Amtl. Kreisblatt für den Stadtkreis Lüdenscheid. Redaktion und Expedition: Friedrichstralse 9 I. Amtlicher Anzeiger für den Kreis Altena. Anzeigen werden bis morgens 10 Uhr erbeten. Die einspaltige Zeile oder === deren Raum koltet 15 Pfg., Reklamen die Zeile 30 Pfg. —(Jede Rabattbewilligung wird hinfällig bei zwangsweiser Beitreibung der Gebühren.)— Fernsprecher: 90. Telegramm-Adrelse: Zeitung. Druck und Verlag von Tilgenkamp& Ruhl(Inhaber Carl Saffe), Lüdenscheid.— Verantwortlicher Redakteur: Rudolf Behmer, Lüdenscheid, Nr. 273 Erstes Blatt. Dienstag, den 22. November 1910. 43. Deutsches Reich. Berlin, 21. Nov. Aus Colombo wird gemeldet: Der Kronprinz und die Kronprinzessin wurden bei ihrer Ankunft an Bord des Reichspostdampfers Prinz Ludwig vom Gouverneur der Insel Ceylon und vom deutschen Konsul begrüßt. Ein offizieller Empfang fand nicht statt. Na chfreundlicher Verabschiedung vom Kapitän und von den Offizieren des Prinz Ludwig begaben sich der Kronprinz und die Kronprinzessin in der Staatsschaluppe des Gouverneurs an Lend und bezogen Wohnung in einem Hotel. Das hohe Paar wird sich bis zum 11. Dezember auf Ceylon aufhalten. Alsdann wird der Kronprinz auf S. M. S. Gneisenau die Weiterreise antreten, während die Frau Kronprinzessin den Reichspostdampfer Lützow des Norddeutschen Lloyd zur Heimreise bis Suez benutzen wird. Nach einem zweimonatigen Aufenthalt in Aegypten wird sich die hohe Frau dann nach Cannes begeben. Berlin, 21. Nov. Nach Eröffnung der heutigen Sitzung im Moabiter Prozeß stellte die Verteidigung einige Anträge über Genehmigung des Polizeipräsidenten zu umfangreicheren Aussagen der Polizeibeamten einzuholen, ebenso darüber, ob politische Polizeibeamte in den Tumulten tätig waren, außerdem weitere Zeugen, die das Zusammentreffen der englischen Journalisten sahen, zu laden. Der Staatsanwalt teilte mit, daß Polizeileutnant Folte einen Plan überreicht habe, aus dem hervorgehe, daß der Zeuge Warenhausbesitzer Preuß gar nicht in der Lage war, von seinem Balkon die geschilderten Vorgänge auf der Straße zu beobachten. Der Zeuge bleibt demgegenüber bei seinen Bekundungen. Die Frau des vorgenannten Zeugen schließt sich im wesentlichen der Aussage ihres Ehemannes an. Halle a. d. S., 21. Nov. Die Polizeiverwaltung löste eine hier bestehende sozialdemokratische freie Jugendorganisation auf Grund des§ 2 des Vereinsgesetzes auf. Flensburg, 21. Nov. In feierlicher Weise erfolgte heute in Gegenwart des Kaisers die Einweihung der in FlensburgMürwick erbauten neuen Marineschule. Die Kaiser traf in der Stationsjacht Sleipner vor Holnis um 11 Uhr ein. Bis Holnis hatte der Kaiser das Flaggschiff Deutschland benutzt, das dort wegen seines großen Tiefganges vor Anker gehen mußte. Zum Empfang hatte sich auch Staatssekretär von Tirpitz eingefunden. Der Kaiser begab sich durch die Reihe der Spalier bildenden Kadetten nach dem Standbild, das die vereinigten deutschen Seeschiffswerften der Marineschule gewidmet haben und das den Kaiser in Lebensgröße darstellt. Alsdann folgte unter der Führung des Direktors der Marineschule Kapitän z. S. Schmidt von Schwindt ein Gang durch die Lehrräume der Anstalt, die der Kaiser eingehend in Augenschein nahm. In dem vom Kaiser vorgelesenen Kronerlaß an die Fähnriche betonte er, daß zum Seeoffizier ein ganzer Mann gehöre, um immer mit Freudigkeit den schweren und verantwortungsvollen Dienst zu tun. Unsere Zeit brauche ganze, eisenharte Männer. In einer Ansprache sprach er sich gegen die Trinkunsitten aus, welche die Nerven untergrüben. Internationaler Metallarbeiterkongreß. Berlin wird den nächsten internationalen Metallarbeiterkongreß sehen; die Leiter der deutschen Metallarbeiterbewegung sind von Birmingham, wo der vorige Metallarbeiterkongreß getagt, recht unzufrieden zurückgekehrt. Herr Paul Legien spricht dies im Korrespondenzblatt sehr offen aus, wo es heißt: „Es bleibt abzuwarten, ob dieser Kongreß endlich die einheitliche Auffassung der Betätigung praktischer Solidarität gebracht hat, oder ob weiter ein Teil der Organisation mit Worten und der andere durch die Tat internationale Solidarität bekundet.“ Mit Worten die Solidarität bekundet, sollen in erster Linie die Engländer haben; es ist in Birmingham zu sehr gereizten Auseinandersetzungen gekommen. Die Engländer ließen bei der Besprechung des schwedischen Generalstreiks erklären, daß sie voll ihre Pflicht getan hätten, sie hätten genügend gegeben; dem widersprachen ganz energisch die Vertreter der anderen Nationen; es hat nicht viel gefehlt, und der Kongreß wäre mitten in der Arbeit auseinander gegangen. Die Engländer wollten weiter von internationaler Solidarität wenig wissen; die kontinentalen Vertreter ließen darauf mitteilen, daß, wenn die Engländer weiter nichts als schöne Worte hätten, keinerlei Interesse mehr für die Fortsetzung der Beratungen des Kongresses bestehe. Bitter wurde beklagt, daß dem internationalen Bund der Metallarbeiter noch nicht Italien, Spanien und Portugal beigetreten sind, von Amerika ganz zu schweigen. Der Anschluß des tschecho=slawischen Verbandes ist abgelehnt worden. Herr Schlicke in Stuttgart, der Leiter der letzten großen Metallarbeiterbewegung, wurde wieder zum internationalen Sekretär gewählt. Jedenfalls hat Birmingham gezeigt, was es mit den deutschen Phrasen bei Lohnbewegungen, die Metallarbeiter aller Kulturstaaten ständen hinter den deutschen, auf sich hat. Die Internationalität steht sehr schön auf dem Papier, in der Praxis aber sieht sie ganz anders aus. Für die deutsche Konjunktur und den wirtschaftlichen Frieden hat der Verlauf des Kongresses in Birmingham wichtige Beurteilungspunkte geliefert. Rundschau im Husland. Oesterreich=Ungarn. Wien, 21. Nov. Der gestern im gemeinsamen Ministerrat durchberatene geminsame Haushalt wird die erste Baurate für drei Wagehälse enthalten. Außerdem wird derselbe für Heer und Marine zusammen eine regelmäßige Steigerung von zehn vis zwölf Millionen Kronen aufweisen. Frankreich. Paris, 21. Nov. In Dijon wurde von unbekannter Bubenhand gestern Nacht das Kriegerdenkmal zu Ehren der in den blutigen Kämpfen vom 21. bis 23. Januar 1871 gefallenen pommerschen Offiziere und Soldaten beschädigt. Die Erinnerungstafel an das Gefecht um die Fahne des Pommerschen 61. Regiments, die bekanntlich damals den sterbenden Verteidigern durch Franktireurs entrissen worden war, ist durch Revolverkugeln durchlöchert worden. Die Gitter, die das Denkmal umgeben, wurden niedergerissen. Vereinigte Staaten. Neuyork, 21. Nov. Einer Meldung aus Washington zufolge sind die Verhandlungen, welche eine Ausdehnung der amerikanischen Fleischtruste in der Weise bezwecken, daß ihm die großen Exporteure und Züchtereien Argentiniens und Neuseelands beitreten, dem Abschluß nahe. Oertliches und Allgemeines. Lüdenscheid, 22. November. Unsern Wahldrückebergern! Als in der ersten öffentlichen Bürgerversammlung die Herren Genossen darauf hingewiesen wurden, nach den anerkennenden Worten über Herrn Kiesler könne die Sozialdemokratie logischerweise diesen bewährten Stadtverordneten gar nicht fallen lassen, kam die Erwiderung: Nein, Kälber, die ihre eigenen Metzger wählen, sind wir nicht! Das beweist wieder schlagend, diesen Leuten geht's nur um die Partei, alles andere ist Nebensache. Herr Kiesler als Metzgermeister hat im Stadtverordnetenkollegium einen Posten, den nur ein Mann vom Fach völlig ausfüllen kann, jedoch den Herren Genossen ist das„furchtbar schnuppe", sie wählen ja nicht zum Wohle der Stadt. Das sozialdemokratische Kommunalprogramm fordert: Kontrolle und Regelung des Nahrungsmittelverkehrs durch Uebernahme der Produktion und des Verkehrs von Nahrungsmitieln(Milchversorgung, Bäckereien, Schlächtereien, Speisehäuser) auf die Gemeinden. Also Ihr Herren Metzger, Bäcker, Schuster, Schneider, Wirte, Händler usw., wißt Ihr, was das heißt? Das heißt Vernichtung Eurer ganzen Existenz! Das heißt radikale Ausrottung des Kleinbürgertums! Wollt Ihr nun unbedingt die Kälber im Sinne der Herren Genossen sein, dann bleibt am Wahltage wieder hübsch zu Hause, ballt die Fäuste in der Tasche und schimpft über Konsumanstalten, Wanderläger und dergleichen! Wer sich so mit gebundenen Augen dem Gegner ausliefert, der ist wert, daß er zu Grunde geht, dem ist tatsächlich nicht mehr zu helfen!! Die Herren Handwerker wollen wir noch kurz an das vorjährige Schuhwaren=Wanderlager in Lüdenscheid erinnern. Andewärts konnten diese Läger nichts ausrichten, aber im roten Lüdenscheid, unter dem Protektorate der Genossen und der Fürsprache ihrer„Volksstimme“, da war was zu machen! Damals schrieb die„Volksstimme“: „Gute, solide Schuhwarenhändler soll es geben? Sand in die Augen! Es gibt wohl gute, solide Ware, aber keinen guten, soliden Händler." „Schneller und großer Umsatz— billig und doch mehr Nutzen, wobei das Publikum meist den allergrößten Vorteil hat, ist eine Tatsache aller Großbetriebe. Darum können wir es eigentlich begrüßen, daß die Herren von der Innung mit ihren Zwergbetrieben aufhören und in großen Bretterbuden zu sehr billigen Preisen verkaufen wollen. Auf diese Weise könnten auch sie zu etwas kommen usw." Ist das nicht ein Faustschlag ins Gesicht jeden ehrlichen Kleingewerblers?— Dem kleinen Händler wird die Existenz untergraben, er wird als schlecht und unsolide hingestellt, der Willst du Richter sein? Roman von Maximilian Böttcher. (26. Fortsetzung.) Der alte Zerlitzer Doktor, der seine Kunden sehr hart anzufassen pflegte und kein Freund von unnötigem Reden war, reinigte und verband die Wunde an Trudes Arm so kunstgerecht, daß das arme Ding sich nur mühselig die Tränen verbeißen konnte. Als er aber auf Gottfrieds Frage in seiner barschen Art zur Antwort gab: es wäre keine Gefahr, das Mädel müsse sich nur schonen und pflegen, da schüttelte ihm dieser in seiner Herzensfreude so kräftig die Hand, daß er dem Grobian damit für die der armen Patientin bereiteten Schmerzen wenigstens die Zinsen zahlte. Brömel, der seine lieben Rodenauer kannte, sagte gegen Mittag, als er sich anschickte, den roten Alwin wegen Fluchtverdachts in das Untersuchungsgefängnis der zuständigen Gerichtsstadt zu schaffen: „Abcheszehen von tem bißchen Messerstecherei haben szich im „Roß“ bloß een paar Bengel chebackfeift, un in’ner„Krone“ haben szich zwee Großkohtzen von Pauern Eszel chenannt. Und so wäre tas scheene Fest denn chanz witer Erwarten ohne schlimme Folchen abchelaufen.“ Es sollten aber doch noch schlimme Folgen zutage treten. Gegen Abend kam der Administrator Friese beim Doktorbauer vorgeritten, band seinen langbeinigen Fuchs, der fast dieselbe Farbe wie seines Reiters Bart hatte, an ein Zaunstaket und trat in die Stube, in der die sieche Frau im letzten Schein der untergehenden Sonne am Fenster hockte. Da Friese weder als Amtsvorsteher noch als Privatmensch ein Freund vom Rücksichtnehmen war und sich heute zum Ueberfluß noch im Zustand hellster Empörung befand, so platzte er gleich damit heraus, daß Fritz Reinhardt sein Volontär, seit dem frühen Morgen still und spurlos verschwunden wäre, nachdem er dem Kassierer noch tags zuvor einen größeren Vorschuß auf sein künftiges Gehalt abgeknöpft hätte. An der Arbeitskraft des sauberen Monsieurs läge ihm ja verdammt wenig; denn im Grunde genommen wäre der Luftikus zu nichts Gescheidtem zu gebrauchen gewesen— außer allenfalls zum Einwickeln und Uebersohrhauen schwe, zu behandelnder Geschäftsfreunde, wobei er sich denn allerdings manchmal geradezu als ein Genie gezeigt. Sicher würde er Friese, den faulen und unzuverlässigen Patron auch längst weggejagt haben, wenn... ja, wenn— und da lag aber der Hase im Pfeffer!— wenn der hübsche und zungengewandte Bengel nicht seiner Elena ganz gehörig den Kopf verdreht hätte. Was aber täte wohl ein Vater nicht alles aus Liebe zu seinem einzigen Kinde! So hätte er auf den Hans Dampf alle nur erdenklichen Rücksichten genommen, ihn fast wie einen eigenen Sohn behandelt und immer noch gehofft, daß der an sich ja sehr begabte Strick zu guter Letzt doch noch ein brauchbarer Mensch und Landwirt werden würde. Na, und für seine Zukunft würde er ja dann schon gesorgt haben. Doch nun säße sein armes Mädel da und weinte sich die Augen rot. Und wäre er auch sonst in allen Dingen gewiß eine Seele von Mann, als Vater verstände er nun mal keinen Spaß, und wenn er den Durchbrenner faßte, dann würde er ihm mit der Reitpeitsche das Fell zu gerben— wahrhaftig, und das nicht zu knapp!... Der Pastorbauer kam vom Feld herein, und seine unglückliche Frau mußte dieselbe wilde Flutvon Worten, die schon einmal über ihre zerrütteten Nerven hingebraust war, zum zweitenmal über sich hinstürzen lassen. Als Friese endlich erschöpft innehielt, quälte sich die Kranke die eine Weile wie an Geist und Gliedern gelähmt dagesessen und mit irrem Blick ins Leere gestarrt hatte, von ihrem Stuhl am Fenster hoch— allein, ohne Hilfe, was sie schon seit Jahren nicht mehr gekonnt. „Jörg... du... du trägst die Schuld,“ rief sie, und ihr gelbes verdorrtes Gesicht nahm einen drohenden, fast rachgierigen Ausdruck an;„du hast nicht acht gegeben auf unser Kind.. ich hab's immer gewußt— und nun... geh! Such unsern Sohn, daß er nicht ganz in die Hände der Schlechten und Gottlosen fällt! Komm“... Sie wankte auf ihn zu und faßte seinen Arm—„komm, ich gehe mit dir... laß den Wagen anspannen zur Bahn... In Berlin... in Berlin werden wir ihn finden... Dahin hat's ihn immer gezogen... Ich... ich.“ Sie verstummte. An dem Größer= und Größerwerden ihrer Pupillen, an den Verzerrungen ihrer schmalen, blutleeren Lippen, am Zucken ihrer Hände, die klein wie Mädchenhände waren, hatte der Doktorbauer schon erkannt, was kommen würde. Und als sein Weib, das ihm ohne Schuld sein Leben verdorben, in sich selbst zusammensank, stand er rechtzeitig bereit, ihren gebrechlichen Körper aufzufangen und vor einem harten Fall auf den Boden zu behüten. Wie er's schon so oft getan in all den endlos langen Jahren seines Ehemartyriums, trug er sie auch jetzt gleich einem hilflosen Kinde zum Sofa hin, sah aber schon, ebe er sie darauf niedergleiten ließ, daß er eine Tote in den Armen hielt. Und er war nicht erschüttert, ja kaum überrascht. Denn er hatte gewußt, daß der Tod über ihrem Haupte hing wie die Lawine im Frühjahr über dem Haupte des Aelplers. Ein hohler Windstoß pfeift durch die Luft, ein einziger, der weiße Tod löst sich und begräbt den, der ihm da unten im Tal täglich in sein großes unheimliches Auge sah und doch nicht gefaßt auf ihn war.——— Auch zu Elsbeth drang die Kunde von ihres Bräutigams stillem und spurlosem Verschwinden, noch ehe es Abend wurde. Denn was trügen wohl der Nachbarn geschwätzige Zungen lieber von Haus zu Haus als den ewig willkommenen Anlaß zu hämischer Schadenfreude? Erst mochte die, die noch gestern so voll Glück und freudiger Zukunftshoffnung gewesen war, den„Klatsch“ nicht glauben. Und als kein Zweifel mehr in ihr aufkommen konnte, daß das, was ihr da aus allen Augen und von allen Lippen mit schlecht verstecktem Hohn oder gutgespieltem Mitleid entgegensprang, kalte, barte Wahrheit war, da fühlte sie sich sicher, spätestens am nächsten Morgen einen Brief von Fritz zu erhalten, der alles in befriedigender Weise erklären und lösen würde. Und wenn sie sich auch vielleicht doch nicht sicher fühlte, so suchte sie sich das Gefühl dieser Sicherheit doch wenigstens einzureden. Aber der nächste Tag verging und noch einer und noch einer und keiner brachte die ersehnte Nachricht. Da lief sie erst stundenlang in Haus und Hof und Garten umher, als wenn sie keine Ruhe und keinen Halt mehr finden könnte im Leben; und als Mutter und Bruder ihr gut und freundlich zureden wollten, schrie sie es ihnen wie im Wahnsinn ins Gesicht, daß sie durch den nun flüchtig Gewordenen in Schande gefallen war. 9. Kapitel. Am Ohr des Doktorbauern, der in sich selber Schwereres zu tragen, mit Schwererem fertig zu werden hatte als mit dem Tod seiner, von ihres Leidens Uebermaß erlösten Lebensgefährtin, schob die Predigt, die Pastor Reimer, sein alter Gegner, Augen rollend über das offene Grab hindonnern ließ, vorbei, wie das Brausen des Sturmes vorbeischallt am Ohr des unstäten, von Gewissensnöten durch die Welt getriebenen Wanderers: er hört es kaum vor dem Sturm, der in seiner Brust eine viel wildere Melodie spielt. Die Rodenauer Bauern aber, denen noch der Rausch ihres Jubelfestes in allen Gliedern lag, Großbetrieb, das Warenhaus, die Ramschläden und Wanderläger werden gepriesen. Also erstens ein skrupelloses Herunterreißen des ehrlichen Gewerbes, als Grabgesang den bissigen Sohn und bei den Wahlen maßlosen Terrorismus,— das alles bietet die Sozialdemokratie dem Handwerk! Damals schrieb die„Volksstimme“, das Publikum sei„Prügel wert“, wenn es höhere als Wanderlägerpreise zahle.— Ihr Handwerker, jetzt seid Ihr Prügel wert, wenn Ihr am 25. und 26. November nicht Euere Pflicht tut! Und dann noch ein Wort an die sogenannten„Neutralen“ in den Fabriken und Werkstätten, die es mit keinem verderben wollen und glauben den Schlauen zu spielen, indem sie nicht wählen. Nun, ihnen sagen wir es offen ins Gesicht: Der ehrliche, entschlossene Gegner ist uns zehnmal lieber, als solche Wackelgestalt! Solcher Standpunkt ist faul und feige, laff und lahm bis auf die Knochen! * * Aus der Magistratssitzung. Das städtische Besitztum im Elend soll an Hüttebräucker zum Preise von 350 Mark verpachtet werden.— Die Geschäftsräume der Polizeiverwaltung sollen um einen Raum vermehrt werden.— Die geplante Fürsorgestelle für Lungenkranke wird vom Roten Kreuz=Verein übernommen. Die erforderlichen Zuschüsse der Stadt werden bewilligt(Zuschüsse des Kreises Altena sind sichergestellt).— Das Stadtwappen von Lüdenscheid soll nach einem inzwischen vorgefundenen Siegelabdruck aus dem Jahre 1378 rekonstruiert werden. Die entsprechende Zeichnung des Provinzial=Konservators wird vorgelegt.— Die Fluchtlinien für die Schützenstraße und Sauerfelderstraße werden festgesetzt. * Stadttheater.„Der Rastelbinder“, die melodienreiche Operette von Franz Lehar wird heute, Dienstag, den 22. Nov., unter Mitwirkung des städt. Orchesters zum zweiten Male aufgeführt. Mittwoch, den 23. Nov. geht das mit Recht so beliebte Schauspiel„Alt=Seidelberg“ in Szene. Als erste Volksvorstellung zu halben Preisen(Sperrsitz 1 m. Saal 50 Pfg.) wird das Trauerspiel„Kabale und Liebe“ von Friedrich von Schiller aufgeführt. * Verein der Hundefreunde. Einem vielseitigen Wunsch entsprechend, fand am gestrigen Abend im Kaiserhof unter zahlreicher Beteiligung eine Besprechung über die Gründung eines „Vereins der Hundefreunde für Lüdenscheid und Umgegend“ statt. Der sich bildende Verein beabsichtigt die reinrassige Aufzucht und pos. Förderung aller Hunderassen. Eine weitere Versammlung zwecks Besprechung findet laut Inserat am 29. November, 8½ Uhr, im Kaiserhof statt, wozu Interessenten freundlichst eingeladen werden. * Von der Freiwilligen Feuerwehr. Am Sonntag tagte hier im Lokale des Herrn Gustav Speckenbach der Verbandsausschuß der freiwilligen Feuerwehren des Kreises Altena. Anwesend waren die Herren: Hermens=Plettenberg. Schulte=Lüdenscheid, Vormann=Einsahl, Kappel=Kierspe. Becker=Ehringhausen, Isenburg=Altena. als Gast Herr Kaiser=Lüdenscheid. Entschuldigt fehlte Herr Loh=Valbert. Zunächst wurde die Unfallversicherung der Wehrleute verhandelt. Nach reiflicher Besprechung wurde beschlossen, den Wehren des Verbandes zu empfehlen, die Versicherung ihrer Wehrleute bei dem Allgemeinen Deutschen Versicherungsverein A.=G. in Stuttgart abzuschließen. Jeder Wehr soll eine besondere Mitteilung der Bedingungen usw. zugesandt werden. Da für 1911 sich keine Wehr gemeldet hatte, die das Verbandsfest übernehmen will, wurde beschlossen, nochmals eine Rundfrage bei den einzelnen Wehren vorzunehmen. Sollte auch dann keine Wehr zur Uebernahme bereit sein, findet der Verbandstag in Lüdenscheid statt. Als Vorsitzender(Kreisbrandmeister) wurde Herr Oberbrandmeister Stadtsekretär Hermens=Plettenberg und als dessen Stellvertreter Herr Brandmeister Amtssekretär Kappel=Kierspe gewähl. Aus der Mitte der Versammlung wurde zur Kenntnis gebracht. wird den Verbandstag demnächst beschäftigen. Das kommunale Elektrizitätswerk Mark Hagen soll ersucht werden, auf dem nächsten Verbandstage einen Vortrag halten zu lassen über das Verhalten der Wehren bei Bränden in Gebäuden, zu welchen Starkstromanlagen führen. Neu aufgenommen in den Verband wurde die Wehr Himmelmert bei Plettenberg. Der Verband zählt zurzeit 42 Wehren. Gut Schlauch! *Starker Schneefall. Den Morgenblättern zufolge herrscht im ganzen Riesengebirge starker Schneefall. Der Schnee liegt stellenweise über 1 Meter hoch. Schneefälle werden besonders auch aus dem Wuppertale und dem bergischen Lande gemeldet. * Gedenket der hungernden Vögel! Mit dieser Bitte tritt alljährlich der hiesige Vogelschutz= und Kanarienzuchtverein „Kanaria“ an alle gleichgesinnte Menschen mit dem Hinweis, daß Futter unentgeltlich durch den Ehrenvorsitzenden des Vereins, Herrn Sattlermeister Schlieck, Börsenstraße, abgegeben wird. Gleichzeitig sei bemerkt, daß Futter an Kinder ohne Bescheinigung der Eltern nicht verabreicht wird, da die Erfahrung gelehrt, daß selbiges nicht zu dem hergegebnen Zwecke verwandt worden ist. * Postscheckverkehr. Die in dem Postscheck= und Ueberweisungsverkehr seit seiner Einführung im Januar 1909 getroffenen Neuerungen sind zum größten Teil in der Postscheckordnung noch nicht enthalten und deshalb dem Publikum noch recht unbekannt. Im Interesse der Kontoinhaber und solcher Personen, die Kontoinhaber werden wollen, seien die wesentlichsten Neuerungen an dieser Stelle kurz erwähnt. Die zugelassene Ueberweisung eingezogener Postauftragsund Nachnahmegebühren durch Zahlkarte bedeutet für den Absender eine ganz außerordentliche Verbilligung gegenüber der bisherigen Abwicklung durch Postanweisung. Während für die Abwicklung eines Nachnahmebetrags über 500 Mark mittels Postanweisung 50 Pfg. in Abzug gebracht wurden, wird bei der Ueberweisung mittels Zahlkarte der ganze eingezogene Betrag dem Konto des Absenders zugeführt. Die Gutschrift einer Zahlkarte über 500 Mark auf Postscheckkonto kostet nur 5 Pfg. und bei mehr als 600 Buchungen im Kalenderjahre 12 Pfg. Der Absender spart also bei einer einzigen Nachnahmesendung über 500 Mark mindestens 38 Pfg. Beträge bis 5 Mark läßt man sich jedoch zweckmäßig durch Postanweisung auf Postscheckkonto überweisen. Die Gutschrift von Postanweisungen auf Postscheckkonto erfolgt vollständig gebührenfrei. Zur bequemeren Einziehung von Beträgen im Wege der Nachnahme werden von den Postscheckämtern neuerdings Nachnahmekarten und Nachnahmepaketadressen mit anhängender Zahlkarte zum Preise von 5 Pfg. für 10 Stück vertriebn. Ziemlich neu ist auch die Ueberweisung von Reichsbank=Girokonto auf Postscheckkonto durch Inanspruchnahme des Postscheckkontos der Reichsbank. Solche Ueberweisungen sind zu beantragen durch folgenden auf den roten Reichsbankscheck zu setzenden Vermerk:„Die Reichsbank wolle meinem Postscheckkonto Nr... in... gutschreiben... Mark und dafür belasten mein Reichsbankairokonto“ Eine solche Uebertragung kostet den Empfänger keinen Pfennig. Die Ueberweisung von Postscheckkonto auch Reichsbank=Girokonto ist durch Scheck= oder rotes Ueberweisungsformular zu beantragen. Bei der Ueberweisung durch Barzahlungsscheck wird vom Postscheckamte die Rückzehlungsgebühr erhoben. Für die Uebertragung auf das Postscheckkonto der Reichsbank erhebt das Postscheckamt ohne Rücksicht auf den Betrag nur eine Gebühr von 3 Pfa. Dagegen bringt die Reichsbank bei dieser Art der Ueberweisung 1 Zehntel vom Tausend des zu überweisenden Betrags, mindestens jedoch 30 Pfg. in Abzug. Der Postairoverkehr mit Belgien, Oesterreich=Ungarn und der Schweiz fällt durch seine außerodentlich billigen Gebühren auf. Während eine Postanweisung über 400 Mark nach jedem der drei Länder eine Gebühr von 2 Mark kostet, entsteht dem Kontoinhaber für eine Ueberweisung von 400 Mark nach jedem der drei Länder nur eine Gebühr von 20 Pfg. Sehr erwünscht wird vielen Kontoinhabern die Einrichtung sein, daß ihnen das Postscheckamt auf Wunsch über die durch Postscheck daß in verschiedenen Fällen die Polizeiorgane bei Bränden den konto angewiesenen Zahlungen Einlieferungsbescheinigungen Brandmeistern hindernd entgegen getreten seien. Es sollen erteilt. Dieses Verfahren ist besonders wichtig für Anstalten Ermittelungen angestellt, auch eine persönliche Rücksprache mit Behörden und Kassen, die jede Ausgabe durch eine Bescheinidem Herrn Landrat herbeigeführt werden. Die Angelegenheit gung belegen müssen. Eine große Annehmlichkeit bedeuter es für die Kontoinhaber, daß die von ihnen an Postkassen zu zahlenden Franko=, Zoll=, Fernsprech= und. Schließfachgebühren und gechundeten Porto= und Telegrammgebühren auf einmaligen Antrag an den Fälligkeitsterminen fortlaufend von ihren Konten abgeschrieben werden. Ja, in einigen Städten werden sogar die Steuern auf Wunsch der Kontoinhaber auf diese Weise von ihnen eingezogen. * Märchen=Aufführung in der Schützenhalle. Von der Verfasserin der Märchenspiele geht uns das nachstehende Gedicht zu. Wir können uns nach Einsichtnahme in das Textbuch ihrer Aufforderung zum Besuch der Aufführungen nur anschließen und tun das um so lieber, als es sich um einen guten Zweck handelt, zu dessen Erreichung viele ihre Kraft und Zeit in uneigennütziger Weise geopfert haben. Winter=Märchen. Der Wind fegt durch die kahlen Bäume Und Eis und Schnee bedeckt die Flur. Es spinnen holde Weihnachtsträume Mit uns die Kinder der Natur. Der Tannenbaum im stillen Walde Macht sich zum Feste bald bereit, Die Flocken kleiden Busch und Halde Nun in ein festlich Winterkleid. Und wenn der Abend sinkt hernieder, Da kommt die Kinderschar in's Haus. Sie recken ihre jungen Glieder: „Großmutter, war das schön da drauß'! Und jetzt, da wir uns müd' gerodelt, Wir sitzen gern am warmen Herd, Wenn's Wasser auf dem Feuer brodelt, Gebrat'ne Aepfel man verzehrt, Großmutter jetzt, ach bitte, bitte, Erzähle uns die Märchen heut'. Wir hör'n lo gern von alter Sitte, Von Wundern aus der Märchenzeit!“ Großmutter läßt sich leicht bereden, Erzählt von schönem Wunderland, Von Rittern und von alten Fehden, Vom Prinz, der schön Dornröschen fand. Die Kinder seh'n im Geiste schweben Der Engel Schar im Wolkenheer, Und Wassernixen lockend heben Die schlanken Glieder aus dem Meer. Die Kinder sitzen stumm und lauschen, Bis ihre Aeuglein fallen zu. Durch das Gemach geht's wie ein Rauschen, „Nun Kinder ist es Zeit zur Ruh.“ Ich hörte kürzlich jemand sagen: „Die Märchen sind für Kinder nur!“ Das möchte ich denn doch mal fragen? I wo, bewahre! keine Spur. Für Märchen kann sich wohl entzücken Ein jeder gute, deutsche Christ, Und Märchenlieder wohl beglücken, Den Sänger, der für Schönes ist. Drum Alt und Jung, laßt Euch beweisen, Und kommt zur Schützenhalle hin, Ihr werdet dann die Märchen preisen Und ändern wird sich Euer Sinn. Eugenie Gräfin Haslingen. Neuelte Dachrichten und Telegramme. Selbstmordversuch im Gerichtssaal. Berlin, 22. Nov. Der 48jährige Häusermakler Heinrich Kiepe verübte gestern im Kriminalgericht, als er nach Verurteilung zu einer 2½jährigen Zuchthausstrafe wegen Betruges abgeführt werden sollte, einen Selbstmordversuch, indem er sich die Kehle durchschnitt. Eine unmittelbare Lebensgefahr besteht bei ihm nicht. In seinen Taschen fand man einen geladenen Revolver. fühlten sich durch und durch gerüttelt und erkannten wieder einmal die reinigende und wohltuende Wirkung, mit der ihres Seelsorgers Blitz= und Donnerreden in ihrer Sünden Schwüle fuhren— was sie indessen nicht abhielt, alter Gewohnheit zufolge gleich vom Kirchhof aus um die Ecke zur„Krone“ einzubiegen und dort der Verstorbenen noch ein ausgiebiges Trankopfer zu weihen—„ihr Fell zu versaufen", wie sie's mehr drastisch als zartsinnig nannten. Der Doktorbauer aber ging Seite an Seite mit seiner Schwägerin und seinem Neffen— Elsbeth traute sich in ihrem Gram und ihrer Scham nicht mehr vor die Leute— still durch die stille Dorfstraße, über die noch die letzten Glockenklänge vom Kirchturm hinzitterten. Und je näher der hagere Mann seinem stillgewordenen Hause kam, desto langsamer wurden seine Schritte; denn ihm graute vor der Oede, die ihn daheim aus allen Ecken anstarren, an ihn, den Einsamen, herankriechen und über ihn herfallen würde wie ein drohendes Gespenst. Nicht als ob er der, die nun endlich in kühler Erde den Schlaf ewigen Friedens schlief noch eine Spur von Liebe entgegengebracht, blutenden Herzens um sie getrauert hätte! Nein, er war nicht der Mann, sich etwas vorzumachen, er wußte: es war nur der natürliche Lauf der Dinge gewesen, daß mit dem Hinsterben der Schönheit, Gesundheit und Kraft seiner Frau zugleich auch seine Neigung für sie hatte hinsterben müssen. War es doch keine starke Leidenschaft gewesen, um deretwillen er sie als blutjunger Kandidat zu seinem Weibe gemacht hatte, sondern nur die schlichte, selbstverständliche Einlösung eines Wortes, das er als leicht entzündlicher Student einer sympathischen Siebzehnjährigen gegeben. Darum gegeben, weil er in ihrem Elternhause fast wie ein Sohn aufgenommen worden war, und weil ihm eine sinnenstarke, gleichsam auf beiden Händen entgegengebrachte Liebe sein dankbares Herz betört hatte. — Warum fürchtete der Doktorbauer sich vor der Oede seines Hauses, aus dem doch der Anstoß zu immerwährender Mitleidsqual, aus dem seiner Erdentage Druck und Last hinweggenommen war? Warum rang sich ein schwerer Seufzer aus seiner Brust, als er nun auf der Straße, mitten zwischen seinem eigenen und seines Neffen Gehöft, zögernd stehen blieb? „Willst du nicht mit zu uns herüberkommen, Jörg?“ fragte Frau Marie, deren blonde, reif blühende Schönheit durch das Schwarz ihrer Trauerkleidung gleichsam unterstrichen wurde, und sah ihren Schwager mit einem zärtlichen Blick ihrer jungen, warmen Augen an. Und auch Gottfried, obgleich er mit seinen Gedanken nicht recht bei der Sache war, sprach, wie selbstverständlich, ein paar einladende Worte. Der Doktorbauer aber schüttelte den Kopf. eüeicht komm ich abends noch auf einen Sprung herüber.“ Den Hut lüftend, wandte er sich seiner Tür zu, ohne den beiden die Hand gegeben zu haben. on der Einsamkeit und Stille seines Zimmers stand er eine Weile regungslos auf einem Fleck und starrte, wie unfähig, in sein Denken und Empfinden Klarheit zu bringen, mit verschleiertem Blick ins Leere. Wie war denn das nun mit ihm, wie stand denn seine Rechnung jetzt?... Die, die da nebenan, hinter der braunen Türe, noch vor einer Stunde aufgebahrt gelegen, hatte ihm sein Leben zerbrochen und vernichtet— wenn auch nicht durch eigene so doch durch Schicksals Schuld!... Nein, nein! Nicht das Schicksal anklagen!... Zerbrochen und vernichtet hast du dir dein Leben selber— da hilft kein Deuteln und Drehen, weil du der dunklen Macht über dir vorgriffest in einer Stunde, in der du dein heißes Blut nicht zügeln konntest, in der du Der Doktorbauer dachte den Gedanken nicht zu Ende, schüttelte sich, wie in Abscheu vor sich selbst. Langsam ging er zu der braunen Tür, die ins Nebenzimmer führte, faßte die Klinke, ließ sie wieder los. Fürchtest du dich vor der Leere da drinnen? Fehlt sie dir, die schwere Last, die du so lange tragen mußtest? Fehlt sie dir, weil du deines Weibes Krankheit in den letzten sechs Jahren als eine verdiente Last empfandest, weil deines Weibes Eifersucht dich mit berechtigten Vorwürfen und Verdächtigungen quälte, weil dein Weib mit seinen anklagenden Augen wie dine Person gewordenes Gewissen neben dir stand Tag für Tag, und Stunde um Stunde? Hast du dir's nicht wieder und wieder eingeredet, daß du auch in Rücksicht auf ihre Gebrechlichkeit, deren Halt und letzte Stütze du warst, schweigen mußtest, schweigen durftest, daß du in geduldiger Pflichterfüllung und aufopfernder Hingabe täglich und stündlich Abschlagszahlungen leisten konntest gegen Gott, an dessen Gesetzen du schuldig geworden warst? Ist dir's nicht, als streckte nun der Richter und Rächer aller Erdenschuld gebieterisch die Hand gegen dich aus: Es ist genug der Abschlagszahlungen; darum nahm ich dein Weib von dir. Gehe hin und bezahle deine Rechnung auf einem Brett! Der Mann preßte die Stirn gegen den Türrahmen und sann zurück. Blitzhaft hell und blitzhaft schnell zog seiner Vergangenheit Leid und Not noch einmal an seinem geistigen Auge vorüber. Schon vor einem Dutzend Jahre, als er sein Amt niedergelegt hatte und in seine Heimat zurückgekehrt war, im Schweiße seines Angesichts seine Scholle zu bebauen, war seine Frau unheilbarem Siechtum verfallen gewesen. Aber das Mitleid, das er für sie empfunden, hatte ihn, den in des Lebens Vollkraft Stehenden, nicht zufrieden und satt gemacht; seine durstigen Sinne, sein starkes, gesundes Blut waren nicht müde geworden in aller Arbeit, die er sich aufgepackt; und als seine Augen seines alternden Bruders junges Weib gesehen, war er jählings in heißer Liebe zu ihr entbrannt. Das war keine Sünde und Schuld;— nein, darin konnte er auch heute noch keine Sünde und Schuld sehen. Denn wie das Schicksal Armut und Reichtum, Glück und Unglück wahllos auf den Lebensweg der Menschen wirft, so wirft es auch einmal den Segen oder Fluch einer großen unbezwinglichen Leidenschaft darauf nieder. Hatte er sich etwa schwächlich dem Trieb seines Blutes hingegeben, hatte er nicht ehrlich dagegen angekämpft? Hatte er je oder je die schweren Pflichten gegen seine kranke, abstoßender Häßlichkeit verfallene Gefährtin vernachlässigt, die gesunde, kraftstrotzende in Schönheit prangende Gefährtin seines Bruders mit sündigen Wünschen begehrt? War es nicht vor allem... nein, wohl ganz allein auf den Einfluß seines fortwährenden Begütigens und Versöhnens zurückzuführen, daß die Ehe dieser beiden gegensätzlichen, im dauernden Widerstreit ihrer Naturen liegenden Menschen Bestand gehabt hatte bis zuletzt? War seine Liebe, deren er nicht Herr und Meister hatte werden können, vielleicht auch nicht hatte werden wollen— denn welcher Mensch will ohne Stillung seines heißesten Sehnens durchs Leben gehen?— je etwas anderes für ihn gewesen als eine Quelle des Leidens? Die kurze Hoffnung, die ihn nach des Bruders plötzlichem Tode wie ein Rausch übermannt hatte: vielleicht wird sie doch noch die deine! zählte ja nicht. Denn mit zusammengebissenen Zähnen hatte er sie immer wieder niedergerungen, kaum daß sie ihre betörende Stimme erhob. Du darfst sie nicht aufkommen lassen, diese Hoffnung, die die Hoffnung auf deines Weibes Tod in sich schließt. Du darfst sie nicht aufkommen lassen! Und hatte er nicht den Kelch der Schmerzen austrinken müssen bis auf den bittersten Bodensatz, als die über die Maßen Geliebte, kaum, daß sie von drückenden Banden frei geworden war, sich einem anderen, einem Unwürdigen, zuwandte? Gewiß, auch für sich, für seine Wünsche und für seinen Frieden hatte er gestritten, als er Frau Maries Ehe mit Strohschein zu hintertreiben versuchte. Aber vor allem hatte er doch um ihr Glück gekämpft, weil er geahnt, nein: gewußt hatte, daß sie an der Seite dieses wertlosen Blenders einer kummervollen Zukunft entgegenging. Und all sein Warnen, Mihen und Kämpfen war umsonst gewesen; und alles war gekommen, wie es kommen mußte. Je mehr Strohschein aber gesunken war, je mehr Frau Maries flüchtiger Sinnenrausch— denn nichts anderes konnte sie zu dem Haltlosen hingezogen haben— sich in Abscheu verwandelt, und je mehr sie in sich selbst gewachsen war, desto wärmer war der Händedruck geworden, mit dem sie ihn, den Schwager, empfing, wenn er kam, ihr in geschäftlichen Angelegenheiten mit Rat und Tat beizustehen oder sie gar vor den Brutalitäten ihres Peinigers zu schützen. Und ab und an war's ihm wohl gar gewesen, als bräche aus ihren Augen ein Strahl inniger Zärtlichkeit, der mehr verriet, als ein Gefühl des DanUnd nun stand der unselige Tag, jener länger als sechs Jahre zurückliegende Pfingsttag, so hell und klar vor seiner Erinnerung, als wäre er gestern gewesen. Ein Frühlingstag, an dem die ganze Welt in Blüte stand. Ein Frühlingstag, an dem aller Herzen höher schlugen, an dem auch sein Herz sich heißer und ungestümer denn je sehnte, den schweren Druck, der auf ihm lastete, einmal, einmal— und wär's auch nur auf eine kurze Stunde— abzuschütteln, all seinen Kummer und all seine Not zu vergessen. Durch die von goldenem Mittagssonnenglanz überflutete Dorfstraße, unter den hellgrünen Linden dahin, marschierte mit schmetterndem Trompetenklang der Kriegerverein. Wie alle Gesichter strahlten, zu welch einem lieblichen lebenden Bilde die jungen Mädchen, die vorn im Zuge gingen, sich zusammengeschlossen in ihren blütenweißen Kleidern mit den himmelblauen Vergißmeinnachtkränzen im Haar. Frühling! Jahresfrühling! Lebensfrühling! Wie das ganze Dorf erfüllt war von Lenzesfreude und Festesjubel, so daß es lachend und jauchzend widerhallte von einem Ende bis zum andern! Nur sein Haus allein freudenleer und armselig arm, nur in seinem Hause kein anderer Ton als das qualvolle Stöhnen, das zornige oder eifersüchtige Keifen einer mit sich und aller Welt zerfallenen siechen Frau! Herrgott, nahm der Jammer denn nie ein Ende?.. (Fortsetzung folgt.) Amtl. Kreisblatt für den Stadtkreis Lüdenscheid. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Preis vierteljährlich durch die Boten und Agenturen dezogen MIIk. 1.50, durch die Post frei ins baus IIIk. 1.92. Redaktion und Expedition: Friedrichstrasse 9 I. Druck und Verlag von Tilgenkamp& Ruhl(Inhaber Carl Salse). Lüdenscheid. Nr. 273. Zweites Blatt. Dienstag, den 22. November 1910. Amtlicher Anzeiger für den Rreis Altena. Anzeigen werden bis morgens 10 Uhr erbeten. Die einspaltige Zeile oder === deren Raum koftet 15 Pfg., Reklamen die Zeile 30 Pfg. —(Jede Rabattbewilligung wird hinfällig bei zwangsweiser Beitreibung der Gebühren.)— Fernsprecher: 98. Telegramm-Adresse: Zeitung. Verantwortlicher Redakteur: Rudolf Behmer, Lüdenschrid 48. Der Prozeß gegen die„Volksstimme“. (Schluß.) Zeuge Schmöle wird nach Vereidigung vernommen. Er soll Auskunft darüber geben, welchen Zweck der Nachweis hatte, wie er gehandhabt werden sollte und wie er tatsächlich gehandhabt wird. Schmöle: Als mir die Stelle angetragen wurde, wurde mir gesagt, der Nachweis habe den Zweck, den Kontraktbruch zu unterbinden. Die Handhabung geschieht so, daß ich ein Verzeichnis der offenen Stellen vor dem Zimmer des Nachweises aufgehängt habe. Dieser Aushang wird fast ausschließlich benutzt. Die Leute gehen dann mit Entlassungsscheinen in die neue Stellung. Der eigentliche Nachweis wird fast gar nicht benutzt. Deshalb kann auch gar keine Liste geführt werden. Die Namen derer, die den Nachweis benutzt haben, schreibe ich mir natürlich auf. R.=A. Heine: Es muß doch aber eine Kontrolle dessen, ob der Arbeiter, der eine andere Stelle annimmt, einen ordnungsmäßigen Entlassungsschein hat, stattfinden. Haben schon Arbeiter die Stelle ohne einen solchen gewechselt. Schmöle: Schon häufig. Wenn ich die Nachricht bekomme, daß ein Arbeiter unter Kontraktbruch bei einer anderen Firma Arbeit angenommen hat, so trete ich mit beiden Firmen, der alten und der neuen, in Verbindung. Ich erkundige mich, inwiefern Kontraktbruch vorliegt und prüfe, ob er vorliegt. Ist das der Fall, so sage ich der neuen Firma Bescheid: Der Mann muß sich erst mit seinem früheren Arbeitgeber einigen. R.=A. Heine: Wa. verstehen Sie unter Kontraktbruch? Schmöle: Wenn ein Arbeiter von der Arbeit ohne Kündigung wegläuft, oder wenn er eine neue Stelle annimmt und sie nicht antritt. Ich habe aber schon öfter eine Einigung herbeigeführt. Als Kontraktbruch betrachte ich nur Aufhören ohne Kündigung und Nichtantreten einer angenommenen Stelle. Wenn ein Arbeiter auf der Stelle entlassen wird wegen ungebührlichen Verhaltens, so ist das nach meiner Ansicht nicht Kontraktbruch. R.-A. Heine: Wie steht es aber mit dem Zirkular des Arbeitgebervereins Nr. 8, in dem die Erwartung ausgesprochen wird, daß ausgesperrte Werftarbeiter nicht eingestellt werden? Das trägt doc Ihre Unterschrift? Schmöle: Ich habe meinen Namen dazu hergegeben. Vorsitzender: Dies Zirkular hat aber mit der vorliegenden Sache nichts zu tun. R.=A. Heine: Waren schon mehr solche Zirsulare versandt worden in der Sache der Aussperrung? Schmöle: Soviel ich weiß nicht. R.=A. Heine: Würden Sie die Ausgesperrten als Kontraktbrüchige behandelt und ihnen Nachweisscheine vorenthalten haben? Schmöle: In meinen Augen wären sie nicht kontraktbrüchig gewesen und ich hätte ihnen Nachweisscheine ausgestellt. Hätte man es anders von mir verlangt, dann würde ich nicht * Geschäftsführer des Arbeitsnachweises geblieben sein. R.=A. Pels Leusden: Die Handhabung des Zeugen ist ausdrücklich gebilligt worden. R.=A. Heine: Haben Sie eine schwarze Liste in dem Fall Conze verschickt. Schmöle: Nein. R.=A. Heine: Wissen Sie etwas von einem Rundschreiben mit den Namen der bei Conze Ausgesperrten? Schmöle: Ich habe davon gehört und mir eine Liste der Ausgesperrten verschafft. Hätten die Leute aber von mir einen Nachweisschein verlangt, sie hätten ihn bekommen. R.=A. Pels Leusden: Der Arbeitgeberverein hat es ausdrücklich abgelehnt, sich mit der Sache Conze überhaupt zu befassen. Schmöle: Ja, habe die Geschäftsführung des Nachweises nur übernommen unter der Garantie, daß die Interessen der Arbeiter nicht geschädigt würden. R.=A. Pels Leusden: Der Zeuge hat, wie festgestellt ist, mehrfach und mit Erfolg den Versuch gemacht, auszugleichen und zu mildern. R.=A. Heine: Welches war der Zweck des§ 7? Schmöle: Der Paragraph dient lediglich zur Erleichterung der Geschäftsführung. Ich muß doch immer über die Vorgänge orientiert sein. Der Paragraph dient auch zur Kontrolle, ob die Arbeitgeber nicht gegen die Geschäftsordnung handeln, ob die Leute, die bei einer Firma eingestellt werden, auch ordnungsmäßig entlassen waren. Die Arbeitnehmer sind auch mit der Handhabung des Nachweises zufrieden. Der Aushang ist sehr bequem für sie. R.=A. Pels Leusden: Der§ 7 dient also zur Feststellung, ob ein Stellenwechsel ordnungsmäßig oder nicht ordnungsmäßig vor sich gegangen ist, ferner zur Kontrolle der Vereinsmitglieder. R.=A. Heine: Die ganze Sache könnte ja gar nicht klappen, ohne die Innehaltung des§ 7. Dieser soll doch wohl auch verhindern, daß Arbeiter unter der falschen Angabe, von auswärts zu kommen. Stellung erhalten. Der Paragraph richtet sich aber auch gegen die Arbeiter selbst, denn nach§ 11 muß doch der ohne Nachweis= oder Entlassungsschein eingestellte Arbeiter wieder entlassen werden. Vorsitzender: Der Beklagte hat dem§ 7 eine andere Auslegung gegeben. R.=A. Heine: Was wird nun aus den Nachweis= und Entlassungsscheinen? Schmöle: Die Scheine werden chronologisch geordnet und bei mir aufgehoben. R.=A. Heine: Sie bleiben also dauernd bei den Akten und können zur Kontrolle der Arbeiter dienen. R.=A. Pels Leusden: Darf der Schein andere Dinge enthalten, als die Angaben, die darauf verzeichnet sind? Schmöle: Nein, nach der Geschäftsordnung sowohl wie der Praris darf der Arbeitgeber nichts in den Entlassungsschein schreiben, was zur Kennzeichnung der Arbeiter dienen könnte. Der Zeuge Kanstein ist noch nicht erschienen und wird daher in eine Ordnungsstrafe von 3 Mark genommen. Zeuge Schmöle macht über den Fall folgende Angaben: Kanstein hat am 9. Juli bei der Firma Caspar Noell, am 11. Juli bei der Firma Kugel u. Fink Arbeit angenommen. Darüber erhielt ich von beiden Firmen Mitteilung. Er hat aber weder bei der einen noch bei der anderen die Stellung angetreten. Auf Erkundigungen der ersten Firma ist dann die Mitteilung gekommen, daß Kanstein nach Paderborn gegangen ist. Es wird nunmehr das gesamte Kontorpersonal der Firma Berg u. Nolte eidlich vernommen darüber, ob Herr E. Nolte einen Brief geschrieben hat, in dem es heißen soll, die Geschäftsordnung sei zwar abgeändert, solle aber nach dem ursprünglichen Entwurf gehandhabt werden. Die Vernehmung ergibt, daß einige Zeugen wohl einen Brief mit der Adresse eines Berliner Arbeitgebervereins gesehen haben, daß aber dessen Inhalt keinem der Zeugen bekannt ist. Zeuge Magistratssekretär Kamphaus soll als Sekretär des Gewerbegerichts aussagen, ob beim Gewerbegericht viel Klagen wegen Kontraktbruch anhängig gemacht werden, verweigert aber die Aussage, da er keine Erlaubnis seiner Behörde habe. Auf die Vernehmung des Zeugen wird verzichtet, nachdem von der Gegenseite zugegeben ist, daß solche Klagen nicht häufig vorkommen. Als Begründung dieser Erscheinung gibt R.=A. Pels Leusden an, daß solche Klagen doch fast immer zwecklos seien, weil bei den Kontraktbrüchigen nichts zu holen sei. R.=A. Heine: Das letztere ist doch sehr verwunderlich bei einer so wohlsituierten und hochgelohnten Arbeiterschaft wie hier in Lüdenscheid. Zeuge Schriftsetzer Hoffmann soll aussagen, ob er eine schwarze Liste gesetzt oder gedruckt habe mit Namen von Arbeitern, speziell mit den Namen der bei der Firma Conze ausgesperrten Arbeiter. Zeuge verneint beide Fragen. Zeuge Buchdruckereibesitzer Crone wird ebenfalls befragt, ob er schwarze Listen für den Arbeitgeberverein oder ein Zirkular der Firma Conze mit den Namen ausgesperrter Arbeiter gedruckt habe und verneint ebenfalls beide Fragen. Zeuge Budde wird nicht vereidigt auf Einspruch des Vertreters der Privatkläger, der geltend macht, der Zeuge sei zum mindesten interessiert, vielleicht auch der Mittäterschaft verdächtig. Der Zeuge soll bekunden, wie der Beklagte dazu gekommen ist, gegen den Arbeitsnachweis zu schreiben. Dazu äußert der Zeuge: Wir sahen in dem Arbeitsnachweis eine kolossale Gefahr für die Arbeiterschaft. In einer Rücksprache mit dem Redakteur Böttcher habe ich diesem gesagt, es müsse eingegriffen werden, und zwar in der„Volksstimme“, dem Publikationsorgan des Metallarbeiterverbandes. Vorsitzender: Ist der Metallarbeiterverband Vertreter der gesamten Arbeiterschaft? Zeuge: Nein, ich stehe aber auf dem Standpunkt, daß sich der Nachweis nicht nur gegen den Verband richtet, sondern gegen die gesamten Arbeiter. R.=A. Pels Leusden: Wieviel Mitglieder hatte damals der Metallarbeiterverband? Zeuge: Damals etwa 1000 Mitglieder. R.=A. Pels Leusden: Wir haben etwa 9= bis 10 000 Metallarbeiter hier. Vorsitzender: Haben Sie dem Beklagten Material zu den Artikeln geliefert? Budde: Selbstverständlich alles Material, das wir bekommen konnten. Vorsitzender: Haben Sie auch fertige Artikel geliefert? Budde: Das kann ich nicht genau sagen, neben anderem Material habe ich Böttcher auch mündlich Material übermittelt. Vorsitzender: Sie können nicht genau sagen, ob Sie selbst Artikel zu dem Arbeitsnachweis geschrieben haben? Budde: Es ist möglich, daß ich auch solche geschrieben habe; der Metallarbeiterverband fühlte sich besonders gefährdet. Vorsitzender: Also für diesen fürchteten Sie eine Gefahr? Was haben Sie nun Böttcher gesagt, als Sie ihm den Auftrag gaben? Budde: Er sollte einmal die Interessen des Metallarbeiterverbandes vertreten; dazu fühlte ich mich als Geschäftsführer des Metallarbeiter=Verbandes verzflichtet. Dann aber auch die der gesamten Metallarbeiter? Vorsitzender: Haben Sie bestimmt gesagt: Aller Metallarbeiter? Budde bleibt die bestimmte Antwort schuldig. Vorsitzender: War das, was Sie zu Böttcher gesagt haben, ein Auftrag oder ein Wunsch? Budde macht sehr unbestimmte Angaben. Vorsitzender: Was für Material haben Sie dem Beklagten nun übergeben? Budde: Das Material aus der Metallarbeiterzeitung, dann Material über Mannheim und Zeitungsartikel. Aus diesem Material hatte ich die Ueberzeugung gewonnen, daß die Arbeitgebernachweise dazu benutzt werden, besonders die organisierten Arbeiter zu schädigen, schwarze Listen und andere Praktiken zu ermöglichen. R.=A. Heine: Wissen Sie etwas von Aeußerungen der Fabrikanten Nolte über den Arbeitsnachweis? Budde: Fabrikant Nolte hat zu dem 1. Geschäftsführer des Verbandes gesagt, der Nachweis sei gegründet zur Bekämpfung von Boykotts und Streiks und auch zu der des Kontraktbruches. Außerdem soll er gesagt haben: Wenn ich mich nicht hätte in die Kommission für den Nachweis hätte wählen lassen, so wäre die Geschäftsordnung viel strenger ausgefallen. R.=A. Heine: Stand in den Papieren, die Sie bekommen haben auch, daß durch den Nachweis alte und kranke Arbeiter ausgeschaltet werden? Budde: In dem Material, das wir bekommen haben und das die„Volksstimme“ bekommen hat, war auch das gesagt. Böttcher: Wir haben Stöße von Material bekommen, authentischem Material, auch solchem, das von den christlichen Gewerkschaften zusammengestellt ist. R.=A. Pels Leusden: Wissen Sie etwas von dem Anstellungsvertrag des Angeklagten, durch den diesem das Gehalt nur bis zu dem nicht pfändbaren Betrag von 1500 Mark ausbezahlt wird, während den Rest von 1400 Mark seine Frau bekommt? Budde: Der Angeklagte ist gar nicht verheiratet. R.=A. Pels Leusden: Beabsichtigen die Gewerkschaften nicht selbst die Gründung eines einseitigen Nachweises? Budde: Davon weiß ich nichts; zurzeit haben wir noch keinen. R.-A. Pels Leusden: Wissen Sie, wie die„Volksstimme“ in den Besitz der Formulare und Rundschreiben gekommen? Budde: Nein. Das Gericht beschließt den Zeugen nicht zu vereidigen. Beim Zeugen Fischer, 1. Geschäftsführer des Metallarbeiterverbandes, wird auf Einspruch der klägerischen Seite die Vereidigung ausgesetzt. Zur Sache gibt er an: Böttcher hat in meinem Auftrage gehandelt und von mir Material bekommen. Der Nachweis bedeutete eine Gefahr für die Arbeiterschaft. Böttcher sollte als Redakteur unseres Organs in unserem(der Geschäftsleitung des Metallarbeiterverbandes) Auftrage die Sache der Arbeiterschaft fühen. Auf Zwischenfrage bekundet Fischer, daß der Auftrag sowohl von der Arbeiterschaft(wir fühlen uns berufen, die gesamte Arbeiterschaft zu vertreten), wie auch vom Verband erteilt sei. Die Mitglieder des letzteren seien besonders gefährdet gewesen. Er selbst habe, bekundet der Zeuge auf Befragen, nur kleinere Artikel geschrieben; ob diese in die Artikel verarbeitet seien, wisse er nicht. Darüber befragt, ob Zeuge wisse, wie die „Volksstimme“ in den Besitz der aus anderen Druckereien entwendeten Papiere des Arbeitsnachweises und des Arbeitgebervereins gekommen sei, antwortet er mit Nein. Darauf wird der Zeuge vereidigt. Zeuge Scholling bekundet, in einer Versammlung der Freisinnigen Volkspartei habe Herr Nolte die Versicherung abgegeben, daß durch die Geschäftsordnung des Nachweises die Arbeiter nicht geschädigt werden sollten. Er habe auch geäußert, er freue sich, daß er in die Kommission für den Nachweis gewählt sei, weil sonst die Geschäftsordnung noch viel strenger ausgefallen sein würde. R.=A. Pels Leusden erbietet sich, in dem Vorsitzenden der Freis. Fortschrittspartei, Herrn Cohen, einen Zeugen dafür zu stellen, daß Herr Nolte die letzte Aeußerung nicht oder nicht in diesem Sinne getan hat. Nun kommt der von der Verteidigung geladene Sachverständige Stadtrat Dr. Flesch aus Frankfurt a. M. zu Wort. Dieser führt aus: Aus eigener Wissenschaft kann ich über die Arbeitgebernachweise nichts sagen. Richtig ist, daß oft gegen diese Nachweise Vorwürfe erhoben werden, speziell der, daß sie benutzt würden, mißliebige Arbeiter zu kennzeichnen und zu entfernen. Aus Reden, die kürzlich auf der Tagung der Arbeitsnachweise in Breslau, an der ich teilgenommen habe, habe ich den Eindruck gewonnen, daß an den Vorwürfen etwas Wahres ist. So wurde gesagt: Bei einer Gerichtsverhandlung über die schwarze Liste des Mannheimer Arbeitsnachweises, von der gesagt wurde, sie enthielte 1300 Namen, soll dem Gericht nicht die richtige Liste vorgelegt worden sein, sondern eine andere, die nur wenig Namen enthielt. Dieser Behauptung ist nicht so energisch widersprochen worden, daß ich überzeugt worden wäre, daß da alles in Ordnung ist. Eins ist gewiß, daß, wer den Arbeitsnachweis in Händen hat, auch das Gewerbe beherrscht, vorausgesetzt, daß er als Machtmittel verwandt wird. Es läßt sich aber auch denken, daß auch ein einseitiger Arbeitgebernachweis nur im öffentlichen Interesse gebraucht wird, aber nur ein idealer. Ich habe immer auf dem Standpunkt gestanden, daß der paritätische Arbeitsnachweis den einseitigen Arbeitsnachweisen, die auch zu anderen Dingen als zur Uebersicht des Arbeitsmarktes gebraucht werden können, vorzuziehen ist. Technisch arbeiten die Arbeitgebernachweise häufig besser und einwandfrei. Daß sie aber von den Arbeitern ungünstig beurteilt werden, liegt auf der Hand. Auf die Handhabung kommt es an. Es wird eben vielfach nicht geglaubt, daß einseitige Arbeitsnachweise nicht für den Kampf gebraucht werden sollen. Deshalb sind wenigstens paritätische Beschwerdekommissionen einzusetzen. R.=A. Heine: Ist dem Herrn Sachverständigen bekannt, daß der Regierungsrat Dominicus in Breslau die Arbeitgeber nachweise als eine ständige Gefahr des Konfliktes bezeichnet hat? Sachverständiger: Gehört habe ich es nicht, aber er mag es wohl gesagt haben. Es wird eben vielfach behauptet, daß die Nachweise benutzt würden zur Ausscheidung mißliebiger Elemente. Den Paragraph 7 halte ich für unbedenklich. Ohne diesen wäre eine Uebersicht über die Lage des Arbeitsmarktes und eine Statistik nicht möglich. Wie er ausgelegt werden kann, haben wir ja gehört, aber daß es nötig ist ihn so auszulegen, ist mir nicht erwiesen. Die Abänderung des ersten Entwurfes zu dem zweiten bedeutet zweifellos eine Verbesserung. R.=A. Heine: An sich besteht aber die Möglichkeit, daß die Geschäftsordnung nach dem 2. Entwurf ebenso illoyal gehandhabt werden kann, wie nach dem ersten. Ein wesentlicher Unterschied ist da nicht zu sehen. Sachverst. Flesch: Das muß ich doch bestreiten. Ich verweise da auf den Paragraphen, in dem es von den Scheinen im ersten Entwurf heißt: Der Schein enthält Namen usw. In der wirklichen Geschäftsordnung heißt es dagegen: Der Schein darf nur Namen usw. Darin ist eine ganz bestimmte Willensmeinung ausgesprochen. ist doch nicht gleichgültig. Die Entlassungsscheine werden überhaupt nach meiner Meinung auf beiden Seiten überschätzt. Die Rechtsanwälte richten noch eine ganze Reihe von Fragen an den Sachverständigen, aus dessen Darlegungen immer wieder das eine hervorgeht, daß klare Beweise für Mißbrauch der Arbeitsnachweise nicht erbracht sind, daß immer nur einzelne Fälle bekannt geworden sind, die aber auch nicht erwiesen sind. R.=A. Heine läßt u. a. die Rede, die der Abgeordnete Naumann zum Arbeitsnachweis im Kohlenrevier gehalten hat, zur Verlesung bringen. R.=A. Pels Leusden: Ist es dem Herrn Sachverständigen bekannt, daß die Gewerkschaften sich selbst einverstanden erklärt haben mit Arbeitsnachweisen, die sich gegen Trunksüchtige und Kontraktbrüchige richteten? Der Konfliktstoff liegt eben nicht in der Sache sondern in der Agitation, die dann getrieben wird. Haben Sie, Herr Sachverständiger, den Eindruck, daß es hier in Lüdenscheid auf eine Knechtung und Entrechtung der Arbeiter abgesehen war. Sachverst. Flesch: Dafür habe ich nicht den geringsten Anhalt, auch nicht dafür, daß irgendwie versucht werden sollte, den Arbeitsnachweis zu mißbrauchen. Das ist der Eindruck, den mir die Verhandlungen gemacht haben. Zwischen dem Beklagten und seinem Rechtsbeistand einerseits und dem R.=A. Pels Leusden entspinnt sich eine Debatte über die Stellung der Gewerkschaften zum paritätischen Arbeitsnachweis. Der Beklagte und R.=A. Heine behaupten, die Gewerkschaften ständen seit dem Jahr 1898 auf dem Boden des paritätischen Arbeitsnachweises. R.=A. Pels Leusden verliest Sätze aus einem in einem Gewerkschaftsblatt erschienenen Artikel aus dem Jahre 1900, in dem auch heute noch der Arbeitsnachweis einseitig für die Gewerschaften gefordert wird. R.=A. Pels Leusden: Haben Sie nach diesen eingehenden Verhandlungen nicht den Eindruck, daß der Arbeitgebernachweis hier dieselben Aufgaben in derselben Weise zu erfüllen geeignet ist, wie ein paritätischer Nachweis? Sachverst. Flesch: Wenn er so gehandhabt wird, wie es die Geschäftsordnung vorschreibt, so kann es nach dem, was ich gehört habe, so sein. Immerhin könnte doch einmal eine Aenderung darin eintreten. Nach einer Pause von einer Viertelstunde beginnen die Plaidoyers; dabei hat der Vertreter der Privatkläger, Rechtsanwalt Pels Leusden, das erste Wort. Er führt etwa folgendes aus: Die Beleidigungen, deren Vorliegen wohl kaum bestritten werden kann, sind außerordentlich schwere. Sie sind sehr zahlreich. Wie gut das Einvernehmen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern früher war, welches Verständnis für ihre soziale Aufgabe die Unternehmer hier seit alter Zeit schon erwiesen haben, ist durch Zeugenaussagen festgestellt. Die Beleidigungen sind zunächst objektive und daß damit die Privatkläger betroffen werden sollten, ist ohne weiteres klar. Gegen solche Anwürfe schützt das Gesetz sogar eine Straßendirne. Der Angeklagte hat versucht, den Beweis der Wahrheit beizubringen; das ist ihm aber nicht gelungen. Der Beklagte behauptet, in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt zu haben. Wir können aber dem Beklagten in alle seine Schlupfwinkel folgen. Die Wahrung berechtigter Interessen begründet der Beklagte mit dem Auftrag der Sekretäre des Metallarbeiterverbandes. Es gehört ein ziemlicher Umweg dazu, um auf diese Weise zur Wahrung berechtigter Interessen zu kommen. Wie weit diese berechtigt sind, die gesamte Arbeiterschaft zu vertreten, darüber haben sie nichts genaues angeben können. Wenn von 9000 Arbeitern nur 900 dem Verbande angehörten, dann kann man von einem Recht der Vertretung der gesamten Arbeiterschaft nicht sprechen. Die ganze Geschichte mit dem Auftrag ist nur eine Finte desBeklagten. Wäre jeder berechtigt, der Presse einen derartigen Auftrag zu geben, falsche Behauptungen aufzustellen und Beleidigungen auszusprechen, dann hätten wir ganz unleidliche Zustände. Es ist überhaupt die Frage, ob sich nicht die Auftraggeber des Beklagten selbst mit strafbar gemacht haben. Keinesfalls kann man dem Auftrag der beiden Sekretäre eine strafrechtliche Bedeutung zumessen. Die weitere Frage ist die, ob die Interessen überhaupt berechtigt waren. Bestand die Gefahr der Knechtung und Entrechtung der Arbeiter? Bestand die Gefahr der Ausscheidung kranker und alter Arbeiter, die der Beklagte behauptet hat, eine Beleidigung, die noch weit über das hinausgeht, was mit Knechtung und Entrechtung gesagt ist? Diese Behauptungen gründen sich aber nicht einmal auf das Material, das dem Angeklagten durch eine strafbare Handlung zugänglich geworden ist, sondern auf angebliche Erfahrungen, die anderswo gemacht sein sollen. Sollte so etwas genügen, um so unerhört beleidigende Behauptungen aufzustellen? Die weitaus größte Zahl der Arbeitgebernachweise funktioniert gut. Welchen Anlaß hatte der Beklagte, hier in Lüdenscheid solche unglaubliche Gefahren anzunehmen? Bei den hiesigen günstigen Verhältnissen, die der Beklagte doch kannte, hatte er keine Veranlassung. Bei der Verschiedenheit der hiesigen Industrien fehlt jede Voraussetzung für die Behauptungen des Beklagten. Dazu sind die Interessen der Unternehmer hier viel zu verschiedenartig. Der Beklagte wußte sehr wohl, daß die Arbeitgeber hier mehr Arbeiter nötig haben, als sie bekommen können, und Angebot und In Liebe. Von Henny Berg. „Du bist wirklich ganz vorzüglich getroffen,— so ungezwungen in der Haltung,— so natürlich!— Weißt du, Else, — ich behalte das Bild lieber gleich!“ „Aber nein, Liny,— es ist ja erst das Probebild—“ „Tut nichts,— du bekommst ja bald die anderen nach,— bitte, bitte Else,— du weißt ja,— morgen fahre ich ab!“ „Nun, meinetwegen,— dann will ich dir aber wenigstens noch eine Widmung dazu schreiben.“ Die kleine, zierliche Blondine tritt an den Schreibtisch und mit raschen Federzügen wirft sie ein paar Worte auf die Rückseite des Bildes. Mit einem herzhaften Kuß dankt Frau Liny der Freundin und sieht sich dann suchend um. „Wo lasse ich nur das Bild,— damit ich es nicht nachher vergesse. Diese Kleider ohne Taschen sind geradezu ein Greuel.“ „Fritzchen,“ wendet sie sich dann nach einem Augenblicke überlegen an den kleinen Haussohn,—„steck doch dies Bild in Onkel Kurts Ueberziehertasche, er hängt draußen im Flur.“ Damit händigt sie dem Jungen das Bild ein und folgt der Freundin auf die Veranda. Sie haben sich noch so viel zusagen,— die beiden; denn Frau Liny ist seit zwei Jahren verheiratet,— weit im Westen, und morgen ist der Urlaub des Gatten zu Ende. Da heißt es wieder Abschied nehmen von der Heimat und Freundinnen. Sie gehen Arm in Arm in dem herbstlichen Garten auf und ab. Liny erzählt von ihrem jungen Glück und dem herzigen Buben— „Else,— nun sei kein Frosch,— verlob dich endlich,— an Gelegenheit dazu fehlt es dir doch wahrhaftig nicht. Warum machst du denn nicht endlich mit Doktor Haupt Schluß. Ich sag' dir, der ist zum Ehemann wie geschaffen,— ich habe jetzt schon Blick dafür. Er ist viel besser als dein Assessor.— Ein bißchen schüchtern zwar,— aber das gibt sich sehr in der Ehe, glaub' mir das. Du mußt ihm jetzt ein wenig entgegenkommen,— nicht immer so zurückhaltend sein,— dann findet er nie den Nachfrage sind viel stärkere Faktoren. Die Arbeitgeber sind garnicht in der Lage Arbeiter zu knechten und der Beklagte konnte nie glauben, daß hier in Lüdenscheid der Nachweis dazu gebraucht werden würde. Kannte er doch die Geschäftsordnung, wenn auch nur durch Vertrauensbruch. Er mußte daraus sehen, daß in keiner Weise die Interessen der Arbeiterschaft bedroht waren. Das hat der Beklagte auch gar nicht angenommen; er hat sich aber auch keine Mühe gegeben, sich Aufklärung darüber zu verschaffen. Er mußte die Handhabung abwarten und nicht unbewiesene Behauptungen von Dingen, die anderwärts passiert sein sollten, hierher übertragen. Das hat er aber getan mit einem kühnen Schluß, der nicht berechtigt war. Ich glaube auch nicht, daß er seine Behauptungen selbst geglaubt hat. Aber wenn er auch an berechtigte Interessen geglaubt haben sollte, so hat er doch ganz andere Zwecke verfolgt. Die gesamte Arbeiterschaft ist durch die Volksversammlungen unterrichtet worden. Die interessierteArbeiterschaft hat ja jedenfalls dort dieDinge, die zu sagen waren, zu hören bekommen. Wenn Interessen zu wahren waren, so waren sie besser durch die Versammlung gewahrt als durch das Auftreten de Beklagten. Die Verteidigung hat gesagt, durch die Artikel hätte die Gründung des Nachweises verhindert werden sollen. Warum sind denn die Angriffe nach der Einführung fortgesetzt worden? Der Zweck der Artikel war, die Arbeiter in die Organisation zu ziehen und der„Volksstimme“ Leser zuzuführe. Darum heißt es auch überall: Geht in die Gewerkschaft, haltet die„Volksstimme“. Daher die schweren Angriffe gegen die Unternehmer und die bürgerlichen Zeitungen. Es ist deshalb nicht angebracht, von berchtigten Interessen zu reden, viel eher von dem Versuch der Nötigung, durch die Beleidigungen und Hetzereien. Die Beleidigungen enthalten hier auch Drohungen. Will man auch auf solche den Schutz des§ 193 anwenden? Der Beweis der Wahrheit ist nicht geführt worden. Umgekehrt. Der Beweis ist durch die Verhandlungen beigebracht, daß gegen den Arbeitsnachweis auch nicht das Mindeste gesagt werden kann. Die Gegenseite stützt sich auf den§ 5 und hat behauptet, der Arbeiter habe kein Recht auf den Nachweis oder Entlassungsschein. Diese Behauptung ist falsch. Aus dem zivilen Recht besteht das Recht, und es kann sogar bei Vorenthaltung des Scheines der vorentbaltende Teil schadenersatzpflichtig gemacht werden. Sonst ist aus der Geschäftsordnung kein Paragraph genannt worden, der derartige Beleidigungen begründet erscheinen läßt. Das hat der Sachverständige der Gegenpartei ausgesprochen. Ich kann nicht genug darauf hinweisen, daß der Arbeitgeberverein sich die allergrößte Mühe gegeben hat, eine unparteiische Persönlichkeit als Geschäftsführer zu finden. Es wäre doch so leicht gewesen, die Stelle einem abhängigen Untergebenen zu geben. Statt dessen hat er einen unabhängigen Mann mit liberaler Gesinnung und mit vielen Beziehungen zur Arbeiterschaft angestellt, um die absolute Gewähr zu haben, daß nichts passieren konnte. Das ist von vornherein, absichtlich und mit voller Ueberlegung getan, darum ist auch die Geschäftsordnung so abgefaßt. Der Herr Gutachter steht auf einem für die Gegenseite günstigen Standpunkt. Er hat aber zugeben müssen, daß der hiesige Arbeitsnachweis so gut funktioniert wie ein paritätischer. Der Beklagte hat keinen Zeugen vor Gericht bringen können, der durch den Nachweis benachteiligt worden ist. Das Resultat der heutigen Verhandlung kann nur sein, daß in Zukunft jeder Arbeitnehmer einsieht, daß der Arbeitsnachweis keine Veranlassung zu Argwohn"bietet. Beim Strafmaß ist zu berücksichtigen, daß es sich hier geradezu um Massenbeleidigungen handelt, die unzählige Male und in vollster Oeffentlichkeit ausgesprochen sind. Welche traurige Folgen öffentliche Beleidigungen haben können, hat man erst kürzlich Gelegenheit gehabt zu erfahren. Wegen ähnlicher Beleidigungen sind vor einigen Jahren vom hiesigen Schöffengericht 6 Monate Gefängnis verhängt worden. Ich will keinen besonderen Antrag wegen des Strafmaßes stellen. Ich kann aber keinen einzigen Gesichtspunkt sinden, der für den Beklagten spricht und Milde angebracht erscheinen läßt. Verteidiger R.=A. Heine beginnt mit der Versicherung daß ihm die von ihm vertretene Sache genau so am Herzen liege, wie dem Gegner die seine, auch wenn er im Gegensatz zu diesem leise sprechen werde. Zur Sache führte der Verteidiger aus: Der Beklagte habe nicht die Absicht gehabt, zu beleidigen. Zuerst habe ja der Verein noch gar nicht bestanden. Die Polemiken richteten sich gegen die Einrichtung. Der größte Teil der Artikel sei sachlich gehalten, die beleidigenden Aeußerungen nahmen nur einen ganz geringen Raum ein. Auch er wünsche, daß diese Aeußerungen nicht in der Form gefallen wären. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß der Beklagte in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt hatte. Das geht schon aus dem Untertitel des ersten Artikels hervor, daß es sich hier um die Metallarbeiter handelte, mit deren Interessenvertretung der Beklagte von den Geschäftsführern Budde und Fischer beauftragt war. Es ist durch das Auftreten meines Klienten gelungen, manches zu verhindern. War mein Klient berechtigt, eine Gefahr in dem Nachweis zu sehen? Er hat mit Fug und Recht den Nachweis als einen Zwangsnachweis bezeichnet, denn die Arbeiter werden durch die Kontrolle an den Nachweis gefesselt. Auch mit der Behauptung, daß die Umredaktionen nur den Schein der Milderung hervorrufen sollten, hat mein Klient recht, wenn auch zugegeben werden muß, daß aus dem„nur“, Mut. Soll ich da mal ein wenig helfen?— Als verheiratete Frau kann ich es ja——" Else ist glutrot geworden und hat die Hand aus der Freundin Arm gezogen. Ihre Augen blitzen unwillig: „Leny, wenn dir etwas an unserer Freundschaft gelegen ist,— laß das; steck' dich nicht in solche Angelegenheiten,— du weißt,— ich hasse jede Kuppelei—“ Sie sind an der Veranda angelangt, und das Heraustreten neuer Gäste läßt Else verstummen. Doch die Glut bleibt noch auf ihren Wangen, als sie Doktor Haupt die Hand zum Willkommen reicht. Sie ist noch kühler und barscher, als sonst zu dem jungen Manne, und der wagt sie kaum durch seine Brille anzusehen. Den ganzen Abend über herrscht eine muntere Stimmung in dem kleinen Kreise, zu deren Erhöhung die Ananasbowle nicht wenig beiträgt. Else ist ausgelassen lustig,— sie sprudelt nur so vor Witz, und ihre Zielscheibe ist Doktor Haupt. Dann aber,— als der Abend weiter vorgerückt ist, wird sie still,— und scheu und flüchtig treffen sich nur ab und zu beider Augen. Dem jungen Manne wird es heiß und kalt dabei.— Er weiß nicht, woran er ist,— er jubelt und zweifelt. Was er da in der Geheimschrift der Augen sah,— das wagte er nicht zu deuten—— denn der Assessor, der neben Else saß, der,— Flüchtig, seltsam flüchtig ist dann der Abschied, und wie ein Trunkener geht er durch die laue Herbstnacht nach Hause. Gott sei Dank.— daß er allein ist,— daheim zieht er im Dunkeln den Ueberzieher aus, und er hört, wie etwas fällt. Er achtet nicht darauf,— er ist viel zu zerstreut; eine Weile steht er noch am Fenster und lauscht in die Nacht hinaus. Da kommen wieder die Zweifel und quäle ihn; um ihrer ledig zu werden. steckt er aufseufzend ein Licht an. Er will sich zur Ruhe begeben, da sieht er unten am Boden ein in Seidenpapier gehülltes Etwas liegen; erstaunt bückt er sich und hat eine Photographie in der Hand. Er taumelt zurück und sinkt in den Sessel. „Ist's möglich,— ist's möglich,— Else du?" da liest er auf der Rückseite— ein Jubelruf entringt sich seinen Lippen, auf das der Herr Sachverständige so großen Wert legte, die Absicht hervorgeht, daß auf dem Schein auch nur die zulässigen Bemerkungen vermerkt werden sollten. Daß aber die Befürchtungen meines Klienten berechtigt waren, geht aus dem weitschichtigen Material aus Berlin, Mannheim, der verlesenen Rede des Abg. Naumann und den Aeußerungen des Herrn Sachverständigen hervor. Die Gefahr bleibt auch bestehen bei einer vorläufig scheinbar noch so loyalen Handhabung. Schon jetzt trägt der Nachweis den Keim eines Maßregelungsbureaus in sich. Der Endzweck ist doch, die Solidarität des Unternehmertums zu stärken, die Arbeiter zu maßregeln. Der Fall Conze ist entschieden verdächtig. Ich wünschte wohl, daß einige Wendungen weggeblieben wären, beantrage aber trotzdem Freisprechung meines Klienten, andernfalls es bei einer kleinen Geldstrafe bewenden zu lassen. Nach einigen weiteren kurzen Bemerkungen des R.=A. Pels Leusden, in denen es sich vor allem um rein juristische Fragen handelt, und einer ebenso kurzen Antwort des Verteidigers Heine, zog sich dann das Gericht, wie neulich schon berichtet, zurück, um nach wenigen Augenblicken zu verkünden, daß das Urteil am Samstag Vormittag verkündet werden würde. Von Nah und Fern. Berlin, 21. Nov. In dem Goldwarengeschäft von Hoppe wurden nachts für etwa 8000 M Juwelen gestohlen. Wesel, 21. Nov. Gestern abend stieß auf dem Rhein der Dampfer„Egan“ mit dem Dampfer„Nordkap“ zusammen. „Egan“ wurde wenig beschädigt.„Nordkap“ sank sofort. Die beiden Söhne des Kapitäns im Alter von 8 und 20 Jahren ertranken vor den Augen ihrer Eltern. Die Frau des Kapitäns erlitt einen Beinbruch. Kolberg, 21. Nov. In der Nacht zum Sonntag wurden zwei hiesige Fischerboote auf der Fahrt von Bornholm nach hier von einem schweren Nordweststurm überrascht. Während das eine Boot am Sonntag im hiesigen Hafen eintraf, fehlt von dem anderen jede Nachricht; wahrscheinlich ist es mit den zwei Mann der Besatzung untergegangen. Jüterbog, 21. Nov. Auf dem Truppenübungsplatz stürzte der als Reserveleutnant zu einer Uebung bei der Artillerie einberufene Gerichtsassessor Nicol aus Göttingen vom Pferde und erlitt eine schwere Gehirnerschütterung, so daß er bald darauf im Lazarett starb. Paris, 21. Nov. Das im Jahre 1897 in der Nähe von Dijon rerichtete deutsche Kriegerdenkmal ist geschändet worden, indem das Gitter niedergebrochen und die am Denkmal angebrachte Gedenktafel durch Revolverschüsse zerstört wurde. Von den Tätern fehlt jede Spur. London, 21. Nov. Das Schloß Lees Court in der Nähe von Fareshan, auf dem Prinz Heinrich von Preußen noch vor kurzer Zeit als Gast weilte, ist gestern vom Feuer zerstört worden. Die Bewohner des Schlosses retteten nur mit knapper Not das Leben. Allgemeiner Deutscher Sprachverein. (Zweigverein Lüdenscheid.) Fremdwörterei. Grazile Komik, sensible tragikomische Zeichnung, Ovation Dokument, Sympathie, Perspektive, intensivste Momente, eminent viel Charme differenziert und temperamentvoll, Akzente von prägnanter Eindringlichkeit, sprühende Verve usw. usw. was soll man zu diejem Mischmasch aus einer Schauspielbesprechung sagen? Und was zu Leuten die im täglichen Verkehr per Bahn, per Dampfer usw. fahren, noch immer vom Perron und Coupe sprechen, obaseich es keine mehr gibt? die von Stabilität reden, obgleich sie gar nicht wissen, was das ist? denen alles imponiert und kolossale Freude macht uswer Ein Handlungsgehilfe, der nur Volksschulbildung genossen hat, sagte solchen Fremdworthelden kürzlich in einem Hamburger Blatte gar tapfer die Meinung. So hieß es da auch:„Ja, was ist alles„interessant“? Ein geistreiches, lehrreiches, unterhaltendes Buch; eine fesselnde, spannende, packende Erzählung; eine schöne, farbenprächtige, bunte Landschaft; eine ausgezeichnete, herrliche. genußreiche Fahrt; eine glänzende, prunkende, unübertreffliche, vorzügliche Feier und tausend andere Dinge— sie alle sind einfach ,interessant“. Darbietungen, die in ihren Eigenschaften in hunderten von Abstufungen zwischen„gangbar“ und„unerreicht“ schwanken, sie alle sind„interessant“. Damit ist das Urteil erledigt: man nimmt nur dieses eine nichtssagende, sinnlose Wort und ist dann aller Verantwortung, ungerecht geurteilt zu haben, überhoben, unbekümmert ob der meist noch falschen Aussprache. Deshalb, Lehrer, Schriftsteller und alle, die es angeht, lehrt und lernt, schreibt und denkt rein deutsch! Heute wird Bildung nach dem fehlerlosen Gebrauch der Muttersprache gemessen; nicht aber, wie vielleicht früher, nach der Kenntnis von Fremdwörtern“. Das ist fürwahr ein wahres Wort, so wahr wie ein anderes, das da lautet: Wenn man so manchen biederen Deutschen sein Fremdwortrößlein tummeln sieht, dann kommt einem bisweilen das Gefühl, als sei bei ihm eine Schraube los, als habe er den Verstand verloren,— er, der sein deutsches Sprachgut an die Wand drückt, um überall seine Fremdund Afterweisheit glänzen zu lassen. und er bedeckt das Bild mit heißen Küfsen. Am nächsten Mittag um 12 Uhr klingelt es bei Geheimrats. Else ist zufällig in der Diele und öffnet; erstaunt prallt sie zurück, als sie Doktor Haupt dort mit dem Zylinder in der Hand stehen sieht, noch mehr erstaunt sie aber, als er sie ohne jede Frage in seine Arme reißt und nur immer Else,— meine Else stammelt. Doch sie wehrte sich nicht lange. Wie sie in den Salon kommen,— sie wissen es nicht; wie sie es dem Papa mitteilten, auch nicht,— sie sind beide so traumhaft glücklich. „Nun sagt aber mal, Kinder, wie kam denn das so plötzlich mit euch? Ihr kennt euch doch nun schon vier Jahre, und gestern ist mir nur aufgefallen, daß Else sehr ungezwungen war, sonst nichts!“ sagte der Papa beim Mittag. Der Bräutigam schielt zu Else hin,— drückt dankbar ihre Hand und fragte leise:„Darf ich's sagen?" Else nickt ahnungslos erstaunt mit dem Kopf. Und er erzählt die Geschichte von einem Bilde, das ihm den Mut gegeben hat—— Mit offenem Munde hat Else zugehört. „Mit dem Bilde,— mit was für einem Bilde?“ fragt sie schließlich. Da zieht er seine Braut an sich:„In Liebe deine Else!“ flüstert er, küßt ihr kleines Ohr und nimmt das Bild aus der Tasche, auf dem sie in ihrer Handschrift die Worte liest, die der Geliebte ihr soeben zugeflüstert. Sie macht sich von ihm los und springt auf: „O,— das hat Liny getan,— geh weg,— doch zusammengekuppelt!“ und sie fängt an zu weinen und läuft fort. Der Geheimrat sieht sein Töchterlein an, als zweifle er an ihrem Verstande. Doktor Haupt will ihr nach. — Nach ein paar Minuten hat sich alles geklärt, und es herrscht wieder überall eitel Sonnenschein.— Bruder Fritz aber bekommt am andern Tage einen herrlichen photographischen Apparat von dem neuen Schwager,— dafür, daß er das Bild in den falschen Ueberzieher gesteckt hatte. Zum Ableben Tolstois. Astapowo, 22. Nov. Die Leiche des Grafen Tolstoi ist gestern mittag eingesargt worden. Darauf nahmen die auf der Station Anwesenden von dem Verewigten Abschied, indem sie an der Bahre vorbeidefilierten. Um 1 Uhr wurde der Sarg von den Söhnen Tolstois herausgetragen. Sobald die Prozession auf dem Hofe sichtbar wurde, stimmte das Publikum ein Tötenlied an. Dem Sarge folgte die Gräfin. Um 1 Uhr 40 Minuten setzte sich der Trauerzug in Bewegung. Mord. Kassel, 22. Nov. In der Rhön in der Nähe von Waldfinter wurde der Kaufmann Schlereth mit einer Schußwunde im kopf tot aufgefunden. Man nimmt an, daß es sich um einen Nord handelt. Der Ballon„Saar“ verschollen. Hamburg, 22. Nov. Die Hoffnung, daß die Insassen des in der Nordsee verschollenen Ballons„Saar“ sich auf ein Fischeroot gerettet haben könnten, ist nunmehr auch zerstört, denn ämtliche Fischerboote, die seit vorigen Sonntag in See waren, ind inzwischen zurückgekehrt und melden, daß sie den vermißten Ballon überhaupt nicht gesichtet haben. Verhaftung des Hauptmanns Maynier. Paris, 22. Nov. Das Blatt„Liberte“ teilt in einer zweiten Ausgabe mit, daß Hauptmann Maynier, der Mörder der Beronin Olivier, verhaftet worden sei. Die Nachricht war Nachmittags von einem Informationsbureau einigen Zeitungen übermittelt, dann aber von der Kriminalpolizei dementiert worden. Die Liberte will herausgebracht haben, daß die Nachricht doch richtig sei. Eingesandt. Zur Stadtverordnetenwahl. Mit großer Freude habe ich in der letzten Ausgabe des „General=Anzeiger“ von dem„Eingesandt“ Kenntnis genommen, in welchem endlich auch für den bisherigen, langjährigen Stadtverordneten Kirstein eine Lanze gebrochen wurde. Auch ich muß fragen, weshalb hat man Herrn Kirstein fallen lassen? Wenn im lokalen Teil des Gen.=Anz. zu dieser Frage zu lesen ist, daß man hier einer Regung der Volksseele gegenüberstehe, so muß ich es hier einmal klipp und klar aussprechen, daß hierbei meines Erachtens keine Regung der Volksseele mitspricht, sondern daß vielmehr in diesem ganzen Vorgehen des Bürgervereins so recht die dort heimisch gewordene Interessenwirtschaft in die Erscheinung tritt. Wenn dem Bürgerverein daran lag, die Sozialdemokratie ein für allemal radikal aus der 2. Abteilung abzuweisen, und wenn die gewiß gerade hier in Lüdenscheid so dringend nötige Einigkeit erhalten bleiben sollte, dann war es die Pflicht des Bürgervereins, die bisherigen Stadtverordneten Ernst Kirstein Theodor Schulte und Otto Liemke ohne jede Ausnahme wieder aufzustellen. Die Mehrheit soll entscheiden, heißt es auch im Gen.=Anz. Ja, hat denn die Mehrheit schon entschieden? Ungefähr 70 Wähler der 2. Abteilung sollen, wie man hörte, in der betr. Bürgervereins=Versammlung zur Stelle gewesen sein. Die Abteilung umfaßt ca. 700 Wähler. Davon stimmten 48 für Herrn Schulte und 53 für Herrn Liemke. Zwischen den Herren Hohage und Sommer mußte die Stichwahl entscheiden und das soll nun eine Mehrheit der 2. Abteilung sein? Weshalb soll die Wahl des Herrn Kirstein aussichtslos sein, nein, im Gegenteil, die Kandidatur Kirstein ist die aussichtsvollste von allen. Ich habe nicht das Vergnügen, Herrn Kirstein persönlich näher zu kennen, nur die Empörung über diese glatte Absägung eines bewährten, langjährigen Vertreters zwingt mir, die Feder in die Hand. So lange die 2. Abteilung noch überzeugungstreue Wähler hat, so lange wird sie es nicht zugeben, daß bei unsern Stadtverordnetenwahlen eine Interessenwirtschaft Platz greift. Herr Kirstein soll und darf nicht zurücktreten, ihn zu wählen ist einfache Ehrenpflicht eines jeden Wählers der 2. Abteilung. Ich bin selbst Mitglied des Bürgervereins, konnte aber in der Versammlung leider nicht erscheinen, sonst würde ich sicherlich nicht geschwiegen haben. Diesen Kurs mache ich aber nicht mit und wenn da nicht recht bald eine ganz durchgreifende Aenderung eintritt, dann wäre es für unser liebes Lüdenscheid besser, der Bürgerverein wäre nie gegründet worden. Mag der Verein sich doch jetzt die ersten Lorbeeren im Kampfe gegen die rote Umsturzpartei holen. Auf diesem Gebiete kann er segensreich für unsere Vaterstadt wirken. Ihr aber, alle Ihr Wähler der 2. Abteilung, tretet am Wahltage alle Mann für Mann an und wählt Ernst Kirstein Theodor Schulte Otto Liemke. Ein Wähler der 2. Abteilung. Das in der Samstags=Nummer dieses Blattes enthaltene Eingesandt und die Anzeige mit der Frage,„weshalb man Herrn Kirstein nicht wieder aufgestellt hat“, sollte man nach dem Geschehenen nicht erwartet haben. Da man aber damit augenscheinlich beabsichtigt, Stimmenzersplitterung und Uneinigkeit in die Reihen der Bürgerlichen zu streuen, und dabei in einer Weise, ohne Kenntnis von den wirklichen Vorgängen in den Bürgerversammlungen zu haben, ehrbaren und ideal streitenden Männern unlautere Motive bei ihrer Betätigung unterzuschieben, so darf diese Mache, denn nur eine solche ist es, nicht unwidersprochen hingenommen werden. Weshalb Herr Kirstein in der öffentlichen Versammlung nicht wieder aufgestellt worden ist, das zu beantworten, ist nicht gerade schwer. Die Bürgerschaft hat eben das Gefühl, daß ihre Interessen durch Herrn Kirstein nicht genügend vertreten worden sind. Der etwas aufmerksame Verfolger der Stadtverordneten=Berichte muß sich zu dieser Ansicht durchringen, und dieses ist auch stillschweigend von allen Anwesenden der zahlreich besuchten Versammlungen dokumentiert worden, denn sonst würde wohl von irgend einer Seite ein diesbezüglicher Vorschlag gemacht worden sein. Im Interesse des Herrn Kirstein wollen wir auf Einzelheiten seiner Tätigkeit nicht eingehen. Wenn nun die paar Wähler, die im letzten Augenblicke — denn bereits eine Woche ist seit der letzten Versammlung verflossen— für eine Wiederaufstellung des Herrn Kirstein glauben sich ins Zeug legen zu müssen, hierbei in fast beleidigender Art dem Herrn Hohage Taktlosigkeit vorwerfen und von Strömungen reden, die auch dem Herrn Theod. Schulte den Platz mißgönnen, so zeugt dieses, gelinde gesagt, von so wenig Takt dieser Herren, daß man die persönliche Spitze derselben herausfühlen kann; außerdem zeugt es von wenig Mut, hinterrücks Bürger anzufallen und ihnen alles mögliche an die Rockschöße zu hängen.— Wenn die Herren für die Wiederaufstellung des Herrn Kirstein so besonderes Interesse hatten, dann hätten sie besser ihren Schlafrock und ihre Filzpantoffeln einmal ausgezogen und in der Bürgerversammlung mit offenem Visier für Herrn Kirstein eingetreten; auch Herrn Kirstein hätte es nicht geschadet, sich persönlich dort sehen zu lassen. Es ist allemal besser, will man sich als berufener Bürger=Vertreter aufspielen, daß man mit den Bürgern Fühlung behält und die Wünsche derselben hört. Von Stammtisch= oder Gesellschafts=Meinungen, die immer nur einseitig sein können, holt man sich heute keine Befähigung zum Stadtverordneten mehr. Die Zeiten, wo gewisse Klicken die Stadtverordneten=Kandidaten nominierten und dann von ein paar Dutzend Wählern bestätigt wurden, sind Gott sei Dank vorbei. Das sollten sich die Herren merken.— Nun soll eine gewisse Störmung auch dem Herrn Schulte den Platz mißgönnen und in den Versammlungen dahin zu wirken versucht haben. Der Verlauf der Versammlungen des Bürgervereins straft die Herren Lügen!— Es ist immer so gewesen und soll auch wohl so bleiben, daß gewisse Leute eine gegenteilige Meinung nicht hören können. Gar nicht zu begreifen ist eigentlich, daß auf einer Seite der Bürgerverein gelobt und auf der andern Seite in gewissem Sinne von denselben Herren der Stab gebrochen wird, und warum? Weil einer gewissen Klicke die Beschlüsse nicht ganz und gar behagen. Der Bürgerverein als solcher, vor allen Dingen sein Vorstand, hat so unparteiisch gehandelt, wie es nur möglich war; es ist daher unverantwortlich, letzteren und besonders einigen Mitgliedern desselben öffentlich ganz unwahre Vorwürfe zu machen und letztere auch an Biertischen nach Belieben auftischen. Ist dies ehrliche, offene Kampfesweise?— Genug der Worte! Wer will, daß die augenblicklich bestehende Einigkeit der bürgerlichen Wähler, und dies ist unbestritten das Verdienst des Bürgervereins, erhalten bleiben soll, der enthalte sich jeder Sonderwünsche und Sonderinteressen und akzeptiere die in öffentlicher Versammlung für die 2. Abteilung aufgestellten Kandidaten und trete am Wahltage für dieselben ein. Mehrere Wähler der 2. Abteilung. 5. Klasse 223. Kgl. Preuß. Klasienlotterie. Berlin, 19. Nov. Nachmittaa. 10000 M. auf 132291, 5000 M. auf 181369 217990 219 550 261682, 3000 M. auf 3296 14096 19130 33665 48396 49 418 58989 65654 68 127 73624 93421 99098 155710 155 997 159469 159 708 170 301 171269 179460 183 837 186786 192 245 206 614 217 628 220 984 223872 230619 233074 235299 247 818 258 546 267 941 273 552 275 926 293152 294258 296472 298483 299549. Berlin. 21. Nov. Vormitag. 30000 M. auf Nr. 282364, 5000 M. auf 83 098 152410 171014 197 753, 3000 M. auf 13 531 16 506 21162 24324 27710 33060 40 685 47 299 94028 100 801 127675 127813 127 984 129659 130 309 137827 144 325 148135 148733 151 103 157 461 167 733 174171 182 686 201 211 202164 206080 208778 217527 230358 231 799 232 440 239 528 242 324 245 328 246 359 255 736 281 373 286096 293 470 296 517 298613. Nachmittag. 15000 M. auf Nr. 102186 114009, 10000 M. auf Nr. 157018, 5000 M. auf Nr 180 814 205 749, 3000 M. auf Nr 5427 5632 10956 12 943 21 161 28 520 39047 45924 50643 53 590 54137 67 807 69 815 77 554 83459 98 443 124 427 132973 145 979 148616 151155 152124 154011 170039 176 922 177819 203748 213066 217 519 236 738 240 522 247 960 248 744 253 303 261 460 262 877 282079 282 721 283510 300097 Dortmunder Viehmarkt. Dortmund, 21. Novbr.(Städt. Viehhof.) Zu dem gestrigen Schlachtviehmarkt waren aufgetrieben: 757 Großvieh, 2095 Schweine, 273 Kälber, 57 Schafe. Bezahlt für 100 Pfd. Schlachtgewicht: a. vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt........ b. junge fleischige, nicht ausgemästete u. ältere ausgmojee c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere.. . b. vollfleischige jüngere Bullen Ochsen Bullen 78—80 Mk. 77—79 71—77 Rinder und Kühe c. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 66—72 4. volfleischige ausgemästete Rinder höchsten wertes... nachston b. vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren... 76—82 c. ältere ausgemästete Kühe u. wenig gut entwicke te jüngere Kühe und Rinder........ d mäßig genährte Kühe und Rinder.... Kälber a. Doppelender, feinste Mast....... f. 100 Psd. b. mittlere Mast= und beste Saugkälber.... Lebendgew. c. geringere Mast= und gute Saugkälber.... Schafe a. Mastlämmer und jüngere Masthammel.. b. ältere Masthammel c. mäßig genährte Hammel u. Schafe(Merzschafe) Schweine a, vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1¼ J.... b. fleischige............. 05—69 c. gering entwickelte, sowie Sauen und Eber.. 01—62„ Von den Schweinen wurden verkauft: zum Preise von 69 M. 276 Stück, 68 M. 194 Stück, 67 M. 209 Stück, 66 M. 270 Stück, 65 M. 212 Stück. 64 M. 1 2 Stück, 63 M. 202 Stück, 62 M. 63 Stück, 61 M. 56 Stück, 60 M. 9 Stück, 59 M. 12 Stück, 58 M. 1 Stück. 77-83 63—70 90—95 80—85 66—69 Nur echt mit dieser Marke—dem Fischer — dem Garantig bes „Die Eßlust hat sich gehoben“. Schönow, Post Wutschdorf, Neumark, 29. März 09. „Unser Töchterchen Olga hatte vor 3 Jahren Masern und Lungenentzündung durchgemacht, die sie zwar glücklich überstand, wodurch aber der Organismus des Kindes sehr an Widerstandsfähigkeit verlor. Seitdem hat sich die Kleine besonders im Winter nie mehr recht wohl gefühlt, nichts wollte ihr wehr schmecken, und wir waren immer froh, wenn der Winter hinter uns lag. Um unser Kind zu kräftigen, entschlossen wir uns, Olga, als sie 7 Jahre alt war, Scotts Emulsion zu geben, die von ihr sofort gern genommen wurde. Mit den erzielten Erfolgen sind wir sehr zufrieden, denn die Eßlust hat sich gehoben, das Aussehen des Kindes ist ein weit frischeres als frührr, und hat auch in einigen Wochen verschiedene Psund an Gewicht zugenommen. Die Gewichtszunahme bedeutet in diesem Falle auch die langherbeigesehnte erhöhte Widerstandskraft."(gez.) Paul Malow und Frau. Scotts Emulsion ist seit Jahrzehnten erprobt und beliebt. Im Laufe der Zeit sind ihr aber zahlreiche Nachahmungen erwachsen, deren Packung der echten Scotts Emulsion oft täuschend ähnlich nachgemacht ist. Wer sich daher vor Enttäuschungen, die minderwertige Emulsionen nach sich ziehen, büten will, der verlange ausdrücklich Scotts Emulsion und bestehe darauf, das Gewünschte auch zu erhalten. Das Kennzeichen der echten Scotts Emulsion ist unsere nebenstehende Schutzmarke. 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Gedenket der hungernden Stadtverordnetenwahl. Oeffentliche Versammlung am Mittwoch, 23. d. M., abends 9 Uhr im Berliner Tages=Ordnung: Die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen. — Redezeit 10 Minuten.— Der Vorstand des Bürgervereins. Stadtverordnetenwahl. Die Kandidaten des freien Bürgertums sind: für die dritte Abteilung: Metzgermeister Eduard Kiesler Fabrikarbeiter Oto Hostert Geschäftsführer Ernst Jüngermann für die zweite Abteilung: Fabrikant Theodor Schulte Baumeister Otto Liemke Bäckermeister Julius Hohage Der Bürgerverein. Landespolizeiliche Anordnung. Mit Rücksicht auf die bestehende Gefahr der Einschleppung und Weiterverbreitung der Maul= und Klauenseuche in dem Regierungsbezirk Arnsberg ordne ich auf Grund der§§ 17 ff. des Reichsgesetzes, betreffend die Abwehr und die Unterdrückung von Viehseuchen vom 23. Juni 1880/1. Mai 1894, (Reichsg=setzblatt für 1894, S. 409) des§ 7 des Preußischen Ausführungsgesetzes vom 17. März 1881 in Verbindung mit den§§ 59a, 61, 63 und 64 der Bundesrats=Instruktion vom 7 Juni 1895(R. G. Bl. S. 357) und des§ 56 der Reichsgewerbeordnung mit Genehmigung des Herrn Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten bis auf weiteres Folgendes an: § 1. Die aus verseuchten Reichsteilen(Regierungsbezirk, Kreishauptmannschaft, Oberamt, Bezirksamt, Verwaltungsbezirk 2c. Siehe TierseuchenAnzeiger,— Reichs Eisenbahn=Amt, Berlin) in den Regierungsbezirk Arnsberg mit der Eisenbahn eingeführten Klauentiere unterliegen vor ihrer Weiterbeförderung zu dem Bestimmungsort(z B. Stall, Schlachthaus, Weide u. dergl) bei oder unmittelbar nach der Entladung, jedenfalls aber vor Entfernung vom Bahnhofsgelände, einer Untersuchung durch den zuständigen Kreistierarzt oder durch dessen amtlich bestellten Vertreter. Dem beamteten Tierarzt(Kreistierarzt) ist von dem bevorstehenden Eintreffen untersuchungspflichtiger Tiere zur Entladung, von dem Besitzer derselben oder dessen Beauftragten rechtzeitig Nachricht zu geben § 2. Der Hausierhandel mit Klauenvieh ist verboten. § 3. Die Ställe der Klauenviebhänler werden einer regelmäßigen Kontrolle durch den beamteten Tierarzt(Kreistierarzt unterstellt; sie hat, sofern das veterinärpolizeiliche Interesse es erfordert, mehrmals im Monat zu erfolgen. Die Händler haben über die in ihrem Besitz befinblichen Rinder und Schweine und über den Zu= und Abgang von solchem Vieh Kontrollbücher zu führen und von jeder Einstellung von Klauenvieh in die der Kontrolle unterliegenden Ställe dem Kreistierarzt alsbald Anzeige zu wachen. Die Ortspolizeibehörden, die beamleten Tierärzte und die Genbarmen haben diese Vorschriften zu kontrollieren. § 4. Die von den Sammelmolkereien an die Produzenten zurückgehende Magermilch ist vor der Rücksendung zu kochen oder ¼ Stunde auf 90° C. zu erhitzen. Die für die Rücksendung der Magermilch zur Verwendung gelangenden Gefäße sind vorher zu desinfizieren. § 5. Die Kosten der amtstierärztlichen Verrichtungen regeln sich nach den Bestimmungen der§§ 23 und 24 des Preußischen Ausführungsgesetzes vom 12. März 1881. Die Gebührenfestsetzung erfolgt nach der von mir erlassenen Gebührenordnung für die Untersuchung von Händlerschweinen vom 15. März 1910 (Amtsblatt, Stück 12, 1910) und zwar gleichmäßig für alle Arten von Klauentieren. § 6. Diese Anordnung tritt mit ihrer Veröffentlicung im hiesiegen Amtsblatt in Kraft, ihre Aufhebung erfolgt, sobald die zurzeit bestehende Seuchengefah beseitigt ist. Zuwiderhandlungen werden, sofern nicht nach den strafgesetzlichen Bestimmungen eine höhere Strafe verwirkt ist, nach§§ 66 und 67 des Reichsviehseuchengesetzes bestraft. Arnsberg, den 11. November 1910. Der Regierungs=Präsident. I 14 Nr. 1407. von Bake. Milch-Versandscheine liefert billigst Tilgenkamp& Ruhl, Lüdenscheid, Friedrichstr. 91. Städtische Sparkasse Die städtischen Vertretungen haben mit Wirkung vom 1. Januar 1911 ab den Zinsfuß für sämtliche Sparein lagen und Sparguthaben auf 3¾% festgesetzt. Sparkassen=Verwaltung. Bei der heute vorgenommenen Gemeinde=Verordneten=Wahl in der Gemeinde Meinerzhagen sind für die Wahlperiode 1911/1916 nach Vorschrift der Landgemeinde=Ordnung vom 19. März 1856 zu Gemeinde=Verordneten gewählt: 1. Abteilung. Gemeinde=Vorsteher Hedfeld und Wirt und Bäcker Carl Rittinghaus beide wohnhaft in Meinerzhagen. 2. Abteilung. Hammerschmiedemeister Jul. Keßler zu Darmche. 3. Abteilung. Brennereibesitzer August Krugmann zu Meinerzhagen und Werkmeister Gust. Dango zu Eichholz. Es wird dieses mit dem Bemerken bekannt gemacht, daß etwaige Einprüche gegen die Gültigkeit der Wahl nnerhalb 2 Wochen nach dieser Bekanntmachung beim Gemeinde=Vorstande anzubringen sind. Meinerzhagen, den 19. Nov. 1910. Der Amtmann: Graf von Haslingen. Pa. Trockenschnitzel ind wieder am Lager Gustav Haber, Inh: Franz Schnepper. Telefon 445. Zur Weihnachtszeit. Halte meine Konfektion in sämtlicher Leib. u Bettwäsche, Schürzen in Panama, Siamosen, Batist, Satin bestens empfohlen. Bestellungen nach Maß und Wunsch bitte ich schon frühzeitig zu machen. Ferner sämtliche Woll- und Normalwaren wie gestrickte Mützen, Schwals, Handschuhe, Sweater, Jacken, Unter hosen, Hautjacken, wollene Bstttücher und Decken. Bei Einkauf von WäscheArtikeln von ½ Dtz. an bedeutende Preißermäßigung. Ernst Pieper Weißwaren u. Schürzenkonfektion. Wohltätigkeits-Aufführung Lüdenscheid.—:— Schützenhalle. Märchen (Erstaufführung) in Versen, lebenden Bildern und Gesängen von Gräfin v. Haslingen, Meinerzhagen i. W. (Gesänge komponiert von Franz Wildt.) Unter gütiger Mitwirkung hiesiger Damen und Herren. Mulik: Städt. Orchester. Leitung: Musikdirektor Hugo Fliegner. 1. Mittwoch, den 23. November, nachmittags 3½ Uhr: große Kinder=Aufführung. Preise der Plätze: 1. Platz 0.50 Mk., 2. Platz 0.30 Mk. Kassenöffnung 2½ Uhr. Für geschlossene Schulklassen(Kinder unter 14 Jahren) bei vorheriger Anmeldung pro Kopf 15 Pfg. Für geschlossene Klassen, obere Klassen der höheren Schulen(über 14 Jahre) pro Kopf 25 Pfg. Anmeldungen der Schulen nimmt Herr Lehrer Glörfeld, Mittelstrasse, und Frau Gräfin v. Haslingen, Meinerzhagen, gern entgegen. II. Donnerstag, den 24. November, abends 8¼ Uhr: Sperrsitz nummeriert im Vorverkauf nur bei Herrn Zintl à Mk. 3,00 1. Platz„„„„„„ Dalichowa M. 2,00 2. Platz bei den Herren Eckhardt und Delsterhaus à Mk. 1,00. 4 Uhr nachmittags Schlufs des Vorverkaufs. 3. Platz nur an der Kasse à M. 0,50. Gelänge und Textbücher bei den Herren Dalichow, Eckhardt und an der Kasse zu haben. Der Ueberschufs wird zu wohltätigen Zwecken verwandt. Die Kostüme sind prachtvoll und für die Aufführung extra angefertigt. Stadttheater Lüdenscheid. Dienstag, den 22. November er. Abends 8 Uhr: Städt. Orchester. Der Rastelbinder Operette in 3 Akten von Lehår. Mittwoch, den 23. Nov. cr. Alt-Beidelberg Donnerstag: 1. Volkstümliche Vorstellung zu halben Preisen. Sperrsitz 1 Mk. Saal 50 Pfg. Kabale und Liehe. Gasthof Markaner, Luisenstraße 21. Wissenschaftliche deutet berühmter Phrensloge und Graphologe. Nur kurze Zeit noch hier. Reserve-Offizier! Das Komittee. Verein der Hundefreunde für Lüdenscheid und Umgegend bittet, zwecks weiterer Beteiligung, die Herrn Iateressanten am 29. November. abends 8½ Uhr im Kaiserhof um Ihr Erscheinen. Der prov. Vorstand. Söhne angeseh. Eltern d. Gartenbau u. Gartenkunst erlernen sollen, finden unter günstig Bedingnug zeitgemässe höhere Fachausblibund event. 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Diese Tatsachen beweifen mehr als alle Versprechungen, die wir machen könnten! Erhalten Sie sich Ihrer Familie, schreiben Sie noch heute eine Postkarte mit Ihrer genauen Adresse an das Chem. Caboratorium„Limosan“ Niederoderwirz=Sachsen 36(diese Nummer nicht vergessen). Sie erhalten dann sofort die bestätigten Zeugnisse, ferner eine interessante Broschüre und eine Probe unseres Mittels vollständig Bestanoteäe: Aethhienimin DRV. 1, Nekollparapheneti= ui bas. 4.5 Lithinocarbonat 0,1) saltzys. Salz d. G. 1, essigs. Salz d. G. 0,4.