simntl. Kreisblatt für den Stadtkreis Lüdenscheid „Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Preis vierteljährlich durch die Boten und Agenturen bezogen Mk. 1.50, durch die Post trej ins haus I(k. 1.92. Redaktion und Expedition: Friedrichstrasse 9 I. Amtlicher Anzeiger für den Kreis Altena. Anzeigen werden bis morgens 10 Uhr erbeten. Die einspaltige Zeile oder = deren Raum koftet 15 Pfg., Reklamen die Zeile 30 Pfg. —(Jede Rabattbewilligung wird hinfällig bei zwangsweiser Beitreibung der Gebühren.)— Fernsprecher: 98. Telegramm-Adrelsse: Zeitung. Druck und Verlag von Tilgenkamp& Ruhl(Inhaber Carl Saffe), Lüdenlchen.— Verantwortlicher Redakteur: Rudolf Behmer, Lüdenscheid. Nr. 100 Erstes Blatt. Preußischer Landtag. Herrenhaus. 8. Sitzung vom 29. April 1910. Am Ministertisch: v. Bethmann Hollweg, v. Moltke. Präsident v. Manteuffel eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 20 Minuten. Auf der Tagesordnung steht die Wahlrechtsvorlage. Die Einzelberatung wird beim§ 6 fortgesetzt, der die Drittelung festsetzt. Dazu liegt ein Antrag des Freiherrn v. Schorlemer vor. Oberpräsident der Rheinprovinz Freiherr v. Schorlemer begründet seinen Antrag. Der Antrag verfolgt wesentlich den Zweck, die Mißstände zu beseitigen, die durch die Drittelung in den Urwahlbezirken in den großen Städten und Industriebezirken entstanden sind. Ich darf in Uebereinstimmung mit einem großen Teile meiner Freunde erklären, daß ich mich durch das Schreckgespenst der schwarz=blauen Blocks nicht schrecken lasse; ich meine, daß gerade bei dieser Vorlage es doch nicht unbedenklich ist, daß das Zentrum der einzige Verbündete der Konservativen im Abgeordnetenhause ist. Eine Verständigung über die Wahlreform muß unter möglichster Zustimmung aller Parteien, aber keinesfalls ohne Mitwirkung derjenigen Parteien gefunden werden, welche ebenso wie die konservative das Reichstagswahlrecht in Preußen nicht einführen will. Ich erwarte das von der Einsicht der genannten Mittelparteien, aber auch von der Einsicht des Zentrums, das allen Grund hat, die gewaltige Eroberung, die es durch Erlangung der geheimen Stimmabgabe gemacht hat, durch Konzessionen auf dem hier von mir berührten Gebiete sicher zu stellen. Präsident v. Manteuffel teilt mit, daß ein Antrag auf namentliche Schlußabstimmung über das Gesetz eingegangen ist.— Professor Loening=Halle: Wie groß die Mängel des vorliegenden Gesetzentwurfes auch sind, so bin ich doch der Ueberzeugung, daß damit der Weg beschritten wird, der zu einem den Anforderungen aller Schichten der Bvölkerung entsprechenden Wahlrecht führen wird. Ich stimme für das Gesetz, weil ich darin einen Schritt sehe, um das geheime und direkte Wahlrecht zu erlangen, das ich anstrebe. Der Antrag Schorlemer beseitigt manche Ungerechtigkeiten. Trotz der großen Mängel des Entwurfs stimme ich für ihn. Oberbürgermeister Wilms=Posen: Auch ich stimme dem Antrage Schorlemer zu, weil er geeignet ist, eine Reihe von Ungerechtigkeiten zu beseitigen. Vor die Frage gestellt, ob wir in Preußen das allgemeine Wahlrecht einführen sollen oder nicht, sage ich, daß ich dann lieber im Reich das allgemeine Wahlrecht abschaffen würde. Was das andere Haus beschließen wird, ist mir gleichgültig. Es ist mir auch gleichgültig, ob das Zentrum für das Gesetz stimmen wird oder ncht, obgleich ich es persönlich lieber sehen würde, wenn die Konservativen das Gesetz mit den Nationalliberalen verabschieden würden. v. Wedel=Piesdorf: Wir brauchen uns nicht darum zu kümmern, was das andere Haus macht, sondern wir tun einfach das, was wir für richtig und gut halten. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß die Rücksicht auf die Errungenschaft der geheimen Wahl die Zentrumsfraktion bestimmen wird, dem Gesetz zuzustimmen, auch wenn der Antrag Schorlemer das Zentrum hier und da in einigen Urwahlbezirken einige Stimmen kosten wird.(Zustimmung.) Graf Oppersdorf: Mit der Wahlvorlage sollen die Wünsche der bürgerlichen Parteien auf lange Zeit hinaus befriedigt werden. Wenn der Antrag Schorlemer angenommen wird. dann wird das nicht der Fall sein, dann ist der Zweck des Gesetzes verfehlt. Damit schließt die Besprechung. Der Antrag Schorlemer wird fast einstimmig angenommen, ebenso der nach dem Antrage geänderte Paragraph 6. Gegen den Antrag stimmen u. a. Graf Oppersdorf, Freiherr von Landsberg, Prinz Ahrenberg, Kirschner. § 7, der die Bildung der Abteilungen behandelt, wird zunächst zurückgestellt. Die§§ 8 und 8a enthalten die Bestimmungen über die Kulturträger. Prinz zu Schönaich=Carolath: Ich habe in der Kommission den Antrag gestellt, auch unsere alten Invaliden und Veteranen unter die Kulturträger aufzunehmen. Leider ist der Antrag abgelehnt. Ich bedaure auch, daß die höheren Post= und Forstbeamten in die Paragraphen nicht aufgenommen worden sind. Generalfeldmarschall Graf Haeseler: Die Anregung, auch die Veteranen unter die Kulturträger zu bringen, ist mir sehr sympathisch. Staatsminister a. D. v. Koeller: Am Herzen liegen mir die Volksschullehrer. Ich halte es für wünschenswert, daß auch sie unter die Kulturträger aufgenommen werden. Ferner beantrage ich, die Provinziallandtagsabgeordneten und Kreisabgeordneten unter die Kulturträger zu rechnen. Sie dürfen hinter den Reichstagsabgeordneten nicht zurückstehen. v. Wedel=Piesdorf: Zwischen Provinzial= und Kreistagsabgeordneten auf der einen und Reichstags= und Landtagsabgeordneten auf der anderen Seite ist denn doch noch ein großer Unterschied. Wenn wir die Mitglieder dieser Versammlungen als Kulturträger ansehen, dann müßten wir es auch bezüglich der Mitglieder der Stadtverordnetenversammlungen tun. (Sehr richtig!) Oberbürgermeister Wilms=Posen: Lebhaft bedaure ich es, daß man nicht die Absolvierung eines Lehrerseminars als zur Aufnahme in diesen Paragraphen ausreichend erachtet hat. Prinz zu Schönaich=Carolath: Ich habe mich entschlossen, meinen Antrag, die Kriegsteilnehmer zu den Kulturträgern zu rechnen, wieder einzubringen. Ich empfehle den Antrag Ihrer wohlwollenden Berücksichtigung. den 30. April 1910. Graf v. Wartensleben: Als einer der ältesten Militärs hier im Hause liegt es mir am Herzen, den Antrag des Prinzen Carolath aufs wärmste zu befürworten. Minister des Innern v. Moltke: Aus dem Wirrwarr von Anträgen, die zu diesem Paragraphen gestellt sind, mögen Sie erkennen, wie schwer es ist, diese Frage erschöpfend zu regeln. Diese impulsiven Wünsche führen schließlich ins Uferlose und erschweren die Annahme des ganzen Gedankens außerordentlich. Jedenfalls muß ich bitten, daß Sie sich auf die Beschlüsse Ihrer Kommission beschränken. In der Abstimmung werden sämtliche Abänderungs=Anträge bis auf einen Antrag v. Wedel=Piesdorf, welcher auch verabschiedete Rektoren privilegiert wissen will, abgelehnt und die so veränderten Paragraphen 8 und 8a angenommen. Nun wird der bisher zurückgestellte Paragraph 7, der die Bildung der Abteilungen behandelt, zur Beratung gestellt. Dazu liegt folgender Antrag Becker vor: 1. Entfallen in einem Stimmbezirke auf die erste Abteilung weniger als 5, auf die zweite weniger als 15 Wähler, so wird die Abteilung auf diese Wählerzahl durch Zuweisung von Wählern au sder nächstfolgenden Abteilung ergänzt. 2. Die zweite Abteilung darf nicht weniger Wähler zählen als die erste, die dritte nicht weniger als die zweite. Oberbürgermeister a. D. Becker empfiehlt den Antrag. Staatsminister a. D. v. Koeller: Der Antrag ist viel zu kompliziert. Der Antrag Becker wird auch gegen eine erhebliche Minorität abgelehnt. Der§ 7 wird unverändert nach der Regierungsvorlage angenommen. Die§§ 9 bis 14 werden entsprechend unverändert angenommen. Bei§ 15, der über den Kreis, aus dem die Wahlmänner entnommen werden können, Bestimmungen trifft, liegt ein Antrag Hamm vor:„In ländlichen Stimmbezirken können auch Wahlmänner aus einem angrenzenden ländlichen Stimmbezirke gewählt werden“. Oberlandesgerichtspräsident a. D. Hamm=Bonn begründet den Antrag. Er sei ganz unpolitisch und will nur die Schwierigkeiten beseitigen die in manchen ländlichen Bezirken bestünden, einen geeigneten Wahlmann zu finden. Staatsminister a. D. v. Koeller erklärt sich auf das allerentschiedenste gegen den Antrag. Ein mit den ländlichen Verhältnissen vertrauter Herr könne unmöglich einen solchen Antrag stellen. Der Antrag wird abgelehnt, Paragraph 15 angenommen, ebenso unverändert der Rest des Gesetzes. Es liegt dann der Antrag York von Wartenberg vor. Graf York von Wartenberg zieht seinen Antrag zurück, da er dessen Schicksal voraussehe.(Beifall. Rufe: nicht doch!) Es folgt die Gesamtabstimmung, die namentlich ist. Sie ergibt die Annahme der Vorlage mit 140 gegen 94 Stimmen. Ein Antrag des Oberbürgermeisters Wallraf=Köln fordert noch eine Vermehrung der Abgeordneten nach Maßgabe der veränderten wirtschaftlichen und Bevölkerungsverhältnisse. Oberbürgermeister Bender=Breslau empfiehlt den Antrag. Die Härten, die dem Wahlrecht noch anhaften, müssen möglichst beseitigt werden. Besonders die großen Städte leiden darunter, daß sie weniger Rechte haben, als das platte Land. Professor Dr. Wagner=Berlin: Ich stehe durchaus auf dem Boden der konservativen Anschauung. Es ist aber Tatsache, wir sind mehr in eine industrielle und städtische Entwickelung hineingekommen und da geht es nicht auf die Dauer an, daß der Westen, zum Teil auch die Mitte der Monarchie gegenüber dem Osten benachteiligt werden. Ich wünsche lebhaft, daß der Antrag Wallraf ernstlich in Erwägung gezogen wird. Herr v. Buch: Wenn wir jetzt an der Wahlkreiseinteilung rütteln, so kann das zu Kämpfen führen, deren Ende nicht abzusehen ist. Wir dürfen den Einfluß der Kreise nicht schädigen lassen, in denen die staatserhaltenden Parteien zu finden sind. Oberbürgermeister Bender=Breslau: Die ganze scharfe Tonart gegen die Sozialdemokratie ist ein Unglück. Wir wünschen wohlwollende Gerechtigkeit auch gegenüber den Sozialdemokraten. Ich betrachte es beinahe als ein Glück, daß ein paar Sozialdemokraten in den Landtag gekommen sind.(Unruhe.) Eine Partei, die Millionen Wähler hat, muß auch im Landtage vertreten sein. Ein Schlußantrag wird angenommen. Der Antrag Wallraf wird abgelehnt. Ein Antrag Körte, die Petitionen für erledigt zu erklären, wird abgelehnt; sie werden als ungeeignet zur Erörterung im Plenum erklärt. Damit ist die zweite Beratung der Wahlrechtsvorlage erledigt. Das Haus vertagt sich. Die nächste Sitzung mit der zu wiederholenden Abstimmung findet etwa am 22. Mai statt. Schluß 4¼ Uhr. Deutsches Reich Berlin, 29. April. Im Reichstage fand heute bei der Beratung über den Rest der Aufstandsausgaben für Südwestafrika die Fortsetzung des Duells Erzberger=Dernburg statt. Erzberger verteidigte nochmals seinen Kriegssteuerantrag, während Dernburg seinen ablehnenden Standpunkt festhielt, und begründete. Der Abgeordnete Dröscher(kons.) sprang Erzberger bei, während der Abg. Semler(natl.) dessen Stellung bekämpfte. Berlin, 29. April. Im preußischen Abgeordnetenhause wurde heute die Nachtragsforderung von 850 000 Mark für den Umbau des Opernhauses aus Sicherheitsgründen angenommen, dann die Beratung des Kultusetats fortgesetzt. Berlin, 29. April. Der Aeltestenrat des Reichstages sprach sich heute mit großer Mehrheit dahin aus, daß versucht werden soll, vor Pfingsten die noch schwebenden großen Vorlagen zu erledigen. Gegen Schluß der nächsten Woche soll die Wertzuwachsstener in zweiter und dritter Lesung erledigt werden und zu Beginn der darauf folgenden Woche soll das Kaligesetz folgen. Es soll aber unter keiner Bedingung noch nach Pfingsten getagt werden. Die anderen Tage bis Pfingsten sollen durch die Behandlung der kleineren Vorlagen ausgefüllt werden. Berlin, 28. April. Die„Post“ schreibt: Der dem Herrenhause vorliegende Antrag von Schorlemer entspricht im wesentlichen der Auffassung der freikonservativen Fraktion des Abgeordnetenhauses. Es unterliege deshalb keinem Zweifel, daß, wenn das Herrenhaus diesen Vorschlag annehme, die freikonservative Partei ihm zustimmen wird. Koblenz, 28. April. Vom Kultusminister wird den Königlichen Regierungen bezw. Provinzialschulkollegien bekanntgegeben, daß in der Königlichen Landesturnanstalt zu Anfang Januar 1911 wiederum ein sechsmonatlicher Kursus zur Ausbildung von Turnlehrern eröffnet wird. In hohem Grade erwünscht sei es, eine größere Zahl wissenschaftlicher Lehrer, welche für die Erteilung des Turnunterrichts geeignet sind, durch Teilnahme an dem Kursus dafür ordnungsmäßig zu befähigen. Im Begleitbericht zu den Anmeldungen soll angegeben werden, an welchen Seminaren und Präparandenanstalten ein geprüfter Turnlehrer zurzeit noch fehlt und innerhalb welcher Zeit das Provinzialschulkollegium diesen Mangel zu beseitigen hofft. Die Konservativen und die Freikonservativen. Berlin, 28. April. Die„Kreuzzeitung" stellt folgende Betrachtung über die gegenwärtige Parteilage an: Wie das Herrenhausplenum über die Wahlrechtsvorlage entscheiden wird, steht dahin. Sicherlich ist es in seiner Mehrheit von dem guten Willen beseelt, mit der Regierung zu einer Einigung zu gelangen, zu der auch im Abgeordnetenhause eine starke Mehrheit zu gewinnen ist. Dazu nach Kräften behilflich zu sein, das ist jetzt die Aufgabe der Freikonservativen.=Statt die Kluft zwischen den Konservativen und den Nationalliberalen zu verbreitern, wie Frhr. v. Zedlitz es tut, sollten die Freikonservativen sie tatkräftig überbrücken. Zeigen aber auch sie selbst den Konzessionen des Herrenhauses gegenüber kein Entgegenkommen, kehren sie der Reform den Rücken, dann machen sie den Nationalliberalen geradezu jedes Entgegenkommen unmöglich und drängen sie immer fester an den Fortschritt. Es muß den Freikonservativen endlich einmal ernsthaft gesagt werden, daß ihre Haltung in der Wahlrechtsfrage am letzten Ende die eigene Partei für ein Scheitern der Reform und für die Fortdauer der unerquicklichen Parteiverhältnisse in erster Linie verantwortlich macht. Hansabund und die deutschen Marokkointeressen. Berlin, 28. April. Die erste Hauptversammlung der Berliner Vertreter des Hansabundes für Gewerbe, Handel und Industrie beschäftigte sich unter anderem mi. der Lage der wirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Verhältnisse in Marokko und nahm nach einem Bericht des Mitgliedes des DeutschMarokkanischen Ausschusses v. Reibnitz einstimmig folgende Entschließung an: Die allgemeine Delegiertenversammlung der Organisation Berlin des Hansabundes für Gewerbe, Handel und Industrie steht auf dem Standpunkt, daß die Sicherung der deutschen Mineninteressen in Marokko eine nationale Angelegenheit von größter volkswirtschaftlicher Bedeutung für das deutsche Reich ist und damit zu den allgemeinen Interessen von Handel, Gewerbe und Industrie gehört. Die erzverarbeitende Tätigkeit ist eine der Grundlagen der volkswirtschaftlichen Produktion überhaupt und übt somit ihre Wirkungen auf alle Zweige des Wirtschaftslebens, mag es sich um die direkte verarbeitende Tätigkeit oder um die von dieser abgeleiteten Berufszweige handeln. Unter diesen Gesichtspunkten bedeutet der abnehmende Erzvorrat in den Bergwerken des Deutschen Reiches eine nicht zu unterschätzende Sorge für die künftige produktive Tätigkeit, und es muß daher mit Freude begrüßt werden, daß bei dem ungeheuren Vorrat an Erzen in Marokko es der Tatkraft deutscher Unternehmer gelungen ist, für den deutschen Bedarf dort wertvolle Mutungsrechte zu sichern. Die Organisation Berlin des Hansabundes wünscht diese für die deutsche Wirtschaft überaus wichtigen Rechte mit aller Energie gesichert und erwartet, daß die amtlichen Vertretungen des deutschen Reiches bei den demnächst stattfindenden internationalen Verhandlungen in Paris diesem Standpunkt Rechnung tragen. Die deutsche Regierung kann einer Unterstützung weitester Kreise im Sinne obiger Ausführungen sicher sein. Wir ersuchen das Präsidium des Hansabundes, im Sinne obiger Darlegungen beim Herrn Reichskanzler und bei dem Herrn Staatssekretär des Auswärtigen Amts, sowie beim Reichstag vorstellig zu werden. Blos nicht die Empfindlichkeit der Franzosen verletzen! Ungezählte Krieger werden in diesem Jahre, da nun vier Jahrzehnte seit dem blutigen Ringen vergangen sind, die historischen Grabstätten in Lothringen um Metz herum aufsuchen. Unsere Regierung hat insofern diesen Besuch gefördert, als sie bekanntlich für die Veteranen und Krieger billige Eisenbahntarife zugestanden hat; leider aber suchen die Krieger nach höherer Anweisung, falls sie die auf französischem Boden liegenden Gräber besuchen wollen, sich einer geradezu peinlichen Zurückhaltung befleißigen. Es ist folgende Order ergangen:„Nach Mitteilungen, die uns(dem Bundesvorstand der Kriegervereine) von maßgebender Stelle zugegangen sind, muß gelegentlich der in diesem Jahre auf den Schlachtfeldern von Elsaß=Lothringen stattfindenden Gedächtnisfeier ein Ueberschreiten der französischen Grenze durch Massenbesuch unbedingt unterbleiben. Abgesehen von den Folgen, denen sich die Kameraden aussetzen würden, darf die Grenze auch schon deshalb nicht überschritten werden, weil zu derselben Zeit die Franzosen(Souvenir francais) große Massengedenkfeiern an der Grenze, z. B. bei Mars la Tour, abhalten. Aber auch einzelne Kameraden haben beim Ueberschreiten der Grenze Orden und Ehrenzeichen, sowie Kriegervereinsabzeichen abzulegen, sich aller Demonstrationen zu enthalten und den Anordnungen der französischen Beamten und Gendarmen unbedingt und ohne Widerspruch Folge zu leisten. Vereinsfahnen dürfen nicht mit über die Grenze genommen werden.“ Die letzt bezeichnete Anweisung ist verständlich, aber daß ein Veteran das eiserne Kreuz ablegen muß, wenn er die Stätte besichtigt, da einst die 7. Kürassiere und 16. Ulanen den Todesritt machten, das ist doch nicht zu verstehen. Es ist nicht bekannt geworden, daß die französischen Veteranen bei Besichtigung der Schlachtfelder auf deutscher Seite ihre Orden abgelegt haben. Rundschau im Husland. Belgien. Brüssel, 28. April. Theodore Roosevelt besuchte heute nachmittag die Aussiellung, wo auch der König anwesend war. In der großen Festhalle wurde er vom Abgeordneten Carton de Wiart als Förderei des Weltfriedens und würdiger Nachfolger George Waskingtons gefeiert. Roosevelt sprach über Bürgertugend, Bürgerpflicht und sozialen Ausgleich. Frankreich. Paris, 29. April. Aus Naney wird gemeldet, daß aus der Kaserne des 20. Infanterieregiments mehrere Mitrailleusenbestandteile entwendet seien. Mit den gestohlenen Stücken könnte man beinahe eines von diesen Maschinengewehren zusammensetzen. Die Untersuchung hat ergeben, daß die Diebstähle bereits seit Monatsfrist stattfanden. Bisher fanden keine Verhaftungen statt. Türkei. Konstantinopel, 28. April. Nach dem heutigen Ministerrat erging an den Oberkommandanten der Befehl, die in Stärke von 8000 Mann den Engpaß von Katschanik besetzt haiten, anzugreifen. Der Aufstand hat nunmehr aue Dörfer Oberalbeniens egriffen. Konstantinopel, 29. April. Nach einer amtlichen Nachricht ist zu den Aufständischen in Ipek eine Vermittlungsabordnung entsandt. Der heutige Selamlik fällt aus, da der Sultan noch der Schonung bedarf. Kreta. Paris, 29. April. Nach einer zweifellos vom Quai d'Orsay stammenden Mitteilung haben die vier Schutzmächte beschlossen, durch ihre Konsuln wegen der Absicht der kretischen Abgeordneten, dem Könige von Griechenland den Huldigungseid zu leisten, bei der kretischen Regierung Vorstellungen zu erheben und, um diesen Vorstellungen entsprechenden Nachdruck zu verleihen, Kriegsschiffe nach Kanea zu entsenden.— Der dem Panzerkreuzer Jules Michelet erteilte Auftrag hängt zweifellos mit dieser Maßnahme zusammen. China. Petersburg, 29. April. Die russische Regierung hat an China ein Ultimatum gerichtet mit der Forderung, daß China das Schiffahrtsabkommen auf dem Sungariflusse und dem Amur entsprechend den Verträgen von Petersburg vom Jahre 1881 einhalte. Sollte China das nicht tun, so wird Rußland die von den russischen Reedern gezahlten Schiffahrtsgebühren zurückfordern. China beruft sich darauf, daß die Verträge von 1881 durch den Portsmouther Frieden von 1905 aufgehoben seien. Eine wunderschöne Frage für das Haager Schiedsgericht; aber trotz der drohenden Worte kein Grund zur Aufregung. Das Programm des Kabinetts Luzatti. Rom, 28. April. In seiner Programmrede führte Minister Luzatti aus, daß die neue Regierung an einer Reihe von Plänen und Maßnahmen des Kabinetts festhalte, so an der Schaffung eines Verkehrsministeriums, dem außer den Eisenbahnen auch das Seewesen unterstellt werden solle, ferner an den finanziellen Maßnahmen zu Gunsten der Gemeinden und Provinzen, sowie zur Verbesserung des Volksschulunterrichts. Der Ministerpräsident erörterte dann die allgemeine Politik des Kabinetts und betonte die Festigkeit des Dreibundes, die soeben sowohl bei dem freudig begrüßten Besuch des deutschen Reichskanzlers,„unseres willkommenen Gastes in Rom“, wie durch den herzlichen Austausch der gemeinsamen Anschauungen zwischen den auswärtigen Ministern Italiens und OesterreichUngarns aufs neue bekräftigt wurde. Die aufrichtige Freundschaft mit Frankreich, Großbritannien und Rußland und die ausgezeichneten Beziehungen zu allen anderen Staaten ließen Italien immer deutlicher als einen tätigen Faktor der EinSrinnerungen an Wagner und Liszt gab Fürstin Pauline Metternich=Sandor zum besten bei einer Vorlesung, die sie in ihrem Palais zu Wien zugunsten der Poliklinik hielt. Sie erzählte einiges aus ihrer Pariser Zeit, besonders aus ihren Erinnerungen an Richard Wagner und Franz Liszt; auch über zwei Ausflüge mit der Kaiserin Eugenie wußte sie Interessantes zu berichten. Ein Ball in den Tuillerien gab der Fürstin Metternich Gelegenheit zur Ausführung ihres Lieblingsgedankens, vom Kaiser die Erlaubnis zur Aufführung des„Tannhäuser“ in Paris auszuwirken. Sie berichtete darüber: „Napoleon unterhielt sich mit mir zufällig über die Vorstellungen in der Oper. Ich konnte nicht umhin, dem Kaiser zu erklären, daß es höchst bedauerlich wäre, daß das Repertoire so beschränkt sei und nur zwischen dem„Tell“, den„Hugenotten“ und der„Favoritin“ sich bewege. Warum ist es nicht möglich, neue Werke wie an allen anderen Bühnen Oesterreichs und Deutschlands, welche mit Erfolg dort aufgeführt werden, hier zu geben? Nach diesem Ausspruch kam es über mich: jetzt oder nie ist der Augenblick gekommen, mit Wagner und dem„Tannhäuser" herauszurücken." Die Fürstin trug Napoleon ihre Bitte vor, und der Kaiser antwortete:„Eine Bitte wegen der Oper?" Die Fürstin:„Ja, einer Oper, die ich für mein Leben gern hier aufgeführt sehen möchte." Der Kaiser:„Und von wem ist diese wundervolle Oper?" Die Fürstin:„Von Richard Wagner, einem der größten Komponisten der Jetztzeit. Sie heißt„Tannhäuser" und wird in Wien gegeben, wo sie, wenn sie auch nicht allgemeine Anerkennung findet, doch von allen Musikkennern als Meisterwerk gepriesen wird." „Tannhäuser! Richard Wagner!“ sprach der Kaiser vor sich hin, sich den Schnurrbart streichend,„ich habe niemals weder von der Oper noch von dem Komponisten gehört, und Sie behaupten, die Oper sei wirklich gut?“ Auf die bejahende Antwort der Fürstin wandte sich der Kaiser gegen den Oberkammerherrn Grafen Bacciocchi dem die kaiserlichen Theater unterstanden, und sagte:„Hören Sie, Bacciocchi, die Fürstin Metternich interessiert sich für eine Oper,„Tannhäuser" genannt, von einem gewissen Richard Wagner und möchte sie hier aufgeführt sehen. Lassen Sie sie geben!“ So war der„Tannhäuser“ für Paris geboren. Aus ihren Erinnerungen an Franz von Liszt erzählte die Fürstin, daß ihr Liszt eines Abends im engsten Freundeskreise den Vorschlag machte, mit ihr vierhändig einen Straußschen Walzer zu spielen. tracht erscheinen, der unter allen Umständen bereit sei, Lösungen vorzuschlagen und zu unterstützen, die geeignet sind, die Regierungen einander immer näher zu bringen und die Völker zu verbrüdern. Der Ministerpräsident gab dann der Hoffnung Ausdruck, daß im Jahre 1911 in Rom gelegentlich der Jubelfeier der nationalen Eintracht Italiens niemand zurückbleiben werde. In Vorbereitung sind allgemeine und feste Leitsätze über Arbeitsverträge, Auswanderung und Verlust bezw. Erhaltung der Staatsangehörigkeit. Auf die beabsichtigten politischen Reformen übergehend, betonte der Ministerpräsident, von der nächsten Tagung ab solle der Senat seine Präsidenten und Vizepräsidenten selbst ernennen. Für die Wahlen zur Deputiertenkammer solle eine Aenderung der Wahlkreiseinteilung in den Großstädten angestrebt werden, die den Versuch gestatten würde, ob das Proportionalsystem dem System der politischen Verhältnisse entspreche. Später solle auch die Frage entschieden werden, ob man nicht allen großjährigen Bürgern, die lesen und schreiben können, das Wahlrecht bewilligen könne. Zur Prüfung der Schiffahrtssubventionen schlage er die Einsetzung einer parlamentarischen Kommission vor. Schließlich ersuchte der Ministerpräsident die Kammer um ein klares und einfaches Urteil, da die Wichtigkeit der der Lösung barrenden Probleme eine schwache oder nur geduldete Regierung nicht gestatte. Von Nab und Fern. Marienwerder, 29. April. Die hier streikenden organisierten Maurer und Zimmerleute überfielen, 100 Mann stark, die nichtorganisierten Maurer und Bauhilfsarbeiter in der Nachbarstadt Neuenburg, als diese sich zur Arbeit begaben. Die Streikenden hatten sich versteckt gehalten und fielen über die Nichtorganisierten mit Ochsenziemern, Steinen und Knüppeln her. Fünf Arbeitswillige wurden bei dem sich entspinnenden Handgemenge derart verletzt, daß sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußten. Die Rädelsführer wurden verhaftet. Kopenhagen, 29. April. Eine Flaschenpost vom„Prinz Wilhelm II.“, dem holländischen Dampfer, der seit längerer Zeit verschwunden ist, wurde jetzt aufgefunden. Am nördlichen Strande der holländischen Insel Texel wurde eine Fläsche angespült, die nachstehende, mit Bleistift geschriebene Botschaft enthält:„Gott helfe, wir gehen verloren! An Bord des Dampfers„Prinz Wilhelm II.“ A. v. L.“ Die Angaben waren jene des zweiten Stewards A. v. Leiden. Dies ist das letzte Zeichen„das man von dem Dampfer vernommen hat London, 29. April. Infolge Zusammenbruchs einer Fördermaschine wurden im Tyngbed=Kohlenbergwerk in England etwa 500 Grubenarbeiter von der Außenwelt abgeschnitten. Durch einen alten Schacht, der in Eile zur Wiederbenutzung hergerichtet wurde, werden die Leute zu Tage gefördert. Das Rettungswerk, das die ganze Nacht hindurch dauern dürfte, geht nur langsam vonstatten, da nicht mehr als vier Leute auf einmal hinaufgebracht werden können und jede Förderung 10 Minuten dauert. Den Eingeschlossenen wird in Milchkannen und Körben Nahrung gebracht Hofrichters Geltändnis. Wien, 29. April. Am Schluß des Verhörs über den Giftmord=Anschlag gegen die Generalstabsoffiziere erhielt der verdächtige Oberstleutnant Hofrichter, der seit dem 22. November vorigen Jahres sich in Haft befindet, Gelegenheit, das gesamte Beweismaterial, das für ihn erdrückend war, kennen zu lernen. Hofrichter mußte selbst zu der Einsicht kommen, daß das Beweismaterial nicht umgestoßen werden könnte. Hierin wurde er zum Teil durch die Militärärzte, die ihn mehrfach auf seinen Geisteszustand untersucht hatten, bestärkt. Deshalb ließ er sich gestern dem Untersuchungsrichter vorführen, dem er das Geständnis ablegte, die Giftpillen abgesandt zu haben, um die Offiziere aus dem Wege zu räumen und um wieder in den Generalstab zu kommen. Diesen Plan habe er aus Liebe zu seiner Gattin gemacht, um ihre Zukunft zu sichern. Da durch diese geänderte Prozeßlage das Vorgehen der Frau Hofrichter nicht ganz einwandfrei ist, wurde sie heute früh dem Untersuchungsrichter vorgeführt und einem Verhör unterzogen, das heute mittag noch nicht beendet war. Wien, 29. April. Aus dem Geständnis Hofrichters geht hervor, daß er am 14. November v. J. um 6 Uhr morgens die Giftbriefe— es waren 12— in den Postkasten am Cafe Westend in Mariahilf geworfen habe. Das Cyankali hat er sich nach seiner Angabe schon vor längerer Zeit von einem Verwandten in Schlesien unauffällig verschafft. Die Szene, in der Hofrichter das Geständnis ablegte, spielte sich folgendermaßen ab. Oberleutnant Hofrichter bat gestern nachmittag, vor den „Mit großem Vergnügen! erwiderte ich, und stürzte mich dann todesmutig an der Seite des Meisters in den Kampf mit dem Walzer. Der Nachtfalter Liszt meinte zum Schluß, obwohl er von meinem elenden Spiel wohl kaum etwas gehört haben mag, es sei ganz gut gewesen, und ich hätte einen echt wienerischen Takt. Napoleon und Eugenie hatten von der Anwesenheit Liszts in Paris gehört und wünschten ihn zu sehen und zu hören. Wir wurden beauftragt, ihn in die Tuillerien zu bringen, und die Einladung erging in der Form eines kleinen Diners. Nach dem Essen entzückte Liszt die Anwesenden durch den Vortrag mehrerer Piecen, hauptsächlich des Schubertschen Walzers, den er„Backhendl“ zu nennen pflegte. Tags darauf sandte der Kaiser Liszt den Orden der Ehrenlegion durch Vermittlung meines Mannes." „Great Caltern“ und„George Walhington“. Am 17. Juni d. J. werden 50 Jahre vergangen sein, seitdem der„Great Eastern", jener vielgenannte Vorläufer unserer modernen großen transatlantischen Dampfer, seine erste Reise von Southampton nach Newyork antrat. Noch nie zuvor war ein Schiff von ähnlichen Dimensionen erbaut, und nur dem kühnen Wagen des Ingenieurs Joambart Kingdom Brunel war das Zustandekommen des Baues zu verdanken. Brunel, ein Sohn des Erbauers des ersten Themsetunnels, verstand es, die Kapitalisten von der Möglichkeit seiner Pläne zu überzeugen. Im Jahre 1852 wurde auf der Werf von Scott Russell in Millwall bei London der Kiel zum„Liviathan“(erst später in„Great Eastern" umgetauft) gestreckt. Erst 1857 gelang es mit vieler Mühe den riesigen Schiffskörper, und zwar auch nur stückweise, zu Wasser zu bringen. Bis zur vollkommenen Herstellung vergingen noch drei Jahre, und endlich konnte am 17. Juni 1860 das Schiff seine erste Reise, die nach Newyork ging, antreten. Am 28. Juni wurde Sandy Hook erreicht, mithin hatte die Reise 12 Tage gedauert. Der„Great Eastern“ war 207 Meter lang und 25,3 Meter breit. Zur Fortbewegung dienten zwei Schaufelräder, jedes von 17 Meter Durchmesser, sowie eine Schraube von 7,3 Meter Durchmesser, die durch Maschinen von 7650 indiz. Pferdekräften, 3650 für die Räder und 4000 für die Schraube, getrieben wurden. Außerdem hatte das Schiff sechs Masten, von denen zwei Raa= und vier mit Schrattakelage versehen waren, die eine Segelfläche von 6500 gm tragen konnten. Von der enormen Größe der Massen zeugt der Umstand, daß beispielsweise die Hauptraa 37 Meter lang war. Mit seinen kolossalen Schornsteinen und den sechs Masten machte das Fahrzeug einen imposanten Eindruck. Das Schiff brachte es auf seiner ersten Reife die Untersuchung führenden Majorauditor Kunz geführt zu werden, wo er in sehr aufgeregtem Zustand das Geständnis nur stoßweise vorbringen konnte.„Ich bin der Absender der Giftbriefe. Um wieder in den Generalstab zu kommen, habe ich mich entschlossen, eine Anzahl Generalstabsoffiziere durch Zusendung von Cyankalibriefen zu vergiften. Ich glaubte so die Karriere im Generalstab wieder erlangen zu können. Nach einer Pause fügte Hofrichter dann noch hinzu: Maßgebend für mich war auch die Liebe zu meiner Frau; als der Frau eines Generalstäblers wollte ich ihr ein sorgenfreies Leben sichern.“ — Nach diesem Geständnis, das Hofrichter auf das tiefste erschüttert hatte, wurde ihm Ruhe gegönnt. Er wurde daher wieder in seine Zelle geführt. Von dem Geständnis wurde sofort der Kaiser in Kenntnis gesetzt. Bekanntlich hätte Hofrichter, wenn er nicht eingestanden hätte, nach der noch jetzt geltenden alten Militär=Strafprozeßordnung nicht zum Tode verurteilt werden können. Dagegen kann jetzt, nachdem er das Geständnis abgelegt hat, eine Verurteilung zum Tode erfolgen. Frau Hofrichter wurde heute morgen verhört. Schon vor Beginn der Vernehmung wurde sie von dem Geständnis ihres Gatten in Kenntnis gesetzt. Sie nahm diese Mitteilung mit ziemlicher Ruhe und ohne sonderliche Ueberraschung auf, als ob sie mit diesem Geständnis schon seit langer Zeit gerechnet hätte. Die Vernehmung der Frau Hofrichter. Wien, 29. April. Die Vernehmung der Frau Hofrichter, gegen die der Verdacht der falschen Zeugenaussage vor dem Militärgericht vorliegt, dauerte bis zum späten Abend. Im Einvernehmen mit der Staatsanwaltschaft wurde verfügt, daß Frau Hofrichter vorläufig zur Disposition der polizeilichen Untersuchung zu bleiben habe. Frau Hofrichter verbleibt die heutige Nacht im Polizeigebäude. Erst morgen wird entschieden werden„ob gegen sie die Anklage wegen falscher Zeugenaussage erhoben wird. Luftschiffahrt. London, 29. April. Der Manchester=Flug Paulhans steht hier im Vordergrunde des Interesses. White telegraphierte, so wie er die Nachricht von Paulhans Sieg erhalten hatte, ihm aus Polesworth seine herzlichsten Glückwünsche und fügte hinzu: Der Bessere von uns hat gesiegt. In Manchester beschloß man, auf der Wiese, wo Paulhan landete, ein Denkmal zu errichten, das die Tat verewigt. Später begab sich Paulhan, begleitet von Farman, nach dem Rathaus. Eine zahlreiche Menschenmenge brachte ihm trotz des strömenden Regens warme Ovationen dar. Im Rathause wurde Paulhan vom Lordmayor, dem französischen Generalkonsul und den Ratsherren empfangen. Der Lordmayor hielt eine Ansprache, in der er erklärte, diese Tat werde in der Geschichte fortleben. Paulhan sprach dann dem Lordmayor und den übrigen Herren seinen Dank aus. Danach besuchte er das Daily Mail=Bureau in Manchester. Abends kehrte Paulhan mit seiner Gattin nach London zurück. White ist nach den letzten Nachrichten noch in Polesworth. Oertliches und Allgemeines. Lüdenscheid, 30. April. An unsere Mitbürger! In diesen Tagen versendet unsere Abteilung vom S. G. V. wieder eine große Anzahl von Karten und Schriften an Mitbürger, um neue Mitglieder hinzuzuwerben. Mancher legt da vielleicht das betreffende Blatt achtlos beiseite oder wirft es ungelesen in den Papierkorb und entschuldigt seine Ablehnung dann von sich, und andre mit dem Vorwande, für ihn sei die Zugehörigkeit zum S. G. V. zwecklos, da er sich nicht an den Vereinswanderungen beteiligen könne. Und doch wäre sein Beitritt ein wahrhaft gutes Werk. Diese Vereinswanderungen sind ja nur ein winzig kleiner Teil der Tätigkeit des S. G. V. Seine Hauptaufgaben liegen auf einem anderen Gebiete. Er will den Besuch des schönen Sauerlandes für jedermann möglich machen und unbekannte Gegenden erschließen. Zu dem Zweck werden Wege angelegt, verbessert und durch Wegweiser kenntlich gemacht; Ruhebänke werden aufgestellt, hübsche Aussichten freigelegt, und dadurch wird allen, auch Schwächeren und Verwöhnten, der Genuß von Gottes freier Natur erleichtert. Das Geschaffene wird dann alljährlich in mühevoller Arbeit nachgeprüft, Verbesserungen werden angebracht und die Strecken des Wegenetzes stetig erweitert. Außerdem werden aus den Mitteln des S. G. V. die Unkosten der Schülerherbergen gedeckt, die unserer Jugend durch freie Nachtquartiere die Freude am Wandern zurückgeben sollen. Das alles sind Aufgaben von kulturellem Wert, die viel Geld erfordern, und jeder, der in auf eine größte Geschwindigkeit von 14½ Seemeilen pro Stunde, eine Leistung die um so höher anzuschlagen war, als ein Zusammenwirken von Rad= und Schraubenpropellern bis dahin noch nicht erprobt war. Der ökonomische Mißerfolg dieses gewaltigen Fahrzeugs, das noch 36 Jahre lang sein Dasein auf die verschiedenste Weise, hauptsächlich als Kabelleger, gefristet hat, ist bekannt, aber in technischer Beziehung stellte dieses Wunderwerk doch einen unbestreitbaren Erfolg dar. Die Geschwindigkeit des„Great Eastern“ ist erst seit 1879, seine äußeren Dimensionen sind erst 1903 durch den Schnelldampfer„Kaiser Wilhelm II.“ des Norddeutschen Lloyd wieder erreicht worden. Für den Schiffbauer ist die sinnreiche Bauweise jenes Schiffes, die ausgiebige Anwendung des Längsspantensystems in Verbindung mit einem Doppelboden bis auf die heutige Zeit vorbildlich gewesen. Im übrigen aber konnten die mit dem „Great Eastern“ gemachten Erfahrungen die Dampfschiffahrtsgesellschaften damals nicht ermuntern, den Versuch mit so großen Schiffen zu erneuern. Sie kehrten meist zu Fahrzeugen von 100 bis 120 Meter Länge zurück und suchten durch rationellere Ausnutzung der Dampfkraft und Verminderung des Kohlenverbrauchs den Betrieb einträglich zu gestalten. So blieben die Abmessungen der Dampfer bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts ziemlich beschränkte. Dann aber begannen sich mit der Ausdehnung der internationalen Handelsbeziehungen die Maße allmählich zu vergrößern; sie stiegen in den achtziger Jahren bei einzelnen Schiffen auf 160 bis 170 Meter in der Länge; inzwischen ist das Längenmaß auf weit über 200 Meter ausgedehnt worden. Der Doppelschraubendampfer orge Washington“ des Norddeutschen Lloyd z. B., welcher auf der Werft des Stettiner Vulkan in Bredow gebaut ist, übertrifft mit 220,2 Meter den„Great Eastern“ an Länge um 13,2 Meter, aber er hat schlankere Formen als dieser, da er um 1,22 Meter schmäler ist als der vielgenannte Engländer. Insgesamt faßt der„George Washington“ 2676 Passagiere, von denen 565 in der 1. Klasse, 433 in der 2. Klasse, 452 in der 3. Klasse und 1226 im Zwischendeck bequem untergebracht werden können. Hierzu kommt noch eine Schiffsbesatzung von 586 Köpfen. Die Maschinen leisten 20 000 indiz. Pferdekräfte, also beinahe das dreifache des„Great Eastern“. Der Dampfer hat auf seinen bisherigen Reisen durchschnittlich eine Geschwindigkeit von 18½ Seemeilen pro Stunde entwickelt. Die Fortbewegung des Schiffes geschieht durch die von zwei Vierfach=Expansionsmaschinen getriebenen Doppelschrauben. Die Hilfe von Segeln, wie sie dem„Great Eastern“ außerdem noch zu Gebote stand, ist auf modernen Schiffen fast ganz in Wegfall gekommen.„George Washington“ ist z. Z. der größte Dampfer der deutschen Handelsflotte. der Lage sein mit bleibt die monatlich bote“ mit richten fre dem Bewi Sache bei, des Ein W. 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Lüdenscheid. Ein Wort an die Meister über die Ausbildung der neuen Lehrlinge. Von einem praktischen Meister. Von den vielen Jungen, die vor kurzem bei den Meistern in die Lehre getreten sind, gilt das Wort des Dichters: Wir sind nicht, um zu sein; Wir leben, um zu werden. Die jungen Leute sind uns, den Meistern, in der bestimmten Erwartung übergeben worden, daß wir etwas Tüchtiges aus ihnen machen sollen. Das Handwerk ist also auch zum Jugendbildner berufen, und es ist der schlechteste gewiß nicht, wenn ihm in dieser Beziehung auch keine Ehrungen zufallen. Man möchte sagen, das liegt bloß an der Verpackung, womit aber natürlich gemeint ist, daß das Handwerk im Gegensatz zu anderen Ständen noch keinen Anspruch auf Erziehungslorbeeren erhoben hat. Und wer nichts verlangt, kriegt nichts, das war immer so und wird ewig so bleiben. Nur durch die Korporation kann ein Stand sich zu Ansehen bringen, wie es in alten Zeiten war. Sie wissen schon: damals, als das korporativ festgeschlossene Handwerk noch festen Boden unter sich hatte. Man nannte es den goldenen Boden. Aber daß es nicht mehr so ist, das soll uns nicht abhalten, unsere Pflicht hinsichtlich der Ausbildung der uns anvertrauten jungen Leute zu tun. Gegenteil. Einem jeden von uns erwächst aus dreifachem Grunde die Pflicht, es bei den Lehrlingen ernst zu nehmen, erstens nämlich aus Rücksicht auf die Jungen selbst, dann aus Rücksicht auf das Handwerk und seine Stellung im öffentlichen Leben, sowie schließlich aus der Rücksicht, die jeder auf sich zu nehmen hat, wenn er bei seinen Kollegen und Standesgenossen geachtet dastehen will. Es kann uns durchaus nicht gleichgültig sein, ob ein junger Mensch bei uns etwas lernt oder nicht; im letzteren Falle bleibt doch immer ein Makel auf uns oder doch auf unserem Geschäft haften. Also wir haben die Fähigkeiten der jungen Leute aufzuschließen und ihnen Bahn zu machen. Viel sprechen dabei die Charaktereigenschaften der jungen Leute mit, aber zumal die jüngeren Meister dürfen sich dadurch nicht gleich irre machen lassen, daß ein Junge etwa ungezogen oder eigensinnig ist. Allerdings muß vorhandener Widerstand unbedingt gebrochen werden, sonst wird nichts daraus. Aber dann werden gerade diese Jungen oft die besten. Dagegen ist man schlimm daran, wenn die Jungen faul sind. Aus solchem Makerial etwas Ordentliches zu machen, ist fast unmöglich, und jedenfalls dann nicht, wenn nicht auch die Eltern mit großer Strenge dahinter her sind. Recht wenig Wert wird seitens vieler Meister auf die Fortbildungsschule gelegt, mancher bekümmert sich überhaupt nicht darum und sieht höchstens einmal nach, wenn er die Zensuren unterschreiben muß. Nun liegt mir serne, den Lehrherren zu dem, was sie sonst zu tragen haben, etwa zumuten zu wollen, daß sie auch noch die Schularbeiten regelmäßig beaufsichtigen sollen. Wer es tun will und kann, um so besser. Aber es ist schon viel, wenn die Jungen merken, daß man Wert auf die Fortbildungsschule legt. Geringschätzig darüber zu sprechen, das ist ganz verkehrt. Uebertragen wir die folgenden Strophen Schillers noch auf die Ausbildung der Lehrlinge: .aus der Kräfte schön vereintem Streben erhebt sich, wirkend, erst das wahre Leben, so werden wir im Verein mit Eltern und Lehrern die Gewißheit haben, daß doch nicht alles umsonst ist. * Ein Promenadenkonzert des Städtischen Orchesters findet morgen vormittag 11¾ Uhr auf dem Karlsplatz statt. *Titelverleihung. Durch Allerhöchsten Erlaß ist dem praktischen Arzt Dr. Klingenheben hier der Titel„Sanitätsrat“ verliehen worden. Das Patent über die Titelverleihung wurde ihm heute durch den Herrn Ersten Bürgermeister Dr. Jockusch überreicht. * Im deutschen Flottenverein wird am nächsten Samstag im Hotel zur Post Herr Professor Breitenbach einen Vortrag halten, zu dem auch die Mitglieder der Deutschen Kolonialgesellschaft und des Alldeutschen Verbandes, ferner alle Freunde der Sache eingeladen werden. Herr Professor Breitenbach wird über„Die Entwicklung des britischen Weltreiches“ sprechen. *Wichtige Postverbindung. Vom 2. Mai ab wird der Zug 7767, ab Lüdenschid 7.10 abends, zur Beförderung gewöhnlicher und eingeschriebener Briefsendungen benutzt. Der Zug erreicht in Hagen den wichtigen Anschluß an den D=Zug 32, der die Sendungen für die Strecke Hagen=Elberfeld=Köln und darüber hinaus befördert. Es kommen hauptsächlich in Betracht: Belgien, Frankreich, Spanien, die Strecke Köln=Frankfurt und der Süden. Paris wird 7,35 morgens erreicht. Die Briefe müssen, wenn sie 7,10 abgesandt werden sollen, bis spätestens 6,45 durch die Posthausbriefkasten aufgeliefert sein. *Schaufenster=Wettbewerb in Hagen. Für den am Sonntag in Hagen stattfindenden Schaufenster=Wettbewerb gibt der Hagner Verkehrs=Verein das für Sonntag vorgesehene Tagesprogramm statt. Danach wird das Folkwangmuseum eine Sonderausstellung„Die Kunst im Dienste des Kaufmannes" zu einem ermäßigten Preise veranstalten; das Krematorium gibt nachm. gleichfalls Eintrittskarten zu niedrigem Preise aus; zur kostenfreien Besichtigung sind gestellt zwei Schöpfungen des Prof. Henry van de Velde: a) Maschinensaal der Firma R. u. H. Vorster, Wehringhauserstraße 102; b) Aufsichtsratssaal der Firma Hagener Textilindustrie, Lindenstraße 2—6. Außerdem wird vor dem Rathause und zwar vormittags von ½12—1 Uhr, nachmittags von 4—6 Uhr ein Promenadenkonzert von der Kapelle des Feldartillerie=Regiments Nr. 22 aus Münster ausgeführt. Abends finden endlich noch statt: Ein bunter Abend, veranstaltet von Künstlern des Hagener Schauspielhauses im Viktoriasaale, Körnerstraße und Militär=Konzert im Parkhause (Stadtgarten). *Der vierte westfälische Bannerkampf der höheren Schulen findet am 1. Oktober d. J. in Dortmund statt. Es ist in diesem Jahre nur ein Tag für den Wettkampf angesetzt, so daß für die auswärtigen Schüler keine Quartiere beschafft zu werden brauchen. Um dem Turnspiel an den höheren Schulen Westfalens mehr Geltung zu verschaffen, soll der diesjährige Bannerkampf ein Spielkampf sein. Als Wettspiel ist das schönste und turnerisch wertvollste aller Spiele, das Schlagballspiel, ausersehen worden. Bei diesem Spielkampf sollen sowohl die beiden vom Oberpräsidenten gestifteten Banner als auch das vom Landtagsabgeordneten von Schenckendorff gestiftete Ehrenschild zur Verteilung kommen. Von den Mannschaften, die aus der Konkurrenz ausscheiden, werden auch andere Wettspiele ausgetragen werden. Für den Bannerkampf wurden die Spielplätze im Westerholz, an der Hobertsburg und am Fredenbaum in Aussicht genommen. Verkehrserleichterungen. Die Königliche Eisenbahndirektion Essen hat wiederum eine Zusammenstellung der bestehenden Verkehrserleichterungen herausgegeben, die von den Fahrkartenausgaben ihres Bezirks unentgeltlich abgegeben wird. Sie enthält die Bestimmungen über Sonntags= und Mittwochskarten, sowie über Sonderzüge nach dem Siebengebirge und ferner Fahrkarten nach den Nord= und Östseebädern. Die Uebersicht der Feriensonderzüge erscheint erst Ende Juni oder Anfangs Juli, die Fahrplöne stehen noch nicht fest. * Darf ein Gastwirt borgen? Auf dem Wege der Polizeiverordnung verbot die Polizeibehörde eines industriereichen Bezirkes den Gast= und Schankwirten sowie den Branntweinhändlern jedwede Verabreichung von Spirituosen auf Kredit und drohte bei etwaiger Ueberschreitung mit hohen Strafen. Ein Gastwirt, der bei der Lage seines Geschäftes diese Vorschrift nicht erfüllen konnte und in Strafe genommen wurde, beantragte gerichtliche Entscheidung und führte schließlich eine Entscheidung des Kammergerichts herbei, welches diese Polizeiverordnung für rechtsungültig erklärte.— Wir möchten indessen nicht untrlassen, darauf hinzuweisen, daß nach einer Verfügung des Ministers des Innern aus der bloßen Verabfolgung von nicht sofort bezahlten geistigen Getränken ein Grund zur Konzessionsentziehung entnommen werden kann, wenn die Gewährung von Kredit in einem Maße geschieht, welches die Annahme rechtfertigt, daß das Gewerbe zur Förderung der Böllerei mißbraucht wird. * Hus den Kreifen Altena und Iserlohn. * In der Sitzung der Gemeindevertretung von Hülscheid wurde folgendes beraten und beschlossen: 1. Der vorgeschlagenen Aenderung der Biersteuerordnung zuzustimmen. 2. Sich mit dem Amte Halver dahin zu verständigen, daß der Zufuhrweg zum Bahnhof Schalksmühle auf gemeinsame Kosten instand gesetzt wird. 3. Den zweiten Teil des Sterbecker Weges sofort auszubauen und zwar möglichst bis zur Ortschaft Sterbecke, sowie hierzu eine Provinzialbeihülfe zu erbitten. 4. Im Sterbecker Wege einen größeren Durchlaß für den Glabecker Bach anzulegen und die dort freiwerdenden Rohre zu einer Erweiterung am Garten der Gebrüder Reinecke in Sterbeckerhammer zu verwenden. 5. Die Besitzer Markus und Schröder in Lauenscheidermühle zur Auflassung des jetzigen Weges von Wortmann nach der Horst zu veranlassen. 6. Für den Sterbecker Weg die erforderlichen Schutzsteine zu beschaffen. 7. Zur Herstellung einer Fußgängerunterführung am Bahnhof Rummenohl im Zuge des Sterbecker Weges den Betrag von 200 Mark zu bewilligen, sofern die Gemeinde Breckerfeld zu diesem Zwecke 100 Mark gibt. 8. Den Antrag auf Ausführung von Schulreparaturen in Linscheid dem Schulvorstand zu überweisen und diesen zu ersuchen, die übrigen Reparaturen so zeitig zu ermitteln, daß sie in den Sommerferien, die voraussichtlich in den Monat Juli fallen, zur Ausführung gelangen können. 9. In der Nähe der Schule Winkeln zu versuchen einen ergiebigeren Brunnen zu schaffen. 10. Bei eintretenden Bränden für das Hin= und Rückfahren der Spritze den Betrag von 15 Mark festzusetzen sowie den erforderlichen Brandwachen, die tunlichst nicht stärker wie drei Mann sein sollen, pro Kopf und Nacht eine Vergütung von 4,50 Mark zu gewähren. 11. Der Freiwilligen Feuerwehr in Hülscheid zum Bau eines Spritzenhauses nebst Steigerturm ein Darlehen von 1000 Mark zum Sparkassenzinsfuß zu überlassen. 12. Sofern der Wasserreichtum der Clagebacher Leitung es gestattet und der Antragsteller die Verzinsung der Rohrverlängerung bis Walze unter bestimmter Modifizierung zu tragen bereit ist, einer Leitungsvergrößerung näherzutreten. 13. Die Erdarbeiten für die Spormecker Schule baldigst auszuschreiben und zu vergeben, im übrigen das neue Projekt in Bezug auf den Kostenpunkt genauer zu prüfen und zu diesem Zwecke den Amtsbaumeister zu ersuchen, mit der Anfertigung der Pläne umgehend zu beginnen. 14. Außer Tagesordnung unter bestimmten Voraussetzungen dem Ankauf von ca. 150 Morgen Waldparzelle zuzustimmen. Altena, 28. April. Der Arbeiter Kiebeler, der in Hohenlimburg in Arbeit steht, kam hier mit dem Zuge 7,26 Uhr an. Er ging durch die Unterführung und stürzte so unglücklich, daß er besinnungslos liegen blieb. Der Bahnhofsvorstand nahm sich des Verunglückten an und die Aerzte Dunkel und Schäfer legten den Notverband an. Dann wurde er in das städtische Krankenhaus transportiert, wo ein Schädelbruch konstatiert wurde. Neuelte Nachrichten und Telegramme. Björnsons letzte Reise. Hamburg, 29. April. Die Leiche Björnsons traf heute nachmittag kurz nach 5 Uhr mit dem D=Zug 93 auf dem hiesigen Hauptbahnhofe ein. Der Sarg, der im hinteren Teile eines Salonwagens aufgebahrt ist, wird von Frau Björnson und Frau Stadtrat Ibsen begleitet. Zum Empfang hatten sich auf dem Bahnsteig die Konsuln und Vizekonsuln von Schweden, Norwegen und Dänemark, sowie viele Mitglieder der norwegischen Kolonie eingefunden. Der norwegische und der danische Generalkonsul begaben sich in den Salonwagen, um der Gattin des Dahingeschiedenen ihre Teilnahme auszusprechen. Vom skandinavischen Klub und den Mitgliedern der norwegischen Kolonie wurden Kränze am Sarge niedergelegt. Der Salonwagen wurde alsdann in den um 8 Uhr 48 Minuten abends über Vandrup gehenden Zug eingestellt. Neue Pogroms in Kiew? Bukarest, 29. April. Wie hiesige Zeitungen zu melden wissen, sollen gestern in Kiew große Pogroms stattgefunden haben. Es sei zu erbitterten Kämpfen zwischen Holigans und den Juden gekommen, wobei Hunderte von Jugen getötet und viele schwer verletzt wurden. Frauen und Kinder seien niedergemacht worden. Polizei und Gendarmerie hätten dem Treiben untätig zugesehen und viele von ihnen hätten sich sogar daran beteiligt. Die Revolution in Albanien. Saloniki, 29. April. Der Anmarsch der Truppen von Verisovitsch, der von zwei Seiten erfolgte, veranlaßte die Arnauten, die den Eingang des Defiles von Katschanik besetzt hielten, ihre Stellung in größter Unordnung zu verlassen und sich ins Gebirge zurückzuziehen. Die Bevölkerung von Simara im Vilajet Janina fährt fort, die Anordnungen der Behörden zu ignorieren. Eine dorthin entsandte Kommission wurde tätlich angegriffen. Zwei Bataillone und eine Batterie sind von Janina dorthin abgegangen. Große Feuersbrunst. Neuyork, 30. April. Das Roßmorehotel in Cornwall (Ontario) brannte gestern früh um 3 Uhr nieder. 12 Gäste verbrannten in den Betten, 20 wurden verletzt. Viele sprangen, in Bettdecken gehüllt, aus den Fenstern in Sprungdecken. Das aus Holz gebaute Hotel brannte innerhalb einer Stunde mehet. Vermischtes Trauer in Skandinavien. Aus Christiania, den 27. April, wird berichtet: Die Hauptstädte des Nordens haben Trauergewand angelegt. Ueberall sieht man Fahnen auf Halbmast. Alle größeren Zeitungen erscheinen heute in Christiania, Kopenhagen und Stockholm fast ausschließlich als Björnson=Nummern. In der heutigen Nummer der„Politiken“, findet sich ein Nachruf von Georg Brandes, in dem es heißt, daß das norwegische Volk unserer Tage ohne Björnson undenkbar wäre Er habe das neue norwegische Nationalgefühl geformt. Weiter heißt es:„Das Herz Björnsons war groß und reich. Daß er seine Begrenzung hatte wie alle Menschen, hätte nichts bedeutet, wenn er sie nur gekannt hätte. Das tat er leider nicht. Aber, er war von seiner frühesten Jugend an bis zu seinen letzten Lebensjahren ein ausgeprägtes Genie. Er hatte die hohen Gaben des Genies, sprudelnde Ursprünglichkeit, die Fähigkeit des Neubeginnens, in der Dichtkunst den sicheren Griff, Seelengröße, zuweilen Witz, oft Gewalt und Macht. Seine Riesengestalt entspricht dem griechischen Ausdruck, der schön und gut in einem Worte bedeutet“. In Christiania werden die Björnson=Trauerfeierlichkeiten mit den Festlichkeiten kollidieren, die man zum Empfange Roosevelts vorbereitet. Es scheint nicht ausgeschlossen, daß man Roosevelt ersuchen wird, zunächst nach Stockholm zu reisen. Falls Roosevelt doch gleich nach Christiania reist, werden die Festlichkeiten für Roosevelt natürlich einen anderen Charakter bekommen. Man rechnet mit der Möglichkeit, daß Roosevelt an der Bestattung Björnsons teilnehmen werde. Briefkalten. A. B. 100. Falls Sie Wasserspülung haben, ist es nicht nötig; andernfalls dürften Sie garnicht an das Städtische Abflußrohr angeschlossen sein. gen das Altern Dr. Hommel’s Haematogen WARNUNG! Man verlange ausdrücklich den Namen Dr. Hommel. Siehe das hochbedeutsame Werk:„Das Altern Lorand Kap. X, 3. von Dr. Oeffentlicher Wetterdienst Veränderliche Bewölkung ohne wesentliche Niederschläge; ziemlich kühl. der Hausfrau ist die eigene tägliche Erfahrung; durch diese lernt sie, dass Kathreiners Malzkaffee das vorteilhafteste tägliche Getränk ist.— Denn Kathreiners Malzkaffee ist nicht nur gesund und wohlschmeckend, sondern vor allen Dingen auch billigl Das ist bei unseren teuren Zeiten von grösster Wichtigkeit. Von grossam Rutzen für Jsdermann sind in Würfeln zu 10 Pfg für 2—3 Teller Suppe. In kürzester Zeit und nur mit Wasser zuzubereiten. Stets frisch und in den verschiedensten Sorten bestens empfohfen von Albert Ssckainman. Werdohlerstr., Ecke Kluserstr. 38. Die Gemeindestraße Loh=Treckinghausen ist am 2. nad 3. Mai d. Is. auf der Strecke von dem Pachtgute des Landwirts Dommes zu Treckinghausen bis zur Versestraße für den Fuhrwerksverkehr gesperrt. Der Fuhrwerksverkehr wird während der beiden Tage über die alte Versestraße und Klinkenberg geleitet. Lüdenscheid, den 29. April 1910. Der Amtmann: J. V. Der Beigeordnete: F Cornelins. Herscheid. General=Versammlung am Sonntaa, den 8. Mai um 5 Uhr nachmittags bei Gastw. L. Hesmer, Wiesenthal. Tages=Ordnung: 1. Rechnungslage. 2. Vorstandswahl. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. Taie Cturm. Samstag und Sonntag: ausgeführt vom Künstler=Quintetts Geschw. Völker. Großes modernes sowie klassisches Repertoir. Sonntag morgen: Frühschoppen=Konzert. Kar Geld an Jedermann, reell, diskret u. schnell verleiht zu mäßigen Zinsen auch gegen Ratenzhlg Selbstgeber C. A. Winkler, Berlin 145 Winterfelderstr. 34. Prov. v. Darleheu. Notariell begl. Dankschr. 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Bei Rückzahlungen endigt die Verzinsung mit dem der Rückzahlung vorhergehenden Tage, jedoch soll den Rückzahlungen in den letzten 3 Tagen des Monats der Zinsgenuß bis Ende des Monats verbleiben.“ Heute ang frisch eingetroffen: Spinat 3 Pfd. 25 Bfg., Rhbarber 2 Packen 12 Pfg., Stielmuß 3 Packen 10 Pf, Schnittkohl 3 Pfd. 25 Pf., neue Zwiebeln à Pfd. 10 Pfg., Blumenkohl jeder Kopf 25 Pfg., Grünkohl 3 Pfd. 25 Pf., srische Gurken 20 u. 25 Pf., Salat große Köpfe 5 St. 25 Pf., Porree 5 Stangen 10 Pf., Sellerie jeder Knolle 10 Pf., frische dicke Eter 10 St. 50 Pf, Gänseeier à St 20 Pfg. Mölle! Mölle! 100 Pfd. franko Haus 2,80 Mk. J. Kramer. Kn pperstrasse 55. Billig! Prachtvolle feinste Thüringer Mölle 10 Pfd. 30 Pfg. 100 Pfd. 2,80 Mk. frischen Spinat, frischen Kopfsalat, Blumenkohl Kopf 10 Pfg. frische Zwibeln 10 Pfd. 90 Pfg. extra dicke frische Eier zum Kochen 20 St. 1,— Mk. Westf. Plockwurst Pfd. 1,05 Mk. 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Erscheint täglich mit Husnahme der Sonn= und Feiertage. Preis wertel jährlich durch die Boten und Agenturen dezogen IIIk. 1.50, durch die Post trej ins baus 111k. 1.92. Zeitung. Amtlicher Anzeiger für den Kreis Altena Anzeigen werden bis morgens 10 Uhr erbeten. Die einspaltige Zeile oder ==== deren Raum kostet 15 Pfg., Reklamen die Zeile 30 Pfg. Redaktion und Expedition: Friedrichstrasse 9 I. Druck und Verlag von Tilgenkamp& Ruhl(Inhaber Carl Salle). Lüdenscheid. —(Jede Rabattbewilligung wird hinfällig bei zwangsweiser Beitreibung der Gebühren.)— fernsprecher: 98. Telegramm-Adrelse: Zeitung. Verantwortlicher Redakteur: Rudolf Behmer, Lüdenscheid 100. Zweites Blatt. Samstag, den 30. April 1910. 50 Millionen sozialdemokratische Steuererhöhung! Zwar haben selbst orthodoxe Führer der Sozialdemokratie deren Grunddoktrin von der„Veredelung der Massen“ aufgegeben und anerkennen müssen, wie sich unleugbar der Lebensstand der Arbeitermasse gehoben; aber die Behauptung von Hungerlöhnen, von der Aussaugung der Aermsten usw. bleiben doch die gebräuchlichsten und ziehendsten Propaganda= und Hetzmittel. Es ist demgegenüber überaus bezeichnend, wie für die eigenen Zwecke des Kampfes und der Sozialdemokratie 50 Millionen Mark Arbeiterverdienst, von den sogenannten„Hungerlöhnen", als eine Bagatelle„als etwas Selbstverständliches gefordert werden. Der außerordentliche Kongreß der Gewerkschaften Deutschlands hat nämlich soeben beschlossen,„daß die Gewerkschaftsbeiträge um denjenigen Betrag erhöht werden, den die Arbeiter infolge der geminderten Beitragszahlung zur Krankenversicherung ersparen. Die dadurch erzielten Mehreinnahmen sollen dazu verwendet werden, den Einfluß, der den Arbeitern(sprich: der Sozialdemokratie) innerhalb der Verwaltung der Krankenkassen genommen wird, durch verschärften gewerkschaftlichen Kampf auf wirtschaftlichen Gebiet zu erweitern, um so den Arbeitern(sprich: Sozialdemokraten) durch die Reichsversicherungsordnung zugefügten Schaden auszugleichen." Die Sache verhält sich bekanntlich derart, daß in dem Entwurf der Reichsversicherungsordnung eine Abänderung des Krankenversicherungsgesetzes dahin vorgesehen ist, die Beiträge und Stimmen der Arbeiter und Arbeitgeber in den Krankenkassen künftig gleich, auf je die Hälfte zu bemessen, während bisher die Arbeiter zwei Drittel zahlen, aber auch über zwei Drittel der Stimmen verfügen. Die Arbeitgeber in Industrie und Gewerbe haben nun nach Ueberwindung erheblicher Widerstände in ihren eigenen Kreisen zumeist dieser Neuerung zugestimmt, welche ihnen neben den vielen anderen neuen Lasten laut Berechnung der Regierung etwa 50 Millionen Mark im Jahr mehr kostet, und nur aus dem Grunde, um den vorherrschenden Einfluß der Sozialdemokratie in den staatlichen Einrichtungen der Krankenkassen zu vermindern. Für die Arbeiter aber, wie gesagt, erscheinen nach dem Beschluß der Gewerkschaften 50 Millionen Mark mehr oder weniger Verdienst gar nicht der Rede wert! Die Führer auf dem sozialdemokratischen Gewerkschaftskongreß dekretieren einfach: diese 50 Millionen sollen nicht den Arbeitern und ihren Familien zur Besserung ihrer Lebenshaltung zugute kommen, während doch sonst so viel über die Verteuerung der Lebensmittel usw. geklagt wird, sondern dem Kriegsfonds der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften mit dem diese sobald als möglich die ganze bestehende Gesellschaftsordnung umstürzen wollen. Mindestens wird jeder Unparteiische sagen müssen: wenn die Sozialdemokratie als Protektion so einfach 50 Millionen Mark Arbetergroschen in ihre Tasche für anderweitige Zwecke steckt, dann können unmöglch die Arbeiter so dürftig gestellt sein, solche Hungerlöhne haben, wie es regelmäßig verschrien wird; dann verlieren auch die Ansprüche auf Lohnerhöhungen, die Besorgtheit des Reichstags für Mindestlöhne usw. um so mehr an Berechtigung. Einige Zahlen sollen die Sache noch besser ins Licht setzen. In den letzten Jahren betrugen bei den sozialdemokratischen Gewerkschaften die regelmäßigen Beiträge der Mitglieder durchschnittlich 27 bis 28 Mark, die Gesamteinnahmen der Gewerkschaften im Jahre etwa 50 Millionen Mark. Durch Uebertragung der Ersparnisse, welche die Arbeiter infolge der Hälftelung der Beiträge in den Krankenkassen machen werden, auf Napoleons Detektiv. Historischer Aufzeich=ungen eines französischen Edelmannes. Roman von Conan Doyle (10. Fortsetzung.) „Sie hätten mich getötet, wenn Ihr Vater nicht dazwischen getreten wäre!“ „Nun, dann lag es eben nicht in seinem Interesse, daß Ihnen jetzt schon ein Leid geschehen sollte, Er hatte seine Gründe, weshalb er Sie nach Schloß Grosbois rief. Aber ich bin sehr aufrichtig gegen Sie, mein Herr, und möchte, daß Sie es auch gegen mich wären: Haben Sie vielleicht— in England eine— Herzensgeschichte durchlebt?" Alles, was dieses Mädchen redete, schien immer seltsamer als das Vorhergesagte, und diese Frage nach einem so ernsthaften Gespräche war das Seltsamste von allem. Aber Offenheit erzeugt Offenheit, und so zögerte ich nicht und sagte: „Ich habe das treuste und beste Mädchen in England zurückgelassen. Eugenie ist ihr Name, Eugenie de Choiseul, die Nichte des alten Herzogs.“ Meine Antwort schien Sibylle große Befriedigung zu gewähren. Ihre großen, dunklen Augen strahlten vor Freude, und ihre Stimme klang warm und voll als sie sagte: „Sie lieben sich sehr?" „Ich werde erst wieder glüclich sein, wenn ich sie wiedersehe."—— „Und Sie würden sie nicht aufgeben?“ „Davor behüte mich der Himmel!“ „Auch nicht um Schloß Grosbois?“ „Nicht einmal um das!“ Da streckte mit Sibylle in liebreizender Freimütigkeit die nd entgegen und rief: „Da sind wir ja Verbündete, nicht Feinde!!— Verzeihen Sie,— verzeihen Sie mein Herr, daß ich Ihnen vorhin unrecht tat!“ Und unsere Hände lagen noch ineinander, als ihr Vater wieder ins Zimmer trat die Gewerkschaften wird sich deren Jahreseinnahme rund verdoppeln, auf 100 Millionen Mark; jedes einzelne Mitglied wird jährlich a. 55 Mark Steuern an die Gewerkschaft zahlen, ohne die außerordentlichen Umlagen, die Beiträge für die politische Partei der Sozialdemokratie usw. Für den preußischen Staat zahlen bekanntlich Arbeiter mit weniger als 900 Mark Einkommen gar keine direkten Steuern; dann geht es langsam an mit 6, 9, 12 Mark usw. Man wird durchschnittlich wohl sagen können, daß künftig der Arbeiter seiner Gewerkschaft bezw. der Sozialdemokratie fünfmal so viel direkte Steuern zahlt als dem Staat. Wenn übrigens gelegentlich trotz allem noch geheuchelt wird, die Gewerkschaften seien„neutral“, so hat auch der jetzige Kongreß wieder den Beweis des Gegenteils erbracht, wie schon vor einem halben Dutzend Jahren der Führer der Maurergewerkschaften Bömelburg auf dem sozialdemokratischen Parteitag erklärte,„Gewerkschaften und Sozialdemokratie sind eins!“ Am Montag hat nämlich u. a. auf dem Gewerkschaftskongreß der Sozialdemokrat Fräßdorf, Vorsitzender des Verbandes der deutschen Ortskrankenkassen, laut„Vorwärts“, gesagt:„Für uns gilt es jetzt, hinauszugehen in das Land und durch Partei und Gewerkschaften wie durch die Kassenvertreter eine allgemeine Protestbewegung zu entfalten, um die Abrechnung mit den Scharfmachern bei den nächsten Reichstagswahlen möglichst gründlich zu gestalten.“ Hier identifiziert also der Oberste der Krankenkassen selbst, Genosse Fräßdorf, die politische Partei der Sozialdemokratie, die Gewerkschaften und die Krankenkassen! Und doch wagt man sonst glatt zu leugnen, daß die Ortskrankenkassen unter sozialdemokratischen Einfluß stehen! Noch eins! An der großartigen Opferwilligkeit der Arbeiter, die hier mit einem Schlag 50 Millionen Mark jährlich mehr ihrer Organisation, ihrem Kriegsfonds widmen, muß sich die bürgerliche Gesellschaft eine Warnung und ein Beispiel nehmen. Die Gefahr wird damit um so größer, für die Abwehr sind ehenfalls entsprechend höhere Opfer geboten. Lüderitzbucht und das Kolonialamt. Berlin, 28. April. Der„Deutschen Tageszeitung“ ist heute nachfolgendes Telegramm aus Windhuk vom 27. April nachmittags zugegangen: „Der Landesrat beschloß heute mit 24 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen gegen eine Stimme: 1. Das Kolonialamt möge telegraphisch den neuen Vertrag vor dem Abschluß mit der Kolonialgesellschaft mitteilen; 2. Der Reichstag möge dies beim Reichskanzler und beim Kolonialamte befürworten; 3. Das Gouvernement möge die Bitte des Landesrats um vorherige Vorlage des Vertrages unterstützen. Der Landesrat bittet gleichzeitig um Uebersendung des Gutachtens des Reichsjustizamtes. Er bitte ferner, das Kolonialamt aufzufordern, die vertraulichen telegraphischen Verhandlungen mit der Stauchgruppe bekannt zu geben. „Wir danken dem Haushaltsausschuß für die Ablehnung der Verantwortung für den Vertragsschluß. Wir erblicken in den bisherigen Privatnachrichten über die verbesserten Bedingungen des neuen Vertrages einen Erfolg der diesseitigen Bemühungen und den Beweis, daß die Beachtung der Darlegungen der Südwestafrikaner dem Fiskus und den Landesinteressen nützlich war. Wir halten die Zugeständnisse der Gesellschaft für genügend.“ (Die„D. T.=Z.“ macht hinter dieses Wort ein Fragezeichen.) „Die Landabtretung ohne Bergrechte ist wertlos, da sie zweifellos nur erfolgt ist, um der Besteuerung zu entgehen. Sibylle. Als mein Onkel uns in dieser plötzlichen Versöhnung überraschte, drückten seine Mienen Erstaunen und höchste Befriedigung aus. Jede Spur seines letzten Zornes schien verschwunden, als er seine Tochter anredete; aber trotz seines veränderten Tones blickten ihn ihre Augen herausfordernd und voll Mißtrauen a1t.—— „Ich habe wichtige Briefe zu erledigen," sagte er;„und muß euch für ein Stündchen allein lassen! Louis wird gewiß gern einen Gang durch Schloß und Park unternehmen, und du könntest ihm Führer sein, Sibylle!“ Sie widersprach nicht, und ich war hocherfreut über diesen Vorschlag, da er mir Gelegenheit bot, dieses eigenartige Mädchen kennen zu lernen, das mir so viel verraten hatte, und noch viel mehr zu wissen schien. Warum hatte sie mich vor ihrem Vater gewarnt, und warum wollte sie meine Liebesangelegenheit wissen?“ Und wir gingen hinaus in die köstliche Luft des Küstenlandes und wanderten im Schatten uralter Eichen hinüber in den Park und dann um das ganze Schloß herum; wir sahen hinauf an den efeuumsponnenen Wänden zu den grauen Zinnen. Bewegt hingen meine Blicke an dem alten Flügel mit seinen Zackenmauern und seinen Schießscharten, und froh begrüßte ich die neue, traulich mit wildem Wein bewachsene Veranda. Und als Sibylle so zutraulich plauderte, fühlte ich, wie lieb ihr der Platz war. „Nicht gegen Sie, sondern gegen uns selbst war ich erbittert.“ sagte sie;„denn haben wir nicht wie der Kuckuck ein fremdes Nest eingenommen und haben die, die es gebaut haben daraus vertrieben? Der Gedanke, daß mein Vater Sie in Ihr eigenes Haus eingeladen hat, macht mich schamrot.“ „Vielleicht waren wir zu fest mit diesem Grunde verwachsen,“ antwortete ich.„Vielleicht ist es zu unsrem Besten, daß wir aus der Heimat vertrieben wurden, auf daß wir unser Glück selbst schmieden, wie ich es zu tun beabsichtige!“ „Sie sagten, daß Sie zum Kaiser gehen wollten!“ „Wissen Sie, daß er in der Nähe ist?" 43. Wir schieben dem Staatssekretär die Verantwortung zu, falls durch unnötige Uebereilung des Vertragsschlusses ohne Anhörung des Landesrates der Fiskus Schaden leidet. Verbesserungen sind zweifellos möglich. Der Landesrat ist zu wirksamen Einzelvorschlägen nach Kenntnisnahme des Vertragsentwurfes bereit. Wir protestieren gegen die Ausschaltung des hiesigen Schiedsgerichts(§ 12 des Februar/April=Vertrages 1909) und des hiesigen Obergerichts zu Gunsten dortiger Schiedsgerichte mit landfremder Besetzung ohne Garantieerschöpfender Informationen durch das Kolonialamt.“ Das Telegramm ist im Namen von 24 Mitgliedern des Landesrates, unterzeichnet von Gustav Voigts und Dr. Fritsche. Beamtengehälter in China. Auch heute noch, wo China auf dem Wege des schnellen Fortschritts und der Reformen begriffen ist, sind die Aemter in China käuflich. Das Gesetz verbietet wohl den Aemterkauf, läßt aber denen, die es übertreten wollen, eine Hintertür offen, wenigstens im Kauf eines Ranges. Habe ich z. B., ohne mit Herrn Li verwandt zu sein, zufällig denselben Vatersnamen, wie er, so kann mir nach dem heutigen Recht niemand etwas anhaben, wenn ich mit seiner Rangverleihungs=Urkunde seinen Beamtenrang käuflich erwerbe; und habe ich dann noch hochgestellte Freunde dazu, so werde ich auch noch Beamter fünften oder sechsten Grades da unten in der Provinz. So gibt es noch andere Wege, die leichter zurückzulegen sind, als die dornenvolle Beamtenlaufbahn durch die fünf bis sechs Examenshindernisse. Und ist man dann zuletzt durch das allerengste Tor des Examens vor dem Unterrichtsministerium glücklich durchgeschlüpft, so fängt erst recht das Elend an, falls man nicht von Hause aus wohlhabend ist. Denn ein Kreisbeamter oder gar ein Beisitzer eines Kreisbeamten, mit welcher Stelle man nach Ablegung der höchsten Staatsprüfung in China meist seine Beamtenlaufbahn beginnt, erhält nur 500 Taels im Jahr, das sind etwa 1500 M. nach unserm Gelde. Da der so ins Amt Gelangte dann schon meist über die Dreißig zählt und eine oder mehrere Frauen hat, so kann er naturgemäß mit dem Gehalt nicht auskommen. Meist hat er noch einige 1000 Taels Schulden aus seiner Studienzeit. Und die Erlaingung d. Amtes kostet, ist es auch rechtlich erlangt immer noch einige 100 Taels und darüber. Was bleibt da übrig? Unterschleife, Betrug, Erpressung auf Kosten des Staates und der Gemeinde. Der biederste und uneigennützigste aller hohen Beamten in China, Taihungtsu, hat daher dem Prinzregenten in seiner Eigenschaft als Mitglied des Staatsrats eine Abänderung des heute in China geltenden Beamtenrechts als erste Vorstufe zur Beseitigung der Exterritorialität in Vorschlag gebracht. Er verlangt: Trennung der Justiz von der Verwaltung, Unabsetzbarkeit und Unversetzbarkeit der richterlichen Beamten und Erhöhung der Beamtengehälter. Ist der Beamte selbst ins Ministerium gelangt und bezieht dort als Präsident z. B. des Justizministeriums oder des Waiwupus 10000 bis 15 000 Taels im Jahr, so hat er so große Repräsentationspflichten und so viele„Geschenke“ nach oben zu entrichten, um sich in seiner Stellung zu halten, daß ihm kaum etwas übrig bleibt. Meist wird auch er zu Nebeneinnahmen seine Zuflucht nehmen müssen. Diese werden, ohne dem Gesetz zu nahe zu treten, heute in Peking und den Provinzen darin gefunden, daß ein Beamter, hoher oder niedriger, mehrere Posten gleichzeitig bekleidet, daß er z. B. zu gleicher Zeit Dolmetscher im Auswärtigen Amt, Sekretär im Justizmanisterium und Professor an der Finanzschule des Finanzministeriums ist und von jedem der drei Ministerien sein besonderes Gehalt bezieht. Und je höher das Amt desto größer die Zahl der Posten und desto reichlicher die Einnahmequelle. So bezieht z. B. der derzeitige Präsident des „Ja, so hörte ich." „Aber auf Ihrer Familie liegt noch die Aechtung." „Ich habe ihm nichts zuleide getan. Ich will kühn vor ihn hintreten und ihn bitten, mich in seine Dienste zu nehmen.“ „Nun wohl," sagte sie,„es gibt einige die ihn einen Thronräuber nennen und ihm übel gesinnt sind. Ich habe jedoch nie gehört, daß er etwas gesagt oder getan hat, das nicht groß und edel gewesen wäre.“ Ihre großen ernsten Augen schweiften träumerisch in die Weite; doch plötzlich blitzte ein schalkhaftes Lächeln über ihr Gesicht und sie sagte: „Ich dachte, mein verehrter Vetter, Sie wären durch und durch Engländer geworden und kämen hierher— die Tasche voll Guineen und das Herz voll Verrat!“ „Ich habe nur Gutes von den Engländern erfahren," erwiderte ich ernst;„aber mein Herz gehört Frankreich!“ „Hat nicht Ihr Vater bei Quiberon gegen uns gekämpft?" „Ach, das waren alte Zwistigkeiten——. Darin bin ich ganz der Meinung Ihres Vaters: Wir Jungen sollten den alten Groll vergessen.“ „Beurteilen Sie meinen Vater nicht nach seinen Worten," sagte sie und hob warnend den Finger.„Lernen Sie ihn erst kennen. Aber bei allem, was Ihnen heilig ist, lassen Sie ihn nie ahnen, daß ich Sie gewarnt habe; denn—— mein Leben steht auf dem Spiel!" „Ihr Leben!“ rief ich bestürzt. „Ja, selbst ein Menschenleben gilt ihm nichts.—— Er hat meine Mutter getötet. Ich will nicht sagen, daß er sie umgebracht hat aber er hat durch seine kaltblütige Grausamkeit ihr weiches Herz gebrochen. Jetzt fangen Sie wohl an zu verstehen, warum ich ihn hasse! Ich kenne Sie erst ein paar Stunden, und doch muß ich Ihnen das alles sagen.“ „Gegen wen sollten Sie sich denn aussprechen, wenn nicht gegen Ihren Verwandten?" „Das ist wahr; und doch hätte ich nie gedacht, daß ich mich Ihnen je anvertrauen könnte. Ich sah Ihrem Kommen mit Furcht und Sorge entgegen. Als mein Vater Sie hereinbrachte, konnte ich mich kaum beherrschen."“ KI Staatsrats, Prinz Tsching, als solcher etwa 30 000 Taels im Jahr, als Präsident des Großsekretärs 10 000 und als Vorstand des Auswärtigen Amts sicherlich seine 15 000 Taels, als oberster Leiter des Kriegsministeriums und Vertreter des Regenten in gewissen Verhinderungsfällen hat er weitere große Einnahmequellen, so daß sein jährliches Gehalt rund eine halbe Million Mark beträgt. Und doch war der alte, jetzt fünfundsiebzigjährige Prinz wenigstens zur Zeit der Regierung der alten KaiserinWitwe sehr häufig in Geldsorgen. Da er in diesen Perioden stets mit Rücktrittsgedanken kam, stopfte die alte Kaiserin schnell bereit, gewöhnlich d. Loch wieder zu, aber nicht ohne vorher„den alten Sünder“ gehörig abzukanzeln fast immer mit den Worten schließend:„Dies ist aber wirklich das letzte Mal, alter Freund!“, bis der Prinz dann das nächste Mal„zum Rückzug blies“. Die Pläne Taihungtsus sind wohl erwogen und richtig, aber bei dem Squeezegeist, der die chinesische Volksseele beherrscht, in Wirklichkeit sehr schwer durchzuführen. Es gehört ine eiserne Faust dazu, da einmal durchzugreifen und Chinas Regent verfügt nur— über zarte Hände. Von Nab und Fern. Haspe, 28. April. Hier fiel heute kurz vor Mittag ein kleines Mädchen einer Familie von auswärts, dessen Mutter hier bei Verwandten zu Besuch war, in die Ennepe, an deren Ufer das Kind gespielt hatte, und ertrank Lennep, 28. April. Im benachbarten Dahlhausen an der Wupper warf der Sturm heute ein Gerüst um, auf dem ein Anstreicher arbeitete. Der Mann stürzte aus 40 Meter Höhe ab und blieb mit zerschmetterten Gliedern und mit schweren inneren Verletzungen auf dem Straßenpflaster liegen. Im hiesigen Krankenhaus ist er kurz darauf gestorben. Hückeswagen, 28. April. Der Ehrenbürger der Stadt, Rud. Schnabel, der in Newyork lebt, hat den kürzlich dem hiesigen evang. Johannisstift geschenkten Betrag heute telegraphisch auf 20 000 Mark erhöht. In Kürze will Schnabel weitere Stiftungen überweisen. Düsseldorf, 29. April. Im Stahlwerk Ockingen in Lierenfeld brach gestern mittag ein Brand aus, der sich im Augenblick über das ganze Werk verbreitete. In der Gießerei stürzte der Martinsofen ein. Das Hauptgebäude brannte völlig aus. Den angestrengten Bemühungen sämtlicher Löschzuge Diisseldorfs gelang es, das Feuer zu dämpfen. Köln, 28 April. Nachdem das Luftschiff P. 2 beute morgen eine Fahrt nach Düsseldorf unternommen hatte, kreuzte es beim zweiten Aufstiege einige Zeit über der Stadt und fuhr dann nach Süden in die Bonner Gegend und kehrte gegen 11¾ Uhr nach Köln zurück, wo es 200 Meter seitwärts der Halle niederging. Gleich darauf wurde das Luftschiff in der Halle geborgen. Bei günstigem Wetter wird am heutigen Spätnachmittag ein dritter Aufstieg unternommen. Much, 28. April. Bei Markelsbach sprang ein auf Wanderschaft befindlicher 25jähriger Handwerker in einen Teich und ertrank. Er verübte die Tat anscheinend im Verfolgungswahn. Aachen, 28. April. Am Bahnhof Herbesthal wurde ein Zugräuber verhaftet. Er hatte in einem Zuge Brüssel=Aachen einer Aachener Dame eine Zwanzigfranksnote aus dem Handtäschchen gestohlen. Als die Dame bald nachher den Verlust bemerkte, sagte sie dem Dieb, den sie sofort in Verdacht hatte, den Diebstahl auf den Kopf zu. Dieser leugnete zunächst; als sich aber ein Wirt aus Dortmund der Dame annahm und mit der Polizei drohte, bequemte er sich zu einem Geständnis und wollte „nur einen Scherz“ gemacht haben. In seinem Besitze befanden sich Diebeswerkzeuge, ein Dolch, zwei Revolver und mehrere falsche Bärte. Magdeburg, 29. April. Eine stark besuchte Mitgliederversammlung des Verbandes der Bäcker beschloß gestern mit 136 gegen 12 Stimmen den Streik. Eine darauf stattgefundene öffentliche Versammlung erklärte einstimmig die sofortige Arbeitsniederlegung. Die Bäckerinnung zeigt keinerlei Entgegenkommen. Berlin, 28. April. Heute früh kurz nach 8 Uhr hat sich bei dem Umbau des Hauses Unter den Linden 14 ein schwerer Unfall ereignet. Ein kleiner Teil der Rabitzdecke eines Saales, der für ein Vergnügungsetablissement hergerichtet wird, brach entzwei und stürzte herab. Drei Arbeiter, die gerade unter dem herabstürzenden Stück arbeiteten, wurden davon getroffen. Der eine von ihnen, der Arbeiter Libera, ist so schwer verletzt, daß er kurz nach seiner Einlieferung in die Charitee verstarb. Frankfurt a. M., 28. April. Die Kriminalpolizei verhaftete zwei Erpresser, einen jungen Schreiner und einen Kellner. In der letzten Zeit sind noch einige dieser gemeingefährlichen Gesellen festgenommen worden, die den§ 175 zu Erpressungen zu benutzen suchten. Nürnberg, 28. April. In Schöllgrippen in Unterfranken hat ein irrsinniger Musiker den Pfarrer im Pfarrhof mit einem Beil überfallen, weil der Bruder des Musikers, nachdem er dem Pfarrer die Fenster eingeworfen hatte, ins Gefängnis „Ja, ich sah allerdings, daß ich Ihnen sehr wenig willkommen war.“ „Höchst unwillkommen—— um Ihrer selbst und um meinetwillen," sagte sie.„Um Ihretwillen, weil ich meines Vaters feindliche Absichten erriet; und um meinetwillen—“ „Reden Sie, Sibylle,—— verschweigen Sie mir nicht!“ rief ich erregt, als sie verlegen innehielt. „Sie haben mir gesagt,“ erwiderte sie errötend,„daß Ihr Herz bereits gewählt hat. Auch mein Herz und meine Hand sind nicht mehr mein eigen— „Möchten Sie glücklich werden, teure Freundin! Aber was hat diese Freude mit meinem Kommen zu tun?" „Der englische Nebel hat wohl Ihre Sinne ein wenig umsponnen,“ sagte sie und schüttelte die schwarzen Locken in Verwunderung.„Nun ich kann ja jetzt offen sprechen, da ich von Ihrer Seite nichts zu fürchten habe; mein Vater will uns beide verheiraten, so daß wir gemeinsam Herren auf Grosbois sein würden! Dann könnte nichts— weder Bourbone noch Bonaparte— unsern Besitz gefährden.“ Aha, deshalb war der Alte so freudig bewegt, als er uns vorhin Hand in Hand stehen sah; deshalb war er so um mein gutes Aussehen besorgt, damit ich auf seine Tochter einen guten Eindruck mache, und deshalb war er so wütend, weil die schöne Sibylle mir erst so kalt begegnete. „Ich glaube, Sie haben recht!" rief ich. „Natürlich habe ich recht! Sehen Sie nur, wie er uns jetzt beobachtet!“ Wir gingen am Rande des ausgetrockneten Schloßgrabens und als ich ihren Augen folgte, wahrhaftig, da entdeckte ich sein hageres gelbes Gesicht an einem der Fenster. Als er sah, daß wir ihn erkannt hatten, winkte er fröhlich mit der Hand. „Nun wissen Sie, warum er Ihnen das Leben rettete: damit Sie seine Tochter heirateten! Und da Sie das nicht tun, wird er kein Mittel scheuen, den einzigen Laval unschädlich zu machen.—— Verstehn mich nun, mein armer Freund?" Ja, ich vrstand sie und ahnte die Gefahr, in der ich mich besand. Wenn ich jetzt verschwinden würde,— niemand würde danach fragen. Ich war ganz in seiner Gewalt! Ich wußte ja, was für ein erbarmungsloser und gefährlicher Mensch er war! „Aber," sagte ich,„er mußte doch wissen, daß Sie Ihre Liebe schon einem andern geschenkt hatten.“ gekommen war. Der Geisteskranke trieb den Pfarrer auf die Straße, wo sich mit den herbeigeeilten Bauern ein Kampf auf Leben und Tod entspann, bei dem der Angreifer und ein junger Bauer lebensgefährlich verletzt liegen blieben. Nürnberg, 29. April. Hier hat sich gestern abend ein furchtbares Familiendrama abgespielt. Als kurz nach 7 Uhr abends der anfangs der vierziger Jahre stehende Rektor der städtischen Höheren Mädchenschule, Dr. Helberich, von einem Spaziergange heimkehrte, trat ihm seine Frau mit einem geladenen Revolver entgegen. Als Helberich aus dem Zimmer flüchtete, gab sie drei Schüsse auf ihn ab, die ihn in den Rücken trafen und tödlich verletzten. Nach der Schreckenstat richtete die Frau die Waffe gegen sich selbst, verwundete sich aber nur leicht am Oberschenkel. Die Frau ist eine erregbare Natur, die ihrem Manne durch Eifersuchtsszenen und übertriebene frauenrechtlerische Bestrebungen oft heiße Szenen machte. Sie ist verhaftet worden. Nürnberg, 28. April. In Sachen der Ermordung des Rektors Dr. Herberich ist außer der Gattin auch der hier weilende älteste Stiefsohn des Ermordeten, der Student am Münchener Politechnikum Dillinger, wegen Verdachts der Anstiftung zum Morde verhaftet worden. Dadurch gewinnt die Lesart eine gewisse Wahrscheinlichkeit, daß der Grund der ehelichen Zwistigkeiten Geldforderungen dieses Studenten gewesen seien, die bei dem Stiefvater auf Widerspruch stießen, von der Mutter aber unterstützt wurden. Wie es heißt, bestreitet der junge Dillinger, von dem Vorhaben seiner Mutter etwas gewußt zu haben. Kiel, 28. April. Den Kieler Neuesten Nachrichten zufolge ist dem Kieler Professor Baumgarten seitens der Nationalliberalen in Göttingen die dortige Reichstagskandidatur angetragen worden. Professor Baumgarten gedenkt die Kandidatur anzunehmen. Winsen a. d. Luhe, 28. April. Der Gastwirt Oerzen in Rolffen wurde von einem Stallschweizer erschossen. Darauf tötete sich der Mörder selbst durch einen Schuß in den Kopf. Nienburg a. d. W., 28. April. Heute früh zwischen 1 und 2 Uhr wurde auf den Hoflieferanten Albert Facompre ein frecher Raubmord verübt. Der Hoflieferant wurde aus dem Schlafe geweckt und erhielt von den Räubern über ein Dutzend Messerstiche in den Kopf, die Arme, die Ohren usw. Es entspann sich ein heftiger Kampf zwischen den Räubern und ihrem Opfer, wobei der 60jährige überfallene Hoflieferant zu Boden geworfen wurde. Als der Tat verdächtig wurde heute vormittag bei Neustadt am Rübenberge von der Gendarmerie ein junger Rowdie verhaftet. Der Verhaftete leugnet zwar noch immer, ist aber so gut wie überführt. Die Verwundungen des Ueberfallenen sind glücklicherweise nicht lebensgefährlich. München, 28. April. In der Cajetanhofkirche wurde unter einem Betstuhl die Leiche eines neugeborenen Mädchens aufgefunden. Nach dem ärztlichen Befund hat das Kind gelebt. Eine gerichtliche Untersuchung ist eingeleitet. München, 28. April. In der Tumblngerstraße wurde gestern ein Dienstmädchen betäubt, geknebelt und an Händen und Füßen gefesselt aufgefunden. Das Mädchen war bewußtlos. Als Täter bezeichnete das Mädchen, das wegen schwerer Krämpfe in die Klinik eingeliefert werden mußte, ihren Geliebten, einen 22jährigen Kellner, der heute verhaftet wurde, mit dieser Tat aber in keinerlei Zusammenhang stehen will. Gifhorn, 28. April. Großfeuer entstand heute nachmittag um 4 Uhr an der Östseite des Schillerplatzes. Der Brand brach im Hinterhause des Bäckermeisters Behte aus und teilte sich mit fabelhafter Schnelligkeit den anstoßenden Gebäuden mit. Insgesamt sind acht Hinterhäuser, Scheunen, Stallungen usw. den Flammen zum Opfer gefallen Eine Menge Inventar ist mit verbrannt. Zur Stunde(7 Uhr abends) stehen Scheune und Wohnhaus des Gastwirts Beinhorn in Flammen und zwei Wohnhäuser sind noch gefährdet. Paris, 28. April. In Toulon wurde ein Soldat vom vierten Kolonialregiment, als er Posten beim Fort Malbousquet stand, von plötzlicher Tollwut ergriffen Er stürzte sich mit gefälltem Bajonett auf einen Seeoffizier, den er ohne Eingreifen des Nachbarpostens getötet hätte, und mußte geknebelt ins Spital transportiert werden. Vermischtes Der Prozeß gegen Frau v. Schönebeck. Der Beginn der Schwurgerichtsverhandlung gegen Frau Antoinette von Schönebeck=Weber ist auf den 6. Juni festgesetzt worden. Zum Vorsitzenden des Schwurgerichts in Allenstein ist der Landgerichtsdirektor Geheimer Justizrat Broese aus Insterburg ernannt worden. Der Verfasser der Anklage ist Staatsanwaltschaftsrat Poschmann. Zu der Verhandlung sind von seiten der Staatsanwaltschaft über vierzig Zeugen und neun Sachverständige geladen. Die Akten über die Offizierstragödie befinden sich augenblicklich beim Justizrat Sello, der sie jetzt in aller Ruhe in Karlsbad studiert, wohin er sich gestern auf kurze Zeit zur Kur begeben hat. Anfang Mai treffen auch die zwei anderen Verteidiger mit der Angeklagten und ihrem Gatten in Karlsbad ein, um die endgültige Sachlage zu besprechen und sich schlüssig zu machen, welche Zeugen von seiten der Angeklagten geladen werden sollen. Das 25jährige Bestehen der Goethe=Gesellschaft wird am 18. Juni in Weimar besonders festlich begangen werden. Am Tage vorher findet die Enthüllung des Grabdenkmals Alma v. Goethes statt, der Abend vereinigt die Teilnehmer zu einem Festmahl im Saale der Armbrust=Schützengesellschaft. Die Generalversammlung der Goethe=Gesellschaft am 18. Juni beginnt vormittags 10½ Uhr in den Räumen der ArmbrustSchützengesellschaft. Gedenkreden werden halten der Präsident der Gesellschaft, Universitätsrektor Erich Schmidt, der Direktor des Goethe=Schiller=Archivs, Geheimrat Bernh. Suphan und der neue Direktor des Goethe=Nationalmuseums, W. von Oettingen. Nachmittags um 4 Uhr beginnt das Kostümfest(im Stile der Goethezeit) im Tiefurter Park mit dramaischen und musikalischen Aufführungen von den Weimarer Künstler unter Mitwirkung von Damen und Herren der Weimarischen Gesellschaft. Abends findet eine Aufführung der „Fischerin“ mit der Musik von Corona Schröter auf den natürlichen Schauplatz an der Ilm statt. Die Besichtigung sämtlicher klassischen Sehenswürdigkeiten Weimars ist den Mitglie„Das wußte er,“ entgegnete Sibylle,„und das beunruhigte mich am meisten. Ich fürchtete für Sie und fürchtete für mich, aber am meisten fürchtete ich für Lueien. Niemand kann meines Vaters Pläne kreuzen.“ Lucien! Wie ein Blitzstrahl in dunkler Nacht durchzuckte mich dieser Name. Ich hatte von den Verwirrungen der weiblichen Liebe gehört, aber wie war es möglich, daß dieses mutige Mädchen den Menschen lieben konnte, der sich gestern nacht in seiner wahnsinnigen Angst auf der Erde wand? Jetzt fiel mir auch wieder die Widmung in dem Buche ein:„Lucien von Sibylle“, stand auf der ersten Seite! Ich erinnerte mich nun auch, daß mein Onkel zu Lucien von diesen Beziehungen zu seiner Familie gesprochen hatte. „Lucien ist ein Gelehrter; er ist ein Dichter— er ist heißblütig und leicht zu verleiten," sagte sie.„Mein Vater war in der letzten Zeit viel mit ihm zusammen. Stundenlang saßen sie in seinem Zimmer, und Lucien will mir nicht verraten, was zwischen Ihnen verhandelt ward. Ich fürchte, das nimmt ein schlimmes Ende!" Als ich noch schwankte, ob ich ihr das Schicksal ihres Geliebten mitteilen oder verschweigen sollte, schien sie plötzlich die Bedrängnis meines Herzens zu erraten und rief mit bebender Stimme: „Was wissen Sie von ihm? Ich glaubte, er wäre in Paris —— Um Gottes willen, sagen Sie mir, was Sie von ihm wissen!"— „Heißt er Lesage?" „Ja, ja. Lucien Lesage." „Ich habe— ich habe ihn gesehen,“ stammelte ich. „Gesehen? Sie haben ihn gesehen! Aber Sie sind doch erst gestern in Frankreich gelandet! Wo haben Sie ihn gesehen? Ist ihm etwas zugestoßen?" In ihrer Angst ergriff sie meine Hand und starrte in mein Gesicht.—— Grausam war es, ihr alles zu sagen; grausamer jedoch, es ihr zu verschweigen. Um ihren angstvollen Blicken zu entgehen, wandte ich mich um— da kam mein Onkel über den kurz geschorenen grünen Rasen. Neben ihm, mit Säbelgeklirr und Sporn 1 dern der Goethe=Gesellschaft, die nicht mit dem Goethe=Bund zu verwechseln ist, unentgeltlich gestattet. Wie Björnson seine goldene Hochzeit feierte. Bei Mark Twain, der Björnson so kurz im Tode voranging. bekennt John Twiedlemouth einmal:„Goldene Hochzeit feiern ist schwer, denn erstens muß man dazu alt und zweitens leider noch verheiratet sein.“ Das war Björnsons Ansicht durchaus nicht; als er vor zwei Jahren in Aulestad bei Christiania seine goldene Hochzeit beging, da war es ein glänzendes Fest mit Liedern, Gedichten und Enkelbegrüßungen und geflaggten Gehöften. Die Ehe Björnsons war aber auch eine selten glückliche gewesen. Eines Abends fragte der 25jährige blonde Theaterdirektor von Bergen auf einem Ball ein junges Mädchen, das er noch nicht kannte:„Gefällt Ihnen der Name Björn?“ Und als sie es verdutzt bejahte, da setzte Björnson hinzu:„Wenn ich einen Sohn bekomme, wird er Björn heißen.“ Das junge Mädchen war Karoline Reimers, eine Deutsche und Verwandte des Turnvaters Jahn, die nie anders als Karoline Jahn genannt wurde. Bald darauf waren die beiden ein Paar. Was sie in dem halben Jahrhundert dem Dichter gewesen ist, das hat er dann am goldenen Hochzeitstage ihr in einer schönen Ansprache gesagt. Nach dem Mittagessen, als die zahlreichen Gäste sich in dem großen Wohnzimmer des Hauses zusammengeschart hatten, faßte Björnson seine Jubelbraut bei der Hand und sagte:„Ich habe Dir in den späteren Jahren oft gesagt: Nun sind wir in das Tal eingetreten, wo man die Glocken nach beiden Seiten läutet— für die, die zurückbleiben, und für die, die weiter mitfolgen. Jedesmal, wo wir merkten, daß es einsamer um uns wurde, schlossen wir uns nur um so fester an unseren Kindern und Enkeln zusammen. Heute ist keiner von denen zur Stelle, die mit dabei waren an jenem Hochzeitstage da Du in der kleinen Kapelle an meiner Seite standest, und mit niedergeschlagenen Augen nur die großen Tränen sahest, die Dir entfielen. Du kanntest mich, und Du- wußtest, wie unregierbar ich war, aber Du liebtest mich auch, und es lag eine heilige Freude in Dir. Zu Dir kehrte ich stets von vielen Wildheiten und vielen Irrwegen zurück. Ich gab Dir meine Konfirmationsnadel zur Erinnerung an meine Eltern. Du solltest ihre Arbeit an meiner Erziehung fortsetzen. Ich weiß, Du lebst länger als ich, Du wirst das Laken über mich ausbreiten. Es ist vieles an einem Manne, was zugedeckt werden muß. Von unserm Leben sollst Du, Karoline, die Ehre haben!“ Ein Beispiel von Schlagfertigkeit. Eine neuartige Methode, dem Publikum Achtung vor der Würde des Gerichtes beizubringen, hat einer Meldung aus Neuyork zufolge, der Richter Kaske in Hammond, Indiana, erfunden. Als ein Zuschauer namens Solki andauernd die Entscheidungen des Richters mit lauter Stimme kritisierte und bereits mehrfach von dem Richter zurechtgewiesen worden war, machte er wieder eine ungehörige Bemerkung. Richter Kaske stand darauf von seinem Sitze auf, ging auf den Mann zu und schlug ihm mit der geballten Faust ins Gesicht, so daß Solkis Nase anfing zu bluten. Darauf nahm der Richter in aller Ruhe seinen Sitz wieder ein und sagte:„Ich wollte mir nicht die Mühe machen, ihm eine Geldstrafe zuzudiktieren. Das hätte keinen Zweck. Da der Gerichtsdiener abwesend war, blieb mir nichts weiter übrig, als persönlich Solki zu verabreichen, was er verdiente." Solki weigerte sich, den Richter wegen Körperverletzung verhaften zu lassen. Die Schlagfertigkeit des Kadi scheint ihm gehörig imponiert zu haben, denn während des Restes der Verhandlungen blieb er mäuschenstill und rieb sich nur hin und wieder die schmerzende Nase. Ein schwimmender Gerichtshof wird, wie aus Neuyork berichtet wird, in diesem Sommer an der Küste von Alaska eingerichtet werden, wo unter den Lachsfängerndie Gesetzlosigkeit mit jeder einer große rend der S 2000 engli halten blei dig erweise den die Ve ihre Straf Ein m die„Fr. 3 zem in ein Parkett ur Finale ein Welch eir vallo wollt erlauben i werk?" rie was davor Ecken und von Berli während von Verd reiste, kar die Kritik gende Zei die„Baja Komponis bar des hatte.„H eine Gän John soll im Horns an gerassel schritt der junge Husar, dem der Gefangene gestern nacht anvertraut worden war. Sibylle zögerte keinen Augenblick, sondern flog ihnen entgegen. „Vater,“ rief sie,„was ist Lucien geschehen?“ Ich sah, wie sein unbewegliches Gesicht einen Moment zuckte unter dem Blick des Zornes und der Verachtung, der ihn aus den Augen seines Kindes traf.„Darüber werden wir später reden," sagte er. „Ich will es auf der Stelle wissen, Vater! Was hast du Lucien getan?" „Meine Herren," sagte er,„ich bedaure unendlich, daß unsre kleinen häuslichen Meinungsverschiedenheiten hier in Ihrer Gegenwart zur Sprache kommen. Sie werden das aber gewiß entschuldigen, Herr Leutnant, wenn ich Ihnen sage, daß Ihr Gefangener ein sehr teurer Freund meiner Tochter war Das hindert mich jedoch nicht, meine Pflicht gegen den Kaiser zu erfüllen, so schwer es mir auch wird." „Ich bedaure das von Herzen, Mademoiselle,“ sagte der junge Husar. Sibylle wandte ihm ihr Antlitz zu und sagte: „Sie haben ihn also gefangen genommen?" „Es war unglücklicherweise meine Pflicht.“ „Sagen Sie mir die Wahrheit: Wo haben Sie ihn hingebracht?"— „In das Lager des Kaisers!“ „Und warum?" „Die Politik ist nicht meine Sache, Mademoiselle; mein Dienst verlangt nur, daß ich das Schwert führe, mein reite und— gehorche. Diesen beiden Herren sind Zeuge, das ich nur den Befehl Obersts Lasalle ausführte.“ „Aber warum? Was tat er?“ „Genug, mein Kind, genug!“ sagte mein Onkel streng „Wenn du es aber wissen mußt, so will ich dir sagen, daß Lucien, Lesage gefangen genommen wurde, weil er beteiligt war a einer Verschwörung gegen das Leben des Kaisers— und war es, ich, der ihn entlarvte!“ „Du? Du Elender?“ rief das Mädchen.„Ich weiß, daß d ihn selbst dazu getrieben hast; du hast ihn angespornt, wenn er schwankend wurde und zurücktreten wollte. Du Elender! habe ich getan, welche Sünde muß ich büßen, daß ich solch eine Mann Vater nennen muß?“ (Fortsetzung folgt.) Bestimm durch in 1. ist verp an dem Abzuge 2 zu seine Anzuge, im Ein 3 im Ein auch di An= od mäßige unlaut für de folgen Ausve polizei den 3 Ware dessen eine eingel länge beson Wassund und jahre abgel 15. 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Der Richter Cushman, von einer großen und einer„kleinen" Jury begleitet, wird während der Sommermonate in einem Regierungskutter an der 2000 englische Meilen langen Küste auf= und abkreuzen und halten bleiben, um Recht zu sprechen, wo sich dies als notwendig erweisen solle. Wird auf Gefängnisstrafe erkannt, so werden die Verurteilten an Bord des Kutters gehalten, wo sie ihre Strafe dann in einem schwimmenden Gefängnis absitzen. Ein mißglückter Scherz. Leoncavallo erzählte unlängst, wie die„Fr. Z.“ mitteilt, einen hübschen Streich, der ihm vor kurzem in einem Theater in Manchester gespielt wurde. Er saß im Parkett und hörte seine eigene Oper„Die Bajazzi", bei deren Finale ein neben ihm sitzender Fremder enthusiastisch ausrief: Welch ein Meisterwerk! Welch ein vollendetes Werk!“ Leoncavallo wollte sich nach berühmten Mustern einen kleinen Scherz erlauben und begann sich selbst herunterzureißen:„Ein Meisterwerk?“ rief er,„mein Herr, ich hin felbst Musiker und verstehe was davon; die Oper taugt abfolut nichts. Sie ist von allen Ecken und Enden zusammengestohlen. So z. B. ist die Kavatine von Berlioz gemaust, das Duett des ersten Aktes von Gounod, während das Finale eine traurige Nachahmung eines Finales von Verdi ist.“— Am nächsten Morgen, als Leoncavallo abreiste, kaufte er sich die angesehenste Manchester Zeitung, um die Kritik zu lesen. Wie groß war sein Erstaunen, als er folgende Zeilen fand:„Signor Leoncavallo eigene Meinung über die„Bajazzi"! Erklärung, daß es ein Plagiat! Geständnis des Komponisten, daß die Oper ohne jede Originalität!“ Der Nachbar des Komponisten war ein Journalist, der ihm aufgelauert hatte.„Heute noch,“ erklärte Leoneavallo,„kriege ich jedesmal eine Gänsehaut wenn ich daran denke, wie ich reingefallen bin." John Tyndall, dem 1893 verstorbenen englischen Physiker, soll im Laufe dieses Sommers auf dem Gipfel des Bel AlpHorns am Südrande des Berner Oberlandes in einer Höhe von 3626 Metern ein Denkmal errichtet werden. Tyndall pflegte an dem Gehänge dieses Berges eine Reihe von Jahren jeden Sommer längere Zeit zu verbringen. Der Grund, warum die Schweiz dem englischen Forscher diesen sichtbaren Ausdruck der Verehrung darbringen will, ist namentlich in der Bedeutung zu suchen, die dessen Gletscherstudien und insbesondere ihre Zusammenfassung in dem Werk„Die Gletscher der Alpen“ für die Gletscherkunde im allgemeinen und für ihre Fortschritte in den Alpen insbesondere gehabt haben. Mülhausen— Schlettstadt— Mülhausen, eine Radfernfahrt über 134 Kilometer, endete mit dem Siege der Brennaborfahrer L. Klingelschmitt und A. Tschumperly, die den ersten bezw. zweiten Platz erstritten. In Beuthen wurde am Sonntag, den 24. April, im Hauptfahren wie im Erstlingsfahren der erste Preis auf Brennabor gewonnen. Geschäftliches. Patentbericht. Mitgeteilt vom Patent= und Techn. Büro Conrad Köchling, Ing., Mitglied des„Deutschen Schutzverbandes für geistiges Eigentum“. Broschüre„Patentwissenschaft“ kostenlos. Hagen i. W., Elberfelderstraße 68, Telefon 1412. A) Patenterteilungen: 221 944. Schutzplatte zum Befestigen an den Stäben von Scheidenverschlüssen, Dr. Ernst Plate, Brügge i. W.— 222 134. Vorrichtung zum Zerlegen von Profilstäben zu Hufeisenstollen; Zus. zu Patent 163 985, Ernst Brockhaus& Cie., G. m. b. H., Wiesenthal, Post Oesterau i. W.— B) Gebrauchsmustererteilungen. 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Jeder, der hier seinen Wohnsitz oder ständigen Aufenthalt aufgiebt, ist verpflichtet, sich und die zu seinem Hausstand gehörenden Personen, welche an dem Umzuge teilnehmen, entweder vor oder spätestens 6 Tage nach dem Abzuge im Meldeamt abzumelden; 2. jeder, der hier seinen Aufenthalt nimmt, ist verpflichtet, sich und die zu seinem Hausstand gehörenden Personen innerhalb sechs Tagen nach dem Anzuge, unter Vorlegung des Abzugsattestes aus seinem früheren Wohnort, im Einwohner=Meldeamt anzumelden; 3. jeder, der hier seine Wohnung wechselt, hat dies binnen drei Tagen im Einwohner=Meldeamt anzumelden; 4. zu vorstehenden Meldungen sind außer den betreffenden Personen auch die Vermieter, Dienstherren usw. innerhalb sechs Tagen nach dem Ab, An= oder Umzug verpflichtet. Zuwiderhandlungen ziehen eine Geldstrafe bis 60 Mk. evtl. verhältnismäßige Haft nach sich. Lüdenscheid, den 27. April 1910. Die Polizei=Verwaltung: I. V.: Sieper. Auf Grund der§§ 7 Absatz 2 und 9 Absatz 2 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb vom 7. Juni 1909(Reichsgesetzblatt S. 499) wird für den Umfang des Regierungsbezirks Arnsberg und für alle Geschäftszweige folgendes bestimmt: § 1. Wer beabsichtigt einen Warenverkauf unter der Bezeichnung eines Ausverkaufs oder einer gleichartigen Bezeichnung zu veranstalten, hat der Ortspolizeibehörde eine schriftliche Anzeige über den Grund dieses Ausverkaufs und den Zeitpunkt seines Beginnes sowie ein Verzeichnis der auszuverkaufenden Wareu einzureichen. Die Einsicht in das Verzeichnis ist jedermann gestattet. § 2. Die Anzeige des Ausverkaufs muß in drei Ausfertigungen vor dessen erster Ankündigung und mindestens 2 Wochen, das Verzeichnis spätestens eine Woche vor dem Beginn des Ausverkaufs bei der Ortspolizeibehörde eingehen. Die Ortspolizeibehörde kann bei einem Ausverkaufe von Waren, die bei längerem Lagern Schaden nehmen können, und bei Ausverkäufen, die aus besonderen Gründen keinen Aufschub erleiden dürfen(bei Todesfall, Brand oder Wasserschaden usw.) die Fristen angemessen abkürzen. § 3. Vorstehende Bestimmungen finden keine Anwendung auf Saisonund Inventur=Ausverkäufe, die in der Askündigung als solche bezeichnet werden und im ordentlichen Geschäftsverkehr üblich sind. Derartige Verkäufe dürsen in einem Geschäfte innerhalb eines Kalenderjahres im Ganzen nur zwei Mal und zwar in der Dauer von je 2 Wochen abgehalten werden. Der eine dieser Ausverkäufe darf nur in der Zeit vom 1. Januar bis 15. Februar einschließlich, der andere nur in der Zeit vom 1. Juli bis 15. August einschließlich stattfinden. §4. Uebertretungen dieser Arordnung werden gewäß§ 10 des Reichsgesetzes vom 7. Juni 1909 mit Geldstrafe bis zu 150 Mk. oder Haft bestraft. § 5. Diese Verordnung tritt am 1. Mai 1910 in Kraft. Arnsberg, den 15. April 1910. Der Regierungs=Präsident: v. Bake. folgt.) ZIEHUNG 9. und 10. Mai LOTTERIE zu Gunsten des Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz (Zweigverein Barmen) 100000 Lose Hauptgewinn im Werte von Mark Zünan Hauptgewinn im Werte von Mark Inn 3667 Gewinne im Gesamtwerte von Mark 100D Lose à 3 Mark Porto und Liste 30 Pf. extra, bei den Kgl. und in allen durch Plakate kenntlichen Verkaufsstellen. Wichtig für jede Hausfraul aus der Fabrik von Dr. Thompson’s Seifenpulver(Marke Schwan) modernstes Waschmittel Prof. Giessler's Patent gibt nach halbstündigem Kochen blendend weisse Wäsche. Garantiert frei von Chlor und allen schädlichen Bestandteilen. Ein Versuch überzeugt Zu haben in den einschlägigen Geschäften Prof. Giessler's Ozonit 65 Pfg. PIINOS u. Flügel in altbewährter Güte IBACH-PIANOLA-PIANOS d. h. 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Predigt in Brügge Pfr. Friese. Feldstr. 4. Sonntag Vorm. 9½ Uhr: Predigt. Vorm. 11 Uhr: Sonntagsschule. Nachm. 4 Uhr: Predigt. Mittwoch abend 9 Uhr: Bibel= u. Gebetsiunde. Prediger Langenberg. Amtl. Bekanntmachung. Auf Grund der§§ 5 und 6 der Wegeordnung für die Grafschaft Mark vom 7. Januar 1769 fordere ich diejenigen Grundbesitzer des Amtes Meinerzhagen, welche mit Hecken, Bäumen oder Laubwerk an öffentliche Wege grepzen, auf dieselben ordnungsmäßig zu beschneiden resp. beizuhauen. Ist dieser Aufforderung bis zum 1. Juni d. Is. keine Folge geleistet, so tritt unnachsichtlich Bestrafung ein. Meinerzhagen, den 28. April 1910. Die Polizei=Verwaltung: Graf von Haslingen. Ing., beeid. Sachverständiger(in gewerbl. Schutzrechtangelegenheiten) für das königl. Landgericht Hagen i. W. prüft Erfindungen kostenfrei, reell und sachgemäß. Ia. Empfehlungen bezgl. Anmeldung und Verwertung. 12 eigene Geschäfte— u. a. Berlin— Huptbüro: Hagen i. W., Elberfelderstr. 68, Telefon 1412. 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