Soeer Keisblat Soester Zeitung, Tageblatt u. General-Anzeiger, Publikationskraft für die Behörden früher Wochenblatt mit allein rechtsverbindlichet des Kreises Soest/ Gegründet 1819 Anzeigenpreise: Die einspaltige. Millimeterzeile 8 Pfg., Er Auswärtige 10 Pfg. Reklamen 60 Pfg. Etwaiger Rabatt gilt als Kassenrabatt und kommt bei gerichtlichen Klagen in Forlfall- Für Erfüllung von Platzvorschriften wird keine Gewähr übernommen.-Anzeigenannahne bis 6 Uhr abends Nr. 228 Mittwoch. den 28. September 1932 114. Jahrgang Reichskonzler und Reichsingenminister sagen im Ueberwachungs(Untersuchungs.) Ausschuß aus Die Dienskagsitzung des Ueberwachungsausschusses des Reichstages in seiner Gestalt als Intersuchungsausschuß fand unter starkem Anrang der Oeffentlichkeit statt. Die 16 Zuhörerarten, die insgesamt ausgegeben waren, waren chon Tage vorher vergriffen. Besonders stark var die Presse des In- und Auslandes verreten. Bei der Zeugenvernehmung wird zunächst Reichskanzler von Papen aufgerufen. Als dieser im Saale erscheint, rufen hm die Kommunisten entgegen: Jetzt kommt der tohnräuber vom Herrenklubl Vorsitzender Löbe: Der Ausschuß hat Sie als ember zu einer Streitfrage geworden ist. Sie oird von Ihnen und dem Reichstagspräsidenten n entgegengesetzter Weise beantwortet. Zur intscheidung dieser Streitfrage soll die Tatsache estgestellt werden, ob Sie vor Eintritt in die tamentliche Abstimmung den Versuch gemacht saben, die Auflösungsurkunde dem Reichstag ur Kenntnis zu bringen, sei es durch Wortneldung, sei es durch Uebergabe der Urkunde, der ob beides so spät erfolgte, daß die Abstimnung rechtswirksam gewesen ist. Reichskanzler von Papen: In dem ersten Teil der Sitzung, als der Reichstagspräsident den Antrag auf Aenderung der Tagesordnung zur Ahstimmung stellte, hat er nach meiner Aufassung nicht festgestellt, daß durch das Unterleiben des Einspruchs dieser Antrag auf Aenserung der Tagesordnung angenommen sei. Denn als Herr Frick sich meldete und den Antrag lellte, die Sitzung eine halbe Stunde auszuetzen, hat der Reichstagspräsident festgestellt, daß der Antrag Fricks als der weitestgehende zuerst zur Abstimmung komme. Die Sitzung wurde auf eine halbe Stunde vertagt. Daraus geht weifelsfrei hervor, daß der Reichstagspräsident n diesem Augenblick selber die Auffassung haben nußte, daß über den Antrag Torgler noch nicht ntschieden sei. Als daher nach Ablauf der hal ten Stunde die Sitzung wieder eröffnet wurde, lahm ich ohne weiteres an, daß der Reichstags präsident zunächst formell über den Antrag Lorgler noch einmal abstimmen lassen würde. das ist nicht erfolgt. Nach meiner Erinnerung sat der Reichstagspräsident, nachdem die Sitzung vieder eröffnet war, und ich auf meinem Stuhl Blatz genommen hatte, nur gesagt:„Da sich Widerspruch nicht erhoben hat, kommen wir jetzt zur Abstimmung über den Antrag Torgler“. Ich war mir einen Augenblick darüber im Unlaren, ob es sich um den formellen Antrag Torglers handeln würde, den Antrag zur Tazesordnung, oder um den materiellen Antrag. Sch habe aber, da ich mit dem parlamentarischen Gebrauch nicht ganz unbekannt bin, aus der Redewendung„da sich Widerspruch nicht erhoben hat“ ersehen, daß es sich bereits um den matetiellen Antrag handele. Daraufhin habe ich mich sofort erhoben und um das Wort gebeten. Der Reichstagspräsident machte eine abwehrende beste und sagte nach meiner Erinnerung:„Zu pät! Wir sind in der Abstimmung"". Daraufhin habe ich mich noch einmal gemeldet. Zunächst ist n der Zwischenzeit Staatssekretär Planck, der vorn neben dem Rednerpult saß, zum Reichslagspräsidenten hingetreten, um ihn darauf aufmerksam zu machen, daß ich mich zum Wort jemeldet hatte. Als das keinen Erfolg hatte, habe ich mich ein zweites Mal zum Wort gemeldet, worauf der Herr Reichstagspräsident gesagt hat:„Wir sind in der Abstimmung!" Darauf bin ich auf seinen Platz zugeschritten und habe das Auflösungsdekret auf seinen Tisch gelegt, weil ich keine Möglichkeit hatte, zu Worte zu kommen und selbst das Auflösungsdekret zur Kenntnis des Reichstages zu bringen. Vorsitzender Löbe: Haben Sie sich nur aus brücklich zum Wort gemeldet oder nachher auch durch Aufstehen, durch Handaufheben? Reichskanzler von Papen: Ich bin nicht nur aufgestanden, sondern habe auch gesagt:„Ich bitte ums Wort". Aber ich nehme an, daß dain der Unruhe des Hauses am Stenographentisch nicht verstanden worden ist. Reichstagspräsident Göring erklärt: Ich darf noch einmal bitten, ausdrücklich zu sagen, mit welchem Wortlaut Sie, Herr Reichskanzler, das erstemal um das Wort gebeten haben. Für mich ist das wichtigste: Haben Sie nicht als erstes das Wort„Amtlich" gebraucht? Das Wort ist sogar auf der Tribüne gehört worden. Ich hatte„Namentlich" verstanden, aber die Aeußerung:„Ich bitte um das Wort“ habe ich nicht verstanden. Reichskanzler von Papen: Ich habe das Wort Amtlich" überhaupt nicht gebraucht.(Reichstagspräsident Göring widerspricht.) Nach meiner Auffassung hat Reichstagspräsident Göring, als er zum erstenmal sagte:„Da Widerspruch nicht erfolgt", den Satz nicht zu Ende gesprochen. Abg. Pfleger(BBP.) fragt den Reichskanzler, ob er während der Pause den Versuch gemacht habe, seine Wortmeldung einzureichen. Reichskanzler von Papen: Nein! Aus dem einfachen Grunde, weil ich annahm, daß der Antrag Torgler abgelehnt würde. Der Reichstagspräsident hatte mir zwei Tage vor der Sitzung gesagt, er würde dafür sorgen, daß die Regierungserklärung vom Hause entgegengenommen würde. Ich hatte keinen Zweifel, daß alles programmäßig verlaufen würde und war selbst völlig überrascht. Abg. Dr. Frank(Nat.=Soz.): Haben Sie selbst die Auffassung, daß die Abstimmung im Reichstag nicht rechtswirksam ist? Reichskanzler von Papen: Die Abstimmung ist nicht rechtsgültig, denn sie erfolgte, nachdem das Auflösungsdekret dem Hause zugestellt war. Dr. Frank: Sie meinen, daß der-Reichstag im Augenblick der Zustellung der Urkunde aufgelöst war. Warum sind Sie dann nicht vor dem Ueberwachungsausschuß erschienen? Sie forderten vorher eine Erklärung des Reichstagspräsidenten. Machen Sie denn die Rechtswirksamkeit Ihres eigenen von Ihnen zugestellten Auflösungsdekrets davon abhängig, daß der Reichstagspräsident Göring noch besondere Erklärungen abgibt? Das widerspricht doch dem, was Sie jetzt sagten. Reichskanzler: Ich bin nicht vor dem Ueberwachungsausschuß erschienen, weil nach Ihrer (nach rechts) Auffassung die Regierung nicht mehr zu Recht besteht. Ich hätte mich der Tatsache ausgesetzt, daß Sie gesagt hätten: Was wollen Sie denn hier, Sie sind nicht mehr im Amte. Abg. Dr. Högner(Soz.): Bestand die Absicht, die Auflösung schon vor der Aussprache über die Regierungserklärung vorzunehmen, oder bestand die Absicht, den Reichstag nach der Auasprache aufzulösen? Reichskanzler: Von vornherein bestand überhaupt nicht die Absicht der Auflösung. Das ergibt sich ja schon aus der Vereinbarung mit dem Reichstagspräsidenten. Außerdem hatten wir die Hoffnung, daß trotz der scharfen Gegensätze doch noch ein modus vivendi zwischen Reichstag und Regierung zustandekommen würde. Dr. Högner: Die Auflösungsurkunde haben Sie sich erst während der Sitzungsunterbrechung verschafft? Reichskanzler: Jawohl? Dr. Högner: Es bestand also die Absicht, den Reichstag auf jeden Fall bei Wiederbeginn der Sitzung aufzulösen. Reichskanzler: Nein, ich habe angenommen, daß der Reichstagspräsident dem Chef der Regierung die Möglichkeit geben würde, wenigstens die Regierungserklärung zu verlesen. In keinem Parlament der Welt passiert das, daß eine Opposition nicht einmal die Regierung zu Worte kommen läßt. Abg. Dr. Högner: Herr Reichskanzler, ist Einigung im Bergbau Im Lohn- und Arbeitszeitstrei des Ruhrbergbaues führten die in Reichsarbeitsministerium stattgefundenen Nach verhandlungen zu einer Einigung der Ta risparteien. Die Verbände erkannten die in den Schiedssprüchen vom 24. September vorgeschlagene Lohn- und Arbeitszeitregelung an und erhoben sie zum Tarifvertrag. sicher aufrecht erhalten.- Eine Rede Bei der Einweihungsfeier des Neubaues der Industrie= und Handelskammer und der Börse in Köln sagte Reichsbankpräsident Dr. Luther zur Währungsfrage u. a.: Ich bin überzeugt, daß es eine Währungsgefahr in Deutschland nicht nur nicht geben darf, sondern auch nicht geben wird. So schwer die Zeiten auch sind, die wir zu durchkämpfen haben, die Währung wird ganz sicher aufrechterhalten bleiben. Der Reichsbank wird vorgeworfen, daß sie über Währungsrücksichten die Wirtschaft vergesse. Erzählungen solcher Art sind eine grobe Unwahrheit. Die Reichsbank war immer Treiber der Diskontsenkung bei allen dafür in Betracht kommenden Stellen. Nur eines hat die Reichsbank nicht getan: sie hat das deutsche Bankgesetz nicht verletzen wollen, obwohl unverständlicherweise in dieser Hinsicht in sie gedrungen worden ist. Es war für die Reichsbank gesetzlich nicht möglich, unter 5 Prozent herabzugehen. Wir haben alle dafür zu sorgen, daß die Rechtsbegriffe in Deutschland aufrecht erhalten bleiben. Wir haben eine Währungs- und eine Wirtschaftskrise erlebt und wir sollten eigentlich zusammenhalten, wenn wir nicht auch als dritte Krise noch eine Rechtskrise bekommen. Aber die heutige weltwirtschaftliche Lage zwingt dazu, betonte der Reichsbankpräsident, ein binnenwirtschaftliches Denken stark zu unterstreichen. Etwas anderes gibt es aber, ob Autarkie als Grundsatz proklamiert wird oder man diese binnenwirtschaftliche Notwendigkeit als Selbst verständlichkeit des deutschen Wirtschaftslebens allen Dingen zugrunde legt. Dr. Luther zeichnete dann die Ursachen und den Werdegang unseres heutigen Wirtschaftslebens, für die in erster Linie die Reparationen verantwortlich zu machen seien, in letzter Konsequenz auch die Eoldabflüsse, das Gegenüber stehen großer Gläubiger= und Schuldnerländer Es ist selbstverständlich, so sagte er, daß wir von uns aus alles tun müssen, um unseren Verpflichtungen nachzukommen. Weltwirtschaftlich wird das aber nur gelingen bei dem guten Willen der ganzen Welt. Es muß die Stunde kommen, wo das große Weltkommando ertönt: Das Ganze kehrt! Das kann nur von der Seite der ganzen Welt öffentlichkeit kommen. Wir stehen dabei in der Verteidigung. Zum Schluß berührte Dr. Luther das Wirt schaftsprogramm der Reichsregierung und be merkte dazu: Ich möchte an die Wirtschaft den Aufruf richten, sich aus innerster Ueberzeugung in das Regierungsprogramm einzufügen. „Für mich ist der Kern des Programms, daß es zum erstenmal möglich geworden ist, einen neuen Antrieb in die Privatwirtschaft zu bringen. Das Programm war vor einigen Monaten noch nicht möglich. Der Appell muß Wirkungen in solchem Ausmaß hervorbringen, daß die ganze Mensch heit sieht, es geht doch auf dem alten bewährten Weg der Wirtschaftsführung, auf dem Weg der Einsetzung der freien Kräfte des Einzelnen wie der aufwärts zum Segen Deutschlands.“ Ihnen die Aeußerung der„Germania" bekannt wonach der Reichstagspräsident Göring währen! der Unterbrechung der Sitzung plötzlich mit deBehauptung zum Zentrum gekommen sei, das der Reichstag jetzt auf jeden Fall sofort aufgelös würde? Reichskauzler: Diese Auffassung des Reichs tagspräsidenten war völlig unbegründet. Wir hatten nicht die Absicht, aufzulösen. Dr. Högner: Ist es richtig, daß Sie beim Be treten des Saales mit der roten Mappe herausfordernd, wie gesagt worden ist, nach den Her ren von der Deutschnationalen Volkspartei und dann auch zur Tribüne gewinkt haben? Reichskanzler: Ich erkläre, daß das eine ab solut falsche Feststellung ist. Aba. Torgler(Komm.): Ist der Reichskanzlei endlich bereit, sich vor dem Ueberwachungsaus schuß für seine Politik der Notverordnungen zu verantworten und den Verfassungsbestimmungen Genüge zu tun? Vorsitzender Löbe: Das überschreitet der Rahmen der heutigen Vernehmung. Reichstagspräsident Göring: Ich habe in deUnterredung nicht gesagt, ich würde Ihnen, Herr Reichskanzler, unter allen Umständen das Worerteilen, denn ich konnte nicht wissen, was füAnträge kommen. Ich habe Ihnen allerdingversprochen, daß ich alles tun würde, damit Siund die anderen Regierungsmitglieder keinerle ungehörigen Angriffen ausgesetzt würden. Aber ich kann nicht das andere Versprechen abgegeben haben. Auf die Frage des Herrn Högner, ob das Dekret erst in dieser Pause unterschrieben worden sei, sagten Sie„Jawohl“. Reichskanzler: Nein! Auf die Frage, ob es herangeholt worden sei. Reichstagspräsident Göring: Herr Reichskanzler, Sie haben mir in der Unterredung keinen Zweifel gelassen, daß Sie eine Abstimmung über ein Mißtrauensvotum nicht zulassen, sonderv vorher den Reichstag auflösen würden.(Der Reichskanzler nickt mit dem Kopfe.) Ich haberst, als ich allein zu meinem Platze ging, und als das Dekret schon dalag, gesagt: Ich habe der bestimmten Eindruck, daß der Reichskanzler der Reichstag auflösen will.(Abg. Torgler: Woher hatten Sie denn den Eindruck?) Ich brauchIhnen ja den Herrn nicht zu nennen.(Abg Torgler: Also doch eine Mitteilung!) Reichskanzler von Papen: In unserem Gespräch habe ich Sie wiederholt gebeten, doch nach einem Wege zu suchen, der uns eine Art von Zusammenarbeit ermöglichte. Ich habe Ihnen allerdings keinen Zweifel darüber gelassen, daß die Regierung entschlossen war, falls über die Aufhebung der Notverordnungen oder über einen Mißtrauensantrag abgestimmt würde, den Reichstag aufzulösen. Aber wir waren übereingekommen, daß zunächst einmal die Regierungserklärung vor sich gehen solle und dann die Debatte. Ich habe also nicht im entferntesten daran denken können, daß es der Regierung unmöglich gemacht werden würde, ihre Erklärung zu verlesen. Nun hat der Reichstagspräsident gesagt, er habe sich in einer Zwangslaoe befunden, nachdem der formelle Antrao Torgler angenommen gewesen sei. Mir ist aber nachträglich bekanntgeworden, daß Präla Leicht nach Verabredung mit anderen Parteien entschlossen gewesen sei, den Antrag einzubringen, die alte Tagesordnung wieder herzustellen. Ich beziehe mich auch auf die Mitteilungen, die sagt der In seiner Rede, die der Reichswirtschaftsminilals zur Enagokoslung zum Ofbctimmung zunn. ster Dr. Warmbold bei der Einweihung des Neuehrt und det sehzt erke die gemeinsame A. Hanes der 3 dusrie. und Handelstamnin immung über die heiden Anteäes Koln hielt, überbrachte er zunächst die Glücker Reichstagspräsident der Presse hat zugehen ssen. Dort hat er eindeutig erklärt, daß er mtschlossen gewesen sei, die Regierungrnicht zu Vorte kommen zu lassen und daß er die Abkimmung habe vornehmen müssen, am die Rezierung zu Fall zu bringen, bevor sie in der lage gewesen wäre, ihre Erklärung abzugeben. Abg. Schmidt=Hannover(Dn.): Nach dem Vortlaut des Stenogramms ist der Reichstagsräsident auch nach den Worten„Wir stimmen sb!" und„Die Abstimmung hat begonnen!", vonach dann erst die Niederlegung des Dekretes ind der Auszug der Regierung erfolgte, nochE. timmung über die beiden Anträge und danach n Verbindung hiermit die Abstimmung über das etzt erst erwähnte Mißtrauensvotum verkündet. hiernach erst begann die Abstimmungshandlung elbst. Die Schallplatte hat das gleiche ergeben. Ind ich verstehe diesen ganzen Streit um des kaisers Bart nicht. Vorsitzender Löbe: Das ist eine Beweisvürdigung. Ich bitte, das für später aufzutehmen.(Heiterkest.) esdörfer(Nat.=Soz.): Es steht einvandfrei fest, daß bei dem Erscheinen im Saal ie gesamte deutsche Reichsregierung sich verindlich lächelnd vor der Fremdenloge verneigt at. Wir haben damals schon ihr Verhalten ls eine Beleidigung des gesamten deutschen Bolkes empfunden. Abg. Frank 2(Nat.-Soz.) fragt den Reichsanzler, mit welchem Recht er dem Reichstagspräsidenten den Vorwurf des Verfassungsbruches gemacht habe. Reichskanzler von Papen: Gehört das zum Beweisthema? Vorsitzender Löbe: Ja, insofern, als sie sich auf die Tatsache der Wortgestattung bezieht. Reichskanzler von Papen: Ich weise darauf hin, daß der Reichstagspräsident entsprechend jen geltenden Bestimmungen der Verfassung und der Geschäftsordnung mir das Wort geben nußte. Abg. Frank 2(Natsoz.): Wann wurde denn tigentlich die Auflösungsorder unterzeichnet? Diese Frage wird das deutsche Volk sehr interssieren. Erfolgte sie in der halbstündigen Pause eder war sie bereits unterzeichnet bei Beginn der Sitzung? Reichskanzler von Papen: Ich bedauere, die Neugierde des Abgeordneten nicht befriedigen zu önnen. Das Reichskabinett ist lediglich ermächüigt, über die Dinge auszusagen, die hier zur Oebatte stehen. Abg. Frank 2(Natsoz.): Diese Aussage genügt nir vollkommen. Abg. Torgler(Komm.): Ich möchte die Frage in den Ausschuß stellen: Ist der Zeuge berechtigt, zur auf Fragen ihm genehmer Ausschußmitglie der zu antworten und die Beantwortung von Fragen ihm politisch nicht genehmer Ausschuß nitglieder zu verweigern? Wie hat der Reichs nzler die Pause, die von dem Abgeordneten Frick beantragt wurde, aufgefaßt? Reichskanzler von Papen: Ich bin der Aufassung gewesen, daß der Reichstagspräsident und eine politischen Freunde versuchen würden, in der Pause jemanden zu finden, der Einspruch frheben würde. Ich habe nicht annehmen können, aß die Herren entschlossen waren, unter allen Amständen die Regierungserklärung nicht zu jören. Abg. Goebbels(Natsoz.): Haben Sie einige Lage nach dem 13. August eine Unterredung mit dem jüdischen Bankier Jacob Goldschmidt gehabt? hahen Sie in dieser Unterredung erklärt, Sie vürden den Reichstag nicht zu einem Mißwauensyotum kommen lassen, Sie würden zwar die Regierungserklärung verlesen, aber eine Dedatte nicht zulassen? Haben Sie auf den Hinweis, daß die Gewerkschaften gegen die Notverordnung nit Streik vorgehen könnten, erwidert, daß Sie zotfalls auch zur Auflösung der Gewerkschaften hreiten würden? Reichskanzler v. Papen: Ich werde mich ledig lich zur zweiten Frage äußern: Es ist ausge chlossen, daß ich gesagt hätte, die Reichsregierung bürde zur Auflösung schreiten, bevor die Deatte erfolgt ist. Das hat auch gar nicht im Sinne er Regierung gelegen. Dr. Goebbels: Ich stelle fest, daß die beiden nicht beantworteten Fragen damit auch beant vortet sind. Abg. Ersing(Ztr.) schildert kurz die Vorgänge in der Sitzungspause. Auf Grund einer Verein arung zwischen Zentrum, Bayerischer Volkspar tei und Nationalsozialisten wollte Abg. Leicht den Antrag stellen, die Abstimmung erst am Schluß der Debatte fortzuführen. Da sei kurz vor Bezinn der Sitzung nicht der Reichstagspräsident, ondern der Abg. Dr. Frick gekommen und habe gesagt, die Nationalsozialisten hätten ganz posi tive bestimmte Nachrichten bekommen, daß es üiberhaupt nicht zur Abstimmung kommen, son dern der Reichstag sofort aufgelöst würde. Die Nationalsozialisten würden sich deshalb an dem Antrag Leicht nicht mehr beteiligen. Unter diesen Umständen habe es keinen Zweck mehr gehabt, den Antrag noch zu stellen. Als Abg. Dr. Hoegener(Soz.) Fragen stellt, ob ber Reichskanzler wisse, wer den Nationalsozialisten diese positiven bestimmten Nachrichten über bracht habe, ruft Abg. Dr. Frank(Natsoz.): Entlastungsoffensive der Sozialdemokraten für herrn von Papen! Dr. Hoegener erwidert: Wir haben hier nicht zu belasten und zu entlasten, ondern die Wahrheit zu erforschen. Von den Nationalsozialisten ertönt der Ruf: „Sozibarone!" Vorsitzender Löbe erteilt dafür einen Ordnungsruf. Abg. Dreher(Natsoz.): Der Abgeordnete Torg ler hatte schon im Aeltestenrat seinen Antragangekündigt und dort hatte auch Herr Dr. Ober sohren erklärt, daß er Widerspruch erheben wür Der Staat soll stets das Ganze sehen!“ 1. wünsche der Reichs- und der preußischen Staats regierung und die besonderen Grüße des preußi schen Handelsministeriums. In Zeiten wie der gegenwärtigen Krise glaubt jeder Stand, der am meisten notleidende zu sein, so fuhr der Minister dann fort; jeder glaubt, der Hilfe des Staates am meisten zu bedürfen. Der Staat soll aber stets das Ganze sehen. Daraus ergibt sich, daß er nicht alle Einzelwünsche sich zu eigen machen, noch weniger, sie erfüllen kann. Der Staat ist verpflichtet, jede Maßnahme nicht nur auf ihre Wirkung auf den Einzelnen, sondern auf ihre Wirkung auf die Gesamtheit zu prüfen. Es sei unmöglich, betonte der Minister, in einem so dichtbevölkerten Lande ohne hinreichende eigene Rohstoffquellen allen Menschen Arbeit und Brot zu geben und Staatsbürger zu ernähren, wenn man sich ausschließlich auf die Hilfsquellen des eigenen Landes einzustellen versuchen würde. Daher müsse die Arbeitsgelegenheit durch Leistungen für das Ausland vermehrt werden. So unmöglich eine Politik mit dem Ziele einer Verdrängung aus den weltwirtschaftlichen Verflechtungen wäre, so wenig komme in Frage, unsere eigenen Hilfsquellen unausgenutzt zu lassen. Unser Ziel müsse sein, die höchste Ausnutzung des Bodens und die Sicherung der in ihm investierten Kapitalien mit der Erhaltung der industriellen Arbeitsstätten und damit der Pflege von Handel und Verkehr zu verbinden. Dieses Ziel kann aber nach der Struktur unserer Wirtschaft nur erreicht werden, wenn wir auch den Güteraustausch mit dem Auslande pfleglich behandeln. Die Entwicklung der Welt in den letzten Jahren, fuhr Dr. Warmbold fort, ist gekennzeichnet durch die zunehmende Absperrung der aufeinander angewiesenen Länder im Warenverkehr und durch die Kreditkrise, welche zu der Zwangsbewirtschaftung des Kapital- und Zahlungsverkehrs in wichtigen Ländern geführt hat. Unser deutsches Interesse liegt eindeutig darin, beide Schwierigkeiten zu mildern und zu den früheren Zuständen zurückzuführen. Je schneller das gelingt, um so schneller wird sich die Welt aus ihrer unhaltbaren Lage befreien. Die ersten Keime dieser Erkenntnis zeigen sich heute. Wir wollen hoffen, daß sie auf der kommenden Weltwirtschaftskonferenz vertieft und zur praktischen Auswirkung gebracht werden. Unsere eigene Lage erlaubt es uns jedoch nicht, noch bis zu diesem Zeitpunkt zu warten. Die deutsche Regierung mußte daher den Versuch machen, durch eine Reihe von Maßnahmen dem gegenwärtigen Notzustande zu begegnen und seine Ueberwindung zu erleichtern. Das Gelingen des Weltwirtschaftsprogramms hängt von der Mitwirkungderganzen deutschen Wirtschaft ab, und die Reichsregierung hofft hierbei darauf, daß ganz besonders die zahlenmäßig starke Schicht der mittleren und kleineren Betriebe, die für das Gelingen des Planes von besonderer Bedeutung sind, ihre Mitwirkung nicht versagt. Ich möchte daher auch an dieser Stelle an das gesamte deutsche Unternehmertum den Appell richten, die ihnen gebotenen Möglichkeiten weitestgehend auszunutzen. Die Notverordnangen für ole Sanierung der Landwirtschaft Der Reichspräsident hat am Dienstag abend die in der Rede des Reichsernährungsministers am Montag in München angekündigten Notverordnungen über die Zinssenkung für landwirtschaftliche Hypothekenzinsen und über das Vermittlungsverfahren für die Landwirtschaft und den verstärkten Vollstreckungsschutz unterzeichnet. Damit ist der erste Teil des Agrarprogramms der Regierung in die Tat umgesetzt. Die Kontingentierung wird auf dem Wege einer Verordnung erfolgen, die voraussichtlich erst in 10bis 14 Tagen erlassen werden wird, nachdem die Verhandlungen des Ministerialrats Walter mit den ausländischen Regierungen abgeschlossen sind. stimmungen irgendwie in Einklang zu bringen Minister von Gayl: Jawohl(Heiterkeit) Oberfohren(Heiterkeit) und der Deutschnationalen ist der Reichskanzler verhindert worden, die Regierungserklärung abzugeben. Der Reichskanzler betont nochmals, die Tatsache, daß er ohne das Auflösungsdekret zunächst in den Reichstag gekommen sei, beweise den guten Glauben daran, daß der Reichstag die Regierung zum Wort kommen lassen würde. Präsident Goering erklärt, Sie, Herr Reichskanzler, haben in der Oeffentlichkeit wiederholt behauptet, daß der Vertreter der Regierung jederzeit das Recht habe, das Wort zu ergreifen. Ist Ihnen bekannt, daß das Wort„jederzeit" in der früheren Verfassung bestanden und daß man es im Jahre 1920 ausdrücklich gestrichen hat? Stattdessen hat man gesetzt„außerhalb der Tagesordnung“. Vorsitzender Löbe erklärt, in der damaligen Beratung sei eingewandt worden, daß„jederzeit" ein falscher Ausdruck sei, da sonst die Regierung mitten in der Abstimmung oder mitten in einer Rede eines Abgeordneten das Wort verlangen könnte. Es entspinnt sich dann zwischen dem Reichstagspräsidenten und dem Reichskanzler nochmals eine lange Auseinandersetzung über die Frage, in welchem Zeitpunkt der Kanzler den Arm zur Wortmeldung erhob. Der Kanzler erklärte, daß er das noch vor den Worten:„Wir stimmen ab!“ getan habe. Ich war allerdings der Auffassung, so betont der Reichskanzler, daß, wenn Sie den Willen gehabt hätten, die Regierung zu Wort kommen zu lassen, Sie hätten anders verfahren müssen. Nach all gemeiner Auffassung war durchaus die Möglich keit gegeben, zu Beginn der Sitzung nochmals die Frage zu stellen, ob ein Widerspruch gegen den kommunistischen Antrag erhoben werde. Und dann wäre der Antrag Leicht gekommen und die Dinge hätten ihren normalen Lauf genommen. Präsident Goering erwidert, er habe die Aufgabe, die Volksvertretung gegenüber der Regie rung zu behaupten. Der Reichstag sei nicht der Exponent der Regierung, sondern im Gegenteil dazu da, Uebergriffe der Regierung abzuwehren. Reichskanzler v. Papen: Die Verlesung einer Regierungserklärung ist kein Uebergriff. Abg. Dr. Oberfohren(Dnatl.): In der Ziel setzung meiner Partei und meiner Person lag die Auflösung des Reichstages. Die habe ich erreicht, und wenn die Herren Nationalsozialisten mir dazu dienlich gewesen sind, ist das ihre Sache (Hört, hört und Bewegung). Abg. Dr. Pfleger(Bayr. Vpt.): Es ist behaup tet worden, Sie, Herr Reichskanzler, hätten das Auflösungsdekret mit dem Text nach unten auf den Präsidententisch gelegt. Reichskanzler: Tribünenbesucher haben mir mitgeteilt, sie hätten sogar die Unterschrift des Reichspräsidenten, die ja bekanntlich sehr groß ist, lesen können.(Abg. Torgler(Komm.)„Das waren Hellseher!"— Große Heiterkeit). Reichstagspräsident Goering: Das Dekret ist vom Herrn Reichskanzler vielleicht in der Mei nung, er lege es nach oben, tatsächlich aber mit der Schrift nach unten hingelegt worden. In der Presse hat sogar gestanden, man habe das Dekret liegen sehen, der Reichsadler habe ordentlich dar auf geleuchtet. Ich glaube, Herr Reichskanzler, Sie wissen selbst, was für ein Schriftstück das war. Vom Reichsadler war gar keine Rede Abg. Torgler(Komm.): Was hätte der Reichs kanzler getan, wenn die kommunistischen An träge sofort zur Abstimmung gestellt worden klärt, die Notverordnung sei nicht aufgehoben, die Regierung nicht gestürzt? Der Reichskanzler erklärt, er könne diese Fragen nicht beantworten. Abg. Dr. Frank 2(Natsoz.): Es war also Oberfohrens Absicht, den Reichstag aufzulösen, Papen ist gar nicht gefragt worden, sondern Herr Oberfohren hat das angeordnet(Heiterkeit). Herr Reichskanzler, werden Sie künftig, nachdem die Rechtslage jetzt für Sie klar ist, vor dem Zwischenausschuß erscheinen oder wird Ihre bedingte Weigerung aufrechterhalten? Die Antwort des Reichskanzlers bleibt unverständlich. Abg. Reinhardt(Natsoz.): In der Reichskanzlei iegt ein Gutachten von Professor Gerhard Anschütz vom 12. März 1932 vor, an dessen Schluß es heißt: Die außerordentlichen Gewalten des Reichspräsidenten stehen nicht über, sondern unter der Gewalt des Reichstages, der es jederzeit in der Hand hat, ihm nicht genehme Diktaturmaßnahmen durch Verlangen ihrer Außerkraftsetzung oder durch ein von ihm beschlossenes Gesetz zu beseitigen oder zu noch schärferen Kampfmitteln, nämlich Vertrauensentziehung, Anklageerhebung vor dem Staatsgerichtshof, Antrag auf Absetzung des Reichspräsidenten, zu ergreifen. Reichskanzler: Das gehört nicht zum Beweisthema.(Bewegung.) Damit ist die Vernehmung des Reichskanzlers beendet. Als von Papen sich erhebt, um den Saal zu verlassen, kommandiert ein Nationalsozialist: Die Deutschnationalen aufstehen!— Große Heiterkeit. Es folgt die Vernehmung des Reichsinnenministers Freiherr von Gayl. Meine persönlichen Wahrnehmungen gingen dahin, daß in dem Augenblick, wo seitens des Reichstagspräsidenten die Worte fielen:„Wir kommen nun zur Abstimmung", der Reichskanzler sich erhob und sich zum Wort meldete. Als daraufhin der Präsident sich nach links drehte und von der Wortmeldung anscheinend keine Notiz nahm, sah ich, daß der Staatssekretär Planck sich erhob und in der Richtung zum Präsidententisch etwas sagte. Dann meldete sich der Reichskanzler sofort noch einmal zum Wort und sagte dabei, soweit ich es von meinem Platze hören konnte, dem Sinne nach:„Ich bitte ums Wort". Als dem Reichskanzler daraufhin das Wort nicht erteilt wurde, entfernte er sich zwei Schritte von seinem Platze und nahm das Blatt aus der „Wollen Sie Kulturfragen im Hauplausscu des Preußischen Landtages Der Hauptausschuß des Preußischen Landtags lehnte einen kommunistischen Antrag auf Aufhebung aller Ausgaben für kirchliche Zwecke ab. Angenommen wurde gegen Sozialdemokraten und Kommunisten ein nationalsozialistischer Antrag auf Verbot der Freidenker- und Gottlosenverbände. Der nationalsozialistische Antrag auf Errichtung einer öffentlichen Professur für Arbeitsbeschaffung usw. an der Universität Marburg wurde abgelehnt, während einstimmige Annahme der Antrag fand, wonach eine Kommission gebildet wird zur Prüfung der Wirtschaftsführung der preußischen Staatstheater. Auch ein nationalsozialistischer Antrag fand Zustimmung, wonach dem Landtag alsbald von sämtlichen Staatstheatern und Kapellen eine genaue Aufstellung vorzulegen ist über die beschäftigten Ausländer und Juden sowie über diejenigen, die erst nach 1918 die deutsche Staatsangehörigkeit erwarben Ein nationalsozialistischer Antrag, die Summfür die Landesbühne zu erhöhen, wurde in einer von den Deutschnationalen vorgeschlagenen geänderten Fassung einstimmig angenommen. Danach soll die Summe von 200 000 Mark so erhöht werden, daß die Grenztheater in SchleswigHolstein, Ostpreußen, Schlesien und Rheinland sowie die Wanderbühnen ihren Betrieb aufrecht erhalten können. Abgelehnt wurde gegen die nationalsozialistischen Antragsteller und die Deutschnationalen ter Antrag, den paritätischen Bühnennachweis von jüdischem Einfluß zu reinigen. Luftfahrt Neues deutsches Großflugzeug in Paris Das neue Junkers=Flugzeug J. M. 52 ist von Berlin über Köln kommend auf dem Flugplatz Le Bourget eingetroffen. Das Flugzeug biete 15 Personen Platz. Unfall eines italienischen Postflugzeuges. Zwei Tote Das den Postverkehr zwischen Venedig und Triest vermittelnde Postflugzeug geriet auf den Fluge nach Triest bei Grado in ein heftiges Gewitter und mußte auf das Wasser niedergehen Es stieß beim Schwimmen an die Mole von Grado und kenterte. Ein Passagier und der Bordmonteur kamen ums Leben. Der Flugzeugführer und die anderen Insassen wurden zum Teil schwer verletzt. Von Gronau in Manila Aus Manila, 27. Sept., wird berichtet: Wolfgang von Gronau ist nach 6½stündigem Fluge von Hongkong kommend hier glatt gelandet * Der Gordon-Bennet-Flug Der amerikanische Ballon„US Navy" Sieger Mit der Landung der letzten beiden amerikanischen Ballone und des spanischen ist die Gordon=Bennet=Fahrt 1932 beendet. Von der Jury wurden folgende Kilometerzahlen bekanntgegeben: 1.„US Navy"(Amerika 1500 Klm.; 2.„Petit Moussee"(Frankreich) 1233 Klm.; 3.„Polonia"(Polen) 1176 Klm.; 4.„Gdynia"(Polen) 1076 Klm.; 5.„Stadt Essen" (Deutschland) 1054 Klm.; 6.„L' Aventure“ (Frankreich) 963 Klm.; 7.„Belgica"(Belgien) 948 Klm.; 8.„Victor de Beauclair"(Schweiz) 878 Klm.; 9.„Barmen"(Deutschland) 850 Klm. 10.„Lafayette"(Frankreich) 785 Klm.; 11 „Deutschland"(Deutschland) 748 Klm; 12.„Ernst Brandenburg"(Oesterreich) 686 Klm. nochmal zum Wort melden?" sagte er„Sie Viele Tote bei einem Erdbeben auf sehen, das geht nicht, ich bekomme das Wort nicht." Dann legte er das Blatt dem Präsidenten hin. Reichstagspräsident Goering: Haben Sie beobachtet, daß in dem Augenblick, wo ich das Wort „Abstimmung" gesprochen habe, der Reichsaußenminister den Reichskanzler angestoßen hat? Minister von Gayl: Das habe ich nicht bemerkt. Ich wollte aufspringen, bin aber an einem Schlüssel hängen geblieben. Abg. Torgler(Komm.): Ist der Herr Reichsinnenminister und Reichsverfassungsminister der Meinung, daß die Tatsache, daß die Reichsregierung den Reichstag auflösen wollte, bevor der Reichstag von seinem ihm nach der Verfassung zustehenden Rechte, der Regierung das Mißtrauen auszusprechen und eine Notverordnung dem Balkan Die Belgrader Seismologische Station verzeichnete am Montag um 20,22 Uhr den Beginn eines heftigen Erdbebens etwa 435 Klm. von Belgrad. Im Lande hat das Beben an verschiedenen Stellen Sachschaden verursacht. Menschen sind nach den bisherigen Meldungen nicht zu Schaden gekommen. Ein Teil der Bevölkerung des betreffenden Gebietes ist in die Felder geflüchtet. Nach amtlichen Meldungen aus Mazedonien ist das Dorf Stratonikion auf Chalacidice durch das Erdbeben zerstört worden. Es wurden 50 Tote und 100 Verwundete gejählt. Auch in dem benachbarten Dorf Jerifos sind zahlreiche Häuser eingeürzt und man rechaet mit etma 100 Nr. 228 Zweites Blatt Mittwoch. den 28. September 1932 Aus der Stadt Ein neues S. G. U. Eigenheim im Möhnetal Die beiden Nachbarabteilungen Soest und Lippstadt des Sauerländischen Gevirgsvereins haven den Gedanken, in dem schönen Wald- und Seegebiet des Möhnetals ihren Mitgliedern und deren Angehörigen eine Rast= und Erholungsstätte in Gestalt eines Eigenheimes zu schaffen, schnell in die Tat umgesetzt. Durch das einmütige und harmonische Zusammenarbeiten der beiden Ableilungen ist mit verhältnismäßig geringem Kapital etwas geschaffen worden, oas für die Vereinsangehörigen aud, für spätere Zeiten ein dauerndes ideales Werk bleiben wird, für die Vereine aber selbst als Bindeglied harmonischen Einvernehmens und tätigen Zusammenarbeitens sich vorteilhaft für die Bestrebungen des SGV. auswirken wird. Auf einem unter günstigen Bedingungen von dem Gastwirt Schnettler in Völlinghausen zur Verfügugn gestellten 560 Gevieruneter großen Grundstück auf der nördlichen Anhöhe des Möhnetals, etwa 200 Meter von der Haltestelle Völlinghausen der Westf. Landeseisenbahn entfernt, wurde etwa Mitte Juli ds. Ihs. mit dem Bau begonnen und bereits am vergangenen Sonnabend konnte durch eine Vertreterversammlung der beiden Abteilungen der fertige Neubau besichtigt werden. Es ist ein gefälliges Holzwerkhaus mit isokierten Doppelwänden, bestehend aus einem Erd= und Obergeschoß mit breit vorgelagerter Veranda, von der aus man einen wundervollen Ausblick über die grüne Wiesenfläche hinweg auf den gegenüber liegenden Bergwald mit vier ineinander schneidenden Vergrücken bis auf die Ruhrhöhen genießt. Links begrenzt der Lüsenberg vor Niederbergheim den Talkessel und rechts verliert sich der Blick dem Lauf der Möhne folgend weiter in den hier beginnenden Stausee der Talsperre. Die Schlafräume, je 3 für die beiden Abteilungen, befinden sich im Obergeschoß zu beiden Seiten einer geräumigen und heizbaren Diele, ferner noch ein gemeinsames heizbares Zimmer für Wintersportler und die Küche. Im Untergeschoß sind die Wasch= und Klosettraume, getrennt für Männer und Frauen, ein Geschäftszimmer und ein größerer Raum für Fahrräder, Wintersportgoräte, Heize u. Brennmaterial. Elektrisches Licht, fließendes Wasser, Spülklosetts erganzen die Vollständigkeit einer guten Raststätte. Die Soester Abteilung hat einen ihrer Schlafräume für Dauergäste mit 6 weißgestrichenen neuen Holzbettstellen mit Drahtfedermatratzen ausgestattet, während für die übrigen Schlafräume, die für den Durchgangsverkehr bestimmt sind, die bekannten Eisenbettstellen vorgesehen sind. Direkt neben dem Hausgrundstück ist eine Wiese für Liegezwecke von einem dortigen Grundstückseigentümer auf die Dauer von 25 Jahren hinzugepachtet worden. Mit dem Gastwirt Schnettler ist ein Abkommen getroffen worden, den SGVlern, die nicht selbst in dem Heim kochen wollen, ein gutes Mittagessen zu ermäßigtem Preise zu verabreichen. Hervorzuheben verdient, daß die Soester Abteilung den Bau des Eigenheims ohne Beitragserhöhung für die Mitglieder ermöglichen konnte, den dank eines vorhandenen Barbestandes aus früheren Jahren eine sparsame Kassenverwaltung ermöglichen konnte. Wenn nun auch der Bau fertig dasteht, die Räume mit Betten und Sitzgelegenheit ausgestattet sind, so fehlt doch noch mancherlei, was das Heim dort wohnlich und traulich macht und es unterliegt wohl keinem Zweifel, das sich Mitglieder, besonders auch Freunde und Gönner der Vereine finden werden, die durch Stiftung von Haus= und Küchengegenständen, Wandschmuck usw., mit zu der noch fehlenden Inneneinrichtung beitragen. Am kommenden Sonntag, dem 2. Oktober, nachmittags 15 Uhr, findet eine schlichte Einwerkungsfeier mit nachfolgendem gemeinsamen Kaffeetrinken und Tanzkrängchen, im Gasthof Schnettler statt, zu der auch namhafte PersönAichkeiten, die der Sache nahestehen, und die Nagbarabteilungen des S. G. V. eingeladen Psind. Das schmucke, im rotbraunen, grün und weißem Farbion gehaltene Haus, von dessem Worplatz der grüne Wimpel mit dem Zeichen „S. G. V.“ im Winde weht, dürfte dann der Mittelpunkt einer von allem Parteigezänk freien, nur dem Heimatgedanken fördernden Kundgebung büden. S. Preisbericht für Kleinverbraucher vom 19. 9.— 24. 9. 1932 Broit Weizenmischbrot, 1 Pfd. 18,8 bis 19,2 8, Roggenmischbrot 1 Pfd. 18—19,2 3, Roggenfeinbrot, 1 Pfo. 16—18 8, Kleingebäck(Schrippen, Brötchen, Semmel pp.), 4 Stück 10 J. 3 Stück 9 J. Frischfleisch: Kindfleisch: Schmorfleisch(Keule, Rindsbraten sasw.) mit Knochen, 1 Pfd. 80 bis 90 J, Brust und züilerrippe(Kochfleisch, Suppenfleisch usw.), 1 Pfd. 70—80 Z, Fehlrippe(Hochrippe, dicke Rippe usw.), 1 Pfd. 70—80 3, Gehacktes(Hackfleisch, Schabefleisch usw.), 1 Pfd. 90 bis 100 J, Talg(Rindsfett) 1 Pfd. 25—40 J. Schweinefleisch:(Schinken, Keule, Schlegel usw.) 1 Pfd. 70—90%, Kotelett(Karbonade, Rippenstück, Rippchen usw.), 1 Pfd. 90 bis' 100 F, Schnitzel (Schweinesteak) ohne Knochen, 1 Pfd. 110—140 3, Kamm(Nacken, Gratbraten usw.), 1 Pfd. 90 bis 100 3, Schulter(Schuft, Schäuferl usw)., 1 Pfd. 80 bis 90 J, Bauch(Wammerl usw.), 1 Pfd. 70 bis 80 J, Rückenfett(grüner Speck usw.), 1 Pfd. 50 bis 80 J. Kalbfleisch: Keule(Schlegel usw.) mit Knochen, 1 Pfd. 80—90 Z, Nierenbraten, 1 Pfd. 80 bis 90 Z, Brust(Brustbraten usw.) 1 Pfd. 70 bis 80 3, Schulter(Bug, Blatt, Schäuferl usw.), 1 Pfd. 80 bis 90 Z, Kamm(Gratbraten usw.), 1 Pfd. 70 bis 90 Z, Schnitzel ohne Knochen, 1 Pfd. 120 bis 150 J. Hammelfleisch: Keule(Schlegel usw.), mit Knochen, 1 Pfd. 90 bis 100 Z, Rücken, 1 Pfd. 80 bis 90 3, Schulter(Schuft, Schäuferl usw.) 1 Pfd. 80=90 Z, Bauch(Dünnung usw.), 1 Pfd. 70 bis 80 J. Eßkartoffeln: 1 Pfd. 4 bis 5 J. Vollmilch: 1 Ltr. 16 bis 20 J. In Flaschen 25 J. Schweineschmalz, hiesiges, 1 Pfd. 70 bis 80 J. Schweineschmalz, ausländ., 1 Pfd. 38 bis 58 J. Bulter: Molkereibutter, inländ., 1 Pfd. 130 bis 145 J. Landbutter, 1 Pfd. 120 bis 130 J. Margarine, 1 Pfd. 28 bis 80 J. Kokosfett, 1 Pfd. 28 bis 63 J. Salzheringe, 1 Stück 3 bis 10 J. Rotbarsch, 1 Pfd. 25 J. Schellfisch, 1 Pjd. 30 bis 35 J. Kabeljau, 1 Pfd. 22 J. Käse: Holländer, halbfett, 1 Pfd. 46 bis 75 J. Holländer, vollfett, 1 Pfd. 90 bis 140 J. Edamer, 1 Pfd. 46 bis 90 J. Schweizer, 1 Pfd. 100 bis 150 J. Zucker, 1 Pfd. 38 bis 40 J. Reis(Vollreis, mittl. Güte, 1 Pfd. 15 bis 28 Graupen, 1 Pfd. 20 bis 40 J. Erbsen, gelbe, 1 Pfd. 18 bis 28 J. Speisebohnen, weiße, 1 Pfd. 15 bis 30 J. Linsen, 1 Pfd. 15 bis 35 J. Hühnereier: 1 Stück 9 bis 11 J. Gemüse: Weißkohl, 1 Pfd. 6 bis 8 J. Rotkohl, 1 Pfd. 7 bis 8 J. Wirsing, 1 Pfd. 6 bis 8 J. Blumenkohl, 1 Stück 15 bis 35 J. Mohrrüben, 1 Pfd. 10 bis 15 J. Sauerkraut, 1 Pfd. 6 bis 14 J. Bei vorstehenden Preisen handelt es sich um die jeweils im Stadtbezirk vorkommenden niedrigsten und höchsten Preise einer Ware. ?:? Stallbrand. Gestern abend wurde kurz nach 11 Uhr bemerkt, daß im Stallgebäude des Kaufmann Bendir Sommer, Thomästraße 13, Feuer entstanden war. Tas Feuer fand an der Holzverschalung reiche Nahrung. Die in dem massiven Bau untergebrachten Gegenstände wurden ein Raub des Feuers Die schnell eingreifende Feuerwehr hatte das Feuer bald auf seinen Branoherd beschränkt. )!( Herbstfeier. Die vor wenigen Monaten gegründete Jungschar(ev. Mädchen von 9—14 Jahre), die ihre regelmäßigen Zusammenkünfte Mittwoch nachmittags im Wiesen=Gemeindehause hält, will am kommenden Sonntag eine öffentliche Herbstfeier im großen Saale des ev. Vereinshauses halten. Die Feier, um 4,30 Uhr beginnend, wird alte und neue Herbstlieder, Gedichte und Reigen, dazu ein Märchenspiel und allerlei kleine Ueberraschungen für die Mitglieder bringen. Freunde der Sache, insbesondere die Eltern der jugendlichen Mitglieder, sind herzlichst eingeladen. := Die Autobandilen, die in Soest und Lippstadt und an anderen Orten Einbrüche versuchten, in Rheda einen Polizeibeamten tot fuhren, haben sich am Mittwoch, den 5. Oktober, vor dem Sondergericht in Bielefeld zu verantworten. * :-: Rentenzahlen beim Postamk, bei den Postagenturen und Poststellen. Die Militärrenten für Oktober werden Donnerstag, den 29. September, die Invaliden= und Unfallrenten Sonnabend, den 1. Oktober gezahlt. Es wird besonders darauf hingewieen, daß die Rentenquittungen über Invaliden= und Unfallrenten amtlich beglaubigt sein müssen. Die Namen der rentenberechtigten Kinder oder Mündel sind zum Zwecke der Lebensbescheinigung in den Rentenquittungen anzugeben. ::: Erfolg einer Soester Tennisspielerin. Am Mittwoch wurde das sauerländische Tennisturnier in Neheim beendet. Als Endrundensieger konnte sich Herr J. Kanthak=Arnsberg behaupten. Im gemischten Doppelspiel blieben Frl. Knickmeyer=Soest — Kanthak=Arnsberg mit 5:7, 6:4, 6:2 über Frau Schulte=Dortmund—Willi Schulte, Dortmund, Sieger. )l( Im Hotel-Kaffee„Zum Krahnen“ findet heute ein„Lustiger Abend“ statt. Es ist Herrn Köhler gelungen, einen unserer besten westdeutschen Vortragskünstler als Gast zu engagieren. Die Kapelle Heinz Damitz wird den Abend mit den neuesten Operetten ausfüllen. )!( Kath. Männer-Gesangverein. Mittwoch, den 28. September, abends 8 Uhr, außerondentliche Gesangstunde. Um pünktliches Erscheinen wird gebeten. Der Musikperein gibt in diesem Jahr am 4. Oktober, abends 8 Uhr, im Blauen Saal sein erstes Konzert. Es sind dazu die Herren Borries, Spennagel und Dr. Schäfer, die sich zu einem Streichtrio zusammengeschlossen haben, ver133 798 188 fu pflichtet. Dieses Streichtrio hat bereits in vielen Großstädten mit großem Erfolg Konzerte gegeben. So schreibt eine Münstersche Zeitung: Nicht oft erlebt man solch herrlichen Kammermusikabend. Doch wird er noch lange anhaltend wirken, denn friedlichen Herzens darf man sich der jungen Männer erinnern, die an ihrem ersten Abend so harmonisch aufeinander abgestimmt die Seelen ihrer in Wonne schwelgenden Instrumente hervorkehrten. Es ist nicht Ueberhebliches, wenn man vom jungen Siepf=Borries schreibt, daß er meisterhaft die Violine beherrscht und das Trio führt, es ist nicht übertrieben, von dem samtweichen bezaubernden Musizieren des Bratschisten Karl Spennagel und von dem wehmütigen, dunklen Ernst des Cellos Dr. Herbert Schäfers zu schreiben. Wer den Abend miterlebte, kann mit Stolz die Namen der Künstler nennen. Dazu sei noch bemerkt, daß Herr Siegf. Borries bei dem im.... stattgefundenen Wiener internationalen Geigerwettbewerb als Jüngster unter rund dreihundert Bewerbern den 3. Preis bekommen hat. Mithin wird den Soester Musikfreunden ein genußreicher Abend bevorstehen. Der Vorverkauf beginnt heute und morgen für Mitglieder, ab Freitag sind Karten zu 2,20 Mark, für numerierten Platz und 1,20 Mark für nichtnumerierten Platz und Schülerkarten zu 60 Pfg. im Städt. Verkehrsamt zu haben. Wichtig für alle Jungmädchen Am 8. Oktober beginnt an der ministeriell anerkannten Haushaltungsschule, Soest, Thomästraße 8, ein neuer Kursus. Jungen Mädchen wird dort Gelegenheit geboten, sich in allen Zweigen der Hauswirtschaft gründlich auszubilden: im Kochen(sowohl in der einfach-bürgerlichen, wie auch in der feineren Küche und in der Zubereitung von Krankenkost), Backen, Einmachen, Einschlachten, in allen Hausarbeiten, im Waschen, Plätten und in der Nadelarbeit(Støpfen, Flicken, Zuschneiden, Nähen von Wäsche und Kleidern wie auch feine technische Arbeiten). Mit der Praxis geht Hand in Hand ein gründlicher theoretischer Unterricht, der sich auf allgemein bildende Fächer, besonders aber auf alle hauswirtschaftlichen Gebiete und die häusliche Buchführung erstreckt. Das Abschlußzeugnis dieser Haushaltungsschule berechtigt zum Eintritt in hauswirtschaftliche und sozial=pflegerische Seminare. Junge Mädchen, welche keine weitere Berufsausbildung erstreben, sondern denHauptwert auf eine allseitige praktische Ausbildung legen, können von einigen oder allen theoretischen Stunden befreit werden. An dem Kursus können sowohl junge Mädchen aus der Stadt wie auch von auswärts teilnehmen, da mit der Schule ein Schülerinnenheim verbunden ist. Es wird schon jetzt auf eine am Sonntag, dem 2. Oklober in den Räumen der Haushaltungsschule, Thomästraße 8, stattfindende hauswirtschaftliche Ausstellung hingewiesen. 42. Westfälischer Feuerwehrtag in Dortmund. Schon zweimal, im Jahre 1884 und im Jahre 1892, versammelten sich die westfälischen Feuerwehren in Dortmund, um gemeinsam Besprechungen abzuhalten und die gemachten Erfahrungen untereinander auszutauschen. Der am 2. Oktober ds. Is. in Dortmund stattfindende 42. Westfälische Feuerwehrtag wird die dem Westfälischen Feuerwehrverbande e. V. Münster und die dem Minden=Ravensberg=Lippischen Feuerwehrverbande angeschlossenen Wehren versammeln. Insgesamt umfassen diese Verbände 1082 Wehren mit 53000 Mitgliedern. Wenn aus ersichtlichen Gründen auch nicht sämtliche Wehren am Westfälischen Feuerwehrtage teilnehmen können, so sind doch bereits jetzt schon mehrere tausend Feuerwehrmänner zur Teilnahme angemeldet. Das Hauptkontingent der Teilnehmer werden die freiwilligen Feuerwehren bilden. Selbstverständlich nimmt auch— vor allem an den Uebungen— die Dortmunder Be rufsfeuerwehr teil. Der 42. Westfälische Feuerwehr tag in Dortmund wird durch die vorgesehenen Uebüngen nicht nur bei den Wehren selbst, sondern auch beim Publikum größtes Interesse hervorrrufen, zumal durch Anlage einer Großlautsprecheranlage die Erläuterung der Uebungen ermöglicht werden wird. Das eigentliche Programm des Tages sieht folgende Veranstaltungen vor: Tragen Sie meine blauen Mützen farbecht, bewährte Qualitaten Mark: 2,50 3,50 auch in den billigeren Mützen zu Mark: 1,— 1,50 2,— finden Sie eine große Auswahl August Pier Von 10—12 Uhr findet die Delegiertenversammlung im Emelka=Palast statt. Von 12—13 Uhr wird auf dem Marktplatz und auf dem Hansaplatz je ein Platzkonzert abgehalten werden. Um 14,45 Uhr treten die Wehren zum Festzug auf dem Lortzingplatz an und marschieren dann durch folgende Straßen: Münsterstraße, Burgtor, Burgwall, Schwanenwall, Ostwall, Südwall, Hiltropwall. Hier findet am Stadttheater der Vorbeimarsch statt. Der Zug bewegt sich dann weiter durch die Kuhstraße zur Hansastraße u. endet am Marktplatz. Um 16 Uhr schließen sich hier die Schauübungen an, die an der Stadt= und Landes bibliothek sowie am Alten Rathaus vorgenommen werden. An diesen Uebungen nehmen teil ein Zug der Berufsfeuerwehr Dortmund, der Rüstzug mit Krananhänger und Krankenwagen, der Gerätewagen mit Schauanhänger und Krankenwagen, ein Zug der freiwilligen Feuerwehr Dortmund=Aplerbeck, ein Zug der freiwilligen Feuerwehr Dortmund=Lütgendortmund, ein Zug der Zechenfeuerwehr Minister Stein. Die Uebungen werden eine besonders interessante Note durch die Vorführung neuer Löschmittel erhalten. Es werden unter anderem auch Löschversuche an Brennmaterialien vorgeführt, die mit Wasser nicht zu löschen sind, wie Benzin, Termit, Elektron usw. Danach werden die Wehren in die Standquartiere abrücken. Was ist und was wil der Verein für das Deutschtum im Rusland? Außerhalb des Deutschen Reiches leben so viele Deutsche wie Franzosen in Frankreich. Jeder dritte Deutsche ist ein Auslandsdeutscher. Abgesehen von dem geschlossenen deutschen Siedlungsgebiet in Mitteleuropa leben diese Deutschen über die verschiedensten Zonen und Länder verstreut. Solange es eine deutsche Geschichte gibt, quillt ein Ueberschuß von Menschen über die Ränder der zu engen Heimat. Viele fremde Staaten verdanken ihren kulturellen Aufschwung zum größten Teil der Arbeit dieser„Auslandsdeutschen". Noch heute zeugen die großen deutschen Bauern= und Bürgerkolonien in Siebenbürgen, im Banat, in Ungarn, Polen u. Rußland von dem Fleiß und der Zähigkeit dieser deutschen Volksgenossen, die fern von der Heimat„aus einer Wüste ein blühend Eden" schufen. Aber nur gar zu häufig ernteten sie schnöden Undank und wurden zum Kulturdünger für fremde Völker herabgedrückt. Weitere Millionen von deutschen Volksgenossen wurden durch die Diktate von Versailles und St. Germain vom deutschen Mutterland, vom Deutschen Reich und Oesterreich losgerissen und dem Druck fremder Staaten ausgesetzt, die ihnen mit Gewalt ihr angestammtes deutsches Volkstum nehmen wollen. In Polen, in der Tschechoslowakei, in Südslawien und in Südtirol sind Tausende von deutschen Schulen geschlossen worden, damit die deutsche Jugend nicht mehr deutsch sprechen, lesen und schreiben lernt und so geistig und seelisch dem deutschen Volke verloren geht. Hier helfend einzugreifen, hat sich der Verein für das Deutschtum im Auslande(V. D. A.) zur Aufgabe gesetzt. Sein Ziel ist es, das bedrohte deutsche Volkstum in fremden Ländern, insbesondere die gefährdete deutsche Jugend zu schützen. Von kleinen Schulgründungen in Südtirol vor fünfzig Jahren ausgehend, hat sich die Tätigkeit des V. D. A. allmählich gewaltig entfaltet, und heute umfaßt er das gesamte Deutschtum der Welt. Er hat nicht viel von sich reden gemacht, um so fleißiger hat er aber gearbeitet. Man hätte oft gewünscht, daß er an allen Ecken und Enden der Welt die Reklametrommel rühre und allerorts verkünde, wie ungeheuerlich gegen das Selbstbestimmungsrecht der Völker gesündigt wird. Was hat nun der V. D. A. getan? Weshalb hat er die Berechtigung, sich den deutschen Volksverein schlechthin zu nennen? Weshalb müßte eigentlich jeder Deutsche Mitglied dieses Verbandes sein? Im Laufe seiner mehr als fünfzigjährigen Geschichte hat er Tausende von deutschen Schulen in aller Welt gegründet, unterhalten und unterstützt und Lehrer für sie ausgebildet. Millionen von guten deutschen Büchern und Zeitschriften hat er an die ausländischen Gemeinden und Volksbüchereien hinausgesandt und dem Auslandsdeutschtum die Führer herangebildet, die ihm in dem Kampf um die Erhaltung von deutscher Sprache und Art vorangingen. An allen Ecken hat er bedrohtes Deutschtum vor dem Untergang gerettet. Die Spuren seiner Arbeit finden sich in den Anden wie im Kaukasus, in den Karpathen und am Schwarzen Meer ebenso wie in Estland und in den Vereinigten Staaten von Amerika. So hat der V. D. A. im Laufe seiner Geschichte manche Million in unzähligen kleinen Spenden geammelt und zum Besten des Deutschtums in aller Welt verwandt. Noch im letzten Jahre hat er trotz der Notzeit für diese Zwecke 1,8 Millionen aufgebracht. Wahrlich eine stattliche Summe! Teilen wir sie jedoch auf die 62 Millionen Einwohner Deutschlands auf, dann sehen wir, daß von jedem Reichsdeutschen für diese so ungeheuer wichtige Arbeit, die Erhaltung des Deutschtums im Ausland, nur 3 Pfennige beigesteuert werden. Sollte es sich nicht erreichen lassen, daß für einen solchen Zweck jedermann, aber ohne jede Ausnahme, einen, wenn auch noch so kleinen Beitrag nach seinen Kräften entrichtet, seien es auch nur 5 oder 10 Pfennige im Monat? 30 oder 40 Millionen Mark erst würden genügen, um die dringendsten Bedürfnisse der entrechteten, für ihr Volk leidenden Auslandsdeutschen zu befriedigen. Der V. D. A. ist von jeher dafür eingetreten, daß alle Menschen deutscher Zunge zusammengehören und sich gegenseitig zu helfen haben. Standes=, Parteiund konfessionelle Unterschiede gibt es für ihn nicht, kann und darf es für ihn nicht geben. Denn das Deutschtum im Ausland setzt sich aus allen möglichen Schichten zusammen. Gerade Arbeiter, Angestellter und Bauer bilden den überwiegenden und den bedrohtesten Bestandteil. Denken wir nur an die deutschen Bergarbeiter in Ostoberschlesien und die deutschen Industriearbeiter in Nordböhmen, an die deutschen Bauern an der unteren Dona, an der Wolga und in Südbrafilien. Halten wir uns ihre wirtschaftlichen Bedrängnisse, ihre Schulnöte und ihre politische Unter drückung, die geistige Not ihrer Jugend vor Augen, erinnern wir uns ihrer mutigen Bekenntnisse zu unserem Volkstum, so müssen wir es alle als unsere Pflicht empfinden, für diese deutschen Brüder und Schwestern da dräußen einzutreten. Viele Wenig machen ein Viel! Wäre erst jeder Deutsche Mitglied des V. D. A., so könnte dieser noch durchgreifender wirken als bisher. Allzuoft hört man die Frage: Wie kommen wir Reichsdeutschen in der heutigen Notzeit dazu, die Auslandsdeutschen materiell zu unterstützen? Mögen diese doch allein für=sich sorgen.- Ganz'abgesehen davon, rung und Krisenfürsorge ausscheiden und als Wohl= weitaus Besten, ober auch alle anderen Soester taten ahrtserwerbslose nun völlig den Bezirksfürsorgever= voll ihre Pflicht, trotzdem der Sturm nicht in bester bänden zur Last fallen. Die Ausgaben des Reiches Form spielte, gelangen ihm doch vier Tore, an denen ablinke großen Anteil hat, obwohl er selbst kein doch allein für=sich sorgen.- Ganz daß es den Auslandsdeutschen heute durchweg wirtschäftlich noch viel schlechter geht als uns im Reich, wollen wir uns doch darüber klar sein, daß jeder Deutsche im Ausland, der deutsche erhalten wird, ein Pionier für die deutsche Wirtschaft und ein Helfer für den Wiederaufstieg unseres Volkes ist. Je gefestigter, je gesicherter das Deutschlum im Ausland dasteht, eine lumso sichen und bessete Stütze kann es für uns selbst in der Welt sein. Deutschland ist heute mehr denn je auf die Erträgnisse seiner Ausfuhr angewiesen; die sichersten Abnehmer deutscher Waren und die aufrichtigsten Werber für sie unter fremden Völkern sind aber die Deutschen im Auslande. Kein Handelsvolk der Welt hat so billige Agenten wie das deutsche, aber auch keins hat diese natürlichen Vertreter seiner Interessen so wenig beachtet. So schließt sich der Ring: Sorgen wir im Reich für unsere deutschen Außenpo sten, damit diese Handin Hand mit uns für den Wie deraufstieg unseres Volkes arbeiten können. Was wir ihnen tun tun wir letzten Endes für uns selbst. Aus dem Möhnetale, 27. Sept. Pilze gibt es in diesem Jahre so viele, wie sie es nur selten vorher gegeben hat. Die Weiden an den sonnenbeschien nen Abhängen der Haar siehen voll der weißen Leckerbissen. Dank der Aufklärung in Schulen und Zeitungen ist die Kenminis der Pilze Gemeingut der Bevölterung geworden und die Scheu vor dem Pilz geschwunden. Hovestadl, 27. Sept. Generalversammlung der Deutschen Jugendkraft. Zu einer äußerst wichtigen Generalversammlung waren die Mitglieder der Jugendkraft im Vereinslokal Rodehüser erschienen. Nach kurzer Begrüßung des Vorsitzenden, Wilhelm Rüpping, kam man zur Tagesordnung, dessen Hauptpunkt die Aufstellung zweier Mannschaften war, da am kommenden Sonntag die Meisterschaftsspiele beginnen. Unsere erste Mannschaft spielt am kommenden Sonntag in Scheidingen, die Jugend in Beckum. Den Posten des Schriftführers, der sein Amt nach langjähriger Tätigkeit niederlegte, übernahm vorläufig der Vorsitzende Wilhelm Rüpping. Am 7. Januar wird ein Elternabend veranstaltet. Dort sollen kleine Theaterstückchen und tyrnerische Leistungen vorgeführt werden, um den Eltern auch mal die Arbeit im Jüng lingsverein und in der Jugendkraft zu zeigen. Ferner wurde beschlossen, künftig jeden Mittwoch abend 8 Uhr Turnstunden abzuhalten. Jugendkraft Heil! Scheidingen, 27. Sept. Silberne Hochzeit. Die Eheleute Gutsbesitzer und Mühlenbesitzer Heinrich Vickermann und Frau Bernhardine geb. Lohmann feierten am Sonntag das Fest der silbernen Hochzeit. Nachträglich unsere besten Glückwünsche! Körbecke, 27. Sept. Am Sonntag, den 2. Oktober veranstaltet der Werler Quärtettverein unter Leitung seines Dirigenten, Musikdivektor Liersch, im Westfälischen Hof in Körbecke ein Konzert. Mitwirkende ist die Konzertsängerin Frl. Reismann=Werl.— Der Beginn ist um 5 Uhr angesetzt. Der Eintritt beträgt 0,60 R.n. Reichswohlfahrtshilfe der Landkreise Die durch die Juni=Notverordnung vom Reich zur Verfügung gestellten Mittel zur Erleichterung der Wohlfahrtshilfe der Bezirksfürsorgeverbände decken die Ausgaben nur zu einem Bruchteil und sind daher unzureichend. Es kommt hinzu, daß von Monat zu Monat mehr Arbeitslose aus der Arbeitslosenversiche bänden als den Trägern der Wohlfahrtserwerbslosen ür Arbeitslosenversicherung und Krisenfürsorge sinken, die Ausgaben der Bezirksfürsorgeverbände steigen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, daß das Reich von der in der Notverordnung vorgesehenen Ermächtigung Gebrauch macht und die Wohlfahrtshilfe erhöht. Die Reichsmittel fließen den Bezirksfürsorgeverbänden zu, alsoden Stadt= und Landkreisen. Die preußischen kreisangehörigen Gemeinden werden an diesen Mitteln nicht unmittelbar beteiligt. Preußen hat vielmehr den in der Notverordnung vorgesehenen Weg der Entlastung der kreisangehörigen Gemeinden durch den Landkreis gewählt uno zwar in der Form, daß das bisher von den kreisangehörigen Gemeinden getragene ein Fünftel der Krisenfürsorge nunmehr, wie es hereits bei den sonstigen Fürsorgelasten der Fall ist, zu 70 Prozent vom Kreis übernommen werden. Die kreisangehörigen Gemeinden haben also nur noch 30. Prozent des gemeindlichen Krisenfünftels zu tragen. Sie sind in Höhe von 70 Prozent dieser drückenden Ausgaben und damit in erheblichem Umfang entlastet. Diese Regelung hat, abgesehen davon, daß sie organisch richtiger ist als eine direkte Beteiligung an der Reichshilfe den großen Vorteil, daß sie dem Gedanken des Lastenausgleichs durch den Kreis Rechnung trägt. Diese Entlastung der kreisangehörigen Gemeinden bringt aber den Landkreisen eine neue Belastung, die in zahlreichen Kreisen erheblich höher ist, zum Teil sogar ein Vielfaches des Betrages ausmacht, den die Landkreise als Reichswohlfahrtshilfe erhalten. Auch aus diesem Grunde muß die Reich hilfe erhöht werden. der Halblinke großen Tor schoß. Hoffen wir, daß die Schwächeperiode überwunden ist und sich die Grün=Weißen auf ihre frühenen Leistungen besinnen, dann wird es auch fernerhin güt gehen. 1. B. V. Sassendorf— 1. Schwarz-Weiß Hiddingsen 2:1(Halbzeit 0:1).“ Ecken 14:2. Turnen. Spiel und Sport VfR. Socst— Paderborn 13 4:2(1:0). Der VfR. holte sich in Paderborn am vergange nen Sonntag nach wechselvollem Spiel die ersten Punkte. Dem Spielverlauf wäre vielleicht ein Unentschieden eher gerecht geworden. Allerdings schei terten alle noch so gut gemeinten Angriffe der Pader borner an der sicheren Deckung der Hiesigen, in der sich Schmidt in einer ausgezeichneten Form befand Als der beste Mann des Platzes muß Baroth bezeich niet werden, er hielt was nur zu halten war, u. a. sogar einen Elfmeter, der nebenbei gesagt u. E. nicht berechtigt war. B. machte durch seine gezeigten Leistungen alle pessimistischen Voraussagen zunichte. Das Spiel beginnt mit dem Anstoß der Hiosigen, der aber schnell von den Paderbornern abgestoppt u. in die Nähe des Soester Tores getragen wurde, wo Schmidt jedoch mit wuchtigem Schlag klärte. Gleich darauf hat Baroth Gelegenheit, sein Können zu zeigen und entledigt sich dieser Aufgabe in sicherer Weise und in die Herzen der Schlachtenbummler zieht Hoffnung ein. Nach einigem Hin und Her bekommt VfR. einen Elfer zugesprochen, der von Helmers prompt eingeschossen wird. Dieser Vorsprung wird mit aller Macht von den Hiesigen bis zur Halbzeit gehalten. Nach Wiederbeginn werden die Soester zeitweise in ihre Hälfte eingeschnürt. Bei einem Angriff der Paderborner verhängt der Schiri wegen angeblichen Handspiels eines Verteidigers einen Elfmeter, der von Baroth aber sicher gemeistert wird. Kurz darauf erwischt Schanf 1 den Ball, spielt sich durch und erzielt durch schönen Schrägschuß aus ca. 25 m Entfernung das zweite Tor. Die Hoffnung der Schlachtenbummler auf den ersten Sieg wird größer und wird zur Gewißheit, als durch Hake und Rosenkranz noch zwei Tore vorgelegt werden. Das Spiel ist entschieden, trotzdem lassen sich die Paderborner nicht entmutigen und bringen das Soester Tor immer wieder in Ge fahr. Ihre Bemühungen werden auch durch 2 Tore belohnt(ein Elfer), und das Endresultat mit 4:2 hergestellt. Helmers hat mit einem Schuß Pech, er traf nur die Torlatte. Kurz darauf ist Schluß. Die Paderborner stellten eine Mannschaft ins Feld, die den Grün=Weißen das Siegen nicht leicht machte. Ueber ragend war der Halblinke, der Tormann war seh leichtsinnig. Bei den Soestern waren Baroth und Schmidt die Die Sassendorfer Sportgemeinde hatte am Sonntag Gelegenheit, einen wahren Meisterschaftskampf zu sehen. Obige Mannschaften stellten sich 3,30 Uhr dem Schiedsrichter Averkamp(VfR. Soest). Es entspann sich ein harter Kampf um 2 wertvolle Punkte. Der Ball wird von einem Tor zum andern getrieben. Saf sendorf erhält zwei Ecken zugesprochen, welche beide nichts einbringen." Jetzt eine scharf geschossene Ecke für Hiddingsen, welche der Halbrechte unhaltbar einköpft. Der Kampf geht weiter. Angriff auf Angriff rollt vor das Tor der Schwarz=Weißen aus Hiddingen. Dell im Tor hat sich jedoch etwas vorgenommen. Er zeigt sich von der besten Seite. Immer wieder euert er' seine Leute an. So kommt auch das Safendorfer Tor wiederholt in Gefahr. Sassendorf erhält noch einige Ecken und beim Stand 0:1 geht es in die Halbzeit. Nach Wiederbeginn läßt Hiddingsen merklich nach. Sie haben sich wohl in der 1. Hälfte verausgabt. Die Sassendorfer" sind stets am Vall. Jetzt erst muß Dell gänze Arbeit leisten, denn seine Verteidigung schießt Notbälle und verschuldet viele Ecken. Einen scharfen Schuß wehrt Dell ab. Es ent steht ein Geplänkel vor seinem Heiligtum, da fährt Cocco dazwischen und stellt das Ergebnis auf 1:1. Großer Jubel für das schon längst verdiente Tor. Unentwegt geht der Kampf weiter und schon sind die Sassendorfer wieder im Strafraum. Schenkel wird regelwidrig gelegt, der Schiedsrichter entscheidet Els meter. Dieser wird direkt auf den Mann geschossen, für Dell eine kleine Bagatelle. Jetzt hat Hiddingsen sich wieder auf das Spiel eingestellt, es wird wieder offener und interessanter. Auf und ab rollt der Ball, es geht schon langsam zu Ende. Tegethoff ist am Ball und rast damit ab. Schon läßt er eine Bombe los, und Dell kann nur mit Mühe zur Ecke keiten. Die Ecke von Tegethoff getreten kommt vors Tor!" Schen kel springt dem Ball einen Meter hoch entgegen und schon sitzt das Leder in den Maschen. Noch drei Mi nuten sind zu spielen. Der Schiri macht dem heißen Ringen ein Ende. Ihm gebührt ein besonderes Lob für die umsichtige und korrekte Leitung des Spieles. Den besten Mann des Platzes stellte Hiddingsen in Friedel Dell. Er konnte des öfteren reichen Applaus ernten. Der B. V. S. heftete jedoch zwei sauer verdiente Punkte an seine Farben. Ball Heil! Die 2. Mannschaft, das Schmerzenskind des Vereins, gab dem S. S. Soest zwei Punkte mit auf dem Heimweg(5:0). Die la-Jugend weilte bei S. S. Schwefe zum Diplomspiel. Sie konnte überlegen 7:0 gewinnen. Einen 4:0=Sieg errang die 1. Schülermannschaft in Schwefe über die gleiche und sicherte sich damit die ersten Punkte. 2. Schüler B.V. S.— 1. Schüler Hiddingsen 1:1. 3. Schüler B. V. S.— 1. Schüler Neuengeseke 0:2. 2.„Sport“-Enkesen— 2. B. V. Scheidingen 1:4. Wie vorauszusehen, verlor unsere Mannschaft gegen die Scheidinger. Hoffentlich zeigt die Mannschaft in Zukunft mehr System. Ball Heil! Olympiasieger in Soest Wir sind heute in der Lage mitzuteilen, daß an dem Schauturnen des B. V. B. am Sonnabend, den 8. Oktober, abends 8 Uhr, bei Gruß der 2. Olympiasieger Kurt Neubert aus Rödlitz in Sachsen teilnimmt Dieser konnte auf der Arbeiter=Olympiade, an welcher 35 Nationen mit ca. 300 000 Teilnehmern insgesamt teilnahmen, im Geräteturnen, uno zwar im Siebenkampf, den 2. Platz belegen. Es istFaußerdem die Kreisriege(die besten Turner aus Rheinland und Wostfalen) fest verpflichtet, sodaß das Stattfinden der Veranstaltung gesichert ist Das Rahmenprogramm wird von der Schüler= und Damenahteilung ausgefüllt, wozu dann noch Bodengymnastik gezeigt werden soll. Der Vorverkauf für diese Veranstaltung beginnt in den nächsten, Tagen. Die Vorverkaufsstellen werden noch bekannt gegeben. Sichern Sie sich rechtzeitig einen Platz! Wirtschaftliches Berliner Produktennolierungen. Berlin, S.. Sept. Weizen, märk., 76 kg 20 bis 211, später 210 Brief, Sept.=Lioferung 222—219, Oktober=Lieferung 220,50—219,50 Brief, Der.=Lieferung 221,50—220, März=Lieferung 225—224,25 Brief, Weizen, gesetzl. Handelski., Weichweizen: Gruppe 2, 221 Berlin, Roggen, märk., 71—72 kg., 158—160, Septemher=Lieferung 170,50—170, Oktober=Lieferung 169,50—168,75, Dez.=Lieferung 171—170,50, MärzLieferung 173,50—173, Roggen: gesetzl. Handelskl, deutscher Roggen, Gruppe 3, Berlin ohne Umsatz Gerste, Braugerste 174—184, Industrie= und Futtergerste 167—173, Haser, märk. 135—140, SeptemberLieferung 140,5 und Brief, Oktober=Lieferung 142,5, Dezember=Lieserung 143—1442,50 Brief, März=Lieferung bis 147.50, Weizenmehl 25,50—29,50, Roggenmehl 20,9—23.30. Werzenkleie 9,70—10,10, Roggenlleie 8,5—-8,90. Viktoriaerbsen 21—24, Futtererbsen 4—17, Wicken 17--20, Leinkuchen ab Hamburg 10,3 bis 1),50 Erdnußlechen, 50 Prozent, ab Hamburg 11.50, Erdnußkuchenmeizi, 50 Prozent, ab Hamburg 11,86, Trockenschnitzel"2° 9,50, extrah. Soyabohnenschrot, 43 Prozent, ab Hamburg 10,90, extrah. Soyabonnenschroi, 46 Prozent, ab Stettin 11,70, Kartoffelslocken 13,80- 11.2“. Sport 1.„Sport“-Enkesen— 1. B. V. Scheidingen' 1:2. Am vergangenen Sonntag standen sich obige Mannschaften im Punktespiel gegenüber, welches mit obigem Resultat endete. Vorweg sei gesagt, daß das Ergebnis nicht dem Spielverlauf entspricht. Unentschieden wäre eher am Platze gewesen, denn unsere Mannschaft war dem Gegner bestimmt ebenbürtig Hoffen wir, daß der Sturm in Zukunft das Toretreten nicht vergißt, dann werden Erfolge bestimmt nicht ausbleiben. Kritik: Scheidingen stellte eine kör perlich ausgeglichene Mannschaft ins Feld, in der bein schwacher Punkt zu finden war. Enkesen paßte sich der Spielweise des Gegners glänzend an; als bester Teil wäre die Verteidigung, Lauf und Tormann an zusehen, vom Sturm konnten die ausgearbeiteten Ge legenheiten nicht verwertet werden. Alle Sorten Oele und Fette, Decken, Treibriemen, Asbestdichtungen stets vorrätig Paul Piel, Soest i.W. Telefon 165 Grandweg 67 Welleraussichten. Bei schwachen westlichen bis nordwestlichen Winden wechseind bewölkt. Ganz vereinzelt noch leichte Regenschauer, Temperaluren zunächst noch unverändert. Wahrscheinliche Weiterentwicklung: Zunächst wenig Veränderung im Witterungscharakter, späler Bewölkungszunahme u. langsamer Temperaluranslieg. Politik: Herm. Maync; für Lokales, Provinzielles, blatt“.(Geschwister Maync). Verantwortlich für Rotationsdruck und Verlag des„Soester KreisSport u. den übrigen redaktionellen Teil: I. Müller; für den Anzeigenteil: Carl Mannc, sämtlich in Soesst. . URHEGERRECHTSCHUTZ: HOMAN VEOLAS HERMAN BERGER BEALIN S0.36 (64. Fortsetzung)(Nachdruck verboten.) In diesem Brief war von Honsbruck die Rede. Er verde wiederkommen. Woher konnte der Graf das wissen? Das Schreiben kam ihr sonderbar vor. Einige Stellen Nlieben ihr unverständlich. Ihre Gedanken bewegten sich nur um das, was über Honsbruck darin geschrieben stand. „Er ist ein Ehrenmann——“ Ja, das war er ganz unbedingt. Nun fand sie auch ein: Erklärung dafür, daß er sie plötzlich und auf eine so eigenartige Weise verlassen hatte. Nur aus Ehrenhaftigkeit war er gegangen. Er nochte ahnen, ja sogar wissen, daß ihr Herz ihm gehörte. ausend andere hätten die Gelegenheit einer solchen Parüe mit Freuden wahrgenommen. Er zog Ungewißheit, Einsamkeit, Armut dem Bewußtein vor, für sie vielleicht ein Hemmschuh auf der Berufshahn zu sein.—— Des Grafen letzter Wunsch war es, daß sie mit Honsbruck glücklich werde. War der Graf im ganzen nicht auch in hochanständiger Mensch gewesen? Sie hatte ihn vielleicht etwas verkannt! Wie konnte er nur eine solche Torheit begehen, sich das Leben zu nehmen! Es waren viele Bedanken, die sie beschäftigten. Aber wichtig erschien ihr aur eins: nach Honsbruck zu forschen— ihn nicht etwa in der Fremdheit und Ungewißheit des amerikanischen Lebens antergehen zu lassen. Sie wollte keine Kosten scheuen und beauftragte sofort ein Detektivbüro. Die Gedanken an ihn ließen ihr keine Kuhe mehr. Sie persönlich mußte New-York jetzt auf einige Wochen verlassen. Es ging im Auto durch die amerikanischen Steppen. Wildes. arbeitsvolles Leben umtoste sie. Tausend neue Menschen, mehr oder weniger flüchtige Bekanntschaften, zogen kaleidoskopartig an ihr vorüber. Sie konnte zu niemandem rechten Kontakt gewinnen. Auch eine Betäubung ihrer Gedanken fand sie heute nicht. Immerzu mußte sie grübeln. Sie wurde ernst und still, ihr Lachen war Verstellung. Sie spielte sich selber Theater vor. Wurde innerlich frostig, kalt und verschlossen Honsbruck hatte sein Gepäck auf dem Bahnhof abgegeben. Er beabsichtigte, zunächst einen Vetter, der als Kaufmann in New-York lebte, aufzusuchen Nach langen Umständen fand er Der Vetter war ein etwas torpulenter, jovialer Herr, der seine große, dicke, kreisrunde Brille auf einer verhältnismäßig kleinen Nase trug. Als hervorstechende Eigenschaft hatte er die, immens glücklich verheiratet zu sein. Er besaß sechs Kinder, drei Jungen und drei Mädchen, alle ungefähr ein Jahr auseinander. Geschäftlich handelte er mit Vetten und Matratzen. Die Sache schien etwas abzuwerfen. Jedenfalls konnte er sich ein sehr gutes Leben leisten. Als Honsbruck kam, saß er mit seiner Familie eben beim Mittagessen. Mit lautem Freudenausruf klopfte er dem Besuch auf die Schulter. „Mensch— herzlich willkommen in New York!“ Honsbruck humpelte in die Stube. Er hatte in den letzten Tagen wieder Schmerzen in seinem Bein. Die Prothese saß nicht mehr richtig. Der Vetter stellte ihn seiner Frak und den Kindern vor, lud ihn ein, noch etwas mitzuessen. Der Doktor nahm dankbar an. „Na— nun erzähle mal— was machst du denn hier?“ fragte der Vetter. Honshruck berichtete kurz seine letzten Erlebnisse. Es se ihm früher einmal besser gegangen. Na— nun sitze er eben da mit seinen Talenten. Als er später mit dem Vetter allein bei einer auten Zigarre in dessen Arbeitszimmer zusammensaß, sprach er sid etwas vertrauter aus. „Was? Und diesen Posten bei der Schauspielerin hast dim Stich gelassen—?“ „Ich konnte nicht anders!“ „Du Ochse!!!" „Danke! Du bist ja sehr liebenswürdig!“ „Ich sage es immer so, wie ich denke. Das, was du de faselst von wegen Verpfuschens ihrer Existenz und über haupt so— Mensch, das ist purer Quatsch. Ihr liebt euch ia alle beide.— Na also!“ „Woher weißt du denn das?“ „Na— ich bin doch nicht auf den Kopf gefallen. Dat liest man doch zwischen den Zeilen.“ „—— und wenn es immer so wäre—— dn weißt so noch nicht— ich mochte es vorhin nicht sagen— ich habschon eine Strafe abgebüßt.“ „Wieso?" Honsbruck erzöhlt: Jede Einzelheit. Der Vetter hört ruhig und geduldig zu. „Weiß sie danon?“ fragte er, als Honsbruck geende hatte. „Ja. „Na also! Und du bist es doch, der ihr damals aufgeholfen hat. Eure Rechnung ist glatt.“ „Nein! Was bin ich? Was habe ich? Was kann ich ihr bieten? Nichts! Ein armseliger Schlucker bin ich. Mi elige meinem Holzbein werde ich immer behindert bleiben. Un eine Frau an mich ketten, ohne etwas zu sein und zu haber — verzeih' mir, das liegt mir nun einmal nicht.“ Aber sie hat doch eine große Gesellschaft. Vielleicht is sie glücklich,#enn du ihr später bei dem Ausbau und de Leitung dieser Sache zur Hand gehst!“ „Dabei könnte ich mich nicht glücklich fühlen. Ich müßt immerzu daran denken, daß ich dies alles nur ihr verdanke daß ich von ihrer Gnade abhängig bin.“ „Hm. Ich glaube, dir ist nicht zu helfen.— Was haf du also vor?“ Ich will arheiten.“ Was? Wa? Hier in Amertka?“(Fortl. folgt., (5. Fortsetzung.) Wenn die Geliebte das mit anhören müßte, was die Mama ben gegen sie vorbrachte.— Das beste war, er gab den Plan des Zusammenlebens mit der Mutter auf. Obwohl res gern gesehen hätte, daß sie zu ihm zog. Aber so, wie le zu Helene-stand, würde das eine ununterbrochene Kette von Reibungen und ein ständiger Herd von Unruhe sein das mußte unter allen Umständen vermieden werden. Er gab sich einen Ruck und suchte das Unbehagen, welches nehr einer unbestimmten Angst glich, von sich abzurutteln „Würdest du im Falle meiner baldigen Verheiratung zu uns ibersiedeln, Mama?“ „Nie!"— Es kam so schroff und unversöhnlich, daß er lichts zu entgegnen vermochte Die Schultern nach vorne geneigt, sah er nach dem Muster des Teppichs, das ineinanderverschlungene Arabesken trug „Erlaubst du auch nicht, daß ich dir meine Frau ins Haus bringe?“ lagte er ohne aufzublicken. „Das bleibt dir unbenommen, Just Nur bitte ich dich, mir den Tag zu bestimmen. Ich möchte nicht gerade im Schlafock vor ihm stehen.“ „Ich begreife, Mama!— Ist es dir morgen angenehm?" „Morgen habe ich mir vorgenommen, den Schreibtisch neines armen Mannes zu ordnen.“ Daß sie„meines Mannes" und nicht wie sonst„des Vaters“ sagte, war bezeichnend. Eine leichte Röte färbte ihm die Stirne und flaute wieder ab.„Dann Samstag.“ „Am Samstag— du weißt Just, es gibt gerade am Wochenende soviel zu tun.“ „Ist dir der Sonntaa recht?“ Sie zögerte einen Moment, sah den Blick ihres Einzigen ühl und ablehnend werden und stimmte zu„Aber nicht vor zwölf Uhr, Just Zuvor will ich in die Kirche! Dann will ch noch mit Ruhe essen— wenn ich etwas im Magen habe, oin ich gefaßter.“ Er unterdrückte ein Lächeln und fühlte etwas wie Mitseid. War es denn schließlich verwunderlich, wenn man jenand, der dreißig Jahre lang unser ausschließliches Eigentum gewesen ist, nur ungern einem anderen überließ? Und wäre dieser andere ein Engel in Person, es bliebe eben doch ein Raub, den man an dem Herzen der Mutter beging, wenn man die Liebe des Sohnes, die vorher einzig und allein auf sie beschränkt war, zersplitterte. Unter dieser Erwägung wurde ihm eigentümlich weich ums Herz, so daß er aufstand und zu ihr hinüberging.„Bin ich „denn nicht mehr dein alter Junge, Mama?" Statt einer Antwort warf sie beide Arme um seinen Hals und drückte ihr Gesicht gegen seine Schulter.„Wenn sie dich enttäuscht— wenn du satt hast an ihr oder umgekehrt— bei mir wirst du immer eine Zuflucht finden und wäre es auch nur, um dich an meinem Herzen auszuweinen.“ „Wie schlimm du dir alles denkst,“ tröstete er, von ihrer Sorge um ihn gerührt.„Du wirst sehen, Helene entwaffnet dich! Alles an ihr ist frauenhaft zart und ohne jedes Falsch.“ „Die Schatten fallen immer erst nach der Hochzeit über den Weg, mein Just. Vorher liegt er wie ein einziges, goldenes Band, das eitel Sonne spiegelt.“ Er bestritt es nicht und dachte, daß es nur natürlich wäre, venn ab uno zu eine Wolke über den Himmel seines Glückes lich ziehen würde. In welcher Ehe gab es das nicht? Kämpfe hatte er immer geliebt! In Stürmen immer noch seine höchste Kraft erprobt. Er dehnte die Arme, zog die Mutter an sich ind küßte sie knabenhaft zärtlich und doch ganz anders, als er es früher getan hatte Durch Helene waren seine Sinne geweckt worden. Er küßte nun auch in der Mutter das Weib. Sie fühlte den Druck seiner Lippen und hielt zitternd still. Uller Groll war in dieser Minute vergessen, nichts als ein tinzig heißer Wunsch des Segens für den Sohn stieg aus dem Frauenherzen zum Himmel. Als er schon längst gegangen war, sann sie noch immer ind suchte sich auf sich selbst zu besinnen. Für sie war der Mann von dreißig Jahren immer noch das Kind von danals, der blondlockige Junge, dessen ganzes Herz ihr, der Mutter, gehörte, und nun sollte das nimmer so sein. Das fremde Weib hatte ihn zu sich hinübergezogen, ohne zu fragen, ob es ihr recht sei, hatte einfach Besitz von ihm ergriffen und würde ihn halten, bis ihrer beider Leben sich zu Ende neigte. Sie taumelte über den Teppich und fiel in den Stuhl am Fenster, hörte ein Singen und Surren und verspürte ein beingstigendes Schwächegefühl. Das ganze Zimmer fing plötzüch an zu tanzen. Die Tapeten! Die Lampe, die über den großen Eßtisch hing! Die Bilder in den schwarzen Rahmen bewegten sich hin und her, wie das Pendel eines unermüdlichen Uhrwerkes. Es war nichts mehr hörbar, als das Ticken des Regulaors, der an der Schmalwand über dem Rauchtisch hing Von der Straße herauf kam das Surren der Trambahnen, sas Klingen der Räder und das Tuten der vorüberjagenden Autos. Mißtönend schlugen die Geräusche an das Ohr der halbbetäubten Frau, die jetzt vor dem Stuhle auf dem Tepoich kniete und die Hände über den gepolsterten Sitz hingeworfen hatte. Erst nach einer langen Weile erhob sie sich, ging nach ihrem Schlafzimmer und begann sich anzukleiden. Als sie auf den Korridor trat, staunte die alte Haushälterin, die schon seit vierzig Jahren der Familie diente.„Frau Geheimrat sollten nicht ausgehen jetzt! Es steht ein Gewitter am Himmel.“ „Das macht nichts, Agnes. Ich habe eine dringende Beorgung zu erledigen." „Kann ich das nicht für Sie tun, Frau Geheimrätin?" „Danke, Agnes, diesmal nicht.“ Sie hutte schon den Riegel zurückgeschoben und hastete die Treppe hinab, kam in der Eile beinahe zu Fall und uing sich gerade noch am Treppenjeländer. Durch die alte Schule der Sparlamkeit gegangen, zögerte le einen Moment. ob sie die Tram oder eine Taxe nehmen sollte, entschied sich dann doch für das Letztere und nannte die Adresse ihres Sohnes „Gewiß, der Herr Doktor ist noch zu Hause,“ sagte das öffnende Mädchen, als sie keuchend und nach Atem ringend, vor seiner Flurtüre stand Da hörte sie auch schon dessen Stimme den Gang zurückkommen.„Mutter, du?— Und so erhitzt?" Seine dunklen Augen sahen besorgt in ihr Gesicht „Die Treppen!— Weißt du. mein Bub!— Die Treppen machen mir immer mehr zu schaffen.“ Ihre Worte überstürzten sich„Es ist mir erst, als du gegangen bist, eingefallen, ob du dich nicht nach ihr erkundigen solltest. Ich meine— nach dieser— dieser Helene Chlodwig“ Er zog lächelnd ihren Arm durch den seinen und nahm sie nach dem Wohnzimmer, das in seiner Traulichkeit gar nicht wie das Heim eines Junggesellen anmutete.„Setz dich, Mama— Nein, setz dich erst. Du bist ja noch ganz atemlos. Mit deinen sechsundfünfzig Jahren solltest du keine Rekorde mehr aufzustellen versuchen.“ „Ich bin gefahren, Just.“ „Tram?“— Er streichelte unterdessen ihre fahrigen Hände und zwang sie zwischen den seinen zur Ruhe. „Ich habe mir ein Auto genommen.“ „Möglich!" Sein Lachen klang knabenhaft übermütig durch das Zimmer und die Freude, mit welcher er sie an sich drückte, war so impulsiv, daß sie ratlos in seine strahlenden Augen sah „Warum lachst du. Just?" „Weil du eine solche Verschwenderin wirst,“ er lüchte wieder und drückte, auf der Lehne ihres Stuhles sitzend, den Kopf der völlig aus dem Gleichgewicht geratenen Frau an seine Schulter.„Liebe Mama, wie kannst du dich auch nur einen Augenblick mit dem Gedanken tragen, ich würde in einem Auskunftsbüro nach der Vergangenheit meiner Braut forschen Denk doch nur. wenn sie davon erfährt.“— „Aber es geht doch um dein ganzes Lebensglück. Just Wenn es nach mir ginge—“ „Mußt du dich denn ewig sorgen, Mutter,“ unterbrach er sie, streichelte ihr meliertes Haar und küßte sie auf die Wange.„Du bleibst jetzt bei mir, und zwar hällst du dich hier in diesem Stuhle ruhig. Dein alter Knabe braut dir inzwischen einen dicken Mokka.“ „Keinen dicken," sagte sie ängstlich „Dann einen dünnen, Muttchen!— Du sollst dich stillhalten," zankte er, als sie nach den Zündhölzern greifen wollte, die auf dem Tische lagen. Er klingelte, ließ Wasser bringen und goß es in die weiße Glaskugel, unter welcher er ein Spiritusflämmchen aufflackern ließ. „Hast du nicht Sorge, daß das einmal splittert?“ Sie verfolgte gespannt die Perlenbildung auf dem Boden. „Hab keine Angst, es splittert nicht,“ beruhigte er end schüttete den feingemahlenen Staub in den Trichter über der Oeffnung. Wonnesamer Duft zog durch den Raum. Die Geheimrätin begann sich zu beruhigen. Die Glaskugel war nicht in Trümmer gegangen und Just hatte sich beim Füllen der Tassen nicht die Finger verbrannt. Sie vergaß, daß ihr der Sohn nur mehr zum Teil gehörte, daß eine Frau jetzt zwischen ihr und seinem Leben stand, und daß sie diese Frau niemals als Tochter anerkennen wollte. Draußen hatte sich mit viel Gekrach und Lärm ein Augustgewitter entladen. Franke zog die Vorhänge über die Scheiben, so daß nur noch das gleichmäßige Aufschlagen der Tropfen auf dem Blechsims zu hören war. Ab und zu sah man einen matten Schein leuchten und vernahm schwaches Rollen, das über die Dächer hinzog Wenn es immer so sein würde! Immer so, wünschte die Geheimrätin, glückdurchzittert. Sah ihren Einzigen, wie er den Rauch seiner Zigarre vor sich aufsteigen ließ und gewahrte den sehnsüchtig geweiteten Blick seiner Augen. Da verflog der Spuk. Alles wurde wieder zur Wirklichkeit. Die Angst um ihn, der niederströmende Regen draußen, der so grau und naß vom Himmel herabfloß und in glucksendem Schwall von den Dachrinnen nach den Abflußrohren hinuntergurgelte. Franke verschwendete all seine Beredsamkeit, aber sie bestand darauf, nach Hause zu fahren. Nicht einmal den ärgsten Regenschauer wollte sie abwarten. Er mußte ihr den Willen tun, telephonierte nach einer Autodroschke und schlüpfte in seinen Mantel. Sie wollte nicht, daß er mitkam. Als er aber darauf bestand, sie wenigstens bis an ihre Wohnungstüre zu bringen, sprach sie nicht mehr dagegen. Eine halbe Stunde später stieg er wieder die Treppe zu seinem Junggesellenheim hinauf, unlustig, von einer lähmenden Depression erfüllt, für die er keinen Grund anzugeben wußte. Es hing etwas in der Luft, etwas unausgesprochen Beängstigendes, das sich nicht mit Händen greifen ließ, um es zwischen den Fäusten zu zermalmen und in Atome zu zerreiben, daß es keinen Schaden mehr zu bringen vermochte. Er horchte auf das Geprassel, das draußen mit unverminderter Stärke gegen die Scheiben schlug, ging nach seinem Sprechzimmer hinüber und setzte sich an seinen Schreibtisch, lief wieder zurück und suchte nach einem Briefe, der am Morgen gekommen war, aber er fand sich nirgends. Er knüllte eine Rechnung, die zum Versande fertiglag, zusammen und warf den Knäuel gedankenlos auf den grünen Filz der Platte. Da Helene in Rottach=Berghof war, konnte er auch nicht zu ihr nach Harlaching hinausfahren, um den Abend in ihrer Gesellschaft zu verbringen Das wäre das beste Heilmittel für seine Unruhe gewesen. Er ging nach dem Korrivor, nahm seinen Mantel vom Haken und schloß die Flurtüre ab. Er mußte jetzt Menschen um sich haben! Viele Menschen! Das Alleinsein war zwecklos. Die Gedanken wucherten dabei wie Unkraut. Und wenn man anfing es auszureißen, schoß ein Dutzend und mehr an derselben Stelle wieder nach. Er lief nach der Haltestelle und schwang sich in den nächsten. stadteinwärtsfahrenden Wagen" Morgen wollt: er nach Rottach=Berghof hinausfahren, um dort sein hämmerndes Blu zur Ruhe zu bringen. Am Stachus verließ er seinen Eckplatz in der Elektrischer und tauchte im Gewühl der Menge unter, die ihn bereitwenige Minuten später spurlos verschlungen hatté. » „Sie wollen also heiraten, liebe Helene.“ Averson saß in dem großen Speisezimmer auf Rottach=Berghof und breitetdie Damastserviette über die Knie. Sie rutschte, fiel und blieb unbeachtet als schneeiger Flecken auf dem Teppic liegen.„Ich bezweifle sehr, ob Dr. Franke der rechte Manr für Sie ist.“ „Ach, lieber Direktor, wenn es nach Ihnen ginge—“ „Meine liebe Helene,“ unterbrach ar sie.„Sie woller damit sagen, daß es dann überhaupt keinen passenden Mann für Sie gebe! Möglich! Aber nicht zu verwundern! IhrHeirat zerschlägt meine letzte Hoffnung, Sie jemals mein zu nennen. Aber damit Sie sehen, daß ich trotzdem nicht aureinem Egoismus einer Verbindung mit Dr. Franke entgegen bin, will ich Ihnen das hier zum Geschenke machen." Er überreichte ihr dabei die Urkunde, welche die Löschung ihrer Hypothek enthielt Sie war für einen Augenblick fassungslos, hielt das Blat zwischen die Finger geklemmt und sah an ihm vorüber.„Dakann ich unmöglich annehmen.“ „Warum nicht, Helene?“ Sie nagte an ihrer Unterlippe und blickte immer noch aihm vorbei.„Ein Mann schenkt einer Frau nicht so ohnweiteres vierzigtausend Mark.“ „Sie vergessen, Helene, daß ein Mann, der liebt, alle zu geben bereit ist." „Ich kann Ihnen aber nichts dafür schenken," schnitt siihm die Rede ab.„Ich habe Sie sicher gerne, wirklich gerne lieber Averson“ „Aber Dr. Franke hat mir den Rang abgelaufen," sagter ergeben.„Lassen wir's also! Ich trete vom Schauplat ab— Vorläufig wenigstens." Eine ungewisse Angst erwachte in ihren Augen.„Was sol das heißen?"— „Liebe Helene!“— „Was das heißen soll?" unterbrach sie ihn. „Daß ein Ahnen in mir lebt, welches mir sagt, daß Simich noch brauchen werden. Helene.“ Sie saß erst mit mohnfarbenem Rot überschüttet und ver blaßte dann bis tief in die Lippen hinein. „Sie können immer auf mich zählen! Immer!" bekräftigter, sah ihren Blick starr auf sich gerichtet und ließ die Lider zur Hälfte über die Augen fallen. In diesem Moment fürchtete ihn die Diva. Wußte er etwas?— Und wieviel?— Alles? Oder nur einen Bruch teil dessen, was ihr die Nächte so beängstigend lang und ihrTage so bleiern schwer machte? Ihr war, als säße da ein Tier, das nur auf den günstigsten Moment wartete, ihr seinKrallen ins Genick zu schlagen. Ich tue ihm Unrecht, schämte sie sich, als sie Aversons Blich so voll ehrlicher Liebe auf sich gerichtet sah. Er meinte es sicher nur gut. Vielleicht paßte sie wirklich nicht zu Just Aber schließlich hielten ja die Ehen jetzt nicht mehr so eiserr fest wie früher. Vorläufig liebte sie Franke! Liebte ihn noch heißer, nock sinnlicher, als es je der Fall gewesen war. Nicht einma Umberto— das Weinglas, welches neben ihrem Teller stand, klirrte auf dem Tisch und ließ einen häßlichen, braunen Fled auf dem weißen Tuch erscheinen, der sich gierig weiterfraß „Was ist gewesen, Helene?“ „Sie sehen doch— mein Glas!“ stieß sie erregt hervor. „Sonst nichts?“ sagte er, bückte sich nach seiner Serviettund tupfte damit über die nasse Fläche. Das Mädchen erschien, nahm Gedeck und Damast hinweg und ersetzte es durch Neues. Draußen hatte es zu regnen aufgehört. Es tropfte nur mehr ganz leise. Wenn ein Windstoß durch das Blattwerk fuhr, rieselte es wie aus Brausen auf den ungeschnittenen Rasen. Das breite Astwerk eines Birnbaumes wippte leise an die Fenster. Dann fuhr die schöne Frau zusammen und warf einen erschrockenen Blick' nach den Scheiben, über welchen die Vorhänge zusammengezogen waren, da sie die grellen Blitze, welche vor einer Viertelstunde niedergezuckt waren, nicht sehen wollte. Averson erhob sich und öffnete die Türe, welche ins Freie ging. Ein Strom köstlich frischer Luft teilte die Schwüle des mes.„Wollen wir noch eine kleine Promenade machen?“ fragte er nach dem Stuhl zurück, in welchem Helene saß. „Jetzt? Die Wege sind klatschnaß." „Würden Sie etwas dagegen haben und sehr böse sein, wenn ich allein ging?" Sie stand schon auf den Füßen und kam zur Türe.„Ich begleite Sie. Es ist unleidlich dumpf im Hause. Martha muß mir nur noch schnell meine Ueberschuhe bringen. Haben Sie noch eine Minute Geduld, lieber Averson.“ Er stand auf der breiten Veranda, deren Stufen in den Garten hinabführten, verspürte, wie sich eine Hand durch seinen Arm schob und ein Kopf an seine Schulter lehnte. Aber er wandte das Gesicht nicht, sondern hielt es geradeaus gerichtet, als suche er drüben am Saum der Berge etwas, das er nicht finden konnte. Als er den Weg nach dem Wald einschlug, hielt ihn Helene zurück.„Es ist zu naß, Averson. Hier haben wir doch wenigstens Kies unter den Füßen. Sie zeigte nach den verschlungenen Wegen, die den Garten durchkreuzten und zog ihn mit sich fort. Etwas schmerzhaft Gequältes stand in seinem Gesichte, das sie in der herrschenden Dämmerung nicht zu sehen vermochte. „Wenn hier erst Kinder durch Hecken und Zäune tollen, liebe Helene, wie bitter hart wird das für mich sein, wenn ich nur von der Ferne dabei zusehen und mich an Ihrem Glücke freuen darf"(Fortsetzung folgt.) Schmeling schlögt Walker zusammen Micken" in der 8. Runde am Ende seiner Kraft- Ein erbitterter Kampf Nun Schmeling gegen Sharkey? Es ist noch der alte Max Schmeling, der„Ulgn dom Rhein", es ist noch der Weltmeister Die 40 000 Zuschauer, die sich im Newyorker Barden Bowl zum Ausscheidungskampf im Schwergewicht zwischen Mickey Walker und Max Schmeling eingefunden hatten, erlebten einen empovollen Kampf, mit wilden Schlagwechseln, nit verbissenen Angriffen und mit einem hochramatischen Finale in der achten Runde, vie man es seit Jahren wohl nicht in Newyork n einem Schwergewichtskampf gesehen hatte. Schmeling zeigte sich als der alte Kämpe, dessen Rechte mit der gleichen Genauigkeit und Wucht und Schnelligkeit kam, wie in seinen Kämpfen jegen Paolino Uscudun, Johnny Risko und Houng Stribbling. Das Dynamit in der Faust des Ex=Weltmeisters, das man in seinem Kampf jegen Jack Sharkey vermißte, wirkte heute wieder so mörderisch zertrümmernd, daß nach der achen Runde ein total zusammengeschlajener Mickey Walker auf seinem Stuhl in der Ringecke saß, und ein Jack Kearns, der als Manager dieses Amerikaners Schmeling einen Feigling genannt hatte, dem Ringrichter Jack Denning die Kampfunfähigkeit seines Schützlings inzeigen mußte. Ein großartiger Sieg Max Schmelings! Ein Erfolg, der die beste Antwort war für das Urteil im Kampfe gegen Sharkey, ein Sieg, der eine therne Herausforderung an jenen Sharkey war, der heute die Weltmeisterkrone trägt und mit diesem Mickey Walker mit Mühe und Not unentschie den über 15 Runden kam. Max Schmeling, dessen Börse durch einen Ge lichtsbeschluß in Sachen Schmeling— Carnera schon vor dem Kampf konfisziert worden war, sing in diesen Kampf mit einer Entschlossenheit, die überraschte. Nicht wie in seinen früheren kämpfen boxte er auf Warten. Sofort mischte er ich mit Walker und schlug den Amerikaner schon n der ersten Runde einmal bis„6“ auf die Bretter. Fast war es schon in der ersten Runde um Walker geschehen, wenn dieser geriebene Ringfuchs es nicht glänzend verstanden hätte, trotz seiner 20 Pfund Untergewicht (174: 154 Pfund waren die Gewichte) zu clinchen. Daß Walker noch heute etwas kann, das zeigte er in der vierten und fünften Runde, wo er, nachdem er sich vom ersten Schreck über die Angriffslaktik Schmelings erholt hatte, dem Deutschen techt hart zusetzte. Schmeling blutete aus dem Mund und erhielt auch eine Verletzung der Augenbraue. Solche, oft entscheidenden Gering fügigkeiten brachten aber Schmeling nicht aus dem Konzept. Der Deutsche wartete auf seine Chance, den k.-o.-Schlag, ließ sich in der 7. Runde „treiben", um Walker sicher zu machen, und schlug dann in der 8. Runde in wilden, aufregenden Schlagwechseln den Amerikaner dreimal zu Boden. In dieser Runde wurde Walker fürchterlich hart von Schmeling„gestraft". Die schwersten Gesichtstreffer mußte die„Kampfmaschine" einstecken. Walker war schließlich nur noch ein hilflos kaumelndes Boxerwrack. Wenn je Schmeling den Amerikanern gefallen hat, dann in dieser Runde, wo er stark die Menge an Dempsey erinnerte, der von einem Ringplatz aus dem Kampfe zusah. Der Revanchekampf Schmeling— Sharkey ist nun nicht mehr zu umgehen. Nicht nur, daß Schmeling rechtlich durch diesen Sieg als HerausWoltme Der Deutsche Max Schmeling und der Amerikaner Mickey Walker forderer des Weltmeisters auftreten kann, die anze am ie Das sollt dann sollte( müssen Boxöffentlichkeit wird auf meling— Sharkey drängen des Jahres" werden und y dem Weltmeister sich beugen Der Kampf Zunächst kletterte Mickey Walker, der einen oletten Sweater an hatte, in den Ring. Der Amerikaners durch das Publikum Man merkte, daß der„unsolide" ht die Sympathien seiner Landseling in B violetten Empfang war recht laute Mi eute Machon und Joe Jacobs erschien, war der Beifall recht stark. Schmeling hat sich durch seinen Sharkey-Kampf alle Sympathien wieder erobert.. Der Deutsche ging sofort in die Ringecke des Amerikaners und begrüßte ihn mit Handschlag. Man stellte bei Walker einige Pflaster im Gesicht fest. Er war links unter dem Auge und links an der Nase beklebt, Verletzungen, die er sich im Training zugezogen hatte. Bevor die Kämpfer dem Publikum vorgestellt wurden, erschienen Sharkey, Tunney, Carnera und schließlich auch Jack Dempsey, die sich kurz vorher erst im Stadion eingefunden hatte, im Ring. Dempsey wurde frenetisch gefeiert, der„manassa mauler" bringt noch heute jeden Yankee in Extase, wann und wo er immer sich zeigt. Glänzender Start Schmelings Der Kampf begann sofort mit heftigen Schlagwechseln. Walker griff an, aber Schmeling blieb ihm nichts schuldig. Der Deutsche schien sofort warm zu sein, und plötzlich geriet das Stadion in Aufruhr, als Schmeling den am Kopfe recht offen boxenden Walker mit der Rechten klar am Kinn erwischte. Walker ging zu Boden, war aber bei„6“ wieder auf den Beinen. Er verstand es glänzend, sich über die Runde zu bringen, die hoch an Schmeling ging. In der zweiten Runde war Walker wieder klar. Er griff beidhändig den Deutschen an und schlug auf den Körper. Ein harter Linker Schmelings erwischte ihn aber genau in der Magenpartie: Walker zeigt Wirkung, geht in die Knie, kommt aber sofort wieder hoch. Heftig greift er den Ex=Meister an. Es gibt wieder starken Schlagwechsel. Schmeling muß linke Körperhaken nehmen, wird von Walker an den Seilen gestellt, so daß Walker zum Rundenschluß leichte Vorteile hat. Das Kampftempo bleibt auch in der dritten Runde bestehen. Harter Schlagwechsel. Schmeling steht besser im Ring, hat auch im Nahkampf Vorteile. Eine gefährliche Linke Schmelings muß Walker nehmen, durch Clinch weiß er sich aber über die Runde zu bringen. die Runde geht an Schmeling. Walker kommi auf Schmeling zeigt sich in der vierten Runde im Nahkampf schwächer. Er muß vorübergehend clinchen, um sich des Amerikaners, der beidhän dig schlägt, zu erwehren. Walker erwischt Schme ling am Mund, Schmeling blutet. Die Runde gehört dem Amerikaner. Auch die nächste Runde, die fünfte, muß man Walker geben. Er kann Schmeling eine Augenbraue aufschlagen. Der Deutsche blutet recht heftig aus der Wunde. Es gibt wieder wilde Schlagwechsel. Schmeling muß, um das Auge zu schützen, blockieren. Ausgeglichener ist aber dann wieder die sechste Runde, die sogar leicht an Schmeling geht. Schmeling konzentriert seine Kampfarbeit auf Kopfhaken, Walker schlägt nur nach dem Körper des Deutschen. Gegen Ende der Runde har Schmeling einige klare Vorteile. Walker geht zurück. Schmeling hat sich wieder gefunden. Die siebente Runde verlief äußerst un kender Boxer, der keinen Moment von seinen Linie abirrt, erwiesen. Dieser Kampf, so sagten die Boxexperten, sei einer der brillantesten Schwergewichtsgefechte gewesen, die man in den letzten Jahren in Newyork gesehen habe. Schmeling sei seiner Sache vom Gongschlag ab sichen gewesen. Umsonst habe sich Walker bemüht. Schmeling seinen Stil aufzudrängen, was ihm bei Sharkey gelungen sei. Das Ende sei schon bald vorauszusehen gewesen. a Schmeling in Begleitung von interessant, die Schlagwechsel waren recht schwach. Bei Schmeling konstatierte man, daß er sich im Kampfgeplänkel zurückhielt und sich nur noch auf einen entscheidenden Schlag konzentrierte. Er, wartete, bis Walker sich wieder eine Blöße gab. Der Amerikaner, der auch schon etwas abgekämpft erscheint, hat leichte Vorteile und gewinnt auch diese Runde. Schmeling Sieger durch Aufgabe Der Abschluß des Kampfes war hochdramatisch und kam für die meisten Zuschauer sehr überraschend. Schmeling läßt sich schon zu Beginn der Runde auf einen heftigen Schlagwechsel mit Walker ein. Ein harter Rechtshänder des Deutschen trifft Walker am Kinn, er geht zu Boden. Bei„7“ ist der Amerikaner wieder auf den Beinen, geht taumelnd Schmeling entgegen, der ihn mit einer unheimlichen Serie von Rechtshaken und linken Stoppern empfängt. Walker muß wieder auf die Bretter. Ein ungeheuerer Tumult herrscht auf den Rängen und um den Ring. Die Sekundanten Walkers sind in heller Verzweiflung. Bei„9“ steht der Amerikaner wieder auf den Beinen, er ist aber total„groggy“. Wieder geht er auf Schmeling zu, der mit kalter Ruhe in seiner Ecke gestanden hat, und wieder weiß ihn Schmeling mit seiner harten Rechten zu treffen. Abermals muß Walker, nun zum dritten Male, auf den Boden, reißt sich vor dem „Aus" nochmals hoch, da drängt sich der Ringrichter zwischen die Kämpfer. Man weiß im Augenblick nicht— es ertönt auch der Gong—, ob der Ringrichter den Kampf wegen allzu großer Ueberlegenheit des Deutschen abgebrochen, oder einer der Sekundanten Walkers das Handtuch geworfen hat. Als sich die Menge wieder beruhigt hat, erklärt der Sprecher Schmeling zum Sieger durch technischen k. o. Ungeheurer Beifall bricht über den Deutschen herein. Walker hat aufgegeben. Noch immer— auch an den Pressetischen— ist die Lage ungeklärt. Hat Walker aufgegeben, oder hat der Ringrichter abgebrochen. Später hört man dann: Nachdem Walker auf den dritten Nieder gang wieder hoch kam, ertönte der Gong, der Ringrichter trennte. Walker wurde von seinen Sekundanten in seine Ecke geschleppt. Er war völlig„groggy“, hatte beide Augen geschlossen und war im Gesicht durch die Treffer Schmelings, in denen noch das alte Dynamit saß, schwer zugerichtet worden. Die Sekundanten wußten sich keinen Rat mehr, um ihren Schützling zur neunten Runde wieder kampffertig zu machen. Schließlich ging Jack Kearns, der Manager Walkers, zum Ringrichter Jack Denning und erklärte ihm, daß Walker den Kampf aufgebe, worauf der Ringrichter das Kampfurteil verkünden ließ, Einer der brillantesten Kämpfe Das Urteil der Fachleute nach dem Kampfe Schmeling— Walker war, daß der Deutsche bewiesen habe, wie groß sein Können heute einzuschätzen sei. Alle waren der Ansicht, daß Schmeling sich hier nicht nur vor allem als überaus mutiger und entschlossener Boxer gezeigt habe, sondern er habe mit höchster technischer Vollendung geboxt, eine wunderbare Geschmeidigkeit in diesem Kampfe gezeigt und abermals als denFußbalt Schalke 04 als Grundstock Der WSV. veröffentlichte seinerzeit eing Mannschaftsaufstellung zum Pokalrundenspiel Nachdem jetzt die Verlegung dieses Vorrundens kampfes von Düsseldorf nach Gladbeck vorgenome men ist, entfällt die ursprünglich aus Düsseldorfen Spielern vorgesehene westdeutsche Elf. Diese wird sich nunmehr nach Bekanntgabe des VFA. auf mehreren Schalker Spielern aufbauen. Die enogültige Aufstellung soll im Laufe der Woche getätigt werden Drakonische Strafen gegen Kreß, Rutz u. Co. Das Gesamtverbandsgericht des Süddeutschen Fußball= und Leichtathletik=Verbandes tagte anläßlich des Länderspiels Schweden— Deutsche land in Nürnberg und fällte in„Sachen SC. Rot=Weiß Frankfurt" das Urteil. Nachdem man bisher von süddeutscher Seite nicht gewohnt wares mit den Verstößen gegen die Amateurbestime mungen zu genau zu nehmen, muß man jetzt zu seinem Erstaunen feststellen, daß Süddeutschland sehr energisch mit den Rot=Weißen ins Gericht ging und Urteile fällte, die unerwartet hart sindt Ausgeschlossen wurde aus dem Verband der frühere 1. Vorsitzende des SC. Rot=Weist Frankfurt, Dr. Paul Hahn. Die früheren Vorstandsmitglieder Alex Steinberger und Hermann Liefmann, die aus dem Verband ausgetreten sindwurden auf die Schwarze Liste gesetzt. Gegen die prominenten Spieler des SC. Rot=Weiß Frankfurt ging man noch strenger ins Gericht: Auf drei Jahre wurde der internationale Mittelstürmer Rutz disqualifiziert. Franz Engel erhielt 2 Jahre Disqualifikation. Der Torhüter Willi Kreß wurde mit 1½ Jahren Disqualifikation bestraft, desgleichen Anton Engelhardt. Je 8 Monate Disqualifikation erhielten Karl Strehle und Richard Schulz. Die Bestrafung der Spieler Erich Hoffmann und Willi Gogol, die heute in anderen Landesverbänden sind, soll von diesen vorgenommen werden, Gandball WSv.-Handballprobespiel in Hagen Zur Nominierung einer spielstarken westdeutschen Handballmannschaft zum Zwischenrundenspiel um den DSB.=Pokal am 23. Oktober plant der Verbands=Handballausschuß die Ansetzung eines Probe= und Auswahlspiels, und zwar für den 16. Oktober in Hagen. Boxen Zum Boxländerkampf gegen Polen Die deutsche Amateur=Boxmannschaft, die an 13. November in der Dortmunder Westfalenhalle gegen Polen kämpfen soll, ist nun fast komplett, Folgende Besetzung ist vorgesehen: Fliegengewicht: Spannagel(Barmen); Bantamgewicht: Ziglarski(München); Federgewicht: Schleinkofer (München); Mittelgewicht: Bernlöhr(Stuttgart): Halbschwergewicht: Berger(Duisburg); Schwergewicht: Kohlhaas(Münster) oder Vosen(Köln). Es ist noch nicht entschieden, ob der Dortmunder Schmedes im Leicht= oder Weltergewicht boxen wird, so daß diese beiden Klassen noch unbesetzt sind. Adolf Heuser auch in Amerika kaltgesetzt Der Europameister im Halbschwergewichts boxen, Adolf Heuser, wurde bekanntlich wegen Vertragsverletzungen von der IBU. suspendiert Jetzt hat die Newyorker Boxkommission diese Suspendierung ebenfalls anerkannt, so daß der Deutsche vorläufig in Amerika kaltgesetzt ist und aus dem Weltmeisterschaftskampf mit Maxie Rosenbaum— Heuser jetzt nichts werden wird. v. Paven antwortet Secriot Reichskanzler von Papen empfing den Chefredakteur des W. T. B., der an den Reichskanzler die Frage richtete, ob er in der Sonntagsrede des französischen Ministerpräsidenten eine Förderung der Abrüstungsdiskussion erblicke. Der Reichskanzler erwiderte: Leider muß ich dies verneinen. Ich sehe darin nur eine neue Erschwerung jeder Verständigung and eine Bestätigung der völlig negativen Ausegung der französischen Note vom 11. Sepember. Das kann nicht verwundern. Denn als Herr ciot, der sich in Genf zu diplomatischen zab, und danach, noch ehe er uns antwortete, ine große Anzahl dritter Staaten mit der deutchen Anregung befaßte- ohne unsere Einwillisung hierzu vorher einzuholen, wie es die loyalität ooer zum mindesten die Courtoisie verungt hätte— schon damals/ war es klar, daß Frankreich keine Verständigung wünschte. Dazu kommt eine Reihe französischer Kundgebungen— von denen die Rede in Gramat die jorläufig letzte ist— die die Verhältnisse auf den Kopf zu stellen und die Debatte zu verschieen suchen. Der Kanzler stellte daher u. a. fest: Es handelt Ach nicht um die deutsche Abrütung sonder( um die Einlösung des Abrüstungsersprechen der anderen Mächte. Von deutscher Uufrüstung ist keine Rede, sondern von deutscher bleichbechtigung und der gleichen Behandlung deutschlands auf der Abrüstungskonferenz. Vasere praktischen Forderungen, die sehr zu 7recht als Aufrüstung verdächtigt werden, beägen nichts anderes, als daß wir— selbstverkändlich im Rahmen der Konventionen— dielelbe Freiheit der Anpassung unserer Rüstunsen an unsere sozialen und nationalen Bedürfaisse verlangen, die jedem anderen Staate zuteht. Wir haben angeboten, über Art und Umang dieser Anpassung zu verhandeln. Ferner sordern wir, daß wir mit gleichem Maße hinschtlich der Rüstungsfaktoren gemessen werden, vie andere auch. In Versailles vertrat man die Lhese, das gewisse Waffen, die uns damals verboten wurden, Angriffswaffen seien. Heute will nan sie zu Verteidigungswaffen erklären, uns iber nach wie vor versagen, sie zu führen; uns ilso theoretisch die Gleichberechtigung versagen ind praktisch das Recht auf Verteidischränken. Das Recht auf Verteidigung über hat uns niemand absprechen können und vollen— auch Herr Herriot nicht. Daß wir dieses Grundrecht jedes Volkes ausüben können, darin gipfeln die Forderungen, die nicht nur der für die Landesverteidigung verantwortliche Minister, sondern die gesamte Reichsregierung einmütig erhoben hat. Wir haben niemals verlangt, uns in demsel ben Umfange zu bewaffnen, wie dies Frankreich und andere Staaten tun. Wir erstreben den Rüstungsausgleich durch Senkung des allgemeinen Rüstungsniveaus. Immer wieder haben wir erklärt, daß uns jede Rüstungsbeschränkung recht ist, wenn sie var auf alle ausgedehnt wird, und daß uns in keiner Hinsicht die Abrüstungskonvention zu weit tehen kann. .. Demgegenüber ist festzustellen, daß die sportliche Ertüchtigung der deutschen Jugend gemäß der Verordnung vom 13. September keinerlei militärischen Charakter Keine genehmigung für die Polizeibeamten vor dem Untersuchungsausschuß des Landtags Der Polizeiuntersuchungsausschuß des Preu trägt und lediglich die sportliche Fortbildung ßischen Landtages setzte die Verhandlungen über ohen der St das kameradschaftliche Zusammenleben be die Vorkommnisse beim Aufziehen Was sallen derartige unnötige Verdäch rak-Wache in Berlin fort. Zerteidigung einDie Rede von Gramat beweist aber von neuem, daß man gewillt ist, mit zweierlei Maß zu messen. Trotz ihres geringen Umfanges soll die Reichswehr als Angriffsheer gelten, alle Waffen sollen In unserer Hand als Angriffswaffen bewertet werden, während angeblich die gewaltige Wehrmacht anderer Länder lediglich der Verteidigung dient. Wir sollen uns mit juristischen Sicherheitskonstruktionen begnügen, während andere Staaten daneben den größten Teil ihrer ungeheuren militärischen Rüstungen beibehalten wollen. .. Wenn der französische Ministerpräsident betlagt, daß man Kinder die Kunst des Tötens lehre, übersieht er völlig, daß gerade in Frankreich die militärische Jugendvorbereitung seit Jahren im großen Stile betrieben wird. und das weckt. Was igungen und was sollen die wiederholten Drohungen mit angeblichen Enthüllungen? Dies alles kann nur der Verständigung entgegenwirken. Mit Erstaunen habe ich die Angaben über die angeblich so erhebliche französische Heeresverminderung gelesen. Frankreich hat gewiß einige Jahre nach dem Kriege seine Feldarmee demobilisiert. Was sonst in dieser Hinsicht geschah, ist weit weniger eine Abrüstung, als eine Umrüstung, die das Schwergewicht der französischen Heeresmacht in die Reserven und in das Material verlegt. Zeugt es etwa von Abrüstung, daß die französischen Militärausgaben in sechs Jahren um 100 Proz. gestiegesind? Was wir fordern, ist niemals Aufrüstung auf den Rüstungsstand unserer Nachbarn, sondern Abrüstung in ganz Europa und der Welt sowie Gleichbehandlung Deutschlands in den Methoden der Abrüstung und in der Bewertung der Rüstungsfaktoren. Nur die Gleichberechtigung und Gleichbehandlung kann die Entspannung zwischen den Völkern herbeiführen, die wir alle erstreben; sie ist die Grundlage des Friedens und jener moralischen Abrüstung, von der so oft gesprochen wurde. Es handelt sich hierbei um Grundrechte der Völker, die kein Land dem anderen verweigern darf. Unverständlich ist mir, wie man in diesem Zusammenhang von Dank und Undank reden kann. Frankreichs Ministerpräsident beklagt sich zu Unrecht über Deutschlands Undank. Sollen wir etwa Dank sagen für einen Ausfuhrüberschuß, den uns der Handelsvertrag in Auswirkung der Weltwirtschaftskrise gebracht hat? Und der heute noch nicht einmal den französischen Ausfuhrüberschuß nach Deutschland wettmacht, den die ersten Jahre nach Abschluß dieses selben Handelsvertrages Frankreich brachten, wenn man die Reparationssachlieferungen abzieht, für die wirklich niemand von Deutschland Danksprüche erwarten kann. Das Aktivsaldo zu Gunsten Frankreichs, das in den Jahren 1927 und 1928 über eine Milliarde Mark aufwies, hat sich zu Anfang d. J. nur auf etwas weniger als eine halbe Milliarde verringert. Deutschland hat in den ungünstigen Jahren die Auswirkung des Handelsvertrages geduldig hingenommen und weder zu dem Mittel einseitiger Kontingentie rung gegriffen, noch fortwährend mit der Kündigung des Vertrages gedroht Dank für die Schuldenstreichung wäre am Platze gewesen, wenn diese vor einem Jahre erfolgt und der großzügige Moratoriumsvorschlag des Präsi denten Hoover zur vollen Auswirkung gegenüber der Weltkrise gelangt wäre. In Lausanne haben unsere Gläubiger ledig lich das Fazit aus einer unhaltbaren Situation gezogen. Auch Deutschland hat niemand für das Opfer der drei Milliarden gedankt, das es der Verständi gung, der internationalen Zusammenarbeit und dem europäischen Wiederaufbau gebracht hat. Dan? für die Rheinlandräumung kann nur ver langen, wer sich keine Vorstellung von den Lei den der deutschen Bevölkerung unter dem Regime einer feindlichen Besatzung machen kann. Mit Vorwürfen solcher Art fördert man nicht die Neugestaltung der politischen Verhältnisse. Es gehört dazu der Wille, sich zu verständigen, der Wille, die Rechte anderer zu achten und in diesem Falle ganz besonders der Wille, zu einer tatsächlichen und weitgehenden Abrüstung zu gelangen. Deutschland ist nach wie vor zu jeder Lösung des Abrüstungsproblems bereit, die mit seiner Ehre u. seiner Sicherheit vereinbar ist. Stager. Vor=Eintritt in die Tagesordnung gab im Auftrag des Reichskommissars der Leitet der Polizeiabteilung im preußischen Innenministerium, Ministerialdirektor Dr. Klausener, eine längere formulierte Erklärung ab, in der es heißt, es habe sich zweifellos ergeben, daß es im Untersuchungsausschuß nicht möglich sei, ein objektives Bild der beanstandeten Vorgänge zu gewinnen. Die Polizeibeamten ständen als Angeklagte da, denen man nicht nur mit vorgefaßter Meinung gegenübertrete, sondern denen auch eine Reihe zweifellos einseitig ausgewählter Zeugen gegenübergestellt werden. Noch jetzt wurden z. B. durch Presse Tatzeugen für das Aufziehen der Skagerrak=Wache gesucht. Diese und andere Umstände erzeugten in der Oeffentlichkeit und in der Polizeibeamtenschaft eine unheilvolle Wirkung. In der Oeffentlichkeit werde der einseitige Eindruck verbreitet, als sei die Polizei wahllos und sinnlos selbst bei vater ländischen Kundgebungen vorgegangen. In der Beamtenschaft entstehe die Auffassung, als nehme der Minister sie nicht für Handlungen in Schutz die ihnen befohlen seien. Dadurch werde die öffentliche Sicherheit erheblich gestört. Da so nach die Ablegung des Zeugnisses der als Zeugen vor geladenen Polizeibeamten dem Wohle des deutschen Landes Nachteile bereiten würde, sehe sich der Reichskommissar genötigt, die Aussagegenehmigung diesen Beamten zu versagen. Die Erklärung schließt mit der Versicherung, daß der Reichskommissar von Fall zu Fall Aussage ng politisch gefärbter Zwischenfälle den eamten erteilen wolle, im übrigen aber die Eindas Ergebnis dem Parlament berde. Es sei festzustellen, daß in den letzten Monaten Klagen ernster Art über die Poliz der Regierung nicht mehr zu Ohren gekommen seien. In der neuen Bekleidungsvorschrift befinde sich auch die Bestimmung, daß Offiziere den Gummiknüppel nicht mehr tragen oder benutzen Dadurch würden die Offiziere wieder stärker zur Aufsichtsstelle, die die einzelnen Polizeibeam ten besser in der Hand hätte. 6 Tote bel einer Explosion auf einem französischen Unterseeboo Das Unterseeboot„Persee" ist von Schleppern zogen im Hafen von Cherbourg eingetroffen. Ein Dieselmotor war an Bord explodiert. der Einhau der Mot gezogen im Hafen von Cherbourg einge lmotor war an Bord explodien Ingenieur, der den Einbau der Motoren zu überwachen hatte, ist bei der Explosidn ums Leben gekommen. Neun weitere Mitglieder der Besatzung wurden verletzt. Nach einer späteren Meldung hat sich die Zahl der Toten auf sechs erhöht. 2000 Zigarren für ein Pferd mit Füllen. In der Haseldorfer Marsch(Schleswig=Holstein) wurde dieser Tage ein Verkauf abgeschlossen, der die Lage der Landwirtschaft und den gegenwärtigen Geldmangel grotesk beleuchtet. Ein Hamburger Zigarrenhändler wollte ein Pferd kaufen, bemerkte aber gleich, daß er kein Geld ausgeben könne— nur Zigarren! Der Landwirt gab tatsächlich das 14jährige Pferd mit einem Füllen für 2000 Zigarren. Attentat auf den Saceo-Vanzetti=Richter. Aus Worcester(Massachusetts) wird berichtet: Die Wohnung des Richters Thayer, der im Saccound Vanzetti-Fall eine Rolle gespielt hat, ist durch einen Bombenanschlag schwer beschädigt worden. Thayer blieb unverletzt; dagegen wurde seine Frau verwundet; sie mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Letzte Drahtnachrichten Versammlungserleichterungen zum Geburkstag des Reichspräsidenten Durch eine Verordnung des Reichsministers Innern wird bestimmt, daß am 1., 2. und d. Oktober Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzüge zugelassen sind, wenn sie zu des 85. Geburtstages des Reichspräsidenen veranstaltet werden. Bracht über die Stellung der Polizeibeamten im Staat Der kommissarische preußische Minister des Inslern, Dr. Bracht, sprach in einer gemeinsamen Sitzung von Vorstand und Ausschuß des Verbandes preußischer Polizeibeamten über die Steltung des Porizeibeamten im Stadt und machte koschließend folgende grundsätzliche Ausführungen: Dieser Staat ist kein leerer Begriff tes, der Verfassung. Auf sie hat der Beamte den Treueid geleistet. Diesem Eid auf die republikanische Verfassung sind und bleiben wir verpflichtet. Der Weg in die Zukunft stellt uns vor die Aufgabe, durch eine zweckmäßigere Form der Verfassung neue Formen einer Willensbildung des Volkes und damit einer tätigen Mitarbeit des Volkes an den öffentlichen Angelegenheiten zu finden. Die ser Aufgabe kann die Beamtenschaft am be sten durch treue Pflichterfüllung dienen. Er Der Kreis Schmalkalden bleibt selbständig Die preußische Staatsregierung hat beschlossen, daß der Kreis Schmalkalden seine Selbständigkeit behält. Weitere Ausnahmen von der Landkreisver ordnung sind nicht beschlossen worden, bis auf kleine Grenzberichtigungen, die nur rein örtliche Was der Untersuchungsausschuß jeststellt Nach weiteren Vernehmungen trat der Ueberwachungsausschuß des Reichstages in später Stunde noch in die Beweiswürdigung ein. Aussprache und Beschlußfassung fanden in nichtöffentlicher Sitzung statt. Das wichtigste Ergebnis dürften die Abstimmungen über die Rechtswirksamkeit der am 12. September im Reichstag vorgenommenen Abstimmungen sein. Die Kommunisten beantragten einen Beschluß, daß die Reichstagsabstimmungen über die Mißtrauensanträge und über die Aufhebung der Notverordnungen rechtswirksam seien. Für diesen Antrag stimmten nur die Kommunisten; Deutschnationale, Zentrum, Bayerische Volkspartei und Sozialdemokraten stimmten dagegen. die Nationalsozialisten enthielten sich der Stimme. In der vorangegangenen Aussprache hatte Dr. Frank für die Nationalsozialisten diese Haltung damit begründet, daß der Ausschuß bereits früher die Rechtswirksamkeit der Plenarabstimmungen festgestellt habe, und daß es nach seiner Auffassung keinen Zweck habe, früher gefaßte Beschlüsse zu wiederholen. Die Sozialdemokraten hatten zu der gleichen Angelegenheit einen Antrag eingebracht, daß die Reichstagsauflösung im Augenblick der Uebergabe der Urkunde wirksam geworden und infolgedessen die Abstimmungen staatsrechtlich unwirksam seien. Für diesen Antrag stimmten außer den Sozialdemokraten die Deutschnationalen, das Zentrum und die Bayerische Volkspartei, wäh rend Nationalsozialisten und Kommunisten da gegen stimmten. Auch dieser Antrag wurde daher abgelehnt. In der Frage der Rechtswirksamkeit der Reichstagsabstimmungen, die den Hauptstreitpunkt zwischen Regierung und Reichstag bildet, hat also der Ueberwachungs ausschuß in seiner Eigenschaft als Unter suchungsausschuß einen neuen Beschluß nicht gefaßt. Im übrigen wurde ein deutschnationaler An trag abgelehnt, wonach die zur Rechts= und Tat sachenlage von der Regierung abgegehenen Er klärungen durch die Feststellungen des Aus schusses als richtig erwiesen seien. Mit den Stimmen der Nationalsozialisten, des Zentrums und der Banerischen Volkspartei wurde ein nationalsozialistischer Festste! lungsantrag angenommen, der be sagt, daß sich der Reichskanzler erst zum Wort gemeldet hat, nachdem die Ab stimmung vom Reichstagspräsidenten bereits eroffnet worden war. Das Verhal ten des Reichstagspräsidenten habe sowohl der Reichsverfassung wie der Geschäftsordnung des Reichstages entsprochen. Aus den Ausführungen des Kanzlers als Zeuge ergebe sich für den Ausschuß die Feststel lung, daß die Reichsregierung unter allen Um ständen entschlossen war, den Reichstag noch vor der Abstimmung über Notverordnungen und Mißtrauensanträge aufzulösen. In der glei Anttug geoltiigt, wonach der aux unbeschadet dieser Feststellungen an der fassung festhält, daß die Auflösung Reichstages dem Sinn und Geist Antrag angenommen, wonach es die Absicht deReichskanzlers war, seine Regierungserklärung abzugeben und die Debatte stattfinden zu lassen aber vor einer Abstimmung den Reichstag aufzulösen. Schließlich wurde noch ein sozialdemokratischer Antrag gevilligt, wonach der Ausschuf der Auf= des der Reichsversassung widerspricht. Daran schloß sich noch eine Reihe weiterer Abstimmungen. Mit den Stimmen der Nationalsozialisten und Kommunisten wurde die Aufhebung der Notverordnung über Sondergerichte und der verhängten Urteilbeschlossen, mit den gleichen Stimmen und denen der Sozialdemokraten auch die Aufhebung der Notverordnung zur Belebung der Wirtschaft Alle auf Grund der Verordnung bereits getrofenen Maßnahmen sollen zurückgezogen werden Ebenso wurde beschlossen, daß die Reichsregierung unverzüglich vor dem Ueberwachungsauschuß zu erscheinen habe. Auch die Aufhebung der Notverordnung über den Heringszoll wurdbeschlossen. Das Zentrum enthielt sich bei allen diesen Abstimmungen der Stimme, weil nack seiner Auffassung der Ausschuß nicht das Rech habe, Notverordnungen aufzuheben. Ein Termin für eine neue Ausschußsitzung wurde nicht festgesetzt. Um Lohn und Arbeitszeit Streik im Kabelwerk Reinshagen beendet— 40-Stunden=Woche Aus Wuppertal, 27. Sept., meldet der RWT. Dienst: Die Belegschaft des Kabelwerkes Reinshagen hat am Dienstag früh die Arbeit wieder aufgenommen. Von einer Lohnsenkung wurde abgesehen. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt nicht mehr wie bisher 48 Stunden, sondern ist auf 40 Stunden herabgesetzt worden. Von der Neueinstellung weiterer Arbeitskräfte wurde abgesehen. Die gekündigten 300 Arbeiter wurden wieder eingestellt. Kündigung des Manteltarifs bei den Mannstädt-Werken Aus Siegburg wird berichtet: Mit der Begründung, daß eine Anzahl wichtiger Bestimmungen des Tarifes veraltet feien, und das diese den neuen sozialpolitischen Gesetzesvor schriften sowie den veränderten betrieblichen und wirtschaftlichen Verhältnissen angepaßt werden müßten, haben die Klöckner=Werke, Abteilung Mann"idt=Werke, den im August v. J. abgeschlossenen Manteltarif gekündigt. Der kubanische Senatspräsident ermordet Aus Havanna mente Vasquez Senatspräside ralen Partei, ein pröndenten M Bande ü erichaffan murhe enger Freund Machado, Bande überfallen und mit einem Staat Dertolle Empfehle: prima Eckendorfer Saatgerste I. Absaat, prima Pekkuser Saatroggen „ Strubes Dickkopf Saatweizen prima Carstens 5 Saatweizen prima Standard Saatweizen. Hahe ferner: sämtliche Am. Superphosphate Kali und Thomasmehl stets vorrätig. Albesheim Fernruf 28. von 1867 Fechtabteilung Vom 1. Oktober 1932 Fechtabende jeden Donnerstag u. Samstag ab 8 Uhr in der Turn halle der Patroklischule(Eingang Lava nengasse). Am 1. Okt. beginnt ein neuer Lehrgang für Damen und Herren. Müh' und Arbeit war Dein Leben, Gott hat Dir die Ruh' gegeben. Nach Gottes heiligem Willen verschied sanft nach kursem, schweren Leiden mein lieber, guter Mann, unser herzensguter Vater, Schwieger- und Großvater, Bruder, Schwager und Onkel, der Eisenbahn-Oberschaffner Heinrich Steinhoff im Alter von 61 Jahren. In tiefstem Schmers: Frau Heinrich Steinbolt und- Kinder. Soest, Bochum, Dortmund-Schanse, Dahle, don 26. September 1932, Bomberg Inh.: Otto Köhler. Mittwoch, den 28. Septemb., abends ab 8 Uhr Die Beerdigung findet am Freitag, den 30. September, nachmittage 3.30 Uhr, vom Stadtkrankenhause aus statt. Von Beileidsbesuchen bitten wir Abstand zu nehmen. Trauerfeier ¼ Stunde vorher. Als Gast: Willy Endler, Düsseldort, (Der Meister des Humors) unter Mitwirkung der Kapelle Heinz Damitz. Geräumiges mit oder ohne Woh im Zentrum der Stadt zuu 1. Nov. zu verm Zu erfragen in der Gesch. unt. Nr. 5011 Hauswirtschaftliche Ausbildung. Der neue Kursus an der slaatlich anerkannlen Haushaltungsschule Soesl, Thomästraße 8, beginnt am 8 Oktober. Anmeldungen daselbst. Ihr Sauerkraut legen Sie am besten in eln Faß aus braunem Bunzlauer Steinzeug. Sie finden bei mir Einmachfässer von 30— 100 Liler Inhalt, ausserdem Happusschaben, braune und graue Einmachtöpfe, Einmachgläser und Einkochgläser in allen Größen. Sehen Sie sich die Bunzlauer Einmachfässer bitte einmal zwanglos an! Oberwinter hinterm Nathaus. Der gute grosse Kaffkorb jetzt 5.25 be 1.40 in allen Größen billigst, Nörbe f. 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Zugelaufen: 1 Die rechtmäßigen Eigentümer wollen ihre Ansprüche hier geltend machen. Lohwe, den 27. September 1932. Die Polizeiverwaltung. omamt Hein Haus ohne Hüche, keine Hüche ohne Zum 1732 200 jährigen Jubiläum der Preußischen Gestütverwaltung 1932 auf dem Hofe des Landgestüts am 2. Oktober 1932, 1½, 30 Uhr beginnend. Militärmusik. Bedeckte Tribüne. Eine Wiederholung der Parade findet nicht statt. Preußisches Landgestüt. Sonderzug ab Münster 12.12 Uhr, an Warendorf 13.10 Uhr. .. Mein reichhalliges Lager in diesen Herden genügt allen Ansprüchen, die hin sichtlich des Preises und der Rusführung gestellt werden können. Lieferung und Rufstellung frei. Franz Herstin. 44 Jedem, der an Rheumalismus, Ischias oder Gicht leidet, teile ich gern kostentrei mit, was meine Frau schnell und billig kurierte. 15 Pfq. Rückporto erbeten. H. Müller, Obersekretär a. D. Dresden Nr. 252 Walpurgisstraße 9 IV. . 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