Probeblatt.) Nro. 1. Samstag, den 3. Juli 1841. Von des Königlichen Wirklichen Geheimen=Raths und Oberpräsidenten Herrn Freiherrn von Vinke Excellenz ist dem Buchdrucker Herrn Harmann hierselbst, durch Erlaß vom 17. Mai d. J. die Erlaubniß zur Herausgabe eines Wochenblatts für den hiesigen Kreis ertheilt. Es sollen darin Bekanntmachungen der Behörden und Privaten, erstere unentgeldlich, letztere gegen billige Vergütung, zur Oeffentlichkeit gebracht, imgleichen aber auch gemeinnützige Aufsätze über Landbau und Gewerbewesen— aufgenommen werden. Indem ich dieses zur öffentlichen Kenntniß bringe, kann ich nur den Wunsch aussprechen, daß das Unternehmen des Herrn Herausgebers zum Nutzen und Wohl des Kreises durch recht rege Theilnahme der Kreiseingesessenen, und vorzüglich der Mitglieder des hiesigen landwirthschaftlichen Vereins, in jeder Beziehung unterstützt werden möge. Meschede, den 29. Juni 1841. Der Landrath: Boese. Auf vorstehende Bekanntmachung gestützt, wird den geehrten Mitbürgern dieser Stadt und den gesammten Bewohnern der Umgegend das erste Wochenblatt vom Unternehmer mit Vertrauen überreicht. Im Verhoffen auf eine günstige Theilnahme erscheint dasselbe von heute ab wöchentlich einmal. Die Tendenz des Blattes kann der obigen Conzession gemäß nur gerichtet sein: 1) auf alles dasjenige, was zur Beförderung des Landbaues, der Viehzucht, der bürgerlichen Gewerbe und der Industrie überhaupt dient, und worüber die Mittheilung und Belehrung, sei es in allgemeinen Aufsätzen, Unterhaltungs=Gesprächen oder in kleinen Erzählungen, Gedichten, Anekdoten und Räthseln gegeben wird; 2) auf Verbreitung von Bekanntmachungen aller Art, wovon diejenigen der Privaten zu einem Preise von 1 Sgr. pro Zeile aufgenommen werden. Wenn dem Blatte dadurch auch nur ein sehr beschränkter Standpunkt angewiesen ist, so wird das Bestreben des Unternehmers dennoch dahin gehen, alles aufzubieten, was in dem bezeichneten Felde sowohl zur Förderung und Verbreitung alles Guten und Nützlichen, als zur geistigen harmlosen Erheiterung dienen kann. In diesem Bestreben bittet er alle hiesigen Kreiseingesessene um gütige Aufnahme desselben und insbesondere diejenigen, welche durch Mittheilung von praktischen Erfahrungen in allen Zweigen der Cultur und Gewerbe ihren Mitbürgern gerne nützlich sein wollen, ihn gütigst zu unterstützen, und so ein Werk, welches zum Nutzen der Gesammtheit dienen soll, fördern zu helfen. Alle Mittheilungen dieser Art werden daher bei der Expedition mit dem größten Danke aufgenommen.— Im Uebrigen wird jeder billigen Forderung des geehrten Publikums, so weit thunlich, gern gegnügt werden. Der Abonnements=Preis des Blattes, von wöchentlich einem halben Bogen, beträgt halbjayrig, prænumerando zahlbar, für Meschede 7½ Sgr. und für Auswärtige portofrei 12 Sgr.— Bei allen Königl. Wohllöbl. Post=Anstalten können Bestellungen darauf gemacht werden. Meschede, den 1. Juli 1841. Die Redaction des Wochenblatts: Baum, Domainen=Rath. Das Kreisblatt an die Leser. Junges Roth auf meinen Wangen, In der Brust ein wenig Bangen, Jung an Tagen, wie ich bin, Tret' ich schüchtern vor Euch hin. Doch ich hab's mir vorgenommen Künftig oft zu Euch zu kommen; Wöchentlich, Jahr aus, Jahr ein, Trete ich zu Euch herein. Dann weiß ich Euch viel zu sagen, Was sich Neues zugetragen; Hört ich's nur von ungefähr, Gleich bring' ich die Kunde her. Zwar vom Stande der Finanzen, Von den Türken, von den Franzen, Was in weiter Welt geschieht, Geb' ich nimmer Euch Bericht. Doch was sich in unsrer Nähe Mag ereignen, das erspähe Ich ganz treulich, und so fort Künd' ich's Euch von Wort zu Wort. Hat man Botschaft auszusenden In das Land nach allen Enden; Wenn man's mir in's Ohr geraunt, Gleich wird's ringsum ausposaunt. Ueberdies noch andre Sachen Hab ich mit Euch abzumachen; Hab' ich Mähren Euch bescheert, Sei auch Nützliches gewährt. Von Gewerken, von Fabricken, Wegen, Straßen und von Brücken, Von der Rindlein Zucht dabei, Red' und sag' ich Mancherlei. Wie Ihr Euch in kurzen Zeiten Machen könnt zu reichen Leuten, Wie auch Waizen Euer Land Trage, lehr' ich mit Verstand. Zwar nicht aus den eignen Sinnen Kann ich solche Räthe spinnen,— Gern hör' ich ein kluges Wort, Ich nur trag's von Ort zu Ort. Endlich um Euch zu ergötzen, Werd ich Euch mit Witzen letzen, Und für manchen lust'gen Schwank Habt Ihr oftmals mir noch Dank. Drum so möget Ihr den bangen Boten doch mit Huld empfangen, Denket nur: er meint's ja gut, Mit den Tagen wächst sein Muth. Worin besteht der Nutzen der landwirthschaftlichen Vereine. Erwägt man, daß es früher viele unangebaute Strecken Landes gab, die jetzt urbar gemacht und mit vieler Sorgfalt bebaut werden; bedenkt man daß sogar vieler Waldboden zu Feld= oder Wiesewachs umgewandelt wird; forscht man den Gründen, der in unserm deutschen Vaterlande so häufig Statt findenden Auswanderungen nach; vergleicht man die Geburts= und Sterberegister von Dörfern, Städten und Kirchspielen, und die Ergebnisse von den in vielen deutschen Staaten vorkommenden Volkszählungen: so findet sich, daß Deutschlands Bevölkerung von Jahr zu Jahr zunimmt. Die Ländermasse vergrößert sich jedoch nicht mit der steigenden Bevölkerung. Es sind bei gleicher Ländermasse jährlich mehr Bedürfnisse in ökonomischer Hinsicht zu befriedigen, und der Landmann muß daher schon um des allgemeinen Nutzens willen; aber auch deshalb, weil es ihm Pflicht ist, daß allgemeine Wohl der Menschen zu begründen und zu befördern, eine möglichst gute Ausbeute aus seinen Grundstücken zu ziehen suchen. Dies fordert aber auch die Sorge um sein Auskommen, dies erheischt sein eigner Vortheil. Wirft man einen Blick in die Verhältnisse des Oekonomen, so sehen wir, daß er theils durch die jetzt herrschenden obrigkeitlichen Gesetze, theils durch den jetzt Statt findenden Zeitgeist veranlaßt wird, mehr zu verausgaben, als diejenigen seiner Standesbrüder, die vor Jahrzehnten oder gar vor Jahrhunderten lebten. Er ist nicht nur weit höher besteuert, als diese, sondern er nennt auch jetzt gar vieles Bedürfniß, was seine frühern Standesgenossen kaum dem Namen nach kannten.— Der Landwirth wird demnach in zweifacher Beziehung veranlaßt, den Ertrag seines Besitzthums möglichst zu vermehren; aber das Lösen dieser Aufgabe bietet vielleicht mehr Schwierigkeit dar, als Mancher denkt. Ohne mancherlei Beobachtungen und Versuche, ohne vielseitige ökonomische Kenntnisse und Erkenntnisse kann der Landwirth schwerlich die Verschiedenheit des zu bebauenden Bodens in Rücksicht auf Gestalt, Lage, Gehalt und klimatische Einwirkungen erforschen und beachten; ohne sie kann er unmöglich Meister seines Faches werden. Eine gründliche theoretische und praktische Bildung muß der Oekonom besitzen, der dem jetzt herrschenden Zeitgeiste und der Nothwendigkeit entsprechen will; doch diese kann er sich aneignen, denn Gelegenheit und Mittel sind ihm dargeboten.— Eines dieser Mittel sind die ökonomischen Vereine.— Aus der Schilderung des Thun und Treibens unseres landwirthschaftlichen Vereines will ich den Nutzen derselben darzustellen versuchen.— In unsern Versammlungen wird nur über landwirthschaftl. Gegenstände gesprochen; besonders bezieht sich unser Gespräch darauf, wie den in unserer Gegend noch Statt findenden Mängeln in Bezug auf Oeconomie abzuhelfen sei. Jedem Mitgliede unseres Vereins steht es frei, zu reden; jeder kann seine Ansichten, seine Erfahrungen oder sein aus ökonomischen Schriften geschöpftes oder aus andern Quellen entlehntes Wissen mittheilen; jeder kann dem Verein Fragen, die aus der Oekonomie gegriffen sind, zur Beantwortung vorlegen. Und gewiß findet jeder Landmann bier einen Ort, wo er sich Raths erholen kann; denn dazu fehlt es nicht an gutem Willen, sondern dieser ist noch bei Mehren gepaart mit tüchtigen ökonomischen Kenntnissen und Erkenntnissen. Selbst die weniger gebildeten Oekonomen machen öfters recht erfreuliche Bemerkungen und theilen recht vortheilhafte Erfahrungen mit. So tauschen die Glieder des Vereins ihre Kenntnisse gegenseitig aus, jedes Mitglied wird den andern Gliedern nützlich. Der Nutzen solcher Vereine erstreckt sich aber nicht blos auf die Vereinsmitglieder, sondern vielleicht auch auf die Bewohner ganzer Dörfer, Städte, Gegenden und Staaten; denn die Mitglieder solcher Vereine begnügen sich nicht damit bei den Zusammenkünften eine theoretisch=ökonomische Bildung zu erlangen, sie wenden selbige auch praktisch an.— Ist dann der Erfolg ein günstiger, wird dadurch der Ertrag der Landwirthschaft erhöht, so wird ein solcher Verbesserer bald der Lehrmeister seiner Dorfnachbaren oder Mitbürger werden; nach und nach werden die Verbesserungen auch in die angrenzenden Oerter gelangen und in Anwendung gebracht werden, dann immer weiter in größern Kreisen, so daß man in ganzen Staaten Anwendung von solchen Verbesserungen machen wird.(Schluß folgt.) Anekdoten. Bei dem Einzuge der Braut des Prinzen W. in B. wies eine junge Schildwache zum öfteren mehrere Damen zurück, welche sich vordrängten, und diese Weisung zu verachten schienen. Plötzlich nahm der Soldat, als er sie abermals auf der verbotenen Stelle fand, die Reizendste beim Kopfe und küßte sie nach Herzenslust. Der Offizier war in der Nähe, ihr Hülfsgeschrei und das schadenfrohe Gelächter zog ihn herbei. Mensch, bist du toll? rief er dem Soldaten zu. „Nichts weniger!" erwiederte dieser:„aber wer nicht hören will, muß fühlen!" Ein Gelehrter las in einem Buche von den Geheimnissen der Natur, daß ein sehr breiter Bart einen Dummkopf anzeige; er nahm sogleich ein Licht, um sich im Spiegel zu besehen und brannte sich aus Unvorsichtigkeit den halben Bart weg. Auf der Stelle schrieb er nun am Rande des Buches: Probatum est. Bekanntmachungen. (1) Vierter Rechenschafts=Bericht der Berlinischen Lebens-VersicherungsGesellschaft. Am 21. April legte die Direction der Berlinischen Lebens=Versicherungs=Gesellschaft in der jährlichen General=Versammlung ihrer Actionairs Rechnung über das vergangene Geschäftsjahr ab, in Folge welcher die statutenmäßige Revision nunmehr Statt gefunden hat, und die Decharge der Direction ertheilt worden ist. Das Jahr, 1840 ist im Vergleich zu den frühern drei Jahren des Bestehens der Gesellschaft das Günstigste, und hat daher zu einem noch erfreulichern Abschlusse geführt. Die Zahl und der Werth der Anmeldungen zur Versicherung sind mit denen von 1839 ungefähr gleich geblieben, und bestehen in 925 Personen mit Einer Million und 15,700 Thalern, von welchen 95 Personen mit 127,900 Thalern abgelehnt werden mußten, und außerdem 17 Personen mit 31,500 Thalern aus andern Gründen zurück traten, so daß mithin 813 Personen mit 856,300 Thalern als im Jahr 1840 aufgenommen zu betrachten sind. Werden diese zu dem Bestande des Jahres 1839 von 2644 Personen mit 3,023,200 Thalern hinzugezählt, und die Verstorbenen und Ausgeschiedenen wieder abgerechnet, so ergieht sich ein reiner Zuwachs von 606 Personen mit 714,300 Thalern, und mithin für den Jahresschluß die laufende versicherte Summe von Drei Millionen und 737,500 lern unter 3230 Personen. Es sind 50 Sterbefälle mit nicht mehr als 41,750 Thalern(1839 starben 32 Personen mit 34,300 Thalern) eingetreten, welches den besonders vortheilhaften Abschluß mit einem Ueberschusse von 45,005 Thalern 3 Sgr. 6 Pf. möglich machte, und zwar nachdem zuvor die unfixirten Unkosten gedeckt sind, und ein vergrößerter Reserve=Fonds von 164,554 Thalern zurückgestellt wurde. Die Prämien=Einnahme ist auf 143,517 Thaler und das gesammte GesellschaftsVermögen auf Eine Million und 289,640 Thaler gewachsen. Die öffentliche Meinung, welche sich zu Gunsten unseres Instituts, wie die vorstehend bezeichneten Ergebnisse thatsächlich darlegen, ausspricht, ladet uns nicht allein zur dankenswerthen Anerkennung ein, sondern berechtigt uns zu der angenehmen Erwartung, daß sich dasselbe eines fernern Wachsthums zu erfreuen haben wird. Um diesen zu befördern, empfehlen wir die Geschäfts=Programme, welche in unserm Geschäfts=Locale, Spandauerstraße Nro. 29, so wie bei allen Agenten der Gesellschaft unentgeldlich zu haben sind, zur Lesung; man wird sich leicht die Ueberzeugung verschaffen, wie die Gesellschaft bemüht gewesen ist, Zweck und Zeit gemäß, unter Gewährung aller Sicherheit, dem Bedürfnisse des Publikums entgegen zu kommen. Wir machen in dieser Beziehung noch darauf aufmerksam, daß das Geschäft der „Sparkossen Werncherung“ seinen Anfang genommen hat, und darüber gleichfalls Programme das Nähere angeben. Berlin, den 11. Juni 1841. Direction der Berlinischen Lebens=Versicherungs=Gesellschaft. C. W. Brose, C. G. Brüstlein, F. G. von Halle, M. Magnus, Directoren. Lobeck, General=Agent. Bei Gelegenheit des vorstehenden RechenschaftsBerichts findet sich der unterzeichnete General=Agent noch zu der ergebenen Bemerkung veranlaßt, daß nicht selten durch verspätete Berichtigung der Prämien=Beiträge Weiterungen, oder wohl gar Verluste für die Versicherten entstanden sind. Um diesen vorzubeugen, wird auf die§.§. 12. 13. des Geschäfts=Planes aufmerksam gemacht, woselbst vorgeschrieben ist: daß am ersten Tage des Quartals die Prämien=Beiträge zu entrichten sind, und die Erlaubniß, bei jährlichen Zahlungen noch innerhalb des laufenden Monats, bei Terminal=Zahlungen noch binnen der ersten 8 Tage dieses Monats zahlen zu dürfen, nur unter gewissen Begränzungen gestattet ist. Berlin, den 11. Juni 1841. Lobeck. General=Agent der Berlinischen LebensVersicherungs=Gesellschaft. Vorstehenden Rechenschafts=Bericht rc. bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntniß, mit dem ergebenen Bemerken, daß Geschäfts=Programme bei mir unentgeldlich ausgegeben werden. Meschede, den 22. Juni 1841. Berens, Agent der Berlinischen Lebens=VersicherungsGesellschaft. [21 Ein Jüngling der als Buchdrucker in die Lehre treten will, kann unter annehmbaren Bedingungen eine Stelle erhalten. Wo, sagt die Expedition dieses Blattes. [31 In einer Conditorei wird ein Lehrling gesucht, welcher gleich eintreten kann. Nähere Auskunft ertheilt die Expedition d. Bl. Verlag und Druck von A. Harmann.