Abonnements-Preis in der Expedition oder durch die Post bezogen Vierteljährlich 75 Pf. exclusive Bestellgeld. Verantwortlicher Redacteur: M. Fr. Knüppel in Billerbeck. 3. u10 Pfennige die einfache Zoile oder deren Raum. Reklame=Zeilen 25 Pf Druck, Verlag und Expedition. M. Fr. Knüppel, Buchhandlung und Duchdruckerei. Nr. 32. 75 Sonntag, den 7. August 1898. 25. Jahrgang. Tode des Fürsten Bismackr. Berlin, 3. August. Eine Sonderausgabe des Reichsanzeigers bringt folgenden Allerhöchsten Erlaß: Friedrichsruh, 2. August: Mit meinen hohen Verbündeten und mit dem deutschen Volke stehe ich weinend an der Bahre des ersten Reichkanzlers, des Fürsten Otto von Bismark, des Herzogs von Lauenburg. Wir, die Zeugen seines vorzüglichen Wirkens waren, die wir auf ihn als den Meister der Staatskunst, als furchtlosen Kämpfer im Kriege wie im Frieden, als ergebenen Sohn seines Vaterlandes und treuesten Diener seines Kaifers und Königs bewundernd hinblickten, sind tief erschüttert durch den Heimgang des Mannes, in welchem Gott der Herr das Werkzeug geschaffen, die Gedanken an Deutschlands Einheit und Größe zu verwirklichen. Nicht möglich ist es, in diesem Augenblick alle Thaten, die der große Entschlafene vollbracht, alle Sorgen, die er für Kaiser und Reich getragen, alle Erfolge die er erlangte, aufzuzählen, die so gewaltig und mannigfaltig sind, und nur die Geschichte wird Alles in ihre ehernen Tafeln graben. Mich aber drängt es, vor der Welt der einmüthigen Trauer und der Dankbarkeit Ausdruck zu geben, von der die ganze Nation heute erfüllt ist, und im Namen der Nation das Gelübde abzulegen, das, was der große Kanzler unter Wilhelm dem Großen geschaffen, zu erhalten und auszubauen, und wenn es Noth thut, mit Gut und Blut zu vertheidigen. Dazu helfe uns Gott der Herr! beauftrage Sie, diesen meinen Erlaß zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. An den Reichskanzler. Wilhelm, I. Rex. Der schwarzumrandete„Reichsanzeiger" widmet seine erste volle Seite dem Hinscheiden des Fürsten Bismarck. Derselbe wird als Deutschlands größter Sohn bezeichnet, mit dem das Heldenzeitalter unserer neuesten Geschichte zur gegangen sei. Was Bismark dem alten Kaiser gewesen, habe Letzterer in dankbarer Weise niemals vergessen. Nach 1870 habe die Politik Bismarck's der Erhaltung des Friedens gedient. Viele Aufgaben habe der erne Kanzler den Kindern und Enkeln abgenommen, andere habe er allerdings den Nachfolgern überlassen. Als der Fürst vor 8 Jahren aus dem Amte geschieden sei, da habe sich erst so recht gezeigt, mit welcher Liebe das deutsche Volk an ihm hänge. Der 1. April sei von Jahr zu Jahr in steigendem Maße ein nationaler Festtag geworden. Und als Bismarck längst der Staatsleitung ferne gestanden, habe die Welt noch ichmer einem jeden seiner Worte gelauscht. Im„Reichsanzeiger" wird auch das Telegramm des Kaisers, welches e k. dieser auf die Todesnachricht nach Friedrichsruh sandte, veröffentlicht. Dasselbe lautet: „Fürst Herbert Bismark Friedrichsruh. In tiefer Trauer theilnehmend an den Schmerz, der Sie Alle um den theuren großen Todten ersaßt, beklage Ich den Verlust um Deutschlands großem Sohne, dessen treue Mitarbeit an dem Werke der Wiedervereinigung unseres Vaterlandes ihm die Freundschaft Meines in Gott ruhenden Großvaters, des großen Kaisers Majestät, für's Leben erwarb, und den unausloschlichen Dank des ganzen deutschen Volkes für alle Zeiten. Ich werde seiner Hülle in Berlin im Dom an der Seite meiner Vorfahren die letzte Stätte bereiten. Wilhelm, I. R." Der Kaiser ordnete eine zehntägige Hof- und eine achttägige Armeetrauer, sowie die Flaggen sämmtlicher Reichsund Staats=Dienstgebäube auf Halbmast bis nach dem Tage der Beisetzung an. Die Germania schreibt: Das Leben und Wirken des Fürsten Bismarck gehört nunmehr der Geschichte an. Aber noch liegt dasselbe der politischen Kampfeslinie zu nahe, als daß sich einmüthiges objectives Urtheil darüber feststellen ließe. Seine blinden Verehrer kennen nur eine unbegrenzte und unbeschränkte Bewunderung seiner Person und seiner Werke, kennen nur die hellstrahlende Sonne, aber nicht deren Flecken und deren zeitweise Verdunkelung. Darum spielt auch die„Erschütterung" über die Todesnachricht in Nachrufen der bismarckfreundlichen Presse in Comparativen und Superlativen eine so große Rolle. Wir gehören nicht zu der Schaar der Bismarck-Enthusiasten; wir können es nicht, weil wir niemals vergessen können, daß er der gewaltigste und gewaltthätigste Gegner der katholischen Kirche und des Centrums war und bis an sein Lebensende verblieben ist. Aber wir wissen uns auch frei von jeder Erbitterung und jeder Ungerechtigkeit; wir hegen keinen Groll gegen den todten Gegner und wollen nicht nörgelnd hinter dem Leichenwagen gehen. Hat er uns im Leben, besonders durch den Culturkampf, viel Böses zugefügt, so wollen wir in christlicher Liebe das als ein Irthum ansehen und ihm verzeihen. Wie er selbst das Culturkampfswerk hat abbrechen helfen, als er sah, daß es verfehlt war, und wie er dadurch den Zugang zum Frieden uns wieder verschafft hat, so wollen auch wir heute zum Danke dafür die Palme des Friedens an dem Sterbebett des todten Gegners in Friebrichsruh niederlegen und beten, daß Gott ihm ein gnädiger Richter sein möge. Von den Pariser Morgenblättern brachte„Figaro" und„Matin" sofort spaltenlange Nachrufe. Im„Figaro" schreibt Whist(de Malfrey):„Man kann Bismarck gleich nach seinem Tode bloß eine kurze Studie widmen. Der Staatsmann, seine Geschichte und sein Werk haben bereits Bände angefüllt und werden noch Bände füllen. Bei der Uebersicht seiner öffentlichen Thätigkeit lassen sich zwei besondere Abschnitte erkennen: die Kampfjahre und die der Entfaltung. In dem ersten Abschnitt zeigte er eine zweifellose Meisterschaft, und man müßte bis auf Richelieu und Mazarin zurückehn. um auf b: natischem Gebiete seines Gleichen zu finon Weder En noch Spanien, noch Oesterreich vermögen einen Nm dem seinigen auf dieselbe Linie zu stellen:" Nachden Whist alsdann die Einwirkung Bismarcks auf die äußere Politik Europas ausführlich dargelegt, fährt er fort:„Auch war seine Auffassung der inneren Politik riesenhaft. Als er sie richtig festgelegt hatte, scheute er sich nicht, sie in öffentlicher Erörterung zu vertreten und mit seiner Person dafür einzustehen, wobei er einen Sturmesdrang und zugleich eine Kaltblütigkeit zeigte, wie ein General auf dem Schlachtfelde. Auf der Rednerbühne war er bis zum Ende seiner Laufbahn ebenso gefährlich, wie auf diplomatischem Gebiete." Die Leistungen Bismarcks für Deutschland faßt Whist wie folgt zusammen: „So wie das deutsche Reich durch ihn im Jahre 1871 begründet worden, hat es keinen fühlbaren Riß und keine erkennbare Schwäche gezeigt. Es ist durch die Gewalt begründet worden und wird durch die Faust zusammengehalten. An der Spitze des Reiches standen stets hervorragende Männer. Man darf daher weder auf dessen Sturz noch auf dessen Trennung rechnen. Allein, wo sind die Reiche, die immerwährend auf geniale Herrscher oder Minister zählen dürfen." Es ist begreiflich, das Whist nicht abschließen kann, ohne den Franzosen Genugthuung gegeben zu haben. Er sagt: „Der Heimgang Bismarcks kann unter den gegenwärtigen Umständen nur eine Erleichterung, übrigens nur eine platonische sein, denn die Aelteren von unserem Geschlecht, die ihn am Werke gesehen haben, die seine Verachtung für die Gerechtigkeit und seinen Wagemuth gekannt haben, werden mit uns dahin einverstanden sein, daß seinem Andenken der Fluch unserer Nation gilt. Im„Matin" äußerst sich Henry des Houx, der wiederholt Gelegenheit hatte Bismarck zu sprechen:„Ich glaube, in unseren Unterredungen die Möglichkeit gehabt zu haben, sein Gemüth zu erkennen. In der Politik gehörte er zu der Schule des reinsten Positivismus. Niemals hätte ich geglaubt, daß ein Mann aus Fleisch und Nerven mit solchem Erfolge im Stande wäre, die Fähigkeiten der Empfindungen derart zu Gunsten der Fähigkeiten des Geistes und des Von S. Baring Gluld. Vom Verfasser genehmigte Verdeutschung. [Nachdruck verboten.] Fortsetzung 1. 3. Kapitel. Zwei Kronen. Eine wunderbar eigenartige und interessante Stadt ist doch Ely. Ja, einzig in ihrer Art ist diese Hauptstadt der Marschen, und überraschend wunderbar muß sie in alten Zeiten gewesen sein, als über den jetzigen Marschen sich noch ein großer Binnensee ausbreitete, aus welchen in weiten Zwischenräumen zahlreiche kleine Inseln hervorragten wie Trabanten der großen Mittelinsel Ely. Statt des Sees erstrecken sich die Marschen nach allen Seiten bis an den Horizont, flach wie das Meer und tief unter dem Meeresspiegel gelegen. Wenn die Deiche durchbrochen würden und wenn die Dampfpumpen und Windmühlen zu arbeiten aushörten, würde alles binnen zwölf Monaten in seinen ursprünglichen Züstand- eines großen Binnensees zurückkehren. aus wechem nur noch die aus Mergel-Sannstein gebildete Insel von Ely sich erhöhe, bedeckt mit Häusern und Gebäuden inmitten zahlreicher Bäume, die sich inceden stillen Gewässern wie in einer Glasscheibe spiegeln.»Hoch über die Häuser, hoch über die Baumwipfeh erhebn sich jene prächtige Kathedrale, eine der stolzesten, jedenfalls der schönstenin ganz England. Wie ein himmelanragender: Leuchthurm erhebt sie sich dort sichbar von allen Punkten der Marschen und der höchste Stolz der Bewohner dieser MarschenEin junges, hübsches Mädchen schlenderte jetzt durch die breiten grasbewachsenen Straßen von Elwebahin Siewar groß und etwas männlich in ihrem Wesen, hätte hellblondes Haar, eine frische, rosige Gesichtsfarbe und die Augen von strahlendem Blau. Sie ging ganz einfach in dunkelbaue Serge gekleidet mit einem weißen Busentuch und einem Basthut mit blauen Bändern. Jemine!" rief das Mädchen, ihre Taschen von innen nach außen kehrend,„auch nicht ein rother Heller! Die arme Kainie ist dus einzige Mädchen ohne einen Groschen Geld. Niemand, der mich traktiert! Nichts für nichts zu bekommen. Jemine! Na, mir kann es gleich sein." dann begann sie mit lauter kräftiger Stimme zu singen: „Mein Vater ein armer Schlucker, Meine Mutter, die spinnt und spinnt," Da sah sie plötzlich vor sich den Marschbauer Runham der eben aus einer Schenke heraustrat, mit dem Dreschflegel von vornhin über seine Schulter. Etwas außer Fassung gebracht, durch die Begegnung mit ihm, hielt sie in ihrem Singen inne, faßte sich aber dald wieder und begann von neuem: „Mein Vater ein armer Schlucker, Meine Mutter—" „Kainie! Hast du denn ganz den Verstand verloren, daß du wie ein Bettelmädchen auf offener Straße Lieder singst?" Das Gesicht des Mannes zeigte eine dunkle Röthe. Ob infolge des vielen Trinkens oder ob aus Erregung über das Zusammentreffen mit dem jungen Mädchen vermochte Kainie nicht zu beurtheilen. Sein Athem roch freilich nach Branntwein und unangenehm berührt wandte sie ihren Kopf ab und sagte mit einem tiefen Seufzer: Das Lied ist auch lauter Unsinn. Meine Mutter ist tot, ist tot,— und ich bin ganz allein in der Welt. Aber ich weiß auch nicht, ich sehe wirklic nicht ein, weshalb ich nicht singen sollte. Ich möchte doch auch mein Jahrmarktsvergnügen haben und habe doch keinen Heller Geld. Ich will weiter durch die Strßen gehen und dabei singen: Mein Vater ein armer Schlucker, und dann werden mir vielleicht ein paar miltthäthige Leute ein paar Kupferdreier zuwerfen, sodaß ich mir doch noch einen kleinen Jahrmarkt des Himmels willen, thu doch nichts derartHier— lieber als daß du so etwas thust hier hast ou eine Krone. Nimmedas Was würden die Marschältesten sagen, wenn sie hörten, daß du am Tawdryjahrmarkt, Lieder singend durch Elys Straßen gegangen wärest? Sie würden dich sofort aus deiner Mühle heraussetzen. Dessen bin ich ganz sicher. Hörst du, Kainie, führe dich anständig auf und nimm diese Krone hier." Dabei drückte er ihr eine große Silbermünze in die Hand und eilte hastig fort. „Das ist brav," antwortete das Mädchen, mit den Fingern schnalzend.„Jetzt kann ich wir doch einen Jahrmarkt kaufen. Jetzt fehlt mir blos noch ein Schatz. Keiner will mich haben, Niemand fragt nach mir. Jemine! Das darf ich ja nicht mehr thun, ich habe ja eine Krone dafür genommen, daß ich still sein soll. Ich bin ja ein respectables junges Mädchen— ich habe ja Geld in meine Tasche, jetzt muß ich mich umsehen und entschließen, was ich kaufe. Ich will zu dem Husirer geyen. Guten Tag, wie geht es dir, Onkel?" Die Begrüßung richtete sie an den dunkelhaarigen Marschbauer Droonlands, der eben mit seinem Flegel über der Schulter um die Ecke auf sie zukam. Stirnrunzelnd warf er dem Mädchen einen bösen Blick zu und würde ohne ein Wort der Erwiderung an ihr vorübergegangen sein, wenn sie es hätte gefallen lassen. -Steh doch! Sieh doch!" rief sie ihm die Krone entgegen haltend, die sie eben bekommen.„Eben wollte ich seufzend und durch die Straßen gehen, weil ich kein Geld hatte, nicht einen rothen Kufperdreier in der Tasche, und keinen Schatz, der mir ein Geschenk kaufte. Dann kam ein Mann und gab mir dies. Sieh doch, Onkel Droonlands — fünf Schilling." „—— auf schlimme Wege bist du auch schon gerathen?" „Was ist Böses dabei?" Ich sang ein Lied, dann kam er und schenkte mir eine Krone." „Du sangst ein Lied?" „Ja. Wie sollte ich sonst zu Geld kommen? Ich bin ein armes Mädchen, von dem niemand etwas wissen, mit der niemand etwas zu thun haben will." „Du wirst noch eine Schande- noch tifere Schande auf die Familie,— auf unseren Namen bringen." Ich glaube nicht, ich bin brav und ehrlich. Wenn man mir fünf Schilling schenkt, weshalb soll ich sie da nicht Willens zu unterbrücken. Liebe, Haß, Zorn und Mitleib atten keinen Einfluß auf seine Entschlüsse. Er führte die eien mit der Kunst eines Schachspielers, mit kalter Beung. Kein Opfer war ihm zu groß, um zu gewinnen, List, jeder Gewaltstreich war ihm gut, wenn er nützlich . Er empfand für Oesterreich, Frankreich, Italien, England und Rußland weder Freundschaft noch Haß. Er schlug die Hindernisse nieder, er benutzte die Mitarbeiter, er schonte Diejenigen, die ihm gleich mächtig schienen, und die Politik war für ihn eine rein dyngmische Wissenschaft; er rechnete nicht mit Grundsätzen, sondern mit der Kraft. Also muß man den Mann und sein Werk verstehen Ich sage ausdrücklich: verstehen und nicht beurtheilen. Die Geschichte wird über ihn urtheilen, und zwar nach seiner eigenen Methode, nach dem Werth und der Dauerhaftigkeit der Leistungen. Er wandte seine ganze Kraft und seinen ganzen Geist auf, um sein Vaterland groß, sicher und reich zu gestalten, und um dies zu erreichen, verschmähte er das nicht, was man als die Vorurtheile des Gefühls und der Moral bezeichnet. In dieser Hinsicht stand er unter allen Männern einzig da. Seine Tugenden und seine angenehmen Seiten zeigte er nur im Familienkreise." Der neue Erzbischof von und Metropolit der oberrheinischen Kirchenprovinz ist gleich dem in Fulda gewählten neuen Oberhirten ein Mann der practischen Seelsorge und einer umfassenden priesterlichsocialen Wirksamkeit. Einer einfachen Familie in bäuerlichen Verhältnissen entstammend, so schreibt eine badische Correspondenz, ist Thomas Nörber am 19. Dezember 1846 in Waldstetten, Amt Buchen, geboren, mithin ein Sohn des kernkätholischen badischen Hinterlandes. Er wurde am 24. Juli 1870 vom Weihbischof Lothar v. Kübel zum Priester geweiht. Eine langjährige, opfervolle und segensreiche Thätigkeit entfaltete er als Caplan an der Jesuitenpfarrei und Präses des katholischen Gesellenvereins in Mannheim; er legte unter anderem durch Ankauf den Grund zu dem noch heute bestehenden Gesellenheim. Nach einer durch unermüblichen seelsorglichen Eifer ausgezeichneten Pastoration in kleineren Gemeinden der Erzdiöcese wurde er am 13. 1889 auf der Pfarrei Thiergarten, Dekanat Ottersweier investirt. Da seine Gesundheit zeitweise zu wünschen übrig ließ, wurde er mit dem Rechte der Absenz als Klosterpfarrer an das Lehrinstitut der Frauen vom heiligen Grabe in Baden=Baden berufen. Hier hat er als Rector und wissenschaftlicher Lehrer eine im ganzen Lande bestgerühmte Thätigkeit entfaltet. Bei der Ankündigung der Wahl erwähnte der Weihbischof Dr. Knecht, daß auf der Liste acht Candidaten standen, wovon die Regierung vier gestrichen als persona minus grata. Der Weihbischof betonte ausdrücklich, daß das Domkapitel absichtlich keinen einzigen Namen eines Domkapitulars auf der Liste gesetzt, um eben der Welt zu zeigen, daß es bei der Wahl einzig nnd allein das Wohl der Erzdiöcese im Auge hatte. Der„Bad. Beob." bemerkt hierzu u. A. Folgendes:„Seitdem es Erzbischofswahlen in Freiburg gibt, ist es noch niemals vorgekommen, daß auf der Candidatenliste für den erzbischöflichen Stuhl der Name keines einzigen Mitgliedes des Domcapitels gestanden hat. Bei Errichtung der Erzdlöcese hat die Staatsgewalt in Rom beantragt und durchgesetzt, daß nur Mitglieder des Diöcesanclerus auf die Candidatenliste kommen sollen. Locales und Mänster, 4. August. Am 10. August feiert der hochw. Herr Weihbischof Dr. Wilhelm Cramer sein sechzigjähriges Priester-Jubiläum. Breden, 4. Aug. Unsere Stadt begeht am heutigen Datum einen traurigen Gedenktag. Heute wird es mämlich zum 31. Mal jährig, daß Vreden zum zweiten Maleo in diesem Jahrhundert durch Feuer fast vollständig vernichtet wurde. Einem glaubwürdigen Berichte über das Brandungluck vom Jahre 1857 seien nachstehende Angaben entnommen: Es verbrannten 292 Wohnhäuser und 95 Scheunen. Der Schaben für die abgebrannten Gebäulichkeiten und die eben eingefahrene Ernte hat betragen 427449 Thaler. An Brandentschädigungen 532980 Thaler, sodaß noch ein Verlust von 19460 Thaler verblieben ist, unberechnet den Schaben, welcher durch die Zerstörung aller gewerblichen Verhältnisse verursacht worden ist. Die freiwilligen Gaben, welche für die Brandbeschädigten an Geld, Korn und Kleidungsstücken einkamen, sind bedeutende gewesen. Der Werth der sämmtlichen Gaben soll sich auf 50 000 Thaler beziffert haben. Das benachbarte Holland hat sich bei den Gabenspenden gut betheiligt, unter Anderen sandte Winterwyck 287 Scheffel Roggen, Tübergen 295 Gulden. Von preußischer Seite spendeten beträchtliche Gaben Münster, Borghorst, Heek und Nienborg, Marbeck-b. Borken, Wessenhorf, Rheine, Burgsteinfurt, Telgte und verschiedene andere Gemeinden. Seit diesem Brandunglück wird hier alljährlich am ersten Sonntag im Ang. eine SaktamentsBittprozession, hier Brandprozession genannt, abgehalten zur Erhaltung des göttlichen Segens über Stadt und Land. Das erste Mal brannte Vreden ab im Jahre 1811, auch im Monat August. Langendreer, 2. Aug. In der Nacht vom 27. auf den 29. Juli ist auf der Strecke Langendreer=Lütgendortmund zwischen Wärterposten Nr.9 und 10 ein Attentat geplant worden. Als der Personen 249, welcher um 10 Uhr 10 Minuten von Langendreer nach Dortmund abfuhr, genannte Stelle passivte, hörte der diensthabende Wärter Sch. ein ungewöhnlich starkes Krachen. Als der Wärter die Vorbei fahrt des Zuges abgewartet hatte, forschte derselbe nach der Ursache des Krachens und gewahrte, daß von ruchloser Hand mehrere dicke Holzstücke auf das Geleise gelegt worden waren, warscheinlich um den Zug zur Entgleisung zu bringen. Das Holz war theils zur Seite geschleudert, theils entzwei gefahren. Der Wärter nahm die Holzstücke mit zu seiner Bude und untersuchte den Zustand des Geleises. Als gegen 11 Uhr der Streckenwärter W. auf seinem Revisionsgange den Posten Nr. 9 passirte, meldete ihm der Wärter Sch. das geplante Attentat, worauf der Streckenwärter W. auf derselben wieder drei Holzstücke auf dem Geleise neben einander liegend fand, welche nach Vorbeifahrt des Personenzuges 285 um D.Zua Nr. Zuges gefunden und entfernt. Vermischtes. Todtschlag in einer Gemeinderatssitzung.esaro, dem Geburtsorte Rossink's fand kürzlich eine rathssitzung stan. Es handelte sich um die Neuordnu Polizei, die sich als unzuverlässig und bestechlich er hatte. Beitder Berathung geriethen zwei Stadtverord in solche Hitze, daß sie handgemein wurden. Der Bürge meister sprang herbei, um die Fausthelben zu trennen, hielt aber dabei einen so unglücklichen Stoß, daß er zu Böden fiel, mit dem Kopf wider die Tischecke schlug und das rechte Schläfenbein zerschmetterte. Nach wenigen Minuten war der Unglückliche todi. das Lagern des Wintergetreides. Die meisten Landwirthe sind heute noch der Ansicht. daß das Lagern des Getreides lediglich eine Folge der Witterung sei und es deshalb kein Mittel gebe, diesem Uebelstande vorzubeugen. Daß letzteres aber dennoch möglich ist, soll in folgendem gezeigt werden. Zu enger Stand der Pflanzen und einseitige starke Düngung mit Stickstoff tragen sehr oft die Schuld am Lagern des Getreides, besonders wenn dann im April und Mai die Witterung dem Wachsthum sehr günstig ist und später ein starker Regen folgt. Dem beugt man aber dadurch leicht vor, daß man besonders auf allen humosen Böden für die Winter-Halmfrüchten die Stallmistdüngung möglichst einschränkt, dafür aber den Reichthum des Ackers an mineralischen Pflanzennährstoffen, Phosphorsäure, Kali und Kalk vermehrt. Hierbei bleibt dann stets die Möglichkeit, nach Bedarf noch eine Stickstoffdüngung zu geben. Gerade der Reichthum an mineralischen Pflanzennährstoffen kräftigt die Pflanze und wirkt dadurch dem Lagern entgegen. Außerdem bewirkt der reichliche Vorrath an mineralischen Pflanzennährstoffen auch, daß die Ausnutzung des vorhandenen Sticksstoffs eine vollständigere ist. Heute ist die Versorgung des Bodens mit den erforderlichen mineralischen Nährstoffen eine sehr leichte, da sie in Kainit bezw. Chlorkalium und Thomasmehl sehr billig zu beschaffen sind, anderseits ein Verlust bei diesen beiden Düngern, auch bei sehr starker Anwendung, so gut wie ausgeschlossen ist. Die Verwendung des Thom smehls gewährt jedoch außerdem noch den Vortheil, daß, da in jedem Centner dieses Düngemittels zugleich ungefähr ein halb Centner wirksamer Kalk dem Boden zugeführt wird, eine Kalkdüngung, wenn solche erforderlich, bedeutend eingeschränkt werden kann. Wir bemerken schon, daß neben Mangel an mineralischen Nährstoffen auch ein zu enger Stand der Pflanzen das Lagern begünstigt. Man säe deshalb lieber erwas dünner, führe nach Möglichkeit Drillcultur ein, sorge dagegen durch kräftige Düngung für volle Entwickelung der Pflanzen, und die Erträge werden viel sicherer sein. annehmen? Master Runham gab mir das Geld damit ich meinen Mund halten sollte. Ich sang eben: Mein Vater ein armer Schlucker, Meine Mutter „Um des Himmels Willen schweig still!" rief Dronlands. „Fort mit dir, sofort. Du bist eine Schande für mich. Da nimm diese Krone und gib sie verständig aus. Mehr sollst du aber ganz gewiß nicht von mir bekommen. Da Nunham dir fünf Schilling schenkte, soll man nicht von mir sagen, daß ich dir weniger gegeben hätte" Er reichte ihr das Geldstück und ging stirnrunzelnd weiter. Einige Sekunden blieb Kainie nachdenklich mit niedergeschlagenen Augen stehen, dann summte sie wieder vor sich hin. „Keiner will mich haben, Niemand fragte nach mir." „Was, du hier, Kainie." Die Worte kamen von einem jungen Manne mit buschigen Augenbrauen, blassem Gesicht, hagerer Gestalt und langen Armen, Pip!— Pip!— Pip! „Was fehlt dir denn Kainie?" „Pip, ich bin das einzige Mädchen ohne ihren jungen Mann. Es ist schrecklich,- schrecklich- und sieh doch, Pip, hier habe ich zwei Kronen zum Ausgeben, weiß nicht, wofür ich sie ausgeben soll. Was soll ich damit anfangen, Pip?— Du kluger, du verständiger, du lieber Pip?" Der junge Mann, Ephraim Bemifh antwortete nach kurzem Ueberlegen: "Kanie der Gedanke, daß du dort ganz allein in der rothen Flügelmühle lebst, gefällt mir garnicht. Es sind schlimme Zeiten, die Zeiten werden aber noch schlimmer werden. Böse Unruhen warten unser in den Marschen. Die Dinge können nicht so weiter gehen, wie sie jetzt sind — die Tagelöhner mit Füßen getreten von den Bauern, welche immer reicher werden und in ihrem Fett fast schon ersticken. Ich mag es nicht, daß du dort in der Windmühle so ganz allein bist, du solltest irgend welchen Schutz dort haben. Nun, höre mich an. Ich war eben bei dem Hausirerwagen. Dort ist ein großer Hund, den der Hausirer verkaufen möchte, aber bis jetzt hat ihm noch niemand etwas darauf geboten. Folge meinem Rath, biete diese beiden Kronen für den großen Huud und nimm ihn mit dir nach Hause. Dann werde ich ruhig und ohne Sorge sein — und jetzt ängstige ich mich deinetwegen. Du bist dort zu allein und einsam- und ein schönes junges Mädchen, wie du—" „Pip, ich werde den Hund kaufen." 4. Kbpitel. In der Fahrrinne: In ganz England- vielleicht überhaupt in der ganzen Welt- gibt es keinen Landstrich, welcher niederdrückender auf die menschliche Seele wirkt und aller Anmuth und Reize mehr entbehrt, als die Marschen der früheren Fenns von Cambridgeshire, so wie sie jetzt sind. In früherer Zeit als sie noch ganz unter Wasser standen,— eine Heimath der wilden Vögel, ein Wirrsal von Lagunen, ein Pardies der Sumpfblumen,- als sie noch von Fischen wimmelten und von unendlichen Mengen Insekten schwärmten,- damals waren die Fenns noch voll von einem zauberhaften Reiz, weil sie ganz der Natur gehörten. Aber jetzt hat der Fleiß und die Gewinnsucht den Character und das Bild dieser Fenns völlig verwandelt. Die Teiche und Sümpfe sind trocken. Das Moorlaud ist durch Gräben trocken gelegt. Wo sonst der Jäger im Boote den wilden Enten nachstellte, werden jetzt Runkelrüben geerntet, wo sonst die Fischer ihre Netze auswarfen, schwanken jetzt die Aehren der Weizenfelder im Winde. Bis vor etwa hundert Jahren lebte man ausschließlich in Häusern, welche auf einem in das Wasser hineingetriebenen und über den höchsten Stand desselben erheblich herausragenden Pfahlbau errichtet waren. Wände und Dächer dieser Wohnstätten waren mit Matte und Geflechten von starkem Schilfrohr gedeckt. Von der Hausthüre führte eine Leiter zu einem Boot herunter. In diesen Häusern gab es allerdings Feuerherde, aber keine Schornsteine, der Rauch entwich, so gut er konnte, durch die Ritzen der Rohrwände oder durch das Dach hindurch. Während des Winters fristeten die Fennleute ihr Leben mit Fischfang und Fogeljagd. Im Sommer bauten sie solche Flecken Torfboden an, welche bei niederem Wasserstande hier und dort sichtbar waren. Wege gab es überhaupt nicht. Man verkehrte ausschließlich auf dem Wege, im Sommer im Voot, im Winter mit Schlittschuhen oder Schlitten. Die Arbeit der Trockenlegung dieser Fenns begann bereits im Jahre 1630, wurde dann durch die Bürgekriege unterbrochen, später jedoch wieder aufgenommen und mit großen Kapitalaufwendungen und wunderbarer Beharrlichkeit durchgeführt, bis zu Anfang dieses Jahrhunderts die vollständige Trockenlegung dieser Fenns und ihre Umwandlung in reiche Marschen eine vollendete Thatsache geworden war. Groß waren die Kosten des Unternehmens, und die Kapitalisten, die sich anfangs daran betheiligt hatten, wurden allmählich der immer mehr sich isteigernben Anforderungen an ihre Börsen überdrüssig, die Besitzer des Landes oder wilmehr des Wassers aber ganz entmuthigt und schließlich bereit, Rechte und Besitzungen, die ihnen kaum einen Schilling für den Morgen einbrachten und statt selber trocken gelegt zu werden, die Börsen ihner Besitzer völilg ler zu pumpen schlenen, auch mit großem Verlust zu verkaufen. Die schläuen Eingeborenen der Fenns erkannten ihren Vortheil und kauften eifrig, was die Besitzer ebenso eifrig verkauften. Allmählig gelang es dann durch die neuen Kanäle das Wasser fortzuführen, durch die in Thätigkeit gesetzten Maschinen den ausgepumpten Sumpf in die Drainröhren zu entleeren, und ein Boden, der seit Jahunderten werthlos gewesen war, begann goldene Ernten zu tragen. Kein fruchtbarerer Weizenboden war in ganz England zu finden. Auch kein anderer Boden in Europa war damit zu vergleichen, mit Ausnahme des Donaudelta und der der reichsten Alluvialstrecke in Sübrußland. Die Fennleute gewannen große Reichthümer, ehe sie noch gelernt hatten, was sie mit solchem Reichthum anfangen sollten. Das Geld floß ihn schneller zu, als sie es auszugeben vermochte i. Bis auf den heutigen Tag sind denn auch noch die reichsten Gutsbesitzer der dortigen Gegend Söhne oder Enkel von halbwilden Sumpfbauern. In diesen Marschen gibt es keine Dörfer mit Ausnahme der wenigen, die sich auf den früheren Inseln zurückdrängten. Es gibt auch keine alten pittoresken Bouernhäuser und Hütien. Alles ist neu und häßlich. Es gibt ckeine Hecken und keine Mauern, denn Steine sind in dieser Gegend nicht zu finden. Es gibt auch keine Bäume außer einigen Weiden und hier und da einer Esche, deren Wurzel nackt aus dem Boden hervorragen, da die Erdoberfläche allmählich von ihnen gewichen ist. Die Landoberfläche in diesen Marschen sinkt nämlich stetig. Je weiter die Drainirung und das Austrocknen der Fenns vorschreitet, desto mehr zieht sich ber schwankende Boden zusammen und sinkt jährlich um zwei Zoll tiefer. Infolgedessen finden sich die auf Pfahlrosten gebauten Häuser nach fünfzig Jahren etwa nacht Fuß hoch über der Erde, und Treppen müssen angebaut werden um den Bewohnern derselben, bequemen Ein- und Ausgang zu erm öglichen. Die Flüsse fließen ungefähr in gleicher Höhe mit den Hausdächern dahin, und die einzigen Gegenstände, welche die Eintönigkeit, des ganzen Anblickes in etwas unterbrechen sind die Windmühlen, welche das Wasser aus den Gräben in die Kanäle hochheben. Es gibt auch keine Wege, weil nichts, rein gar nichts von dem sonst zum Wegebau verwandten Material vorhanden ist. Statt der Wege hat man dort die Fahrrinne. Solche Fahrrinne ist ein breiter Landstreifen, gerade wie ein Pfeil auf welchem man den Verkehr zwischen einem Gutshause und dem andern ermöglicht, und die Leute von einem Ort zum anderen sahren. Seiten dieser Fahrrinnnen läuft je ein tiefer Graben dahin, welcher im Sommer von dicht waschenden Binsen völlig verdeckt sind. Es wird gar kein Versuch gemacht, den Erdboden dieser Fahrrinne irgendwie fest und hart zu machen, außer daß man im Sommer einigemale mit der Egge oder Rolle über sie hinwegfährt. 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Aber kein Wagen darf den Weg oben auf den Kanalwällen befahren, und Gebrauch dieser Wälle als Fahrstraße zu verhindern, werden dieselben in regelmäßigen Zwischenräumen von niederen Barrieren gekreuzt, über welche ein Reiter sein Pferd mit Leichtigkeit herüber springen lassen kann. Der kurze Octobertag hatte sich bereits zu Ende geneigt. Schwarz, burchzogen von stahlgrauen Bändern- den Gräben, in welchen sich der wolkenbeheckten Himmel abspiegelte - erstreckten sich die Marschen bis an den Horizont. Zur Rechten erhob sich ein Wall etwa vierzehn Fuß hoch über die Fahrrinne-- es war dies der Seitendamm des Flusses, des Hauptkanals, welcher den Namen Lark trug; zu Linken dehnten sich die Marschen bis ins Undendliche, und der Horizont verschwand im Nebel. Das Pferd des Hausieres kroch und stolperte in deser Fahrrinne unter dem Kanaldamm dahin und ließ den Wagen balt in tiefe Löcher versinken, balb in tiefen, aufgefahrenen Geleisen beinahe umstürzen. Das Pferd spannte alle Muskel an und zog ein paar Schritte weit, stöhnte dann tief, ließ seinen Kopf hängen und blieb unbeweglich stehen. Noch einmal spannte es alle Nerven zur höchsten Kraftanstrengung an, und als der Wagen sich wieber bewegte, klirrte und rasselte sein Inhalt gegen einander. Das arme Thier hätte ihn ebenso leicht über ein frisch gepflügtes Feld ziehen können. Wieder ließ es ein Aechzen hören und gab schließlich alle weiteren Bemühungen auf. Der Hausierer war selber aus dem Wagen ausgestiegen. Er war krank, viel zu krank, um gehen zu können, öber doch vermochte er es nicht über sich zzu bringen, die Last men Pferdes noch zu vermehren, wo es dieselbe durch einen Sumpf ziehen sollte, der nicht etwa blos ein unerhört schlechter Weg war, sondern überhaupt ein Hohn auf jedwede Art von Weg war. „Vore mal" flüsterte er heiser,„ich wünsche jetzt wirklich, wir wären die Nacht über in Ely geblieben." „Ich wünschte es auch, wir hätten es gethan, Vatex. Und wir hätten uns recht gut die Ausgabe machen können. Denn wir haben schönen Profit in Ely gehabt,- enormen Profit." Der Mann antwortete nichts, stumm schleppte er sich weiter, bald stolpernd, bald taumelnd. Es war fast ebenso unmöglich, in dieser Fahrinne zu Fuß zu gehen, wie darin mit einem Wagen vom Fleck zu kommen. „Nein, Vater, so einen Weg, wie diesen hier, haben wir doch noch nicht erlebt," sagte das Mädchen.„Hoffentlich kommen wir bald aus diesen Fenns heraus und nie wieder in sie hinein. „Ich weiß nicht ob wir je herauskommen werden," antwortete der Mann, wie ein Betrunkener dahin taumelnd. „Mir ist zu Muth, als ob wir versinken,- immer tiefer versinken- und alsbald der schwarze Sumpf über uns zusammenschlagen wird." „Vorwärts, Juwel," rief Zita dem alten Pferde zu. „Ich würde dich wirklich peitschen, wenn ich es nur übers Herz bringen könnte." Der Mann blieb stehen und keuchte. „Ich glaube, ich kann nicht weiter gehen. Meine Glieder sind mir alle wie erstarrt, und dabei schüttelt mich ein eisiger Frost, daß mir die Zähne aufeinanderschlagen. „Nun Vater, dann wollen wir doch hier über Nacht bleiben. Uns ist es doch ganz gleich, wo wir schlafen." „Aber dem Pferde ist es nicht gleich. Was soll unser Juwel hier fressen, hier gibt es doch nichts als Schmutz und Binsen, und wenn wir ihn ausschirren, wird er ganz gewiß im Graben versinken." „Ich möchte wohl wissen, wie weit es noch nach Littleport ist? fragte das Mädchen.„Aber ach du lieber Himmel, bei solchen Wegen kann man ja gar nicht mehr nach Entfernungen rechnen. Vorhin ritt ein Mann oben auf dem Wall an uns vorbei, an jedem Steigbügel hatte er eine Laterne. Ich wünschte, ich wäre auf den Wall hinaufgeklettert und hätte ihn gefragt, wie weit es noch bis nach Littleport sein mag. Jetzt ist er schon wer weiß weit voraus, und es hat gar keinen Zweck ihm nachzulaufen. „Wir müssen weiter. Ich fürchte, daß wir ganz den Sumpf versinken, wenn wir an ein und derselben Stelle bleiben." ohnte der Mann tief auf und stolperte und bemühl eiter zu ziehen, aber vergebens, die Dabei stöhnte järts. Dann h en Wagen weiter zu In diesem Augenblicke erschien ein zweiter Reiter oben auf dem Damme, in derselben Richtung dahertrabend wie der erste. Er hatte aber nur eine einzige Laterne an dem inen Steigbügel angebracht, während der zuerst vorübergeittene und von Zita bemerkte zwei Laternen gehabt hatte. Das Mädchen kletterte eilig auf den Abhang des Deiches jinauf, dabei dem Reiter laut zurufend. Der Reiter blieb halten, erwartete sie und fragte dann was wollt Ihr denn eigentlich „O, wollen Sie mir nicht sagen, wo wir unser Pferd die Nacht über nuterbringen und etwas Heu bekommen können?" „Wer seid Ihr?" Zita merkte am Klange der Simme, daß der Mann vorühte sich Räder scharf getrunken hatte und wenn auch gerade nicht betrunken, soßdoch jedenfalls nicht mehr nüchtern war. Sie antwortete ihm eifrig: „Wir sind der Hausierer aus Ely und seine Tochter. Wir können auf dem Wege garnicht weiter kommen. Es ist so fürchterlich schlecht, und jetzt stecken die Rädrr in dem Schmutz ganz fest. Wir möchten gern nach Littleport und Vater—" „Ihr seid ein paar verfluchte Schurken," unterbrach sie der Reiter. I wil nichts mit Ench zu thun haben. Du bist wohl dos Mäcicen, das mich##übers Ohr hieb. Du bist entschieden die Schlimmste nor en." Er trug den Dreschflegel noch innner in der Hand und schwang ihn jetzt drohend um seinen Kopf.„Fort mit Enchl Fort, Ihr Hausiererpack, oder ich lasse meinen Dreschflegel auf Eure Schädel herniedersausen, auf Eure Schultern, Rücken und Hüften, bis Ihr mir die Guinea herausrückt, die Ihr mir in meiner Narrheit abschwindeltet." Dabei stieß er seinem Pferde die Hacken in die Flanken, schlug mit dem unteren Ende die Zügel auf den Hals des Thieres und galloppierte auf der breiten Fläche des Kanaldammes weiter." Zita kletterte wieder nach unten. Der Wagen war noch immer uubeweglich. Ihr Pferd Juwel siand mit gesenktem Haupt und betrübt herunterhängender Unterlippe da, die steifen Beine tief versunken in dem zähem Schlamm, fest entschlossen, sich auch nicht mehr einen Zoll von der Stelle zu rühren. Zita ging zu ihrem Vater zurück. Er saß gegen den Kanaldamm gelehnt da mit seinen Hände in den Hosentaschen, und ließ seinen Kopf tief auf die Brust hängen. „Vater, wie geht es dir?" „Schlecht,— sehr schlecht- schrecklich schlecht." „Vater, weißt du, laß mich vorausgehen und ein Haus suchen. Juwel wird sich nicht vom Pfleck rühren, er hat seine Nase aufgekrempt und seine Ohren zurückgelegt und weiß, was das zu bedeuten hat. Ich glaube auch nicht, daß irgend jemand diesen Weg entlang kommen und den Wagen bestehlen wird. Deshalb laß uns lieber zusammen weiter gehen, und du kannst dich auf mich stützen, und wir werden gewiß ein Bauernhaus finden. „Ich kann mich nicht mehr aufrichten, Zita., „Ich werde dir behilflich sein, Vater." „Ich kann auch nicht einen einzigen Schritt weiter gehen, Zita." „Versuch es doch wewigstens Vater. Nimm deine Kraft zusammen. Fortsetzung folgt. Lösung des Zahlenrätsel. Hase, Uhu, Nase, Dante, Stunde, Tanga, Agnes, Ganges Essen.: Hundstage. Die Urlisten berjenigen Personen der Gemein Kirchspie Amte eines Schöffen oder Geschworenen ber und Berrlage, weche für dass Fahr 1899 zu dem horue werden können, liegen, gsgesetzes vom 27. Januar er. an eine Woche lang zu Min die Urlisten, von Stadt und Kirchspiel Billerbeck auf der Amtsstube in Billerbeck und von Beerlage in der Wohnung des Geme Billerbeck, den se=Vorsteyers zu Beerlage. 1898. Der Ehrenamtmann: I. V. Der Beigeordnete: Ahlers. Schürkötter an der Ost= ter 1 sen Kartos meistbietend verkö B. Witte. afer=Verkauf. Bekanntmachung Es wird hiermit auf die in Stück 27s Amtsblatts der Königl. Regierung zu Münster vom 7. Juli d. veröffentlichte Landespolizeiliche Anordnung vom 24. Juni 1898, betreffend Geflügelcholera, mit dem Bemerken aufmerksam gemacht, das der Ausbruch von Geflügelcholera, oder vorkommende Todesfälle unter dem Geflügel, welche den Verdacht auf Geflügelcholera rechtfertigen, bei Vermeidung von Strafe sofort bei der Ortspolizeibehörde angemeldet werden muß. Der Ehrenamtmann: Frhr. v. Twickel. Bekanntmachung. der am 25. Februar cr. stattgehabten Sitzung hat der Ausschuß des Pferde-Zucht=Vereins des Kreises Coesfeld beschlossen. Prämien bis zur Höhe von 50 Mark demjenigen zu gewähren, welcher Hengstund Stuten=Besitzer, die ihre Stuten durch nicht angekörte Hengste decken lassen, so zur Anzeige bringl, daß dieselben auf Grund der§§ 1 und 9 der Polizei=Verordnung über die Körung der Privatbeschäler vom 27. April 1898 gerichtlich bestraft wer Billerbeck, den 27. Mai 1898. tmann: pickel. Polizei=Verordnung. Auf Grund des§ 137 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883(G.=S. S. 195) und der Allerhöchsten Kabinetsøkdre vom 7. Februar 1837(G.=S. S. 19) sowie der§§ 6. 12 und 15 des Gesetzes über die Polizei=Verwaltung vom 11. März 1850(G.=S. S. 265) wird Mit Zustimmung des Provinzialrathes für den Umpfang der Provinz Westfalen verørdnet, was folgt: Die§§ 6, 13 und 14 der Polizei=Verordnung über die äußere Heilighaltung der Sonn= und Feiertage vom 22. Juli 1897(Extrabeilage zu Stück 35 der Amtsblätter der Königl. Regierungen von Münster, Minden und Arnsberg) werden aufgehoben. Ansihre Stelle treten nach stehende Bistimmungen: § 6. Das Aushängen und Ausstellen von Waarin oder vor den Ladenth Nachmittagsgottesdienstes, reicht(§ 16), untersagt. Während dieser Zeit müssen die Ladenthüren eingeklinkt und die Schaufenster geräumt oder verhängt werden. Märkte und Messen dürfen an Sonn- und Feiertagen nur stattfinden, wo dies herkömmlich ist. Jedoch muß der Wochenmärktverkehr vor Beginn des Hauptgottesdienstes(§ 16) beendet sein. Jeder andere Marktverkehr darf erst nach der Zeit des Hauptgottesdienstes beginnen. Der Gewerbetrieb der in den§§ 2b und 44 der Gewerbeordnung bezeichneten Personen ist an Sonn= und Feiextägen allein im Falle des§ 55a Absatz 2 der Gewerbeordnung und auch dann für außerhalb der Zeit des Hauptgottesdienstes und des Nachmittagsgottesdienstes, insoweit letzterer nicht über 3½ Uhr Nachmittags hinausreicht, statthaft. Oeffentliche Versteigerungen und Verpachtungen dürfen an Sonn- und Feiertagen nicht abgehalten. werde. § 18. Hetz= und Treibjägden sind an Sonn= und Feiertagen unbedingt, sonstiges Jagen ist während der Zeit des Hauptgottesdienstes und des Nachmittagsgottesdienstes(§ 16) untersagts Sinne dieser Verordnung sind der Neujahrstag, der elfahrtstag, der Pfingstmontag, der Buß- und Bettag, der M. werde au zu Witwe Nied legenen Ackerkat 8 ve oupmmungen: Aushängen und Ausstellen von Waaren in den Schaufenstern und Ladenthüren ist während der Zeit des Hauptgottesdienstes und des sdienstes, insoweit dieser nicht über ½ Uhr Nachmittags hinaus§ 12. Feiertage Ostermontag, der Hi erste und zweite We Lingen und Teckl und Wittgenstein Diese VerM achtsfeiertag; im Gebiete der Grafschaft Mark, Ravensberg, rg, im Fürstenthume Minden, sowie in den Kreisen Siegen ch der Charfreitag. lung tritt mit ihrer Verkündigung in Kraft. den 7. Juli. 1898. Der Oberpräsident der Provinz Westfalen. Wirkliche Geheime Rath. aller Art SAOOS Am Dien afer-Verkauf und verpactng abent Brinkmann Richten= werde für Frau auf deren Grundst graben eine Partie Hafer messoletendverkanfen. sollen daselbst 4 Morgen Ackerland pärzellenw. verpachtet werden. B. Witte. Hafer=Verkauf. lontag, den 8. August bends 7 Uhr werde für den Kaufmann Herrn Goittf. Wübk 3 Morgen starken Hafer auf dem Billerdecker Perge an der Donnerkuhle belegen Seistbietend verkaufen. A. Averbecl beste großfri em orten, lt billigst Gärtnerei. Bentral t. W. Rothenburg 32. empfiehlt sich zur Vermittelung von Inseraten für sämmtliche Zeitungen sowie zur Abfassung u. Unterbringung von Reklameberich Telephon 149. Ein braves sittenreines Mädch welches alle häuslichen Arbeit. gut versteht, freundlich ung und willig ist, wird zu baldig. Eintritt gesucht. Gelegenheit, die bürgerliche Küche zu erlernen. Stellung leicht und ndlung famii. 150— 180M. angenehm, Be Lohn n. Uebereink. Fr. D. Thöentes 1819/31) in Haltern i. 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