Nr. 161. Crites Blatt. 9 nur kostet diese wochentäglich im Umfange Mk. von mindestens 8 Seiten erscheinende Lüdensch. Zeitung, pro Quartal frei Haus. Serbien, Rußland und Oesterreich-Ungarn. Der plötzliche Tod des Gesandten von Hartwig ist für den Balkan von großer Bedeutung. Hartwig ist der Mann, der das Riesenwerk der Einigung der vier Balkanstaaten gegen die Türkei zustande gebracht hat; er ist es, der durch Griechenland, Serbien und Montenegro Bulgarien niederzwang, als es eigene Wege gehen wollte und er ist es, der der Gründung eines Großserbiens durch Vereinigung von Serbien und Montenegro zustrebte. Alle seine Absichten waren nur auf ein Ziel gerichtet: den russischen Einfluß auf dem Balkan zu stärken und den österreichischen Einfluß niederzuzwingen. Er wollte den russischen Traum von Konstantinoel als einer russischen Stadt verwirklichen und zu seinen Mitteln für diesen Zweck gehört auch die — freilich in Einzelheiten nicht geradezu nachweisbare— Hetze gegen Oesterreich= Ungarn. Der Geist, aus dem das Attentat in Serajewo geboren wurde, daß im wesentlichen das dieses Mannes angesehen werden. * Wie die Wiener Blätter melden, soll das Ergebnis der Untersuchung des Attentats sofort nach dem Abschluß der Oeffentlickkeit übergeben werden. Ein Teil des Beweismaterials wird der serbischen Regierung zur Kenntnis gebracht mit dem Ersuchen, sie möge eine Untersuchung zur Ermittelung und Bestrafung der Schuldigen einleiten und dafür Sorge tragen, daß in Zukunft die großserbische Bewegung in Bosnien nicht durch Agitation von Serbien aus genährt werde. Dieser Schritt der österreichisch=ungarischen Botschaft in Belgrad erfolgt noch in dieser Woche. Wie es heißt, hat die eingehende Untersuchung der Serajewoer Verschwörung immer mehr die allerdings kaum überraschende Tatsache ergeben, daß die Fäden des blutigen Komplotts in Belgrad zusammenlaufen. Nach den bisherigen Aussagen der Verhafteten hat die großserbische Gesellschaft„Narodna= Obrana“ das furchtbare Attentat planmäßig angezettelt. Präsident dieses aus den wütendsten serbischen Fanatikern gebildeten Vereins ist der General Bota Jankovitsch einer der bekanntesten serbischen Offiziere. Er war im Balkankriege Führer der dritten Armee. An dem Attentat sind 14 Personen beteiligt gewesen, von denen bereits 13 festgenommen sind. Die zahlreich bisher gefundenen Bomben weisen eine ganz einheitliche Herkunft auf. Sie sind offenbar militärische Erzeugung und weisen die charakteristischen Merknkale jener Bomben auf, mit denen die jerbischen Banden von der serbischen Militärverwaltung versehen wurden und die mit Wurfbändern auf weitere Entfernungen geschleudert zu werden pflegten. Es gilt dies auch von einer Bombe, die im Stadtpark von Serajewo gegenüber der Landesregierung ausgegraben worden ist und deren Fund mit der Verhaftung des Arztes Dr. Stevo Popovic vom Serajewoer städtischen Spitale in Zusammenhang steht. Es sind jetzt bereits sieben Personen ermittelt worden, die, alle mit Bomben oder Revolvern bewaffnet, zur Ausführung des Attentates bestimmt waren und an deren Seite eine ganze Schar anderer Verschwörer operiert hat. X( Die englische Wochen schrift„John Bull“ bringt in ihrer Nummer vom 11. Juli eine aufsehenerregende Meldung über die Ermordung des österreichischen Thronfolgers. Danach hatte die serbische Regierung in ihrer Londoner Gesandtschaft vor etwa 6 Monaten ein Geheimbüro errichtet, welches seine Tätigkeit ausschließlich gegen die Donaumonarchie richtete. In diesem Büro wurde Beschluß gefaßt, Meuchelmörder zu dingen, welche gegen den Preis von zweitausend Pfund die Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand übernehmen sollten. Als die serbische Gesandtschaft auf dem„Belgrave Mansions Hotel“ nach„Queens Gate" übersiedelte, wurden alle Dokumente, welche sich auf den Mordplan bezogen, verbrannt. Unter diesen Dokumenten war eines von äußerst bloßstellenden Charakters, welches in halbverZustande in den Besitz des Herausgebers des„John gelangte. Das Dokument lautet in deutscher Uebersetzung: „Für die völlige Eliminierung von F. F. wird die Summe von zweitausend Pfund bezahlt, wie folgt: Tausend Pfund bei Ihrer Ankunft in Belgrad durch die Hand des Herrn G., und der Rest, eintausend Pfund, beim Abschlusse der Arbeit wie oben. Die Summe von zweihundert Pfund für Auslagen und Bezahlung von Agenten usw., bevor Sie von hier abreisen, Ihre Arrangements nicht———“ Der übrige Teil des Briefes ist vernichtet. Für die Wahrheit der Meldung übernimmt der Herausgeber des„John Bull“, Bottomley, volle Bürgschaft, und den Umständen nach dürfte es raum zu bezweifeln sein, daß die serbische Regierung tatsächlich in engster Verbindung mit den Mordgesellen gestanden hat. der Nachweis erbracht, sind die Folgen für die politischen Beziehungen in Europa gar nicht abzusehen. Montag, den 13. Juli 1914. Nachrichten-Fälschung. Unlängst haben wir an einem Beispiel aus dem Gebiet der Luftschiffahrt gezeigt, wie Leichtsinn, Fabuliersucht oder noch Schlimmeres Nachrichten erdichten oder wiederholen, oder harmlose Ereignisse fälschen. Wir wollen heute ein anderes Beispiel geben, das viel ernsterer Natur ist, um zu zeigen, wie Aufschneiderei, politisch=wirtschaftliche Spekulation und auch große Gedankenlosigkeit schlecht besetzter Redaktionen im Verein aus belanglosen Vorgängen Ereignisse machen, die dem deutschen Namen und der deutschen Industrie schädlich werden müssen. Auf der Leipziger Tagung des„Reichsverbandes der Presse“ wurde über die Schaffung eines deutschen unabhängigen und leistungsfähigen Auslands=Nachrichtendienstes verhandelt. Dabei führte Redakteur Stoffers=Düsseldorf u. a. folgendes Beispiel an, aus dem wir nur die französischen Texte fortlassen, an deren Stelle wir die richtigen deutschen Uebersetzungen setzen: Bei der Kruppschen Feuerwerkerei in Bottrop ereignete sich im Januar 1912 ein für sich gänzlich belangloser Unfall dadurch, daß ein Arbeiter in grober Fahrlässigkeit mit einem spitzen Stahlstempel und einem Hammer in die Schwarzpulverladung eines Geschosses schlug; es erfolgte, wie nicht anders möglich war, eine Explosion; das Geschoß blieb ganz, nur die Ladung wurde nach oben ausgestoßen; der Hammer flog dem Arbeiter an den Kopf u. verletzte ihn derart, daß er später im Krankenhause starb. Einige andere Personen wurden leichter verletzt. Man merke also für die Beurteilung der nachfolgenden Ereignisse: Es ist weder ein Geschoß explodiert, noch viel weniger eine Kanone, sondern lediglich eine Pulverladung, und die Angelegenheit hat sich in Bottrop in einem Kruppschen Werke zugetragen. Am nächsten Tage ist dieser Vorfall in der deutschen Presse im ganzen ziemlich richtig dargestellt worden. Offenbar aus der deutschen Presse entnahm dann der„Temps" in Paris am 24. Januar diese Nachricht in folgender Form: Ein Unfall in den Kruppschen Werken. (Drahtung unseres besonderen Korrespondenten.) Berlin, 23. Januar. Eine Kanone ist im Polygon von Krupp in Essen explodiert, ein Arbeiter ist getötet worden, drei andere sind schwer verwundet. Man sieht, daß auck der Temps mit einigen leichten Uebertreibungen— er macht schon aus der Pulverladung eine Kanone — im wesentlichen aber doch den Tatbestand materiell richtig wiedergibt. Nachdem die französischen Zeitungen vom 24. Januar durch die Post in der ganzen Welt verbreitet sein konnten, erschien am 1. März in einem in französischer Sprache in Rio de Janeiro erscheinenden Blatte, der„Rue Franco=Brésilienne“, die Nachricht, offenbar aus dem Temps entnommen, in folgender Fassung: Ein großes Geschütz, das auf dem Polygon von Krupp in Essen versucht wurde, ist explodiert und hat den Tod mehrer Arbeiter und zahlreiche Verwundungen verursacht. Man sieht, daß auch das brasilianische Blatt, wenn auch mit abermaligen Uebertreibungen, immer noch an die Tatsache festhält, daß die Sache in Essen passiert sei. Nun aber gelangte dieses Blatt auf dem gewöhnlichen Postwege nach Paris, u. a. auch in die Redaktion des Temps, und nun bringt derselbe „Temp“, der am 24. Januar die Nachricht in der oben wiedergegebenen ungefähr richtigen Fassung veröffentlicht hat, in seiner Nummer vom 29. März die folgende Nachricht: Eine Drahtung aus Rio de Janeiro meldet, daß bei den Versuchen der letzten Materiallieferung, die aus den Kruppschen Werken hervorgegangen ist, ein großes Geschütz explodiert ist, wodurch der Tod mehrerer Arbeiter und die Verwundung zahlreicher Personen herbeigeführt worden ist. Hier setzt also die Arbeit des Fälschers und Verleumders ein und zugleich auch die Arbeit des journalistischen Betrügers: denn dem Temps ist keine Drahtung aus Rio de Janeiro zugegangen, sondern die Revue Franco=Brésilienne vom 1. März ist aufdem Trucksachenwege gemächlich von Rio nach Paris geschwommen, um dort am 29. März in der oben dargestellten Weise verwendet zu werden, und nun macht der Temps aus der belanglosen Explosion einer kleinen Pulverladung in Botlrep die Explosion eines großen Kruppschen Geschutzes in Brasilien, um die Kruppschen Lieferungen für diesen Staat in den Augen der Wett schlecht zu machen, die deutsche Industrie aiso zu verleumden im Interesse des französischen Wettbewerbs. Uebrigens hätten diejenigen, die nachher leider diese Nachricht in der deutschen Presse verbreitet haben, schon aus dem fronzosischen Wortlaut Verdacht schöpfen müssen, denn in der Meldung des Temps ist davon die Rede, daß mehrere Arbeiter getötet worden seien. Die Kanonen aber, die von der brasilianischen oder irgend einer anderen Armee geprüft werden, werden nicht von Arbeitern, sondern von Soldaten bedient; dieses Wort„Arbeiter ist das letzte Rudiment der urspringlich richtigen Meldung aus Bottrop. Nun aber bemächtigt sich der„Preß=Telegraph“ in Berlin, ohne sich auch nur die Mühe einer Nachfrage zu geben, dieser verleumderischen und die deutsche Industrie schwer schädigenden Nachricht, und mehrere Berliner Blätter, darunter die B. Z. am Mittag und die Post, beide vom 28. März 1912, veröffentlichen die Meldung des Temps in der folgenden Fassung: B. Z. am Mittag. Folgenschwere Geschützexplosion. Einer Meldung aus Rio de Janeiro zufolge explodierte bei Versuchen mit dem von der Firma Krupp in Essen kürzlich 47. Jahrgang. gelieferten Kriegsmaterial ein großes Geschütz Mehrere Personen wurden getötet, eine große Anzahl anderer teils schwer, teils leich verwundet. Die Post. Explosion einer Kruppkanone. 12 Tote. Rio de Janeiro, 28. März.(Original=Kabel=Telegramm durch Preß=Telegraph.) Bei Versuchen, die mit der letzten Lieferung Kruppscher Kanonen angestellt wurden, ist eine große Kanone explodiert. Zwölf Arbeiter wurden auf der Stelle getötet. Eine große Anzahl von Leuten wurde ziemlich schwer verletzt. Die Ursache des Unglücks hat noch nicht ermittelt werden können. Dabei hat dieses deutsche Telegraphenbureau unsere Feinde und Verleumder noch übertrumpft, in dem es aus den„mehreren Arbeitern“ des Temps gleich„zwölf Arbeiter“ macht, die auf der Stelle getötet worden seien. Daß es dann die Nachricht, die es offenbar aus Paris erhalten hat, auch noch als Original=Kabeltelegramm von Rio de Janeiro frisiert, ist eine den Sachverständigen nicht weiter auffallende betrübliche Nebenerscheinung. Westfälischer Kriegertag. (W.) Wattenscheid, 11. Juli. Heute fand hierselbst unter sehr starker Beteiligung der 42. Abgeordnetentaa des Westfälischen Provinzial=Kriegerverbandes statt. Nach Eröffnung der Versammlung durch den Vorsitzenden Major Müller=Münster, begrüßte der Vorsitzende des Lokalvereins Kameraden, woran sich eine Ansprache des Landrats und Polizeipräsident, des Kreises Gelsenkirchen Dr. zur Nieden=Gelsenkirchen schloß, in welcher Redner die Kameraden herzlich willkommen hieß. Bürgermeister Wibberding=Wattenscheid brachte den Willkommensgruß namens der Stadt, hoffend, daß auch der heutige Abgeordnetentag der Kriegervereinssache nutzen und Erfolge zeitigen möge. Der Vorsitzende gedachte dann des obersten Kriegshern, schließend mit einem dreifachen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser, in das die Anwesenden begeistert einstimmten. Es wurde dann die Absendung des folgenden Begrüßungstelegramms an den Kaiser beschlossen:„Ew. Majestät erneuern wiederholt die zum 42. Abgeordnetentag des Westf. Provinzial=Kriegerverbandes versammelten Vertreter von über 200 000 ehemaliger Soldaten, darunter 16000 Kriegsveteranen, das Gelübde unverbrüchlicher Treue, Liebe und Anhänglichkeit und erflehen den allerhöchsten Segen auf Ew. Majestät herab.“— Kamerad Kampmann machte die Erschienenen auf die lohnende Besichtigung des Stadtparks, des altertümlichen Rathauses und der oberirdischen Anlagen der Zechen Zentrum und Holland, die unter fachmännischer Führung stattfinden würden, aufmerksam. Sodann wurde der Jahresbericht verlesen, bei dem nichts zu erinnern war. Das gleiche gilt von der Rechnungslegung.(Beide sind bereits veröffentlicht worden.) Die Kronprinz-Jubiläums=Stiftung ist in erfreulichem Wachsen begriffen; mit lebhaftem Beifall wurde zur Kenntnis genommen, daß der Stiftung von den Erben des verstorbenen Geheimrats Harz(erster Vorsitzender des Westf. Verbandes bis zu seinem Tode) 500 Mark überwiesen worden. Bei der Wahl von Mitgliedern des engeren Präsidiums wurden die ausscheidenden Kameraden Oberbergrat Salomon=Dortmund, Fabrikant Reunera=Witten, Brauereibesitzer Dönhoff=Crengeldanz, Kommerzienrat Müllensiefen=Crengeldanz, Justizrat Dr. Wedige=Paderborn und Kommerzienrät Dr. jur Baare- Bochum durch Zuruf wiedergewählt; an Stelle des verstorbenen Kameraden=Vorsitzenden Geheimrat Harz=Dortmund wurde Justizrat Hauptmann Mummenhoff=Bochum einstimmig gewählt, der das Schriftführeramt übernimmt. Als Ort für den nächstjährigen Abgeordnetentag wurde Buer gewählt.— Von einem Schreiben des Schutzverbandes gegen die Fremdenlegion, Sitz München, wurde Kenntnis genommen und betont, daß ein jeder Deutsche gegen dieses Gift Stellung nehmen müsse.— Fabrikant Reunert gibt bekannt, daß die bislang vom Verbande zur Schmückung der Kriegergraber alljährlich gespendeten 500 Mark in Wegfall kommen, da der erhöhte Beitrag die Summe decke.— Geheimer Oberbergrat Salomon=Dortmund kommt auf die von verschiedenen Vereinen eingelaufene Anfrage, warum nicht alle Vereine auf dem Paradefeld in Münster gelegentlich der Anwesenheit des Kaiserpaares zugelassen seien, zu sprechen; es mangle bereits an Platz für das aktive Militär, indes habe man erreicht, daß auf den letzten 3400 Metern der zum Paradefeld führenden Straße die Kriegervereine, etwa 10 Prozent jedes Vereins, Spalier bilden dürften; die Teilnehmer der Spalierbildung dürfen nur das Provinzial=Verbands=Abzeichen tragen. Redner brachte dann den Düppel=Veteranen ein begeistert aufgenommenes dreifaches Hurrah. Zum Schluß schlug Kommerzienrat Dr. Baare vor, dem Generalfeldmarschall Häseler., den er in Sonderburg gesprochen und der sich sehr lobend über den Westfälischen Verband, als einen der treuesten des Deutschen Verbandes, geäußert habe, ein Begrüßungstelegramm zu senden, was lebhafte Zustimmung fand.— Damit fand der sehr gut verlaufene Verbandstag sein Ende. Stadt und hand. Lüdenscheid, 13. Juli. Nationalliberaler Delegiertentag. Gestern nachmittag fand im„Märkischen Hof“ zu Altena eine Vertrauensmännerversammlung des Verbandes der Nationalliberalen des Wahlkreises Altena=Iserlohn statt, die eine recht gute Beteiligung aufwies. Der Vorsitzende, Kommerzienrat Sudhaus-Iserlohn, eröffnete die Versammlung kurz nach 6 Uhr und leitete dieselbe. Leider war es unserem Landtagsabgeordneten, dem Geheimrat Haarmann, nicht möglich, in der Versammlung zu erscheinen, da der Handelsminister Sydow heute bei demselben zu Besuch weilte, so daß der Landtagsabgeordnete, Handelskammersyndikus Hirsch=Essen allein Bericht über die parlamentarische Tätigkeit erstatten mußte. In gedrängter Kürze und doch mit erschöpfender Gründlichkeit behandelte er die Gegenstände der parlamentarischen Verhandlungen, sowie auch verschiedene Gegenstände, die vor den Reichstag gehörten, aber doch auch den Landtag interessierten. Der Vorsitzende dankte ihm für den belehrenden Vortrag. Es schloß sich eine lebhafte Besprechung an, in der auch noch verschiedene andere Fragen angeschnitten und besprochen wurden. Weiterer Bericht folgt noch. Die morgige Stadtverordnetensitzung ist um eine Stunde verschoben worden; sie beginnt statt 4½ um 5½ Uhr. Der Verband der Gemeindebeamten in der Provinz Westfalen, der gestern seine 18. Tagung in Recklinghausen hatte, beschloß dort, die nächstjährige Tagung in Lüdenscheid abzuhalten. Den weiteren Bericht über die gestrige Tagung müssen wir aus räumlichen Gründen bis morgen zurückstellen. Realgymnasium. Morgen Dienstag, 14. Juli, feiert der seit Östern 1905 im Ruhestande lebende Professor Busche in körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag. Der Jubilar hat 36 Jahre lang unter vier Direktoren an der höheren Schule gewirkt und an allen Wandlungen der Anstalt teilgenommen. So hat er den besten Teil seines Lebens in den Dienst des Realgymnasiums gestellt und während dieser Zeit eine Fülle seiner Arbeit geleistet. Dafür gebührt ihm dauernder Dank der Bürgerschaft. Möge dem Jubilar auch noch weiterhin ein glücklicher Lebensabend beschieden sein! Der 41. Verbandstag der Rheinisch=Westfälischen Konsumvereine tagte vorgestern und gestern in Soest unter Vorsitz des Verbandsdirektors Herrn Nolte=Lüdenscheid. Den vorliegenden Bericht müssen wir aus räumlichen Gründen für morgen zurückstellen. Kriegsspiel des Jungdeutschlandbundes. Am Samstag abend um 8 Uhr fand im Stadtwald ein Kriegsspiel des Jungdeutschlandbundes statt. Es nahmen ungefähr 150—200 Mann teil. Der Plan war folgender: König Theodor von Korsika ist von der Insel Korsika geflohen. Er ist bis nach Lüdenscheid gelangt und beabsichtigt, die Nacht in seinem Schloß Neuenhof zu bleiben. Seine Feinde und Gläubiger haben von seinem Aufenthalt Wind bekommen und rücken vor um ihn hier mit seinem Getreuen zu fangen. Der König versucht nach Norden auszubrechen, mitten durch die Feinde. Hat er den Höhenweg der Nurre erreicht, so ist er gerettet. Ungefähr kurz nach 9 Uhr gelang es dem König in der Nähe der Waldkolonie durchzubrechen, worauf alle an einen Punkte zusammen gezogen wurden. Herr Demuth hielt hier die Kritik. In dieser stellte er die Aufgabe der beiden Parteien als völlig gelöst hin. Der Fehler der einem Partei sei es nur gewesen, daß sie nicht genug Vorposten ausgestellt habe, was wegen der großen Durchbruchsmöglichkeit und der geringen Zahl nicht anders zu erwarten war. Im Anschluß hieran beriechter er noch kurz über die Teilnahme an der Kaiserparade in Münster wohin 100 Jungens gesandt werden sollen.— Der Vorstand des Jungdeutschlandbundes bewilligte zur besonderen Auszeichnung hervorragender Leistungen auf dem Nattenbergfest noch nachträglich eine Anzahl Bücher. Diese werden den Siegern im Laufe der nächsten Woche zugehen. Es sind dies Prämien Gruppe 3: Wurm Gym., Lehmke Sem., Wilke Turn., König Schwim., Fistner Jugendwehr, Berninger, Fortbild. Preise Gruppe 2: Woßmann Obersek. Gymn., Wehner Sem., Scheffel Schwim., Schmale Jugendw., Scholler Turnv. Gruppe 1: Jüngermann Gymn., Hüllbrock Schwim., Dreust Praepar., Trallio Jugendw., Horn Turnv., Butzke Fortbild. Stafettenpreise: Gloerfeld, Lüttringhaus, Kropp, Lehmke. (RO.) Fußballsport. Gestern, Sonntag, standen sich die Fußballmannschaft des 7. Pionier=Batl. und die 1. Mannschaft des Lüdenscheider F. C. 1908 gegenüber. Man sah schon von Anfang an, daß sich zwei spielstarke Mannschaften gegenüber standen, im Verlaufe des Spieles zeigte es sich, daß die Kölner sowohl wie die Lüdenscheider hervorragendes leisteten. Kurz nach Anfang konnte der vortrefflich arbeitende Sturm Lüdenscheids den Ball zum erstenmal einsenden. Jetzt legten die Kölner jedoch ordentlich los und konnten dann durch einen unhaltbaren Schluß gleichziehen. Bis Halbzeit war Lüdenscheid durch einen gut vorgelegten Ball noch einmal erfolgreich. Halbzeit 2:1 für Lüdenscheid. Ein Gleichziehen, was Köln vor der Pause nicht mehr gelang, holten dieselben jedoch in der zweiten Minute nach Halbzeit nac. Fast 20 Minuten war das Spiel jetzt ziemlich offen. In den letzten 20 Minuten arbeitete der Lüdenscheider Sturm jedoch vorzüglich und konnte daher noch 4 Erfolge verzeichnenResultat 6:2 für Lüdenscheid. Es ist wohl selten ein so interessantes Spiel wie das gestrige in Lüdenscheid gezeigt worden. Beide Mannschaften waren gut, besonders war in der Lüdenscheider Elf kein schwacher Punkt. Die Stürmerreihe des L. F. C. hat selten ein so schönes Kombinationsspiel geliefert; hierbei wurde sie von der Läuferreihe auf das wirksamste unterstützt. Die Verteidigung tat ihre Pflicht voll und ganz, indem sie das Heiligtum der Mannschaft klar hielt. Von den Kölnern sei besonders der Tormann erwähnt, der sich seiner Aufgabe mit Geschick entledigte.— Die 2. Mannschaft des L. F. C. gewann gegen die 1. Elf des F. C. Halver mit 7:1.— Bei dem gestern stattgefundenen Ausscheidungswettspiel des Lüdenscheider Spielvereins gegen Sportklub Milspe konnte Spielverein mit 6:0 als Sieger den Platz verlassen. Zum 23. Stiftungsfest des Turnvereins Jahn. Mit frischfröhlichem Mute pilgerte schon in den ersten Morgenstunden jung und alt zum Hohenzollernplatz, um an den Spielen mannigfacher Art teilzunehmen. Mit großem Interesse nahmen die vielen anwesenden Zuschauer an dem Dargebotenen teil. Gegen 10 Uhr war Schluß und erfüllt von frischer Begeisterung konnte dem Turnen am Nachmittag entgegengesehen werden. Mit demselben Eifer wie auch am Morgen entwickelte sich auf dem Spielplatz der Schützengesellschaft das turnerische Leben. Eingeleitet durch die Allgemeinen Freiübungen, die gut zur Darstellung kamen, sahen wir alt und jung mit Lust und rechter Turnfreude den alten Ruf des Vereins zu Ehren zu bringen. Ideal wie mustergültig kamen die gemeinsamen Freiübungen der Damen=, Mädchen= und Schülerinnenabteilung zur Geltung. Es lag in der Zusammenstellung der Uebungen der ganze turnerische Wert, den wir an eine schulgemäße und gesundheitliche Körperpflege stellen. Ein lebhaftes Bild zeigte uns das aus 20 Riegen zusammengesetzte geordnete Geräteturnen, das uns die gute Schulung der einzelnen Abteilungen bewies. Es folgten nun noch wirksam aufgebaute Gruppenübungen der Schülerabteilung, Turnen der Altersriege am Pferd und Barren, Stabund Freiübungen der Männerabteilung, die beide auf dem Kreisturnfest in Münster zur Aufführung gelangt sind. Hieran schloß sich ein Eilbotenlauf der gesamten Jugendabteilung. Damit war der zweite Teil des Programms erschöpft und der Strom der Zuschauer wie auch die Turner begaben sich in die Schützenhalle, um die dort mannigfach vorgeführten Reigen der Schüler und Schülerinnenabteilungen, der Jugend= und Damenabteilungen, sowie dem Kürturnen mit Gruppenstellungen am Barren der Männerabteilung zuzuschauen. Sämtliche Vorführungen fanden vollen Beifall. Besonderer Erwähnung verdient das Kürturnen der Männerabteilung am Reck und Barren, es zeigte uns, daß der Verein über wirklich gut geschulte Gerätturner verfügt, die den Verein nach außen mit Ehren vertreten können. Während des letzten Teiles nahm der 1. Vorsitzende des Vereins, Herr Rektor Ellerkmann das Wort zu einer inhaltsvollen Ansprache. Zunächst begrüßte er die Vertreter der auswärtigen Vereine, sowie die Vertreter der Brudevereine, die durch ihr Erscheinen bewiesen hätten, daß trotz Gautrennung ein einheitlicher Turngeist vorhanden ist und daß die Turner alle einem Ziele zustreben. Lange sei das Turnen im deutschen Volke und an höherer Stelle verkannt gewesen, viele hätten sich an dem in dem Turnerspruch enthaltenen Wörtcken Frei— gestoßen. Erfreulicherweise habe in letzter Zeit ein frischer Zug durch die Gaue Deutschlands geweht, der uns durch die Anerkennung das bestätigt hat, was wir als Turner für eine selbstverständliche Tugend, für eine fortschreitende Körperausbildung zum Wohle des deutschen Vaterlandes angesehen haben. In seinem Schlußwort wünschte er, daß Lüdenscheid den alten Ruf als Turnerstadt auch fernerhin behalten möge. Sein auf die Deutsche Turnerschaft und das Vaterland im besonderen ausgeb rachtes Gut Heil wurde mit großer Begeisterung aufgenommen. Zum Schluß sprach der 2. Vorsitzende Herr Steinhaus den Dank an die Alten des Verein aus, die den Verein in Münster mit zu Ehren geführt hätten. Er richtete einen warmen Appell an die älteren Turner, auch in Zukunft mit Tat zur weiteren Entwicklung des Vereins beizutragen. Durch die Neuartigkeit des diesjährigen Stiftungsfestes hat der Verein bewiesen, mit welchem Interesse er bestrebt ist, das turnerische Leben auf wohlgepflegtem Spielplatz unter schattigen Bäumen zu verlegen. Wir glauben, daß der Verein in gesundheitlicher Hinsicht das richtige getroffen hat und wünschen, daß es für alle Zukunft dem Verein vergönnt sein möge, bei gutem Wetter und Gottes freiem Himmel ihre turnerischen Veranstaltungen abhalten zu können. Nur so kommt der Verein dem Grundsatz entgegen, daß die Deutsche Turnerschaft der Brennpunkt aller Leibesübungen ist.— Gut Heil! Kreis Altenaer Schmalspur=Eisenbahn=A.=G. Die Berichte des Vorstandes und des Aufsichtsrates über das 27. Geschäftsjahr(1. 4. 1913 bis 31. 3. 1914) und die Einladung der Aktionäre zur Generalversammlung sind uns zugegangen. Letztere findet am 29. August, vorm. 10¼ Uhr, im hiesigen Verwaltungsgebäude statt mit üblicher Tagesordnung. Aus den Berichten entnehmen wir: Insgesamt sind die Einnahmen um rund 53 000 M, von 625 680 A auf 678 441 — 8,43 Prozent gestiegen. Sie betrugen mit einem Uebertrag aus dem Vorjahr von 21 791,50 ¼ insgesamt 700 233,06 M. Die Ausgaben haben sich um rund 16 000 M, von 380 065 A auf 395 821 A— 4,14 Prozent erhöht. Nach dem als günstig zu bezeichnenden Ergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahres sind wir in der Lage, eine höhere Dividende in Vorschlag bringen zu können, als diejenige der letzten drei Jahre, welche bekanntlich 4½ Prozent für beide Aktienarten betrug. Mit Rücksicht auf die Unsicherheit der wirtschaftlichen Lage sehen wir jedoch hiervon ab, sondern empfehlen, den Betrag von 40 000 A dem Erneuerungsfonds I zwecks innerer Stärkung des Unternehmens zu überweisen. Der zur Verteilung verfügbare Gewinn beträgt 197 794,83 M, von dem indes nach dem Vorschlag des Aufsichtsrates nur 94 500 M als Dividende(4½ Proz.) ausgeschüttet werden, der Rest auf den Umbau des Bahnhofes Werdohl(12000 M), auf Reserven, Anleihen, Erneuerungsfonds I und Vortrag 25712 M) verwendet werden sollen. Während des Berichtsjahres waren Verhandlungen mit den Gemeinden Lüdenscheid Stadt, Altena Stadt, Lüdenscheid Land und dem Kreise Altena im Gange, die auf eine Elektrisierung des Betriebes der Linie Altena=Lüdenscheid hinzielten.„Da wir", sagt der Bericht dazu,„bei den Gemeinden und dem Kreise nicht dasjenige Interesse gefunden haben, welches wir in Anbetracht der Annehmlichkeiten und Vorteile des elektrischen Bahnbetriebes gegenüber dem Dampfbetrieb erwarten mußten, so haben die Verhandlungen bisher zu einem Ergebnis nicht geführt."— Außer 27 Privatanschlußgleisen waren im Berichtsjahre insgesamt 41,39 Km. im Betriebe mit folgenden Fahrzeugen: 11½ gekuppelte Tender=Lokomotiven, 4¾ gekuppelte Tender=Lokomotiven, 20 Personenwagen, 3 Gepäckwagen, 3 Post= und Gepäckwagen, 181 offene Güterwagen, 70 bedeckte Güterwagen, 1 Kesselwagen, 1 fahrbarer Drehkran von 7,5 To. Tragfähigkeit, 3 Bahnmeisterwagen.— Durchschnittlich waren 160 Beamte und Arbeiter im Berichtsjahre beschäftigt.— Im Ganzen wurden an Personen und Gütern befördert: a) Strecke Altena=Lüdenscheid=Werdohl 916 088 Personen 244 262 Tonnen, b) Strecke SchalksmühleHalver 34 343 Personen 12 914 Tonnen, zusammen 950 431 Personen 257 176 Tonnen. Die Personen bezw. Güter haben zurückgelegt: a) Strecke Altena=Lüdenscheid=Werdohl 5795 899 Personenkilometer 1 656 237 Tonnenkilom., b) Strecke Schalksmühle=Halver 254128 Pers.=Kilom. 99 000 Tonnen=Kilom., zusammen 6 050 027 Pers.=Kilom. und 1755 237 Tonnen=Kilom. Westfalen und Bheinland. (w.) Hagen, 11. Juli. Der Mörder August Degenhardt aus Esborn, der seine Braut getötet hat, indem er ihr den Kopf avschlug, ist heute Mittag per Automobil hier angelangt uns in das Gerichtsgefängnis eingeliefert worden. Der Täter, eine baumlange Gestalt, befand sich in derartig erschöpftem Zustande, daß er ins Gefängnis getragen werden mußte. Er war augenscheinlich bei seiner Einlieferung nicht ganz bei Sinnen, wie aus dem ganzen Wesen und stieren Blick hervorging. Eine große Menge von Zuschauern hatte sich eingefunden, die den Mörder mit Verwünschungen begrüßte.— Vor der hiesigen Strafkammer sollte heute in dem großen Fleischdiebstahlsprozeß verhandelt werden, der ein außerordentlich großes Interesse findet, wie aus dem geradezu ungeheuerlichen Zudrang des Publikums zum Zuhörerraum hervorging. Die drei Hauptangeklagten wurden aus der Haft vorgeführt, weitere 4 Angeklagte befanden sich auf freiem Fuße. Als Verteidiger waren 6 hiesige Anwälte anwesend. Vor Eintritt in die Verhandlung beantragte der Vertreter der Sache, da noch neue Anzeigne eingelaufen seien, nach denen eine Reihe Zeugen mit auf die Anklagebank gehörten. Dem Antrage des Verteidigers, die Angeklagte Frau B. aus der Haft zu entlassen, wurde seitens des Gerichtes stattgegeben. 5. Preußisch-Süddeutsche (231. Königl. Preuß.) Klassenlotterie 1. Klasse 2. Ziehungstag 11. Juli 1914 Vormittag Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I u. II. Nur die Gewinne über 50 M. sind in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.=A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 81 102 12 80 93 313 77 85 403 682 605 801 65 983 1006 (200) 6 181 452 57 547 692 882 923 89 90 2411 67 72 99 565 994 3108 39 62 210 424 97 686(100) 603 815 918 36 78 4718 21 5026 494 789 6116 42 283 445 51 693 602 797 822 7054 251 344 46 430 45 75 648 81 723 42 822 92 8090 205 13 433 49 633 77 602 60 70 735 926 9198 364 604 59 950 10069 210 320 684 605 738 94 940 11145 227 62 417 12036 108 207 661 922 66 13216 31 347 446 660 91 93 14070 409 19 813 20 929 66 15022 230 460 96 693 961 16414 89 654 908 73 17094 211 380 631 880 914 31 76 18097 225 375 463 561 700 19252 378 813 26(400) 996 20610(100) 828 992 21096 129 96 652 22021 124 292 380 486 90 566 23184 354 418 804 920 24127 46 61 429 616 37 96 713 802 2 5138 258 325 607 784 26241 364 476 643 778 980 27068 670 890 947 28043 60 216 99 383 662 802 61 29290 312 436 584 782 987 30067 127 82 319 478 607(200) 31224(200) 613 794 867 940 32122 56 390 646 33318 479 938(300) 34243 487 667 767 35511 619 996 36178 554(300) 96 869 904 33 B7007 26 489 685(100) 776 28213 696 796 850 3 9067 165 246 577 814 86 40579 681 788 864 66 41194 347 492 725 873 42291 300 412 30 80 83 693 43151 436(100) 38 606 667 44014 193 94 266 92 383 472 613 697 820 948 45729 80 91 887 46195 305 477 847 49(100) 47136 286 48062 96 206 45 496 582 695 706 49178 93 258 330 698(300) 802 971 84 50120 387 413 614 51370 446 760 52133 313 645(100) 643(200) 713 48 53151 343 494 608 901 54228 680 752 870 943 55112 89 656 56054 600 47 870 57492 674 799 895 58342 542 89 647 831 939(100) 86 59136 566 60002 484 537 61209 386 406 600 94 971 62082 292 629 35 828 63174 217 465 76 661 665 750 64171(30 000) 279 347 446 677 775 827 906 65009 194 295 679(100) 766 866 947 66042 101 21 285 92(100) 427 86 606 839 938 67079 176 662 889 68094 282 409 840 904 41 91 69194 228 32 347 504 19 613 37 729 77 889 70067 60 135 219 443 48 921 601 71006 491 691 969 220 456 609 637 718 78„7 3054 183 677 850 68 940 406 82(100) 822 7 6264 323 98 483 559 673 784 77325 78976 86 7 9038 204 308 485 92 668 654 963 B1069:127 71 395 459 819 82169 231 427 621 797 820 83500 66 90 638 747 84371 473 617 600 912 38(200) 85088 270 532 625 742 840 919 22 86106 635 851 67237 64 85 517 820 902 88021 491 638 640 70 702 89022 230 322 403 626 647 90103 293 338 723 97 1124 341 61 420 669 906 02120 404 93010 167 229 329 822 74 903 07 94118 253 339 495 628 985 95034 174 211 566 75 831 96061 276 625 621 97159 256 81 442 70 622 27 98168 250 317 68 689 770 92 88 9083 90 292 303 44 69 619 71 e507 100182 444 664 761 987 101090 295 340 65 418 85 556 600 328 37 102410 631 763 103032 327 709 989 104107 72 256 475 652 850 105371 602 12 775 812(200) 64 85 106632 624(100) 820 86 965 107421(500) 48 502 6 714 921 108080 613 794 864 109065 419(100) 84 737 881 10029 77 284 88 437 713 803 60 111020 112 332 752 12167 430 113184 244 83 788 114019 304 450 609 647 73 866 115062 116014 24 187 243 309 405 630 80 776 917 36 47 117135 270 772 918 118010 71 72 440 626 33 66 792 119021, 42 112 335 71 618 740 826 943 120117 237 69 466 509 826 43 976 121048 116 19(100) 616(200) 959 93 122152 255 448 610 14 123264 322 67 425 644 58 718 808 124332 36 88 659 747 863 97 125328 546 642 66 778 126682 968 127205 29 327 46 808 128095 118 302 14 495 962 129126 61 290 487 673 74 984 130016 173(1000) 93 330 449 756 800 914 131056 228 334 36 475 625 132202 316 79 464 183072 109 27 61 276 529 639 712 49 134061 462 902 26 31 135209 33 613 940 136310 470 781 800 4 939 137032 246 404 14 138011 707 39021 69 88 292 303 404 96 662 59 639 772 837 983 40075 673 665 99 711 90 141056 73 178 282 602 78 961 94 142312 457 617 143090 196 244 549 618 707 144015 (100) 111 634 35 60 990 145694 146314 554 606 26 50 88 47078 118 716 848 148304 403 866 149088(100) 168 97 150560 621 40 734 79 151057 127 152197 291 153098 194 99 412 20 24 79 91 618 725 846 88 154116 68 88 309 63 415 632 921 25 47 15 5131 210 21 87 88 92 300 90 448 639 99 636 709 15 6060 118 63 94 211 330 157188 463 793 158213 34 816 987 159036 211 430 907 160128 823 984 161027 64 104 326 182613 163047 126 91 259 354 490 616 635 720 802 5 964 81 164109 322 443 600 720(100) 71(300) 83 93 878 165094 165 255 413 24 616 761 987 166569 697 863 167284 341 471 507 637 773 948 168198 230 676 169208 361 630 63 76 170098 133 478 621 98 859 171006 69 288 332 61 827 966 172228 93 311 486 526 17 3 006 14 76 293 414 30 76 809 914 64 174249 338 410 563 757 818 917 17 5141 226 314 540 887 76099 236 694 793 969 17 7047 60 146 314(100) 67 536 86 606 733 981 17 6135 242 535 788 17 9076 352 436 980 89 80037 50 141 490 580 85 181020 133 210 12 86 684 818 944 182018 150 219 413 899 183055 207 20 47 419 615 679 184267 366 690 94 621 863 185281 414(100) 68 614 69 916 78 186144 329 66 406 645 187032 55 83 123 693 782 824 88 88223 74 88 385 631 761 189038 228 428 654 766 965 190018 96 238 457 502 862 902 191028 273 809 23 904 192049 267 93 489 750 810 920 193231 331(100) 428 807 957 80 194109 286 339 809 195456(100) 98 614 768 917 61 196627 997 197229 318 672 820 198096 648 89 787 199047 97 488 648 737 961 200260 300 531 688 201078 120 364(300) 458 637 632 801 68 998 202247 92 787 828 203076 85 301 636 44 72 204187 354 652 71 879 80 205029 116 25 431 1642 97 834 62 965 206043 147 290 440 62 66(100) 82 207021 64 82 142 90 664 960 208037 248 611 645 66 209014 284 352 96 614 892(100) 921 71 210112 676 832 976 211211 618 890 212289 96 356 79 96 470 213069 288(400) 482 598 718 876 Berichtigung. In der Vormittagsziehung vom 10. Juli muß es heißen anstatt 209999: 208 999.— In der Nachmittagsziehung vom 10. Juli anstatt 176 360: 176 380, anstatt 176 926: 176 826. Die Nr. 176971 ist nicht mit 1000 sondern mit 100 M. gezogen. 5. Preußisch-Süddeutsche (231. Königl. Preuß.) Klassenlotterie 1. Klasse 2. Ziehungstag 11. Juli 1914 Nachmittag Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I u. II. Nur die Gewinne über 50 M. sind in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.=A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 79 656(100) 788 995 1000(200) 176 209 61 684 2089 631 799 3362(100) 79 416 962 4228 5316 581 738 826 996 6578 989 7022 69(300) 254 439 806(100) 6143 82 263 300 76 423 36 539 628 836 973 9635 904 32 10296 663(100) 81 800 944 11418 35 78 12060 389 98 451 680 784 13022 362 508 44 789 948 14203 64 468 15387 536 643 878 918 16166 401 4 47 642 76 825 17017 70 208(200) 466 851 18023 69 279 836 19015 137 216 801 64 20393 798 21468 725 22039 51 374 415 568 616 916 48 51 93 23092 149 476 610 44(100) 843 948 24310 621 777 926 25105 13 207 29 472 669 94 748 918 26213 734 840 46 27022 36 190(100) 28066(100) 138 287(100) 488 624 710 29189 625 80(100) 805 991 30073 507 67 74 703 31056 270(300) 409 514 665 69 786 (300) 836 941 32630 632 49 837 991 33466 34384 473 621 890 910 25138 265 461 629 784 862 36167(100) 273 485 613 37220 468 770 38192 97 316 611 748 77 29266 476 909 40016 216 485 93 617 33 875 996 41097 302 662 893 42496 639 967 43639 768 863 928(300) 68 44413 35 636 605 841 80 45023 216 464(1000) 793 860 46145 324 489 94 624 33 821 93 47346 727 48318(100) 489 999 49045 132 403(100) 7 687 899 50012 171 227 365 80 401 696 943 73 51060 248 348 666 706 826 922 52062 80 102 402 698 902 40 53187 88 274 307 84 690 733 71(100) 80(100) 809 922 35 97 5 4600 36 79 96 875 55113 233 392 464 56(300) 68 967 56233 320 67 679 694 57132 381 604 844 66 956 99 68339 611 788 59188 363 709 948 76 60027 132 78 88 200 662 736 42 906 18 72 61018 647 624(100) 764 818 928 62066 213 86 306 449 68 96 97 577 799 63260 301 77 669 64762 888 930 65032(100) 161 224 32 444 69 64 606 19 60 62 676 93 804 66072 183 283 98 303 42 546 74 963 67019 215 38 895 68249 329 490 687 69061 223 67 392 496 584 674 93 832 70008 159 458 562 71 71428 737 72178 202 309(100) 607 807 73036 134 242 384 624 982 74161 262 460 682 947 75011(100) 301 606(100) 614 88 763 7 6506 621 35 862 69 77067 271 90 340 401 985(100) 7 8233 327 499 609 51 971 79016 166(100) 333 39(100) 430 653 881 902 12(100) 89 B0230 667 631 32 46 81 90 81286 87 663 820 82136 272 601 36 968 85 83090 106 492 762 974 92 84017 66 136 64 208 946 B5056 234 84 314 83 613 66 708 45 86087 123 66 382 663 773 87097 148 214 315 893 981 88412 63 92 602 887 89377 78 630 889 979 90113 213 792 823 01010 206 83(100) 607 706 72 850 92177 344 94 680 678 94 810 982 03088 102 236 769 906 94262 480 604 74 749 874 05033 64 125 491 643 688 913 69 96296 368 766 878 7212 313 22 546 692 748 78 08126 240 00) 322(300 424 892 474 660 679 09 944 100414 63 634 632 93 991 01337 666 824 938;102227 71 467 92 661 651 865 906 103079 124 419 86 788 866 63 104014 214 608 62 866(200) 105426 62 644 912 33 66 106300 470 741 933 107017 237 467 613(100) 71(300) 702 08266 427 28 620 82 710 923 109034 40 399(200) 807 10 65 905 28 10142 263 366 452 64 639 111201 363 429 112127 397 610 820 85 90 113246 348(200) 619 624 777 114103 225 49 65 354 609(100) 741 931 115110 12 22 81 369 676(300) 16125 240 441 970 117026 103 48 76 247 734 839 916 72 118310 443 610 868 962 119129 252 347 50(200) 540 704 7 821 120336 625 84 623 906 121029 49 122205 333 676 90 714 862(100) 92 906 32 69 123068 179 242 327 30 518 124272 328(100) 407 602 12 5070 644 707 923 126166 247 64 419 713 16 917 127112 62 297 400 816 86 990(100) 128031 213 622 (100) 702 38 914 129186 228 303 51 633 62 130005 220 631 82 807 60 77 985 131064 107 241 810 132818 28 138022 26 271 399(100) 693 96 13 4052 132 296 98 345 766 897 913 13 5039 78 113 69 282(100) 376 431 515 783 869 67 136106 966 80 137292 412 576 763 948 188074 363 406 12 521 690 824 906 12 139218 565 684 701 13 881 95 140470 603 68 664 783 141247 405 524 884 142110 58 414 42 842 50 969 143052 226 424 833 58 66 927 144188 202 8 22 719 37 930 145003 336 829 146062 179 212 147648 148078 363 498 626 69 149080 94 129(100) 329 470 686 50080 131 209 384 412 67 638 96 911 151085 324 740 803 905 58 152056 302 19 642 803 153009 75 104 27 301 563(100) 678(200) 706 824 47 154223 92 633 733 69 830 55273 317 769 968 94 15 6193 369 428 545 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191105 369 447 192066(100) 76 380 96 492 681 942 193049(300) 316 28 73 756 918 194022(200) 268 324 84 91 631 77 623 706 823 44 961 19 5208 14 517 196622 197116 48 291 96 198163 275 360 601 51 199812(500) 70 82 961 200182 283 386 456 94 826 31 904 201206 66(100) 486 90 622 202283 687 703 924 203452 649 76 777(100) 204041. 164(200) 843 687 709 48 828 964 205022 343 635(100) 968 200044 296 207012 26 194 347 666 208001 62 354 606 70 764 98 828 209116 64 351 506 812 210001 222 363 409 684 710(100) 67 930 45 78 211071 143 201 338 901 62 212121 47 629 213130 32 318 84 468 77 609 79 688 714 849 Die Ziehung der 2. Klasse der 5. Preußisch=Süddeutschen(231. Kgl. Preußischen) Klassenlatterig findet am 14. und 15. August 1914 statt. Siegen, 10. Juli. Im Niederfischbach nahm ein Hirt Kinder mit aufs Feld und gab ihnen Schnaps zu trinken Ein Junge nahm soviel davon zu sich, daß er besinnungslos in der glühenden Mittagssonne liegen blieb. Ein Sonnenstich war die Folge, an dem der nKabe jetzt gestorben ist. Duisburg, 10. Juli. Die 19 Jahre alte Friedrike Hildebrandt war abends zwischen 10 und 11 Uhr mit ihrem Bräugam von Duisburg nach Meiderich zurückgekehrt. An der haustür hatte sie ihr Bräutigam verlassen. Das Mädchen war auch ins Haus eingetreten, ist aber nicht in die Wohnung gekommen. Seit dieser Zeit fehlt von dem Mädchen jede Spur. Nachabrn haben nun beobachtet, da ßdrei unbekannte Männer abends gegen 11 Uhr mit einem großen, hellen„Paket“ durch einen gegenüberliegenden Garten gestreift sind. Die Angehörigen des Mädchens haben demjenigen, der Auskunft über seinen Verbleib geben kann, eine Belohnung von 100 Mark zugesichert. Elberfeld, 13. Juli. Beim Abstempeln von Briefen ereignete sich im Postamt eine Explosion. Eine hiesige Firma hatte Briefe nach Italien aufgegeben, die kleine zu Uhranhängseln bestimmte Pistölchen enthielten. Den Pistolen waren Pulverblättchen beigegeben. Als ein Postschaffner auf einen der Briefe den Stempel schlug, um die Marken zu entwerten, explodierten die Zündblättchen. Der Schaffner wurde an den Händen und im Gesicht derart verletzt, daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Rheinisch-Gestfälischer Malerkongress. Köln, 11. Juli. Heute vormittag tagte in der Festhalle der Werkbund=Ausstellung der Rheinisch=Westfälische Malerkongreß. Er begann mit einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Arbeitgeberverbandes für das Maler=, Anstreicher= und verwandte Gewerbe in Rheinland und Westfalen E. V. Sie befaßte sich mit Satzungsänderungen und beschloß, den Namen des Verbandes Sbzuändern in„Rheinisch=Westfälischer Malermeister=Verband, Sitz Barmen“. Als Zwecke und Ziele des Verbandes wurden festgelegt:„Die Wahrung der gemeinsamen gewerblichen Interessen der Mitglieder; hierbei insbesondere Herbeiführung geordneter Verhältnisse zwischen den Mitgliedern und ihren Gehilfen; eventl. durch Abschluß und Durchführung von Tarifverträgen. Regelung des Submissionswesens. Förderung der Standesinteressen. Bearbeitung und Veröffentlichung statistischen Materials. Gründung von Ortsgruppen des Verbandes. Abschluß von Verträgen mit ähnlichen Interessenverbänden.“ Die übrigen in Frage kommenden Satzungsänderungen betrafen innere Verbandsangelegenheiten. Um 10 Uhr vormittags begann der eigentliche Malerkongreß, zu dem der vorbenannte Arbeitgeberverband für das Malgewerbe und der Maler=Innungsverband von Rheinland und Westfalen eingeladen hatten. Der Kongreß wurde durch Begrüßungsansprachen eingeleitet. Die weiteren Verhandlungen wurden ausgefüllt durch Vorträge der Herren: Beigeordneter Landesbaurat a. D. Rehorst über Werkbund und Werkbund=Ausstellung“, wobei Redner besonders einging auf die Fragen, die für das Malergewerbe an erster Stelle von Bedeutung sind, wie künstlerische Erziehungsmethoden, Farbenschau, Buch= und Schriftgewerbe, Baumkunst; Frhr. v. Reiswitz= Kaderzin und Grobowka=Hamburg über Die Arbeitsloserwerscherung als Sozjal= und Kultuproblem“, sowie Prof. Kutschmann=Berlin über„Schule und Praxis“. Bemerkenswert erscheint, daß das Referat über die Arbeitslosenversicherung sich in ablehnendem Sinne bewegte. Eine Diskussion wurde nicht beliebt. Nach dem Mittagessen besichtigten die rheinischen Malermeister in Gruppen unter sachkundiger Führung die Werkbund=Ausstellung. (Mp.) Berlin, 10. Juli. Ein von einem Deutschen konstruierter Schlagfliegerapparat, der Stillstehen in der Luft ermöglicht und die Absturzgefahr vermindern soll, ist durch Reichspatent geschützt worden. Mit seiner Schwingerkonstruktion ist er unabhängig vom Antriebsmotor und kann sich auch dann in der Luft halten, wenn der Motor versagt, während unsere derzeitigen Schraubenflugzeuge eine Geschwindigkeit von mindestens 16 Meter in der Sekunde haben müssen, um sich in der Luft halten zu können. Die Erfindung wird von Sachverständigen als die Schlagfliegerkonstruktion bezeichnet, von der sich schon Lilienthal Erfolge versprochen hat. Berlin, 11. Juli. Der Flieger Reinhold Boehn, der gestern abend um 5,52 Uhr in Johannisthal aufgestiegen ist, um 6,04 Uhr glatt gelandet. Er schlug den Dauerweltrekord von 21 Stunden 49 Min. um 2 Stunden 23 Minuten mit 24 Stunden 12 Minuten. Hasselt, 12. Juli. Der beim Absturz mit dem Aeroplan auf dem Flugplatz Kiewit verunglückte Leutnant Hubert ist gestorben. London, 11. Juli. Das heutige Wettfliegen von Hendon nach Paris und zurück über Folkestone und Boulogne wurde von dem Amerikaner Brock mit einer Flugzeit von 7 Stunden 3,6 Minuten gewonnen. Aus aller Welt. Dürkheim(Pfalz), 11. Juli. An der Landstraße fand man in einem Rebenberge die zerstückelte Leiche einer Förstersfrau. Von den Tätern fehlt bis jetzt jede Spur. Rom, 11. Juli. Kaiser Wilhelm hat das von den Benediktanern in Maria Laach rekonstruierte Feldzeichen Konstantins des Großen, das Labarum, dem Papste für die neue Konstantin=Basilika in Rom, die im Jahre 1913 erbaut worden ist, zum Geschenkgemacht. In besonderer Audienz überreichte der Gesandte beim Hl. Stuhl, v. Mühlberg, dem Papste das Labarum. Der Gesandt war begleitet vom Flügeladjutanten des Grafen Spee, der das Labarum im Auftrage des Kaisers nach Rom gebracht hatte. Quebec, 11. Juli. Die Regierungskommission, die mit der Untersuchung der Ursache des Zusammenstoßes der„Storstadt“ mit der„Empreß of Ireland“ betraut wurde, ist zu dem Ergebnis gekommen, daß die„Storstad“ infolge ihrer Kursänderung das Unglück verschuldete. Newyork, 11. Juli. Eine Revolte fand gestern unter 1400 Gefangenen des Arbeitshauses statt. Sie wurden mit Knüppeln zurückgetrieben. Alle Insassen wurden bei Wasser und Brot in Einzelhaft gebracht.— Vier Banditen hielten den Schnellzug in der Nähe von Matson(Missouri) an und sprengten den Geldschrank. Sie entkamen mit reicher Beute. betzte Dachrichten. Lüdenscheid, 13. Juli. Aus Köln a. Rh. und Straßburg i. E. werden schwere Automobil=Unfälle gemeldet; bei dem einen sind 1 Person getötet und 6 Personen verletzt worden, bei dem andern 2 Personen getötet, 1 verletzt.— Ferner werden mehrfach tödliche Unfälle beim Baden und Rudern gemeldet; 14 Fälle sollen allein gestern in und bei Berlin, 5 bei Emmerich am Rhein vorgekommen sein. Forst(Lausitz), 13. Juli. Am Samstag wird ein Aussperrungsbeschluß der Fabrikanten der Lausitzer Tuchindustrie als Abwehrmaßregel gegen einen bestehenden Streik wirksam. Es werden davon 28700 Arbeiter mit 143 000 Angehörigen betroffen. Colmar, 13. Juli. Hansi Waltz hat es abgelehnt, die ihm in Anerkennung seiner künstlerischen und agitatorischen Meisterschaft in Leipzig angebotene einjährige Staats=Pension zu genießen. Er ist durch das Loch in den Vogesen in das Land der Freiheit hinübergeschlüpft, das er in so hohen Tönen besungen hatte. In Belfort hat er einstweilen Station gemacht. Haag, 13. Juli. Die Straßenbahnangestellten haben den Generalstreik erklärt.— Zum Ersatz der ausständigen Straßenbahnangestellten sind heute vormittag 100 Arbeitswillige aus Berlin eingetroffen. Als sie unter starker polizeilicher Bedeckung nach dem Straßenbahndepot gebracht wurden, wurden sie von den Ausständigen mit Pfeifen und Johlen empfangen. Der Straßenbahnverkehr wird nur teilweise aufrecht erhalten. Rom, 13. Juli. Ein Dekret ruft die Jahresklasse 1891 unter die Fahnen. Charolles, 12. Juli. 2 Zigeunerstämme, ungefähr 120 Personen, gerieten an den Ufern der Loire in einen Kampf, wobei sie mit Gewehren, Revolvern, Aexten und Messern aufeinander losgingen. Etwa 10 Personen wurden verwundet, von denen 2 ihren Verletzungen erlegen sind. Serajewo, 11. Juli. Der Landtag ist auf Grund einer kaiserlichen Verfügung geschlossen worden. (pri.) Berlin, 11. April. Die Hoffnungslosigkeit der inneren Lage Albaniens wird heute durch eine neue Nachricht bestätigt. Wie über Mailand gemeldet wird, hat Fürst Wilhelm die Bezahlung der ausgehobenen Militärpflichtigen Durazzos eingestellt. Das offiziöse Bureau gibt zu, daß die Wehrpflichtigen Durazzos zur Wiederablieferung der ihnen übergebenen Waffen vom Fürsten aufgefordert worden sind.— Die gesamt telegraphische Verbindung mit den Städten Albaniens: Kawaja, Schiak, Pekinje, Tyranna und Elvassan ist seit Donnerstag unterbrochen. Nach allen übrigen Städten Albaniens werden Telegramme unr noch auf Risiko der Absender angenommen, da ihre Beförderung gefährdet ist. Rom, 12. Juli. In Albanien soll ein neues Verwaltungssystem eingeführt werden. Da die inneren Unruhen zum großen Teil auf religiöse Unterschiede der einzelnen Volkselemente zurückzuführen sind, so soll ein römisch-katholischer, ein orthodoxer, d. h. griechisch=kath. und ein mohammedanischer Kanton geschafsen werden, von denen jeder eine Art Selbstverwaltung erhalten soll. Dieser von Ismail Kemal ausgedachte Plan geht an sich auf die Zusammensetzung des Volkes und die daraus entspringenden Wünsche der Albanier ein. Schanghai, 12. Juli. Bei einer heftigen Explosion an Bord des chinesischen Kanonenbootes„Tiengchi“, die sich in der Nähe des Arsenals ereignete, sind 35 Marinekadetten getötet worden. Die Ursache des Unglücks ist unbekannt. Veracruz, 12. Juli. Nach Berichten aus wohlunterrichteten Kreisen soll Huertas Entlassungsgesuch dem Kongreß in seiner morgigen Sitzung unterbreitet werden. Der neue Minister des Aeußern Carabajal, der wahrscheinlich Huertas Nachfolger werden wird, erklärte, seiner Ernennung sei im Geheimen von Carranza und den Vereinigten Staaten zugestimmt worden. Der Zweck der Reise des englischen Admirals Cradock nach der Hauptstadt soll sein, Huerta und seine Familie nach der Küste zu begleiten, wo sie sich wahrscheinlich auf ein britisches Kriegsschiff begebn weredn. Sport. Sportfest des F. C. Hamm. Bei den Leichtathletischen Kämpfen konnte Viktor=Schwerte die 50 m in der sehr guten Zeit von 5,7 Sek. laufen. Im 200 m=Lauf blieb derselbe ebenfalls Sieger trotz beträchtlicher Vorgabe. Im 100 m=Laufen wurde Förster=Duisburg Sieger. Viktor hatte hierbei einen sehr schlechten Start. Malmö, 13. Juli. Bei den gestrigen Sprungwettkämpfen in den Baltischen Spielen fielen mehrere Preise Deutschland zu. Den 1. Preis erhielt der deutsche Leutnant Graf von Schaesberg=Thanheim. Oeffentlicher Vetterdienst. Gewitter oder Gewitterregen, zeitweise heiter, warm. Helle Fabrik= und Lagerräume usw. erzielt man durch Anstrich mit der von der Firma R. Avenarius& Co., Köln, Stuttgart, Hamburg und Berlin in den Handel gebrachten Dauerfarbe Indurin= Idine. Der mattweise, lichtwiderstrahlende und feuerhemmende Indurin=Anstrich wird steinhart, wischt nicht und färbt nicht ab. Indurin ist besonders für Neubauten zu empfehlen, bei welchen der Anstrich auf lufttrockenen Putzflächen sofort ausgeführt werden kann, ohne das Austrocknen der Wände zu verhindern. Indurin ist zu haben bei Otto Liemke, Baugeschäft, Lüdenscheid L. W. Becker, Frrbwaren, Meinerzhagen. Ebenda ist auch das von Hausschwamm=Sachverständigen vielfach empfohlene Raco für geruchlose holzkonservierende und desinfizierende Innenanstriche, insbesondere zum unterseitigen Anstrich der Dielen und Lagerhölzer gegen Hausschwamm und Trockenfäule erhältlich. Bekanntmachung. Die Schlittenbacherstraße, unterhalb der Schützenstraße, die Schützenstraße, zwischen Schlittenbacher= und Weißenburgerstraße, sowie die Weißenburgerstraße, von der Schützen= bis zur Mittelstraße, werden für die Dauer der dort auszuführenden Kanalisationsarbeiten für den Fuhrverkehr gesperrt. Lüdenscheid, den 11. Juli 1914. Die Polizei=Verwaltung. Die öffentliche Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 14. ds. Mts., zu der für nachmittags 4½ Uhr eingeladen ist, wird um 1 Stunde, also auf 5½ Uhr verschoben. Lüdenscheid, den 13. Juli 1914. —Der Stadtverordneten-Vorsteher: Pels Leusden. Hrbeltsmarkt Geübter Spritzer und ein properes Mädchen für die Mustermacherei gesucht. Von wem, sagt die Geschäftsst. d. Ztg Jüngerer ordentlicher Hufschmiedegeselle für sofort gesucht. Carl Linnepe, Friedrichstr. jesucht. Stukkateure Adolf Wüst, Mengede. Ein ordentlicher gesucht. Conr. Schteveler, Gartenstr. 38. Wegen Krankheit des jetzigen für sofort oder in 14 Tagen solider, zu verlässiger gegen guten Lohn gesucht. Gießereigehülfen, und für dauernde Arbeit auf unsern Werken Lüdenschei und„Helle" bei Altroggenrahmede gesucht. Westf. Kupfer- und Messingwerke Act.=Ges. vorm. Casp. Noell. Tüchtiges Dienstmädchen mit Kochkenntnissen für sofort bei hohem Lohn im herrschaftlichen Haushalt gesucht. Zu erfragen in der Geschäftsst. d. Ztg. Wohnungsanzelger . „Eine abgeschlossene Etage von 5 Zimmern sowis Diele, Badeimmer und Vorratskammer mit Zentralheizung per 1. November zu vermieten. Zu erfragen in der Geschäftsst. d. Zig Eine abgeschlossene Etage von 5 Zimmer evtl. Mansarden so fort oder später zu vermieten. 3 Zimmer zum 1. November zu vermieten. C. Fischer, Lösenbacherstr. 4. Wohnung v. 2 groß. 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In der Kammer der verkleinerten Türkei hat dieser Tage der Finanzminister Dschavid Bey eine Budgetrede gehalten, die wie ein Preislied auf Frankreich klang. Weil dieses den Türken aus ihren Geldnöten half, muß die Türkei nach des Finanzministers Worten„ewig erkenntlich“ sein. Und das im Jahre 1870/71 niedergeworfene Frankreich soll auch der„ottomanischen Nation“ zum Vorbild dienen, mit Erfolg und Selbstverleugnung zu arbeiten. Denn nur auf diese Weise werde sie die Herrin ihrer Geschicke werden und die jetzt dem fremden Kapital eingeräumten Unternehmungen wieder an sich nehmen können. Die jungtürkische Bewegung hatte ja von vornherein einen freiheitlichen und nationalen Charakter. Sie erstrebte nicht nur den Sturz des Despotismus, sie wollte auch den Einfluß der Fremden auf das Wirtschaftsleben möglichst einschränken. Wenn nun ein Minister, der zu den Führern dieser Bewegung gehörte, seinen Landsleuten erzählen muß, wie den Fremden immer mehr Konzessionen eingeräumt werden mußten, so ist das nicht gerade angenehm für ihn. Und darum ergriff er bereitwillig die Gelegenheit zu ein paar patriotischen Sprüchen, an deren unbedingte Gültigkeit er selbst nicht recht glauben kann. Diese ändern wenigstens für heute gar nichts daran, daß die Pforte wieder einmal finanziell an Frankreich gekettet ist. Das war sie ja schon öfters, seitdem sie in das„europäische Konzert“ eingetreten ist. Bis in die siebziger Jahre hinein waren ja England und Frankreich sozusagen die einzigen Geldgeber des Großherrn. Namentlich Frankreich, das sich schon seit den Tagen der Valois im 16. Jahrhundert gern als besonderen Freund der Muselmanen hinstellte und das unter dem ersten Kaiserreich diese Ueberlieferungen wieder aufnahm, galt als finanzieller Schutzherr des Türkenreiches. Daß darin später ein Wandel eintrat und Deutschland Frankreichs Vorherrschaft auch im nahen Orient zurückdrängte, das soll man gewiß nie vergessen, wenn jetzt Dschavid Bey in echt orientalischem Ueberschwang von der Pforte ewiger Erkenntlichkeit sprach. Ewig ist nichts in den Beziehungen der Völker. Dschavid Bey betonte mit großem Nachdruck, daß die große französische Anleihe nicht die letzte sein werde. Frankreich werde auch in Zukunft Anleihen an der Pariser Börse zulassen, und zwar auch solcher— und das ist sehr bemerkenswert— die für Ausgestaltung des Armee= und Marinematerials bestimmt seien. An die jüngste Anleihe wurde bekanntlich die Bedingung geknüpft, daß sie nicht für militärische Zwecke verwendet werden dürfe. Es geschah das mit der Begründung, einen neuen türkisch=griechischen Zusammenstoß hintanzuhalten. Aber es sprach doch wohl auch sehr lebhaft der Wunsch mit, dem russischen Freunde zu liebe der deutschen Militärmission nicht durch finanzielle Unterstützung den Rücken zu stärken. Gibt Frankreich künftighin Geld für Kanonen und Schiffe, so wird es sich ohne Zweifel bindende Versprechungen geben lassen, daß diese Kanonen und Schiffe nicht zum Schaden des Alliierten an der Newa verwendet werden, und daß sie dem französischen Geldgeber obendrein noch hübsche Lieferungsaufträge einbringen. So hat denn Frankreich die besten Trümpfe am Goldenen Horn in der Hand und wird sie sicher auch zu verwerten wissen, sei es für sich selbst, sei es für den Freund der Verbündeten. Die Herren an der Seine sind nicht knauserig; sie geben nicht nur ein paar hundert Millionen, sie versprechen noch mehr für die Zukunft, und sie haben der Pforte auch noch allerlei kleine Geschenke in Aussicht gestellt. So soll sie die Befugnis erhalten, den Konsum von Kolonialwaren zu besteuern, auch eine Aenderung der Kapitulationen über die Rechtsstellung der Europäer will Frankreich zugestehen und schließlich will es auf einen Handelsvertrag mit der Pforte eingehen, der diese handels= und verkehrspolitisch gleichberechtigt macht. An einem solchen Handelsvertrag will nach Dschavids Worten England als Freihandelsstaat noch nicht so recht heran. Aber im übrigen ist der Finanzminister auch mit England zufrieden und sogar Rußlands guter Wille wird anerkannt, sich mit der Türkei über ostanatolische Bahnfragen zu verständigen. Wenn die Pforte mit dieser Macht noch nicht Up ewig ungedeelt. Vaterländische Exzählung von A. v. Liliencorn. 1. Teil. (5. Fortsetzung.) Den beschäftigte aber bald anderes. Weller mußte vom heutigen Gefecht erzählen. Das tat er, und mit solcher Wärme und Lebendigkeit, daß Rathgen meinte,„wahrhaftig, es ist einem dabei zumute, als ob man das alles leibhaftig mit durchlebte.“ „Ich sage dir, Onkel Rathgen,“ fuhr Weller fort,„hättest du heute deinen Jungen gesehen, das Herz hätte dir im Leibe gelacht. Ich hatte eine Meldung an die Reserve zu bringen und ritt an ihm vorbei, als die Jäger am Tiergarten im scharfen Gefechte standen. Er hatte den Flügelposten und die Kugeln zischten um ihn herum. Eine hatte ihm just seinen Tschako durchlöchert. Wir erkannten uns, als ich vorbeigaloppierte.“ „Feuertaufe,“ rief er mir zu und strahlte mich an, wie er auf seinen Tschako zeigte. „Ich brüllte ihm ein Hurra entgegen, aber ob er es gehört hat, weiß ich nicht, es war gerade solche wilde Kriegsmusik, die knatterte und prasselte ohrenbetäubend, und ich war schon mit einem Galoppsprung an ihm vorbei.“ Rathgen fuhr mit der Hand über die Augen, er war sehr bewegt und nicht imstande, ein Wort zu sagen. „Nicht wahr, Hans, auch du hast heute die Feuertaufe erhalten?" erkundigte sich Aga, und ihre grauen Augen blickten den Jugendfrend fragend an. „Ja," antwortete er ihr,„und es war mir dabei so wunderlich zumute, ganz feierlich, als ob es gelte, eine Weihe zu bekommen. Statt Glockenläuten: Kanonendonner, statt Chorgesang: Hurraschreien. Aber von so was sollte ich nicht reden, das kann die„lütte Dirn“ nicht verstehen.“ Sie wollte das nicht Wort haben.„Doch, Hans, doch," behauptete sie.„Ich kann es nur nicht so richtig ausdrücken, was ich dabei fühle, und was ich mir so zurechtdenke.“ „Gib dir nur Mühe, Gate, es wird schon gehen," ermutigte er sie.„Ich möchte es doch gerne wissen." Sie nickte und schwieg noch einen Augenblick, dann sagte sie langsam und mit einem eigentümlich tiefen Klang in der Stimme:„Es heißt ja, das Gold wird erst im Feuer erprobt, und ich habe oft davon sprechen horen, daß es sich erst in schweren Zeiten oder in heißem Kampfe bei den Menschen zeige, ob sie wirklich fest im Glauben ständen. Siehst du, und in alter Zeit mußten die Rittersöhne auch erst ins Reine gekommen sei, so hänge das, so führte Dschavid aus, von dem Ausgang der deutsch=türkischen Verhandlungen ab. Dschavid Bey ist nicht entzückt von den Schwierigkeiten, die von Deutschland ausgehen und vergißt, daß die Deutschen hier viel zu verlieren haben, während er die Freigebigkeit der anderen, die viel zu gewinnen haben, sieht. Urbeiterbewegung. Lohnaufbesserungen für Eisenbahnarbeiter. Es wird uns geschrieben: Die neue Lohnordnung der preußisch=hessischen Eisenbahnverwaltung hat, obwohl sie nur ein Zusammenfassung und Vereinheitlichung der Lohnsysteme darstellen soll, einer großen Anzahl von Eisenbahnarbeitern zugleich auch ziemlich bedeutende Lohnerhöhungen gebracht. Beachtenswert ist, daß ein alter Arbeitervertreter, der Vorsitzende des großen Berliner Eisenbahnhandwerker= und Arbeiterverbandes, Eisenbahnschlosser Gustav Ickler, Mitglied des Reichstags, dem Eisenbahnminister von Breitenbach anläßlich der diesjährigen Reichseisenbahnetatsberatungen den Dank für die Zusammenberufung der Lohnkommission mit dem Bemerken aussprach: die neue Lohnordnung sei gewissermaßen eine Krönung der bisherigen Reformen und bringe den Arbeitern ganz erhebliche Vorteile. Interessant ist auch eine vom Generalsekretär Riedel des genannten Verbandes angefertigte Statistik über die Eisenbahnarbeiterlöhne und über die ortsüblichen Tagelöhne, die dem Reichstage übermittelt wurde. Aus derselben geht hervor, daß in einer großen Anzahl von Orten die Eisenbahnarbeiterlöhne bereits höher stehen als die ortsüblichen Tagelöhne. Angesichts solch günstiger Lohnverhältnisse ist es zu verstehen, wenn der Andrang der Privatarbeiter zu den Eisenbahnwerk= und Betriebsstätten von Jahr zu Jahr größer wird. Die christlichen Gewerkschaften im Jahre 1913. Im Zentralblatt der christlichen Gewerkschaften wird von ihrem Generalsekretariat ein ausführlicher Bericht über die Entwicklung veröffentlicht, die die christlichen Gewerkschaften während des Jahres 1913 genommen haben. Es geht daraus hervor, daß die Ungunst der wirtschaftlichen Lage ihren Einfluß auf die christlichen Gewerkschaften ebenso geübt hat, wie auf die sozialdemokratischen. Denn am Ende des Jahres 1913 zählten die christlichen Gewerkschaften 341 735 Mitglieder gegenüber 350 930 am Ende des Vorjahres. Das ist ein Rückgang von 9195 Mitgliedern gleich 2,6 Prozent. Etwas günstiger erscheint die Mitgliederbewegung, wenn der Jahresdurchschnitt der Mitgliederzahl in Betracht gezogen wird: er betrug für das Jahr 1913 342 785 gegenüber 344 687 für das Jahr 1912. Einen Mitgliederverlust haben jedoch nicht alle christlichen Gewerkschaften erlitten, vielmehr verzeichneten einzelne eine verhältnismäßig nennenswerte Zunahme. Dies ergibt sich aus den nachstehenden, die Mitgliederzahl im Jahresdurchschnitt enthaltenden Angaben, denen die entsprechende Zahl des Vorjahres eingeklammert hinzugefügt ist. Darnach betrug 1913 die Mitgliederzahl im Jahresdurchschnitt: bei dem Bergarbeitern 66 652(76988), bei den Bauarbeitern 43 529(43 691), bei den Metallarbeitern 41 732(42 644), bei den Textilarbeitern 38 772(39 903), bei den bayrischen Eisenbahnern 23 579(20 941), bei den Holzarbeitern 17741(17 280), bei den Keram= und Steinarbeitern 8434(7411), bei den Heimarbeiterinnen 8385(8188), bei den Tabakarbeitern 6714(7388), bei den Lederarbeitern 6169(5756), bei den Schneidern 5071(4742) usw. Ein günstigeres Bild als die Mitgliederbewegung bietet die Entwicklung der Kassenverhältnisse der christlichen Gewerkschaften. Die Gesamteinnahme stieg von 6,60 Millionen Mark i. J. 1912 auf 7,17 Millionen Mark i. J. 1913, vermehrte sich also um rund 569 000 Mark. Allerdings war infolge der wirtschaftlichen Lage die Gesamtausgabe mit 6,10 Millionen Mark um rund 879000 Mark größer als im Vorjahre, wo sie 5,22 Millionen Mark betragen hatte. Trotzdem wuchs die Summe der Vermögensbestände um meyr als 1 Million an, da sie im Berichtsjahre den Betrag von 9.68 Millionen Mark gegenüber 8,57 Millionen Mark im Vorjahr erreichte. Von den Einnahmen entfielen 6,30 Millionen Mark auf Beiträge. Verausgabt wurden: für das Verbandsorgan rund 571 000 Mark, für AgitaKraft und Unerschrockenheit durch die Tat beweisen, ehe sie den Ritterschlag erhielten. Und nun—“ „Und nun?“ wiederholte er, da sie schwieg. „Nun habt ihr es beide gefühlt und gezeigt, daß euch die Kugeln nicht schrecken— ich meine, da habt ihr es so recht gewußt, was es auf sich hat mit dem Heldenmut und der Todestreue. Darum hat der Bruder gestrahlt und dir ist so feierlich zu Sinn gewesen. Ihr habt den Ritterschlag bei der Feuertaufe erhalten. Verstehst du mich?" fragte Aga jetzt. Sie hatte ihm das Gesicht zugewandt, und da sie eben an den erleuchteten Fenstern eines Hauses vorüber gingen, deren voller Schein auf das Mädchen fiel, konnte er deutlich ihre Züge sehen. Die grauen Augen erschienen ihm tief schwarz, und er entsann sich aus ihrer Kinderzeit, wie diese Augen immer so eigenartig dunkel wurden, wenn eine Sache sie erregte. Auch ihn hatten ihre Worte bewegt und zugleich neue Kindererinnerungen geweckt. „Ja, ganz und gar verstehe ich dich," antwortete er ihr, „und ich schäme mich fast, daß ich auch nur einen Augenblick glaubte, du könntest dich nicht in meine Gefühle bei der Feuertaufe hineinversetzen. Hattest ja schon als lütte Dirn deinen Helden, für den du schwärmtest. Weißt du noch, wer das war?" „Das werde ich doch nicht vergessen, Hans!, Judas Makkabäus war es,“ erklärte sie,„der Gottesstreiter, der lieber ritterlich sterben wollte als fliehen, um seine Ehre nicht zu schanden werden zu lassen.“ Weller hatte sich so in das Gespräch vertieft, daß er verwundert aufsah, als Rathgen ihm zurief:„Mein Junge, hier ist ja dein Quartier, wir sind zur Stelle.“ „Jawohl,“ bestätigte der junge Offizier,„und nun müssen wir Abschied nehmen, denn morgen geht's weiter, dem Feinde nach. Es war gut, daß is dir gesagt hatte, wo ich ins Quartier sollte, sonst wäre ich wahrhaftig vorbeigelaufen.“ Er hatte Klaus vom Pferde gehoben, und der Junge machte sich, aufgeregt durch die Eindrücke des Tages, wieder mit seiner Fahne zu schaffen und sang dabei vor sich hin:„Schleswig=Holstein stammverwandt“. Da er das Lied aber nicht weiter konnte, sammelte er zusammen, was in seinem Gedächtnis sitzen geblieben war, und"meerumschlungen— Vaterland— up ewig ungedeelt“ klang alles durcheinander. Rathgen nahm herzlichen Abschied von Weller.„Gott mit dir, mein Junge, grüße meinen Sohn!“ sagte er.„Haltet die Ohren steif und bleibt wacker. Ich baue auf euch beide. Gott tion rund 775000 Mark, für Streik— und Gemaßregelten— Unterstützung rund 989 000 Mark, für Reise= und Arbeitslosenunterstützung rund 285000 Mark, für die Zahlung von Krankengeld rund 816000 Mark, für die Zahlung von Sterbegeld rund 206000 Mark, für die Gewährung von Rechtschutz rund 131 000 Mark usw. An Lohnbewegungen waren die christlichen Gewerkschaften in 1506 Fällen mit rund 95000 Arbeitern beteiligt. Der Prozentsatz der friedlich verlaufenen Bewegungen war 77½ und 78 Prozent der Beteiligten. An Angriffsstreiks waren die christlichen Gewerkschaften in 234 Fällen mit 6672 Arbeitern beteiligt, an Abwehrstreiks in 72 Fällen mit 1608 Arbeitern, an Aussperrungen in 35 Fällen mit 12 756 Arbeitern. Vermischtes. Eine große Familie. Kürzlich starb im Bezirk Rouville in Kanada ein 84jähriger Greis, der ein wohl einzig dastehendes Leichenbegängnis hatte. Auf die Kunde von seinem Tode waren nämlich aus allen Teilen des Landes die Mitglieder seiner weitverzweigten Nachkommenschaft zusammengeströmt, um ihrem Stammvater die letzte Ehre zu erweisen. Es bedurfte nämlich keiner anderen Leidtragenden mehr, um dem alten Mann ein zahlreiches Grabgeleite zu sichern, denn nicht weniger als fünfhundertzweiundsiebenzig Kinder, Enkel und Urenkel folgten dem Sarge ihres Ahnherrn. Die Steinkreuze. Im Thüringer Wald, in den fränkischen Wäldern und aus sonst an anderen Waldorten Deutschland finden sich oft atle, moosbewachsene Steinkreuze, deren einstige Bedeutung noch heute ein strittiger Punkt der Gelehrtenforschung ist. Ein Teil der Ansichten geht dahin, in den Steinkreuzen religiöse Sinnbilder von Thors oder Donars Hammer zu sehen; andere halten die Steinkreuze für Grenzsteine ehemaliger Weichbilder oder für Wahrzeichen königlicher Gewalt; wieder andere sehen in ihren Erinnerungs= und Sühnezeichen für begangene Verbrechen, ähnlich dem Kreuz vor der Berliner Marienkirche, das die Stadt zur Einnerung an den in ihren Mauern ermordeten Probst setzen mußte. Wahrscheinlich ist die Bedeutung der Kreuze keine allgemeine und es wird die Aufgabe der überall bestehenden Geschichtsvereine bilden, die Rätsel der Steinkreuze, die auch häufig Inschriften tragen, von Fall zu Fall zu lösen. Ein neuer Einbrecher=Trick. Erhielt da jüngst ein biederes Ehepaar in einer mitteldeutschen Stadt durch, die Post anonym zwei richtige Theaterbillett= zugesandt. Ein beiliegender Zettel enthielt nur die vielsagenden Worte:„Sie werden niemals erraten, wer Ihnen dies geschickt hat.“ Das Ehepaar hatte auch keine Lust, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, sondern tat, was am ratsamsten schien: benutzte die Karten und verlebte im Theater einige recht vergnügte Stunden. Als man nach Hause zurückkehrte, erfuhr die Freude aber leider eine schlimme Trübung. Denn Einbrecher hatten die beiden alleinstehenden Leute nur fortlocken wollen, um desto ungestörter und gründlicher in ihrem Hause während ihrer Abwesenheit„aufräumen“ zu können. Und das hatten sie gründlich getan. Der beleidigte Napoleon. Je höher Napoleon Bonaparte stieg, desto mehr beschränkte er seinen Umgang mit allen denen, die ihm von früher her befreundet waren und deshalb glaubten, noch fernerhin vertraulich sein zu dürfen. Die große Freiheit, die sich mancher seiner ehemals Vertrauten herausnahm, beleidigte ihn, er fand ein solches Gebaren respektwidrig gegen den obersten Beamten des Staates. Schon als er Erster Konsul wurde, kehrte Napoleon seinen Standpunkt mehr als einmal heraus und verscherzte sich auf diese Weise manchen Freund wegen einer Lappalie. Bei einer Gesellschaft in St. Cloud war auch der Schauspieler Dugazon zugegen, ein alter Freund. Napoleon klopfte ihm herablassend auf den Leib und meinte scherzend:„Wie rund doch Ihr Tragödienbäuchlein in letzter Zeit geworden ist, lieber Dugazon.“ Dieser antwortete leichthin: „Noch lange nicht so rund wie Ihr Konsulatsbäuchlein“— und von Stund an war der Mime nicht mehr„hoffähig“. Niemals wieder wurde er zu einer Gesellschaft geladen. nehme euch in seinen Schutz!“ Der junge Offizier schüttelte kräftig die dargebotene Hand: „Danke, danke, Onkel! Bleibe mir auch ferner so wohlgesonnen, ich will deinem Vertrauen Ehre machen.“ Dann wandte er sich an Aga, die schweigend daneben stand. „Soll ich versuchen, es deinem Judas Makkabäus nachzutun an ritterlichem Mut?“ fratge er zwischen Ernst und Scherz. Sie lächelte, aber es schimmerte dabei feucht in ihren Augen:„Nimm sein Losungswort mit," schlug sie vor. „Wie hieß das?" „Gott gibt Sieg.“ Er drückte ihre Hand:„Ich werde kämpfen für euer Schleswig=Holstein, nicht fliehen, lieber ritterlich sterben." Um ihren Mund zuckte es, und ein paar helle Tränen standen in ihren Augen.„Behüte dich Gott, Hans.“ „Bete für mich, Gate, lütte Dirn!“ Klaus mochte wohl das Gefühl haben, daß keiner sich um ihn kümmere, und daß es daher an der Zeit sei, sich bemerkbar zu machen. Er steckte seine Fahne zwischen die Schwester und Weller und sang nach frei erfundener Melodie:„Up ewig ungedeelt." Seinen Zweck hatte Klaus jedenfalls erreicht, denn nun beschäftigten sich sofort alle drei mit ihm und er wurde in das Abschiednehmen hineingezogen. Er blieb beim Nachhausegehen denn auch der Gesprächigste, da Vater und Tochter ganz mit den Eindrücken des Tages beschäftigt waren und ihren Gedanken nachhingen. „Du, Aga," Klaus zupfte die Schwester am Aermel,„solch ein Husarenleutnant will ich auch mal werden und auf solchem braunen Pferde will ich dann auch reiten.“ Ehe das Mädchen antworten konnte, tat es der Vater für sie.„Das sollst du, mein Junge, wenn du, so Gott will, zu einem tüchtigen Menschen herangewachsen bist, der es zu schätzen weiß, daß er ein Deutscher ist, und der sein Vaterland, sein Schleswig=Holstein, lieb hat.“ Das waren freilich Worte, die über das Verständnis des Knaben weggingen, aber so viel hatte er doch davon erfaßt, daß Schleswig=Holstein und die Erfüllung seiner Wünsche in einem gewissen Zusammenhange standen, und es hatte zur Folge, daß er mit schmetternder Stimme sang:„Schleswig=Holstein stammverwandt," und dann der Schwester erklärte:„Du mußt mir das mal ganz richtig vorsagen, ich will es lernen.“ (Fortsetzung folgt.) Das Schwärmen der Bienen. In der letzten Hälfte des Juni fangen gewöhnlich die Bienen an zu schwärmen Je nachdem die Witterung ist, schwärmen sie früher oder später. Im allgemeinen dauert die Schwarmzeit bis Ende Juli. Indes bietet gerade das frühe und volkreiche Schwärmen die besten Aussichten auf gute Stöcke. Allerdings hängt das frühe Schwärmen auch von der Rasse, der Fruchtbarkeit der Königin und dem Honigvorrat ab. Beim Schwärmen der Bienen gibt es Vorschwärme und Nachschwärme. Der ausziehende Schwarm nimmt immer die alte Königin mit. An ihrer Stelle regiert im Mutterstock eine junge Königin. Diese hält in den nächsten sechs Tagen um die Mittagszeit ihren Ausflug und wird im Sonnenschein von den Drohnen begattet. Falls die Begattung erfolgreich war, bleibt die Königin lebenslang fruchtbar. Ist das Jahr günstig, stößt wohl ein Vorschwarm noch einen Schwarm aus, der Jungfernschwarm genannt wird. Hungerschwärme gibt es auch noch spät; da Nahrungsmangel ihre Ursache ist, wird ihnen durch Füttern vorgebeugt. Außerdem gibt es auch Siegerschwärme. Diese entstehen, wenn die alte Königin verloren geht oder die Witterung einem Stock das Schwärmen unmöglich macht. Dann kommen mehrere junge Königinnen aus ihren Zellen, und es beginnt ein furchtbarer Kampf um die Herrschaft. Ist die alte Königin getötet, setzen die jungen Königinnen den Kampf unter sich fort. Bei günstiger Witterung zieht dann ein Schwarm mit einer jungen Königin aus. Diese ist jedoch unbefruchtet, wie jede Königin eines Nachschwarmes. Daß jeder Bienenwirt während der Schwarmzeit auf der Hut sein muß, ist selbstverständlich. Besonders muß er auf das Fassen der Schwärme bedacht sein Es ist ratsam, sich auf alle Fälle vorzubereiten. Vor allen Dingen ist es notwendig, die Bienenwohnungen bereit zu halten, und zwar für einen starken Schwarm eine große und für einen schwachen eine kleine. Körbe oder Stöcke mit einem jungen Wabenbau eines eingegangenen Stockes sind zum Fassen eines Schwarmes sehr geeignet. Es ist jedoch notwendig, daß er vorher einige Zeit an die Sonne gestellt wird, so daß er gut nach Wachs riecht. Fehlt es in der Nähe der Stöcke an niedrigen Bäumen, so empfiehlt es sich, Pfähle einzuschlagen und Weißdornbüschel usw. daran anzubinden, damit sich die Schwärme ansetzen können. Jeder angesetzte Schwarm, unter dem sich Schwarm=Traube. Imker bei der Arbeit. Abfangen des Schwarmes am Stock. die Königin befindet, hat die Form einer Traube. Sobald sich das Volk fest angesetzt hat und nur noch einige hundert Bienen herumfliegen, muß es eingefaßt werden. Hängt ein Schwarm an einem Gegenstand, so ist der Korb in einiger Höhe aufzustellen; dann ziehen die Bienen ein. Indes lassen sich die Bienen auch leicht in einen Fangkasten schlagen. Nachdem sie sich darin beruhigt haben, werden sie in die Bienenwohnung geschüttet, die zuvor mit Anfängen versehen ist. Verhalten sich die Bienen ruhig im Stock und summen sie freudig, so ist die Königin mitten unter ihnen. Sind sie aber unruhig oder will das Volk nicht einziehen, ist die Königin zweifellos verloren gegangen. Es ist daher notwendig, nach ihr zu suchen. Manchmal befindet sie sich unter einem Häufchen Bienen in der Nähe, manchmal liegt sie auch mit anderen Bienen am Boden, während die übrigen in der Luft herumfliegen. Es ist nun ratsam, die Königin in ein Glas zu fassen und in die Wohnung zu setzen. Dann zieht der ganze Schwarm willig ein und wird ruhig. Es ist auchratsam, den vor dem Einsetzen in die ein wenig mit kaltem spritzen; dann kühlt er wird ruhiger. Hat sich ein Schwarm an einen hohen Baum angehängt, so ist er am leichtesten in einen Korb oder in den Datheschen Schwarmsack, der mittels Tülle an einer langen Stange befestigt wird, zu fassen. Sitzt ein Schwarm auf dem Boden um seine flügellahme Königin, so ist eine alte Wabe zwischen die Bienen zu stellen. Bald setzen sie sich alle daran fest, und man kann sie leicht einfangen. Hat sich ein Schwarm so angesetzt, daß er nicht zu fassen ist, so muß er durch Rauch an eine Stelle getrieben werden, an der er zu fassen ist. Beim Einstreichen mit Besen oder Flederwisch in den Korb oder Kasten werden die Bienen sehr reizbar und stechlustig. Daher ist es geboten, das Kehrinstrument vorher naß zu machen. Der neueingefaßte Stock muß sofort auf seinen Platz gestellt werden, aber etwas entfernt vom Mutterstock. Auch von dem Stock, der Schwarmlust zeigt, soll der junge Stock entfernt bleiben; denn es kommt nicht selten vor, daß er mit einem Schwarm wieder davonfliegt. Stellt sich nach dem Schwärmen Regenwetter ein, muß so lange gefüttert werden, bis schöne Tage den Flug begünstigen. Geht ein Schwarm wieder in den Mutterstock zurück, kommt er spätestens in drei Tagen wieder heraus. Bleibt er aber neun Tage darin, so hatte er die Königin verloren und müßte sich erst wieder eine neue ausbrüten. Wenn ein Bienenstock lange nicht schwärmt, so ist das ein Zeichen dafür, daß ihm der Stock zu eng oder zu warm ist. Daher ist zu lüften oder mehr Platz zu schaffen. Schließlich ist noch zu bemerken, daß nicht viele, sondern volkreiche Stöcke den größten Nutzen bringen. Danach muß sich jeder Bienenwirt beim Schwärmen der Bienen richten. Für die Bienenzucht, wenn sie lohnend sein soll, bedarf es einer tüchtigen Ausbildung in Theorie und Praxis, genau wie für jeden anderen Beruf. Deshalb gibt es auch in Oesterreich und Ungarn Imkerschulen. Aber auch in Deutschland finden wir solche, nämlich die Imkerschule in Hohenheim und die badische Imkerschule in Eberbach. Das zoologische Institut der Universität Erlangen veranstaltet wissenschaftliche Imkerkurse, ferner die Imkerschule in Preetz in Schleswig=Holstein, die halbjährige Kurse abhält. Sehr zu emphaltenen Kurse für Anfänger. Unser Bild zeigt den Musterund Lehrbienenstand dieses mustergültigen Instituts. Einige Meisterzüchter, wie z. B. Pfarrer Gerstung, veranstalten meistens nach Pfingsten jeden Jahres zahlreich besuchte wissenschaftliche Kurse. Es gibt also Möglichkeiten für den angehenden Imker, sich gründliche Fachkenntnisse anzueignen, und wir können nur dringend empfehlen, von diesen Gelegenheiten Gebrauch zu machen, denn die Bienenzucht sst, oder vielmehr sie kann sein, ein gut lohnender landwirtschaftlicher Nebenbetrieb. M er= und Lehrbienenstand der Königl. Gärtner=Lehranstalt, Dahlem b. Berlin. Pflanzen. Auf mehrfaches Lockern des Bodens und auf reichliches Gießen muß Wert gelegt werden, wenn eine gute Ernte erzielt werden soll. Bei allen Endivien ist es von wesentlicher Bedeutung, daß sie gut gebleicht werden. Dies geschieht im September bis Mitte Oktober, am einfachsten dadurch, daß man das üppige Blattwerk mittels Bastfadens sorgfältig zusammenbindet. Je mehr Blätter vom Licht abgeschlossen und damit gebleicht werden, um so höher ist der Ertrag. Innerhalb 8—14 Tagen sind die Blätter gebleicht und damit zart und genußfähig geworden. Die Blätter werden gewaschen, sodann klein geschnitten sowie unter reichlicher Oelgabe wie Kopfsalat zubereitet und ergeben einen außerordentlich wohlschmeckenden Salat. Die Pflanzen werden bis zum ersten Frost stehen gelassen und nach Bedarf geerntet. Größere Kälte vertragen sie allerdings nicht und müssen deshalb vor Eintritt strengerer Fröste an dunklem, frostfreiem Ort, der aber keineswegs warm sein darf, eingeschlagen werden. Am besten eignen sich hierzu kühle Keller oder ausgeräumte Frühbeetkästen. Stehen solche Gelasse nicht zur Verfügung, so kann man die Pflanzen auch, mit den Wurzeln nach oben gerichtet, recht tief, das heißt frostfrei in die freie Erde einschlagen. Die Stelle deckt man außerdem noch mit Laub oder Dünger zum Schutze gegen Frost ab. Gut aufbewahrt, hält sich der Endiviensalat bis weit in den Winter hinein; so lange, bis es wieder Treibsalat gibt. Es gibt Sorten mit glatten, und solche mit gekrausten, moosartigen Blättern. Die letzteren seien am meisten empfohlen und von diesen hinwiederum insbesondere als beste Sorten: Silberherz, Federball und Imperial. black=and=tan=Kaninchen. La=Flèche=Hühner. Die Aussaat erfolgt von Anfang Juni bis Mitte Juli auf ein halbschattiges Beet in gut vorbereiteten Boden. Der Samen geht meist, wenn er nicht gar zu alt ist, sehr gut auf. Die Pflänzchen werden vorteilhaft baldmöglichst, wenn sie das dritte Blättchen gebildet haben, pikiert, damit sie sich ein gutes Wurzelvermögen aneignen. Sind die Pflanzen kräftig genug geworden und etwa fingerlang, so werden sie in einer Entfernung von 30 zu 30 cm auf gut vorbereitete Beete in kräftigen feuchten Boden gepflanzt. Sehr zu empfehlen ist das Düngen der Beete mit Jauche kurz vor dem A80 La=Flèche=Hühner. Diese französische Rasse wird besonders im Orte La Flèche im Departement Sarthe gezüchtet, wo eine Jahrhunderte alte Hühnerzucht besteht. Das Huhn ist sehr hochbeinig und erinnert der Hahn in seiner stolzen Gradezza stark an die Spanier. Die Tiere haben zwei eigenartige spitze Hörner auf dem Kopfe. Der Hahn wird ca. 8 bis 9 Pfund schwer, die Henne 6 bis 7 Pfund. Das La Flèche ist ein Tafelhuhn ersten Ranges; die Mast ist leicht und schnell, das Fleisch zart und saftig, die weißen, großen und feinschmeckenden Eier werden reichlich gelegt. Diese Hühnerrasse wird von der Stadt Le Mans in großen Mengen in alle größeren Städte Frankreichs, besonders nach Paris, gesandt. Kaninchen. Unsere heutigen beiden Kaninchenbilder stellen zwei seltenere englische Sorten dar, links zeigen wir das überaus zarte und empfindliche schwarze englische Widderkaninchen, das über ein sammetartiges Fell, aber über unnatürlich große Ohren verfügt, die zudem noch abwärts hängen, das Tier in seinen Bewegungen stören und den Züchter zwingen, die höchste Reinlichkeit und Sorgfalt bei der Haltung zu beobachten. Es ist wesentlich Sporttier. Rechts zeigen wir das black-and-tan=Kaninchen; dieses ist zwar klein von Form und nur von mittlerer Fruchtbarkeit, aber genügsam und schnellwüchsig, und verfügt über sehr gutes Fleisch. Winterendivien. Ein ganz besonders feiner Salat ist uns in den Winterendivien beschert. Sie sind nicht nur ein vollwertiger Ersatz für den Kopfsalat, sondern sogar, wenn gut gebleicht und richtig zubereitet, noch viel wohlschmeckender. Da des ferneren die Kultur nicht schwierig ist, sei sie allgemeiner Beachtung anempSchwarzes engl. Widderkaninchen. fohlen.