Sauerländisches Voltsblatt Altester Anzeiger des Sauerlandes+ Über 100 Jahre Heimat- und Kreisblatt im Kreise Olpe Druck u. Verlag: VERLAGSANSTALT F. X. RUEGENBERG OLPE Anzeigen-Grundpreise: im Anzeigenteil 8 Pfg. für 1 mm Höhe in der Kleinspalte(22 mm breit); im Texttell 30 Pag. tur 1 mm Höhe in der Textspalte(62 mm breit). Man fordere Preisliste Nr. 4. Bel Zwangsvergleich oder in Konkursfällen wird jeder Rabatt hinfällig Gerichtsstond ist Olpe 1. Westr TAGESZEITUNG für Politik, Unterhaltung und Belehrung Verantwortlicher Schriftleiter: PAUL ROBERT ROEDER OLPE Das„S. V.“ erscheint täglich(außer sonntags). Monatlicher Bezugspreis: DM 3,50 einschließlich Zustellgeld, bel Postbeziehern DM 3.54 Incl. Postbestellgebühren, bei Abholung in unserer Geschäftsstelle DM 3.—, Geschöftsstelle: Olpe, Frankfurter Straße 16, Fernruf 241 und 242. Verlagspostamt: Olpe l. Westf 119. Jahrgang— Nr. 153 Dienstag, den 6. Juli 1954 Einzelverkaufspreis 15 Pf „Wegen dringender Dienstgeschäfte“ Francois-Poncetbrachte Absage de Beaumonts Dr. Adenauer nach wie vor zu einem Gespräch bereit Bonn.(dpa) Der französische Hochkommissar, Botschafter FrancoisPoncet. hat Bundeskanzler Dr. Adenauer gestern schriftlich mitgeteilt, daß der Staatssekretär im französischen Außenministerium, de Beaumont, wegen dringender Dienstgeschäfte seinen für heute vorgesehenen Besuch in Bonn verschieben musse. Francois-Poncet nennt keinen neuen Termin. Zu den jüngsten Erklärungen des Bundeskanzlers über die EVG wird in dem Brief nicht Stellung genommen. Der Bundeskanzler ist nach wie vor zu einem Gespräch mit einem Abgesandten der französischen Regierung bereit. Mit Genugtuung wurde gestern in Bonn aus der höflichen Mitteilung des französischen Hochkommissars, entnommen daß de Beaumont, nur wegen dringender Dienstgeschäfte seinen Besuch hat verschieben müssen. Befriedigt hat in Bonn ferner die Tatsache, daß von offizieller französischer Seite die jüngsten Erklärungen des Bundeskanzlers über die EVG nicht als Grund für den Aufschub der deutschfranzösischen Besprechungen genannt wurden. François-Poncet hat in seinem Schreiben, das gestern dem Kanzler zugestellt wurde, mit keinem Wort die AdenauerErklärung erwähnt. In Bonn wird erwartet, daß von französischer Seite jetzt zu einem spateren Besuch de Beaumonts Stellung genommen wird. Der französische Ministerpräsident Mendès-France empfing gestern nachmittag den französischen Hochkommissar François-Poncet zu einer längeren Aussprache. Anschließend begab sich der Regierungschef zum Präsidenten der Republik, Rene Coty. Von amtlicher Seite wurde jede Mitteilung über das Thema der Besprechung zwischen Mendès-France und Botschafter François-Poncet abgelehnt. In politischen Kreisen gilt es jedoch als sicher, daß die letzten Erklärungen Dr. Adenauers zur EVG und der verschobene Bonn-Besuch des Staatssekretärs Guerin de Beaumont im Mittelpunkt der Besprechung standen. Mendes-France nach USA eingeladen Paris.(Korr.) Ministerpräsident Mendès-France erwägt eine Reise nach den USA, wurde gestern im französischen Außenministerium mitgeteilt. Ein Termin stehe jedoch noch nicht fest. Die„New York Times“ hatte aus Paris gemeldet, daß Mendès-France eine Einladung Eisenhowers angenommen habe. Bis zum 20. Juli wird Mendès-France mit dem Indochina-Problem, seinem Wirtschaftsprogramm und EVG-Fragen beschäftigt sein. Es erscheint darum im Augenblick unmoglich, seine Reisepläne festzulegen. Frau Pandit in London London.(Korr.)„Es hat kürzlich Rückschläge gegeben, aber der Wille zum Frieden ist vorhanden“, sagte die weißhaarige Präsidentin der UNO-Vollversammlung, Frau Vijaya Lakshmi Pandit, gestern in London. Sie traf zu einem offiziellen einwöchigen Besuch ein. Im Laufe der Woche wird Frau Pandit, die Schwester des indischen Ministerpräsidenten Nehru, auch von Königin Elizabeth II. in Audienz empfangen. ZU FUSS DURCH DEN FEHMARN-BELT Der dänische Ingenieur Jan Uhre durchwanderte am Sonnabend den etwa 18 Kilometer breiten Fehmarn-Belt zwischen der dänischen Insel Laaland und dem Strand von Marienleuchte im Norden der Insel Fehmarn im Schlepp seines zehn Tonnen großen Versuchsschiffes. Uhre ging am Sonnabend gegen 7.30 Uhr vor der Hafenstadt Rodby ins Wasser und tauchte gegen 11.30 Uhr müde, aber durchaus nicht abgekämpft bei Marienleuchte wieder auf(unser Bild). Uhre, der mit einem Kleintauchgerät ausgerüstet war, erklärte, daß„der Marsch recht langweilig gewesen sei“, da er durch keine Hindernisse aufgehalten wurde und vier Stunden völlig allein gewesen sei. Begeisterter Empfang für die Fußballelf Jubel und Sprechchöre auf allen Grenzbahnhöfen Konstanz.(dpa) Tausende von Fußballbegeisterten umsäumten gestern in den frühen Nachmittagsstunden die Bahnhöfe im Gebiet des Bodensees, durch die der Zug mit der deutschen Fußball-Weitmeisterelf fuhr. Groß und klein waren aufgebrochen, um die Mannschaft zu sehen, die für Deutschland den Weltmeistertitel errang. Man hatte erSparguthaben von Vertriebenen frei Ab 1. September 20 Prozent des Reichsmarknennbetrages— Nochmals 100 Mill. DM Aufbaudarlehen Bonn.(dpa) Die Altsparguthaben von Heimatvertriebenen werden vom 1. September an in Höhe von 20 Prozent des Reichsmarknennbetrages ohne Einschränkung freigegeben. Der Kontrollausschuß beim Bundesausgleichsamt stimmte gestern in Bonn behörde zu. einer entsprechenden Weisung der Obersten LastenausgleichsDie Guthaben der Vertriebenen waren im vergangenen Jahr zunächst in Höhe von 6,5 Prozent des Reichsmarknennbetrages ausgezahlt oder in D-Mark-Guthaben umgewandelt worden. Später gingen die Geldinstitute dazu über, nach Maßgabe des Altsparergesetzes die restlichen 13,5 Prozent im Wege der Vorfinanzierung aufzuwerten. Jedoch wurden im allgemeinen nur nochmals einhundert Mark ausgezahlt oder in D-Mark-Guthaben umgewandelt. Mit 145 Millionen Mark aus dem Lastenausgleichsfonds sollen die Geld-Institute jetzt in die Lage versetzt werden, die zwanzigprozentige Aufwertung der Vertriebenenguthaben in vollem Umfang vorzunehmen. Sie werden ihrerseits allerdings weitere Vorflnanzierungsgelder für diese Maßnahme bereitstellen. Außerdem besteht begründete Aussicht, daß die Banken auch die Aufwertung der Guthaben der übrigen Altsparer jetzt in voller Höhe vorfinanzieren. Im 100-km-Tempo über die Grenze Bei Saint Peray jetzt 35 Tote— Truman außer Gefahr Im Hunderkilometer-Tempo jagte ein jugoslawischer Flüchtling mit einem Lastwagen über die jugoslawisch-österreichische Grenze in der Steiermark. Er erhielt in Österreich Asyl als politischer Flüchtling. Die Zahl der Todesopfer der Eisenbahnkatastrophe der Saint-Peray hat sich auf 35 erhöht. Expräsident Truman, dessen Zustand sich nach einer Gallenblasen- und Blinddarmoperation bedenklich verschlechtert hatte, ist außer Gefahr. Marschall Papagos, der griechische Regierungschef, und seine Begleiter besuchten gestern die Niederschachtofenversuchsanlage der Demag- Humboldt- Niederschachtofen-GmbH in Köln-Kalk. Bundespräsident Heuß empfing gestern den Präsidenten des indonesischen Parlaments, Dr. Sartono, der sich auf einer Reise durch Europa befindet. Für Förderung der deutsch-türkischen Beziehungen überreichte der deutsche Botschafter in der Türkei mehreren türkischen Politikern hohe deutsche Auszeichnungen. Papst Pius XII. wird den deutschen Botschafter beim Vatikan in etwa zehn Tagen offiziell empfangen. König Gustaf Adolf von Schweden und Königin Luise flogen nach ihrem Staatsbesuch in Großbritannien gestern nach Stockholm zurück. In Anwesenheit der holländischen Königin begannen in Dokkum, wo Bonifatius den Märtyrertod erlitt, die holländischen Bonifatiusfeiern. Schon an den Tagen vorher hatten sich Tausende Pilger aus Holland, Deutschland und anderen Ländern in Dokkum eingefunden. Die Informationsabteilung der amerikanischen Regierung will ein besonderes Büro errichten, dessen Aufgabe es sein wird, verschiedenen Vorstellungen über die USA in der Welt entgegenzutreten. Die provisorische Regierung Guatemalas gao bekannt, daß alle Aufstände in den verschiedensten Teilen des Landes niedergeschlagen seien und überall Ruhe und Ordnung hersche. Mehrere rumänische Zionistenführer wurden nach einer Meldung des israellschen Rundfunks Ende Juni in Bukarest aus der Haft entlassen. Die Regierung von Ostbengalen(Ostpakistan) hat gestern die kommunistische Partei verboten. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Wenzel, Präsident der Deutschen Friedensgesellschaft, wandte sich gegen die Behauptung, daß die Gesellschaft kommunistisch verseucht sei und Gelder aus der Sowjetzone beziehe. Der Kontrollausschuß beschloß außerdem, im Vorgriff auf die Annahmen des Lastenausgleichsfonds im Rechnungsjahr 1955 nochmais 100 Millionen D-Mark Aufbaudarlehen für den Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen. Diese Aufbaudarlehen dienen zur Restfinanzierung des sozialen Wohnungsbaues und gelten als Ersatz oder Ergänzung von Mieterdarlehen oder Arbeitgeberdarlehen. Außerdem bewilligte der Kontrollausschuß zusätzlich 66 Millionen Mark für die Wohnraumhilfe, die damit im laufenden Baujahr 456 Millionen Mark beträgt. Wohnraumhilfe wird den Ländern zur nachstelligen Finanzierung des sozialen Wohnungsbaus zur Verfügung gestellt. Tilgung von Darlehen wird ausgesetzt Die Tilgung gewerblicher Existenzaufbaudarlehen, die auf Grund des Soforthilfegesetzes bewilligt wurden, wird nach einem Beschluß des Kontrollausschusses für die Zeit vom 1. Juli dieses Jahres bis Ende nächsten Jahres ausgesetzt. Diese Maßnahme kommt etwa 124 000 Darlehensschuldnern zugute. Die Darlehen sollen später auf die Hauptentschädigung angerechnet werden. Der Zinssatz für Arbeitsplatzdarlehen nach dem Lastenausgleichsgesetz und für Gemeinschaftshilfedarlehen zur Schaffung von Dauerarbeitsplätzen nach dem Soforthilfegesetz ist mit Wirkung vom 1. Juli an von jährlich fünf Prozent auf jährlich vier Prozent herabgesetzt worden. Strauß: Kreuzzug ist Wahnsinn Würzburg.(dpa)„Der- weg zurück in den deutschen Östen führt über Paris“, sagte Bundesminister Franz Jos. Strauß auf einem deutsch-baltischen Delegiertentag in Würzburg. Der Minister wandte sich mit scharfen Worten gegen den „Aberglauben des souveränen Nationalstaates". Kulturelle Autonomie in politischer Föderation müsse das Ziel gegenwärtiger Politik sein.„Alle Kreuzzugsvorstellungen gegenüber dem Östen sind entweder Wahnsinn oder Verbrechen“, fügte Strauß hinzu.„Es geht um politische, nicht um militärische Lösungen. Wir leben angesichte der Gefahr eines Atomkrieges im Zeitalter solcher politischen Lösungen.“ fahren, daß der Triebwagen am Nachmittag gegen 17 Uhr in Schaffhausen abfahren würde. Gleich hinter der Grenze begann daher um diese Zeit die Wanderung an die Bahn, um die Fußballer entweder auf dem Bahnhof sehen oder ihnen wenigstens an der Strecke zuwinken zu können. In Konstanz mußte die vorgesehene Begrüßungsrede ausfallen, weil eine vieltausendköpfige Menge in den Bahnhof einbrach und jede Feierlichkeit unmöglich machte. Uberall bat man die Spieler um Autogramme. Auf vielen Stationen wurden sie in Sprechchören ans Fenster gerufen. Bundestrainer Herberger und Fritz Walter sagten, sie seien noch fast in einem Traumzustand und könnten es noch gar nicht fassen, dais die deutsche Mannschaft die Weltmeisterschaft errungen hat.(Weitere Meldungen im Sportteil). Keine Souveränität ohne Bindung an den Westen Washington.(dpa) Das USA-Außenministerium erklärte gestern, die Bundesrepublik werde versprechen müssen, von einer Wiederaufrüstung abzusehen, bevor die USA und Großbritannien Deutschland in die westliche Verteidigungsplanung gegliedert haben. In Washington wurde betont, weder Großbritannien noch die USA würden in dieser Richtung irgendwelche Schritte unternehmen, bevor bekannt ist, ob Frankreich zur Ratifizierung des EVG-Vertrages vor der Sommerpause des Parlaments bereit ist. Großbritannien und die USA hofften immer noch, daß Frankreich dem EVGVertrag im Sommer zustimmen wird, so daß ein wiederbewaffnetes Deutschland unter Kontrolle der EVG militärisch auf der Seite des Westens stehen kann. In Washington wird anerkannt, daß in Frankreich und in anderen europäischen Staaten immer noch Furcht vor dem deutschen Militarismus besteht. Deshalb erwarte man, daß alle Maßnahmen zur Herstellung der Souveränität der Bundesrepublik von einer Verpflichtung begleitet sein würden, daß die deutsche Regierung diese Freiheit nicht zu einer Wiederbewaffnung ohne alliierte Zustimmung benutzt. Todesurteil bestätigt Ottawa.(Reuter) Ein kanadisches Berufungsgericht in Ottawa bestätigte gestern das Mitte März von einem kanadischen Gericht in Deilinghofen (Landkreis Iserlohn) vernangte Todesurteil gegen den 22 Jahre alten kanadischen Soldaten George Mitchell. Mitchell war schuldig befunden worden, im Dezember vorigen Jahres die 56 Jahre alte Witwe Elisabeth Sieling in Iserlohn auf der Straße hinterrücks überfallen, mit zehn Messerstichen getotet und beraubt zu haben. Die Entscheidung des Gerichts wurde einstimmig getroffen. Mitchell hat jetzt keine Berufungsmöglichkeit menr. USA liefern Chinesen aus Chikago.(Reuter) Der 25jährige nationalchinesische Marineoffizier Hsuan Yei, der in den USA als politischer Flüchtling Asyl gesucht hatte, ist nach Formosa deportiert worden. Yei war 1952 zu einem Ausbildungskursus nach den USA gekommen. Er verließ seine Einheit und beantragte politisches Asyl. Er wurde in einem Vorort von Chikago verhaftet, nachdem die nationalchinesische Regierung seine Auslieferung als Deserteur verlangt hatte. Yei wird auf Formosa mit Sicherheit hingerichter. Verwundeten-Austausch in Indochina Erstes Ergebnis der Verhandlungen in Trung Gia Paris.(Korr.) Vertreter der Oberkommandos Frankreichs und des Vietminh, die gestern in Trung Gia zu einer ersten Arbeitssitzung zusammentraten, haben sich daraur geeinigt, daß der Austausch verwundeter und kranker Kriegsgefangener beider Seiten am 14. Juli beginnen soll. Wie aus einem gemeinsamen Kommuniqué hervorgeht, haben die Delegierten gestern über die grundsätzlichen und die technischen Probleme der Repatriierung verwundeter und kranker Kriegsgefangener gesprochen. Bei den Verhandlungen in Trung Gia, das vierzig Kilometer nördlich von Hanoi liegt, sollen konkrete Pläne für eine Waffenstillstandsregelung in Indochina ausgearbeite werden. Außer dem Kriegsgefangenenproblem stehen dabei die Festlegung von Demarkationslinien und Umgruppierungszonen und die Bildung einer gemeinsmen Waffenstillstandskommission zur Debatte Überschwemmungen in Japan und Indien Zahlreiche Menschen getötet, verletzt und obdachlos- Hochwasser in Wien Hamburg.(dpa) Wolkenbrüche verursachten große Überschwemmungen in Japan und Indien. In Japan kamen auf der Insel Honshu 31 Menschen ums Leben, als Regenstürme die Flüsse anschwellen und über die Ufer treten ließen. 20 Personen wurden verletzt und mehr als 15 000 Häuser überschwemmt. Die meisten Todesfälle wurden durch Erdrutsche verursacht, weil die leichtgebauten Häuser den Erdmassen nicht standhielten. Im südlichen Teil von Honshu wurde eine neunköpfige Familie getötet, als ein Erdrutsch ihr Haus zertrümmerte. In Indien wurden etwa 180 000 Menschen obdachlos, als der„Schmerzensfluß“ in Staate Bihar über die Ufer trat und Anbauflächen überschwemmte. In vielen Gebieten ist der Verkehr nur noch in Booten möglich. Zahlreiche Reisund Maisernten wurden fortgespült. Auch in Österreich ertranken am Wochenende z wei Personen, als Wolkenbrüche in Ober- und Niederösterreich Überflutungen verursachten. Auf der Donau erreichte eine Hochwasserwelle Wien und überflutete mit großer Geschwindigkeit die Ufer. Zahlreiche Badegäste in den Donau-Auen mußten mit Booten und hochrädrigen Lastwagen in Sicherheit gebracht werden, nachdem die Flutwelle sie vom Donau-Ufer apgescnnitten hatte. Wie wied das Wetter? Weiterbin unbeständig Ein Tiefdruckgebiet über der Nordsee füllt sich auf, bleibt aber für Westdeutschland wetterbestimmend. Vorhersage für Dienstag: Mäßige Winde aus Südwest bis West. Wechselnd wolkig und besonders nachmittags Schauer. Unverändert kuhl. Weitere Aussichten: Anderung. Wenig Indonesische Abordnung in Den Haag Die Meinung der anderen: Indonesien ein zweites Guatemala? Washington sperrt die Dollarhilfe— Unionsvertrag mit den Niederlanden soll aufgehoben werden Wird Indonesien den Unionsvertrag mit den Niederlanden aufkündigen? Das rist die Frage, die alle Holländer bewegt, seitdem eine indonesische Abordnung in Den Haag eingetroffen ist, um„in Frieden und Freundschaft“ zu versuchen, das „nicht mehr zeitgremäße Statut“ durch normale diplomatische Beziehungen zu ersetzen. Die hollandfeindlliche Stimmung in Indonesien hat sich in den letzten Wochen so verschärft, daß man in den Niederlanden kaum noch Hoffnung hat, die Union aufrechterhalten zu können. Politische Allergie O. H. D. In der Medizin spielt der Begriff der Allergie eine große Rolle. Unliebsame Reaktionen beim Genuß von Erdbeeren, Krebsen oder anderer Lebensmittel gehören ebenso zur Allergie wie böse Zwischenfälle nach der wiederholten Einspritzung von Medikamenten, beispielsweise von Diphtherie-Serum. Wir betonen: Die gefürchteten Ereignisse treten nicht bei der ersten, sondern erst bei der zweiten oder nachfolgenden Injektion auf. Die Erklärung ist einfach: Nach der ersten Einspritzung bildet der Organismus Gegenkörper gegen das ihm fremde Serum. Diese„Antikörper“ rufen bei der nachfolgenden Injektion eine unter Umständen tödliche Reaktion hervor. Bekannt ist, daß man deshalb bei wiederholten Serumspritzen nie das Blutwasser des gleichen Tieres benützt. Weshalb wir dies erzählen? Nun, das deutsche Volk hat im„Tausendjährigen Reich“ derart viele Injektionen bekommen, daß es gegen verschiedene Dinge überempfindlich geworden ist. So beispielsweise gegen Gestapo-Methoden oder gegen irgendwelche Versuche der„Presselenkung“. Die einhellige Abwehr aller Versuche, die auch nur entfernt mit staatlichen Eingriffen in die persönliche oder Pressefreiheit eine Ähnlichkeit haben, ist typische allergische Reaktion. Herr Dr. Lenz hat dies erst kürzlich mit seinem Koordinierungsausschuß erfahren. Daß dann ungeschickte Politiker auch noch versuchten, deutsche Journalisten, die sich gegen eine undemokratische Knebelung der Pressefreiheit auflehnten, bei ihren Verlagen„madig“ zu machen und ihre Entlassung durchzusetzen, machte die Angelegenheit nur noch schlimmer. Der offene Staatsterror gegen die Meinungsfreiheit ist schlimm, viel schlimmer jedoch die heimliche Untergrabung der Existenz eines Zeitungskorrespondenten, der in voller Verantwortung vor seinem Gewissen das tat, wozu er sich verpflichtet fühlte. Allergisch ist die deutsche Öffentlichkeit auch gegen verschiedene Mißgriffe der Verfassungsämter. Es ist reichlich bezeichnend, daß sich letzte Woche deutsche Jungdemokraten in Düsseldorf darüber beschweren mußten, sie würden vom Verfassungsschutzamt bespitzelt. Unter denjenigen, die die besondere Aufmerksamkeit der politischen Polizei fanden, befindet sich sogar ein Landtagsabgeordneter. Man muß dem Tübinger Staatsrechtler Eschenburg zustimmen, wenn er kürzlich betont hat, daß es nicht Aufgabe der Ämter für Verfassungsschutz sein könne, bekannte Politiker, die auf dem Boden der Demokratie stünden, zu kontrollieren und zu überwachen. Hervorgerufen wurde diese Äußerung durch die Beschwerden des ehemaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, des FDP-Bundestagsabgeordneten Dr. Reinhold Maier. Was sich da die Bonner Stellen geleistet haben, geht wirklich über das erlaubte Maß hinaus, zumal die Informationen des Verfassungsschutzamtes zu allem Unglück noch falsch waren. Leider muß festgestellt werden, daß in der Vergangenheit schon Menschen auf Grund von dubiosen Angaben der Verfassungsschutzämter brotlos gemacht wurden, wobei die Betroffenen nicht einmal die Möglichkeit hatten, sich zu wehren, da diese Zuträgereien als„geheim“ gelten. In anderen Fällen erhielten Personen keine Visen für Reisen nach den USA, weil ein Verfassungsschutzamt nachteilige Informationen an die Amerikaner gab. Gewiß verkennen wir die Notwendigkeit eines Verfassungsschutzes nicht, weil die Bundesrepublik heute mehr denn je von Agenten aus dem Östen überschwemmt wird. Aber es sollte den Verfassungsschutzämtern verboten werden, sich als geheime Auskunfteien zu etablieren und unter Umständen mit ungenügend nachgeprüften Informationen an alle möglichen Stellen die Existenz ehrbarer Bürger zu vernichten. So etwas ist kein Verfassungsschutz, sondern untergräbt die Wirksamkeit der feierlichen Versprechungen des Grundgesetzes über die persönliche Freiheit. Große Beachtung finden auch die Nachrichten aus Washington, wo man mit größter Öffenheit erklärt, die Entwicklung der Lage in Indonesien lasse gewisse Parallelen mit Guatemala zu. Sprengstoff Neuguinea Präsident Sukarno, einst die große Hoffnung der Amerikaner, hatte die Neutralität Indonesiens nach außen hin wohl noch aufrecht, doch sei kein Zweifel daran, daß er mit den Kommunisten liebäugle. Als erste Gegenmaßnahme habe das Weiße Haus beschlossen, für Indonesien kein festes Dollar-Hilfsprogramm mehr aufzustellen. Es sollen nur noch kleine Zuschüsse geleistet werden, bis klar sei, ob aus dem bisherigen Bundesgenossen „eine gefährliche Quelle von Schwierigkeiten“ wird. Den meisten Sprengstoff in den kommenden Verhandlungen wird wiederum die Neuguinea-Frage enthalten. Die zweitgrößte Insel der Welt gehört zu einem Teil den Niederländern zur anderen den Australiern, die seit 1901 das britische Papualand und seit 1918 auch Deutsch-Neuguinea als Mandat der UNO verwalten. Indonesien verlangt seit Jahren, daß ihm auch Niederländisch-Neuguinea zugesprochen wird. In Den Haag wurde diese Forderung schon mehrfach kategorisch apgelehnt. Auch in den kommenden Verhandlungen sollen der indonesischen Abordnung in diesem Punkt keine Zugeständnisse gemacht werden. Die niederländische Regierung stimmt in dieser Hinsicht mit den Australiern überein, die es nicht zulassen wollen, daß die strategisch so wichtige Insel zu einem Teil in die Hand von„unsicheren Kantonisten“ kommt. Holländische Wirtschaft in Gefahr Wird der Unionsvertrag aufgehoben, wozu das niederländische Parlament mit Zweidrittelmehrheit seine Zustimmung geben muß, dann sind auch die Handelsverträge hinfällig. die 1949 im Rahmen des Unionsvertrages abgeschlossen wurden. Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern sind noch außerordentlich umfangreich. Indonesiens Ausfuhr nach Europa geht zu zwei Dritteln nach Holland. während umgekehrt die Niederländer zu einem Drittel an der Einfuhr Indonesiens aus Europa beteiligt sind. Wenn Indonesien auch die HandelsverTunis.(Reuter) Drei französische Bataillone trafen gestern in Tunis ein, um die Sicherheitsstreitkräfte Tunesiens zu verstärken. Die Lage in Tunesien war in letzter Zeit durch eine steigende Zahl von Überfällen und Attentaten gekennzeichnet. Die neuen Truppen marSchierten nach ihrer Ankunft durch die Araber-Viertel zu der Stelle, an der in der letzten Woche französische Polizisten erschossen worden waren. Die Kette der Terroraktionen in Tunesien reißt nicht ab. In der Nacht zum Montag wurde der als franzosenfreundlich bekannte Stadtrat Chedly Sfaxi in einer Vorstadt von Tunis durch zwei Schüsse in den Rücken getötet. Auf einem Steinhaufen in der Nähe von Kasserine(Zentraltunesien) wurde gestern der Kopf eines Tunesiers gefunden. Ein Terrorist träge kündigt, ist mit einer erheblichen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage Hollands zu rechnen. Moskau.(Reuter) Mit Atomkraft arbeitende Elektriztätswerke könnten jetzt bereits billigeren Kraftstrom erzeugen als die mit Kohlen oder Öl arbeitenden Kraftstationen, wurde gestern in Moskau erklärt. Balabanow, ein bekanntes Mitglied des Physikalischen Instituts der sowjetischen Akademie der Wissenschaften, sagte voraus, schon in naher Zukunft würden auch Schiffe, Eisenbahnen und Flugzeuge mit Atomkraft angetrieben werden. Diese Erklärungen folgten der Bekanntgabe vom Mittwoch, nach der das erste mit Atomkraft arbeitende Elektrizitätswerk der Bonn.(dpa) Seit der Bundestag im Jahre 1949 seine Tätigkeit aufgenommen hat, sind für Neu- und Umbauten am Bundeshaus 15950000 Mark ausgegeben worden. Auf einer Pressekonferenz in Bonn nannte Bundestagspräsident Dr. Ehlers gestern als Vergleich die Kosten für den Neubau des Auswärtigen Amtes, die sich auf 13,5 Millionen Mark stellen. Im Bundeshaus seien ständig weit über 1600 Personen tätig, während es im Auswärtigen Amt neunbundert Menschen seien, für die 737 Büroräume und siebzig Sonderräume zur Verfügung ständen. Zu den Plänen des Bundesrates, seinen Plenarsaal für rund 0,5 Millionen Mark umzubauen, erklärte Dr. Ehlers, daß Bauausschuß, Altestenrat und alle Fraktionen des Bundestages diesen Plan für nicht glücklich hielten. Wenn der Bundestag, der die Bundesratsräume gern dazu halen möchte, statt dessen den Südflügel des Bundeshauses um zwei Stockwerke vergrößern hatte seinen Namenszug auf dem Kopf hinterlassen. Saargebiet baut Riesensender Saarbrücken.(NP) Radio Saarbrücken hat höchst ehrgeizige Pläne. Bei Felsberg in der Nähe von Saarlouis soll Europas größte Sendeanlage entstehen, die alle Wellenlängen ausstrahlt. Ihr Kennzeichen sollen vier Sendetürme sein, zwei davon so hoch wie der Eiffelturm in Paris(300 Meter), die beiden anderen je 60 Meter. Der Mittelwellensender von Radio Saarbrücken soll von 20 auf 120 Kilowatt Antennenleistung gebracht werden. Ein Langwellensender, für Reklamesendungen gedacht, soll sogar mit 400 Kilowatt arbeiten. In Den Haag hofft man, diese Gefahr abwenden zu können, denn der Leiter der indonesischen Delegation, Außenminister Sunarjo, gilt ruhiger und verständnisvoller Verhandlungspartner. Vor allem will man erreichen, daß nicht noch weitere Niederländer aus Indonesien ausgewiesen und enteignet werden, womit größere finanzielle Verluste verbunden wären. Die Holländer sehen den kommenden Verhandlungen jedenfalls mit berechtigtem Pessimismus entgegen. Welt am 27. Juni in der Sowjetunion seine Tätigkeit aufgenommen habe. Balabanow sagte, daß schon wenigeGramm Uran für die Erzeugung von 5000 Kilowatt Kraftstrom ausreichen würden. Während die Versorgung einer Kraftstation mit gleicher Kapazität monatlich 30 Waggons Kohle erfordere, könne ein Flugzeug die Uranversorgung eines solchen Werks mit einer einzigen Ladung fürviele Jahre sicherstellen. Die Kohle- und Olreserven der Welt könnten in 300 Jahren erschöpft sein. Nach rohen Schätzungen reichten die Uranvorräte aber für viele tausend Jahre aus, um die Industrie mit Atomkraft arbeiten zu lassen. müßte, kostete das 2,3 Millionen Mark. Dazu kämen 0,5 Millionen für den Bau eines Mehrzwecksaales und die 0,5 Millionen für den Bundesratsplenarsaal. Ein vollig neues Bundesratsgebäude könnte dagegen für rund 4, 6 Millionen Mark gebaut werden. Der Bundestag könnte dann die Räume des Bundesrates beziehen und brauchte nicht aufzustocken und den jetzigen Bundesratsplenarsaal nicht wesentlich umzubauen. Düsseldorf.(dpa) Der FDP-Bundesvorsitzende Dr. Thomas Dehler hatte in einer Wahlrede gesagt, daß der nordrheinwestfälische Ministerpräsident Arnold wie ein„bayerisches Geselchtes“ sei, „außen schwarz— innen rot“. Arnold telegrafierte ihm:„Wie Sie wissen, pflegen mich Ihre Meinungsäußerungen zu erfreuen, auch wenn sie so absonderlich sind, wie Ihre köstliche Wahlparole:„Wer Adenauer will, wahlt FDP!' Um beurteilen zu können, ob Ihr neuerlicher Vergleich aus Farbenlehre und Lebensmittelbranche positiv oder negativ zu bewerten ist, wäre ich für Übersendung hier schwer beschaffbarer Kostprobe von bayerischem Geräucherten dankbar. Mit herzlichem Gruß Ihr Karl Arnold.“ Dehler erwiderte gestern telegrafisch: „Die bayerischen Bauern in der Freien Demokratischen Partei werden es sich zur Ehre anrechnen, Ihnen ein echtes bayerisches Geselchtes zu übersenden, das Ihren Geschmack, Ihren Geruch und Ihr Gesicht erfreuen und Sie zum Nachdenken über Schein und Wirklichkeit anregen wird. Mit freundlichen Grüßen Ihr Thomas Dehler.“ Wladimir Petrow sagt aus Melbourne.(Reuter) Der ehemalige dritte Sekretär der Sowjetbotschaft in Australien, Wladimir Petrow. berichtete gestern Verärgerung in Paris „Die Tat“ Die Züricher„Tat“ spriciit von einem„Schilag Adenauers mit dem Holzhammer. Der Kanzler spiele mit seinen Erklärungen va banque.„Man mag annelimen, daß er eine soldie Touart nidit angeschlagen hätte, wenn er sich nicht der amerikanischen und britischen Unterstützung gewiß wüßte. Er vertraut offensichtlich darauf, daß der augelsächsische Druck die Franzosen schließlich dodi in die EVG hineinpressen werde. Aber indem er auf seinem Schein, auf dem vollen Wortlaut der Vertrâge beharrt, tut er alles, um den EVG-Freunden in Fraukreich psychologisch-politisch den Boden unter den Füßen wegzuziehen. „Combat“ „Es ist juristisch richtig, daß wir nach dem Statut von 1949 nodi imner Herren unserer Besatzungszone sind, daß wir dort die Aufrüstung untersagen könnten und daß wir selbst unsere eigenen Besatzungsorgaue verstärken könnten. Aber der Anadironismus einer solchen Entwicklung springt in die Augen. Wenn wir uns rigoros an unsere Rechten hielten, dann würden sich in dem bereits vorhandenen Klima verheerende psydiologische Folgen entwickeln. lu Deutschland würde man nicht verfehlen, au Poincaré und die Rulirbesatzung zu erinnern." „Figaro“ Das persönlide Ausehen uud die politische Stellung des Bundeskanzlers sind eng mit dem Schicksal der EVG verflochten. Wenn diese fallen gelassen wird, wird sich der deutsche Regierungsdief gezwungen sehen, eine nationalistisde Haltung anzunelmen oder sich zurückzuzielen, um den Platz für neue Leute freizumadien, denen die EVG nidits sagt.“ Rückzug in Indochina „New York Herald Tribune“ lu der verwirrten militärischen Lage in Indochina ist nur das eine sidier, daß die französische Stellung mit alarmierender Geschwindigkeit zusammenschrumpft... Frankreich, Großbritannien und die USA verfolgen mit Uuruhe den Verlust freien Gebiets an die Kommunisten in ludochina, auf den vielleicht ein Waffenstillstand und anschließend eine Pause in der akuten Krise im Fernen Östen folgen. Wenn diese Beredinungen durdi die Weigerung der Kommunisten, ihre Gewinne zu begrenzen und die Unfähigkeit der Franzosen, an einem bestimten Puukt standzuhalten, über den Haufen geworfen werden, dann wird der Westen zu einer neuen, sdunerzlichen Überprüfung der ganzen Lage gezwungen sein." vor der königlichen Kommission in Melbourne, die mit der Untersuchung der von Petrow aufgedeckten Spionagefälle beauftragt wurde, über das komplizierte Spitzelsystem in der Sowjetbotschaft. Petrow hatte als Öffizier des Geheimdienstes die Aufgabe, den Botschafter zu überwachen. In einem Bericht nach Moskau beschuldigte Botschafter Generalow Frau Petrow, sie habe der Frau des Botschafters eine Torte ins Gesicht geworfen. Petrow bestritt, daß es je zu einem derartigen Zwischenfall gekommen sei. Neue Spuren des„Schneemenschen“ Kathmandu.(Reuter) In Nordost-Nepal hat die neuseeländische Expedition unter Leitung des Mount-Everest-Bezwingers Sir Edmund Hillary neue Spuren-des „schrecklichen Schneemenschen“ gefunden. Vier Mitglieder der Expedition, die am Sonntag in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu eintrafen, berichteten, im Chawang-Tal habe man die Spuren in einer Höhe von über fünftausend Meter eine Strecke lang auf dem Schnee verfolgen können. Sir Edmund Hillary war bei der Expedition verletzt worden, als er ein Expeditionsmitglied aus einer Gletscherspalte rettete, und hatte vorzeitig zurückkehren müssen. Frankreich schickt Truppen nach Tunesien Neue Überfälle und Attentate auf Mitarbeiter der Franzosen Atomkraftwerke arbeiten billiger Erklärungen in Moskau— Reserve für Tausende von Jahren Dr. Ehlers gegen Baupläne des Bundesrates Bundeshaus kostete 16 Millionen, Auswärtiges Amt 13,5 Millionen DM Dehlersches„Geselchtes“ für Karl Arnold Telegramme zwischen NRW-Ministerpräsidenten und FDP-Vorsitzenden Derungekrönte lerrSchmitf Roman aus unseren lagen von Viktoria Rhen Copyright by Prometheusverlog, Gröbenzell (4. Fortsetzung) Clemens überlegte. Gründlich und rasch; trotzdem fand er keinen Ausweg, denn die Ereignisse überstürzten sich. Die Angst, die Panik, das Gefühl einer schrecklichen Aussichtslosigkeit stiegen von Stunde zu Stunde. Auch dem alten Dr. Schmitt kam kein rettender Gedanke zu Hilfe; von seiner Frau hatte ohnehin das Gefühl Besitz ergriffen, daß eigentlich nichts mehr Zweck habe“. In ihr war jene merkwürdige und nur sehr naturnahen Frauen bekannte unheimliche Stille des Herzens, die eine Katastrophe erwartet, um sie— zu überstehen oder zugrunde zu gehen. Der rettende Gedanke kam, wie meist, von fremder und unerwarteter Seite. Herr Hagen, der Standesbeamte der Stadt, fühlte sich an diesem Tage am Rande seiner Kräfte, daß er Dr. Schmitt aufsuchte, um sich von ihm irgendein Mittel geben zu lassen, das ihn bei dieser Nervenbelastung befähigte, den plötzlich einsetzenden Ansturm auf seine Dienststelle durchzustehen. Dr. Schmitt hörte kaum zu. Es war immer dasselbe... Noch ganz in eigene Gedanken und Sorgen eingesponnen, sägte er den Hals einer kleinen Ampulle durch. „Gott sei Dank, ich habe noch Traubenzucker. Machen Sie den Arm frei, lieber Hagen.“ Er schnürte den Oberarm fest ab, prüfte die Vene und setzte geschickt die feine Nadel an. Während er die richtige Stelle suchte, fragte er, mehr um den Patienten von dem Schmerz abzulenken, als aus wirklichem Interesse: „Wieso haben Sie einen Ansturm auf Ihre Dienststelle? Ausgerechnet auf dem Standesamt? Das scheint mir doch etwas merkwürdig— zum Heiraten dürfte es doch wohl kaum die rechte Zeit sein.. „Eigentlich nicht—“, antwortete Hagen, während Schmitt mit einem Wattebausch den kleinen Blutstropfen fest nachdrückte. „Oder doch auch wieder ja... Sie glauben nicht. Doktor, wieviel Menschen jetzt auf den Gedanken verfallen, ihre Namen verschwinden zu lassen. Eigentlich gibt es da nur eine Methode— wenigstens, wenn es sich um Frauen handelt—, heiraten! Die Tochter des Gauleiters war gestern auch bel mir... Sie heißt nun nicht mehr Frederick, sondern schlicht und einfach Brand. Das„geborene habe ich so undeutlich geschrieben, daß man auch Friedrich daraus lesen kann. Und so geht»s weiter... Die Tochter des Generals, einiger Funktionäre. Es gibt viele in der Stadt und in den umliegenden Dörfern. Ich habe dabei keine Skrupel. Man hilft, so gut man kann. Die Frauen konnten ja auch nicht viel dafür. Und selbst... Mir tut jeder leid, der in die Mühle gerät. Ja, ja, so ist das... Ein neuer Name ist heute Gold wert... Herr Hagen streifte den Ärmel herunter und zog sein Jackett wieder an. Dr. Schmitt sah abwesend in das abgespannte Gesicht seines alten Stammtischkollegen Ein Gedanke beschäftigte ihn plötzlich— fast noch im Unterbewußtsein. „Ja, aber zum Heiraten gehören doch immer zwei. Woher nehmen diese Damen eigentlich immer gleich den passenden Partner, der völlig unbelastut ist? Sie hielten sich doch sonst immer ganz fern von allen„Defaitister. Das wundert mich eigentlich.“ „Zum Heiraten— ja—, zum Scheidenlassen aber auch...“ Hagen lächelte müde.„Außerdem gibt man sich heute bei mir nicht mehr das Versprechen, beieinander zu bleiben, lieber Doktor, sondern vielmehr den heiligen Schwur, sobald wie möglich wieder auseinanderzugehen. Das ist der Unterschied. Ein Mitleidiger oder ein Vernünftiger findet sich fast immer— manchmal auch ein Geldgieriger. Ich jedenfalls habe weder Einwände noch Bedenken. Es gibt genug Unglück... Und wenn der Name helfen kann, um einen Menschen vielleicht vor der Verschleppung zu retten, sollte man nicht kleinlich sein...“ * ... sollte man nicht kleinlich sein... In Dr. Schmitts Hirn kreisten immer wieder diese zufällig gesprochenen Sätze... wenn ein Name helfen kann... Unglück gibt es sowieso genug... Schließlich findet sich schon ein Mitleidiger oder Vernünftiger. Es gibt keine Zufälle... sagte sich der Arzt. Das war einer jener Fingerzeige, deren Möglichkeit in guten Zeiten man gern leugnet. Hier haben wir den Ausweg, die Rettung... wenn es die überhaupt noch geben sollte—. Zehn Minuten später saßen sich Vater und Sohn gegenüber. Im ersten Augenblick war Clemens von dieser Idee ehrlich entsetzt. Fredericia heiraten...? Er sah Komplikationen, Belastungen, Unannehmlichkeiten voraus. Weniger als je in seinem Leben fühlte er in sich das Bedürfnis oder die innere Möglichkeit, sich mit einem Menschen— noch dazu mit einem ihm äußerlich und innerlich ganz fremden Menschen— zu belasten. Gewiß, es würde eine Ehe auf Zeit sein— nein, mehr noch eine Ehe nur zum Schein. Und doch war man plötzlich mit einem zweiten Menschen auf ganz und gar undurchschaubaren Schicksalswegen. Niemand wußte, wann es je wieder geordnete Verhältnisse in Deutschland und damit Möglichkeiten zu einer Scheidung geben würde. Clemens schüttelte sich. Seine Phantasie arbeitete. Schließlich könnte es doch sein, daß er sich in ein Mädchen verliebte, das er gern heiraten möchte... Dann war er vielleicht nicht einmal imstande, sich schnel! von„seiner Frau“, die niemals seine Frau sein würde, zu trennen. Er weigerte sich entschieden.„Es muß einen anderen Weg geben, Vater. Diese Ehe ist mir einfach unheimlich. Ich sage dir ganz offen, daß ich mich augenblicklich schon ungern an eine Frau binden würde, die ich liebe, geschweige denn... Gesetze und Behörden sind mir gräßliche Dinge. Du weißt, daß ich mich dem Amtsdeutsch und dem Amtsgebaren noch nie gewachsen gezeigt habe.. Als er jedoch das Gesicht seines Vaters ansah, in dem nun auch der letzte Schein einer vielleicht ohnehin trügerischen Hoffnung auslöschte, setzte er rasch hinzu: „Aber ich werde einen anderen Weg finden, Vater. Laß mir bitte noch eine Stunde Zeit, um über alles nachzudenken...“ * Clemens dachte nach. Aber er fand keinen Weg, keine andere und bessere Möglichkeit. Niemand von ihnen wußte, was in wenigen Stunden vielleicht schon geschehen würde. Noch war die Möglichkeit offen, daß die Amerikaner die Stadt besetzten. In solchem Falle wäre es sicher günstig, zunächst einmal die Aufmerksameit von Prinzessin Fredericia abzulenken. Dann würde man sicher in absehbarer Zeit auch wieder zivilisierte Zustände vorfinden,— man könnte sich dann wahrscheinlich in einigen Monaten ohne weiteres wieder scheiden lassen. Und das Abenteuer wäre mit ein paar Scherereien liquidiert... Wenn aber die Russen kämen... dann bedeutete diese Heirat für die Prinzessin, vor allem aber für seine Eltern, die einzige Rettung. Man mußte ersuchen, daß sie keinesfalls die Tochter des Herzogs, Elisabeth Fredericia, sondern eine harmlose Sissy Schmitt vorfänden. Vielleicht aber nützte auch das nicht einmal viel. Clemens schlug sich mit beiden Fäusten vor die Stirn.„Man weiß tatsächlich immer nur, daß man nichts weiß... Ganz fest zog er den Atem ein, um das Gefühl dieser ihn überfallenden ohnmächtigen Wut nicht Herr über sich werden zu lassen. „Es ist das beste...“ sagte er laut vor sich hin.„Das„Vielleich“ einer Rettung ist Grund genug.“ Jede kühle Sachlichkeit, mit der er seit dem Kriege die Welt sah, dieser Opportunismus der Vernunft, ließ ihn den Entschluß fassen, den er nun sofort und ohne zu zögern in die Tat umsetzte.(Fortsetzung folgt) Frank Wedekind führte in München anläßlich der Aufführung seiner„Büchse der Pandors“ Regie. Er hatte seinen schlechten Tag und fand an allem etwas auszusetzen — am meisten an der Hauptdarstellerin, „Mehr Temperament, mehr Feuer!“ rief er. „Sie spielen völlig kalt!“ Da richtete sich die Darstellerin zu ihrer ganzen Größe auf und sagte:„Für eine gebürtige Bremerin bin ich mir heiß genug!" 119. Jahrgang— Nummer 153 Sauerländisches Volksblatt Altester Anzeiger des Sauerlandes+ Über 100 Jahre Helmat- und Krelsblatt im Kreise Olpe Dienstag, den b. Juli 1954 Blitz verursachte großen Schaden Helden, Während eines kurzen Gewitters schlug hier am vergangenen Samstag gegen 18 Uhr der Blitz in das Anwesen des Anton Wiffel. Wie man vermutet, handelte es sich dabei um einen sogenannten kalten Blitzschlag, der überraschend großen Schaden anrichtete. Das getroffene Gebäude wurde arg mitgenommen. Insgesamt wird der entstanden Sachschaden auf rund 6 000 DM beziffert. Glücklicherweise wurden aber durch den Blitz, der eine so folgenschwere Wirkung hatte, keine Personen verletzt. Die Bewohner des Hauses und in der Nachbarschaft hatten lediglich einen groBen Schrecken auszustehen. Olper Stadtpsiegel Die Deutsche Angestellten-Krankenkasse führt am Mittwoch, in. Hotel„Zum Schwanen“ eine Mitgliederversammlung durch. In dieser Versammlung erfolgt die Wahl des Beratungsausschusses für Olpe. Der Olper Männergesangverein Cäcilia wird am 15. August eine Sängerfahrt zur Mosel unternehmen. Der Turnverein Olpe fährt am Sonntag mit 25 Wettkampfteilnehmern zum Gillerbergfest. Die Teilnehmer treffen sich um 6.45 Uhr auf dem Marktplatz und fahren dann mit einem Sonder-Omnibus der Kraftverkehr Olpe nach Hilchenbach. Interessenten können an der Fahrt teilnehmen. Im Filmtheater läuft ab heute der lebensnahe, spannende Spielfilm„Lockende Sterne“ mit Rudolf Prack in der Hauptrolle des Lokführers Nordhaus, der aus innerer Verwirrung heraus einem erregenden Abenteuer entgegenfährt. Besonderer Wert wurde bei diesem erregenden Filmstreifen auf die Aufmachung gelegt, die den verschiedenen aufgezeigten Milieus angepaßt wurde. Der Film soll— neben dem Persönlichen, das er enthält— ein Loblied auf den Schienenstrang, auf lockende Fernen und den Eisenbahnerberuf sein. In der Westfälischen Straße wurde gestern damit begonnen, die vor einiger Zeit aufgestellten Halteverbotsschilder abzumontieren. Es bestätigt sich also die Mitteilung in der letzten Versammlung der Ortsverkehrswacht, daß die Verkehrsbeschilderung in der genannten Straße geändert wird. Wie das geschehen soll, haben wir bereits unserer Leserschaft mitgeteilt. Nach der Aenderung bleibt abzuwarten, ob sich das Halteverbot auf der rechten Straßenseite, sowie vom Marktplatz bis zur Ampel auf beiden Seiten bewähren wird. Oberhalb der Rochusstraße wird sich am Ausgang der Westfälischen Straße kein Schild mehr befinden. Man muß dies begrüßen, da die Beschilderungen gerade nicht zur Verschönerung des Landschaftsbildes beitragen.— Zu der Neuregelung erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Um der Geschäftswelt gerecht zu werden, wird das Halteverbot auf der rechten Straßenseite auf die Zeit von 9—19.30 Uhr beschränkt. Außerhalb dieser Zeit ist also den Geschäftsleuten Gelegenheit zum bequemen Umladen von Gütern gegeben. Die zeitliche Einschränkung wird auf dem roten Rand der Schilder vermerkt. Beim„Schwanen“ erhält das Zwischenschild den Vermerk„Außer Linienverkehr“, so daß die Omnibuse von Post und Kraftverkehr weiter ungehindert diese Haltestelle benutzen können. Das Parkverbot auf der linken Straßenseite beginnt bei der Schützenstraße und ist bei der Schulgasse insofern unterbrochen, als dort in Richtung Ampel der Anfangsvermerk„Nach 15 m“ angebracht wird, so daß auch das Umladen beim Geschäft Feldmann nicht behindert wird. Niederschlagsreich war der vergangene Monat Juni; auch der neue Monat steht bis jetzt seinem Vorgänger daran nicht nach. Dazu kommt, daß eine unzeitgemäße Kühle herrscht. Die Wettervorhersagen kündigen in dieser Hinsicht noch keine Aenderung an. Schon in der ersten Hälte des Monats Juni gab es im Sauerland 12 Regentage mit einer Gesamtniederschlagshöhe von 58 mm. Nach einer kurzen Trockenperiode setzte am 25. Juni erneut Regen ein, der bis Ende Juni eine Gesamtniederschlagshöhe von 22,1 mm brachte. Mit einem Gesamtniederschlag von 80,1 mm an 17 Regentagen wurde im Juni fast der Durchschnitt, der monatlichen Regenmenge von 85 mm erreicht. Verkehrsunfälle. Am 5. Juli wurde nachts um 3.45 Uhr auf der Martinstraße ein Pkw von einem entgegenkommenden Lkw erfaßt und schwer beschädigt. Auf der gleichen Straße fuhr am 2. Juli ein Pkw gegen einen Lastzug. Am Pkw entstand leichter Sachschaden. Verkehrsunfall Hüppcherhammer. Auf der Bundesstraßle 54/55, in der Nähe der Ortschaft Hüppcherhammer, fuhr ein VW-Kombinationswagen aus bisher unbekannten Gründen eine 6 Meter hohe Böschung hinab. Personen wurden nur leicht verletzt, der Wagen dagegen schwer beschädigt. Thieringhausen. Frau Alwine Breidebach geb. Gummersbach wurde am Sonntag 70 Jahre alt. Wir gratulieren! Hohes Alter Gerlingen. Am Mittwoch kann Frau Anna Halbe(Bohrmanns Oma) in guter Frische ihren 81. Geburtstag feiern. Das Geburtstagskind ist trotz seines hohen Alters noch eifrig im Haushalt, Garten und Stall tätig. Wir gratulieren herzlich! Schule und Europa-Gedanke Dr. Drossbaeke, Maubeuge, sprach vor der Junglehrerschaft des Kreises Neue Postgebühren beachten! Welche Aenderungen sind eingetreten?- Ausschneiden und aufbewahren Olpe. Bei der Post werden noch sehr viele nach den alten Gebülrensätzen freigemachte Sendungen, besonders Drucksachen, eingeliefert. Dadurch erleiden die Sendungen nicht nur Verzögerungen, sondern es müssen auch— was dem Absender sicher nicht erwünscht ist— Nachgebühren vom Empfänger eingezogen werden. Die Post macht deshalb nochmals auf die ab 1. Juli 1954 wirksam gewordene Gebührenerhöhung aufmerksam. Eine Uebersicht über die Postgebühren ist in jeder Postdienststelle ausgehängt. Neue Postgebührenhefte gelangen in Kürze bei der Post zum Verkauf. Nachstehend bringen wir die wichtigsten Aenderungen. Es empfiehlt sich, diesen Hinweis auszuschneiden und aufzubewahren! In den Hauptsparten der Postsendungen sind die bisherigen Sätze geblieben. So sind die Gebührensätze für Briefe im Inland, Postkarten. gewöhnliche Pakete oder Postschneilgüter unverändert geblieben. Lediglich für Auslandsbriefe hat sich das Porto von 30 Pfg. auf 40 Pfg. erhöht. Bei den übrigen Sendungen haben sich Aenderungen ergeben. Die wichtigsten sind nachfolgend aufgeführt(in Klammern jeweils die alten Gebührensätze): Drucksachen(Orts- und Ferndienst): Bis 20 g 7(4) Pfg., über 20 bis 50 g 10(6) Pfg., über 50 bis 100 g 15(10) Pfg., über 100 bis 250 g 25(20 Pfg., über 250 bis 500 g 50(40) Pfg. Geschäftspapiere erfordern jetzt bei einem Gewicht bis zu 250 g eine Gebühr von 25 Pfg.(früher 30 Pfg.) und beim Gewicht von 250 bis 500 g 50(50) Pfg. Die Gewichtsklasse bis 100 g mit einem Gebührensatz bis 20 Pfg. ist fortgefallen. Das Porto für Warenproben erhöhte sich um 5 bis 10 Pfg. Es werden jetzt im Orts- und Ferndienst folgende Sätze vorgeschrieben: Bis 100 g 15(10) Pfg., über 100 g bis 250 g 25(20) Pfg., über 250 g bis 500 g 50(40) Pfg. Die Mischensendungen sind im Inlanddienst ganz fortgefallen. Die Postsätze für Päckchensendungen bis 2 kg erhöhen sich von 60 auf 70 Pfg., bei Einschreibesendungen von 40 auf 50 Pfg. und bei Nachnahmen von 30 auf 40 Pfg. Die Gebührensätze für Eilzustellung sind geblieben, ebenso bei Wertpaketen, doch erhöht sich hier die Behandlungsgebühr von 60 auf 80 und die Wertangabegebühr von 15 auf 20 P“. je 500 DM. Eine Aenderung ergibt sich auch bei den Postwurfsendungen. Die Gebühren wurden wie folgt festgesetzt: bis 20 g 3(2) Pfg., bis 50 g 5 Pfg., bis 100 g 8(3) Pfg. Abschließend seien die neuen Gebührensätze bei Postscheckdienst und Postanweisung angeführt: Zahlkarten bis 10 DM 15(10) Pfg., über 10 bis 25 DM 20(15) Pfg., über 25 bis 100 DM 25 Kreis Olpe. Auf Initiative von Kreisschulrat Bartmeier hatte kürzlich die Junglehrerschaft des Kreises Olpe Gelegenheit, aus dem Munde des französischen Professors Dr. Drossbaeke aus Maubeuge Interessantes über die abendländische Einstellung der derzeitigen französischen Philosophie zu hören und sich näher mit dem daraus resultierenden EuropaGedanken zu befassen. Ein besonderes Verdienst von Dr. Drossbaeke ist u. a. auch die Förderung des privaten Schüleraustausches zwischen Frankreich, England und Deutschland, den er selbst in die Wege leitete. * Der Europa-Gedanke bricht sich bekanntlich nur schwer Bahn. Immer neue Widerstände treten— vor allem im politischen Raume— dagegen auf. Trotzdem ist sich jedermann darüber im klaren, daß unsere abendländische Kultur nur gerettet werden kann, wenn Europa gerettet wird. Sich mit dieser Frage zu beschäftigen, ist also höchst aktuell. Sie auch an die Erzieherschaft heranzutragen, darf man ein glückliches und erfolgreiches Beginnen bezeichnen, zumal das heutige Deutschland im Vordergrund solcher Bemühungen steht. Es zeugt von einer großen Aufgeschlossenheit der Schule im Kreise Olpe, wenn jetzt zur Erörterung eines solchen Themas der Kreischulrat die Junglehrerschaft— also unseren Nachwuchs im Erzieherberuf— zusammenrief, um ihnen einmal die Bedeutung der Parole klar zu machen: Fördert den Europa-Gedanken! Die Tagung hinterließ bei allen Teilnehmern einen tiefen Eindruck. Vor allem ging das Hauptreferat von Dr. Drossbaeke sehr in die Tiefe. Der Vortragende, der verhältnismäßig flüssig Deutsch spricht, wußte sein Referat sehr anregend zu gestalten. Zunächst befaßte er sich mit (20) Pfg., über 100 bis 250 DM 30(25) Pfg., über 250 bis 500 DM 40(30) Pfg., über 500 bis 750 DM 50(40) Pfg., über 750 bis 1000 DM 60(50) Pfg., über 1000 bis 1250 DM 70(60) Pfg., über 1250 bis 1500 DM 80(70) Pfg., über 1500 bis 2000 DM 90(80) Pfg., über 2000 DM unbeschr. 100 Pfg. Postanweisungen bis 10 DM 30(20) Pfg., über 10 bis 25 DM 40(30) Pfg., über 25 bis 100 DM 50 (40) Pfg., über 100 bis 250 DM 70(60) Pfg., über 250 bis 500 DM 90(70), über 500 bis 750 DM 110(100) Pfg., über 750 bis 1000 DM 130(120) Pfg. den Strömungen in der modernen französischen Philosophie von Pascal bis Gide. Er stellte dabei als wesentlich heraus, daß sich die großen französischen Denker dem abendländischen christlichen Bildungserbe verpflichtet fühlen. Weiter zeigte er an gut gewählten Beispielen, daß europäisches Denken in den geistigen Kreisen Frankreichs lebendig geblieben ist und besonders seit 1900 stark hervortritt. Daß französische und deutsche Erzieher, wie es jetzt hier geschehen ist, zu gemeinsamer Beratung auf solcher Ebene zusammenkamen und sich gegenseitig Anregungen gaben, ist eine erfreuliche Tatsache. Die Lehrerschaft des Kreises Olpe hat damit auf Anregung des Kreisschulrats einen merklichen Beitrag zu einer Europäischen Union geliefert. Diesen Weg weiter zu beschreiten, betrachtet sie als ernste Verpflichtung. Nachmittags führten die Junglehrer unter der sachkundigen Leitung von Oberförster Heller eine Waldbegehung durch, die ihr Wissen um die Bedeutung und Aufgaben einer gesunden Waldwirtschaft bereicherte. Landwirtschaftlicher Forschungsbetrieb Heute Filmvorführung von Prof. Boerger Grevenbrück. Heute wird um 20 Uhr im Deli-Lichtspieltheater der hier zu Besuch in seinem Heimatort weilende Professor Dr. Albert Boerger aus Uruguay im Rahmen einer Abendveranstaltung mehrere Filme aus dem landwirtschaftlichen Forschungsbetrieb und von der ackerbaulichen Bewirtschaftung der urugayischen Landesanstalt für Pflanzenzucht„La Estanzuela“— einem weltbekannten Forschungsinstitut, das von ihm geleitet wird — mehrere fachliche Filme vorführen und erläutern. Außerdem werden interessante Aufnahmen der Baulichkeiten und Anlagen sowie aus dem Alltagsleben dieses Forschungsinstitutes gezeigt.— Im Beiprogramm laufen die beiden Filme der Grevenbrücker Schützenfeste mit bunten Aufnahmen der St. Blasiusprozession aus den Jahren 1937 und 1938. Für den Filmabend wird ein Unkostenbeitrag vor. 50 Pfg. erhoben. Der Reinertrag des Abends ist für das Schwesternhaus bestimmt. Zum„Tag der Heimatvertriebenen“ Dr. Salzmann übernahm das Protektorat für den 12. September Elegantes Spiel im„Schwanen“ Benedetti's„Zwei Dutzend rote Rosen" 700 DM durch das Rheinische Landestheater für die Olper Stadthalle Olpe. Eine sehr schöne und dankbar anzuerkennende Geste des Rheinischen Landestheaters(Neuß) war es, daß sich der Intendant dazu bereit fand, einen Lustspielabend in Olpe zugunsten der hier geplanten Stadthalle zu veranstalten. Das Angebot wurde freudig akzeptiert. Neben den gewohnten Theatergästen sah man am Samstagabend im großen Schwanensaale auch manchen anderen Mitbürger. Der Besuch des Abends war so gut, daß e va 700 DM als Reingewinn— bei Verzicht des Landestheaters auf eine Vergütung— verbucht werden konnten. Die besondere Absicht des Landestheaters, mit diesem zusätzlichen Theaterabend in Olpe(nach Beendigung des Theaterwinters 1953/54) und den Dank der Stadt Olpe für das Opfer des Landestheaters brachten vor Beginn der Vorstellung Bürgermeister I. Müller und Intendart Philipp Vogel in kurzen Ansprachen zum Ausdruck. Und keiner hatte den Besuch dieses Theaterabends zu bedauern.„Zwei Dutzend rote Rosen" wurden in sehr liebenswürdiger Form vom Rheinischen Landestheater den Ölper Theaterfreunden dargereicht mit diesem köstlichen Lustspiel von Aldo de Benedetti, das allgemein Gefallen fand. Eine reizende Aufführung, ein elegantes Spiel, das unter der Regie von Karl Gaebler auf die Bühne gezaubert wurde. Im ganzen nur vier Darsteller und dennoch keine Langeweile, sondern eine erfrischende, kurzweilige Komödie mit überraschenden Pointen. Dazu ein recht gefälUges Bühnenbild(von Joachim Streubel) eine gut gewählte, geschmackvolle Ausstattung und Kostüme mit effektvollen neumodischen Aktzenten! Das Landestheater, das schon viele gewichtigere klassische Stücke gut herausgebracht hat, versteht sich offenbar auch auf dieses Genre der rein spielerischen, komödiantischen Daseinsgestaltung. Die Aufführung war wie hingehaucht, duftig gleich den dunkelroten Rosen, amüsant und ein wenig extravagant; alles in allem eine nette Komödie auf psychoanalytischer Grundlage mit einem flotten Dialog und sehr hübschen Einfällen! Die Rollen konnten kaum besser besetzt sein! Jugendlich frisch, schick und sehr gewinnend Charlotte Schleithoff als junge Frau Marina, deren Temperament cin kleines, harmloses Abenteuer sucht und wider Willen in ein grése:es mit ihrem Mann verwickelt wird. Horst Dieter Sievers mußte als Gatte dieser bezaubernden Marina mit seiner Ehe- Liebesund Frauenphilosopnie, mit seiner„Methode", die er für absolut sicher hielt, Irgendwie Schiffbruch erleiden, doch fand sich am Schluß des Spiels alles zu einem fröhlichen, harmonischen Happy End zusammen. Flott und burschikos spielte Sievers den Alberto und fand erneut die Sympathien des Publikums. Alfred Querbach war ein trefflicher Tommaso, Freund des Alberto, kindlich-naiver Junggeselle, ein Art Enfant terrible in diesem Kreise, aber auch der„Deus ex machina“, der ungewollt, harmlos-selbstverständlich den Knoten der Verwechslungen schürzen hilft und ihn durch gelegentliche Geständnisse— und Liebeshoffnungen— wieder entwirrt und löst, ohne Grevenbrück. Am Freitag und Samstag tagte der vorbereitende Ausschuß zur Durchführung des großen Treffens der katholischen Heimatvertriebenen und Sowjetzonenflüchtlinge Südwestfalens, das am Sonntag, dem 12. September, vom St. Hedwigswerk der Erzdiözese Paderborn hier veranstaltet wird. An diesem„Tag der Heimatvertriebenen“ wollen insbesondere die Mitglieder der St. Hedwigskreise des Sauer- und Siegerlandes ihre Treue zur unvergeßlichen Heimat im deutschen Östen beweisen. Das Festprogramm des Tages wurde wie folgt festgelegt: Der Sonntag beginnt mit einer Tagung von drei Arbeitskreisen um 9 Uhr. Um 10 Uhr werden in der Grevenbrücker Schützenhalle die auswärtigen Teilnehmer und Gäste in einem Festakt durch die Vertreter der weltlichen und kirchlichen Behörden begrüßt. Ein feierliches Levitenamt mit Liedern der verlo nen Heimht findet um 11 Uhr in der Pfarrkirche statt. Die Festpredigt wird Pfarrer W. Trennert, Diözesanpräses des St. Hedwigswerkes für das Erzbistum Paderborn, halten. In der Mittagspause treffen sich die einzelnen Landsmannschaften. Nach der Mittagspause setzen um 13 Uhr die drei Arbeitskreise ihre Beratungen fort. Eine Marienfeierstunde wird um 14 Uhr in der Pfarrkirche gehalten. Die große Treuekundgebung zur verlorenen Heimat im deutschen Osten, die den Höhepunkt des Treffens bildet, beginnt um 15.30 Uhr in der Schützenhalle. Hier werden Landtagsabgeordneter Josef Hennemann(Olpe), und Bundestagsabgeordneter Franz Lenze(Attendorn) sprechen. Das Heimatgedenken hält Bundestagsabgeordneter Hermann Ehren(Bonn), früdaß sein Hunger in körperlicher und seelischer Beziehung gestillt wird:„Ich war doch zum Mittagessen eingeladen...“ Hatte man jede groteske Uebertreibung des Spiels behutsam vermieden, so traf dies merklich auch auf die urgelungene Nebenfigur zu: die stupid-langsame Hausgehilfin von Hannelore Knipper. Das Publikum dankte dem Esemble für den herzhaften und herzlichen Theaterabend mit wiederholtem, starkem Applaus. Man müßte sich schon überlegen, wer eigentlich bei dieser Inzsenierung von „Zwei Dutzend rote Rosen“ den Vogel abgeschossen hat: Der Intendant— mit der Wahl des Stückes; der Regisseur— mit der amüsanten Gestaltung des Spiels; die vier Darsteller, die ihre Rollen restlos „erfüllten“, oder das Olper Theaterpublikum, das nicht nur einen netten Theaterabend erleben konnte, sondern darüber hinaus auch einen kleinen und dennoch recht beachtlichen Obolus mit diesem Thaterabend für einen schon lange ersehnten, gefälligeren Musentempel in de: Kreisstadt erhielt! rd her Gleiwitz(Oberschlesien). Unter dem Leitgedanken„Klingende, singende Heimat in Öst und West“ steigt um 17 Uhr ein Heimatnachmittag unter Mitwirkung ost- und westdeutscher Künstler, Trachtengruppen und Volksmusikanten, Volkslied- und Volkstanzkreise. Ein fröhlicher Abend bildet den Ausklang des Tages. Auch bei dieser letzten Veranstaltung des Treffens soll heimatliches Kulturgut jung und alt erfreuen. Das Protektorat des„Tages der Heimatvertriebenen“ wird Landeshauptmann a. D. Dr. Bernhard Salzmann, Münster, übernehmen. Skisportler-Austausch Bilstein. Auch die Mitglieder des Wintersportvereins setzen sich auf Anregung des Westdeutschen Skiverbandes für die Durchführung eines Austausches mit englischen Skikameraden am Ende dieses Jahres ein. In Vorbereitungskursen sollen jugendliche Mitslieder des Bezirks Rothaargebirge beiderlei Geschlechts ausgesucht werden, die 1955 zum Austausch nach England fahren werden. Krad gegen Pferdefuhrwerk Elspe. Am 3. Juli gegen 17 Uhr rannte ein Kradfahrer gegen ein entgegenkommendes Pferdefuhrwerk. Der Kraftfahrer erlitt eine Gehirnerschütterung und einen Oberschenkelbruch. Das Pferd mußte notgeschlachtet werden. Dienstjubiläum Kirchhundem. Josef Behle konnte in der vergangenen Woche auf eine 40jährige Tätigkeit beim Bahnbetriebswerk in Altenhundem zurückblicken. In einer Feierstunde wurden ihm aus diesem Anlaß entsprechende Ehrungen zuteil. Auch wir gratulieren! Schützenfest Albaum. Das Schützenfest nahm hier am Wochenende den traditionellen schönen Verlauf. Die Königswürde errang Anton Schweinsberg, der sich seine Frau zur Mitregentin erkor. Neuer König Oberhundem. Der Kampf an der Vogelstange währte während des diesjährigen Schützenfestes etwa zwei Stunden. Als bester Schütze ging beim Vogelschießen Eugen Schröer, Rinsecke, hervor, der sich Frl. Hedwig Kaiser zur Mitregentin erkor. Unter dem neuen Königspaar wurde fröhlich weitergefeiert und das Schützenfest zu einem schönen Abschluß gebracht. Maumke. Der Schützenverein will sein Schützenfest vom 7. bis 9. August feiern Große Erfolge heimischer Ziegenzüchter Bei der Butterprüfung des Landesverbandes zahlreiche Preise erhalten Kreis Olpe. Die Bemühungen des Ziegenzuchtvereins Olpe—Drolshagen wurden jetzt wieder durch besonders schöne und beachtliche Erfolge gekrönt. Hierüber wird uns folgendes berichtet: Der Landesverband der Ziegenzüchter Westfalen-Lippe e. V., Münster, veranstaltete am 3. Juni eine Ziegenbutterprurung, an der fünf Züchter unseres heimischen Züchterringes teilnahmen. Es waren dort über 100 Butterproben aus Rheinland/Westfalen und Lippe zur Besichtigung und Beurteilung ausgestellt. Die Höchtzahl der Punkte belief sich auf 20. Sämtliche Züchter kehrten mit schönen Erfolgen heim. Der Züchter Maiworm erhielt mit 16 Punkten den II. Preis. Hupertz mit 18 Punkten den I. Preis. Schmidt mit 19 Punkten den I. Preis. Hütte und Reiß den I. Siegerpreis. Die Mitglieder des Züchterringes, die noch vor fünf Jahren lediglich bloß Ziegenhalter waren, haben sich durch harte Arbeit und große Opfer emporgearbeitet. Dieses beweisen u. a. auch die Kreistierschaufeste, wo von den Mitgliedern des Züchterringes stets die ersten Preise geholt wurden. Auch auf der Bockversteigerung in Kreuztal hatte der Ring beachtlichen Erfolg. Dort wurden für Jungböcke (5 Monate alt) bis zu 250 DM erzielt. Recht bemerkenswert ist schließlich noch die Tatsache, daß der Ziegenzuchtverein Olpe-Drolshagen bei der Milchkontrolle ebenfalls ein sehr schönes Ergebnis zu verzeichnen hatte. Pro Jahr und Ziege wurden 1 000 bis 1 200 Liter Milch erzielt mit einem Fettgehalt von 4 bis 5 Prozent. Angesichts dieser Erfolge sollten sich alle Ziegenhalter wieder einmal bewußt werden, wie notwendig— u. auch vorteilhaft— es ist, daß sie nicht nur Ziegenhalter sind, sondern sich bemühen, auch echte Ziegenzüchter zu werden! Sie können dann an den Fortschritten, die bisher erzielt wurden, teilhaben. Die erfolgreichen Züchter des Ziegenzuchtvereins Olpe—Drolshagen sind aber zu beglückwünschen, denn ihre dauernden Bemühungen um bessere Zuchtergebnisse wurden belohnt und sie können stolz darauf sein, daß sie bei der Ziegenbutterprüfung so hervorragend abgeschnitten haben! Wer fährt mit? Grevenbrück. Wer am kommenden Samstag an der zweitägigen Sonderbusfahrt der BVD-Ortsvereinigung zum Schlesiertreffen am 10. und 11. Juli in Frankfurt a. Main teilnehmen will, kann sich noch bis spätestens Donnerstag beim Kassierer H. Wiesner, Hauptstraße 66, oder beim Schriftführer, Kaufmann Völkel(an der Haltestelle Kirche Förde) unter gleichzeitiger Entrichtung des Fahrpreises, der 10 DM beträgt, melden. „Klettermaxe" verunglückt Aus den deutschen Dschungeljahren: Hundert Bürgermeister auf der Anklagebank Entschädigungen für Personen, die es nicht gab— Staat verlangt 2 00 000 Mark Schadenersatz München.— Wieder einmal läuft in der Bundesrepublik ein„Musterprozeß“. Auf seinen Ausgang warten mit Spannung nicht nur der bayrische Staat als Kläger, sondern auch weit über hundert bayrische Gemeinden als Beklagte. Denn von diesem Urteil wird es abhängen, ob eine„kriegsstarke Kompanie“ bayrischer Bürgermeister demnächst die Anklagebänke bayrischer Gerichte zieren wird oder nicht. Vor dem Schöffengericht München-Land haben sich zur Zeit gewissermaßen„stellvertretend“ für alle übrigen Fälle die Bürgermeister der Landgemeinden Pastetten, Notzing und Moosen(alle im Landkreis Erding) zu verantworten. Über 200 000 Mark Schadenersatz verlangt der Staat von ihren Gemeinden. Eine Summe, die— wenn sie wirklich gezahlt werden müßte— drei Dörfer an den Bettelstab bringen würde. Die Vorgeschichte ist lang und reicht in das zweite Jahr nach Deutschlands Zusammenbruch zurück. In unserem Falle nahm das Geschehen mit der Einrichtung dreier Lager für DP's(verschleppte Personen) im Landkreis Erding seinen Anfang. Es waren hier einige hundert rassisch Verfolgter aus Polen untergebracht, die auf ihre Auswanderung nach Israel warteten. Das Zusammenleben zwischen DP's und Bevölkerung war dabei nicht nur hier schwierig. Deutsche Behörden hatten keinerlei Befugnisse innerhalb der Lager, nicht einmal die polizeiliche Meldeordnung war für deren Insassen verbindlich. Nicht gut Kirschen essen Nun erschien eines Tages der Vorsitzende der Gesamtlager-Leitung, Zismann Schenkier, beim Bürgermeister von Pastetten, Korbinian Rott, legte eine Namensliste vor und forderte Rott ziemlich barsch auf, die angeführten Personen aus dem Lager Notzing als in der Gemeinde Pastetten wohnhaft zu registrieren. Da mit dem Herrn offenbar nicht gut Kirschen essen war, nahm Rott die Liste ohne Widerspruch, setzte sich aber mit seiner vorgesetzten Dienststelle, dem Landratsamt Erding, in Verbindung. Und das Landratsamt genehmigte Rott ausdrücklich, diese formlose Liste als Nachweis für den Lageraufenthalt anzuerkennen, worauf der biedere Landwirt und Bürgermeister das tat, was jeder andere Kurz berichtet Die Stadt Kaufbeuren im Allgäu hat beschlossen, die Patenschaft für die sudetendeutsche Stadt Gablonz zu übernehmen Der Beschluß wurde am Sonntag bei einem Heimatfestin Neu-Gablonz bei Kaufbeuren der neuen. Heimat der Gablonzer, bekanntgegeben. Eine internationale Konferenz von Leitern grubensicherheitlicher Versuchsanstalten begann am Montag in Dortmund. An der Konferenz nehmen Fachleute aus Belgien, Großbritannien, Frankreich, USA, Holland, Japan, Österreich, Italien, Kanada, Nigeria, Südafrika und Neuseeland teil. Sie wollen in einer fünftägigen Konferenz Probleme der Entstehung und Bekämpfung von Schlagwetter- und Kohlenstaubexplosionen, von Grubenbränden und des Gasschutzes erörtern. Unter dem Leitwort„Störung und Sicherung der menschlichen Leistung“ findet am 22. und 23. Juli in Oberhausen eine wissenschaftliche Konferenz statt. Auf Einladung der deutschen Hauptstelle und der nordrhein-westfälischen Landesstelle gegen die Suchtgefahren werden Vertreter der Ärzteschaft, der Wirtschaft, der Gewerkschaft, der Sozialversicherung und der Berufsgenossenschaften sowie der Erzieherschaft und Jugend die Alkoholauswirkungen auf die Leistungskraft, die Störungsmomente der jugendlichen Entwicklung und das Thema Leistung und Erholung erörtern. Hamburz— Die Iamburger Bäckermnnung erklärte am Montag, daß innerhalb der letzten zwei Monate in der Hansestadt keine einheitliche Brotpreiserhöhung erfolgt sei. Durch eine bessere Ausmahlung bedingte höhere Mehlpreise und drei Lohnwellen hätten das Backgewerbe veranlaßt, seine Kalkulation den Gestehungskosten anzunähern. Grundsätzlich seien die Bäcker nicht daran interessiert, daß der Brotpreis heraufgesetzt wird, da der Brotverzehr in der letzten Zeit schon erheblich gesunken sel. Die Konsumgenossenschaften, die die Brotpreiserhöhung nicht mitmachen, haben nach Ansicht der Innung den Vorteil eigener Mühlen und anderer Ausweichmöglichkeiten. Mit großer Sorge müsse die wachsende Verschuldung des Bäckerhandwerks beobachtet werden. Vertreter des bremischen Bäckerhandwerks teilten am Montag mit, daß in ihrem Gebiet der Brotpreis unverändert bleiben wird, sofern keine Erhöhung der Löhne oder anderer Unkosten eintritt. Die Konsumgenossenschaften werden nach einer Erklärung ihres Zentralverbandes Preiserhöhungen für Brot, insbesondere für Weißbrot nicht mitmachen. In der am Montag veröffentlichten Erklärung heißt es, so lange sich die Gestehungskosten nicht wesentlich erhöhten, sähen die Konsumgenossenschaften keine Ursache, die Brotpreise zu erhöhen. Ausbau der Chemie-Kapazitäten Frankfurt.— In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat die Mengenkonjunktur auf dem Chemiegeblet angehalten. Im Grundstoffbereich ist die Erzeugung im allgemeinen an den Kapazitätsgrenzen angelangt. Eine weitere Produktionssteigerung ist nur durch einen entsprechenden Ausbau der Kapazitäten zu erreichen. In letzter Zeit sind entsprechende Erweiterungen bereits in Angriff genommen worden oder in Vorbereitung. Im Auslandsgeschäft ist der Wettbewerb auf dem Preisgeblet nach wie vor scharf. Die westdeutsche Chemleausfuhr ist im April gegenüber dem Vormonat um etwa 12 Prozent auf 230 Millionen DM zurückgegangen. In den ersten vier Monaten dieses Jahres liegen die in seiner Lage auch getan hätte: er bescheinigte den Aufenthalt der Listen-DP's. Wie hätte er ahnen sollen, daß Herr Schenkier ein ausgekochter Gauner war, zumal er vier Jahre lang nichts mehr von diesem Herrn sehen sollte? Erst 1950 kam der Lagerhäuptling wieder. Und wieder mit einer Liste. Und wieder sollte Bürgermeister Rott etwas bestätigen. Diesmal, daß die aufgeführten Personen seit 1946 in der Gemeinde Pastetten wohnten. Und da sich ein Teil der Angegebenen auf der Liste von 1946 fand, für einen anderen das Landratsamt Erding Bestätigungen ausgestellt hatte, zögerte Rott auch diesmal nicht lange: Er stellte die geforderten AufenthaltsBescheinigungen aus und bestätigte den Aufenthalt auch auf den ihm gleichzeitig vorgelegten Wiedergutmachungsanträgen. Und wie er taten auch seine Amtsgenossen in Eilzug überrollt Kraftwagen Drei Tote bei unbeschranktem Bahnübergang Flensburg. Aus bisher noch nicht geklärten Gründen überrollte der Eilzug Kiel-Flensburg auf dem unbeschrankten Bahnübergang bei Husby im Kreis Flensburg einen Personenkraftwagen. Zwei der drei Insassen des völlig zertrümmerten Wagens waren auf der Stelle tot. Der Fahrer starb kurz nach der Einlieferung in ein Krankenhaus. ur in Andeutungen kann man über die Fülle des Gebotenen berichten. Die Reihe der Vorträge eröffnete Museumsdirektor Dr. Tischler(Duisburg-Köln); er sprach über„Archäologische Forschungen zur Sachsenfrage“, wobei die Ausgrabungen vor dem Münstertor in Warendorf im Mittelpunkt standen, denn hier ist unter der Leitung von Dr. Winkelmann eine der ältesten bisher bekanntgewordenen Siedlungen im nordwestdeutschen Raum freigelegt worden, in deren Häusern unverkennbare nordische Einflüsse sich andeuten. Aus der Auswertung der Warendorfer Grabungen sind daher neue Erkenntnisse zu erwarten, die eine Umwälzung in der europäischen Altertumskunde herbeiführen dürften. Nicht minder aufschlußreich war der Vortrag von Prof. Dr. Aubin(Freiburg) über„Die Sachsenfrage und Westfalen im Lichte der historischen Forschung“. Er legte die Notwendigkeit dar, die westfälische Geschichte stets im Rahmen der gesamtsächsischen zu sehen und eine eingehende Sachsenforschung, zu betreiben unter Heranziehung aller Hilfswissenschaften, wie Sprach- und besonders Ortsnamenforschung nebst Rechtsgeschichte und Auslandsiieferungen der chemischen Industrie jedoch um rund 210 Millionen DM über dem Ergebnis des gleichen Zeitraumes des Vorjahres. Der Anteil der Chemie an der Gesamtwarenausfuhr hat sich im April trotz des absoluten Exportrückganges etwas gebessert, da die Einbußen im Auslandsgeschäft der anderen westdeutschen Industriezweige durchweg stärker waren als in der Chemie. Oberschlesische Kohle für Hüttenwerke Salzgitter Berlin.— Innerhalb des Interzonenhandelsabkommens ist ein Lohnveredelungsgeschäft der Sowjetzone mit den Hüttenwerken Salzgitter vereinbart worden. Wie der Bundesbevollmächtigte in Berlin, Dr. Heinrich Vockel bekanntgab, ist vorgesehen, daß die sowjetische Besatzungszone vom 1. Juli an 120 000 Tonnen oberschlesischer Steinkohle an die Hüttenwerke Salzgitter liefert. Salzgitter wird 78 000 Tonnen Zechenkoks zurückliefern. Die Differenz und die Nebenprodukte verbleiben Salzgitter als Naturalien. Mehr Rohstahl erzeugt Bonn.— Die Rohstahlproduktion in der Bundesrepublik war im Juni nach vorläufigen Ermittlungen des Statistischen Bundesamtes mit 1 405 268 Tonnen um 42 631 Tonnen höher als im Mai. Die produktionstägliche Leistung übertraf mit 54 094 Tonnen das Vormonatsergebnis um 1646 Tonnen. Die Roheisenerzeugung ist im Juni um 27 620 Tonnen auf 971 005 Tonnen gestiegen. Die produktionstäzliche Leistung erhöhte sich um 1935 Tonnen auf 32 367 Tonnen. Der Auftragseingang der Industrie des Bundesgebietes hat im Mai um 8 Prozent zugenommen. Der Gesamtindex des Auftragseinganges erhöhte sich nach Mitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums von 138 im April auf 149 im Mal. Auf der Jahreshauptversammlung der Blechwarenindustrie in Bad Niederbreisig klagte der Vorsitzende des Fachverbandes, Westermann, über den Preisverfall in diesem Industriezweig. Umsatzmäßig bestünden keine schlachten Aussichten Notzing und Moosen. Herr Schenkier aber fuhr mit den amtlich bescheinigten Wiedergutmachungsanträgen fröhlich nach München und ließ sich beim Landesentschädigungsamt (Auerbach) 203 000 Mark ausbezahlen. Und das für 85 Personen, die er entweder selbst erfunden hatte oder die den Landkreis Erding, geschweige das Lager Notzing nie betreten hatten und wahrscheinlich nicht einmal den Namen der Orte kannten. Auf Nimmerwiedersehen verschwunden Daß Herr Schenkier nach diesem erfreulichen Ergebnis seiner Bemühungen auf Nimmerwiedersehen verschwand(und bis heute verschwunden blieb), kann man ihm subjektiv nicht verübeln. Bleiben aber mußten notgedrungen die Bürgermeister und an die hielten sich nun Staat und Gerichte. Der erste Prozeß ging gut aus: Das war das Strafverfahren wegen Falschbeurkundung im Amt, die ja faktisch gegeben war. Die Bürgermeister und ihre mitangeklagten Gemeindeschreiber wurden freigesprochen, da sie einmal den Anweisungen ihrer vorgesetzten Behörde(Landratsamt) gefolgt, zum anderen von Schenkier arglistig getäuscht worden waren und zudem nicht im Bewußtsein des Ungesetzlichen gehandelt hatten. Viel prekärer jedoch ist die Situation im augenblicklichen Verfahren: Der Zivilklage des Staates gegen die Gemeinden. Der hinters Licht geführte Geldgeber will nämlich seinen Mammon zurück haben und macht die Gemeinden für die Amtshandlungen ihrer Oberhäupter haftbar. Und damit beginnt die Lawine zu rollen... Denn was sich im Amtszimmer des Herrn Rott in Pastetten abgespielt hatte, hatte sich in über hundert Gemeinden— sogar in München selbst— auch zugetragen. Es gab eben viele Schenkiers in den Dschungeljahren nach dem Kriege. Millionen bundesdeutscher und bayrischer Steuergelder sind in dunkle Kanäle verschwunden, Skandale über Skandale verzeichnen die Annalen seit 1945 und jetzt soll es eben den Bürgermeistern an den Kragen gehen. Münster. Der„Tag der westfälischen Geschichte“, der schon bisher von Jahr zu Jahr mehr Besucher angelockt hatte, hat diesmal alle seine Vorgänger weit hinter sich zurückgelassen, was die Zahl der Teilnehmer angeht. Zum Teil mag das darauf beruhen, daß neben den bisherigen Veranstaltern(dem Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens und dem Provinzialinstitut für westfälische Landes- und Volkskunde) in diesem Jahr erstmals die Westfälische Wilhelms-Universität Mitträgerin war. So hatten sich in Münster viele Hunderte von Heimatfreunden und Heimatforschern mit führenden Vertretern der westfälischen Geschichtswissenschaft zu einer gemeinsamen Tagung zusammengefunden. Siedlungskunde. Dabei zeigte er im einzelnen, welche Beiträge die Archäologie bereits zu dieser Aufgabe geleistet hat. In die neuere Zeit führte der Vortrag von Prof. Dr. Braubach(Bonn) über„Politik und Kultur an den geistlichen Schlachtviehgroßmärkte in Nordrhein-Westfalen Rinder Ub Auftr. Ochsen Bullen Kühe Färsen Ort a-Preise Marktverl. Aachen4 182- 97-107 87-97 93-106 mittel Duisb. 1 386 90-105 101-110 88-102 94-107 langsam D'dorf— 339- 100-112 90-100 100-112 rege Essen— 682 96-105 97-109 81-97 92-105 mittel Köln 19 1141 100-110 98-109 86-96 98-108 mittel M.Glb.— 231 94-105 100-108 84-97 97-110 mittel Wppt. 23 524 96-108 92-107 81-96 94-108 langsam Boch. 6 268 100-103 100-110 90-101 100-110 mittel Dortm. 18 813 95-106 92-110 80-110 103-105 mittel Gelsk. 2 132- 100-106 83-95 91-103 mittel Hagen 27 202 101-106 101-108 90-100 90-108 schleppd. Recklh. 1 131 105 95-103 87-97 98-105 mittel Schweine Ub Auftr. 150 kg Sauen Ort u. mehr 100—119,5 G 1 u. G 2 a-Preis c-Preis Marktverl. Aachen 1 1516 134-139 135-139 114-123 mittel Duisburg— 2043 128-135 132-138 110-128 schleppd. Düsseld.— 2994 130-138 130-138 110-125 mittel Essen— 3227 128-136 131-136 105-120 rege Köln— 4322 130-138 130-138 115-120— M.Gladb.— 959 133-138 132-138 110-128 rege Wuppert.— 2914 127-135 125-136 106-116 langsam Bochum 34 2689 130-133 129-134 112-123 langsam Dortmund— 2730 127-134 127-135 105-123 mittel Gelsenk.— 1298 131-135 130-136 100-122 mittel Hagen— 607 127-135 126-134 110-125— Recklinghs.— 658 130-136 132-136 110-122 mittel Coesfeld. Der unter dem Namen „Klettermaxe“ bekanntgewordene Arnim Dahl, der anläßlich des Österwicker Reitturniers seine akrobatischen Kunststücke zeigen wollte, ist bei einer Probe am Sonntag verunglückt. Er wollte von einer ausgefahrenen Feuerwehrleiter in ein Sprunztuch springen. Der Unfall entstand, als die Sicherung der Leiter nicht einschnappte und Dahl in die Tiefe stürzte. Er brach sich mehrfach den linken Fuß unterhalb des Knöchels. Nach der ersten Behandlung im Coesfelder Krankenhaus erschien „Klettermaxe“ mit einem Gipsverband auf dem Turnierplatz. Er versprach den Zuschauern, die mißglückte Vorführung bald nachzuholen. Krad gegen Kinderwagen Zweijähriges Kind tot Diiren. Ein Motorrad erfaßte in Düren beim Überholen einen Kinderwagen, in dem ein zweijähriges Kind lag. Der Kinderwagen wurde völlig zertrümmert und mit dem Kind etwa sechs Meter durch die Luft geschleudert. Das Kind wurde mit Wunneria!— Das Wuppertaler Schwurgericht verurteilte am Montag die in Brockau bei Breslau geborene 22jährige Hausangestellte Sonja Sch. zu zwei Jahren Gefängnis. Sie hatte am 21. März in Remscheid, wo sie als Hausgehilfin arbeitete, ihr uneheliches Kind unmittelbar nach der Geburt mit der Bettdecke erstickt. Die Leiche hatte sie in einen Schuhkarton gelegt, den Karton verschnürt und in ihren Schrank gestellt. Dort fand die DienstFürstenhöfen Westfalens gegen Ende des alten Reiches“. Dabei ergaben sich zahlreiche Verbindungen zum Rheinland, nicht zuletzt deshalb, weil seit dem Ende des 16. Jahrhunderts die westfälischen Bistümer vielfach in Personalunion mit dem Erzstift Köln verbunden waren, vor allem durch die Wittelsbacher, die von 1583 bis 1761, also fast zwei Jahrhunderte hindurch, Kurfürsten von Köln waren, aber auch durch die weitere Verbindung KölnMünster bis 1801. Namentlich zeigte sich dabei die Bedeutung des Prinzen Klemens August von Bayern, der gleichzeitig Erzbischof von Köln sowie Bischof von Paderborn, Münster, Ösnabrück und Hildesheim war, also fast den ganzen westfälischen Raum beherrschte. Nicht minder aufschlußreich als diese großen Vorträge waren indessen die Ausführungen von Oberregierungs- und-baurat Mallwitz über die Gesamtplanung des Wiederaufbaues der Universität und von Stadtarchivdirektor Dr. Prinz(Münster) über„Die Stadt Münster in der westfälischen Geschichte“ und die Fahrten nach Freckenhorst und nach Tecklenburg und Westerkappeln, die den Ausklang der Tagung bildeten. schweren Verletzungen in ein benachbartes Haus gebracht, wo es an den Folgen der erlittenen Kopfverletzungen starb. Wie die Polizei mitteilte, wurde von dem Fahrer eine Blutprobe entnommen. Starenschwärme blieben aus Stade. Die großen Schwärme der Zuge stare, die alljährlich im Obstbaugebiet der Unterelbe ihr Sommerquartier aufschlagen und erhebliche Schäden bei der Kirschenernte anrichten, sind in diesem Jahr ausgeblieben. Sachverständige halten es für möglich, daß die Ursache dafür in der Raupenplage zu suchen ist, die in diesem Jahr weiter landeinwärts besteht. Die Stare fänden dadurch so viel Nahrung, daß sie sich den Flug in das Obstbaugebiet sparen können. Normalerweise fallen etwa zehn Prozent der Kirschenernte den Staren zum Opfer. Ein Kinderluftballon, der beim Flugtag am 20. Juni in Wipperfürth aufgelassen worden war, ist vor einigen Tagen von einem Schweden auf der dicht vor der schwedischen Südküste liegenden Insel Oland aufgefunden worden. Der Luftballon hat eine Flugstrecke von über 900 Kilometer zurückgelegt. herrschaft vier Wochen später zufällig das tote Kind. Die Angeklagte war 1949 nach dem Westen gekommen. Am Abend vor ihrer Niederkunft war sie auf dem Tanzboden gewesen und am Morgen nach der Geburt machte sie ihren Dienst wie alle Tage. Die Dienstherrschaft hatte von ihrem Zustand nichts bemerkt. Die Angeklagte erklärte vor Gericht, sie habe nicht von vornherein die Absicht gehabt, das Kind zu töten.„Ich war nicht ganz bei Verstand, sonst wäre mir das gar nicht passiert“, sagte sie. Als das Kind gestrampelt habe, habe sie es mit der Decke zugedeckt und gewürgt. Der medizinische Sachverständige erklärte, daß zur Zeit der Tat keine Bewußtseinsstörung bei der Angeklagten vorgelegen habe. Sie habe aus Angst heraus gehandelt. Es sei geradezu ein Standarddelikt dieser Art. Der Staatsanwalt beantragte unter Zubilligung mildernder Umstände ein Jahr zwei Monate Gefängnis. Es sei zu berücksichtigen, daß das Mädchen kein leichtes Schicksal als Flüchtling gehabt habe. Die Verteidigerin bat um eine noch mildere Strafe. Das Gericht billigte der Angeklagten zwar auch mildernde Umstände zu, da sie in den letzten zehn Jahren kein wahres Familienleben kennengelernt habe, vollgeständig sei und Reue zeige. Aber unter dem Gedanken der allgemeinen Abschreckung habe eine höhere Strafe verhängt werden müssen.„Wir leben heute in einer Zeit“, heißt es in der Begründung,.da die Achtung vor dem Menschenleben immer mehr abnimmt oder überhaupt nicht mehr vorhanden ist“ Verknobelt Schlips, Rock, Hose und Oberhemd verlor nach und nach ein Zecher in einer Coesfelder Gastwirtschaft beim Knobeln, nachdem er alles Bargeld verloren hatte. Als er nur noch in der Unterwäsche und in Schuhen dasaß, gab er das Spiel auf und schwankte mit den kümmerlichen Überresten zur Empörung nächtlicher Straßenpassanten nach Hause. Ausfallunterstützung für Außenarbeiter Bäcker an Preisheraufsetzung nicht interessiert— Brotverzehr gesunken Bonn.— Eine Ausfallunterstützung statt der üblichen Arbeitslosenunterstützung sollen Arbeitnehmer des Hoch- und Tiefbaus, des Gipsereigewerbes, der Natursteinindustrie und andere Außenarbeiter erhalten. Das sieht ein Gesetzentwurf vor, den Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen einbringen werden. Der„Gesetzentwurf über die Gewährung einer Ausfallunterstützung bei Außenarbeiten“ soll den Zweck haben, Arbeitslosigkeit in gewissem Umfang zu verhüten und die Arbeiter an ihre Arbeitsstätte auch über die Wintermonate hinaus zu binden. Die in Baden-Württemberg gemachten Erfahrungen hätten gezeigt, daß ein großer Teil insbesondere der Bauarbeiter be! dieser Regelung nicht arbeitslos wird und daß den Betrieben die eingearbeiteten Fachkräfte erhalten bleiben. Auch Hilfskräfte könnten auf diesem Wege weiterbeschäftigt werden. Dem Arbeitnehmer werde dadurch sein Arbeitsplatz gesichert, und die Arbeitsämter würden finanziell und arbeitsmäßig entlastet. Nach Berechnungen des Landesarbeitsamtes BadenWürttemberg ist der Aufwand der Ausfallunterstützung erheblich geringer als für Arbeitslosenunterstützung. Außerdem kommt aus den Löhnen der Ausfallunterstützten ein Mehraufkommen an Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung auf. Pakistanische Eisenbahner im Bundesgebiet Bonn. Eine Kommission pakistanischer Eisenbahnfschleute hält sich zur Zeit im Bundesgeblet auf, um mit der deutschen Waggonindustrie über den Bau einer Fabrik zur Herstellung von Eisenbahnwaggons in Pakistan zu verhandeln. Die Kommission hat bereits einige andere westeuropäische Länder bereist. Einzelheiten des neuen deutsch-jugoslawischen Handelsabkommens wurden veröffentlicht. Die Liste der Waren, die ohne mengenmäßige Beschränkungen in die Bundesrepublik eingeführt werden können, ist erweitert worden. Andererseits ist das Buchungsbescheinigungsverfahren für deutsche Ausfuhren nach Jugoslawien erleichtert worden. Zur Entlastung der Arbeitslosenversicherung wird diese Unterstützung auf Unternehmer, Arbeitnehmer und Arbeitsverwaltung verteilt, die Unterstützung beträgt in der Doppelwoche für Angehörige der Steuerklasse I 55, für solche der Steuerklasse II 65 und der Steuerklasse III 75 Prozent des Unterschiedes zwischen dem tatsächlich gezahlten Arbeitsentgelt und dem Arbeitsentgelt, das der Arbeitnehmer ohne die Unterbrechung in 80 Stunden hätte erzielen können. Rheinisch-Westfälische Börse Düsseldorf, 5. Juli 1954. Tendenz: Haussierend unter Führung der Favoriten, Industrie-Aktien Kaufhof 171 bz Accu-Hagen 153 G Krefft 59 bzG AEG 145 bzG Mannesmann 129½ bz Allg. Hoch-& Ing. 100 G Mülheimer Berg 109 bz0 Badische Anilin 150½ bz Rh. Braunkohle 162½ bz Balcke Maschinen 135 bz GRheinstahl 197 bz Bergb. Ew. Ludwig— GRWE 160 bz G BMW 95bzG Rheinmetall 17 G Bemberg 78½ bz G Rheinpreußen 131¼ bz Beton-& Monler 136 G Rheinstahl-Union Bosw,& Knauer 100 bz 145 bz G ex Div Buderus 147 bz Salzdetfurth 151 ½ ba Burbach 127 bz G Schering 290 bz Br Busch Jaeger 188 bz G Schiess 125 bz Cassella 211½ bz Schwabenbräu— G Conti-Gumml 170½ bz Siem, Stämme 174 bz Consolidation 120 bz Siem, Vorzüge 173 bz BI Daimler 144 bz G Stamag 127 G Demag 169 bz Ver, Dt. Nickel 136½ bz Dt. Conti Gas 154 bz Ver. Rumpus 83 Br Dt. Erdol 126 bz G Ver. Stahlwerke 228 bz Didier 157 G Wasser-Gelsenk. 143½G Dortm. Akt. Br. 170 bz GWintershall 153½ Bi Dortm. Ritter Br.— G Zellwald 113½ bz Dortm. Union 172 G Baak-Aktien Dynamit Nobel 166 G Commerzbank Liqui Essener Steinkohle 97½ bz 6½ bzC Farbenf. Bayer 169½ bz Bankv. Westd. 145 bz G I.G. Farben Liqui 34½bz Deutsche Bank Liqui Feldmühle 188 bz ex DIV. 9 bzG Felten 119 bz Rh.-Westf. Bank 147 bz G Goldschmidt 97½ bz Dresdner Bank Liqui Harpener 100 bz 8½ bz0 Hindrichs Auff, 49 bz Rh.-Ruhr-Bank 144 bzG Hochtief 110 bz Frelverkehr Hoechster Farben 159¼ bzChemle-Faser Inh. 78-82 Hoesch 313 bz Elsenhütten Köln 131 G Kabel Rheydt 165½ bz CGutehoffnungshütte— Kall-Chemle— G Phrix-Inh. 441/-48½ Phrix-Namens 36-38½ Rh. Kunstseide 73-77 Karstadt 159 G Schulth. Stämmo 26-28 Übermittelt vom Bankverein Westdeutschland DM-West— DM-Ost Frankfurt(Main), 5. Juli.(vwd) Dle Wechselstuben kaufen 472,50 DM-Ost für 100 DM-West und verkaufen 100 DM-Ost fr 22 47 DM. Waea. WIRTSCHAFT UND ARBEIT Keine Brotpreiserhöhung zu erwarten Bäcker an Preisheraufsetzung nicht interessiert— Brotverzehr erheblich Umwälzung in der europäischen Altertumkunde? Westfalens Stämme und Landschaften Der„Tag der westfälischen Gesch ichte“ in Münster brachte wertvolle Aufschlüsse Achtung vor dem Menschenleben nimmt ab Mutter erstickte ihr Kind Hausangestellte zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt- Aus Angst gehandelt Sie fanden ein neues Zuhause: Besuch bei den Lebclaci-Kincleen Die beiden Kinder von Maria Cebotari und Gustav Dießl, Peter und Fritz, haben wieder Eltern. Ihr Vater, der beliebte Filmschauspieler, war 1948 aus dem Leben geschieden. Ein Jahr später verstummte auch die Stimme der Sängerin, die ihre glänzende Karriere im Kirchenchor einer Kathedrale im bessarabischen Kischinew begonnen hatte. Tausende von Wienern gaben Maria Cebotari vor fünf Jahren das letzte Geleit. 39 Jahre war sie alt geworden. Ihre zwei Kinder wurden Vollwaisen. Ein Testament bestimmte, daß die Erzieherin Hedwig Cattarius bei Peter und Fritz bleiben sollte. An dieser Bestimmung scheiterten viele Adoptivpläne. Aber im vergangenen Jahr ging Hedwig Cattarius ins Wasser der Donau, um etwas „Unaufschiebbares“ zu erledigen. Das „Unaufschiebbare“ war vermutlich die nicht aufzuhaltende Adoption. Jetzt haben Peter und Fritz neue Eltern. An einer der idyllischsten Stellen der berühmten Hampstead Heide in der Blumenvorstadt von Nordlondon, Highgate, in der Nähe des historischen Schlößchens von Ken Wood, liegt eine große Villa. Öft stehen Nachbarn vor dem„White House“ und lauschen den Klängen, die auf den Parkweg dringen. Alle wissen: die musikliebende Gesellschaft gibt sich ein Stelldichein. In diesem paradiesisch schönen Versteck, fern von dem Lärm der Weltstadt, leben der britische Pianist Clifford Curzon und seine Frau Lucille geborene Wallace. Mrs. Curzon ist eine sehr attraktiv aussehende Amerikanerin, Anfang 40, und eine der beliebtesten Harfenistinnen und Spinett-Spielerinnen. Das Ehepaar lebt seit 23 Jahren in glücklicher Harmonie. Sie begleitet ihren 47jährigen Gatten auf seinen Konzert-Tourneen, die ihn durch Amerika, Frankreich, Österreich und Deutschland führen. Das Ehepaar ist kinderlos. Seit vielen Jahren hatten beide den Wunsch, zwei Knaben zu adoptieren. Bei der großen Musikliebe des Künstlerehepaares war es nur natürlich, daß sie gern musikalisch begabte Kinder in ihrem Heim aufnehmen wollten.— Die Curzons besuchten in fast allen Städten, in die sie auf ihren Gastspielreisen kamen, Waisenhäuser, um nach einem Geschwisterpaar Ausschau zu halten, dessen Eltern Musiker waren, und die auch selbst musikalisch begabt waren. „Hallo, Miß“, wird sie von Billy Hopkins formlos begrüßt. Jack sagt gar nichts, er setzt sich in den ersten Sessel, mit dem Rücken zur Wand. Margarets„Hallo, boys!“, klingt nicht sehr einladend. Es fällt ihr schwer, eine gelassene Miene zur Schau zu tragen.„Wollen es kurz machen“, läßt Billy sich vernehmen,„Ihr alter Herr ist der nächste. Schätze, es wird ganz schön etwas dabei herausspringen! Wo ist sein Büro?“ Entsetzt springt die 18jährige auf, das hatte sie nicht erwartet! Ein Blick auf Jackies Rechte läßt sie erstarren. Es dauert den beiden Besuchern schon viel zu lange. Ungeduldig wiederholt Billy seine Frage. Doch Margaret kann unbemerkt die Klingel drücken, welche die Zofe herbeiruft. Als sie erscheint, wird sie Gloria mit Goldpuder im Haar Einstiger Filmstern sucht Mode-Ideen in Paris Paris.— Überall wo sich ganz Paris trifft, sieht man jetzt auch Gloria Swanson, einst berühmter Stern der Leinwand, heute— mit siebenundfünfzig Jahren— Inhaber eines Modesalons in Neuyork. Sie hat die Absicht, ihren Namen noch einmal auf Hochglanz zu bringen, diesmal als selbständige Modeschöpferin. Gloria bietet ihren Kunden vor allem kleine kokette Hütchen an, die mit mächtigen Vogelschwingen und echten Diamanten geschmückt sind. Dazu müssen die Damen nach Glorias Meinung Goldfäden in die Frisur flechten. In Paris tritt sie mit kurzgeschnittenem gefärbtem Haar auf, das mit echtem Goldstaub gepudert ist. Damit die neue Mode möglichst viele Augen auf sich zieht, hat sich Gloria kleine Goldplättchen, Diamanten und Perlen in die Frisur gesteckt, von denen man nicht weiß, ob sie echt oder imitiert sind. Das Ganze ist so kunstvoll angeordnet, daß die Damen der Gesellschaft neugierig fragen, woher die Swanson die Zeit nimmt, diese glitzernde Pracht täglich zu erneuern. Von welchen Absichten sich Gloria nach Paris treiben ließ, verriet sie bisher nicht. Da sie Inhaberin eines Modesalons ist, dürfte sie wohl versuchen, in der Seinestadt mit„den Augen zu stehlen“, was tich in Neuyork verwerten läßt. Oft haben die Harfenistin Lucille und der Pianist Clifford Curzon in diesen Häusern Proben ihrer Kunst gegeben und beobachteten dabei ihr Publikum, um vielleicht auf diese Weise die geeigneten Kinder ausfindig zu machen. Bei den Salzburger Festspielen im Jahre 1952 machte sie einer ihrer befreundeten Kollegen auf das Schicksal zweier musikalisch höchst begabter Waisenkinder aufmerksam, und so erfuhren die Curzons von dem traurigen Dasein der Schauspieler-Waisen. Der damals zehnjährige Peter und sein Bruder, der siebenjährige Fritz Cebotari, waren der Obhut einer Erzieherin, Hedwig Cattarius, anvertraut. Sie war schon zu Lebzeiten der Eltern als Gouvernante in Wien angestellt und wachte eifersüchtig darüber, daß Peter und Fritz unter ihrem Einfluß blieben. Dr. Skinner hält es für Unsinn, daß es einem beim Rechnen versagenden Kind an einem„mathematischen Sinn“ mangeln soll. Seiner Meinung nach liegt der Fehler nur darin, daß ein Lehrer seine Schüler nicht schnell genug korrigieren kann, gepackt, gefesselt und in ein entlegenes Zimmer des weitläufigen Hauses geschleppt. Margaret kann keine Hilfe mehr erwarten. „Kommt!“, fordert sie die beiden kurz auf und geht voran in das Büro ihres Vaters. Mit bleichem Gesicht schaut sie zu, wie Billy die Schubladen durchwühlt und den Tresor aufbricht. Jack hat den Revolver noch immer in der Hand. Daß sie das in einer einzigen Sekunde vergißt, ist ihr Verderben. Plötzlich ist es aus mit Margarets Beherrschung, sie stürzt sich auf den gebückt arbeitenden Billy und krallt sich in seinen Haaren fest. Ein wilder Ringkampf setzt ein, Margaret fliegt gegen die Wand, ein Schuß kracht. In aller Ruhe können die beiden abendlichen Besucher Mr. Donovans Wohnung wieder verlassen.—— Der kommt erst Stunden später nach Hause, die Geschäfte nehmen ihn zu sehr in Anspruch. Wäre seine Tochter verschwunden, er hätte es kaum bemerkt. So aber liegt sie tot vor seinem Schreibtisch, in einem wirren Durcheinander von Papieren und Akten. Mr. Donovan hat noch Kraft genug, die Polizei zu alarmieren. Sie entdeckt die gefesselte Zofe. Aber Mary kann nichts sagen, es kam alles zu unerwartet. Unerwartet für den vermögenden und in der Gesellschaft angesehenen Mr. Donovan sind auch die Aufklärungsergebnisse der Polizei in dieser Mordsache. Miß Margaret hatte schon seit längerer Zeit mit der Unterwelt in Verbindung gestanden. Die junge Dame litt an chronischer Langeweile und empfand es als aufregendes und amüsantes Spiel, mit Gangstern Raubzüge auszuführen. Freilich war sie nur Statistin dabei geblieben, aber das nahm dem ungewohnten Nervenkitzel nichts von seinem Reiz. Die 18jährige hatte in ihrer Naivität nicht mit der Brutalität der Unterwelt gerechnet. An einem Diebstahl bei ihrem eigenen Vater wollte sie sich nicht beteiligen. Sie unterschätzte die Verbrecher ein zweites Mal, als sie sich zur Wehr setzte, und bezahlte den Nervenkitzel mit ihrem Leben. Margaret Donovan mußte mit 18 Jahren sterben. weil sie weder Mutter noch Geschwister noch einen Vater hatte, der sich um sie kümmerte, das war die Meinung der Neuyorker Polizei, die nicht nur einen, sondern viele Fälle„Donovan“ kennt. Adoptions-Angebote Auf die zahlreichen Nachrichten über das Schicksal dieser beiden Waisenkinder bewarben sich insgesamt 142 Eltern um die Adoption je eines Knaben. Unter ihnen befanden sich sehr wohlhabende und prominente Künstler. Auch lagen Adoptionsangebote aus italienischen Aristokratenkreisen vor. Aber jedesmal berief sich die Erzieherin auf den letzten Wunsch der Mutter, man möchte die Kinder niemals trennen und ins Ausland geben.— So scheiterten alle Bemühungen, den beiden Kindern wieder einen Vater und eine Mutter zu geben. Als die Curzons die Geschichte von Peter und Fritz hörten, begaben sie sich sofort in das Heim der Kinder und nahmen zunächst einmal mit der Erzieherin Fühlung. Fräulein Cattarius ließ sich auch nicht durch den weltberühmten Namen des Ehepaares und die Möglichkeiten, die sich für die Zukunft der ihr anvertrauten Kinder ergeben könnten, von ihrer ablehnenden Haltung abbringen und erklärte, daß sie es unter keinen Umständen zulassen würde, wenn die Kinder etwa nach England„entführt“ werden sollten. wenn sie etwas falsch machen. Experimente mit Tieren haben ihn davon überzeugt, daß eine Pause zwischen der Lösung der Aufgabe und der Korrektur, und seien es auch nur wenige Minuten, das Lernen schwerer macht und verlangsamt. Seine Maschine schließt jede Verzögerung aus. Der Apparat sieht aus wie eine Registrierkasse. Oben auf dem kleinen Kasten ist ein Fenster, unter dem ein mit Rechenaufgaben bedruckter Papierstreifen entlangläuft. Hier liest der Schüler seine Aufgabe ab. Er löst sie durch die Betätigung von Schiebern, ebenfalls wie bei der Registrierkasse. Hat er die seiner Meinung nach richtigen Zahlen eingestellt, dreht er einen Knopf. Dieser läßt sich aber nicht drehen, wenn die Aufgabe falsch gelöst ist. Erst bei richtiger Lösung gibt die Sperre ihn frei. Ein Klingelzeichen ertönt, der Papierstreifen unter dem Fenster rückt weiter und zeigt die nächste Aufgabe an. Der Schüler weiß also immer sofort, ob er falsch gerechnet hat, und kann sich durch erneute Betätigung der Schieber sofort selbst verbessern. Das hält Professor Skinner für den wichtigsten Vorteil. Zweitens wird durch die Maschine den Lehrern die Arbeit leichter gemacht. Wenn jedes Kind hinter einem solchen Apparat sitzt, kann der Lehrer bequem die ganze Klasse überwachen, und die Schüler lösen ihre ja schon vorgedruckten Aufgaben in dem ihnen gemäßen Tempo. Was sehr wichtig ist: Ein wegen Krankheit der Schule ferngebliebenes Kind kann nach seiner Rückkehr im Rechnen dort weitermachen, wo es aufgehört hat. Und der Lehrer kann in Ruhe die Aufgaben so zusammenstellen, daß sie ein methodisches Lernen gewährleisten. Beobachtungen an seiner eigenen Tochter haben den Professor auf die Idee gebracht, eine solche Maschine zu erfinden. „Obwohl sie gut lernt“, erzählte er,„hätte ich doch das Gefühl, daß es noch besser gehen würde bei Anwendungen der Prinzipien, mit denen ich bei meinen Tierversuchen arbeite.“ Züricn.— In der Schweiz unternimmt man den Versuch, den selten gewordenen Storch wieder anzusiedeln. Vor sechs Jahren gab es nur noch sechs bewohnte Storchennester im Land, seit 1950 ist auch das letzte verwaist. Darum begann die Vogelwarte Sempach ihren Plan zur Wiedereinführung der schwarzweißen Vögel zu verwirklichen, der auf erfolgreichen Vorarbeiten der früheren deutschen“ Vogelwarte Rossitten fußt. Im Elsaß wurden Jungstörche eingefangen und in die Schweiz gebracht, wo man sie bis zur Brutreife in Gehegen großzieht. Sie werden in Horsten ausgesetzt, die günstig liegen und in denen sie sich an die Freiheit gewöhnen können. Die größte Schwierigkeit des Planes liegt darin, daß die Jungstörche bei der Aufzucht im Horst zu zahm werden und sich Die Curzons erreichten es, daß die Kinder auf einige Tage in ihre Villa am Attersee kamen. Dort lauschten sie den Darbietungen ihrer neuen Freunde und waren hell begeistert.— Peter konnte schon Klavier spielen und war stolz, als der englische Pianist ihn lobte und ihm eine große Zukunft prophezeite.— Der Kleinere freute sich mehr an dem Spinett, auf dem Mrs. Curzon alte englische Volkslieder spielte. Noch, als die Curzons die Kinder wieder zu ihrer Erzieherin zurückgebracht hatten, schwärmten Peter und Fritz von dem herrlichen und glücklichen Heim:„Es ist wie bei Mutti“, sagt der Altere, der sich noch an die Zeiten im elterlichen Heim in Wien erinnern konnte. Zahllose Formalitäten Inzwischen unterrichtete sich das Ehepaar bei seinen Anwälten über die Formalitäten. Angesichts der Prominenz des Künstler-Ehepaares erklärte das österreichische Vormundschaftsgericht sein Einverständnis mit der Adoption. Auch die englischen Behörden gaben ihre Zustimmung. Dann kam der plötzliche Tod der Erzieherin. Ein sofort eingesetzter Vormund beschäftigte sich mit den verschiedenen Gesuchen. Man entschloß sich, den Curzons den Vorzug zu geben. In der neuen Heimat Es war einer der glücklichsten Tage in der Londoner Blumenvilla, als die Mitteilung aus Österreich kam. Die Curzons flogen nach Wien und begannen mit Hilfe von Juristen alle notwendigen Formalitäten zu erledigen.— Die Einreise von Peter und Fritz nach England ging ohne Schwierigkeit vonstatten. Das Londoner Home Office gab mit Freuden die Erlaubnis. Und so erschienen eines Morgens die beiden österreichischen Waisenkinder in der Villa an der Londoner Highgate Heide. Inzwischen waren sie in Privatschulen von London angemeldet und aufgenommen worden. Sie hatten auch schon ein wenig englisch gelernt. Peter kann auf Fragen, wie es ihm gefällt, in korrektem Oxford-Englisch antworten:„Wonderful“. Fritz eifert seinem Bruder nach. Sein Englisch ist noch etwas zaghafter und klingt verräterisch nach Wien. Hinter diesem Geschehen verbirgt sich eine menschliche Tragôdie, die es dem Gericht sehr schwer machen wird, das rechte Strafmaß zu finden. Denn das Schicksal hatte dem Lichteneggerhof, wie das Anwesen heißt, übel mitgespielt. Vor zwölf Jahren war der Bauer gestorben. Die ganze Arbeit auf dem 30 Morgen großen Hof ruhte nun auf den Schultern der Bäuerin und der drei Töchter. Sie hatten es sehr schwer, da die Mutter kränkelte. Als später eine der Töchter heiratete, war überhaupt nicht mehr daran zu denken, die Neubaupläne zu verwirklichen, die der Bauer entworfen hatte Anna als Alteste trug die ganze Last der Verantwortung. Immer wieder wurde ihr zugeredet, sie solle doch heiraten, damit ein Mann ins Haus komme. Das stattliche Mädchen war auch schon einmal versprochen gewesen, aber der Bräutigam liegt seit 1943 irgendwo draußen auf den zahlreichen Schlachtfeldern des Krieges. Was sich jetzt noch als Bewerber nahte, hatte die Augen weniger auf das alternde Mädan die Nähe des Menschen gewöhnen. Bei ihren späteren Flügen nach dem Süden besteht dann die Gefahr, daß sie rasch eine Beute von Jägern und Vogelfängern werden. Sowie sie in einem Dachhorst ausgesetzt werden, muß der Kontakt zum Menschen aufhören. Man will deshalb für die anfangs noch notwendige Fütterung „Lifts“ benutzen, die zum Dach hinaufführen und den Störchen das Futter auf diese Weise servieren. Der Wiedereinbürgerungsversuch dauert mindestens zwanzig Jahre. So lange braucht man, bis der Storch brutreif geworden ist, selbst seine Jungen aufzieht und mit ihnen nach der ersten Winterreise wieder in sein altes Quartier zurückkehrt. Da er seinem früheren Standort meistens treu bleibt, ist damit zu rechnen, daß die ausgesetzten Vögel die Schweiz wieder aufsuchen. Bunte Welt Alles über Eva Hamburg.—„Die Deutschen haben einen Flüsterfeldzug gegen mich begonnen, eine Schmutzkampagne gegen mich und meinen zukünftigen Mann Curd Jürgens“, heißt es in einem Interview, das die Filmschauspielerin Eva Bartok von Hamburg aus telefonisch einem englischen Reporter gab. Das Interview wurde nach dem Durchfall ihres Films„Rummelplatz der Liebe“ bei den Filmfestspielen in Berlin gegeben und im„Daily Graphic' veröffentlicht. Eva Bartok meint, die Deutschen seien ihr böse, weil sie einen Osterreicher heiraten wolle. Wörtlich erklärt sie:„Und wenn die Deutschen ganz eklig werden, sage ich mir: „Mach Dir nichts draus— England ist deine wahre Heimat.“(art) . Blaue Rosen Raddington(England).— Die erste blaue Rose der Welt gezüchtet zu haben, glaubte in diesen Tagen der Amerikaner Stephan Phelan aus Memphis. Er hat sich geirrt. 24 Stunden, nachdem die Meldung in die Welt hinausgekabelt war, meldete sich der englische Rosenzüchter Weatercroft, dem bereits vor anderthalb Jahren halbblaue Rosen geglückt sind Weatercrofts Ziel ist es aber, eine richtige himmelblaue Sorte zu entwickeln. Unter Omas Schirm Mailand.— Als während eines Platzregens in Mailand ein Polizist den Autoverkehr unverdrossen weiter regelte, kletterte eine alte Frau zu ihm auf das Podest und hielt ihren Schirm über ihn.„Diese jungen Leute passen nicht auf ihre Gesundheit auf!“, sagte sie. Es war die Großmutter des Polizisten.(Reta) „Nicht erfunden.“ Hamburg.— Autoren, die für das Fernsehen des NWDR schreiben, müssen die Rechte an ihrem Werk en bloc für alle Länder und Zeiten abtreten.— „Die Übertragung der Rechte gilt für sämtliche Rundfunkzwecke, auch so weit sie zur Zeit noch nicht bekannt oder nicht erfunden sind“, heißt es in den smarten Verträgen, die die klugen Juristen des Fernsehens ausgetiftelt haben. Um dem Gesetzgeber die Möglichkeit zu nehmen, regulierend einzugreifen, enthalten die Fernsehverträge die Klausel:„Die Übertragung erfaßt auch Urheberrechte, welche dem Veräußerer auf dem Gebiet des Rundfunks auf Grund künftiger Gesetzgebung erwachsen sollten.“(art) chen als auf das Anwesen geworfen. Und das war leider nicht recht„beinand“. Der künftige Bauer auf dem Lichteneggerhof konnte sich leicht ausrechnen, daß ein Menschenalter harter Arbeit dazu gehörte, die alten Gebäude durch neue zu ersetzen. Am 21. März saß die Bäuerin auf dem Sofa und sah auf den Hof hinaus.„Schau, Mariedl, wia da Nebel einfallt“, sagte sie zu ihrer jüngsten Tochter. Es war jedoch kein Nebel. Um die Fenster wallten vielmehr die ersten Rauchwaden des Feuers, dessen Flammen bereits aus dem Dach schlugen. Das Anwesen brannte bis auf die Grundmauern nieder. Erst Wochen später wurde auch die Hoferbin Anna in den Kreis der Verdächtigen einbezogen. Lange leugnete sie, den Brand gelegt zu Ersatz gesucht Paris.—„Die Anwaltskanzlei Blondel sucht für frei gewordenen Posten seriösen Mitarbeiter.“ Dieses lakonische Inserat erschien in der offiziellen französischen Juristenzeitschrift„La Gazette du Palais“. Der Name der Firma Blondel erregte Aufsehen. Vor kurzem hieß die Firma noch Coty&: Blondel Der erwähnte Posten ist dadurch frei geworden, daß Dr. Coty zum Präsidenten der Republik gewählt wurde Skn. haben. Dann brach sie zusammen und erleichterte ihr Gewissen durch ein Geständnis, in dem sie auch die Beweggründe nicht verschwieg. Mit ihr verhaftet und ins Kreisgericht eingeliefert wurde der Maurerpolier Stadlbauer. Er soll sie zu der Tat angestiftet haben. Da er verheiratet und Vater mehrerer Kinder ist, dürfte er der Bauerntochter kaum ein Eheversprechen gegeben haben. Wahrscheinlich spekulierte er auf den Neubauauftrag. Anna dagegen gab unumwunden zu, daß sie gehofft hatte, einen Mann zu finden, der an ihr und dem neuen Hof Gefallen fände. Sensationslust brachte den Tod 18jährige spielte die„Gangsterstatistin“— Während eines Einbruchs beim eigenen Vater erschossen! Neuyork. Gegen 20 Uhr klingelt es an dem Villenportal Mr. Donovans. Zwei gutgekleidete Herren begehren Einlaß. Die Zofe geht öffnen, Mr. Donovan sei leider nicht daheim. Sie wollten Miß Margaret sprechen? Einen Augenblick bitte! Miß Margaret hat einen großen Bekanntenkreis und empfängt oft Besucher. Nach kurzer Zeit ist die Zofe wieder zurück, Miß Margaret läßt bitten. Sie hat die beiden anscheinend erwartet—— Rechnen lernen- maschinell Amerikanischer Wissenschaftler konstruierte„Lernapparat“— Bei Tierversuchen erworbene Kenntnisse praktisch angewendet Neuyork. Eine Maschine, die Kinder das Rechnen lehrt, hat der HarvardProfessor Dr. B. F. Skinner erfunden. Der vor allem durch seine interessanten Tierversuche bekanntgewordene Wissenschaftler— er lehrte u. a. Tauben das Tischtennisspielen— kam zu dem Schluß, daß Kinder viel lieber und leichter lernen, wenn man es ihnen mit Hilfe technischer Spielzeuge schmackhaft macht. Brandstifterin aus Heiratslust Bauerntochter zündete den elterlichen Hof an, um zu einem Mann zu kommen Wien.„Überständige“ Frauen schlagen oft seltsame Wege ein, um noch zu einem Mann zu kommen. Den seltsamsten aber ging wohl die 35jährige Bauerntochter Anna Mairigner aus der Gemeinde Ungenach, die als Brandstifterin dem Kreisgericht Wels vorgeführt wurde. Sie hatte den elterlichen Hof angezündet, um ihn mit Hilfe der Versicherungssumme neu aufbauen und dann als Hoferbin heiraten zu können. Bisher hatte sich kein Bewerber gefunden, weil das Anwesen schon halb baufällig war. Futterlifts für Störche Schweiz will„Preußenvögel“ ansiedeln— 1950 verwaiste der letzte Horst Was ATA a1 /V. Ja, ohne wird blank ATA geht es Wenn zwei dasselbe tun/ Von Günther Spang An jenem Morgen sah der Zeitungsverkäufer Ellenbruck, wie ein elegant gekleideter Herr einer älteren Dame die Handtasche entriß und damit im Straßengetümmel zu entkommen suchte. Ellenbruck rannte dem Dieb sofort nach, konnte ihn bis auf Reichweite einholen, als ihm plötzlich rücklings ein Bein gestellt wurde, so daß er, jeden Halt verlierend, mit dem Gesicht auf das Straßenpflaster schlug. Jemand warf sich ihm auf den Rücken, nestelte an seinen Händen herum, und ehe Ellenbruck zur Besinnung kam, sah er sich mit schmalen, glänzenden Manschetten gefesselt. Gleich darauf fühlte er sich hochgezogen und fand sich inmitten einer empörten Menschenmenge einem dicken Polizisten gegenüber.„Sie Narr“, brüllte Ellenbruck.„Ich bin doch nicht der Dieb!“ „Nur keine falsche Aufregung“, erwiderte der Polizist.„Kennen wir. Die Handtasche raus.“ „Wenn Sie mir nicht das Bein gestellt hätten, könnte ich sie Ihnen geben“, schrie Ellenbruck wild vor Wut.„Ich hatte den Kerl ja schon!“ „Wird sich herausstellen“, sagte der Polizist und stieß Ellenbruck, ohne daß er ihn zuvor durchsuchte, zur Polizeiwache. Sie sind der größte Idiot, der mir in meinem Leben begegnet ist!“ stöhnte Ellenbruck.„Wenn Sie das nicht Ihre Stelle kostet——!“ Auf der Polizeiwache saß die Dame, der— die Handtasche fehlte. „Hier ist der Dieb!“ triumphierte der UNSER Polizist und warf sich in die Brust.„Gott sei Dank“, seufzte die Dame erleichtert. fing aber gleich an zu weinen.„Das ist er doch gar nicht“, stammelte sie. Die Unterredung ergab natürlich, daß man den Falschen erwischt hatte. Ellenbruck wurden die Handschellen abgenommen, und die Dame verließ in Tränen aufgelöst die Polizeiwache. „Wir müssen uns selbstverständlich wegen dicses Vorfalls entschuldigen, sagte ein Wachtmeister zu Ellenbruck,„aber wir können nicht umhin, Strafantrag wegen Beamtenbeleidigung zu stellen. Schließlich ist ein Polizist kein Idiot. Das kostet Sie zwanzig Mark oder vier Tage Haft!“ Ellenbruck war fassungslos.„Hab' ich es hier denn mit Verrückten zu tun?!“ Vierzehn Tage später wurde er, da er die Geldstrafe nicht entrichten konnte, ins Gefängnis gesperrt. Während der Haft stieß Ellenbruck aber so schreckliche Verwünschungen gegen den dicken Polizisten und die ganze Polizei aus, daß man seine Strafe wegen grober Beleidigung im Wiederholungsfalle um das Doppelte erhöhen mußte. Und da er auch nicht im geringsten daran dachte, seine Beschimpfungen einzustellen, folgten fast täglich neue Bestrafungen, die die Aussichten auf seine baldige Entlassung immer geringer werden ließen. Gewiß hätte Ellenbruck noch Jahre in seiner Zelle verbracht, wenn nicht eines Tages ein Rechtsanwalt sich aus reiner Menschenfreundlichkeit für seinen Fall eingesetzt und vom Gericht eine Amnestie erwirkt hätte. „Na endlich“. sagte der Gefängnisdirektor, als er Ellenbruck nach acht Monaten Haft die Entlassungspapiere aushändigte. Tat mir leid, Sie so lange hierbehalten zu müssen. Aber Gesetz ist Gesetz!“ Ellenbruck rannte schnurstracks aus dem Gefängnis zur Polizeiwache, auf der sein tragisches Geschick seinen Anfang genommen hatte.„Wo steckt der Kerl, der mich damals festgenommen hat?!“ fragte er den Wachtmeister, der ihn gleich wiedererkannte. In das Gesicht des Wachtmeisters legte sich ein behäbiges Lächeln. „Ach der!“ sagte er.„Diesen Idioten haben wir damals natürlich hinausgeworfen. Er hatte noch mehr auf dem Kerbholz!“ Dann begleitete er, höflich wie Polizisten sind, Ellenbruck zur Tür und wünschte ihm für künftige Begegnungen mit der Justiz etwas mehr Glück. Rettung im leteten Augenblick Von Karl Quosig Als der Schriftsteller Ponson du Terail, zu seiner Zeit der berühmteste Verfasser von Hintertreppenromanen, eines Abends in einem Café saß, gesellte sich der Bildhauer Millet zu ihm und fragte nach kurzer Begrüßung:„Sag' mal, Ponson, hättest du Lust, mit mir eine Badereise nach Boulogne zu machen?“ „Eine Badereise nach Boulogne? Mensch, so eine Frage! Und ob ich Lust dazu habe! on Aus den Silben: a— a— a— bä— den— dis— do— e- e- en— er— er-gung—he—i-la— la— la—laus— li— 11— li— mei— mi— mu— mut— ne— o- ot- ra— ras— 54- se— ska— stal— te— tes— thal— ti— ti ti— tisch— tri— us— wa— wer, sollen 14 Wörter gebildet werden. Ihre ersten, dritten und letzten Buchstaben ergeben eine Lebensweisheit. Bedeutung der Wörter: 1. Musikstück. 2. Insekt, 3. Operettenkomponist, 4. altgriechische Tempelstadt, 5. Segelflugpionier, 6. Mistkäfer, 7. Mädchenname. 8. ungarischer König, 9. Vater des Odysseus, 10. indische Göttin, auch heiliger Name des Indus, 11. gutes Zureden, 12. völlig übereinstimmend, 13. Statthalter von Jerusalem, 14. Beifußart. Auflösung des letzten Rätsels 1. Quadrat: Esel, Sofa. Efeu, Laus. 2. Quadrat: Peru, Esel, Reim, Ulme. 3. Quadrat: Orel, Resi, Esel, Lila. 4. Quadrat: Lese, Eros, Sole. Esel. KULTURNOTIZEN Thea von Harbou, die Romanschriftstellerin und Filmautorin, ist im Alter von 66 Jahren in Berlin einem Gehirnschlag erlegen. Frau von Harbou hatte am vergangenen Sonnabend in einer Nachtvorstellung während der Filmfestspiele zu ihrem ersten Film„Der müde Tod“ gesprochen, war beim Verlassen des Theaers gestürzt und hatte sich innere Verletzungen zugezogen. Die Bad Hersfelder Festspiele wurden mit der traditionellen Aufführung des„Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal fortgesetzt. Fast 2000 Besucher erlebten das Spiel vom Sterben des reichen Mannes in der Inszenierung von Intendant Johannes Klein. Den„Jedermann“ spielte wiederum Attila Hörbiger. Lil Dagover verkörperte die„Werke“, Maria Holst die „Buhlschaft“. Mit der Uraufführung von Jürg Baurs Musik für Orchester“ wurde beim 108 Niederrheinischen Musikfest in Duisburg der erstmals in der Geschichte der Musikfeste stattfindende„Tag der Jugend“ eröffnet. Der Geiger Professor Gerhard Taschner hat seinen Vertrag mit der Hochschule für Musik in Berlin gekündigt. Er geht an die Hochschule für Musik in Köln, wo er eine Meisterklasse für Geige übernimmt. Der 28 Jahre alte Akkordeonspieler Fritz Dobler aus der württembergischen Harmonikastadt Trossingen wurde in Stuttgart Akkordeonweltmeister 1954 Das größte Betatron(Elektronenschleuder) Deutschlands wurde im phystkalischen Institut der Technischen Hochschule Karlsruhe seiner Bestimmung übergeben. Es kann Strahlen mit einer Energie von 32 Millionen Elektronenvolt erzeugen. Solche Strahlen werden für die Materialuntersuchung starkwandiger Teile aus Metall oder Keramik und für die Bekämpfung des Krebses und anderer tiefliegender Geschwulste verwendet. Der Patriarch von Venedig, Kardinalerzbischof Roncalli, hat seinem Klerus den Besuch der Ausstellung zeitgenössischer Kunst in Venedig(Kunstbiennale) untersagt und seine Glänbigen vor Gefahren gewarnt, die die Ausstellung für moralisch schwache Besucher enthalte. Die 8. Internationalen Filmfestspiele in Locarno wurden mit dem italienischen Film„Maddalena“ feierlich eröffnet. Unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Theodor Heuß wurde das Mozart-Komitee der Bundesrepublik gebildet. Ähnliche Komitees sollen in allen Kulturländern geschaffen werden, um der internationalen Stiftung Mozarteum in Salzburg bei der Aktion„Promozart“ behilflich zu sein. Die Stiftung hatte Kulturträger und Musikfreunde der ganzen Welt zu einer„Dankespende Promozart“ aufgerufen, die anläßlich des 200. Geburtstages Mozarts am 27. Januar 1956 eine neue Mozart-Gesamtausgabe herausgeben will. Eine 100 Mann starke Musikkapelle der USA-Luftwaffe begann in Wiesbaden den Reigen ihrer für Sommer und Herbst dieses Jahres in 15 europäischen Ländern anberaumten Großkonzerte. Das Programm umfaßte sowohl Opern- als auch Marschmusik, Akkordion- und Gesangsoll, konzertante Tanzmusik, Potpourris und Gesangsdarbietungen der„singenden Feldwebel“. Die erste von 49 Kirchen, die die amerikanische Organisation„The wooden church crusade“ entlang der Zonengrenze im Bundesgebiet bauen will, wurde in der Sachsenwaldgemeinde Ohe bei HamburgReinbeck feierlich gerichtet. Aus allen fünf Erdteilen trafen in Paris die hervorragendsten Botaniker zu ihrem 8. Internationalen Kongreß zusammen. In der Kaiserkirche des berühmten Westwerks von Corvey begann die Würzburger Werkstätte für Denkmalspflege mit umfangreichen Restaurierungsarbeiten. In beschwerlicher Kleinarbeit sollen zunächst die fast 400 Jahre alten Ornamente unter den Deckenbalken freigelegt werden, die im Laufe der letzten Jahrhunderte mehrmals überputzt wurden. Das dritte Mozartfest der Deutschen Mozartgesellschaft wurde in Ludwigeburg bei Stuttgart festlich eröffnet. Die sterblichen Überreste des in Mexiko gestorbenen Generalmusikdirektors Prof Clemens Krauß werden nach Wien übergeführt. Krauß wird seine letzte Ruhestätte in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof erhalten. Der Filmschauspieler Ludwig Schmitz, der im Alter von 70 Jahren an einem Schlaganfall in Münster gestorben ist. wurde auf dem stadtischen Friedhof Lauheide Lei Münster beigesetzt. Viele 100 Menschen waren, zum Teil in Sonderomnibussen, nach dem Friedhof gekommen. Zahlreiche Kränze, darunter viele von Filmgesellschaften, schmückten das Grab. Bei der Witwe des Verstorbenen sind Beileidstelegramme aus aller Welt eingegangen. Die Nobelpreisträger-Tagung in Lindau wurde traditionsgemäß durch einen Besuch der Insel Mainau abgeschlossen. Graf Lennart Bernadotte empfing die Besucher im Schloß zu einem zwanglosen Imbiß. Albert Schweitzer, der zum ersten Male auf der Insel weilte, sagte, er sel dankbar, daß er noch in seinem hohen Alter diese schöne Landschaft kennenlernen dürfe. Er werde bald wieder in den Urwald zurückkehren, wo auf ihn viel Arbeit warte. Die in einem rein chilenischen Stadtteil von Santiago gelegene Knaben-Volksschule Nr. 16 erwirkte von der Regierung die Genehmigung, sich fortan„Escuela Alemania“(Deutschland-Schule) zu nennen, In einem Festakt begründete Rektor Barrera dieses Anliegen mit dem Wunsch, den Blick seiner Schüler über die Grenzen des Landes hinauszuführen, sie völkerverbindend zu erziehen und zugleich den Dank Chiles in die deutschen Pädagogen für ihre Arbeit im Lande auszusprechen. Der Spielplan 1954/55 der Dortmunder Städtischen Bühnen steht im Zeichen des 50jährigen Bestehens des Dortmunder Großen Schauspielhauses, das im Kriege völlig zerstört wurde. Wie die Intendanz mitteilte, hofft man, im September den Grundstein für den Neubau des Hauses legen zu können. Die Spielzeit 1953/54 wurde als erfolgreich bezeichnet. Oper und Operette verzeichneten 269, das Schauspiel 319 Aufführungen. Besonders erfolgreich waren„Der fliegende Holländer“ mit 27 Aufführungen, die„Blume von Hawail" mit 68 und„Minna von Barnhelm“ mit 50 Aufführungen. Der neue Spielplan sieht noch keine Uraufführungen oder deutsche Erstaufführungen vor. Auffallend ist die hohe Zahl der Neuverpflichtungen. Wenn du willst, können wir sofort abreisen“, erwiderte der sich stets in Geldnot befindliche Ponson.„Aber verrate mir zuvor, wie du zu dem Geld für eine solche Reise kommst? Hast du etwa das große Los gewonnen, eine Erbschaft gemacht oder gar einen Bankier beraubt?“ „Nichs davon. Ponson. Aber hôre zu. Mein Onkel, der dir ja gut bekannt ist. verfolgt mit gespanntester Aufmerksamkeit deinen neuen Roman. In der heutigen Fortsetzung ließest du die Baronin, die Hauptfigur deines Romans, in einer äußerst gefährlichen Situation zurück. Sie geriet in die Hände von Banditen, und man legte Hand an sie. Sag', wird sie sterben?“ „Allerdings, das wird sie“, entgegnete Ponson mit schmerzlich bewegtem Gesicht. „Genau gesprochen, ist sie sogar schon tot. Von fünf Dolchstößen getroffen, hat sie ihr junges Leben ausgehaucht.“ „Und es gibt gar keine Rettung mehr für sie?“ „Keine einzige, mein Freund, sie ist leider mausetot.“ „Das ist verdammt schade, Ponson, denn nun wird es nichts mit unserer Reise nach Boulogne. Es ist nämlich so, daß mein Onkel mit mir gewettet hat, daß die Baronin unter den Händen der Banditen Was ein Häkchen werden will Schwer zu ergründen, wo da die Kindlichkeit aufhört und die Biestigkeit anfängt.„Der sehr photofreundliche Wärter“, schreibt der nicht minder photofreundliche Zoobesucher,„tat alles, um mir die beiden Leopardenkinder auf dem Futtertisch richtig zu placieren, aber die Teufelskerle waren das reinste Dynamit. Die»Ruhes, die sie jetzt mimen, währte genau ein tausendstel Sekunde lang. Das ist die Leuchtzeit eines Röhrenblitzes. Daß sie es dennoch zuwege brachten, einige Fellpartien auch in dieser»Frist« zu verwackeln, hat mir einige Achtung abgenötigt.“ Auf der Düne/ Von Irene Roßner Wiederholen alter Lektüre ist der sicherste Probierstein gewonnener weiterer Bildung. Friedrich Hebbel stirbt, ich aber dagegen wettete, daß sie heil und unberührt davonkommt.“ „Da hast du leider falsch gewettet“, lachte Ponson, um dann erregt zu fragen: „Handelt es sich um eine hohe Wette?“ „Nun, immerhin um vierzig Louisdor!“ „Donnerwetter! Das ist ja'ne Masse Geld!“ sprang Ponson, nach seiner Uhr blickend, auf.„Die vierzig Louisdor müssen wir natürlich haben, unbedingt. Paß einmal auf, es ist jetzt gerade zehn Uhr. Wenn ich augenblicks in einen Fiaker springe und nach der Druckerei fahre, werde ich gerade noch so viel Zeit haben, die Baronin zu retten. Also auf Wiedersehen! Wenn wir Glück haben, reisen wir morgen nach Boulogne!“ Tatsächlich gelang es in der nächsten Fortsetzung der Kunst von fünf bedeutenden Arzten, die von fünf Dolchstößen durchbohrte Baronin zu retten. Als er aus dem Wasser stieg und den trockenen Sand betrat, sah er sie oben auf dem Kamm der Düne sitzen. Er spürte die Hitze des sonnendurchglühten Sandes schmerzhaft an seinen nackten Sohlen, und gleichzeitig traf ihn der Anblick dieses Mädchens wie ein Stoß gegen sein Herz. Sie hockte mit angezogenen Knien im falben Dünengras und sah ihm mit großen, ernsthaften Augen entgegen, als habe sie auf ihn gewartet. Der Wind wehte von Westen und hob ab und zu ein Büschel ihrer Haare hoch und ließ es wie das Gras der Düne zur Seite wehen. Er hatte ein merkwürdiges Gefühl der Schwäche in den Knien. als er zu ihr hinaufstieg. Er war lange geschwommen, und das Steigen in dem lockeren Sande war mühsam. Er bemühte sich, langsam zu atmen, um das rasende Klopfen seines Herzens zu beruhigen, und blieb stehen. Da streckte sie ihm ihre Hand entgegen und half ihm die letzten beiden Schritte hinauf. Er setzte sich neben sie und sah wie sie hinunter auf das Wasser. Warum sagt sie nichts? dachte er. Fern am Horizont kreuzte ein Segelboot gegen den Wind. Der Himmel war von einem hellen und zarten Blau, die See blaßgrün und gläsern mit feinen weißen Wellenkämmen. Irgendwo in der Luft waren Möwen. Man sah sie nicht gegen das grelle Licht, aber man hörte ihre helDAMALS IN VERSAILLES Die Diäten der Abgeordneten haben zu allen Zeiten eine gewisse Rolle gespielt. Daß sie gerne bezahlt worden sind, kann man nicht gerade behaupten. So hatte Ludwig XVIII. diesen Ausgabenposten in seinem Verfassungsentwurf völlig gestrichen, als er ihn mit seinem Minister Talleyrand durchsprach. „Sire, die Diäten der Abgeordneten sind vergessen“, erinnerte dieser. „Diäten“, sagte der König verächtlich.„Die Abgeordneten mögen sich der Ehre freuen, ihrem Vaterlande dienen zu können.“ „Sire", antwortete der alte Staatsmann, der seine Pappenheimer genau kannte,„ich fürchte, daß ein Staat, der seine Abgeordneten nicht sehr gut bezahlt, ein Parlament haben würde, das ihn sehr teuer zu stehan kommt!“ Ludwig XVIII. hatte, wie fast alle Herrscher, ewig mit Finangnöten zu kämpfen. Er ernannte daher einen bürgerlichen Finanzminister, der zwar von Geldfragen sehr viel, von höfischen Sitten dagegen sehr wenig verstand. Bei der ersten Kabinettsitzung in Gegenwart des Königs packte der Neue nach alter Gewohnheit seine Taschen aus und legte ihren Inhalt vor sich auf den Tisch: Taschentuch, Geldbörse, Hausschlüssel, Tabaksdose. „Aber Herr Minister“, sagte der König indigniert, „Sie leeren ja Ihre Taschen.“ „Ganz recht, Majestät“, war die Antwort.„Oder wäre es Ihnen lieber, wenn ich sie füllen würde?“ Die Verschwendungssucht am Hofe zu Versailles war ungeheuer. Ein Vergnügen jagte das andere— ein Maskenball den anderen. Der Finanzminister, der die Mittel dafür aufzubringen hatte, erfreute sich keiner sonderlichen Beliebtheit. Sogar mit dem Hofe verdarb er es, als er einen bescheidenen Ansatz machte, auch den Adel zu besteuern. Aber natürlich machte er jedes Vergnügen mit. Eines Tages klagte er der Marquise Pompadour, daß es schwer für ihn sei, eine Maske zu finden, in der man ihn nicht erkenne. „Das ist doch ganz einfach, Herr Minister“, antwortete sie spöttisch.„Gehen Sie wie sonst gekleidet— nur nehmen Sie einen Muff.“ „Einen Muff?“ staunte der Finanzminister. „Freilich. Es wird Sie niemand erkennen, wenn Sie Ihre Hand in Ihrer eigenen Tasche haben, Herr Finanzminister!“ „Seid fröhlich in Hoffnung!“ Der 6. Deutsche Evangelische Kirchentag, der vom 7. bis 11. Juli in Leipzig stattfindet, ist der erste im sowjetisch besetzten Gebiet. Mit etwa 60 000 Teilnehmern, davon 10 000 aus dem Bundesgebiet, wird bereits in den Arbeitsgruppen gerechnet, die am Donnerstag und Freitag Vorträge und Diskussionen über Themen hören werden, die erkenten lassen, daß die Kirche nicht im luftleeren Raum steht. Zu den großen Veranstaltungen am Wochenende wird mit einer Teilnehmerzahl von mehr als einer Viertelmillion gerechnet. Seinen offiziellen Beginn findet der Kirchentag mit einer Rüststunde der Kirchentagsleitung am Mittwochvormittag in der Leipziger Universitätskirche und dem Eröffnungsgottesdienst am Nachmittag. Die Eröffnungspredigt hält der sächsische Landesbischof D. Noth(Dresden), das Eröffnungswort spricht Kirchentagspräsident D. Dr. Relnold von Thadden-Trieglaff. Bereits am Tage vorher findet die Eröffnung der Kirchentagsausstellungen statt, die neben einer Fülle anderer Sonderveranstaltungen den Ablauf des Kirchentages einrahmen. Jeder Tag wird mit einer Abendmahlsfeier und Gebetsgemeinschaften eröffnet werden. Nachdem Donnerstag und Freitag im Zelchen der Arbeitsgruppen gestanden haben, wird der„Nachmittag der Begegnung“ dem Samstag sein Gepräge geben. Im Gelände des Johanna-Parkes und des Klara-ZetkinParkes werden die evangelischen Christen aus Ost und West zusammenkommen. Inspäterer Stunde treffen sich an diesem Tage die Jugend in der Leipziger Stalinallee, die evangelischen Männer vor dem Völkerschlachtdenkmal und die Frauen in den Messehallen. Der Sonntag, an dem die Hauptversammlung auf der Rosentalwiese stattfindet, wird mit Festgottesdiensten in allen Kirchen und Tagungsstätten sowie einem besonderen Festgottesdienst der Jugend vor dem DimitroffMuseum eröffnet werden. Nach der Hauptund gleichzeitigen Schlußkundgebung auf der Rosentalwiese am Sonntagnachmittag finden die Tage der evangelischen Christen in Leipzig mit Abendmahlsfeiern in den verschiedenen Kirchen ihren Abschluß len, unruhigen Schreie. Die Luft schmeckte salzig. Er schwieg. Was hätte er auch sagen sollen? Er hatte keine Worte. Und es war Angst in ihm, diese gläserne Stille könnte zerbrechen. Ihre Arme waren nur um die Breite eines Strandhaferhalms von einander entfernt. Von seinen rann noch in glitzernden Tropfen das Wasser. Der ihre aber schien die Wärme der Sonne zurückzustrahlen auf seine Haut. Ihre Haare flatBehaltet eure Perversionen, wenn ihr sie gern habt: Muckertum, flotte Zügellosigkeit, schmutzige Phantasie! Ich jedoch bleibe bei meiner Auffassung: das Leben ist nur erträglich, wenn Geist und Körper in Harmonie sind, wenn ein natürliches Gleichgewicht zwischen ihnen herrscht und sie eine natürliche Achtung voreinander haben. Lawrence terten im Wind zu ihm herüber, aber sie berührten ihn nicht. Es waren wohl nur Sekunden, die die beiden so unbeweglich nebeneinander saßen. Ihm aber erschienen sie wie eine spannunggeladene Ewigkeit. Als er endlich zu ihr hinüberblickte, sah er, daß ihr Gesicht ihm zugewandt war. Er sah die geschwungene Linie der Augenbrauen und die dunklen Schatten ihrer Wimpern auf der bräunlichen Wange. Sie hob die linke Hand und berührte leicht mit dem Zeigefinger die weiße Narbe, die unterhalb seiner linken Schulter sichtbar war. „Verwundet gewesen?“ fragte sie, ohne ihn anzuschen. Ihre Stimme war tief und warm. Er lachte. Er war froh, endlich etwas sager zu können:„Nicht so wichtig“, sagte er leichthin,„glatter Durchschuß!“ Sie legte die Hand genau unter die Narbe. Er spürte das Klopfen seines Herzens unter dieser warmen, festen Hand. Sie hob den Kopf und sah ihn ernsthaft an.:Doch!“ sagte sie.„Eine Handbreit tiefer, und wir wären uns nie begegnet!“ Zeichnung: Klumbles Vater sein... Ein junger Franzose schob seinen Sohn im Kinderwagen die Straße entlang. Der Junge brüllte aus Leibeskräften.„Bernard, beherrsche dich. Bernard. bitte“, sagte der Vater runig.„Still doch, Bernard, nur Ruhe!“ „Meinen Glückwunsch, Monsieur“, sagte eine Dame, die den jungen Mann beobachtet hatte.„Sie wissen, wie man mit Kindern reaen mun— ruhig und freundlich.“ Dann beugte sie sich über den Kinderwagen und fragte:„Also Bernard heißt der kleine Mann?“ „eineswegs. Madame“, entgegnete der Vater.„Er heißt André. Bernard heiße ich.“ DAS BESTE AUS READER'S DIGEST er Die„Tägliche Rundschau“ läßt allerdings keinen Zweifel darüber, daß im Endspiel die bessere Mannschaft gewonnen habe, fügt aber einschränkend hinzu, daß Ungarn die beste, wenn auch nicht die erfolgreichste Elf des Turniers stellte. Der„Vorwärts“(Montagausgabe des SED-Zentralorgans„Neues Deutschland“) meint am Ende seines umfangreichen Kommentars, es sei kein frohstimmender Sieg. zu dem man die Hände schütteln könne. Der Sonderberichterstatter der Zeitung schreibt, daß die westdeutsche Elf sich bei ihren Schrittmachern bedanken könne. Die Tragweite des„gemeinen Fouls“, das Liebrich an Puskas beging, habe sich erst im Endspiel gezeigt. Wörtlich heißt es:„Es war pure Heuchelei, als die westdeutschen Masseure dem ungarischen Kapitän ihre UnterwasserBewunderung in England „Turek gewann die Krone“ London. Die gesamte britische Presse äußert staunende Bewunderung über die deutschen Sportsiege von Bern und Reims. Dem Sportteil der meisten Zeitungen gehen Meldungen auf der Frontseite voraus mit Überschriften wie:„Welch ein Tag für die Deutschen“ (News Chronicie),„Deutschlands großer Tag im Sport“(Manchester Guardian) oder „Deutschland in der ersten Reihe des europäischen Sports“(Daily Mail). Die„Times“ schreibt aus Bern: Deutschland— Ungarn 3:2. In diesen wenigen Worten in kalter Druckerschwärze drückt sich eines der dramatischsten und sicher eines der überraschendsten Endspiele in der ganzen Geschichte der FußballWeltmeisterschaften aus. Deutschland vollbrachte eine bemerkenswerte Leistung. Von einer hoffnungslos erscheinenden Position erkämpften sich die Deutschen durch ihre ungeheuere Begeisterung, ihr Stehvermögen, ihre Stärke und Willenskraft den Weg zum Ruhm zurück. Aber wenn ein Mann die Krone des Tages gewann, dann war es der deutsche Torhüter Turek.“ Triumph der Kampfmoral Was die Österreicher meinen Wien. Als die„Krönung einer hervorragenden Vorbereitungsarbeit der deutschen Mannschaft“ wertet das Wiener Montagsblatt „Welt am Montag“ den deutschen 3:2-Sieg über Ungarn. Der Erfolg sei verdient, denn Deutschland habe nicht nur eine grandiose kämpferische Leistung gezeigt, sondern auch über einen Angriff verfügt, der den Ungarn in keiner Weise nachstand. Das Blatt hebt die bis zum Schluß beispielhafte Disziplin beider Mannschaften hervor, die ein faires Spiel ermöglichte. Der Triumph der deutschen Mannschaft über die Ungarn sei auch eine Rehabilitierung des österreichischen Fußballs. Einen„Triumph der beispielhaften deutschen Kampfmoral“ nennt der„Wiener Montag“ den deutschen Sieg. Die deutsche Elf habe eine gesunde Mischung von modernem Kraftfußball und gutem technischen Können gezeigt. massage anboten.“ Nach der Feststellung, daß Ungarn die längste Verletztenliste bei der Weltmeisterschaft gehabt habe, zieht der Korrespondent den Schluß, daß es bei der Weltmeisterschaft nicht so sehr um die höchste Würde, sondern vielmehr darum ging, den Siegeszug der Amateure aus der ungarischen Volksrepublik zu stoppen, weil diese Elf aus dem Lager des Friedens komme! Am Tag der Präsidentenwahl Bonn. Bundespräsident Theodor Heuß wird voraussichtlich am 17. Juli in Berlin der deutschen Fußball-Weltmeistermannschaft den Silberlorbeer überreichen. Am 17. Juli findet in Berlin die Wahl des Bundespräsidenten statt. Die Verleihung hatte der Bundespräsident der Mannschaft bereits unmittelbar nach dem Sieg telegrafisch mitgeteilt. Menschenschlangen auch in Paris Deutsche Erfolge in Bern und Reims finden starke Beachtung Paris. Die von Deutschland gewonnene Fußball- Weltmeisterschaft in Bern und der überlegene Sieg der Mercedes-Wagen in Reims waren am Montag die Gesprächsthemen in Paris, hinter denen die politischen Ereignisse weit in den Schatten traten. Trotz stärksten Regens bildeten sich am Sonntagnachmittag vor den Rundfunkgeschäften und an den Bildschirmen der großen Zeitungen dichte Menschenschlangen, die gespannt den Kampf Deutschland gegen Ungarn in der Schweizer Hauptstadt verfolgten. Man muß schon anerkennen, daß die deutschen Fußballspieler in wunderbarer Weise ihre Fähigkeiten zu verwerten wußten“, schreibt der Sportkorrespondent des„Figaro“. „Schnell athletisch und entschlossen erzwangen sie von Anfang an ein rasches Spiel, das nicht nur ihren Konkurrenten unmöglich machte, ihre technische Überlegenheit auszunutzen, sondern zugleich deren Ermüdung herbeiführte. Die Deutschen, die häufig dank ihres höheren Gewichts und ihrer überlegenen Größe zusammen mit einem entschlossenen Siegeswillen Herren des Balls blieben. würden trotzdem unterlegen sein, wenn sie nicht eine zwar weniger glänzende, dafür aber um so sicherere Technik gezeigt hätten als ihre Gegner, die ihnen erlaubte, wirklich strategische Qualitäten zu zeigen.“ „Le Parasien Libre“:„Die Deutschen haben. ohne jemals die Virtuosität der Magyaren zu erlangen, seit drei Jahren ungeheuere Fortschritte gemacht. Damals war Frankreich noch in der Lage, sie zu schlagen, und hat dies auch im Colombes-Stadion(Paris) getan. Heute würden wir den Mannern um Fritz Walter weit unterlegen sein.“ Italien ist begeistert „Zum Schluß Katz und Maus“ Rom. Der Weltmeisterschafts- Endkampf zwischen Deutschland und Ungarn ist für die italienische Sportwelt ein„unvergeßliches Spiel“. Die deutschen Nationalspieler hätten sich als die„Offenbarung des Jahres“ erwiesen, heißt es in den ersten italienischen Kommentaren. Die Deutschen hätten nicht nur eine klare technische Überlegenheit an den Tag gelegt, sondern auch eine außergewöhnliche moralische Kraft, die es ihnen ermöglichte, innerhalb von zehn Minuten den Ausgleich zu erkämpfen.„Ein hochverdienter Sieg, der durch technische Überlegenheit während des Spiels heranreifte“, erklärte der ZWEI DERBYSIEGE FUR KALIBER UND HEIN BOLLOW Nach dem Erfolg im Österreichischen Derby gewann Kaliber mit Hein Bollow im Sattel in Hamburg-Horn vor 35 000 Zuschauern auch das 85. Deutsche Derby sicher mit einer Länge vor Blumenprinz(Starosta). Unser Bild zeigt das siegreiche Pferd mit seinem Jockei, geführt von der Tochter des Besitzers. Es ist das erste Mal, daß ein junges Gestüt, wie es das Gestüt Asta des Frankfurter Industriellen Adolf Schindling iet, mit emem reiner ersten Produkte das Derby gewann. Sportkommentator des italienischen Rundfunks. Zum Schluß hätten die Deutschen Katz und Maus mit ihren allerstärksten ungarischen Gegnern gespielt. 860 000 Zuschauer Deutsche Elf am zugkräftigsten Basel. 26 Spiele wurden ausgetragen, ehe FIFA- Ehrenpräsident Jules Rimet den Pokal an den deutschen Kapitän Fritz Walter überreichen konnte. Rund 860 000 Zuschauer bei allen Spielen bildeten den guten Rahmen des Turniers, mit dem die Schweizer Ausrichter vollauf zufrieden sind. Auch an diesem Rahmen hat Deutschland seinen beträchtlichen Anteil. Allein zum ÖsterreichSpiel kamen runde 30 000 deutsche Schlachtenbummler, und lediglich zwei Spiele, an denen der neue Weltmeister beteiligt war, wurden restlos ausverkauft: Basel mit 58 000 beim Österreich-Spiel und Bern mit 64 000 beim Finale Doppelsieg in Rekordzeit Das ist der argentinische Meisterfahrer Juan Manuel Fanzio, der den Großen Preis von Frankreich auf dem neuen MercedesBenz-Rennwagen mit einem Meter Vorsprung vor Kling gewann. Dieser Erfolg der„Silberpfeile“ trotz 15jähriger Pause ist eine eindrucksvolle Bestätigung deutscher Wertarbeit. Fangio faßte sein Urteil über den ersten Start unter dem Mercedes-Stern wie folgt zusammen:„Zu diesem Sieg führten der vorbildliche Kameradschaftsgeist, der die Rennfahrer und alle ihre Helfer erfüllte, dann die vollendete Organisation, die das Werk von Untertürkheim aufgezogen hat, und vor allem die wundervolle Maschine, die ich zum ersten Male zum Erfolg führen konnte.“ Auf der Heimreise Öffizieller Empfang in München Spiez. Am Montagmittag verließ die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihr Schweizer Quartier Hotel Belvedere in Spiez (Thuner See), um ihre Triumphfahrt in die Heimat anzutreten, für die ein Sondertriebwagen der Deutschen Bundesbahn bereitgestellt wurde. Auf dem Spiezer Bahnhof verabschiedete ein großer Teil der einheimischen Bevölkerung den Fußballweltmeister. Der Sondertriebwagen hielt nur noch in Bern, wo der schweizerische Fußball-Verband eine kleine Siegesfeier vorbereitete. Lindau am Bodensee wurde gegen 21 Uhr erreicht. Die Spieler übernachteten im„Seegarten“. Die Weiterreise erfolgt am Dienstagvormittag. In München ist dann cin großer offizieller Empfang der Weltmeisterelf durch den Deutschen Fußball-Bund und die Behörden vorgesehen. Der NWDR berichtet über den Empfang zwischen 18.35 und 19.00 Uhr auf der Mittelwelle. DAS WAR RAHNS WELTMFISTERTOR! Eine englische Zeitung bezeichnet den Sieg der deutschen Mannschaft als das„Fußballwunder des Jahrhunderts“. Fünf Minuten vor Schluß schoß Helmuth Rahn aus Essen den siegbringenden dritten Treffer(unser Telebild). Leichtathletik-Nachwuchs sehr gut Westdeutsche Junioren- und Jugendmeisterschaften in Gladbeck Gladbeck. Trotz kühler Witterung und mäßigen Bahnverhältnissen gab es bei den Westdeutschen Jugend- und Junioren-Meisterschaften in der Leichtathletik in Gladbek hervorragende Leistungen. Erstaunlich ist die Leistungsdichte sowohl bei den Jungen wie bei den Mädeln, die zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Neben dem Kölner Primaner Germar. der die 100 Meter souverän in 10.6 Sekunden gewann, ragte bei den Junioren besonders der kräftige Dortmunder Wegmann heraus, der das Kugelstoßen mit 15.07 Meter an sich brachte. Erwähnenswert sind auch die 15,2 Sekunden des Düsseldorfer Schottes über 110 Meter Hürden. Bei der weiblichen Jugend erzielte die Wuppertalerin Glittenperz mit 1,59 Meter sogar eine Höhe, die deutsche Jahresbestleistung bedeutet. Männliche Jugend Kugelstoßen: 1. Stolz(Rotweiß Oberhausen) 14.38 m. Diskus: I. Woytecki(Greven 00) 42,79 m. Stabhochsprung: 1. Roßhoff(Westende Hamborn) 3.20 m. 400 Meter: 1. Bolz(RSV Mülheim) 50,8 Sek. 100 Meter: 1. Breder(Rotweiß Oberhausen) 11,1 Sek. 1000 Meter: 1. Rositzki(Dahlhausen) 2:37,2 Min. Hammer: 1. Sterner(Lüdenscheid) 42 02 m. 4 mal 100 Meer: 1. ASV Köln 43.8 Sek. 3000 Meter: 1. Wiltraud(Spfr. Siegen) 8:52,4 Min. 110 Meter Hürden: 1. Lauer(ASV Köln) 15,2 Sek. 2000 Meter Gehen: 1. Hesmer(G/W Essen) 14:28,6 Min. Hochsprung: 1. Molzberger(Ol. Oberberg) 1,78 m. Kugelstoßer: 1. Stolz(Rotweiß Oberhausen) 14,38 m. Weibliche Jugend 100 Meter: 1. Kramer(Essen) 12,7 Sek. 80 Meter Hürden: 1. Glittenberg(SSV Wuppertal) 12,6 Sek. 4 mal 100 Meter: 1. Preußen Krefeld 51,8 Sek. Hochsprung: 1. Glittenberg 1.58 m(deutsche Jahresbestleistung). Speerwerfen: 1. Zimnik(Düsseldorf 99) 36,84 m Diskuswerfen: 1. Billen(TuS Rheinhausen) 34,21 m. Weitsprung: 1. Junker(Fheydter STV) 5.44 m. Junioren 100 Meter: 1. Germar(ASV Koln) 10,6 Sek 200 Meter: Schmitz(Sportfreunde Gevelsberg) 22,7 Sek. 400 Meter: 1. Klappert(Unna) 49.5 Sek. 800 Meter: 1. Stracke(Barmer TV) 1:54,8 Min. 1500 Meter: 1. Meier(Preußen Münster) 4:03,0 Min. 5000 Meter: 1. Fischer (Menden 09) 15:25,2 Minuten. 110 Meter Hürden: 1. Schottes(DSD Düsseldorf) 15,2 Sek. 200 Meter Hürden: 1. Kersthold(SSV Hagen) 25,5 Sek. 4 mal 100 Meter: 1. ASV Köln 43,8 Sek. 4 mal 400 Meter: 1. Rotweiß Oberhausen 3:26,0 Min. 3 mal 1000 Meter: 1. OSV Hörde 7:42.0 Min. Dreisprung: 1. Boedicker (SSV Wuppertal) 13,59 m. Hochsprung: 1. Grote (Rotweiß Oberhausen) 1,84 m. Stabhochsprung: 1. Bernhard(Preußen Krefeld) 3,50 m. Kugelstoßen: 1. Wegmann(Dortmunder TG) 15.07 m. Weitsprung: 1. Grote(Rotweiß Oberhausen) 7.03 m. Speerwerfen: 1. Pukropski(TV Gladbeck) 57,25 m, 2. Lange(Hammer SpVg) 53,46 m. Hammerwerfen: 1. Lorenz(TV Lüdenscheid) 45,19 m. Diskuswerfen: Reisinger(Rotweiß Oberhausen) 41,44 m. Jriumphe des deutschen Sports Zwei Weltmeistertitel innerhalb von 14 Tagen Landesmeisterin im Rollkunstlauf wurde in M.-Gladbach Margot Bonensiepen(Dortmund) in Abwesenheit der Weltmeisterin Lotte Cadenbach. Bei den Herren fiel der Titel an Günter Epping(Dortmund). Bei seinem ersten Start in Deutschland holte sich der Australier Arkinstall mit 6:1, 6:2, 6:1 über den jugoslawischen Nachwuchsspieler Jagec den Einzelsieg im Dortmunder Tennisturnier. Das Dameneinzel gewann Inge Vogler(Berlin) mit 6:0, 6:4 gegen Marianne Alsen-Zebrowski(Köln). Gewinnquoten des Pferde-Totos Düsseldorf. Für den Renntag vom 4. Juli in Hamburg wurden folgende endgültige Gewinnquoten des Pferde-Totos ermittelt: Erster Rang(11 richtige Tips) 33 806,— DM, zweiter Rang 845,10 DM, dritter Rang 68,— DM für — DM. Der deutsche Sport hat in den letzten Wochen wirklich stolze Erfolge erringen können: zwei Weltmeistertitel und einen Doppelsieg im Grand- Prix- Rennen von Frankreich. Da war zunächst am 19. Juni die Weltmeisterschaft für unseren besten Springreiter Hans Günther Winkler, der für Fachleute allerdings nicht so überraschend kam. Wer Goyoaga und Winkler auf den letzten Turnieren im Kampf sah, wußte, daß hier zwei ebenbürtige Gegner um den Sieg kämpften. Wer letzten Endes den Sieg wirklich errang, darüber entschied das ganz winzige Quentchen Glück, das auch der Tüchtigste zum Erfolg braucht. Die deutschen Reiter haben zu allen Zeiten zu den besten der Welt gehört, man hatte es nach dem Krieg nur ein wenig vergessen. Thiedemanns zweiter Platz auf dem Olympia, die beispiellosen Erfolge der deutschen Dressurreiter in den letzten Jahren und jetzt das Weltchampionat Winklers haben es der vergeßlichen Welt wieder in Erinnerung gebracht. Um so mehr zählt allerdings der zweite Weltmeistertitel, der 14 Tage später errungen wurde, auf einem Gebiet, auf dem die Deutschen praktisch nur eine Außenseiterchance hatten. Deutschlands Fußball feierte in der Schweiz einen triumphalen Erfolg, als sich die Mannschaft nach einem mitreißend schönen Kampf gegen Ungarn mit 3:2 den Weltmeistertitel holte. Der Titel ist auch ein Sieg für Herbergers glänzende Strategie. Der gleiche Herberger wurde noch wenig vorher in Grund und Boden verdonnert, als er am 20. Juni die„zweite“ Mannschaft zum Kampf gegen Ungarn aufstellte, die mit 3:8 geschlagen wurde. Viele Überkluge glaubten ihren Senf dazutun zu müssen und von Prestige zu sprechen, das bei einem solchen Kampf verloren ginge. Aber worauf kommt es denn bei einer Weltmeisterschaft an? Doch letzten Endes nur auf den Erfolg. Und der hat Herberger gläntend recht gegeben. Die Taktik ist eben manchmal wichtiger als der Augenblickserfolg. Am gleichen Tag, an dem die deutsche Mannschaft in Bern den Weltmeistertitel holte, gab es noch einen zweiten Triumph für den deutschen Sport, der gleichzeitig auch ein Triumph der deutschen Wirtschaft war, der aber im Augenblick im Taumel des Fußballs unterging. Mercedes, zum ersten Male seit 15 Jahren wieder mit. seinen Formel-I- Rennwagen angetreten, gewann in souveräner Manier den Großen Preis von Frankreich. Und das gleich mit zwei Wagen, Fangio vor Klinz. Vor allen Dingen dürfte dieser Erfolg auch von Dauer sein, denn was die Mercedes-Wagen in den Händen guter Rennfahrer leisten. das haben sie vor dem Krieg eindeutig genug bewiesen. E.1 In Ungarns Kabine Bern. Als der„sid“-Berichter nach dem 2 Spiel die ungarische Kabine im Wankdorf• Stadion aufsuchte, empfing ihn tiefe Nie 2 3 dergeschlagenheit. Wie versteinert saßen: • Spieler und Offizielle da. Czibor hatte Tränen in den Augen. Keiner der Spieler; war zu einer Außerung zu bewegen.? Puskas schüttelte nur mit dem Kopf, Bozsik rang die Hände. Es war zuviel für 2 diese Mannschaft nach dem entgangenen? Sieg, der nach dem schnellen 2:0 so gut eie aicher d. Die ungarischen Journalisten bekannten? einmütig: Eine herrliche Leistung i der deutschen Mannschaft, die wir alle nicht erwarten konnten. Wir haben in 3 • unseren Berichten nach Budapest ge* meldet, daß der deutsche Sieg verdient 3 gewesen ist. Unsere Mannschaft hatte sehr? viel Kraft in den schweren Kämpfen; ; gegen Brasilien und Uruguay verbraucht. § Wir gratulieren dem deutschen Fußball. 3 « Wir freuen uns, wenn wir uns bald auf dem Fußballfeld wiedersehen. Bis dahin 2 müssen wir dafür sorgen, daß Nachwuchs? in die Mannschaft eingebaut wird. Der ; überragende Mann auf dem Feld war nach? 3 unserer Überzeugung der Deutsche Lieb-? rich— und dabei so fair. Nach ihm halten wir Posipal, Turek und Fritz Walter? ? für die besten Spieler der großartigen? deutschen Mannschaft. „Abfahrt 12 Stunden verschoben!" Nach dem großen Sieg— Feiern begannen in Bern— Blumen für Herberger die Flaschen um, und die Omnibusfahrer mußten nach Hause telegrafieren:„Abfahrt um zwölf Stunden verschoben, Fahrgäste verlangen zuerst Begießen des deutschen Sieges.“ Noch etwa vier Stunden nach dem Endspiel waren die Straßen Berns von Autos und Motorrädern verstopft. Vor dem Bahnhof stimmten Hunderte von Autos, die dort an den engen und unübersichtlichen Kreuzungen lange warten mußten, laute Hupkonzerte an. Viele Autokolonnen, die vom WankdorfStadion kamen, wurden in einem Umkreis bis zu 40 Kilometer umgeleitet. Am schnellsten waren die gelben Postfahrzeuge mit den beiden Mannschaften durch die Stadt geleitet worden. Überall wurden die deutschen Spieler trotz hereinbrechender Dunkelheit von der Berner Bevölkerung bei ihrer Heimfahrt nach Spiez durch Zurufe und Tücherschwenken jubelnd begrüßt. M Silberlorbeer in Berlin Flut von Glückwünschen Nach der Ankunft der deutschen Mannschaf: in ihrem Quartier in Spiez am Thuner See wurde zuerst einmal ausgiebig gegessen. Dann begann eine Gratulationscour vom Hotelboy bis zum Stadtoberhaupt. Die Flut der Glückwunschtelegramme nahm kein Ende. Alle Spieler der siegreichen Mannschaft fühlten sich gesund, und nur einige leichte Prellungen waren hier und da zu beklagen. Bundestrainer Sepp Herberger wurde mit Blumen überschüttet, und alle Spieler konnten sich der unzähligen Händedrücke fast nicht erwehren. Am Montagfrüh erfolgte die Abreise mit einem von der Deutschen Bundesbahn zur Verfügung gestellten Sondertriebwagen. Bel Lindau wurde die deutsche Grenze überschritten. Schon am Sonntagabend stiegen in Müncnen zahlreiche buntschillernde Raketen und Feuerwerkskörper in den Nachthimmel. Im Polizeipräsidium zuckten die Verantwortlichen nur mit den Schultern und sagten: „Angemeldet ist dieses Freudenfeuerwerk zwar nicht, aber der deutsche Sieg war ja auch nicht vorher angemeldet.“ Arme ungarische Amateure! Die Presse der Sowjetzone muß einmal mehr querschießen Berlin. In den Östberliner Zeitungen ist das Mißbehagen über den deutschen Fußballsieg klar zu empfinden. In den Spielberichten wird als Entschuldigung für die ungarische Niederlage immer wieder die Verletzung des ungarischen Spielführers Puskas durch Liebrich im Achtelfinalspiel in Basel(8:3 für Ungarn) angeführt. Neben dem Hinweis auf die kräfteverzehrenden Spiele Ungarns gegen Brasilien und Uruguay werden auch scharfe Attacken gegen die deutsche Elf geritten. KOPFBALLDUELL IN BERN Unser Telebild zeigt Morlock im Kopfballduell mit dem ungarischen Mittelläufer Lorant. Rechts Otmar Walter. Der sensationelle Sieg Deutschlands war für die deutschen Zuschauer, die sich das Endspiel angesehen hatten, Anlaß zu ausgedehnten Siegesfeiern. Bis in die frühen Morgenstunden des Montags wurde der deutsche Sieg tüchtig begossen. Als die Berner Lokale gegen Mitternacht schlossen, hatten sich viele Unentwegte inzwischen selbst Getränke besorgt. In den Omnibussen der Reisegesellschaften gingen Bern. Die fünfte Fußball-Weltmeisterschaft ging zu Ende. Deutschlands 3:2-(2:2)Sieg im Berner Finale, ein Sieg, der die einmalige Leistung der deutschen Elf bei diesem Turnier mit einem glänzenden Erfolg krönte, war für die meisten trotz der vorhergehenden großen Spiele dieser Mannschaft die letzte große Überraschung der an Überraschungen gewiß nicht armen Titelkämpfe. Nach Italiens zwei Meisterschaften von 1934 und 1938 wurde Deutschland bei den dritten Welt-Titelkämpfen in Europa der dritte europäische Meister. Uruguay, das 1930 in Montevideo und 1950 in Rio siegte, mußte den Coupe Rimet abgeben und mit dem vierten Platz vorliebnehmen. Es zeigte sich eben, daß die Umgebung doch eine große Rolle zpielt. Drei europäische Mannschaften haben die südamerikanische Spitze gestürzt. Ob es 1958 ein ähnliches Bild gibt, wenn Deutschland seinen Titel in Schweden verteidigt: Feierstunde in Rübiinghausen I 1 Grundstein zum Schulneubau gelegt Eine schöne, moderne Volksschule entsteht mit zunächst zwei Klassen Rüblinghausen. Oberhalb der Biggestraße— an der Grenze zwischen Rüblinghausen und Olpe— trafen sich gestern achmittag die Vertreter des Ortes, der Jemeinde Olpe-Land, der Lehrerschaft mit jen Handwerkern und der Bevölkerung tur feierlichen Grundsteinlegung des neuen Schulgebäudes, dessen Untergeschoß bereits im Rohbau erstellt ist. Vom hochjelegenen Bauplatz aus hat man einen veiten Blick auf Dorf und Stadt. Eine frische Brise wehte und ließ die schwarzrot-goldene Fahne munter am hohen Fahnenmast flattern, auch die kirchlichen Fähnchen, mit denen der Zugang zum Geände geschmückt war. Während der Feier schien die Sonne, doch gab es ganz zum Schluß einen kurzen, gewittrigen Regenchauer. Lehrerin Pellens und Lehrer Rehborn hatten mit den Schulkindern Prolog und Sprechchöre schön eingeübt, die während der Feier vorgetragen wurden. Das Lied „Lobet den Herrn“ leitete die festliche Stunde ein. Herzliche Begrüßungsworte richtete on die Teilnehmer— u. a. Kreisschulrat Bartmeier, Stadtamtmann Fritz. Baumeister Loeser und Amtsbürgermeister Kleine— Gemeindebürgermeister Theile, derauf die Planung und Bedeutung des Schulneubaues näher hinwies und allen Beteiligten für die Förderung dieses Werkes dankte. In den letzten Jahren seien 10 Neubauten in Rüblinghausen entstanden und jetzt zähle der Ort 130 Haushaltungen. Die Schulkinder müßten z. Z. noch in der völlig unzulänglichen alten Schule in einem einzigen Klassenraum vor- und nachmittags unterrichtet werden. Deshalb begrüße man es sehr, daß endlich ein Schulneubau zustande komme, der eine wesentliche Besserung bringen wird. Das neue Schulgebäude werde nach Beschluß der Gemeindevertretung Olpe-Land zunächst zweiklassig errichtet und später durch einen seitlichen Vorbau noch zwei weitere Klassen erhalten. Man hoffe, daß das neue Schulgebäude(1. Bauabschnitt) im Herbst dieses Jahres eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben werden könne. Die Urkunde, wie in Gutenbergs Zeiten in Druckschrift auf Pergament geschrieben, wurde hierauf verlesen und in den Grundstein eingemauert. Der Gemeindebürgermeister tat dann die ersten drei Hammerschläge auf den Stein mit dem Wunsche für ein gutes Gelingen des Schulneubaues. Kreisschulrat Bartmeier erinnerte in kurzer Ansprache daran, daß Grundsteinlegungen schon in alten Zeiten üblich waren und man den Brauch der Väter aufrecht erhalten müsse. Noch nie zuvor seien in Deutschland soviele neue Schulen errichtet worden wie in den Jahren nach dem letzten Kriege. Dies sei ein Beweis dafür, daß im freien demokratischen Staate auch der einfache Mann ein Recht auf Bildung habe. Die Freude der Gemeinde an dem schon weit gediehenen Schulneubau und den aufrichtigen Dank an den besonderen Förderer dieses Schulneubaues, Amtsdirektor Habbel, der wegen seines Urlaubs am Erscheinen verhindert war, brachte Ortsbürgermeister Maiworm mit warmen Worten zum Ausdruck. Der Grundstein war zuvor von Vikar Wurm mit den üblichen Gebeten geweiht worden. Der Stein befindet sich neben dem oberen Eingang des Schulgebäudes und trägt die Jahreszani 1954. Es folgten sodann noch die weiteren Hammerschläge mit sinnigen Worten zum Gelingen des Werkes. Mit der ersten Strophe des Deutschlandliedes, das alle mitsangen. wurde die Feierstunde beendet. In Anbetracht der einsetzenden Regenschauer entfernte man sich rasch vom Baupatz, doch hatte man die Genugtuung. daß hier an einer bemerkenswerten Stelle ein schöner und würdiger, moderner Schulneubau entsteht, der sich gut dem Gelände — an der Brake— anpaßt und später einmal seinen Zweck in der besten Weise erfüllen wird. Die Maurerarbeiten werden von der Baufirma Becker& Halbe ausgeführt, die Betondecken von der Firma Robert Huperz. Nach der Feier folgte für die Gäste und Bauhandwerker ein kleiner Umtrunk, der mit einem geselligen Beisammensein in der Gastwirtschaft Hohleweg beendet wurde. T G unn Tüchtigen Installateur und Klempner stellt sofort ein Franz Just Olpe Erzberger-Eichendorffstr. Gewerbl. Raum ca 30 bis 40 qm in Stadtmitte Olpe gesucht. Angebote unter Nr. 1796 an Sauerl. Volksblatt Olpe. 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