4. Samstag d. 14. Septmbr. 1839. Kreigpr. Wöchentliches Organ für Belehrung, Gemeinnutzigkeit und Veröffentlig Mit Königl. Preuß. allergnädigster Concession. Ist es gut, die Felder auf einmal recht stark und seltner, oder ist es besser, jedesmal mäßig und öfter zu düngen? (Eingesandt.) So wie bei der Landwirthschaft überhaupt keine Norm angenommen werden kann, welche hinsichtlich der Feldbestellung, dessen Arten=Eintheilung und Düngung auf alle Wirthschaften paßte, indem sehr viel von der Beschaffenheit des Bodens, dessen klimatischer Lage, auch sogar von den häuslichen Verhältnissen, den Vermögensumständen und Hülfsquellen, sich Waldstreu und andern künstlichen Dünger ohne zu hohen Aufwand herbeischaffen zu können, abhängt; so ist es nun auch bei Beantwortung obenstehender Fragen. Nach meiner Ansicht kann es bei kalt liegendem Boden, welcher größtentheils aus Thon bestehet, gewiß von Nutzen sein, wenn man auf einmal stark und seltner düngt, indem dieser Boden durch den eingeackerten starken Dünger und die dadurch bewirkte Gährung mürber und ertragsfähiger gemacht wird, der Dünger darin nicht so schnell ankommt und länger und gleichmäßiger wirkt, so daß man bei sachgemäßem Fruchtwechsel mehrere Jahre hintereinander schöne gleichmäßige Früchte bauen kann, wenn vorzüglich zwischen den Halmfrüchten immer einmal Klee und Hülsenfrüchte, durch welche der Boden wieder locker gemacht wird, zu stehen kommen, und auf diese vielleicht einmal Kalk mit aufgestreuet selbiger in gedachtem Boden immer“ Jn dem wärmern und bessern Bo= unbedingt vortheilhafter sein, den Fel oder wenigstens vier Jahre, eine mä gung zu geben; denn wenn man in welchem der Dünger schneller ankommt, wirkt und folglich nicht so lange aushält, n starker Dungung 6 bis 7 Früchte ziehen w. den sich die ersten darauf erzeugten Halmf und die in den letzten Jahren darauf erbauten ger ausfallen, welches beides eigentlich doch nur S den herbeiführen könnte. In Belgien und Elsaß, woselbst eine hohe Ackerenktur herrscht, werden die Felder, nach Angabe mehrerer ökonomischen Schriftsteller, häufig alle zwei Jahre ge= düngt. Wie übrigens bei jeder Sache Ausnahmen Statt finden, so ist es auch hier; denn wenn man Runkelrüben, Kohlrüben und dergl. Früchte, welche viele Arbeit brauchen, bauen will, so ist es in den mehresten Fällen vortheilhafter, etwas weniger Feld dazu zu verwenden und stärker zu düngen, da es bekannt ist, daß der Er= trag durch stärkere Düngung um; erhöhet werden kann, dabei auch viel Arbeit erspart wird und wohl selten zu befürchten ist, daß man darnach sich lagernde Halm= früchte erbauen wird. Eben so ist es mit dem Raps= und Rübsamenbau; denn wenn man mit dem Düngervorrath so weit gelangt ist, dergl. Oelfrüchte mit Vortheil zu bauen, so ist es wohl allemal besser, dazu eine starke Düngung zu verwenden; denn an ein schädliches Lagern der Oelfrüchte ist nicht zu denken, und der Ertrag ist mit einer starken Düngung im Verhältniß zu einer mäßigen sehr leicht um; zu erhöhen, auch wird selten der Nachtheil eintreten, daß sich die darnach erbauten Halmfrüchte zum großen Schaden lagern werden. L. J. G. W. Aufrage und Bemerkung. Warum existirt in Warburg noch kein Wochen= martt, während es doch in den meisten Städten von gleicher Größe und Einwohnerzahl der Fall ist?— Stellt sich die Zweckmäßigkeit eines solchen nicht klar genug heraus?— Es wird gewunscht, daß diese Frage von Sach verständigen beantwortet und überhaupt diesem Ge= genstande mehr Aufmerksamkeit gewidmet werde, wozu das W. Kröbl. nicht ungeeignet erscheinen dürfte. Denn abgesehen von der Bequemlichkeit für viele Familien sowohl, wie für Einzelne, denen die Erzeugung ihrer un= entbebrlichen Bedürfnisse nicht immer möglich ist,— lieatees auf der Hand, wie vortheilhaft, besonders in gewerblicher Hinsicht, es sein müßte, wenn durch eine derartige Einrichtung ein lebhafter Verkehr zwischen Fremde und Einheimische hergestellt würde. Einer fur Viele. Der Wallache Wlad, genannt der Die Geschichte hat viele Ungeheuer aufzuweisen, doch wenige, welche es in solch entsetzlichem Grade gewesen wären, wie der Wallache Wlad, den die Wallachen, deren Woiwode er war, insgemein nur den Teufel oder Henker, die Türken aber nicht anders, als Pfahl Woiwode nannten. Mohamed II., dieser gewaltige Eroberer und Zer= störer des Byzantinischen Kaiserreichs( 1481) hatte den Wlad, dessen teuflische Eigenschaften jenem Tyrannen bekannt waren zum Statthalter in der Wallachei ernannt, und dadurch das unterjochte Volk einem rasenden, nie ermüdenden Henker Preis gegeben. Nur Morden war seine Lust und seine Augenweide; das Aechzen und Wimmern der erwählten Opfer der einzige Ton, der wohltönend diesem Ungeheuer klang. Der Raum vor dem Saale, wo er am liebsten speiste, war dicht mit Pfählen besetzt, auf welchen angespießt in namenlosen Schmerzen zuckende und wimmernde Türken oder Wallachen ihren Todeskampf kämpften. Das bloße Tödten war ihm nicht genug; er ließ den Unglücklichen die Haut von den Füßen ablösen, die entblößten Nerven mit Salz einreiben und dann Ziegen daran lecken. Es ist bekannt, daß die Türken den Turban nie abnehmen, Wlad verlangte aber, daß sie ihn durch Abnehmung der Kopfbedeckung grüßen sollten und ließ diejenigen, die es nicht thaten, den Turban mit drei langen Nägeln auf dem Kopfe festnageln, damit derselbe der Sitte ihrer Väter gemäß recht fest sitzen, gewiß nicht herunter fallen moge. Man glaubt, die Fabel vom Bischof Hatto und dem Mäusethurm stehe allein da, dem ist jedoch keineswegs so. Wlad ließ einmal alle Bettler seines Landes zusammenbitten und aufgreifen, sperrte sie in ein weitläuftiges Gebäude, dessen Fenster vergittert waren, und ließ sie daselbst auf das köstlichste bewirthen. Als alle sich nun in einem sehr lustigen Zustande befanden, des Weines und anderer berauschender Getränke voll, so befahl er Feuer an das Haus zu legen, um alle, die darinnen waren, zu verbrennen; er aber befand sich in einem Hause der Nachbarschaft, von wo aus er zusehen konnte, welche Wirkung der furchtbare Brand auf die Unglücklichen, Verzweifelnden, hervorbringen würde. Er erfand eine eigne Maschine, um Menschen gleich Kraut oder Gemüse zu zerhacken; so zerkleinertes Fleisch wurde dann gesotten anderen Gefangenen vorgesetzt, und oft zwang er die Kinder das Fleisch ihrer Mütter zu verzehren. Nicht etwa Verbrechen zogen den Tod nach sich; ein bloßer Einfall des Tyrannen war genug, um denselben herbei zu rufen. Einst begegnete er einem Mönche, welcher auf einem Esel saß, da sagte er zu sei= nen Begleitern: Ich habe noch nie einen Esel gepfählt enem Tyran= er Wallachei einem rasen1. Augenweide; n Opfer der jeheuer klang. jebsten speiste, angespießt in nernde Türken n. enug; er ließ n ablósen, die dann Ziegen ken den Tur= „daß sie ihn en sollten und irban mit drei damit derselbe en gewiß nicht Hatto und dem och keineswegs Landes zusam= ein weitläuftiaren, und ließ Als alle sich nden, des Wei= voll, so befahl e, die darinnen sich in einem zusehen konnte, uf die Unglück= irde. Menschen gleich leinertes Fleisch i vorgesetzt, und hrer Mütter zu den Tod nach war genug, um egnete er einem sagte er zu sei= n Esel gepfählt II. 15 gesehen, pfählt mir diesen, aber mit sammt dem Manne, und alsbald wurde der schauderhafte Befehl ausgeführt. Ein Priester hatte gepredigt, daß es eine Sünde sei, sich fremdes Gut anzueignen, am folgenden Tage wurde er bei Wlad zu Tische geladen, und als dort der Priester sich ein Stück von dem Brode nahm, welches der Woiwode für sich abgeschnitten hatte, wurde er auf der Stelle gespießt. Dieses Alles sind jedoch Kleinigkeiten; seine Hauptleidenschaft bestand im Spießen in Massen. So ließ er 400 junge Leute aus Ungarn und Siebenbürgen, welche in die Wallachei gesandt waren, um die Sprache zu lernen, alle mit einander spießen. Dasselbe geschah mit 600 Kaufleuten, aus dem Bunzenlande, welche auf dem Markte gepfählt wurden. 500 wallachische Voigte hatten dasselbe Schicksal, weil sie ihm nicht richtige Auskunft über die Bevölkerung ihrer Distrikte geben konnten. Mohamed wollte den Pfahlwüthrich seines Amtes entsetzen, nicht sowohl seiner Grausamkeit wegen, denn daran fand der Sultan Wohlgefallen, sondern weil er Gesandte an Matthias Corvinus geschickt, und sich geweigert hatte, der Pforte Tribut zu zahlen, wie er versprochen; Mohamed beabsichtigte nun die Wallachei dem Stadul, Bruder des Wlad zu geben, welcher schon als Knabe erklärter Liebling Mahomeds gewesen war. Bevor Letzterer sich entschloß mit einem Heere den grausamen und übermüthigen Woiwoden anzugreifen, schickte er seinen Statthalter des Pelopones, HamsaPascha, zu demselben. Letzterer lud den Wlad zu einer Unterredung ein, wo der Plan zu Grunde lag sich seiner zu bemächtigen. Allein die Sache wurde verrathen, und Hamsa=Pascha, dessen Schreiber, so wie sämmtliche jenen begleitende Türken fielen in die Gefangenschaft des Wü= thrichs. Er ließ sämmtlichen Gefangenen die Hände und Füße abhauen, und dann die Rümpfe auf Pfähle spießen; um dem Hamsa=Pascha jedoch die nöthige Ehre nicht zu versagen, wurde derselbe auf einen besonders hohen Pfahl gebracht. Ein ehrwürdiger Mann, der den Henker an rinem warmen Sommertage mitten unter den Gespießten spa= zieren gehen fand, frug ihn, wie er es in dem Gestanke aushalten könnte.„Mir ist der Geruch angenehm, er= wiederte Wlad, bei dir scheint dies jedochs nicht der Fall, und darum will ich dich dessen überheben." Mit diesen Worten winkte er seinen Leuten, die den thörichten Frager sogleich spießten, und damit er über dem Ge= stanke erhoben sei, ihm einen viel höhern Pfahl als den andern geben.(Schluß folgt) r eines franz. Kriegsgefangenen Kürzlich sah man in der kleinen, am Ufer des Mai nes gelegenen Stadt Seligenstadt einen merkwürdigen Reisenden ankommen. Weder eine glänzende Equipage, noch andere auffallende Aeußerlichkeiten zeichneten ihn aus; er kam im Gegentheile in einem mehr als bescheiz denen Anzuge zu Fuße an, und nur seine Züge, seine von der Sonne verbrannte Hautfarbe deuteten an, er aus weiter Ferne herkomme. Es war ein gemeiner Soldat von der großen Armee, der dem Brande Moskau mit angewohnt hatte. Auf dem Gefangenen gemacht, wurde er sechs Ja Wiederaufbaue von Moskau verwendet, mit mehreren Hunderten seiner unglücklichen fährten an die asiatische Grenze gebracht, wo era von der Regierung angeordneten Festungs= und andern Bauten mitarbeiten mußte. Die Schwülen seiner Hände, deren Haut so hart und fest wie Rinde geworden ist zeugen davon, daß man ihn zu sehr harten Arbeiten verwendet hatte. Erst bei seiner Ankunft an der preußies schen Gränze erfuhr dieses alte Ueberbleibsel der kaiserlichen Macht die in seinem Vaterlande inzwischen vorgen gangenen Veränderungen. Er wußte kein Wort davon, was seit sechs und zwanzig Jahren in Frankreich vorgefallen war: die beiden Restaurationen, der Tod des Kai= sers, des Königs von Rom, sowie die Julirevolution waren ihm völlig unbekannt geblieben. Dieser Bravr hatte auf seiner ganzen Reise überall die lebhäfteste Theil= nahme erfahren, und sich nun vorgenommen, um Auf= nahme in dem Jnvalidenhaufe in Paris zu bitten. Wenn seinen Angaben Glauben geschenkt werden darf, so seufzen noch mehrere Hunderte französische Kriegsgefangene in den asiatischen Provinzen Rußlands. 16 Bunte Am 5. August des Morgens erblickten zwei Reisende auf der Straße nach Frauenfeld(Schweiz), einem ziemlich starken Rauch nachgehend, plötzlich einen hellauflodernden Haufen von Scheiten und Reisigbündeln, auf welchem, an einen Pfahl gebunden, ein Mann von un= gefähr 50 Jahren saß. Das Feuer verzehrte eben den Strick, woran sich nach seinem eigenen Geständnisse der Unglückliche selbst befestigt hatte und bereits seit einer Viertelstunde den Flammentod erlitt. Ein Opfer reli= giöser Schwärmerei, war er trotz seiner Höllenmarter noch bei voller Besinnung und endete sein qualvolles Dasein erst gegen Abend. Der Unglückliche war Altgemeindammann, Steffen mit Namen, ein außerdem ehrlicher, unbescholtener Mann, der sich aber seit einiger Zeit dem Mysticismus zugewandt hatte. Er gestand, datz er ökonomisch zurückgekommen sei, daß er auf sein inbrünstiges Flehen zum Himmel nicht erhort worden, und daß er deßhalb, an seiner Seligkeit zweifelnd, den Entschluß gefaßt habe, sich dem Scheiterhaufen zu weihen. Ein Hr. Quenut hat auf eine Art elastischer Seiefel mit beweglichen Absätzen so eben ein Patent erhalten Dieselben sitzen höchst bequem und sind beson= vers solchen Leuten zu emprehlen, deren Füße beim Ge= hen anlaufen. Durch einen Druck auf den Knopf kann jeder den Stiefel mit Leichtigkeit weiter und länger machen und die beweglichen Absätze sorgen dafür, daß die Sohle gleichmäßig sich abnutzt, sowohl wenn man auf der einen Seite stärker im Tritt sein sollte als auf der andern.— Hr. Quenut ist offenbar ein Beförderer des Fortschrittes und doch bleibt er— ein seltener Fall — bei seinem Leisten. Der jetzt entthronte Fürst Milosch von Serbien war seines ursprünglichen Standes ein Ochsentreiber, und konnte beim Antritt seines Wirkens weder lesen noch schreiben. Ein Beweis für dessen außerordentliche Naturgabe, da selbst der heftigste seiner Widersacher seine großen Verdienste um die Civilisirung des serbischen Volkes, das er auf der niedrigsten Stufe der Cultur vorfand, nicht in Abrede stellen wird. Bekanntmachungen. Verloren. 8) In Folge geschehener Anzeige bei der Ortsbehörde zu Hohenwepel ist dem Schlossermeister Wilhelm Weyde aus Obersimmshausen, im Amte Wetter bei Marburg in Kurhessen, auf einer Geschäftsreise von Pyrmont über Peckelsheim, zwischen letzterm Orte und Hohenwepel, eine Brieftasche von gepreßtem Leder, worin ein Reisepaß nebst Pavieren befindlich, verloren gegangen. Da Genanntem an die Wiedererlangung des abhanden gekommenen Gegenstandes gelegen ist: so sichert er dem ehrlichen Finder bei Zurückgabe desselben an Unterzeichneten eine der Sache angemessene Belohnung zu. Hohenwepel, den 6. Sept. 1839. Beine, Vorsteher. Literarische Anzeige. In der Buchhandlung von G. Villig. in Warburg ist vorräthig: Enthülltes Geheimniß eines dem Champagner ähnlichen Bieres. Preis 10 Sgr. 500 beste Hausarzneimittel gegen alle Krankheiten der Menschen. 2. Aufl. Preis 15 Sgr. Kartoffelbüchlein und Kartoffelkochbuch für Reich und Arm. Preis 10 Sgr. Praktische Anweisung zur sparsamen Führung eines verständigen bürgerlichen Haushaltes, oder die deutsche bürgerliche Kochkunst. 3. Aufl. Preis 22, Sgr. Briefkaste n. Der mir anonym eingesandte Artikel mit der Ueberschrift:„Wahre Geschichte" eignet sich zur Aufnahme in diese Blätter durchaus nicht, da die darin enthaltenen Beziehungen zu handgreiflich sind. Wenn wir uns Freunde erwerben wollen, mein lieber Anonymus, so müssen wir vermeiden, dergleichen satyrische Pfeile abzuschießen. Der Wahrheit, wie Sie wissen, ist nicht jedermann hold.— Hr. W. aus L. Bitte mehr zu senden. Findet stets willkommene Aufnahme.— Auch noch ein Hr. Anonymus. Ihre„Anfräge" findet in der heutigen Nr. einen Platz. Ich befürchte nur, daß die Antwort ausbleibt.— Wie sieht's aus, Hr,„Vorwärts? bringen Sie bald Etwas von dem Versprochenen?— Und Sie, Hr. N.? D. R. Redacteur und Verleger: Gustav Billig. .*..