Gauerländisches Altester Anzeiger des Sauerlandes+ Über 100 Jahre Heimat- und Kreisblatt im Kreise Olpe Druck u. Verlag: VERLAGSANSTALT F. X. RUEGENBERG OLPE Anzeigen-Grundpreise: im Anzeigenteil 8 Pfg. für 1 mm Höhe in der Kleinspalte(22 mm breit); im Textteil 50 Pfg. fûr 1 mm Höhe in der Textspalte(62 mm breit). Man fordere Preisliste Nr. 4. Bei Zwangsvergleich oder in Konkursfällen wird jeder Rabatt hinfällig. Gerichtsstand ist Olpe 1. Westf TAGESZEITUNG für Politik, Unterhaltung und Belehrung Verantwortlicher Schriftleiter: PAUL ROBERT ROEDER OLPE Das„S. V.“ erscheint täglich(außer sonntags). Monatlicher Bezugspreis: DM 3,50 einschließlich Zustellgeld, bei Postbeziehern DM 3,54 incl. Postbestellgebühren, bei Abholung in unserer Geschäftsstelle DM 3,—. Geschäftsstelle: Olpe. Frankfurter Straße 16, Fernruf 241 und 242. Verlagspostamt: Olpe 1. Westf 119. Jahrgang— Nummer 231 Dienstag, den 5. Oktober 1954 Einzelverkaufspreis 15 Pf ADENAUERS UNTERSCHRIFT UNTER DIE„LONDONER AKTE“ Unser Telebild aus London zeigt den Augenblick der Unterzeichnung der„Londoner Akte“ durch Bundeskanzler Dr. Adenauer. Das Bild zeigt von links nach rechts: Außenminister Bech(Luxemburg), Martino(Italien), Eden(Großbritannien), Bundeskanzler Dr. Adenauer, den französischen Ministerpräsidenten Mendès-France und die Außenminister Beyen(Holland) und Spaak(Belgien). Dehler: Sofort mit Moskau verhandeln „Malenkow kein Abenteurer“— Notfalls für unfreie Wahlen Würzburg.(dpa) Der Vorsitzende der FDP, Dr. Dehler, hat angeregt, daß eine deutsche Regierungsdelegation oder andere politische Repräsentanten der Bundesrepublik mit Moskau Fühlung aufnehmen. In einem Gespräch mit einem Vertreter der Würzburger Zeitung„Mainpost“ meinte Dehler, es schade nie, einmal hinter den Eisernen Vorhang zu sehen, denn„wir wissen bisher immer nur aus dritter Hand, was sich im Osten tut“. Dehler erklärte sich bereit. selbst nach Moskau zu fahren, wenn die Regierung seine Fahrt gutheiße.„Schon seit Jahren bewegt mich der Plan einer Moskau- Reise stärker als eine Fahrt nach Washington“, sagte Dehler. Was in Moskau geschehe und geplant werde, sei wichtiger als das, was politisch im Westen vor sich gehe. Mit den Sowjets sollte sofort über eine Wiedervereinigung Deutschlands verhandelt werden. Notfalls, so meinte Dehler, müsse man auch unfreie Wahlen in der Sowjetzone in Kauf nehmen. Ein gesamtdeutsches Parlament müsse die kommunistischen Abgeordneten„verkraften“ können. Er sei überzeugt, daß„Malenkow kein Abenteurer ist“ und die Sowjets keinen dritten Weltkrieg wollen.„Ich bin dagegen, daß politische oder heiße Feldzüge gegen die Sowjets inszeniert werden.“ Montgomery soll Bonn beraten Für die Ausbildung der zukünftigen deutschen Armee verantwortlich Paris.(Reuter) Feldmarschall Montgomery wird für die Ausbildung der neuen deutschen Armee verantwortlich sein, da ihm als stellvertretenden alliierten Oberbefehlshaber in Europa die Schulung der NATO-Truppen untersteht. Während die anderen 13 NATO-Länder nur einen Teil ihrer Truppen der NATO unterstellen, werden die vorgesehenen zwölf deutschen Divisionen ganz dem NATO-Oberkommando untergeordnet sein. Montgomery wird das künftige Bundesverteidigungsministerium in Ausbildungsfragen beraten. Eine unmittelbare Überwachung der Ausbildung scheint nach NATO-Auffassung aber nicht notwendig. Die deutschen Divisionen sollen in die Lage versetzt werden, mit den Truppen der anderen NATO-Mächte eng zusammenzuarbeiten. Aus diesem Grunde werden im Hauptquartier des Generals Gruenther auch deutsche Öffiziere und Mannschaften aufgenommen werden. Mit der Ausbildung des künftigen deutschen Oberkommandos beschäftigt sich nach einer Meldung des Londoner „Daily Expreß“ eine Geheimakte im Amt Blank. Eines der darin enthaltenen Dokumente spricht davon, daß die Amerikaner ein kleines Schloß in den Wäldern am Rande der bayrischen Alpen als Kriegsakademie vorgesehen haben. Hier sollen, wenn die Zeit dafür reif ist, die deutschen Generale und Stabsoffiziere von den Amerikanern mit den Anforderungen der Wie wird das Wetter? Leicht unbeständig Nachdem um die Wochenwende auf der Westseite eines Hochdruckgebietes hochsommerliche Temperaturen herrechten, setzt sich nun wieder etwas kühlere Meeresluft in Westdeutschland durch. Vorhersage für Dienstag: Nach vielfach klarer Nacht wieder stärker bewölkt und strichweise etwas Regen. Mäßige südwestliche Winde. Leichter Temperaturrückgang, aber immer noch verhältnismäßig mild. Weitere Aussichten: Leicht unbeständig und wenig Temperaturänderung. modernen Kriegführung vertraut gemacht werden. Es ist anzunehmen, daß es ein 50-Mann-Lehrgang sein wird. Paris rechnet mit Mehrheit Paris.(Korr.) Die Londoner Vereinbarungen wurden gestern in politischen Kreisen von Paris betont positiv bewertet. Parlamentskreise rechnen mit einer Mehrheit in der Nationalversammlung für die„Londoner Akte“. Den Ausschlag werden vermutlich die Sozialisten geben, bei denen die überzeugten EVG-Anhänger und die strikten Gegner jeder deutschen Wiederaufrüstung eine starke Gruppe gegen die Pläne von Mendès-France darstellen. SED zugelassen Berlin.(dpa) Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands(SED) wird nach einem Beschluß des Westberliner Senats an den Wahlen zum Abgeordnetenhaus im Dezember unter den gleichen Bedingungen teilnehmen können wie die demokratischen Parteien in Westberlin. Der Bürgermeister von Berlin, Dr. Schreiber, hat gestern dem SED-Vorsitzenden Neumann in Östberlin mitgeteilt, daß der SED bei der Vorbereitung und Beteiligung an der Wahl in Westberlin die gleichen Rechte wie jeder anderen zugelassenen Partei eingeräumt werden. Dulles in Washington Washington.(INS) Der USA-Außenminister Dulles sagte gestern in Washington, die Londoner NeunmächteKonferenz habe solide Ergebnisse gebracht. Dulles wurde auf dem Flugplatz von den Botschaftern der Bundesrepublik, Frankreichs und Italiens empfangen. Botschafter Krekeler sagte, er erwarte. daß die Sowjetunion auf die Londoner Akte reagieren werde, indem sie ihre psychologische Kriegführung verstärke. Vietminh-Soldaten in Hanoi Hanoi.(AFP) Die ersten Soldaten der regulären Vietminh-Verbände trafen in Hanoi ein. Sie sollen das Städtische Krankenhaus bewachen. Ihre Aufgabe, die öffentlichen Dienste und Ämter unversehrt in die Verwaltung des Vietminh zu überführen, konnten sie nicht erfüllen, da fast alle Ämter verlassen und weitgehend ausgeraubt angetroffen wurden. Der Bundespräsident beim DGB-Kongreß Warnung vor Spaltung und Zersetzung der Gewerkschaft Frankfurt a. Main.(dpa) Mit herzlichem Beifall begrüßt wurde gestern Bundespräsident Heuß auf der Eröffnungssitzung des DGB-Bundeskongresses in Frankfurt. In einer Ansprache bezeichnete Heuß die Einheitsgewerkschaft, die der DGB repräsentiere, als einen großen Gewinn, der nie mehr verlorengehen dürfe. Das Streikrecht des Lohnempfängers nannte Heuß eine völlig legitime Sache. Es sei allerdings in der Hand der Gewerkschaften das Schwert, mit dem sorgsam umgegangen werden müsse. „Man soll nicht damit spielen, daß es metallisch klingt.“ Auch den Kampf der Gewerkschaften um eine verkürzte Arbeitszeit begrüßte der Bundespräsident. Heuß sprach sich für eine Verständigung zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften aus. Es sei die bessere Politik, wenn man miteinander und nebeneinander lebe und arbeite als etwa das Schwert zu gebrauchen. Der Bundespräsident wies darauf hin, daß der Proletarier von gestern zu einem verantwortungsbewußten Arbeiter geworden sei. Der Typ des Proletariers bestehe heute nur noch in der Sowjetzone, obwohl die Kommunisten das Gegenteil erklärten. Dort seien die Gewerkschaften nicht Interessenvertreter des arbeitenden Menschen, sondern hätten die Rolle des Antreibers und Kontrolleurs übernommen. Abschließend warnte der Bundespräsident vor Versuchen, die Gewerkschaften zu zersetzen und die Einheitsgewerkschaft zu zerschlagen.„Die Gewerkschaften stehen auf dem Boden der Demokratie und haben eine wichtige Aufgabe im Staatswesen zu erfüllen.“ Zu Beginn der Sitzung hatte der DGBVorsitzende Freitag dem Bundespräsidenten für dessen Anteilnahme an der Arbeit der Gewerkschaften gedankt und betont, die Gewerkschaften würden auch in Zukunft solchen Männern,„die uns helfen wollen“. für jeden guten Rat dankbar sein. Prof. Heuß habe während seiner ganzen politischen Laufbahn den Leidensweg der Arbeiterschaft mit viel Verständnis verfolgt. Grüße von Ministern und Abgeordneten Carlo Schmid bezeichnete die Gewerkschaften als„eine der wichtigsten Säulen der demokratischen Grundordnung unseres Volkes“. Bundesarbeitsminister Storch wies darauf hin, daß die Beschlüsse der Londoner Konferenz wirtschaftliche Probleme aufwerfen würden, die nur durch ernste Mitarbeit der Gewerkschaften gemeistert werden könnten. Ollenhauer erklärte, für die SPD und die Gewerkschaften gebe es kein isoliertes Schicksal. Bundesminister Kaiser betonte, die Erhaltung der gewerkschaftlichen Einheit sei eine der dringendsten Gegenwartsaufgaben. Der 86jährige Gewerkschaftsveteran und ehemalige Reichsarbeitsminister Wissel forderte die verkürzte Arbeitszeit, weil der Achtstundentag durch die technische Entwicklung überholt sei. Lloyd antwortet Wyschinski Sowjetrussische Abrüstungsvorschläge werden sorgfältig geprüft New York.(INS) Der britische Staatsminister Selwyn Lloyd erklärte gestern vor der UNO-Vollversammlung in New York die Bereitschaft Großbritanniens, sich mit den neuen sowietischen Abrüstungsvorschlägen„nach ihrem Wert“ zu befassen. Er fügte hinzu, die sowjetische Regierung scheine den britisch-französischen Vorschlägen nähergekommen zu sein.„Das ist eine begrüßenswerte Tatsache.“ Der sowjetische UNO- Chefdelegierte Wyschinski hatte der Vollversammlung in der vergangenen Woche neue Abrüstungsvorschläge unterbreitet, die eine stufenweise Abrüstung, gefolgt von dem Verbot der Atomwaffen, vorsehen. Wyschinski hatte gesagt, die Sowjetunion sei jetzt bereit, die im Juni in London vorgelegten britisch-französischen Worschläge als Diskussionsgrundlage anzunehmen. Lloyd sagte, Wyschinskis Vorschläge seien nicht sanz klar und bedürften einer sorgfältiger Prüfung, insbesondere hinsichtlich der internationalen Kontrollorganisation, die die Abrüstung überwachen soll. Selwyn Lloyd ging dann auf die Deutsenian-Frage ein und bezeichnete die sowjetische Opposition gegen eine deutsche Wiederaufrüstung als„einfach zynisch“, wenn man berücksichtige, daß in der Sowjetzonen-Republik eine rund 90000 Mann starke Armee aufgestellt worden sei. Diese Armee verfüge schätzungsweise über 1300 Panzer. Der Triest-Konflikt beigelegt Heute Unterzeichnung eines Abkommens zwischen Italien und Jugoslawien in London Rom.(Reuter) Im britischen Außenministerium werden Botschafter Italiens und Jugoslawiens am heutigen Dienstagnachmittag ein Triest-Abkommen unterzeichnen, durch das der neunjährige Streit über das„freie Territorium“ beigelegt werden wird. Das Abkommen ist nach siebenmonatigen geheimen Verhandlungen und fast genau ein Jahr nach der britisch-amerikanischen Erklärung zustandegekommen, in der die beiden Westmächte am 8. Oktober 1953 ihre Absicht bekanntgaben. die Zone A des Freistaates Triest Italien zu übergeben. Fest steht, daß Italien die Zone A mit Stadt und Hafen Triest und Jugoslawien die Zone B erhält. Jugoslawien werden Vorrechte im Hafen von Triest zugestanden. Außerdem sind besondere Bestimmungen ausgearbeitet worden, die die Rechte der Minderheiten regeln werden. Wie es heißt, wollen Großbritannien und die USA sich in einer gemeinsamen Erklärung verpflichten, allen späteren Revisionswünschen von der einen oder anderen Seite die Unterstützung zu versagen. Nach italienischer Ansicht ist eine Ratifizierung des Vertrages durch das italienische Parlament nicht nôtig, da es sich nicht um einen„internationalen Vertrag“ handle. In Italien werden bereits Vorbereitungen für die Übernahme der Zone A getroffen. Hohe italienische Beamte und Offiziere sind bereits am Sonntag nach Triest abgereist, um die Übernahme der Verwaltung vorzubereiten. Eine italienische Division, wahrscheinlich die Bersaglieri-Division„rest". wird die 8000 britischen und amerikanischen Truppen in der Zone A ablösen. Der bisherige alliierte Militärgouverneur, General Winterton, wird durch einen hohen italienischen Beamten ersetzt werden. Das bevorstehende Triestabkommen wird von der Rechts- und Linksopposition in Italien bereits scharf kritisiert. Durch die Teilung fallen 222,5 Quadratkilometer iit rund 296 000 Bewohnern, meist Italienern, an Italien. Jugoslawien erhält 515,5 Quadratkilometer mit rund 67 000 vorwiegend slowenischen Bewohnern. mung der französischen Nationalversammlung ab. Die Londoner Konferenz lasse sich erst dann abschließend würdigen, wenn ihre Ergebnisse in vollem Umfang bekannt seien. Was die Rückgabe der vollen Souveränität betreffe, so scheine die Konferenz hinter den deutschen Erwartungen zurückgeblieben zu sein. Anschläge in Rabat Bei Sprengstoffanschlägen gegen zwel Kaffeehäuser in der marokkanischen Stadt Rabat wurden sechs Amerikaner und sieben Europäer verletzt. Eine durchgehende Eisenbahnverbindung zwischen Östberlin und Moskau besteht seit Sonntag. Die Wagen erhalten in BrestLitowsk ein neues Fahrgestell, das der breiteren Spur der sowjetischen Eisenbahn entspricht. Die Zahl der Sowjetzonenflüchtlinge betrug im September 17 2"6. Ein Hochverratsprozeß begann gestern in Teheran gegen zehn persische Öffiziere und zwei Zivilisten, denen eine kommunistische Verschwörung vorgeworfen wird. Der Anklagevertreter hat für alle zwölf Angeklagten die Todesstrate beantragt. Maurice Thorez, der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Frankreichs, ist nach einem zehnwöchigen Aufenthalt in einem Kurort Östpreußens gestern nach Frankreich zurückgekehrt. Sechs britische Wissenschaftler, Schriftsteller und Künstler, die China einen Freundschaftsbesuch abstatten, wurden gestern in Peking vom Präsidenten des chinesischen Volksverbandes für kulturellen Austausch mit dem Ausland begrüßt. Adenauer empfing Menderes Die türkischen Gäste besuchen das Ruhrgebiet Zentrum zu London Düsseldorf.(dpa) Das Präsidium der Zentrumspartei erklärte gestern in Düsseldorf. nach der bisherigen Veröffentlichungen unterscheide sich das Ergebnis der Londoner Konferenz in der Frage der Wiederbewaffnung zwar in vielem vorteilhaft von der EVG, aber seine Verwirklichung hänge wesentlich von der ZustimBonn.(dpa) Der türkische Ministerpräsident Menderes und sein Außenminister Köprülü trafen gestern in Bonn ein und wurden auf dem Bahnhof von Bundeskanzler Dr. Adenauer begrüßt. Bald nach ihrer Ankunft trugen sich die beiden türkischen Staatsmänner im Bundespräsidialamt in das Besucherbuch des Bundespräsidenten ein. Dann machten sie Bundeskanzler Dr. Adenauer im Palais Schaumburg und Bundestagspräsident Dr. Ehlers im Bundeshaus Höflichkeitsbesuche. Der Bundeskanzler gab am Abend den beiden türkischen Gästen im„Haus des Bundeskanzlers“ ein Essen. Am heutigen Dienstag sind Besichtigungen der Gutehoffnungshütte in Oberhausen und der Demag in Duisburg sowie ein Tee-Empfang in der Villa Hügel bei Alfried Krupp von Bohlen und Halbach vorgesehen. Den Abschluß des zweiten Besuchstages bildet ein von Ministerpräsident Arnold gegebenes Essen. Besprechungen mit Bundeskanzler Adenauer und ein Empfang durch den Bundespräsidenten sind für Mittwoch vorgesehen. Am Donnerstag werden die türkischen Gäste an Bord der„Köln“ eine Rheinfahrt unternehmen. Mit einem Empfang auf Schloß Brühl, den der Bundeskanzler seinen Gästen gibt, wird der Staatsbesuch am Freitag enden. Der türkische Ministerpräsident und seine Begleitung beabsichtigen, am Sonnabend in einem Sonderflugzeug vom Flugplatz Wahn in ihre Heimat zurückzukehren. Sprung ins Ungewisse O. H. D. Öffensichtlich auf Betreiben des französischen Ministerpräsidenten MendèsFrance hat sich die Bundesrepublik in der Londoner Akte verpflichten müssen, ihre zukünftigen Truppen nicht zu gewaltsamen Versuchen einer Wiedergewinnung verlorengegangener Gebiete zu benutzen. Unter diesen Begriff fällt auch die Wiedervereinigung. Der Bundeskanzler hat diese Verpflichtung um so eher unterschreiben können, als kein geistig normaler Mensch in der Bundesrepublik daran denken kann, gegen die Sowjetunion abermals einen Angriffskrieg zu starten. Immerhin ist aber die Tatsache bemerkenswert, daß an der Schwelle der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik ein feierlicher Verzicht auf Gewaltanwendung gegenüber dem Östen steht. Das liegt sowohl im Interesse Frankreichs, das Moskau nicht durch irgendwelche aggressiven Pakte vergrämen möchte, als auch in der Linie einer deutschen Politik der Wiedervereinigung, denn wenn diese auf friedlichem Wege zustande kommen soll, so kann dies nur durch eine Verständigung mit der Sowjetregierung geschehen. Es bleibt abzuwarten, ob Moskau dieses Faktum anerkennt oder ob es weiterhin von düsteren Welteroberungsplänen der„Bonner Revanchisten“ spricht und nun, da die Neutralisierung Deutschlands mißlang, die Wiedervereinigung glatt verweigert. Der deutsche Verzicht auf Waffenanwendung zur Revision der Östgrenzen hat aber noch ein weiteres Ziel. Weite Kreise in Frankreich haben nicht nur wegen der Möglichkeit eines Konflikts im Östen die EVG, sondern auch den Beitritt der Bundesrepublik zur NATO abgelehnt. Ihnen ist, wie wir hoffen, mit der Londoner Erklärung der Wind aus den Segeln genommen. Entscheidend wird nun sein, ob die Londoner Vereinbarung in Europa eine Vertrauensgrundlage schaffen wird oder nicht, und zwar nicht nur eine Vertrauensgrundlage zwischen der Bundesrepublik und Frankreich, sondern auch zwischen Westeuropa und Moskau. Mendès-France könnte im neugeschaffenen Paktsystem einen einmaligen geschichtlichen Ruf erwerben, wenn er Frankreichs Vermittlerrolle zwischen dem Östen und Westen voll zum Tragen brächte, nicht nur zum Vorteil seines eigenen Landes, sondern ganz Europas. Bis zum Beweis des Gegenteils möchten wir annehmen, daß Mendès-France europäisch denkt, wenn auch mit stark französischem Akzent. Eine andere Frage ist allerdings, ob ihm die Nationalversammlung auf diesem Wege folgen wird. Nun, das sind spätere Sorgen. Vorläufig haben die westeuropäischen Diplomaten alle Hände voll zu tun, um ihren Londoner Kompromiß in die vertragliche Wirklichkeit umzusetzen. Dabei wird die Frage der Rüstungsproduktion und deren Kontrolle noch einiges Kopfzerbrechen verursachen. Daß die Bundesrepublik, Belgien und Holland auf die Herstellung von Atom-, Bakterien- und Chemiewaffen verzichtet haben, braucht kein Nachteil zu sein. Die Herstellung und etwaige Anwendung dieser Bestialitäten überlassen wir gern unseren zukünftigen Bundesgenossen. Wir möchten, auch moralisch, so wenig wie möglich mit derartigen Dingen zu tun haben. Daß die Rüstungswirtschaft Westeuropas der Kontrolle und dem Lizenzzwang eines Rüstungsamtes der Mächte des Brüsseler Paktes unterworfen wird, findet unsere Zustimmung, denn wir haben nichts zu verheimlichen. Es bleibt aber zu hoffen, daß in diesem Amt nicht aus engstirnigen nationalen Produktionsinteressen gegen Neuerungen auf dem Waffengebiet Sabotage getrieben wird. Der Beitritt der Bundesrepublik zum Brüsseler Pakt und zur NATO ist ein Sprung ins Ungewisse. Es bleibt zu hoffen, daß er wenigstens einen bescheidenen Schutz gegen eine Aggression aus dem Östen bietet, daß er von den USA nicht mißbraucht wird und daß er nicht das Ende aller Möglichkeiten einer friedlichen Wiedervereinigung Deutschlands in sich birgt. Eine Arbeiter-Versammlung bei Leipzig Ist eine öffentliche Kritik in der Sowjetzone gefährlich?— Delmer bekam die Antwort Der bekannte Auslands-Chefreporter des Londoner„Daily-Expreß“, Sefton Delmer, der soeben von einer Rundreise durch die Sowjetzone zurückgekehrt ist, hat sich hinter dem Eisernen Vorhang vor allem für die Frage interessiert, wie weit jemand meckern dürfe, ohne eingesperrt zu werden. In einer Versammlung, die die Arbeiter einer Gärtnerei in Markkleeberg bei Leipzig zur Vorbereitung der Einlistenwahl vom 17. Öktober einberufen mußten, erhlelt er die Antwort: „Die Tagesarbeit in Markkleeberg war beendet. Statt jedoch nach Hause gehen zu dürfen, mußten sich die müden Arbeiter in dem Raum versammeln, der in den alten Tagen der Salon in der Villa des Besitzers gewesen war. Viele schliefen vor Überanstrengung Schwer ließen sie sich auf die Stühle fallen. Bevor die Versammlung überhaupt anfing, waren schon zwei eingeschlafen. Je weiter die Uhr vorrückte, desto mehr schlossen sich diesem Beispiel an. Einmal zählte ich fünfzehn Schläfer— bei einer Gesamtbesucherzahl von 40 bis 45 Personen. Das ist sehr bezeichnend. Denn diese ersten 50 schläfrigen Minuten galten einem Rechenschaftsbericht über die Arbeit und die Leistungen der Regierung während der letzten Legislaturperiode. Obwohl der Bezirks-Gewerkschaftssekretär der Redner war, interessierte sich niemand für das, was er sagte. Die allgemeine Politik, das wissen alle, wird geleitet und gelenkt von Experten, die Genossen des Politbüros in Moskau sind und an die man von Markkleeberg aus doch nicht herankommen kann. Wozu also Zeit mit dem Zuhören verschwenden? Arbeiter stellen Fragen Erst als der Redner die Versammelten aufforderte, Fragen zu stellen, erwachten die Schläfer. Eine dicke, mütterlich aussehende Frau mit einem blauen Kopftuch um ihr graues Haar meldete sich als erste: „Ich habe für unsere Kollegen(nur Parteimitglieder sind Genossen) 30 Bezugscheine für billige Arbeitsanzüge beantragt. Das ist die Mindestzahl, die wir nach den Bestimmungen beanspruchen können. Wissen Sie, wieviel Bezugscheine ich bekommen habe? Einen einzigen. Können Sie mir sagen, wem ich den geben soll?“ Eine andere Frau beschwerte sich für eine schüchterne Kollegin, daß diese auf Karte Dherabgesetzt worden sei, obwohl sie die gleiche Arbeit wie die Arbeiter verrichte, die Lebensmittelkarten C erhielten. Diese Frage ist sehr wichtig für die Arbeiter der Sowjetzone. Die Lebensmittel, die sie auf Karten bekommen, kosten oft nur den zehnten Teil von dem, was man für unrationierte Waren ausgeben muß. Ein Mann im Hintergrund führte Klage wegen der 17 Ferienplätze, die dem Betrieb zugeteilt worden waren.„Die meisten davon konnten wir nicht ausnutzen. Sie wurden uns für Tage angeboten, an denen wir hier mitten in der Hauptarbeit steckten. Alle guten Plätze gehen an die großen Betriebe und Organisationen.“ Eine„gefährliche“ Frau Der unglückliche Gewerkschaftssekretär gab eine Versprechung nach der anderen. Er wolle dafür sorgen, daß ein Vertreter des Ministeriums komme, damit die Arbeiter mit ihm sprechen könnten. Aus dem Hindergrund ertönte darauf eine tiefe männliche Stimme:„Davon haben wir nichts: Der gibt uns auch nur Versprechungen!“ Ich wartete gespannt, ob der Name des Zwischenrufers für eine spätere Polizeiaktion aufgeschrieben würde. Doch weder der Redner noch der Versammlungsleiter schienen irgendwie Notiz von dem Zwischenrufer zu nehmen. Sie wurden jedoch beide plötzlich hellhörig, als eine kleine Frau aufstand und m: r zulächelte: „Ich möchte gerne eine Botschaft des guten Willens von uns allen an das Volk Großbritanniens senden“, sagte sie.„Wir sind tief bewegt darüber, daß es ein solches Interesse an uns nimmt, wie es Ihre Anwesenheit hier beweist, und wir wollen es unserer Zuneigung und Dankbarkeit versichern.“ Darin konnte ich nichts Unrechtes erblicken, und ich versprach, ihre Bitte zu erfüllen. Als die Frau nach der Versammlung auf mich zukam, schob der Versammlungsleiter sie beiseite.„Wir haben schon eine Menge Ärger mit der Frau gehabt“, sagte er zu mir.„Wirklich?“ fragte ich.„Was stimmt denn mit ihr nicht?“„Glauben Sie das nicht, sie ist gefährlich. Sie ist eine Bibelforscherin, und obwohl wir sie schon ins Gefängnis haben stecken lassen, will sie mit ihrem Unsinn nicht aufhören. Sie muß immer hetzen." Sowjetzone: Lage verschärft Das erste östliche Echo auf den Ausgang der Londoner Konferenz Berlin. Mdpa) Der Leiter des Sowjetzonen- Presseamtes, Beyling, erklärte gestern in Östberlin, die Lage sei nach der Londoner Konferenz verschärft. Die Sowjetzonenregierung werde„noch schärfer gegen die amerikanischen Sabotage- und Terrorzentralen“ vorgehen. Die Tätigkeit dieser Gruppe sei ein Bestandteil der„Kriegsvorbereitungen“, wie sie auf der Londoner Konferenz zum Ausdruck gekommen seien. Staatssekretär Norden(SED) gab an, „allein beim letzten Schlag“ der Sowjetzonen-Sicherheitsorgane seien 547 Agenten verhaftet worden. Vorher hatte Norden behauptet, die USA finanzierten den Gehlen-Apparat„mit 24 Millionen jährlich“. Das habe ihm der frühere CDUBundestagsabgeordnete Schmidt-Wittmack mitgeteilt. Die Angaben sollen einem Bericht entstammen, den Gehlen 1953 vor dem zuständigen Ausschuß des Bundestags abgegeben haben soll. Auch der in die Sowjetzone übergetretene Leiter des Bundesamts für Verfassungsschutz, Dr. John wurde von Norden in diesem Zusammenhange zitiert. Die Sowjetzonenbehörden hätten Beweise darüber, so fügte Norden hinzu, daß die Mehrheit der sozialdemokratischen Bundes- und Landtagsabgeordneten und auch bürgerliche Abgeordnete von den Organen Gehlens bespitzelt würden. Deutsche Waffenproduktion London.(Korr.) Die Möglichkeit einer Waffenproduktion in der Bundesrepublik als Auswirkung der Ergebnisse der Londoner Deutschlandkonferenz wird in der britischen Presse stark unterstrichen. Es werden folgende Waffen genannt, deren Produktion möglich sein wird: U-Boote bis 350 Tonnen, andere Kriegsschiffe bis 3000 Tonnen. Panzer. Kanonen, Jagdflugzeuge und leichte Bomber. Freitisch für Hunde Amsterdam.(Korr.) Einen„Freitisch für Hunde“ richtete gestern, am„Welttiertag“, ein Amsterdamer Gastwirt ein.„Ohne Unterschied der Rasse und Abstammung“ konnten sich Vierbeiner bei ihm ein.Freßpaket“ abholen. Das Paket enthielt leckere Knochen, Fleisch und Hundekuchen. Fünf Jahre DDR-Terror-Regime Zunehmende Bolschewisierung der Sowjetzone— 100 000 Spitzel überwachen die Bevölkerung Berlin.(dpa) Die„Deutsche Demokratische Republik“ wird am 7. Oktober fünf Jahre alt. Diese fünf Jahre sind gekennzeichnet durch eine fortlaufende Bolschewisierung der Zone. Die beiden bürgerlichen Parteien, die Sowjetzonen-CDU und die LDP, konnten bei den letzten demokratischen Wahlen im Jahre 1946 die Hälfte aller gültigen Stimmen für sich buchen. Schon 1950 waren aber rund 60 Prozent der gewählten Funktionäre der CDU in den Westen geflüchtet. Der gegenwärtige Parteivorsitzende Nuschke und der Präsident der Länderkammer, Dr. Lobedanz, sind die beiden einzigen der 46 Mitglieder des Gründungsausschusses der SowjetzonenCDU, die heute noch Funktionen bekleiden. Ähnlich verlief die Entwicklung bei der Liberaldemokratischen Partei. Rund 100 000 Mitglieder verließen diese Partei; fast 70 00 von ihnen flüchteten in den Westen. Das letzte noch im Amt befindliche Mitglied des Gründungsausschusses war der Parteivorsitzende Dr. Hamann, der Ende 1952 vom Staatssicherheitsdienst verhaftet und inzwischen zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist. Unter Aufsicht des Staatssekretariats für die Staatssicherheit arbeiten zur Zeit ROMAN VON EDGAR KAHN Copyright by Carl Duncker, Berlin W 35 (34. Fortsetzung) „Ende der Autobahn“— Katja atmet auf, als sie das Schild passieren. Horn, Hamm, und das hier muß schon Wandsbeck sein. Der Pole neben ihr hat sich beruhigt, fährt ganz manierlich, aber immer, wenn Katja„links“ sagt, fährt er geradeaus. Schon ist sie drauf und dran, ganz einfach auszusteigen, da kommt er endlich damit heraus:„Treffen Walter um elf vor Hansa-Varieté!“ Katja glaubt ihm nicht. Walter hat gesagt, sie sollen vor dem Hause auf ihn warten. Warum soll er mit diesem Polen etwas anderes ausgemacht haben? Auch möchte sie nun doch lieber wieder hinten sitzen. Trotz der Unbequemlichkeit und Gefahr, daß sie wirklich blaue Flecken davon bekommt. Auch Durst hat Katja. Und zu Abend hat sie ebenfalls noch nicht gegessen. Aber sie hungert lieber, als daß sie diesen bemerkenswerten Freund von Walter bittet, daß er mit ihr schnell irgendwo ein Paar Würstchen ißt. Soll der ruhig weiterfahren. Sie sind nun in der Innenstadt, aber sie haben bis elf noch eine halbe Stunde Zeit. Ist ja nun wieder ganz hübsch, langsam durch die erleuchteten Straßen zu fahren. Wenn Katja sich nur einen Vers darauf machen könnte, warum Walter zwei verschiedene Verabredungen getroffen hat. Hat er denn vorher gewußt, daß es so lange dauern wird? Und nichts dagegen einzuwenden, daß sie mit so einem spazierenfährt? Glaubt er denn, wie Otto Baldux, daß sie „elsern“ ist? Oder macht Walter das nichts aus, wenn sie mit fremden Herren Auto fährt? Plötzlich steigt ihr das Blut zu Kopf: Macht ihm das wirklich nichts aus? Sie fahren über die Lombardbrücke, und plötzlich, als habe ihn allein der Gedanke auf ihre Spur gebracht, fährt Baldux neben ihnen, wendet kurz den Kopf zur Seite, stutzt, Katja merkt es, zuckt zurück, weiß, daß er sie gesehen hat, denn er dreht sich noch einma um, fährt nun, knapp nach rechts einbiegend, vor ihnen her, noch schärfer nach rechts und hält an der Bordschwelle. Katja wird puterrot.„Schneller!“ sagt sie hastig.„Fahren Sie doch schneller!“ Ohne daß es aufgefallen wäre, ist auch der schwarze Alex zusammengezuckt, als der weiße Polizeihelm dicht neben ihm am Fenster auftaucht. Nun beobachtet er mit verkniffenem Gesicht jede Bewegung des Streifenfahrers, fährt dann aber, als der keine Anstalten macht, ihn zu stoppen, mit starrer Miene daran vorbei. Auch Katja blickt starr geradeaus. Für Bruchteile einer Sekunde trennt sie nur ein Meter Abstand, fast nur das Glas der Scheibe, dann hat sie Otto glücklich hinter sich. Katja ist wütend. Ausgerechnet mit diesem Kerl muß Otto Baldux sie sehen! Wenn doch wenigstens Walter am Steuer säße! Dann hätte sie ihrem Exverlobten gelassen ins Gesicht geblickt.„So ist das nun!“ hätte er aus ihrer kühlen Miene lesen können.„Nun weißt du endlich, warum ich mit dir Schluß gemacht habe!“ Aber so? Zwei Augenpaare starren in den Rückspiegel. Auch der schwarze Alex will wismindestens 6000 hauptamtliche SSD-Mitarbeiter, die ein Netz von etwa 100 000 Spitzeln leiten. 20 000 politische Strafurteile Die„Volksjustiz“ ist auf Grund der Weisungen des Justizministers Hilde Benjamin organisiert worden und hat über 20 000 politische Strafurteile gefällt. Dazu kommen noch etwa 3500 WaldheimVerurteilte. Über eintausend Angehörige der in der Sowjetzone verbotenen Religionsgemeinschaft„Zeugen Jehovas“ sitzen in den Zuchthäusern. Zerschlagen der Privatwirtschaft Die Zerschlagung der Privatwirtschaft durch das Sowjetzonenregime zeigt sich sen, was hinter ihm vorgeht. Aber es geschieht nichts, was beunruhigend wirken könnte. Der Polizeifahrer bleibt zurück. Endlich ist es elf. Und nun zeigt sich, daß der Pole nicht gelogen hat. Walter steht unter dem Glasdach des HansaTheaters und wartet bereits. Nichts von Überraschung in seinem Gesicht. Nur Abgespanntheit, von einem dünnen Lächeln übertüncht. So steigt er ein. In Katja brennt die Enttäuschung. Der Pole hat sich mit fragendem Blick nach Walter umgedreht, der sagt zynisch „okay!“ und damit soll alles abgetan sein? Sie fahren in Richtung Hauptbahnhof. Da dreht sich Katja nach Walter um und sagt empört:„Nichts ist ,okay' oder du erklärst mir deutlicher, was darunter zu verstehen ist!“ „Daß wir dich jetzt nach Hause fahren werden!“ sagt Walter lässig. Von diesem Augenblick bis zu dem, wo der Wagen vor ihrer Haustür hält, hat Katja kein Wort mehr gesprochen. Aber hinter ihrer Stirn wirbeln lauter schreckliche Gedanken.„Er liebt mich nicht mehr!“ denkt sie in ohnmächtigem Zorn. „Es ist ihm gleichgültig, was ich in seiner Abwesenheit tue. Und schickt mich hinterher einfach nach Hause!“ Als sie ausgestiegen ist und er sie gleichmütig bis zur Haustür bringt, hängt sie sich im Dunkel des Eingangs an seinen Hals. Sie hat noch einen letzten Trumpf. Sagt fast atemlos:„Ich habe heute die Verlobung mit Baldux aufgehoben, jetzt bin ich frei!“ „Warum denn so überstürzt?“ hat Walter fast verständnislos gefragt.„Das ist doch schließlich ein Schritt, den man sich reiflich überlegt!“ Ein Kuß, und dann: „Wir werden uns wohl ein paar Tage nicht sehen, Katja! Aber ich mache mich bestimmt wieder bemerkbar!“ Alles! Das war alles! Katja hat nicht einmal geweint. Hat allerdings auch nicht daran gedacht, daß Walter fast so mit ihr umspringt, wie sie in der Enteignung von 10 400 Privatbetrieben. Der private Anteil an der Industrie, der 1949 noch 35 Prozent betrug, ist auf 20 Prozent zurückgegangen, der private Einzelhandel im gleichen Zeitraum von 73 auf 33 Prozent. 30 000 Bauern und Landarbeiter sind in den Westen geflüchtet. In den allgemeinbildenden Schulen der Sowjetzone sind heute mindestens 65 Prozent aller Lehrer und über 90 Prozent der Schulleiter und Schulräte Mitglieder der SED. Aus politischen Gründen sind bisher 550 Studenten und 60 Professoren und Dozenten vom SSD verhaftet worden. Die Meinung der anderen Londoner Echo Figaro Das Loudoner Abkommen ist ein glückliches Erelguis für den ganzen Westen. Die Ersatzlösung ist weuiger als eine lutegration und mehr als eine Koalition. Sie gibt der Bundesrepublik eine verwaltungsmäßig selbständige Armee und den Beitritt zur NATO. was französische Minister und Parlamentarier vor dret Jahren abgelehut hatten. Dafür rettet sie die militärische Souveränität Frankreidis. Combat Wenn in London die Schwierigkeiten überwunden werden konnten, so gebülrt das Verdienst daran ohne Zweifel den drei Staatsmännern Eden, Mendès-France und Adenauer. Die Überraschung der Kouferenz war die Haltung des deutschen Kanzlers. Natürlich erhält Deutschland substantielle Zugeständnisse. Aber der Kanzler hat den Plan zu einem Abkommen Boun—Washington für den Fall eines Scheiterus der Kouferenz in der Tasdie behalten. Er blieb seinen europäischen Gedankengängen treu. Er hat auf gewisse Zugeständnisse verzichtet. Mau sollte die Bedeutung dieser Verzichte nicht unterschätzen Times Vielleichit werden keine Worte die Russen überzeugen, aber nichts fällt in den Dokumenten mehr ins Auge als die wiederholten Versicherungen, die von allen Konferenzmächten gegeben wurden, daß sie alle aggressiven Akte vermeiden wollen und eine friedlidie Regelung für alle Streitigkeiten austreben Großbritannien, Frankreich und die Vereinigten Staaten versicherten erneut, daß sie selbst alles in ihrer Macht Stehende tun wollen, um sicherzustellen, daß sich alle Staaten, die nicht Mitglieder der Vereinten Nationen sind, an die Regelu des Verhaltens halten, die in den Satzungen niedergelegt sind. Die Östmächte sollten davon Keuntuis uehmen, wenn sie in den Dokumenten lesen, daß die endgültige Festlegung der deutschen Greuzen bis zu einer deutschen Friedenskouferenz zurückgestellt werden muß, die so feru zu liegen scheint wie jemals. Daily Expreß Niemals ist soviel um so vieler Narrheit willen geopfert worden. Denn was auderes als Narrheit ist dieser Vertrag? Wir haben eine Maßnahie vor uns, die dazu bestimmt ist, die Verteidigung des Westens gegenüber Rußland zu stärken. Sie enthält jedoch Verbote für die Herstellung von Waffen, die diesem Zweck gerade dienen sollten. Kanzler Adenauer muß ein völliges Verbot der Produktion von Atomwaffen aunelimen, der wirkungsvollsten auler Waffen, die elne Aggression absdirecken können. Man sagt ihm auch, daß ferugelenkte Geschosse, Kriegsschiffe und Bomber ilm bedingt vorenthalten werden sollen. So beginnt der Vertrag, der die Deutschen in den Widerstand gegen die Russen einbauen soll, damit, sie der besten Waften zu berauben. Es mag selbst in Großbritannien einige geben, die sich freuen. Sie sollten lieber in Zorn ausbrechen. Denn Großbritannien hat seine Unabhängigkeit weggeworfen und nichts, nichts, nichts gewonnen. Rentner in Krankenkassen Bad Kreuznach.(dpa) Bundesarbeitsminister Storch gab am Sonntag in Bad Kreuznach bekannt, daß er einen Gesetzentwurf vorlegen will, der das Gesetz von 1941 aufheben soll, das die Krankenversicherung der Rentner auf Kosten der Rentenversicherungsträger den Ortskranmit Otto Baldux umgesprungen ist. Sie ist, hinreichend mit dem eigenen Leid beschäftigt, hinaufgegangen, hat sich. fast mechanisch ausgezogen und liegt nun da und schläft. 4 Auch Lotte Cordua hätte noch Zeit, sich hinzulegen. Sie hat es versucht, aber die innere Unrast hat sie wieder hochgetrieben und jagt sie umher. Hannes schläft fest. Titus liegt behaglich ausgestreckt in seiner Ecke, blinzelt nur dann und wann, wenn es im Treppenhaus zu lebhaft wird, aber dann deckt er seinen langen klugen Kopf wieder mit der linken Pfote zu. Auch in einer kleinen Wohnung gibt es den ganzen Tag zu tun. Nun, kurz vor drej ist alles fertig. Nirgends ein Stäubchen mehr zu finden. Die ganze Wohnung blitzt vor Sauberkeit. Aber die Unrast treibt Lotte unentwegt. Nur das Schlafzimmer betritt sie nicht. Sie hat Angst, daß Hannes davon aufwachen könnte. Mitunter horcht sie an der Tür, aber es rührt sich nichts. Da hängt sein Dienstrock. Den nimmt sie sich nun auch noch vor, näht Knöpfe nach, ein kleines Stückchen Naht, das sich gelockert hat, dann bürstet sie ihn mit großer Sorgfalt aus, hält ihn prüfend von sich ab.— Nun ist er makellos. Makellos? Sie streichelt mechanisch das rauhe Tuch, das„V" am Armel—, und plötzlich sitzt sie auf einem Stuhl und weint. Aber gleich schreckt sie wieder hoch. Sie hat Schritte gehört. Dann klappt geräuschvoll die Badezimmertür. Da hetzt sie förmlich auf den Flur, schlüpft hastig in ihren Mantel, Titus ist aufgesprungen, aber sie wehrt ihn wortlos ab und stiehlt. sich wie ein Dieb aus ihrer eigenen Wohnung. O, sie hat ganz plausible Gründe, so schnell die Treppe hinabzulaufen. Niemand sieht ihr an, daß sie vor einer Entscheidung flieht. Auf dem Weg zum Schlachter sieht man es ihr nicht an, auf dem Weg zum Kaufmann nicht—, sie grüßt und lächelt, achtet darauf, daß sie kenkassen übertrug. In Zukunft soll der Arbeitnehmer, der wegen Invalidität oder Alter aus dem Arbeitsprozeß ausscheidet, in der Krankenversicherung bleiben, der er sein ganzes Leben angehört hat. Nationalversammlung einberufen Paris.(AFP) Ministerpräsident MendèsFrance hat den Präsidenten der französischen Nationalversammlung ersucht, die Nationalversammlung auf Donnerstag nachmittag zu einer außerordentlichen Sitzung einzuberufen. Bomben gegen Fellaghas Paris.(Korr.) Im Kampf gegen die Aufständischen Fellaghas im äußersten Süden Tunesiens setzte das französische Oberkommando während des vergangenen Wochenendes zum ersten Male Flugzeuge ein. Es wurden Bomben kleineren Kalibers abgeworfen, wodurch mehrere Gruppen von Fellaghas, die sich selbst„tunesische Befreiungsarmee“ nennen, zerstreut werden konnten. Bei einem Zusammenstoß mit französischen Heeresstreitkräften wurden nach einem längeren Feuergefecht zwölf Fellaghas getötet. ihr Kleingeld richtig herausbekommt, und ist noch überall die hübsche und aufgeweckte Frau Cordua. Wie lange wird man sie in„ihrer“ Straße noch so freundlich grüßen? Inzwischen verwandelt sich Hannes gemächlich in einen Zivilisten mit Schlips und Kragen. Er hat das Türgeräusch zwar gehört, aber sich ganz richtig gesagt, daß Lotte wohl noch schnell einkaufen geht. Daß sie ziemlich lange fortbleibt, beunruhigt ihn nicht sehr. Aber ganz recht ist es ihm natürlich nicht, denn er hat einen rechtschaffenen Hunger. In der Küche sieht es leider nicht danach aus, als käme bald das Essen auf den Tisch. Nichts, das da brutzelt oder kocht. Nur ein halber Topf mit Kartoffeln.„Geschält sind sie wenigstens schon“, sagt Hannes brummig zu Titus, der sich freut, daß er nun anscheinend wieder Gnade in den Augen seines Herrn gefunden hat. In dem kleinen Vorratsraum, dessen schmale Türöffnung Hannes mit seiner ganzen Breite ausfüllt, sieht es auch nicht sonderlich verlockend aus. Weil Titus da nicht mit hinein darf, dreht sich Hannes nach ihm um und sagt, alles in Bausch und Bogen abschätzend:„Nichts Vernünftiges im Haus!“ Es besteht nun zwar die vage Hoffnung, daß Lotte als bunte Abwechslung im Wohnzimmer eine hübsche Kaffeetafel vorbereitet hat. Wäre auch nicht schlecht. Stellt sich jedoch ebenfalls als Irrtum heraus. Nur der Uniformrock liegt auf dem Tisch, als wäre er da hastig hingeworfen. (Fortsetzung folgt) „Ich rate Ihnen zu diesem Hut, gnädige Frau. Die weiße Feder macht Sie mindestens fünf Jahre jünger.“ „Schön. Dann stecken Sie noch zwei weiße Federn dazu.“ 119. Jahrgang— Nummer 231 Sauerländisches Altester Anzelger des Sauerlandes+ Über 100 Jahre Helmat- und Kreisblatt im Kreise Olpe Dienstag, den 5. Oktober 1954 Holunderbeeren Vor den Holunderbeeren soll man den Hut abnehmen, rät ein altes Sprichwort. Im Stamm des, Holunderbaumes wohnte nach altem Glauben ein Schutzgeist, die Hollermutter, die übernatürliche Kräfte spendet und die Menschen vor Unheil behütet.— Jetzt ist auch die Zeit der Holunderbeeren wiedergekommen, die in der Heilkunde eine große Rolle spielen. Allen Teilen des Holunders ist der Gehalt an Blausäure eigentümlich. Ihre Wirkung erstreckt sich auf den Verdauungsapparat und auf das Nierensystem im Sinne einer leichen Krampflösung und Schmerzstillung sowie auf das katarrhalisch veränderte Lungengewebe im Sinne einer schleimlösenden und Auswurf befördernden Beeinflussung.— Eine Suppe aus Holundeerberen ist nicht nur köstlich, sondern auch außerordentlich bekömmlich. Man hat den Holunderstrauch nicht umsonst als eine Herrgottsapotheke oder eine lebendige Hausapotheke bezeichnet. Der Holunderbaum gehört zur deutschen Heimat. Sogar Friedrich Hölderlin erwähnt ihn, als er schrieb:„Aber drüben am See, wo die Ulme das alternde Hoftor übergrünt und den Zaun wilder Holunder umblüht, da umfängt mich das Haus und des Gartens heimliches Dunkel, wo mit den Pflanzen mich einst liebend mein Vater erzog.“ Olper Stadtspiegel Schlesier in Castrop-Rauxel. In CastropRauxel ist am Sonntag, dem 10. Oktober, das Heimattreffen der Neuroder. Bei genü. gender Beteiligung fährt ein Sonderomnibus zu dieser Veranstaltung. Anmeldungen bis spätestens Donnerstag, den 7. Oktober, bei Herrn Herzog, Olpe(Finanzamt). Vortrag über Kanada, dem nordischen Zukunftsland zwischen Atlantik und Pazifik. Beginn 20 Uhr. Karten sind bei Marx und auf Zimmer 1 des Rathauses zu haben. Eintritt: Erwachsen 1.00 DM; Jugendliche und Schüler 0,40 DM. 80 Jahre alt wird heute unsere Mitbürgerin Frau Witwe Wilhelm Rölle, Elisabeth geb. König, wohnhaft Westfälische Straße 31. Die Altersjubilarin kann ihren Geburtstag bei bester körperlicher und geistiger Gesundheit im Kreise ihrer großen Familie feiern. Der treuen Leserin unserer Heimatzeitung gelten die besten Glückwünsche. In der Rochusstraße lief ein Kind am Sonntag gegen einen Motorradfahrer. HierKreis Olpe. Von den 1,4. Milliarden DM, die die öffentlichen Sparkassen im ersten Halbjahr 1954 als Kredite und Darlehen neu ausgeliehen haben, entfallen 872 Mill. DM oder 62 Proz. auf langfristige, 143 Mill. DM(10 Proz.) auf mittelfristige und 401 Mill. DM(28 Proz.) auf kurzfristige Kredite. Der Gesamtbetrag der am 30. Juni 1954 herausgelegten Kredite belief sich bei den Sparkassen auf 10,6 Milliarden DM, während die Girozentralen am gleichen Stichtag 6,5 Milliarden DM ausgeliehen hatten. Der Anteil der Sparkassenorganisation an den Ausleihungen aller Kreditinstitute an Nichtbanken betrug am 30. Juni 1954 31,6 Proz. Für die kurzfristigen Kredite allein errechnet sich ein Anteil von 21,4 bei erlitt es so schwere Verletzungen, daß es ins Olper Krankenhaus geschafft werden mußte. Ein in Richtung Lütringhausen fahrender Radfahrr übersah ein parkendes Motorrad in Höhe der Gastwirtschaft Arens. Er stürzte und erlitt leichte Verletzungen. Straßensperre. Die Bundesstraße 54 von Olpe nach Meinerzhagen ist für den Durchgangsverkehr gesperrt; die Ursache sind Brückenbauarbeiten auf dem Scherl bei Meinerzhagen. Der Durchgangsverkehr wird von Olpe aus umgeleitet über Listernohl, wie auch über Kraghammer. In Wenkhausen und Hüppcherhammer werden z. Z. umfangreiche Brückenbauveränderungen durchgeführt. In Wenkhausen wird die unter der Bundesstraße 54 und 55 verlaufende Rosebach-Brücke verstärkt und um ein Beträchtliches verbreitert, während in Hüppcherhammer die unter der Bundesbahn verlaufende Straßenführung in ihrer Gesamtheit um etwa anderthalb Meter gesenkt wird; der Durchlaß war für Fahrzeuge größeren Ausmaßes nicht mehr ausreichend. Der Durchgangsverkehr von Olpe nach Drolshagen wird einbahnig aufrechterhalten; schwereren Fahrzeugen ist jedoch eine Umfahrt zu empfehlen. Proz., für die mittel- und langfristigen dagegen von 40,8 Proz. Eine Aufgliederung nach Kreditnehmergruppen ergibt einen besonders hohen Anteil der Sparkassen und Girozentralen bei den Handwerkskrediten(57 Proz.), den„sonstigen öffentlichen Kreditnehmern“(57 Proz.), dem Wohnungsbau(42 Proz.) und den „sonstigen privaten Kreditnehmern“(43 Proz.). Der Kommunalkredit der Sparkassenorganisation hat sich im ersten Halbjahr 1954 um 247 Mill. DM auf nahezu 2 Milliarden DM ausgedehnt. Der weitaus überwiegende Teil dieses Betrages, nämlichlich 1,69 Milliarden DM, wurde den kommunalen Körperschaften langfristig und weitere 0,22 Milliarden DM mittelfristig zur Verfügung gestellt. 14 Milliarden DM Sparkassenkredite Im ersten Halbjahr- Langfristige Darlehn überwiegend 15000 DM für Instandsetzung der Bürgersteige Zur Sicherung muß etwas getan werden— Aus dem Gemeinderat Opernfahrt nach Köln. Die Städt. Musikschule bittet um Anmeldung zur Opernfahrt nach Köln am Samstag, dem 23. Oktober. Karten sind im Zimmer 1 des Rathauses einzulösen. Die nächste Zusammenkunft der Arbeitsgemeinschaft der Frauen im Bund der Heimatvertriebenen findet morgen um 15 Uhr im Café Gastreich, Frankfurter Straße, statt. Alle werden herzlich dazu eingeladen, auch die Nichtmitglieder. Neue Meister. Die Gesellen Willi Neuhaus jr. vom Autohaus Wilh. Neuhaus und Friedel Leidig vom Autohaus Gebr. Nies bestanden vor der Prüfungskommission der Handwerkskammer in Bielefeld ihre Meisterprüfung im Kraftfahrzeughandwerk. Herzlichen Glückwunsch! Heute abend spricht der Forscher Vitalis Pantenburg in der Aula der St. Franziskus-Schule in einem FarbfilmOlpe. Die Reihe der unterhaltenden Filme mit humorvollen Akzenten und amcrikanisch grotesken Uebertreibungen wurde im neuen Vierteljahresprogramm des Olper Film-Clubs am vergangenen Donnerstag mit dem amüsanten Filmstreifen „Mein Freund Harvey“ fortgesetzt. Damit ist einem begreiflichen Wunsche nach leicht verdaulichen Filmen Rechnung getragen, während man zuvor in diesem Gremium fast ausschließlich nur stark problematische und tragische Filme— trotz des bisweilen aufgepfropften „Happy Ends“— zu sehen bekam. „Mein Freund Harvey“ ist ein verfilmtes amerikanisches Bühnenstück, das viele Momente vom Menschlichen und nur Allzu-Menschlichen aufzuweisen hat bis hin zu jener humorvollen Uebertreibung, die unwiderstehlich auf jeden Filmbesucher einwirkt. Eine Kritik dieses Films(im „Filmbeobachter“) besagt u. a. folgendes: „Der Hauptdarsteller müßte eigentlich Harvey sein. Harvey bleibt aber unsichtbar. Der gute Onkel Elwood, Elwood P Dowd, hat den Sparren, er befinde sich ständig in Begleitung eines Hasen, eines 2,10 m großen Hasen mit Namen Harvey. Das ist ja nun eigentlich auch gar nicht so sehr schlimm, denn jeder spinnt irgendwie. Wenn da nur nicht die liebe Myrtle Mae wäre, nicht mehr so ganz jugendlich, aber immerhin noch. Aber wie soll denn das arme Mädchen zu einem Mann komnen, wenn doch Onkel Elwood einem Jeden seinen Harvey vorstellt. Scheußlich einfach scheußlich! Und Myrtle Mae lebt doch mit ihrer Mutter Veta Louise von Elwoods Geld! Irgendwann entschließt sich Altenhundem. Die Anwendung des Ortsgesetzes für die Erhebung von Anliegerbeiträgen wurde in der Gemeinderatssitzung am Freitag in bezug auf„Bürgersteige in Altenhundem und Kirchhundem“ eifrig diskutiert. Bei den Straßenbauarbeiten ergab sich zwangsläufig für die Gemeinde die Aufgabe, die entlangführenden Bordsteine und auch die Bürgersteige zu heben. Dieses sind zwangsbedingt weittragende Folgen für die Gemeinde vor allem auch in finanzieller Hinsicht. Andererseits bringt der augenblickliche Zustand der Bürgersteige manche Gefahrenquellen mit sich, wie bereits ein Unfall in letzter Zeit erwiesen hat. Ueberschläglich ermittelt, werden die bevorstehenden Arbeiten die Gemeindekasse um etwa 15 000 Meta Louise, ihren Bruder in eine Anstalt zu bringen. Als es aber endlich soweit ist. daß Onkel Elwood sich„schocken“ lassen will, haben sich alle schon so an Harvey gewöhnt, daß sie meinen, ohne ihn werde das Leben vollends unerträglich sein. Spätestens der freundliche Nachruf, den Elwood P. seinem unsichtbaren Freunde widmet, macht allen Beteiligten klar, daß ja doch dieser kleine„Vogel' es ist, der Dowd so freundlich, hilfsbereit und gut macht. Eigentlich ist es der Chauffeur, der die Erkenntnis zutage fördert:„Wenn ich Sie herfahre, sind Sie gut und lieb, ha ben Zeit, freuen sich an der Natur, aber wenn Sie erst„geheilt“ sind, ist es aus mit der Ruhe. Sie schimpfen, haben es eilig und sind nicht mehr zu genießen. So behält Harvey seinen Posten bei Elwood P Dowd und das Dasein bleibt ein wenig verrückt, aber beschaulich.“ Dieser Filmstreifen, den Regisseur Henry Koster mit den Hauptdarstellern James Stewart, Josephine Hull und Peggy Dow drehte, ist zwar keine„große Angelegenheit“, aber immerhn sehr nett und unterhaltsam. Er hat in Olpe zum mindesten so gut, wenn nicht gar noch besser gefallen, als der vorausgegangene„Pinocclo“Film von Walt Disney.„Mein Freund Harvey“ war ein seltener Genuß für alle Filmclub-Mitglieder. Noch lange nach der Vorführung sprach man von dem reizenden Erlebnis. Schließlich ist„Freund Harvey“ auch zum Freund des Olper Publikurns geworden, und wir tragen dieser Feststellung am besten damit Rechnung. daß wir in der Erinnerung an den letzten Filmclub-Abend von„unserm“ Freund Harvey sprechen! DM erleichtern. Die Mittel sollen beschafft werden. Man war sich klar darüber, daß der augenblickliche Zustand unmöglich ist und faßte daher den Beschluß, teilweise die Bürgersteige in Kirchhundem und Altenhundem an der Hundemstraße auf einer Breite bis zu 2.50 Meter zu befestigen und zu teeren. Eine Diskussion ergab sich hinsichtlich der Erhebung von Anliegerbeiträgen, da die Anlieger gemäß der Länge ihrer Häuserfront mit einem gewissen Teil zu den Kosten herangezogen werden können. Andererseits wurde erwähnt, daß die Anlage von Bürgersteigen und deren Instandsetzung auch als eine Gemeinschaftsarbeit gelten muß und die Gesamtkosten nach Maßgabe der Satzungen umzulegen sind. Inwieweit diese Umlegung erfolgen wird, muß einer späteren Beschlußfassung vorbehalten bleiben und auch, inwieweit die Anlieger, die früher schon einmal die Kosten für die Abdeckung des Bürgersteiges mit Platten getragen haben, berücksichtigt werden sollen. Bei der Abstimmung über die Ausführung der Arbeiten mit der Aufgabe an die Verwaltung, sich um die Beschaffung der Geldmittel zu bemühen, gab es drei Gegenstimmen. Gerlingen. Ihren 82. Geburtstag feiert morgen Wwe. Amalia Dornseifer geb. Neite. Herzliche Wünsche für einen gesegneten Lebensabend! Wenden. Heute wird der Fabrikdirektor i. R. Robert Weber 78 Jahre alt. Wir gratulieren! Altenhof. Am Freitag wurde Christoph Niederstrasser 80 Jahre alt. Nachträglich herzlichen Glückwunsch! Rothemühle. Aus Anlaß des Erntedankfestes spielte hier die Musikkapelle Heid im Saale der Gastwirtschaft Solbach zum Tanz auf. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Goldene Hochzeit Listernohl. Gestern feierten die Eheleute Josef und Anna Stahl das Fest der goldenen Hochzeit. Von der großen allgemeinen Beliebtheit, deren sich das noch sehr rüstige Jubelpaar erfreut, zeugten die yielen Gratulanten, die erschienen waren, um ihre Glückwünsche darzubringen. Auch der MGV„Liederkranz“— Josef Stahl ist Ehrenmitglied des Vereins— erfreute das Jubelpaar mit einem Ständchen. Wir schließen uns den Glückwünschen an und wünschen dem Ehepaar noch einen recht schönen und geruhsamen Lebensabend! Amüsanter Film-Club-Abend „Mein Freund Harvey“, ein amerikanisches Filmlustspiel Wenn das Finanzamt pfändet Es geht auch ohne Härten- Gegenseitiges Verständnis gerechtfertigt Kreis Olpe. Der Kaufmann ist erregt, empört, während seiner Abwesenheit waren zwei Beamte der Vollstreckungsstelle des Finanzamtes im Geschäft. Der Inhalt der Ladenkasse ist beschlagnahmt, Geschäftspapiere des Schreibtisches sind durchwühlt und allerlei Büromöbel recht sichtbar mit dem Pfandsiegel beklebt worden.„Meine Herren!“ rief der Kaufmann, als er zurückkehrte,„das geht doch wohl zu weit.“ Die Beamten ließen sich aber beim Durchsuchen der Geschäftspapiere nicht stören:„Wir können hier machen, was wir wollen!“ Der Kaufmann hatte geglaubt, das Finanzamt hätte seinem Antrag auf Stundung der Steuer entsprochen.— So sieht die Geschichte von der einen Seite, mit den Augen des Kaufmanns aus. Jetzt die Beamten der Vollstreckungsstelle: Der Kaufmann bezeichnete sie als „besonders hart“, sie erscheinen aber als ruhig und verständig. Zum Durchstöbern auf dem Tisch liegender Papiere und zum Oeffnen von Schränken sind die Vollzugsbeamten berechtigt.„Was meinen Sie, wo das Geld überall versteckt wird, um es dem Finanzamt vorzuenthalten!“ sagt der Beamte. Er erzählt von Menschen, die ihm glatt ins Gesicht sagen:„Woll'n mal abwarten, ob es dem Finanzamt gelingt, auch nur einen Pfennig von mir zu bekommen. Steuern zahlen ja bloß die Dummen...“ Oft haben es die Vollzugsbeamten mit solchen Pflichtigen zu tun, die ganz allgemein in die Kategorie der böswilligen Schuldner gehören. Niemand wird sie schützen wollen; denn sie leben ja auf Kosten der wirklichen Steuerzahler. Aber zurück zu unserem Kaufmann. Das Gespräch mit beiden Seiten hinterläßt den Eindruck: subjektiv haben beide recht. Der Kaufmann fühlte sich als unversehens in Bedrängnis geratener anständiger Bürger; der Beamte sah seine Aufgabe und seine Erfahrungen. Was also ist zu tun? Der Bund der Steuerzahler empfiehlt, den Antrag auf Stundung der Steuern— wenn einmal die rechtzeitige Zahlung nicht möglich ist— rechtzeitig zu stellen. Sind die Fristen einmal abgelaufen, müssen die Beamten ihre Pflicht tun. Wer ihnen dann gegenübersteht, sollte daran denken, mit welchen Augen er jetzt angesehen wird. Gleiches sollten aber auch alle Vollstreckungsbeamten tun, das heißt, daran denken, daß längst nicht jeder Säumige ein böswilliger Schuldner ist. Und hart in der Sache heißt ja nicht, auch hart im Ton zu sein Motorrad fuhr gegen Straßenzaun Kreis Olpe. Sonntagmorgen fuhr ein Motorradfahrer unterhalb der Borghausener Brücke auf der Bundesstraße 236 zwischen Grevenbrück und Finnentrop gegen einen Elsenzaun. Die erlittenen Verletzungen forderten eine Einlieferung in das Heggener Krankenhaus. Gemeindedirektor in Kirchhundem Altenhundem. Im Bahnhofshotel tagten Freitag abend die Gemeindevertreter unter dem Vorsitz von Bürgermeister Heimes und in Anwesenheit von Amtsdirektor Großheim. Auf Antrag wurde beschlossen, die Sitzungen der Gemeinde in Zukunft auf 16 Uhr festzulegen. Für die Dauer der Wahlperiode wurde Amtsdirektor Großheim als ehrenamtlicher Gemeindedirektor und als Stellvertreter Gemeindebürgermeister Heimes gewählt. Verschiedene weitere Anträge wurden erledigt. Müllabfuhr neu vergeben Altenhundem. Bereits vor einiger Zeit hatte der Gemeinderat beschlossen, die Müllabfuhr für die Gemeinde neu auszuschreiben und zu vergeben. In der Gemeinderatssitzung am Freitagabend lagen die Angebote zur Vergabe der Fuhrleistungen für die Müllabfuhr vor. Entsprechend einem Vorschlag des Hauptausschusses waren die Gemeindevertreter damit einverstanden, die Müllabfuhr in der Gemeinde Kirchhundem aufzuteilen, und zwar getrennt für den Teil Altenhundem und die Orte Kickenbach-Langenei des Lennetales, sowie für Kirchhundem und die aufwärts liegenden Orte. Aufgrund der günstigsten Angebote wurde die Müllabfuhr, und zwar die Fuhrleistungen innerhalb des Gemeindebereiches, an Anton Mees in Kirchhundem und Reinhold Neuhaus in Würdinhausen übertragen. Bücherlisch „In sieben Tagen“ Roman von Erich Landgrebe. 256 Seiten. Ganzleinen 7,— DM. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh. Der Autor, dem im Bertelsmann-RomanPreisausschreiben für„In sieben Tagen“ der zweite Preis zuerkannt wurde, ist den L'teraturfreunden kein gänzlich Unbekannter. In diesem„Heimkehrer-Roman“ hat sich die Kraft der Gestaltung und inneren Schau des Dichters vertieft.— Der PW 16—6—53 kehrt, aus amerikanischem Camp entlassen, ohne Hoffnung zu den Ruinen seines Lebens zurück. Da führt ihn ein gütiges Schicksal zur Insel im Stausee. Als „Mann ohne Namen“ taumelt er, Unterschlupf suchend, in das Geheimnis zweier Frauen und die Unrast ihrer Seelen. Was in sieben Tagen an innerer Wandlung der Herzen geschieht, ist das eigentliche Anliegen des auch durch seine herbe zuchtvolle Sprache ausgezeichneten Romans. Der Dichter hebt alles aus dem Zeitbedingten ins Allgemeingültige; Tun und Lassen verzweifelter Menschen wird zu Symbol und Sinnbild. Anklingend an die sieben Tage der Schöpfung wird hier ein Namenloser aus dem Nichts gerissen, dem Leben wieder verknüpft, wird Schuld beglichen und ein neuer Anfang gesetzt. Auferstehen des Menschen zum Menschlichen, wo auf den Gelauterten die neue Lebensaufgabe wartet. Ein tröstliches, starkes Buch, ein„Heimkehrer-Roman“ wie wir ihn heute brauchen. „Die Kraft deiner Tage“ Roman von Andreas Markusson. Aus dem Norwegischen überseizt von E'isabeth Ihle. 393 Seiten. Ganzleinen 10.50 DM. C. Bertelsmann Verlag. Gütersloh. Es ist ein Etlebnis, in dem Norweger Markusson einem Dichter zu begegnen, den schon sein Roman„In der Finsternis wohnen die Adler“ in Deutschland bekannt gemacht hat. Auch der mit starker epischer Kraft gestaltete neue Roman verdient volle Aufmerksamkeit, zumal die historische Kulisse, vor der das Schicksal der Valborg Torestochter spielt, ein lebendiges Bild der Erschließung des hohen Nordens durch die wagemutigen Drontheimer Kaufleute zeichnet. Was der Dichter hier in herber Sprache gestaltet, ist der seltsame Weg der Frau Valborg, die als Witwe eines auf See gebliebenen Bergen-Fahrers ihr Lebensschiff bald durch ruhiges Fahrwasser, bald durch die donnernde Brandung dem Hafen zusteuern mußte. Es wurde eine wilde, stolze Fahrt eines in Jahrzehnten sich läuternden Frauenherzens.— Von hoher d'chterischer Schönheit sind die Naturschilderungen aus der wilden Welt der Lofoten und eindrücklich die dämonische Szene in der Hûtte des alten Lappen-Zauberers.— Ein ungewöhnlich starker Frauenroman. Rechte und Pflichten des Lehrlings Kleine Botengänge sind erlaubt— Immer wieder Streitfragen Kreis Olpe. Haben Sie schon einmal zugehört, wenn sich Lehrlinge, die zu Östern eine Lehrstelle angetreten haben, miteinander unterhalten? Meistens dreht sich das Gespräch zunächst einmal um den neuen Chef:„Wie ist er denn? Hat er Launen? Mußt du viel Nebenbeschäftigungen ausführen?“ usw. Die Rechte und Pflichten von Lehrlingen und Meistern sind eigentlich nicht klar umgrenzt, und immer wieder gibt es die verschiedensten Ansichten, und immer wieder kommt es auch zu Gerichtsverhandlungen, die sich mit solchen oder ähnlichen Streitfragen zu befassen haben. Umstritten ist zum Beispiel die Gewohnheit vieler Meister, ihre Lehrlinge auch als Boten zu benutzen. Seit Jahr und Tag ist es praktisch so, daß Lehrlinge für ihre Meister und Vorgesetzten kleine Botengänge erledigen, aber die Ansichten über diesen Brauch sind nach wie vorgeteilt. So haben wohl mit Recht viele Bedenken dagegen anzumelden, daß Lehrlinge für ihre Meister etwa Bierholer spielen müssen. Vor allem darf aber die Ausbildung nicht unter diesen Nebenbeschäftigungen leiden. Folgender Fall erelgnete sich z. B. vor kurzem in Niedersachsen, der ein gerichtliches Nachspiel hatte, das von allgemeinem Interesse sein dürfte. Ein Lehrling, der von seinem Meister zum Milchholen fortgeschickt war, verunglückte auf dem Wege schwer und mußte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Die Berufsgenossenschaft weigerte sich, für die Kosten aufzukommen, da sie den Standpunkt vertrat, daß der Lehrling ja nicht zum Milchholen beschäftigt sei, er also nicht in Ausübung seines Berufes verungückt sei. Oberversicherungsamt und Landessozialgericht verwarfen jedoch diese Ansicht und sagten, es sei nichts Ungewöhnliches, Lehrlinge auch zu kleinen Botengängen heranzuziehen, zu denen das Milchholen ja ohne weiteres zu zählen sei. Die Versicherung hat in diesem Fall also für den Schaden aufzukommen. Schluß mit„Schwarz-Telefonieren Telefonapparate mit Gebührenzähler— Kleine Uhr zeigt Verbrauch der Gesprächseinheiten an Düsseldorf.—„Darf ich mal eben telefonieren?“ lautet so oft jene Frage, die man nicht gut abschlagen kann. Natürlich darf man— und natürlich ist man diskret, man beobachtet nicht die surrende Wählerscheibe, ja man zieht sich sogar aus dem Zimmer zurück— denn es soll ja„nur mal eben telefoniert“ werden. Eines Tages kommt die Telefonrechnung und man faßt sich an den Kopf: Die Post muß sich verrechnet haben. Aber die Post hat sich nicht verrechnet— der Gebührenzähler in der Vermittlungsanlage der Bundespost funktioniert einwandfrei und doch scheint es unfaßbar, daß da plötzlich eine mehrfache Zahl von Gebühreneinheiten zusammenkommt, die man unmöglich selbst vertelefoniert haben kann, Man kann nun ganz schlau sein und an irgendeinem Tag die Fernsprechrechnungsstelle anrufen, sich den augenblicklichen Stand des Gebührenzählers sagen lassen und die eigenen Selbstwählgespräche von nun an auf die Sekunde genau kontrollieren. „Darf ich mal eben“ Wenn dann die nächste Bitte mit dem „Darf ich mal eben“— ausgesprochen ist Polizeibeamter festgenommen Bonn.— Wegen Begünstigung im Amt and schwerer passiver Bestechung ist ein 48 Jahre alter Polizeibeamter festgenommen worden. Der Beamte, der bis vor einiger Zeit der Verkehrspolizei angehörte, steht unter dem Verdacht, zwei Kaufleute bei der Bearbeitung ihrer Verkehrsunfälle begünstigt und Geschenke angenommen zu haben. Wie die Polizei mitteilt, wurden die Straftaten im Jahre 1950 und 1952 begangen. Tödliche Kettenreaktion Wuppertal.— Durch die unglücklichen Umstände einer Kettenreaktion kam ein 17jähriges Mädchen in Wuppertal zu Tode. Ein Lastzug, der wegen eines entgegenkommenden Fahrzeuges plötzlich abbremsen mußte, kam auf der schlüpfrigen Straße ins Schleudern, wobei der Anhänger auf den Gehweg und gegen ein Verkehrsschild geriet. Die eiserne Stange des Schildes traf das junge Mädchen, das schwer verletzt wurde und auf dem Transport ins Krankenhaus starb. und dieses Gespräch vorbei ist, kann man wieder den Stand des Gebührenzählers erfragen— und dann ist meistens das Rätsel gelöst: Es wurde nicht nur eben mal ein Ortsgespräch für 16 Pfennig geführt, sondern durch den immer weiter ausgebauten Selbstwählverkehr ein paar Minuten mit Frankfurt oder München gesprochen. Und das bedeutet, daß der Gebührenzähler nach je sieben Sekunden München um, je eine 16-Pfennig-Einheit weiter gesprungen ist. Nun kann man aber die Gebührenstelle der Post nicht allzu oft belästigen und wenn das jeder machen würde, dann— muß die Post streiken! Die Bundespost kennt selbst dieses Problem der„Schwarzwählerei“ und dieser„Schwarzgespräche“ und deshalb hält die Oberpostdirektion Düsseldorf für ihren Bereich eine neue Erfindung bereit, die das ganze Problem für den Inhaber eines Privatapparates mit einem Schlag löst. 16 Pfennig für Ortsgespräch An Stelle des normalen Telefonapparates wird ein„Gebührenapparat“ für zwei DM Monatsmiete bereitgestellt, der bei Verbindungen im Selbstwähl-Ferndienst die vertelefonierten Gebühreneinheiten selbst errechnet. An dem neuen Telefonapparat befindet sich eine kleine Uhr, die dem Inhaber des Telefonapparates genau anzeigt, wieviel Gesprächseinheiten für je 16 Pfennig„verbraucht“ wurden. Je weiter der Selbstwähl-Ferndienst in der Bundesrepublik ausgebaut wird, desto gefährlicher wird der Besitz eines Telefons für den, dessen Apparat auch anderen zur Verfügung steht. Beträgt die Gebühreneinheit für ein Ortsgespräch von beliebiger Länge 16 Pfennig, so stehen für die Sprechverbindung Köln—Düsseldorf nur 30 Sekunden für 16 Pfennig zur Verfügung, bei Düsseldorf—München(sind es aber nur noch sieben Sekunden. Wenn also jemand„eben mal“ telefoniert und dabei mit Frankfurt ein paar Minuten spricht, ergibt das eine ganz schöne Telefon-Rechnung. Nun ist das Ei des Kolumbus in Form eines Telefonapparates mit Gebührenzähler gelegt worden. Nur ein Haken ist noch dabei: erst ein kleiner Teil der Fernsprechteilnehmer kann mit dem neuen Gerät ausgerüstet werden, denn noch ist die Lieferzeit in Anbetracht des großen Bedarfs zu lange. Höchste Unfallziffer in Bonn Bonn.— Am Wochenende ereigneten sich in Bonn 37 Verkehrsunfälle, davon zwanzig im inneren Stadtbezirk. Wie die Polizei mitteilt, wurden drei Personen getötet und 21 verletzt. 48 Fahrzeuge wurden schwer beschädigt. In der vergangenen Woche ernigneten sich damit im Bereich der Bonner Polizei insgesamt 120 Verkehrsunfälle, bei denen sechs Personen getötet und 70 verletzt wurden. Dies ist die bisher höchste Unfallziffer einer Woche. WEDER VOLKSPOLIZIST NOCH BUNDESSOLDAT Mit einem Autokorso durch das Stadtgebiet von Köln trat die Kölner Sektion der „Gruppe der Wehrdienstverweigerer“ zum ersten Male an die Öffentlichkeit. Zahlreiche Transparente waren auf den Autos angebracht, wie:„Weder Volkspolizist noch Bundessoldat“,„Kasernenhofdrill keine Erziehung“,„Der Witz des Tages: Frieden durch Kanonen“ oder„Wir sind lieber lebendig als Helden in memoriam“. Motorradfahrer mit Papierhelmen begleiteten den Demonstrationszug, der sich ohne Störung vollzog(unser Bild). Im Ruhrgebiet neues„Zuhause" gefunden Zeche baut Siedlung für 115 vertriebene Familien— Nach Jahren der Zwangsarbeit wieder Ruhe Herten— In feierlicher Form sollen in Kürze die rund 500 Insassen des Langenbochumer Siebenbürgerdorfes offiziell in Herten eingebürgert werden. Ein wenig versteckt liegt die Siedlung im Hertener Stadtteil Langenbochum im Schatten der Zeche„Schlegel und Eisen 5/6“, die ein brachliegendes Feld für 115 vertriebene Siebenbürger Familien erschloß und bebaute. 120 000 Brathendl verspeist 6,5 Millionen Öktoberfestbesucher tranken drei Millionen Maß Bier München.— Rund 6,5 Millionen Besucher tranken während der vergangenen zwei Wochen beim Münchener Oktoberfest fast drei Millionen Maß Bier und aßen über 120 000 Brathendl. Die Ochsenbraterei „verarbeitete“ sechzehn Ochsen. Damit sind seit der Entstehung des Oktoberfestes im Jahre 1810 neue Rekordzahlen aufgestellt worden. Weit über hunderttausend Personenwagen, etwa dreißigtausend Omnibusse und mehrere hundert Sonderzüge der Bundesbahn brachten die Besucher aus allen Teilen Deutschlands und dem Ausland auf die Münchener Theresienwiese. Trotz dieses Massenansturms waren die Leute ehrlicher und ruhiger, erklärte die Wies’n-Kriminalpolizei am Sonntag. Etwa einhundert kleinere Raufereien konnten bereits vor Eingreifen der Polizei geschlichtet werden. Gegenüber 83 Taschendiebstahlsanzeigen im Vorjahr wurden diesmal nur 37 gemeldet. Polizei: Höflich und... hübsch Bevölkerung wählte hilfsbereitesten Verkehrsbeamten abgegeben 14 335 Stimmen Dortmunn— Die Bevölkerung der zum Polizeipräsidium Dortmund gehörenden Städte Dortmund, Lünen und CastropRauxel wählte wie alljährlich ihre höflichsten Polizeibeamten. Nach der Stimmenauszählung wurde der 29jährige Polizeiwachtmeister Karl-Heinz Klein mit 1390 von 14 335 abgegebenen Stimmen zum höflichsten Verkehrsbeamten bestimmt. Der höflichste Revierbeamte, der 53jährige Hauptwachtmeister Georg Cadenbach, erhielt 1016 Stimmen. Die Bevölkerung hatte ihre Meinung auf Postkarten vermerkt und an das Polizeipräsidium geschickt. Ein junges Mädchen schrieb:„Ihr Auserwählter“ sei„nicht nur der hilfsbereiteste und höflichste Polizeibeamte, sondern auch noch hübsch.“ Polizeipräsident Hans Kanig half den beiden Beamten persönlich in die Ledermäntel, die sie als Ehrenpreis gewonnen hatten. In einer Ansprache erklärte er, die Höflichkeitsaktion und die gleichzeitig veranstaltete Besichtigung des Polizeipräsidiums durch 2100 Dortmunder Schüler habe den Kontakt zwischen Polizei und Bevölkerung vertieft. Er appellierte an alle Polizisten, für die Bevölkerung stets Freund und Helfer zu sein. dessen Front in den beiden ersten Obergeschossen und einem Teil des dritten und vierten Obergeschosses eine völlig geschlossene Fassade hat. Statt der Fenster weist e» dort(an der Vorderfront) eine über 600 000 gm große Mosaikbildfläche auf. Fensterlose Kaufhausfronten ermöglichen eine bessere einheitliche Innenbeleuchtung, weil sich bei Fenstern und zusätzlich notwendiger künstlicher Beleuchtung ein ungesundes Zwielicht ergeben würde. Außerdem läßt sich der Raum besser ausnutzen, wenn die Fenster fehlen. Ein Geist familiärer Zusammengehörigkeit und des Zusammenstehens verbindet die Bewohner dieser Siedlung. Die älteren Frauen tragen auch in der neuen Umgebung den faltenreichen Rock, das Mieder und das schwarze Kopftuch, das Stirn und Ohren verdeckt. Die farbenträchtige Festtracht mit schweren Tuchröcken und leuchtenden Stickereien, die sich in der Familje vererbt hat. liegt bei vielen als gerettetes kostbares Gut im Koffer. Der Bauherr ist dem Wunsch der Siebenbürger, zunächst einmal wie„zu Hause“ zu sein, in der Planung der Siedlung entgegengekommen. Straßennamen wie Kronstädter,„Bristritzer“,„Hermannstädter“ erinnern an die Städte und Berge der Heimat. Wie daheim hat man sich in Nachbarschaften zusammengefunden, deren Haupt die Nachbarschaftsväter sind. Diese wählen den „Ortshann“, gleichsam den Bürgermeister, dem sie Wünsche und Vorschläge der„Hannschaft“ unterbreiten. Die gleiche Organisation haben die Frauen. Die Hannschaftsmütter treffen sich regelmäßig bei der Ortshannin, um mit ihr ihre Sorgen zu besprechen. In erster Linie obliegt der Frauenhannschaft die Pflege der Tradition, in welche die Jugend„drüben“ in der geschlossenen Volksgemeinschaft von selbst hineinwuchs.„Außerdem“, so erklärt uns die Ortshannin Frau Höhr,„müssen wir den Männern helfen, damit wir uns die Häuser, die ja mal unser Eigentum werden sollen, erhalten können.“ 56 DM Miete, davon 34 DM Eigenleistung (Amortisation) für die Vierzimmerwohnung werden dem auf der Zeche beschäftigten Ehegatten oder Sohn vom Lohn abgezogen. Die Frauen sticken in Heimarbeit Kissen, Decken und Schürzen. Einen Nebenverdienst ergiot auch die Arbeit bei den Bauern und in den öffentlichen Wäschereien. Das DRK hat den Siebenbürgerinnen einen Webstuhl zur Verfügung gestellt. Sie wollen nach überlieferten Mustern Handarbeiten herstellen und sie um Weihnachten in einer Ausstellung verkaufen. Die Küche ist siebenbürgisch geblieben. Nur klagt man darüber, daß es hier so wenig Paprika gibt. Nach dem schweren Erlebnis des Arbeitsdienstes bei den Russen und der Verschleppung der Frauen zu Zwangsarbeit ins Donezbecken ist man froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.„Es wird schon gehen“, sagt die Ortshannin und schaut mit wehmütigem Blick über die herbstliche Pracht der Astern, die den halben Garten füllen, aber„die zu Hause um diese Jahreszeit noch die ganze Glut des Sommers in ihren Farben trugen. Ein unmögliches Verfahren Reform der Waisenversorgung notwendig Schieder.— Anläßlich der Herbstkonferenz der Kriegsopfer erklärte der Sozialreferent des VdK-Landesverbandes, Wenzel(Düsseldorf), daß die Unterhaltung eines Polizeihundes 40 Mark im Monat koste, eine Kriegerwaise dagegen monatlich nur 36 Mark erhalte. Wenn man weiter hört, so sagte er u. a., daß nur die reinen Verpflegungskosten für einen Strafgefangenen mit 45 Mark veranschlagt und die Kosten eines Kindes in einem Waisenhaus mit 10 Mark angesetzt sind, dann müßte eigentlich klar sein, daß eine Reform der Waisenversorgung unbedingt kommen muß. Bremse C in Unternelimen am Niederrhein hat einen — Trockenrasierapparat entwickelt, der unabhängig von elektrischem Strom oder Uhrwerk und onne Wasser, Selfe, Piusel und Klinge arbeitet. Außerlidi älmelt das Gerät den elektrischen Rasierapparaten. An der Stelle des Elektromotors liat es eine Schwungscheibe, die durch eine unzerreißbare Perlousdutur angetrieben wird. Zweibis dreimaliges Ziehen au der Perlouschur genügt für eine halbe Rasur. Mit einer eingebauten Breise kann das Gerät gestoppt werden. Das neue Gerät kommt in Kürze in den Handel. Protest gegen Sprenglöcher Beträchtliche Manöverschäden trotz Rücksichtnahme der Truppe Detmold.— Nach Beendigung der alliierten Manöver und nach dem„Kampf um den Teutoburger Wald“ werden in den betroffenen Landkreisen die ersten Schädenbilanzen gezogen. Wenn auch zugegeben wird, daß sich die Besatzungseinheiten um Schonung bemüht haben, so kann doch nicht unausgesprochen bleiben, daß die direkten und indirekten Manöverschäden erheblich sind. Mit Entrüstung hat vor allem die lippische Bevölkerung davon Kenntnis genommen, daß immer neue Sprenglöcher auf den Zufahrtsstraßen in den Teutoburger Wald angebracht werden sollen. Der Kreistag Lemgo faßte in dieser Sache einen Protestbeschluß. Der Bürgermeister der am meisten bedrohten Stadt Oerlinghausen erklärte vor dem Lemgoer Kreistag, daß ohne militärischen Schutz keine Sprenglöcher gebohrt werden könnten, da handgreifliche Proteste der Bevölkerung Platz greifen könnten. „Mobilmachung" gegen Tierseuchen Viele Landkreise in NRW bereits 90 Prozent Tbc-frei „Schutzengel der Elbmündung" setzt sich zur Ruhe Frau Emma Miethbauer, die einzige deutsche Leuchtturmwärterin, hat sich am 1. Ok tober zur Ruhe gesetzt. Die 73jährige, all gemein von den Seeleuten und der Bevöl kerung an der Küste der„Schutzengel de Elbmündung“ genannt, ist seit 1906 im Leucht feuerdienst tätig. Ein Straßenbauarbeiter sprang in den Geroweiher in Mönchen-Gladbach, um sich das Leben zu nehmen. Straßenpassanten alarmierten den Funkstreifendienst, der den Lebensmüden mit einigen Schlichen und nach vielem guten Zureden aus dem Wasser zlehen konnte. Das Dürener Leopold-Hoesch-Museum eröffnete eine Ausstellung mit japanischen Holzschnitten. Die vierzig Holzschnitte aus den letzten beiden Jahrhunderten stammen aus dem Kölner Museum für ostaslatische Kunst. Die Ausstellung dauert bis zum 31. Oktober. Kaufhaus ohne Fensterfront Wunpertai.— Ein Kaufhaus neuen Typs wurde in Wuppertal eröffnet. Es handelt sich um ein fünfgeschossiges Gebäude, Bad Salzuflen. Mit einem„Mobilmachungsplan“ für die Bekämpfung der Tierseuchen zum Nutzen der Ernährungswirtschaft befaßte sich der deutsche Tierärztetag in Bad Salzuflen. Die Maul- und Klauenseuche werde von den Virusstationen in der Bundesrepublik wirksam bekämpft, sagte Professor Demnitz(Marburg). Künftig könnten mindestens 13 Prozent des westdeutschen Rinderbestandes gegen Maul- und Klauenseuche geimpft werden. Außerdem würden in der jetzigen seuchenfreien Zeit wissenschaftliche Arbeiten mit Energie fortgeführt. Die Rindertuberkulose, betonte Kreistierarzt Dr. Bellersen(Meschede), sei heute in Nordrhein-Westfalen bereits so weit zurückgedrängt worden, daß viele Landkreise zu 90 Prozent Tbc-frei seien. Man rechne damit, daß die Rindertuberkulose in absehbarer Zeit im Bundesgebiet völlig verschwunden sei. Auch gegen das seuchenhafte Verkalben sind, wie Prof. Dr. Haupt(Gießen) betonte, wirksame Maßnahmen eingeleitet. Trotzdem seien noch mehrere Jahre notwendig, die von der Seuche befallenen Rinder zu heilen. Von dieser Seuche(die das Austragen der Kälber verhindert) seien 20 Prozent der Rindviehbestände befallen. Als Dachorganisation der tierärztlichen Standesverbände wurde„Die deutsche Tierärzteschaft“ neu gebildet. Nachtwächter verbrannt Wunnerta.— Aus noch ungeklärter Ursache brach in einer Bandfabrik in Wuppertal-Wichlingen ein Brand aus. Obwohl nur einige Räume dem Feuer zum Opfer fielen, konnten sich der im Betrieb anwesende 64jährige Nachtwächter und sein Wachthund nicht mehr retten. Sie wurden beide in einem Raum, der nicht einmal völlig ausgebrannt war, tot aufgefunden. Wahrscheinlich trat der Tod durch Rauchvergiftung ein. Für die internationale Ausstellung Jagdund Sportfischerei in Düsseldorf ist das englische Ausstellungsgut eingetroffen. Das britische Ausstellungskomitee hatte 140 Trophäen ausschließlich aus Privatbesitz zusammengestellt. Die Königin ist mit einem starken Hirsch vertreten, den sie kurz vor ihrer Thronbesteigung in den Jagdgründen von Balmoral erlegte. „Nachtgespenst" vor Gericht Großstadt drei Jahre lang in Schrecken versetzt- 166 Einbrüche gestanden WIE SCHNELL REAGIEREN SIE? Auf der 8. Gebrauchtwagenmesse, die auf dem Killesberg in Stuttgart stattfand, drängten sich die Interessenten nicht nur um die zum Verkauf angebotenen Wagen, sondern auch um einen Teststand, der es jedem gestattet, festzustellen, wie schnell er im Straßenverkehr reagiert, ob er noch rechtzeitig auf die Bremse tritt, oder ob es schon kracht. Wer eine Reaktionszeit von 35 Tausendstelsekunde erreicht, kann sich getrost einen Wagen zulegen, er wird ihn— theoretisch— heil nach Hause bringen. Unser Bild zeigt einen Prüfling im Teststand, rechts daneben der Prüfer. Über den Test wird jedem eine Prüfkarte ausgehändigt. Solingen— Vor einer Wuppertaler Strafkammer wird jetzt dem Fassadenkletterer, der eine Großstadt drei Jahre lang in Furcht und Schrecken versetzte, den schon mehrfach vorbestraften 24jährigen Kurt Erbarth aus Solingen, der Prozeß gemacht. Es ist einer der größten Diebstahls- und Einbruchsprozesse nach dem Kriege. Bis zur Festnahme des„Phantoms“ wagte kaum jemand in Solingen noch bei offenem Fenster zu schlafen, aber selbst durch kleinste Oberlichter, über Leitern, Dächer und Mauervorsprünge gelang es dem Fassadenkletterer, in die Wohnungen einzudringen. In der Voruntersuchung hat Erbarth 166 solcher Einbrüche gestanden und gemeint, es könnten aber auch 200 sein. Zur Anklage stehen„nur“ 97 Fälle, bel denen Erbarth allein über 1300 Mark in die Hände fielen. Er nahm auch Lebensmittel, Alkohol, Rauchwaren, Uhren und Gebrauchsgegenstände, Lediglich wertvolle Schmuckstücke ließ er fast immer liegen. Selbst aus den vor dem Bett auf den Stühlen liegenden Kleidungsstücken seiner Opfer raubte er die Geldtaschen. Bis zu sechs Einbrüche kamen nach polizeilicher Angabe in einer Nacht vor. 1. Keine Angst vor dem Winter! Sonnenmangel hat uns nicht geschwächt Der Regen hat auch etwas Gutes MORGENS IN DER GANZ KLEINEN STADT(Foto: A Tölle) Es läßt sich nicht mehr verheimlichen: Der Winter steht vor der Tür. Er naht mit gewohnter Pünktlichkeit, wohl der Sommer überhaupt noch nicht angefangen hatte. Mit der kalten Jahreszeit kommen Sorgen und Befürchtungen. Werden nicht im Winter die Krankheiten überhandnehmen? Ist unser Körper durch den Mangel an Sonne nicht übermäßig geschwächt und anfällig? Wir wollen diese düsteren Vorstellungen einmotten wie den nicht gebrauchten Badeanzug. Gewiß, Sonne, Luft und Wasser stählen unseren Körper, geben ihm Kraftreserven. Das heißt aber nicht, daß wir unbedingt das Opfer jedes in der Luft herumwirbelnden Erkältungsbazillus werden müssen, wenn einen Sommer hindurch die Sonne nur selten gelacht hat. Die Wirkung der ultravioletten Strahlen wird vielfach überschätzt. Ein erfolgloses Experiment In der britischen Luftwaffe wurde zu Beginn des Krieges ein ebenso interessantes wie kostspieliges Experiment gemacht. Man rüstete jeden Fliegerhorst mit Höhensonnen aus, in der Hoffnung, ihre Strahlen würden die Flieger zwischen den Einsätzen aufmuntern. Schon 1944 schaffte man diese Einrichtung wieder ab, weil sie sich als wertlos erwiesen hatte. Soweit unsere physische Abhängigkeit von der Sonne. Etwas anders sieht es mit unserer seelischen Wetterlage aus. Niemand wird behaupten wollen, daß dauernder Regen unsere Stimmung hebt. Unzählige Familien haben ihre Ferien buchstäblich zu Wasser werden sehen. Die Regenversicherung hat vielen zwar den finanziellen Schaden ersetzt, aber die erhoffte Erholung blieb aus. Doch auch das alles haben wir überstanden. Wir sind eine anpassungsfähige Rasse, geschaffen für unser rauhes Klima. Schon wenige Tage Sonnenschein machen uns wieder fröhlich und optimistisch. Volle Wartezimmer? Die Furchtsamen sagen nun allerdings: „Sind nicht den ganzen Sommer hindurch die Wartezimmer der Ärzte überfüllt gewesen?“ Das will ich zugeben. Da waren zuerst die„Immerkranken“, die normalerweise während des Urlaubs ihre Leiden vergessen, diesmal aber des schlechten Wetters wegen zu Hause geblieben sind. Der ständig plätschernde Regen hat ihre Mißstimmung nur noch vergrößert. Also liefen sie weiterhin Woche um Woche zum Arzt und klagten ihm ihr Leid. Ein böser Sommer ist es auch für jene gewesen, die an Rheumatismus leiden. Die ständige Feuchtigkeit hat recht wenig zu ihrer Genesung beigetragen; häufiger als sonst brauchten sie die Hilfe des Arztes. Damit sind aber auch die Gründe für deren Überbelastung in diesem Sommer annähernd erschöpft. Mit ehrlichem Gewissen darf ich erklären: Abgesehen von der sehr eigenwilliAlle Zufälle unseres Lebens sind Materialien, aus denen wir machen können, was wir wollen. Wer viel Geist hat, macht viel aus seinem Leben. Jede Bekanntschaft, jeder Vorfall wäre für den durchaus Geistigen erstes Glied einer unendlichen Reihe, Anfang eines unendlichen Romans. Novalis Energie des Mutes gehört dazu, die Hindernisse zu bekämpfen, welche sowohl die Trägheit der Natur als die Feigheit des Herzens der Belehrung entgegensetzen. Der zahlreichere Teil der Menschen wird durch den Kampf mit der Not viel zu sehr ermüdet und abgespannt, als dast er sich zu einem neuen und härteren Kampf mit dem Irrtum aufraffen sollte. Schiller Fataler Kunstgenuß/ Von Simon Carmiggelt Als sich am Gala-Abend der lokalen Theatergemeinschaft der Vorhang zum ersten Male hob, sah man ein Zimmer mit einem in große Vierecke aufgeteilten Fenster zum Garten hin, vor dem sich ein Mann düster-blickend aufgestellt hatte. „Es schneit“, teilte er mit. Das konnte man übrigens sehen. Ein Bühnenarbeiter begann nämlich Händevoll weißer Schnipsel vom Dachboden herunterzuwerfen, die wie echte Flocken am Fenster entlang wirbelten. Aber nicht nur entlang. Scheiben besaß die Kulisse nicht, so daß der Scheinschnee durch das angeblich geschlossene Fenster ins Zimmer fiel. „Oh, dieses trostlose Leben!“ rief der Mann am Fenster betrübt aus. Trotzdem wurde gegrinst. Denn das Publikum möchte zwar schrecklich gern in die Illusion aufgenommen werden, findet es jedoch, auf anderer Ebene, herrlich. wenn etwas schief geht, damit es sich verschnaufen kann. Nicht einmal der größte Mime wäre imstande gewesen, den unerklärlichen Schnee im Zimmer fortzuspielen, und der verdienstvolle Laie verfügte nur über spärliche Mittel. Mit dem Mut der Verzweiflung klammerte er sich aber weiter an seine Rolle, kehrte dem verwünschten Fenster den Rücken zu und machte einige Schritté zur Rampe. „Eigentlich wäre es besser, tot zu sein“, erklärte er. Brüllendes Gelächter. Denn einige weiße Schnipsel waren auf seinem Kopf liegen geblieben und hielten während des ganzen nun folgenden Monologes die Erinnerung an den heiklen Anfangszwischenfall lebendig. Endlich hatte der gute Mann ausgeredet und durfte, immer noch von den weißen Flocken gekrönt, von der Bühne herunter. „Pflicht, Pflicht, sonst nichts...“ sagte er. Jetzt mußte er eine Tür öffnen und verschwinden. Aber die Kulisse war anscheinend etwas rheumatisch, denn die Ein Toter im Fluß Diese Geschichte spielt im kanadischen Urwald. Zwei Lumberjacks(Holzfäller) namens Bill und Harry donnerten mit beiden Fäusten gegen die Tür des Blockhauses, in dem ihr alter Freund Jim wohnte. Eine Weile geschah nichts, dann öffnete sich ein Fenster, und Jims verschlafenes unrasiertes Gesicht schaute heraus „Was gibt's denn, zum Donnerwetter nochmal!“ „Wir haben eben im Fluß'nen Toten gesehen“, erzählt Bill.„Er trieb vorbei und sah dir verdammt ähnlich“ „Wie' sah er denn aus?“ wollte Jim wissen. „Na, er hatte deine Statur und...“ Jim schnitt ihm das Wort vom Munde ab.„Trug er ein Flanellhemd?“ “Ja.“ „Mit grünen Manschetten?“ „Nee, es war ganz grau.“ „Dann war ich es nicht“, sagte Jim und knallte das Fenster zu. Tür dachte nicht daran, ihre Pflicht zu erfüllen. Erst stemmte er sich dagegen, aber es half nichts. Dann versuchte er, sie aufzureißen, aber da er erkannte, daß das ganze Zimmer Schlagseite bekam, hörte er damit auf und blieb haltungslos stehen. „Pflicht“, sagte er nochmals. Der Saal kicherte. Jeder wußte, daß er abgehen mußte, es aber nicht konnte; und mit grausamer Aufmerksamkeit, die ein Kollektivum leichter aufbringt als ein Solo-Mensch, wartete man in aller Ruhe ab, wie der arme Kerl sich aus der Affäre ziehen würde. Aus dem Fenster konnte er nicht— das war klar. Eigentlich bot die kleine Treppe zum Saal die einzige reelle Fluchtmöglichkeit,, aber daran durfte er ebenso wenig denken. Der Schauspieler setzte sich mutlos in einen Sessel, dachte tief nach und wiederholte alsdann:„Oh, dieses trostlose Leben!“ „Das hast du schon gesagt“, rief jemand von oben. Die Tür bebte etwas, und man hörte ein Quietschen und Klopfen, was darauf hinwies, daß seine Befreiung hinter den Kulissen fieberhaft betrieben wurde. Als das Hämmern verstummte, stand der Mann wieder auf, machte einige hastige Schritte nach links, sagte nochmals „Pflicht!“ und riß die Tür an sich. Es ging! Zu gut— mit der zurückweichenden Tür fiel ein hammerschwingender Mann im Overall von einem Schemel der Länge nach ins Zimmer und starrte mit begreiflichem Schrecken ins Rampenlicht. Da hat man lieber gleich mit dem Ball angefangen. (Aus dem Niederländischen von Johannes Prion) gen Grippe, mit deren Auftreten immer zu rechnen ist, haben wir in diesem Winter keineswegs eine Lawine von Krankheiten zu befürchten, trotz des schlechten Sommers. Luftreiniger Regen Der Regen hat uns sogar Vorteile gebracht. Ich habe niemals so wenig Erkältungen zu behandeln gehabt wie in diesen Wochen. Das klingt paradox, meinen Sie? Keineswegs. Erkältungen gehören zu den Infektionskrankheiten; selbst das scheußlichste Hundewetter kann sie nicht allein herbeizaubern. Nun hat aber der Regen fast ununterbrochen die Luft von Schwebestoffen aller Art reingewaschen, von Staub, Teerstoffen und Krankheitserregern. Dieser ganze Schmutz ist in der Gosse gelandet statt in unseren Atmungsorganen, und viele von uns werden überrascht festgestellt haben, wie segensreich sich das ausgewirkt hat. Wir dürfen dem Winter getrost entgegensehen. Wenn wir uns kräftige Nahrung leisten, warme, aber luftige Wollkleidung tragen und darauf achten, daß unsere Füße trocken bleiben, dann werden wir den Frühling erreichen, ohne krank geworden zu sein. Hoffen wir nur, daß uns der kommende Frühling die Pforten zu einem schöneren Sommer öffnet. Dr. A. Morgenstern Streicheln ist gesund Auch die Photographie ist eine Kunst des Auslassens. Sie haben in ihrer Camera 8 oder 12 oder gar 36 Schnappschüsse. Da ist es ja nicht nötig, daß Sie auf einem Bild gleich sämtliche Motive vereinigen, die Ihnen in die Quere kommen. Ihre Frau, Ihre Braut mag sehr hübsch sein, es gibt aber auch sonst noch Dinge in der Welt des Sichtbaren, die für sich allein ganz nett wirken. Man hat schon Landschaften gesehen, deren Aufnahmen Begeisterung auslösten, ohne daß Rita Hayworth im Vordergrund stand. Überlegen Sie sich also vor jeder Aufnahme, was Sie eigentlich knipsen wollen. Soll es eine Landschaft, eine Baumgruppe, ein Stück Architektur, ein einzelner Mensch oder eine von Menschen belebte Szene sein? Halten Sie sich dann en das Wesentliche und betrachten Sie alles Übrige getrost als Staffage. Sogar der Großglockner nimmt es nicht übel, daß Sie ihm die bescheidene Rolle des Hintergrundes zuweisen, wenn Ihre Braut in zünftiger Dirndltracht verewigt werden soll. Dafur darf es dann die Braut auch nicht übelnehmen, wenn Sie nur am Rande des Bildes oder vielleicht auch gar nicht erscheint, sobald Sie den Großglockner in seiner erhabenen Majestät aufs Korn nehmen. Unser Zeider sag Niemand bezweifelles,1 daß Ihr Wagen, Ihr Motorrad sehr schön ist. Sollten Sie nicht dennoch versuchen, Landschaften gelegent— lich auch ohne Vehlkei— zu knipsen? Da haben wirs! Die schlimmsten Aufnahmen kommen zustande, wenn einer auf einem Bild einen ganzen Roman erzählen will: daß er einen sehr schönen Wagen hat, daß sich seine Frau am Lenkraa unerhört sportlidi ausmacht, daß die Straße sehr steil, das Wetter schön war, daß die Eerge hoch, die Bewohner liebenswürdig gewesen sind. Das alles läßt sich wunderbar erzählen, aber bitte— immer der Reihe nach. Dafür sind wir ja Amateure, daß wir in allen Sätteln gerecht sind: als Landschafts-, als Sport-, als Auto-Photographen, als Porträtisten und Reporter in eigener Sache. Nur als Motiv-Mixer können wir keinen Ruhm gewinnen. Liebe hält die Welt in Bewegung, so heißt es, und offensichtlich bedürfen sogar Rattenbabies der Liebe. Jedenfalls ergibt sich das aus dem Bericht eines Forschers, der eingehende Untersuchungen darüber angestellt hat, welche Wechselwirkungen zwischen einer liebevollen Fürsorge während der frühkindlichen Entwicklung und der seelischen Widerstandskraft des Erwachsenen bestehen. Im Verlauf dieser Untersuchung griff sich der Wissenschaftler täglich aus einer größeren Zahl junger Ratten einige bestimmte Rattenbabies jeweils für ein paar Minuten heraus und streichelte sie sanft. Als dann die jungen Tiere heranwuchsen, wiesen die gestreichelten Ratten eine schnellere Gewichtszunahme und eine bessere Entwicklung des Skelettsystems auf als die nichtgestreichelten. Auch ließen sie sich viel weniger leicht erschrecken und in Aufregung versetzen als Tiere, die ohne Zärtlichkeit aufgewachsen waren. Und als sie erwachsen waren, bewiesen sie gegenüber starken körperlichen Anstrengungen eine wesentlich erhöhte Widerstandskraft. Nun mag zwar, vom menschlichen Standpunkt aus, eine solche Erhöhung der Widerstandskraft ausgerechnet bei Ratten nicht gerade erstrebenswert sein— aber man nimmt an, daß diese Experimente einen interessanten Einblick in die Probleme der menschlichen Entwicklung ermöglichen. Auch Menschenkinder nämlich, so meinen die Forscher, entwickeln sich viel besser und werden kräftiger und gesünder, wenn sie liebevoll umsorgt werden. Und Statistiken, die man in den letzten Jahren in verschiedenen Ländern über die zunehmende durchschnittliche Größe und das frühere Reifwerden der Kinder aufgestellt hat, zeigen in der Tat, welch groBen Einfluß eine verbesserte soziale und seelische Betreuung auch für die körperlich Entwicklung des heranwachsenden Menschen besitzt. Das größte Glück des Lebens Er und sie saßen beim Abendbrot. Sie rührte traurig in ihrer Teetasse, er las die Zeitung. Ihr stiegen Tränen in die Augen; sie schluchzte. „Oh, es ist schlimm mit dir“, wimmerte sie.„Da sitzt du und liest dein Blatt, und ich bin dir völlig gleichgültig. Früher war es ganz anders. Du liebst mich nicht mehr!“ Er blickte streng über den Zeitungsrand. „Alles Unsinn“, knurrte er.„Ich liebe dich mehr denn je. Du bist der Stern meines Lebens. Ich würde ohne dich zugrunde gehen. Jeder Wunsch von dir ist mir ein Befehl. Ein Blick aus deinen sonnigen Augen bedeutet mir mehr als alle Reichtümer der Welt. Ich segne den Boden, den dein Fuß berührt. Du bist das ganze Glück meines Lebens. Und nun, zum Teufel, halt den Mund und laß mich endlich in Ruhe lesen!“ UNSER Max Hansen will seine Autobiographie einem Stockholmer Verlag unter dem Ti „Es muß was Wunderbares sein“ herau bringen.(n an Aus den Silben: a— a— a— a— a— an— be— bend— car— ce— ci— da da— dak— de—des—di—e—el—ga— gat— kon— 1o— 1o— mahl— mem— mo— mus— na— na— ne— ne— nie — non— o— on— ra— ra— ras— re re- re- ren— ri- ro— sa— si— ste— teur— ti— va— van— ver— zet, sollen 17 Wörter gebildet werden. Ihre ersten und dritten Buchstaben ergeben die Namen zwei großer spanischer Dichter. Bedeutung der Wörter. 1. Fremdenführer, 2 Abneigung, 3. italienischer Motorradrennfahrer, 4. Filmschauspielerin, 5. Humanist, 6. Abtrünniger, 7. italienische Schenke, 8. inneres Organ, 9. Gestalt aus „Othello“, 10. Mädchenname, 11. Hauptstadt von Port.-Westafrika, 12. Held von Troja, 13. englischer Politiker, 14. Sakrament, 15. Schriftleiter, 16. italienische Stadt (Marmorbrüche), 17. Schlange. Auflösung des letzten Rätsels Waagerecht: 1. Suada, 4. Ernst, 7. Hai, 8. legal, 9. Byron, 10. Esso, 12. Zero, 14. Hase, 16. Epos, 21. Stufe, 22. Stahl, 23. Ras, 24. Erato, 25. Epode. Senkrecht: 1. Silbe, 2. Argos, 3. Ahle, 4. Eibe, 5. Nurse, 6. Tenno, 11. Spa, 13. Rio, 14. Hesse, 15. Sauna, 16. Piano, 18 Salbe, 19. Hero, 20. Esse. Kulturnotizen Die bisher räumlich größte Tonfilmprojektion der Welt mit einer Bildfläche von 312 Quadratmetern wurde mit Hilfe eines neukonstruierten Tonfilmprojektors in Nürnberg gezeigt. Die Vorführung galt gleichzeitig als erste Auto-Kinoveranstaltung Europas. Auf dem 15 000 Quadratmeter großen Parkplatz vor der Riesenleinwand hatten mehrere hundert Fahrzeuge Aufstellung genommen. Bei der Eröffnung des sechsten internationalen Filmtreffens in Bad Ems setzte sich Ministerialrat Dr. Lüders mit Nachdruck für eine staatliche Unterstützung des qualitativ hochwertigen Films ein. Er wies auf die gegenwärtig im Bundestagsausschuß für Presse, Funk und Film schwebenden Verhandlungen hin und betonte, daß eventuell staatliche Subventionen bereitgestellt werden müßten, um das mit der Schaffung hochwertiger Filme zwangsläufig verbundene höhere Risiko aufzufangen. Die für den diesjährigen Prix Italia bestimmte Jury hat in Florenz folgende musikalische, literarische und dramatische Werke ausgezeichnet: 1. Mit dem Prix Italia: die Rundfunkoper„Orest“ von Henk Badings, eingereicht von der Niederländischen Rundfunk-Union, das Hörspiel „Unter dem Milchwald“ von Dylan Thomas, in einer Produktion der BBC. 2. Mit dem Preis des italienischen Rundfunks: die Kantate„Messire Francois“ von Pierre Kälin, eingereicht von der Schweizerischen Rundfunk-Gesellschaft,„Die Reise des Gefangenen“ von Louis Macneice, in einer Produktion der BBC. 3. Mit dem Preis der italienischen Presse für Dokumentarsendungen:„Le soleil se leve sur un Monde“, Reportage über den Kongo von Paul Louyet, eingereicht vom Belgischen Rundfunk. Das Gehörlosen-Theater in Dortmund plant nach dem Erfolg seiner„Othelllo“Aufführung im vergangenen Jahre eine „Faust“-Aufführung. Die Stadtverwaltung Recklinghausen will junge Künstler zu einem Studienaufenthalt einladen. Sie sollen die Atmosphäre der Stadt kennenlernen und künstlerisch gestalten. Als erster erhielt am Freitag der Mülheimer Maler Heinrich Siepmann, dessen Bilder in der Ausstellung„Junger Westen 1954“ in der Städtischen Kunsthalle zu sehen sind, eine Einladung. Als„heilsgeschichtliches Muß“ interpretierte Prof. Rahner S.J.(Innsbruck) in Köln die Diaspora-Situation der heutigen Christenheit. Auf der österreichisch-deutschen Werktagung katholischer Publizisten sagte er, der Christ müsse Gegebenheiten, die heilsgeschichtlich zwar nicht sein sollten, jedoch konkrete Wirklichkeit geworden sind, als von Gott geschickt anerkennen und in seinem Denken und Handeln damit rechnen Wirklich gelebtes Christentum sei heute überall in der Welt in der Minderheit. In jeder Generation müßten die Einzelnen in einer indifferenten oder feindlichen Umgebung das Christentum neu erwerben. Vor einem kulturellen Bankrott in Deutschland warnte der Präsident des Deutschen Autorenverbandes, Dr. Nowak, in Wolfenbüttel anläßlich der Hauptversammlung des Autorenverbandes. Sechzig bis siebzig Prozent der geistig Schaffenden müßten heute mit einem Monatseinkommen von etwa zweihundert Mark leben. Von maßgebender Seite würden zwar immer wieder Versprechungen gemacht, jedoch sei bisher nichts getan worden für Schriftsteller, Künstler und andere Angehörige dieses Personenkreises, der das Proletariat des Volkes bilde. Besonders bedrohlich für die wirtschaftliche Existenz der geistig Schaffenden seien die geplante Reform der RundfunkHonorierung und die Erhebung der vierprozentigen Umsatzsteuer für Schriftsteller. Prof. Schüle(Heidelberg) wurde an Stelle des nach Frankfurt(Main) berufenen Prof. Carlo Schmid zum ordentlichen Professor für öffentliches Recht, insbesondere Völkerrecht, an der rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen ernannt. Ingrid Bergman ist in London eingetroffen. Sie wird am 20. Oktober in Claudel-Honeggers„Johanna auf dem Scheiterhaufen“ in der Inszenierung ihres Gatten Roberto Rosellini in einem Londoner Theater auftreten. In einem Bericht schildert der Rektor der Ludwig-Maximilians-Universität in München, Professor Köstier, die Lage seiner Hochschule und kommt zu dem zusammenfassenden Urteil:„Die Universität ist in Not“. In dem Bericht heißt es, nur materielle Hilfe könne diese Not überwinden. Die Universität brauche eine freiere und von bûrokratischen Hemmungen unabhängige Stellung und müsse von den„unwürdigen und rückständigen Arbeitsbedingungen“ befreit werden. Es sei bedenklich, daß die Professoren neben ihren Berufsaufgaben vor allem durch das Heranziehen zu staatlichen Verwaltungsaufgaben und zu laufenden,„überbürokratisierten Administrationsgeschäften“ fortgesetzt über Gebühr belastet würden. Eine spanische Ausgabe des von einem Bremer Arbeitskreis herausgegebenen ersten deutschen„Kinderlexikons“ für die Altersstufen von sechs bis neun Jahren wird in einem spanischen Verlag erscheinen. Außerdem wird eine italienische Ausgabe vorbereitet. Das Lexikon hat jetzt eine Auflage von 120 000 erreicht. Achtzig Prozent aller Verkehrsunfälle werden heute durch menschliche Unzulänglichkeit verursacht. Der Hauptanteil hieran entfällt auf charakterliche Schwächen der Menschen, die aus der Unsicherheit der Zeit geboren werden. Mit diesen Feststellungen erhärtete Dr. Winkler (Stuttgart) auf der Tagung des Berufsverbandes deutscher Psychologen seine Forderung, die Lösung des Verkehrsproblems nicht so sehr von der technischen, als vielmehr von der medizinisch-psychologischen Seite anzugreifen. Die Heimleiter des„Evangelischen Jugendaufbaudienstes“ richteten an den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland eine Entschließung, in der die Kirche zur verstärkten Unterstützung der Jugendsozialarbeit aufgerufen wird Der Dirigent Herbert von Karajan ist von elnem Aufenthalt in Japan nach Wien zurückgekehrt. Er bezeichnete die Aufnahmebereitschaft ,der Japaner für die westliche Musik„einfach unvorstellbar“. Die Sache mit dem Schreibabteil Von Julius Achenberg Zwischen Köln und Frankfurt erst flel mir ein, daß ich immer noch nicht die Mahnung an Müller& Co. geschrieben hatte. Und dabei war sie so überaus wichtig. Mit Mahnungen sollte man heutzutage immer sehr pedantisch sein; man kann nie wissen, was schneller ist: die Post oder der Konkurs. Aber nun saß ich im dahinrasenden Schnellzug, mit leichtem Urlaubsgepäck und ohne Schreibmaschine. Macht nichts, Mahnungen kann man auch mit der Hand schreiben. Der Schuldner denkt dann vielleicht, es ginge einem seiner Zahlungsunfähigkeit wegen schon so schlecht, daß man die Schreibmaschine versetzen mußte. Ich angelte also Schreibpapier und Füllhalter aus der Aktentasche, klappte das kleine Tischchen auf und machte mich an die Arbeit. Damit begann das Drama. Haben Sie schon einmal im Zug einen Brief geschrieben? Es gibt da eine nette Scherzfrage. Was ist am schwersten zu lesen? Wissen Sie nicht? Ist doch ganz einfach: Ein Rezept, das ein Arzt mit einer in der Post gestohlenen Feder in einem fahrenden Zug geschrieben hat. Eben. Ich setzte also die Feder an und schrieb: „Sehr geenrter... das heißt: Ich wollte das schreiben. Doch aus dem S wurde eine Schlangenlinie, die über den ganzen Briefbogen lief und dann über das Tischchen. Sie endete in einem Klecks auf meiner Hose. mert.„Diktieren, bitte. Möchte ich. Mahnung, verstehen Sie.“ „Aber selbstverständlich“, sagte Seebohms göttliche Mitarbeiterin. Sie spannte einen Bogen in die Maschine und sah mich erwartungsvoll an. Ach, so erwartungsvoll... „Sehr geehrter Herr Müller“, diktierte ich. Die junge Dame neigte den Kopf und schrieb. Eine blonde Locke flel ihr über die Stirn. Wieder dieser erwartungsvolle Blick! Ich hauchte:„Bei Durchsicht— äh— meiner Bücher...“ Ein schlanker Schwanenhals mündete vielversprechend im Kragen der schnittigen Bundesbahn-Zugsekretärinnenuniform. Und dieses Ohr! So muß die Muschel ausgesehen haben, aus der Venus einst am Strand... Oder war das die Penelope? Verzweifelt versuchte ich meine Gedanken zu ordnen. „Bitte, weiter...“, sagte die Venus. Ich räusperte mich.„Bei Durchsicht— äh— meiner Schaumgeborenen.— Wollte sagen: Bücher stellte ich fest. Haben Sie fest?... Daß ich Ihnen noch... nein, Sie mir noch... dreitausend, drei Milli... unter Umständen zu zahlen gewesen schuldig geblieben sind... Der Rosenmund lachte. Gleich darauf entschuldigte er sich. Ach, ich konnte das Lachen nicht vergessen.„Noch einmal, bitte“, bat ich. „Den Brief?“ Ich seufzte.„Nein, Ihr Lachen.“ Das Venusgesicht wurde ernst:„Ich bin im Dienst.“ Also diktierte ich weiter. Ich diktierte und diktierte und wußte kaum, was ich diktierte. Bald umfaßte meine Mahnung zehn Schreibmaschinenseiten. Bei der zwölften Seite kamen wir in Basel an. Da mußte ich Schluß machen. Der Engel hatte Feierabend. „Soll ich den Brief gleich abschicken?“ fragte er. „Bitte“, flüsterte ich selbsvergessen. Ich zahlte und schied mit einem langen Blick. Mit demselben Zug fuhr ich zurück. Im Schreibabteil. Ich fuhr diese Strecke noch öfter. Bis die große Weiche kam. Seitdem fahren wir gemeinsam auf einem anderen Gleis. Übrigens hat mir Müller& Co. für den langen herzlichen Brief gedankt und die Ware bestellt, die ich damals auf Kredit angeboten habe. Aus guter Sicht Weil es sich doch um einen Fuß- ball handelt und weil der, der ihn auffangen möchte, sich gar nicht breit genug machen kann, hat sich der Dritte im Bunde mit seiner Camera platt auf die Erde gelegt. So schien sich ihm die rechte Sicht zu bieten, und wir müssen ihm beipflichten. Auch sein Vertrauen in die Kunst des Torwarts verdient unser Lob. Das beweist, daß er wirklich zur Mannschaft gehört. Ein Fremder hätte fürchten dürfen, daß das ins Auge oder in die Optik gehen könnte.. VV Wettermaschine" des Dorfpfarrers Der erste Blitzableiter der Welt— Der Pfarrer und das„Blendwerk der Hölle“ Es ist bekannt, daß schon die alten Agypter die Schutzwirkung hoher Auffangstangen gegen den Blitz kannten. Die Erfindung des Blitzableiters wird allgemein dem Amerikaner Benjamin Franklin zugeschrieben; tatsächlich stellte der Pfarrer Prokopius Diwisch in Prendiz(Südmähren) schon im Sommer 1754, vor nunmehr zweihundert Jahren, im Garten seines Hauses ein merkwürdiges Gerät auf. Benjamin Franklin hat erst 1760 in Philadelphia die Schutzwirkung seines Blitzableiters bei Gewittern entdeckt. Diwisch war eine Art Universalgelehrter, der es als Sohn eines armen, leibeigenen Bauern bis zum Doktor der Theologie und Philosophieprofessor gebracht hat. Sein besonderes Interesse galt der Elektrizität, die er auch Heilzwecken nutzbar zu machen verstand. Selbst im Kloster erläuterte Diwisch seine Vorträge durch physikalische Experimente, was für die damalige Zeit eine unerhörte Sache war und ihm beinahe den Ruf eines Zauberes eintrug. Als der Gelehrte im Sommer 1754 in seinem Pfarrgarten den ersten Blitzableiter aufstellte, wurde dieses Gerät von der Bevölkerung für eine„Wettermaschine“ gehalten, mit der ihr Schöpfer die Witterung zu beeinflussen versuchte. Abergläubische Bauern sprachen gar von einem Hexen- und Teufelswerk, das man inmitten ihres Dorfes ausgerichtet habe. Als bald darauf das Landgebiet um Prendiz von einer langen Trockenheit heimgesucht wurde, glaubten die Leute, daß ihr Pfarrer mit seiner geheimnisvollen„Wettermaschine“ dieses Unheil verschuldet habe. Sie drangen daher mit Gewalt in seinen Garten ein, zerstörten den Blitzableiter und reichten gegen Diwisch Klage bei der Obrigkeit ein. Es kam zu einer Verhandlung und man verbot es dem Gelehrten, mit seiner Vorrichtung weiterhin„Gott zu versuchen“. Erst viel später wurde Diwisch die Rechtfertigung zuteil, daß man seinen Blitzableiter als ein Denkmal der Technik auf dem Burghof von Znaim wieder aufstellte. Dort wird er heute noch von den Fremden bestaunt, die den Namen des wackeren Dorfpfarrers oft nicht einmal vom Hörensagen kennen. Der Blitzableiter aber trat seinen Siegeszug um den Erdball an. Er hat bis heute durch seine Schutzwirkung viele Menschenleben und materielle Werte vor der Vernichtung bewahrt. Die moderne Blitzableiteranlage besteht aus den Auffange-, Gebäude- und Erdleitungen. Dabei kennt man verschiedene Systeme, je nach dem Verwendungszweck. Den wirksamsten Blitzschutz bietet ein„Käfig“, bei dem das ganze Gebäude mit einem Netz elektrischer Leitungen umhüllt wird und alle Metallteile des Daches mit den Hausleitungen verbunden werden. Für Antennen und elektrische Freileitungen werden Blitzableiter in Hörner- und Rollenform verwendet, die zugleich als Überspannungsschutz dienen. Mit neuem Papier machte ich den zweiten Versuch. Meine Mitreisenden rückten interessiert näher. Diesmal glückte das S, dann aber kam eine Weiche, und meine Feder spießte sich durch das Papier in den Tisch. Ich zog sie heraus und bog sie mühsam gerade. Beim nächsten Bogen wandte ich eine neue Technik an. Ich wartete, bis die Schienen einmal spiegelglatt waren, und immer dann malte ich schnell einen Buchstaben. Auf diese Art kam ich bis:„Sehr geehr...“ In diesem Augenblick flel mein Koffer aus dem Gepäcknetz. Es hätte viel schlimmer kommen können. Ich zog mir die Feder aus dem Handballen und wischte mit dem Taschentuch die Tinte und die Trümmer des Halters vom Tisch. „Ich habe gewonnen“, sagte einer der Mitreisenden zu seinem Nachbarn.„Er hat es doch nicht geschafft.“ Darauf gab ihm der andere fünf Mark. Ich finde, man soll die Wettlust nicht übertreiben. Kurz darauf kam der Fahrkartenkontrolleur. Er betrachtete mich prüfend und fragte mitfühlend:„Neigen Sie zum Schlaganfall? Sie sind überall so blau.“ Ich klagte ihm mein Leid. Da schüttelte er den Kopf. Er hatte gut schütteln, schließlich brauchte er ja keine dringende Mahnung an Müller& Co. zu schreiben. „Wir haben doch ein Schreibabteil“, sagte der Kontrolleur. „Ein was?“ „Ein Schreibabteil. Mit Maschine und Sekretärin. Sie können Ihren Brief diktieren. Wenn Sie wollen, sogar in zwei Fremdsprachen.“ Das war meine Rettung— glaubte ich. In dem Abteil, das man auf Stationen nicht benutzen darf, zog ich mir eine saubere Hose an und reinigte mich notdürftig. Dann raste ich ins Schreibabteil. Ich war platt. Der Beamte hatte nicht übertrieben; hier war tatsächlich ein mit allen Schikanen ausgerüstetes kleines Büro. Sie war blond, die Zugsekretärin, und ihre Augen schimmerten wie ein tiefer Bergsee. Ein empfehlendes Lächeln kräuselte verführerische Rosenlippen. Bitte, nicht lachen— ich gehôre sonst kaum zu den schwärmerischen Naturen. Aber Sie hätten diese Frau einmal sehen sollen. Rasse. Man wird verstehen, daß ich meine Tintenschlacht von vorhin im Handumdrehen vergaß. „Was kann ich für Sie tun?“ fragte der blonde Engel. „Ein Brief“, stammelte ich, den Blick starr an das Grübchen am Kinn geklamWissenschatt- Forschung-Technik Ferngesteuerter Polizeihund Wie im„Orion“ berichtet wird, besitzt die dänische Hauptstadt Kopenhagen den ersten ferngesteuerten Polizeihund der Welt. Auf einer Veranstaltung der Polizei wurde ein mit einem Kurzwellenempfänger ausgestatteter Polizeihund vorgeführt. Das Tier trug das Empfangsgerät auf dem Rücken und die Kopfhörer unter den Ohren. Die geladenen Zuschauer überzeugten sich. daß der Polizeihund alle ihm durch Funk übermittelten Befehle seines Herrn vorschriftsmäßig befolgte. Autos mit akustischem„Gewissen“ Eine nordamerikanische Automobilfabrik, die besonders auf die Sicherheit ihrer Kunden bedacht ist, hat Zeitungsberichten zufolge in ihre Fahrzeuge Lautsprecher eingebaut, die mit dem Tachometer gekoppelt sind. Beim Erreichen hoher Geschwindigkeiten schaltet sich automatisch eine warnende Stimme mit folgenden Mahnungen ein: bei 80 Kilometer„Du bist zu schnell für die Stadt— hoffentlich bist du auf der Landstraße“, bei 100 Kilometer „Noch besitzt du die Gewalt über den Wagen— aber bist du ganz sicher. daß die Bremsen in Ordnung sind?“ bei 130 Kilometer„Vorsicht!— Dein Leben hängt an einem Faden!“ und bei 160 Stundenkilometer„Hast du die letzte Rate deiner Lebensversicherung bezahlt?“ Zaubernuß liefert neues Arzneimittel Aus drei wichtigen Arzneimittelpflanzen, nämlich der Zaubernuß, der Schafgarbe und dem Hirtentäschelkraut, extrahierten die Chemiker der bekannten Arzneimittelfabrik Dr. Willmar Schwabe in Karlsruhe Wirkstoffe und stellten aus ihnen ein neues blutstillend wirkendes Präparat zusammen. Dieses findet unter der Bezeichnung „Styptogutt“ hauptsächlich in der Gynäkologie sowie bei Lungenblutungen, Magen-Darm-Blutungen und Nasenbluten Verwendung. Schämt sich das Chamäleon? „He, Juan, hol mal ein paar Fliegenfänger her! Heute sind die Biester wieder ganz wild!“ Und der südspanische Diener holt einige Chamäleons, hängt neben ihrem Sitzplatz ein Gefäß mit etwas Honig auf, und schon beginnen die Kammerjäger ihre Pflicht zu tun. Das gemeine Chamäleon sieht aus wie eine große gepanzerte Maus von 12—15 cm Länge, den Schwanz nicht mitgerechnet. In Afrika ist es zu Hause, in Südspanien hält man sie als beschuppte Haussklaven, die man in Sevilla in allen Kaufläden als„Fliegenfänger“ kaufen kann. Das Chamäleon ist eines der eigenartigsten Tiere der Erde. Es sitzt bewegungslos auf Asten und lauert. Nur die erbsengroßen Augen sind bewegt. Seltsame Augen sind das, sie sind nämlich einzeln verstellbar. Das eine Auge kann ein sich von vorn näherndes Insekt beobachten, das andere kann indessen nach hinten schauen. Das Chamäleon kann also buchstäblich um die Ecke sehen. Das zweite Chamäleon-Wunder ist seine Zunge, sie ist ebenso lang wie der Körper. Diese Zunge ist ein Geschoß, das blitzschnell austritt. An der Spitze hat sie eine kolbenartige Verdickung, die mit einem zähklebrigen Schleim bedeckt ist, woran das Beutetier festgeleimt wird. Als Besonderheit gilt seine Fähigkeit, die Farbe zu wechseln. In seine Haut eingelagert sind vier verschiedenfarbige Pigmente, von denen zwei verschoben werden können. Je nachdem sich nun das verschiebbare Pigment ausdehnt oder zusammenzieht, je nachdem also die festen Pigmentschichten„unter- oder übermalt“ werden, entstehen die verschiedenen Körperfarben: gelbweiß, blau, rot oder dunkel, dazu zahlreiche Mischfarben, die alle der Tarnung dienen. Wird das Chamäleon trotzdem von einem seiner Feinde aufgestöbert, dann„ärgert es sich schwarz“, pumpt sich auf, faucht und sticht. Philosophie hinter Gittern Von Ludwig Anzengruber Saßen da ein paar unverbesserliche Spitzbuben wieder einmal hinter Schloß und Riegel. Unter Kollegen nannte man den einen„Höher-Peter“, weil er ein baumlanger, hagerer Mensch war, und den andern„Räum-aus-Ferdl“, seiner Geschicklichkeit halber. Auf diese Bezeichnungen waren sie gewohnt zu gehen, an ihre richtigen Namen wurden sie nur zeitweilig, aber dann in höchst unangenehmer Weise erinnert, nämlich wenn über sie im Gerichtssaal verhandelt wurde. Der„Höher-Peter“ hatte eine neugierige Hand und bekam leicht den Krampf in die Finger. Der„Räum-aus-Ferdl“ dagegen war ein Märtyrer seiner Höflichkeit. Er trug sich nämlich mit der ernstlichen Absicht, wohlhabenden Leuten seine Aufwartung zu machen und sie um eine Unterstützung zu ersuchen, damit er sich ehrlich durchs Leben bringen könne. Aber seine Bescheidenheit sagte ihm, daß er durch seine Anwesenheit leicht lästig fallen könnte, und so besuchte er halt die Leute, wenn sie abwesend waren, und nahm aus der Wohnung nur ein paar Kleinigkeiten mit. Diese beiden hatten also, wie es in der Spitzbubensprache heißt, wieder einmal „Unglück gehabt“. Als sie jetzt auf ihren Pritschen lagen, fühlten sie das Bedürfnis nach einer unterhaltenden Aussprache. „Kommst du manchmal zum Bücherlesen?“ fragte der„Räum-aus-Ferdl“ von seiner Pritsche nach der des Zellengenossen hinüber. „Wüßt nit wie“, sagte der„HöherPeter“.„Bücher führt selten einer im Sack mit. Würd mich auch hüten, danach z' greifen. Anders ist mir lieber.“ „Freili“, nickt der Ferdl.„Aber laß dir erzählen. Bei meinem letzten Einbruch hab i vom Tisch im Salon a Broschur mitgehn lassen, die hat mich interessiert. Freunderl, für ein' von unserm Geschäft wär das a Glück, wenn alle Leut so denken möchten wie der Schreiber.“ „No, was schreibt er denn?“ fragte der lange Peter. „Obendrein mußt wissen, daß der Mann a ordentlicher oder gar a außerordentlicher Professor is! Er schreibt, daß der Mensch eigentlich kein' freien Willen hätt, daß alles, was einer tut und treibt, von einer Verkettung von lauter Umständen herrührt, und an derer Ketten hängt unser Willen, und da gibt's dös nit, daß einer kann, wie er will, sondern er will, wie er muß!“ „Da kennt sich der Teufel aus.“ „Warum denn nit? Sei nit dumm! Einfach, verstehst, du bist a Dieb.“ „Räum-aus-Ferdl! I rat dir’s!“ „Na, unter uns, ohne Beleidigung.“ „Dös ist was anderes. Also weiter um a Haus!“ „Wie bist's worden?“ „No mein, wie man stiehlt, das wirst doch selber wissen: man greift ein'm in die Tasch’n und zieht raus, was sich vorfind’t.“ „Dös versteht sich. Ich mein, hat dich die Not dazu trieb'n?“ „Nein, aber Geld hab 1 braucht, daß mein Mädel ausführen kann zu Östern.“ „Also aus Neigung;’s Dirndl war der Anlaß, d' Lieb' der eine Umstand,'s Ausführn der andere, d' Österfeiertag wieder einer, da hest die ganze Kett'n. Du wärst im Leben kein Dieb worden, wär dös Dirndl nit gwest!“ „Oder eine andere.“ „Also wann kein Dirndl auf der Welt wär, wärst keiner worden. Es sind aber wünscht. Die Badische Anilin- und Sodafabrik brachte unter der Handelsbezeichnung„Plastomoll DOA“ ein neues Weichmachungsmittel für Lacke und Kunststoffe auf den Markt. Nitrozelluloselacke werden durch Zusatz dieses neuen Weichmachers dehnbarer und erlangen eine bessere Kältebeständigkeit. „Magische Goldkugel“ Auf der zur Zeit stattfindenden Londoner Funkausstellung ist die sogenannte magische Kugel, im Volksmund „Einbrecherschreck“ genannt, ein besonderer Anziehungspunkt. Der zu diesem Zauberwerk gehörende Elektronenapparat ist unsichtbar, man erblickt lediglich eine auf dem Tisch liegende Goldkugel. Nähert sich eine menschliche Hand dieser Kugel, so läuft sie elektronisch getrieben davon und verschwindet in einem Loch des Tisches, aus dem sie nach Zurückziehen der Hand auf ebenso mysteriöse Weise wieder zum Vorschein kommt. Kühlhaltende Farbe Eine eigenartige Farbe, die selbst bei intensiver Sonneneinstrahlung so viel Wärme zurückstrahlt, daß ein Raum unter einem mit dieser Farbe bestrichenen Dach um rund 20 Grad Celsius kühler bleibt als die Umgebung, ist der neueste Verkaufsschlager auf dem Farbenmarkt. Der merkwürdige Effekt dieser kühlhaltenden Farbe beruht auf dem Trick eines einfallsreichen Chemikers. Er setzte einem geschmeidigen Kunstharz, das als Grundlage für diese Farbe dient, vier die Sonnenstrahlen besonders stark reflektierende Pigmente zu, von denen das wichtigste Titandioxyd ist. Plastischere Lacke Durch eine gewisse Plastizität wird die Absplitter-Sicherheit von Lacken beträchtlich erhöht. Das ist besonders bei Kraftwagen-Karosserien sehr er„Stabilisierte“ Hühner-Eier Zur Versorgung ihrer Matrosen mit schmackhafteren Eiern entwickelten Forscher der US-Kriegsmarine ein einfaches Verfahren zum besseren Frischhalten von Eiern. Dieses besteht darin, daß die Eier etwa 15 Minuten lang mit heißem Öl besprüht werden. Dadurch bildet sich unter der Schale ein feiner Eiweißfilm, der sie zusätzlich abdichtet und auf diese Weise ein längeres Frischbleiben der Lagereier gewährleistet. Der Regen machte Geschichte Revolution muß abgesagt werden— Abessinienkrieg verschoben ihrer viele tausend Millionen auf der Welt, folglich mußt a Dieb werden, dôs war dir so gut wie bestimmt!“ „Na ja, so kriegt die Sach a G’sicht und a Farb.“ „Und heut bist noch einer. Warum?“ „Ferdl, reiß di zamm, i sag dir’s!“ „Aber ohne Beleidigung.“ „»a so. Warum i heut noch einer bin? Weil 1 nix g’lernt hab.“ „Da hast es! Die geringe Bildung ist der Anlaß, die Schikanen von den Behörden ist der eine Umstand, das ewige Einsperrn der andere, daß der Mensch nit von der Luft leben kann, wieder einer; da hast die ganze Ketten beinand, darum mußt auch ein Dieb bleiben wolln, ob d' magst oder nit.“ Im August des Jahres 1935 meldeten die Zeitungen:„Daß der Krieg zwischen Italien und Athiopien noch nicht ausgebrochen ist, verdankt die Welt dem Regen. der jede größere Truppenbewegung und erst recht Kampfhandlungen unmöglich macht.“ „Hörst, Ferdl, glaubst du dran?“ Der„Räum-aus-Ferdl“ nickt ernst. Da lachte der„Höher-Peter“, und darauf erschallte auch von der Pritsche des„Räumaus-Ferdl“ her ein schallendes Gelächter. Und es regnet, es regnet jeden Tag..! Der Regen hat schon öfter Weltgeschichte gemacht, er hat auch Revolutionen niedergeschlagen. Als bei der Französischen Revolution das Volk das Versailler Schloß bedrängte, ging Lafayette abends zum besorgten König und beruhigte ihn:„Gehen Sie ruhig schlafen. Sire, heute passiert nichts, es regnet!“ Kaiser Wilhelm I. und zahlreiche Fürstlichkeiten sollten am 28. September 1883 am Niederwald in die Luft gesprengt werden. Die Attentäter hatten schon die Zündschnur gelegt. Da begann es in Strömen zu regnen, die Gräben füllten sich mit Wasser und— die Zündschnur brannte nicht mehr. „Bloß dumm, daß die andern nit dran glauben.“ „Pfaff du!“ schrie der lange Taschendieb.„Was wär denn damit auch g’wonnen? Nix, gar nix, sag i dir. Warum sperrt man uns denn ein? Dö Paragraphen san der Anlaß, der Schandarm ist ein Umstand, der Richter der andere und der Gefängniswärter ist auch einer; da hast wieder die ganze Ketten beisammen. Du und dein Professor— ihr könnt mit eurer Weisheit einpacken. Ob ich kann, wie ich will, oder will, wie ich muß, da frag ich den Teufel danach. Wann's von einer Verkettung von Umständen herrührt, daß wir stehlen müssen, dann rührt's halt auch von einer Verkettung von Umständen her, daß uns die andern einsperren müssen..." Die Schlacht bei Waterloo am 18. Juni 1815 entschied Napoleons Schicksal— allein durch Regen, wie Victor Hugo sagte. Auch bei den Schlachten an der Katzbach, bei Großbeeren und bei vielen anderen Treffen spielte der Regen eine entscheidende Rolle. Der Regen von Crecy war die Veranlassung zu einem hundertjährigen Krieg, der Frankreich verwüstete. Als sich im Jahre 1346 Franzosen und Engländer gegenüberstanden und die Inselbewohner schon schwer angeschlagen waren, begann es zu regnen. Die Engländer flüchteten in den dichten Wald, um ihre Bogen trocken zu halten, die Genueser Bogenschützen der Franzosen aber lagen auf freiem Feld und ihre Waffen wurden durch die Nässe unbrauchbar. Was zahlt der Toto? Zwölferwette West-Süd-Block Uwe Seeler mit drei Toren HSV löst Bremerhaven ab— Fürth neuer Tabellenführer— Walter-Elf mit Sorgen Hamburz.— Der Hamburger SV schaltete mit dem 3:0 gegen Bremerhaven 93 den einzigen Verein, der neben Kaiserslautern ohne Punktverlust war, aus dieser Rekordliste aus und löste ihn gleichzeitig in der Führung ab. 1. FC Kaiserslautern und Rotweiß Essen haben ihre Führung in Südwest bzw. West behauptet. Im Süden mußte der FSV Frankfurt mit einem 0:1 gegen den Lokalrivalen Eintracht Frankfurt die Spitze an die SpVg Fürth abgeben, die ein 0:0 in Nürnberg erreichte. Gewinnquoten des Pferdetotos 1. Rang(elf richtige Tips) 2 018,20 DM, 2. Rang 168,10 DM, 3. Rang 25,60 DM für I DM. Gewinnquoten im Zahlenlotto 1. Klasse(fünf»Treffer): kein Gewinner 2. Klasse: 16 Gewinner je 15 999.50 DM 3. Klasse: 1 784 Gewinner je 74,50 DM 4. Klasse: 45 051 Gewinner je 2,95 DM Die goldene Ehrennadel des Deutschen Athletenbundes wurde dem einzigen noch lebenden, 90jährigen Mitbegründer der ASVg Mainz 88, Fritz Schlotterbeck, verliehen. Der Ferrari-Rennfahrer Dr. Nino Farina, der seit Juni zur Heilung schwerer Verbrennungen in einer Turiner Klinik lag, wurde zur ambulanten Behandlung aus der Klinik entlassen. Farina bedarf noch einer längeren Pflege. Eine Nationalmannschaft der Reiter bildeten die deutschen Studenten unter Leitung von Landesstallmeister Fellgiebel und Max Huck. Der erste Start ist vom 10. bis 15. Dezember in Upsala vorgesehen. Bei strahlend schönem Herbstwetter gab es mit insgesamt 97 000 Zuschauern bei den acht Spielen der Oberliga Nord ausgezeichneten Besuch. Allein 24 000 kamen zum Rothenbaum. Bremerhaven 93 kann am Rothenbaum nicht gewinnen. Das 0:3 bedeutete die siebte Niederlage seit Bestehen der Oberliga Nord. Ohne die noch gesperrten Machnicki und Bründel war selbst mit konsequentem Doppelstopperspiel gegen den gut aufgelegten HSV-Sturm nichts zu machen. Uwe Seeler war dreifacher Torschütze des HSV, großartig vor allem sein dritter Treffer, mit kraftvollem Kopfstoß auf Flanke Woitkowiaks erzielt. Uwe Seeler, Klaus Stürmer, Jupp Posipal und Jochen Meinke hießen die Stützen des HSV, der fast ausschließlich in der Hälfte des Gegners spielte. Da auch Göttingen 05 durch ein unglückliches 0:2 bei Eintracht Braunschweig die erste Niederlage einstecken mußte, ist im Norden keine Mannschaft mehr ungeschlagen. Ohne Sieg blieb allein der Harburger Turnerbund, der vor 8000 Zuschauern der taktisch reiferen Mannschaft von Eimsbüttel mit 3:0 den ersten Sieg überließ und dadurch ans Tabellenende rutschte. Der deutsche Meister Hannover 96 enttäuschte trotz des 3°2 über den Neuling VfL Wolfsburg erneut. Ausgesprochen schwach wirkte der FC St. Pauli beim 0:1 gegen Bremer SV auf eigenem Platz, und ebenso überraschend kommt das 1:3 des VfL Ösnabrück gegen den von Spundflasche wieder groß dirigierten FC Altona. Prominente Sportler trafen sich in Frankfurt Zahlreiche Welt- und Europameister aller Sportarten nahmen am„Fest der Sportpresse“ in der Frankfurter Festhalle teil. In einer bunten Revue, gemischt aus ernsthaftem Sport und unterhaltenden Vorführungen, stellten sich die prominentesten Sportler des Jahres den etwa zehntausend Besuchern vor. Unser Bild zeigt Weltmeister Juan Manuel Fangio beim Radwechsel-Wettbewerb, der natürlich auch hier die kürzeste Zeit erreichte und Sieger wurde. Erste Niederlage des FSV Frankfurt Nach Eintracht Frankfurt, Kickers Stuttgart und FSV Frankfurt ist Fürth der vierte Spitzenreiter der Süd-Liga in dieser Saison. Dazu genügte ein 0:0 in Nürnberg gegen den Club, da der FSV Frankfurt als Gast der Eintracht mit 0:1 seine erste Niederlage einstecken mußte. Fürth ist nun allein noch ungeschlagen. In einem weiteren Lokalkampf unterlag Schwaben Augsburg beim BCA 1:2 und verlor damit den dritten Tabellenplatz an Reutlingen. In den übrigen vier Spielen überraschten Öffenbach durch ein 1:0 in Schweinfurt und Bayern München mit dem überzeugenden 6:0 über VfR Mannheim. Regensburg landete den zweiten Sieg(3:1 gegen Karlsruher SC), und der Neuling Reutlingen machte mit dem 3:1 über Hessen Kassel weiter von sich reden. Das 171. Nürnberg-Fürther Lokalderby, dem unter 25 000 Besuchern auch Sepp Herberger beiwohnte, stand im Zeichen zweier großartiger Hintermannschaften, wobei in der zweiten Hälfte vor allem der stark beschäftigte Fürther Torwart Geißler gefiel. Beide Mannschaften erschienen in stärkster Besetzung, der Club mit Morlock— Schade—Glomb als Innentrio, Fürth mit Erhardt auf halblinks. Morlock vergab drei gute Gelegenheiten, wie überhaupt die geringe Durchschlagskraft beider Stürmerreihen auffiel. Das 0:0 war für Fürth glücklich. Hart erkämpftes 2:1 der Walter-Elf Wie in den letzten Jahren, so hatte auch diesmal der 1. FC Kaiserslautern viel Mühe, um im Trierer Mosel-Stadion siegreich zu bleiben. Das hart erkämpfte 2:1 gegen Eintracht, bei dem Fritz Walter acht Minuten vor Schluß das entscheidende Tor erzielte, bedeutet weiterhin die Alleinführung für die Lauterer, die nach sieben Spieltagen noch allein verlustpunktfrei sind. Nationaltorwart Heinz Kubsch bewahrte den FK Pirmasens beim 1:0 in Neunkirchen vor dem drohenden Punktverlust. Durch diesen Erfolg rückten die Pfälzer auf den zweiten Platz vor. Mit 4:3 revanchierte sich der 1. FC Saarbrücken für die im Vorjahre mit 0:5 gegen den VfR Kaiserslautern erlittene Niederlage. Saar 05 Saarbrücken verzeichnete mit 3:2 gegen Mainz 05 den ersten Sieg. Erfolgreiche Torjäger Scheffler mit zehn Toren Düsseldorf. Die Liste der erfolgreichsten Torjäger führt Scheffler, der Rechtsaußen des 1. FC Kaiserslautern an. Der schnelle Flügelstürmer des deutschen Exmeisters erzielte von den 32 Toren seines Vereins allein zehn. Auf dem zweiten Platz liegt mit Weber. FK Pirmasens(7), ein Spieler, dessen Stammplatz Außenläufer ist und der gegenwärtig infolge Stürmersorgen des FK Pirmasens im Angriff steht. Sieben Spieler mit je sechs Toren folgen auf dem dritten Platz, darunter Ottmar Walter(1. FC Kaiserslautern),„Penny“ Islacker(Rotweiß Essen) und Herbert Martin(1. FC Saarbrücken), der erfolgreichste Torschütze der letzten Saison. Der Stand in den einzelnen Ligen: Nord: Haase(Werder Bremen) 6 Tore; Preuße(Werder Bremen) 5, Rock(Bremer SV), Schlegel, Seeler(beide HSV), Sump (VfB Oldenburg), Kling(Göttingen 05) und Englert(VfB Oldenburg) je 4. West: Islacker(Rotweiß Essen) 6, Bering (Bayer Leverkusen), Müller(1. FC Köln) je 5. Lorenz(Preußen Dellbrück), Wechselberger (Duisburger SpV) und Lammers(Preußen Münster) je 4 Süawest: Scheffler(1. FC Kaiserslautern) 10, Weber(FK Pirmasens) 7, Ottmar Walter, Wenzel(beide 1. FC Kaiserslautern), Martin(1. FC Saarbrücken), Strehl(FK Pirmasens), Müller und Sehrt(beide Wormatia Worms) je 6. Süd: Geyer(Schweinfurt 05) 6, Erhardt (SpVg Fürth), Grziwok(SSV Reutlingen), Lettl(Bayern München), Müller, Schuller (beide BC Augsburg), Schade(1. FC Nürnberg) und Schönig(VfR Mannheim) je 5. Die Trautmann-Elf Manchester City blieb bei der ersten englischen Division als einzige Mannschaft der Spitzengruppe ohne Punktverlust. Mit dem 1:0 über Everton rückte die Elf zu Pokalsieger Westbromwich Albion(je 16:6) auf. Weltmeister H. G. Winkler und Inge Fellgiebel holten beim CHIO-Turnier in Pinnerolo(Italien) mit zusammen sechs Pferden zwei Siege(Winkler mit Halla), zwei zweite und vier weitere Preise bei sechs weiteren Placierungen heraus. Winkler erhielt auch den Ehrenpreis als erfolgreichster Reiter des Turniers, während Fräulein Fellgiebel die erfolgreichste Amazone war. Lokalderby in Herne Im Fußball-Ortstreffen behielt der SV Sodingen über Westfalia Herne mit 1:0 die Oberhand. Hier überspringt Harpers(Sodingen) den Westfalia-Hüter Handtke. „Tag der Meister" Abschluß auf der Aschenbahn mit guten Leistungen Bad Kreuznach. Zum traditionellen Leichtathletik-Jahresabschluß, dem„Tag der Meister“ in Bad Kreuznach, hatten sich bei schönem Herbstwetter zahlreiche deutsche Spitzenkönner eingefunden. Es fehlten allerdings diejenigen Leichtathleten, die inzwischen die Reise nach Japan angetreten haben. Obwohl die Bahn nicht ganz den Anforderungen entsprach, gab es eine Reihe guter Leistungen. Die wichtigsten Ergebnisse: 100 m: Pohl (Pfungstadt) 10,9 Sek.; 200 m: Pohl 22,2 Sek; 800 m: Liell(Trier) 1:57,8 Min.; 110 m Hürden: Schottes(Düsseldorf) 15,4 Sek.; 400 m Hürden: Fischer(Stuttgart) 54,1 Sek.; 3000-mHindernis: Schmalz(Koblenz) 9:29,0 Min.; vier mal 100 m: Eintracht Frankfurt 42,9 Sek.; Hochsprung: Theilmann(Frankfurt a. M.) 1,90 m; Kugel: Riese(Frankfurt a. M.) 16,00 m; Speer: Dick(Stuttgart) 61,58 m. Frauen: 80 m Hürden: Seonbuchner(Nürnberg) 11,2 Sek.; Weitsprung: Seonbuchner 4,62 m; 100 m: Böhmer(Hörde) 12,4 Sek.; 200 m: Böhmer 25,5 Sek.; vier mal 100 m: Eintracht Frankfurt 49,2 Sek. In Bielefeld wurde der Grundstein zu einem neuen Hallenbad gelegt. Die Regierung gibt einen Zuschuß von 200 000 DM. Die ADAC-Rheinlandfahrt auf dem Nürburgring für Seriensport- und Tourenwagen (22 Runden, 622 km) sah 138 Bewerber am Start. Den Mannschaftspreis gewann der ADAC Köln. Die italienschen Fechterinnen gewannen in Palermo einen Vierländerkampf im Damenflorettfechten gegen Frankreich, Deutschland und Österreich. über Harpers des Feldes verwiesen worden, nachdem er gerade eine Sperre von vier Punktespielen hinter sich hatte. Der Deutsche Schwimmverband will an keinen internationalen Meisterschaften mehr teilnehmen, die von„Staatsamateuren“ beschickt werden. 27 000 Zuschauer wohnten in Wuppertal einem Polizeisportfest bei, das umfassende Vorführungen bot. Zum vierten Male gewann SuS Bielefeld die westfälische Tennisschlußrunde der kleinen Medenspiele Klasse A) mit 7:2 gegen TC Bochum-Rechen. Westdeutscher Doppelerfolg Tischtennis gegen Niedersachsen Düsseldorf. Westdeutschland verteidigte mit zwei 6:3-Siegen bei den Herren und Damen gegen Niedersachsen den vom Landessportbund Niedersachsen gestifteten Tischtennispokal. In Düsseldorf hatten es Hoffmann(Poppelsdorf), Ilberg(Hagen) und Schippers(Rheydt) nicht schwer, gegen die junge und unerfahrene niedersächsische Mannschaft(Kohlberg, Gomolla, beide Salzgitter, Schmidt-Northeim) sofort eine 5:0Führung herauszuspielen und mit 6:3 zu gewinnen. Im Hauptkampf siegte Hoffmann nach 16:21-, 20:21-Rückstand noch 23:21 und 21:16. Bei den Damen mußte Niedersachsen in Duisburg auf die ersten drei Spielerinnen verzichten und verlor ebenfalls 3:6. Ausgerechnet die deutsche Exmeisterin Berti Cappel(Aachen) gab alle drei Kämpfe ab, während Karzmierczak(Bottrop) und Ost(Kaiserberg) ungeschlagen blieben. Mit 107,5: 104,5 Punkten gewannen Finn- Der Präsident der Vereinigten Staaten von lands Leichtathleten in Budapest den zwei- Amerika, General Dwight D. Eisenhower, tägigen Länderkampf gegen Ungarn. erklärte den 16. Oktober zum„Nationalen Olympischen Tag“ in den USA. In einer G. Rappenberg, Läufer von Westfalia Botschaft forderte er alle Bürger der USA Herne, wurde für zehn Meisterschaftssonn- auf, ihr Möglichstes zu tun, um ihr Land bei tage gesperrt. Er war im Spiel gegen Sodingen wegen einer Unsportlichkeit gegenden Olympischen Spielen 1956 in Melbourne angemessen vertreten zu sehen. WIRTSCHAFI ARBEIT Nordrhein-Westfalen hält die Exportspitze Nach wie vor das wichtigste Ausfuhrland der Bundesrepublik— Hauptabnehmer: Die Niederlande Nach dem Geserzentwurt der Regierung Gèsamter Wohnungsbestand (bis Ende 1954) Düsseidori— Nordrhein-Westfalen ist nach wie vor das wichtigste Ausfuhrland der Bundesrepublik, wie es die Außenhandelsberichte der Rhein-Ruhr-Bank ausweisen. Die Bedeutung dieses Landes geht allein aus der Tatsache hervor, daß es mit einem Anteil von 2,5 Prozent an der Weltausfuhr fast ebenso viele Waren exportiert wie beispielsweise der Australische Bund, mehr als Schweden, Italien, Brasilien, Argentinien, Venezuela, Indien oder Japan und nur etwa 12 Prozent weniger als die Niederlande. Von kurzfristigen Schwankungen abgesehen, hat sich die Ausfuhr Nordrhein-Westfalens nach den soeben bekanntgewordenen Ergebnissen im ersten Halbjahr 1954 auf einen Stand von durchschnittlich 690 Millionen DM pro Monat stabilisiert. Im Monatsdurchschnitt des Jahres 1953 betrug sie 665 Millionen DM und 646 Millionen DM im Jahre 1952. Rheinisch-Westfälische Börse Düsseldorf, 4. Oktober 1954. Tendenz: Haussierend. Industrie-Aktien Phrix Namens 44-48 Accu-Hagen 130 bz G rep Karstadt 177 bz Br AEG 192 bzG Kaufhof 185 bz G Allg. Hoch& Ing. 114 G Krefft 88 bz Bad. Anilin 187 bz Balcke Masch. 145 bz. Bergb. Ew. Ludw. 124 G BMW 126 bz G rep Bemberg 108 bz Br Beton& Monier— G Mannesmann 140¼ bz Mülheimer Berg 124 bz Nordwestd. Hütten 134 bz Rh. Braunkohle 179 Rheinstahl 245 bz RWE 182¼ bz Daimler 174½ bz Demag 192 bz G rep Dt. Conti Gas 177 bz Dt. Erdól 150½ bz Br Didler— Dortm. Akt. 177½ bz G Siemens St. 203 bz Siemens Vorz. 200½ bz Stamag 134 bz Ver. Dt. Nickel 159 bz Ver. Rumpus 100 bz Ver. Stahlw. 226 bz G Dortm. Ritt. 240 bz G rep Wasser-Gelsenk. 156 bz Dortm. Union 168 bz Dynamit Nobel 192 bz G Essener Steink. 112 bz Farbenf. Bayer 190 bz IG Farb. Liqui 39% b2 Feldmühle 196½ bz Felten— Taxe 145 G Goldschmidt 121 bz Harpener 111 bz Hindrichs Auff. 58 G Hochtief 140 bz Höchster Farben 188 bz Hoesch— Kab. Rheydt 187 bz G rep Rh. Kunstseide 90-94 Kall-Chemie 175 bz Br Schulth. St. 291/-31 bermittelt vom Bankverein Westdeutschland DM-West— DM-Ost Frankfurt(Main), Die Wechselstuben kaufen 472,50 DM-Ost für 100-DM-West und verkaufen 100 DM-Ost für 22,47 DM-West. Während die Aufwärtsentwicklung in den ersten dreieinhalb Jahren nach der Währungsreform stürmisch verlief, und sich 1952 nur noch verlangsamt fortsetzte, betrugen die Steigerungssätze für das Jahr 1953 knapp 3 Prozent und im Vergleich der ersten Halbjahre 1953 und 1954 rund 10,5 Prozent. Die tatsächliche Erhöhung der Exportsätze kommt durch die angegebenen Zunahmeprozentsätze nicht voll zum Ausdruck, da die Ausfuhrpreise um 6 Prozent zurückgegangen sind. Hauptabnehmer nordrhein- westfälischer Erzeugnisse in Europa, auf das etwa 70 Prozent der Gesamtausfuhr dieses Bundeslandes entfallen, sind die Niederlande mit einem Anteil am Gesamtexport von etwa 12 Prozent, Frankreich(8 Prozent), Italien(7 Prozent), ferner Belgien, Schweden, die Schweiz, Österreich, Dänemark und Großbritannien. Die Bedeutung Europas im Gesamtaußenhandel Nordrhein-Westfalens ist allerdings zugunsten Asiens und Afrikas zurückgegangen. Die Anteile Asiens und Afrikas am NRW-Export haben sich seit 1948 ständig erhöht und liegen heute etwa bei 8 bzw. 5 Prozent. Der Kontinent Amerika nimmt etwa 15 Prozent der nordrhein-westfälischen Exporte ab. Davon sind 66 Mill. Mietwohnungen Dovon sind 5.0 Mill. Wohnungen bis 1948 erbaut u. von Mieterhöhung betroffen: fürca 3,5 Mill. Wohnungen Mill. Frankreich fordert billigen Koks Französische Stahlindustrie erhält Harpener Kohle zum Selbstkostenpreis A(ohne Badu Zentralheizung)(mit Bad, ohn. Thrg 35 Mill. (m.B. u.2) Boswau& Knauer 128 G Rheinmetall 25½ bz Buderus 155 bz Rheinpreußen 144½ bz Burbach 151½ bz Rheinstahl-Union 148½ b2 Busch Jaeger 223 G Salzdetfurth 179 bz G Cassella 232 bz Schering 235 bz Conti-Gummf 186 G Schiess 153 bzG Consolidation 132¼ bz G Schw.-Br.— Taxe 139 G Paris.— Der Präsident der französischen Wirtschaftsvereinigung der Stahlindustrie, Ricard, forderte auf einer Veranstaltung in Dünkirchen Maßnahmen zur Ermäßigung der Transportkosten für den Harpener Koks. Nach Erwerb der Aktienmehrheit bei der Harpener Bergbau AG. könnte zwar die Harpener Kohle zum Selbstkostenpreis von der tranzösischen Stahlindastrie erworben werden, aber dieser Preis würde durch die Transportkosten wesentlich erhöht. Im Rahmen der Bemühungen um eine Transportkostensenkung komme dem Plan der Moselkanalisierung eine besondere Bedeutung zu. Jedoch schon vor Lösung dieses Problems müßten die Transportkosten für Harpen-Koks gesenkt werden. Die Beratungen des Vermittlungsausschusses über die Wahl des fünfzehnten Mannes im Aufsichtsrat der Harpener Berghau-AG, Dortmund, haben, wie vwd erfährt, zu einer grundsätzlichen Einigung geführt. Der Name wird allerdings noch nicht genannt, zumal die letzte Entscheidung bei der Hauptversammlung liegt, die zu Ende November 1954 einberufen werden soll. Auf der letzten Hauptversammlung am 31. August konnte über die Wahl zum erstenmal seit der Einführung des Mitbestimmungsgesetzes in einer Gesellschaft keine Einigung erzielt werden. Wintershall 171 bz Zellwald 146½ bz Bank-Aktien Commerzb. Liqui 10 bzG Bankv.Westd.183 bz G rep Deutsche B. Liqui 12¼ G Rh.-Westf. B. 182 bz Dresdn. B. Liqui 12¼ bz Rh.-Ruhr-B. 180 bz G rep Freiverkehr Chem.-Faser Inh. 105-111 Nordd. Lloyd 45-49 Phrix-Inh. 52-54½ Rleine Umschau Die Bayerischen Motorenwerke haben die Produktionsrechte für das kleinste italienische Automobil, die dreisitzige„Isette“(250 ccm), erworben, gibt die itallenische Herstellerfirma bekannt. Die BMW wollen die Fabrikation in Kürze aufnehmen und zwischen 50 und 100 „Isettas“ am Tage herstellen, die zum Verkauf in Nordeuropa, mit Ausnahme Großbritannlens und der Benelux-Länder, bestimmt sind, Die August-Thyssen-Hütte in Duisburg-Hamborn nahm den sechsten Siemens-Martin-Ofen in Betrieb, Damit ist der Wiederaufbau des SM-Stahlwerkes der Hütte abgeschlossen. Auf der Kokerel III/VII der Hütte wurde die Batterie III angeheizt, mit deren Wiederaufbau im Herbst 1952 begonnen worden war. Sie ist mit sechzig Kopper-Kreisstromverbundöfen mit einer Tagesleistung von 710 Tonnen Koks ausgerüstet Neuer Höchststand des Bauvolumens Weiterer Rückgang der Arbeitslosigkeit im September— Wintersaison ausnutzen Frankfurt(Main).— Zur Entwicklung von Produktion und Beschäftigung im August bemerkt die Bank deutscher Länder in einem Bericht, daß sich der Einfluß der Urlaubssaison und teils noch die Streiks in der bayrischen Metallindustrie auswirkten. Diese Faktoren wurden jedoch im allgemeinen durch den anhaltenden konjunkturellen Auftrieb und den saisonalen Hochstand der Beschäftigung in der Landwirtschaft, in der Bauwirtschaft und im Fremdenverkehr überlagert. Typisch hierfür war, dem Bericht zufolge, der weitere Rückgang der Arbeitslosigkeit, der sich, allen vorhandenen Anzeichen nach, auch im September fortgesetzt hat. Eine wichtige Rolle für die Zunahme der Beschäftigung spielt nach wie vor die EntKraftfahrzeugbestand in Bonn verdreifacht Bonn.— In den letzten fünf Jahren hat sich der Bestand an zugelassenen Kraftfahrzeugen in Bonn mehr als verdreifacht. Nach jetzt vorliegenden statistischen Erhebungen entfallen auf je tausend Einwohner etwa 110 Kraitfahrzeuge. In Köln entfallen auf je tausend Einwohner 87, in Düsseldorf 81 und in Dortmund 59 Kraftfahrzeuge. Schlachtvieh-Großmärkte in Nordrhein-Westfalen Ub. Auftr. Rinder Ort Aach. Duisb. Dussd. Essen Köln Ochsen 20 338 85-94 60 700 90-102 59 659 97-104 55 1126 86-100 30 1320 94-105 M.Gldb.23 318 85-104 104-110 Wppt. 68 744 84-101 82-97 Boch. 30 493 91-104 Dtm. 100 1052 81-103 Gelsk. 14 332 Hagen 16 225 85-103 Recklh. 12 204 75-92 88-103 87-101 96-106 83-97 92-105 95-98 80-100 86-96 80-97 84-97 Bullen -Preise 83-93 8182-95 8688-95 9582-96 8585-94 9284-97 9074-82 8364-95 9275-92 3180-90 3580-92 8283-96 90Kühe Färsen Marktver!. 95 langsam 100 schlepp. 104 95 ruhig 102 langsam 104 96 102 100 schlecht 96 langsam 98 schlepp. 101 Schweine Ub Die Stufen der Mieterhöhung die der neue Regierungsentwurf vorsieht, betreffen fünf von den 6,6 Millionen Mietwohnungen, die vor der Währungsreform bezogen wurden. Im Gegensatz zum früheren Plan soll die Mieterhöhung nicht schematisch nach dem Baualter, sondern nach der Ausstattung der Wohnung erfolgen. So kommt es, daß die unterste Stufe der Mieterhöhung für mehr als drei Viertel aller betroffenen Wohnungen gelten soll, aber auch nur dann, wenn der Zustand der Wohnung nicht den Wohnwert beeinträchtigt. Ort Aachen Duisburg Düsseld. Essen Köln M.Gladb. Wuppert. Bochum Dortmund Gelsenk. Hagen Recklingh. Auftr 150 kg u mehr a-Preis Sauen 100—119 5 G 1 u G2 c-Preis Marktverl — 1574 — 2197 14 3203 — 3103 — 4788 — 1082 — 2969 — 2558 — 2772 — 1470 — 659 — 774 139-142 138135139-142 135138-142 135139-142 138141-143 140138-142 132139-141 138134-140 131135-140 134137-140 135139-142 137142 120-130 140 122-128 142 128-132 141 123-130 142 125-132 143 125-133 142 120-130 141 120-130 140 115-130 138 120-130 140 122-130 142 123-130 mittel langsam flott mittel flott flott mittel lebhaft mittel mittel ruhig flott wicklung der Bautätigkeit. Das Bauvolumen hat im August mit 223 Prozent des Monatsdurchschnitts von 1936 einen neuen Höchststand erreicht, der den Stand vom August des vorigen Jahres um neun Prozent übertrifft. Bei günstiger Witterung rechnet die BdL damit, daß die fünfhunderttausend Wohnungen, die im Spätsommer dieses Jahres im Bau begriffen waren, größtenteils bis Ende dieses Jahres fertiggestellt werden. Trotzdem werde wiederum ein erheblicher Bauüberhang bleiben. Die Bauwirtschaft sei sehr bemüht, nach Möglichkeit auch die Wintersaison auszunutzen, da die Bewältigung der großen Bauprogramme allmählich stärker an die Grenzen der mobilisierbaren Arbeitskraftreserven stoße. Dei Blenenstand im Öktober Winterfüttereung Anfanz Oktober abschilenen— Mangel-Probe Krelsauswahl Olpe gegen Hagen Kurzberichte aus dem Kreise Olpe rais Olne Die Auswahlmannschaft des Kreis Olpe. In diesem Monat zieht im Bienenstand Ruhe ein. Die Winterfütterung soll bis spätestens zu Beginn diese Monats beendet sein. Um sicher zu gehen, daß die Völker auch keinen Mangel haben, können wir ihnen, falls noch Futter vorhanden sein sollte, noch einmal ein Gefäß voll geben. Bei Blenenständen, die nah der Imkerwohnung stehen, ist warme Fütterung möglich und anzuraten. Allerdings muß man dabei beachten, daß es jetzt, wo die Völker sich wegen der kälteren Nächte schon mehr zusammengezogen haben, nicht mehr genügt, die Futtergefäße einfach unter die lezten Waben zu schieben. Diese sind nämlich meist nicht mehr besetzt und so würde das Futter nur noch zum Teil angenommen. Man muß also das Futter möglichst nahe an die Bienen heranbringen. Die Immen nehmen die Lösung lieber auf, wenn ihr Bienentee zugesetzt ist. Fachleute empfehlen eine Mischung von Schafgarbe, Zironenmelisse, Poleiminze Wermut, Kamille und Apfelsinenschalen Hier sei auch erwähnt, daß in der letzten Zeit bei der Herbstfütterung die Lösung im Verhältnis 1:1 immer mehr durch Futterlösungen verdrängt wird, die ein Mischungsverhältnis von 2:3 oder 1:2 aufweisen. Allerdings sind die Meinungen der Imker darüber noch geteilt. Während manche im Prinzip für ein Verhältnis von 1:1 eintreten und dabei geltend machen, daß der Nektar, den die Bienen eintragen, ja auch großenteils wesentlich dünnflüssiger ist als 1:1, finden andere, daß Völker mit einer Winterfütterung von 1:2 später mehr Vorräte besitzen als die im erstgenannten Verhältnis aufgefütterten. Dieses hat seinen Grund darin, daß die Bienen die Zuckerlösungen eindicken. Sie können die durch diesen Verdunstungsprozeß entstehende Arbeit aber nur leisten, wenn ihnen die entsprechende Nahrungsmenge zur Verfügung steht. Da aber bei einem Lösungs-verhältnis von 1:1 mehr Wasser zu verdunsten bleibt als bei 2:3 oder 2:1, so wird naturgemäß auch mehr von dem Vorrat verbraucht. Allerdings darf man nicht übersehen, daß die Bienen flugunfähig werden, wenn warme 1:2Lösung auf ihren Körper gelangt, denn diese starkkonzentrierte Lösung kristallisiert schnell aus. Außerdem wurde auch schon die Vermutung ausgesprochen, daß Völker bei starkkonzentrierter Futterlösung wahrscheinlich anfälliger gegen die Nosema sind als solche bei schwacher Lösung. Man versucht dieses dadurch zu begründen, daß die Einfütterung von 1:1 an die Bienen beim Ausscheiden des Wasser größere Anforderungen stellt als bei 1:2. Durch diese Abnutzung würden daher viele Bienen verbraucht, die andernfalls als Krankheitsträger überwintern könnten. TA Kreis Olpe. Die Auswahlmannschaft des Kreises Olpe tritt am Buß- und Bettag, 17. November, im Kampf um den westf. Kreispokal gegen die Auswahlmannschaft des Kreises Hagen an. Das Spiel wird auf einem durch den Kreiswart zu bestimmenden Platz innerhalb des Kreises Olpe ausgetragen. Für Obervelschede verloren Kreis Olpe. Das am 19 September in Finnentrop mit erheblicher Verspätung angepfiffene Meisterschaftsspiel Finnentrop gegen Oberveischede, das beim Stande von 4:2 wegen Dunkelheit abgebrochen werden mußte, wurde jetzt durch eine Entscheidung des Staffelleiters bei einer Torwertung von 0:0 für Oberveischede als verloren erklärt. Ausschuß für Verdingungswesen Kreis Olpe. Der Bund Deutscher Architekten(BDA)— Bezirksgruppe Arnsberg — hat auf Wunsch des Ausschusses für das Verdingungswesen der Kammer selnen 1. Vorsitzenden, den Architekten Struzyna, Meschede, in den Ausschuß entsandt. Standesamt Drolshagen Drolshagen. Das Standesamt Drolshagen rgistrierte in der Zeit vom 1. bis 30. September 1954 folgende Personenstandsfälle. Geburten: Josef Pfeifer, Hützemert (Tochter); Eduard Radke, Essinghausen (Tochter); Josef Stahlhacke, Sengenau (Tochter); Alfons Stamm, Hützemert (Sohn); Hermann Schürholz, Vor der Scheibe(Tochter); Johannes Dickhaus, Bleche(Sohn); Josef Menne, Herpel(Tochter); Max Dersch, Sengenau(Tochter); Karl Müller, Gerberstr. 12(Tochter); Walter Lütticke, Essinghausen(Tochter).— Sterbefälle: Peter Ackerschott, Herpel(36 J., Kriegssterbefall); Wilhelm Bieker, Schützenbruch(84 J.); Maria Regina Dörner geb. Greve, Brink(79 J.); Karolina Kern, Gerberstr. 29(70 J.); Josefa Valpertz geb. Heße, Benolpe(77 J.); Maria Feldmann geb. Ziegeweidt, Wegeringhausen Nr. 23(69 J.); Fritz Hennig, Köbbinghausen Nr. 1(72 J.); Maria Jabelonski geb. Kamp Gelslingen Nr. 7(82 J.). Umbildung der Handwerksorganisation Kreis Olpe. Die Handwerkskammer Arnsberg macht bekannt, daß die bis zum 30. September 1954 durchzuführende Umbildung der Handwerksorganisation des Bezirks nach den Bestimmungen der Handwerksordnung vom 17. September 1953 ordnungs- und fristgemäß durchgeführt ist. Die acht Kreishandwerkerschaften des Bezirks und 209 Innungen haben die neuen Satzungen von der Handwerkskammer genehmigt erhalten. Lehr- und Unterrichtsfach„Schweißen“ Kreis Olpe. Die Vollversammlung der Handwerkskammer Arnsberg hat am 24 September 1954 eine Entschließung gefaßt, in der sie auf die wachsende Bedeutung des Schweißens für die metallverarbeitenden Handwerkszweige nachdrücklichst hinweist. Sie macht es den Gesellen- und Meisterprüfungsausschüssen dieser Handwerkszweige zur unbedingten Pflicht, das Fach„Schweißen“ regelmäßig und gründlich zu prüfen. Die Innungen sind gehalten, sich für die Beschickung der in dem Schweißlehrzug des Westdeutschen Handwerkskammertages abgehaltenen Lehrgäsge intensiv einzusetzen, sofern nicht in den Betrieben eigene Einrichtungen zur Ausbildung der Lehrlinge im Schweißen vorhanden sind. Rothemühle. Die Straße zum Vahlberg, welche sich schon lange in einem äußerst schlechten Zustand befand, wird jetzt mit einer Teerdecke versehen, welches von allen Anliegern sehr begrüßt wird. Die Arbeiten werden von der Firma A. Sieler. Gerlingen, ausgeführt. Bilstein. Gefunden wurden eine Regenschirmhülle und ein Damentäschchen. Die Verlierer können sich im Gemeindebüro melden. Bilstein. Das Bilsteiner Standesamt registrierte im Monat September nur eine Geburt, eine Eheschließung und einen Sterbefall. Maumke. Die Grevenbrücker Gemeindevertreter wollen am kommenden Freitag in einer Sitzung der Gemeindevertretung, die um 17 Uhr in der Gastwirtschaft Erwes stattfindet, den ehrenamtlichen Gemeindedirektor und seinen Stellvertreter wählen. Außerdem sollen Fragen der Wasserversorgung besprochen werden. Teilbebauungsplan in Hofolpe Hofolpe. In der letzten Gemeinderatssitzung wurde der Teilbebauungsplan in Hofolpe besprochen, dem die Erschließung eines gemeindeeigenen Geländes im Anschluß an die Siedlung II zugrundeliegt. Die Firma Grünewald beabsichtigt, dort etwa weitere zehn Wohnhäuser zu errichten. Der Gemeinderat suimmte für den Bebauungsplan und den Erlaß einer Polizeiverordnung. Wasserleitungsarbeiten vergeben Altenhundem. Seit langem schon war der Beschluß gefaßt, die Wasserleitung in Altenhundem vom Hochbehälter im Birkey bis Hochstraße zu erneuern, um vor allem die höhergelegenen Teile mit dem notwendigen Wasser versorgen zu können. Die Ausschreibung der Arbeiten ist inzwischen erfolgt. Die Erdarbeiten(2280 DM) wurden der Firma Feldhaus in Schmallenberg und die Rohrverlegungsarbeiten(auch Rohrlieferung) der Firma Henrichs in Kirchhundem übertragen. Kickenbach. Drei Anlieger aus Kickenbach hatten den Anschluß an die Wasserleitung beantragt. Die Angelegenheit kam in der letzten Gemeinderatssitzung zur Sprache und der Beschluß wurde gefaßt, die Anträge vorerst zurückzustellen, da keine Mittel vorhanden sind. Frohes Erntedankfest Langenei. Es war kein schlechter Gedanke des Schützenvereins LangeneiKickenbach. die Regie für das diesjährige Erntedankfest zu übernehmen; und so sah die Schützenhalle am Sonntagnachmittag und am Abend eine frohbewegte Festgemeinschaft. Für Musik und Stimmung sorgten in bester Weise die“Rhythmiker“. Würdig umrahmt wurde die Veranstaltung von Reigen- und Volkstanzdarbietungen der Turnerinnen. Beim Erntetanz gab es viel Betrieb und eine frohgestimmte Festgemeinschaft. wenn Sie die neuartige, in mehreren Staaten patentierte Kukident-Haft-Creme benutzen. Sie können onne Beschwerden sprechen, lachen und singen, außerdem Brötchen, Apfel und sogar zahes Fleisch essen, wenn Sle die Kukident-Haft-Creme richtig anwenden. Origlnal-Tube 1.80 DM. Kukident-Haft-Pulver In der praktischen Blech-Streudose 1.50 DM. 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Eintrittspreise: DM 1,20, DM 1,50, DM 2,00. Parkplatz für Omnibusse, Pkw, Motorräder, Fahrräder an der alten Gasolin-Tankstelle, 30 m (links) vom Theater entfernt! 837 Nochdrud vrbolen KÖIN. SCHIIDERGASSE 60-68