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Wezif. zu Druck und kierigg 9 Cart Sunauwst, Sminteun i. Wett tatlich none Benane. 400.00 Mark der BeilageEbrintliche Fümilie“ llgeld.— Die Steutherntr Zeitung Dierstag, Dontterstag n. Bynnayend oric: Carl Simmomell. Enten Nr. 17. Steinheim. Donnerstag, den 8. Februar 1923. 30. Jahrgang. ge Chronik des Tages. anzosen haben den Eisenbahnverkehr auf burg— Appenweier mit Gewalt unter— Die der Strecke hunden. — Das gesamte Eisenbahnpersonal im erweiterten Kahler Brückenkopf ist in den Abwehrstreik getreten. — Der Eisenbahnverkehr in den Bezirken Köln, Trier und Mainz ist wegen erneuter militärischer Besetzung der Bahnhöfe durch das Personal stillgelegt worden. — Die rheinisch=westfälischen Provinziallandtage in Barmen und Münster haben gegen die vertragswidrige Ruhrbesetzung feierlichen Protest erhoben. — Der Reichskanzler ist von seiner Ruhrreise nach Berlin zurückgekehrt. Reichsfinanzminister Dr. Hermes weilt noch im Ruhrgebiet. — Die Bergarbeiterlöhne für Februar wurden um 30 Prozent erhöht. — Im Saargebiet stretken 70 000 Bergleute. o. Die Londoner„Times", denen niemand deutschfreundliche Gefühle nachsagen kann, veröffentlichen unter der Ueberschrift„Frankreich und die Ruhr" die Zuschrift eines Mitgliedes des Unterhauses— namens Aubrey Herbert— der sie schwerlich Raum gegeben hätten, wenn nicht in den Kreisen der Londoner City große Mißstimmung über die französischen Gewaltlätigkeiten im Ruhrgebiet herrschte. Diese Mißstimnung entspringt dem Wunsche, daß Europa endlich zur Ruhe kommen möchte, außerdem aber auch dem Unbehagen darüber, daß der französische Alliierte für sich eine Vorherrschaft auf dem Festlande erstrebt, die keineswegs Englands Interesse entspringt. Mr. Aubrey Herbert tritt zunächst mit Schärke denen entgegen, die England am liebsten an Frankreichs Seite im Ruhrgebiet sähen und an denen es wohl auch im britischen Parlament nicht fehlt. Er zeichnet allerdings die Ueberzeugung dieser Politiker, daß Deutschland absichtlich selbst den Sturz der Mark herbeiführe, als vermutlich der Wahrheit entsprecheno(!!), fügt aber hinzu: „Als ich vor zwei Monaten in Deutschland war, hielten sich die arbeitenden Klassen, mit dem Namen nach riesigen Löhnen, gerade noch an der Grenze des Kampfes gegen den Hunger. Die Mittelklassen mit festem Einkommen befanden sich bereits unter dieser Grenzlinie." And Mr. Aubrey Herbert schließt: „England ist jetzt vor die Wahl gestetlt, ob es untätig zuschauen will, wie Frankreich sich die herrschaft über Europas Handel und Industrie durch Methoden von mehr als zweifelhafter Gesetzmäßigkeit aneignet, oder ob es sich höflich, äber entschieden von einer Macht trennen will, die eine Politik befolgt, die darauf berechnet ist, Europa zu einem wirtschaftlichen Chaos zu machen. Deutschland war am Anfang dieses Jayrhunderts eine Gefahr als ein Nebenbuhler auf dem Gebiete des Handels. Frankreich kann bald als ein wirtschaftlicher Anarchist zu einer großen Gefahr werden „Wsirtschaftlicher Anarchist“— das Wort paßt vortrefflich auf den tollwütigen Herrn Poincaré. und Protestkund gebungen der Provinziallandtage. Der Rheinische Provinziallandtag der sonst in Düsseldorf zusammenzutreten pflegt, war, um ungestört durch die Franzosen seiner Meinung Ausdruck geben zu können, zu einem Einspruch gegen die Ruhrbesetzung nach Barmen einberufen worden. In Erwarrung des Reichskanzlers hatten sich unabsehbare Scharen auf dem Rathausplatz eingefunden. Stürmisch begrüßt wurde der ausgewiesene Oberpräsident Dr. Fuchs, der von der Treppe des Rathauses an Stelle des nun doch nicht wieder erschienenen Reichskanzlers eine Ansprache an die Menge richtete, in der er zum Aushalten mahnte. An der Sitzung des Provinziallandtages nahmen Rerchsfinanzminister Hermes und der preußische Innenminister Severina teil. Minister Severing verzecherte nicht nur der Ruhrbevölkerung, sondern auch den Rheinländern die Hilfe des gesamten Deutschland und brandmarkte die brutalen Maßnahmen der Besatzungstruppen. Reich und Staat werden alles tun, um die Lage der ausgewiesenen Beamten und ihrer Frauen und Kinder zu lindern. Die Einmütigkeit im beheinland, mit der in den letzten Tagen alle Maßnanmen der Besetzungsbehörden zurückgewiesen worden seten, set die beste Widerlegung der Ausstreuung, als mheinland zahlreiche Kreise für die Loslösung erche wären. Die Proteste der Bevölkerung bei Zeusweisung der Beamten haben bewiesen, daß die Zedolterung treu zum Reiche und auch zu Preußen hält. des Mne gemeinsame Protesterklärung aller Parteken Stimmen nnganfand gegen die kommunistischen Ministerpräsident in Münder. Gleichzeitig mit dem in Barmen abgehaltenen Rheinischen Provinziallandtag trat in Münster der Westfälische Provinziallandtag zusammen. Ministerpräsident Braun eröffnete ihn mit einer Rede, in der er u. a. ausführte: „Die preußische Staatsregierung steht mit den Regierungen der übrigen deutschen Länder an der Seite der Reichsregierung in der Abwehr der unerhörten Rechts= und Vertragsbrüche, die täglich und stündlich von den fremden Gewalthabern begangen werden. Sie wird tuch alles einsetzen, um den zunächst betroffenen Provinsen und ihren schwer bedrängten Bewohnern nach Kräften n ihrem mit seltener Einmütigreit geführten Abwehrkampf eizustehen. An der Geschlossenheit der großen deutschen Volksgemeinschaft und dem festen zähen Willen zum Widertande, der sie beseelt, müssen und werden die verbrecherichen Pläne des gewalttätigen Imperialismus Frankreichs und seiner verblendeten Machthaber scheitern.“ Hierauf wurde eine gemeinsame Protesterklärung aller Fraktionen des Landtages mit allen gegen drei Stimmen der Kommunisten angenommen. Vor neuen Sanktionen. Le Trocquer und Weygand abermals im Der französische Arbeitsminister Le Trocquer und General Weygand haben sich zum dritten Mal ins Ruhrgebiet begeben, um, wie Havas meldet, mit General Degoutte und Coste weitere„Sanktionen“ zu erwägen, die der„deutsche Widerstand gegen die Ausführung des Bertrages von Versailles“(!) erforderlich machen könnte. Als Hauptzweck der Reise bezeichnet Havas die Aufstellung von Richtlinien für die Organisierung der Transporte zu Wasser und zu Lande. Die französische Besatzungsbehörde soll versuchen, mit oder ohne Hilfe des deutschen Personals an erster Stelle die Transporte für die Armee und die Kohlenförderung sicherzustellen, die für die Entente bestimmt sind. Vorbereitung der Zollgrenze. Unter den nächsten„Sanktionen“, durch die Frankreich den deutschen Widerstand zu brechen suchen wird, dürfte sich vor allem die Errichtung einer Zollinie um das Ruhrgebiet und längs des Rheines befinden. Die Vorbereitungen zur Errichtung der Zollgrenze sind im vollen Gange. Havas meldet aus Düsseldorf, daß eine große Mission zu Studien= und Organisationszwecken, bestehend aus Inspektoren des Finanzministeriums und der Bank von Frankreich sowie Finanzbeamten beim Staatsrat dort angskommen ist. Sie beabsichtigt vor allem die Erhebung der Steuern und Zölle zu organisieren. Verjagung der deutschen Zollbeamten. Gleichzeitig suchen die Belgier die Erhebung der Zokleinnahmen an der Westgrenze an sich zu reißen. Nachdem es ihnen nicht gelungen ist, die deutschen Zolibeamten zur Erhebung der Zölle für ihre Rechnung zu Grenzzollbeamte erheben lassen. Die Holländer die Grenzen durch hohe Drahtzäune abgesperrt, so an der neutralen Straße bei Aachen. Vom Hauptzollamt Kaldenkirchen erhiekten den Ausweisungsbefehl Oberzollinspektor Beitzinski Zollinspektor Petersen, die Oberzollsekretäre Sindel und Staskiewitsch, Zollassistent Siebert und Zollsupernumerar Beutnagel. Gewaltsam ausgewiesen wurden: Oberzollsekretär Kiel vom Hauptzollamt Cleve und Oberzollsekretär Tielen vom Zollamt Hassum. Kanzler in Münster. Eine Kanzlerrede im westfälischen Landeshaus. Reichskanzler Dr. Cuno hatte sich auf seiner Rückreise vom Ruhrgebiet nach Barmen begeben, wo er an Kanzler mit seinem Standpunkt: handlungen, bevor nicht das vertragswidrig besetzte uhrgebiet geräumt ist, ungeteilte Zustimmung. Von Barmen begab sich der Kanzler aus Anlaß der Tagung des Westfälischen Provinziallandtages nach Münster und hielt dort im Landeshause eine Rede, in der er u. a. ausführte: „Um die ganze Last der Ruhrbesetzung zu vermeiden, um den Gedanken der Pfänder= und Sanktionspolitik auseinanderzuschlagen, hat Deutschland über Washington den Rheinlandspakt angeboten. Was war die Antwort: ein höhnisches Nein! Nicht finanzielle Sicherung Frankreichs, nicht einmal ein Interessenausgleich der beiderseitigen Industrien und auch nicht politische Sicherung, die der Rheinlandspakt gegeben hätte, war das Ziel der französischen Politik, sondern die Hand auszustrecken nach weiterem Gebiet, nach Kohlen und Kots; die Hand auszustrecken nach weiterem Besitz. Tarüber muß man sich klar sein, wenn man die kritischSonde an die Ruhraktion legt, daß alles nichts genutzt hätte, nur das eine, daß wir dem Feind gesagt hätten: „Nehmt!“ Tazu aber ist der Deutsche doch noch nicht schwach genug. Jetzt, wo alles geschehen ist, diesen Erfolg der französischen Polirik zu vermeiden, müssen wir uns auch einmütig zusammenfinden zu restloser Abwehr der französischen Gelüste. Nur das hilft nus Wenn wir aus jetzt nicht zusammenfinden, ist das deutsche Volk, ist die dentsche Wirtschaft, ist das Teussche Reich serloren.“ Gegenüber den Behauptungen der Franzosen, ihr Vorgehen richte sich nicht gegen das deutsche Solk, sondern gegen die jetzige Regierung und gegen das Großkapital, betonte der Kanzler: „Es gibt in diesem Augenblick keine Sonderpolitik, die die Regierung treiben wird. Das einzige Sonderinteresse, das ich kenne, ist das deutsche Interesse, in gleichem Maße für Arm und Reich, für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, So stehen wir Schulter an Schulter in notwendiger Arbeitsgemeinschaft.“ Zum Schluß erklärte Dr. Cuno, daß in den Grundsätzen der Abwehr einmütig zwischen Preußen und dem Reiche zusammengearbeitet werde. Es gebe kinFrage, in der nicht sämtliche Mitglieder des Kabinetts einmütig zusammengestanden haben. Der Reichskanzler schloß mit einem Dank namens der Reichsregierung an die Bevölkerung der Provinz Westfalen. Ein französisches Ultimatum abgelehnt Der französische Befehlshaber des Brückenkopfes Kehl, General Michel, hat der badischen Eisenbahngehörde angedroht, er werde, falts die internationalen. Züge nicht bis Montag abend 6 Uhr wieder laufen würden, den gesamten Eisenbahnverkehr nördlich Appenweier abschnüren. Das französische Ultimatum wurde von der Reichsregierung mit der Erklärung beantwortet, daß es unmöglich sei, die Luxuszüge zu fahren. Nach Ablehnung des Ultimatums wurde der Stationsvorsteher von Appenweier von den Franzosen benachrichtigt, daß kein Zug mehr in Richtung Offenburg abgehen dürfe. Nur französische Lebensmittelzüge und internationale Züge sollen das Recht zur Durchfahrt kaben. Der Zugverkehr wickelte sich bis Mitternacht ziemlich normal ab. Um diese Zeit wurde jedoch der Bahnkörver von den Franzosen militärisch besetzt. Auf der Station Windschläg wurden die Drahtleitungen von den Franzosen durchschnirten und die Züge nach Norden aufgehalten. Als der Regierungsrat Sänger zusammen mit der Personalvertretung der Stationsbeamten Einspruch bei der französischen Militärbehörde erhob, wurde er sofort verhaftet, die Personalvertretung wurde weggeschickt. Daraufhin hat das gesamte Personal der Stationen Offenburg, Windschläg und Appenweier die Bahnhöfe verlassen und die Arbeit niedergelegt. Die französische Besetzung ist auf die Station Urloffen, zwischen Appenweier und Renchen, ausgedehnt worden. Französischer Eingriff in die pfülzische Eisenbahnverwaltung. Die französische Besatzungsbehörde in der Pfälz hat von neuem den Versuch unternommen, das pfälzische Eisenbahnnetz unter den Oberbefehl des französischen Oberkommandierenden zu stellen. Sämtlichen Eisenbahnern wurde ein Befehl der Besatzungsbehörden zugestellt, wonach sie den militärischen Anordnungen Folge zu leisten haben. Unruhestifter sollen sofort dem Kriegsgericht ausgeliefert und strengsten Strafen ausgesetzt werden. Die Spitzenorganisationen der pfälzischen Eisenbahner haben sofort zu diesem Befehl Stellung genommen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß sie es auch diesmal ebenso entschieden wie vor acht Tagen ablehnen werden, unter französischem Befehl zu arbeiten. Eisenbahnerstreik im ganzen Rheinland. Nach einer weiteren Meldung ist der Eisenbehverkehr in den Bezirken Köln, Trier und Mainz vötlig stillgelegt, im Bezirk Ludwigshafen verkehren nur einige Züge. Der Grund für diese Betriebseinstelkung durch das deutsche Personal liegt darin, daß die Bahnhöfe wieder militärisch besetzt worden sind und überal französisches Lernpersonal eingesetzt ist. Politische Rundschau. Berlin, 7. Februar 1923. — In Bismarchütte verstarb der Polenführer, Pfarrer Jojeph Wajda, der bei den letzten Wahlen in Oberschlesien ein Mandat für den Reichstag, für den Landtag und den oberschlesischen Provinziallandtag erhielt. — Der Bergarbeiterverband für das Nicbarschlesische Steinkohlengebiet hat beschlossen, zur Abwehr der Folgen der widerrechtlichen Besetzung des Ruhrreviers das Berahren von Ueberschichten sofort aufzunehmen. deutsche Rote Kreuz hat den Schutz seines Hoheitszeichens für alle Spenden zur Verfügung gestellt, die der Ruhrhilfe als Liebesgaben überwiesen werden. :: Reichsfinanzminister Dr. Hermes im Ruhrgebiet. Reichsfinanzminister, Dr. Hermes hat sich in Begleitung einiger Beamten seines Ministeriums ins Ruhrgebiet begeben, nachdem er zuvor in Elberfeld eingehende Besprechungen mit den Vertretern der Reichsfinanzverwaltung im besetzten Gebiet gepflogen und zusammen mit dem Reichskanzler und Minister Severing an den Beratungen in Barmen teilgenommen hatte. In Bochum, Essen und Dortmund fanden Besprechungen mit den Vertretern der Beamtenschaft und der verschiedenen Bevölkerungskreise statt. Die Probleme des Zahlungsmittelumlaufs, der Währung, der Preissteigerung, der Sicherstellung der Löhne, der Fürsorge für die Beamten usw. wurden eingehend erörtert. Die vertraulichen Erklärungen des Ministers wirkten beruhigend. Der Minister sagte weitestgehende Berücksichtigung der wertvollen Anregungen zu, die sich aus der persönlichen Aussprache ergaben, und betonte die große Bedeutung eines ständigen unmittelbaren Kontaktes mit Vertretern des besetzten Gebietes. :: Teutscher Protest gegen die Gewalttaten im Auhrgebiet. Die Reichsregierung hat durch ihren Geschäftsträger in Brüssel einen energischen Protest gegen die Erschießung und Verletzung von Straßenbahnfahrgästen in Oberhausen durch belgische Soldaten, die das Fahrgeld verweigert hatten, abgeben lassen. Der deutsche Geschäftsträger in Paris überreichte einen ebensolchen Protest gegen die völlig grundlose Erschießzung des Schuldieners Haumann in Brechten und zegen eine Wirtshausschießerei in Bochum. Beide Bluttaten sind von französischen Soldaten begangen worden. In allen diesen Fällen sind Sühne und Entschädigung gefordert. :: Gegen die Rechtsbrüche der Rheinlandkommiswendet sich eine neue deutsche Protestnote, die ch die deutschen Vertreter in Paris, Brüssel, London und Rom übergeben worden ist. Die Note protestiert gegen die Errichtung fünf leitender Komitees seitens der Rheinlandkommission zwecks Verwaltung der beschlagnahmten Einnahmen. Die Komitees seien in Wahrheit eigene interalliierte Verwaltungsbehörden, die im Gegensatz zu dem Rheinlandabkommen unter Zerschneidung jeglichen Zusammenhangs mit den deutschen Zentralbehörden und unter Oberleitung der Interalliierten Rheinlandkommission die obersten Verwaltungsgeschäfte selbständig erledigen sollen. Ihre Einrichtung sowie die Massenausweisungen deutscher Beamten bedeuten den Anfang einer Lostrennung der Rheinlande vom übrigen Deutschland. Die Note protestiert ferner gegen den Ausbau des Ein= und Ausfuhrsystems sowie gegen die Verordnungen, die die Trennung der gesamten Kohlenwirtschaft, des besetzten Gebietes von der des übrigen Deutschland bezwecken. Die deutsche Regierung legt gegen diese Rechts= und Vertragsbrüche Verwahrung ein. : Einspruch gegen die französische Schulpolitik im Saargebiet. Die Reichsregierung hat an den Völkerbund eine Note gerichtet, in der sie gegen die vertragswidrigen Zustände auf dem Gebiet des Schulwesens im Saargebiet Einspruch erhebt. Sie verlangt die Wiederaufrichtung der früheren Grundlage auf dem Gebiet des Schulwesens, die Beschränkung des Besuches der französischen Schulen auf französische Kinder und die Beseitigung solcher französischer Schulen, die nicht Volks= oder technische Schulen sind. Tapsere Eisenbahner. — Duisburg, 6. Februar. Auf dem Bahnhof Friemersheim suchten französische Soldaten unter Führung eines Offiziers von den Eisenbahnern die Wiederherstellung eines unbrauchbar gemachten Stellwerkes zu erzwingen. Als diese sich weigerten, wurden einzelne von ihnen mit den Köpfen gegen die Weichenböcké gestoßen. Sie beharrten auch bei weiteren Mißhandlungen bei ihrer Ablehnung, da wurden sie an die Wand gestellt und mit Erschießen bedroht, sodann wurde der Stationsvorsteher mit dem auf die Brust gesetzten Revolver aufgefordert, den Befehlen der Franzosen Folge zu leisten oder sich erschießen zu lassen. Der Stationsvorsteher antwortete:„Ich bin ein deutscher Beamter, ihren Befehlen gehorche ich nicht, bitte erschießen Sie mich". Darauf zogen die Franzosen unverrichteter Dinge fort. Verschärfung der Kontrolle im Ruhrgebiet. — Essen, 6. Februar. Die Franzosen sperren jetzt auch die Durchfuhr von Nebenprodukten der Kohle, wie Benzin, Teer usw., ebenso ist die Durchfuhr von leeren Kohlenwagen gesperrt. Die Reparationskohle für Italien, ebenso wie die Vertragskohle für Holland und die Schweiz, werden nach wie vor zurückgehalten. Massenverhaftung von Telegraphenarbeitern. — Essen, 6. Februar. Die Franzosen haben den Bautruppführer Wiegard vom Essener Telegraphenamt nebst 13 Mann verhaftet. Die Verhafteten hatten Arbeiten an den Telegraphenleitungen der Eisenbahn ausgeführt.— Polizeiinspektor Reiffenrath und Polizeimajor Seeger in Herne sind verhaftet worden, weil sie dem Befehl der Franzosen, die französischen Offiziere zu grüßen, nicht Folge geleistet haben. Protest der Stinneszechen. — Essen, 6. Februar. Die Arbeitnehmer= und Angestelltenräte der Stinneszechen haben bei der Besatzungsbehörde gegen die Ausweisung des Prokuristen Westhelle Einspruch erhoben. Sie betrachten die gewaltsame Ausweisung als einen unberechtigten Eingriff in die Betriebsverhältnisse und erblicken darin eine Gefährdung für die weitere Entlohnung aller Arbeitnehmer des Betriebes. Sie fordern die sofortige Rückgängigmachung der Ausweisung. 24 stündiger Proteststreik. — Essen, 6. Februar. Als Protest gegen die Erschießung des Schuldieners Haumann in Brechten haben sämtliche Behörden und Werke in Brambauer für 24 Stunden die Arbeit niedergelegt. * Kardinal Prisco, der Erzbischof von Neapel, ist Alter von 87 Jahren gestorben. 100 Kohlenzüge gerettet. — Essen, 6. Februar. Seit dem 1. Februar, dem ersten Tage der Kohlensperre, sind von unseren Eisenbahnern noch 100 Kohlenzüge ins unbesetzte Gebiet abgefahren worden. Durch Aufreißen der Schienen haben die Franzosen die in Betracht kommenden Wege jetzt unfahrbar gemacht. Das Chaos im Ruhrgebiet. — Essen, 6. Febr. Das Wasserwerk in MülheimStyrum, welches außer der Bevölkerung 38 Zechen und viele Bahnhöfe allein versorgt, muß in kürzester Zeit den Betrieb einstellen, wenn es nicht umgehend mit Kohle beliefert wird. Bedrohung der deutschen Kaufleute. — Witten, 6. Februar. Da die Kaufmannschaft in Witten sich entschieden weigert, an Franzosen Waren zu verkaufen, hat der französische Kommandant dem deutschen Polizeichef in Witten offiziell mitgeteilt, daß Bürkners Liebe. Roman von Fr. Lehne. Es war doch recht traurig zu Hause. Das Esfen schmeckte den Dreien, die um den Tisch herumsaßen, gar nicht— die Mutter fehlte ihnen zu sehr. Wenn auch Edith und Thankmar sich manchmal nicht so recht mit ihr verstanden hatten und häufig anderer Ansicht gewesen waren, als sie, die alles von einem kleinlicheren, beschränkteren Standpunkt betrachtete, als ihre genial veranlagten Kinder, so hatte sie doch ein Herz voller Liebe und Güte gehabt und alle sorglich in ihre Mutterliebe gehüllt. Das mußten sie nun entbehren! Thankmar meinte es gar nicht aushalten zu können. Es drängte ihn fort, damit er sich in anstrengender Arbeit über den Verlust der Mutter, der wie ein schwebender Schatten in den Anfang seines neuen Lebens gefallen war, hinweg trösten konnte. Eines Abends las Edith in der Zeitung die Mitteilung, daß Anfang nächster Woche die Erstaufführung des Waldowschen Schauspiels„Charlotte Krondorf" stattfinden würde. Sie schob dem Bruder die Zeitung hin. „Hast du gelesen, Thankmar?" „Nein, das habe ich wirklich übersehen. Also kann ich es noch erleben, wie der schöne Lucian durchrasseln wird! Na, da hat er an Martha keine gnädige Herrin!" „Das ist auch meine Ansicht. Wie konnte er nur auf jenen Einfall kommen!" entgegnete Edith.„Aber er würde mir trotz alledem leid tun! Ich wünsche niemandem etwas Böses, weil ich nicht weiß, ob mir ncht ein noch größeres Unheil vor der Tür liegt." „Na, wir werden ja sehen. Abwarten und Tee trinken! Am liebsten sähe ich mir ja die Sache e an; aber wegen unseres guten Mütterchens kann ich das nicht!" meinte Thankmar. 12. habt Thankmar hatte mit seiner Prophezeihung recht geDas Schauspiel war vom Puolikum glatt abgelehnt worden, wenn auch die zahlreichen Freunde des Verfassers ihr Möglichstes taten, das Stück zu halten. Sämtliche Kritiken waren sich einig über den Unwert des Schauspiels; sie bedauerten das Mißgeschick des sonst so talentvollen, liebenswürdigen Künstlers u. gaben ihm den guten Rat, künftig keine Versuche mehr zu machen, auch noch Lorbeeren im Drama pflücken zu wollen. Lucian Waldow war tief unglücklich. Unwillkürlich mußte er an Ediths Worte denken, aus denen er damals zu seinem Aerger Zweifel an seiner Befähigung gehört hatte. Wie richtig war ihr Urteil gewesen: Seine Braut dagegen hatte ihn bewundert, angeseuert, und nur, um sich keine Blöße vor ihr zu geben, hatte er das Schauspiel schließlich vollendet, trotzdem er längst keine Lust mehr dazu gehabt. Denn die anfängliche Begeisterung war bald verflogen. Aber Martha hatte ihm keine Ruhe gelassen, er mußte seine Arbeit vollenden. Und am Abend der Erstaufführung thronte sie in höchster Eleganz mit ihren Eltern in einer Proceniumsloge, die Wangen vor Aufregung heiß und rot. Und nun mußte sie das erleben! Weinend vor Ingrimm und Zorn ging sie nach Hause. Lucian mußte noch mit heraufkommen, trotzdem er nicht in der Stimmung dazu war, sondern sich an der Gartenpforte verabschieden wollte. Sie fühlte sich blamiert, lächerlich gemacht vor ihren Bekannten, gegen die sie sich mit dem Schauspiel ihres Verlobten so hervorgetan. Alle Leute würden nun mit Fingern auf sie zeigen! Das alles schleuderte sie Lucian ins Gesicht, der Empfindungen nicht achtend, die ihn erfüllen mußten. Sie, nur sie kam in Betracht — sie und ihre gekränkte Eigenliebe. Sie dachte nicht daran, daß ihm nach seinem kläglichen Fiasko ein Wort des Trostes nötiger gewesen wäre, als ihre törichten Vorwürfe. Eine Weile ließ Lucian die Flut ihrer Vorwürfe still über sich ergehen. Er fühlte sich zu matt und abgespannt von all den Aufregungen und Enttäuschungen, als daß er Lust zu einer Auseinandersetzung gehabt hätte. Als aber seine zukünftigen Schwiegereltern auch noch anfingen,„daß er das doch hätte vorher wissen müssen," griff er nach seinem Hut. „Ich habe nit mehr Lust, deine Vorwürfe noch länger anzuhören, Martha! Deshalb gehe ich jetzt und hoffe, dich morgen abend nach dem Konzert in besserer Laune anzutreffen! Mich geht die Sache doch noch etwas mehr an, als dich. Gute Nacht!“ Ohne ihr die Hand zu geben, ging er fort und legte sich auch sogleich zu Bett. Er versuchte an nichts mehr zu denken,— unv bei seiner Veranlagung war er auch in der glücklichen Lage, bald einzuschlafen. Am anderen Tage nahm er keine Zeitung zur Hand. Er wollte sich die Kritiken ersparen, um sich die Stimmung für den Abend nicht zu verderben, an dem er ein schwieriges Violinkonzert von Vieuxtemps zu spielen hatte. Er übte fleißig, dachte gar nicht an seine Bramt und gab sich dem Zauber hin, den die Musik auf ihn ausübte. Für den Augenblick hatte er alles Mißgeschick vergessen, und leichten Herzens ging er, als es Zeit dazu war, mit seiner geliebten Violine dem Konzerthause entgegen. Heute sah er sich einem noch viel zahlreicherem Pubgegenüber, als gewöhnlich. Alle schienen wohl sehen zu wollen, was für ein Gesicht er nach dem gestrigen Abend machen würde. Ex lächelte etwas über die liebe Neugierde nor ihmbei einer weiteren Weigerung die Franzosen die Läder gewaltsam schließen würden. Franzosenterror in Baden. — Karlsruhe, 6. Februar. Im neubesetzten Gebiet des Brückenkopfes Kehl haben die Franzosen der Bevölkerung sehr drückende Lasten auferlegt. Aus ihrer geringen Beständen müssen die Landwirte Stroh und Heu an die Besetzungstruppen abliefern. Kartoffeln und andere Vorräte werden vielfach gewaltsam beschlagnahmt. Die sächsische Regierungswahl. — Dresden, 6. Febr. In der heutigen Landtagssitzung stand die Wahl des Ministerpräsidenten auf der Tagesordnung. Es entfielen auf Buck(Soz.) 38, Hoh. mann(Deutschn.) 19, Kaiser(Dtsch. Volksp.) 19, Seyferz (Demokrat) 8, und Böttcher(Kommunist) 10 Stimmen, Der Präsident stellte fest, daß eine endgültige Wahr nicht zustande gekommen sei, da auf keinen Kandidaten die Hälfte der abgegebenen Stimmen entfallen sei. Der zweite Wahlgang findet am 13. Februar statt. 50 000=Markscheine. — Berlin, 6. Februar. Um das Bedürfnis des Verkehrs nach Zahlungsmitteln zu befriedigen, wird die Reichsbank von morgen ab 50 000=Markscheine in großer Zahl ausgeben. Aus Stadt und Land. *Reisennfall des Reichskanzlers. Der Eilzug, deden Reichskanzler Dr. Cuno auf der Rückreise von seinei Informationsreise im Ruhrrevier nach Münster i. West. bringen sollte, hatte in der Gegend von Schwerte einen Unfall. Er stieß zwischen Hagen und Westhofen einem Güterzug in die Flanke. Reichskanzler Dr. Cuno, der sich im zweiten Wagen befand, blieb unverletzt. Auc sonst sind Personen nicht zu Schaden gekommen. Reichskanzler Dr. Cuno setzte mit einem Ersatzzuge seine Reise nach Münster fort. * Hochwasserschäden in Sachsen. Infolge der Info Schneeschmelze im Quellengebiet der Saale und Elbe und der reichlichen Niederschläge ist auch die Leipzig durchquerende Elster gestiegen und an verschiedenen Stellen über ihre Ufer getreten. Die Zugangsstraßen nach Hänichen, Skeuditz und Waren sind nicht mehr zu passieren. In den Niederungen, wo sich Ackerland befindet, das zum Teil besät ist, haben die Fluten die oberste Schicht in Höhe von 15 bis 20 Zentimeter fortgeschwemmt. Der entstandene Schaden ist unübersehbar. In Dresden sind große Straßenzüge längs der Elbe unter Wasser gesetzt. Das Wasser ist in die Kohlenlager eingedrungen. Manche Kohlenhändler erlitten beträchtlichen Schaden, zumal hie und da die Umplankungen dem Wasser nicht stand hielten.— Auf der Oberelbe ist das Wasser so gestiegen, daß die Schiffahrt oberhalb von Wittenberge bereits eingestellt werden mußte. Es besteht die Gefahr, daß die Schiffahrt von Hamburg ab in den allernächsten Tagen gleichfalls zum Erliegen kommt. Zwei Schüler beim Rudern ertrunken. In Magdeburg verunglückte durch Auffahren auf einen Gegenstand in der Nähe des Wehrs das Boot der Schülerriege des Rudervereins„Werder“. Zwei Schüler fanden trotz sofortiger Hilfe den Tod in den Fluten. *Pferdefleischvergiftungen auch in Hamburg. In drei Hamburger Familien sind acht Personen infolge von Pferdefleischvergiftungen so schwer erkrankt, daß man starrie ihn so eigen an— richtig sezierend: es wohl in ihm aussehen möge. Merkwürdigerweise erschien Martha mit ihren Eltern nicht; ihre gewohnten Plätze blieben leer. Auch gut— vielleicht sogar besser— dann wurde ihm wenigstens durch ihren Anblick die Laune nicht verdorben! Er fing an zu spielen; er hatte seine ganze Fassung und Kraft zusammengenommen. Und er spielte so, wie wohl noch nie zuvor. Als er geendet, wurde er mit Beifall überschüttet, so daß er sich zu einer Zugabe entschließen mußte. Er ließ die glänzenden Augen über das Publikum hinwegschweifen bis in die fernste Ecke des Saales— gleichsam, als suche er da etwas— einen goldlockigen Mädchenkopf mit märchendunklen Augen— dann setzte er den Bogen von neuem an und spielte ein Adagio, so weich und süß und klagend, daß noch lange, nachdem er geendet, atemlose Stille herrschte. Dann aber brach ein Sturm des Beifalles aus. Das Publikum klatschte, rief Bravo und wollte sich gar nicht beruhigen, bis er noch einmal anfing zu spielen. Er war heute in einer königlichen Geberlanne; stolz stand er in seiner männlichen Schönheit da, als er aufgehört. Der Beifall wollte kein Ende nehmen. Da lächelte er sein freundliches, gutes Lächeln, das ihn so unwiderstehlich machte. Er nickte gemütlich und sagte in seiner impulsiven Art: „Ich wollt' halt gut machen, was ich gestern abend verbrochen." Dieses Wort flog im Nu durch den ganzen Saal. Er wurde jubelnd umdrängt; die Leute aus den ersten Reihen kamen auf ihn zu und drückten ihm die Hände; Damen lösten Blumen von ihren Kleidern u. warfen sie ihm zu. So war er wohl noch nie geehrt worden— seine Augen feuchteten sich vor innerer Rührung. Ja, hier war er ein ganzer! Das fühlte er! Hier konnte er es mit den Größten aufnehmen. Nun wollte er nicht wieder von dem Wege abweichen, der so klar vor ihm lag. Wenn Edith das erlebt hätte— wie hätte sie sich gefreut, sein goldenes Mädele!— Zu ihr flogen in diesem Augenblick seine Gedanken voller Liebe und Sehnsucht, da seine Braut sich grollend zurückgezogen hielt, beleidigt, verletzt durch sein Mißgeschick! zolnisch coere in den wetters Obersch Wasser Laurah unter mit der lohegri Laurah massen konnten Manns triebsf von A zur Hi fahr fü Richter Wasser die Gr org=Gr Millia gelegt gele Die ül los ger 93 dem C. die De zösischgegen die be und B Kreise die La kenswe setzten n Gel des R Die in Entschl Auslär die ge eine 2 deutsch Studie wir di hinter tenvere schließt politik und 8 gesucht mehr ufer si auf de unter gelegen derzeit fohren * un Na haft d I daß si und 9 das gen L wunde von ste de bleiben 35 dehrai Sien sie fül siehe ßungs halb, zimmi X nicht dichn und k genjac schlief digen weshe Leute doch Das deinet deine Glau lich Bräu haft Als er nach Hause kam, lag ein Brief von Martha da, der mit der letzten Post gekommen war. Anfänglich wollte er ihn gar nicht lesen, um sich die weihevolle Stimmung nicht zu verderben; aber die Neugierde, zu wissen, was sie ihm wohl zu schreiben hatte, überwog doch, so daß er den Brief schließlich öffnete. Beim Lesen furchte sich seine Stirn, und er biß sich heftig auf die Lippen. „Warte, mein Püppchen, wenn du denkst, daß du mich tyrannisieren kannst, bist hu halt im Irrtum. Nog hatte stet z einig gleich anna re Läden n Gebiet der Beus ihrer troh und artoffeln tsam be= andtagsauf der 38, Hoff. „Seyferi Stimmen. ge Wahr ndidaten sei. Der fuis des n, wird heine in zug, des on seine i. West. te einen n einem uno, der t. Auc Reichsne Reise ge der no Elbe eipzig hiedenen sstraßen mehr zu ckerland uten die ter fortrsehbar. er Elbe lenlager beträchtgen dem ist das alb von beurg ab rrliegen t. Jn einen oot der Schüler Fluten. rg. 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Leider verloren Laurahüttengrube, die von den eindringenden Wassermassen überrascht wurden und sich nicht rechtzeitig retten konnten, ihr Leben, dagegen gelang es, alle Mannschaften rechtzeitig ausfahren zu lassen. triebsfeuerwehren der umliegenden von Arbeitern und mehrere Bionierabteilungen eitten zur Hilfe und versuchten in rastloser Arbeit die Durch bruchsstelle zu schließen. Die Hauptsorge war, die Gefahr für die benachbarten Gruben, insbesondere für die Richterschächte, abzuwehren, aber auch Wassermassen durch. Weiterhin sind die Max=Grube, die Gräfin=Laura=Grube, Eminenz=Grube und die Georg=Grube gefährdet. Der Schaden beläuft sich d Milliarden, oa die betroffenen Schächte auf Wochen stillgelegt sind. Der Wasserdurchbruch dauert noch an. Die über 4000 Mann zählende Belegschaft ist arveitslos geworden. * Neue Kundgebungen in Frankfurt a. M. Vor dem Carlton=Hotel und dem Franksurter Hof haben sich die Demonstrationen gegen die Anwesenheit der französisch=belgischen Kontrolloffiziere wiederholt. Eine gegen 2000 Köpfe starke Menge versuchte vergeblich, in die beiden Hotels einzudringen, um nach Franzosen und Belgiern zu fahnden. Opfersinn der Rheinländer. Mehrere altbesetzte Kreise des Regierungsbezirkes Düsseldorf, namentlich die Landkreise Geldern und Lennep, haben sich in dankenswerter Opferbereitschaft dem Vorgehen des unbesetzten Deutschland angeschlossen und freiwillige Gaben an Geld und Naturalien gesammelt, die der Bevölkerung des Ruhrgebietes zugeleitet werden sollen. *Ausländische Studeuten gegen die Ruhrbesetzung. Die in Marburg studierenden Ausländer haben folgende Entschließung gefaßt:„Wir in Marburg studierenden Ausländer erheben aufs schärffte Widerspruch gegen die gewalttätige Besetzung des Ruhrgebiets, weil nur eine Verschärfung der Not in weiten Schichten des deutschen Volkes, eine weitere Schwächung des europäischen Wirtschaftslebens und eine Vermehrung des Völkerhafses die Folge ist. Wir sind überzeugt, daß die Studierenden unserer eigenen Länder, wenn sie wie wir die deutschen Verhältnisse kennten, geschlossen hinter uns stehen würden.“— Der norwegische Studentenverein in Berlin hat mit großer Mehrheit eine Entschließung angenommen, in der die französische Gewaltpolitik im Ruhrgebiet mißbilligt wird. ** Die Hochwasserkatastrophe in Oesterreich. Die Wachau, das Tal der Donau halbwegs zwischen Linz und Wien, ist von einer Hochwasserkatastrophe heimgesucht worden, wie sie sich seit Jahrzehnten dort nicht mehr ereignet hat. Die Gemeinden beider Wachauufer sind überflutet, und stellenweise reicht das Wasser auf der Straße Marbach=Ibbs bis weit über Spitz hinunter bis zu den ersten Stockwerken der an den Ufern gelegenen Häuser. In manchen Ortschaften ist ein Verkehr nur mit Kähnen möglich. In Melk kann man derzeit mit dem Kahn beinahe bis auf den Kirchplatz fahren. Die Eisenbahn Krems— Grein ist unterbrochen. Kleine Nachrichten. * Von einem französischen Wachtposten in Mainz wurde ein Nachtwüchter auf einem Kontrollgange erschoffen. Bitte auszuschneiden! Bitte auszusehnelden Betstunden für die Feier des 40=stündigen Gebetes in der Pfarrkirche zu Steinhein. 71 10-11 11-47 12—1 1—2 2—3 3—4 4—5 5—6 6—7 N N. Sonntag, den 11. Februar. sr: Aussetzung des hlg. Sakramenis. Hl. Messe. Frühmesse. Kindermesse. Jde Magistras und Stadvererdnets. Gelilienderein, Jürglings= Sodalität, RektoraticalZetstunde für die armen Seelen, besonders für die gefallenen Krieger. Schulkinder. Mütterverein. Gemeinde Rolfzen. Jungfrauen=Congrgan Bürgerschützenverein und Kriegerverein. Allgemeine Betstunde. Betstunde beginnt mit dem Segensliebe. Nr. 4 6 Uhr 3 9 10—11 11—12 12—1 1—2 2—3 3—4 4—5 5—6 8—7 Die 6—7 Uhr: 7—8 Saktamenies. Rosenkranzveretn. armen Seslen, Nontag, den 12. : Aussetzung des hl. Hl. Messe. Frähmesse. Kindermesse. Hochamt. III. Orben K. Stille Anbetung. Beistunde für die Stille Anbetung. Mütterverein. Rektoratschule. Jungfrauen=Congregation. Schulkinder. Allgemeine Beistunde. den 13. Februar(wie am Moniag) Stille Anbetung. Letzte allgemeine Betstunde. Abbitte und Weihe au das hl. Herz Jesu. Vrozession durch die Kirche. Tedenm. und schließt mit dem Liede Nr. 272. tas. hast du mich nit fest!" Murmelte er. In kurzen kalten Worten teilte ihm Martha mit, daß sie nach den Kritiken, die heute in der Mittagsund Abendzeitung gestanden, nicht den Mut habe, in das Konzert zu kommen, um sich nicht einer nochmaligen Blamage auszusetzen. Er solle sich daher nicht wundern, wenn er sie nicht sehe; außerdem sei sie von den Aufregungen viel zu angegriffen. Er möge sie deshalb entschuldigen und werde ihr sicher ihr Fernbleiben nicht verdenken können. „Nein, wirklich nicht," dachte er ingrimmig. Früh schon am anderen Morgen ging er zu Hildebrandts. Martha, die ihn hatte kommen sehen, triumphierte. Sie wollte sich anfangs gar nicht sehen lassen, denn sie fühlte sich doch immer noch als die Beleidigte. Aber sie besann sich doch anders— sie mochte den Begrüßungskuß des Geliebten nicht entbehren und kam deshalb, in ein verführerisches Matinee gehüllt, ins Wohnzimmer. Bei seinem Anblick stutzte sie und tat, als wolle sie nicht eintreten. „Ah. du bist es, Lucian? So früh vermutete ich dich noch nicht! Verzeih, ich bin noch nicht angezogen“ und kokett faßte sie nach dem Halsausschnitt ihrer Morgenjacke. Er machte aber keine Anstalten, sie in die Arme zu schließen, wie sie im stillen gehofft hatte. Kalt sah'er sie an. „Ich wollte dir nur danken für deine liebenswürdigen Zeilen von gestern abend. Nun weiß ich halt, weshalb du nit im Konzert warst!“ „Nein, ich traute mich nicht," sagte sie trotzig,„die Leute hätten ja mit Fingern auf mich gezeigt." und ich? An mich dachtest du wohl nit, der ich doch schon wieder dem Publikum gegenüberstehen mußte? Das fiel dir nicht ein, mir Trost und Sicherheit durch deinen Anblick zu geben?" Sie zuckte die Achseln. gewohnt! Aber ich, die ich so viel von Stuck gesprochen und Reklame gemacht habe! du, mir wäre das angenehm gewesen? Förmlich Spietzru en hätte ich ja laufenmüssen, nachdem mein zerpflükt wurde von den Kritiken. Du haft sie doch gelesen und weißt unterbrach er sie trocken,„noch nit!" hattent wet Saft die Kritiken noch nicht gelesen? Du net e Furchts" fragte sie verwundert und entrüeinige 2nand auf und nahm von dem Schreibtisch inige Zeitungen, die sie vor ihn auf den Tisch warf. gleich leien wenn du Lust hast, kannst du sie dr geitene Blatter onne eine Spur von Erreauseinander, und Martha beobachtete ihn scharf. folgt.) Aus Stadt. Kreis und Prooinz. , 8. Februar. A Achtung!— Handelsspionage! Auf dem Postamte in Essen und in anderen Orten des besetzten Gebiets wird die Briefpost zum Zwecke der Handelsspionage durch das Personal der sogenannten Zensurstelle, das in Begleitung von Soldaten mit aufgepflanztem Seitengewehr tätig ist, gewaltsam den deutschen Postbeamten weggenommen. In gleicher Weise werden Briefposten, und zwar vorzugsweise solche aus oder nach Berlin und Hamburg unmittelbar an den Bahnpostwagen„beschlagnahmt“. Proteste sind bisher ergebnislos gewesen. Es kann daher nur nochmals äußerste Vorsicht im Briefwechsel mit dem besetzten Gebiet angeraten werden. A Das Ende des Notgeldes. Der Reichsminister der Finanzen hatte die Umlaufszeit des mit seiner Genehmigung ausgegebenen Notgeldes noch einmal bis zum 5. Februar verlängert. Bis zu diesem Tage ist alles Notgeld aufgerufen worden und muß nun binnen einer weiteren Frist von vier Wochen eingelöst werden. Diese Bestimmung erstreckt sich auch auf solche Notgeldbeträge, die erst nach dem 5. Dezember 1922 ausgegeben wurden, also am 5. Februar noch nicht zwei Monate im Umlauf find. sowie auf Scheine, denen ein früherer Verfalltag aufgedruckt ist. Mit dem 5. Februar dürfte neues Notgeld nicht mehr ausgegeben und an den Aussteller zurückgelangtes Notgeld nicht wieder in Umlauf gesetzt werden. Die Zentrumsversammlung am letzten Sonn= tag, die zugleich als Protestversammlung gegen die widerrechtliche Besetzung des Ruhrgebietes gelten sollte, war überaus stark besucht. Der Redner, Herr Pfarrer Dr. Gott= hardt gab in zweiständiger Rede ein Bild der wirtschaftlichpolitischen Lage Deutschlands, indem er an der Hand der geschichtlichen Tatsachen, deren neueste Veröffentlichungen mit großer Sachkenntnis verwertet wurden, die verfehlte Diplomatie der deutschen Kanzler von Caprivi=Hohenlohe bis Beihmann=Holweg als Hauptursache für den verlorenen Krieg und unsere jetzige ksolierte Stellung in der Welt darlegte. Durch die verfehlte Diplomatie der letzten Jahrzehnte ist im Ausland unsere Sympathie und das Vertrauen zu uns er= schüttert, Krieg und Revolution haben unsere wirtschaftliche Stellung erschüttert und uns in schwere innerpolitische Kämpfe gestürzt. Diese innere und äußere Schwäche nutzt der Erbfeind aus, Deutschland erst wirtschaftlich, dann politisch zu vernichten. Ein Streifzug in die Geschichte der Jahrhunderte seit Karl dem Großen zeigt, daß die gallische Rasse von jeher dem germanischen Volke feindlich gesinnt war; nach dem Urteile der Ge= schichte gibt es auf die Dauer keinen friedlichen Ausgleich der Interessen der beiden Völker.— Was uns heute nottut, ist völlige Geschlossenheit und Einigkeit aller Parteien, eisenstarker Wille zur Abwehr des schmachvollen Unrechts, Stützung der jetzigen Staalspolitik, unentwegter Arbeits= und Opferwille des ganzen Volkes, verbunden mit der sittlich=religiösen Wiedergeburt unseres Volkes, wie es die Geschichte vor hundert Jahren zeigt.— Der Redner verstand es durch seine tiefgründigen, geistreichen und sprachgewandten Ausführungen die Versammlung in atemloser Spannung zu halten und am Schlusse seiner glänzenden Rede mit sich fortzureißen zu dem sesten Entschlusfe. in treuer Pflichterfüllung, und treudeutscher Gesinnung auszu= halten, bis der Feind vom deutschen Boden gewichen ist und unzer Vaterland innerlich und äußerlich wieder einig und frei dasteht. Dies zeigte sich in dem einmütigen begeisterten Bei= sall aller Versammelten. Von einer Formulierung des Protestes wurde wegen der vorgerückten Stunde abgesehen, da der ganze Verlauf der Versammlung sich zu einem lebendigen und wirkungsvollen Protest gegen die gallische Schmach gestaltete. Der Vorsitzende schloß die Versammlung mit einem dringenden Appel an die Zeutrumsmitglieder, treu zur Partei zu stehen und den Opfergeist auch bei der Entrichtung der Parteibeiträge in den nächsten Zeiten zu bewähren. *— Neue wirtschaftliche Erschütterungen hat die Besetzung des Nuhrreviers unserem Vaierlande gebracht. Der ra= sende Sturz der Mark binnen wenigen Tagen hat eine geradezu unglaubliche Teuerung in allen Bedarfsartikeln des täglichen Lebens zur Folge gehabt. Offen bleibt die Frage, ob bei dieser, jeder Beschreibung spoitenden Markentwertung tatsächlich nur die durch die Augenblickslage bedingten volkswirtschaftlichen Notwendigkeiten mitgespielt haben, oder ob nicht auch in diesem Falle wieder verborgene unlautere Kräfte am Werke waren, um am Niedergange unseres Vaterlandes persönlich noch so rasch so viel als möglich zu verdienen. Auf alle Fälle muß es zur dringendsten Forderung des Tages erhoben werden, daß die Regierung unverzüglich zu Mitteln schreitet, um der wilden Pörsenspekulation zu Leibe zu gehen und den Devisenhandel auf jenes nowwendige Maß zu beschränken, das im Interesse der zegen. Erhaltung unseres Wirtsschaftslebens unumgänglich nötig ist. Wir sind seit 10 Jahren mit Kriegs= n. Reparationsgewinnlern hinreichend gesegnet worden. Sollen nun auch noch die Be= satzungsgewinnler dazukommen? Essen, 5. Februar. Heute nachmittag ist in Effen der erste von der Soefter und Unterbörder Bauernschaft gestiftete Lebensmitteltransport für die Ruhrbevöikerung eingetroffen. Die nur 1400 Seelen zählenden Gemeinden Bahnhof Welder, Mey=rich, Kirch=Welver, Recklingsen, Klotingen, Fiercke und Nateln haben insgesamt aufgebracht: 208,1 Zeutner: Getreide, 110,5 Zentner Kartoffeln, 26 Pfund Speck, 20 Pfund Margarine, 1 Schwein und einen Geldbetrag in Höhe von 2 850.000 Mk., der zum Einkauf von Lebensmitteln verwendet worden ist. Zwei Mühlen haben das Getreide umsonst gemahlen. *— Bochum, 5. Februar. Großes Aufsehen hat hier die Verhaftung und Ausweisung des Oberstwachtmeister Bethge, des Komandanten der Bochumer Schutzpolizei erregt. Bethge, der seit 3 Tagen verheiratet ist, wurde unsanft am Montagmorgen aus Morpheus Armen geweckt durch eine plötzlich in sein Schlafzimmer eindringende französische Patrouille, die ihn zwang, sich sofort in Gegenwart seiner Frau anzuziehen und zum Ab= transport im Auto zu folgen. Tags vorher war dem Beihge, der vor zwei Tagen bereits verhaftet, versichert worden, daß gegen ihn nichts vorläge und eine Ausweisung nicht zu erwar= ten sein. Sport und X Ozeauflug deutscher Flugzenge. Vor einigen Tagen haben zwei Junkers=Wasserverkehrsflngzeuge vor San Domingo auf Cuba einen ununterbrochenen Flug über das Caraibische Meer nach La Guayra, den Hafen von Caracas, der Hauptstadt Venezuelas, durchgeführt. Sie haben die 500 Seemeilen, gleich 900 Kilometer weite Strecke über den Ozean in acht Stunden zurückgelegt. Für den Verkehr des südamerikanischen Festlandes mit der im Welthandel bedeutsamen Inselgruppe der Großen Antillen wird dieser Ozeanflug ganz besondere Beachtung finden. Nur nicht so Augenblicklich bewegt sich das Tagesgespräch vieler Leute um die Frage, ob es zweckmäßig sei, die Summe der riefigen Spenden für die Ruhrbevöllerung zu veröffentlichen. Die Kleinmütigen sind der Ansicht, das ginge nicht, weil dann Frankreich sagen könnte: „Seht Ihr, wieviel Geld noch in Deutschland steckt, es hat nur aus Böswilligkeit nicht erfüllt.“ Solche Ansichten beruhen auf einer gänzlichen Verkennung der politischen Lage. Weder von neutralen Staaten, noch von England, noch von Amerika haben wir Hilfe zu erwarten. Wenn diese Staaten uns wirklich helfen wollten, so täten sie es aus eigenem Interesse, und wenn im eigenen Interesse ihnen ein Eintreten für Deutschland nütztich erscheint, so helfen sie uns auch, wenn wir Milliarden für die bevölkerung aufbringen. Diese politische Binsenweisheit ist allerdings in Deutschland immer verkannt worden. Man schließt von der„Mentalität“(ein mann=Ausdruck) des eigenen Volkes auf die der anderen und vergißt, daß die Politik der anderer nur von reinen Interessen=Fragen bestimmt wird. Wenn Frankreich diese Zahlen erfährt, wird ihm das ein Reweis sein, daß es in ein Wespennest gestochen het. Redensarten, wie Frankreich könnte damit unsere„frühere Böswilligkeit“ beweisen, nützen Poincaré weder etwas, noch sind sie überhaupt für die Polint anderer Staaten von Einfluß. Solche Redensurter sind ebenso, wie die Kriegsschuldlüge und das Gerede vom Wilsonfrieden, nur darauf gemünzt, Zweifel in das deutsche Volk zu tragen und dadurch seine Widerstandskraft zu schwächen. Das werden die äußeren Feinde diesmal allerdings nicht erreichen, im Gegenteil, die Veröffentlichung der Summen über die ungeheuren Lebensmittelspenden der Landwirtschaft und die Geldgaben der Bevölkerung wird den Ruhrkämpfern wie überhaupt dem ganzen deutschen Volk nur ein neuer Ansporn zum Durchhalten sein. Diese Wirkung ist weit höher einzuschätzen, als olle Propagandamöglichkeiten für Frankreich, denn wir stehen zurzeit im Kampf mit einem Feind, und das is Bekauntmachung! Die vom Magistrat unter dem 4. 12. 1922 erlassene Ordnung für die Erhebung einer Vergnügungssteuer in Steinheim ilt von den zuständigen Behörden genehmigt worden. Die Ordnung kann im hiesigen Magistrat eingesehen werden und tritt mit dem heutigen Tage in Kraft. Stelnheim, den 3. Februar 1923. Der Bürgermehter: Sterp. Nach Gottes heiligem Willen verschied heute abend 7 Uhr mein liebes Söhnchen und unser gutes Brüderchen Carl-Rochus im zarten Alter von 1½ Jahren. Dieses zeigt tiefbetrübt an: Frau Clemens Lohre Elisabeth, geb. Sondermann. Steinheim, den 5. Februar 1923 Die Beerdigung findet Donnerstag nachmittag um 4 Uhr statt. Bekanntmachung! Infolge weiterer Erhöhung der Gestehungs= und Herstellungskosten wird die Anordnung über die Regelung des Verkehrs mit Mehl und Backwaren vom 14. August 1922, einschließlich der Nachtrags vom 12. und 25. Oktober sowie vom 29. November 1922 und 10. Januar 1923 wie nachstehend geändert: Die Höchstpreise für Mehl, Brot und Backwaren werden wie folgt festgesetzt: a) Roggenschrotmehl kostet bei Lieferung vom Müller an den Bäcker 33 000 Mk. für den Doppelzentner, im Kleinhandel vom Bäcker an den Verbraucher 180.00 Mark für ½ kg b) Weizenmehl kostet bei Lieferung vom Müller an den Bäcker 35 500 Mark für den Doppelzentner, im Kleinhandel vom Bäcker an den Verbraucher 190.00 Mk. für ½ kg Dementsprechend kostet: Roggenschrotbrot mit 10 Proz. Weizenmehlzusatz c) Ein Brot von 3400 gr. Gewicht 1140.— Mark „„ 1700„„ 570.00„ Diese Bestimmung tritt am 11. Februar 1923 in Kraft. Brot, welches auf Brotmarke Nr. 59 abgegeben wird, ist baher mit den neuen Preisen zu bezahlen. Hörter, den 6. Februar 1923. Namens des Kreisausschusses: Der Vorsitzende: Frhr. Droste, Landrat. Bekanntmachung! Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung vom 1. dss. Mis. betr die Schweinepest im hiesigen Stadtbezirke wird weiter angeordnet, daß sämtliche von außen in die Stadt eingeführte Ferkel bis auf Weiteres tierärztlich untersucht werden müssen. Die Polizeiverwaltung: Starp. Geflügelzuchtverein Steinheim und Umgegend. Heute, Donnerstag Abend 8 Uhr, findet im Gasthof Kleine eine General-Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Mitgliederbewegung. 2 Kassenlage und Geschäftsbericht. 3. Vorstandswahl. 5. Vortrag. 6. Verschiedenes. Alle Mitglieder werden gebeten, zu dieser Versammlung zu erscheinen. Der Vorsitzende. Ankauf von Gold Silber, Platin(Bruch) (Gegenstände wie Ketten, Ringe, Trauringe, Broschen, Bestecke Uhrgehäuse, Gebisse, Brennstifte usw) zum höchsten Tageskurs. Heinr. Düwel, Uhrmacher. Marktstrasse———— Ecke Neuestr. F. Gttomeyer. Maschinenfabrik Steinheim i. Westf. Gegr. 1862. Gegr. 1862 Vertretung der Firma Hr. Lanz, Mannheim Lager in neuen und gebrauchten Lokomobilen, Dreschmaschinen, Motordreschmaschinen und Strohpressen Landwirtschaftliche Maschinen aller Art: Män= und Drillmaschinen, Düngerstreuer Göpel=, Häcksel=, Kartoffellerntemaschinen. Reparaturwerkstatt für Dreschmaschinen, Lokomobilen 2c Reichhaltiges Reserveteillager Todes-Anzeige! Da bei den heutigen, bis ins unerschwingliche gestiegenen Schuh- u." Lederpreisen unsere Existenzmöglichkeit sehr in Frage gestellt ist. bitten wir unsere werte Kundschaft, alle Schuhwaren sowie auch Reparaturen sofort zu bezahlen. Bei Zahlungen, die spätestens nuch 10 Tagen nicht erfolgtsind. sehen wir uns gezwungen, wegen der fortschreitenden enormen Geldentwertung die Tagespreise in Anrechnung.zu bringen. Schuhmacher-Zwangsinnung Steinheim i. Westf. Achtung! Achtung! Zahle von jetzt ab erhöhte Preise für Lumpen. Knochen. Papier. Elsen sowie sämtliche Metalle. Heinr. Ludolph sen, im Orte. Diese Woche frisch gebrannten Bohnenkaffee, ff. Malzkaffee empfiehlt; Ferd. Hillebrand. sofort oder Ostera suche ich für den Verkauf ein Lehrmädchen oder Lehrling. S. Emmerich Wwe. und Manufaktürwaren. 1—2 Fuder Dünger gegen etwas Stroh abzugeben. Julius Emmerich. — Berlin, den 6. Februar 1923. Am Devisenmarkt auf der Berliner Börse trat heute wieder einmal eine geringe Abschwächung ein, die mehr in dem Verhalten der berufsmäßigen Spekulation ihre Gründe hat. Der Dollar ging im freien Handel von 41 000 auf 37 000 zurück und stieg dann wieder auf 39 000 an. Die Entwickelung der übrgen Devisen war entsprechend. Für den Effektenverkehr war die Börse heute geschlossen. Im freien Verkehr war die Tendenz fest, man hörte fast nur steigende Kurse. Dagegen übte die Abschwächung am Devisenmarkt Einfluß auf die Tendenz der heutigen Produktenbörse aus, die in stiller Haltung verkehrte. Zwar blieb das Angebot sehr gering, doch zeigte auch der Handel große Zurückhaltung und ging nur vorsichtig an neue Engagements heran. Der Stand der Mark. Wenn wir nachgeben! Wenn wir nachgeben, werden wir England sofort auf der Seite Frankreichs sehen. Es wird dann die nationale Unzuverlässigkeit Deutschlands erkannt haben und versuchen, sich mit Frankreich in den Raub teilen. Frankreich erhält eine Erholungspause und wird seine Machtstellung im Ruhrgebiet ausbauen, wird im Verein mit England Deutschland zwingen, neue unmögliche Forderungen anzunehmen, und, sobald Deutsch land wieder vor der Unmöglichkeit der Erfüllung steht, wird der französische Chauvinismus zu neuen Schlägen ausholen. Dann wird aber auch die kleine Entente sich nicht mehr abwartend verhalten. Polen wird sich die Oder bis Stettin holen und die Tschechoslowaken werden wir eines Tages in Dresden wiedersehen. Die Bevölkerung Deutschlands wird dann nicht mehr zu einer Widerstandsbewegung fähig sein, weil sie den Glauben daran verloren haben muß, daß Deutschland jemals fest bleibt, daß es überhaupt lebensfähig ist, Dann wird es keine freien Arbeiter mehr geben, keine Gewerkschaft, keine Lohnforderungen. Französische Militärbefehlshaber werden als Fronvogte über Deutschland verteilt; sie treiben alles, was arbeiten kann, in die Bergwerke und Betriebe, was nicht mehr arbeiten kann, werden sie verhungern lassen. Zu essen wird der Deutsche nur so viel bekommen, daß er gerade noch arbeiten kann, mehr nicht. Das selbständige Unternehmertum wird aufhören, geistige Arbeiter werden als „unproduktive Kräfte" entweder zur Arbeit in den Bergwerken oder zum Verhungern verurteilt und dann hat der deutsche Gedanke in der Welt ausgespielt. Gibt es in Deutschland noch Narren, die glauben, daß Frankreich, wenn wir ihm durch unser Versagen die Macht in die Hände spielen würden, uns besser behandeln wird als die Eingeborenen seiner afrikanischen Kolonien? Wenn wir wissen wollen, wie es uns ergehen wird, wenn wir nachgeben, so brauchen wir nur die Berichte über die Verwaltung französischer Kolonien und die Behandlung der dortigen Eingeborenen zu lesen. Diesem Schicksal wollen und müssen wir entgehen und der Kampf wird lange währen und furchtbar schwer sein aber er wird nicht so schwer sein, wie das Schicksal das uns trifft, wenn wir diesen Kampf nicht bestehen. So vielversprechend der Auftakt der vom Reichs=Landbund hervorgerufenen Lebensmittelspenden der deutschen Landwirtschaft auch ist, so muß doch immer wieder betont werden, und das müssen sich auch alle anderen Bevölkerungskreise sagen, daß dieser Einheitswille der deutschen Volkes noch Monate anhalten muß und daß er nicht nachlassen darf, bevor das Ziel erreicht ist 3 Handel und Gewerbe im Jannar. Die wirtschaftlichen Folgen des gewaltsamen Einmarsches der Franzosen und Belgier in das Ruhrgebiet und ihrer widerrechtlichen Maßnahmen in diesem und im besetzten Gebiet des Rheinlandes lassen sich noch nicht übersehen. Abgesehen von dem Sturz der Mark, dem eine erhebliche Entwertung des Franken folgte, hat nach den Berichten der preußischen Handelskammern der Einbruch das wirtschaftliche Leben im Januar nicht in erheblichem Umfange gestört. Im besetzten Gebiet nahm die Erzeugung der Werke der Großindustrie ihren Fortgang; der Versand erlitt durch die Eingriffe der Besatzungstruppen in das Eisenbahnwesen einige Beeinträchtigung. Im unbesetzten Deutschland ergab sich durch das Aufhören der Reparationslieferungen für Frankreich und Belgien eine reichlichere Koks= und Kohlenzufuhr. Im übrigen vermehren sich die Anzeichen einer Verschlechterung der Wirtschaftslage, die sich seit November vorbereitet, was in einem größer werdenden Angebot ungelernter Arbeitskräfte, besonders im Bergbau, seinen Ausdruck fand. Die sprunghafte Steigerung des Dollars von 8000 auf fast 50 000 Mark hatte, obwohl sie sich in den Inlandspreisen noch nicht voll ausgewirkt hat, eine gewaltige Steigerung der Preise zur Folge. 9 Wochenbericht der Preisberichtsstelle des Teutschen Landwirtschaftsrates. Der diesmalige Getreideverkehr stand während der ersten Hälfte der Berichtswoche noch vollständig unter dem Zeichen der sich immer erschreckender entwickelnden Entwertung unserer Mark, und es war kein Wunder„daß sich infolgedessen die Verkäufer mit ihrer Ware nicht an den Markt drängten. Am höchsten dies maligen Preistage, am 31. Januar, stellte sich der Einstandspreis des fremden Weizens auf ca. 125 000 Mark pro Zentner„während in Berlin der gleichzeitige Weizenkurs 69 000 Mark betrug. Zum Schluß der Woche, am 3. Februar, war der Preis des fremdländischen Weizens in der Tifforderung unverändert geblieben, dafür der holländische Bulden aber auf 14 600 Mark gefallen, und damit kalkulierte sich der fremde Weizen auf rund 94 000 Mark, während die Berliner Notiz ca. 61 000 Mark war. Somit war der Unterschied zwischen der Marknotiz der inländischen Ware und dem Einstandskurse der ausländischen von 56 000 auf 33 000 pro Zentner gefallen. Vorläufig ist somit unser Bedarf auch weiter auf das inländische Weizenmaterial angewiesen. Für Roggen ist zwar anscheinend die R. G. in dieser Woche nicht weiter Käufer gewesen, jedoch haben die Händler teils wohl noch in Deckung auf frühere Angaben, teils in Vorbereitung zur Befriedigung bevorstehender Ansprüche der R. G. fast täglich am Markt Roggen gerauft. Gerste blieb in Brauware wenig am Markt und wurde vermehrt für die Graupenmüllerei erworben. Ziemlich regelmäßig bleibt an den Nordseshäfen das Geschäft in Donaugerste, die zum größeren Teil nach Dänemark, zu anderem für die holsteinischen Mästereien bestimmt zu sein scheint. Der Konsum von Hafer ist, soweit es seine Verfütterung betrifft, ganz bedeutend zurückgegangen, dafür stellt aber die Haferflockenfabrikation dauernde Ansprüche und nimmt einen ungewöhnlich großen Teil der deutschen Ernte in Anspruch. + Lohnerhöhung im Ruhrbergbau. Bei den Tartverhandlungen zwischen den Zechenvertretern und den Arbeitnehmerorganisationen im Ruhrbergbau wurde vereinbart, daß die Mitte Januar vereinbarten Februarlöhne der Bergarbeiter um 80 Prozent erhöht werden sollen. In der Erhöhung ist eine Abwehrzulage zur Abwälzung der zurzeit im Ruhrgebiet herrschenden besonderen Teuerungsverhältnisse in Höhe von durch schnittlich 1600 Mark pro Schicht enthalten. Die 80prozentige Erhöhung der Löhne bringt eine ent sprechende Kohlenpreissteigerung mit sich. † 9 Milliarden für Rotleidende. Angesichts der durch den Einbruch der Franzosen außerordentlich verschärften Notlage weiter Volkskreise hat die Reichs regierung neue Mittel für die Fürforge für die not leidenden Bevölkerungskreise, und zwar zwei Milliarder Mark für die Kriegsbeschädigten= und Kriegshinter bliebenenfürsorge, zwei Milliarden Mark für die Sozialrentnerfürsorge und fünf Milliarden Mark für die Kleinrentnerfürsorge zur Verfügung gestellt. Im wesentlichen sind die Mittel soeben den Hauptfürsorge stellen und den Landesregierungen überwiesen worden.