mehr, als es Ihnen augenblicklich scheint— oder ane Sie warten geduldig und übergeben sich der heilenden Hand der Zeit. So banal es klingt, sie ist immer noch der beste Arzt. Ich habe gewußt, daß Sie einstmals so wie heute vor mir sitzen würden.“ Lisbeth biß sich auf die Lippen.„Sie wollen damit sagen, daß die einzige Schwierigkeit in meiner unglücklichen Auffassung, also in meinem Wesen und Charakter liegt?“ „Nicht ganz so schroff, aber ungefähr so. Sie stehen heute ratlos vor der Aufgabe, die Frage nach dem Zweck Ihres Lebens zu lösen. Eine andere würde froh über das wiedergeschenkte Gut des Lebens sein. Sagen Sie selber: Hier in Schönbeck leben etwa fünfzig Damen Ihres Standes und ungefähr Ihrer Bildung, ungefähr sage ich. Und diese alle wissen, wozu sie auf der Welt sind. Sie sind vergnügt und froh und wenn sie alt sind, werden sie ihren Enkelkindern von einer schönen Jugend berichten.“ Thomas Magnussen unterbrach sich. Er trat auf Lisbeth zu, die stumm zu ihm hinüberblickte.„Bitte, Fräulein Elle,“ sägte er und es klang in der Tat Gereiztheit durch seine Stimme,„lagen Sie mir, weshalb Sie zu mir gekommen sind? Zu mir?“ „Warum ich zu Ihnen gekommen bin? Soll das heißen, was ich bei Ihnen suche? Ja, ich muß auch sagen. Herr Magnussen, ich glaube jetzt selber, es wäre besser gewesen, ich wäre zu einer jener fünfzig Damen gegangen.“ „Sie weichen mir aus,“ sagte Thomas.„Warum sind Sie zu mir gekommen, jetzt, wo Sie nicht mehr wissen, was Sie mit Ihrem Leben beginnen sollen? Sie wollen mir die wahre Antwort nicht geben. Sie kamen, weil Sie in mir den Schicksalsgenossen vermuteten Sie wissen, daß auch ich Schiffbruch gelitten habe, und Sie wollten von mir hören, wie man sich auf dem öden einsamen Strand zurechtfindet, auf den die Welle uns geworfen.“ Lisbeth nickte. Er fuhr sogleich fort: „Es tut mir von Herzen leid, aber Sie haben sich an die falsche Adresse gewendet. Gehen Sie zu irgend einem Menschen, er wird Ihnen Antwort geben können. Gehen Sie zu der Natur, den Wolken und Bäumen und fragen Sie die, was Sie mit sich beginnen sollen Irgend eine Antwort wird Ihnen werden. Das einzige, was ich Ihnen sagen kann, ist das: Menschen Ihres Schlages müssen dem Schmerz ihren Tribut zahlen. Sie sind zu mir gekommen um von mir ein gutes, heilendes Wort zu hören, und jetzt zürnen Sie mir und nennen mich kalt und abweisend weil ich Ihnen jenes Wort nicht sagen kann. Nicht wahr, Fräulein Elle?“ (Fortsetzung folgt.) Kamerad Kallmeyer. Erzählung aus der Kriegszeit von Heinrich von Heiligenstadt. (Fortsetzung.)(Nachdruck verboten.) bends, als die Fuhrparkkolonne ihre Wagenburg auf .einer einsamen Waldwiese aufgestellt und Führer und Mannschaften nach gehörigem kaltem Imbiß sich um die Lagerfeuer versammelt hatten, war es schon übenall bekannt, daß der neue Kamerad ein„Studierter“ sei. Und der Soldatenwitz suchte ihn sich zur Zielscheibe zu machen. Allerlei spitzfindige Fragen wurden an Johannes Kallmeyer gerichtet, allerlei indirekte Bemerkungen flogen über das Feuer hinüber und herüber. Fritz Trautmann aber kannte von der Garnison her seine Leute. Er ließ sich nicht reizen und tat, als gingen ihn die kausend und die südliche von fünftausend Yards. Bei Beginn des Angriffes herrschte dunkles Wetter, später fiel sehr dichter Nebel. Bei Tagesanbruch, gegen fünf Uhr, erzitterte die Luft von dem plötzlichen Abfeuern der englischen Geschütze. Das Sperrfeuer währte fast drei Stunden. Darauf rückten die englischen Angriffstruppen vor, die erste Angriffslinie war durch geleitet, die in Abständen von ungefähr hundert Die Bolschewiki=Truppen schreiten vorwärts und be setzten die Station Tschekujewo, 80 Werst von Archangelsk, zwischen Onega und Obosersk. Außerdem fiel ein Dampfschiff des Gegners in ihre Hände. 50 Werst östlich von Obosersk ist der Feind vor dem Dorf Selezkaja zurückgeschlagen. Die Versuche des Feindes, im Kasan=Rayon vorwärts zu kommen, scheitern an der Standhaftigkeit der Sowjet=Truppen, die die Gewerkvereine der Holzarbeiter zusammengetreten, um neue Teuerungszulagen für die Arbeiter festzusetzen. Nach dreitägigen Verhandlungen ist vorbehaltlich der Zustimmung der Leteiligten Generalversammlungen folgende Vereinbarung zustande gekommen: Alle Arbeiter erhalten sofort eine Lohnzulage von 10 bis 15 Pf. und ab 1. Dezember eine weitere Zulage von 10 Pf. für die Stunde. Für die Arbeiterinnen beträgt die Spötteleien nichts an. Schließlich brachte er selbst durch einge geschickte Antworten die Lacher auf seine Seite— und damit hatte er gewonnenes Spiel. Als das Signal„Die Soldaten soll'n zu Bette geh'n“ verklungen war, nahm ihn Kallmeyer schon ganz vertraulich an den Arm und deutete auf das Innere des Wagens... Und Traut mann nickte verständnisinnig, als ob er in seinem Leben nie anderswo, als unter den Kisten und Säcken eines Munitionswagens geschlafen hätte. Seite an Seite lag er bald darauf mit seinem breitschultrigen Kameraden, der in wenigen Minuten ein behagliches Schnarchkonzert anstimmte. Während draußen die Brände des Lagerfeuers in sich versanken und die Sterne des Himmels eine friedliche Pracht entfalteten, unberührt von dem Leid und Elend da unten auf der blutgetränkten Erde, fiel auch Fritz Trautmann nach und nach in tiefe Schlummermüdigkeit und glitt dann schnell in die weichen Arme des Schlafes..... „Wir kommen heute schon näher'ran!“ meinte Johannes Kallmeyer andern Vormittags, als die Wagen sich schon einige Stunden durch Schlamm und Pfützen hindurchgemahlt hatten und plötzlich ein dumpfes; rollendes Geräusch den„Juristen“ aufhorchen ließ. Trautmann nickte nur. Ihm war eine dunkle Rauchsäule am Horizont aufgefallen und deutete darauf hin. „Ein brennendes Gehöft,— oder gar ein Dorf!“ sagte Kallmeyer gleichgültig.„Das sieht man bald alle Tage.“ Ein eigenartiges Gefühl überkam den Juristen, je näher sie der Feuerzone entgegenrollten. Schwer und dicht zogen die Regenwolken am Himmel dahin,— sämtliche Bäume an den Chausseen waren entfernt, und kahl und baumlos dehnten sich endlose Ebenen vor dem rastlosen Auge. Hin und wieder kam man an brandgeschwärzten Ruinen vorüber, aus denen Scharen von Raben krächzend aufflogen. Ein Grauen schlich sich in die Seele des Kriegsfreiwilligen. Und als er mit einem Seitenblick das Gesicht seines Kameraden streifte, sah er, daß auch auf ihm ein eiserner Ernst lag... „Was kommt uns da entgegen?“ fragte der Jurist plötzlich. „Ein Transport Vorwundeter!... Das nächste Feldlazarett ist bei Sommo Py.“ „Die armen Kerle!“ „Ja, ja,— das wirst Du jetzt öfter sehen. Das ist das Schlimmste noch nicht..... Als ich's das erstemal sah, konnte ich auch zwei Tage nicht essen und nicht schlafen. Immer wieder hatte ich die blutigen Leichen, die verwesenden Kadarer von gefallenen Pferden vor mir. Nach und nach gewöhnt man sich daran.. „Er hat ein weiches Gemüt, der Kallmeyer," dachte Fritz Trautmann bei sich und schwieg, um das innere Grauen zu überwinden. Johannes Kallmeyer aber, der den Seelenzustand seines Kameraden auch durchschaute, rüttelte ihn langsam zum Pflichtbewußtsein auf. „Du mußt aber lernen, auf die Bremse zu achten“, begann er in halb ernstem, halb nachsichtigem Tone.„Jetzt, wo's bergabwärts geht.. und nachher, wenn wir den nächsten Hügel hinauffahren, mußt Du locker schrauben. Wer gut bremst, der gut fährt.“ Fritz Trautmann tat mechanisch, was ihm sein Kamerad sagte Aber er war doch froh, als der Tag zu Ende ging. Diesmal übernachtete man bei dem Zeltlager eines Geschützparkes, der am folgenden Morgen in die Kampffront einrückte. Zum ersten Male sah der Jurist hier die schweren Feldgeschütze, die unseren Feinden so furchtbar wurden. Wie grove Karpfenmäuler starrten die Feuerschlünde aus den grauen Rohren gen Himmel. Als es ganz finster geworden war,— Kallmeyer hatte sich schon ins Wageninnere zurückgezogen,— kletterte der„Reservefahrer“ auf eine nahe Anhöhe, die den Ueberblick über das Kriegslager gestattete. Er sah, nervös an seiner Zigarette saugend, die Zelte ringsumher und die Wagenburgen, und dazwischen hin und wieder die hunderte von Lagerfeuern, die mit flackerndem Licht die Dunkelheit erhellten. Da und dort spielten Soldaten die Mundharmonika oder sangen leise Lieder. Er hörte Pferdegetrampel und Kettengeklirr... Fritz Trautmann schüttelte sich, wie in innerem Frost. Dann „wandte er sich langsam und schritt auf den schwerfälligen Krümperwagen zu, der ihn beherbergen sollte. Dicht, ganz dicht 3) schmiegte er sich drinnen an den schon schlafenden Kallmeyer an, den er rdlch um seinen Gleichmut beneidete. (Fortsetzung folgt.) Zur Belehrung und Unterhaltung. Zu unsern Bildern. Die Kriegshilfe der Hunde. Ein Hund gibt auf der Schwebebrücke, einer deutschen Hafenstadt das Zeichen zur Abfahrt der Flußdampfer. Die Fähigkeiten der Hunde haben sich im Welltkriege als außerordentlich vielseitig erwiesen; an der Front suchen sie Vermißte auf, tragen den Verwundeten Verbandstoffe und Stärkungsmittel zu oder vermitteln wichtige Meldungen zwischen vorgeschobenen Posten und den Kommandostellen, im Inland sind sie nicht nur als treue aufmerksame Begleiter und Führer der im Kriege Erblindeten unentbehrlich, sondern machen sich auch, wie unser Bild zeigt, auf anderen Gebieten nützlich. Der Weltwanderer Louis Rohmeyer in Berlin, welcher nach 7jähriger Weltwanderschaft in die Heimat zurückgekehrt ist, hat den größten Teil der Erde zu Fuß durchwandert. Im Auftrage des Sportvereins Hannover marschierte er am 5. November 1911 von Hannover ab, nahm den Weg über Oesterreich, den Balkan, die Türkei, Kleinasien, Persien, Belutschistan, Indien, Siam, durchquerte Indochina, Zentralchina, Korea, Japan und trat dann im Sommer 1914 den Rückweg über Sibirien an. Hier ereilte ihn der Krieg. In Kasan wurde er als Spion festgenommen und eingesperrt. Als die Revolution ausbrach, gelang es ihm, zu entfliehen und sich nach Smolensk=Minsk durchzuschlagen, wo dann die Auslieferung an die deutschen Behörden erfolgte. Geh. Oberbaurat Kunze, der Erfinder einer Wunderbremse, welche im Staatsbahnbetrieb mit einem Kostenaufwand von 257,5 Millionen Mark eingeführt wird. Das gesamte Bremserpersonal wird durch die neue Bremse fast überflüssig. Außerdem wird eine erhöhte Betriebssicherheit und eine Beschleunigung der Beförderung erzielt. Auch die pünktliche Einhaltung der Fahrpläne wird gesichert, namentlich aber auch die Beschleunigung der Militärtransporte erreicht werden. Die Personalersparnis macht ein kriegsstarkes Armeekorps aus. Durch die neue Bremse wird auch der Wagenumlauf schneller von statten gehen. Silbenrätsel. a, di, di, dys, en, eu, je, jen, ji, ha, in, ka, ko, ni, o, o, pen, phrat, ran, ri, seus, vet. Aus den vorstehenden 22 Silben sind 8 Worte zu bilden, deren Anfangs= und Endbuchstaben den früheren Herrscher eines vielgenannten Staates ergeben. Die Worte bezeichnen: 1. nentrale Hauptstadt, 2. Figur aus der griechischen Sage, 3. Fluß in Kleinasien, 4. afrikanische Republik, 5. englisches Kolonialreich, 6. belgische Festung, 7. türkischen Beamten, 8. französische Kolonie in Afrika. Im Aetherblau die ersten zwei Hoch über'm dritten schweben; Wo's Ganze führt, wird für den Feind Es tüchtig Hiebe geben. Auflösung der Rätsel in nächster Nummer. Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer: Skataufgabe: Kartenverteilung: VaA, D, 8, 7; b 10, 9, 8, 7; d9, 7. M dB;a10; bA,K,D; dA, 10, K, D, 8. H aB, bB; aK. 9; cA, 10, K, D, 9, 7. Im Skat: c8, cB. V spielt b 7 aus, wodurch M an das Spiel kommt. M kann jetzt H nur durch a 10 an das Spiel bringen In diesem Fall muß H mit a B übernehmen, wähV a8 zugibt. V ist jetzt auf a7, aD und aA nicht mehr zu legen. Worträtsel: Base— Basel. Windrad-Rätsel: Nathdruck aus dem Inhalt: dieses Blattes verboten.— Redigiert unter Verantwortlichkeit des Herausgebers. Herausgeber und Trucker: Chr. Münstermann in Gelsenkirchen.