Steinheimer Zeitung Bote für das Emmertal Bezugspreis: Für diesen Monat 1.50 Reichsmark frei Haus. Erscheint sechsmal wöchentlich mit Ausnahme von Sonn= u. Feiertagen Für die Schriftleitung verantwortlich: Karl Simonowski, Steinheim i. Westf., Fernruf Nr. 352 Amtliches Verordnungsblatt Anzeigenpreis: Für 1 mm Höhe, 45 mm breit 5 Pfg., im Textteil 1 mm Höhe, 90 mm breit 20 Pfg. Beilagengebühr je 100 RM. 1.— Sämtliche Anzeigen sind nach Steinheim i. Westf. zu senden Druck und Verlag: Karl Simonowski, Steinheim i. Westf. Nr. 106 Steinheim, Montag, 8. Mai 1939 46. Jahrgang Von Woche zu Woche Randbemerkungen zur Zeitgeschichte. Die politische Lage stand in der vergangenen Woche im Zeichen einer reinlichen Scheidung zwischen den Mächtegruppen, die entweder den Frieden oder den Krieg auf ihre Fahnen geschrieben haben. Während das großdeutsche Volk an seinem Nationalen Feiertag die willommene Gelegenheit benutzte, einmal der ganzen Welt zu zeigen, wie unzerbrechlich fest die Einheit zwischen Volk und Führung und sein Wille zu friedlicher Arbeit ist, zum anderen aber dem Führer seinen Dank für die entschlossene Antwort an die Kriegshetzer abzustatten, bemühte sich das demokratische Ausland nachdrücklich— allerdings auch erfolglos— um eine Fortsetzung der Manöver, mit denen eine Basis für die endgültige Zerschlagung der autoritären Mächte geschaffen werden sollte. Glück hatten die Politiker an der Seine wie an der Themse mit ihren Bestrebungen nicht. In England wurde Herrn Chamberlain von den Iren eine höchst beachtliche diplomatische Niederlage bereitet, in Frankreich mehrten sich die Stimmen, die zu einer Abkehr von der Politik des Wahnsinns mahnten, in Polen überbot man sich in gegenstandslosen und völlig irrsinnigen Forderungen, und ihnen allen fuhr schließlich der begehrte Bundesgenosse Sowjetrußland durch die Beseitigung Litwinow=Finkelsteins in außerordentlich peinlicher Weise in die Parade. Die Haltung der Achsenmächte war diesem gewissenlosen Treiben gegenüber ruhig und fest. Bei ihnen sieht man der Entwicklung der Dinge mit Zuversicht entgegen, und für diese Auffassung sind die deutsch-italienischen Besprechungen, die im Geiste völligen Einvernehmens geführt werden können, der beste Beweise Die drei Themen Polen, Litwinow=Finkelstein und Ribbentrop— Ciano geben der augenblicklichen Situation am deutlichsten Ausdruck. Bei den Polen hat die Führerrede offenbar keinerlei offene Ohren ür eine friedliche Verständigung gefunden. In der polnischen Presse gab es einen Hexensabbat größenwahnsinnijer Angriffsdrohungen und unverhüllter Aufpeitschung kriegerischer Instinkte. Wenn auch die Großsprechereien polnischer Organe nicht ernst zu nehmen sind, so bleibt es doch ein sehr gefährliches Spiel mit dem Feuer, wenn unter dem Eindruck dieser Pressehetze das polnische Volk anfängt, seinen verbrecherischen Trieben gegenüber den Volksdeutschen in Polen freien Lauf zu lassen. Den Staatsmännern in London und Paris müßte langsam selbst angst werden vor den Wirkungen, die ihre Ermunterungen in Polen ausgelöst haben. Das Deutsche Reich hat schon einmal Veranlassung gehabt, sich entscheidend für das Wohlergehen seiner Brüder jenseits der Grenze einzusetzen. Und es hat es mit Erfolg getan! Man muß sich darüber klar sein, daß Vorgänge, wie sie sich jetzt in Gebieten abspielen, in denen die Polen teilweise durchaus in der Minderheit sind, nur bis zu einem ganz bestimmten Augenblick angesehen oder geduldet werden können. Wird der Bogen weiter in ähnlich maßloser Form überspannt, wie das dank den Souffleuren in London und Paris jetzt der Fall ist, so darf man sich nicht wundern, wenn er zerbricht, und niemand darf sich darüber im Zweifel sein, daß das sowohl für den Schützen wie gegebenenfalls auch für die Hintermänner sehr unangenehme Folgen haben könnte. Es gibt in den demokratischen Staaten Zeitungen genug, die den offenkundigen Wahnsinn polnischer Chaubinisten, die von einer„polnischen Östsee" sprechen oder Deutschland bis zur Elbe als polnisches Gebiet reklamieren, mitmachen zu müssen glauben. Ob diese Zeitungen und die dahinter stehenden Regierungskreise im entscheidenden Moment den Dank ihrer Völker ernten werden, die ja letzthin die Leidtragenden sind, wenn es sich darum handelt, den Wahnsinn auch zu verteidigen, muß die Zukunft erweisen. Man versucht im Bewußtsein dieser Tatsache, den temperamentvollen Pölen auch schon Zügel anzulegen. Viel schwerer als die Unsicherheit, in die die überspannten Forderungen Polens die Demokratien hineingebracht haben, wiegt aber die Absetzung des russischen Außenkommissars Litwinow-Fintelstein. Der Blitz der Stalinschen Maßnahmen kam wirklich aus heiterem Himmel. Weiß man auch nicht, welches die eigentlichen Hintergründe des Vorjanges waren, so ist es für die Diplomaten der Demokratien doch ein augenblicklich überaus miserables Gefühl, gerade im entscheidenden Moment den Mann in der großen bolschewistischen Versenkung verschwinden zu sehen, den sie bereit wähnten, in die gemeinsame„antifaschistische" Front einzutreten. Daß der Bruch in einem Augenblick vor sich ging, in dem das große Kuhhandelsgeschäft unter Dach und Fach zu kommen schien und in Genf nur noch seine letzte Bestätigung finden sollte, ist überraschend. Es stimmt etwas nicht! Es ist gewiß etwas vor sich gegangen, von dem die Oeffentlichkeit noch keine Ahnung hat, und es muß schon ein schwerwiegender Umstand gewesen sein, der Stalin veranlaßte, seinen„bewahrten“ Außenkommissar abzusägen, der erst vor kurzer Zeit als Gast des britischen Königs in der Westminsterabtei in London hei der Krönung anwesend sein durfte. Die Außenvolitik der cienmächte bewegte sich im Erlaß des Führers an die Kraftfahrer Höchstgeschwindigkeiten für alle Kraftfahrzeuge festgesetzt. Der Chef der Ordnungspolizei, ½=Obergruppenführen General der Polizei Daluege, sprach vor Vertretern der Presse und machte zu der neuen Verordnung über die Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeiten für Kraftfahrzeuge u. a. folgende Ausführungen: Innerhalb der letzten Wochen hat sich eine große Zahl schwerer Verkehrsunfälle mit zahlreichen Toten und Schwerverletzten-ereignet. Angesichts dieser Tatsache und bei der Unvernunft so vieler Kraftfahrzeugführer waren einschneidende Maßnahmen erforderlich. Der Führer hat daher eine Begrenzung der Fahrgeschwindigkeiten für Kraftfahrzeuge befohlen. Im Reichsgesetzblatt wird eine Verordnung zur Aenderung der Straßenverkehrs=Ordnung veröffentlicht, durch die mit Wirkung vom 7. Mai 1939 für den Kraftfahrzeugverkehr folgende höchstzulässige Fahrgeschwindigkeiten festgesetzt werden: Innerhalb geschlossener Ortschaften: für Personenkraftwagen sowie für Krafträder mit und ohne Beiwagen 60 Kilometer je Stunde; für Lastkraftwagen, Omnibusse und alle übrigen Kraftfahrzeuge 40 Kilometer je Stunde. Außerhalb geschlossener Ortschaften und auf allen Reichsautobahnen: für Personenkraftwagen sowie für Krafträder mit und ohne Beiwagen 100 Kilometer je Stunde; für Lastkraftwagen, Omnibusse und alle übrigen Kraftfahrzeuge 70 Kilometer je Stunde. Ausdrücklich sei darauf hingewiesen, daß die für geschlossene Ortschaften bestimmten Höchstgeschwindigkeiten insbesondere auch auf der Östwestachse in Berlin und auf gleichartigen oder ähnlichen Verkehrsadern gelten. Die Polizeibehörden sind angewiesen worden, die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeiten durch motorisierte Streifen— auch in Zivil und mit Kraftfahrzeugen ohne Polizei Num er— wirksam zu überwachen. Die Partei und ihre Gliederungen, insbesondere das NSKK., werden bei der Ueberwachung mitwirken. Es ist vorgesehen, weitere Maßnahmen technischer Art zur Ueberwachung der festgesetzten Höchstgeschwindigkeiten zu treffen. Ueberschreitung der Höchstgeschwindigkeiten wird strengstens, in der Regel mit Polizeistrafen nicht unter 20 RM., in schweren Fällen darüber hinaus mit Entziehung des Führerscheins geahndet werden. Die Polizei wird allerdings— was eigentlich nicht besonders betont zu werden braucht— keineswegs kleinlich verfahren. Sie wird bei ihrer Ueberwachungsarbeit vor allem auch berücksichtigen, daß in gewissen Verkehrslagen eine vorübergehende Ueberschreitung der höchstzulässigen Fahrgeschwindigkeit zur Umgehung drohender Verkehrsgefahren sogar notwendig sein kann. Bei den Kontrollen werden die Polizeistreifen auch dem vorschriftsmäßigen Rechtsfahren und Ueberholen ihre besondere Aufmerksamkeit zuwenden; beides läßt— namentlich auf den großen Durchgangsstraßen— noch sehr zu wünschen übrig. Auch Verstöße gegen die Vorschrift des Rechtsfahrens haben in den letzten Wochen wiederholt zu schweren Verkehrsunfällen geführt. Der Volksgenosse muß endlich einsehen, daß scharfes Rechtsfahren die unbedingte Voraussetzung für einen geordneten, reibungslosen und damit sicheren Straßenverkehr ist und daß die Polizei keineswegs etwa nur aus Lust an der Handhabung einmal erlassener Vorschriften immer wieder an die Verkehrsteilnehmer appelliert. Valfangflotte„Jan Wellem" zurückgekehrt Die Fangausbeute wesentlich erhöht. Als letzte der deutschen Walfangflotten hat nach fast achtionatiger Abwesenheit das Mutterschiff der ersten deutschen Lalfanggesellschaft„Jan Wellem“, mit den Fangbooten Treff 1 bis 8“ seine dritte Fangreise glücklich beendet und st in den Heimathafen Cuxhaven zurückgekehrt.„Jan Wellem“, er im ganzen 40 000 Meilen, das sind zirka 70 000 Kiloieter, zurückgelegt hatte, konnte seine Fangausbeute gegenüber em Vorjahr erheblich steigern. Gegensatz zu diesen turbulenten Vorgängen in genau entgegengesetzter Richtung. Mit rumänischen und ungarischen Staatsmännern wurden Verhandlungen gepflogen, die in befriedigendem und freundschaftlichem Geist verliefen. Der Abschluß von wertvollen und nur dem Frieden dienenden Pakten mit Estland und Lettland steht vor der Tür. Am Comer=See trafen sich unser Reichsaußenminister und Italiens Außenminister, um die schwebenden politischen Fragen unserer erregten Zeit im besten Einvernehmen zu besprechen. Es nützt nichts, daß das Ausland das Bestreben zeigt, diesen Besprechungen irgendeine negative Bedeutung zu unterschieben. In Rom wie in Berlin weiß man, daß die Lage in Europa so geschaffen ist, daß eine genaue Ueberwachung unumgänglich ist. Der„trockene Krieg“, wie man im demokratischen Lager die augenblickliche Lage selbst zynisch bezeichnet, bedingt ein gemeinsames und einträchtiges Werk auf allen Lebens gebieten. An der Schöpfung dieses Werkes sind die beiden in der Villa d'Este konferierenden Staatsmänner hervorragend beteiligt. Sie genießen bei ihren Völkern das Vertrauen, daß sie nach wie vor im Dienste des Friedens arbeiten, daß sie aber auch keine Möglichkeit außer acht lassen werden, den Frieden mit allen Mitteln zu verteidigen. Unermüdliche Mitarbeit brachte Erfolg Hauptamtsleiter Hilgenfeldt dankt den ehrenamtlichen WHW.=Mitarbeitern. Hauptamtsleiter Hilgenfeldt hat nach Beendigung des letzten WHW. an die ehrenamtlichen Helfer des Winterhilfswerkes des deutschen Volkes folgenden Aufruf erlassen: „Meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen! Das erste Winterhilfswerk des Großdeutschen Reiches liegt hinter uns. Es ist im Hinblick auf die großen geschichtlichen Ereignisse ein stolzer Erfolg geworden. Dieses Ergebnis war nur möglich durch eure unermüdliche treue Mitarbeit. Ihr habt als Gefolgsmänner des Führers eure Pflicht getan. Euer Dank ist der Erfolg der Arbeit. Ich weiß, daß ihr ebenso in den kommenden Wochen und Monaten euch für die großen Aufgaben der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt einsetzen werdet.“ Große Nachfrage, kleines Angebot Siebenmal soviel offene Stellen als Arbeitsgesuche. Nach dem Bericht über die Vermittlungstätigkeit der Arbeitsämter im Monat März waren nicht weniger als 1 428 000 offene Stellen zu bearbeiten. 774 000 Arbeiter und Angestellte fanden mit Hilfe der Arbeitsämter Beschäftigung. Infolge des winterlichen Rückschlages war diese Zahl nur um etwa 20 000 größer als im Vormonat und nicht unerheblich geringer als im Vorjahr. Die angespannte Lage des Arbeitseinsatzen kelumt besonders in den am Monatsende noch unerledigten offenen Stellen zum Ausdruck. Ihre Zahl betrug fast 600 000. Welche Wandlung im Arbeitseinsatz seit 1933 eingetreten ist, wird besonders deutlich durch eine Gegenüberstellung und berufliche Aufgliederung der offenen Stellen. 1933 waren es Ende März nur 34 000, jetzt 594 000. Von den 34000 offenen Stellen des Jahres 1933 entfielen 21 000, also 60 Prozent, auf die Landwirtschaft. Ende März 1939 betrug die Zahl der offenen Stellen 169 000. Aeltere Angestellte bei Behörden Mindestens 37 Prozent sollen über 40 Jahre alt sein. Der Reichsfinanzminister hat Richtlinien für die Beschäftigung älterer Angestellter in den öffentlichen Verwaltungen und Betrieben erlassen. Der Hundertsatz der mehr als 40jährigen Beschäftigten soll in jeder Beschäftigungseinheit des öffentlichen Dienstes den Reichsdurchschnitt der Beschäftigung älterer Angestellter in den privaten Betrieben, der 36,8 Prozent beträgt, mindestens erreichen. Ist diese Voraussetzung nicht erfüllt, so sind bis zur Erreichung des Reichsdurchschnittssatzes die mit Angestellten zu besetzenden Arbeitsplätze mit älteren Angestellten auszufüllen, soweit dies mit den Anstellungsgrundsätzen, mit der Sonderaktion zugunsten der um die Bewegung verdienten Personen und mit den dienstlichen Erfordernissen vereinbar ist. Bei einer wesentlichen Unterschreitung des Reichsdurchschnittssatzes ist im Benehmen mit den Arbeitsämtern zu prüfen, inwieweit unter Vermeidung unbilliger Warten jüngere Angestellte durch ältere ersetzt werden können. Auf der anderen Seite dürfen Entlassungen älterer Angestellter nicht deshalb erfolgen, weil die Pflichtzahl der zu beschäftigenden älteren Angestellten bereits überschritten ist. beim Reichsaußenminister Reichspräsidentenpalais für das Reichsministerium des Aeußeren umgebaut. Das alte Reichspräsidentenpalais in der Wilhelmstraße in Berlin, das der Führer für den Reichsminister des Aeußern bestimmt hat, wurde im Laufe der letzten Monate umgebaut und nunmehr soweit fertiggestellt, daß auf dem festlich geschmückten Bauplatz das Richtfest begangen werden konnte. Reichsaußenminister von Ribbentrop war trotz seiner unmittelbar bevorstehenden Abreise nach Italien selbst erschienen, um den am Umbau beteiligten Arbeitern seinen Dank für die geleistete Arbeit zu sagen. Der Umbau des Palais, das vor 200 Jahren vom Soldatenkönig errichtet wurde, bot nicht unbeträchtliche Schwierigkeiten. Unter Wahrung seiner historischen Fassade wurde das ursprünglich nur aus sehr kleinen Räumen bestehende Innere repräsentativ umgestaltet und gibt nun dem Bauwillen des neuen Deutschland großzügigen Ausdruck. An die Feier auf dem Bauplatz schloß sich der traditionelle Richtschmaus im Festsaal der Kroll=Oper an, bei dem der Reichsaußenminister nochmals das Wort ergriff. Deutsch-ital Ein Abkommen der beiden Achsenmächte im Dienst des europäischen Friedens. Der Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop und der italienische Minister für die auswärtigen Angelegenheiten, Graf Ciano, haben bei ihren Besprechungen in Mailand am 6. und 7. Mai die gegenwärtige politische Lage einer sorgfältigen Prüfung unterzogen. Sie haben dabei erneut die volle Uebereinstimmung der Auffassungen ihrer Regierungen nach jeder Richtung hin festgestellt und beschlossen, der engen Verbundenheit der beiden Völker durch einen umfassenden politischen und militärischen Pakt Ausdruck zu geben. Die beiden Achsenmächte sind dabei von der Ueberzeugung ge tragen, damit in wirksamer Weise zur Sicherung des Friedens in Europa beizutragen. Reichsaußenminister v. Ribbentrop und der italienische Außenminister Graf Ciano hatten am Sonnabend in Mailand im Palazzo Monforte, dem Sitz der Präfektur der Provinz Mailand, eine mehrstündige Unterredung, bei der sie die vielseitigen und verwickelten Probleme, die die Politik dieser so ereignisreichen Tage beherrschen, auf das genaueste erörterten. Nach den verschiedenen Aussprachen, die die beiden Staatsmänner, jeder für sich getrennt, in den vergangenen Wochen mit einer Reihe führender Staatsmänner gehabt haben, tauschten sie nunmehr ihre Ansichten und Erfahrungen miteinander aus, wie es sich aus der besonderen Situation der beiden Mächte Deutschland und Italien ergibt. Die beiden Außenminister haben in ihren Aussprachen alle die Politik ihrer beiden Staaten betreffenden Fragen behandelt, nicht nur solche, die im gegenwärtigen Zeitpunkt bedeutungsvoll sind, sondern auch Angelegenheiten— und darin liegt das Besondere dieser Aussprache—, die für die zukünftige Gestaltung der Politik der beiden Achsenstaaten von allergrößter Bedeutung sind. Nachdem Reichsaußenminister v. Ribbentrop am Sonntagvormittag mit seiner Gattin die Sehenswürdigkeiten Mailands besichtigt und an einem Frühstück im Palazzo Sormani teilgenommen hatte, fand im Laufe des Sonntagnachmittags noch eine weitere Aussprache zwischen v. Ribbentrop und Graf Ciano statt. Nach einem Empfang im Mailänder Rathause begab sich der Reichsaußenminister mit seiner Begleitung in die Villa d'Este nach Como. * e stärter denn je Nun brauchen die Kriegshetzer und Einkreisungspolitiker in Paris und London nicht mehr ihr großes Rätselraten weiterzuführen. Das Ergebnis der Mailänder Besprechungen zwischen dem deutschen Außenminister von Ribbentrop und dem Außenminister Italiens Graf Ciano liegt eindeutig und klar vor den Augen und Ohren der Welt. Jetzt wissen Chamverlain und Daladier, daß die Achsenmächte nicht untätig ihre Hände in den Schoß legen, sondern daß sie auf der Wacht sind und es verstehen, die Kriegshetze der Demokratien zu parieren. Zwischen Deutschland und Italien ist in Mailand dunh ihne Außeminister ein politischer und militärischer Pakt abgeschlossen worden. Damit wird jenes hysterische Geschrei ad absurdum geführt, das in der westdemokrati schen Presse den Mailänder Besprechungen vorausgegangen war und von Meinungsverschiedenheiten der Achsenmächte wissen zu können glaubte. Das Gegenteil ist der Fall. Durch den neuen Pakt ist die Schlagkraft der Achse gewaltig gefestigt und verstärkt worden. Nicht etwa im aggressiven Sinne, wie die Demokratien es unserem Wollen immer unterschieben wollen, sondern im Sinne einer Sicherung des europäischen Friedens gegenüber der Kriegshetze und Einkreisungspolitik Englands und Frankreichs. Wenn auch diese Einkreisungspolitik durch das Verhalten Moskaus, das nicht das Opfer eines imperialistischen Krieges der Westmächte sein will, heute als gescheitert angesehen werden muß, so besteht der böse Wille immer noch in London und Paris. Die Kriegshetzer werden dort jetzt einsehen müssen, wie gefährlich dieses frevlerische Spiel für sie selbst sein muß, wenn sie nicht bald eine innere Umkehr vornehmen sollten. Berlin und Rom sehen die europäische Lage dank ihrer Einigkeit und Stärke nicht als gefayriich an. Die Achsenmächte wollen einen Frieden der Gerechtigkeit und eine Neuordnung Europas, die durch die in ihr wohnende Gerechtigkeit schon eine Sicherung des Friedens Europas bedeutet. Der Garant dieses Friedens aber sind die Achsenmächte dank ihrer politischen und militärischen Stärke. Das italienische Blatt„Torriere della Sera“ hat vollkommen recht, wenn es schreibt, man könne ohne weiteres bekräftigen, daß auch die Konferenz von Mailand wie alles, was in der Politik Roms und der Achse wirke, im Interesse der Zivilisation und des Friedens aufbauend sein würde. Die Kriegshetzer, die Saboteure der Zivilisation, die Katastrophenpropheten und vor allem jene, die die unabänderliche Realität der Geschichte und des Lebens nicht sehen und nicht sehen wollen, suchten den natürlichen Prozeß der Revision und der Neugestaltung der europäischen Angelegenheiten, die eine unumgängliche Notwendigkeit für eine friedliche Entwicklung des Wohlstandes der Völker sei, zu hindern. Wer sich noch einbilde, über die Achse hinweggehen zu können, erhalte eine erneute kategorische Abfuhr, ebenso wie das Spiel wahnsinnig gefährlich sei, wenn manche weiter auf der Politik der Einkreisung bestehen. Der neue Pakt stellt die konsequente Fortsetzung der Politik des Führers und des Duce dar und entspricht dem Willen und den Gefühlen beider Völker. Die Tat von Mailand ist der wirksamste Schritt, um allen diplomatischen, wirtschaftlichen und militärischen Einkreisungsbestrebungen kraftvoll entgegenzutreten. Auch hier— wie in den vor dem Abschluß stehenden Nichtangriffspaktverhandlungen mit Lettland und Estland— erweist sich die Achse als ein Instrument des Friedens. Der deutschitalienische Pakt ist ein unüberwindliches Bollwert gegen alle gefährlichen Versuche der Kriegshetzer, Europa und die Welt ins Unglück zu stürzen Mailand feiert den Außenminister Vor seiner Abreise aus Mailand nach der Villa d'Este am Comer See nahm Reichsaußenminister von Ribbentrop an einem Empfang teil, der ihm zu Ehren im Mailänder Rathause veranstaltet wurde. Außer den beiden Außenministern und den Botschaftern der Achsenmächte in Rom und Berlin war in den Prachtsälen dieses alten Mailänder Patrizierpalgstes alles versammelt, was in der lombardischen Hauptstadt Rang und Namen besitzt. Der Rathausplatz war von einer riesigen Menschenmenge besetzt. In der ganzen Länge und zu beiden Seiten des Rathauses waren u. a. Abteilungen der jungfaschistischen Organisationen aufgestellt, dahinter die Standarten der faschistischen Partei. Eine mächtige Hakenkreuzflagge wehte neben der italienischen Trikolore vom Balkon des Scala=Theaters. Als Reichsaußenminister von Ribbentrop an der Seite Galeazzo Cianos auf dem Balkon des Palastes erschien, brach die Menschenmenge in einen nicht endenden Sturm der Begeisterung aus.„Heil!“ und„Evviva!“,„Hitler! Hitler!",„Duce! Duce!“ ertönte es brausend über den weiten Platz, während die jungen Faschisten ihre kleinen Karabiner mit dem aufgepflanzten Seitengewehr jubelnd schwenkten und ihrer Freude Ausdruck verliehen. Im Palast selbst wurde dem Reichsminister von alten faschistischen Kämpfern eine besonders herzliche Sympathiekundgebung bereitet. Arm in Arm mit Außenminister Ciano stand Reichsminister von Ribbentrop inmitten eines der großen Säle und war im Nu von den ihm zujubelnden alten Kämpfern dicht umringt. Beckim Spiegel des Auslandes England und Frankreich klatschen Beifall. Die Aufnahme der Rede des polnischen Außen ministers ist je nach dem Verhältnis der einzelnen Staaten zu Polen verschieden. Während die römische Presse eine sehr ernste Kritik vornimmt, sind London und Paris betont befriedigt. Als einziges englksches Blatt warnt die„Daily Mail“ vor einer Vergrößerung der Kluft, die Deutschland heute bereits von Polen trennt. Die„Daily Mail“ führt aus, daß beide Länder ihren Standpunkt mit den Punkten des Präsidenten Wilson belegen, der der Selbstbestimmung auf der einen Seite das Wort redete, und auf der anderen Seite den Polen das Recht zu einem Zugang zum Meer zusprach. Die Gefahr bestehe, daß Danzig zu einem Serajewo werde. Nur durch eine vernünftige Diskussion könne diese Gefahr aus dem Wege geräumt werden. England betrachte die Danziger Frage von dem Standpunkt aus, daß Polen zwar nicht einen Frieden um jeden Preis annehmen solle, daß es aber dem Begriff der Ehre nicht mit Spitzfindig keiten verwirren dürfe. Die„Daily Mail“ schließt:„Weder die Franzosen noch die Engländer sind bereit, für Danzig zu sterben. Sind die Polen bereit, es zu tun? Die übrige englische Presse behandelt die Beck=Rede verhältnismäßig flüchtig und erklärt den Ausführungen vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Kabinetts entsprechend, daß Polen seine vitalen Interessen nicht zu opfern bereit sei, daß aber die Tür zu Verhandlungen aller Probleme geoffnet bleibe. Der deutsche Standpunkt wird in der englischen Presse völlig unberücksichtigt gelassen. Wenn die „Times“ ausführt, daß die polnische Regierung zwar nicht bereit sei, Danzig zurückzugeben oder den Bau einer exterritorialen Straße und Eisenbahnlinie durch den Korridor zu gestatten, daß es aber bereit sei, weitere Zugeständnisse(?) zu machen, als bisher den deutschen Interessen gewährt wurden. so scheint das doch eine Auffassung zu sein, die völlig unhaltbar st. In der gesamten englischen Presse wird geflissentlich übersehen, daß Becks Erkliungen den Weg zu Verhandlungen nicht gerade geebnet haben. „Früher Dummkopf— neute Staatsman"" Die Lobhudelei, mit der die gesamte französische Presse den Obersten Beck umgibt, ruft die Erinnerung wach an frühere Zeiten, in denen gerade der polnische Außen minister in Frankreich eine höchst umstrittene Persönlich keit war, als et noch der Tradition Pilsudskis folgend eine Linie der Verständigungspolitikmit Deutsch land verfolgte. Damals wurde er als eitler Dummkopf von denselben Zeitungen bezeichnet, die ihn heute, wo er ein willfähriges Werkzeug der Einkreisungspolitiker geworden ist, als „Tribun und Staatsmann“ über den grünen Klee loben. Es wimmelt in den Blättern von großen Schlagworten wie„Beck, der große Patriot“ oder„Der Staatsmann des edlen, tapferen Polen.“ Aus den Lobeshymnen der französischen Presse einige Stichworte: „Petit Parisien": Der Chef der polnischen Diplomatie hat sich zutiefst als patriotischer Staatsmann ausgedrückt. Er stellte die Danzigfrage klar. Danzig muß das Atmungsorgan Polens zum Meer bleiben. „Seubre": Es handelt sich nicht darum, ob man für Danzig sterben muß, wie Marcel Deat sagte, sondern ob man Deutschland nach eigenem Ermessen handeln lassen will. Durch Nachrichten von„deutschen Truppenzusammenziehungen“ in der Grenzmark, in Pommern und Östpreußen wird Wasser auf die Mühlen der Panikmacher gegossen. „Excelsior": Man hat Joseph Beck in Genf als „geschickten und geschmeidigen Debattierer“ schätzen gelernt, seine diesmalige Rede ließ ihn als Tribun und Staatsmann erkennen. „our“: Beck hörte in seiner Rede auf, Jurist oder Diplomat zu sein, um„zum Minister eines Soldatenvolkes“ zu werden. Kerillis bringt in der„Epoque“ natürlich einen Hochruf auf Polen aus. Allerdings will er ausnahmsweise von seinen bitteren Kritiken, die er früher gegen die Person Becks und seine Politik erhoben hat, nicht alles zurücknehmen. Mehr noch als Bonnet oder Halifax sei er in tragischer Weise schuldig, sich im September vorigen Jahres getäuscht zu haben, um so größer sei jetzt sein Verdienst, seinen Irrtum eingesehen zu haben, um nun wieder den„Weg des gesunden Menschenverstandes“ und der politischen„Wahrheit“ zu beschreiten. Amerika uninteressiert Die amerikanische Presse enthält sich bis jetzt jeden Kommentars. Diesmal wenigstens hält man es sichtlich für unmöglich, die klare rein deutsch=polnische Angelegenheit so weit zu verdrehen, daß sie auch amerikanische Interessen berührt. Diese Reserve, die zu er kennen gibt, daß die Angelegenheit Amerika nichts angeht, beruht einmal auf dem peinlichen Mißerfolg, den Roosevelts kürzliche Einmischung in Europa zu verzeichnen hatte, und zum anderen darauf, daß man den In halt der Beck=Rede als„sehr wenig glücklich gewählt“ ansieht. Auch die Absägung Litwinow=Finkel steins wirkt abkühlend. Die ausgesprochene Hetzpresse versucht natür krampfhaft, die Kriegsstimmung wachzuhalten, inden den Lesern Schlagzeilen vorsetzt wie:„Donnerndes Nein Becks gegen Hitler!“ Dennoch hat man den bestimmten Eindruck, daß die Danziger Frage denkbar ungeeignet ist, um die Amerikaner für die Einmischung zu begeistern. Die Abneigung gegen jede Beteiligung an europäischen Auseinandersetzungen wächst entsprechend dem Widerstand gegen eine dritte Wahlperiode Roosevelts. Beck blieb unbelehrbar In der italienischen Presse wird der Auffassung Ausdruck gegeben, daß die Rede des polnischen Außenministers weder den Erwartungen entspricht, noch den Mahnungen von italienischer Seite Rechnung getragen hat. Die Kommentare der Zeitungen sind noch kurz, lassen aber erkennen, daß die Rede mit sehr ernster Aufmerk samkeit betrachtet wird. Der Direktor des halbamtlichen Blattes„Giornale d'Italia“ äußert Zweifel daran, daß die Erklärungen Becks im polnischen wie im europäischen Interesse lagen. Italien, so betont das halbamtliche Blatt, an dessen Freundschaft man in Warschau in diesen Tagen so. oft erinnere und in London und Paris so interessiert appelliere, könne Polen nur einen Rat erteilen: in realistischer Weise seine eigenen Interessen abzuwägen, ohne sie von fremden Interessen entstellen zu lassen. Polen solle nicht in seiner politischen Zielsetzung übertreiben, indem es den berechtigten, wohlfundierten und mit so vielen wertvollen Zusicherungen begleiteten deut schen Forderungen eine Haltung entgegenstelle, die ein Uebereinkommen und einen Ausgleich mit dem großen westlichen Nachbarn entweder unmöglich mache oder hin ausschiebe. Gerade in den letzten Tagen habe man sich in Paris und London bemüht, die Halsstarrigkeit Polens zu schüren. Polen aber dürfe nicht vergessen, daß es der freundlichen Haltung Italiens die freimütige Zustim mung Deutschlands zur friedlichen Lösung der Tesche ner Frage und der gemeinsamen Grenze mit Ungarn zu verdanken habe. Italien verlange keinen besonderen Dank, aber glaube, an eine Politik der Freundschaft und der Zusammenarbeit erinnern zu sollen, die für Polen Früchte getragen habe.„Mit dieser einfachen und offenen Aufforderung überläßt“, so schließt das halbamtliche Blatt,„Italien der Warschauer Regierung die Prüfung und die Verantwortung hinsichtlich ihrer Beschlüsse über das seit 1919 offenstehende und nunmehr in seine Endphase eintretende Problem.“ In der Wochenzeitschrift„Relazioni Internazioiale“ heißt es, daß die Warschauer Regierung die Situation außerordentlich zugespitzt habe. Mit Danzig sei das gesamte Problem der Beziehungen zwischen Deutschland und Polen aufgeworfen. Danzig sei eine deutsche Stadt. Der Führer habe die Grenzen der Vorschläge Deutschlands mit großer Genauigkeit gezogen. Diese seien gerecht und vernünftig. Der Fehler Polens sei es gewesen, sich von der Geschichte und vor allem von der Realität entfernt zu haben. Wenn Polen leben und gedeihen wolle, dann müsse es sich mit Deutschland einigen. Heute stehe es am Scheidewege mit oder gegen die Achse. „Popolo di Italia“ sagt, daß Hitler in seiner Rede ine Brücke zu Polen geschlagen habe. Es liege im eigenen polischen Interesse, dieses Angebot nicht fallenzulassen, denn gute lachbarschaft und Zusammenarbeit mit Deutschland seien ebenswichtig für Polen. „Corriere della Sera“ beurteilt die Lage sehr ernst. Es sei klar, daß Polen, indem es ein Glied der verbrecherischen Kette in der Einkreisung Deutschlands wurde, sich außerhalb jeder Möglichkeit eines freundschaftlichen Zusammenlebens mit dem Reich stelle. In einer Atmosphäre des Vertrauens könnte der Meinungsstreit leicht beigelegt werden, in einer Atmosphäre der Feindseligkeiten würden alle Schwierigkeiten wachsen und noch ernster werden. Die Rede Becks sei im Inhalt unversöhnlich. Während der von London mit unerhörter Leichtfertigkeit ersonnene Einkreisungsplan in die Brüche gehe, setze ausgerech et Polen seine eigene Existenz aufs Spiel und störe den Weltfrieden wegen einiger Gebietsfragen von gänzlich nebensächlicher Bedeutung, die wirtschaftlich und technisch nicht unlösbar seien und in keiner Weise die Ehre Polens antasten, sofern wenigstens diese Ehre nicht nach dem von Paris suggerierten demokratisch=freimaurerischen Formalien interpretiert werde. „Botanische Die schwedische Zeitung„Afton Bladed“ behandelt die Frage„Ist die freie Stadt Danzig eine polnische Lebensfrage?" und kommt dabei zu einem klar verneinenden Urteil. Die chauvinistischen polnischen Ansprüche auf deutsche Gebiete bezeichnet „Afton Bladed“ als„botanische Kuriosität, die auf dem Boden der Nervosität, des Galgenhumors und der Verletzung der nationalen Staatsehre gewachsen ist“. Es wäre widersinnig, wenn man die Danziger Bevölke rung, die sich in ihrer großen Mehrheit der nationalsozialisti schen Bewegung angeschlossen habe, daran hindern würde, ihren Willen durchzusetzen Während in Budapest die mit Spannung erwartete Rede Becks stark enttäuschte, weil durch das starre Festhalten an dem bisherigen Standpunkt in allen strittigen Fragen etwe aufzunehmende Verhandlungen bis zu einem hohen Grade vorbelastet seien, hat man in Belgrad die Rede des Obersten Beck hinter alle übrigen Ereignisse der europäischen Politik zurücktreten lassen. Die jugoslawische Oeffentlichkeit interessiert sich für andere Dinge und betrachtet die Rede entsprechend der wahren Bedeutung Polen meuropäischen Konzert. Danzig soll kein Streitobjekt sein Die Rede des polnischen Außenministers Beck wird von der jugoslawischen Presse in längeren Auszügen veröffentlicht „Novosti“(Agram) glaubt, daß die in den meisten europäischen Ländern herrschende Nervosität die deutsch=polnische Spannung übermäßig verstärke.„Worum handelt es sich zwischen Polen und Deutschland?“ fragt das Blatt, um dann wörtlich fortzufahren:„um die Zugehörigkeit einer Stadt, der heute kein vernünftiger Mensch ihren deutschen Charakter absprechen kann? Um eine Autostraße, die den Verkehr zwischen zwei Teilen eines Staates ermöglichen soll. Wir glauben, daß ein solcher Streit zu anderen Zeiten am grünen Tisch in einigen Stunden gelöst worden wäre und nicht die geringste Aufregung bei den interessierten Parteien, geschweige denn auf einem ganzen Kontinent, ausgelöst hätte." Unter Zwang und Druck 400 Millionen Zloty für polnische Luftabwehranleihe. Der Zeichnungstermin für die bereits vor Östern aufgelegte polnische Luftabwehranleihe ist abgelaufen, für die ursprünglich in der Regierungspresse als Ziel eine Milliarde Zloty, später nur noch 600 Millionen Zloty genannt worden waren. Nach den provisorischen Berechnungen, die der Generalkommissar der Luftabwehranleihe jetzt veröffentlicht, sind aber nur rund 400 Millionen Zloty zusammengekommen. Ein ganz erheblicher Teil des Geldes ist erst in den letzten Tagen unter moralischem Druck gezeichnet worden. Nicht nur den Beamten und Angestellten der Behörden und staatlicher Betriebe, sondern auch denen privater Unternehmungen, ja sogar Rentenempfängern wurden von ihren Bezügen einfach erhebliche Summen zwangsweise einbehalten und der Anleihe zugeführt. Hohe Verwaltungsbeamte bis zu den Woiwoden hinauf machten den Vertretern der nichtpolnischen Volksgruppen persönlich klar, daß es für sie ratsam wäre, für die Anleihe geeignete Beträge zu zeichnen, und daß eine Enthaltung von dieser staatsbürgerlichen Pflicht nicht straflos vorübergehen deutsche Gutsbe Unter den z Grenzgebieten sich auch, der„G besitzer, die führ hrer Heimat, ir n. Sie müsse Familien ihre volnischen Behi Belieben schalte Vo Englisches Das engl nach Londoner Bahn und die Herzogs Prinzr Großartig Der bevors chen Prinz Rom starke Beregent Paul un nischen Bevölke in der zugleich Ausdruck komn verbinden. Prinzregent Außenminister? tag, dem 9. Mai auf itallenischen 945 Uhr, in Ro lienischen Herrs Regierung auf gleichfalls festlic leitet werden.( Graf Ciano de dann an den K Unbekannten So Faschisten Kränz Am Donne nach Neapel, findet, dem sie an Bord des§ vormittag begil während es ne llebungen beiw und Prinzessin Ehren des itali abend fahren Florenz, wi baares verschie Aufführung vo Nacht verlassen Deutsches Einheiten insel Hochseeü schwaders gem Aufentha Flottenchefs 2 Panzerschiff„ das Begleitsch 6. und 7. U=B boner deutsche um die stolzen zu begrüßen. Demob Die Die beginnt am Siegesparade alle Wehrkon Beurlaubung ginnen. 1200= Bemerkens Die Reiim Laufen schönes und beginnt nun zuformen. T Straßen sind absehbarer Reiseverkehr Wie im Großdeutschl Einfühlungs weltbekannt das tiefeing Meter lange ist eine 343 Tal der Ali Eberstalzellsich ein herr gutes. Die tal und die mächtigsten gibt sich unt Bahnanlage Strombett a breites Hoch Brückenbreit trägt 36,60 Rad= und F dieses Brüch die Gesamtl slionen Mar Von Haus und Hof vertrieben Gutsbesitzer kurzerhand aus Polen ausgewiesen Unter den zahllosen in letzter Zeit aus den westlichen arenzgebieten Polens ausgewiesenen Deutschen befinden h auch, der„Gazeta Polska" zufolge, zwei deutsche Gutsantzer, die führende Rollen in der deutschen Volksgruppe hrer Heimat, in den Kreisen Graudenz und Wirsitz, spieSie müssen innerhalb von drei Tagen samt ihren ramilien ihre Höfe verlassen, auf denen jetzt von den donischen Behörden eingesetzte Verwalter nach eigenem Gelieben schalten und walten werden. Von London abgereist Englisches Königspaar schifft sich nach Amerika ein. Das englische Königspaar trat seine Reise sach Kanada und den Vereinigten Staaten an Auf dem Londoner Bahnhof hatten sich die Königinmutter Mary und die Herzogspaare von Gloucester und von Kent sowie gabinettsmitglieder eingefunden. In Portsmouth, no sich das Königspaar an Bord des Dampfers„Empreß af Australia“ begab, waren größere Einheiten der Flotte zingetroffen, die dem Königspaar einen Abschiedssalut ouerten. Eine Flotteneskorte und Einheiten der Luftwaffe begleiteten den Dampfer bis zum Atlantik. Prinzregent Paul besucht Rom Großartiges Programm für den Italienbesuch. Der bevorstehende Staatsbesuch des jugoslawischen Prinzregentenpaares in Italien findet in Rom starke Beachtung. Die Blätter betonen, daß Prinzregent Paul und seiner Gemahlin von seiten der italienischen Bevölkerung die herzlichste Aufnahme zuteil werde, in der zugleich die aufrichtigsten Freundschaftsgefühle zum Ausdruck kommen werden, die Italien mit Jugoslawien verbinden. Prinzregent Paul und Prinzessin Olga, die u. a. von Außenminister Markowitsch begleitet sind, werden am Dienstag, dem 9. Mai, in Postumia von dem Herzog von Genua auf itallenischem Boden begrüßt werden und Mittwoch, 945 Uhr, in Rom eintreffen. Hier werden sie von dem italienischen Herrscherpaar sowie sämtlichen Mitgliedern der Regierung auf dem Bahnsteig empfangen und durch die gleichfalls festlich geschmückten Straßen ins Königsschloß geleitet werden. Gleich nach der Ankunft werden Mussolini und Graf Ciano dem Prinzregenten ihren Besuch abstatten, der dann an den Königsgräbern im Pantheon, am Grabmal des Unbekannten Soldaten sowie am Ehrenmal für die gefallenen Faschisten Kränze niederlegen wird. Nachmittags wird Prinzregent Paul den Besuch des Duce im Palazzo Venezia erwidern und anschließend an einem Empfang auf dem Kapitol seilnehmen. Abends findet ein Galadiner auf dem Königlichen Schloß statt. Am Donnerstag begeben sich die jugoslawischen Gäste nach Neapel, wo ein großes Flottenmanöver stattfindet, dem sie zusammen mit dem italienischen Herrscherpaar an Bord des Kreuzers„Triest“ beiwohnen werden. Freitag vormittag begibt sich das Prinzregentenpaar in den Vatikan, während es nachmittags im Forum Mussolini militärischen lebungen beiwohnen wird. Abends geben Prinzregeni Paul und Prinzessin Olga auf der jugoslawischen Gesandtschaft zu Ehren des italienischen Herrscherpaares ein Essen. Am Sonnabend fahren das jugoslawische Prinzregentenpaar nach Florenz, wo es als Gast des italienischen Kronprinzenbaares verschiedene Ausstellungen besichtigt und abends die Aufführung von„Wilhelm Tell“ beiwohnen wird. In der Nacht verlassen dann die jugoslawischen Gäste Italien. Besuch von Lissabon Deutsches Hochseegeschwader in der portugiesischen Hauptstadt. Einheiten des an der Westküste der Iberischen Halb insel Hochseeübungen durchführenden deutschen Geschwaders liefen den Hafen von Lissabon zu fünftägigem Aufenthalt an. Die Schiffe stehen unter Führung des Flottenchefs Admiral Boehm. Es handelt sich um das Panzerschiff„Admiral Graf Spee“, den Kreuzer„Köln“, das Begleitschiff„Erwin Waßner“ und sechs U=Boote der 6. und 7. U=Bootflottille. Zahlreiche Angehörige der Lissaboner deutschen Kolonie hatten sich im Hafen eingefunden, um die stolzen deutschen Kriegsschiffe bei ihrem Einlaufen zu begrüßen. Demobilisierung der spanischen Armee Die Diemobilisierung der spanischen Armee beginnt am 15. Mai, also unmittelbar nach der großen Siegesparade in Madrid. Nach einem Rundschreiben an alle Wehrkommandos ist von diesem Tage an mit der Heurlaubung der Jahrgänge 1905, 1906 und 1907 zu be1200=Meter=Brücke über die Donau Bemerkenswerte Arbeiten beim Autobahnbau in der Ostmark. Die Reichsautobahn, die der Landschaft im Altreich im Laufe weniger Jahre ein ganz neues, zeitgemäßschönes und technisch vollendetes Gepräge gegeben hat, beginnt nun auch das Bild der Östmark grundlegend umzuformen. Die langen weißen Bänder der prachtvollen Straßen sind überall im Entstehen begriffen, um schon in absehbarer Zeit in den Dienst von Wirtschafts= und Reiseverkehr gestellt zu werden. Wie im Altreich werden auch in diesem neuen Teil Großdeutschlands die Brückenbauten mit höchstem Einfühlungsvermögen in die Landschaft, deren Schönheit eltbekannt ist, eingefügt. Bei Steyrermühl wird das tiefeingeschnittene Tal der Traun von einer 199,50 Meter langen Betonbrücke überquert, bei Vorchdorf ist eine 343 Meter lange elegante Stahlbrücke über das Tal der Alm im Bau. Von der 223,80 Meter langen Eberstalzell=Brücke, die aus Granit gefügt wird, eröffnet sich ein herrlicher Blick auf die Berge des Salzkammergutes. Die etwa 500 Meter lange Brücke über das Aitertal und die Donaubrücke bei Wien=Stadlau sind zwei der mächtigsten Brückenbauten der Östmark. Bei letzterer ergibt sich unter Berücksichtigung der geplanten Hafen= und Bahnanlagen eine Gesamtlänge von 1200 Meter. Das Strombett als solches ist 280 Meter breit, ein 480 Meter breites Hochflutgebiet schließt sich an. Die benutzbare Brückenbreite bei dieser größten der Östmarkbrücken beträgt 36,60 Meter, dreispurige Richtungsfahrbahnen und Rad= und Fußwege sind vorgesehen. Der Stahlbedarf für dieses Brückenbauwerk beträgt insgesamt 22 000 Tonnen, die Gesamtbaukosten belaufen sich auf mehr als 24 Millionen Mark. Sport vom Sonntag Deutscher Doppelsieg in Tripolis Hermann Lang und Caracciola(beide Mercedes=Benz) vor den Italienern. * Mit einem neuen durchschlagenden Erfolg des deutschen Sports und der deutschen Autoindustrie endete der diesjährige Kampf der Rennwagen um den Großen Preis von Tripolis. Das Rennen war zum erstenmal nur den Wagen der Klasse bis 1,5 Liter vorbehalten. Die beiden deutschen Mercedes=Benz=Fahrer, Hermann Lana und Rudolf Caracciola, die einer Uebermacht von 28 italienischen Fahrern gegenüberstanden, führten die deutschen Farben nach heißem Kampf zu einem Doppelsieg. Hermann Lång hat damit das berühmte„Millionenrennen“ von Tripolis, das schnellste Autorennen der Welt, zum drittenmal gewonnen. Caracciola, der den zweiten Platz belegte, war im Jahre 1935 Sieger geblieben. Der deutsche Doppelerfolg ist um so bemerkenswerter, als der 1,5=Liter=Mercedes=Benz=Wagen erst innerhalb des letzten halben Jahres völlig neu geschaffen wurde, während die italienischen Alfette und Maserati seit langen Jahren erprobt und bewährt sind und bisher restlos das Feld in dieser Klasse beherrscht haben. Fußball=Favoriten geschlagen Schalke strauchelte an Wormatia.— 70 000 in Stuttgart. Bei den wichtigen Entscheidungen zur Deutschen Fußballmeisterschaft ergab sich am Sonntag eine Reihe von Ueberraschungen, durch die drei Favoritenmannschaften betroffen wurden. Die größte Sensation stellt wohl die Niederlage von Schalke 04 in Dortmund mit 1:2(1:2) durch WormatiaWorms dar. Unerhörtes Interesse fand der Stuttgarter Kampf zwischen den Kickers und Admira=Wien, der vor 70 000 Menschen in der Adolf=Hitler=Kampfbahn mit 1:1(1:0) unentschieden endete. Ein weiterer Favorit war Schweinfurt 05, der Bayernmeister, der in Chemnitz gegen den Dresdener SC. mit 0:1(0:0) verlor und damit den Sachsen die Abteilungsmeisterschaft überlassen mußte. In Stolp trat Fortuna=Düsseldorf, deren Abteilungsmeisterschaft bereits feststeht, mit Ersatz gegen den Pommernmeister Viktoria an und wurde mit 0:1(0:1) geschlagen. Vorwärts=Rasensport=Gleiwitz siegte auf eigenem Platz mit 2:0(1:0) über Kassel 03. Schließlich spielten in Mannheim der VfR. Mannheim und Dessau 05 mit 0:0 unentschieden. Mit diesen Ergebnissen ist in sämtlichen Gruppen die Frage nach dem endgültigen Sieger weiter unbeantwortet. Die Entscheidungen werden erst an den nächsten beiden Sonntagen fallen. Gall Schnellster in Hamburg Ueberraschungen im Hamburger Stadtpark=Rennen Die zweitägige motorsportliche Veranstaltung des Hamburger Stadtpark=Rennens brachte an allen beiden Tagen heiße Kämpfe in allen Klassen. Die etwas erschwerte Strecke war am Sonntag von 150 000 Zuschauern umlagert, die das Ausscheiden oder die Niederlage manches Favoriten erlebten. Die schnellste Zeit im Rennen erreichte der Münchener Lizenzfahrer Gall auf BMW., der in der Halbliterklasse der Motorräder mit nur einer Radlänge Vorsprung vor seinem Markengefährten Kraus siegte. In der Viertelliterklasse war Walfried Winkler auf Auto=Union=DKW. siegreich, während in der Klasse bis 350 Kubikzentimeter der Engländer Thomas auf Velocette sein Rennen gewann. Leider haben die Rennen zwei Todesopfer gefordert. Am Sonnabend hatte der hoffnungsvolle Berliner Körner bei einem Sturz tödliche Verletzungen erlitten, während beim Rennen am Sonntag der Neckarsulmer K. Forstner auf NSU. tödlich verunglückte. Die Ergebnisse: Sportwagen bis 1100 Kubikzentimeter: Vollmer=Essen(Neander) 45: 54 Minuten= 102,6 Stundenkilometer; bis 1500 Kubikzentimeter: Dr. Wisvedel-Berlin(MG.) 41:10,1 Minuten= 114,4 Stundenkilometer: bis 2000 Kubikzentimeter Polensky=Berlin BMW.) 38:38,2 Minuten= 122,4 Stundenkilometer.— motorräder: Ausweisfahrer: bis 250 Kubikzentimeter: Meiler=Hamburg(DKW.); bis 350 Kubikzentimeter: Schnell=Karlsruhe(Norton); bis 500 Kubikzentimeter: Georg= Garmisch(DKW.).— Lizenzfahrer: bis 250 Kubikzentimeter: Winkler(Auto=Union=DKW.) 1: 21: 26,1 Stunden= 120,5 Stundenkilometer; bis 350 Kubikzentimeter: Thomas=England(Velocette) 1: 20: 12,3 Stunden= 122,3 Stundenkilometer; bis 500 Kubikzentimeter: Gall(BMW.) 1: 14: 13,2 Stunden= 132.2 Stundenkilometer. Heina schwamm Weltrekord Auf der rekordfähigen Bahn in Solingen=Ohlige gelang es dem Gladbecker Arthur Heina, einen neuen Weltrekord im 500= Meter=Brustschwimmen in der Zeit von 7: 13 Minuten aufzustellen. Die bisherige Weltbestleistung gehörte dem Amerikaner Higgins mit 7:18,8, der bisherige Europarekord dem Holländer Smitshuyzen mit 7:21,4 und der bisherige deutsche Rekord Joachim Balke mit 7: 25,6 Minuten. Einer Anerkennung der Bestleistung wird nichts im Wege stehen, da alle Vorbedingungen erfüllt worden sind. Italienersieg zum Schluß Generaloberst von Brauchitsch beim Reitturnier in Rom. Das Internationale Reitturnier in Rom fand am Sonntag mit dem Königspreis seinen Abschluß. In Gegenwart des Königs und Kaisers Viktor Emanuel III., des italienischen Kronprinzen und ihres deutschen Gastes, des Oberbefehlshabers des Heeres, Generaloberst von Brauchitsch, wurde dieses Zeitspringen durchgeführt, zu dem nur die 25 besten Pferde des Turniers zugelassen waren. Sieger wurde der italienische Major Filipponi auf Nasello Italico vor dem Engländer Major Friedberger auf Maguire, die beide als einzige fehlerlos geblieben waren. Den dritten Platz belegte der deutsche Oberleutnant Perl=Mückenberger mit Litho.— Am Vortage hatte der belgische Oberleutnant Poswick mit Acrobate das Kanonenspringen gewonnen, in dem Rittmeister Brinckmann auf Erle den vierten Platz belegte. Handball=Favoriten geschlagen Am Sonntag gab es bei den Spielen um die Deutsche Handballmeisterschaft eine ganze Reihe überraschender Ergebnisse, durch die die Entscheidungen in den Gaugruppen weiter hinausgezögert worden sind. In der Grupve I siegte der Deutsche Meister MTSA.=Leipzig mit 10:4(5:3) über den MSV. Borussia=Carlowitz. Der Berliner Meister SV. Electra schlug in Ostpreußen den MSV. Hindenburg=Bischofsburg mit 11:5(2:3). In der Grupve II wechselte die Tabellenführung. Oberalster=Hamburg schlug den bisherigen Tabellenersten, MSV. Weißenfels, mit 11:6(3:5). Hindenburg=Minden erreichte wieder die Spitze durch einen Sieg mit 8:5(3:2) über den MSV. Lüneburg. Die Grupve III wird weiter von dem Lintforter Spielverein angeführt, der Ludwigshafen 61 mit 12:6 (7:3) schlug. Ueberraschend kam die Niederlage der ¼ Arolsen mit 4:5(2:2) durch den VfB. Aachen. Die Ueberraschung in der Grupve IV schuf der TV. Altenstadt durch seinen Sieg mit 3:2(2:2) über den Wiener AC. Der Tabellenführer, Post=SV. München, verlor in Mannheim mit 5:6 (3:5) gegen den SV. Waldhof. Tennissieg über die Schweiz Davispokalkampf bereits am zweiten Tage entschieden. Bei dem in Wien durchgeführten Tenniskampf zum Savispokal rückte Deutschland bereits am zweiten Tage in die nächste Runde ein, da die ersten drei Spiele gegen die Schweiz gewonnen wurden. Den ersten Punkt hatte Roderich Menzel in fünf harten Sätzen gegen den Schweizer Maneff erkämpft. Dann schlug Heinrich Henkel recht sicher in vier Sätzen den Schweizer Fisher. Am Sonntag bestritten für Deutschland Henkel und von Metara das Doppel gegen die Schweizer Maneff=Fisher, das sie sicher in drei Sätzen gewannen. Deutschland wird in der zweiten Runde gegen den Sieger der Begegnung Polen—Holland anzutreten haben. Deutscher Rugby=Meister wurde wieder der Verein für Volkssport Hannover, der den Endkampf in Hannover über den badischen Meister SC. Neuenheim, mit 16:0 (3: 0) gewann. Wiener Fußballer in Ostpreußen. Eine Auswahlmannschaft der Östmark spielte am Wochenende zweimal in Ostpreußen. Der erste Kampf gegen eine verstärkte Danziger Elf in Danzig ging mit 1:1 unentschieden aus. Am Sonntag wurde Östpreußens Elf in Königsberg nach begeisternden Leistungen der Wiener hoch mit 2:9(2:6) geschlagen. Um die Hockeymeisterschaft. Im Vorschlußrundenkampf zur Deutschen Hockeymeisterschaft siegte in Heidelberg der Berliner HC. gegen den HC. Heidelberg mit 3:1(3:0). Die Berliner haben nun noch gegen Hannover 78 einen Kampf um die Vorentscheidung auszutragen. Der Sieger dieses Spiels trifft auf den T V. 57 Sachsenhausen, der in München das Spiel gegen Wacker=München mit 3:2(2:1) gewann. Weitere Großstaffelläufe. Der Kampf Grünwald=München wurde wieder vom TSV.1860=München gewonnen.— In der Frankfurter Staffel„Rund um die Anlagen“ siegte Eintracht=Frankfurt.— Der Stuttgarter Stadtlauf sah die Stuttgarter Kickers als Sieger. SCC. gewann die Großstaffel Potsdam—Berlin. Die älteste und größte leichtathletische Straßenstaffel, der Lauf Potsdam—Berlin, wurde am Sonntag zum 32. Male aus getragen. Sieger des Kampfes, an dem 6000 Läufer und Läuferinnen in etwa 150 Mannschaften beteiligt waren, wurde der SC Charlottenburg vor dem Deutschen SC., dem Vorjahrssieger Polizei=SV. und dem Berliner SC. Ausländersieg in Schweinfurt. Das große RundstreckenStraßenradrennen zum 50jährigen Jubiläum des RV. 89 Schweinfurt das über 230 Kilometer führte, wurde überlegen von dem Holländer Schulte in 5:55,02 Stunden vor den belgischen Exweltmeister Kaers und dem Chemnitzer Gerber gewonnen. Der Belgier Vissers, Wendel(Schweinfurt) und der Schweizer Nievergelt belegten die nachsten Plätze. Im Rennen der Amateure, das über 191 Kilometer führte, wurde nach einer schönen Leistung der Frankfurter Eichhorst Sieger vor den beiden Schweinfurtern Heller und Balling. Meurer gewann„Rund um Köln“. In der Radfernfahrt „Rund um Köln“ konnte der zur Nationalmannschaft gehörende Willy Meurer bereits zum dritten Male den Sieg erringen. Im Endspurt schlug er Decker und den Holländer de Hoog. Deutsche Motorsiege in Helsinki. Beim Tiergarten=Rennen für Motorräder und Sportwagen in Helsinki kamen die deutschen Fahrer in allen Klassen, in denen sie beteiligt waren zum Siege. Bei den Motorrädern gewann in der Viertelliter=Klasse Wünsche auf Auto=Union=DKW., bei den Sportwagen bis 1,5 Liter Häberle auf Hanomag, und in der Klasse über 1,5 Liter Richter auf BMW. vor Löhr auf Adler. Ein k. o. Sieg Besselmanns. Bei einer Boxveranstaltung in Stuttgart die der Vorbereitung des Schmeling—HeuserKampfes diente, schlug Mittelgewichtsmeister Besselmann den Prager Karel Müller in der 4. Runde k. o. Im Schwergewicht besiegte Selle den Frankfurter Jost nach Punkten Kaufmann— Soldat der Wirtschaft Die Ziele des deutschen Handels. Im weiteren Verlauf der Tagung des deutschen Handels in Augsburg sprach der badische Ministerpräsident Walter Köhler über nationalsozialistische Wirtschaftspolitik und über die Aufgabe des deutschen Handels. Er ging dabei aus von den drei großen Aufgabenstellungen der Partei, der geistigen Mobilisierung, der militärischen Erstarkung und der wirtschaftlichen Schulung der Volksgenossen. Reichsamtsleiter Dr. von Renteln bezeichnete in seinem Vortrag den deutschen Kaufmann als den Soldaten der Wirtschaft im Dienst Adolf Hitlers. Betriebsführer Dr. Ley, dessen Betrieb in Köln zu den Musterbetrieben gehört, stellte fest, daß die Errichtung und Gestaltung einer mustergültigen Betriebsgemeinschaft sich nicht nur ideell, sondern auch materiell für die Wirtschaft bewährt habe. In einem Schlußwort forderte Fachamtsleiter Feit den deutschen Handel auf, sich am dritten Leistungskampf der deutschen Betriebe in einer Weise zu beteiligen, die den hochgespannten Erwartungen entspreche. Der Führer beantwortete das ihm von der Reichstagung des Fachamtes„Der deutsche Handel“ zugesandte Telegramm, das ein erneutes Treuegelöbnis enthielt, ebenso wie Dr. Ley mit einem herzlich gehaltenen Dankestelegramm. Motorisierung und Versicherungswesen Von der Motorisierung Deutschlands ging die Aufwärts entwicklung des deutschen Wirtschaftslebens aus Alle Wirtschaftszweige wurden durch sie belebt. So beweist der soeben bekanntgegebene Geschäftsbericht der Allianz und Stuttgarter Verein Versicherungs AG., für 1938, daß z. B. in der Kraftfahrzeugversicherung die weiter ansteigende Motorisierung auc im Jahre 1938 einen erheblichen Geschäftszuwachs brachte Unter den einzelnen Versicherungszweigen marschiert die Kraftfahrzeugversicherung mit über 42 Millionen Prämieneinnahmen und 23,8 Millionen Schadensfällen weit an der Spitze. Im übrigen haben die politischen Großereignisse des Jahres 1938 auch im Versicherungswesen eine beachtenswerte Aufwärtsentwicklung im Gefolge gehabt, die sich einmal aus der allgemeinen günstigen Wirtschaftsgestaltung, zum anderen aber haupisächlich durch die Rückgliederung der Östmark und des Sudetenlandes ergeben hat. Dadurch sind die Prämieneinnahmen des Allianz=Konzerns erstmals über 200 Millionen, nämlich auf 204,6 Millionen(gegen 186,5 Mill. 1937) gestiegen. Damit wurde der bisherige Höchststand von 1930 mit rund 196 Millionen Prämieneinnahmen erheblich überschritten. Der Bestand an Versicherungsverträgen hat sich von 5095874 auf 5 449 523 erhöht. Im Lebensversicherungsgeschäft ist nach dem Geschäftsbericht der Allianz und Stuttgarter Lebensversicherungsbank AG. die Gesamtprämieneinnahme von 182,2 auf 212,5 Millionen angewachsen. In allen Versicherungsarten konnte bei unveränderter Durchschnittssumme ein gegen das Vorjahr wesentlich erhöhtes Neugeschäft erzielt werden. Der Gesamtversicherungsbestand betrug hier am Ende des Berichtsjahres über 4,6 Milliarden RM. Der Sozialbericht des AllianzKonzerns hebt die zeitgemäße Fortentwicklung der Sozialeinrichtungen und Sozialmaßnahmen hervor. Die Leistungen der deutschen Mütter.— Kinderreichtum und Leben der Nation.— Nehmt Spielzeug ernst.— Es kann niemals genug geschehen. Wohl durch alle deutschen Zeitungen ist die Notiz gegangen, daß am diesjährigen Muttertag 2,5 Millionen Ehrenkreuze an kinderreiche Mütter verliehen werden. Bei dieser Verleihung werden zunächst die 60jährigen und älteren Mütter berücksichtigt, während die anderen Mütter zu einem späteren Zeitpunkt das Ehrenkreuz erhalten. Im Großdeutschen Reich handelt es sich um etwa 5,5 Millionen Mütter, die für die Verleihung des Ehrenkreuzes in Frage kommen. Wenn die Mütter über 60 Jahre davon allein 2,5 Millionen erhalten, so dürfen wir dazu sagen: Was haben doch unsere Mütter für unser Volk geleistet? Die Mütter über 60 Jahre kommen mit ihrem Kinderreichtum fast an die Zahl aller übrigen kinderreichen Mütter heran. An dieser kleinen Betrachtung erkennen wir schdn, wie unendlich wichtig es ist, daß wir die Mutter als Sinnbild des ewigen Lebens der Nation auf einen besonderen Ehrenplatz in der Volksgemeinschaft stellen. Aber wir sollen nicht nur von den Dingen reden oder schreiben, sondern sollen uns selbst auch die Frage vorlegen, inwieweit wir selbst bereit sind, die notwendigen Folgerungen daraus zu ziehen und die notwendigen Opfer auf uns zu nehmen, um das ewige Leben des Volkes in unseren Kindern zu sichern. Kinderreichtum ein Reichtum von unerhörter beglückender Kraft. An Leib und Seele gesunde Kinder großzuziehen, wiegt alle Opfer auf, die ohne weiteres mit dem Kinderreichtum verbunden sind. Aber wir wollen ja nicht Menschen sein, die nur ihren eigenen Wünschen leben, die sich nur ausleben und nicht Leben gestalten wollen. Völkerschicksale werden nicht auf den Schlachtfeldern der Erde entschieden, sondern die Zahl der Wiegen eines Volkes ist für die Zukunft der Nation viel entscheidender als der Sieg oder die Niederlage in einem Krieg. Mit dem Blick auf die Ewigkeit gerichtet werden immer die kinderreichen Völker die Sieger sein. Und so wollen wir auch in diesem Punkte durch eine neue Weltanschauung unser Volk zu einem Siege führen, der die übrigen großen Erfolge unserer Politik erst sichern muß. In diesem Zusammenhang denken wir auch daran, daß in Berlin eine Arbeitsgemeinschaft zur Förderung deutschen Spielzeuges gegründet wurde. Nehmt Kinderspielzeug ernst, heißt es in der Werbung. Und dieses Wort gilt für alle, die Kinder zu betreuen haben. Wir wollen doch einmal ehrlich sein. An Spielzeug für die Kinder denken wir zu Weihnachten und allenfalls noch zum Geburtstag der Kinder und sonst nicht mehr. Aber wir sollten uns nicht an diese Termine klammern, sondern den Bedürfnissen des Kindes Folge leisten, das ja das ganze Jahr über Spielzeug braucht und das Spielzeug braucht, das seiner geistigen und körperlichen Entwicklung angemessen ist. Für das Kind ist das Spiel von gleicher Wichtigkeit wie für den Erwachsenen die Arbeit, und der Spieltrieb der Kinder muß in sinnvoller Weise gelenkt werden, um ihnen spielend schon soviel als möglich für das Leben mitzugeben. Aber auch da ist es wichtig, daß wir den Kindern das Spielzeug geben, das nicht nur uns Erwachsenen als das Schönste erscheint, sondern daß wir da vor allem auch den Wünschen der Kinder Rechnung tragen und sie nur in den Interessen, die aus ihrem Spieltrieb hervorgehen, weiterführen. Da wir uns nun einmal mit der Jugend und den Kindern beschäftigt haben, so wollen wir auch noch zum Abschluß der Werbewoche daran erinnern, daß wir uns alle auch für die Heimbeschaffung der Hitler=Jugend und für das Jugendherbergswerk einsetzen müssen. Auf diesem Gebiet kann niemals genug getan werden, und hier sollten alle opfernd mitwirken, nicht nur die, die sich wegen ihrer eigenen Kinder beteiligen, sondern auch die, die noch keine haben oder deren Kinder schon groß geworden sind. Es gibt ja verknöcherte Menschen, die da sagen, mit ihnen wäre auch nicht so viel angestellt worden, und sie seien auch groß geworden. Wer so denkt, wird nie zu einem Fortschritt kommen. Wir aber wollen, daß die deutsche Jugend die an Körper und Geist am besten erzogene und gebildete Jugend der Welt wird. Mellior. Die„bösen" Bilder Türkische Stadt verwirft Wanderausstellung. In der am Golf von Izmit gelegenen WilayetsStadt gleichen Namens hat sich ein Zwischenfall zugetragen, der in Regierungskreisen und in der Presse unliebsames Aufsehen erregt hat. Eine Gruppe türkischer Kunstmaler hat mit Beginn des Frühjahrs unter Förderung der zuständigen Staatsstellen eine Wanderausstellung von Gemälden veranstaltet, die in zahlreichen Städten Anatoliens gezeigt wurde. Man bezweckt damit, in der Bevölkerung Interesse für das künstlerische Streben der neuen Türkei zu wecken. Der Versuch ist insofern bemerkenswert, als in der alten Türkei aus religiösen Vorurteilen des Islams die bildliche Darstellung von Menschen weder in Gemälden noch in Skulpturen gestattet war. Ueberbleibsel dieses Vorurteils, das zuerst von Atatürk bekämpft wurde, sind nun in Izmit an den Tag gekommen und haben sogar zu einem behördlichen Eingreifen gegen die Kunstmaler geführt. Unter den ausgestellten Gemälden befanden sich auch einige Aktbilder. Der Wali von Izmit hat sie beanstandet, hat ihre Entfernung angeordnet und gegen die Künstler Strafantrag unter Heranziehung eines„Unzuchtparagraphen“ gestellt. Begründet wurde dieses Vorgehen mit der Behauptung, die Bevölkerung von Izmit sei noch nicht so fortschrittlich, als daß man ihr den Anblick von Bildern nackter Menschen zumuten könne. Ueber dieses Verhalten der lokalen Regierungsbehörden herrscht in der neuzeitlichen Türkei große Aufregung. Die Ausstellung ist schon in mehreren türkischen Provinzstädten gezeigt worden, und es wird gesagt, in der Türkei müsse überall ein gleicher Geist des Fortschrittes herrschen. Es sei unmöglich, daß sich eine Stadt als so wenig aufgeschlossen erweise und sich an heute überall in der Kunst selbstverständlichen Darbietungen stoße. Die Lokalbehörden von Izmit werden sich nunmehr, wie es heißt, wegen ihrer kunstfeindlichen, von veralteten Vorurteilen bestimmten Haltung zu verantworten haben, wobei ihnen zum Vorwurf gemacht wird, daß sie gegen den fortschrittlichen Geist der neuen Türkei eingestellt seien. Stadt, Kreis und Provinz Steinheim, den 8. Mai 1939. Es ist keine Tugend, edel geboren zu werden, sondern sich edel machen. Luther. Gedenktage für den 8. Mai. 1923: Albert Leo Schlageter von einem französischen Kriegsgericht zum Tode verurteilt. Sonne: A.: 4.17, U.t 19.36 Uhr; Mond: U.: 8.08, A.: 23,56 Uhr. Meldet Familienpflegestellen an! Es gibt nichts Größeres auf der Welt, als die ständige Arbeit für die Gemeinschaft. Nur durch diese immerwährende Sorge um das Wohl unseres Volkes wird unser Leben groß und schön werden, wird jedes Leben zum schlichten Beispiel. In diesen Tagen haben wir wiederum Gelegenheit, Arbeit für die Gemeinschaft zu leisten. Die NSV. wirbt für die Kinderlandverschickung. Wer gewillt ist, ein Kind für vier Wochen in Pflege zu nehmen, der melde sich sofort im NSV.=Heim. *— Alle Einwohner, die sich mit dem Anbau von Kartoffeln beschäftigen, waren zu einer Pflichtversammlung im Hotel„Zur Krone“ geladen, die zur Unterrichtung der Volksgenossen über den„Kartoffelkäfer“ einberufen war. Belehrendes Vortragsmaterial sorgte dafür, daß die Erschienenen über die Gefährlichkeit des Auftretens und die Merkmale, die zum Erkennen dieses Schädlings führen, aufgeklärt wurden. Suchkolonnen werden gebildet, die im Sommer einmal in der Woche die Felder absuchen. *— Am Samstag morgen in der Frühe konnte man in den Weiden an der Lotherstraße einen Storch beobachten, wie er in den Wiesen auf und ab spazierte, um hier seine Nahrung zu suchen. Für Steinheim ein seltenes Ereignis, denn seit 6 Jahren hat sich„Freund Adebar“ in unserem Emmertal nicht mehr blicken lassen. *— Rotes Kreuz. Der Pflichtabend der Helferinnen in der Rektoratschule ist auf morgen um 8,15 Uhr verlegt. Alle müssen pünktlich zur Stelle sein. *— Beverungen, 6. Mai. Nachdem schon im vorigen Jahre dem Manufaktur= und Modewarengeschäft August Schübeler nach erfolgreicher Teilnahme an dem Leistungskampf der Betriebe eine Anerkennung überreicht worden war, hat die genannte Firma beim Abschluß des diesjährigen Leistungskampfes weitere Ehrungen erhalten. Am 21. April ist ihr in Detmold eine Anerkennung über die bewährte Teilnahme am letztjährigen Leistungskampf der Betriebe ausgehändigt worden. Alsdann ist obiger Firma zum 1. Mai das Leistungsabzeichen„Vorbildlicher Kleinbetrieb“ verliehen worden. *— Detmold, 6. Mai. Aus dem Dienste schieden zwei verdienstvolle Juristen am hiesigen Landgericht und zwar: Landgerichtsdirektor Östmann und Oberamtsrichter Cronemeyer, der auch von 1904 bis 1913 am Amtsgericht in Blomberg tätig war. *— Bielefeld, 6. Mai. Bei Schlüsselburg fand man in der Weser die Leiche des vermißten Lehrlings Feldmann von hier. F. hatte Anfang Januar mit einem Kameraden bei dem Hochwasser der Weser eine Paddelbootfahrt durchgeführt. Dabei ist das Boot gekentert, und beide Insassen ertranken. Während die Leiche seines Kameraden sofort geborgen werden konnte, wurde die Leiche Feldmanns erst jetzt an Land geschwemmt. *— Geseke, 6. Mai. In diesen Maitagen prangte unsere alte Stadt Geseke im Blütenschmuck der Kastanten, des Flieders und der Obstbäume; und in dieser Pracht sah man an der Wegestrecke der Nordseite des Bahngleises entlang ein echtes und bewegtes Marktbild. In Körben und Kisten und auf dem saftigen Grün des Grabens hockten da die kleinen niedlichen noch ihr gelbes Kleidchen tragenden Gösseln und die schon etwas älteren, etwa 6—7 Wochen alten Gösseln, die bereits ihr gelbes Gefieder mit den weißen Federn vertauscht hatten, reckten die Hälse, piepten und zwitscherten durcheinander und warteten auf ihre Käufer. 8000 Gösseln waren in diesem Jahre von den Züchtern aus der Lippegegend nach hier gebracht, eine Zahl, die bisher auf dem Gösselmarkt selbst nicht erreicht wurde, wenn auch außerhalb des Marktes im freien Handel etwa insgesamt 50= bis 60000 Gösseln im Jahre aus der Lippegegend den Weg zu den Mastanstalten und Großhändlern finden. Auf dem diesjährigen Gösselmarkt waren etwa 8000 Gösseln aufgetrieben, fast 1000 mehr als im Vorjahre. Schon vom frühen Morgen ab herrschte ein frischer und lebhafter Handel, so daß bis 8 Uhr schon ein großer Teil der vorhandenen Gösseln umgesetzt war. Der Handel ließ auch in den späteren Stunden nicht nach, so daß auch die später zum Markt kommenden Verkäufer und Käufer voll und ganz auf ihre Kosten gekommen sind. Gefordert und bezahlt wurden für 8 Tage alte Gösseln 1,50 bis 2 Mark, für 14 Tage alte Gösseln 2,50 bis 3 Mark, 3 Wochen alte Tiere kosteten bis 3,50 Mark, 4 Wochen alte bis 4 Mark, 5 Wochen alte 4,50 bis 5 Mark und 6 Wochen alte Gösseln wurden mit 5,50 Mark bezahlt, so daß die Preise in diesem Jahre etwas höher lagen als im Vorjahre. — Bünde, 6. Mai. Von besonderer Bedeutung ist das Bünder Tonwerk in Bünde=Ennigloh, dessen Klinkerfabrikate — 10 Millionen Stück pro Jahr— im In= und Ausland wegen ihrer Güte gefragt sind. Die moderne Einrichtung des Werkes, das durch sinnvolle Filteranlagen vollkommen entstaubt ist, eine Lehrwerkstätte für junge Ziegler, Feierabendräume, sanitäre Anlagen, die Sorge für die Ziegler, die zum großen Teil aus dem Zieglerlande Lippe stammen, haben jetzt diesem Werk die„Goldene Fahne“ eingebracht. Damit ist das Bünder Tonwerk das erste Ziegelwerk Deutschland, das diese Auszeichnung bekommen hat. *— Herford, 6. Mai. Reichssieger im Berufswetkampf wurde der 29 Jahre alte Druckereigehilfe W. Ueckermann von hier. Er war im vorigen Jahre Sieger im Reichshandwerkerwettbewerb und hat bereits 157 Preise in Reichswettbewerben. Ueckermann will Gewerbelehrer werden, um seinen Volksgenossen sein Wissen zu vermitteln. *— Krefeld, 6. Mai. Am Montag wurde in Uerdingen ein 14jähriger Junge, dessen Eltern sich für zwei Tage auswärts befanden, tot im Bett aufgefunden. Der Junge benutzte das Schlafzimmer der Eltern und hatte hier an einer nur stromführenden Steckdose ein Radiogerät anschließen wollen. Anstatt, daß der Junge das Stromkabel in die Steckdose einführte, hat er die Bananenstecker von der Antenne und der Erde in die Steckdose gesteckt und ist dabei vom Strom getötet worden. Der hinzugerufene Arzt stellte fest, daß die Leiche an der Hand und der Brust Brandwunden hatte und noch unter Strom stand. *— Bremen, 6. Mai. In der Fabrikhalle eines Werkes entdeckte man eine Schlange von über einen Meter Länge Als die Schlange in Kampfstellung ging, wurde sie durch Uebergießen mit Säure unschädlich gemacht. Es wird angenommen, daß das Tier mit Baumwollballen aus den Auslande gekommen ist. Aus aller Welt Selbstmörder als Brandstifter? Ein Mann aus Augsburg mietete in einem Urfelder Hotel einen Kahn und zu der im Walchensee gelegenen Insel Sassau. Bald darauf stiegen von der Insel mächtige Rauchwolken auf. Die Nachforschungen ergaben, daß das einzige auf der Insel befindlichLandhaus in hellen Flammen stand. Trotz rascher Hilfe der Feuerwehr brannte das Gebäude bis auf die Grundmauern nieder. Während man den Kahn am Ufer fand, fehlt von den Mann selbst, der in Urfeld einen Abschiedsbrief hinterließ jede Spur. Jüdischer Devisenschieber verurteilt. Das Bentheimer Schöffengericht verurteilte am Donnerstag den Juden Elburg aus Dem Haag wegen fortgesetzter schwerer Devisenvergehen zu 16 Monaten Gefängnis und 15 000 RM. Geldstrafe. Der Jude der schon 11 000 RM. nach Holland geschmuggelt hatte, war im März d. J. beim Grenzübergang Bentheim ertappt worden, als er im Begriff stand, 1250 RM. in Banknoten, ferner goldene Damenuhren, Ketten, Siegelringe, Brillantringe, Perlen usw. nach Holland zu bringen. Das Geld und die Schmuckgegenstände hatte er von Juden aus Berlin erhalten. Golpa verschwindet. Das bekannte Dorf Golpa im Bitterfelder Gebiet wird in den nächsten Jahren verschwinden, weil die Grube Golpa sich immer weiter ausdehnt. Die Einwohner des Ortes, etwa 1000, werden in einer neuen Siedlung sowie in den benachbarten Gemeinden Gräfenhainichen, Zschornewitz und Großmöhlau eine neue Heimat finden. Die Beerdigungen auf dem Friedhof Golpa sind bereits eingestellt worden. Bewährte jüdische Geschäftsmethoden. Ein aus Deutsch land eingewanderter jüdischer Kaufmann, der in Mailand ein recht groß angelegtes Geschäft mit Parfümerie=Artikeln aufgezogen hatte, schloß im Monai Februar plötzlich seine Geschäftsräume und verschwand spurlos. Nach einiger Zeit teilte er aus Nizza seinen Lieferanten mit, daß er seine Verpflichtungen nicht erfüllen könne. Nachdem in Mailand über seine Firma der Konkurs eröffnet worden war, stellte sich heraus, daß einem Passivum von 55 000 Lire nur 10 000 Lire als Aktivum gegenüberstanden. Streik legt New-Yorker Verkehr lahm. Der Streik in der amerikanischen Braunkohlenindustrie trifft die Allgemeinheit immer schwerer. Das gesamte Verkehrsleben New-Yorks ist bedroht. Der U=Bahn= und Hochbahnverkehr muß ab sofort um ein Viertel eingeschränkt werden. Wenn der Streik noch weitere acht Tage andauert, muß der gesamte elektrifizierte Bahnverkehr in New York und seiner weiteren Umgebung eingestellt werden. Abgestürzter USA.=Bomber aufgefunden. Das zweimotorige USA.=Bombenflugzeug, das auf dem Fluge nach Brasilien verschollen war, wurde in der Nähe von Friburgo in vollständig zerstörtem Zustand aufgefunden. Bei dem Absturz fanden die beiden amerikanischen Piloten den Tod. Riesige Schäden durch Sturmflut. Eine Sturmflut hat die Küste der westlichen Riviera in diesen Tagen schwer heimgesucht und große Verwüstungen angerichtet. Besonders groß sind die Schäden in der Gegend von Albanaa, wo die hohen Meereswogen mehrere Stunden lang etwa 30 000 Quadratmeter bebautes Land verheerten. Bis etwa 50 Meter ins Land hinein wurden Felder überschwemmt uid Obstbäume entwurzelt. Ganz besonders gelitten haben die Gemüsekulturen. Die Schäden werden auf über eine halbe Million Lire geschätzt. Schwere Explosionen in einem Elektrizitätswerk. Im Elektrizitätswerk von Yarmouth ereigneten sich zwei schwere Explosionen, die eine Reihe von Bränden und die Abschneidung der Stromzufuhr für Yarmouth und Lovestoft zur Folge hatten. Bei der Explosion kam ein Mann ums Leben. Juden als Paßfälscher und Mädchenhändler. In Rio Grande do Sul wurde eine Paßfälscherzentrale entdeckt, die unter der Leitung der beiden Juden Rubin und Rosenbaum stand. Mit Hilfe einer„Filiale“ in Montevideo und bestochener Polizeibeamten schmuggelte die Bande in großem Umfang unerwünschte Einwanderer über die brasilianische Grenze. Die Bande hatte Verbindungen nach Uebersee, insbesondere nach Paris, und verkaufte von bestochenen Polizisten beschaffte Reisepässe für Beträge bis zu 5000 Milreis an Juden, die nach Brasilien wollten. Die Bande„befaßte" sich außerdem mit Mädchenhandel in einem Umfang, der sie zu der größten Zuhälterorganisati. Südamerikas machte. Lotterie des Reichsbundes Deutscher Seegeltung. Für die Länder Anhalt, Braunschweig, Bremen, Hamburg Lippe, Mecklenburg, Oldenburg und Preußen ist die 1. Geldlotterie des Reichsbundes Deutscher Seegeltung ge nehmigt worden. Die Vertriebszeit der 0,50 Mark(bzw 1 Mark für ein Doppellos) kostenden Lofe läuft vom 1. 5. bis 30. 7. 1939. Die Ziehung findet am 31. 7. statt. Erste Reichstagung der Heilpraktiker. Die„Deutsche Heilpraktikerschaft“ veranstaltet vom 19. bis 21. Mai in Berlin ihre erste Reichstagung, der nach der inzwischen erfolgten gesetzlichen Anerkennung der Heilpraktiker höchste Bedeutung zukommt Verleger und Hauptschriftleiter: Carl Simonowski Steinheim. Verantwortlich den gesamten Textten: Carl Simonowski Steinheim. Verantwortlicher Anzeigenletter Josef Simonowski. Druck und Verlag: Buchdruckerei Carl Simonowski. Steinhein DA. IV. 39„ 650 Zur Zeit ist Anzeigen=Preisliste Nr. 3 gültig Bruchleidende! Hat Ihr Arzt eine Bandage verordnet, so liegt es in Ihrem eigenen Interesse, eine zuverlässige und trotzdem eine bequeme Bandage zu tragen. Meine halbweiche, federlose Bruchbandage (eig. System), schmiegt sich ganz dem Körper an, ohne zu belästigen. Hält schwere Brüche, ist Tag und Nacht tragbar, rutscht und drückt nicht. Nur Maßanfertigung! Auch Leib=Nabelbandagen und Suspensorien. Herr Masche schreibt mir: Ich habe während meines Bruchleidens schon viele Bandagen getragen, die sich jedoch sehr bald als unbrauchbar erwiesen und bin ich deshalb mit ihrer halbweichen, federlosen Bruchbandage so sehr zufrieden, weil sie so angenehm im Tragen ist und bei der Arbeit keineswegs hinderlich wirkt. Klemzow, 14. Februar 1939. gez.: W. Masche, Bauer. Solche Anerkennungen in großer Zahl, sowie Muster meiner Bandagen können Sie am: Mittwoch, dem 10. Mai, von 9—12 Uhr zu Steinheim im Hotel„zur Krone“ und nachmittagvon 2—7 Uhr zu Detmold im Hotel„Zum Hermann" einsehen Jede Auskunft in Bezug auf die Bandagen wird gern und kostenlos gegeben. Versäumen Sie diese Gelegenheit nicht Bandagist Friedrich Düe, Hannover, Weißekreuzstraße 30. Mittwoch, 10. Mai, Abfahrt 7½ Uhr Omnibusbetrieb Jos. Mertens. Nr. 106 Reichserz seinem 70. E Ausdruck geb In Bres ersten Spaten Reichssenders Reichsmi in Rom durch Der fran unter dem V Der briti ster Durcanf Staat de fac Nachba Gafen Auf sei städte traf Belgrad jugoslawisch Beschluß de sich aus al halten, mit ziehungen des eigenen dienen. Die Bl darüber zu zwischen letzter Zeit Zu der treffen in des halban und stellt Außenmini der beiders Problemen seitigen Be von Rom! beiden Lär den einer Kläri anderen m Raumes kö reten, abe der Intere unftsaussi seien, wie Besprechun nischen An wesen. Der oberst vo Staatssekr ral Paria er an den stattfinden Währ des deutse gebungen legenheit faschistisch auch einer Organisat Auf das Flug Pariani1 plötzliche einige Ze nach Trif 3 EinH Pflicht de jesunde P tung über nicht überi rentabler ler immer 820 000 E viertel alle von mona nichtsteuer Prozent. 2 Der aller K dem Hau Ueberp stättengew der Würd Bereinigu Die neuer ter Mens Zukunft zu einsatz wichtig. 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Der britische Konsul Pares in Preßburg teilte Außenminister Durcansky mit, daß Großbritannien den slowakischen Staat de facto anerkenne. Nachbarliche Freundschaft und Frieden Gafencu nach seinem Rom=Besuch in Belgrad. Auf seiner Rundreise durch die europäischen Haupt städte traf der rumänische Außenminister Gafencu in Belgrad ein. In ihren Begrüßungsartikeln weist die jugoslawische Presse übereinstimmend auf den einmütigen Beschluß der Belgrader und Bukarester Regierung hin, sich aus allen Streitigkeiten der Großmächte herauszuhalten, mit allen Nachbarn gute, freundschaftliche Beziehungen zu suchen, die Sicherheit und Unversehrtheit des eigenen Landes zu wahren und so dem Frieden zu dienen. Die Blätter bringen noch ihre besondere Genugtuung darüber zum Ausdruck, daß sich die Beziehungen zwischen Deutschland und Rumänien in letzter Zeit so günstig gestaltet hätten. Rom: Mehr als befriedigt Zu dem Besuch Gafencus in Rom, der dem E. treffen in Belgrad voranging, äußert sich der Direktor des halbamtlichen römischen Blattes„Giornale d'Italia“ und stellt fest, daß die Besprechungen des rumänischen Außenministers in Rom zu einer vollkommenen Klärung der beiderseitigen Positionen gegenüber den europäischen Problemen der Gegenwart sowie in bezug auf ihre beiderseitigen Beziehungen geführt hätten. Die Besprechungen von Rom hätten sowohl den gemeinsamen Interessen der beiden Länder und ihrer Harmonisierung mit den Prinzipien der Achse gegolten. Hinsichtlich einer Klärung der Beziehungen zwischen Rumänien und anderen mit Italien befreundeten Staaten des DonauRaumes könnten zwar noch gewisse Schwierigkeiten aufreten, aber auch diese Schwierigkeiten dürften, infolge der Interessen aller Teile und im Hinblick auf die Zuunftsaussichten überwunden werden. In dieser Hinsicht seien, wie das halbamtliche Blatt abschließend betont, die Besprechungen Gafencus mit dem Duce und dem italienischen Außenminister mehr als befriedigend gewesen. Rückkehr aus Tripolis Brauchitschs Libyenreise beendet. Der Oberbefehlshaber des deutschen Heeres, Generaloberst von Brauchitsch, verläßt in Begleitung des Staatssekretärs im italienischen Kriegsministerium, General Pariani, Tripolis, um nach Rom zurückzukehren, wo er an den anläßlich des Tages des italienischen Heeres stattfindenden Kundgebungen teilnimmt. Während seiner Libyenreise hat der Oberbefehlshaber des deutschen Heeres, dem überall die herzlichsten Kundgebungen von seiten der Bevölkerung zuteil wurden, Gelegenheit gehabt, die kolonisatorische Aufbauarbeit des faschistischen Italien in Nordafrika kennenzulernen und auch einen wertvollen Einblick in die dortige militärische Organisation zu nehmen. Auf dem Fluge von Bengasi nach Tripolis mußte das Flugzeug mit Generaloberst von Brauchitsch, General Pariani und Luftmarschall Balbo an Bord wegen eines plötzlich einsetzenden Sandsturms auf halber Strecke für einige Zeit niedergehen und konnte erst später den Flug nach Tripolis beenden. Die Bereinigung des Handels Ausscheidung unerwünschter Elemente. Ein Händler, der nur am Umsatz interessiert ist, kann die Pflicht des Handels, z. B. Verstärkung des Außenhandels. jesunde Preisbildung, Werbung für neue Werkstoffe, Aufklätung über die Versorgungslage und politische Propaganda. nicht übernehmen. Aus diesem Grunde ist die Auflösung unrentabler Kleinbetriebe und die Ausschaltung unfähiger Händler immer dringender geworden. Im Jahre 1933 waren von 820 000 Einzelhändlern nur 43 Prozent steuerpflichtig. Dreiviertel aller Einzelhändler hatten ein Durchschnittseinkommen von monatlich 125 RM. Im Jahre 1938 lag die Zahl der nichtsteuerpflichtigen Betriebe im Einzelhandel noch um 30 Prozent. Aehnlich ist die Lage im Gaststättengewerbe. Der Vierjahresplan verlangt die Mobilmachuna aller Kräfte. Die DAF. nimmt aus diesem Grunde nach dem Hausierhandel und den Handelsvertretern jetzt eine Ueberprüfung des Einzelhandels vor. Im Gast stättengewerbe sollen die Betriebe geschlossen werden, die mit der Würde des deutschen Lebens nicht vereinbar sind. Die Vereinigung des Großhandels hat bereits gute Erfolge erzielt Die neuen Maßnahmen tragen zur Ausscheidung unerwünschter Menschen und nicht lebensfähiger Betriebe bei. Fur die Zukunft des Handels ist die Erziehung aller darin Tätigen zu einsatzbereiten und leistungsfähigen Kaufleuten besonders Diese Gedankengänge bilden den Inhalt eines Leistungsberichtes, den das Fachamt„Der deutsche Handel“ anläßlich seiner Reichstagung in Augsburg zusammengestellt hat. Ruf an die Columbia=Universität New York abgelehnt. Professor Dr. Mar Vasmer, Ordinarius für slawische Philoogie an der Philosophischen Fakultät der Universität Berlin, einen Ruf für slavistische Philologie an die ColumbiaUniversität nach New York. Professor Dr. Vasmer hat diesen Ruf abgelehnt. Steinheim, Montag, 8. Mai 1939 Land der dunklen Wälder Eine Fahrt über Östpreußens Wanderwege.— Besuch in Östpreußens Jugendherbergen. Seit zwei Tagen fahren wir nun schon durch eine der landschaftlich schönsten Provinzen Deutschlands, sehen eine Jugendherberge nach der anderen und geraten eigentlich in eine gelinde Verzweiflung. Denn immer wieder ertappt man sich in diesem„Land der dunklen Wälder“, wie das schöne Östpreußenlied singt, und in diesem Land der unzähligen großen und kleinen Seen bei der Ueberlegung dies hier, dieser Wald und dieser See mit dem urgemütlichen Städtchen da drüben, ist ja der schönste Urlaubsaufenthalt, den man sich wünschen kann! Daß die Hitler=Jugend und der Reichsverband für deutsche Jugendherbergen für die Heimstätten der wandernden Jungen und Mädel ihren eigenen Stil gefunden haben, der ganz unmerklich das Angenehme mit dem Nützlichen, das Heitere mit dem Erzieherischen zu vereinen weiß, ist längst bekannt. Und es ist selbverständlich, daß die besten und modernsten technischen Einrichtungen, die sich bewährt haben, im Inneren jeweils wiederkehren, es mag sich um die geradezu einladenden, blitzsauberen Duschanlagen oder um die elektrischen Wanderküchen oder um die großen Gemeinschaftsküchen oder sonst etwas handeln. Wer mehrere dieser Reichspressefahrten mitgemacht hat, weiß, mit welcher beispielhaften Organisationskunst und welcher alles bedenkenden Aufmerksamkeit sie vorbereitet wurden. Es war daher sehr instruktiv, daß wir gestern in der Frühe eines silbrig kühlen ostpreußischen Frühlingstages als erstes Haus die Jugendherberge in der einzigen Großstadt Östpreußens, in Königsberg, zu sehen bekamen. Wohin stellt man eine Jugendherberge in einer solchen Stadt so, daß sie einerseits nicht stundenweit von der Bahn usw. entfernt ist und andererseits nicht binnen kurzem irgendwo draußen am Rande der Stadt von den sprunghaft vorschnellenden Siedlungen verschluckt wird? Ein ebenso gescheiter wie geschickter Einfall stellte das Haus zwei Minuten vom Hauptbahnhof entfernt auf den mächtigen Unterbau einer der alten Kasematten der Festung von 1868, errichtete darüber die fröhliche Helligkeit und Geräumigkeit des weitausladenden Baues und erreichte mit alledem, daß es mitten in einer Großstadt am Zentrum des Verkehrs und trotzdem inmitten heiterer Grünanlagen und spiegelnder Wasserflächen der säuberlich eingefaßten alten Festungsgräben liegt. Instruktiv ist das Beispiel der Jugendherberge in Königsberg deshalb, weil es sehr interessante Vergleichsmöglichkeit als Großstadtbau zu den Herbergshäusern am Rande der stillen Landstädtchen hier mitten„im tiefsten Östpreußen“ oder in der Nachbarschaft der See= und Walddörfer gibt. Ein halbes Dutzend Herbergen sahen wir schon gestern und heute und werden morgen noch mehr sehen. Der Betrachter ist geradezu bestürmt durch eine Fülle von landschaftlichen und architektonischen Schönheiten. Durch die hellen Winkelreihen windbewegter Birken längs der Landstraße kamen wir hoch oben im Nordosten des Reiches in das Fischerdorf Karkeln. Dort steht dicht am Haff die Jugendherberge„Elchniederung“, ein breit gelagerter Bau im Stil der östlichen Waterkant, fest und trutzig von außen, hell und wohnlich von innen. Bis zur Kurischen Nehrung sieht man hier bei klarem Wetter hinüber. Das neue Haus mit seinen 105 Betten und 50 Massenlagern ist gleichzeitig wichtigste Durchgangsstation für den Wanderverkehr von der Jugendherberge(IH.) „Rossitten“ auf der Kurischen Nehrung nach dem Festlande. Weiter zur IH.„Untereißeln“ bei Tilsit wie nun gesagt wird. Nicht lange, und wir stehen vor einem Landschaftsbild, das sich noch nicht einmal mit dem Pinsel, geschweige denn mit Worten wiedergeben läßt. Am Waldesrand erhebt sich auf einer Anhöhe der Neubau der IH. mit dem angegliederten Bootshausflügel. Das Haus wird im nächsten Monat dem Wanderverkehr übergeben. Da unten vor uns liegt, eingebettet in waldige Hochufer, das liebliche Memeltal. In weitem Bogen gleitet geruhsam der Fluß dahin. Hier ist wohl einer der schönsten Landschaftspunkte des norddeutschen Gebietes überhaupt. Drüben, jenseits der Memel, war noch vor ein paar Monaten„Ausland“, in der Mitte des Stromes lief die Grenze. In Lötzen steht die IH. am schmucken Kanal zwischen Löwentin= und Mauersee, verlockende Zentrale für das Wander=, Ruder=, Paddel= und Segelgebiet der drei größten ostpreußischen Seen, deren dritter der Spirdingsee bei Nikoleiken ist. Immer suchen die Häuser der Jugend die Nähe von Wasser und Wald in diesem wunderschönen Lande, so auch in Seehausen, Kreis Angerburg, wo wir Zeuge des Richtfestes der IH. werden, die einmal 100 Betten und 50 Massenlager haben wird und am saaften Hang des Sees steht Auf einer Waldhöhe thront der mächtige und doch so anheimelnde Bau der großen IH.„Niedersee“, die schon seit dem Herbst 1935 im Dienst des großen Wanderverkehrs nach Masuren steht. Noch größer, noch bedeutsamer und beziehungsreicher ist die IH.„Hohenstein“ in unmittelbarer Nähe des Tannenberg=Denkmals. Sie hatte allein im vergangenen Jahr über 40 000 Uebernachtungen zu verzeichnen! Das kann nur ein Bau wie dieser mit seinen 238 Betten und 150 Massenlagern bewältigen. Schnell noch einen Abstecher nach dem mittleren Norden der Provinz. Dort oben dicht bei der aufblühenden kleinen Stadt Tolkemit ragt hoch auf dem Galgenberg an der Steilküste des Frischen Haffes die IH. Tolkemit mit 96 Betten und 50 Massenlagern. Das letzte Bild, das wir von dieser an Eindrücken sast überreichen Östpreußenfahrt in uns aufnahmen, war die hohe, stolze Silhouette der Marienburg, die wir von den Fenstern der gegenüberliegenden IH. aus sahen. Es ist klar, daß dieses Haus wie etwa das in Hohenstein einen besonders starken Besuch aufzuweisen hat, zumal ja 2. Blat die Marienburg die Burg der Jugend ist. 240 Betten und 235 Massenlager stehen in diesem Hause zur Verfügung, das in den Einzelheiten seiner inneren und äußeren Gestaltung an die ruhmreiche Tradition des Ritterordens erinnert. Nun hastet der Nachtzug westwärts quer durch den Korridor der Reichshauptstadt entgegen. Man ist sehr nachdenklich geworden, je länger diese Fahrt durch Östpreußen dauert, und diese Nachdenklichkeit vertieft sich naturgemäß bei dem Gedanken, daß wir auf diesem Teil der Rückreise durch ein konstruiertes„Ausland“ fahren. Der Wundergarten von Schreiberhau Seltene Riesengebirgspflanzen stellen sich vor Das Riesengebirge, das die Eigenarten des Hoch= und des Mittelgebirges verbindet, ist auch durch seine charakteristische Pflanzenwelt hochinteressant. Eiszeitüberreste in Gestalt von. Pflanzen wohnen heute noch in den Schneegruben und auf den Elbwiesen, blühen in den Kesselgruben und keimen verborgen unter dem Knieholz. Hier hat sich die Natur selbst ein lebendiges Museum gestaltet, das durch den Naturschutz erhalten wird. Dieses Naturschutzgebiet hat nun in Schreiberhau eine Ergänzung in einem Riesengebirgsgarten gefunden, mit dessen Anlage im Herbst vorigen Jahres begonnen wurde. Dieser Garten wird nicht nur die„gewöhnlichen" Pflanzen des ganzen Gebirges enthalten; auch die ganz seltenen Vertreter der Pflanzenwelt, die kaum dem Namen nach bekannt sind, sollen hier für jedermann zu sehen sein. Tafeln werden außer dem Namen der Pflanzen auch kurze Mitteilungen über ihr Leben enthalten. Da voraussichtlich nicht alle der auf dem Kamm heimischen Pflanzen hier unten im Tal gedeihen werden, ist auf dem Kamm, am Fuße des Reifträgers, die Anlage eines Ergänzungsgartens geplant. Der Wea vom Garten im Tal zum Garten auf der Höhe soll als Naturpfad ausgestaltet werden, an dem besondere Hinweise auf Bäume, Pflanzen, Felsen und Tiere angebracht werden. Gesundheitsbetriebe im Leistungskampf. Reichsgesundheitsihrer Dr. Conti hat einen Aufruf erlassen, in der er der rwartung Ausdruck gibt, daß im Leistungskampf der deutschen jetriebe auch die Betriebe des Gesundheitsdienstes, Krankennstalten, Arztpraktiken, Apotheken, Drogerien, Zahnarzt=, Denisten=, Heilpraktiker=, Bade= und Massagebetriebe sich geschlosen am dritten Leistungskampf beteiligen. Auf dem Wege zur Verfassungsrevision. Im Folketing burde die dänische Verfassungsrevisionsvorlage mit 102 gegen 7 Stimmen angenommen. Wird sie auch vom Landsting geilligt, kann die für den 23. Mai angekündigte Volksabstimtung stattfinden. Bei dieser müssen 45 Prozent der Wählerchaft der Revision zustimmen, wenn sie als angenommen gelen soll. Staatsminister Stauning erklärte, daß eine Ablehnung iner Niederlage der Regierung gleichkommen werde. Allgemeine Wehrpflicht in der Slowakei. Der slowakische Verteidigungsminister Zatlos gab die von der Regierung beeits genehmigten Richtlinien zum Wehrgesetz bekannt. Hierlach wird in der Slowakei die allgemeine Wehrpflicht eingeührt werden, der jeder 20jährige— ob wehrfähig oder nicht— interliegt. Zunächst haben die jungen Männer sechs Monate Arheitsdienst abzuleisten. Der Streik in Braunkohlenindustrie fast ganz stillgeleg.. Am Freitag traten wieder nahezu 100 000 Mann in der Braunkohlenindustrie Amerikas in den Ausstand, so daß die Gesamtzahl der Streikenden jetzt 458 000 beträgt. Damit sind nahezu sämtliche Bergwerke der Vereinigten Staaten durch Streik stillgelegt. Dieser Ausstand ist der größte seit dem Sommer 1922. Damals streikte rund eine halbe Million. Die Kohlenknappheit in den Großstädten nimmt stündlich ernstere Folgen an Der Reichsaußenminister auf dem Wege nach Italien. Reichsaußenminister von Ribbentrop, der sich zu einem mehrtägigen Aufenthalt nach Oberitalien begeben hat und mit dem italienischen Außenminister Graf Ciano zusammentreffen wird, verabschiedet sich auf dem Anhalter Bahnhof von dem italienischen Botschafter Attolico. Zwischen beiden Staatssekretär von Weizsäcker. Weltbild(M). Vermischies tf. Essen Sie, damit Ihr Haar wächst! Jeder Liebhaber von Speis und Trank wird auf Professor O. Butcher von der Hamilton=Hochschule in New York und seine Methode zur Förderung des Haarwuchses schwören. Nach umfangreichen Tierversuchen, vor allem an Ratten, ist der Professor, wie es in amerikanischen Zeitungen heißt, zu folgendem Rezept gekommen: Wenn Sie wollen, daß Ihr Haar schneller wächst, müssen Sie viel mehr essen, mehr ausruhen, sich weniger Sorgen machen und energieverzehrende Tätigkeiten einschränken. Die Rattenversuche zeigen, so hat der Professor weiter erklärt, daß zunächst die Ansprüche des Körpers auf Ersatz der verbrauchten Energie befriedigt werden müssen, bevor das Haar seinen Anteil an Nahrung bekommt. Weiße Ratten bekommen alle 35 Tage einen neuen Haarwuchs, aber wenn sie unterernährt sind, erst nach 50 oder 60 Tagen. Wir haben allerdings die Befürchtung, daß bei der von Professor Butcher vorgeschlagenen Lebensweise nicht nur der Haarwuchs, sondern auch der Leibesumfang„gefördert“ wird, was man kaum als erstrebenswertes Ziel ansprechen wird Außerdem interessiert uns folgende Frage: Wie hat Professor Butcher die Ratten überreden können, nach seinen weisen Vorschriften zu leben, sich weniger aufzuregen und mehr auszuruhen? tf. Bäume, die begraben werden... Die Behörden von Java haben sich veranlaßt gesehen, darauf hinzuweisen, daß die Sitte des„Warigin“ auf jeden Fall beachte werden muß, wenn einer der heiligen Bäume gefällt wird, um einem modernen Gebäude, einer Straße usw. Platz zu machen. In diesem Falle wird ein Ast von dem zum Tode verurteilten Baum abgeschlagen und unter Beteiligung von Priestern in einem Grabe beigesetzt. Daraufhin erhält der ursprüngliche Stamm ein Siegel, durch das bescheinigt wird, daß die Bestattung ordnungsmäßig vor sich gegangen ist. Erst dann darf der Baum gefällt werden. Richtfest für das Haus des Reichsaußenministers. Reichsaußenminister von Ribbentrop während seiner Ansprache bei dem Richtfest für das neue Dienstgebäude des Reichsministers, das durch den Umbau des alten Reichspräsidentenpalais in der Wilhelmstraße entsteht. Neben dem Ministe. Frau von Ribbentrop. Weltbild(M). Vater muß heiraten! ROMAN VON LUDWIG CLAUSEN Urheberrechtschutz Fritz=Mardicke=Verlag, Hamburg 2. Forisetzung. Professor Pieter Rooter, der Lehrer Hell Laurenz', nahm einen Ruf der Kunstakademie München an. Und als die kleine Harriet vier Jahre alt war und mit ihrem reizenden Lockenkopf alle Welt begeisterte, nahm auch Hell Laurenz das Angebot seines Lehrers, ebenfalls nach München zu kommen, an. Die ersten Jahre ging es langsam bergan, aber die Zähigkeit eines Hell Laurenz setzte sich durch. Als Harriet acht Jahre alt war, erbte Elizabeth von ihrem Onkel, der in Holland eine große Tulpenzüchterei besessen hatte, ein schönes Vermögen. Alle Sorge war mit einem Male ausgewischt und der Aufstieg, der so mühsam begonnen hatte, ging rapide in die Höhe. Hell Laurenz und seine schmale, graziöse Frau Elizazabeth wurden in München bekannte Leute. Die einfache Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit, die Natürlichkeit und Anmut einer immer noch jungen und reizvollen Frau waren außer der Kunst Hells Anziehungspunkte des Laurenzschen Hauses. Die kleine Harriet, die das einzige Kind ihrer Eltern geblieben war, erlebte eine sonnige Kindheit und konnte es nicht fassen, daß ihre geliebte Mutter— Harriet war gerade dreizehn Jahre alt geworden— an einer Erkältung, die in eine Lungenentzündung übergegangen war, starb. Hell Laurenz glaubte es nicht aushalten zu können, haderte mit dem Schicksal, verfluchte sich und die Welt, mußte sich auf die Dauer aber doch hineinfügen. Mit verbilsenem Arbeitseifer stürzte er sich mehr denn je auf seine Malerei, und die in dieser Zeit entstandenen Porträts schufen ihm einen solchen Namen, daß man ihm einen Lehrstuhl und die Professur in München anbot. Nun konnte es Laurenz an nichts fehlen, sagten die Neider, und ahnten nicht, daß ihm doch das Köstlichste fehlte, was er im Leben besessen hatte: seine geliebte Elizabeth! Die einsamen Jahre aber rächten sich. Harriet, die in Pension war, erfüllte nicht mehr mit kindlichem Geplauder das große Haus, welches Frau Elizabeth einst mit so viel Liebe eingerichtet hatte. Jung war Hell Laurenz außerdem noch, man konnte es ihm also nicht verdenken, wenn er zuerst aus lauter Verzweiflung wieder inmitten des frohen Künstlervölkchens auftauchte. Der frohe, unbeschwerte Künstlerdealismus, die selbstverständliche Lebensbejahung zog den, der so einsame Jahre hinter sich hatte, in ihren Bann. Mit einer wahren Gier stürzte sich Laurenz in all den Strudel, machte alles mit und fand an dem Lächeln schöner Frauen wieder Gefallen. Mit offenen Armen nahmen diese den so lange Entbehrten wieder auf und versuchten, alles leicht vergessen zu machen. Vier Jahre führte Professor Laurenz nun dieses Leben und heute war er so weit, um die ganze Leere dieser vier Jahre zu empfinden. Er dachte an Harriet, an ein eventuelles Heimkommen von ihr, aber was würden all seine Bekannten sagen, die meist von der Existenz Harriets nichts ahnten, wenn an seiner Seite eine neunzehnjährige Tochter auftauchte? Sicher würde ihr Interesse für ihn abkühlen, das anziehende Lächeln in schönen Frauenaugen würde einem großen mitleidigen Staunen Platz machen, und irgendwie würde man ihm zu verstehen geben, daß ein Witwer mit Kind nicht gerade zu den Anziehungskräften gehörte. Und gerade jetzt, wo er im Begriffe stand, eine Frau in sein einsames Leben zu führen, würde Harriets Anwesenheit nicht von Nutzen sein. Hell Laurenz dachte an die feingliedrige, kapriziöse und leider auch anspruchsvolle Carla Ganz deutlich hörte er die tiefe, singende Stimme, die einen Menschen so ganz in ihren Bann ziehen konnte, sah die eigenartigen, etwas schiefgeschnittenen Augen der Varietékünstlerin, die allabendlich in einem der großen Münchener Varietés gewaltige Triumphe errang, und kam auch in der Erinnerung von dem großen, aber gutgeformten Munde mit den blitzenden weißen Zähnen nicht los. Ob Carla für ihn die rechte Frau war? Vieles sprach für sie und vieles gegen sie. Hell schob die Gedanken wie einen lästigen Mückenschwarm von sich. Mit einem Seufzer fuhr sich Laurenz mit allen funf Fingern seiner rechten Hand durch das dichte, volle Haar, welches glatt nach hinten gekämmt, dick den Hinterkopf bedeckte. Die außergewöhnlich hohe Stirn glättete sich ein wenig, und mit einem entschlossenen Ruck setzte er sich vor das kleine Tischchen, um endlich die erhaltene Post durchzusehen. Die obersten Briefe bestanden, wie schon angenommen, aus Rechnungen, Drucksachen und dergleichen. Professor Laurenz gehörte nicht zu den Künstlern, die in ihrem Geschäftsleben Unordentlichkeit bevorzugten. Seine Einnahmen ermöglichten jederzeit eine glatte Erledigung seiner Verbindlichkeiten und nur durch die fatale Einbruchsbildergeschichte war er ein wenig nervös geworden und hatte, da ihm die vereinbarten zwölftausend Mark jangen waren— die Versicherung hatte bis heute auch noch nicht gezahlt— die Abwicklung und Bezahlung verschiedener Einkäufe bis jetzt beiseite geschoben. Da er jedoch, um aus diesem Dilemma herauszu kommen, vorläufig von dem Bankkonto seiner Tochter zehntausend Mark abgehoben hatte, wollte er noch heute alles regeln. Gerade als er mit seinen Gedanken bei Harriet angekommen war, hielten seine Hände einen dünnen blauen Brief, der unverkennbar die Handschrift Harriets zeigte. Noch ehe sich Professor Laurenz an das Öffnen des Briefes machte, stand er ruckartig auf, denn blitzartig tauchte der in seiner Rocktasche steckende, und schon seit Tagen auf seine Absendung wartende Brief an Harriet auf. Er nannte sich ziemlich respektlos ein großes Kamel. Wie konnte er nur diese Sache so ganz übersehen? Wie er die Banken kannte, arbeiteten sie präzis, und Harriet würde bestimmt die Benachrichtigung über die abgehobenen zehntausend Mark in den Händen haben. Was würde sie bloß sagen? Bestimmt war ihr heutiger Brief die Ursache desselben. Noch verärgerter als er schon war, setzte er sich erneut nieder, um nun doch endlich zu wissen, was in dem Brief seiner Tochter stand. Rasch und gespannt glitten die Augen des Mannes über die Zeilen, die in kurzen, aber eindringlich=energischen Worten die Ankunft Harriets nebst ihrer Freundin Gwendolin— die Professor Laurenz bis heute noch nicht ausstehen konnte— für heute nachmittag anzeigten... Da hatte er die Bescherung! Wäre sein Brief gleich abgesandt worden, dächte seine energische Tochter wahrscheinlich nicht an ein Heimkommen. Hell Laurenz zog hastig seine Uhr, als könne er damit das Versäumte nachholen. Nein! Die Sache war nicht mehr aufzuhalten, denn der Zug rollte seit Stunden. Wie Harriet mitteilte, wollte sie, nunmehr mündig geworden und auf seine Erlaubnis nicht mehr angewiesen, das ihr gehörige Haus mit ihrer Freundin bewohnen. Zoring lief Hell Laurenz im Zimmer hin und her. Schließlich konnte er doch so viel verlangen, von seiner Tochter vorher benachrichtigt zu werden und vor allen Dingen hätte sie ihn zumindest fragen sollen, ob es ihm angenehm wäre. Er war doch immerhin der Vater und demnach eine Respektsperson. Und was sollte Carla Bogedan von ihm denken? Sie, die stets geglaubt, das ganze Haus gehöre ihm, hatte in ihrer unbekümmerten Art stets mehrere Räume bei ihrem Hiersein mit Beschlag belegt. Jetzt galt es erst einmal, Ulrike zu benachrichtigen, damit alles instandgesetzt würde für Harriets Heimkommen. Rike kam auch sofort eilig auf seinen Ruf, sie hatte ja den ganzen Vormittag darauf gewartet. Schon nach den ersten Worten des Professors winkte sie gleichmütig ab und sagte beruhigend: „Ist alles schon in Ordnung Herr Professor, das Kind hat mir nämlich auch geschrieben.“ Damit kehrte sie dem Professor ziemlich rücksichtslos die Hinterfront zu und verschwand aus dem Zimmer. Gereizt, wie der Professor war, hätte er am liebsten etwas hinterher geworfen. Professor Laurenz machte sich zum Ausgehen fertig, denn er mußte unbedingt Rooter von dieser Neuigkeit benachrichtigen. Treu und brav standen Professor Pieter Roorer uno Professor Hell Laurenz mit zwei in Seidenpapier verhüllten Etwas auf dem Bahnsteig des Münchener Hauptbahnhofs und warteten auf die Einfahrt des Zuges. Professor Pieter Rooter hatte sein schönstes Lächeln aufgesetzt und seine Augen glänzten schon jetzt vor Freude. Im Gegensatz zu ihm zeigte Professor Laurenz' Gesicht eine ziemlich umwölkte Miene. Er überlegte ange Handelsteil Aktien freundlich, Renten ruhig Berlin, 5. Ma. Die Tendenz der heutigen Aktienbörse war freundlich, aber nicht ganz einheitlich. Die ruhige Beurteilung der politischen Lage und einige günstige Wirtschaftsmeldungen wirkten tendenzstützend. Ein freundlicher Grundton war nicht zu verkennen. Am Montanmarkt stiegen Laurahütte um 1¼ Prozent, Hoesch und Klöckner waren je ½ Prozent fester. Buderus verlor dagegen 2¼ Prozent. Am Braunkohlenmarkt verloren Eintracht 1¼ und Niederlausitzer 1 Prozent, während Rheine Braun und Ilse Genußscheine je 1 Prozent gewannen. Am chemischen Markt wurden Farben vorübergehend mit 150½ Prozent gehandelt. Am Elektromarkt verloren Akkumulatoren 1¾ Prozent, während Siemens 1. Prozent höher ankamen, Erwähnenswert sind noch Berger mit plus 3 Prozent, Dierig mit plus 1¾ Prozent. Am Industriemarkt zogen Berliner Kindl Stamm=Prioritäten um 4¾ Prozent, Triumph um 4 Prozent, Kabel Rheydi um 3¾ Prozent an. Am Rentenmarkt blieben Gemeindeumschuldungs= und Reichsaltbesitzanleihe unverändert. NS.=Steuergutscheine wurden erstmalig zum Kurse von 933 Prozent umgesetzt. Am Geldmarkt wurden Blankotagesgeldsätze auf 2¼ bis 2½ Prozent ermäßigt. Devisenkurse. Belga(Belgien) 42,37(Geld) 42,45(Brief), dän. Krone 52,05 52,15, engl. Pfund 11,655 11,685, franz. Franken 6,593 6,607, holl. Gulden 132,82 133,08, ital. Lire 13,09 13,11 norw. Krone 58,57 58,69, poln. Zloty 47,00 47,10, schwed. Kron60,05 60,17, schweiz. Franken 55,88 56,00, slowakische Kron8,521 8,539, amer. Dollar 2,491 2,495. Schlachtviehmarkt. Berlin, 5. Mai 1939 Auftrieb 1976 Rinder(darunter 386 Ochsen, 301 Bullen, 1155 Kühe 134 Färsen), 2122 Kälber, 2406 Schafe, 11 532 Schweine, 150 Ziegen. Verlauf: Rinder zugeteilt, Ausstichtiere über Notiz Kälber. Schafe und Schweine verteilt. Preise für 50 Kilogramm Lebendgewicht in RM.: Ochsen: 1. 45.50, 2. 41,50, 3. 36,50 4. 28; Bullen: 1. 43.50. 2. 39,50, 3. 34,50; Kühe: 1. 43,50 2. 39,50, 3. 32—33,50, 4. 22—24; Färsen: 1. 44,50, 2. 40,50, 3 35,50, 4. 27; Kälber: 1. 68—80, 2. 65, 3. 57, 4. 48, 5. 38; Lämmer und Hammel: 1. 49. 2.—. 3. 46—48. 4.—. 5. strengt, wen er nun zuerst begrüßen sollte. Es gehörte sich ja, daß er zuerst seine langentbehrte Tochter in die Arme schloß, auf der anderen Seite gebot ihm die Höflichkeit, zuerst Gwendolin Thomasson zu begrüßen. Sicherlich wäre er mit seinen Gedanken nicht zu Rande gekommen, wenn das Nahen und Einfahren des Zuges nicht die richtige Lösung erbracht hätte. Noch ehe er sich recht versah, spürte er zwei weiche Arme um seinen Hals, ruckartig wurde sein Kopf heruntergezogen, und ein paar feuchte, heftige Küsse landeten auf seinem Gesicht. Harriet wie sie leibte und lebte! Sie schien sich nicht um ein Jota verändert zu haben. Sollte er sich nun darüber freuen oder sich ärgern? Doch schon die ersten Worte Harriets überzeugten ihn, daß sich manches geändert hatte. Vergnügt und schmunzelnd sagte sie jetzt: „Na, Vater, wie fühlst du dich jetzt mit einer so großen Tochter?“ und schlug ihm kameradschaftlich auf die Schulter. Hell Laurenz zuckte bei dem Wort„Vater“ merklich zusammen. Mit einem etwas verkrampften Lächeln drückte er Harriet die Blumen in die Hand und antwortete: „Da sieht man eben, wie alt man wird. Aber ich freue mich, daß du nach Hause kommst!" „Die Freude hättest du ja schon längst haben können!“ gab Harriet prompt zurück, und konnte ein spöttisches Funkeln ihrer Augen nicht unterdrücken. Laurenz, dem es bei Harriets Worten ziemlich unbehaglich zumute war, konnte sich von der Beantwor tung dieser Frage Gott sei Dank drücken, um endlich Gwendolin zu begrüßen. Diese stand im eifrigen Gespräch mit Professor Rooter etwas abseits von Vater und Tochter und hatte bei der zärtlichen Begrüßung diskret beiseite gesehen. Gewiß war sie mit der Freundin gern nach München gefahren, denn sie hatte ja keinen Menschen außer Harriet, aber da sie der ganzen Lebensauffassung Professor Laurenz' ziemlich ablehnend gegenüberstand, sah sie dem künftigen Zusammenleben mit Bangen entgegen. Wenn auch jeder von ihnen sein eigenes Leben führte, so bedingte doch schon das Verhältnis zwischen Vater und Tochter ein herzliches Zusammenleben. Sehr kühl und gemessen, vielleicht kälter als es in ihrer Art lag, nahm sie die Begrüßungsworte sowie die kostbaren Nelken entgegen. Ihre Antwort war ebenso und ließ nichts von der warmen Herzlichkeit, die ihr Verhältnis zu Harriet dokumentierte, spüren. Professor Rooter, der eben noch angeregt und kiebenswürdig mit ihr geplaudert hatte, sah mit schmalen Augen auf die ihn überragende Frau. Die Welle der Feindseligkeit, die von ihr zu seinem besten Freund flutete, streifte auch ihn leicht und er konnte sich deren Ursache nicht erklären, da er ja wußte, daß diese beiden Menschen sich außer dem heutigen Tag erst zweimal gesehen hatten. Minuten später ging man, begleitet von einem Gepäckträger, der das Handgepück der Damen nebenher trug, der Sperre zu. Der fromme Wunsch Professor Laurenz!, wenigstens nicht gleich jetzt Bekannte zu treffen, ging leider nicht in Erfüllung. Mehrere Male mußte er verbindliche Grüße austeilen und das fragende Staunen zweier bekannter Damen zur Kenntnis nehmen. Morgen würde es ja in seinen Bekanntenkreisen Stadtgespräch sein und er wartete begierig auf Carlas Anruf, der er bis heute noch nichts von der Existenz seiner Tochter gesagt hatte. Aber diese hatte es bereits erfahren. * Kurz nach Professor Laurenz' Weggang wurde sehr heftig an der Tür geläutet. Ulrike, die jede Zeitverschwendung haßte, sah lieber vorsichtshalber erst durch das kleine Fenster in der Vorsaaltür, um sich zu vergewissern, ob es sich lohnte, den Außenstehenden durch einen Druck auf den Knopf herein zu lassen. Der Furchtsame erschrickt vor der Gefahr, der Feige in ihr und der Mutige nach ihr. Der kinge liest„Kampf der befahr"- und ver hütet sie.