Dr. 223. Crites Blatt. Dienstag, den 23. September 1913. 46. Jahrgang. Empfang des Königs Konstantin in Paris. Lüdenscheid, 23. September. Der von der französischen Presse mit Spannung erwartete Empfang des Königs von Griechenland, das sich daran schließende Frühstück und die Festrede sind Sonntag erfolgt. Der König erschien um 12 Uhr in der Begleitung des griechischen Botschafters im Elyseepalast, der König trat sofort mit dem Präsidenten Poincare in eine angeregte Unterhaltung ein. Um ½1 Uhr folgte das Festessen. Gegen dessen Schluß erhob sich Präsident Poincare und entbot dem König in wohldurchdachten Worten den Willkommensgruß. Poincare erklärte, daß die Geschicke des tapferen Griechenvolkes Frankreich niemals gleichgültig gelassen hätten und wies mit Nachdruck auf die Unterstützung hin, die Frankreich Griechenland in dem letzten Kriege erwiesen habe, auch auf die Freude, die man in Paris bei den Siegen der Griechen empfand. ZZum Schluß versicherte Poincare dem König, daß die Gefühle Frankreichs gegen Griechenlan stets unveränderlich bleiben würden. Er trank auf die Größe und Wohlfahrt Griechenlands. König Konstantin erwiderte sofort, obwohl er genau wußte, welch ungeheuren Wert man seinen Worten beimißt, zeigte sich weder in Ton noch in der Haltung die geringste Befangenheit. Er dankte dem Präsidenten für seine Worte und erklärte dann:„Ich bin auch meinerseits glücklich, dem ersten Beamten der Republik meine lebhafte Dankbarkeit für die kostbare Unterstützung ausdrücken zu können, die Frankreich den Forderungen Griechenlands hat angedeihen lassen; von dem Erwachen zur Unabhängigkeit bis zu den glorreichen Kämpfen und bis zu ihrem ehrenvollen Schluß.“ Nachdem der König des weiteren die Beschützerrolle Frankreichs während der letzten Zeit erläutert hatte, erklärte er zum Schluß:„Griechenland hat sich im Vertrauen auf seine Stärke und seine Rechte auf den Kampf vorbereitet, aus dem es größer und aufrechter hervorgegangen ist. Bei dieser so wichtigen Vorbereitung hat Griechenland noch einmal die Unterstützung Frankreichs genossen. Die Regierung der Republik hat uns eine Mission bewilligt, zusammengesetzt aus hervorragenden Öffizieren aller Waffen, die unter Leitung des Generals Eydeux ihre Aufgaben mit Verständnis, Arbeitseifer und mitreißendem Enthusiasmus unternommen hat. Es ist mir ganz besonders angenehm, Ihnen auf diese Weise die vollste Anerkennung hierfür auszusprechen.“ Der König schloß mit der Versicherung, daß er der Freundschaft Frankreichs großen Wert beilege und daß beide Länder in Zukunft durch gleich enge Bande verknüpft bleiben würden. Wie man sieht, ist in den Worten des Königs mit keinem Worte des vorhergegangenen Zwischenfalles gedacht. Von einer Aufklärung oder gar Entschuldigung ist in dem würdig gehaltenen Ton keine Rede. Dennoch könnte Frankreich mit der Rede sehr zufrieden sein. Aber der Besänftigungsversuch ist kläglich gescheitert. Er hat die Eitelkeit der Franzosen durch seine Anerkennung der deutschen Technik allzu bitter gekränkt, und sie glaubten füglich erwarten zu können, daß der König in Paris alles widerrufen würde, um das Gegenteil seiner in Berlin ausgesprochenen Worte behaupten zu können. Den Defallen hat der Griechenkönig den Franzosen nicht getan. Er ließ in seiner Erwiderung den französischen Instrukteuren alle ihnen gebührende Ehre zuteil werden, ohne die einmal ausgesprochene Neuenhof. Roman von Irene v. Hellmuth. (4. Fortsetzung.) Als die beiden Damen an dem freundlich aus dem Grün der Bäume hervorlugenden Forsthause ankamen, trafen sie den graubärtigen Förster, sein Pfeifchen schmauchend, vor der Türe sitzend. Ehrerbietig begrüßte er die, junge Herrin und deren Gast. „Wollen gnädige Frau Gräfin vielleicht ein wenig Platz nehmen? Und das gnädige Fräulein? Sind ja wohl erst heute angekommen? Gefällt es Ihnen in Neuenhof? Nicht war, schön ist es bei uns da draußen, viel schöner als in der staubigen, rußigen Stadt! Ich sage Ihnen, eine Luft haben wir hier, eine Luft— na, Sie werden es ja bald genug zu spüren bekommen, was das für Wunder wirkt. Sind ja gar so blaß, gnädiges Fräulein. Ja, ja, die Stadtluft!- Ich freue mich immer wieder auf meinen schönen, stillen Wald, wenn ich mal einen Tag in der Stadt zu tun habe. Das rasselt und quamlt immerzu aus hunderten von Schlöten,— wie schön und ruhig ist es dagegen hier. Ich beneide keinen, der in der Stadt wohnen muß, und wäre er noch so reich. Die Menschen sind alle so blaß und abgehetzt, während wir hier so gesund leben, wie die Fische im Wasser. Da müssen Sie mal meine Lotte anschauen gnädiges Fräulein, die hat Backen, so rot wie ein frisches Pflingströschen.“ Elisabeth lächelte, während der Förster nach seiner Tochter rief. „Lotte,— Lotte,“ wiederholte er eifrig,„komm doch mal her, wir haben Besuch bekommen! Lotte,— ja, wo steckt denn nur das Mädel wieder.“ Als die Gerufene endlich erschien, zeigte er voll väterlichen Stolzes auf das schlank gewachsene Mädchen, dessen Wangen zarte Röte bedeckte. Gräfin Nina wunderte sich im stillen nicht wenig, daß die sonst so heitere Lotte heute so wortkarg dastand, und der Blick, den sie Elisabeth zuwarf, war nichts weniger als freudlich, ja beinahe feindselig. Auch dem Alten mußte das auffallen, denn Anerkennung der deutschen Strategie, der er die Siege seines Heeres zuschreibt, auch nur mit einem einzigen Wort zu schmälern. Sein ehrliches und offenes Bestreben, etwaige Mißdeutungen seiner Berliner Rede aufzuklären, hat Frankreich ihm mit neuen Unliebenswürdigkeiten beantwortet. Die Wirkung in Athen freilich ist anders, als man gedacht hatte. Denn die griechische Presse fängt an, sich mit dem Könige eins zu fühlen, und das griechische Volk ist über das Uebelwollen Frankreichs mit Recht gekränkt. Frankreich will natürlich,„seine Konsequenzen hinausziehen". Uns könnte es recht sein, denn unserm Handel könnte diese erneute Festigung unseres Verhältnisses uz Griechenland sicherlich nicht schaden. * Paris, 22. September.(Meldung des Agence Havas.) Präfident Poincare besuchte heute den König von Griechenland in seinem Hotel. Beide Staatsoberhäupter unterhielten sich vierzig Minuten herzlich miteinander. Der Kampf gegen die Utopie. Aus Jena wird uns von einem besonderen Berichterstatter geschrieben: Bei der Massenstreikdebatte im Anschluß an den Geschäftsbericht brachte der Jenaer Parteitag die beiden Richtungen der Sozildemokratie schon hart gegeneinander. Den Höhepunkt des Zusammenstoßes aber wie den Höhepunkt des Parteitages überhaupt brachte dann die Steuerdebatte. Hier handelt es sich um die Stellungnahme der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion zu den Steuern, mitwelchen die letzte Rüstungsvorlage gedeckt worden ist. Manchmal scheint es bei diesen Auseinandersetzungen, als ob man es gar nicht mehr mit der Tagung ein und derselben Partei zu tun hätte. Wenn Rosa Luxemwurg gegen die Verteidiger des Fraktionsstandpunktes angeht, dann macht das mehr den Eindruck eines erbitterten Ringens zwischen feindlichen Parteien. Es sind in der Tat ganz unvereinbare Gegensätze, die hier aufeinander stoßen, und man kann die Sozialdemokratie wirklich nicht beneiden um die Mitglieder, die sich sozusagen berufsmäßig als die Richter, fast möchte man sagen als die Scharfrichter ihrer Führer aufspielen. Für jeden normal denkenden Menschen ist es eine Binsenwahrheit, daß Wünschen leichter ist als Erreichen, daß leicht die Gedanken beieinander wohnen, aber hart im Raume sich die Sachen stoßen, daß alles Menschenleben immer Stückwerk und Kompromis gewesen ist und sein wird. Aber die überspannten Phantasten fehlen ja trotzdem zu keiner Zeit, die sich bei dieser Tatsache beruhigen können. Aus Zorn über das, was noch nicht erreicht ist, schlagen sie auch das Erreichte rücksichtslos in Trümmer. Sie bilden sich ein, aus dem Chaos dann plötzlich von sich aus das Paradies schaffen zu können. Oft tut es einem leid, sie nicht wirklich einmal vor diese Aufgabe stellen zu können. Ihre klägliche Unzulänglichkeit würde dann vielleicht auch ihnen selbst einmal zu Bewußtsein kommen, nur daß es die Menschheit teuer zu bezahlen hätte. Es schrecken die Spuren der französischen Revolution. Nahezu drei Stunden sprach der Abgeordnete Wurm zur Verteidigung der sozialdemokratischen Mitarbeit an der Dekkungsvorlage. Es war alles so einleuchtend und selbstverständlich, was er sagte, daß einen die Länge seiner Rede fast überflüssige er betrachtete das Mädchen mit halb erstaunten, halb mißbilligenden Blicken, und schüttelte den Kopf. „Aber Lotte,“ mahnte er,„was ist denn heute mit Dir? Bist ja völlig verändert? „Es ist nichts, Vater,“ war die ruhige Antwort. Der Alte schien der Versicherung wenig Glauben zu schenken. Elisabeth war die einzige, die das Benehmen Lottes begriff. Es mochte wohl etwas wie Eifersucht sein, was die feindlichen Blicke verursachte. „Willst Du den Damen nicht einen Strauß von unseren Maiglöckchen pflücken?“ sagte der Förster. Ohne etwas zu erwidern, ging Lotte in den Garten. „Wir haben die Maiglöckchen aus dem Walde in unsern Garten verpflanzt,“ erklärte der Alte,„und sie gedeihen ganz prächtig." Als Elisabeth an diesem Abend ihr Zimmer aufsuchte, begegnete ihrEberhard auf der Treppe und sie drückte ihm lächelnd das Sträußchen Maiblumen in die Hand. „Da,— Lotte läßt Sie grüßen,“ raunte sie ihm zu. Der junge Mann atmete etwas überrascht den süßen Duft der Blumen, und fragte verwundert:„Lotte,— wieso,— ich verstehe Sie nicht!" „Na, verstellen Sie sich nicht so,“ lachte Elisabeth schelmisch „ich beobachtete Sie heute von meinem Zimmer aus, Sie vergaßen wahrscheinlich, daß da jemand wohnt,— also Vorsicht für die Zukunft, ich lausche nämlich gern!“ Eberhard sah sich erschrocken nach allen Seiten um. „Unbesorgt," flüsterte Elisabeth,„ich verrate Ihr süßes Geheimnis nicht." Sie fühlte einen festen, dankbaren Händedruck, dann war sie allein. Lange Zeit stand sie am geöffneten Fenster und blickte sehnsüchtig zu dem gestirnten Himmel empor. Sie konnte ihre Gedanken nicht losreißen von dem geliebten Mann, der ihr jetzt so ferne, war. Es hatte sich keine Gelegenheit geboten, ihn vor der Abreise zu treffen. Er wußte nicht, Kraftvergeudung dünken konnte. Aber für die Unbelehrbaren hätte er schon noch ein paar Tage weiterreden müssen, ehe ihrem fanatischen Hirn eine Ahnung von dem sachlichen Recht des Vortragenden aufdämmern könnte. Was hilft alle Verbesserung des Steuerwesens, da im Grunde genommen doch jede Art von Steuer immer wieder nach unten zu auf den Arbeiter drückt doch immer wieder genommen wird von dem Reichtum, den der Arbeiter erzeugt. Erst wenn überhaupt keine Steuern mehr nötig sind im sozialistischen Zukunftsstaat, kann alle Ungerechtigkeit in der Aufbringung der Staatsmittel aufhören. Was soll man sich deshalb graue Haare wachsen lassen um ein paar indirekte Steuern weniger oder mehr! Vor allem aber, welches„Verbrechen", Steuern mitzubewilligen, die militärischen Zwecken dienen sollen! Die Sozialdemokratie als Wegebereiterin des Militarismus: das ist „Verrat“ an den heiligsten Parteiprinzpien. Da gilt es denn, Alarm zu schlagen, und so kommen die Ledebour und Westmeyer und Genossen, die Luxemburg und Zetkin und Genossinnen, um mit ihrem schablonenhaften Denken der Partei die Anknüpfung an gegebene Tatsachen, das Anpassen an die Wirklichkeit, die Ausnutzung des Möglichen nach Kräften zu erschweren. Die Stellung der Sozialdemokratie zu unserm Heereswesen läßt an sich schon den rechten Blick für das Erreichbare und für das Unvermeidliche oft genug vermissen. Aber obwohl auch bei der letzten Rüstungsvorlage in diesem Punkte die Partei genau dieselbe verblendete Haltung eingenommen hat wie immer, gebärdeten sich jene radikalen Elemente, als sei der größte Wandel eingetreten, als wolle die jetzige Parteileitung mit allen geheiligten Dogmen und Traditionen brechen. Wie furchtbar einfach ist die Logik, mit der Wurm den Standpunkt der Fraktion vollauf erklären kann, selbst vom Standpunkte eines ganz antimilitaristischen Sozialisten aus. Er weist darauf hin, daß man die Rüstungsverstärkungen getreu dem Program abgelehnt habe. Sie kamen nun doch, aber ohne die Schuld der Sozialdemokratie. Die Blutsteuer war, wenn man im sozialistischen Jargon sprechen will, von der Arbeiterschaft nicht mehr abzuwehren. Nun hätte sie nach der Logik der Radikalen auch noch die Geldsteuer durch einen neuen Block der Arbeiterschaft auflegen sollen. Wer müßte da nicht auch vom sozialistischen Standpunkte der Fraktion recht geben, die wenigstens das eine Uebel abwenden wollte, wenn sie über das andere keine Macht hatte. Man weiß nicht, glauben die Radikalen wirklich an die Möglichkeit eines neuen tausendjährigen Reichs, wie es in allen Offenbarungen eine Rolle spielt? Oder wollen sie erst durch ihre Taktik die Gegenwartslage des Arbeiters absichtlich verschlechtern, um seine Unzufriedenheit und damit seinen Kampfeseifer zu verstärken, wobei sie aber an die Schwächung seiner Kampfeskraft nicht denken würden? Oder endlich ist es ein Stück persönlicher Eitelkeit, die neue Wege sucht, nur um so in eine Führerstellung zu kommen? Wären wir in Rußland, könnte man geradezu an Polizeispitzel denken, die eine noch verhältnismäßig besonnen geführte Partei auf Abwege locken sollen, um ihre gewaltsame Unterdrüjung zu rechtfertigen. Sicher ist, daß die mit allen Mitteln raffinierter Demagogik arbeitende Richtung Luxemburg den ewigen Versucher der Sozialdemokratie darstellt. An naiven Geistern, die sich von einem schlauen Mephisto beschwatzen lassen, fehlt es ja auch in der großen Arbeiterpartei nicht. daß sie in Neuenhof war. Sie hatte sich gescheut, einer ihrer Freundinnen den Auftrag zu geben, es ihm gelegentlich mitzuteilen. Ob er es durch irgend einen Zufall erfahren würde? Ob er über ihre Reise sehr traurig war? Sollte sie ihm nicht lieber schreiben? Doch sofort verwarf sie den Gedanken wieder; das konnte nicht sein, denn es schickte sich nicht. Vielleicht kundschaftete er ihren Aufenhaltsort aus, und besuchte sie hier einmal. O, das dünkte ihr herrlich,— gar zu schön. Ob er auch solche Sehnsucht hatte wie sie?—— Allzu lange wollte sie nicht bleiben, das nahm sie sich fest vor. Das Heimweh hatte sie mächtig gepackt. Befanden sich daheim auch nur eine alte brummige Dienerin und der Papa, der sich wenig genug um seine Tochter kümmerte, Elisabeth hätte in dieser, Stunde doch viel darum gegeben, wäre sie in ihrem, nicht eben luxuriös eingerichteten Stübchen gewesen, und hätte sie die ruhigen Atemzüge des nebenan schlafenden Vaters hören können. Hier befand sie sich in einem, mit allem erdenklichen Komfort ausgestatteten Zimmer, und um das große Himmelbett mit den schwellenden, spitzenbesetzten Kissen zogen sich blauseidene Vorhänge,— und doch sehnte sie sich unbeschreiblich nach der Armseligkeit ihres bisherigen Lebens zurück.—— III. Auf Schloß Neuenhof wurde alljährlich ein Sommerfest im großen Stil gefeiert. In dem weithin sich erstreckenden Park wimmelte es dann von Menschen aus der ganzen Umgegend. Man rechnete es sich zur großen Ehre an, zu dem Feste eingeladen zu werden, alles freute sich, nur die Gräfin=Mutter nicht, die gewöhnlich mit finsterem Gesicht herumschlich und im Stillen zusammenrechnete, was das Fest kostete. Zu ihrer Zeit, so versicherte ste wiederholt,— kannte man dergleichen glanzvolle Feste nicht, man warf das Geld nicht zum Fenster hinaus, um anderen ein Vergnügen zu bereiten.— Das diesjährige Fest sollte alles bisher dagewesene in den Schatten stellen. Graf Arnold plante eine italienische Nacht mit großem Feuerwerk; lebende Bilder sollten von einem berufenen Künstler in Szene gesetzt werden. Den Glanzpunkt des Festes aber erwartete man von der Tagesübersicht. Deutsches Reich. Der Kaiser wird voraussichtlich Mitte Oktober dem Prinzen Adolf zu Schaumburg=Lippe in Bonn einen eintägigen Besuch abstatten. Die Prinzessin zu Schaumburg=Lippe ist bekanntlich eine Schwester des Kaisers.— Am 14. Oktober, dem Tage der Einweihung der neuen Moselbrücke, wird der Kaiser der Stadt Trier einen Besuch abstatten. Er wird wahrscheinlich auch die Ausgrabungen im Bereich des Römerkastells besichtigen. Königl. Musikdirektor und die Sozialdemokratie. Der Verein für Frauen und Mädchen der arbeitenden Klassen in Berlin hattte für Sonntag nachmittag ein Konzert angekündigt, für das auch der Königl. Musikdirektor und Organist der Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche, Prof. Irgang, gewonnen war, der aber im letzten Moment absagte. Irgangs Verzicht auf die Teilnahme wird darauf zurückgeführt, daß am Sonnabend abend ein Beamter der Kriminalpolizei bei Irgang erschien und ihn darauf aufmerksam machte, daß die Veranstalter des Konzerts Sozialdemokraten seien, und daß es angebracht sei, wenn er in Anbetracht seiner Stellung und seines Verhältnisses zum Könige auf die Beteiligung verzichte.— Wenn das wahr sein sollte, so läge hier eine große Unklugheit der Leute vor, die Irgang beeinflußt hätten. So bekämpft man nicht die Sozialdemokratie, mit solchen Torheiten fördert man sie. Umgekehrt gerade handelt man klugerweise in Süddeutschland. Ausland. Schweiz. Im Laufe der letzten Gebirgsmanöver ist es in einem Bataillon von Alpenjägern zu einer Meuterei gekommen. Die Ursache ist, daß Regiment des Kantons St.=Gallen, obwohl es spät in die Manöver gegangen war, früher in die Quartiere entlassen wurde. Das Regiment kam am Zustande völliger Auflösung in Davos an. Rußland. Der Rücktritt des Ministerpräsidenten Kokowzew steht bevor. Er wird Botschafter in Paris werden. An seiner Statt wird der Landwirtschaftsminister Kriwoschein. Nationalist, Ministerpräsident werden. England. Zu neuen, schweren Unruhen ist es in Dublin (Irland) gekommen. Die Menge hat die Straßenbahnwagen angegriffen. Die Polizei griff mit Knütteln ein, um die Menge zurückzudrängen. Mexiko. Aus Washington wird gemeldet, daß Oberst Francisco Cardennes, der angebliche Mörder Maderos, in der Nähe von Machoacan ermordet worden sei, wohin er sich begeben wollte, um das Kommando der mexikanischenBundestruppen zu übernehmen. Cardenas soll ermordet worden sein, weil befürchtet wurde, er könne Befehle verraten, die er in der Nacht erhielt, in der Madero getötet wurde. Cardenas befehligte damals die Truppen, welche Madero aus dem Palaste nach dem Gefängnis überführten. Japan, China und die Mächte. In Petersburg verlautet, daß Deutschland, England und Frankreich Japan mitgeteilt habe, sie würden im Falle einer Landung der japanischen Truppen von Nangking genötigt sein, eine bewaffnete Macht nach China zu senden. Spanisch=französisches Bündnis. Die Pariser„Agence nationale“ meldet mit aller Bestimmtheit, daß der spanisch=französische Bündnisvertrag, von dem in letzter Zeit soviel geredet wurde, bereits unterzeichnet sei. Die Tatsache werde Beginn der Reise Poincares nach Spanien offiziell durch einen Toast, den der Präsident am 7. Oktober halten wird, bestätigt werden. Stadt und hand. den 23. September. Ein Zeppelin=Luftkreuzer fuhr heute morgen gegen Uhr über unsere Stavr. Er kam über den Stadtpark in die Höhe der Bayernstraße, bog bei der Sachsenstraße in die Richtung über dem Tunnel ein und ließ sich etwas später über Friedrichstraße und Karlsplatz sehen. Der weitere Weg ist uns nicht bekannt geworden, doch hören wir, daß die Korpsmanöver bei Unna das Ziel des Luftschiffes sein sollen. Es ist eins der in Köln stationierten Militär=Luftkreuzer. Lüdenscheider Jugendwehr. Zu einer gemütlichen und lustigen Feier gestaltete sich, wie gestern erwähnt, ein Familienabend, der Sonntag im Jägerhof stattfand zu Ehren der scheidenden Rekruten. Der Besuch war recht erfreulich. Nach der üblichen Begrüßung wechselten Vorträge und gemeinsame Gesänge in bunter Folge. Einige Geschenke wurden versteigert, so daß der Abend dem Verein keine eigentlichen Kosten verursacht. Den Rekruten— es sind diesmal 2 Freiwillige für die„Hackertäuer“— wurden hübsche Pfeifen mit Widmungsschildern übergeben. Herr Amtssekretär Blensdorf entließ die beiden Vaterlandsverteidiger mit gutem Rat. Eine Anzahl Beförderungen wurden ausgesprochen, was sichtliche Freude bei den neuen„Würdenträgern" hervorrief und als eine Auszeichnung für Fleiß und Pflichttreue zu betrachten ist. Für die scheidenden Rekruten kam Ersatz, indem Aufführüng des Lustspieles:„Die Anna=Liese." Elisabeth hatte sich bereit erklärt, die Titelrolle zu übernehmen. Schon wochenlang vorher betrieb man die Vorbereitungen mit Feuereifer. Handwerker, Dekorateure und Zimmerleute schlugen im Garten die große Bühne auf, denn es sollte im Freien gespielt werden. Aus der nahen Stadt ließ Graf Arnold einen renommierten Schauspieler kommen, um mit demselben wegen der Theaterauffuhrung und Inszenierung des Stückes zu beraten. Mit Freuden sagte der junge Künstler seine Mitwirkung zu. Er tat es um so lieber, als im Sommer das Stadttheater geschlossen blieb, und er somit genügend Zeit hatte, sich der Sache zu widmen. Graf Arnold fand Gefallen an dem neuen Bekannten und lud ihn ein, bis zur Aufführung nach Neuenhof überzusiedeln, da man seines Rates und seiner Hilfe bei den Proben sehr oft bedurfte. Der Vorschlag fand allseitige Anerkennung. Am meisten erfreut zeigte sich Ludwig Mattern, der junge Schauspieler selbst; denn schon als er Elisabeth zum ersten Male sah, fühlte er sich leidenschaftlich zu dem schönen Mädchen hingezogen, und nach Künstlerart schwur, er nicht eher zu rasten und zu ruhen, bis er die Geliebte errungen. Seine Kollegen nannten ihn einen Glückspilz. Jeder von ihnen wäre gern an seine Stelle getreten, denn im Sommer, wo es keine Gage gab, waren die Mittel gewöhnlich sehr knapp. Besonders bei Ludwig Mattern„haperte“ es, wie jeder wußte, schon ganz bedenklich, und nun wurde ihm plötzlich das Glück zu teil, als Gast des Grafen Reutlingen einige Wochen vollkommen sorgenlos auf leben zu konnen, noch dazu in solch illustrer Gesellschaft. Das kam ihm natürlich sehr gelegen, denn in Neuenhof— so sagte er sich,— würde man sich nicht„lumpen“ lassen und ihn für seine Arbeit anständig bezahlen. (Fortsetzung folgt.) sich 4 neue Mitglieder aufnehmen ließen. Im allgemeinen sind jetzt die 16 bis 19jährigen in der Mehrzahl. An der Feier am 18. Oktober nimmt die Jugendwehr natürlich teil. Falls sie beim Billetverkauf auf die Hilfe der militärischen Vereine rechnen kann, will sie im Oktober das Volksbühnenspiel„Deutsch und Frei“ wiederholen. Bürger=Schützenverein. In einer Generalversammlung am Sonntag wurde Bericht über das verflossene Geschäftsjahr gegeben. Der erzielte Barüberschuß von über 3000 Mark wurde dem Vermögenskonto zugeschrieben. Einen weiteren Zuwachs von zirka 2500 Mark erhielt das Vereinsvermögen durch Anlage der Schießhallen und Ankauf von Gewehren. In Zukunft sollen für die jugendlichen Mitglieder im Alter von 18 bis 22 Jahren insbesondere für die Militärpflichtigen besondere Schießprämien am Schlusse des Vereinsjahres ausbezahlt werden. Am 5. Oktober soll ein Künstlerkonzert stattfinden. Nach Besprechung kleinerer innerer Vereinsangelegenheiten war die Tagesordnung erschöpft. „Väter und Söhne". Da nach verschiedenen Aeußerungen aus dem Publikum für eine Wiederholung der Festaufführung des Kgl. Lehrerseminars„Väter und Söhne“ von E. v. Wildenbruch Stimmung vorhanden zu sein scheint, soll am kommenden Sonntag, den 28. September, im Saale der „Erholung“, 7½ Uhr abends, eine solche Wiederholung stattfinden. Näheres ist aus dem Inserat ersichtlich. Keine Typhusgefahr. Die alarmierende Nachricht eines hiesigen Blattes war grundlos. Sie wurde auch zum Anlaß, daß irreführene Nachrichten durch die Depeschenbureaus in das Reich gelangen, und daß so ohne Notwendigkeit eine Ablenkung des Verkehrs von Lüdenscheid erfolgen kann. Es ist nirgends vermeidbar, daß nicht gelegentlich vereinzelte Typhusfälle vorkommen, aber dadurch allein wird eine Gefahr für die Allgemeinheit nicht begründet. Die ganze Aufbauschung der Angelegenheit ist letzten Endes auf ein Mißverständnis zurückzuführen, das sich an eine beiläufige und unbestimmt geäußerte Vermutung eines Arztes bezüglich eines früheren Typhuskranken knüpfte. Es war daher auch kein Anlaß zu einer behördlichen Konferenz, die nach demselben Blatt gestern stattgefunden haben sollte. Auf keinen Fall ist unser Leitungswasser schädlich. Unser Leitungswasser kann ohne Sorge genossen werden. Wir empfehlen den im 2. Blatt befindlichen tabellarischen Nachweis der Beachtung. Bekanntmachung. Nach den unanfechtbaren Feststellungen der zuständigen Behörden liegt kein Anhaltspunkt dafür vor, daß der Versefluß verseucht ist oder verseucht gewesen ist. Von einer mit dem Wasser zusammenhängenden Typhusgefahr kann deshalb keine Rede sein Die bisherigen Typhusfälle beruhen, soweit die Krankheitsgeschichte erkennen läßt, lediglich auf einer Einschleppung der Krankheitskeime. Lüdenscheid, den 23. Sept. 1913. Die Polizeiverwaltung. I. V.: Sieper. Westfalen und Bheinland. Herne, 23. September. Zu einer schweren Messerstecherei kam es heute im benachbarten Gerthe. Nach einem Trinkgelage gerieten die Teilnehmer in Streit, wobei der eine ein Brotmesser ergriff und blindlings um sich stach. Als ein Teilnehmer sich in seine Wohnung flüchtete, eilte er ihm nach und brachte ihm 8 gefährliche Messerstiche bei, so daß der Verletzte blutüberströmt zusammenbrach. Hierauf begab sich der Täter auf die Straße, um die anderen mit dem Messer anzugreifen. Einem Bergmann gelang es endlich, sich des Wütenden zu erwehren und ihn selbst kampfunfähig zu machen. Die Polizei nahm den Messerhelden fest. Die Verletzten wurden ins Hospital gebracht, wo fie zum Teil hoffnungslos darniederliegen. Paderborn, 21. September. Der Monteur des hiesigen Installationsgeschäftes Schmitz kam während der Arbeit in Altenbeken der Starkstromleitung zu nahe und wurde sofort getötet. Er hinterläßt eine Witwe und fünf Kinder. Münster, 21. September. Der Minister für Handel und Verkehr hat dem Komitee zur Durchführung einer staatlichen Vollbahn von Münster nach Bochum mitgeteilt, daß bei der großen Zahl der gegenwärtig zur Erörterung stehenden, dringenden. Eisenbahnprojekte, und mit Rücksicht auf den durch das diesjährige Eisenbahnanleihegesetz genehmigten Bau einer Hauptbahn von Münster nach Dortmund dem Bau einer Vollbahn von Münster nach Bochum nicht nähergetreten werden könne. Gelsenkirchen, 21. September. Heute mittag wurde die erste Flugzeugmodellausstellung auf dem Flugplatz Rotthausen durch den Oberbürgermeister Machens mit einer Ansprache eröffnet. In der Ausstellung sind auch eine Anzahl Gleitfliegermodelle ausgestellt. Dinslake, 21. September.— Der Bergmann Wenzel Barta wurde unter dem Verdacht verhaftet, an dem an der 71 jährigen Witwe Kriens zu Mörs=Asberg begangenen Raubmord beteiligt zu sein. Essen, 21. September. Die 80. Provinzialausstellung des Landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen ist heute mittag in Gegenwart des Landwirtschaftsministers eröffnet worden. Namens der Stadt begrüßte Oberbürgermeister Dr. Holle die Tagung und wünscht ihr einen guten Verlauf. Der offiziellen Eröffnung war gestern abend ein Begrüßungsabend vorangegangen. Bonn, 21. September. Der Verein der Gas=, Elektrizitätsund Wasserfachmänner Rheinlands und Westfalens hielt gestern seine Herbsttagung hier ab. Nach den üblichen Begrüßungen wandte sich der Vorsitzende, Direktor Schomburg=Gelsenkirchen, gegen einen Artikel der„Dortm. Ztg.“, der sich mit der Koburger Gasexplosion befaßte. Der Kassenbestand ist von 6276 Mark auf 11 513 Mark gestiegen. Direktor Graumann von hier sprach über die Gas=, Elektrizitäts= und Wasserwerke der Stadt Bonn, die vor der Tagung den Teilnehmern zur Besichtigung freigegeben worden waren. Direktor SempeliusBerlin verbreitete sich über die Notwendigkeit der Gasausstellungen, besonders über die für 1914 geplante Gasausstellung in München. Bureauvorsteher Neu=Bielefeld referierte über die Feststellung der monatlichen Verbrauchs an Gas, Wasser und Elektrizität durch gemeinsame Ableser, die Uebernahme des Verbrauchs und Betrags auf eine Rechnung und sonstige Neuerungen für die kaufmännische Abteilung der Betriebswerke. Oberingenieur Albrecht von der Zentrale für Gasverwertung in Berlin empfahl in seinem Vortrage über Gaspreise die Einführung der Gaseinheitspreise. Als Ort der nächsten Versammlung wurde Köln gewählt. Aus aller Welt. Berlin, 22. September. In der Nacht zum Sonntag hat die Berliner Kriminalpolzei einigen Spielklubs im Westen einen Besuch abgestattet. Seit einigen Wochen tagte allabendlich in der 1. Etage des Cafes Bristol am Wittenbergplatz eine unter dem Namen Skatklub 1913 gegründete gesellige Vereinigung, die sich jedoch weniger mit dem harmlosen Skat beschäftigt, als mit Bakkarat und ähnlichen Glückspielen. Als der Kriminalkommissar Werner mit seinen Beamten erschien, was das Spiel unter Leitung des Direktors des Skatklubs, eines Herrn von K., in vollem Gange, so daß die Karten und sonstigen Utensilien beschlagnahmt wurden. Unter den Anwesenden stellte die Polizei eine ganze Reihe bekannter Spieler fest. Das gleiche ereignete sich eine Viertelstunde später im Metropolklub, der seit einiger Zeit im Hause Kleiststraße 21 tagte. Dieser Klub hatte sich vor kurzem aus den ehemaligen Mitgliedern eines eingegangenen Spielklubs neugebildet und nennt einen bekannten Spieler M. seinen Direktor.— Vermißt wird seit Freitag nachmittag der 15½Fahre alte Sohn Wilhelm des königlichen Kammerherrn und Majors a. D. von Keudell aus der Brückallee 23. Der junge Mann fürchtete, ein schlechtes Schulzeugnis zu bekommen, und traute sich in seinem Ehrgeiz nicht wieder nach Hause. Man hat ihn noch mit einem kleinen Köfferchen in der Hand auf der Straße gesehen und schließt daraus auf seine Absicht, Berlin zu verlassen. Der Vater hat eine Belohnung von 100 Mark ausgesetzt. Bremen, 22. September. Ein schweres Verbrechen ist in der vergangenen Nacht in dem Dorfe Ristedt verübt worden. Dort steckten Landstreicher einen Bauernhof in Brand und während dann die ganze Einwohnerschaft mit der Bekämpfung des Feuers beschäftigt war, brachen die Verbrecher in die Molkerei eines Anderen ein, wo sie 10000 Mark Bargeld und viele Wertpapiere erbeuteten. Als der Eigentümer zurückkehrte, waren die Täter längst über alle Berge. Dem Feuer aber sino 12 Schweine 3 Stück Rindvieh und das gesamte Mobilar zum Opfer gefallen. Die Bewohner retteten nur das nackte Leben. Halle, a. S., 23. September. Ein merkwürdiger Kongreß tagt hier augenblicklich, der erste Kongreß zur Erforschung der Wünschelrutenfrage. Die Mittel sind von in= und ausländischen Behörden zur Verfügung gestellt, und Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden nehmen an der Tagung teil. Nach wissenschaftlichen Vorträgen sollen unter Oberleitung der Berghauptmanns Scharf praktische Versuche in der Umgebung Halles mit Wünschelruten vorgenommen werden. Durch die Versuche soll festgestellt werden: 1. die Ablagerung von Kalisalzen, 2. die Lage von großen unterirdischen Hohlräumen, 3. die Ablagerung von Braunkohle, 4. das Aufsuchen von Wasserrohrleitungen. Hoffentlich bringen die Verhandlungen einige Klarheit über das so heftig umstrittene Gebiet der Wünschelrutenfrage, bei der jedenfalls die sogenannte„Wünschelrute“ selbst das Unwichtigste ist. Spandau a. H., 21. September. Der seit vergangenem Dienstag vermißt gewesene Inhaber der Spandauer Holzfirma Meyer u. Söhne, Paul Meyer, hat seine Absicht, Selbstmord zu verüben, ausgeführt. Er wurde gestern vormittag bei Pichelsberge aus dem Stössensee als Leiche gelandet. Wien, 22. September. Der 83. Verbandstag deutscher Naturforscher undAerzte wurde gestern durch einen Empfangsabend in der Universität eröffnet. Zu den Kongreßberatungen sind 4000 Teilnehmer aus Deutschland, Oesterreich=Ungarn, der Schweiz usw. erschienen. Als Ort der nächsten Tagung wurde Hannover bestimmt. Die Breslauer Skandalaffäre. Breslau, 22. September. Die Sittenaffär erregte hier größtes Aufsehen, werden immer neue Namen von Breslauer Bürgern bekannt, die in die Angelegenheit verwickelt sind. Die Zahl der Verhaftungen beträgt bereits 14. Acht davon haben ihrem Leben gewaltsam ein Ende gemacht, während mehrere andere geflüchtet sind. Unter den Festgenommen befindet sich der Geschäftsführer eines vielbesuchten Kaffees, dessen Verkehr mit einen Schulmädchen nicht ohne Folgen geblieben ist. Auf die Spur der Verbrechen ist die Kriminalpolizei fast zufällig gekommen, indem ein Kriminalbeamter die Unterhaltung zweier Mädchen belauschte. Nach einre anderen Version soll ein Fleischermeister bei seiner Tochter einen größeren Geldbetrag entdeckt haben. Als er erfahren habe, woher das Geld stammt, soll er Anzeige erstattet haben. Die Zusammenkünfte fanden teils in der Augustastraße, teils bei einem Manne in der Öhlauerstraße statt. Gleichfalls in die Affäre verwickelt ist eine Frau von 30 Jahren, die den Opfern nur unter dem Namen Mizzi bekannt war; sie hat den Herren mehrfach Mädchen zugeführt. Spiel und Sport. Kassel, 22. September. Ein Todessturz ereignete sich während der gestrigen Rennen. Blanke=Erfurt stürzte infolge Platzens des Reifens. Die ärztliche Untersuchung ergab daß er lebensgefährlich verletzt war. Mit Blanke hat der deutsche Radrennsport das 21. Opfer gefordert. Sebastopol, 22. September. Der russische Militärflieger Fischer, Leutnant der Artillerie, stürzte gestern aus einer Höhe von 225 Metern ab und war sofort tot. Neuelte Nachrichten. (Eigener Telegraphendienst der Lüdenscheider Zeitung.) Essen, 23. September. Vom 1. Oktober d. Is. ab werden die Eilzüge 48 und 49, Emmerich—Köln—Troisdorf—Niederlahnstein—Frankfurt a. M. und umgekehrt, in D=Züge umgewandelt. Die Benutzung dieser D=Züge ist fortan nach Maßgabe der Tarifbestimmungen nur gegen Lösung von Fahrkarten, gültig für alle Züge, zulässig. * Breslau, 23. September. Bisher wurden in der Breslauer Skandalaffäre 40 Personen verhaftet. Nach polizeilichen Feststellungen sollen sich die Lüstlinge an 72 schulpflichtigen Mädchen vergangen haben. Memel, 23. September. Seit Freitag nachmittag befindet sich, wie das„Memeler Dampfboot meldet, der Unteroffizierschüler Schröder von der Unteroffizierschule in Potsdam, der bei seinem Vater, einem Bahnbeamten in Liebken zu Besuch weilte, in Rußland in Haft. Der junge Mann war auf einer Radtour über die russische Grenze geraten und wurde dort festgenommen. Karsruhe, 23. September. Die„Badische Presse" meldet aus Berlin: Die Kabinette der Großmächte beschlossen gemeinsgme Maßregeln zur Niederwerfung des albanischen Aufstandes(schwer glaublich. D. Red.) und die Nichtzulassung der serbischen Besatzung in albanische Gebietsteile. Oeffentlicher Vetterdienst. Veränderliche Bewölkung, zeitweise Aufheiterung, strichweise noch Regenfälle. at die einen in der c dem ie sich Baknissar r Lei1vol= chlageine e sich Zeit kur5pielseiJ der herrn Der men, Man f der n zu isgei der Dort rend uers Anviere äter te 3 llen. greß der ausder ung ung Umurch ali3. sertige heltte" tem ma ord bei Lur Eröffnung der Herbst-Saison! Von Samstag, den 20. bis Freitag, den 26. September 1913: etzten ompeji. Ueber 3000 Mitwirkende. Grandioses Schaustück nach dem weltbekannten Meisterwerk von Edward Bulwer. Sonntag 3 Vorstellungen: Hnfang um 3, 6 und 9 Uhr. 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Bekanntmachung Die trigonometrischen Punkte der Landesaufnahme bilden die Grundlage der allgemeinen Landesvermessung; ihre Erhaltung ist daher von besonderem öffentlichen Interesse. Zur Sicherung des den trigonometrischen Punkt kennzeichnenden Marksteines ist seitens des Staates eine kreisförmige Bodenfläche von zwei Quadratmeter Flächeninhalt, deren Umfangslinie nach allen Richtungen hin 79 cm vom Mittelpunkt des Marksteines entfernt ist, erworben worden. Bei der Beackerung usw. des angrenzenden, im Eigentume des betreffenden Grundeigentümers befindlichen Bodens darf die Umfangslinie dieser kreisförmigen Bodenfläche vom Pfluge nicht berührt werden. Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen werden nach§ 370 des Reichs=StrafgesetzBuches mit Geldstrafe bis zu 150.— Mk. bestraft. Die Beschädigung, Verrückung und Entfernung der Marksteine und der etwa darüber befindlichen Holzgerüste fällt unter§ 304 des Reichs=Strafgesetz=Buches und wird mit Geldstrafe bis 1500.— Mk. oder mit Gefängnis bis zu drei Jahren bestraft, außerdem trifft den Schuldigen die volle Ersatzpflicht des angerichteten Schadens. Die Orts= und Polizeibehörden, sowie das Feld= und Forstschutzpersonal sind angewiesen, die Marksteine und deren Schutzflächen zu überwachen und etwaige Zuwiderhandlungen gegen die obigen Bestimmungen sofort zur Anzeige zu bringen. Die Herren Lehrer werden ersucht, die Schulkinder auf die Bedeutung der Marksteine und auf die Folgen einer Beschädigung derselben hinzuweisen. Arnsberg, den 15. September 1913. 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Genauste, unmittelbarste Selbstdisziplin, körperlich und geistig gewandt, immer mit dem Rhythmus einer natürlichen Exaktheit, das ist Freude, Stolz und Stärke des Turners gut deutscher Art.“— Feste verrauschen, sitzt in ihnen kein tieferer Kern und Sinn, dann mit dem Glockenschlag ihres Endes auch alles dahin, ein wesenloses Nichts hat nur die Zeit ausgefüllt. Wer das 1. Gaufest des Lenne=Volme Gaues mitgemacht hat, innerlich miterlebt hat, weiß seine Wirkung zu ermessen. Was da in den 3 Stunden des Festkommerses am Samstag abend und am Sonntag morgen früh von 6 Uhr ab bis zur sinkenden Sonne erturnt worden ist, gleichsam ein Abbild der großen Vielseitigkeit des neudeutschen Turnens gebend, hat tiefliegende Quellen. Wenn 1000 Menschen jeden Alters und jeden Geschlechts, jede Gruppe in ihrer Art, vereint aus dem ganzen Gebiet des jungen Gaues, in solcher Weise turnerisch auftreten und einem Ziele zu streben, muß etwas dabei sein, was unvergänglich ist.— In der bis auf den letzten Platz besetzten Festhalle der Schützengesellschaft begann am Samstag abend 8 Uhr der Begrüßungskommers. Es ging flott von statten, obschon sich die vier hiesigen Vereine gegenseitig zu überbieten suchten, einer folgte dem andern Schlag auf Schlag, und 11,30 Uhr war die Sache schon offijiell zu Ende, um 12 Uhr saßen nur noch wenige Gruppen in dem großen Raume allein. In der Stadt fanden sich noch einige Nachzügler zu einem Stündchen zusammen, aber das Ganze ging zur Ruhe, also der Teufel Alkohol hatte keine Gewalt. Aber in den wenigen Stunden des Kommerses herrschte helle Fröhlichkeit, und man trank sich manchen guten Schluck in alter Treue zu. Der Gauvertreter Prof. Dr. Hotopp, begrüßte die Versammelten in herzlicher Weise, streifte dabei die Kämpfe bei der Gründung des neuen Gaues und gab seiner besonderen Freude darüber Ausdruck, den Gauvertreter des Muttergaues, des Märkischen Gaues, Prof. Dr. Burgas, begrüßen zu können. Dieser sprach seinen herzlichsten Dank alsbald für die geschehene Einladung aus und betonte, nunmehr müsse die Streitaxt begraben sein, freundnachbarliche Beziehungen müßten eintreten, es sei sein festes Bestreben, nur in dieser Richtung zu wirken. Lauten Beifall lösten seine Worte aus. Hermens=Plettenberg sprach in launiger Weise über die ersten Verfechter der neuen Gaugründung. In die Kritik der einzelnen Darbietungen zu steigen, hieße aus einem gutgefügten Rahmen Bruchstücke herausnehmen und einzelne beurteilen. Nein, das Ganze wollte sprechen, jeder Verein tat sein Bestes und der Erfolg für alle war ein voller. Neue Anregungen sollen solche Vorführungen geben, sie bilden die Aussat für kommende Jahre, in den kleinsten ländlichen Vereinen findet man noch nach Jahren die Uebungen von solchen Festabenden wieder. Der Nichtkenner glaubt, diese Leute seien durchgehend zusammengeströmt, um sich neben fröhlichem Trunk eine kleine Augenweide zu verschaffen,— weit gefehlt. Da lugen die Augen der Turnwarte und Vorturner aus allen Vereinen, jede Bewegung wird verfolgt, jede neue Art der Uebung findet sofort besondere Beachtung, man freut sich, wieder etwas Neues, Eigenartiges mit nach daheim nehmen zu können. Der Sonntag Morgen gehörte ganz den Einzelwettkämpfen, 240 Mann rangen um den Eichenkranz. Auch hier machte sich ein neuer Zug bemerkbar, es wurde was geleistet, man war ja auch vielfach in Leipzig gewesen, wo die Besten aus dem Millionenheere der deutschen Turner ihr Bestes zeigten, man hatte zugelernt. Als dann mittags 1 Uhr von allen Seiten der Stadt die Vereine unter klingendem Spiel zum Karlsplatz zogen, zog am Himmel ein kleines Unwetter auf, und mit dem Augenblick, wo der Zug sich zum Umzuge durch die Stadt ordnete, kam das edle Maß in Strömen herunter. Der Lenne=Volme=Gau bekam eine gründliche Taufe. Endlich, müde des langen Wartens, zog man beschirmt und gradewegs zum Loh, wo das Gauturnratsmitglied. Erster Bürgermeister Dr. Jockusch, die auswätigen Turner herzlichst begrüßte namens der Stadt. Aber der zum Vereinswetturnen vorgesehene Sportplatz bildete einen See. Damit war der ganze Festplan aufgehoben. Da galt es fir zu raten und zu taten, es wurde transportiert und geputzt an den Geräten, und bald funktionierte wieder alles. Bis Abends 6,30 Uhr dauerte das Vereinswetturnen und zeigte ein Streben und ein Ernst der Arbeit, den man gesehen haben muß. Auf dem hochragenden Podium mitten auf dem Schützenbegann sehr bald am Nachmittage ein reges Leben. Die flinke Jugend zog auf, Knaben und Mädchen und auch Frauen zeigten frischen Mutes, wie schön es ist im Leben, körperlich Herr seiner selbst zu sein. Reicher Beifall folgte allen diesen Vorführungen. Um 6 Uhr zogen rund 500 Freiübungsturner auf und zeigten ein prächtiges Bild turnerischer Darstellung. Das mißliche Wetter hatte leider zur Folge, daß mehrere hundert fehlten. Um 7 Uhr zeigte dann noch der Lüdenscheider Turnverein seine Leipziger Musterriege, die ihm die volle Wertung von 30 Punkten eingebracht hat, ein würdiger Schluß der ganzen festlichen Turnarbeit. Kopf an Kopf drängte sich dann in der Festhalle die Menge, die Fahnen wurden vor der Bühne postiert, der Gauvertreter Prof. Dr. Hotop hielt eine wirkungsvolle Rede auf die Sieger und sagte lauten Dank für alle die geschehene freiwillige Arbeit. Der ganze Verlauf des Festes habe den schlagenden Beweis erbracht, wie gut und befruchtend die Neugründung gewesen. Neue Kräfte machten sich überall geltend, Vereine, welche bei den Gaufesten des alten Gaues fast zöllig ausgeblieben seien, hätten nunmehr Riegen ins Feld geführt, die jeden Kenner mit heller Freude erfüllt haben dürften. In das Gut Heil auf die Sieger wurde rauschend eingestimmt. Das Gesamtergebnis des Wetturnens ist folgendes: Vereinsturnen: Gruppe I. 1. T.-V. Rahmede(zu 42 Mann) 78,50 P. 2. T.=V. Grünewald(42 Mann) 71,54„ 3. T.-V. Höh(36 Mann) 69,22„ 4. Turngemeinde Lüdenscheid(36 Mann) 67,97„ 5. T.=V. Plettenberg(30 Mann) 80,57 6. T.-V. Germania Altena(24 Mann) 74,50„ 7. T.-V. Kierspe(24 Mann) 73,57„ 8. T.-V. Jahn Plettenberg(24 Mann) 71,07„ 9. T.-V. Brüninghausen(18 Mann) 69,37„ 10. T.-V. Jahn Werdohl(12 Mann) 78,41„. 11. Westfalia Holhausen(12 Mann) 78,28„ 12. T.-V. Jahn Kierspe=Bhf.(12 Mann) 75,51„ 13. Evingser Turnerschaft(12 Mann) 74,32„ 14. T.-V. Neuenrade(12 Mann) 72,00 15. T.-V. Eiringhausen(12 Mann) 71,94„ 16. T.-V. Leifringhausen(12 Mann) 68,42„ 17. T.=V. Berkenbaum(12 Mann) 67,06„ 18. T.-V. Hüinghausen(12 Mann) 66,63„ 19.-V. Grünenthal(12 Mann) 65,06„ Gruppe II. 1. T.=V. Augustenthal(12 Mann) 64,31 P. Sieger im Sechskampf: 1 Willibald Wilke, T.-V. Lüdenscheid 103½ P. 2. Emil Riedel, T.-V. Höh 95½„ 3. Gustav Kintzel, Turngemeinde Lüdenscheid 94„ 4. Walter Renghoff, T.=V. Germania Altena 93½„ 5. Heinrich Lohmann, T.-V. Westfalia Holthausen 89½„ 5. Fritz Gloerfeld, T.=V. Lüdenscheid 89½„ 6. Emil Loesenbeck, T.=V. Lüdenscheid 88½„ 7. W. Westermeier, T.=V. Germania Altena 86½„ 8. Louis Wurm jr., T.=V. Lüdenscheid 85½„ 9. Kurt Rothschild, T.-V. Neuenrade 81½„ 9. Ernst Schneider, T.=V. Lüdenscheid 81½„ 10. Hans Wilke, T.=V. Lüdenscheid 80„ 11. Paul v. d. Horft, T.=V. Lüdenscheid 78„ 12. Friedr. Rüssel, T.-V. Jahn, Werdohl 77„ 13. Fritz Weyland, T.=V. Jahn, Kierspe 76½„ 14. Heinr. Stracke, T.=V. Jahn, Werdohl 76„ 15. Robert Heßmer, T.-V. Plettenberg 75½„ 16. Otto Brüninghaus, T.=V. Berkenbaum. 76 17. Willy Krug, T.-V. Brüninghausen 73½„ 18. Paul Dahlhaus, T.-V. Lüdenscheid 73„ 19. August Völkel, T.-V. Lüdenscheid 72½„ 20. Albert Schweitzer, T.=V. Plettenberg 72„ 20. Richard Gloerfeld, T.=V. Lüdenscheid 72„ 21. Wilhelm Kaske, T.-V. Lüdenscheid 71½„ 21. W. Schanzenberger, T.=V. Plettenberg 71½„ 22. Arnold Rump jr., T.=V. Basse u. Selve, Altena 70½„ 23 Paul Gottschalk, T.=V. Germania, Altena 76„ 28. Fritz Langenbach, T.-V. Jahn, Plettenberg 70„ Sieger im Zwölfkampf: 1. Fritz Winterhoff, T.=V. Augustenthal 138 P. 2. Walter Stapel, T.-V. Höh 137½„ 8. Kurt Vogel, T.=V. Jahn, Plettenberg 135½„ 4. Albert Naber, T.-V. Lüdenscheid 183½„ 5. Karl Schneider, T.=B. Lüdenscheid 131½„ 6. Adolf Müller, T.=V. Jahn, Plettenberg 130½„ 7. Karl Neufeld, T.-V. Lüdenscheid 128½„ 7. Emil Klefinghaus, T.=V. Lüdenscheid 128½„ 7. Walter Faber, T.=V. Grünewald 128½„ 7. Karl Neuhaus, T.-V. Brüninghausen 128½„ 8. Hugo Naber, T.=V. Lüdenscheid 126½„ 9. Karl Raith, T.=V. Grünewald 126„ 10. Ernst Schröter, T.-V. Lüdenscheid 124½„ 11. Albert Zaborowski, T.=V. Jahn, Plettenberg 122„ 12. Joh. Vogel, T.-V. Jahn Jahn, Plettenberg 121½„ 13. Albert Wayworm, T.=V. Eiringhausen 120½„ 14. Fritz Koch, T.=V. Grünewald 118½„ 15. Heinr. Guttermann, T.=V. Lüdenschei“ 117½„ 15. Walter Winterhoff, T.=V. Leifringhausen 117½„ 15. Hugo Geisweidt, T.=V. Basse u. Selve, Altena 117½„ 6. Emil Schöttler, T.=V. Grünenthal 117„ 17. Robert Mühlhoff, T.=V. Rahmede 18. Fritz Budde, T.=V. Eiringhausen 18. Paul Selter, T.=V. Rahmede 19. Ernst Streppel, T.=V. Brüninghausen 19. Willy Hohage, T.=V. Brüninghausen 20. Otto Bräucker, T.=V. Augustenthal 21. August Geck, T.=V. Grünewald 22. Eduard Hecker, T.=V. Plettenberg 22. Albert Vollmann, T.=V. Lüdenscheid 22. Willy Muß, T.=V. Germania, Altena 23. Paul Gleitzer, T.=V. Jahn, Plettenberg 24. Rudolf Horch, T.-V. Grünewald 24. Walter Reich, T.-V. Leifringhausen 25. Paul Frischkemuth, T.=V. Jahn, Werdohl 26. Walter Stietz, T.=V. Grünewald 26. Wilhelm Langallies, T.=V. Augustenthal 27. Paul Pleuger, T.-V. Lüdenscheid 28. Paul Klein, T.-V. Lüdenscheid 28. Hr. Schmellenkamp, T.=V. Germania, Oesterau 29. Otto Heimann, T.-V. Germania, Altena 29. Max Winkel, T.=V. Lüdenscheid 30. Fritz Mönning, T.=V. Lüdenscheid 30. Albert Hilger, T.=V., Augustenthäl 31. Otto Gregory, T.-V. Plettenberg 32. Otto Meisterjahn, T.-V. Kierspe 32. W. Schmellenkamp, T.=V. Germania, Oesteras 33. Otto Brockhaus, T.=V. Berkenbaum 33. W. Budde, T.-V. Lüdenscheid 34. Ernst Haus, T.=V. Germania, Altena 34. Ottto Krug, T.V. Brüninghausen 34. Oskar Loczelnik, T.=V. Grünenthal 35. Karl Brennert, T.-V. Höh 35. Emil Lüsebrink, T.-V. Rahmede 36. Alfred Köcker, T.-B. Lüdenscheid 36. Wilhelm Hombach, Turngemeinde Lüdenscheid 36. Ernst Herzog, T.=V. Lüdenscheid 37. Adolf Schmidt, T.=V. Jahn, Plettenberg 37. Fritz Geck, T.-V. Jahn, Plettenberg 38. Wilh. Bolz, T.-V. Höh 38. Jos. Jostes, T.-V. Germania=Oesterau 38. Fritz Elhaus, T.=V. Rahmede 39. Karl Lohmann, T.-V. Holthausen 40. Ernst Lüttringhaus, T.=V. Jahn, Werdohl 40. Hugo Vollmer, T.=V. Eiringhausen 41. Hermann Paul, T.-V. Plettenberg 42. Wilh. Winter, T.-V. Kierspe 43. Albert König, T.=V. Leifringhausen 43: Fritz Schnepper, T.=V. Rahmede 44. Fritz Hilgenfeld, T.-V. Jahn, Öhle 45. Ernst Wertmann, T.=V. Rahmede 46. Ewald Winter, T.=V. Grünewald 46. Eugen Schmidt, T.=V. Grünewald 46. Ernst Rahmer, T.=V. Plettenberg 47. Bernhard Neuhaus, T.=V. Neuenrade 47. Wilh. Wüst, T.=V. Lüdenscheid 48. Wilh. Kluter, T.=V. Germania, Altena 48. Max Lennhof,= T.-V. Plettenberg 49. Alfred Beilecke, T.=V. Jahn, Plettenberg 49. Hermann Mohr, T.=V. Plettenberg 49. Ernst Gloerfeld, T.=V. Augustenthal 50. Wilh. Schulte, T.=V. Eveking 51. Eduard Friedrich, T.=V. Grünewald 52. Karl Grote, Turngemeinde Lüdenscheid 52. Hugo Bölling, T.=V. Eveking 53. Adolf Reith, T.=V. Kierspe 53. Anton Jostes, T.-V. Germania, Oesterau 54. Reinhard Boetticher, T.=V. Rahmede 55. Paul Thomee, T.=V. Plettenberg 55. Otto Brauckhage, T.=V. Eveking 55. Fritz Figge, T.=V. Holthausen 56. Ernst Grote, T.=V. Valbert 56. Wilhelm Höfer, T.=V. Eiringhausen 56. Emil Krug, T.-V. Brüninghausen 57. Alfred v. Hofe, T.=V. Lüdenscheid 57. Otto Hymmen, T.-V. Germania, Altena 57. Hugo Kalle, T.-V. Hüinghausen 58. Karl Kraft, T.=V. Jahn, Werdohl 59. Alb. Wermeckes, T.=V. Berckenbaum Sondervorführungen: Turnverein Lüdenscheid, Stabübungen Turnverein Lüdenscheid, Barren Turnverein Höh, dto. 116½„ 115½ 115½„ 115 115„ 114½„ 114„ 113½„ 113½ 113½„ 113„ Tagung der Handwerkervereinigungen der Provinz Westfalen. Haspe, 21. September. Heute und morgen findet hier der Handwerkertag für die Provinz Westfalen statt. Er wurde heute abend mit einer großen Handwerkerversammlung eröffnet. Sie war nicht nur von Standesgenossen und anderen Berufsorganisationen aus der Provinz Westfalen besucht, sondern auch Abgeordnete beider Häuser sowie der Handwerkskammern von Dortmund, Arns berg und Münster und die städtischen Körperschaften von Haspe Der Verbandsvorsitzende Mölker entbot den Willkommensgruß und brachte darauf das Kaiserhoch aus. Bürgermeister Franck=Haspe begrüßte die Versammlung namens der Stadt. Er kritisierte hierauf das Submissionswesen, aus dessen Labyrinth und Schwierigkeiten sich noch kein Ausweg finden lasse. Er steht auf dem Standpunkte, daß die Lieferung möglichst am Orte bleiben solle. Stehe auch die Sparsamkeit einer Verwaltung im Vordergrunde, so sollte doch nicht immer der Mindestfordernde die Lieferung erhalten, und zwar im Interesse eines gesunden Mittelstandes. Hauptverbandsvorsitzender Voigt=Friedenau bei Berlin verlangte die Aufhebung des§ 100g, Einführung des allgemeinen Befähigungsnachweises, um den Nichthandwerker und der Schmutzkonkurrenz entgegenzutreten, den Fachunterricht in der Fortbildungsschule durch Pädagogen abzulehnen und ihn durch tüchtige Handwerker zu erteilen; den Schutz der nationalen Arbeit. Bewegung entstand, als ein Vertreter des Reichsdeutschen Mittelstandsverbandes darauf bestand, das Wort zu erhalten. Schließlich gab die Versammlung mit Majorität dem Diskusionsredner das Wort, der zum Schluß für den Reichsdeutschen Mittelstandsverband agitierte. Deligierter Lange=Arnsberg verwarf die Bestrebungen, in den Fortbildungsschulen Schwimm= und Turnunterricht zu erteilen. Rektor Schröder wollte gegen Angriffe Voigts gegen den Fachschulunterricht erwidern, er erhielt aber, da er Gast war, nicht das Wort. Metzger PipenstockHaspe war gegen den Abendunterricht, ebenso Reichstagsabgeordneter Euler=Bensberg, der zugleich dafür eintrat, daß nur Handwerker den Fachunterrchit erteilen sollten. Eine lebhafte und teils sehr erregte Debatte brachte die Spar= und Bauvereinsfrage.. Man wandte sich gegen diese Verbände. Neben anderen Bundesfragen, Sterbekassen und/ Handwerkerpresse wurden mehrere Entschließungen angenommen, die sich mit den Ausführungen der einzelnen Redner beschäftigen und entsprechende Leitsätze zur Hebung des Handwerks durch Reichsgesetz bzw. durch Zusammenschluß der Organisationen fordern. Die Schwierigkeiten König Ferdinands. Der Frieden von Konstantinopel ist jetzt eine vollendete Tatsache. Es hat den bulgarischen Delegierten nichts geholfen, daß sie im Laufe der Unterhandlungen immer wieder die Bedeutung eines relativ günstigen Friedens für die Beruhigung der öffentlichen Meinung in Bulgarien und die zukünftigen Beziehungen zwischen Bulgarien und der Türkei betonten. Die Türken haben so ziemlich alles durchgesetzt, was sie von Anfang forderten, so daß die neue Grenze noch etwas günstiger für sie ausgefallen ist, als der türkische Generalstab sie in seinem bekannten Gutachten gefordert hatte. Wie werden nun König Ferdinand und seine Leute es fertig bringen, das bulgarische Volk so zu beeinflussen, daß es die Ergebnisse des Bukarester und des Konstantinopeler Friedens ruhig und geduldig hinnimmt? Es sind in den letzten Monaten wenig zuverlässige Nachrichten aus Sofia in die Außenwelt gedrungen. Denn dem, was aus amtlichen bulgarischen Quellen verlautet, darf man naturgemäß zurzeit weniger wie je trauen. Nach vertrauenswürdigen Meldungen aus Belgrad ist die Lage der bulgarischen Regierung und der regierenden Dynastie sehr kritisch geworden. Erst allmählich ist sich das bulgarische Volk klar geworden, was es alles in den schweren Kämpfen um Mazedonien verloren statt gewonnen hat. Zugleich empfindet man dumpf die Ohnmacht, in die die Opfer der Kriege das Land gebracht haben, die vorläufige Hoffnungslosigkeit des unvermeidlichen Revanchebedürfnisses. Alles, was das bulgarische Volk in den letzten Jahrzehnten in mühsamer Arbeit an kulturellen und wirtschaftlichen Werten zusammengetragen und aufgebaut hat, steht jetzt auf dem Spiele, da dem bulgarischen Staat der völlige finanzielle Zusammenbruch droht. Die Geldmittel der Regierung sind durch einen fast neun Monate dauernden Kriegszustand, der pro Tag einen Aufwand von mindestens einer Million Franken erforderte, völlig erschöpft. Mehr als 300 Millionen Franken hat die Mobilisierung und Unterhaltung der Armee während dieser Zeit gekostet, wobei die normalen Ausgaben für Heereszwecke gar nicht eingerechnet sind. Diese Verluste sind für Bulgarien um so schwerer zu ertragen, als es schon vor den Kriegen stark verschuldet war. Es entfiel doch schon im Jahre 1911 20,39 Prozent aller Ausgaben auf die Verzinsung und Amortisation der Staatsschulden. Die Bulgaren müßten mehr Selbstbeherrschung besitzen als die kultiviertesten westeuropäischen Nationen, wenn sich in ihnen bei der Erinnerung an die glänzenden Waffenerfolge des bulgarischen Heeres im ersten Kriege nicht ein Unwille gegen die Machthaber regte, deren Diplomatie offenbar das Unheil des zweiten Krieges großenteils verschuldet hat. Ihre ganze Geschichte beweist aber, daß die Bulgaren erst lernen müssen, sich politisch zu beherrschen, und darum ist nichts weniger wahrscheinlich, als daß sie ihr inneres Gleichgewicht wieder finden werden, ohne ihrer Wut in Aufständen Luft gemacht zu haben. Nach Belgrader Meldungen ist die Einberufung der großen Sobranje in Sofia verschoben worden, weil König Ferdinand, der kränker und nervöser als je sein soll, dynastiefeindliche Kundgebungen befürchte. Die Geheime Polizei in Sofia entfaltet eine unheimliche umfangreiche Wirksamkeit, Verhaftungen von „verdächtigen“ Offizieren sind an der Tagesordnung. Um die Eisenbahn zu benutzen, müssen die Offiziere einen besonderen Erlaubnisschein haben. Das königliche Palais hat doppelte Wachen erhalten. Alle diese Anzeichen deuten darauf hin, daß der Hof mit dem Ausbruch einer Revolution rechnet. Ein Berliner Mittagsblatt verzeichnet ein Belgrader Gerücht, wonach alle Gesandten und Konsule fremder Mächte beschlossen hätten, das Land zu verlassen. Das ist kaum glaublich, aber dafür umso kennzeichnender für die Auffassung, die man sich in Serbien, in nächster Nachbarschaft Bulgariens, von der kritischen Lage der Regierung in Sofia gebildet hat. Wenn König Ferdinand in seiner Verlassenheit sich in die Erfahrungen vertieft, die ihm die Kriegsjahre gebracht haben, so wird er nichts bitterer empfinden als die Enttäuschungen, die ihm seine anfangs unbegrenzte Hoffnung auf russische Rückenstärkung bereitete. Es ist seinerzeit aufgefallen, daß Bulgarien in seinen Unterhandlungen mit Rumänien zwar verhältnismäßig leicht dazu gebracht werden konnte, auf Silistria zu verzichten, aber mit größerer Hartnäckigkeit jedes weitere Zugeständnis ablehnte, und zwar gerade von dem Augenblick an, wo Danew aus Petersburg zurückkehrte. Das kann nur mit den Zusicherungen zusammenhängen, die Danew am Petersburger Hofe gemacht wurden. Es wäre gar nicht verwunderlich, wenn man in Sofia auf Grund der Berichte Danews geglaubt hätte, sich darauf zu verlassen, daß Rußland Rumänien nicht nur nicht gestatten werde, mehr als Silistria zu fordern, sondern ihm dies sogar verbieten, es aber auf keinen Fall zulassen werden, seine Ansprüche mit Waffengewalt geltend zu machen. Dann würde König Ferdinand von der Petersburger Diplomatie schmählich verraten und im Stich gelassen worden sein. Deutsche Militärmissionen im Auslande. Im Anschluß an die englische Falschmeldung, wonach die chinesische Regierung die Kommandierung von 207 deutschen Öffizieren als Instrukteure, und zwar eines Generalleutnants und von sechs Offizieren für Pecking, von zweihundert Offizieren für die Provinzen, durchgesetzt haben soll, schreibt uns Oberst a. D. v. Kornatzky, der selbst einer deutschen Militärmission, in Buenos Aires, angehört hat, und zuletzt das Infanterie=Regiment 150 in Allenstein befehligte: Nach den Siegen des Krieges gegen Frankreich wandte die militärische Welt ihr Interesse der deutschen Armee zu. Man forschte nach den Ursachen ihrer Erfolge, man studierte ihre Organisation. Ihre Einrichtungen wurden vielfach vorbildlich. Einige Staaten arbeiteten in der Folge mit deutschen Instrukteuren, während andere zur Ausbildung nach Deutschland Offiziere schickten, die ein bis zwei Jahre praktischen Dienst bei deutschen Regimentern taten. Deutsche Militärmissionen bestanden oder bestehen noch in der Türkei, Chile, Agentinien, Japan und Bolivien. Jede einzelne setzte sich aus einigen wenigen Offizieren zusammen, meist vier bis sechs, die vorzugsweise an den Bildungsanstalten dieser Länder beschäftigt wurden. In der Türkei sind deutsche Offiziere seit 1882 in beständigem Wechsel bis auf den heutigen Tag tätig. Sie lehrten an den militärischen Instituten oder arbeiteten in den Kommissionen Nach dem Sturze Abdul Hamids traten sie in nähere Beziehung zur Truppe und wurden auch Befehlshaber von Lehr=Regimentern. In Chile hatte General Körner seit 1885 reformatorisch gewirkt. 1895 traten 37 deutsche Offiziere, der Mehrzahl nach junge Leutnants, in chilenische Dienste. Sie wurden einzelnen Truppenteilen als Anstrukteure überwiesen. Nach drei Jahren kehrten die meisten von ihnen in ihr Vaterland zurück. Nur einige blieben länger und arbeiteten im Generalstab oder an den Militärschulen. Sie sind im Laufe der Zeit teilweise durch andere ersetzt worden, so daß auch heute noch einige deutsche Offiziere im Lande sind. In Argentinien gründeten im Jahre 1900 fürf deutsche Offiziere eine Kriegsakademie in Buenos Aires nach Berliner Mustern, die noch heute besteht, und an der nach wie vor alle militärischen Fächer mit deutschen Offizieren als Militärlehrern besetzt sind. Mit der Truppe haben sie nichts zu tun. In Japan lehrte Major Meckel von 1885—88 an der von ihm gegrundeten Militär=Akademiein Tokio. Neben und nach ihm wirkten dort noch einige Jahre andere deutsche Offiziere. Dann stand Japan auf eigenen Füßen und wurde selbst der Lehrmeister orientalisch=verwandter Völker. In Bolivien weilt seit 1911 eine deutsche Mission, bestehend aus fünf Öffizieren, von denen der älteste als zweiter Chef des Generalstavs fungiert, während die anderen Truppeninspeksteure sind. Bemerkenswert ist, daß dieser Mission eine Anzahl ausgesuchter deutscher Unteroffiziere angegliedert ist, mit der Aufgabe, die dortigen Truppenteile im praktischen Dienst zu unterweisen. In China wirkten Ende des verflossenen Jahrhunderts vorübergehend deutsche Offiziere; ob es dort nochmals mit deutschen Lehrmeistern zu versuchen sein wird, muß fraglich erscheinen. Für europäische Offiziere ist es sehr schwierig, in einem Lande zu reformieren, wo sie in absehbarer Zeit die Landessprache nicht erlernen können, und wo Sitten, Gebräuche, Empfinden ganz anders als in Europa sind. Es liegt viel näher, daß die asiatischen Völker sich von Japanern unterweisen lassen, die hierzu befähigt sind und ihnen in Sprache und Lebensanschauung nahestehen. Sollte aber wider Erwarten China dennoch deutsche Instrukteure beanspruchen, so könnte es sich doch immer nur, wie in den anderen Ländern auch, um einzelne Offiziere handeln. Denn, ganz abgesehen von anderen Erwägungen, dürfte schon aus dem Grunde die Abgabe einer größeren Anzahl deutscher Offiziere nicht angängig sein, weil uns nach der letzten Heeresvermehrung Offiziere fehlen, und wir gerade in diesem Moment eine größere Zahl kaum entbehren können. Das Deutsche Reich als solches steht den deutschen Militärmissionen fern. Offiziere, die vorübergehend in fremde Dienste treten wollen, haben bis jetzt auf ihr Ansuchen den Abschied erhalten oder sie sind zur Disposition gestellt worden unter Zusicherung der Wiederanstellung innerhalb eines vorher genau bestimmten Zeitraums. Alles andere ist Privatsache. Oberst a. D. v. Kornatzky. Arbeitsbeginn. Die Saison beginnt, ssagen die einen; die andern: der Winterfeldzug fängt an. Die Städter sind aus den Ferien zurück, die Beamten aus dem Urlaub, die Kaufleute von ihren Erholungsreisen. Je nach dem Temperament schaut man mehr rückwärts auf die schönen Sommer= und Herbstwochen, oder vorwärts auf die neue Arbeitszeit. Man legt den einen Menschen ab, der sich in Wald und Feld, an der See, kurz: in der Natur zu Hause fühlt, und der andere Mensch kommt vor, der Betriebsame, das Stubenarbeitstier, das Stadtgeschöpf, das ohne Last und Hast und Trubel nicht leben kann. Auf die Genüsse draußen, frei Luft, Milch, körperliche Bewegung, Naturstimmung folgen die Genüsse der Großstadt, Theater, Gesellschaft, geistige Sensationen. Vorher Ursprünglichkeit, Kindheitserinnerungen, Stimmen des Blutes— denn jeder zweite oder dritte Großstädter kommt von draußen, stammt aus Kleinstadt und Land und trägt deren frühere Welten in sich—, jetzt sage mit Absicht Zivilisation, denn Kultur beginnt wohl erst dort, wo man beides in sich verarbeitet und harmonisch vereint hat, die alte aus der Anlage geborene Welt und die neue fremde, die wir nicht mehr entbehren können. Doch unsereZeit hat Tugenden geschaffen, die uns das schwere geschäftliche Leben erleichtern: die Bescheidenheit, die Geduld, die Tapferkeit, die Selbstzucht. Nur so ist es möglich, in Büroräumen zehn bis zwölf Stunden zu arbeiten, wie es vielfach vorkommt; nur so sind wir imstande, Monate durchzuhalten, Arbeiten zu erledigen, die uns fremd sind, nicht nur nicht zu verzagen, sondern sieghaft vorwärts zu kommen. Man könnte fast von einem neuen Menschenschlage sprechen, der sich als neuer Typus der Gattung homo sapiens herausgebildet hat. Es ist ein fortschrittlicher Typus, der sich der Arterhaltung wegen an die neuen Lebensbedingungen angepaßt hat. Ein Menschenschlag, der viel alten Ballast abwerfen muß, um seine jetzigen Aufgaben erfüllen zu können. Das Gute liegt, wie so oft, auch hier in der Mitte. Wer ganz mit allem Früheren bricht, wem jene Stimmungen und Eigenschaften von einst jetzt nur sentimental und überflüssig erscheinen, dem wird der interne Widerstand fehlen, der Wurzelboden, aus dem er die nötigen Kräfte für dieses neue Leben ziehen muß. Wer ganz in der Außenkultur dieser Zeit aufgeht, wird verarmen. Geld und Geist allein machen nicht glücklich, wir brauchen noch anderes: das Gefühl, das am tiefsten beseligt. Da gibt es für diesen Konflikt einen schönen Ausweg. Der Mensch ist zu reich an Kräften, um Eigenschaften fallen zu lassen, die ihm angeboren sind. Sie ändern nur ihre Richtungen für ihren Betätigungstrieb. Vieles, was früher auf das Idyllische des Landlebens, auf poetische Genüsse in der Natur gerichtet war, wendet sich jetzt auf die Dinge der neuen Welt, um auch sie für das Gefühl zu erobern und zu durchwärmen, daß sie für uns wertvoller und gehaltvoller werden. Es ist darum kein Zufall zu nennen, sondern eine ganz natürliche Entwicklung, wenn wir bei den modernen Menschen von heute ein neues Streben erkennen, das Familienleben wieder reicher und intimer zu machen, die Wohnung edler, den Verkehr inniger; und selbst die Gebiete des Berufes sucht man zu verschönen, teils durch Korrektur der eigenen Auffassung, teils durch Verbesserungen der Betriebe. Ganz typisch ist das Beispiel jenes Bürovorstehers, der den schönsten Blumenschmuck in seinem Büro hatte. Wilhelm Ostwald hat sogar in einer gelehrten Abhandlung einmal auf den Unterschied hingewiesen zwischen dem Droschkenkutscher und seiner gemütlichen Art und dem modernen Autolenker und seinem geschlossenen energischen Wesen. Man denke an die Tausende von Lokomotivführern, Schaffnern, Straßenbahnführern und alle jene Männer, die im täglichen schwerverantwortlichen Dienst stehen. So bilden die neuen Berufe neue Menschen. So wächst überhaupt eine arbeitsfreudigere pflichtstrengere Menschheit heran. Es ist eine Wende eingetreten. Ich möchte sie die Abkehr von phantastischen Träumen nennen, die Hinneigung, die Pflichten dieses Lebens mit Sinn und Wärme zu durchtränken. Jene Ueberschwenglichkeiten, die man früher religiösen, nationalen, politischen Gefühlen darbrachte, sind frei geworden zu neuen Kräften, die sich auf irdischen Menschen=, Familien= und Berufsglück richten. Ist unser Leben damit ärmer geworden oder reicher? Gibt es ein schöneres Bild als Mann und Frau von heute, die im jetzigen schweren Lebenskampf bestehen und vorwärtskommen? Darum auf zum neuen Winterfeldzug! Keine In der gestrigen Erklärung der Wasserwerks=Direktion wurde auf das gute Ergebnis der bakteriologischen Wasseruntersuchungen hingewiesen. Die dort erwähnte tabellarische Nachweisung lassen wir hier folgen: Keimgehalt in einem Kubikzentimeter Wasser bei 22° C Bruttemperatur und 48 stündiger Brutzeit: Nach amtlicher Ermittelung ergaben sich für die Zeit vom 1. Januar bis 6. September auf je 1000 Einwohner in Lüdenscheid 0,26 Typhuserkrankungen(d. h. nur 1 auf 4000 Einwohner). Zur Bewertung dieses Verhältnisses hat uns das WasserAuf je 1000 Einwohner.