Amtliches Kreisblatt für den Stadtkreis Lüdenscheid. ** Amtlicher Anzeiger für den Rreis Altena. Fernsprecher: 98.— Telegramm-Adresse: Zetn Druck und Verlag von Karl Sasse(Tilgenkamp& Rubl), Lüdenscheid.— Redaktion und Expedition: Friedrichstraße 9 I.— Verantwortlicher Redakteur: Theodor Buth, Lüdenscheid. Dr. 247. Morgenblatt Freitag, 20. Oktober 1916. 49. Jahrgang. Arscheint täglich mit Ausnahme der Sonnund Feiertage. Der Preis beträgt monatlich 55 Pfg., (ohne Postgebühren). Anzeigen bis morgens 9 Uhr erbeten. Die einspaltige Petitzeile oder deren Raum kostet 18 Pfg.; Reklamen die Zeile 40 Pfg. (Jede Rabattbewilligung wird hinfällig bei gerichtlicher Beitreibung der Gebühren.) Großes Bauptquartier 19. Oktober. Amtlich.(WTB) WESTEN Front des Generalfeldmarschalls Kronprinzen Rupprecht von Bayern Nördlich der Somme gestern wieder ein erfolgreicher Großkampftag. Im schweren Ringen ist ein neuer Durchbruchsversuch der Engländer zwischen Le Sarb und Morval vereitelt worden. Ihre Angriffe die dort vom Morgengrauen bis zum Mittag gegen unsere zähe verteidigten im Nahkampf gehaltenen oder durch Gegenstos= wieder genommenen Stellungen geführt wurden, sind zum Teil schon in unserem starken gutgeleitetem Artilleriefeuer gescheitert. Unbedeutender Geländegewinn der Engländer nördlich von Eaucourt l’Abbaye und Gueudecourt, der Franzosen in Sailly und auf dem Südufer der Somme zwischen Biaches u. La Maisonette bei einem Angrif in den Abendstunden gleicht die schweren blutigen Verluste des Gegners nicht aus. OSTEN Front des Generalfeldmarschalls Pringen Leopold von Bayern. Nördlich von Sinawka wurden feindliche Gräben auf dem Westuser des Stochod genommen Bei Bubnow Angriffc rufsischer Gardetruppen verlustreich für den Gegner abgewiesen. Front des Generals der Kavallerie Erzherzog. Carl. An den Pässen über die rumänische Grenze sind erfolgreiche Kämpfe im Gange. Balkan Mazedonische Front. An der Czerna haben sich neue Kämpfe entwickelt. Erster Generalquartiermeister Ludendorff. Der ölterreichlich-ungarische Generalstab meldet (WTB) Wien, 19. Oktober. Amtlich. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Carl Die Kämpfe an der siebenbürgischen Süd= und Ostgrenze dauern an. Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Südlich von Zborow erfolgreiche Unternehmungen unserer Vorposten. Bei der Armee des Generalobersten von Terstzyanski wurden Vorstöße russischer Gardeabteilungen abgeschlagen, am oberen Stochod einige feindliche Gräben in Besitz genommen. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Kämpfe im Pasubiogebiet erneuerten sich mit gesteigerter Erbitterung. Die durch Alpinis verstärkte Brigade Liguria griff unsere Stellungen nördlich des Gipfels an. Stellenweise gelang es dem Feinde, in unsere vorderste Linie einzudringen. Die braven Tiroler Kaiserjäger=Regimenter Nr. 1 und Nr. 3 gewannen jedoch alle Stellungen wieder und nahmen einen Bataillonskommandanten, 10 sonstige Offiziere, 153 Mann gefangen und erbeuteten 7 Maschinengewehre. Ein neuerlicher Angriff der Italiener wurde abgewiesen. Starke feindliche Abteilungen, die sich vor dem Boite=Rücken sammelten, wurden durch unser Artillerie feuer niedergehalten. An der übrigen Front stellenweise Geschützkämpfe. Die Wirkung unserer letzten (WTB) Die englische Presse ist in letzter Zeit in besonders aufälliger Weise bemüht, unsere Luftschiffangriffe auf England als völlig ergebnislos und unwirksam hinzustellen. Sie wird nicht müde, in aufdringlichster Weise der deutschen Kriegsführung den Rat zu erteilen, diese überflüssigen und kostspieligen Angriffe im eigenen Interesse aufzugeben. Damit stimm: es dann schlecht, daß man in England unter Hin weis auf die wachsende englische Luftschiff Flotte immer erregter die Erwiderung der Angriffe in Aussicht stellt. Recht interessant ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, daß die englische Regierung dem Internationalen Nachrichtenbüro in London bis auf weiteres das Recht entzogen hat, von London Preßtelegramme nach Newyork zu senden, weil dieses Pressebüro„unrichtige“ Nachrichten über die Erfolge der deutschen Lustschiffe nach Newyork gemeldet hat. Ueeber die verheerende Wirkung unserer letzten Luftangriffe, besonders auch über London, ist durch die Aussagen einwandfreier Augenzeugen bisher folgendes festgestellt worden: Beim Angriff vom 23. September wurden mehr als 100 Gebäude schwer beschädigt, die zum Teil nur noch Trümmerhaufen sind. Der Schaden wird auf über 2 Millionen Pfund Sterling(40 Millionen Mark) geschätzt. In der Nähe der Eisenbahnstation London=Brigthon wurden durch drei schwere Bomben zehn Einfamilienhäuser völlig zerstört. Regent Sreet, die Hauptgeschäftsstraße in London, wurde zum größten Teil niedergelegt. In einer südlichen Vorstadt Londons wurde eine Munitionsfabrik vernichtet. Die Eisenbahnstation Liverpool=Street sowie Brücke und Bahngleise wurden derart verwüstet, daß die Benutzung unmöglich wurde und die Wiederherstellung längere Zeit erfordern wird. Zwei Konservenfabriken im südlichen Stadtteil wurden vernichtet. Eine Untergrundbahnlinie, die zum Piccadilly=Zirkus führt, war drei Tage gesperrt. Beim Angriff vom 2. Oktober wurden über 200 Familien infolge Zerstörung ihrer Wohnungen obdachlos. Bei Thameshaven wurde an den Benzoltanks großer Schaden angerichtet. In Maple Street ist eine Reihe von 20 Häusern vernichtet. Die großen Reislagerräume der Firma Denny Sons wurden vernichtet. An der Ecke Stratford=HighStreet und Bowroad wurde ein Haus völlig zerstört. Die Bombe drang bis in den Keller. Die südlich hiervon liegenden Gebäude— fast die Hälfte des ganzen Häuserblocks— wurden gleichfalls zerstört. In Grimsby wurde eine Kaserne getroffen und über 400 Soldaten gerotet. Auf dem Humber wurde ein dort ankernder großer Kreuzer mit vier Schornsteinen durch eine Bombe getroffen. Der Menschenverlust beträgt ungefähr 60 Mann. Ebendaselbst wurden zwei englische Kriegsschiffe mit 1 bezw. 2 Schornsteinen schwer beschadigt. In Hull wurden schwerste Verwüstungen angerichtet. In einigen Stadtteilen stehen nur die Häuserwände, alles übrige ist ein Schutthaufen. In Leads wurde enormer Schaden an Munitionsfabriken und Eisenbahnstationen angerichtet. Im Hafen von Portsmouth wurden zwei Jachten zerstört und ein Wachlokal vernichtet. Ein Dock wurde schwer beschädigt, mehrere Eisenbahnwagen explodierten. Die Spritbrennerei der Firma Pink u. Sons und die Frucht= und Lagerspeicher der Firma Elders u. Fyffe daselbst wurden gleichfalls getroffen. Ein Güterzug von 12 Wagen voll Pferden wurde vernichtet. Zum Schluß noch folgende interessante Feststellung: Aus vielen Teilen des Landes kommen— so heißt es in der Londoner Wochenschrift The World, 3. Oktober— Klagen über überflüssige Luftschiffwarnungen, die dank der Nervosität geschäftiger Schutzleute den Deutschen in die Hände arbeiten. Ich bin fest davon überzeugt, daß der wirkliche Zweck dieser Luftschiffe nicht der ist, Frauen und Kinder zutöten oder die Bevölkerung in Schrecken zu versetzen, sondern der, die Munitionserzeugung Englands zu schädigen, und zwar nicht etwa durch Zerstörung der Münitionsfabriken, sondern vielmehr durch ihrer Stillegung während des Angriffs. In einigen Orten sind Tausende von Arbeitsstunden in dieser Woche verloren gegangen. Es wäre deshalb gut, wenn man die Warnungen erst dann erläßt und das Licht ausdreht, wenn sich die Luftschiffe wirklich auf 30 bis 40 Meilen genähert haben. * Aber England leugnet alles. (w.) London, 19. Oktober. Meldung des Reuterschen Büros. Anläßlich der letzten deutschen Mitteilung über den Schaden, der durch die Zeppelinangriffe auf London angerichtet wurde, veröffentlich das amtliche Preßbüro folgende Erklärung.„Es ist fast zwecklos zu sagen, daß dieser Bericht über den angeblichen Erfolg des Angriffes eine lächerliche Erfindung ist. Bezüglich der Marine erklärte der Staatssekretär der Admiralität, daß an dem Bericht, es seien ein Kreuzer mit 4 Schornsteinen und jwei andere Kriegsschiffe beschädigt und 60 Mann an Bord des Kreuzers mit den 4 Schornsteinen auf dem Humber getötet wurden, kein wahres Wort ist. Kein Kriegsschiff oder Handelsschif oder Personen, die zur Königlichen Marine oder zur Handelsmarine gehören, wurden durch Zeppelinbomben getroffen. Die ganze Geschichte ist eine Erfindung.(Alles zu bestreiten, war schon immer sehr bequem, aber der erste Beweis, das nichts widerlegbar ist. L. Z.) Landesverrat. Roman von E. Ph. Oppenheim. (Fortsetzung.)(Nachdruck verboten.) Ich erbot mich, zu ihm hinabzusteigen, um ihm behilflich zu sein. Aber die Prinzessin ergriff meinen Arm. „Nein, das dürfen Sie nicht!“ flüsterte sie mit einer Stimme, aus der deutlich ihre Besorgnis um mein Leben klang. „Wenn es nötig ist, laufe ich lieber ins Haus zurück, um Ihren Diener zu Hilfe zu rufen.“ Fast in demselben Augenblick rief auch schon der Russe von unten herauf, daß ich mich seinetwegen durch aus nicht zu bemnühen brauche. Der Hang sei bei weitem nicht so steil, wie er von eben aussehe, und er sei glücklicherweise ein leidlich gewandter Turner der in den Alpen schon mit anderen Scwie rigkeiten fertig geworden sei. Der Augenschein bewies, daß er mit dieser Versicherung nicht übertrieben hatte, denn wir sahen ihn alsbald mit ersieunlicher Geschidlickkeit emporklimmen, und nach Verlauf einiges banger Minuten war er wieder oben an unserer Seite. „Ich hoffe, Hoheit haben sich nicht verletzt,“ sagte die Prin zeisin, die die Erregung der ausgestandenen Angst noch nicht ganz überwunden hatte. Und in seiner verbindlichen Weie gab der Russe zurück; „Tank für die Teilnahme, gnädigste Prinzessin!— Siderlich ist es nicht von Belang. Nur eine kleine Beschädigung am Fuße— eine Verstauchung oder Sehnenzerrung oder et was dergleichen. Mit dem Gehen wird es allerdings wohl einige Schwierigkeit haben. Bis zu Ihrem Hause, Herr Lazar, aber hoffe ich immerhin mit Ihrer freundlichen Unterstützung zu gelangen." Er legte den Arm um meine Schulter, und wir kamen im langsamsten Tempo vorwärts. Er humpelte recht erläralich, und seine fest zusammengepreßten Lippen ließen darauf schließen, daß er heftige Schmerzen zu leiden hatte. Ich war in Schweiß gebadet, als wir endlich mein Heim wieder erreicht hatten, und mit tiefem Aufseuzen sank Seine Hoheit in meinem Arbeitszimmer auf denselben Sessel, den ich ihm vorhin angeboten hatte. „Vielleicht könnte man das Ponywägelchen aus dem Schlefse schicken, um mich abzuholen,“ meinte er.„Aber ich bin un tröstlich. Herr Lazar, daß ich Ihnen so viele Unruhe und Unständlichkeiten verursachen muß.“ „Die Umständlichkeiten haben durchaus nichts zu bedeuten,“ lehnte ich ab.„Aber es ist mir ganz unverständlich, wie Eurer Hoheit dieser Unfall zustoßen konnte. Der Raum auf der Klippe ist doch wahrlich groß genug, um einen sicheren Standort zu gewähren.“ „Ich könnte selber kau sagen, wie es zugegangen ist,“ stimmte er zu.„Wahrscheinlich hatte ich einen der kleinen Schwindelanfälle, unter denen ich neuerdings öfter zu leiden habe. Ich würde ja gern versuchen, zu Fuß nach dem Schlosse zurückzutehren, aber nach der Probe, die wir soeben gehabt haben, fürchte ich, daß der Weg für meinen augenblicklichen Zustand doch zu weit sein würde.“ Ich werde sogleich Sorge tragen, daß der Parkwagen hierbergeschickt wird,“ erklärte ich, und er erging sich abermals in Ausdrücken des Bedauerns über die Mühewaltung, der ich mich um seiner Ungeschicklichkeit willen unterziehen müsse. Ich schickte mich zu sofortigem Aufbruch an; die Prinzessin aber schien ungewiß, ob sie mich begleiten solle. „Es ist doch wohl besser, daß ich hier bei Ihnen bleibe, Prinz, während Herr Lazar die Freundlichkeit hat, sich auf das Schloß zu begeben." Dagegen aber erhob der Russe mit liebenswürdiger Entschiedenheit Einspruch. Ich kann das unter keinen Umständen zugeben,“ erklärte er,„einmal weil Durchlaucht damit ein Opfer bringen würden, und dann auch noch aus einem anderen, sehr egoistischen Grunde. Ich kann nämlich nicht verhehlen, daß ich ziemlich starke Schmerzen empfinde, und es ist von jeher meine Schwäche gewesen, daß ich in solchen Fällen menschliche Gesellschaft — und wäre es auch eine so liebenswürdige und beglückende Gesellschaft wie die Eurer Durchlaucht— nur sehr schlecht ertrage. Wenn Herr Lazar die Güte haben will, mir ein paar Zigaretten zur Verfügung zu stellen, habe ich keine andere Bitte mehr als die, mich bis zur Ankunft des Wagens hier meinem Schicksal zu überlassen.“ Nach dieser Erklärung blieb uns natürlich nichts anderes übrig, als uns seinem Wunsche zu fügen. Aber die Freude, mit der mich unter anderen Umständen die Aussicht auf ein kurzes Alleinsein mit Lydig erfüllt haben würde, regte sich diesmal nicht in meinem Herzen. Von dem Augenblick an, da ich das Arbeitszimmer verließ, lastete es auf mir vielmehr wie ein Gefühl schwerer Sorge, wie eine instinktive Furcht de ich damit etwas Törichtes oder Unrechtes täte. „Möchten Sie mir nicht sagen, Durchlaucht," fragte ich, nachdem wir die ersten hundert Schritte schweigend zurückgelegt hatten,„welchen Eindruck Sie von der Persönlichkeit dieses Prinzen haben?— Sie teilten mir mit, daß Sie ihn nur oberflächlich kennen; aber auch bei oberflächlicher Bekanntschaft pflegt man sich ein Urteil über das Wesen und den Charakter eines Menschen zu bilden.“ „Wenn ich ganz offen zu Ihnen sprechen darf, Herr Lazar— ich verabscheue ihn. Er ist einer von den Menschen, die einem auf den ersten Blick Mißtrauen einflößen. In seinen Augen und um seinen Mund ist etwas, das mich mit Widerwillen erfüllt, und seine weltmännische Süßlichkeit erscheint mir als eine unaufhörliche Lüge. Manchmal fällt es mir wirklich schwer, in meinem Benehmen gegen ihn die Rücksichten zu beobachten, die ich ihm als dem Gast meines Vaters und als dem vertrauten Freunde meines Brudes schuldig bin." „Wissen Sie vielleicht, wie der Oberst Sutzko über ihn denkt?" „Nein.— Ueber die Sympathien oder Antipathien des Obersten bin ich nicht unterrichtet."“ „Durchlaucht wollen verzeihen!“ sagte ich ehrerbietig.„Ich fragte natürlich nicht aus indiskreter Neugier, sondern weil es für mich von einiger Bedeutung sein würde, zu wissen, ob der Oberst diesen Prinzen ernsthaft nimmt, und ob er die Vermutungen des Grafen Stolojan teilt.“ „Aber Sie werden ihn selbst darum befragen müssen. Der Oberst ist einer meiner besten Freunde. Aber er hat nicht die Gewohnheit, mir seine geheimsten Gedanken anzuvertrauen.“ Wieder war etwas wie kühle Abweisung in ihrer Antwort gewesen. Aber der Blick, mit dem sie mich dabei ansah, war voll Güte, und unter dem mächtigen, zwingenden Eindruck, den ihre Gegenwart stets auf mich hervorbrachte, fand ich den Mut zu erwidern: „Durchlaucht mögen mich für einen unmännlichen Schwächling halten. Aber zu einem menschlichen Wesen wenigstens muß ich sprechen können. Ich weiß ja nicht, wem ich trauen darf— wen ich für ehrenhaft halten soll und wen für einen Verräter. Sie sind die einzige, der ich in Augenblicken ratlosen Zweifels mein Herz auszuschütten wagen darf." „Ich habe das alles vorausgesehen, Herr Latzar, und Sie werden sich erinnern—— „Ja, ja— ich erinnere mich, daß Durchlaucht mich ge Politische Tagesüberlicht. Der Kaiser in der Champagne. „Kriegsberichterstatter Prof. Wegener meldet aus Vouziers. 18. Oktober, daß gestern mittag der Kaiser dort war. Dem ersten Wagen entstieg der Monarch im Helm, nach ihm der Kronprinz, in Husarenmütze. Empfangen und geleitet vom Oberkommandierenden der Champagne=Armee, Generaloberst v. Einem, und seinem Stabschef, Oberst v. Oldershausen, schreiten sie in das Kasino, wo der Monarch dem Oberkommandierenden, dem Verteidiger der Champagnefront, das Eichenlaub zum Orden Pour le mérite überreichte. Im Anschluß an einen Vortrag des Stabschefs besprach der Kaiser mit den Leitern des Stabes unter Ausschluß der Oeffentlichkeit die militärische Lage an der Champagnefront. Bei dem daran sich schließenden Frühstück fiel es auf, wie ausgezeichneter Stimmung der Kaiser war, augenscheinlich von der größten Klarheit und Zuversicht. Unter anderem äußerte er seine lebhafte Genugtuung über die schweren Verluste des Gegners. Gegen 2½ Uhr setzte der Monarch die Reise fort, während der Kronprinz in sein Hauptquärtier zurückkehrte.— Reichskanzler v. Bethmann Hollweg und der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes v. Jagow befinden sich für einige Tage im Hauptquartier. Der Krieg gegen Rumänien. (bb.) Wien. Ueber die letzte Unterredung des österreichisch ungarischen Gesandten Czernin mit Bratianu, die nach der rumänischen Kriegserklärung am 28. August stattgefunden hat, um von Bratianu freie Abreise der in der österreichisch-ungarischen Gesandtschaft eingeschlossen gehaltenen Mitglieder der Kolonie zu erlangen, teilt die„Neue Freie Presse“ nach der Erzählung eines Miteingeschlossenen, der dort die Darstellung des Verlaufs der Unterredung aus dem Munde Czernins vernommen hat, folgende Einzelheiten mit: Bratianu verstellte sich auch diesmal. Mit geheucheltem Entsetzen erklärte er, nichts läge ihm ferner als Czernin Unannehmlichkeiten zu bereiten, die auf der Gesandtschaft befindlichen Personen würden dort belassen und ausreichend verpflegt werden, während er, wie die zehntägige Gefangenhaltung der in die Gesandtschaft Geflüchteten später bewies, beabsichtigte, die Auslieferung einiger von diesen zu erpressen. Heuchlerich versuchte Bratianu sogar noch gegenüber Czernin freundschaftliche Töne anzuschlagen, er sagte dem Gesandten, er möge es ihm nicht verübeln, daß er ihm die Unwahrheit gesagt habe, aber Rumä niens Wohl habe dies erfordert. Er möchte, daß sie als Freundè schieden. Czernin erwiderte ihm, die Täuschung sei versucht worden, aber nicht gelungen, wovon ihn die militärischen Ereignisse bald überzeugen würden. OesterreichUngarn sei militärisch vorbereitet. Es gebe auf Deutsch ein Sprichwort, das laute:„Wer zuletzt lacht, lacht am besten“ und das Ende sei noch nicht da. Die zum Abschied von Bratianu ihm gebotene Hand nahm Czernin nicht an. Budapest. Der Pester Lloyd berichtet aus dem k. k. rKeigspressequartier: An der Östfront und in Siebenbürgen überstürzen sich die Ereignisse Die 4. rumänische Armee trachtet in einer panikartigen Flucht, die Karpathen zu erreichen. Im Begriff, die Uebergänge des Ge birges zu erreichen giebt sie das ganze in Ungarn besetzte Ge biet preis. Ihr Rückzug ist durch Brandstiftungen und Verwüstungen gezeichnet.— Die rumänische Telegraphenagentur meldet aus Bukarest:„Die französische Generalstabskommission— General Berthelot, 8 Obersten, 8 Majore und insgesamt 25 Offiziere— ist nach 25tägiger Reise ohne Zwischenfall hier angekommen. Dem Parisien zufolge ist der englische General French mit 13 englischen Stabsoffizieren nach dem Besuch der französischen Front über Skandinavien nach Rumänien abgereist. Bulgarischer Bericht (WTB.) Sofia, 19. Oktober.(Bericht vom 18. Oktober.) Mazedonische Front: Oestlich des Prespa=Sees und am Czernabogen lebhafte Artillerietätigkeit. Ein Angriff weier feindlicher Negerkompagnien in der Umgebung des Dorfes Nepotcheni wurde leicht zurückgeschlagen. Der Feind zog sich darauf zurück und erlitt große Verluste. Feindliche Angriffe, die nach heftiger Artillerievorbereitung bei den Dörfern Slevnitza und Ternea und bei der Höhe Dobropolje unternommen wurden, scheiterten mit großen Verlusten für den Feind. Im Moglenicatal das gewöhnliche Artillerie- und Infanteriefeuer. Feindliche Flieger warfen ergebnistos Bomben auf Prielep und ein Krankenhaus. Auf beiden Seiten des Wardar schwache Artillerietätigkeit. warnt haben, diesen Posten anzunehmen. Aber, mein Gott, was sollte ich denn tun— mittellos und ohne alle Aussichten, wie ich war? Hätte ich mir nicht mein Leben lang Vorwürfe machen müssen, daß ich eine solche Chance hätte vorübergehen lassen, nur um einer Warnung willen, deren Motive mir vorenthalten wurden?" Die Prinzessin schien den Vorwurf zu überhören, den meine letzten Worte enthielten. Sie warf einen Blick umher, um sich zu vergewissern, daß kein menschliches Wesen sich in unserer Nähe befand, und dann, indem sie mir ihren Kopf ganz nahebrachte, flüsterte sie mir zu: „An diesem Morgen hat sich etwas Besonderers ereignet — nicht wahr?" Sie wartete, daß ich ihr unaufgefordert noch etwas Weiteres sagen würde. Und sie mußte sich in großer Erregung befinden. Obwohl wir seit dem Beginn des Gespräches unsere Schritte verlangsamt hatten, hörte ich doch, in wie raschen Atemzügen ihre Brust sich hob und senkte. Ich war voll des heißesten Verlangens, ihr alles zu sagen; aber das Versprechen, daß ich dem Groß=Bojaren gegeben, verschloß mir die Lippen. „Fordern Sie nicht, Durchlaucht, daß ich Ihnen mehr effenbare!“ sagte ich nach einer Weile.„Es würde Sie ja auch nur beunruhigen und wie eine drückende Last auf Ihrer Seele liegen. Fühle ich doch an mir selbst, was es bedeutet, ein solches Geheimnis tragen zu müssen.“ Da fühlte ich den leichten Druck ihrer Hand auf meinem Arm und den warmen Hauch ihres Atems an meiner Wange. „Wenn Sie mir nichts offenbaren wollen, wie können Sie dann auf meine Teilnahme rechnen oder— sofern ich sie Ihnen gewähren kann— auf meine Hilfe?“ „Um solchen Preis darf ich Sie weder um das eine noch um das andere bitten, Durchlaucht!— Auch wenn ich reden wollte, ich dürfte es nicht. Das, was geschehen ist, muß vorderhand ein unverbrückliches Geheimnis bleiben zwischen Ihrem Vater und mir." „Zwischen meinem Vater und Ihnen!" wiederholte sie wie in tiefem, sorgenvollem Nachdenken. Dann aber, noch ehe ein weiteres Wort zwischen uns hatte gesprochen werden können, erfaßte sie meinen Arm mit festerem Griff und blieb in augenfälligem Erschrecken stehen. Und ich begriff, was sie mit Ein Versuch feindlicher Infanterie, gegen einen unserer Posten südlich des Doiransees vorzugehen, mißlang. An der Strumafront beschoß feindliche Artillerie einige bewohnte Ortschaften vor unserer Front. An der ägäischen Küste beschossen die feindlichen Flieger die Höhe bei dem Dorfe Orfano und die Straße Kawalla—Drama. Die schweren Kämpfe um Monastir. Der Sofioter Berichterstatter des Az Est gibt eine zusammenfassende Meldung von den schweren Kämpfen um Monasuit: Sarrail ist es unter fürchterlichen Verlusten gelungen 206 Quadratkilometer serbischen Gebiets zu erobern. Bei diesen Kämpfen litten am schwersten die Serben, die an den gefährlichsten Punkten kämpften und die Hälfte ihrer reorganisierten Armee einbüßten. Monastir sei schon jetzt vollständig gesichert. Die bulgarischen Gegenangriffe begannen am 12. Oktober und dauerten bis zum 15. Oktober. Sie führten zu einem großen Erfolge bei der Eisenbahnlinie Monastir—Florina und beim Cerna=Bach. Der Feind erlitt ungeheure Menschenverluste. Die bulgarischen Gegenangriffe nahmen dem Feinde die Hoffnung, weiter vorrücken zu können, während die Bulgaren hoffen dürfen, das verlorene Gebiet in kurzer Zeit zurückzuerobern. Aus Malmö wird nach einer in Odessa erscheinenden Zeitung berichtet, daß das gesamte reorganisierte serbische Hee: 110 000 Mann umfaßt habe. Dadon waren zu Beginn der Balkanoperationen 1916 als Sondertruppe in der russischen Armee rund 30 000 Mann vereinigt. In Mazedonien kämpften rund 80000 Serben, wovon 70 000 Mann an der Front und 10 000 Mann in der Etappe waren. Bis zum 28. September haben die 110000 Serben nach der Angabe des Blattes nicht weniger als 36 000 Mann verloren. Welffalen und Rheinland. Städtische Schulschwestern. In einer ganzen Reihe von Städten ist die Einrichtung der„Schulschwester“ bereits zur Einführung gelangt. Sie stellt ein Hilfsorgan des Schularztes dar und zugleich ein Bin deglied zwischen Schule und Elternhaus. Nicht überall handelt es sich um eigene städtische Schwestern, öfters stellt ein Verein(Tiakonieverein, Frauenverein) die Schwestern zur Verfügung und die Stadt zahlt dann das Entgelt zum Teil nur an den Verein. Soweit Anstellung durch die Stadt erfolgt ist, überwiegt wohl der Privatdienstvertrag, zoch findet sich auch Anstellung als Beamtin. Nachstehend stellen wir die Anstel lungs= und Gehaltsverhältnisse in einigen rheinischen Städten kurz zusammen, wie sie uns vor kurzem seitens der betr. Städte der Zentralstelle des„Deutschen Städtetags“ mitgeteilt worden sind. Diese weist indessen ausdrücklich darauf hin, daß ihr der Umfang des Dienstes und etwaige Nebenleistungen oder sonstige wichtige Umstände vielfach nicht bekannt sind. Barmen: Die städtische Schulschwester bezieht ein Gehalt von jährlich 1200 Mark. Daneben hat sie freie Woh nung, Heizung und Beleuchtung. Düsseldorf: Zurzeit sind drei Schulschwestern unter Vorbehalt einer gegenseitigen vierwöchigen Kündigungslerechtigung angestellt. Die Anstellung erfolgt durch den Dezernenten der Schulverwaltung nach Vorschlag des Stadtarztes. Das Anfangsgehalt beträgt jährlich 1500 Mk., zurzeit beziehen die Schwestern ein jährliches Gehalt von 1600 Mk. An Kleidungsstücken werden den Schulschwestern Hauben und Schürzen geliefert. Außerdem erhalten sie je eine Straßenbahndienstfahrkarte. Elberfeld: Eine Schulschwester ist auf Privatvertrag angestellt. Der Evangelische Diakonieverein hat der Stadtverwaltung eine Schwester als Schulschwester unter folgenden hauptsäcklichen Bedingungen zur Verfügung gestellt: viertel jährliche gegenseitige Kündigung. Die Stadt hat an den Diakonieverein 660 Mk. sowie 600 Mk. an die Schulschwester jährlich, in vierteljährlichen Raten im Voraus zu zahlen. Die Invaliditäts= und Altersversicherungs= usw. Beiträge hat die Stadt zu zahlen. Außer den vorstehenden Vergütungen gewährt die Stadtverwaltung der Schwester eine jährliche persönliche Zulage von 200 Mk. Der Ausbau der Zulage zu einer Staffel ist in Aussicht genommen. Essen: Feste Gehaltsätze sind für die Schulschwestern nicht eingeführt. Die Besoldung richtet sich nach dem Lebensund Dienstalter und beträgt 1200 bis 1800 Mk. Solingen: Die städtischen Schulschwestern erhalt n neben freier Station ein Anfangsgehalt von 480 Mark, steigend jährlich um 60 Mk. bis zum Höchstbetrage von 720 Mk. Die„Mitteilungen“ der genannten Zentralstelle(1916 Bestürzung erfüllt hatte, denn auch ich vernahm jetzt deutlich den Klang menschlicher Schritte, die sich uns aus der Richtung her, die wir gekommen waren, in großer Eile zu nähern schienen. 14. Kapitel. 6 Nicht lange blieben wir darüber im Ungewissen, wer der Verfolger sei, und früher als die meinigen hatten die scharfen Augen der Prinzessin ihn erkannt. „Es ist François," sagte sie.„Er sucht uns. Mein Gott, was kann er wollen?“ Wir tragen aus dem Dunkel der Gebüsche hervor, in das mich Lydig unter dem Eindruck des ersten Schreckens gezogen hatte, und nun wurde der Kammer diener unserer ansichtig. „Was gibts?“ rief ich ihm zu.„Haben Sie mir etwas zu melden?" „Nichts, Herr Lazar, als daß Sie besser getan hätten, Ihr Arbeitszimmer jetzt nicht zu verlassen, und daß es sehr gut sein würde, wenn Sie ohne jeden Zeitoerlust dahin zuruckkehrten." Ich ersparte es mir, irgendeine weitere Frage an ihn zu richten, oder mich bei der Prinzessin zu entschuldigen. Taran, daß François mir nicht ohne die allertriftigste Veranlassung nachgeeilt war, hegte ich ja keinen Zweifel, und der Gecanke an die in meinem Schreibtisch nur sehr unzuläng ich g sicher ten Papiere beflügelte meine Schritte. Ohne mich um den gebahnten Weg zu kümmern, eilte ich in gerader Richtung nach meinem Hause zurück, und ich mäßigte die rasende Eile meines Laufes erst, als ich die erleuckteten Fenster meines zu ebener Erde gelegenen Arbeitszimmers vor mir sah. Einer Eingebung des Augenblicks sogend, schlich ich mich auf den Fußspitzen vollends heran, bis es mir möglich war, einen spähenden Blick in das Gemach zu werfen. Und ich sah, was ich nach der Warnung des Dieners zu sehen erwartet hatte. Der Prinz Boris Dolgorukow stand vor meinem Schreibtisch und er hielt ein Bündel ven Pap eren in der Hand, die er nur der noch offen stehenden Schublade ent nommen haben konnte. Wohl hatte ich diese Schublade vorhin vor unseremn Aufbruch versperrt, aber ich wußte wohl, daß das Schloß nicht Nr. 20—21) führen außerdem noch die Städte Schöneberg, Breslau, Charlottenburg, Fürth, Hannover, Jena, Karlsruhe, Mainz, Mannheim, Nürnberg, Rüstringen, Stuttgart, Weimar, Wiesbaden auf,— keine einzige Stadt Westfalens. Der einzig Schuldige In der Mittwoch=Sitzung der Stadtverordnetenversammlung zu Hagen führte der dortige Oberbürgermeister Cuno u. A. aus: Wir sind allmählich dahingekommen, daß alle wichtigen Nahrungsmittel unter Ausschaltung des freien Handels in öffentliche Verwaltung genommen sind und durch behördliche Maßnahmen unter die Bevölkerung gleichmäßig verteilt werden. Die Schwierigkeit einer solchen gewaltigen Umstellung unseres Wirtschaftslebens liegt vor allem darin, daß es bisher nicht gelungen ist, auch die landwirtschaftliche Produktion durch behördliche Maßnahmen entsprechend zu beeinslussen. Ohne Zweifel hat die Ausübung eines bestimmten Arbeitszwanges namentlich auf die Landbevölkerung, da jetzt vielfach Frauen die Bestellung der Felder zu besorgen haben, seine großen Bedenken; ich glaube aber, daß wir jetzt auf dem Standpunkt angelangt sind, wo in den Städten die bisherige Fortführung der Industrie und der Munitionsherstellung für unser Heer gefährdet ist, und daß jetzt durch die äußersten Mittel dafür gesorgt werden muß, diese sicherzustellen.(Lebhafte Zustimmung.) Wir werden an einem weiteren Eingriff in die persönliche Freiheit auch der landwirtschaftlichen Bevölkerung und an der Einführung eines gewissen staatlichen Arbeitszwanges auf dem Lande im Interesse der Allgemeinheit nicht vorbeikommen. Welche Rückwirkungen sich dabei auch für die städtische Bevölkerung bezüglich der Frage, welckhe Arbeit sie jeden Tag im Dienste der Allgemeinheit leisten will oder nicht, ergeben müssen, steht noch dahin; sie werden jedenfalls nicht ausbleiben. Die immer mehr sich ausdehnende Regelung aller Lebensmitte zweige bringt natrülich für die Verwaltung der Städte gewaltige Arbeitslasten mit sich. ..... Die Schwierigkeiten in der Kartoffelversorgung zeigen wieder, wie nötig die straffe Regelung und Rationierung im Interesse der Allgemeinheit war. Sonst würden jetzt die Leute, die das Geld dazu besitzen, sich rücksichtslos zu versorgen, ihre Keller voll liegen haben, während die Gesamtheit nicht wüßte, wo sie ihren Tagesbedarf hernehmen sollte. Heute besteht unsere Hauptaufgabe daheim darin, die augemeine Rationierung so strena wie möglich durchzuführen, und die ganze Bevölkerung hat ein Interesse daran, mitzuarbeiten, daß nach und nach auch die letzten Versuche einzelner, auf unrechtmäßigem Wege durch Kniffe aller Art mehr zu bekommen, als ihnen zusteht, verhindert werden. Und noch auf eins will ich hinweisen: Man ruft in der Lebensmittelfrage immer nach irgendeinem Schuldigen. Erst sollten es die unzulänglichen Gemeindeverwaltungen sein, dann klagte man die oberen Behörden an; dann wurde das besondere Kriegsernährungsamt gebildet, jetzt macht auch das es noch nicht gut! Wir sollen demgegenüber doch immer wieder das eine bedenken, daß die ganzen Schwierigkeiten in unserer Lebenshaltung nur einem zu verdanken sind, unserem bittersten Feinde, England, das unter Bruch jedes Völkerrechts diesen Aushungerungsplan gegen unser ganzes Volk ins Werk gesetzt hat und durch das allein die ganzen Schwierigkeiten heraufbeschworen sind. Bei jeder Brotkarte, bei jeder Fleischmarke muß unsere Bevölkerung sich erinnern, daß sie das alles England und nur diesem zu verdanken hat. Unser ganzes Kriegsziel muß deshalb das sein, daß wir aus diesem Kriege so hervorgehen, daß eine ähnliche Absperrung Deutschlands und ein neuer Versuch, uns in dieser Form auszuhungern, für immer unmöglich gemackt werde. Bis dahin müssen wir versuchen, durch immer neue Lösungen der auftauchenden Schwierigkeiten Herr zu werden. Wiederholt haben wir ja vor der äußersten Knappheit gestanden; aber immer wieder ist es doch gelungen, darüber hinwegzukommen, und so wird es wohl auch mit dieser Kartoffelnot sein, die doch schließlich noch eine befriedigende Lösung finden wird. Lustige Ecke 4 Es wird erzählt, der König Karol habe im vertrauten Kreise zuweilen seufzend geäußert:„Es gibt in Rumänien zwei anständige Menschen— meinen Kammerdiener und mich.“ König Karol starb bekanntlich. Auch der Kammerdiener ist schon lange tot(„Lustige Blätter.") eba besonders künstlich war, und daß es sia wohl mit einem Dietrich oder einem anderen geeigneten Instrument leicht aufbringen lassen mußte. An die Möglichkeit freilich, daß ein Prinz, ein bevorzugter Gast des Groß=Bojaren, sich bis zu einem derartigen Diebesmanöver erniedrigen könnte, hatte ich nicht gedacht. In dem nämlichen Moment, da ich volle Gewißheit über das Vorgefallene erlangt hatte, verließ ich meinen Becbachterposten und eilte in das Haus. Aber ich halte die Tür nicht ohne jedes Geräusch öffnen können, und ich mußte die Diele, sowie ein Vorzimmer passieren, bevor ich in den Raum gelangte, in dem sich der Russe befand. Es waren gewiß nur Sekunden, die darüber vergingen, aber für meinen durch das Knarien der Haustür gewarnten Besucher hatte diese kurze Zeit doch ausgereicht, sich auf die Komödie zu bereiten, die er mir verzuspielen gedachte. Als ich auf die Schwelle des Arbeitszimmers trat, saß er mit leidender Miene da, wo wir ihn vortin verlassen hatten. Von den Papieren war nichts zu sehen, und die Schublade des Schreibtisches war geschlossen wie zuvor „Ah, Herr Lazar!“ sagte er mit einer unbesangenen Gleichgültigkeit, die mir unter anderen Umständen gewiß einige Bewunderung für seine schauspielerischen Talente abgenötigt hätte.„Sie sind ja sehr schnell zurück. Haben Sie etwas vergessen?" Ich suchte meine zornige Aufregung niederzuhalten, so gut ich's vermochte; aber ich bemühte mich nicht, in dem Ton meiner Crwiderung die Verachtung zu verbergen, von der ich gegen diesen erbärmlichen Spion erfüllt war. Ja, ich vergaß, den Inhalt meines Schreibtisches in Sicherheit zu bringen.“ „Einc sehr lobenswerte Vorsicht! Zumal wenn man tewas Wertvolles zu hüten haten. Ihr Haus liegt wirklich ein bischen zu einsam, als daß es für die Aufbewahrung kostbarer Schätze besonders geeignet wäre.“ Ich lehnte mich an den Tisch und firierte ihn mit durchdringendem Blick. „Ich habe keine Kostbarkeiten zu hüten, Durchlauct! Und deshalb bin ich außerordentlich gespannt zu erfahren, was an meiner bescheidenen Habe in so hohem Maße das Interesse des Prinzen Dolgorukow zu erregen vermag.“ (Fortsetzung folgt.) Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonnund Feiertage. Der Preis beträgt monatlich 55 Pfg., (ohne Postgebühren). Amtliches Kreisblatt für den Stadtkreis Lüdenscheid. ** Amtlicher Anzeiger für den Nreis Altena. Ferniprecher: 98.— Telegramm-Adresse: Zeitung.= Anzeigen bis morgens 9 Uhr erbeten. Die einspaltige Petitzeile oder deren Raum kostet 18 Pfg.; Reklamen die Zeile 40 Pfg. (Jede Rabattbewilligung wird hinfällig bei gerichtlicher Beitreibung der Gebühren.) Druck und Verlag von Karl Salse(Tilgenkamp& Rubl), Lüdenscheid.— Redaktion und Expedition: Friedrichstraße 9 I.— Verantwortlicher Redakteur: Theodor Huth, Lüdenscheid. Nr. 247. Mittagsblatt Freitag 20. Oktober 1916. 49. Dahrgang. Truppen=Transportdampfer versenkt (WTB) Berlin, 19. Oktober. Amtlich. Von unseren Unterseebooten wurden im Mittelmeer versenkt: Am 4. Oktober der leere englische Truppentransportdampfer„Franconia"(18 150 Brutto=Register=Tonnen), am 19. Oktober der bewaffnete englische Truppentransportdampfer Croßhill(5002 Brutto=Register=Tonnen) mit Pferden und serbischen Begleitmannschaften. Am 12. Oktober der bewaffnete englische, tief beladene TruppenTransportdampfer Sebek(4600 Brutto=Registertonnen). Croßhill und Sebek befanden sich auf dem Wege nach Saloniki. Am 16. Oktober hat eines unserer Unterseeboote Fabrik= und Bahnanlagen bei Catanzaro(Calabrien) mit Erfolg beschossen. * Die versenkten Truppentransportdampfer. (WTB) Bern, 19. Oktober. Ein Leitartikel im Journal soll die öffentliche Meinung in Frankreich wegen der Torpedierung der„Gallia“ beruhigen. Der Verfasser zählt die bisher versenkten Truppentransportdampfer in folgender Weise auf: Admiral Hamelin 55 Mann ertrunken, Galvados 740 Mann ertrunken, Provence 1059 Mann ertrunken, Ville de Rouen 3 Mann ertrunken, Gallia 1050 Mann ertrunken. Angesickts der neuen Liste der Versenkten, wird diese nunmehr nicht wenig bereicherte Liste kaum die gewünschte Beruhigung bringen. * Unsere U=Boote im Schwarzen Mecr. (bb.) Karlsruhe. Schweizer Blättern zufolge meldet die russische Zeitung„Westnik“, daß von den von Sewastopol und Odessa nach der kaukasischen Küste fahrenden Schiffe 11 Schiffe überfällig sind. Im Schwarzen Meer wurden zahlreiche russische Segelbarken versenkt von deutschen Tauchbooten, auf die jetzt russische Torpedojäger Jagd machen. Nicht U 53, sondern U 35 ist das Schiff, dessen Kommandant Arnauld de la Periere(genant v. Arnauld) mit dem„Pour le mérite“ ausgezeichnet wurde. Im Mittelmeer führte U 35 seine glänzenden Taten aus, während U 53 an der amerikanischen Küste sich auszeichnet. Die unrichtige Ziffer ist auf den Draht zurückzuführen So entstand die irrtümliche Meinung das Heldenboot U 53 sei vom Mittelmeer nach Amerika gekommen. Um so froher dürfen wir sein, daß wir in allen Meeren solche Heldenboote haben. Politische Rundichau. Der Hauptausschuß des Reichstags begann gestern die Beratungen der Ernährungsfragen. Das Zentrum beantragte Vorlegung einer Statistik über die Zahl der beim Kriegsernährungsamt und der Kriegsgesellschaft beschäftigten Personen, über ihr Gehalt und ihre Konfelsion. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der Fortschrittler und der Sozialdemokraten angenommen. Präsident von Batocki erklärte in längerer Rede, bei Festsetzung der Höchstpreise sei Vorsicht am Platze, da unangebrachte Höchstpreise die Waren verdrängten. Ueber die Art der Bestrafung des Wuchers schweben Erwägungen. Die gesamte Wirtschaftserzeugung sei wunderbarerweise sehr hoch geblieben, trotzdem es an Arbeitskräften, Pferden usw. mangelte. Eine Erhöhung der Höchtpreise könne nicht bewilligt werden. Die Geteideversorgung verdiene alles Lob. Die Fleischrationierung sei jetzt durchgeführt. Noch größere Schwierigkeiten ständen der Rationierung von Butter und Milch entgegen. Auf Rückschläge müsse man sich gefaßt machen. Ein alle Nahrungsmittel umfassender Wirtschaftsplan sei bereits ausgearbeitet worden und werde baldigst vorgelegt werden. Vor einem zu großen Optimismus hinsichtlich der Körnerernte müsse gewarnt werden. Die lokalen Schwierigkeiten in der Kartoffelversorgung seien jetzt im allgemeinen überwunden. Der Kartoffelpreis sei angesichts des Ernteergelnisses sehr wehl zu verantworten. Ein Brief Ludendorffs. In einer vom Ausschuß für vaterländische Kundgebungen verenstalteten großen öffentlichen Versammlung in Magdeburg hielt der Reichstagsabgeordnete Schiffer einen Vortrag über umere Freunde und Feinde. Er besprach ausführlich die Natur und die Antriebe des Zusammengehens unserer Feinde, inbesondere die englische Auffassung vom Kriege und ging dann auf die bekannten Angriffe gegen den Reichskan ler ein indem er sich gegen diese Treibereien wandte. Behufs Unterstützung seiner Mahnung zur Einigkeit verlas er aus einem ihm zur Verfügung gestellten Schreiben des Generals Ludendorff folgende Stelle: „Daß es gewaltiger Leistungen bedarf, um die Hoffnungen zu Schanden werden lassen, die unsere Gegner mit ihren gleichzeitigen außerordentlichen Kraftanstrengungen auf allen Fronten verbinden, läßt sich nicht bestreiten, aber wir werden es schaffen, wenn das deutsche Volk in Einigkeit und Vertrauen hinter uns steht und sich das Heer nicht zermürbt in Streitigkeiten über die Zweckmäßigkeit der Mittel und Wege zum Erfolge. Wenn in gewissen Fragen den Fernstehenden ein Programm zu fehlen scheint, so ist damit nicht erwiesen, daß es wirklich fehlt. Ich bitte Euer Hochwohlgeboren, nicht müde zu werden, indem Sie zu Einigkeit und Zuversicht mahnen. Amerikas Neutralität. Amerika liefert Geschosse unseren Feinden und Geld, sowie Lebensmitteln. Seit einigen Wochen sind auch einige Tausend amerikanischer Geschütze an der Somme aufgestellt auf Seiten unserer Feinde. Amerikaner bilden ganze Truppenkörper in der kanadischen Armee. Amerikanische Flieger sind an der französischen und englischen Front gegen uns tätig, höchstwohrscheinlich sogar als ganze Geschwader. Nicht genug damit: Amerikanische Flieger haben sich sogar an dem Geschwaderflug nach Schwaben beteiligt; von den abgeschossenen Fliegern waren nicht weniger als drei Amerikaner. Der als gefallen schon gemeldete amerikanische Flieger Norman Prince(nicht Crice) war einer der Teilnahmer am letzten Streiffluge nach Schwaben wobei er durch ein deutsches Geschoß verwundet worden war, was zu seinem Tode führte. Auch die amerikanischen Flieger Chapman und Reckwell wurden bei diesem Fluge getötet. Die Schrecken des Friedens. Denen, die den Frieden um jeden Preis wünschen, die da meinen, jeder Friede sei immer noch besser, als dieser mörderische Krieg, antwortet Erich Schlaikier im zweiten Oktoberheft des„Türmers“(Stuttgart, Greiner u. Pfeiffe: Nun soll willig eingeräumt werden, daß die moderne Waffeniechnik den Krieg unter Umständen zu einer Hölle macht. Wer nach der Weise erbärmlicher Theaterstücke die moderne Schlacht mit einem jovialen„Immer feste druff“ abtun wollte, verdiente als Schriftsteller in der Tat gehenkt zu werden. Der Krieg ist entsetzlich. Er ist sogar noch viel entsetzlicher, als die im allgemeinen klägliche Phantasie der Pazifisten auszusprechen vermag. Die Verlogenheit liegt nur darin, daß der Frieden an sich schon etwas Gutes sei. Ein menschliches Herz, das von schwerer Trauer betroffen wurde, läßt sich das gern einreden, und eben darum sind jene verdächtigen Gestalten so gefährlich. Die Wahrheit aber ist, daß der Frieden so gut seine Schrecken hat wie der Krieg, und daß ein trügerischer und betrügerischer Frieden für unser Land einen Fluch bedeuten würde. Der Versasser schildert dann die Erfahrung, die er im tiefsten Frieden bei einer Forschungsreise durch das„dunkle Han burg“ gemacht hat— jede Großstadt hat diese dunkle Seite— und schließt mit den Sätzen: Noch einmal: Wir verkennen keinen Augenblick das Ent setzen des Krieges und würden eher unsere Feder zerbrechen, als daß wir uns eine Beschönigung zuschulden kommen ließen. Wenn man aber diese Schrecken benutzen will, um einem von vornherein verpfuschten Frieden das Wort zu reden, erheben wir Widerspruch. Der Krieg ist furchtbar— das ist unbestritten. Wer aber die große, tiefe Schöpferkraft des Kriegs zu leugnen wagt; wer seine heroische Größe in einem nassen Jammer zu ertränken versucht; wer auf der anderen Seite den Frieden als einen unter allen Umständen beneidenswerten Zustand hinzustellen wagt; wer ihn in eine freundliche Kulturerscheinung umfälscht und aus tendenziösen Gründen sseine eiternden Fäulniserscheinungen übersiebt— nun, der mag in Gottes Namen viele vortreffliche Eigenschaften haben, aber die Wahrheitsliebe ist gewiß nicht darunter. Zur Papierkrise in Frankreich. Bei Besprechung der Papierkrise in Frankreich und der Absicht weiterer Einschränkung des Formats der französischen Zeitungen ruft Senator Lumbert im Pariser„Journal“ aus: „Was für ein Sieg wäre das für Deutschland! Die deutschen Zeitungen erwecken weder durch ihr Format, noch. durch ihre Zusammensetzung den Eindruck irgend welcher Papierknappheit. Es ist klar, daß die deutschen Zeitungen, die im neutralen Ausland weit verbreitet sind, einen vorteilhaften Eindruck über die Lage Deutschlands erwecken. Die Zeitungen beweisen durch ihre Größe, daß trotz der Blockade Deutschland von seiner Kraft und Ueberlegenheit überzeugt ist und von innerer Tätigkeit überschäumt. Mit einer weiteren Einschränkung der französischen Zeitungen würde man Deutschland einen Gefallen tun und ihm die höchste Genugtuung zuteil werden lassen da es zusehen könnte, wie die bisher ungebrochene nationale Kraft der französischen Pressezusammen brechen würde." In Oesterreich=Ungarn scheint ein Wechsel im Ministerium des Aepßern, das jetzt durch den ungarischen Baron Burian sehr entschieden und glücklich vertreten wird, bevorzustehen. Im Falle eines Wechsels würde wieder ein Ungar berufen werden, da mindestens einer der drei gemeinsamen Minister nach feststehender Uebung Ungar zu sein pflegt, anderseits Krobatin und Koerber, der Kriegs= und der gemeinsame Finanzminister, schon Oesterreicher sind. Genannt werden als Nachfolger Graf Forgach, früherer Gesandter in Dresden und Belgrad, jetzt Sektionschef im Ministerium des Aeußern, Merey, zuletzt Botschafter in Rom, jetzt ebenfalls Sektionschef, und Graf Nikolaus Szecsen, früher Botschafter in Paris, nach Kriegsbeginn im Ministerium des Aeußern, jetzt Hofmarschall, in Budapest. Niederländisch Indien. Der Amsterdamer„Telegraf“ meldet aus Weltevreden, daß sich der Aufstand in Palembang längs des Paras=Flusses ausbreitet. Die Kolonne der Rashucs ist bei Paoch wahrscheinlich mit den Rebellen in Kampf geraten. Die Bevölkerung von Pemangoeng kehrt zurück. Bei Ajer Item im Tabir=Gebiet kam es zu kleinen Gefechten, wobei 15 Aufständische getötet und ebensoviele gefangen wurden. Ein holländisch-indisches Blatt berichtet nach einem Telegramm aus Soerabaja, es gehe in Pelembang das Gerücht, daß bei der Haussuchung Korrespondenz zwischen dem Sarikat Islam in Palembang und der Oberleitung des Bundes in Java über den Aufstand in Palembang und Djambi gefunden wurde. Kaufleute aus Palembang, die in Moeara Pospit ansässig waren, sind geflüchtet, nachdem alle ihre Waren und ihr ganzes Vieh vernichtet waren und man sie hatte zwingen wollen, sich dem Aufstand anzuschließen. In Pawas brach der Aufstand am 18. Oktober aus. * (bo) Berlin. Die Reichsregierung plant, einen Gesetzentwurf gegen die Uebertragung von Geschlechtskrankheiten durch Soldaten bei der Rückkehr in die Heimat dem Reichstage vorzulegen. Unter anderem sollen danach geschlechtskranke Soldaten beim Friedensschluß und in Genesungsheimen der Landesversicherungsanstalt usw. untergebracht werden dürfen. (bb.) Berlin. Der„Vorwärts" mußte bekanntlich am 8. Oktober auf Befehl des Oberkommandos in den Marken sein Erscheinen einstellen. Schließlich kam nach langen Verhandlungen der sozialdemokratische Parteivorstand dem Verlangen des Oberkommandos betr. eine Aenderung im Redaktionspersonal dadurch nach, daß er dem Oberkommando zur Kenntnis zu bringen, daß ein Mitglied des Parteivorstands in die Redaktion des„Vorwärts“ eintrete, mit der Vollmacht, über den Inhalt des„Vorwärts“ zu entscheiden. Das Oberkommando hat darauf durch Verfügung vom 17. Okt. 1916 das gegen den „Vorwärts“ ergangene Verbot aufgehoben. Berlin, 19. Oktober. In der weiteren Aussprache über die Zensurfragen im Hauptausschusse des Reichstages wurde der nationalliberale Initiativgesetzentwurf demselben Ausschuß überwiesen, dem der nationalliberale Initiativgesetzentwurf über die Schutzhaft überwiesen worden ist. (bb.) Berlin. Heute sind die hier lebenden Rumänen auf Verfügung der hiesigen Behörden interniert worden. Sie werden noch heute nach ihrem Internierungsort, Holzminden, gebracht. Die Zahl der hier ausässigen Rumänen ist eine verhältnismäßig große. Budapest. Die ungarische Regierung hat die Beschlagnahme aller Kartoffelvorräte angeordnet. Wenn die Anmeldung der Vorräte bis 31. Oktober nicht freiwillig erfolgt, wird die Beschlagnahme mit zwei Kronen für den Doppelzentner unter dem Höchstpreis vorgenommen. London, 18. Oktober. Nach dem„Economiste“ betrugen die russischen Kriegskosten 33 Millionen Rubel pro Tag. Während des ersten Kriegsjahrs bezifferten sie sich etwa auf 1675 000 Pfund Sterling täglich. Sie haben sich also verdoppelt und steigern sich weiter. (W.) London. Reuter meldet aus Long Breach. Präsident Wilson teilte mit, sein persönliches Ansuchen an die europäischen Herrscher, bei der Nahrungsmittelversorgung der„dem Hungertode preisgegebenen Polen“ zusammenzuwirken, sei fehlgeschlagen. Es seien die Antworten von Großbritannien, Frankreich, Oesterreich=Ungarn u. Deutschland eingegangen aber„wesentliche Meinungsverschiedenheiten“ verhinderten ein Uebereinkommen.(Wir haben über die„Meinungsverschiedenheiten" wiederholt berichtet. L. Z.) London. Die englische Verlustliste enthält die Namen von 157 Offizieren(40 gefallen) und 2970 Mann. Washington. Reuter. Amtlich wird mitgeteilt, daß kein Beweis dafür vorliege, daß bei dem jüngsten U=Bootsangriff an der Küste von Nantucket amerikanische Torpedojäger ersucht wurden, aus dem Wege zu gehen, um den U=Booten zu ermöglichen, Handelsschiffe zu zerstören. Die Torpedojäger hatten humanitäre Ziele im Auge. Es ist keine Anweisung dafür vorhanden, ob und wann eine erschöpfende Erklärung über die Haltung Amerikas gegen den U=Bootüberfall zu erwarten ist. Zur Lebensmittel=Knappheit der Entente. (w) London.„Daily News“ schreiben in einem Leitartikel über die Unterhausdebatte betr. die Lebensmittelfrage: Diese Frage sei von ausschlaggevender Bedeutung für den Ausgang des Krieges. Die Deutschen rechneten auf einen Sieg des Ausharrungsvermögens; sie rechneten darauf oder hofften, daß die Alliierten früher erschöpft sein würden, als sie selbst und man müßte offen zugeben, daß sich diese Auffassung begründen ließe. Was Lebensmittel und Geld beträfen, sei die Stellung der Alliierten viel weniger sicher, als militärisch(!!). Die Alliierten könnten sich nicht, wie Deutschland, selbst versorgen. Sie seien von ihren überseeischen Lieferungen und deshalb von Transportmitteln abhängig und das Ziel des Feindes sei, den verfügbaren Schiffs raum so zu verringern, daß die Lieferungen nicht mehr ausreichten. Welffalen und Rheinland. Elberfeld. Eine Milchhändlerin hatte täglich in den Morgenstunden 230 Milchkunden zu bedienen. Auf Anraten der Polizei richtete sie daher ein Kartensystem ein und kurz darauf eigenmächtig ein Strafgeldersystem. Sie forderte mehrfach von Frauen und Kindern, die ihre auf ihren Karten verzeichneten Stunden nicht eingehalten hatten, eine„Strafe“ von 5 oder 10 Pfg. Natürlich widersetzten sich die meisten, jedoch bestimmte Frau Sch.: entweder Strafe bezahlen oder keine Milch! Die meisten Kunden fügten sich diesem Zwange. Das Strafgeld wollte die Frau angeblich dazu verwenden, im Felde stehenden ihr bekannten Kriegern Liebes=Paketchen zu schicken. Nur wenige Tage dauerte dieser eigenartige Geschäftsbetrieb, dann wurde er behördlich unterbunden und gegen die Frau Anklage wegen Erpressung und unerlaubter Preissteigerung für Milch erhoben. Das Schöffengericht gelangte zu ihrer Verurteilung zu 1 Monat Gefängnis. In der Berufungsverhandlung der Strafkammer bestritt die Frau ganz entschieden, zu Unrecht Strafgelder erhoben und diese gar für sich behalten zu haben. Die Strafkammer nahm zu ihren Gunsten an, daß ihr das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit ihres Handelns gefehlt habe, sie erkannte daher auf Freisprechung von der Anklage der Erpressung, aber auf 200 Mark Geldstrafe wegen ungerechtfertigter Preissteigerung, die in dem Erheben der Strafgelder erblickt wurde, wenngleich der Frau geglaubt wurde, daß sie eine Bereicherung nicht beabsichtigt habe. Köln. Ein gutes Geschäft schloß ein hier fremder Händler mit einigen angeblichen Reisenden ab, die er in Köln kennen leinte und mit denen er verschiedene Wirtschaften besuchte, wo er wacker zechte und nebenbei mit seinen neuen Bekannten ein gutes Geschäft in Lebensmitteln abschloß. Der Abschluß dieses Geschäftes wurde dann noch mit einigen guten Pullen begossen und selig schwankte der Händler mit Unterstützung der hilfreichen Reisenden zum Bahnhof, wo die Gauner ihn in einem Abteil verstauten und seinem Schicksal überließen, nicht ohne ihn vorher um seine Barschaft von etwa 2500 Mark erleichterr zu haben. Ohligs. Herr Rektor Scherer hatte Besitzer der städtischen Kleingärten zu einer Besprechung in die Schule eingeladen. Er stellte ihnen vor, welche Unsummen von Zeit augenblicklich bei dem herrschenden Kartoffelmangel versäumt werde, da man gezwungen sei, alle 2—3 Tage stundenlang bei dem Händler zu stehen, um endlich einige Pfund Kartoffeln zu„erstehen“. Diesem Uebelstand könne in Öhligs mit einem Schlage abgeholfen werden, wenn die Besitzer der städtischen Kleingärten sich bereit erklärten, der Stadt einige halbe oder ganze Tage bei der Kartoffelernte behilflich zu sein. Die Stadt habe 150 Morgen Kartoffeln angebaut; es fehlten aber die Arbeiter, um sie auszumochen. Es gelte daher, bei günstigem Erntewetter, der Stadt seine Dienste anzubieten. Als die ersten meldeten sich zwei Frauen von 60—65 Jahren. Dann erklärten alle erschienen Frauen, etwa 125, sich zur Hilfe bereit. Die westfälische Frauenhilfe hielt am Montag in Dortmund ihre 12. Jahresversammlung ab. Nach Begrüßung durch Generalsuperintendenten D. Zöllner berichtete der Schriftführer Pastor Johanneswerth(Soest) über die zehnjährige, gesegnete Entwicklung der Westf. Frauenhilfe. Aus den bei der Gründungsversammlung am 7. März 1906 in Witten zur Frauenhilfe zusamn engeschlossenen 60 Frauenvereine sind heute 530 Vereine mit 90 000 Mitgliedern geworden. Der Frauendienst an der Gmeinde hat sich in der augenblicklichen schweren Zeit ganz besonders bewährt. Ueber eine Milllion Mark sind in einem Jahre durch die Hände der Frauenvereine gegangen, über 60 Eisenbahnwaggons mit Kleidungsstücken, Möbeln und Liebesgaben an die vom Krieg heimgesuchten Patenkinder, 17, Gemeinden in Östpreußen abgegangen.— Den Bericht über die nachgehende Fürsorge erstattete Frl. Ida Rothert (Münster). Auch diese erst seit einem Jahre bestehende Zweigarbeit der Westf. Frauenhilfe hat alle Erwartungen übertroffen. Pastor Cremer(Bielefeld) srpach über die Jugendpflege und die großen Frauenorganisationen der Gegenwart. Postor D. Hoppe(Potsdam) zeichnete neue Aufgaben auf dem Gebiete der Frauenliteratur. Stadt und hand. 20. Oltober. Aus dem Rathause. Da die Kartoffelmenge für den einzelnen herabgesetzt wird, sei darauf hingewiesen, daß die Stadtverwaltung große Mengen Weißkohl und Steckrüben hereinholt, sodaß jeder sich gut eindecken kann. Aus aller Welt von Kluck z. D. (w.) Berlin, 19. Oktober. Das Militärwochenblatt meldet: Von Kluck, Generaloberst von der Armee, zuletzt Oberbefehlshaber der 1. Armee ist in Genehmigung seines Abschiedsgesuchs unter Ernennung zum Chef des 6. Pommerschen Infanterieregiments Nr. 49 und unter Belassung im Verhältnis a la suite des Grenadierregiments König Friedrich Wilhelm I.(zweites ostpreußisches) Nr. 3 mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt. Er wird auch ferner in der Dienstaltersliste der Generale geführt. Keine Klagebriefe aus der Heimat an die Angehörigen im Felde! Unter dem Titel„Briefe aus Deutschland“ haben französische Flieger ein von der französischen Heeresverwaltung herausgegebenes Flugblatt über den deutschen Linien abgeworfen. Das Flugblatt ist eine Wiedergabe klichierter Klagebriefe, die aus der Heimat an deutsche, in französischer Gefangenschaft befindliche Soldaten gelangt sein sollen. Die Briefe behandeln sämtlich die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland und geben unseren Feinden natürlich erwünschte Gelegenheit, längstbekannte Dinge wie Lebensmittelknappheit, Rationierung der Fett= und Fleischportionen und ähnliche wirtschaftliche Maßnahmen schwarz in schwarz zu malen und es so hinzustellen, als ob der feindliche Aushungerungkrieg in Deutchland schon geradezu unerträgliche Zustände geschaffen habe. Die Briefe sind sämtlich im schlichten Stil des einfachen Volkes geschrieben und mit großem Geschick von den Franzosen zusammengestellt. Ihr Zweck leuchtet ein. Sie sollen bei dem einfachen Mann im Schützengraben eine möglichst nachhaltige Wirkung erzielen. Unsere Heimkämpfer, besonders unsere Frauen sollten sich überlegen, daß mit derartigen Klagebriefen, die die wahren Verhältnisse übertreiben, weder ihren Angehörigen in der französischen Gefangenschaft noch unserem Vaterlande gedient ist. Ohne daß es die Briefschreiber wollen, tragen sie mit solchen Jammerbriefen nur Mißmut in die Herzen derer, deren ungebrochene Kraft und Kampfeszuversicht für die HeimWeißkohl wird für Frisch=Gemüse bereitung aufbewahrt werden konnen oder aber zur Bereitung von Sauerkraut verwendet werden müssen. Ebenso ist die Stadtverwaltung bemüht, Wurzeln in größeren Mengen anzukaufen. Billiges Gemüse in Massen. In der„Deutschen Tageszeitung“ befindet sich nachstehende Zuschrift eines kgl. Domänenpächters: Der Krieg hat uns gelehrt, stets neue Nahrungsmittel heranzuziehen, welche wir vordem wenig oder gar nicht beachteten oder gar als wertlosen Abfall fortgeworfen oder auf dem Felde ließen. So hat jetzt die Reichsstelle für Obst und Gemüse in ihrem amtlichen Organ veröffentlicht, daß die Blätter der roten Beete einen ganz vorzüglichen, sehr gut schmeckenden Spinat ergeben. Die Zubereitung hat genau wie Spinat zu erfolgen. Es hat dieses Gemüse noch den Vorzug gegenüber dem Spinat, daß vor der Zubereitung kein Verlesen stattzufinden hat und daß auch kein Sand oder Erde anhaftet. Aus diesem Grunde ist auch kein Abfallverlust vorhanden. Es ist daher dieses Gemüse ergiebiger als Spinat. Es müßte hiervon der ausgiebigste Gebrauch gemacht werden aver sofort, weil jetzt die Ernte der roten Beete vor sich geht und später die wertvollen Blätter nicht mehr zu bekommen sind. Genau in der gleichen Weise verhält es sich mit den Blättern der Zuckerrüben, von welchen uns Millionen von Zentnern zur Verfügung stehen. Weiter habe ich festgestellt, daß aus den in den meisten Fällen fortgeworfenen Blättern der Kohlrüben, deren Ernte jetzt auch beginnt, ein Gemüsegericht hergestellt werden kann, welches genau wie Grünkohl schmeckt, wenn in der gleichen Weise hergestellt. Die Kohlrübenblätter sind sogar noch zarter, als die Grünkohlblätter. Auch hier handelt es sich um Millionen von Zentnern. Während nun diese vollwertigen Gemüse unbeachtet auf dem Felde liegen bleiben oder höchstens als Viehfutter benutzt werden, verzehrne unsere mehr als 2 Millionen Gefangenen Weißkohl, Kohlrüben, Mohrrüben usw. und sorgen dafür, daß schließlich auch im Gemüse eine Knappheit eintreten muß. Warum werden nicht diese heimischen Hilfsquellen, die zurzeit in geradezu unerschöpflichen Mengen zur Verfügung stehen, in ausgiebigster Weise herangezogen? Noch ist es Zeit hierzu, aber die höchste. Die genannten Gemüse sind nicht etwa nur Ersatzmittel, sondern durchaus vollwertig und nahrtraftig und können auf jedem bürgerlichen Mittagtisch erscheinen. Sie sollten daher auch von allen Kriegsküchen und großen Speiseanstalten gebraucht werden, um das andere Gemüse zu schonen, das wir noch dringend in den Wintermonaten gebrauchen. Die Kartoffelernte ist nach meinen Schätzungen ein Drittel geringer als die vorjährige Kartoffelernte. Wir haben daher um so mehr Veranlassung, jetzt noch alles Eßbare heranzuziehen, was sonst nur untergepflügt würde oder im günstigsten Falle als Viehfutter Verwendung findet. In meinem eigenen Betriebe stehen allein 100000 Zentner Blätter von roter Beete, Zuckerrüben und Kohlrüben zur Verfügung, und je nach Betrieb sind in den mehr als drei Millionen zählenden deutschen Landwirtschaftsbetrieben derartige Blätter in geradezu unerschöpflichen Mengen vorhanden. Zum Mindesten— meinen wir— sollten unsere Hausfrauen ausgiebige Versuche mit diesen Gemüsen machen. Warum nicht?— Vielleicht auch nähme die Stadtverwaltung sich der Sache an, indem sie größere Posten dieser Blätter ankaufte und billig auf den Märkten, in ihren Verkaufsstellen und durch die Händler zum Verkauf brächte. Die Verwertung in den Lehr= und Volksküchen dürfte der allgemeinen Einführung dieser Gemüsse von Nutzen sein. Der Westfälische Viehhandelsverband hat die Ausfuhr von Schlachtvieh(Rindvieh, Kälbern, Schweinen und Schafen) aus dem Bezirk des Verbandes verboten. Die Ausfuhr von Zugvieh, sewie von Zucht= und Nutzvieh der genannten Tiergattungen ist unter gewissenen Bedingungen gestattet, die aus der im Anzeigenteil unserer heutigen Nummer veröffentlichten Bekanntmachung des Landrats zu ersehen sind. Die Ausfuhr von Zug=, Zucht= und Nutzvieh aus einem Kommunalverband in einen anderen innerhalb des Westfälischen Viehhandelsverbandes ist frei von Beschränkungen. Frachtfreie Beförderung des Gepäcks Gefallener. Auf den deutschen Staatsbahnen wird das gesamte Gepäck gefallener Offiziere und Mannschaften— d. h. alle zum persönlichen Gebrauch bestimmt gewesenen Gegenstände— frachtfrei befördert. In den Frachtbriefen ist deshalb zum Ausdruck zu bringen, daß es sich um solches Gepack handelt. Hühner und Fleischkarte. Bei der Freilassung der Hühner von der Fleischkarte handelt es sich lediglich um eine für den Kommunal=Verband Berlin seitens des K. E. A. genehmigte Uebergangsmaßregel, um die angeblich angehäuften großen Mengen von Hühnern nicht dem Verderben preiszugeben. Eine weitere Freilassung der Hühner von der Fleischkarte ist nicht beabsichtigt. Auch die Auslandshühner können der Fleischkarte nicht entzogen werden, da es keine Möglichkeit gibt, die Auslandsherkunft wirklich beweisend festzulegen, was besonders zu Unzuträglichkeiten im Restaurationsbetriebe führen würde. In Zukunft wird es den Kommunalverbänden möglich sein, auch größere Mengen Hühner durch entsprechende Lagerung in Kühl= und Gefrierhäusern auf Vorrat zu legen. Durch etwaige Freilassung der Hühner von der Fleischkarte würde sich alsbald ein erhebliches Steigen der Preise bemerkbar machen, was wiederum ein starkes Abschlachten der Inlandhühner zur Folge haben würde. Dadurch würde der Mißstand auf dem Eiermarkt naturgemäß erheblich vergrößert werden. Dulcin. Die„München=Augsburger Abendzeitung“ u. a. Zeitungen bringen eine Bemerkung darüber, daß es außer dem zur Konservierung von Einmachobst unbrauchbaren Sacharin noch ein anderes Süßungsmittel, das Dulcin gebe, das neben dem Vorzug der größeren Löslichkeit durch Kochen nicht zersetzt werde und im Geschmack sich nicht verändere. Es wird gefordert, daß die Herstellung von Dulcin eilig betrieben werden möge. Von den amtlichen Stellen wird bereits geprüft, ob die Herstellung nicht neu aufgenommen und gefördert werden soll. Die bisherigen Untersuchungen haben hiergegen aber vom gesundheitlichen Standpunkt aus Bedenken ergeben, die zunächst noch sehr schwer sind. Es ist kaum zu erwarten, daß die eingeleiteten Versuche zu einem besseren Urteil führen werden. Jedenfalls wird die Frage von den Gesundheitsbehörden mit allem Nachdruck geprüft. Der Städtische Gesangverein veranstaltet am Samstag den 21. ds. Mts. im großen Saale der Gesellschaft„Concordia“ für seine Mitglieder das erste Vereinskonzert in diesem Winter, und hat zur Mitwirkung das Rheinische Vokalquartett aus Köln für diesen Abend gewonnen. Diese Künstlervereinigung besteht aus den Damen Fräulein Henny Wolff, Frau Ida Kuhl=Dahlmann, und den Herren Ernst Schilbach=Arnold und Ernst Everts, die sämtlich in Köln ihren Wohnsitz haben und durch ihr Auftreten in Konzerten, schon längst als Solisten und im Oratoriengesang sich einen guten Namen erworben haben. Auch im Quartettgesang tritt die hochgeschulte und intelligente Einfühlung der Sänger, deren Charakterisierungsvermögen und tonsichere Behandlung der vorgetragenen Kompositionen aufs vorteilhafteste zutage. In dem hiesigen Konzert kommen durch das Quartett zum Vortrag: 3 a cappella gesungene geistliche Lieder, Schumann's Spanisches Liederspiel, Hermann Zilcher's Deutsches Volksliederspiel u. Brahm's Zigeunerlieder. Ein höchst interessantes Werk ist die Zilchersche Komposition einer Anzahl Volksliederperlen aus der Sammtung„Des Knaben Wunderhorn.“ Die wundersame Tondichtung umfaßt die Skala aller menschlichen Empfindungen, singfroh und melodisch, bald als Quartett, bald als Duett und bald wieder als Einzelgesang, und so gestaltet sich die ganze Komposition zu einem Liederzyklus, den man nicht mit Unrecht als vokale Kammermusik bezeichnen kann. Die Uraufführung des Werkes fand am 11. Dezember 1915 in München statt mit dem Komponisten, einem noch jungen Frankfurter, jetzt in Berlin lebenden Künstler, als Begleiter am Klavier. Als instrumentale Abwechselung wird Herr Musikdirektor Louwerse Beethoven's Klaviersonate in Esdur, op 81. zum Vortrag bringen.(Zuschrift.) (wr.) Vor dem Schwurgericht Hagen wurde die Verhandlung gegen den Kaufmann Böcker von Iserlohn wegen Erschießung des Agenten Mellage gestern zu Ende geführt. Die Geschworenen verneinten die Schuldfrage nach Mord und Totschlag und bejahten die in den Plädoyers kaum gestreifte Frage nach Körperverletzung mit Todeserfollg unter Annahme mildernder Umstände. Der Staatsanwalt beantragte 4 Jahre Gefängnis, das Urteil lautete auf drei Jahre Gefängnis unter Anrechnung von 2 Monaten Untersuchungshaft. Kierspe. Für die am Sonntag stattfindende Einweihung unseres Kriegswahrzeichens ist ein umfangreiches Programm aufgestellt. Vom Amtshause wird sich der Zug der teilnehmenden Vereine um 3 Uhr zum Kriegerdenkmal bewegen, wo Antsbeigeordneter Homrighausen die Ansprache halten wird. Nach Niederlegung eines Kranzes wird zur Kaiserhalle marschiert. Pfarrer Brück hält hier die Weiherede, worauf die Nagelung beginnt. gebliebenen selbst von größter Bedeutung ist. Sie belohnen damit schlecht die Tapferkeit unserer Truppen, die den Krieg vom eigenen Lande ferngehalten und weit in Feindesland hineingetragen haben. Die Briefschreiber sollten sich auch klar machen, daß alle Entbehrungen in der Heimat in nichts zusammenfließen gegenüber den Anstrengungen an der Front und gegenüber den Leiden, die die Bevölkerung zu erdulden hätte, wenn der Feind unsere Fluren zertreten würde. Daß wir uns in Deutschland einschränken müssen, fühlt jeder am eigenen Leibe und ist jedem bekannt. Daß aber mit Klagebriefen nichts gebessert wird, scheint noch nicht jeder begriffen zu haben. Derartige Briefe stärken unsereren Feinden die Zuversicht auf die wirtschaftliche Niederringung Deutschlands, nachdem die militärische Niederringung an der Tapferkeit unserer Heere gescheitert ist. Die Briefschreiber verlängern daher den Krieg und dienen dem Feinde. Schon dieser Hinweis dürfte genügen, um unser Volk, das bisher willig, mutig und opferfreudig alle Lasten dieses Krieges getragen hat, von einer Unklugheit abzubringen, die nur die Stärkung unserer Feinde im Gefolge hat. Ueber die Kriegsledergesellschaft bezw. die mitgeteilten(Nr. v. 17. Oktober) Bestechungen eines ihrer Angestellten wird von unterrichteter Seite mitgeteilt: Als die Kriegsleder=Aktiengesellschaft ihre Tätigkeit begann, konnten ihr naturgemäß bezüglich des Bedarfs der einzelnen Lederfabriken und der für die einzelnen Lederarten in Betracht kommenden Häutegattungen und Provenienzen Erfahrungen nicht zu Gebote stehen. Sie wurde daher zunächst vom Ueberwachungsausschuß der Lederindustrie angewiesen, den ihr angeschlossenen Gerbereien die gleiche Art Häute zuzuteilen, wie die Gerbereien in Friedenszeiten einzuarbeiten gewohnt waren. Demgemäß mußte die Verteilung von Häuten Fachleuten anvertraut werden, welche aus ihren früheren Geschäftsverbindungen mit einer Anzahl größerer und mittlerer Betriebe den Bedarf in den einzelnen Landesteilen genau kannten. Hieraus ergab sich von selbst, daß die in Frage kommenden Fachleute auch an diejenigen Gerbereien Zuteilungen machten, mit welchen sie in Friedenszeiten in Verkehr gestanden hatten. Die Gesellschaft hat auf Grund der in der ersten Zeit ihres Bestehens gesammelten Erfahrungen alsbald die Häuteverteilung auf eine andere Grundlage gestellt und Vorkehrungen getroffen, wonach eine sachgemäße und unparteiische Verteilung gewährleistet ist. Es liegen aber auch keine Gründe vor, anzunehmen, daß in der ersten Zeit die mit der Verteilung beauftragten Beamten ihrer Verpflichtung, das Gefälle unparteiisch zu verteilen, nicht gewissenhaft nachgekommen sind. Leider hat der Angestellte Hermann Holthaus das in ihn gesetzte Vertrauen mißbraucht und sich von einer Anzahl Gerbereien Kommissionen zahlen lassen. Nach einer bei der Firma des Angestellten, Holthaus u. Unterhossel. Mülheim=Ruyr=Speldorf, von dem zuständigen Generalkommando veranlaßten Revision teilte Holthaus der Kriegsleder=Aktiengesellschaft mit, daß er von einer Anzahl Firmen eine Kommission auf die Rechnungsbeträge erhalten habe. Er wurde von der Gesellschaft sofort entlassen. Die Gesellschaft brachte am 2. Mai in Gegenwart des Kommissars der Kriegs=Rohstoff=Abteilung des Königl. Preuß. Kriegsministeriums dem Ueberwachungsausschuß der Lederindustrie die Angelegenheit zur Kenntnis und beantragte die Einsetzung einer Untersuchungskommission. Die mit der Prüfung der Umstände beauftragte Kommission stellte fest, daß von 28 Firmen, welche Holthaus Zuwendungen gemacht hatten, fünf tatsächlich bezüglich der Qualität der Ware bevorzugt worden waren, während die Mehrzahl derselben aus ihren Zahlungen an Holthaus bezw. an seine Firma keine Bevorzugung hinsichtlich der Qualität der Ware genossen hat. Es Seht außer Zweifel, daß eine Anzahl der Beteiligten durch die Firma Holthaus u. Unterhössel eingeschüchtert und in den Glauben versetzt wurden, daß sie ohne die betreffenden Zuwendungen auf eine Berücksichtigung auch von berechtigten Ansprüchen nicht rechnen könnten. Eine Bevorzugung hinsichtlich der zugeteilten Mengen war bei der bestehenden Kontrolle der Gesellschaft von vornherein ausgeschlossen. Die Kriegsleder=Aktiengesellschaft hat das Ergebnis der Prüfung schon vor Monaten den Behörden behufs weiterer Maßnahmen zur Verfügung gestellt. Die Staatsanwaltschaft hat nach Erhalt der Akten den Verein gegen das Bestechungswesen als die hierfür zuständige Stelle veranlaßt, formell Strafantrag gegen die in Frage kommenden 28 Gerbereien zu erheben. Neuelte Dachrichten. (w.) Berlin, 20. Oktober. Der Reichskanzler Dr. von Bethmann Hollweg ist gestern aus dem Großen Hauptquartier zurückgekehrt. (WTB.) Berlin, 20. Oktober. Amtlich. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt: Die norwegische Regierung hat, um den Eindruck ihrer Verordnung vom 13. 10. abzuschwächen, ihre Antwort auf die Denkschrift der Ententemächte über die Behandlung der Unterseeboote veröffentlicht, worin sie sich einerseits das Recht zuspricht, Kriegsunterseebooten jeden Verkehr und Aufenthalt in dem norwegischen Seegebiet zu untersagen, andererseits aber ihre Pflicht verneint, irgend einer der kriegführenden Mächte gegenüber ein gleiches Verbot zu erlassen. Zu dieser Erklärung ist zu bemerken, daß sich die Verordnung offenbar im Wesentlichen nur gegen Deutschland richtet und daher dem Geiste wahrer Neutralität nicht entspricht. Der deutsche Gesandte in Christiania ist daher beauftragt worden, gegen das Vorgehen der norwegischen Regierung nachdrücklich Verwahrung einzulegen. (la.) Budapest. Der Brennpunkt der Offensive an der siebenbürgischen Front ist an der Dreiländerecke, wo Ungarn, die Bukowina und Rumänien zusammenstoßen. Die Verbündeten wollen hier die Verbindung zwischen der russischen und der rumänischen Armee trennen, was den Feldzug entscheiden würde. Die rumänische Heeresleitung bestimmte Wi derstand längs der Bahnlinie Bukarest—Czernowicz zu leisten. (la.) Haag, 20. Oktober. Der englische Handelsminister Runciman sagte im Unterhause, daß die britische Regierung die für neutrale Rechnung in England gebauten Schiffe beschlagnahmen werde, wenn sie der englischen Regierung nicht zur Miete überlassen würden. Die britische Regierung habe Verhandlungen mit den betreffenden Firmen eingeleitet. Wien, 19. Oktober. Der Minister des Aeußern Baron Burian verbrachte den gestrigen Tag im Deutschen Hauptauartier, wo er mit dem Reichskanzler von Bethmann Hollweg eine Zusammenkunft hatte. (bt.) Zürich. Der Berner Bund meldet, daß König Nikita unzufrieden ist, mit der Unterstützung, die er bisher von den Verbündeten erhielt. Er mußte die Ausgaben für die Reste der montenegrinischen Armee und die Staatsverwaltung mit monatlich 400 000 Francs bestreiten. Er verlangte in London mehr. Die britische Regierung forderte Nikita auf, Rechenschaft von seinen Ausgaben abzulegen. Berlin. Die Stadtverordnetenversammlung hat gestern eine Magistratsvorlage über die Einrichtung einer besonderen Kriegsfürsorge für die Angehörigen der Bekleidungsindustrie und verwandete Berufe angenommen. Dann bewilligte sie 200 000 Mark vorbehaltlich zur Anschaffung von Weihnachtsgaben für die im Felde stehenden Truppen, welche in Berlin garnisoniert haben. (W.) Berlin. Die Witwe Ida Nieman, die am 23. Mai ds. Jahres ihre siebenjährige Tochter Irma tötete, und in den Rauhen Bergen bei Steglitz verscharrte, wurde vom Schwurgericht zum Tode verurteilt. (bb.) München. Im bayrischen Gebirge ist starker Schneefall eingetreten. (bt.) Rochlitz im Riesengebirge. Bei Vorschußverein in Rochlitz sind Unterse ehemaligen Kassierer, der jetzt 81 Jahre alt Bürgermeister war, entdeckt worden. Dur gung sind verschiedene Privatpersonen um nen geschädigt worden. Die Betrügereien über Jahre zurück. (hi.) Amsterdam. Nach einer Meldun orningpost aus Washington fand am Montage heftige Expiosion in East Machias(an der Ostküste von Maine) statt, was zu der Vermutung Anlaß gab, daß dort, an der atlantischen Küste eine deutsche U-Bootsbasis(!) bestehe. Ein unbenutztes Gebäude am East Machias=Fluß wurde in Trümmer gelegt. Die Detonation war so stark, daß man sie 10 Meilen weit hörte. Die Regierung hat eine Untersuchung eingeleitet, um festzustellen, wie dort ohne Wissen der Behörden Explosionsstoffe gelagert werden konnten. Amsterdam. Einem hiesigen Blatte meldet der Korrespondent der„Times“ aus Taronto, daß bei der Canadian PacificEisenbahn ein ernster Streik droht. Das ganze Personal der westlichen Linien hat sich für den Streik ausgesprochen. Im Östen ist die Abstimmung noch nicht beendet. Der Arbeitsminister bemüht sich, einen Ausgleich zu Stande zu bringen. Genf. In Ronen wurde der seit mehreren Jahren vergeblich gesuchte französische Millionenschwindler Rochette, der im Jahre 1912 in Abwesenheit zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden war, verhaftet. Die Affäre Rochette hatte seiner Zeit in der ganzen Welt großes Aufsehen erregt. (WTB) London.„Daily Mail“ teilt mit, daß wegen der nicht sofort erfolgten Wiedereinstellung dreier Fuhrknechte, die wegen Diebstahls verurteilt worden waren, 2000 an dem Zentralbahnhof der Great Railway angestellten Arbeiter einen Langsamkeitsstreik begonnen haben, der die ganze Lebensmittelzufuhr Londons lahmlegt. Ungeheure Züge mit leicht verderblichen Waren müssen ausgeladen werden, da ihr Anhalt ungenießbar geworden ist. Der tägliche Verderb beträgt wahrscheinlich schon seit Sonnabend über eine halbe Millionen. Der Streik dehnt sich weiter aus. Der Führer der Eisenbahngewerkschaften Abgeordneter Thomas weigert sich, Angaben über die Lage zu machen. London. In Dublin streiken 250 Arbeiter der Gaslabrik, die übrigen haben ebenfalls den Arbeitsvertrag gekündigt und die Transportarbeiter treten in einen Sympathiestreik, falls die Forderungen der Ausständischen nicht bewilligt werden. Stockholm. Das Städtchen Alingsas bot Donnerstag anläßlich der Bestattung des Grafen Taube einen ungewöhnlichen Anblick. Anwesend waren als Vertreter des deutschen Kaisers der Gesandte von Lucius. Der See- und Laftkrieg (bb.) Berlin, 20. Oktober. In einer Unterredung, die der Berliner Korrespondent der Wiener Zeitung„Der Abend“ mit zuständiger Stelle hatte, heißt es unter anderem: Was die Amerika und Deutschland gleichmäßig interessierende Frage über das Schicksal der„Dremen“ anbetrifft, so läßt sich wiederum nur sagen, daß alle Ententenachrichten darüber falsch sind. Ein hiesiger amerikanischer Korrespondent erhielt gestern auf eine Anfrage von der Bremer lei den Bescheid, daß die Hoffnung nicht aufgegeDas ist alles, was irgend ein Mensch darüber weiß das darüber überhaupt zu sagen wäre. Bern. Aus einer Londoner Meldung des Matin geht hervor, daß der englische Dampfer„Baron Tarborough“, 1784 Tonnen, im Mittelmeer untergegangen ist. Die Besatzung ist von dem französischen Dampfer Medjerna gerettet worden. Christiansund. Der in Bergen beheimatete Dampfer „Sten“ mit einer Ladung Nickelerz von Skien nach Grimsby ist am Dienstag vormittag von einem deutschen U=Boot versenkt worden. Die aus 16 Mann bestehende Besatzung wurde von einem schwedischen Dampfer hier gelandet.— Die schwedische Bark„Gretha“ aus Stockholm, mit Grubenholz von Göteborg nach Sunderland, ist mittags in der Nähe von Hirtshals von einem deutschen UBBoot in Brand gesteckt worden. Die Besatzung von 18 Mann erhielt 10 Minuten Zeit. Sie wurde vn einem norwegischen Postdampfer in Frederickshamm gelandet. (w.) Haag. Die Dampfer„Commervijne“(AmsterdamOstindien),„Prinzeß Juliana"(Batavia=Amsterdam) und „Westerdijk"(Newyork=Rotterdam) haben ihre Post in England zurücklassen müssen. Kopenhagen. Politiken erfährt aus Bergen: Von der Murmanküste wird gemeldet, daß die dortige russische Bevölkerung die norwegischen Seeleute beschuldigt, daß sie ihre Schiffe selbst versenkten und daher gegen sie eine feindliche Haltung einnimmt. In Alexandrowsk hat man einem totkranken Norweger ein Obdach verweigert. Man mußte ihn im Hafen von Schiff zu Schiff tragen. Schließlich erzwangen seine Kameraden seine Aufnahme im Krankenhaus, dort erhielt er jedoch keine Pflege und starb nach einigen Tagen.— Der Verkehr zwischen Archangelsk und Vardö ist dauernd unterbrochen. Kopenhagen. Der dänische Dampfer Progieso mit einer Ladung Holz von Haparanda nach Bordeaux unterwegs, ist von einem deutschen Kriegsschinf aufgebracht und nach Swinemünde zur Untersuchung geführt worden. Unter der Besatzung waren zwei Finnländer. (W.) Kopenhagen. Gestern traf in Aalborg das norwegische Vollschiff„Olaf“ mit einer britischen Prisenbesatzung von 5 Mann, darunter einem Offizier, ein. Das Schiff war am 19. 10. in der Nordsee von einem englischen Kreuzer angehalten und mit einer Prisenbesatzung versehen worden, die das Schiff nach Stornoway bringen sollte. Im Sturm wurde das Schiff ostwärts geschlagen, sodaß der englische Offizier die Führung des Schiffes wieder dem Kapitän übergeben mußte, der es nach Aalborg führte.(Eine ganz ähnliche Nachricht wurde gestern vom dänischen Schooner „Jenny" gemeldet. L. Z.) Stockholm. Ritzau. Aus Understed wird mitgeteilt: Der Stockholmer Dampfer„arshild“ ist gestern während eines Sturmes im Aalandmeer gesunken. Die Besatzung von 10 Mann und 2 Frauen verließen den Dampfer in 2 Rectungsbooten, von denen eines mit 6 Mann und den Frauen kenterte. Alle Personen, mit Ausnahme einer Frau, die sich in das 2. Boot rettete, sind ertrunken. Das zweite Boot traf bei Understed= Leuchtfeuer ein. Ein Leichtmatrose war tot, der zweite Maschinist aus Wahnsinn über Bord gesprungen. Aufruf zur Sammlung von Weihnachtsgaben für das Beer Das dritte Kriegs=Weihnachtsfest findet unsere siegreichen Truppen noch immer im Schützengraben und im Unterstand, fern von der Heimat, fern von Weib und Kind. Glänzende Ruhmesblätter haben sie gerade in den letzten Monaten vor Verdun, an der Somme, auf dem östlichen und dem südöstlichen Kriegsschauplatz aufs neue in ihren Lorbeerkranz gewunden. Das sei ein Ansporn für uns, unseren heißen, unauslöschlichen Dank für soviel Treue und Heldenmut gegen eine solch gewaltige Uebermacht nicht durch Worte abzutun, sondern durch Taten und Opfer zu beweisen. Alles müssen wir daran setzen, daß die Weihnachtsbescherung unserer Feldgrauen 1916 nicht kärglicher ausfällt, als die des vorigen Jahres. Das hätten sie wahrlich nicht verdient. Wohl werden auch von uns daheim jetzt mehr Opfer verlangt als damals, und gewiß sind die Schwierigkeiten der Beschaffung solcher Weihnachtsgaben gewachsen, aber gerade deswegen wollen wir umsomehr unsere heiligste Pflicht erfüllen und noch fleißiger sammelm als 1915. Die Sammlung selbst soll ganz in der gleichen Weise vor sich geyen, wie damals. Jeder Soldat unseres Heeres im Felde, jeder Verwundete und Kranke in den Lazaretten des Kriegsschauplatzes mitsamt dem Pflegepersonal soll ein Weihnachtspaket erhalten; keiner unter ihnen allen soll leer ausgehen. Wir wollen wiederum alle sammeln, mögen wir nun zum Roten Kreuz zu dem Vaterländischen Frauenverein, zu einer anderen wohltätigen Vereinigung gehören oder nicht. Nur dann kann die erforderliche Zahl der Weihnachtspakete erreicht werden. Diese ist hoch, noch höher als im vorigen Jahre. Sie bekannt zu geben, verbietet uns die Rücksicht auf unsere Feinde Wenn sie erreicht werden soll, und das muß sie wahrlich unter allen Umständen, dann keine allzu teuren Pakete! Trotz aller Preissteigerung läßt sich noch immer zu einem Durchschnittspreise von 2 bis 3 Mark ein schönes Weinachtspaket zusammenstellen, das einem Feldgrauen draußen viele F eude machen wird. Unter keinen Umständen sollten über 5 Mark für ein Paket aufgewendet werden. Das würde nur zur Fol ge haben, daß der eine Soldat eine viel teurere Gabe erhalten würde, als sein Kamerad neben ihm Wieviel wünschenswerter wäre es da, wenn de jenige, der 5 oder gar 10 Mark aufzuwenden in der Lage ist, 2 oder 3 Pakete herstellen würde! Hinsichtlich des Inhaltes der Pakete müssen wir diesmal auf Wollsachen, auf Fleischkonserven und Dauerwurst verzichten, aber es gibt noch genug andere Dinge, die draußen hochwillkommen sein werden, und deren Abgabe für die Heimat unbedenklich ist. Es mögen genannt sein: Brieftaschen, Taschenspiegel Kleiderbürsten, Stiefelbürsten, Brustbeutel, Hosenträger(ohne Gummi), Zahnbürsten, Zahnpulver, Haarbürsten, Geldtäschchen, Notizbücher, Briefpapier, Postkarten, Bleistifte, Taschenmesser, elektrische Lampen, Ersatz batterien, Eßbestecke, Löffel, Büchsenöffner, Mundharmoniken, Nähkäuchen, Sicherheitsnadeln, Zigarren, Zigaretten, Rauchtabak, Kautabak, kurze und lange Tabakpfeifen, Zigarrentaschen, Kutenspiele, andere Spiele wie Schach, Domino, Halma usw, Taschenuhren, Konserven(nicht Weißblechdosen), Bouillionwürfel, eingemachte und gedörrte Früchte, Heringe, Rollmops, Räucherfische, Nüsse, Lesestoff usw Ob auch Weihnachtsgebäck, Lebkuchen oder Schockolade zur Verfügung stehen, wird von den an dem betreffenden Orte vorhandenen Vorräten abhängig sein. Feuergefährliche Gegenstände sind unbedingt auszu schließen. Eines sollte aber jedes Paket enthalten: der Name des Absenders und seine Adresse, damit der Soldat sieht, wer in der Heimat für ihn gesorgt und wem er zu danken hat. Die Verpackung erfolgt am besten in Pappschachteln bis zur Größe einer kleineren Zigarrenkiste, wenn tunlich in wasserfestes Papier eingeschlagen und gut verschnürt. Das Einnähen in Stoffe ist zu vermeiden. Es ist nicht möglich, im Rahmen dieser Sammlung ein Paket an einen einzelnen bestimmten Soldaten im Heere zu senden. Wohl aber ist es zulässig, Einzelformationen anzugeben, für die ein Paket verwendet werden soll. Diese Pakete sind an allen den Orten, wo es vaterländische Frauenvereine gibt, bei den Sammelstellen dieser Frauenvereine abzugeben. Die Sammelstelle für Lüdenscheid ist bei Frau Kommerzienrat Hoelle, Liebigstr. 12. Evang. Gem. Brüninghausen Evang. Gemeinde Lüdenscheid 18. Sonntag nach Trinitatis, 22. Okt. Kollekte für das Friedr. Wilh. Stift in Hamm. Erlöserkirche. Frühg. 8½ Uhr: Pfr. Proebsting. Hauptg. 10 Uhr. Pfr. Petersen. (Jahresfest des Blauen Kreuzes). Kinderg. 11¼ Uhr: Pfr. Turck. (Vorbereitung dazu: Freitag, den 20. Oktbr. ab 8¾ Uhr im Konf.=Hause.) Kriegsbetstunde Donnerstag abend 8½ Uhr: Pfr. Proebsting. Christuskirche. Hauptg. 9½ Uhr: Pfr. Störmer. Kinderg. 11 Uhr: Pfr. Störmer. Vorbereitung dazu: Freitag, 20. Oktbr. ab. 8½ Uhr, in der Sakristei Kriegsbetstunde Mittwoch abend 8½ Uhr: Pfr. Petersen. Krankenhaus(nicht öffentlich Vorm. 9 Uhr: Pfr. Turck Kathol. Gottesdienstordnung Lüdenscheid(Sauerfelderstraße) Sonntag, den 22. Oktober 1916. Vormittags: 6½, 7¾, 9„ und 11 Uhn Nachmittags: 2'2 ½8 Uhr(Andacht) Werktags in Lüdenscheid vorm.: 6 und 7 Uhr 5 Minuten Brügge(Saal des Herrn Dommes) Vorm. 7¾ Uhr Frühmesse, 10 Uhr Hochamt. Evang. Gem. Oberrahmede Sonntag, den 22. Oktober. 10 Uhr Gottesdienst 11¼ Uhr Kindergottesdienst. Mittwoch, den 25. Oktober abends 8½ Uhr: Kriegsbetstunde. Pfr. Spieß. Kapellenbezirk Loh. Sonntag, den 22. Oktober 1916. 3 Uhr nachm.: Gottesoienst in der Spielwigger Schule. Pfr. Ide. Sonntag, den 22. Oktober 1916. vorm. 10 Uhr Gottesdienst. 11 Uhr: Kindergottesdienst. Die Vorbereitung zum Kindergottesfällt aus. Mittwoch 25. Oktober abends 8½ Uhr Kriegsbetstunde. Pfr. Ide. Evang. Gemeinde Rahmede. Sonntag, 22. Oktober. 10 Uhr: Gottesdienst. 11¼ Uhr: Kindergottesdienst 3 Uhr: Jugendverein 8 Uhr: Blaukreuzstunde. Mittwoch Abend 8½ Uhr: Kriegsandacht. Pfr. Arning. Gottesdienst in Rummenohl. Sonntag, den 22. Oktober 1916. 10 Uhr vorm.: Gottesdienst. Pfr. Funke=Breckerfeld. Bekanntmachung In das Handelsregister B Nr. 37 ist heute zu der Firma Aug hoff Akiengesellschaft zu Lüdenscheid eingetragen: Die Gesamtprokura 1. des Kaufmanns Rudolf Wortmann, 2. des Kaufmanns Ernst Dunkel, 3. des Kaufmanns Eduard Kuhr, 4 des Oberingenieues Heinrich Hilgenfeld, sämtlich zu Lüdenscheid, ist erloschen. Lüdenscheid, 18. Oktober 1916. Königl Amtsgericht. In das Handelsregister A ist heute unter Nr. 493 die Frma Mex Kamper vorm Aktiengesellschaft August Graßhoff zu Lüdenscheid und als deren Inhaber der Fabrikant Max Kamper zu Lüdenscheid eingetragen. Lüdenscheid, 18 Oktober 1916. Königl. Maurer und Bandlanger gesucht. W. Winter, Baugeschäft. 1Werkmeistergehülfe gesucht. F. Tütemann. Ein tüchtiger Meister der einer Fräseinrichtung selbständig vorstehen kann sofort gegen hohen Lohn gesucht. Die Uebernahme der Arbeit in Akkordlohn kann in Aussicht gestellt werden. Friedrich Turck. Einige geübte Stampfer sofort gesucht. W. Berg. Altenaerstr. Für Kriegslieferungen! Wir suchen Metallgießer und Schlofser bei dauernder Beschäftigung und hohen, zum Teil Akkordlöhnen. Bergisches Metallwerk Gottfried Barme, G. m. b. Kupfer= und Messingwerk Langenberg, Rhld. ehrere Support- oder heitipindel-Drehbänke ¾ bis 1 Meter Drehlänge mit DeckenVorgelege sofort zu kaufen oder gegen Miete zu leihen gesucht Lüdenscheider Metallwerke H.-G. vorm. Jul. Fischer& Basse. Stellenvermittlung des Math. Mädchenschutzvereins. Sprechstunden: Dienstags und Freitags von 5—½7 Uhr Kölnerstraße 9I. Arbeltsmarkt Kinder Konfektion 77 Große Auswahl in allen Größen zu bekannt vorteilhaften Preisen. isere Hauptpreislagen in Damen-Paletots 2450 2000 3900 4500 520 6800 IIstoffen Kinder-Kleiderwo Kinder-Kleider wolsiolen Samt-Kinder-Kleider in schöner Ausführung Samt-Kinder-Kleider in ganz eleganter Ausführung Kinder-Paletôts Knaben-Anzüge Knaben-Paletots aus soliden Stoffen in schönen Macharten aus soliden Stoffen Kinder-Mützen und-Hüte in vielen modernen Ausführungen 75 A50 075 Nachruf. Am 18. ds. Mts. verschied im Alter von 65 Jahren nach langer Krankheit der Bauerschafts-Vorsteher Herr Rentner Karl Heedfeld zu Lauenscheid. Mit ihm ist ein echter Westfale, ehrenfest, gerade und treu heimgegangen. Für seine der Gemeinde Hülscheid als Bauerschafts- Vorsteher und langjähriger früherer Gemeinde-Verordneter geleisteten wertvollen Dienste bewahren wir ihm ein dankbares und ehrendes Gedenken. Lüdenscheid. den 19. Öktober 1916. Der Amtmann und die Gemeindevertretung. anntmachung. Am Samstag, den 21. ds. Mis. findet in folgenden Geschäften der Verkauf von Butter bezw. Margarine(45 gr. pro Kopf) Bohnen und Eiern von vormittags 9 Uhr ab statt. In Kierspe bei Plate und Kattwinkel. In Kierspe=Bahnhof bei Vollmerhaus, Baltzer und Konsumverein. Die eingetragenen Kunden bei Baltzer erhalten ihre Eier bei Dörseler. In Bollwerk im Konsumverein. In Oberbrügge bei Bornefeld. In Rönsahl bei Ww. Ising. Kierspe, den 19. Oktober 1916. Der Amtmann. I. V.: Homrighausen. Für die laufende Woche beträgt die für die Verteilung maßgebende Fetteinheit für den Kopf 45 Gramm und zwar 30 Gramm Butter und 15 Gramm Margarine. Lüdenscheid, 19. Oktober 1916. Der Amtmann 1 gebrauchten, stehenden Siederohrkelsel sofort zu kaufen gesucht. Genaue Beschreibung und Preis erbittet Hagener Zentral-Heizungs-Bauanitalt Robert Vollmann. Metallbetten an Private Katalog frei Holzrahmenmatratzen, Kinderbetten Eisenmöbsltabrik, Suhl i. Thür. Ausgaber der Brothefte für hüdenscheid für die Zeit v. 29. Okt. 1916 bis 20. Jan. 1917. Vom 23. bis 28. Oktober vormittags v. 9—12½ und nachmittags von 2½—6 Uhr im Stadtverordnetensitzungssaale. 1. Wenn die Zahl der Personen auf der Brotmappe nicht stimmt, muß um Berichtigung gebeten werden. Wer sich durch wissentlich falsche Angaben mehr Brotmarken zu verschaffen sucht als ihm zustehen, wird streng bestraft. 2. Jeder erhält 7 Scheine für die Woche, auch Kinder unter 5 Jahren. 3. Jugendliche Personen beiderlei Geschlechts von 12—17 Jahren d. s. diejenigen, die in der Zeit vom 28. Oktober 1900 bis zum 28. Oktober 1904 geboren sind, erhalten, wenn sie nicht als gewerbliche oder Fabrikarbeiter bereits Zusatzbrotmarken beziehen (vergl. Nr. 4, 5 und 7), 1 Zusatz(2 Scheine wöchentlich). 4. Körperlich schwer arbeitende männliche Arbeiter aus Fabriken, Handwerk usw. erhalten einen Zusatz. 5. Einen weiteren Zusatz erhalten die Personen unter 4, wenn sie auswärts arbeiten, aber auch täglich einmal nach Lüdenscheid zurückkommen, in Lüdenscheid in Nachtschicht beschäftigt werden oder regelmäßig an mehreren Wochentagen Ueberarbeit(über 11 Stunden/ leisten. Dieser Zusatz wird gegen Vorlage der Monatsfahrkarte oder gegen Bescheinigung des Arbeitgebers bei der Ausgabe sofort erteilt oder vom 30. Oktober an, wenn das namentliche Verzeichnis der Arbeiter von den Arbeitgebern eingereicht ist, an die Arbeiter unmittelbar abgegeben. An Firmen und Fabrikbetriebe werden diese Zusatzscheine nicht mehr verabfolgt. 6. Kopfarbeiter sowie Arbeitgeber erhalten keinen Zusatz. 7. Einen Zusatz erhalten weibliche Arbeiter, wenn sie auswärts arbeiten und täglich nach Lüdenscheid zurückkehren, oder wenn sie als Briefträgerinnen im Außendienst beschäftigt sind, ferner wenn sie am Gießofen arbeiten oder regelmäßig an mehreren Wochentagen Nachtschicht oder Ueberarbeit über 11 Stunden leisten. Diese Voraussetzungen müssen durch Monatsfahrkarte oder durch Einzelbescheinigung oder Liste des Arbeitgebers bewiesen werden.(Vergleiche Nr. 5 oben). Die Arbeitgeber haben in den Einzelbescheinigungen bezw. Berzeichnissen zu 5 und 7 neben den Namen auch die Wohnung der Arbeiter anzugeben. Die Brotscheine sind sofort nach Empfang nachzuzählen. Spätere Ansprüche werden nicht mehr berücksichtigt. 8. 9 Die Ausgabe findet wie folgt statt: am Montag am Dienstag am Mittwoch am Donnerstag am Freitag am Sonnabend Lüdenscheid, den 18. Buchstaben Buchstaben Buchstaben Buchstaben Buchstaben Buchstaben Oktober 1916. A, B, C und D; F. G und K; I und L; M, N, O, P. O und R; S ohne St; St, T, U. V, W. und Z. Der Magistrat. Futtermittelstelle des Kreises Altena. Verkaufe Morgen am Bahnhof Brügge Zwei Waggon Sterkrüben. = Der Zentner Mk. 4.20= Wellershaus. Der Kleinhandelshöchstpreis für Rindfleisch wird hierdurch auf 2.60 Mk. für 1 Pfund festgesetzt. Freitag und Samstag dieser Woche wird in den Metzgergeschäften Rind= und Schweinefleisch verkauft. Fleischkarten sind vorzulegen. Es wird im ganzen für jede Person bis zu 200 gr Fleisch abgegeben. Für diese 200 gr sind 8 Marken abzutrennen, für die übrigen 2 Marken dieser Woche können Fleischwaren entnommen werden. Diejenigen Kunden, welche wegen Mangel an Fleischvorrat von ihrem Metzger nicht bedient werden können, haben sich dies von dem Metzger bescheinigen zu lassen, die Bescheinigung im Rathaus Zimmer 12 vorzulegen und im Falle der Anerkennung am Samstag Nachm.von 5 Uhr an Anspruch auf Fleischabgabe in der Turnhalle. An Bewohner der Landgemeinde darf Fett und Schweinefleisch nicht verabfolgt werden, das andere Fleisch nur in Mengen bis zu 100 Gramm. Die Abfertigung erfolgt nach den Anfangsbuchstaben des Namens der Käufer und zwar: Freitag=Nachm. von 4—7 Uhr M—S o. Sch. Samstag=Vorm. von 8—11 Uhr T—Z u. Sch. „„ von 11—3 Uhr A—G „ Nachm.„ 3—6 Uhr H—L Lüdenscheid, den 19. Oktober 1916. Der Magistrat. Stadt Lüdenscheid. Kartoffelversorgung. 1. Kartoffelerzeuger dürfen für sich und jeden Angehörigen ihrer Wirtschaft auf den Kopf und Tag bis 1½ Pfund Kartoffeln eigener Ernte verwenden, für die übrigen Einwohner wird der Tageskopfsatz auf höchstens 1 Pfund Kartoffeln festgesetz; Schwerarbeiter erhalten eine tägliche Zulage bis 1 Pfund. 2. Kartoffeln, Kartoffelstärke, Kartoffelstärkemehl sowie Erzeugnisse der Kartoffeltrocknerei dürfen nicht verfüttert werden, ausenommen sind Kartoffeln, die als Speisekartofseln, oder Fabrikkartoffeln nicht verwendbar sind. 3. Der Handel u. der Verkehr mit Saatkartoffeln ist bis auf weiteres verboten. Verträge über Lieferung von Saatkartoffeln gelten als aufgehoben. Wer den Vorschriften zu 2 und 3 zuwiderhandelt, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahre und mit Geldstrafe bis zu 10000 Mk. oder mit einer dieser Strafen bebestraft. Daneben können die Vorräte, auf die sich die strafbare Handlung bezieht, eingezogen werden. Lüdenscheid, den 20. Oktober 1916. Der Magistrat.