Amtlicher Anzeiger für den Kreis Altena. Anzeigen werden bis spätestens 10 Uhrvormags erbeten. Preis für die 5=gespaltene Garmondzeile oder deren Raum 13 Pig. Reclamen: 30 Pfg. Die Expedition befindet sich: Thinenstraße 1. Redaktion von M. Tilgenkamp in Lädenscheid. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonntage. Freis pro Quartal frei ins Haus geliefert M. 1.50, durch die Post bezogen: am Schalter abgeholt: M. 1.50, durch den Briefträger frei ius Haus gebracht M. 1.90. Deuck u. Verlag von Tilgenkamp& Ruhl in Lüdenscheid. Sonntag, den 27. d. Mts.: Konzert des ganzen Städt. Orchesters unter Leitung des Herrn C. Lange. Entree 30 Pfg— Anfang 8 Uhr. Carl Adrian. Lüdenscheld, Wilhelmstr. 64/66 Fernruf Nr. 70 00. Gründung des Hauses 1835 N0. Leinen- und WäscheAusstollung. Sonntag, den 27. ds. Mts. von nachmittags 3 Uhr an: Musik: Ganzes städt. Orchester. Es ladet freundl. ein Alb. Grebe. 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Gestern feierten im Kreise ihrer zahlreichen Familienangehörigen, darunter 3 Kinder und 10 Enkel, die Eheleute Friedr. Wilh. Schmale und Louise geb. Steinhaus das seltene Fest ihrer goldenen Hochzeit. Herr Pastor Pröbsting segnete das Paar ein, indem er seinen Worten den Text„Lobe den Herrn, meine Seele" zugrunde legte, und überreichte alsdann den Jubilaren die vom Presbyterium gestiftete GoldeneHochzeits=Bibel. Nach der Einsegnung fand im Saale des Konsumvereins ein gemeinsames Mahl statt. Bei dieser Gelegenheit überreichte Herr Pastor Pröbsting dem Jubelpaare die von Seiner Majestät dem Kaiser gestiftete Goldene- Ehejubiläums=Medaille. Die Ansprache des Herrn Pastors schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf das erlauchte Kaiserpaar. Die Jubilare, welche im 81. resp. 82. Lebensjahre stehen, erfreuen sich trotz dieses hohen Alters einer ganz außerordentlichen körperlichen wie geistigen Frische und Rüstigkeit. Möge ihnen noch ein recht langer und gesegneter Lebensabend beschieden sein. Lüdenscheid, 26. Okt. Der Theaterklub„Viktoria“ feiert morgen Nachmittag im Saale des Herrn Karl KürbiSchlittenbach sein diesjähriges Stiftungsfest durch Theateraufführungen und nachfolgenden Ball. Aus dem reichhaltigen Programm brauchen wir nur den lustigen Einakter„Wenn Frauen weinen" von Winterfeldt und den bekannten Vogelschen Schwank„Jochen Päsel", dessen Idee Fritz Reuter entstammt, hervorzuheben, um zu zeigen, daß den Zuschauern vergnügte Stunden in Aussicht stehen. Wir wünschen dem strebsamen Verein, dessen Leistungen recht anerkennenswerte sind, ein volles Haus. Bochum, 23. Okt. Die Bergarbeiter sehen einem traurigen Winter entgegen, denn Feierschichten und Lohnkürzungen sind an der Tagesordnung. Bisher wurden Feierschichten nur ganz vereinzelt eingelegt, nunmehr sehen sich die Zechenverwaltungen aber gezwungen, regelmäßige Feierschichten stattfinden zu lassen. Die Zeche„Dannenbaum“ machte mit diesem System den Anfang. Die Direktion hat bekannt gegeben, daß fortan an jedem Montagauf allen Schichten der Betrieb ruht. Philadelphia, 25. Okt. In einem Möbelgeschäft an der Marktstraße, das sich in einem großen neunstöckigen Hause befindet und in dem Hunderte von Männern und Frauen beschäftigt waren, brach heute Feuer aus. Die Flammen verbreiteten sich so schnell, daß die misten Personen, die aus dem Hause flüchten konnten, sogar von den Rettungsleitern abspringen mußten. Das Feuer zerstörte das Gebäude der Möbelhandlung sowie zwei angrenzende Gebäude vollständig. Von 320 in den Werkstätten beschäftigten Personen, meistens Frauen, sind 19 ums Leben gekommen; viele haben Verletzungen erlitten. Die meisten Unglücksfälle ereigneten sich beim Herabspringen aus den Fenstern und von der Rettungsleiter, die von den aus den Fenstern herausschlagenden Flammen getroffen wurde Wetterwarte zu Lüdenscheid. Wetter im allgemeinen am 26. Okt um 8 Uhr früh: nebelig. Wind: Richtung: NNW. Stärke(nach 10): 1.5 m. Im Lenne-Vollme=Gebiet war die Witterung trübe, kühl und regnerisch. Das Barometer ist bis heute früh 4 Uhr gefallen, steigt aber seitdem wieder. Die Wetterlage Europas ist so beschaffen, daß der höchste Luftdruck über Westrußland und über den nordöstlichen Stationen der Östsee lagert; im übrigen ist der Luftdruck gleichmäßig verteilt und bewegt sich durchweg über der Normalen(760 mm). Infolgedessen ist heute in Deutschland das Wetter ruhig, im Nordosten teilweise heiter. Die Temperaturen sind allgemein zurückgegangen; Kiew, Moskau und Charkow melden Frost und auch Karlsruhe verzeichnet beute früh nur 5,6° C. Wahrscheinliches Wetter für morgen: Nebelig, ruhig mit wenig Wärmeänderung, keinen oder geringen Niederschlägen. Eine Messerspitze voll Essenz genügt, um jedem Kaffee einen delikaten Geschmack und eine schöne Farbe zu geben. Temperatur in Celfiusgrader — 5° O. 40 B.— E der freien Luf im Schatten der letzten 24 Stunden Mar. Min. der freien Erdoberfläche (leichter Zehmboden) der letzten 24 Stunden Mar. Min. 6,0 7,2 5,6 7,3 6,2 der Erdtiefen, (leichter Lehmboden) Brachacker bei 20 40 emm 100 cm E m 7,8 9,0 9,8 1753,6 0,0 11,1 94 2 D 29 mm Emaille-Schllder für Bebörden, Fabriten, Kausiden in künstlerischer Ausführung für Reklamewesen, sowie alle Arten geätzte Scheiben für den Baubedarf. von Eisenblech, Grau= u. Temperzuß, wie Herdbleche, Herdeisen, Füll= u. Gasöfen, Massenartikel ec. Koenen& Droste, Emaillir-Werk u. Kunstglasätzerei, Gevelsberg i. Westt. Glasfirmen-Schilder sowie alle Arten geätzte Sch Lohn-Emaillierung — Preislisten gratis und franko. Seidenstotte Sammte, Velvets Man verlange Muster. von Elten& Keussen, Handlung Krefeld. Bekanntmachung. Im Hinblick auf den bevorstehenden November=Umzug werden folgende Bestimmungen der Regegierungs=Polizei=Verordnung vom 16. April 1874 hierdurch in Erinnerung gebracht: 1. Wer an einem Orte seinen Aufenthalt nimmt, ist verpflichtet, sich binnen 3 Tagen unter Vorlegung des ihm von der Behörde des früheren Wohnorts erteilten Abzugs=Attestes bei dem EinwohnerMeldeamt anzumelden: 2. jeder, der seinen Aufenthalt verläßt, muß sich vor dem Abzug unter Vorlegung seiner Kommunal- und Staatssteuerzettel bei dem Einwohner=Meldeamt abmelden; 3. Wer seine Wohnung innerhalb des Gemeindebezirks wechselt, hat dieses binnen 3 Tagen bei dem Einwohner=Meldeamt anzuzeigen; 4. die vorgeschriebenen Meldungen haben, außer den Verpflichteter selbst, auch die Vermieter, Dienstherren u. s. w. und zwar inner halb 6 Tagen nach dem An=, Ab= oder Umzuge zu bewirken. Zuwiderhandlunge ziehen eine Geldstrafe bis zu 30 Mark evtl. verhältnismäßige Haft nach sich. Lüdenscheid, den 24. Oktober 1901. Die, Polizei=Verwaltung. I. V.: Sieper. Ein junges Ehepaar sucht 1. 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Erneuert sich doch mit der Wiederkehr dieses Festes alljährlich das Bewußtsein, daß an des Kaisers Seite eine Frau steht und wirkt, die als Gattin, Mutter und Fürstin durch Tugenden ausgezeichnet ist, welche ihr die höchste Wertschätzung der gesamten Mitwelt sichern. Für unser verbündetes Nachbarland Oesterreich=Ungarn brachte die verflossene Woche den Wiederbeginn der Verhandlungen des Reichsrates. In der ersten Sitzung des Abgeordnetenhauses hielt Ministerpräsident von Körber eine längere Rede, deren bemerkenswertesten Teil die zollpolitischen Ausführungen bildeten. Der österreichische Ministerpräsident setzte auseinander, daß Oesterreich auf eine Erhöhung seiner Industriezölle gegen Deutschland und andere Staaten Bedacht nehmen müsse. Die Schwierigkeit der gegenwärtigen handelspolitischen Lage wird damit grell beleuchtet. Indessen trägt der deutsche Zolltarif-Entwurf hieran keine Schuld, sondern einzig und allein der natürliche Interessen-Gegensatz der verschiedenen Wirtschafts=Gebiete. Zur Ueberwindung der Schwierigkeiten aber wird es in erster Linie beitragen, wenn die wichtigen Erwerbs=Gruppen der Landwirtschaft, der Industrie und des Handels hüben wie drüben jede Ueberspannung ihrer Forderungen vermeiden und vielmehr eine Verständigung auf mittlerer Linie anstreben. In Frankreich hält der drohende Generalstreik der Bergarbeiter die Gemüter in Spannung. Gleich in der ersten Sitzung der wiedereröffneten Deputirten=Kammer wurde derselbe zum Gegenstande der Besprechung gemacht; die Abstimmung über einen von sozialistischer Seite eingebrachten Antrag ergab den Sieg der Regierung. Die Delegierten der Bergarbeiter beschlossen, den Ausstand zu vertagen und an den Ministerpräsidenten ein Schreiben zu richten, in welchem die Forderungen der Bergarbeiter dargelegt werden. Falls die Antwort des Ministerpräsidenten nicht befriedigend ausfällt, will man alsdann mittelst geheimer Parole den Gesamtausstand proklamieren. Von der Regierung sind umfassende Maßnahmen zum Schutze der Arbeitsfreiheit in den bedrohten Gegenden getroffen worden, und es ist bei Bekundung weiterer Festigkeit und Energie anzunehmen, daß die sozialrevolutionären Treibereien und Hetzereien ihr Ziel verfehlen werden. Auf dem südafrikanischen Kriegsschauplatze ist die Lage der Engländer fortdauernd ungünstig. Botha hat sich der versuchten Umzingelung wieder glücklich entzogen, unter den britischen Soldaten greift der Geist der Untbotmäßigkeit und Mutlosigkeit um sich, wie unter den Kapholländerjenige des Aufruhrs, und in ihrem eigenen Kolonial=Besitze sehen sich die Engländer allenthalben in die VerteidigerStellung gedrängt. In der Kaphalbinsel sind die Bestimmungen des Kriegsrechts verkündet worden. Ob aber derartige Maßnahmen drakonischer Strenge die beabsichtigte Wirkung erreichen werden oder nicht vielmehr das Gegenteil, erscheint noch sehr zweifelhaft. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika macht der neue Präsident Roosevelt trotz der Kürze seiner Amtsführung viel von sich reden. Was vor allem auffällt, ist sein Bemühen, sich von dem Banne loszumachen, der den vordamerikanischen Präsidenten sonst zwingt, sich als einen Parteimann zu betrachten. Auch in anderer Hinsicht aber zeugt manche Thatsache, wie der für amerikanische Verhältnisse ungeheuerliche Vorfall, daß der neue Präsident einen Schwurzen, Mr. Booker, den Kurator der nur für Neger bestimmten Universität Tuskeegee in Alabama, zu Tisch zog, gewiß von hohem Mute gegenüber der öffentlichen Meinung. Derartiges läßt erkennen, daß auf dem Präsidentenstuhle zu Washington gegenwärtig ein Mann sitzt, der keine Neigung hat, in ausgetretenen Geleisen zu wandeln. Politische Uebersicht. Deutsches Reic Berlin, 25. Okt. Ein königlicher Hofwagen brachte den Bischof Benzler ins Neue Palais, wo auch der Kronprinz, Prinz Eitel Friedrich, der Reichskanzler Graf Bülow, der Statthalter von Elsaß Lothringen Fürst Hohenlohe, der Staatssekretär v. Köller, Unterstaatssekretär Petri, der Metzer Bezirkspräsident Gräf Zeppelin, sowie die obersten Hofbeamten erschienen waren. Der Bischof trat vor den Thron, auf dem der Kaiser in der Uniform der Gardes du Corps mit dem Bande des Schwarzen Adler-Ordens Platz genommen hatte, und hielt dort eine Ansprache, die nach der„Germania" lautete: Ew. kaiserliche und königliche Majestät wollen geruhen, meinen unterthänigsten Dank entgegenzunehmen für die hohe Auszeichnung, daß ich den Eid der Treue beim Antritt des bischöflichen Amtes in Allerhöchstihre Hände ablegen darf. Ew. Majestät haben mir schon so viele Beweise gnädigsten Wohlwollens zuteil werden lassen, und auch in Uebereinstimmung Ew. Majestät mit dem apostolischen Stuhle in meiner Berufung auf den bischöflichen Stuhl von Metz muß ich dankbar ein Zeichen unverdienten Vertrauens von seiten Ew. Majestät erkennen. Es ist ein schwieriges Arbeitsfeld, das mir überwiesen wurde, und nur in dem Gedanken, daß ich dem heiligsten Willen Gottes folge, der mir durch die Träger seiner Autorität kund ward, finde ich den Mut, es zu betreten und zu bebauen. Mit ganzem Herzen werde ich das Gelöbnis, das ich in diesem feierlichen Augenblicke in die Hände Ew. Majestät niederlegen darf, treu halten, das Gelöbnis, als katholischer Bischof das Heil der mir Anvertrauten treu zu fördern, indem ich in ihnen den Glauben und die Gottesfurcht hege und pflege, welche die festesten Grundlagen sind für die ganze Staatsordnung und die sicherste Bürgschaft treuer Ergebenheit gegen den erlauchten Landesherrn. Wie bisher, so soll auch fürderhin mein inniges Gebet sein: Gott erhalte und schirme Ew. Majestät, Ihre Majestät die Kaiserin und das ganze königliche Haus. Auf diese Ansprache erwiderte der Kaiser, daß es das erste Mal sei, daß ein Bischof von Metz in dieser feierlichen Weise den Eid der Treue hier im kaiserlichen Hoflager ablege. Er, der Kaiser, habe in Maria Laach die stille und regsame Wirksamkeit des Abtes kennen gelernt, und er hoffe, daß er in seinem neuen schwierigen Amte die Gläubigen zur Ehrfurcht vor der weltlichen Obrigkeit und zur Liebe zum deutschen Vaterlande erziehen werde. Dafür gebe ihm Bürgschaft die bisherige Wirksamkeit des Abtes, dem er Glück und Segen wünsche für sein Amt. Sodann reichte der Kaiser dem Bischof die Hand. Ueber die Verhandlungen wurde ein Protokoll aufgenommen und von dem Statthalter Fürsten Hohenlohe und dem Bischof Benzler unterschrieben. Bei der Frühstückstafel saß der Bischof rechts vom Kaiser, zur Linken des Kaisers saß der Statthalter Fürst Hohenlohe, gegenüber der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich. — Der Sultan drückte Kaiser Wilhelmtelegraphisch seinen Dank und den der Bevölkerung für das anerkennenswerte Verhalten der Offiziere und Mannschaften der„Charlotte" während des Brandes in Kuni Hapu aus. Die 8 Offiziere und 90 Mannschaften erhielten die Rettungsmedaille. — Die zweite Lesung der Ausschüsse des Bundesrates über das Zolltarifgesetz ist der Kreuzzeitung zufolge auf den 31. ds. festgesetzt, zugleich treten die vereinigten Ausschüsse für Zollsteuerwesen und für Handel und Verkehr zu ammen, um die Eingaben über das Zollgesetz zu prüfen. — Das Abschiedsdiner des bisherigen chinesischen Gesandten in Berlin fand gestern Abend statt. An derselben nahmen u. a. teil die Minister Schönstedt, Studt, v. Goßler und Möller, ferner Graf Eulenburg und Admiral Tirpitz. Der bisherige chinesische Gesandte brachte in chinesischer Sprache ein Hoch auf Kaiser Wilhelm aus, das von dem Dolmetscher Dr. Kreie übersetzt wurde. — In einem heftigen Artikel behauptet die„Voce de la verita" zu wissen, der Bischof von Straßburg Fritzen habe allen an der dortigen Universität eingeschriebenen SeminariGeschichtskalender vom 26. Oktober. 1530. Besetzung Maltas durch die Johanniter. 1757. Freiherr von Stein geboren zu Nassau an der Lahn. 1800. Graf von Molkte geboren auf Gnewitz bei Parchim i Geschichtskalender vom 27. November. 1760. Neithardt von Gneisenau zu Schilda geboren. 1870. Die Festung Metz kapitulirt. Marschall Bazeine und seine Armee gefangen. 1894. Johanna von Bismarck f. 68 Der Not gehorchend. Roman von A. von Gersdorff. (Nachdruck verboten.) Ja, ja," sagte die alte Dame, als ihr Auge gelegentlich auf diesem holden Gesicht, auf den goldigen Haaren länger ruhte,„das ist eine alte Geschichte, mein liebes Kind, Hochmut kommt vor dem Fall. Aber es giebt gar keinen Fall, von dem ein Mensch, wenn er will, sich nicht gewissermaßen erheben kann, wenn er sich nur mit der rechten Hand am lieben Gott hält und mit der anderen recht fest an einer altbewährten Richtschnur: Thue Recht und scheue Niemand! Ihr Platz ist bei Ihrem Manne, und nach allem, was Sie mir davon erzählt haben, können Sie ihm vertrauen und glauben, und ich habe immer gefunden, daß die Liebe und der Frieden in einer Ehe viel größer und haltbarer ist, wo sich die Leute gegenseitig etwas zu verzeihen haben. Vor allem, Kind, lassen Sie jede Hoffnung fahren, so oder so jemals diese unglücklichen Papiere aufzufinden und damit den eitlen Wunsch, doch noch Gräfin Stannojewski zu werden. Dergleichen überraschende Funde machen die Leute nur in den Romanen. Da kommt plötzlich ein alter Koffer zum Vorschein, in dessen Deckel sich plötzlich die wichtigen Dokumente finden, oder hinter einem alten Bilderrahmen, oder im Schornstein sind Würste hineingewickelt! Was weiß ich! Jedenfalls Unsinn. Ja, wenn Sie sehr viel Geld haben, dann können Sie ja noch'mal nach Amerika fahren und in den Hospitälern herumsuchen, wo Ihr Schwiegervater gestorben sein soll, der hat das Dokument doch sicherlich mit sich gehabt, oder sämtliche Kirchen Londons untersuchen. Aber wenn Sie, um zu so viel Geld zu kommen, als er braucht, Ihrem Manne einen Scheidungsgrund geradezu schaffen und aufdrängen, damit er von Neuem auf schlechte Wege kommt, dann kann ich Ihnen sagen, ist das eine Ueberspanntheit, und das Andere Sünde von Ihnen, und aus diesen zweien Wurzeln hat sich noch nie eine Glücksblume entwickelt." „Ich wünsche ja nur eins und fürchte ja nur eins: Daß Andreas mich lieben könnte, daß er aber die Gräfin Hallerstadt viel mehr liebt, als mich, und da darf ich ihm nicht im Wege stehen. Nichts könnte mich dazu veranlassen, ihn zu hindern, daß er mit seiner wahren Liebe auch sein so geliebtes Erbgut wieder an sich bringt." „La, la, ich glaube nun nicht, daß diese Gräfin den Herrn Steyn mit der dunklen Vergangenheit so eilig heiratet. Was ich aber glaube, ist, daß sie Himmel und Erde in Bewegung setzen wird, den Trauschein des Grafen Carol Stannojewski mit dem Fräulein Steyn zu finden, und dann freilich stände die Sache für Sie böse! Ihr Mann wäre ihr dann sehr viel Dankbarkeit schuldig, und wenn sie liebenswert ist und liebt ihn, hm, hm, da müßten Sie es tragen, liebes Frauchen. Nun, nun, sehen Sie nur nicht so verstört aus. Sie sollen nicht allein stehen bleiben in der Welt! Sie haben sich hier in mir eine ganz brauchbare Freundin erworben, und die hilft Ihnen dann schon durch's Leben. Wir haben ja nicht Kind, nicht Kegel!" Als Feodora schon lange im Bette lag, kam es ihr vor, als rolle ein Wagen die Straße herauf und hielte vor dem Hause. Aufgeregt wie sie war, das Mögliche und Unmögliche kaum so rasch unterscheiden könnend, sprang fie auf, klopfenden Herzens nach den Fenstern zu eilend. Aber es war nur eine Droschke, die geholt worden war. Jemand aus dem Hause stieg ein und gab den Befehl, zum Vahnhof zu fahren. Seufzend legte sie sich wieder nieder und überlegte den Brief, den sie ihrem Manne am andern Morgen schreiben wollte. In der Droschke hatte übrigens der Herr Rat gesessen, nachdem er vorher eine lange Unterredung mit seiner energischen Gattin gehabt hatte. Er war dieser gehorsam, wie immer, mit dem Nachtzuge nach Köln gefahren, um der Witwe des Grafen Gerhard Stannojewski einen Besuch zu machen. 25. Kapitel. Ein wunderschöner Sommerabend ging zur Rüste. Ueber dem grünen Laubmeer des Andrejewoer Parkes lag süßer Abendfrieden. Die kleinen Säuger in den Zweigen waren schon verstummt, denn die große Licht- und Wärmespenderin war hinabgetaucht unter den Horizont, und nur noch ein tiefes, leuchtendes Rot lag verheißungsvoll für einen neuen, schönen Tag im Westen darüber, unsagbar schön hineinragend in den blaßblauen Himmel, in dem schon geisterbleich der große, blasse Mond schwamm, und einsam darüber, scharf hineingeschnitten, der funkelnde Abendstern. Ein leichter, offener Wagen mit zwei Pferden, die in gutem Zustande waren, bespannt, rollte in den Schloßhof von Andrejewo. Er brachte die Gräfin Sidonie Hallerstadt, oder eigentlich Gräfia Lorm=Hallerstadt. Sie kam allein, da ihre Mutter, von Unpäßlichkeit zurückgehalten, es vorgezogen hatte, in ihrer Berliner Wohnung Sidonies Rückkehr abzuwarten. Der Aufenthalt in Andrejewo sollte nur wenige Tage zunächst dauern. Sidonie hatte den Befehl gegeben, daß Niemand sie abholen, Niemand sie erwarten, das heißt, daß Andreas sich nicht dazu verpflichtet fühlen solle, sondern ruhig seinen Geschäften nachgehen. Danach hatte er es natürlich für seine ernste Pflicht gehalten, an der Hausthür zu stehen, als erster Diener der neuen Herrin. Er sah vortrefflich aus. Magerer und schlanker geworden, die Wangen tiefbraun, die Stirn unter den schwarzen Haaren schneeweiß, soweit eben die große Schirmmütze sie bedeckt hatte, bei dem täglichen Aufenthalt unter heißer Sonne. Die stahlblauen Augen hatten einen eigenen Blick, sehr ernst und stolz und zwischen den dunklen Brauen hatte sich eine seltsame Falte gebildet, die seinem Gesicht einen Schmerzenszug verlieh, welcher es in der That interessant machte, selbst für Jemanden, der sonst kein Wohlgefallen an dem Riesenhaften, Großen und vielleicht Grobem der Gestalt und der Züge finden konnte. Die Begrüßung zwischen ihm und der weltgewandten Dame war eine recht freundliche und unauffällige. In den Herzen sah es freilich um Vieles anders aus. (Fortsetzung folgt). sten verboten, die Vorlesungen Spahns zu besuchen, indem er seine zuerst gegebene Lizenz zurückzog, nachdem sich die Umstände geändert hätten. — Mit der Bezeichnung„Kaiser Wilhelm der Große“ ist der Kultusminister Bosse nicht einverstanden gewesen. Bosse hatte zu einer Pestalozzischrift ein Geleitwort geschrieben, zufällig am 22. März. Auf die Bitte der Pestalozzi-Vereine, diesen Tag als Geburtstag Kaiser Wilhelms I. zu bezeichnen, erwiderte Bosse nach der„Voss Zig.":„Ich bin sehr damit einverstanden, daß mein Geleitswort vom 22. März, dem Geburtstage unseres lieben alten Kaisers, datirt wird. Wenn Sie das Buch aber Sr. Majestät überreichen wollen, so muß nach meiner Kenntnis unseres jetzigen allergnädigsten Herrn in irgend einer Weise „Wilhelm der Große" hinein; also z. B.„am 22. März 1900, dem Geburtstage unseres lieben alten Kaisers Wilhelms des Großen." So hoch ich nun auch unsern geliebten alten Herrn halte und ihn ehren möchte— ich kann kaum ausdrücken, wie hoch— so überschleicht mich doch leicht ein Gefühl des Gemachten, wenn bei solchen Gelegenheiten gerade der Beiname„der Große" so demonstrativ gebraucht wird. Unser jetziger kaiserlicher Herr hat ja damit die höchste Pietät verbunden, die denkbar ist; aber vielleicht vermag er sich doch nicht so völlig in die Seele der Unterthanen hineinzudenken, um solche ketzerische Bedenklichkeiten, wie ich sie angedeutet habe, ganz zu verstehen". Frankreich. Paris, 25. Okt. Wie verlautet, hat die Regierung beschlossen, sich nun doch endlich Genugthuung seitens der türkischen Regierung zu verschaffen, deren Verschleppungspolitik die Geduld der französischen Regierung schon so lange auf die Probe gestellt hatte. Die französische Regierung hat nach Toulon den Befehl gesandt, alle Vorbereitungen zur Abfahrt einer Schiffsdivision in kürzester Zeit zu treffen. Amerika. Caracas, 24. Okt. Oer Zwischenfall, der sich bei Anwesenheit des deutschen Kreuzers Vineta hier ereignete, ist durch die deutsche Gesandtschaft in befriedigender Weise geregelt worden; die Befürchtungen, daß es zu Verwickelungen kommen könnte, sind geschwunden. Persien. Petersburg, 24. Okt. Ein Telegramm aus Teheran berichtet, daß ein Komplott gegen den Schah von Persien entdeckt worden ist; die Hauptschuldigen seien die beiden Brüder des Schah und der Großvezier. Die beiden ersteren sind verhaftet worden und ins Gefängnis abgeführt. Der Großvezier ist zum Tode verurteilt. China. London, 25. Okt. Ueber das neue russisch=chinesische Mandschureiabkommen veröffentlichen chinesische Blätter, wie der„Times" aus Shanghai gemeldet wird, einen Auszug. Danach heißt es in dem Abkommen: China ist gehalten, Rußland für die Rückgabe der Eisenbahn Schanhaikwan=Niutschwang gewisse Vorteile zu gewähren. Alle Eisenbahn= und Bergwerksprivilegien in der Mandschurei bleiben den Russen vorbehalten. Alle EingeborenenGarnisonen sollen aus Truppen bestehen, die von Russen ausgebildet sind. Die Mandschurei soll wieder an China zurückgehen, aber die Besetzung durch russische Truppen bleibt bestehen, bis die Unruhen aufgehört haben. Man rechnet, daß ein Zeitraum von drei Jahren erforderlich sein wird, um die endgültige Zurückziehung der Truppen zu gestatten. London, 25 Okt. Der Standard meldet aus Schanghai, Yungln habe in einer geheimen Mitteilung an Lihungtschang berichtet, die Kaiserin hege den dringenden Wansch, mit Rußland in freundschaftliche Beziehungen zu treten, da dieses versprochen habe, alle fremden Angriffe zu verhindern und sie, die Kaiserin, in Peking zu beschützen. London, 25. Okt. Die Morningpost veröffentlicht einen langen Brief ihres Berichterstatters in China, der einen Besuch in Tsingtau beschreibt und eine hohe Anerkennung der dort gemachten Fortschritte und die Ansicht ausspricht, daß Tsingtau zweifellos den Hauptteil des Handels an sich ziehen werde, der jetzt über Tschifu gehe. Schanghai, 25. Okt. Die Hungersnot nimmt zu. Glaubwürdigen Nachrichten, die Generalkonsul Warren erhalten hat, sind in Kiangsu 300000 Personen und in Nganhwei 600000 Personen dem Verhungern nahe. In Kiangosi soll die Lage noch schlimmer sein. Die Unterstützungsfonds sind unbedeutend; die Fremden steuerten 1500 Psund Sterling und die Chinesen 7500 Pfund Sterling bei. Ein gemeinsamer, aus den Konsuln und chinesischen Beamten zusammengesetzter Ausschuß überwacht die Verteilung der Gelder. Der Krieg in Süd=Afrika. London, 25. Oktober. Nach einer Petersburger Meldung des Daily Telegraph wurden neuerdings in Südrußland große Pferde-Ankäufe für englische Rechnung gemacht; schon sollen über 16000 Stück erworben worden sein. Provinzielles und Vermischtes. Lüdenscheid, 26. Okt. Der hiesige städt. Frauenverein bedarf reicherer Mittel, um seinen Aufgaben gerecht zu werden. Denn die Bevölkerung und ihre Bedürfnisse wachsen, und seine regelmäßigen Einnahmen sind im Wesentlichen die gleichen geblieben. Um deswillen hat der hiesige Männergesangverein auf die Bitte des FrauenvereinsVorstandes sich bereit finden lassen,(unter Leitung seines Dirigenten Herrn Lehrers Widder, Sonnabend den 2. Nov., abends 8 Uhr im Saale der Gesellschaft„Erholung" zu Gunsten des Vereins ein Konzert zu geben. Auch werden geschätzte Solokräfte Abwechslung bringen. Das genauere Programm, welches einen Eintrittspreis von 1 Mark pro Kopf bestimmt, wird in nächster Woche veröffentlicht werden. Ebensowohl um des zu erwartenden Kunstgenusses, als des wohlthätigen Zweckes willen darf eine zahlreiche Zuhörerschaft erwartet werden. Lüdenscheid, 26. Okt. Kalligravhisches. Wie wir in Erfahrung gebracht haben, will der Kalligraph Herr Fischer,— der kanntlich im Hotel Jägerhof einen Schönschreibekursus abhält— in den nächsten Tagen unsere Stadt verlassen. Die Erfolge, die Herr Fischer hier erzielt hat, sind derartig, daß der Fortgang einer so bewährten Lehrkraft im Interesse der guten Sache sehr zu bedauern ist. Wir können jedoch versichern, daß Herr Fischer mit der Absicht umgeht, im nächsten Jahre wiederum einen Kursus hier abzuhalten. Die Schriftproben der Schüler, vor und nach dem Kursus, sind heute und morgen im Hotel Jägerhof ausgestellt. Elberfeld, 25 Okt. Gegen die Annahme des Jubiläumsbrunnens durch die Stadt war gestern Abend auch von evangelischer Seite eine Protestversammlung einberufen worden. Sie erhob Einspruch nicht nur gegen die angeblich anstößigen Tritonen, sondern auch gegen die Krönung des Brunnens mit Neptun und seinem Hofstaate und verlangte, daß die heidnischen Gebilde entfernt würden. Eine Frucht der Protestbewegung hat sich bereits gezeigt; heute Nacht sind die angeblich anstößigen Stellen an den Tritonen von Bubenhand mit Pflastersteinen abgeschlagen worden. Berlin, 25. Okt. Die 7. Strafkammer des Landgerichts I verhandelte heute unter Ausschluß der Oeffentlichkeit gegen den Banquier Sternberg und die Zimmervermieterin Riewe wegen unsittlicher Handlungen in drei Fällen, bezw. wegen Beihülfe und Kuppelei. Sternberg wurde freigesprochen, die Angeklagte Riewe zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt. 6. Ziehung 4. Klasse 205. Kgl. Preuß. Lotterie. Ziehung vom 25. Otinber 1901, vormittags. Nur die Gewinne über 232 Mt. sind den betressenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.) 90 98 147 266 358 62 554 80 621 727 51 86 842 66 952 69 1246 61 79 410 27 610 748 65 920 76 2035 111.92 347 426 83 602 51(1000) 83 803 3161 76 223 15001 48 57 809 431 603 829 51 4149 337 64 425 519 28 44 723 847 959 5247 96 504 78 636 707 69 80 6265 93 353 130001 431 39(1000 97 720(1000) 817 89 7056 839 952 8036 63 117 59 96 335 420 789 960 9076 79 209 15 326 411 523 643 739 75 851(500) 90 942 10031 146 47 63 288 464 813 11049 243 318 57 429 12097 138 299 388 421 75 565 789 13047 1100001 112 269 471 581 86 637 56 71 97 743 90 862 76 903 14024 111 50 97(500) 226 308 431 725 810 63 987 15163 77 130001 308 29 419 661 70 748 800 68 16369(3000) 426 531 67 701 17019 99 467 560 64 607 30 89 99 803 5 912 18005 271 349 600 797 969 19602 861 20190 374 89 96 471 94 535 918 75 21010 24 1500) 151 61 342 565 1500) 638 869 22155 248 90 430 621 788 824 1500 96 23028 135 248 404 34(3000) 527 617 25 805 39 24030 249 51 388 405 62 541 55 88 650 721 816 25143 68 89 90 498 598 697 849 57 939 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Oktober 1901 nachmittags. Nur die Gewinne über 232 Mt. und den betre senden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.) 86 130001 132 323-649 93 710 60 849 1500 94 15001 901 35 1138 80 363 511 738 92 958 2156 59 95 274 398 89 301 20 38 469 575 719 4035 88 96 424 26 830 80 963 5212(3000) 63 325 627 848 98 Get 1500 456 77 98 535 69 63 919 7045 252 440 559 54 510 76 877 9024 366 100 95 12195 507 638 54 35 701 35 73 968 13005 65 86 748 11000) 49 877 80 14042 45 49 68 207 1500) 15420 37 68 675 719 49 997 13000 80 11000) 400 71 571 790 811 900 17117 18 445 (500) 61 910(5001 18016 22 411 59 665 749 74 87 90 60 990 19146 227 44 403 37 84 588 739 93 20011 52 84 140 95 379 530 45 702 907 21 21182 249 6. 1500) 499 594 645 75 79 842 22017 73 264 429 500) 525 724 94 23025 27 40 169 81 330 422 508 97 677 804 947 30001 53 24331 56 94 596 25069 275 200 48 491 570 90 710 1500) 30 26072 84 98 235 59 69 15001 343 89 524 33 51 90 688 721 939 27209 374 486 1500 570 1500) 651 68 82 856 11000) 975 28004 15001 441 530 602 800 929 60 29075 87 233 51 358 67 604 707 17 26 55 S0014 148 281 421 557 600 820 34 958 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