12 4 llustriertes onnta (6 Gratis-Beilage zum„Allgemeinen Anzeiger für Brakel“ und zur„Beverunger Zeitung“. Verlag von Emil Ruthe in Brakel. Gva Gröger. Roman von Anna Riedel. (Fortsetzung.)(Nachdruck verboten.) isbeth war aufgestanden. Es fröstelte sie, und sie zog 5 ihr Tuch fester um die Schultern. Sie stand Thomas gerade gegenüber und sah ihm fest in die Augen, denn sie war so groß wie er. „Herr Magnussen,“ sagte sie mit jener Ehrlichkeit, die immer den hervorragendsten Zug ihres Wesens bildete, Sie tun mir Unrecht. Ich bin nicht zu Ihnen gekommen, weil ich in Ihnen den vom gleichen Schicksal Getroffenen vermutete. Aber ich stehe heute wieder auf demselben Fleck wie vor vier Jahren und um mich herum ist Leere. Damals haben Sie mir geholfen. Ich glaube, Sie wissen gar nicht, wie sehr Sie der gute Geist für mich gewesen sind. Ich habe in diesen Jahren fast täglich mit der aufrichtigsten Dankbarkeit Ihrer gedacht und ich werde Ihnen immer dankbar sein für das, was Sie mir einst gegeben haben. Aber heute tun Sie mir Unrecht. Ich weiß nicht, ob ein Mensch überhaupt ein Recht hat, so zu seinem Mitmenschen zu reden wie Sie zu mir. Ich bin keineswegs zu dem Schicksalsgenossen gekommen, wie Sie sich ausdrücken, sondern zu dem einstigen Lehrer. Das mag töricht gewesen sein, aber anmaßend war es nicht.“ Sie raffte ihr Kleid zusammen und ging an ihm vorbei, der unwillkürlich zur Seite trat. Sie fühlte noch, wie er ihr die Hand auf die Schulter legte und leise ihren Namen sprach, aber ihre Scham war zu groß. Sie drehte sich nicht wieder um und ging, ohne sich aufzuhalten, dem Hause ihrer Mutter zu. Thomas Magnussen stand am Fenster und sah ihr nach. Und er stand noch dort, als die Nacht heraufgezogen war und die Sterne am Himmel glänzten. Anderen Tags starb seine Mutter. Lisbeth Elle wußte ganz genau, daß seit jenem Tage eine Veränderung mit ihr vorgegangen war, und zwar eine heilsame Veränderung. In der ersten Zeit allerdings hatte sie bittere Stunden zu durchleben. Sie fühlte ganz deutlich, er hatte ihr Unrecht getan, denn unter anderen Voraussetzungen, als er glaubte, war sie zu ihm gegangen. Sie lebte jetzt wie alle anderen Frauen und Mädchen im Orte, ging ihrer häuslichen Arbeit nach, und sprach wie sie über die Dinge des täglichen Lebens. Admiral der neuernannte Chef Unter diesen Umständen war es selbstverständlich, daß Frau Grögers Uebersiedelung für Lisbeth viel bedeutungsvoller war, als eine der bete ligten Personen ahnen konnte. Sie hatte in der Zeit ihrer Träumerei so manchesmal den Kampf herbeigesehnt, daß es feige gewesen wäre, jetzt zurückzuschrecken.„Ich kann es!“ sagte sie an jenem Abend, als sie nach dem Besuche des Brautpaars in ihrer Stube stand. Aber sie war ein zu guter Beobachter, als daß sie nicht sehr bald erkannt hätte, daß in das Verhältnis dieser zwei Menschen zueinander kein Ton klang, nach dem ihre Sehnsucht ging. Besonders Lisbeth Elle hatte schwer zu kämpfen. Da war wieder ein Mensch, dem sie sich rückhaltlos hätte hingeben mögen; und wieder hatte das Schicksal für eine Mauer gesorgt, die sie nicht übersteigen konnte. Und doch waren diese Frühlingswochen schön. Freilich, Thomas Magnussen kam nicht um ihretwillen in das Haus, aber er kam. An einem Abend saßen sie alle vier auf der großen weißen Bank vor dem Hause. Es war bereits spät. Magnussen hatte schon ein paar Mal gesagt, daß es Zeit zum Aufbrechen sei, aber die Frau Doktor hatte jedesmal so freundlich zum Sitzenbleiben aufgefordert, daß er in einer gewissen schwerfälligen Unentschlossenheit immer noch geblieben war. Der Mond hatte sich schon längst sehen lassen und nun zogen auch die Sterne herauf. Aus einem fernen Katen drangen die Töne der Ziehharmonika. Die Nacht war warm. Das Licht der Sterne fiel in Lisbeths Stube. Sie setzte sich an das Fenster und schaute zum Himmelsbogen hinauf. Da wurde sie ruhiger. In dieser Nacht beschloß sie, im Herbst von hier fort zu gehen und noch einmal ihr Heil dort draußen zu versuchen. Ein paar Tage später trat sie aus ihrer Haustür. Es war um die Mittagszeit. Die Sonne stand hoch am Himmel und der ganze Fleck vor der Haustür, die sechs weißen Stufen, die lackierte Gartenbank, der Efeu an der Hauswand und selbst die runden und vollbelaubten Linden, alles flim merte in blendendem Licht. Auf der obersten Stufe räkelte sich ein junges Kätzchen und schaute Lisbeth mit zusammengezogenen schmallinsigen Augen schläfrig an, als sie es auf den Arm nahm Sein graues Fellchen wa: heiß vom Sonnenbrand und heiß waren die Steine und die Haustür, an der Lisbeth lehnte Sie trug ein langes, weißes Kleid mit einem fliederfarbenen Band. Ihr Hals und ihre Arme waren bloß, und das feingliedrige goldene Kettchen um ihren Hals, der im Sommer noch brauner war, gleißte bei jeder Bewegung ihres dunklen Kopfes. Ihr Haar schimmerte bläulich. Da kam Magnussen die Stufen heraufgesprungen. Er wollte eine Bestellung an Frau Gröger machen, aber Eva mar in den Ort gegangen, und Lisbeth versprach, alles auszurichten. Er Scheer, des Admiralstabes. Heinrich Merschmann vermietet ist. Das Gebäude ist vollständig niedergebrannt und konnte von der gesamten Ernte nichts gerettet werden. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. * Paderborn, 25. August. Zur Verhütung von neuen Preistreibereien bei den kømmenden Verkäufen des Obstbehanges hat das Landratsamt für dan Orais Maxaanann an einladender Traulichkeit, die uns namentlich aus allen Winkeln der Aula anlachte, die zugleich als Kapelle dient, wo in Morgenandachten und abendlichen Vertiefungsstunden etwas aus religiöser oder profaner Literatur zur seelischen Erhebung vorgelesen wird.(Die Landschulheime vertreten nämlich nach dem Grundsatze des Dr. Lietz, ihres Begrünzienser Abtei Amelunxborn, vom Grafen Siegfried von der Homburg erbaut, die erste Niederlassung des kalturverbreitenden Ordens der Zisterzienser ostlich der Weker. Amelunxborn rief später verschiedene Tochterklöster ins Leben, so die Abtei Døberan in Mecklenburg, die heute das Erbbegräbnis der Großherzöge von Mecklenburg(( stand vor ihr und hatte den Kneifer abgenommen. Er hätte gehen können, aber er blieb stehen, und wie er sie so unverwandt ansah, fühlte sie, wie ihr das Blui ins Gesicht stieg. „Wollen Sie nicht mit mir hereinkommen, Herr Magnussen?“ fragte sie und drehte sich nach der Haustür um. „Ach nein, Fräulein Lisbeth, bitte, lassen Sie. Ich möchte allerdings gern ein Leutnant Loewenhardt, einer unserer erfolgreichsten Kampfflieger, der in den Generalstabs=Berichten häufig ehrenvoll erwähnt wurde und bereits seit einiger Zeit mit dem Orden Pour le mérite ausgezeichnet ist. chen auf ihrem Arm. „Sagen Sie doch, Fräulein Lisbeth, ich habe jenen Nachmittag nicht vergessen, wo Sie einstmals bei mir waren. Es ist allerdings schon Jahre hen Es war am Tage. meine Mutter starb. Ich möchte gern wissen, ob Sie mir noch böse sind. Denn ich weiß seit langem, wie unverantwortlich ungerecht ich bamals gegen Sie gewesen bin und Fräulein Lisbeth—“ er sah sie wieder an —„wie unendlich töricht.“ Lisbeth antwortete nicht. „Als ich vor einigen Wochen meine Braut zu Ihnen brachte, da geschah das natürlich nicht ohne Absicht. Ich wollte Ihnen Gelegenheit geben, mir ebenfalls eine Bitte abzuschlagen. Nun ist alles so anders gekommen! Sie haben mich so sehr beschämt. Ich und meine Braut nehmen so viele Güte und Freundlichkeit in Empfang. Ich möchte Ihnen einmal meine Dankbarkeit aussprechen, aber bisweilen stört mich ein Gedanke. Sagen Sie einmal, Fräulein Lisbeth, wenn Sie jetzt so ganz anders gegen mich handeln, als ich es verdient habe— ist es nicht, um feurige Kohlen zu sammeln? Darf ich glauben, daß wirklich nur Ihr Herz zum Ausdruck kommt? Sagen Sie—“ da brach er ab. Sie hatte ihm ohne ein Anzeichen ihrer inneren Erregung antworten wollen, aber bei seiner letzten Wendung stiegen ihr die Tränen in die Augen. Er griff erschrocken nach ihrer Hand. Das Kätzchen sprang davon. „Fräulein Lisbeth, aber Fräulein Lisbeth, ich glaube, nun habe ich Sie wieder verletzt. Mein Gott, ich habe das nicht gewollt. Nur Gewißheit wollte ich haben, Wenn Sie wüßten, wie bitter ich jenen Nachmittag bereue! Es kommt manchmal etwas wie Verzweiflung über mich, wenn ich an ihn zurückdenke. Lisbeth, wenn Sie jemals im Leben wieder einer Hilfe bedürfen, wollen Sie daran denken, daß mir für Sie keine Mühe zu groß sein wird? Es ist so bitter, zu denken, daß ich mir in jener Stunde für immer Ihr Vertrauen soll verscherzt haben.“ Seine Erregung gab ihr die Ruhe wieder. Sie reichte ihm die Hand mit einem zittrigem Lächeln und antwortete mit leiser, fester Stimme: „Nein, das haben Sie nicht, gewiß nicht! Ich würde heute wie damals zu Ihnen kommen, wenn ich mich in einer Not befände. Wir wollen nicht mehr an jene Stunde denken.“ Wieder standen sie sich stumm gegenüber und schauten sich suchend, fragend in die sonnebeglänzten Gesichter. Ihre Hände hatten sich fest umklammert. Da tönte ein kleiner, unbedeutender Laut von der Straße her an ihr Ohr. Durch Lisbeth Elles schlanke Gestalt ging ein Zucken. Wie aus einem Traum erLeutnant d. R. Karl Rothenburg, ein märkischer Elementarschullehrer, erhielt den Orden Pour le mérite. Er hat den Krieg von Anfang an mitgemacht und ist seit zwei Jahren Leutnant und Kompagnieführer. Generalfeldmarschall v. Gichhorn wurde am 30. Juli in Kiew auf dem Wege vom Kasino zu seiner Wohnung durch ein Bombenattentat tödlich verletzt und starb kurze Zeit darauf an den schweren Verwundungen. wachend löste sie die Hände aus denen Thomas Magnussens. Er konnte sehen, wie ihr braunes Gesicht von einer glühenden Röte überflutet war. Dann war sie hinter der Tür verschwundenDie nächste Zeit vermied sie es, mit Eva Gröger zusammen zu sein und ging lieber allein ihre Wege durch die sommerliche Landschaft. Sie ging wie im Traum. Aber dann kam ein Tag, wo es ihr zum Bewußtsein kam, daß es nicht die Stimmen der Vögel waren, auf die sie lauschte, sondern auf die Stimme von Thomas Magnussen, die immer noch in ihrem Herzen weiter tönte, daß es sein Bild war, was sie draußen im Walde vor sich sah, und sein Schritt, den sie zu hören glaubte, wenn der Wind durch das Gras strich. Da erschrak sie vor sich selber und ging noch in derselben Stunde in den Garten und brach einen Arm voll Rosen, die jetzt in voller Blüte standen und stieg damit hinauf in das kleine Zimmer und legte der Freundin ihren Reichtum in den Schoß. Era Gröger hatte don Tisch von das Fenster gerückt und die Vorhänge weit zurückgeschlagen. Noch vierzehn Tage würde sie so sitzen, dann war ihre Hochzeit, und Eva Gröger siedelte in das wohlausgebaute Haus mit den beiden schlanken Birken über. Sie alle beide dachten daran, als sie to in die blühende Landschaft hnausblickten. Heute in vierzehn Tagen! Ein Glockenschlag zitterte durch die blaue Sommerluft, Eva Gröger machte sich los. „Ich muß mich zurechtmachen, Liebling, Thomas erwartet mich im Walde.“ Sie trat an ihre Kommode, zog ein Päckchen Bilder hervor und legt sie vor Lisbeth hin.„Sieh sie Dir einmal an und sage, ob Du je lieblichere Kinderbilder sahst...“ Es war eine Sammlung alter, verblichener Kinderphotographien von Tom Magnussen. Sie hatten über dreißig Jahre in einem schwarzen Rähmchen im Schulmeisterhaus über dem Wachstuchsofa gehangen und waren jetzt bei der Renovierung der Zimmer abgenommen. Lisbeth nahm eines nach dem anderen zur Hand. Sie kannte sie wohl, aber mit wie ganz anderen Augen sah sie jetzt in die Kindergesichtchen als damals. „Du sagst ja gar nichts, Lisbeth. Sieh Dir einmal diesen Kleinen an. Er ist so lieb und hat etwas an sich, das mir immer die Tränen in die Augen treibt. Was muß er für ein hübsches Kind gewesen sein!“— Und Eva suchte einen Karton hervor, wo Klein=Tommy in einem karrierten Kleidchen mit strahlendem Lachen und weit ausgestreckten Aermchen auf einem schönen Photographensamtstuhl hockte. Lisbeth nickte.„Ja, Eva, Dein Bubi ist lieb. Aber sieh Dir einmal dies hier an. Ich meine, es ist doch schöner. Was für unvergleichliche Augen. Die Aufnahme ist schon so sehr verblaßt, aber der Blick der Augen hat noch heute etwas Ergreifendes.“ Und sie bog sich zurück und hielt Eva das Bildchen hin, das angefertigt war, als Thomas sein Abiturium gemacht hatte. Es zeigte ein feines Jünglingsgesicht. Eine Welt voll Glauben und Vertrauen lag in dem in die Ferne gerichteten Blick. Aber es war natürlich, daß gerade dies Bildchen in Eva Gröger trübe Vorstellungen wecken mußte. 9 11 ( 11 Eva Gröger stand mitten im Zimmer, sie hätte eigentlich Eile haben müssen, aber sie drehte unschlüssig den Ring an ihrem Finger. „Bitte, Lisbeth, beantworte mir einmal eine Frage.“ „Ja.“ „Frage nicht, warum ich Dich frage, und gib mir keine ausweichende Antwort. Sage ja oder nein, nichts weiter.“ „Wenn ich es kann.“ „Glaubst Du, daß ich Thomas Magnussen glücklich machen werde?“ Ste starrte immer noch auf ihren Ring. Aber als gar keine Antwort kam hob sie den Kopf und blickte in Lisbeths blasses Gesicht. Und sie glaubte die Antwort in dem bekümmerten Ausdrück zu lesen und drehte sich um. Da ging die Freundin ihr nach und zog sie zu sich auf den Bettrand. „Nein, nein, Eva, so ist es nicht gemeint. Aber solche Fragen sind immer gefährlich, für den Fragenden wie für den Gefragten. Ich könnte Dir sagen: ja, Du wirst es! Aus vollem Herzen könnte ich es sagen, denn, Eva, ich habe nie eine Frau gesehen, die ich liebenswerter fände als Dich. Du bist so lieb und gut. Aber glücklich machen, Eva? Ich meine, das gibt es überhaupt nicht. Du kannst unendlich gut und geduldig. Du kannst ein Engel sein, aber ich meine, in diesem allerengsten Sinne da genügt der gute Wille nicht, da kann Dir überhaupt Deine eigene Kraft nicht belfen. Glück, Eva, ist ein Wunder oder ein Geschenk“ Eva Gröger stand auf. „Also so denkst Du! Ich glaube fast, Du hast recht. Es ist sehr schwer. Aber ich muß jetzt gehen, ich möchte Thomas nicht warten lassen“ Sie griff nach Hut und Handschuben In der Tür drebte sie sich noch einmal nach Lisbeth um. Sie nickten sich beide zu, und dann ging Frau Gröger. hr. leichter Schritt auf der Treppe verhallt war, erhob sich Lisbeth und nahm sich wieder jene Bilder vor und sie blickte so lang in das schöne ideale Gesicht, bis in ihre Augen Tränen traten und sie es mit einem Aufschluchzen aus der Hand legen mußte. Da hörte sie unten ihre Mutter rufen. Schnell trocknete sie sich die Augen, wickelte die Bilder in ein dunkelblaues Seidentüchelchen, damit sie nicht noch mehr ausblichen, und ging hinunter.—————— Frau Gröger war rasch in die Landstraße eingebogen, die sict wie ein schimmerndes graues Band inmitten der hohen frischgrünen Knicks hinzog. Sie ging, ohne sich umzusehen, denn es war ihr unangenehm, Thomas warten zu lassen. Es war so in diesen Tagen eine seltsame Unruhe in ihm. Sein Leben war allerdings jetzt, wo die Handwerker von seinem Hause Besitz ergriffen, wenig behaglich. Er mußte aus einer Stube in die andere ziehen, und wohin er auch flüchtete, überall war Ungemütlichbeit, offene Türen, frischgelegte Zementdielen und geölte Balken. Dazu roch es unangenehm nach Firnis und dem ausgetrockneten Kleister der neuen Tapeten Die Fenster waren sämtlich ausgehakt und lehnten draußen in der Sonne. Die Küche hatte ein ganz anderes Aussehen erhalten: die schwarze offene Herdstelle war verschwunden und eine zierliche, blanke Kochmaschine stand an ihrem Platz, und hier wie auf dem Flur hatte ein dunkelhaariger Italiener mit einem romantischen Namen ein samtglattes vielfarbiges Terrazzo gelegt. Eva wußte nicht, wie sich die alten Möbel in den jetzigen Stuben ausnehmen würden, und sie hatte nicht den Mut, sie auf den Boden zu stellen und neue anzuschaffen. Denkmal zur Grinnerung an die Ginführung der Kartoffel als Feldfrucht in Deutschland. Das Kartoffeldenkmal befindet sich bei Braunlage im Harz an einer einsamen Stelle. Dort sind 1748 die ersten Versuche mit dem Kartoffel=Anbau als Feldfrucht gemacht. her schlendert eben so hin.“ Als sie jetzt zwischen den blühenden Heden ging, nahm sie sich mit aller Bestimmtheit vor, heute so zu ihm zu reden, wie ihr im innersten Herzen zu Mute war. Sie brach ein paar Jelängerjelieberblüten bis sie einen großen Strauß hatte. Thomas Magnussen liebte den Duft sehr. Der Anblick der freundlichen Blumen stimmte sie sogleich vertrauensseliger, und als sie in den Wald trat und das helle Sonnenlicht durch das junge Blättergrün auf dem vorjährigen Laub spielen sah, wurde sie ganz heiter. Sie stieg eine lange Wurzeltreppe hinunter, die mit einem Geländer aus dünnen Tannenstämmchen versehen war; drunten floß die Beck und war in dem Tal zu einem Fischteich ausgegraben worden, der auf dem jenseitigen Ufer von hohen Buchen eingefaßt wurde. Auf der Bank dort un en hatte sie oft gesessen. Frau Gröger kniff die Augen zu und sie sah Thomas Magnussen auf ihrem Platz sitzen. Er blickte nicht auf, als sie auf ihn zuschritt, und ihr erster Gedanke war, daß er wegen ihrer Verspätung erzürnt sei; aber als sie vor ihm stand und ihm lachend den Strauß hinstreckte, sah er sie so erstaunt und versonnen an, daß sie wohl wußte, er war mit seinen Gedanken weit fort gewesen. Er rückte sogleich zur Seite und deckte sein Tuch über die alte morsche Bank. „Würde es Dir morgen passen, Thomas, mit uns in die Stadt zu fahren? Wir müssen endlich unsre Einkäufe machen.“ Thomas Magnussen stand auf, pflückte eine längst verblühte Anemonenstaude und betrachtete mit Botanikerblicken die Wurzelfaserchen. „Ach, Eva,“ sagte er, „morgen kann ich nicht. Ich habe einen Termin, der sich vermutlich sehr in die Länge ziehen wird. Sagen wir also übermorgen. Was willst Du denn noch einkaufen, wo ich so notwendig dabei sein muß?“ „Ich hatte an eine neue Einrichtung gedacht Du kannst ja Dein Arbeitszimmer behalten, wenn es Dir lieber ist. Aber es bleibt doch noch so viel anderes, was zu ersetzen ist, zum Beispiel—“ „Ja, Eva, da muß ich Dir etwas sagen. Zunächst bin ich nicht so sentimental, wie Du zu glauben scheinst. Mir liegt nämlich an dem alten klapprigen Hausrat gar nichts. Ich denke, wir richten uns später recht gemütlich ein. Es gibt doch wirklich schöne Sachen heutzutage. Ich habe das seitnur aus Bequemlichkeit unterlassen. Mein Gott, man (Fortsetzung folgt.) Kamerad Kallmeyer. Erzählung aus der Kriegszeit von Heinrich von Heiligenstadt. (Fortsetzung.)(Nachdruck verboten.) III. andern Morgen herrschte helleres Wetter. Der der nebst frischem Kommisbrot und weißem Schmalz Himmel hatte sich aufgeklärt und der warme Kaffee, zum Morgenimbiß gereicht wurde, wundete Trautmann vortrefflich. Johannes Kallmeyer, der schon vor ihm munter gewesen war, hatte die Pferde gefüttert und geschirrt und sich dann entfernt, ohne an dem Frühstück teilzunehmen. Fast eine Viertelstunde verging, ehe er zurückkehrte. Ein stiller, feierlicher Ernst lag auf seinem biederen Gesicht, als er endlich ankam. ) Heinrich Merschmann vermietet ist. Das Gebäude ist vollständig niedergebrannt und konnte von der gesamten Ernte nichts gerettet werden. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. * Paderborn, 25. August. Zur Verhütung von neuen Preistreibereien bei den kommenden Verkäufen des Obstan einladender Traulichkeit, die uns namentlich aus allen Winkeln der Aula anlachte, die zugleich als Kapelle dient, wo in Morgenandachten und abendlichen Vertiefungsstunden etwas aus religiöser oder profaner Literatur zur seelischen Erhebung vorgelesen wird.(Die Landschulheime vertreten nämlich nach dem Grundsatze des Dr. Lietz, ihres Begrünzienser Abtei Amelunxborn, vom Grafen Siegfried von der Homburg erbaut, die erste Niederlassung des kalturverbreitenden Ordens der Zisterzienser östlich der Weser. Amelunxborn rief später verschiedene Tochterklöster ins Leben, so die Abtei Døberan in Mecklenburg, die heute das Erbbegräbnis der Großherzöge von Mecklenburg1 ( „Wo warst Du, Kamerad?“ fragte der Jurist, der lächelnd die Wolken am Himmel betrachtete, deren Säume von der aufgehenden Sonne rosig angehaucht waren. „Es ist ein Feldgeistlicher im Lager!“ entgegnete der Gefragte. „Nun?“ „Ich habe gebeichtet und kommuniziert. Ich bin nämlich katholisch!“ sagte Kallmeyer.„Du wohl nicht?“ „O, doch!“ antwortete der Jurist. „Nun,— der Pater ist noch zu sprechen,— das heißt, wenn Du willst— Ein Schatten flog über das Gesicht des Rechtsanwalts, als sein Kamerad, ihn treuherzig anblickend, das sagte. „Jetzt nicht,— ein anderes Mal vielleicht,“ bemerkte er abweisend.„Willst Du denn nicht frühstücken?“ „Aber— nicht zu knapp!“ Der wackere„Fahrer vom Bock“ entwickelte den prächtigsten Appetit und die beste Laune „Jetzt fühl' ich mich gleich wieder ruhiger!“ sagte er noch, als sie schon wieder unterwegs waren. Weiter aber streifte er sein Morgenerlebnis mit keinem Worte. Fröhlich plaudernd unterhielt er sich mit seinem Sitzgenossen, dessen Einsilbigkeit er kaum bemerkte. Sein Beruf hatte den Rechtsanwalt gelehrt, die Vorgänge und Eindrücke in der Seele scharf zu analysieren. Immer aber waren bei solchen Studien andere die Angeklagten gewesen.... Jetzt aber zwang ihn die düstere Stimmung des Grauens vor einer geheimnisvollen, großen Lebensgefahr, mit sich selbst ins Gericht zu gehen. Und nun sah er zu seinem Schrecken, daß ihm zu seinem Berufe als Soldat die wichtigste, die seelische Vorbereitung fehlte. Er erkannte, daß der Harnisch seiner Seele verrostet und reparaturbedürftig sei. Wie im Fluge gingen in der Folge die Wochen dahin. Zwischen dem Akadomiker und dem ehemaligen Fabrikkutscher ward das Verhältnis immer herzlicher und kameradschaftlicher. Noch immer— trotzdem er schon Gefreiter geworden war,— saß Fritz Trautmann als„Reservefahrer“ neben dem wackeren Kallmeyer. Wieder einmal schraubte sich der endlose Wagenzug der Munitionskolonne zur Kampffront über holprig=gefrorene, mit tiefem Schnee bedeckte Wege. Die„Fahrer“ und„Reservefahrer“ steckten in dicken Schafpelzmänteln und trugen mollige Baschkierenmützen. Die Offiziere ritten, ähnlich in Pelz und Wolle gehüllt, den Zügen voran und schienen oft in dem Nebel zu verschwinden, der die ebenen Kampfgebiete bedeckte. „Wenn doch nur die Sonne schiene!“ murrte Fritz Trautmann, nachdem er seinem Kameraden die kognakgefüllte Aluminiumflasche gereicht hatte. Kallmeyer trank einen bedächtigen, kleinen Schluck und gab die Feldbuddel zurück. Dann sagte er langsam: „Mir ist's lieber so. Wenn jetzt Sonnenschein wäre, hätten wir keine Ruh vor den Luftkutschern.“ „Hm. Ja, die Flieger... Du scheinst sie nicht zu lieben.“ „Nein,'s sind unheimliche Feinde. Und weißt Du, Trautmann, Du bist'n gebildeter Mann und lachst wohl gar darüber. Aber,— ich hab' so'n Vorgefühl, als ob mir, wenn ich mal im Felde falle, so'n Flieger den Tod gibt.... Neulich nachts träumte ich davon und seitdem läßt's mir keine Ruhe... Nein, — nein! Früher machte ich mir auch nichts daraus. Aber jetzt, — es ist, wie so'ne Ahnung. Aber,— laß es kommen, wie es will: ich bin immer bereit! Und hier in meiner Brusttasche— hab' ich'nen Brief, an meine gute Mutter daheim. Frau und Kinder hab' ich nicht... Wenn's mal so sein sollte, Kamerad, dann nimmst Du den Brief,— es ist noch Platz auf der letzten Seite,— und dann schreibst Du ein paar Zeilen an die alte Frau.— und dann schickst Du ihn ab, nicht wahr.. „Gern. Aber— ich könnte ja eher an die Reihe kommen wie Du!“ „Nein. Glaub's nicht. Mir ist, als stiegst Du bald höher, Unteroffizier d. R.,— Vizefeldwebel,— Leutnant. Du hast ja bald das Handwerk gelernt. Und Schneid hast Du auch. „Danke! Das schmeckt ja wie eine Liebeserklärung...“ „Nee, alles was recht ist!“ Der wackere Kallmeyer schwieg, schob sich den Wollschal über den Mund und versank in das übliche Sinnen, das der Jurist schon an ihm kannte. Auch der Nebel hatte sich verzogen. Ein Stück klarer Himmel wurde sichtbar, und leichter Wind schien dabei zu sein, die Dunstballen nach Östen zu jagen. Die Kälte, die morgens recht empfindlich gewesen war, hatte nachgelassen,— und so herrschte überall frohe Laune. Von Wagen zu Wagen flogen Witzworte. „Heute, wenn wir früh ins Quartierlager kommen, mach' ich mir einen Schneemann!“ rief der Rechtsanwalt in bester Laune.„Der Schnee ballt sich prächtig.. „Mir tun nur die armen Pferde leid!“ meinte Kallmeyer. Und dann, plötzlich wieder an das Gespräch vom Morgen anknüpfend,— nestelte er aus der Tiefe seiner Manteltasche einen Brief hervor, reichte ihn Trautmann und sagte:„Da,— das ist der Brief! Also,— ohne viel Worte,— Du tust mir den Gefallen?“ „Aber, Mensch!“ rief der Jurist.„Wie kann man solch trüben Gedanken nachhängen!— Doch!“ fuhr er ernster fort, als er Kallmeyers bittenden Blick gewahrte,„mir soll's recht sein. Ich steck ihn denn ein. Hoffentlich bekommst Du ihn bald zurück.“ „Wie's Gott will! Nun bin ich ganz ruhig...“ (Schluß folgt.) Bur Belehrung und Unterhaltung. XN Rösselsprung. Füllrätsel. AAAAAABDEEEEEEFGHI LMMNNRRRRSTTTTUUUU Vorstehende Buchstaben sind in die Felder der nebenstehenden Figur derart einzutragen, daß die wagerechten Reihen Worte von nachstehender Bedeutung ergeben: 1. griechische Göttin, 2 berühmte Schlachtflotte, 3. Figur aus der römischen Geschichte, 4. Östseeinsel, 5. weiblichen Namen, 6. landwirtschaftliches Produkt Pyramidenrätsel. A Die Buchstaben in der nebenstehenden AAA Pyramide sind so zu ordnen, daß die AABDE wagerechten Neihen ergeben: 1. BuchEEILLLN staben, 2. weiblichen Namen, 3. deutschen NNOORSTUV Fluß, 4. See in Asien, 5. Truppenteil. Die beiden Seiten der Pyramide ergeben dann einen deutschen Bundesstaat und eine Telefunkenstation. Die zwölf Streichhölzer sind so umzulegen, daß in einer wagerechten Reihe dreimal fünf liegen. Silbenversteck=Rätsel. Waldemar, Breisach, Sonnenschein, Kiste, Ball, Esra, Schrein. Jedem der vorstehenden Worte sind mehrere zusammenstehende Buchstaben zu entnehmen, welche zusammen ein Sprichwort ergeben. Auflösung der Rätsel in nächster Nummer. Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer: Silbenrätsel: Kopenhagen, Odysseus, Euphrat, Nigeria, Indien, Givet, Kadi, Oran.— König Konstantin. Scharade: Falkenhayn. Nachdruck aus dem Inhalte dieses Blattes verbaten.— Redigiert unter Verantwortlichkeit des Herausgebers. Herausgeber und Drucker: Chr. Münstermann in Gelsenkirchen. )