Deer Keisblatt K Soester Zeitung, ageblatt u. General-Anzeiger, Publikationskraft für die Behörden Senn täglich morgens mit Ausnahme der Soun= und Feiertage./ Bezugspreis monatlich (G.=Mark./ Bei zeitweiligem Nichterscheinen infolge höherer Gewalt muß der Bezugspreis voll entrichtet werden./ Geschäftsstelle: Soest, Wiesestr. 5./ Fernspr. 59./ Postscheckk.: Hannover 22 559 früher Wochenblatt mit allein rechtsverbindlicher des Kreises Soest/ Gegründet 1819 Angeigenpreise: Die einfpallige Millimetorzelle Gtwaiger Nabatt gilt als Kassenradatt und kommt Erfüllung von Platzvorschriften wird keine Gewähr über. ngge Lagn Faa. hr Abertommen. Anzeigenannahme bis6 Uhr aldads Nr. 174 Mittwoch. den 21. Juli 1932 114. Jahrgang Das Schulschiff„Niobe“ gekentert 69 junge Seeleute in den Tod Im Gewittersturm zerschmettert und untergegangen streik aufforderten. nommen. Alle vier wurden festgeDie Nachrichtenstelle der Reichsmarine teilt unterm 26. Juli mit: Heule nachmittag 14,30 Uhr ist das Segelschulschiff„Niobe" der Reichsmarine in einer Gewitterboe beim Fehmarn-Bel, Feuerschiff gerentert. Die Boote des Feuerschiffes haben sich sofort an die Unfallstelle begeben. Auch der Dampfer„Therese Rust“ meldet seine Ankunft an der Unfallstelle und ferner, daß er 40 Gerettete an Bord habe. Die Rettungsarbeiten der Reichsmarine sind im Gange. Eine Meldung des Wolffbüros berichtet dann: Außer dem Kreuzer„Köln", an dessen Vord sich der Inspektor des Bildungswesens der Marine, Konteradmiral Kolbe, befindet, ist der Kreuzer„Königsberg" nach der Unfallstelle entsandt worden. Ferner sind vier Boote der S=Halbflottille und ein Flugzeug unterwegs. Eine weitere Meldung aus Kiel lautet: Die.„Niobe" kenterte in einem schweren Gewitter infolge einer Boe, kurz nachdem Do X auf seiner Fahrt von Travemünde nach Kiel dem Schiff begegnet war. Der Unlergang vollzog sich sehr rasch in etwa 3—4 Minuten. Dann wird aus Kiel berichtet: Ueber den Untergang der„Niobe" liegen nähere Nachrichten zürzeit nichk vor. Dies dürfte darauf zurückzuführen sein, daß die an den Bergungsarbeiten zunächst beteiligten Schiffe zum großen Teil eigene Funkanlagen nicht an Bord haben. Unter den bisher Geretteten befindet sich der Kommandant des Schiffes, Kapitänleutnant Ruhfuß. Ueber das Schicksal der Vermißten verlautet nichts; doch kann damit gerechnet werden, daß zahlreiche Mitglieder der Besatzung durch die Boote des Feuerschiffes Fehmarn-Belt gerettet wurden. Nach dem Abzug des Gewitters ist eine Veruhigung des Wetters eingetreten, sodaß die Aussicht besteht, daß sich weitere Schiffsangehörige durch Schwimmen längere Zeit über Wasser halten konnten, bis ihnen Hilfe zuteil wurde. Von der Seeflugstation Holtenau sind zwei Flugzeuge an die Unfallstelle abgegangen. Die Opfer der Kalastrophe Nach einer Wolffmeldung aus Kiel haben der Kreuzer„Köln" und der Dampfer„Therese Rust" die Ueberlebenden an Bord genommen. Außer dem Kommandanten ist auch ein weiterer Offizier, Oberleutnant Lott. gerettet worden. 69 Schiffsangehörige werden vermißt. Mitihrem Tode muß gerechnet werden Die„Niobe" war eine Dreimastschoner-Bark von 600 Tonnen Wasserverdrängung. Sie hatte einen Motor von 240 PS. Die Besatzung bestand aus sechs Offizieren, 50 Offiziersanwärtern, 18 Unteroffiziersanwärtern und 25 Stammunteroffizieren und Mannschaften, zusammen also rund 100 Mann. Die„Niobe" befand sich auf einer Ausbildungsreise; sie war am Montag in See gegangen mit dem Ziel Warnemünde. Sie sollte Mitte September in ihren Heimathafen Kiel zurückkehren. Kommandant war Kapitänleutnant Ruhfuß. Die„Niobe“, die erst nach dem Kriege in Dienst gestellt worden war, hatte als ersten Kommandanten den bekannten Grafen Luckner. Ein Todesopfer, mehrere Verletzte in Friedrichskoog Aus Friedrichskoog(Dittmarschen) wird gemeldet: Nach einer SPD.=Wahlkundgebung ist es hier in der Nacht zu schweren Zusammenstößen zwischen Versammlungsteilnehmern und Nationalsozialisten gekommen. Ein Versammlungsteilnehmer wurde getötet, drei weitere Reichsbannerleute wurden mit erheblichen Verletzungen dem Krankenhaus zugeführt. Der Präsident des Deulschen Sängerbundes, Geh.-Kat Dr. Hammerschmidt, gestorben Aus München, 26. Juli, wird gemeldet: Geh.Nat Dr. Karl Hammerschmidt, der Präsident des Deutschen Sängerbundes, ist heute früh 5.30 Uhr v. Gronau in Labrador gelandet Aus St. Johns(Neufundland) wird gemeldet: Wolfgang v. Gronau landete am Montag um 22.45 Uhr Greenwicher Zeit in Cartwright(Labrador). Er war schon gegen 20 Uhr in der Nähe dieses Ortes gesichtet worden, doch hat ihn vermutlich der dicke Robel an einer früheren Landung gehindert. Aus Newyork kommt dann folgende Meldung vom 26. Juli: Der deutsche Flieger v. Gronau ist in Cartwright an der Küste Labradors um 18.50 Uhr Ostnormalzeit mit Kurs auf Montreal gestartet. im Alter von 70 Jahren einem Herzschlag erlegen. Gestern abend war Präsident Dr. Hammerschmidt, der früher auch dem Bayerischen Landtag angehörte, in fröhlichster Laune vom Sängersest aus Frankfurt zurückgekehrt. Die Ordnung in Preußen „Aufrechterhaltung der Sicherheit ist die wichtigste Aufgabe der Polizei“ Die Aufhebung des keine Nuhe In Düsseldorf kam es am Montag, wie die Polizeipressestelle mitteilt, in den Abendstunden an verschiedenen Stellen der Stadt zu Zusammenstößen politischer Gegner rechts= und linksradikaler Gruppen. Bei einem Zusammenstoß fiel ein Schuß. Polizeibeamte verhafteten mehrere Beteiligte und stell ten einen Nationalsozialisten, der mit einer Schußwaffe angetroffen wurde und verdächtig ist, geschossen zu haben, fest. Kurz darauf entstand in der Öststraße eine Schlägerei. Hierbei wurden drei Nationalsozialisten und ein Angehöriger der Eisernen Front durch Messerstiche leicht verletzt. Auch hier fiel ein Schuß, der Schütze konnte aber nicht ermittelt werden. Ueberall stellte die Polizei sofort die Ordnung wieder her. Politischer Mord in Köln Am Dienstag früh gegen 1.30 Uhr kam es auf dem Neumarkt in Köln zu einer Anrempelei zwischen politischen Gegnern. Nach kurzem Wortwechsel fiel ein Schuß, dem ein junger parteiloser Mann zum Opfer fiel. Der Verunglückte wurde sterbend in das Bürgerhospital eingeliefert, wo er kurz darauf seinen Verletzungen erlag. Der Tat dringend verdächtig ist der aus der Schlägerei im Kölner Weinhaus Deis bekannte Nationalsozialist„Fuchs", der kurz nach der Tat auf der Flucht zu dem Kölner Braunen Haus, welches unweit von dem Schauplatz liegt, verhaftet wurde. Das Ueberfallkommando nahm auch die ührigen an der Anrempelung Beteiligten fest. Blutige Zusammenstöße in Koblenz Aus Koblenz, 26. Juli, wird dem Wolffbüro berichtet: Zwischen uniformierten Nationalsozialisten und Anbersgesinnten kam es gestern abend zu schweren Schlägereien. Dabei wurde ein Parteiloser durch drei Stiche in den Kopf verletzt. Das Ueberfallkommando säuberte die betreffenden Straßenzüge. Beim Abrücken stieß das Kommando auf einen anrückenden Trupp uniformierter Nationalsozialisten. Die Polizei nahm die Nationalsozialisten fest, bei denen zwei scharf geladene Trommelrevolver, eine Pistole, zwei Totschläger und eine Stichwaffe gefunden wurden. Die Nationalsozialisten wurden verhaftet. 84 Personen in Braunschweig vor dem Schnellrichter In Braunschweig standen die 84 Personen, die Sonntag in einer Wäscherei sich unangemeldet versammelt hatten und festgenommen worden waren, vor dem Schnellrichter. Nach zehnstündiger Verhandlung wurden 59 Angeklagte zu 15 RM. Geldstrafe verurteilt. Wieder Schüsse in Berlin— Eine Frau gekötet Aus Berlin, 25. Juli, wird berichtet: Zwischenfälle in der Naunyn=Straße setzten sich in den Abendstunden fort. Gegen Mitternacht wurde eine Autostreife der Polizei aus einem Hause mit Steinen beworfen, wodurch ein Beamter an der rechten Hand verletzt wurde. Die Beamten gaben darauf einige Schüsse ab, durch die jedoch niemand getroffen wurde. Einer der Steinwerfer wurde festgenommen. In der Manteuffelstraße versuchten mehrere Kommunisten, ein Hindernis auf der Straße aus dort aufgestapeltem Baumaterial zu errichten. Die Polizei nahm neun Personen fest, die der politischen Polizei zugeführt wurden. In den späten Abendstunden wurde wiederum eine große Anzahl von Litfaßsäulen in Brand gesteckt. Die Täter sind unerkannt entkommen. Unterm 26. Juli wird aus Berlin berichtet: Eine gestern bei einem Feuergefecht im Suüdosten Berlin schwerverletzte Frau ist heute im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen. Wegen Aufforderung zum Generalstreik festgenommen Aus Küstrin wird gemeldet: Der der KPD. angehörende brandenburgische Provinziallandtagsabgeordnete und Stadtverordnete von Neudamm Paul Hennig wurde mit drei anderen Kommunisten von der Polizei dabei überrascht, als er Fluablätter verteilte, die zum GeneralAusnahmezustandes in Groß=Berlin und der Provinz Brandenburg Die folgende Verordnung ist am 26. Juli amtlich veröffentlicht worden: Auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung verordne ich: Die Verordnung betreffend die Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in Groß=Berlin und der Provinz Brandenburg vom 20. Juli 1932 wird mit Wirkung vom 26. Juli 1932, 12 Uhr mittags, aufgehoben. Die auf Grund dieser Verordnung durch den Inhaber der vollziehenden Gewalt ausgesprochenen Verbote periodischer Druckschriften werden hierdurch nicht berührt. Neudeck und Berlin, den 26. Juli 1932. Die Verordnung ist vom Reichspräsidenten von Hindenburg unterschrieben und gegengezeichnet vom Reichskanzler von Papen, Reichsinnenminister Freiherrn von Gayl und Reichswehrminister von Schleicher. Wie von zuständiger Seite ausdrücklich betont wird, wird mit der Aufhebung des Ausnahmezustandes selbstverständlich auch die über einelne Personen verhängte Schutzhaft aufgehoben, ofern nicht die Untersuchung aus den Händen des Militärbefehlshabers bereits auf die gerichtsbarkeit übergegangen ist, die dann über die Weiterführung der Inhaftierung in den ein zelnen Fällen zu entscheiden hat. * Der vor einigen Tagen zusammen mit dem Kommandeur Heimannsberg festgenommene Po lizeimajor Encke ist aus der Schutzhaft entlassen worden. Dr. Bracht an die Polizei Der mit der Wahrnehmung der Geschäfte des preußischen Innenministers beauftragte Bevoll mächtigte des Reichskommissars für Preußen, Dr. Bracht, hat an alle Landespolizeibehörden folgenden Erlaß gerichtet: Die einschränkenden Bestimmungen au dem Gebiet der Vereins-, Versammlungs und Pressepolizei sind erlassen worden, um die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicher heit und Ordnung zu gewährleisten und dem vielfach zu Tage getretenen Mißbrauch politischer Rechte nachdrücklich entgegenzutreten. Sie dürfen aber keine Handhabe dazu bieten, die gesetzmäßige Betätigung der Staatsbürger zu verhindern oder einzuschränken, insbesondere die Wahlfreiheit zu beeinträchtigen Sie sind unparteiisch und gerecht anzuwenden; dazu gehört auch, daß jede Aeinliche oder schikanöse Handhabung unterbleibt. Mestehen im Einzelfall Zweifel darüber, ob die Voraussetzungen für die Anordnung einer Beschränkung gegeben sind, so ist von der Maßnahme abzusehen, gegebenenfalls Entscheidung des Regierungspräsidenten einzuholen. Mit der Wahrnehmung der Geschäfte beaufragt (gez.) Dr. Bracht. An alle Polizeibehörden hat Dr. Bracht folgenden Funkspruch übermittelt: 1. Die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit vor, während und nach der Reichstagswahl ist in nächster Zeit die wichtigste Aufgabe der Polizei. 2. Die Waffengebrauchsbestimmungen für die Polizei(vergleiche Ausführungsbestimmungen zu§ 55 Polizeiverordnungsgesetz) reichen völlig aus zum Schutze des einzelnen Beamten wie zur Durchsetzung der Staatsautorität gegenüber tätlichem Widerstande. 3. Ein Polizeibeamter, der auf Grund dieser Bestimmungen nicht rechtzeitig und ausreichend von seinen Dienstwafsen Gebrauch macht, verletzt seine Amtspflicht. Dem gemäß handelnden Polizeibeamten aber werde ich meinen Schutz nicht versagen. Vor der Umbesetzung von Landralsstellen Nach einer Contimeldung wird die urspränglich für Dienstag in Aussicht genommene Sitzung des Reichskabinetts, in der die wirtschaftlichen Programmfragen wieder aufgenommen werden sollte, erst am Mittmschnachmittag stattfinden; außerdem ist für Mittwoch eine Staatsministerial=Sitzung in Preußen angesetzt. In dieser Sitzung soll über die Umbesetzung einer Reihe von Landratsstellen Beschluß gefaßt werden. Die Parteiabzeichen und-Uniformen bei der Wahl Die Frage, ob stimmungsvot ta Mit rstai d der lieder des Abndes bei der Reichsagswahl während der Ausübung des Dienstes politische Abzeichen oder Uniformen tragen dürfen, hat der Reichsminister des Innern verneint, da die Abstimmungsvorstände amtliche Organe sind und ihre Mitglieder staatliche Ehrenämter bekleiden. Während dies mit der von den Mitgliedern des Abstimmungsvorstandes zu verlangenden größten Unparteilichkeit nicht vereinbar ist, sind Wähler, die den Abstimmungsraum lediglich zur Stimmabgabe betreten, am Tragen von Uniformen und Abzeichen nicht gehindert. Der Ruf nach Abrüstung Die Interparlamenkarische Union, 28. Tagung in Genf beendet hat, nahm eine Entschließung an, in Die Ergebnisse der Abrüstungskonferenz seien noch weit davon entfernt, die Hoffnungen der Völker zu befriedigen. Die Unionsmitglieder werden aufgefordert, auf ihre Regierungen einzuwirken, damit in Zukunft bessere Ergebnisse erzielt würden. Diese Resolution wurde gegen die Stimme der deutschen Vertreterin, der Reichstagsabgeordneten Frau Teusch, angenommen. Frau Leusch hat die Entschließung abgelehnt, weil sich die Union die weitergehenden deutschen Anträge nicht zu eigen machen wollt Senator Borah hat nach einer Neutermeldung am 26. Juli erklärt, seiner Ansicht nach sollten die Vereinigten Staaten die Initiative ergreifen, eine Weltwirtschaftskonferenz einzuberufen. Er betrachte Kriegsschulden und Reparationen als wesentliche Elemente in jeder internationalen Aussprache, die auf dauernde Wiederherstellung des Hannicht weniger als eine 50%ige Verminderung der Weltrüstungen verlangen wird. Die Reichsstenereinnahmen vom 1. April 1932 bis 30. Juni 1932 Im Monat Juni 1932 betrugen(in Millionen RM.) die Einnahmen des Reiches bei den Besitzund Verkehrssteuern 410,0, bei den Zöllen und Verbrauchssteuern 182,1, im ganzen 592,1. In der Zeit vom 1. April bis 30. Juni 1932, dem ersten Viertel des Rechnungsjahres 1932, sind an Besitz= und Verkehrssteuern 1050,7, an öllen und Verbrauchssteuern 638,3, zusammen 689,0 aufgekommen. Bei einem Vergleich des Aufkommens im ersten Biertel des Rechnungsjahres 1932 mit dem Aufkommen im gleichen Zeitraum des Rechnungsihres 1931(Besitz= und Verkehrssteuern 1171,3, ölle und Verbrauchssteuern 636,6, zusammen 807,9) ist zu berücksichtigen, daß auf der einen Seite in der Zwischenzeit die Abgabengesetze in wesentlichen Punkten geändert worden sind, auf der anderen Seite die Wirtschaftslage sich dauernd verschlechtert hat. Aus dem Aufkommen im ersten Vierteljahr 1932 können auf das voraussichtliche Jahresaufkommen keine einigermaßen sisogen werden. Schlüsse geDas„Vertrauens-Abkommen“ Nach der Entscheidung Deutschlands benator Borah bekennt sich Schuldenrevision zur Ziuszuschüsse des Reiches für die Instandsetzung von Wohngebäuen und die Teilung von Wohnungen Der Reichsarbeitsminister hat nähere Bestimmungen über die in der Notverordnung vom 14. Juni ds. J. vorgesehenen Zinszuschüsse aus Reichsmitteln für Darlehen zur Instandsetzung und Teilung von Altwohnungen bekannt ben. Hierfür stehen einmalig 5 Millionen zur Verfügung. Der Zuschuß wird Hausbes gegeben, die ein Darlehen von mindestens 1000 RM. zur Ausführung größerer Instandsetzungsarbeiten oder zur Teilung einer Wohnung aufgenommen haben. Da bei einer angenommenen durchschnittlichen Laufdauer der Darlehen von 2½ Jahren eine Verbilligung der Darlehnskosten um 4 Prozent jährlich erreicht werden soll, ist der Zinszuschuß auf 10 v. H. des Darlehns festgesetzt worden. Der Reichsarbeitsminister hat gleichzeitig die Uebernahme von Reichsbürgschaften zur Förderung von Instandsetzungsarbeiten und Wohnungsteilungen eingeleitet. Die Verhandlungen über den Kreis der Institute, die die Reichsbürgschaft erhalten, sind noch nicht abgeschlossen. Die Institute werden zu gegebener Zeit von sich aus die ihnen angeschlossenen Organisationen verständigen. Wieder französische Unfreundlichkeiten Es scheint wirklich nicht leicht zu sein, die ranzösische Rechtspresse zu einer freundlichen Einstellung gegenüber der Politik anderer Länder und außerfranzösischer Staatsmänner zu bewegen. Nachdem die nationalistischen Pariser Blätter seit Jahren in mehr oder minder derber Weise Amerika angegriffen haben, weil es sich zu einer Revision der Kriegsschulden ablehnend verhalte, erntet Senator Borah jetzt für seine Forderung nach Herabsetzung bzw. völliger Streichung dieser Schulden Tadel, um nicht zu agen Grobheiten, nur weil er seine Forderung an bestimmte Bedingungen, wie Abrüstung, knüpfte. Und wie man seit Jahren Deutschland zu einer europäischen Zusammenarbeit glaubte auffordern zu müssen, so findet man jetzt für die deutsche Bereitwilligkeit, an einem Meinungsaustausch, über die mit dem französisch-englischen Vertrauensabkommen vom 13. Juli zusammenhängenden Fragen teilzunehmen, wiederum in der Hauptache abfällige Bemerkungen. Echo de Paris hält es sogar für notwendig, dieses Vertrauensabkommen nunmehr in seiner Bedeutung und seinem Wert herabzumindern. Es versucht allerdings, das Odium dieser Umwertung auf England abzuwälzen, indem es sich aus London von einem dortigen Korrespondenten melden läßt, daß man in England über die Zufriedenheit, die der Versuch einer französisch-englischen Annäherung in Rom, Washington und Berlin angeblich hervorgerufen habe, außerordentlich erschreckt sei. Wirklich bleibe, so meint der Korrespondent, von diesem Abkommen nicht viel übrig. Es habe, wie er hinzufügt, nur noch die Bedeutung, daß England und Deutschland eine Art Aufsichtsrecht über Frankreichs Allianzen ausüben dürften. In London verheimliche man sich nicht, sagt er— und überträgt hiermit wieder eine Pariser Beürchtung in die englische Hauptstadt—, daß Deutschland durch seine Beteiligung an dem ranzösisch-englischen Uebereinkommen vor allem Gelegenheit suche, den Grundsatz der Rüstungsgleichheit geltend zu machen. Im Gegensatz zu diesen Pariser Blätterstimmen erklären Times in einer Meldung eines Pariser Korrespondenten, daß die deutsche Entcheidung von der französischen Regierung durchaus mit Befriedigung aufgenommen worden sei. Die Wichtigkeit des deutschen Schrittes dürfte, wie der Times=Korrespondent hinzufügt, deutlicher werden, wenn die Verhandlungen über das nächste Stadium der Abrüstungskonferenz beginnen würden. Er meint sogar, daß jetzt eine Verständigung zwischen Frankreich, Großbritannien, Italien und Deutschland über die Frage der Gleichberechtigung leichter geworden sei. Günstige Aufnahme des Beitritts Deutschlands in der euglischen Press Der Beitritt Deutschlands zu dem sogenannten Vertrauensabkommen wird von den englischen Blättern als= hoch erfreulich bezeichnet. Im News Chronicle heißt es: Der Beitritt Deutschlands zu dem Abkommen macht tatsächlich dem Verdacht ein Ende, daß es sich um eine heimliche Wiederbelebung der alten Entente cordiale handeln könnte. Times begrüßen die deutsche Erklärung, weil das Vertrauensabkommen hauptsächlich in Hinsicht darauf vorgeschlagen worden sei, Deutschland an der Erörterung fundamentaler europäischer Probleme zu beteiligen. Times führen weiter aus: Herr von Papen hat in Lausanne die deutsche Forderung nach Rechtsgleichheit in der Rüstungsfrage zur Sprache gebracht. Man war der Meinung, daß diese Punkte nichts mit der Reparationserörterung zu tun hätten, aber doch Fragen darstellen, die nicht einfach unterdrückt oder für unbegrenzte Zeit aufgeschoben werden könnten. Infolgedessen wurde angestrebt, daß heikle Probleme dieser Art aufgeworfen werden könnten, ohne durch ihre bloße Erwähnung Entrüstung hervorzurufen. Es sollte vielmehr ihre informelle und diskrete Erörterung ermöglicht werden. Zwischen Großbritannien und Frankreich bestand besonders der Wunsch, daß irgendwelche Vorstellungen, die Deutschland an einen von ihnen richten würde, als an beide gerichtet aufgefaßt werden sollten. Die deutsche Rechtsgleichheit ist ein Problem, das um so größere Aussicht auf eine befriedigende Lösung hat, je eher es in Angriff genommen wird. Wenn es immer wieder beiseitegeschoben wird, dann wird die schließliche Lösung vielleicht einseitig sein. Ein großes Land kann nicht für immer behandelt werden, als ob es niederen Ranges sei als andere Länder. Es war einer der schwächsten Punkte der Abrüstungsentschließung, daß sie nicht einmal den Versuch machte, der Frage auch nur ins Gesicht zu sehen. Der Pakt der europäischen Entente, dem Deutschland soeben nähergetreten ist, scheint die besimögliche Methode zu bieten, das Problem in Angriff zu nehmen. Beitrikk Kumäniens und Griechenlands Aus Paris, 26. Juli, wird berichtet: Der hiesige rumänische Gesandte hat gestern dem Außenministerium den Beitritt seiner Regierung zum französisch-englischen Vertrauensabkommen vom 13. Juli zur Kenntnis gebracht. Auch die griechische Regierung wird dem Abkommen beitreten. Aationalsozialistische Veröffenklichung über den Kol-Frontkämpfer=Bund Die Gauleitung Darmstadt der NSDAP. will ein geheimes Rundschreiben des hessischen Landeskriminalamtes über den Rot=FrontkämpferBund vom 27. Oktober 1931 besitzen, das sie veröffentlicht. In diesem Rundschreiben heißt esu. a.: Von dem verbotenen Rot=Fr werden in letzter Zeit energisch nommen, die illegale Organisation zu und neu aufzubauen. Nach einem vertraulichen Bericht über eine Anfang September 1931 in Braunschweig abgehaltene Gaukonferenz gelte es. den RFB. und die Jungfront nunmehr auf den akut revolutionären Kurs einzustellen, also alle Maßnahmen zu treffen, die für den bewaffneten Aufstand erforderlich seien. Für die Tercorgruppen müßten junge und unverheiratete Leute gewonnen werden, da diese unabhängiger und zuverlässiger seien. Bei einer am 12. und 13. September 1931 in seiner neuen Form mit Wissen und aktiver Hilfe der KPD. aufgebaut wird. Bei der gleichen Angelegenheit wurde eine Dienstanweisung des Nachrichtendienstleiters des RFB., Gau Niederchein, vorgefunden, in der der Aufbau der Ortisation näher beschrieben ist. Für den Fall einem Interventionskrieg gegen Rußland werden zahlreiche Anweisungen für Sabotageakte bei der Reichswehr und dem Transportwesen aufgezählt. * Die seinerzeit in der Boxheimer Affäre genannten nationalsozialistischen- Landtagsabgeordneten haben, wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, beim Oberstaatsanwalt gegen das hessische Staatsministerium vom Sommer 1931 „wegen Begünstigung der hoch- und landesverräterischen Absichten der KPD.“ Strafantrag gestellt. Der Antrag gründet sich auf das oben erwähnte geheime Rundschreiben des hessischen Landeskriminal-Polizeiamtes vom 27. Oktober 1931, das die illegalen Absichten des Rot=Frontkämpfer=Bundes betrifft. Amtlich wird in Darmstadt eine äußerst scharfe Erklärung gegen die„Hessische Landeszeitung" verlautbar, die die angeblichen Geheimdokumente über kommunistische Umsturzpläne veröffentlicht hat. Diese Veröffentlichung, so wird erklärt, ist geeignet, in der Oeffentlichkeit den Eindruck zu wecken, daß die kommunistische Partei in Hessen Umsturzvorbereitungen treffe, die von der hessischen Regierung geduldet oder nicht genügend sorgfältig bekämpft würden. Die„Hessische, Landeszeitung“ hat damit bewußt die Oeffentlichkeit in gröbster Weise irregeführt. Im einzelnen stellt die amtliche Erklärung nunmehr fest, daß es sich um kein Geheimdokument handelt, sondern um ein Dienstschriftstück, das so„geheim" sei, wie jedes andere Aktenstück auch.. Die Vermerke: Nicht aus der Hand geben! Keine Abschrift anfertigen usw., die sich in der „Hessischen Landeszeitung" fänden, seien von der „Hessischen Landeszeitung" aus Sensationsgründen hinzugefügt. Besonders betont wird aber, daß sich die aus dem Schriftstück von der Zeitung auszugsweise wiedergegebene Darstellung gar nicht auf Hessen bezieht. Es handele sich um Mitteilungen der braunschweigischen Kriminalpolizei über eine Anfang September 1931 in Braunschweig abgehaltene kommunistische Gaukonferenz. Es sei deshalb eine Ungeheuerlichkeit, daß die „Hessische Landeszeitung" es wage, diese Dinge, die aus einem außerhessischen Gebiet stammen, der hessischen Regierung in die Schuhe zu schieben und zu behaupten, sie seien ein Beweis dafür, daß unter den Augen der hessischen Regierung der verbotene Rot-Frontkämpfer=Bund weiter existiere und zum Bürgerkrieg rüste usw., und daß die hessische Regierung gegenüber diesen bekannten Tatsachen nicht eingeschritten sei. Nur mit Rücksicht auf den Wahlkampf habe die hessische Regierung von einem sofortigen Verbot der „Hessischen Landeszeitung" dundeer Der Prozeß Gorguloff In Paris wurde bei der Verhandlung gegen den Russen Gorguloff das Zeugenverhör fortgesetzt. Nach der Vernehmung eines Polizeikommissars wurde der ehemalige Budgetminister Pietri vernommen, der als Augenzeuge den Hergang des Attentats miterlebt hat. Für die sehr verworrenen Aussagen des ehemaligen Kosaken Lazarew, der mit Bestimmtheit in Gorguloff ein früheres Mitglied der Tscheka wiedererkennen will, hat der Angeklagte nur ein verächtliches Achselzucken. Der Zeuge will von Gorguloff sogar tätlich in einem Barackenlager angegriffen und mißhandelt worden sein und ihn 1921 in Polen wiedergesehen haben. Trotz eindringlicher Vorstellungen des Gerichtsvorsitzenden bleibt Lazarew bei dieser Behauptung. Ein inoffizieller Vertreter der U5A. in Moskau Einer Meldung der Associated Preß aus Moskau zufolge hat der Direktor der Nitrogen Engineering Cooporation bei seiner dortigen Anwesenheit maßgebenden russischen Persönlichkeiten gegenüber von der Möglichkeit gesprochen, daß die amerikanische Regierung einen inoffiziellen Vertreter nach Moskau senden werde. Er habe mitgeteilt, vor seiner Abreise nach Rußland hätte er in gewissen Kreisen Washingtons befriedigende Besprechungen gehabt. Der Gedanke der Ernennung eines Vertreters, auf die vielleicht wischen den hat, Senator Borah. der bekannte amerikanische Politiker, bisher des eifrigste Gegner jeder Kriegsschuldenrevision und jeder Beteiligung Amerikas an europäischen Angelegenheiten, hat sich jetzt für eine sofortige Weltkonferenz und für Verhandlungen über eine Streichung aller politischen Kriegsschulden eingesetzt. auf die formelle Verhandlungen zwischen den beiden Regierungen folgen würden, hat, wie es in der Meldung der Associated Preß heißt, in Moskau großen Anklang gefunden. Aus Englands Politik Der Erfolg der Kriegsanleihe-Konvertierung Aus London meldet das Wolffbüro: Mehr als eine Milliarde Pfund Sterling von der insgesamt sich auf zwei Milliarden belaufenden Kriegsanleihe ist bereits konvertiert worden Nur zwei Prozent der Inhaber von Anleihetiteln hat Einlösung verlangt. 98 Prozent haben sich für die Konvertierung entschieden. Die Aufgabe der Küstenverteidigung Großbritanniens wird, nach einer Mitteilung des Kriegsministeriums, in Zukunft ausschließlich der Territorialarmee obliegen. Der betreffende Plan, der u. a. die Reorganisation der bereits bestehenden Küstenverteidigungsabteilungen der Territorialarmee und die Bildung neuer Flugzeugabwehran Kraft. Die Reorganisation wird am 31. März 1933 beendet sein. Die irischen Vergeltungszölle Aus Dublin wird berichtet: Die Ungewißheit über den endgültigen Ausgang des irisch-englischen Zollstreits hält noch immer an. Die Tatsache, daß die Regierung des irischen Freistaates die Erhebung von Einfuhrzöllen auf britische Waren bis heute noch nicht angeordnet hatte, ließ hier Gerüchte entstehen, wonach hinter den Kulissen Verhandlungen zwischen England und Irland im Gange seien. Nun hat die irische Regierung die Erhebung der Zölle mit Wirkung vom 26. Juli ab zwar angeordnet, aber die plötzliche Abreise des irischen Staatssekretärs im Finanzministerium, Flinn, nach London hat den erwähnten Gerüchten neue Nahrung gegeben. Flinn soll, wie verlautet, mit einer äußerst wichtigen Mission der Regierung betraut worden sein. Wenn also der endgültige Ausgang des Streits noch keineswegs sicher steht, so ist durch die Anordnung der Zollerhebung eine vorläufige Rechtslage geschaffen. Die irischen Vergeltungszölle treffen insbesondere die englische Industrie; bei einigen Warengattungen, u. a Kartoffeln, Schweinefleisch, Maschinen für die Molkereiindustrie, unterliegt auch die Einfuhaus dritten Ländern den neuen Zollsätzen. Bluttaten Ueberfall auf eine Frau Eine schwere Bluttat ereignete sich Montag früh in der Nähe des Friedhofes von Marzahn Dort wurde die junge Frau des Schachtmeisters Kokahn aus Lichtenrade von einem elegant gekleideten Manne in der Nähe der Berliner Rieselfelder angefallen. Der Täter versuchte der Frau Gewalt anzutun. Da diese sich wehrte, zog der Mann eine Pistole und gab auf die Frav mehrere Schüsse ab, die sie schwer verletzten. Ein des Weges kommender Molkereilehrling, der den flüchtenden Täter verfolgte, erhielt von diesem einen Schuß in den Oberschenkel, sodaf er zusammenbrach. Alsdann richtete der Flücht ling die Pistole gegen sich und schoß sich in den Kopf. Wie verlautet, soll er auf dem Transport zum Krankenhaus gestorben sein. Die Perönlichkeit des Täters konnte bisher nicht festgestellt werden. Der Blutrausch eines Kasenden In Groß=Ellguth brach am Dienstagmorgen beim Sattlermeister Lindner ein Brand aus. Als die Feuerwehr in das Haus eindrang, fand sie die Frau des Sattlermeisters, seine Tochter und seine Pflegemutter tot. Die Leichen wiesen furchtbare Hiebund Stichwunden auf. Den Sattlermeister Lindner fand man nach längerem Suchen au dem Boden erhängt. Die furchtbare Bluttat dürfte von dem Sattlermeister in einer Art Blutrausch begangen worden sein. Am Bett der Frau lag der Wolfshund, ebenfalls erschlagen. Ferner fand man einen Korbmit jungen Gänsen, die sämtlich getöte waren. Das Haus war an etwa zehn Stellen angezundet worden. Das Motiv der Tat ist noch nicht geklärt: man spricht von ehelichen Zerwürfnissen. Das Drama von Pulbroek-Echt dem Prozes und dessen Sohn, die wegen Totschlags dreier junger Leutin der Nähe der deutsch-holländischen Grenze zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden, ist auf den 23. August in Hertogenbosch angesetzt. Es sind 28 Zeugen geladen. Auch diSchießsachverständigen Dr. Hülst, van Wäherning und H. Könen sollen noch einmal vernommen werden. Das persönliche Vermögen des Präsidenten Hoover, das früher auf vier Millionen Dollar geschätzt wurde, ist der Zeitschrift„Fortune" zufolge auf 700 000 Dollar gesunken. Den größten Verlustposten bilden die Investierungen Hoovers in einer Washingtoner Zeituna. die nötes 1 Nr. 174 Zweites Blatt T Mittwoch. den 27. Juli 19321 347 Hind läuft vor ein Motorrad Gestern nachmittag gegen 3 Uhr ereignete sich auf der Jakobistraße ein schwerer Motorradunfall, bei dem der 9 Jahre alte Sohn der Eheleute E., Paulistraße, schwere Verletzungen davontrug. Aus einer Schar spielender Kinder auf dem Bürgersteig vor dem Zigarrengeschäft Herlitzius löste sich der Junge plötzlich los und lief auf die Straße. Er geriet gegen ein gerade die Straße passierendes Motorrad und wurde zu Boden geworfen. Der Soziusfahrer flog vom Motorrad, blieb aber fast unverletzt, der Fahrer erlitt einen Bluterguß. Der schwerverletzte Junge wurde in das Stadtkrankenhaus eingeliefert, wo ein doppelter Schädelbruch festgestellt wurde Der Zustand des Kindes war nach unseren heute morgen eingezogenen Erkundigungen noch sehr ernst. Neue Wege zu einer Ferienhilfe für unterernährte Soester Schulkinder Die Stadt Soest hat sich in den früheren Jahren besonders in der Erholungsfürsorge für unterernährte, angekränkelte, erholungsbedürftige Kinder betätigt. Eine große Anzahl von Kindern wurde in die Kurorte geschickt, die staatliche Wohlfahrtsfürsorge, die Krankenkassen, die Eltern und die caricativen Vereine beteiligten sich an der Aufbringung der Kosten, statteten die Kinder mit Kleidung und Wäsche aus, stellten die Begleitpersonen usw. Daneben wurden daheim Luft- und Sonnenbäder für die Schuljugend eingerichtet, zur Winterzeit erhielt eine größere Anzahl täglich in der Schule ¼ Liter Milch. Die Versendung in die Kurorte war immer mit erheblichen Kosten für die an dieser Form der Wohlfahrtspflege Beteiligten verbunden. Darum fuchte die Stadt Soest bereits im vorigen Jahre nach einer neuen Art der Ferienfürsorge, um mit geringeren Mitteln doch noch einer Schar von unterernährten Kindern aus mehr oder weniger gefährdeter Umgebung die Freude einer echten Ferienerholung hier am Orte zu verschaffen. In der neuen Patroklischule wurde mit verhältnismäßig geringen Mitteln ein FerienKurheim für 30 Kinder eingerichtet, dessen segensreiche Erfolge damals in der Ortspresse dargelegt wurden. In diesem Jahre hat sich die gesamte finanzielle Lage weiter verschlechtert, sie führt zu immer weiteren erheblichen Einschränkungen auf dem Gebiete der Erholungsfürsorge. Auch die Stadt Soest kann nicht mehr die Mittel des Vorjahres auswerfen. Zwar sollen auch jetzt noch gesundheitlich ganz besonders gefährdete kranke Kinder zu den ärztlich verordneten Kurorten und=Heimen hinausgeschickt werden. Krankenkassen, caricative Vereine werden diese Sache unterstützen. Ueber diesen Rahmen hinaus hat die Stadt im Laufe dieses Jahres bereits 64 Kinder in auswärtige Kinderheime verschickt. Das war nur möglich, weil es gelang, die Preise daselbst besonders günstig zu gestalten. Werden nun auch insgesamt noch rund 100 Schulkinder im Laufe des Jahres in der bisherigen Weise in auswärtige Kurorte geschickt, so ist das doch ein kleiner Hundertsatz, wenn man bedenkt, daß in rund 50 Soester Volksschul= und Hilfsschulklassen etwa 2400 Kinder unterrichtet werden. Daß unter je 50 Schulkindern sich im Durchschnitt mindestens 2 kranke oder angekränkelte Kinder befinden, ist gewiß. Darüber hinaus gibt es aber noch in jeder Klasse eine Anzahl von unterernährten, schwächlichen, vielfach durch ihre Umgebung besonders gefährdeten Kinder. Für diese stehen der öffentlichen Wohlfahrtspflege keinerlei Mittel mehr zur Verfügung. Soll aber trotzdem auch diesen Kindern eine bescheidene Erholung und Kräftigung zuteil werden, so müssen eben neue Wege gesucht werden. Die Stadt Soest wird in dankenswerter Weise die Räume und Einrichtungen in der Patroklischule, die besonderen Kurgegenstände wie Liegebetten, Decken usw., sowie das Personal stellen, wenn die eigentlichen Pflegekosten anderweitig aufgebracht werden. Wird das heute in Soest noch möglich sein? Wie hoch stellen sich heute die Verpflegungskosten für ein Schulkind während einer örtlichen Ferienkur? Es handelt sich immer um unterernährte, mehr oder weniger ausgehungerte Kinder. Sollen diese in 5 Wochen im Durchschnitt wöchentlich auch nur ein Pfund an Körpergewicht zunehmen, so muß ihnen täglich eine entsprechende Menge an Nahrung in besonderer Güte verabreicht werden. Unter dieser Voraussetzung wird man auch heute noch mit einem täglichen Verpflegungssatz von 1,30 RM je Kind in etwa rechnen müssen, sodaß bei rund 45,— RM je Kind für 30 Kinder insgesamt 1350,— RA von caricativen kirchlichen und privaten Kräften beschafft werden müßten. Würde man die örtliche Ferienkur auch in diesem Jahre wieder paritätisch gestalten, also 15 Kinder von jeder Konfession berücksichtigen, so müßte man auf jeder Seite versuchen, 675,— RA aufzubringen? Wie kann das geschehen? r Eing Hundertjahrjubiläum In diesem Jahre sind hundert Jahre verflossen, seit der Dichter Ferdinand Freiligrath in unserer Stadt, im Hause zur Rose, weilte! Im Jahre 1825 kam Freiligrath— fünfzehnjährig— nach Soest und trat bei seinem Onkel Schwollmann hier in die Kaufmannslehre. In die Soester Zeit fallen die ersten Jugendgedichte Freiligraths. Hier sei u. a. das berühmte Gedicht:„Moosthee“, im Schwollmann'schen Garten vor dem Jakobitore 1826 verfaßt, erwähnt. Die meisten seiner Jugendgedichte veröffentlichte Freiligrath im Soester Kreisblatt, das damals noch als Wochenblatt erschien, so 1830„Der große Teich; das Wallrondel am Grandwegertore; der Turm der Thomaskirche(schiefe Turm); der Katzenturm, das Nöttentor und 1831 die Soester Schützenlieder u. v. a. m. Allzeit hat der große Dichter unserer alten Stadt in Liebe und Verehrung gedacht, es sei nur an sein Gedicht:„Am Birkenbaum“ erinnert:„Da liegt sie!“ Hier wird Soest besonders fein dichterisch empfunden und geschildert. Noch im Alter war es Freiligrath's Herzenswunsch, das weihnachtliche Gloria von St. Peter noch einmal zu hören. Die Stadt setzte ihm im Freiligrathbrunnen ein Denkmal und er selbst sich ein solches in seinen zahlreichen Soestgedichten im Herzen der Soester. Pastor Clarenbach=Borgeln hat die Beziehungen des Dichters zu Soest bekanntlich in einer Festschrift eingehend herausgestellt. Während seiner Soester Zeit hat er außer im Hause zur Rose auch im Stern'schen Hause in der Niedergasse gewohnt. Auch seine Eltern siedelten nach Soest über. Sicher werden die Heimatvereine diesen hundertjährigen Anlaß seines Auszuges aus dem sogen. Soester Freiligrathhause zur Rose, das wir hier im Bilde wiedergeben, wahrnehmen und eine zeitgemäße Feier nebst Ausstellung inbezug auf den großen Dichter Freiligrath und seine Soester Zeit veranstalten! W. P. (!) Auf die falsche Bahn geriet gestern vormittag ein Baum beim Fällen im von Köppe'schen Garten. Er nahm den Weg zur Teichsmühlengasse und hinterließ den Mauern bei seinem unsanften Aufschlag einige empfindliche Beulen. Für kurze Zeit war die Gasse gesperrt. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. ?:? Ein unverschämter Veltler wurde am Montag abend von der Polizei festgenommen. Er erschien in einem Kolonialwarengeschäft in der Brüderstraße und verlangte Geld. Da er bereits stark nach Alkohol„duftete“ wurde er selbstverständlich— das sollten alle Gebenden tun— abgewiesen. In seiner Wut ging er hin und zerschnitt die Schläuche des Geschäftsrades. Am Abend wurde er von der Polizei ermittelt und festgenommen. X Kath. Gesellenverein. Heute abend fällt unsere Versammlung aus. Wir beteiligen uns an der Kundgebung der Zentrumsjugend um 20.15 Uhr im Gruß'schen Saale. )(( Heute zum Stimmstamm. Es sei nochmals daran erinnert, daß heute nachmittag die Ausflugsfahrt im Freisfeldschen Omnibus stattfindet. Die Fahrt geyr zur Möhnetalsperre, nach Hirschberg(Bilsteinhöhle), dann zum Stimmstamm. Die Rückfahrt erfolgt durch das jetzt herrliche Ruhrtal über Freienohl—Arnsberg. Nur wer diese Fahrt durch die Wälder und Felder einmal mitgemacht hat, weiß von den seltenen Sehenswürdigkeiten und Naturschönheiten zu erzählen. Die Abfahrt erfolgt heute nachmittag 13,15 Uhr vom Verkehrsamt. Mit 3.— Mark ist der Fahrpreis äußerst billig gehalten. Anmeldungen können heute vormittag noch erfolgen. X Männersodalität. Am Sonntag fand im Domhof die bereits angekündigte außergewöhnliche Versammlung statt, in welcher hauptsächlich die Teilnahme an den bevorstehenden Wallfahrten und der Ausflug besprochen werden sollten. Für die Wallfahrt nach Werl am 2. Sonntag im August wurden 30 A als Beitrag für die Musik bewilligt. Außerdem wunden noch wertvolle Anregungen zur Hebung dieser althergebrachten Prozession gegeben. Die Fahrt ins Almetal, zur Wewelsburg und nach Kloster Böddeken soll am 7. August punkt 9 Uhr per Postauto mit num. Plätzen a 2.— A vom Paradeplatz aus beginnen. Aimeldungen bis 3. August einschließlich bei Herrn Rademacher, Petrikirchhof 7. Der Präfekt, Herr Wübbecke, wies in eindringlicher Sprache auf die Wichtigkeit der Ferienhilfe für unterernährte ni min.Am gen des Herrn Rektors Hoffknecht an der Patroklischule, die über große offene Veranden, Bäder und Kücheneinrichtung verfügt, ein solcher Aufenthalt geschaffen, in welchem die Kinder kräftigende Kost, erfolgreiche Erholung unter fachgemäßer Leitung genießen, mit Erfolg eingerichtet worden. Von Herrn Lehrer Sonntag wurde die ethische Seite dieses Ferienaufenthaltes noch besonders hervorgehoben. X Ortstreffen im Fußball. Wenn nächsten Monat die Ruhepause beendet ist, wird in Soest zwischen den Vereinen VfR. Soest und SS. Soest am 21. August ein Ortstreffen. steigen. Da beide Vereine sich längere Zeit kein Spiel lieferten, die Form beider Mannschaften in der letzten Spielzeit unbeständig war, ist der Ausgang des Spieles vollkommen offen. Borgeln, 26. Juli. Herr Fritz Steinhoff jr. von der Borgeler=Linde bestand vor der Handwerks=Kammer zu Dortmund die Meisterprüfung für das Bäkkerhandwerk mit gutem Prädikat. Auch Herr Stein hoff nahm an dem von der Handwerks=Kammer Dortmund durch Herrn Syndikus Dr. Reuter in der gewerblichen Berufsschule stattfindenden Kursus teil. Enkesen b. Schwefe, 26. Juli.„Sport-Enkesen“, Heute abend 8,30 Uhr findet im Vereinslokal Peters eine Versammlung statt. Wegen der wichtigen Tagesordnung wird jedes Mitglied gebeten, an der Versammlung teilzunehmen. * Aus dem Parteileben Heute, Mittwoch, 20,15 Uhr, findet im Gruß'schen Saale eine große Kundgebung der sich zur Zenkrumspartei bekennenden Jugend statt. Es spricht P. Dr. Albert Maring aus Münster. Die Kundgebung wird umrahmt von musikalischen und gesanglichen Darbietungen. Mitwirkende sind das Streichorchester der Deutschen Jugendkraft Werl und der Männerchor des Kinder hin. In Soest ist bereits dank der Bemühun= Cäcilienvereins Soest. 1. Oeffentliche Wahlversammlung der Deutschen Volkspartei am 22. Juli 1932. Für die erste Wahlversammlung der D. V. P., die im Central=Hotel abgehalten wurde, war als Redner der Spitzenkandidat für WestfalenSüd, August Winnefeld, gewonnen worden, ein Mann, der schon über 13 Jahre im politischen Leben steht und seine Kraft unentwegt der D. V. P. zur Verfügung gestellt hat. Aus seinen klaren Ausführungen seien folgende Gedanken wiedergegeben: Die Reichspräsidentenwahl nar eine Entscheidung Hindenburg—Hitler. Die D. V. P. habe damals die Parole herausgegeben: füir Hindenburg gegen Brüning. Wenn diese Haltung damals auch viel Kritik gefunden hat, so ist sie doch durch den weiteren Gang der Ereignisse glänzend gerechtfertigt worden. Hoffentlich bleibt uns unser verehrter Herr Reichspräsident in seinem Amte noch lange erhalten. Bei der Landtagswahl glaubten die Nationalsozialisten schon eine absolute Mehrheit zu erhalten, wurden aber in dieser Hoffnung schwer enttäuscht. Aehnlich wird es auch bei der nun folgenden Reichstagsnahl sein. Eine wesentliche Schwächung der Linken ist kaum zu erwarten, umsomehr liegt die Entscheidung der Zukunft bei den bürgerlichen Parteien, von ihnen hängt es ab, ob wir eine radikale Parteidiktatur bekommen werden oder nicht. Der Redner befaßte sich dann mit den Vorwürfen, die man gegen die frühere Politik der D. V. P. erhoben hat. Es sei immer leicht, eine Partei zu kritisieren, welche die Last der Regierung getragen habe, aber es sei erwiesen, daß die D. V. P. durch ihre Tätigkeit im Reichskabinett manches Unheil verhütet habe. Auch die Angriffe gegen die Annahme der verschiedenen außenpolitischen Verträge seien unberechtigt, denn sowohl der Dawes= als auch der Young=Plan haben nicht nur das Rheinland frei gemacht, sondern auch tatsächliche finanzielle Erleichteruigen gebracht. Dazu kommt, daß schließlich alle diese Verträge an den harten Tatsachen, d. h. an der Zahlungsunfähigkeit Deutschlands gestorben seien. Aehnlich sei auch das Ergebnis der Lausanner Konferenz zu beurteilen. Jetzt wird natürlich von Seiten der äußersten Rechten hemmungslose Kriti. geübt, aber diese Zeit wird auch vorübergehen, und wenn die radikale Rechte erst zur positiven Arbeit gezwungen wird, werden die Massen ihr enttäus ht den Rücken kehren. Der Nationalsozialismus ist eben doch Sozialismus, und hat diesen, der früher von den Bürgerlichen geächtet wurde, sozusagen erst salonfähig gemacht. Wenn sich Hitler aber später einmal entscheiden muß, ob Nationalismus oder Sozialimus, dann wird er das Letztere wählen, sonst laufen ihm die Massen davon. Daher ist es notwendig, daß die D. V. P. gestärkt aus den nächsten Wahlen hervorgehen muß, damit sie als Bremsklotz auf die Turbine des Radikalismus gelegt wird. Redner forderte zum Schluß dazu auf, Liste 6 der D. V. P. zu wählen, zumal durch das technische Wahlabkommen mit der Deutschnationalen Volkspartei jede Stimme der D. V. P. gesichert sei. In der Aussprache wurde besonders nach dem Wesen dieses Wahlabkommens gefragt. Der Vorsitzende, Dir. Grasemann, sagte darüber folgendes: Durch die Veröffentlichung des Reichswahlleiters ist Unklarheit insofern entstanden, als es hieß, die Liste 6 fällt aus. Das bezieht sich natürlich nur auf die Reichswahlliste, da die D. V. P. ihre Reststimmen auf der Reichsliste der D. N. V. P. sammelt. Im Wahlkreise dagegen wähle jeder die Liste 6 der D. V. P., die in We'stfalen=Süd die Namen Winnefeld und Funke an der Spitze trägt. Sollten in Westfalen=Süd die für die D. V. P. abgegebenen Stimmen die„Zahl 60000 nicht erreichen, die für einen Kandidaten nötig sind, so werden diese Stimmen auf der Reichsliste der D. N. V. P. gesammelt und dort einem Kandidaten der D. V. P. zukommen, der auf dieser Reichsliste steht, aber keinerlei Bindungen politischer Art übernommen hat, sondjern lediglich die Ziele der D. V. P. in Zukunft vertreten wird. Zum Schluß wies der Vorsitzende darauf hin, daß die nächste öffentliche Versanmdlung der D. V. P. am Freitag, dem 29. ds. Mts. um 20 Uhr im Central=Hotel stattfindet, in voelcher der 2. Spitzenkandidat, Fabrikant Oskar FunkeHagen, über die politische Lage sprechsen wird. Alle Sorten Oele und Fette, Deecken, Treibriemen, Asbestdichtungen stets vorrätig Paul Piel, Soest i.W. Telefon 165 Grandweg 67 Eingesandt Für die unter dieser Rubrik erscheinenden Artikel übernehmen wir nur die preßgesetzliche Berantwortung. Durch die Erwiderung des Heckmann auf das Eingesandt vom Ortsverband der Preuß. Gewerbeund Handelslehrerschaft fühle ich mich der Oeffentlichkeit gegenüber verpflichtet, von mir aus noch folgene des zu erklären: Der Ortsverein der Preuß. Gewerbe= und Handelslehrerschaft machte bekannt, daß Heckmann weder Gawerbelehrer sei, sonst etwas mit der Berufsschule zu tun habe. Warum diese Bekanntmachung? 1. Weil Heckmann in unserer Stadt ein für einen ehemaligen Lehrer nicht vorbildliches Leben treibt und tolle Dinge ausheckt, :2. Weil dieser Heckmann, der als Volksschullehrer nicht mehr reisen darf, sich die Berufs= bezw. Gewerbeschule als neue Firma ausgesucht hat. Zeugen gegen Heckmann sind mehr da, als ihm lieb sein dürften. Es wäre besser, wenn Heckmann recht bald und geräuschlos unsere Stadt verließ, statt sich unnötig durch die Zeitung vorzustellen. Schnell, Gewerbeoberlehrer. Gegenstand regelnde Polizeiverordnung des Landrats in Soest vom 21. 3. 1930— Amtsblatt II S. 236— außer Kraft. Arnsberg, 14. 6. 1932. Der Regicrungspräsident. Wir sehen uns zu der Feststellung genötigt, daß der eiemalige Lehrer Heckmann, z. Zt. Soest, entgegen der in der Stadt herrschenden Meinung nicht Mitglied der N. S. D. A. P. ist oder war. Heckmann ist nicht berechtigt, im Namen der N. S. D. A. P. zu sprechen oder Verbindlichskenen einzugehen. Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter-Parlei Ortsgruppe Soest. bekanntmachung Polizeiverordnung belr. Sperrung der Möhnestraßen im Kreise Soeft an Sonn- und Feierlagen für den gesamten Krastfahrzeugverkehr. Auf Grund der§§ 14, 24 und 26 des Polizeiderwaltungsgesetzes vom 1. Juni 1931— GS. S. 77— der§§ 30 Abf. 1 und 48 der Verordnun über den Kraftfahnzeugverkehr vom 10. 5. 1932 (RGBl. I S. 201) und des RdErl. d. M. d. J., d. M. . L. D. u. F. und des M. f. H. und G. vom 9. 1. 1931—(MinBl. i. V. S. 29) wird mit Zustimmung des Bezirksausschusses für den Kreis Soest folgende Polizeiverordnung erlassen: § 1. An Sonn= und Feiertagen werden in der Zeit vom 1. Mai bis 30. September jeden Jahres für den gesamten Kraftjahrzeugverkehr folgende Straßen gesperrt: 1 der füdliche Randweg an der Möhnetalsperre von Drüggelte bis Stockum von 9—20 Uhr, 2. die Möhnestraße von Kilometerstein 48,0(etwa 50 Meter unterhalb des Kleinbahnhofes Sperrmauer nach Günne zu) bis Niederbergheim von 12 bis 19 Uhr. § 2. Ausnahmen von dem Verbote des Befahrens der gesperrten Straßen können in besonders bogründeten Einzelfällen von mir zugelassen werden. Werden Ausnahmescheine erteilt, müssen diese von dem Inhaber mitgeführt werden. § 3. Zuwiderhandlungen gegen diese Polizeiverordnung werden auf Grund des§ 21 des Gesetzes über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen vom 3. 5. 1909— RGBl. S. 437— in der Fassung des Gesetzes vom 21. 7. 1923— RGBl. I S. 743— und des § 50 der Verordnung über den Kraftfahrzeugverkehr o 10. 5. 1932— RGBl. I S. 201— bestraft. § 4. Die Polizeiverordnung tritt mit dem 30. Jeptember 1942 außer Kraft. Mit dem Inkrafttreten dieser Polizeiverordnung tritt die den gleichen Deuische Turnerschaft 650 Wettkämefer in Soest! Sehr starke Beleiligung am Gauturnfest! Das 23. Gauturnfest scheint nach den bis heute vorliogenden Meldungen, trotz der Notzeit, alle früheren Gauturnfeste zu übertreffen. Die Vorbereitungen sind sehr sorgsam durchdacht und von einer Begeisterung getragen, die viel Schönes vorausahnen läßt. Erhöht wird die freudige Stimung durch die Weihe des neuen Gaubanners, welches zum ersten Male dem Ostwestfälischen Turngau am Gaufest vorangetragen werden soll. Dieses neue Banner ist das Symbol kommender Zeiten; mit und unter diesem Zeichen wollen wir in Einigkeit schreiten, Schulter an Schulter, im Gleichschlag des Herzens. Darum muß jeder Turner und jede Turnerin in Soest sein, um unserem Banner den ersten Gruß mit zu entbicten. Bis jetzt liegen bereits über 650 Meldungen vor, eine Zahl, die sich im Laufe der letzten Woche erfahrungsgemäß noch beträchtlich steigern wird. Die von allen Seiten anerkannte mustergültige Anlage des Kaiser=Friedrich=Plaßes in Soest gewährleistet eine einwandfreie Abwickelung der gesamten Wettkämpfe. Auf die Wettkämpfe verteilt sich die Teilnehmerzahl wie folgt: Für den Zwölfkampf der Oberstufe sind 20 Nennungen eingegangen. In der Unterstfturnen 60. An dem Zehnkampf der Oberstuse betei ligen sich 30 und in der Unterstufe 80 Turner. Der Neunkampf der Aelteren über 35 Jahre wett? Teilnehmer auf. Im volkstümlichen Fünfkampf messen 150 Turner ihre Kräfte. 135 Jugendturner sind bestrebt, den schlichten Eichenkranz zu erringen. Für die Jugend findet ein Siebonkampf statt. Für Wettkampf der Turnerinnen liegen schon über 150 Meldungen vor. 20 Staffeln über 4X100 m für Turner und Turnerinen sind gemeldet. In großem Umange finden von 25 größeren Vereinen Vereinsvorührungen in Form von Gemeinturnen an mehreren Geräten statt, und bringen somit den Beweis für die telgestaltigkeit und die Breitenleistung des deutschen Turnens. Weitere turnerische Arbeit, bei der die Gesamtheit erfaßt wird, sind die allgemeinen Festfreiübungen, Volkstänze und Festchortanz. Zur Durchführung dieser Kämpfe ist eine große Zahl von Riegenführern und Kampfrichtern erforderlich. Auch bedarf es einer großen Menge von Geräten, vieler Sprung= und Laufbahnen und einer weisen Einrichtung des Kampfplatzes, um eine reibungslose Abwickelung der Kämpfe zu gewährleisten Dem Soester Turnverein von 1862 ist das Ganjest übertragen worden, der in diesem Jahre auf ein 70 jähriges Bestehen zurückblicken kann. Das Fest beginnt am Samstag, dem 6. August mit der Kampfrichtersitzung und Fechtwettkämpfen in der Patrokliturnhalle. Um 20 Uhr ist am Jahnstein eine Jahnehrung vorgesehen. Anschließend findet im Bürger=Schützenhof der Begrüßungsabend statt. Um 23 Uhr wird im Fackelzug zur Stadt zurückmarschiert, woselbst ein elektrisches Keulenschwingen von Turnern und Turnerinnen ausgeführt wird. Am Sonntagmorgen ist für beide Konfessionen im 6 Uhr Festgottesdienst. Die Wettkämpfe werden um 7,45 Uhr mit einer schlichten Morgenfeier einjeleitet. Um 13 Uhr beginnt der Festzug. Die des Gaubanners erfolgt um 14 Uhr auf dem Marktplatz. Von 15 bis 18 Uhr finden auf dem KaiserFriedrich=Platz die allgemeinen Freiübungen, Sondervorführungen aller Art, Volkstänze und dergl. statt. Den Abschluß bildet hier die Siegerehrung. Gut Heil! Fritz Haneke, Gaupressewart. Möhnesee-Schwimmen des Kreises 8a(Westfalen-Lippe) der Deutschen Turnerschaft. Am 13. und 14. August 1932 peranstaltet der Kreis 8a der D. T. ein großes Werbe- u. Streckenwettschwimmen, verbunden mit Faltboot=Wettkämpfen, im Möhnesee am Strandbad Körbecke. Das Fest darf schon jetzt als das Größte bezeichnet werden, das Soest bezw. der Möhnesee je gesehen hat, da bereits über 170 Meldungen vorliegen und annähernd 100 Faltboote ihre Zusage abgegeben haben. Man rechnet aber noch mit weit mehr Meldungen, da der Schlußtermin zur Abgabe der Meldungen erst in 8 Tagen ist.— Die Veranstaltung wird Samstag abend bei Eintritt der Dunkelheit mit einer großen Boolsauffahrt mit Beleuchtung eingeleitet. U. a. werden auf dem See gesangliche Daubietungen von der Gesangabteilung des Soester Turnvereins von 1862 vorgetragen.— In Kürze erfolgt noch ein ausführlicher Bericht über die ganze Veranstaltung. An dieser Stelle werden die Geschäftsleute, die ein Plakat für die Veranstaltung erhalten haben, höflichst gebeten, dasselbe doch freundlichst jetzt schon in ihre Schaufenster auszuhängen. Rotationsdruck und Verlag des„Soester Kreisblatt.(Geschwister Maync). Verantwortlich für Politik: Hern.. Maync; für Lokales, Provinzielles, Sport u. den übrigen redaktionellen Teil: J. Müller; für den Anzeigenteil: Carl Mayne, sämtlich in Soest. Ingenieurschule2 Elebtrotechnk. Meschiens eren Fgreugben gabau Rastotoch, Lad 1 Besschufel Das 3. Roichstreffen der DoK Das Reichstrefsen der DIK. in Dortmund hatte am Samstag einen weit größeren Publikumserfolg als der Vortag zu verzeichnen. Vormittags wurden die Endspiele im Faustball und Schlagball zur Durchführung gebracht. Meister im Faustball wurde Nierswacht Odenkirchen, während sich im Schlagball Bonifatius KölnNippes den Titel sicherte. In der Leichtathletik ist ein deutlicher Leistungsaufschwung zu erkennen. Besondere Erwähnung verdienen der 5000=Meter-Lauf, den der Aachener Geilen in 15:41,5 gewann, und der 800-Meter-Lauf, den Capser=Ludwigshafen in 1:59,7 an sich brachte. Auch die Entscheidungskämpfe in den übrigen Sportarten fanden großes Interesse und waren meist hart umstritten. Das sportliche Hauptereignis des Tages waren die beiden Entscheidungsspiele um die Reichsmeisterschaft im Handball und im Fußball. Im Handball standen sich Westdeutschlands Meister Mülheim-Styrum und der ostdeutsche Meister Berlin Neukölln gegenüber. Die Westdeutschen siegten mit 6:5, nachdem die Berliner bis zur Pause noch 4:2 geführt hatten. Der Titelverteidiger im Fußball, Sparta Nürnberg, konnte sich auch diesmal wieder erfolgreich durchsetzen. Er schlug den westdeutschen Meister Adler EssenFrintrop 5:2.(4:1) Im übrigen gab es eine Fülle von sportlichen Ereignissen, mit denen die Deutsche Jugendkraft am Samstag ihr riesiges Programm beim 3. Reichstreffen abwickelte. Die Kampfbahn„Rote Erde" in Dortmund glich einem wahren Bienenhaus voller emsiger Sportler und Sportinteressenten und im Volkspark, wo die Schwimmer sich betätigten, stand der Betrieb nicht einen genblick still. So dürften bei den Schwimmern, die ebenfalls wie die Turner und Leichtathleten schon am frühen Vormittgg des Samstags in die Kämpfe stiegen, am Nachmittag 3000 Zuschauer gezählt worden sein, übertroffen aber wurde diese Zahl von den Besuchern des Stadions„Rote Erde". Hier hatten sich gegen 17 Uhr schon etwa 20—22 000 Zuschauer eingefunden, die dem Handball=Entscheidungskampf beiwohnen wollten. Das Stadion füllte sich immer mehr auf, bald waren es 28 000 Zuschauer, und ls der Fußball=Endkampf begann, dürften etwa 32—33 000 Zuschauer anwesend gewesen sein. * Im Fußballendkampf hatte Adler Essen=Frintrop übrigens das Pech, schon nach etwa 12 Minuten den gulen Mittelstürmer Pfahl durch Verletzung zu verlieren, und mußte den Rest des Spieles gegen die körperlich stärkeren und technisch auch besser versierten Nürnberger Spartaner durchstehen. Die Niederlage war daher für die Essener unvermeidlich. Abschluß des DIK.-Reichstrefsens in Dortmund Das dritte Reichstreffen der Deutschen Jugendkraft in Dortmund wurde am Sonntag bei herrlichem Wetter zu Ende geführt. Die Veranstaltungen des letzten Tages, bei denen die sport liche Seite etwas in den Hintergrund trat, brachten ausnahmslos große Massen auf die Beine. In den späten Abendstunden des Samstags fand bei Fackelbeleuchtung im überfüllten Stadion eine Totengedenkseier statt und anschlleßend kurz nach Mitternacht zog ein„Flammenmarsch" in Stärke von 25 000 Jugendkraftlern durch die Straßen der Stadt. Am Sonntagmorgen fanden zwei Festgottesdienste in der Westfalenhalle und im Stadion statt, an denen rund. 30 000 Personen teilnahmen. Der Nachmittag brachte dann in der Kampfbahn„Rote Erde" den glanzvollen Abschluß. Die weiten Ränge waren wiederum mit rund 30 000 Interessenten besetzt, als die mehr als 8000 Teilnehmer an den sport lichen Wettbewerben in die Arena einmarschier ten. Dabei wurden die Abordnungen aus Oesten reich, Danzig, Oberschlesien und dem Saargebiebesonders stürmisch begrüßt. Nach der Aufstellung vor der Tribüne hielt Reichskanzler a. D Dr. Brüning eine kurze Festansprache. Es folgten Masson=Freiübungen von 4000 Turnern und Leichtathleten, die wegen ihrer exakten Durchführung stürmischen Beifall hervorriefen. GroßSpannung lösten auch die abschließenden resilichen Entscheidungskämpse in der Leichtathletik aus, wo es einige bemerkenswerte Ergebnisse jab. So lief Ludwigshafen-Süd als Sieger der mal-100=Meter=Staffel eine Zeit von 44 Sek., während Vollmert-Paderborn die 100=Meter=Meisterschaft in 10,9 Sek. gewann. Länderspiel Deutschland— Holland 5:0 Dasm Abschluß ausgetragene FußballLänderspiel sah die deutsche Mannschaft nach mäßigen Leistungen in der ersten Hälfte als die weitaus bessere Einheit mit 5:0(1:0) erfolgreich. Die Tore schossen Bösing(Schalke, Halbrechts: drei Tore), der Halblinke Strötjes=Sterkrade und der Mittelstürmer Preißel=Nürnhera. NVOLFC.VAMARKEN Drei Eichensiof URHEBER-RECHTSSCHUTZ: VERLAG OSKAR MEISTER, WERDAU LPSA (58. Fortsetzung.) Ausklang. Hans Sattler hatte sich zwar einen Jungen gewünschi, einen so lieben Kerl, wie es der kleine Karl war, es wurde aber schließlich doch ein kleines Mädchen Aber das beeinträchtigte das Glück des Paares nicht. Kurz vor Weihnachten war es eingetroffen, und eine rege Geschäftigkeit war auf dem Drei=Eichen=Hof. Trotzdem ging alles seinen geregelten Gang. Sie hatten wieder fleißig geschafft, und Segen ruhte auf dem Hofe. Anita war dem Geliebten gefolgt. Sie hatten im Herbst auf dem Drei=Eichen=Hof Hochzeit gehalten und waren dann nach dem sonnigen Süden gefahren. Weh hatte es allen getan, als Anita von ihnen schied. Aber die tröstliche Gewißheit blieb ihnen doch: Das Band ist nicht zerrissen, die Herzen schlagen weiter zueinander, und oft, oft wird man sich wiedersehen. Hans Perghoff, der Direktor im Elektrokonzern seines Onkels wpar, dessen Erbe er auch einst sein würde, hatte sich Boden gekauft, und im Frühjahr sollte ein reizendes Häuschen unweit das Drei=Eichen=Hofes entstehen, wo sie oft sein wollten und viele Sommerwochen zu verbringen gedachten. Der Winter kam über Postelwitz Aber eine Aussöhnung zwischen dam alten Rüster und dem trotzigen Jungen war noch l.cht erfolgt. Das neue Jahr zog ein, der Frühling ging wieder über die Flüren, und ein neuer Sommer erstrahlte Und im Sommer kam Hans Berghoff mit seiner jungen Frau zum ersten Male zu Gast auf den Drei=Eichen=Hof, um gemeinsam mit den Freunden Einzug in das reizende, fir und fertig dastehende Haus zu feiern. Anita leuchtete das Glück nur so aus den Augen, und sie umarmte die Freundinnen sturmisch, bewunderte den kleinen Prinzen, der munter herumlief und mit seinen klaren Aeuglein verwundert die Tante ansah Und sie bewunderte die muntere kleine Helga. So hatte man das Mädchen getauft. Helga und Else atmeten auf. Gottlob, Anita wor dieselbe wie früher geblieben. Sie lebte zum Teil jetzt in einem anderen Kreise, aber es wandelte sie innerlich nicht. Es gab ein langes Erzählen. Anita und Hans, denen das Glück nur so aus den lustigen Augen lachte, erzählten und fragten. Vater Christian saß ganz still und ehrfürchtig am Tisch, Er wagte kaum ein Wort zu sprechen. Wo waren die zwei überall gewesen! Bei den Schwarzen in Afrika, in Aegypten, wo es die dreieckigen Steinbauten gibt, die Pyramiden heißen, und wo überall noch Hans sah, wie der Alte ganz verschüchtert dasaß. Er klopfte ihm auf die Schulter:„Es war wunderschön, Vater Christian. Aber wissen Sie, warum wir reisen? Damit wir wieder die alte schöne Sehnsucht nach der Heimat in unseren Seelen haben. Das ist das allerschönste, die Sehnsucht und die Heimat. Auf dem Drei=Eichen=Hof ist's doch am allerschönsten. Und wenn wir unser Haus auf dem Hügel eingeweiht haben, dann müssen Sie zu mir kommen und rund um das Haus Eichen pflanzen. Es soll ein zweiter Eichenhof werden. Deutsche Eichen sollen uns, wenn wir alt sind, von dem Lied unserer Jugend und Heimat singen, sollen unseren Kindern die Freude bereiten, die wir fühlen als junge Menschen, jetzt, wenn uns die Eichen mit ihren Liedern in den Schlaf wiegen. Und heute, Vater Christian, erlauben Sie Ihrem Freunde, daß er du zu Ihnen sagt, und auch Sie müssen von setzt ab du zu dem Hans sagen. Wollen Sie? Willst du, Vater Christian?“ Ganz gerührt schlug der alte Gärtner ein. Ungeheuer stolz war er in diesem Augenblick. Sie besichtigten das Anwesen und fanden es mustergültig in Ordnung Fleiß regierte. Praktisch und zweckmäßig war alles angelegt Sie hatten noch zehn Acker Land dazugepachtet, eine stattliche Schar Tagelöhner, die gut bezahlt wurden, schafften auf dem Gute, und allen voran gina der unermüdliche Schaffer Hermann Helga ließ er nicht mehr so wie früher sich vlagen Sie sollte in Gemeinschaft mit Else das Haus hüten genaten die Wirtschaft und den Stall versorgen— sie hatten sich verschiedene Zuchten angelegt— und vor allem die Kinder erziehen. Der kleine Karl gedieh, ebeniso wie die kleine Helga. ganz prächtig. Der Einzugsschmaus vereinte alle in Hans Berghoffs Haus. Oberst von Kettler war mit seiner Nichte gekommen. Auch waren der Gemeindevorstand, Herr Schindler, und der Lehrer Salzmann anwesend, die mit den Bewohnern des DreiEichen=Hofs in herzlichem Verhältnis standen. Es war ein Tag der Freude. Lachen klang durch das ganze Haus. Fröhlich waren die Menschen. Allerhand Dummheiten stellte das drollige Kerlchen Karl an. Er kletterte dem Gemeindevorstand kurzerhand auf den Schoß und versuchte, ihm den Baxt zu zerzausen. Als er einmal plötzlich ausrutschte, hielt er sich am Tischtuch fest, und es hätte eine Katastrophe gegeben, wenn nicht der alte Christian geistesgegenwärtig zugefaßt hätte. Er rettete das Porzellan. All das diente zur Erheiterung der Anwesendei. Hans gab sich ganz besonders mit dem kleinen lieben Karl ab, und der war auch sehr zutraulich zu ihm Er ließ sich an den winzigen Händchen fassen und herumführen. Als Hans mit ihm vor dem Hause stand, kam ihm plötzlich ein Gedanke. Er dachte an den alten trotzigen Recken auf dem Rüsterhof. War es nicht seine Pflicht, hier helfend und vermittelnd einzugreifen? Und rasch kam er zu einem Entschli Er schritt mit dem kleinen Karl durch oie Felder, an den wogenden Aehren vorbei nach dem Rüsterhof. Nach kurzer Zeit wurde Karl müde und streckte die Aermchen aus. „Trag mich," bettelten die Schelmenaugen, und Hans hob hn empor. (Schluß tolat.) 07 NACMDRUCK Der Baron hatte den unangenehmen Eindruck, als lächle dieser am Telephon. Wütend warf er den Hörer auf die Habel. Wollte Greiner ihn vernichten? Seing Millionen waren dazu imstande. Lerchenfels stöhnte auf. Er hätte sich in diese ganze Geschichte nicht einlassen sollen. Nun spürte er die Faust eines bewaltigeren, der rühig auf seinem Schloß saß und seine Befehle weiterleitete. Und die Menschen gehorchten mut meiner Unterwürfigkeit, die nur die Macht des Geldes ernöglicht. Dieser elende Wazniewsky! Ernkam überall zu spät, war im Ende auch von Greiner gekauft. Lerchenfels fühlte, wie der Boden unter ihm wankte. Noch ein solcher Verlust und er war in der gleichen Lage vie vorher Graf von der Esche. „Unbegreiflich," murmelte er.„Wie kann Greiner imner noch auf die Hand der Komtesse hofsen? Warum läßt er den Grafen noch auf dem Schloß, da ihm doch kein Ziegel mehr auf dem Dache gehört?" Ueber diese Unbegreiflichkeit war niemand erstaunter als „Sraf Waldemar von der Esche selbst. Er saß an seinem Schreibtisch und las den letzten Brief von Ilse. Seit drei Monaten schrieh sie nun regelmäßig. Aus diesem letzten Schreiben gläuble er eine leise Verzagtseit herauslesen zu müssen. Ilse schrieb: „Lieve Eltern! Run bin ich schon über ein halbes Jahr ort, habe mich hier so einigermaßen eingelebt und doch schweifen meine Gedanken oft und gern in die Heimat. Ich jofse, daß Ihr mir verziehen habt. Hans in tüchtig an der Arbeit! Er hat zwar ein Darlehen von fünftausend Dollar aufgenommen, was ich nicht befürworten konnte, aber immerhin, es geht vorwärts bei uns. Ichshabe hier und schon auf der Reise einen Herrn Jörg Fockkennensgeleryt, der aus soitdem regelmäßig soine Besuche macht. Ichtschätze ihn gern, aber ich werde ein merkwirdiges Gefühl in seiner Nähe nicht los. Lieber Vater! Ich wäre Dir dankbar, wenn Du Dich über diesen Herrn Fochkirtwas erkundigen wolltest. Ich möchte gern wissen, was er für eine Persönlichkeit ist. Er hat mich einmal indirekt nach Greiner gefragt. Das gibt nir zu denken. Ich weiß, ich verdanke Herrn Greiner sehr viel, sogar alles. Ich tat ihm weh und finde es edel von ihm, daß er Euch auf dem Schlosse läßt, nachdem ihm doch eigentlich alles gehört. Es ist fürzmich ein qualvoller Gedanke, das zu wissen und es nicht ändern zu können. Ich )offe, daß Hans Glück hat und wir diese Schuld bezahlen können. Vorerst ist allerdings noch nicht daran zu denken. Aber Hans hat große Pläne. Wolle Gott, sie gelingen ihm. Wir befinden uns gesundheitlich wohl und ich hoffe dasselbe von Euch, liebe Eltern. So langsam gewöhnt man sich an die Verhältnisse hier. Es ist natürlich ganz anders als bei Euch zu Hause. Das nächste Mal hoffelich, Euch eine Photographie unserer Farm senden zu können. Unser Viehbestand wächst, wir haben schon junge Fohlen gekauft. Es ist possierlich, den munteren Tierchen zuzuschauen. Manchmal habe ich aber doch Heimweh. Wenn es gar zu einsam ist und Hans nicht da ist, dann kommt es über mich. Ich fühle mich dann so allein in diesem fremden Lande, in dem nur das Beld geachtet wird. Richtig heimisch werde ich hier wohl nie werden. Meine Wurzeln liegen zu tief in der heimatlichen Scholle. Hans findet sich leichter damit ab. Und ich will ihm das Leben nicht schwer machen. Ich will hoffen und warten. Es grüßt Euch herzlich Eure Tochter Ilse. (Hans läßt gleichfalls viele Grüße bestellen.)" Graf Waldemar war mit diesem Schreiben nicht ganz zufrieden. Er wußte nun freilich, wer Herr Jörg Fock war, aber das durfte er seiner Tochter beileibe nicht schreiben. Ilse wußte also noch nichts, sie ahnte nur. Der Graf erhob sich und schritt unruhig in dem Gemach auf und ab. Zwischen den Zeilen stand mehr, als Ilse verraten wollte. Hatte Greiner doch recht? Er zuckte die Achseln und trat ans Fenster. Greiner wartete noch immer. Er war zur Zeit in seiner Billa am Starnberger See. Graf Waldemar war in ständi nem Kontakt mit ihm. Oefters rief Greiner an und erkunbigte sich nach ihrem Befinden, bewies ihnen, ohne daß es ihnen verletzend vorkam, kleine Aufmerksamkeiten, benahm sich ganz als ein guter Freund. Wieviel lieber hätte er ihn als Schwiegersohn gesehen als diesen Mendheim, dem er nun einfach nichts zutraute Natürlich, Ilse war zu ftolz, einzugestehen, daß sie eine Torheit begangen hatte. Graf Waldemar kannte seine Tochter. Nun wußte er nicht recht, was er ihr antworten sollte. Die Wahrheit über Fock durfte er nicht schreiben. Ob sie die Wahrheit über Greiner hören wollte? Denn er als Vater hatte ja schließ lich ein Recht dazu. Seine Augen flogen zu dem Gut des Barons von Ler chenfels hinüber. Eine gewisse Genugtuung erfüllte ihn. Der Baron erhielt den Lohn für seine schmutzige Tat. Eine tiefe Dankbarkeit war in dem Grafen gegen Eberhard Grei ner. Welch ein Mensch war er! Und Ilse hatte ihn verhmäht! 16. FORTSETZUNG Er setzte sich schweren Herzens hin und schrieb an seine Tochter folgenden Brief: „Liebe Ilse! Aus Deinem letzten Schreiben glaube ich entnehmen zu können, daß Du nicht ganz das gefunden hast, was Du suchtest. Ich muß Dir als Dein Vater sagen, daß ich noch viel weniger erwartet habe. Du schreibst wenig über Dein Verhältnis zu Deinem Mann. Dieses Wenige sagt mir genug. Oder befinde ich mich im Unrecht? Ueber Herrn Fock tann ich Dir nichts sagen. Ich kenne den Herrn nicht. Es wird ein zufülliger Bekannter von Herrn Greiner sein. Glaube mir, wir säßen heute nicht mehr auf dem väterlichen Schlosse, wenn Greiner ein anderer Mann wäre, wenn er nicht so edelmütig handeln würde.. Er hat es uns noch in keiner Weise fühlen lassen, daß wir gewissermaßen von ihm abhängig sind. Du schreibst, Du wolltest diese Schuld an Greiner bezahlen. Kennst du die Höhe? Ich will sie Dir mitteilen, damit Du ganz klar siehst. Es sind rund hundertfünfzigtausend Mark, fürwahr eine hübsche Summe, die in Dollar ausgedrückt auch nicht klein ist. Es wird Dir wohl nicht so leicht fallen, eine derartige Summe im Handumdrehen bezahlen zu können. Ich will nicht mehr über diesen Gegenstand schreiben. Herr Greiner besucht uns öfters. Ob er noch immer auf Dich wartet— ich weiß es nicht. Ich kann ihn kaum für so einfältig halten. Du hast Dich gegen ihn sehr undankbar benommen. Von allem anderen will ich schweigen. Du mußt ja selbst wissen, was Du getan hast. Jeder trägt schließlich seine Haut selbst zu Markte. Daß. Du gerade nach Kanada mußtest, werde ich nie recht einsehen. Hier hätte es Dein Mann auch zu etwas bringen können. Aber es ist vielleicht für Deine Ruhe besser, Du bist möglichst weit fort. Daß du der Heimat oft gedenkst, ist erklärlich. Die Heimat kann man nirgends wiederfinden. Man täuscht sich so leicht über seine Gefühle und die Reue kommt in der Regel, wenn es zu spät ist. Möge es für Dich dieses„zu spät" niemalsgeben, das wünsche ich Dir als Dein Vater. Die Mama ist den Umständen nach wohlauf und läßt Dich und Deinen Mann grüßen. Wir leben still für uns dahin. Ob wir Dich im Leben noch einmal sehen, das weiß allein der liebe Gott. Du hast es so gewollt. Dein Wille geschehe. Wir wünschen Dir alles Glück. Verdient hättest Du es ja nicht, aber ein Vater kann seinem einzigen Kind kein Unglück wünschen, außer er wäre kein Vater. Wenn ich Dir hiermit noch etwas mitteile, so geschieht es nur, um Dir die Augen zu öffnen, nicht um vielleicht Zwietracht zwischen Dir und Deinem Manne zu säen. Baron von Lerchenfels ist bald so weit, wie ich war, ehe ich Herrn Greiner kennenlernte. Und ich muß sagen, ich empfinde Genugtuung darüber. Weißt Du, daß es Lerchensels war, der Deinem Manne die zwanzigtausend Mark gab, der die Ehe mit Greiner mit Absicht hintertrieb, um dadurch vielleicht mich in seine Hand zu bekommen? Weißt Du das? Ich fühle mich verpflichtet, Dir diese Wahrheit mitzuteilen. Herr Creiner hat in gerechter Entrüstung über diesen Schurkenstreich Lerchenfels den Kampf angesagt und Lerchenfels wird fallen. Ja, Mendheim bekam das Geld und das Geld für Eure Reise von Lerchenfels, er hat es nicht im Spiel gewonnen, wie er Dir gesagt. Es tut mir leid, Dir diese Tatsache mitteilen zu müssen. Aber ich kann nicht anders. Du sollst wissen, wer Mendheim war, als er Dich beschwor, ihm zu folgen und wie Greiner gehandelt hat. Ich begnüge mich mit dieser sachlichen Feststellung und überlasse das Nachdenken darüber Dir. Die unumstößlichen Beweise für diesen Schurkenstreich sind erbracht. Lerchenfels hat die Billette bei der Schiffahrtsagentur bestellt und bezahlt, Lerchenfels gab Mendheim einen Scheck auf die Deutsche Bank, den er abgehoben hat. Willst Du noch mehr wissen? Es liegt mir fern, Mendheim daraus einen Vorwurf zu machen. Er hat schließlich egoistisch gehandelt, wollte Dich mit Gewalt besitzen, und ohne dieses Geld wäre es ihm nicht möglich gewesen. So nahm er eben das Angebot des Barons an. Ich weiß diese unumstößlichen Tatsachen erst seit vier Wochen. Herr Greiner hat sich die Unterlagen beschafft. Warum tut er das alles? Du wirst Dir diese Frage vorlegen und sie leicht beantworten können. Liebe Ilse! Behalte es möglichst für Dich. Du warst offen zu uns, ich will es zu Dir sein. Aber ich will nicht haben, daß Ihr deswegen Streit bekommt. Was geschehen ist, ist geschehen. Daxan läßt sich nichts mehr ändern. Vielleicht hat sich Dein Mann inzwischen gewandelt und Du hast sonst keinen Grund zur Klage. Dann soll Dich diese Nachricht nicht unnötig erregen. Warum ich es Dir überhaupt mitteile? Ich habe die Pflicht, Herrn Greiner in Deinen Augen in jeder Weise zu rehabilitieren. Er hat keinerlei schlechte Absichten gehabt und hat sie heute noch nicht. Lebe wohl, Ilse! Es grüßt Dich Dein treu besorgter Vater Waldemar Graf von der Esche." Als der Graf diesen Brief zur Post gegeben hatte, sagte er es erst seiner Gattin. „Du hättest es nicht tun sollen, Waldemar. Das Kind wird sich jetzt unnötig grämen und aufregen." „Das Kind," widersprach der Graf und legte einen spöttischen Tonfall auf das Wort„Kind",„soll wissen, wie seine Ehe zustande kam. Das bin ich Greiner schuldig. Mag Ilse im übrigen mit Mendheim glücklich werden. Ich habe ihr den Wea freigegeben." HACHDRUCK VERBOTEN Die Gräfin seufzte tief auf. „Waldemar, du hast einen Stachel in ihre Brust gesenkt Wie ich Ilse kenne, wird sie über diesen Punkt nicht hinwegkommen." „Und wenn. Das ware die geringste Strafe, daß sie sich Vorwürfe machen muß. Ich glaube übrigens immer noch nicht, daß Mendheim mit seinen hochtrabenden Plänen Erfolg hat. Nein, ich glaube es nicht. Ein Windstoß wird genügen, ihn umzublasen. Ich bin froh, daß Herr Fock in der Nähe ist." „Hast du ihr mitgeteilt, wer Fock ist?“ „Nein, sie ahnt es bereits selbst oder sie ist nahe daran es zu begreifen. Fock muß sich etwas ungeschickt benommer haben, sonst hätte sie es nicht merken können." „Das arme Kind!" flüsterte die Gräfin und führte ihr aschentuch an die Augen. „Das„arme Kind“ ist absolut nicht zu bedauern, liebe Mathilde. Hat sie es denn anders gewollt? Man kann ihr doch nicht helfen. Ich bin ernstlich aufgebracht, seit ich die Geschichte mit Lerchenfels weiß. Meine alten Tage hindern mich daran, ihn vor die Klinge zu fordern. Verdient hat er, daß er zugrunde geht. Er wollte uns vernichten und and nun einen Stärkeren, an dem er sich die Zähne ausbeizen wird. Das ist nur die ausgleichende Gerechtigkeit, liebe Mathilde.“ Die Gräfin erhob sich müde und begab sich auf ihr Zimmer. Der Graf schritt, innerlich erregt, in den Park. Im Sinne Greiners war es sicher nicht gewesen, daß er Ilse diese Nachricht übermittelte. Greiner verabscheute allen Schmutz. Hm, das war nun auch geschehen. Und er konnte es weder zurücknehmen noch wollte er es. * Mendheim hatte nun schon den ersten Vertust zu verzeichnen. Es stellte sich heraus, daß der Käufer des Holzes, von demer tausend Dollar zu fordern hatte, ein Schwindler war. Er hatte das Holz schnell zu Geld gemacht und war seit einigen Tagen nicht mehr aufzufinden. Mendheim raste Er geriet in die denkbar schlechteste Stimmung, nahm sein Auto und fuhr nach der Stadt. Ilse war von diesem Schlag wie niedergeschmettert. Von den fünftausend Dollar, die sie von Macdonald erhalten hatten, war für Neuanschaffungen an Maschinen und dergleichen, für Löhne und so weiter schon über die Hälfte aufgebraucht und Ilse begann sich ernstlich Sorgen zu machen Dazu kam, daß die Ernte keineswegs das zu halten schien, was sie versprochen. Anstatt, daß Hans nun zu Hause blieb und ihr zur Seite stand, ihr Mut einflößte und energisch für Abhilfe sorgte, fuhr er in die Stadt. Er hatte das ganze Geld bei sich, oas sie noch im Hause hatten. Ilse fand dieses Benehmen zum mindesten sehr rücksichtslos. Hans war überhaupt in der letzten Zeit merkwürdig gereizt, geriet bei dem geringsten Anlaß in Zorn und suchte dann seinen Trost in einer guten Flasche Wein. Ilse saß mit leeren, glanzlosen Augen vor dem Wohnhaus und starrte in den wolkenlosen Himmel. Nun packte sie doch das Heimweh. Es fuhr sie elementar an. Das elterliche Schloß tauchte vor ihr auf, der Park, die Eltern selbst, die— sie konnte das wirklich nicht anders sagen— immer treu für sie besorgt waren. Ein tiefer Seufzer hob ihre Brust und leise stahl sich eine Träne aus ihren Augen, tropfte auf ihre Hand und glitzerte in der Sonne. Ein fester Schritt ließ sie aufschrecken. Bill Byrd stand vor ihr, demütig fast blickten sie seine Augen an. Er drehte seinen mächtigen Hut verlegen in der Hand. „Darf ich Ihnen einen Rat geben, gnädige Frau? Entschuldigen Sie, wenn ich mir die Freiheit nehme, Sie anzusprechen. Ich weiß, Ihr Mann wünscht es nicht. Aber ich sage Ihnen, bleiben Sie nicht allein zu Hause, fahren Sie mit in die Stadt.“ „Warum sagen Sie mir das, Herr Byrd?" „Ich meinte nur, es könnte besser sein," brummre er verlegen vor sich hin.„Man soll eine junge Frau nicht so allein lassen." „Sie haben noch einen anderen Grund, warum Sie mir das sagen. Seien Sie aufrichtig." „Ich meine es wirklich nur so, wie ich es aussprach", entgegnete er und wich ihrem Blick aus.„Ich habe übrigens dem Kerl, der das Holz kaufte, gleich nicht getraut." „Sie wissen auch das?" „Frau von Mendheim, ich weiß noch viel mehr. Aber wenn es irgendwo in einem Lande heißt: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold, so ist es hier. Ich werde mich hüten, mir die Zunge zu verbrennen. Ich wollte Ihnen nur in aller Ergebenheit einen Rat erteilen." Ilse sah scheu zu dem Hünen auf. In seinen Augen lag kein Falsch, sie blickten ehrlich, es lag darin fast etwas wie Bedauern. „Herr Byrd, wenn Sie mir da irgendwelche Andeutungen machen, so müssen Sie einen Grund dazu haben?" „Einen Grund habe ich schon, gnädige Frau. Ich habe sogar mehrere Gründe. Aber ich begnüge mich vorerst damit, Sie zu warnen, besser auf Ihren Gatten aufzupassen. Winnipeg ist für ihn kein gutes Pflaster." (Fortsetzung kolat.) Aus niederrheinischen Landen Wegen drei Zigaretten erschossen Handelte der 70jährige Wirt in Notwehr? In der Nacht kam es in einer Wirtschaft in Grevenbroich-Elsen zu einer schweren Bluttat, deren Opfer der 26 Jahre alte Arbeiter Dolfen aus Noithausen wurde. Dolfen war kurz vor Feierabend in die Wirtschaft gekommen und hatte ein Glas Bier getrunken. Ueber die Bezahlung von drei Zigaretten gab es zwischen und dem 70jährigen Wirt Ingenried ein Streit, in dessen Verlauf der Wirt zur Pistole griff und den Gast durch zwei Schüsse niederstreckte. Dolfen war sofort tot. Polizei mußte. verhindern, daß zahlreiche Ortseingesessene die Wirtschaft stürmten. Der Wirt wurde festgenommen; er gibt an, in Notwehr gehandelt zu haben. Vier Opfer des Rheines Den Bruder mit in die Tiefe gerissen An einem Tage sind bei Rheinberg nicht weniger als vier Personen beim Baden im Rhein ertrunken. dei Vynen ertrank ein 20jähriger junger Gegenüber der Fähre in Xanten geriet ein anderer junger Mann in die Strömung und drohte zu ertrinken. Sein Bruver eilte sym zur Hilfe, doch wurde auch er von dem mit dem Tode Ringenden ergriffen und in die Fluten gezogen. Beide Brüder, die im Alter von 16 und 18 Jahren standen, ertranken. In Büderich hatte sich ein des Schwimmens unkundiger Knecht einen mit Luft gefüllten Gummischlauch umgebunden und war bis in die Mitte des Stromes gegangen. Plötzlich wurde der Schlauch undicht, die Luft entwich und der Knecht ertrank, bevor ihm Hilfe gebracht werden konnte. Brand b. Aachen. Schwerer Motorräderzusammenstoß. Nachmittags kam es an einer Straßenkrümmung am hiesigen Brander Berg zu einem schweren Motorradzusammenstoß zwischen einem Motorradfahrer aus Breinig und einem Motorsportler aus Cornelimünster. Beide Fahrer wurden mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Dem Fahrer aus Breinig wurde das rechte Bein oberhalb des Oberschenkels amputiert, da das Bein vollkommen zerschmettert war. Seine Ehefrau, die auf dem Sozius saß, erlitt leichtere Gesichtsverletzungen. Der Fahrer aus Cornelimünster trug erhebliche Verletzungen am Kopf, Arm und Knie davon. Sein Begleiter erlitt ebenfalls Verletzungen. Lebensgefahr besteht nicht. Die Ursache des Zusammenstoßes ist noch nicht festaestellt. der Heimfahrt von der Hirter=Kundgebung mn Gladbeck. Ein aus Gütersloh entgegenkommender Ferntransportwagen aus Hannover streifte im Vorbeifahren den Schnellastwagen. Der Bielefelder SA=Mann Imreke wurde hierbei vom Auto heruntergerissen, wobei er so schwere Verletzungen erlitt, daß er nach etwa 10 Minuten starb. Ferner wurden zwei weitere auf dem Schnellastwagen sitzende Bielefelder so schwer verletzt, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Der Führer des Ferntransportwagens wollte zunächst mit dem Fahrzeug entkommen, stellte sich aber später der Polizei. Bielefeld. 106 Kilometer in 18½ Stunden geschwommen. Der Bielefelder Schwimmerin Meta Engelbrecht ist es gelungen, 108 Kilometer in nur 16 Stunden und 27 Minulen zu durchschwimmen. Um 16.40 Uhr startete die kühne Schwimmerin am Freitag am Krankenhauswehr in Hameln. Um 11,07 Uhr ging sie am Samstag in Stolzenau an Land. Das äratliche Untersuchungsergebnis war ausgezeichnet. Vom Mittel- und Oberrhein Bluktat in Köln Ein Straßenhändler tötet ein Mädchen durch. vier Sliche und erhängt sich Vormittags hat in einem Hause der Zugasse ein 55jähriger Straßenhändler ein im selben Hause wohnendes 29jähriges Mädchen überfallen. Der Ueberfall ging so heimtückisch vor sich, daß es dem Kerl gelang, dem Mädchen vier Stiche in den Kopf beizubringen, die es lebensgefährlich verletzten. Auf die Todesschreie der Ueberfallenen eilte ihr Bruder herbei, der mit einem Besenstiel auf den Händler einschlug. Da auch von anderer Seite Hilfe herbeieilte, verbarrikadierte sich der Händler in seiner im zweiten Stock gelegenen Wohnung. Als die Polizei mit Gewalt die Tür öffnete, ergab sich, daß sich der Täter erhängt hatte. Aus hinterlassenen Briefen geht hervor, daß er die Absicht hatte, zuerst das Mädchen und dann sich selbst zu töten. Die Beweggründe zu der Tat hat er nicht angegeben. Der Mädchenmord im Walde Das Kind auf dem Wege zur Schule verschwunden Zu dem Mädchenmord im Wald zwischen Dellbrück und Brück bei Köln, über den wir bereits berichteten, teilt die Kriminalpolizei noch mit, daß es sich bei dem getöteten Kind um die siebenjährige Schülerin Maria Eggert aus Köln=Kalk handelt. Das Mädchen hatte am Sonntag in Rath=Heumar bei Verwandten verweilt und ist am Montagmorgen von dort so rechtzeitig abgefahren, daß es bei Schulbeginn in Kalk sein mußte. Nach den polizeilichen Feststellungen ist das Kind etwa um 7,45 Uhr an der Haltestelle Josefkirchstraße aus der Straßenbahn gestiegen, muß also auf dem Wege von der Haltestelle bis zur Schule Falkensteinstraße verschleppt worden sein, da es dort nicht eingetroffen ist. Ueber das Verschwinden des Kindes und über die als Täter in Frage kommenden Personen herrscht noch völliges Dunkel. 1. Februar 1850 in Köln geboren und studierte in Vonn und Berlin. 1876 kam er als ordentlicher Professor nach Münster und 1885 nach Kiel. Seit 1889 ist Dr. Jacobi Lehrer an der Bonner Universität und war im Jahre 1905=06 Rektor. Im Wintersemester 1920=21 wurde er emeritiert. Die Universität hat dem Jubilar ihre Glückwünsche ausgesprochen. Mainz. Ein Polizeibeamter schießt n Notwehr. In der Nacht um 12 Uhr forderte ein Polizeiwachtmeister in Zivil in der Löhrstraße drei Leute, die laut disputierten, zur Ruhe auf. Darauf verlangte einer der Beteiligten, ein Wirtssohn namens Gold, daß sich der Beamte ausweise. Als dieser sich ausweisen wollte, wurde er von Gold umfaßt. Der Polizeibeamte, der nur die rechte Hand frei bekommen konnte, zog darauf aus der Gesäßtasche seinen Revolver und gab zwei Schüsse ab, wodurch Gold am Kopf lebensgefährlich verletzt wurde Einer ovn den beiden anderen erhielt, als er auf den Beamten eindrang, einen Steckschuß in den rechten Arm. Die beiden Verletzten wurden dem Krankenhaus zugeführt. Die Untersuchung ist im Gange Münsterland, Ostwestfalen Eine Kassette mit 1800 Rm. gestohlen Der ertappte Dieb springt aus dem ersten Stock Abends drang in die Wohnung einer älteren Frau in Koblenz, die schon zur Ruhe gegangen war, ein Dieb ein. Nachbarleute bemerkten den Einbrecher, der dann mit einer Geldkassette aus dem ersten Stock sprang und mit einem Kumpanen, der Schmiere gestanden hatte, davon lief. In der Kassette befanden sich 1800 Mark. Der Dieb ist erkannt. Köln. Große Razzia im Kölner Verbrecherviertel. Als Abwehr gegen das Verbrechertum und zur Unterbindung des illegalen Handels mit Schießwaffen wurde abends in der Zeit zwischen 11 und ½1 Uhr in dem Buttermarkt=, Saltgassen= und Rothenberg=Viertel eine Razzia größten Stils mit anschließender Durch suchung der Häuser durchgeführt. Dabei gelang es, drei Schwerverbrecher, die steckbrieflich gesucht werden, festzunehmen. Einer von ihnen, der noch mehrere Jahre Zuchthaus zu verbüßen hat, wurde von den Beamten aus dem Kamin herausgeholt Ausgesprochene Schießeisen wurden bei dieser 1½stündigen Häuserdurchsuchung nicht gefunden Köln. Internationaler Taschendieb festgenommen. Einem Beamten der Reichs bahnüberwachung gelang es nach tagelangen Beobachtungen, einen internationalen Taschendieb einen Italiener, im Kölner Hauptbahnhof in dem Augenblick festzunehmen, als er gerade einem Ausländer die Brieftasche entwenden wollte. Der Italiener hat einen großen Teil seines Lebens hinter Gefängnis= und Zuchthausmauern zuge bracht. Bonn. Seltenes Jubiläum. Der älte ste Professor der Philosophischen, Fakultät der Univevsität Bonn, der Sanskritforscher Geheim rat Prof. Dr. Hermann Jacobi, beging sein piamantenes Doktorjubiläum. Jacobi wurde am 4000 Brieftauben vermißt Der verhängnisvolle Insterburgflug Am vergangenen Freitag veranstalteten die Reisevereinigungen von Rheinland und Westfalen einen Insterburgflug, an dem zahlreiche Tauben teilnahmen. Am Freitagmorgen wurden in Insterburg 4428 Tauben auf die 1100 Kilometer lange Strecke geschickt, am Sonntag traf die erste Taube in ihrem Schlage in Hamm ein. In den inzwischen vergangenen Tagen sind nur etwa 400 Tauben zurückgekehrt, so daß mit einem Verlust von etwa 4000 wertvollen Brieftauben gerechnet werden muß. Der hohe Verlust ist wohl darauf zurückzuführen, daß die Tauben bei ihrem Flug westlich von Küstrin in ungünstiges Wetter und in der Berliner Gegend in die artigen Regen geraten sind. 4 Bergisches Land und Südwestralen Hauptversammlung des Vereins „Bergisch-Land“ Auch der Bergische Skiverband tagte Der Verein„Bergisch Land“ hielt in Witzhelden seine Jahreshauptversammlung ab. Den Jahresbericht erstattete der Vorsitzende Tibus, Elberfeld. Er hob hervor, daß es trotz der Notzeit möglich gewesen lei, im abgelaufenen Geschäftsjahr etwa 15 000 Kilometer, also die Hälfte aller Wanderstraßen des Vergischen Landes, neu zu bezeichnen. Zu dieser sehr wichtigen Arbeit soll nach einem Vorschlag des Landesrats Kitz in Zukunft der freiwillige Arbeitsdienst eingespannt werden. Dadurch würde es möglich sein, eine weitere Erneuerung von Wanderwegen und Auffrischungen von Markierungen vorzunehmen. Das Landeszugendamt erklärte sich bereit, für diese Arbeiten pro Kopf und Tag für den Arbeitsdienstfreiwilligen 2 Mark auszuwerfen. Zu diesen Arbeiten sollen Jugendliche bis zum 25. Lebensjahre herangezogen werden. Mit der Tagung war die Hauptversammlung des im September vorigen Jahres gegründeten Bergischen Skiverbandes verbunden. Bürgermeister Dr. Lindemann=Marienheide stellte fest, daß dem Verband bereits nach zehnmonatigem Bestehen 12 Ortsgruppen angehören. Der Bergische Skiverband wird sich nun dem Deutschen Skiverband anschließen und dann offiziell den Titel Bergischer Skimeister austragen. Mängel auf, die aber in Zukunst wohl behoben werden. Münster. Oberkonsistorialrat D. Hymmen Privatdozent an der Universität. In der evgl.=theologischen Fakul tät der Universität Münster habilitierte sich als Privatdozent der Oberkonsistorialrat D. Johannes Hymmen vom Konsistorium in Münster. Er erhielt die venia legendi für Innere Mission und Kirchenkunde. D. Hymmen ist bereits vor einigen Jahren von der Münsterschen Fakultät zum Ehrendoktor der Theologie ernannt worden. Paderborn. Aus Unvorsichtigkeit den Vater schwer verletzt. Die erwachsene Tochter einer hiesigen Familie hantierte mit einer geladenen Pistole. Der Vater des Mädchens, der auf dem Sofa lag, wurde von einem plötzlich losgehenden Schuß schwer verletzt. Die Kugel durchchlug das Kinn und die Halsschlagader. Bielefeld. Ein Lastwagen mit SA=Leuten verunglückt. Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich in der Nacht auf der Straße Gütersloh=Wiedenbrück. Ein Bielefelder Schnellastwagen, der mit 25 SA=Leuten besetzt war, befand sich auf 1. Verbandsfest des Westdeukschen Thorverbandes Am Samstag und Sonntag hatten sich in Remscheid etwa 2000 Sänger des Westdeutschen Chorverbandes eingefunden, um ihr erstes Verbandsfest avzuhalten, das mit einer Festsitzung des gesamten Vorstandes, wozu Vertreter der Behörden und der Presse eingeladen waren, eingeleitet wurde. Der Vorsitzende, Hugo Stader (Solingen) wies in seinen Begrüßungsworten darauf hin, daß dieses Fest einen praktischen Zweck verfolge, und daß man von prangenden Festlichkeiten absehen wolle. Er betonte des weiteren, daß das zeitliche Zusammenfallen mit dem 11. Deutschen Sängerbundesfest in Frankfurt a. M. sich daraus ergebe, daß das Verbandsfest wegen der bevorstehenden Reichstagswahl habe verschoben werden müssen. Zum Deutschen Sängerbund stehe man keineswegs in Kampfstellung, sondern man arbeite mit dem größeren Bruderbund einträchtig auf ein gemeinsames Ziel hin. Dem Preisrichter Dr. Zeller(Dortmund) stellten sich von den 250 Vereinen des Verbandes 40 in der Hauptsache kleinere Vereine aus Westdeutschland. In drei großen Konzerten gaben die 40 Vereine eine Probe von ihrem Können. Eine öffentliche Kritik wurde nicht gefällt. Das Urteil wird den einzelnen Vereinen schriftlich unter Ausschluß der Oeffentlichkeit zugestellt. Das ist eine neue Art des Kritiksingens, die der sängerischen Ertüchtigung und Belehrung dienen soll Das erste Verbandsfest wies natürlich noch einige Eine Schleuse für das stärkste Kraftwerk Europas Gefälschte Unterschriften unter einem Wahlvorschlag! Der Staatsanwalt hat das Wort! Eine dunkle Angelegenheit beschäftigt augenblicklich die Staatsanwaltschaft Wuppertal. Von Vohwinkel aus war beim Kreiswahlleiter ein Wahlvorschlag zur Reichstagswahl eingereicht worden, der die beglaubigten Unterschriften vom 20 Anwohnern aus Vohwinkel trug. Eine sofortige Prüfung ergab, daß alle Namen mißbraucht und gefälscht waren. Die Liste wurde zurückgewiesen und die Sache der Staatsanwaltschaft übergeben. Ein gemeiner Erpresser 2½ Jahre Zuchthaus Ein Bergmann aus Niederschelderhütte hatte sich in der Schöffengerichtssitzung in Wissen a. d. Sieg wegen schwerer Erpressung zu verantworten und wurde zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Er hatte vier bisher unbescholtene Bürger näherer Wziehungen zu seiner Ehefrau beschuldigt und von ihnen unter der Drohung, dies in kommunistischen Zeitungen an die große Glocke zu hängen, hohe Schweigegelder erpreßt. Als der Erpresser bereits 5600 Mark bekommen hatte und noch mehr forderte, stellten die Bürger endlich Strafanzeige. Wuppertal. Ein 135 Jahre aldes Unternehmen in Zahlungsschwierrgkeiten. Die Großdruckerei, Kalenderfabrik und Verlagsgesellschaft Lam. Lucas, Elberfeld, die seit 1797 besteht, hat sich infolge der ungünstigen Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse gezwungen gesehen, an ihre Gläubiger heranzutreten Es wird ein gerichtlicher Vergleich angestrebt, der ein Moratorium vorsieht. In einem Rundschreiben an die Gläubiger weist die Firma darauf hin, daß im zweiten Vierteljahr 1932 noch ein ansehnlicher Gewinn erzielt werden konnte, jedoch habe die Firma in den Jahren 1927 bis 1929 einen Neubau errichtet und ihre maschinellen Einrichtungen erweitert und erneuert, wodurch der Status stark immobilisiert worden sei. Solingen. Brand auf einem Gutshof. Auf dem Gute Jüntgen in Solingen=Höhscheid entstand morgens ein größeres Feuer. Scheune und Stallungen wurden ein Raub der Flammen. Der Feuerwehr gelang es, das Vieh in Sicherheit zu bringen und auch das angrenzende Wohnhaus vor einem Uebergreifen des Feuers zu schützen. Der Schaden ist beträchtlich, die Ursache des Brandes ist unbekannt. Waldbröl. Motorrad saust gegen eine Lokomotive. Abends fuhr auf dem Wegübergang der Strecke Wiehl—Oberwiehl ein Maschinenhändler aus Morsbach mit seinem Motorrad in voller Fahrt gegen die Lokomotive eines Güterzuges. Der Händler wurde auf der Stelle getötet, während sein Beifahrer, der vor dem Zusammenstoß geistesgegenwärtig abgesprungen war, mit leichten Verletzungen am Kopf davonkam. Um die Verlängerung des Vertrages des Intendanten Dr. Saladin Schmitt Aus Duisburg=Hamborn wird mitgeteilt: Zu den Meldungen über die Verlängerung des Vertrages des Intendanten der vereinigten Duisburg=Bochumer Stadttheater, Dr. Saladin Schmitt, teilt die Stadtverwaltung Duisburg mit, daß die Städte Duisburg und Bochum mit Intendant Dr. Schmitt im September 1928 einen Vertrag über die Leitung ihrer beiden Bühnen abgeschlossen haben, der am 30. September 1932 ablief, wenn nicht ein Jahr vor Ablauf die beiden Städte erklären, daß der Vertrag weitere fünf Jahre laufen soll. Auf Ersuchen der Stadt Duisburg ist diese Erklärungsfrist von Dr. Schmitt wiederholt verlängert worden. Bei der Ungewißheit der Weiterführung des Duisburger Theaters konnte die Stadt bis zur maßgebenden Etatberatung eine solche Erklärung nicht abgeben Damit ist der Vertrag mit dem 30. 9. d. J. abgelaufen. Da zurzeit nicht abgesehen werden kann ob über die kommende Spielzeit hinaus die Theatergemeinschaft Duisburg=Bochum verlängert wird, lag es im allgemeinen Interesse, eine Uebergangsverständigung mit Dr. Schmitt über die Leitung beider Bühnen herbeizuführen. Dr Schmitt erklärte sich bereit, auch das Duisburger Theater weiter zu leiten, wenn ihm die bisheri Die Kembser=Schleuse im Zuge des neuen Rhein=Kanals von Basel nach Straßburg, gen Bezüge für ein Jahr weitergewährt würden die bereits in Betrieb genommen wurde. Im Anschluß an die Schleuse wird ein Elektrizitäts der Gehaltsregelung schweben noch VerWerk erbaut werden. das nach seiner Fertigstellung im Jahre 1934 das stärkste Kraftwerk Europas handlungen, über welche die zuständigen städts sein wirc. schen Ausschüsse demnächst entscheiden werden über Wehrmacht . ialer Der Reichswehrminister General Schleicher hielt im Rundfunk eine 9 und Politik rbände-„ Schleicher hielt im Rundfunk eine Rede, e über alle deutschen Sender verbreitet wurde. Der Minister führte aus: Ich bin kein Freund des militärischen Ausezustandes und ich bin erst recht kein von Militärdiktatur und nicht etwa trotzondern weil ich Minister für die WehrZwei Dinge sind dem Soldaten beympathisch: Als Polizist verwendet und in die Politik hinein und iktatur" rung in Genf keinen Zweifel darüber aufkommen lassen, daß wir diesen zweiten Weg gehen werden, wenn man uns auch in Zukunft volle Sicherheit und Gleichberechtigung weiter vorentIch weiß wohl, daß mir von ängstlichen Gemacht bin. Zwei sonders unsymp und in die Politik hineingezogen zu werden. Beides aber läßt sich beim militärischen Ausnahmezustand nicht vermeiden. Deshalb habe ich mich auch dafür eingesetzt, daß der zu einem bestimmten Zweck über Berlin und Brandenburg verhängte Ausnahmezustand sobald als möglich wieder aufgehoben wurde. Das ist mit dem heutigen Tage geschehen. In meiner kurzen Erklä Armee be rung an die An als Reichsweh gebracht, daß daß die Rei aufgabe, Deu seine natio füllen ra bi kann. Von jeser Hinweks au beim Antritt meines Amtes inister habe ich zum Ausdruck meine Kraft daran setzen werde, in. Zukunft ihre BerufsGrenzen zu schützen und heit zu gewährleisten, erTeil der Linken ist mir a wehr chlands Sicher die Zukunft übelgenommen worden. Es wäre doch schon in den vernen Jahren alles geschehen, um dieses Ziel erreichen. Das hat mich ehrlich erstaunt. Denn daß es in Deutschland nach all den traurigen und bitteren Erfahrungen der Nachkriegszeit noch Menschen gibt, die unsere kleine Wehrmacht allen Ernstes zum Schutz der Grenzen für ausreichend halten, hatte ich nicht für möglich gehalten. Es hat mir wieder gezeigt, wie gern und leicht der Deutsche sich Illusionen hingibt, zumal wenn es ihm in seine Parteirichtung paßt. Die nackte Tatsache ist doch die, daß kein anderes enropäisches Land in so geringem Maße die Sicherheit besitzt, nach der, so paradox es klingt, gerade die stärkste Militärmacht der Welt unaufhörlich ruft. Diese Haltung unseres westlichen Nachbarn hat der Minister Stresemann, dem man doch wirklich keine Voreingenommenheit gegen das Land seines Verhandlungspartners Briand nachsagen kann, seinerzeit im Reichstag mit„Heuchelei" bezeichnet, und ich glaube, daß es in Deutschland nur wenige Menschen geben wird, die dem nicht zustimmen. Nur manchmal läßt man auch in Frankreich die Katze aus dem Sack. So, wenn der Generalberichterstatter des französischen Staatshaushaltes über eine Besichtigung der neuen französischen Befestigungen folgendes sagt: „Die hier von Frankreich vollbrachte Arbeit steht in der Geschichte der Völker ohne Beispiel da, sowohl. wegen ihrer Großartig keit, als wegen der technischen Schwierigkeiten, die zu überwinden waren. Mein zweiter Einbruck geht dahin, daß dieses Befestigungsnetz überhaupt nicht durchstoßen werden kann Die deutsche Armee, so mächtig, mutig und hartnäckig sie sein sollte(sie ist leider nur mutia und harfnäckig, aber, nicht mächtig!), würde an solchen Verteidigungsanlagen zerschellen. Diese Befestigungsanlagen können durch die wirksamste Artillerie nicht zerstört werden. Die Feuerwirkung der Maschinengewehre und Kanonen ist so gewaltig, daß kein Gegner ihr widerstehen könnte. Unser Befestigungsnetz gibt deshalb zweifellos eine völlige Sicherheit— ich wiederhole:„völlige Sicherheit“— gegen einen ähnlichen Einbruch, wie er im Jahre 1914 erfolgt ist.“ Man vergleiche diesen Bericht mit dem Verhalten und Anträgen der französischen Delega tion in Genf. Eine treffende Kennzeichnung die ses Verhaltens verbietet mir meine interna tionale Höflichkeit. Wohl aber fordern derartige Tatsachen immer aufs neue den Vergleich mit der Sicherheit, oder besser gesagt der völligen Unsicherheit Deutschlands heraus. Wie könnte Deutschland diese Sicherheit be kommen? Theoretisch auf zwei Wegen: 1. indem die anderen Mächte bis auf unseren Rüstungsstand abrüsten, wozu sie rechtlich und moralisch verpflichtet sind. Nach dem bisherigen Verlauf der Abrüstungs konferenz wird es in der Welt nicht mehr viel Menschen„geben, die an ein solches Wunder glauben. Es ist doch recht lehrreich, wenn einer der Unterzeichner des Vertrages von Versailles, der ehemalige britische Ministerpräsident Lloyd George, sich u. a. folgendermaßen zu dem bisherigen Ergebnis der Abrüstungskonferenz äußert: „Die Heeres= und Flotten=Sachverständi gen haben es nur zu gut verstanden, die Konferenz von den großen Zielen avzulen ken und an die Stelle von mutigen Entschlüssen das Feilschen und Formulieren zu setzen mit der versteckten Absicht, einen wirklichen Fortschritt zu verhindern." Wann ist ein Schlächtschiff eine Verteidigungs waffe, wurde gefragt. Die Antwort lautete „wenn es die britische oder amerikanische Flagge führt. Ich glaube, diese spöttischen Worte sagen mehr, als die schönsten diplomatischen Formeln die den katastrophalen Mißerfolg der Abrüstungs konferenz verdecken sollen. Wir können diese Sicherheit zweitens erre indem wir unsere Wehrmacht so organi sieren, d. h. umbauen, daß sie uns wenigstens ein gewisses Maß von Sicherheit gibt, und ich mütern sofort unsere schlimme Finanzlage entgegengehalten wird. Aber ich kann diesen Kritikern sagen, daß eine moderne, ihren Zweck wenigstens einigermaßen erfüllende Wehrmacht nicht teurer ist, als die Behrmacht des Versailler Diktats, das durch seine zum Teil direkt sinnlosen Bestimmungen uns gänzlich unnütze und unproduktive Mehrkosten aufzwingt. Ich bin der Ansicht und mit mir, so hoffe ich, eder vernünftige Mensch in Deutschland, daß erade in unserer gespannten Finanzlage jeder ür die Wehrmacht ausgegebene Pfennig den öchsten Nutzwert für die Landesverteidigung ben muß. In dieser Landesverteidigung liegt die hohe und ideale Aufgabe des Soldaten und gerade deshalb haben wir uns seit dem Inkraftreten des Vertrages von Versailles mit allen Kräften gegen die französische Auffassung gewehrt, die die Reichswehr zu einer Polizeitruppe machen wollte. Richtig ist natürlich, daß die Wehrmacht auch die ultima ratio des Staates darstellt, und daß hr Einsatz in kürzester Frist Ruhe und Ordnung wiederherstellen und die Staatsautorität voll zur Geltung bringen muß. Daß die Wehrmacht dazu in der Lage ist, wird nach den Ereignissen der letzten Tage wohl niemand mehr ernstlich bestreiten. Richtig ist auch, daß sich beim Einsatz der Wehrmacht scharfe Maßnahmen nicht vermeiden lassen. Aber derartig harte Maßnahmen sind meist die mildesten, weil sie am schnellsten zum Erfolge führen. Allerdings bin ich der Meinung, daß das Vorhandensein einer geschlossenen und überparteilichen Wehrmacht allein schon genügen muß, um die Autorität des Reiches vor jeder Erschütterung zu bewahren. Das Land hat die höchste Staatsautorität, in dem nur ein einzelner Gendarm einen ganzen Kreis in Ordnung halten kann. Ich habe am Anfang meiner Ausführungen betont, daß es dem Soldaten aufs höchste zuwider ist, wenn er in die Politik hineingezogen wird. Ich möchte noch hinzufügen, daß mich in den letzten Wochen nichts so geärgert hat— und ich ärgere mich nicht leicht— wie die Behauptung, ich hätte die Reichswehr in den politischen Meinungsstreit eingespannt. Das ist der ungerechteste Vorwurf, der einen Mann treffen kann, der seit der Revolution, die die Reichswehr politisch vollständig verseucht hatte, auf allen Wegen und mit allen Mitteln einen zähen und verbissenen Kampf um die Entpolitisierung der Wehrmacht gekämpft hat, und der in diesem Kampf oft gerade die Kreise zum Gegner hatte, die heute mit großem Geschrei vor der Politisierung der Wehrmacht warnen, nachdem es ihnen zum Segen unseres Vaterlandes nicht gelungen ist, aus der Reichswehr eine Parteigruppe zu machen. Das Schlagwort„Junker und Generäle" hätten die Regierung Brüning gestürzt, ist eine glatte Lüge. Solange ich an dieser Stelle stehe, dessen können alle Parteien gewiß sein, werde ich es niemals zulassen, daß die Wehrmacht ihre überparteiliche, nur dem Volksganzen dienende Haltung ändern oder gar ausgeben wird. deren vollstänoige Unbrauchvartent der triegerischen Verwicklungen jetzt sogar, außer natürlich in Frankreich, von führenden Persönlichkeiten der ehemaligen Feindbundmächte anerkannt wird. So schreibt Lloyd George: „Wie stehts um die rote und braune Armee Deutschlands? Man muß sie dem stehenden Heere zurechnen. Diese sogenannten Armeen haben nur wenig Gewehre, wenn überhaupt solche. Sie haben keine leichten Geschütze und keine schweren. Sie könnten einer bis an die Zähne bewaffneten französischen Division nicht einen einzigen Tag lang Widerstand leisten. Eine Armee ohne moderne Ausrüstungen ist nichts besseres als ein zusammengewürfelter Volkshaufe." Das ist durchaus richtig. Betrübend und beschämend ist es nur, daß Frankreich seine Argumente zum größten Teil aus Deutschland selbst von den Kreisen bezieht, denen zur Bekämpfung ihrer politischen Gegner jedes Mittel, selbst des Landesverrates recht ist. Aber auch die Kreise dürfen sich über Auswüchse der Verbände nicht beklagen, die nicht rechtzeitig dafür gesorgt haben, daß der Staat sich um die körperliche und geistige Ertüchtigung der Jugend gekümmert hat, wie es in fast allen Staaten in großzügigster Weise geschehen ist. Ich hoffe, daß die von der jetzigen Reichsregierung eingeleiteten Maßnahmen, zu denen ich auch den Arbeitsdienst rechne, diese Versäumnisse nachholen werden. Die für solche Zwecke aufgebrachten Mittel werden hundertfältige Frucht tragen. Daß ich als Wehrminister den Siedlungsgebanken auf das wärmste begrüße, liegt auf der Hand. Für die Landesverteidigung ist es eine Lebensfrage, daß an der Ostgrenze eine mit ihrem Boden verwurzelte Bevölkerung steht, die, soweit es in derartigen Notzeiten überhaupt möglich ist, krisenfest ist, und zahlreiche Menschen als selbständige Existenzen auf dem platten Lande festhält. In diesem Zusammenhang noch einige Worte über den sozialen Gedanken, zu denen ich mich gerade als Wehrminister für durchaus berechtigt halte. Eine der schönsten Soldatentugenden ist die Kameradschaft, und was ist diese Kame radschaft, dieses Zusammenstehen in Freud und Leid, in Sieg und Tod, im Grunde anderes, als der Ausfluß des sozialen Gedankens und Fühlens. Es war für mich die größte Freude, daß mir bei meiner Ernennung zum Reichswehrminister eine große Zahl von Glück wünschen ehemaliger Rekruten meines alten Re giments zugingen, die diesen schönen Gedanken der Kameradschaft zum Ausdruck brachten. Dieser Gedanke der Kameradschaft umschließt die nationale und die soziale Aufgabe der Wehr macht. Die nationale Aufgabe: Das ist die alle Volks kreise umfassende und einigende Pflicht der Landesverteidigung. Die soziale Aufgabe: Das ist die Verbundenheit der Wehrmacht mit den Schicksalen aller Volksschichten. So wenig die Reichswehr eine Parteitruppe ist, so wenig ist sie die Schutzmacht irgendwelcher Klassen oder Interessenten, so wenig will sie überlebte Wirt schaftsformen oder unhaltbare Besitzverhältnisse decken. Und in diesem Sinne des sozialen Gedankens werde ich mein Amt als Reichsminister und in Sonderheit als Wehrminister führen, indem ich die Armee immer wieder daran erinnern werde, daß sie dazu beitragen soll, die Not ge rade in den ärmsten Vevölkerungsshichten zu lindern und Freund und Helfer aller Bevölke rungsschichten zu sein. Zum Schluß lassen Sie mich noch einmal auf die sogenannte Militärdiktatur zurückkommen, der ihre Anhänger das große Wunder er Letzte Drahtnachrichten Untergangder Niobe Keine Hoffnung auf Rettung der Vermißten Die von der Seeflugstation Holtenau an die Unfallstelle der„Niobe" entsandten Flu zeuge. die von den Fliegern Osterkamp und Hubrich geführt wurden, sind nach Kiel gekehrt. Sie haben die Unfallstelle und ihre Umgebung bis zur dänischen Küste mehrere Stunden lang abgesucht, ohne eine Spur der Vermißten zu finden. Von der„Kiobe" selbst ist nichts meyr zu sehen. Da auch die von der Reichsmarine vorgenommene genaue Nachsuchung ergebnislos geblieben ist, besteht keine Hoffnung mehr auf Rettung der 69 Vermißten. Bisher sind auch keine Leichen gevorgen worden. * Das Reichswehrministerium teilt mit: Die Geretteten von dem gestrandeten Schulschiff „Niobe" sind von dem Kreuzer„Königsberg“ aufgenommen worden. Bisher sind die Namen folgender Geretteten gemeldet: Kapitänleutnant Ruhfus, Oberleutnant Lott, ferner folgender Kadetten: Mittelstedt, Glümper, Lohse, Frahm, Jürs, Hoffmann, Girladone, Jürgens, von Reyher, Korth, Panneberg, Wieting, Rasenack, Eichel Vogel, Matz, Steinbrück und Schrott. Die Namen von 17 geretteten Mann werden später gemeldet. Reichstagsabgeordneler Becker verunglückt Als Reichstagsabgeordneter Becker(Zentrum) Arusberg, in Hamm den D-Zug besteigen wollte, um sich auf eine Wahlreise durch das Sauerland zu begeben, stürzte er so unglücklich, daß er mehrere Ripenbrüche erlitt. Er mußte dem Kranken hause zugeführt werden. anUnd ein Zweites kann ich den Herren versichern, die heute mit Kassandrarufen ihre Wahlagitation betreiben: Ich werde nicht dulden, daß die Wehrmacht die ihr im Staate zugewiesene Stellung mit irgendjemand teilt, und daß sich private Organisationen ihre gesetzlichen Funktionen anmaßen. Ich begrüße daher besonders die Ausführungen des Führers der Nationalsozialisten in Berchtesgaden vor seinen SA.=Führern, die sich durchaus mit meinen obigen Ausführungen über die Stellung der Wehrmacht im Staate decken. In diesem Zusammenhang einige Worte über die Verbände: Ich müßte ein schlechter Wehrminister sein, wenn ich mich nicht über jeden jungen Deutschen freuen würde, der durch körperliche Uebungen, durch Ertragen von Strapazen und vor allen Dingen auch durch freiwillige Disziplin seinen Willen, seinen Mut, mit einem Wort seinen Chargkter stählt. Mir wird so oft gesagt, daß diese Passion, sich drillen zu lassen, doch eigentlich unverständlich wäre. Darauf kann ich nur antworten, daß Menschen, die dafür kein Verständnis haben, nicht das Hochgefühl von jungen Burschen kennen, die ihrem Körper etwas Außergewöhnliches abgewonnen und das erstemal ihren inneren Schweinehund ganz besiegt haben. Es ist das Gefühl, das man mit den Worten kennzeichnet: Und setzt ihr nicht das Leben ein, nie wird auch das Leben gewonnen sein. Nun weiß ich natürlich sehr genau, daß in den Verbänden auch mancherlei Dummheiten und Uebertreibungen porgekommen sind und noch vorkommen. Das zu tadeln und Anstoß daran zu nehmen, haben aber diejenigen am wenigsten Berechtigung, die uns im Vertrag von Versailles die allgemeine Wehrpflicht genommen und durch die Reparationen und andere wirtschaftliche Diktate die ungeheuere Arbeitslosigkeit verschafft haben. Ohne Arbeitslosigkeit und mit einer allgemeinen Wehrpflicht nicht diese Inflation der Verhävon hoffen, die für ihre Gegner aber der Inbegrif alles Scheußlichen bedeutet. Zunächst glaube ich, daß sich unter Militärdiktatur jeder etwas deres vorstellt. Wenn man darunter das versteht, was das Wort besagt, nämlich die diktatorische Regjerung der Wehrmacht, so halte ich eine solche Regierungsform in Deutschland für völlig ausgeschlossen, weil die Wehrmacht nie etwas anderes tun wird, als den Befehlen ihres Oberbefehlshabers, des durch eine überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes gewählten Reichspräsidenten von Hindenburg, zu folgen. Wenn man unter Militärdiktatur eine Regierung versteht, die sich nur auf die Bajonette der Reichswehr stützt, so kann ich dazu nur sa gen, daß eine solche Regierung in luftleerem Raum sich schnell abnutzen und letzten Endes zum Mißerfolg führen muß. In Deutschland, vielleicht mehr noch als in manchen anderen Län dern, muß die Regierung von einer breiten Volksströmung getragen sein. Ich glaube, sagen zu dürfen, daß ich in dieser Hinsicht gerade in den letzten Wochen klarer gesehen habe und we niger militärisch gewesen bin, wie mancher Politiker, der sich oft und gern zur Demokratie bekennt, aber sofort zur Diktatur der Bajonette bereit ist, wenn seine Machtposition oder die seiner Partei es notwendig macht. Deshalb, meine verehrten Zuhörer, bin ich kein Freund der Militärdiktatur, aber ich winsche Deutschland gerade in der jetzigen schweren Zeit eine Regierung, die die größten Soldatentugenden besitzt: Mut, Entschlußkraft und Verantwortungsfreudigkeit. zum Vortragenden Legationsrat im Auswärtigen Amt ernannt. Präsident Dr. Bumke wieder in Urlaub Der Vorsitzende des Staatsgerichtshofes, Reichsgerichtspräsident Dr. Bumke, wird seinen wegen der Verhandlung in der Preußenklage unterbrochenen Urlaub nunmehr wieder aufnehme und sich nach Oberbayern zurück begeben. An während seines Urlaubs wird Präsident Dr. Bumke ständig auf dem laufenden gehalten. I einzelnen wird die Klage des preußischen Staatsministeriums gegen das Reich von Reichsgerichtsrat Schmitz, der der Berichterstatter in diesen Klagesache ist, weiter bearbeitet. Einbeziehung von Studenten in den freiwilligen Arbeitsdienst zum Semesterschluß Im Hinblick auf den unmittelbar bevorstehenden Semesterschluß hat der Reichskommissar für den freiwilligen Arbeitsdienst sichergestellt, daß 2—3000 Studenten für die Zeit von August bis Oktober in den freiwilligen Arbeitsdienst einbezogen werden können. Es kann nunmehr erstmalig auch für Studenten ein staatlicher Förderungssatz bis zu 2 RM. je Arbeitstag gewährt werden. Anwerbung und Auswahl erfolgt durch die Hochschulen(Studentenwerke) im Einvernehmen mit den Bezirkskommissaren. Ermlungsverfahren gegen den Schriftsteller Dreuer wegen Hochverrats Die Hochverratsanzeige gegen den Schriftsteller Robert Breuer ist beim Oberreichsanwalt eingegangen. Der Oberreichsanwalt hat daraufhin das Ermittlungsverfahren eingeleitet. Ob dieses zur Eröffnung der Voruntersuchung führen wird, steht noch nicht fest. Meldungen, die davon wissen wollen, daß der Oberreichsanwalt bereits heute die Eröffnung der Voruntersuchung durch den Untersuchungsrichter des Reichsgerichts beantragen werde, entbehren jedenfalls der Grundlage, Das Verbot der Reichsbannerbundeszeitung verkürzt Das Reichsgericht hat über die Beschwerde der Schriftleitung der Bundeszeitung„Das Reichsbanner“ entschieden, daß der Beschwerde nicht stattgegeben werden kann, hat jedoch die Verbotsfrist bis auf Donnerstag, den 28. Juli, begrenzt, Der Völkerbundsausschuß verläßt Danzig Der vom Völkerbund eingesetzte Ausschuß von Sachverständigen zur Prüfung der Ausnutzung des Danziger Hafens durch Polen hat seine Arbeiten in Danzig abgeschlossen. Seine auswärtigen Mitglieder verlassen nunmehr Danzig und wollen am 28. Augüst in Genf wieder zusammentreten, um den Bericht an den Völkerbundsra fertigzustellen. Vereinheitlichung der japanischen Verwairung in der Mandschurei Reuter meldet aus Tokio, 26. Juli: Zur Vereinheitlichung der japanischen Verwaltung in der Kleine volit. Nachrichten de seree sder rosorsch den eitene Ernennungen im Auswärtigen Amt Der Reichspräsident hat den Gesandten in Reval, Dr. Schroetter, zum Vortragenden Legationsrat im Auswärtigen Amt(vereinigte Presseabteilung der Reichsregierung) und den Gesandtschaffsrat 1. Klaste Dr. Roediger=A. A bevollmächtigten Sondergesandten erhält. Er wird die südmandschurische Eisenbahn kontrollieren. Als Gesandter wird er dem Außenministerium unterstellt Er wird die Aufsicht über die japanischen Konsuln im neuen mandschurischen Staate haben. 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Für die uns in so reichem Maße erwiesene Anteilnahme beim Tode unseres lieben Entschlafenen sprechen wir hiermit unseren herzlichsten Dank aus. Familie August Henke. Soest, im Juli 1932. Doppelte Rabattmarken also 10 Proz. erhalten Sie auf alle Waren auch auf Brot (wenige Artikel ausgenommen) von heute bis einschl. Samstag, den 6. August. Auf Wunsch werden diese 10 Proz. sofort an der Kasse in Abzug gebracht. Markthalle Soest.