92. Jahrgang/ Nr. 302 Sonnabeno, de ember 1944 riee Verlag und Druck: Rocholsche Buchdruckerei W. Jahn, Soest. Verleger: Walter Jahn Hauptschriftleiter Albert Dalhoff, Soest. Geschäftsstelle u. Schriftleitung: Soest. Jakobistraße 46 Ruf 1958. Sgester Kreisblatt die heimatzeitung dles Kreises Soeft Bezugspreis: 2,- RM einschl. Botenlohn. Bei Nichterscheinen infolge höherer Gewalt keine Rückzahlung d Bezugspreises Anzeigenannahme werkt. bis 13, sonnt. 19-20 Uhr. Preisliste 9 vom 8. 8. 44. Kriegsweihnachten im Zeichen schwerer Kämpfe Der deutsche Angriff im Westen rollt weiter- Die AS2. zu drastischen Amstellungen gezwungen Von unserer Berliner Vertretung Berlin, 22. Dez. Der deutsche Angriff in Belgien rollt immer noch. Ueber die Ourthe wurden Brückenköpfe gebildet. Da die Amerikaner keinen Wiederstand aus der Tiefe des Raumes organisieren können, ziehen sie eilig Truppen aus den anderen Frontabschnitten heran und lassen dadurch ihre dortigen Angriffe ins Stocken kommen. Diese Tatsache erhellt, wer die Initiative beherrscht. Auch an den Fronten im Süden und Östen ist die Vorweihnachtszeit durch schwere Kämpfe gekennzeichnet. Trotz ihrer schweren Verluste versuchen die Briten immer wieder, bis zum Po vorzustoßen, ohne jedoch über begrenzten Geländegewinn hinauszukommen. Während die Angriffe der Sowjets in Ungarn bei Stuhlweißenburg aufgefangen wurden, konnien sie in der südlichen Slowakei einige Fortschritte machen. Das Merkmal der Östfront ist jedoch die Wiederaufnahme der Angriffe in Kurland. Offenbar beabsichtigen die Sowjets inen neuen Sturm gegen Östpreußen und versuchen daher nochmals, die flankierenden deutschen Divisionen an der Östsee auszuschalten. Da an diesem Frontteil längere Zeit Ruhe geherrscht hatte und die Sowjets Gelegenheit zur Auffüllung ihrer Angriffsverbände hatten, wird man im Norden der Östfront mit einer Folge schwerer Kämpfe zu rechnen haben. Die politische Lage ist durch die Entwicklung der letzten Wochen nicht einfacher geworden. Die Regierung der USA gibt sich zurzeit die größte Mühe, die Oeffentlichkeit ihres Landes an die veränderte Lage auf den Kriegsschauplätzen zu gewöhnen. Der Zusammenbruch der strategischen Pläne Eisenhowers die ein Kriegsende spätestens im Dezember 1944 voraussahen, zwingt auch die amerikanische Rüstungsindustrie zu einer drastischen Umstellung. Dieser'Imstellung dient die starke agitatorische Herausstellung des angeblichen Munitionsmangels an der Front. Die amerikanischen Behörden haben alle Mühe, den merikanischen Arbeiter auf seinem Arbeitsplatz in der Rüstungsindustrie zu halten; denn dies erfordert eine völlige Umstellung des einzelnen Arbeiters, der unter dem Druck der sensationellen Siegesnachrichten in den Somer= und Herbstmonaten angenommen hatte, der Friede stehe vor der Tür. Jetzt müssen die Vorschriften gegen den Arbeitsplatzwechsel erneut verschärft werden. Gleichzeitig werden Einziehungen größeren Stils zur Wehrmacht für Januar und Februar angekündigt. Dazu aber kommen verschiedene Fehldispositionen, die das Kriegsproduktionsamt entsprechend den auf ein Kriegsende im Jahre 1944 festgelegten Plänen der amerikanischen Obersten Wehrmachtführung getroffen hatte. Wie„Wallstreet=Journal“ meldet, wurde bereits seit der Mitte des Jahres 1943 die Werkzeugmaschinenindustrie gedrosselt, ha man auf dem Standpunkt stand, es seien für die voraussichtliche Kriegsdauer genügend Werkzeugmaschinen vorhanden. Jetzt fehlen diese Werkzeugmaschinen, und die amerikanische Rüstungsindustrie wird daran gehindert, sich rasch und elastisch auf die Erzeugung neuer Kriegsmittel u izustellen, die durch das überraschende Auftauchen der neuen deutschen Waffen notwendig geworden ist. In diesem Zusammenhang rächen sich der Hochmut und die Selbstgefälligkeit, mit der man den Einsatz dieser neuen deutschen Waffen in führenden amerikanischen Kreisen als lächerlich und unmöglich hingestellt hätte. Der Vorsitzende des Kriegsproduktionsamtes Samuel W. Anderson nannte die deutsche Offensive einen „Schlag ins Gesicht", da den jetzt zu erwartenden, besonders dringlichen Forderungen von kriegswichtigem Material zweifellos Rüstungsprobleme folgen würden, die sich als genau so schwierig erweisen würden wie die augenblicklichen. Es mutet wie ein Witz der Weltgeschichte an, wenn gerade jetzt, da sich die stärkste Militärmacht des Westens um die Wahrung des Gesichts bemüht, das deGaulle=Regime aufspielt, als habe es Deutschland erledigt. In der beratenden Versammlung in Paris gab der gaullistische Außenminister Bidault am Donnerstag in der Debatte über den Bündnispakt mit Moskau eine Erklärung ab, in der es u. a. heißt: „Wir haben eindeutig erklärt, daß wir beabsichtigen, Deutschland des Rheinlandes und des rheinisch=westfälischen Gebietes zu berauben. Welchen Status dieses Gebiet haben wird, ist eine Frage an der alle ensere Verbündeten interessiert sind. Wir haben ferner unsere Zustimmung für die Abtretung Schlesiens und Pommerns an Polen gegeben, diese Gebiete soll Polen als Entschädigung für die Provinzen erhalten, die es an Rußland abtreten muß. Deutschland muß des schlesischen Industriebeckens und auch des heinisch=westfälischen Industriegebietes und des Rubrgebietes beraubt werden. Die Fabriken des Ruhrgebietes dürfen nicht länger für Deutschland arbeiten.“ Deutschland soll ein Kartoffelacker werden. Das haben wir auch schon von anderer Seite gehört. Nun erfahren wir, daß auch Moskau auf dieses Ziel hinarbeitet, und zwar zusammen mit dem gaullistischen Frankreich. Die Antwort werden die deutschen Waffen geben. Und sie sind schon dabei. Es ist aber immerhin lehrreich für uns, daß keiner unserer Gegner einen konstruktiven Plan für das Nachkriegseuropa hat. Sie richten sich selbst durch ihre Unfruchtba keit. Brückenköpfe über die Ourthe gebildet St. Vith in konzentrischem Angriff gefallen— Neuer feindlicher Großangriff in Kurland Aus dem Führerhauptquartier, 22. Dezember. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: In Südbelgien wurden auch gestern alle Versuche des Feindes, unseren Angriff zum Stehen zu bringen, zerschlagen. Von den feindlichen Stützpunkten, die eingeschlossen hinter unserer Front zurückgelassen urden, ist gestern St. Vith im konzentrischen Angriff gefallen. Die Besatzung wurde gefangen genommen. Unsere Angriffsspitzen drangen weiter nach Westen vor und bildeten mehrere Brückenköpfe über die Ourthe. Im Raum Stavelot entwickelten sich schwere Kämpfe mit feindlichen Panzerkräften, die aus dem Raum Aachen herangeführt in unsere Nordflan'e zu stoßen versuchten. Auch im mittleren Luxemburg ist unser Angriff in gutem Fortschreiten. Durch überraschende Vorstöße schneller Verbände in rückwärtige Verbindungen erlitt der Feind schwerste Verluste. Unsere Erfolge in Belgien haben die feindliche Führung gezwungen, starke Verbände aus den bisherigen Angriffsfronten abzuziehen. Vor Aachen konnte der Gegner daher nur eine Reihe von vergeblichen Fesselungsversuchen führen, an der Saar mußte er so gar seine Brückenköpfe bei Dillingen und Ensdorf räumen, um weitere Truppen freizubekommen. Im Raum von Bitsch hat der Feind seine Angriffe nicht fortgeführt, nordwestlich Weißenburg wurde er aus einer Reihe von Bunkergruppen geworfen. Im Oberelsaß wird westlich Kayserberg heftig gekämpft. London udn Antwerpen lagen auch gestern unter stärkstem Beschuß. Am Kleinen St. Bernhard kam es zu örtlichen Kämpfen, die mit einem Mißerfolg der feindlichen Angreifer endeten. Nordostwärts Faenza in Mittelitalien haben die feindlichen Angriffe an Stärke achgelassen. Im Raum von Bagnacavallo gelang es dem Gegner erst nach zahlreichen schweren Angriffen unsere Truppen in einem schmalen Abschnitt auf das Nordufer des Senio zurückzudrücken. An Brennpunkten der Abwehrschlacht in Ungarn setzten die Bolschewisten ihre Angriffe mit starken fanterie= und Panzerkräften fort. Bei Stuhlweißenburg und östlich des Velencze=Sees wurden die feindlichen Angriffsgruppen nach geringem Geländegewinn durch Gegenangriffe unserer Panzer aufgefangen. 33 100 Menschen das Leben gerettet NSKK.-Sturmführer Loibl mit dem Ritterkreuz zum Kriegverdienstkreuz ausgezeichnet nsa. Wetter, 22. Dez. Auf der Befehlsstelle des Gaues Westfalen=Süd überreichte der Gauleiter dem NSKK.=Sturmführer Loibl das ihm vom Führer verliehene Ritterkreuz zum Kriegsverdienstkreuz mit Schwertern. Der Gauleiter gedachte in kurzen Worten der Verdienste des mutigen Sturmführers, der jeden Einsatz bei Terrorangriffen im Befehlspanzer des Gauleiters mitgefahren hat, der unter Einsatz der eigenen Person etwa 100 Volksgenossen das Leben rettete und dabei die höchsten Gefahren nicht achtete. Mit NSKK.=Sturmführer Loibl wurde ein Parteigenosse ausgezeichnet, der unter härtester Beanspruchung immer wieder das Gesetz der soldatischen Leistung und der nationalsozialistischen Kameradschaft erfüllt hat. Sein tapferer Einsatz soll, wie der Gauleiter sagte, für alle Beispiel und Ansporn sein. Ludwig Loibl ist in München am 6. Dez. 1914 geboren. Man fragt ihn danach gleichsam wie zur Bestätigung. Der Dialekt verrät den Bayern. Er ist Automechaniker geworden und später Soldat, aktiver Soldat von 1936—38. Man spürt das und sieht es auch, wenn er jetzt in der Frühe eines nebligen Wintermorgens in straffer Haltung vor dem Gauleiter steht, der ihm das Kreuz mit dem breiten Band umlegt. Sturmführer Loibl hat in Polen und Frankreich gekämpft. Im Westen wurde er schwer verwundet. Er ist Kriegskamerad des Gauleiters. Vielleicht ist dies die schönste Stunde seines jungen Lebens gewesen, und sie hat ihm all den Lohn und den Dank gebracht für jene Tage und Nächte, in denen ihn ein plötzlicher Befehl erreichte mit der Weisung, sofort hinzufahren in die Städte der Trümmer und des Brandes, auf die Straßen der Bombenkrater und der flammenden Häuser. Wie oft hat sich Skurmführer Loibl den Weg über meterhohen Schutt mühsam bahnen müssen, um an irgendeine Großschadensstelle heranzukommen. Wie oft hat er Stein um Stein weggeräumt, um den Eingang zu einem Keller zu finden, wo Menschen unter zerbrochenen Mauern vermutet wurden. Vielleicht haben dann am anderen Tage die Leute in der Zeitung gelesen: Dank der Soforthilfe der Einsatzbereitschaft der Partei gelang es, eine Anzahl Verschütteter zu bergen. Das liest sich leicht und ist doch schwer, und welches starke Herz sich hinter diesem Satz verbirgt, läßt sich nur ahnen. Jeden Einsatz ist der Sturmführer Loibl gefahren, nun hat der Führer sein stilles Heldentum sichtbar geehrt. Mit dieser hohen Auszeichnung wurden zugleich die Leistungen aller Einsatzbereitschaften der Partei in dem vom Luftterror so schwer heimgesuchten Gau Westfalen Süd anerkannt. Dr. Goebbels spricht Heiligabend Berlin, 23. Dez. Reichsminister Dr. Goebbels spricht zum Heiligabend am 24. Dezember, 21 Ihr, über den Großdeutschen Rundfunk zum deutschen olk. Gauleiter Bohle spricht zu Auslandsdeutschen Berlin, 22. Dez. Am Weihnachtsabend, dem 24. Dezember 1944, wird Gauleiter Bohle wie alljährlich über die Richtstrahler der deutschen Ueberseesender zu den Auslandsdeutschen und den Männern der deutschen Handelsmarine in aller Welt sprechen. Neue japanische Lufterfolge Tokio. 22. Dez. Flugzeuge des sapanischen Sonderangriffskorps griffen am 20. Dezember vor der Insel Mindoro feindliche Schiffe an und versenkten einen mittleren Transporter. Außerdem wurden in Luftkämpfen 10 feindliche Maschinen abgeschossen. In der Nacht zum 21. Dezember wurden erneut feindliche Schiffsziele und Stellungen in diesem Gebiet bombardiert, wobei ein Transporter in Brand geschossen und schwer beschädte munde In des Bucht von Leyte wurde ein mittlerer Transporter in Brand geworfen Ferner wurde ein feindliches U=Boot im Westpazifik durch Bombenvolltreffer versenkt. Mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet Berlin. 21. Dez. Der Führer verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Reichsmarschall Göring, das Ritterkruez des Eisernen Preuzes an Oberleutnant KKuhlwitz, Kompanieführer in einem Fallschim=Panzergrenadier=Rgt.— Oberleutnant Wilhelm Kuhlwitz ist am 17 8. 1919 in Hörde in Westf, geboren, ist ein alter Fallschirmjäger, der wegen Tapferkeit vor dem Feinde zum Offizier befördert wurde. feindliche Panzer wurden in diesen Kämpfen vernichtet. An der slowakischen Südgrenze konnten bewegliche sowjetische Kräfte östlich des mittleren Gran durch eine schmale Frontlücke in nördlicher Richtung Boden gewinnen. Bei Szeczeny und am oberen Sajo scheiterten feindliche Durchbruchsversuche bis auf geringe Einbrüche. Auch südlich Kaschau wiesen unsere Truppen stärkere Angriffe des Gegners ab. In Kurland trat der Feind in den Morgenstunden des gestrigen Tages südwestlich und südlich Frauenburg nach Trommelfeuer erneut zum Großangriff an. Zum dritten Male hielten unsere dort kämpfenden Divisionen dem Ansturm der Sowjets stand. Nur in einzelnen Abschnitten gelangen den Angreifern geringe Einbrüche, um die noch schwere Kämpfe im Gange sind. Deutsche Schlachtflieger unterstützten die Kämpfe des Heeres besonders im ungarischen Raum. Begleitende Jäger schossen 18 feindliche Flugzeuge ab. Weitere 56 Flugzeuge wurden durch Luftverteidigungskräfte über dem Kampfraum in Kurland zum Absturz gebracht. Britische Terrorflieger griffen Orte im westdeutschen Raum sowie im Ostfeegebiet an. Vor allem inTriet und Bonn wurden Wohngebiete stärker getroffen. Die Nordamerikaner warfen ohne Erdsicht Jomben in Süddeutschland. Ergänzend zum Wehrmachtbericht wird gemeldet: Die Besatzung des in der früheren Maginotlinie bei Bitsch gelegenen Werkes Schießeck hat unter der ührung von Oberleutnant Stender und Leutnant Reichenberg ein Beispiel unerschütterlicher Standhaftigkeit gegeben. Unter stärkstem Artilleriefener und schweren Luftangriffen verteidigte sie das Werk in tagelangem verbissenen Kampf gegen die fortgesetzten Angriffe der Nordamerikaner. Sie hielt auch dann noch, als bereits sämtliche Kampfanlagen zerschossen und die Mehrzahl der Mannschaften kampfunfähig geworden war. Nach Ausfall der Belüftungsanlage kämpfte sie 36 Stunden unter der Gasmaske. Sie hat damit wesentlich dazu beigetragen, daß die starken feindlichen Kräfte im Raum von Bitsch aufgehalten werden'onnten. In Südungarn haben sich Teile einer Panzerarmee unter Führung von Oberstleutnant von Rudno und das Gebirgsjägerregiment 99 unter Führung des mit dem Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz ausgezeichneten Majors Spindler in verbissenen Kämpfen zahlloser Umfassungsveruche starker sowjetischer Kräfte erwehrt und die Kraft der feindlichen Angriffe durch hes Standhalten gebrochen. Eine Million für das KWHW Berlin, 22. Dez. Reichsminister Dr. Goebbels empfing eine Abordnung der ½=Panzerdivision„Totenkopf", die als Zeichen der Verbundenheit zwischen Front und Heimat den Betrag von über einer Million RM für das Kriegswinterhilfswerk des deutschen Volkes überreichte. Dr. Goebbels dankte den ½=Männern und ließ sich ausführlich über den Verlauf der Kämpfe der Division berichten. Die Volksgrenadier=Division des Ritetrkreuzträgerz Generalleutnants Sensfuß sammelte in einer WHWSammlung 361 404 RM. Der Reichsführer# Himmler hat der Division seine Anerkennung ausgesprochen. Vom Sinn des Krieges Im Jahre 1932 begab sich ein junger norddeutscher Gelehrter, Christoph Steding, in die germanischen Randstaaten, um das politische Verhältnis zur Reichsgründung Bismarcks an den Quellen zu studieren. Er forschte in der Schweiz, in Holland, Dänemark, Schweden und Norwegen, durchblätterte monatelang Urkunden in den Archiven und Zeitungsbände und suchte nach dem Grund der allgemeinen Ablehnung— übrigens nicht nur in den kleinen europäischen Ländern, sondern nach anfänglicher Zustimmung auch in England. Darüber war das Jahr 1933 angebrochen. In Deutschland war Adolf Hitler an die Macht gekommen. Steding war ein eigenwilliger, wohl auch eigensinniger Kopf; er hatte seine Arbeit unbeeinflußt von politischen Meinungen schreiben wollen und hatte sich deshalb von allen Parteien ferngehalten. Er war auch nicht Nationalsozialist, wurde es nun aber bei seinen Forschungen, die durch den Umbruch in eine ganz neue Bahn gedrängt wurden. Er machte nämlich eine interessante Entdeckung: Während die germanischen Randstaaten den innerpolitischen Auseinandersetzungen des Reiches im allgemeinen zurückhaltend gegenübergestanden hatten, den Nationalsozialismus als Gegengewicht gegen den drohenden Kommunismus nicht unfreundlich behandelten, wechselten sie nun mit einem Schlage ihre Stellung. Sie wünschten sicherlich ein nicht zu schwaches Reich, aber das„andere“ Deutschland, das geistige, nicht das politisch erfüllte. Diese Ablehnung ging durch alle Parteien— genau wie 1871. Das veranlaßte Steding, die Grundlagen des Nationalsozialismus vom Ausland aus und die Parallele zum Bismarckschen Reich zu untersuchen. Er schrieb darauf nicht ein Werk über die Reichsfeindschaft der kleinen Länder, sondern über„Das Reich und die Krankheit der europäischen Kultur", ein Werk, das leider unvollendet blieb, weil sein Verfasser plötzlich starb, das aber trotzdem grundlegend für die politische Forschung auch der nächsten Jahrzehnte bleibt. Dem kühlen, vergrübelten Nordeutschen liegt jede romantische Reichsschwärmerei fern; er wertet die Tat Bismarcks, die seiner hannoverschen Heimat die politische Selbständigkeit kostete, nicht als die Erfüllung eines jahrhundertelangen Traums, sondern als eine Zweckmäßigkeit um der Existenz vieler Millignen willen, und ebenso nüchtern sieht er auch die politische Entwicklung der neuesten Zeit, die für ihn weniger die Verwirklichung einer gedanklichen Konstruktion als eine Notwendigkeit zum Fortbestand des deutschen Volkes und der europäischen Völkerfamilie ist. In 200 Jahren mag man es sonderbar emp daß die Einigung Deutschlands und Europas eis blem war. Denn sie ist lediglich die Fortsetzung was die Geschichte seit einem halben Jahrtausen bereitet. Am Rande unseres Kontinents emp Bewilligung von Lebensmittelzulagen Berlin, 22. Dez. Ein Anspruch auf die Bewilligung von Lebensmittelzulagen besteht nach wie vor nur bei Leistung bestimmter körperlicher Arbeiten und gleichzeitiger Erfüllung der zeitlichen Bedingungen Personen, die nur eine der beiden Voraussetzungen erfüllen, z. B. im allgemeinen Angestellte, kommen daher für die Zulagen wie bisher nicht in Betracht. Eine Siedlung für die KLV wurde in einem mit teldeutschen Gau eingerichtet Damit ist die Möglichkett gegeben, die im Rahmn der erweiterten Kinderlandverschickung aus den Luftnotgebieten verlegten Schulen geschlossen unterzubringen. Ernsthafte Unruhen sind Exchange Telegraph zufolge im ägyptischen Bezirk Keneh Nil ausgebrochen, über deren Hintergründe noch Unklarheit besteht. Von KKairo aus sind Polizeiverstärkungen abgesandt worden. Die liberale Partei Eruadors hat die Regierung aufgefordert. Schritte einzuleiten um die USA. zur Räumung der Galapagus und Salinasinseln, auf denen sie militärische Stützpunkte errichtet haben, zu veranlassen. Schwedisches Hoheitsgebiet wurde am Donnerstag abend erneut von angloamerikanischen Bomberformationen überflogen und damit die schwedische Neutralität wieder schwer verletzt. man es nicht so schmerzhaft und dringend, aber wir wissen, daß wir seit 30 Jahren in den Geburtswehen einer neuen Welt stehen. Steding spricht von einer Krankheit und fragt, ob sie zum Leben oder zum Tode führe. In der Tat deuten alle Symptome auf eine Krankheit. Seit dem Dreißigjährigen Krieg wurde Europa nicht mehr so von Wirren geschüttelt wie jetzt, und es hat oft genug so ausgesehen, als befände sich der Patient auf dem Sterbebett. Dieser Krieg, der nur ein Zeichen unter mehreren ist, hat längst den Rahmen einer Auseinandersetzung unter Ländern etwa um ein größeres oder kleineres Gebiet gesprengt. Dies ist vielmehr ein Ringen um die Werte des menschlichen Daseins überhaupt. Bindungen, die gestern noch als Existenzgrundlage angesehen wurden, sind heute inhaltslos und erhalten vielleicht morgen ihre alte Bedeutung zurück. Wie das europäische Gesicht einmal endgültig aussehen wird, kann noch niemand sagen, aber wir haben den zur Gewißheit gewordenen Glauben, daß aus der Unsumme von Schmerzen, Leistungen, Willensanstrengungen und Mutproben etwas Neues, Zukunftreiches geboren wird. Und das gibt uns die Kraft den Weg, der im Qualm brennender Städte bisweilen sinnlos erscheinen möchte, unbeirrbar weiterzugehen. Es liegt im Wesen des Neuen dem Hergebrachten unbequem zu sein, und wer das Neue nur um seines noch unerprobten Daseins willen einführen möchte, handelte gewiß nicht recht an den Völkern, die es vervirklichen müssen; eine Revolution hat nur dann Sinn, wenn sie einen unhaltbaren Zustand zu beseitigen hat. Mag man auch heute die Frage aufwerfen, ob sich die Menschheit bei weiterer Entwicklung der Technik nicht selbst ausrotten wird, und mag das Wort vom letzten Bataillon, das den Sieg gewinnt, auch einen nicht nur entschlossenen sondern auch düstern Sinn haben, so hätte es ohne den Durchbruch des neuen Geistes in einem Menschenalter kein Europa mehr gegeben. Es war 1933 nur eine Frage von Monaten, bis Politik und Wirtschaft aus ihren alten Bahnen geschleudert waren; die alten Spielregeln waren nur noch Selbsttäuschung. Die These eines Karl Marx, daß es nur noch Millionenmassen Ausgebeuteter und eine Handvoll Ausbeuter gebe, schien vor der unmittelbaren Verwirklichung zu stehen. Die soziale Frage, seit 80 Jahren übersehen, von der bürgerlichen Vorstellung jetzt auch nicht mehr zu lösen, war indessen nur die eine Seite. Sie bedrohte aber auch das geregelte Zusammenleben der Völker. Für keinen der Kriegsbeteiligten außer Deutschland, das sich seiner Haut wehren mußte, handelte es sich, 1939 um eine Lebensfrage. England glaubte wie die USA. in den Krieg gehen zu müssen, weil ein Gleichgewicht gefährdet war, das in Wirklichkeit längst nicht mehr bestand, da sich in das Gewicht der Völker ein neues Moment eingeschoben hatte, mit dem die Torry=Politik nicht rechnen wollte. Wenn sich unsere Gegner heute in ihren Haßparolen überschlagen, so wissen wir sehr wohl, daß sie ihre Absichten nicht verwirklichen können; sie meinen es aber ernst damit. Denn sie glauben, mit dem deutschen Volk auch das Problem entfernen zu können, an dessen Lösung die britischen Plutokraten sich überhaupt nicht und Rosevelt sich vergeblich versucht haben. So stellt sich unsere Zeit als ein doppeltes Problem dar: sie muß einerseits die Schlacken einer abgestorbenen Welt ausräun Neuen zum Licht verhe eines Menschen unter geht, um wie vieles Geburt eines necen Jhrtäusends sein! Die Zukunft wird uns Aufgaben stellen, deren Größe wir jetzt erst ahnen, und die Geschichte wird den Sinn dieses Krieges zu einem guten Teil sicherlich als Schule für die Entfaltung der Leistungsmöglichkeiten deuten. Mag es im Zeichen des Luftkrieges oft genug auch sinnlos erscheinen, eine Bahn wieder herzustellen, die in der nächsten Woche aufs neue zerstört wird, mögen die betroffenen Familienangehörigen auch fassungslos vor den Leichen ihrer erschlagenen Väter, Mütter und Kinder stehen, mag das in Jahrhunderten Erworbene in einer Nacht in Rauch aufgehen— keine Leistung und kein Opfer ist umsonst. Wir glaubten uns schon nach dem ersten Weltkrieg, nach Inflation und Arbeitslosigkeit geläutert, und ein gesicherter Friede wäre auch für das /hart geprüfte arbeitsame Volk gewiß nicht ungerecht gewesen, aber eine höhere Macht befiehlt uns, noch tiefer in das eigene Wesen hinabzusteigen, uns noch mehr überkommener Dinge und Formen zu entäußern. Niemand wünscht sich in eine solche Zeit, aber wie sich der Mensch nicht seine Eltern aussuchen kann, so hat er auch keine Macht über die Zeit seines Daseins. Er hat jedoch die unabdingbare Aufgabe, sie zu gestalten, dem Ziel, das Geschichte und gegenwärtige Tatsache zeigen, entgegenzustreben und dadurch Sollen und Wollen in Einklang zu setzen. Dies Weihnachtsfest wird in Hunderttausenden deutscher Familien anders sein als alle seine Vorgänger. Es gibt viele Heimatlose, viele werden diesmal keinen Weihnachtsbaum haben, vielleicht nur einen Tannenzweig, vielleicht auch den nicht einmal. Eine Stunde der Besinnung wird sich aber jeder am Heiligen Abend gönnen, sei es auch nur, um Zwiesprache zu halten mit den andern, die nicht mehr sind. Dann mag manchem diese Stunde als Endpunkt und nicht als Anfang erscheinen. Der Schmerz ist heilig, weil er fruchtbar ist. Weihnachten ist immer Endstation, das Jahr steht auf seinem tiefsten Punkt. Und doch feiern wir es als Fest des Lichtes, eines Lichtes, das wir in unsern Herzen anzünden in der begründeten Hoffnung, daß es nach dem Tiefstpunkt wieder einen Anstieg gibt. Wie mancher mag in diesem Herbst geglaubt haben, daß ihm nur noch ein tapferes Sterben übrig bleibe, wie mancher hat die bedrohliche Annäherung des Feindes mit der Frage begleitet, wie lange wir den Ansturm noch aushalten könnten! Das war durchaus nicht immer bängliches Zagen, sondern eine berechtigte Frage bei der Not des Reiches. Wir haben nicht auf tüchtige Verbündete warten können. Im Gegenteil. Europa sah auf uns, erwartete trotz so oft bekundeter Abneigung von uns die Befreiung des Kontinents. Der Feind aber zerrte an unsern Lebensadern, suchte Front und Heimat zugleich zu zermürben. Heute sehen wir den Anfang der Belohnung für das tapfere Aushalten. Die schwärzeste Dunkelheit ist bereits überwunden. Wie war das möglich? Heute können wir nur die eine Antwort geben, daß jedem ein neuer Tag scheint, der die Nacht übersteht. Vor dem Glauben verblaßt die Aufrechnung der eigenen und der feindlichen Möglichkeiten, er entbindet Kräfte, die äußerhalb der menschlichen Berechnungsmöglichkeit liegen. Die Welt könnte zu ihrer Existenz sicherlich manches Volk entbehren, nicht aber das deutsche, das berufen ist, der Menschheit die verloren gegangenen Sterne wiederzuholen. Dieser Gedanke hat uns immer wieder aufgerichtet. Wir haben weder 1939 noch 1948 gefragt, wie oft wir noch Kriegsweihnachten feiern müssen. Wir tun es auch heute nicht. Vielleicht kommen noch weitere Enttäuschungen, vielleicht ist die Zeit der Läuterung noch nicht beendet, vielleicht auch sind wir dem Siege näher, als wir ahnen. Wir wissen, daß wir mit dem Licht zunehmen, und daß keine noch so dicke Eisschicht den Bach an seinem Lauf hindern kann, wenn seine Zeit wiedergekommen ist.—ff. Berliner Bilderbogen Von Nah und Fern Münster. Wissenschaftliche Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen. Nach Mitteilung der westfälischen Landesuniversität konnte die im November vorgesehene wissenschaftliche Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen nicht abgehalten werden Statt dessen beabsichtigt die Universität, diese Prüfung im Laufe des Januar abzuhalten, und fordert alle Kandidaten und Kandidatinnen, die ihr Staatsexamen vor der Prüfungskommission in Münster ablegen wollen, auf, sich umgehend mit dem Dekanat der Philosophischen und Naturwissenschaftlichen Fakultät Münster(Westring 20) persönlich oder schriftlich in Verbindung zu setzen. Datteln. Tödlicher Verkehrsunfall und Fahrerflucht. Auf der Horneburger Straße in Erkenschwick wurde ein Wehrmachtsangehöriger, der auf seinem Fahrrad von Datteln kam und in Richtung Recklinghausen fuhr, von einem ihm entgegenkommenden Lastkraftwagen schwerer Bauart angefahren und auf der Stelle getötet. Die Kriminalpolizei fahndet nach dem Fahrer. Rheine. Aus dem fahrenden Omnibus gesprungen. Auf der Landstraße Elte—Mesum sprang ein junges Mädchen aus Rheine aus dem fahrenden Omnibus, um sich den weiten Weg von der nächsten Haltestelle zum elterlichen Behelfsheim zu ersparen. Dabei kam das Mädchen so unglücklich zu Fall, daß es eine schwere Kopfverletzung erlitt und in das Krankenhaus eingeliefert mußte. Hattingen. In der Dunkelheit überfahren und geDer in der Nähe des Bahnhofs wohnende Reichsschreiner E. B. verließ in der Dunkelheit während Fliegeralarms seine Wohnung und betrat dabei Gleisstrang der Straßenbahn, ohne zu, beachten, ein aus Luftschutzgründen vollständig verdunkelter Motorwagen herankam. Der Mann wurde überfahren und sofort getötet. Breidorf. Tod im Brunnenschacht. Als der Bauer Johann Lindemann nach der Ausschachtung eines Brunnens noch einmal in den tiefen Schacht stieg, stürzten plötzlich die Wände ein, und der Bauer wurde unter den Erdmassen begraben. Der Perunglückte konnte nur noch als Leiche geborgen werden. Husum. Die ersten Heringe sind da! Die Fischer der schleswig=holsteinischen Westküste sind jetzt zum größten Teil zum Heringsfang ausgefahren. Die ersten diesjährigen Heringe, die sogenannten Spitzen, konnten bereits in größeren Fängen eingebracht werden. Brünn. Absturz einer Artistin. Bei einer Abendvorstellung im Zirkus Henry in Brünn ereignete sich beim Auftreten der Artistengruppe Avati ein Unglück. Die jüngste der Schwestern dieser Gruppe stürzte vom oberen Ende einer drei Meter hohen Stange ab, die ein Mitglied der Gruppe auf der Stirn balancierte, und zog sich dabei eine schwere Rückgratverletzung zu. Ein unbekannter Zuschauer erlegte bei der Kasse des Zirkus zur Deckung der Heilkosten der jungen Artistin 10 000 Kronen. Eisenach. Stromentzug für Berdunkelungssünder. Einem gewissenlosen Verdunkelungssünder wurde auf unbestimmte Zeit der elektrische Strom entzogen, weil er während der Verdunkelungszeit in seiner Wohnung Licht gebrannt und zwei Fenster nicht verdunkelt hatte. Außerdem hat er noch eine Geldstrafe zu erwarten. Oslo. Mit 93 Jahren noch Schriftsteller geworden. Ein 93 Jahre alter norwegischer Fischer, Nils Djupevaag aus Dolmen, ist nach einem Leben voller Arbeit auf und an der See Schriftsteller geworden und hat sein Erstlingswerk über das Leben der Fischer geschrieben, das in diesen Wochen erscheinen wird. Polsum. Etwa 40 Uhren gestohlen. Aus dem fliegergeschädigten Hause eines Juweliers wurde ein Koffer mit etwa 40 Herren= und Damenarmbanduhren gestohlen. Außerdem befanden sich in dem Koffer je ein Karton mit goldenen Armbändern verschiedener Art, mit goldenen Öhrringen, mit goldenen Halsketten, wie auch einige Herren= und Damenringe. Die Uhren waren zum größten Teil in Reparatur gegeben. Dem Diebe ist man bereits auf der Spur. Von unserer Berliner Vertretung In dem Dämmerlicht des frühen Morgens gingen die Männer und Frauen vom Potsdamer Platz her durch die Leipziger Straße zu ihren Arbeitsstätten. Sie waren noch nicht ganz ausgeschlafen und merkten nicht, daß zwischen, ihnen ein Hund mittrottete, kein sonderlich hübsches, aber ein ganz ansehnliches Tier, halbhoch, mit schwarzem Rücken und braunen Beinen, von der verbreiteten Rasse der Promenadenmischung. Mit hängendem Kopf trabte das Hundchen im Menschenstrom mit, solange unbeachtet, bis ein Soldat der Luftwaffe in der Höhe der Porzellanmanufaktur es anhielt und nach seinem Herrchen fragte. Es konnte die Frage nicht beantworten, weil es sie mit seinen Hundeohren nicht verstand, freute sich aber augenscheinlich, endlich von einem Menschen angesprochen zu werden. Gleich bewies das Tier seine Dankbarkeit, indem es sich dem Soldaten anschloß. Die beiden neuen Freunde gingen nun nebeneinander her und unterhielten sich recht angeregt. Der Soldat sprach auf den Hund ein, beugte sich ab und zu herunter, streichelte ihn und kraulte ihm das Fell, und der Hund, offenbar durch Zärtlichkeit nicht verwöhnt, wedelte froh mit seinem Schwanz. An der Ecke, wo der Flügel des Reichsluftfahrtministeriums scharf rechtwinklig abbiegt, wollte der Luftwaffenmann, den sein Dienst in das Ministerium führte, den vierbeinigen Begleiter verabschieden. So schnell, meinte der Hund, kann eine junge Freundschaft nicht zu Ende sein, und ging mit um die Ecke. Er blieb auch bei dem Soldaten, als dieser ihn höflich, aber nun schon energischer bat, seinen Weg fortzusetzen. Die beiden gingen ein paar Schritte, blieben stehen, unterhielten sich, gingen weiter, blieben wieder stehen. Zuletzt siegte die Ausdauer des Hundes. Der Soldat verzichtete auf weitere, bei der Anhänglichkeit des Tieres doch vergebliche Einsprüche und nahm das Hundchen mit in das RLM., wo es einen neuen Herrn und ein neues Heim gefunden hat. Sie waren ununterscheidbare Zwillinge, die beiden vierjährigen Steppkes, die mit der Mutti in die Straßenbahn stiegen. Vielleich trug der eine nur deshalb einen Rucksack, damit ihre Mutter sie auseinanderhalten konnte. Der Wagen war voll besetzt bis auf einen Platz auf der Längsbank, der durch die vorspringende Rückwand der angrenzenden Querbank die eigenen Hühneraugen vor den Füßen der drängelnden Fahrgäste schützt. Dort setzte sich die Mutter hin und nahm den einen Sohnemann auf den Schoß, der müde die Augen schloß. Der andere, der mit dem Rucksack, räkelte sich stehend gegen die Rücklehne der Bank, die Hände in den Hosentaschen, und machte ein pfiffiges Gesicht. Mutti, auf die gute Haltung des Kindes bedacht, herrschte ihn an:„Stell' dich doch anständig an, Horst!“ Ihr Sprößling erwiderte mit unnachahmlicher Gebärde und ganz gelassen:„So stehen alte Männer immer“. Dazu verzog er, ein fabelhafter jugendlicher, Schauspieler, sein Gesicht und wurde wirklich ein griesDer Rundfunk zu Weihnachten Montag Reichsprogramm: 8,50—9,00:„Sing und jubiliere, Weihnachtsnachtigall!“ eine Morgenmusik mit den Wiener Sängerknaben, Spielschar der Hitler=Jugend, einem Kommerorchester u. a. 9—10: Unser Schatzkästlein (Wiederholung vom 24. 12.). 11—11,80:„Es hat sich heut eröffnet, das himmlische Tor“, ein Kinderliedersingen. 12,40—14: Mittagskonzert mit deutschen Spitzenorchestern. 14,15—15:„Hänsel und Gretel“, Märchenspiel von Franz Weichenmayr. 15—15,45: Schöne Stimmen und„bekannte Instrumentalisten in weihnachtlichen Liedern und Solistenmusik, 15,45—16: Verschneiter Weg, weihnachtliche Lyrik, gesprochen von Heidemarie Hatheyer und Ewald Balser. 16—18: Was sich Soldaten wünschen, ein bunter Weihnachtsteller. 18—19: Unsterbliche Musik deutscher Meister, Weihnachtsoratorium von Joh. Seb. Bach. 22,15—24: Schöne bunte Noten zur Tageswende. grämiger alter Mann. Der blieb er auch, wie er seinen Mund spitzte„als ob er pfeifen wolle. Es kam zwar kein Ton über seine Lippen, aber die Mimik täuscht. naturgetreu das Pfeifen vor.„Aber Horst, das sollst du doch nicht!" Mit diesen altbekannten und selten wirksamen Worten versuchte die Mutter vergebens, den Sohn zur Ordnung zu rufen. Was mag in dem kleinen Verstand vorgegangen sein, als er, seine Haltung noch um einige Grade schärfer charakterisierend, sich langsam zur Mutti wandte und laut sagte, so daß der ganze Wagen es hörte:„Kleinen Jungen macht ja keiner Platz, vielleicht steht jemand vor' nem alten Manne auf!“ Das unbändige Gelächter, das seinen aus kluger Beobachtung stammenden Worten folgte, erschütterte den Dreikäsehoch nicht im geringsten. Er spielte weiter den alten Mann, ein großes Talent, dem man später einmal an einem Ort begegnen möchte, wo seiner unzweifelhaft vorhandenen Begabung bedeutendere Aufgaben gestellt werden. Eigentlich heißt er der Königsplatz und ist in dem an repräsentativen Großräumen keineswegs armen Berlin einer der schönsten. Er spannt seine mächtige Fläche zwischen dem Reichstagsgebäude und der grünen Kulisse des Tiergartens. Vor achtzig Jahren gab man ihm den Namen, den er jetzt wieder führt, nachdem das Zwischenspiel der bilderstürmenden Systemzeit, die aus ihm einen„Platz der Republik“ zu machen versuchte, ins Wesenlose, versunken ist. Der Gründer des Zweiten Reiches, der dort auf marmornem Sockel hochgereckt in Erz gegossen stand, konnte sich gegen dies Sakrilege nicht wehren. Bismarck schlief längst im Sachsenwalde. In den acht Jahrzehnten hat der Königsplatz die politische Geschichte Deutschlands, häufig als Mittelpunkt, miterlebt. Er sah die Versammlung der Verbände vor dem Einzug der siegreichen Truppen durch das Brandenburger Tor nach dem deutsch=französischen Kriege. Auf seinen Rücken fielen die Hammerschläge bei der Grundsteinlegung des Wallotbaues, an der das ganze vergangene kaiserliche Regime in einer Prachtentfaltung sondergleichen teilnahm. Das Haus wuchs, das die Inschrift trug:„Dem Deutschen Volke“, und es war die größte Tragikomödie, als dieses selbe Volk im Januar 1920, von seinen Verführern auf den Platz zur Demonstration für das Betriebsrätegesetz gerufen, aus den Fenstern seines Hauses blutig zusammengeschossen wurde. Tote, die der deutschen Politik den Stempel ihrer Persönlichkeit in gutem oder schlimmem Sinne aufgeprägt hatten, traten vom Königsplatz aus ihre letzte Fahrt an. Eine gewaltige Feuerlohe sprang von ihm empor zum Himmel, als das deutsche Volk sich aus Bedrückung und Not befreit hatte und am Abend des 30. Januar 1983 die Berliner SA. ihre Fackeln auf dem Königsplatz zusammenwarf. Im neu zu gestaltenden Berlin ist ihm eine besondere Aufgabe vorbehalten: er wird das Riesengebäude tragen, das festliche Haus, in dem das Volk seine machtvollen Kundgebungen feiert. Dienstag Reichsprogramm: 9—10:„Du holde Kunst", eine Huldigung an die Musik mit Melodien von Schubert, Händel, Haydn, Beethoven u. a. 11—11,30: Vom großen Vaterland:„Wintermärchen vom deutschen Wald“, eine Hörfolge von Adreas Reischer und Carl Watzinger. 15,30—16: Unsterbliches Wort deutscher Meister, Winterliche Fahrt, Verse und Prosasätze von Goethe, Mörike, Nietzsche, Storm u. a., Sprecher Horst Caspar und Max Eckard. 16—17: Klangvolle Neuigkeiten, das Deutsche Tanz= und Unterhaltungsorchester spielt. 18 bis 19: Konzert der Wiener Philharmoniker, Klavierkonzert a=moll von Grieg und Sinfonie h=moll von Schubert. 20,15—22: Achtung, aufgepaßt! Große Melodienfolge aus Oper und Konzert. Deutschlandsender: 14,15—15:„Des Teufels goldene Haare“, Märchenspiel nach Grimm von Wilhelm Grasegger. 16—16,40: Die Wiener Sängerknaben singen. 17,15—18: Meisterwerke deutscher Kammermusik. Schlittenfahrt nach Hohenleiten Geschichte einer Bergbauernweihnacht von Eduard Steiner Die Bäuerin heult. Die Ehalten schleichen gedrückt herum. Kein munteres Wort seit Wochen. Zum Donnerwetter, wer hält es da noch aus! Es litt den Hohenleitner schließlich nicht mehr auf dem Hof. Er zog die hohen Stiefel an, warf die Lodenkotze über und ging, ohne Ziel, in der Morgendämmerung talwärts. Die wilde Jagd war heute Nacht durch den Bergwald gebraust, und man hatte deutlich das Getümmel der Meute gehört und den grellen Zuruf des Jägers in hoher Luft. Vor Tagesanbruch war der Sturm, der neuen Schnee gegen Haus und Scheune geworfen hatte, schlagartig abgestorben und jetzt sah es so aus, als zöge ein sonniger Tag durch das Gebirge. Wie vergoldet war der Kamm der Duxer Höhe, indes die Waldkuppen ringsum noch in der Düsternis eines trüben Morgens verharrten. Unter den schweren Tritten des alten Bauern seufzte der Schnee und blieb dort, wo dieser knietief oder gar bauchtief in die Wächten sank, in feinen Kristallen am struppigen Haar der Kotze haften. All das ließ den Hohenleitner kalt, das Stillewerden der Natur und ihr geheimes Reifen unter dem Schnee. Mit teilnahmslos zu Boden gerichtetem Blick stiefelte er den verwehten Ziehweg hinunter. Was gen. Zuerst fünf Dirndl. Dann, als Nachzügler, zwei Weile weg vom Berghof und dem Schmerz und der Trauer, die dort zum bleibenden Gast geworden sind. Sieben Kinder hatte die Hohenleitnerin großgezo wollte er eigentlich im Dorf? Garnichts. Nur eine Buben, den Michl und den Hias. Der Michel ist 1940 in Frankreich geblieben. Dann ist die Sophie, die als einzige der Töchter noch nicht weggeheiratet hatte und die Stütze der Mutter in Küche und Stall war, an einer Lungenentzündung gestorben. Bald darauf fing der Hias, der an Stelle des gefallenen Aeltesten den Hof übernehmen sollte, mit der Rosl, der Magd, eine Liebschaft an. Es gab Krach mit den Eltern, die es nicht dulden wollten, daß ein Hohenleitner von der Hoftradition, eine reiche Bauerstochter zu heiraten, abweiche. Der alte Hohenleitner blieb sinnend stehen.— Hatte er es seinerzeit nicht als glückliche Wendung empfunden, als der Hias den Gestellungsbefehl bekam, und die Rosl, die ohne ihn nicht auf dem Anwesen bleiben wollte, zum Mareis nach Oberau hinüberwechselte? Nun könnte alles wieder richtig werden, so hatte er damals geglaubt. Der Hias aber besaß den Starrsinn der Hohenleitner und kam nicht zu der erwünschten Besinnung. Er mied den elterlichen Hof und ließ sich im letzten Urlaub ohne Zustimmung des Alten mit der Rosl kriegstrauen. Wenn man seine Frau nicht als solche anerkenne, so hatte er nachhause geschrieben, möge mit dem Hof geschehen, was man für gut halte. er werde sich mit dem Pflichtteil schon durchs Leben schlagen. Lange hatte der Hohenleitner an dieser harNuß gebissen, und es bedurfte eines hartnäckigen „ihn zu einem Brief zu billigte. Der Brief kam als unbestellbar von der Front zurück. Das war im August. Seitdem ist keine Nachricht mehr vom Hias eingetroffen. Solche Häufung des Unglücks lastete schwer auf den Hohenleitnern. Zwar trugen sie das Leid nicht sichtbar zur Schau, je mehr sich aber das Weihnachtsfest näherte, desto stiller wurde der Bauer und destomehr begann der Mutterschmerz die Bäuerin zu überwältigen. Gestern mittag hatte sie die letzte Beherrschung verloren. Sie könne heuer keinen brennenden Baum in der Stube sehen, keuchte sie, und ein wildes Schluchzen durchzuckte, den zerarbeiteten Körper. Sie wisse nicht, wie sie den Heiligen Abend überleben solle. In“ schweren Träumen hat sie in der darauffolgenden Nacht nach den Buben gerufen und den Hohenleitner ein über das andere Mal aus dem Schlaf geweckt. „Bleibt uns denn gar nichts erspart?“ Mit heißen, bittern Worten stieß der Altbauer diese Anklage in den stillen Frieden des Bergwaldes und schlug im Ingrimm seiner Stimmung mit dem Stecken in die weißbestaubten Haselstauden, daß sie plötzlich kahl und mit verwundeter Rinde dastanden. Wofür hatte er denn zeitlebens geschuftet, wenn keiner mehr da ist, der seinen Namen trägt? Im Hader mit sich und dem Schicksal trottete er wie ein Traumwandler ins Taldorf. Zu ungewohnter Stunde und als einziger Gast trank er beim Börenwirt ein Glas Bier. Als er sich wieder zum Gehen schickte, verriet ihm der Wirt, daß die Rosl vor sechs Wochen Mutter geworden sei. Der Mareis habe es ihm berichtet, der sie trotz des Kindes als tüchtige Schafferin auf dem Hof behalten wolle. „Stimmt das, was du da sagst?“ forschte der Hohenleitner mit weit aufgerissenen Augen und packte den Wirt unsanft beim Arm. Der Bärenwirt blickte erschrocken den Bauern an. Er wußte von dem seinerzeitigen Zerwürfnis zwischen Vater und Sohn.„Iw kann nur wiederholen, was mir der Mareis erzählt hat." Da warf der Hohenleitner einen Geldschein auf den Tisch und rannte ohne Hut aus dem Schankraum. Bis zum Hundsgraben lief er, von dem aus die Holzschleife bergan steigt, und hielt auch dort nicht inne. Er achtete nicht des schweren Atems, mit dem er den beschwerlichen Weg überwand, und nicht des Schwei ßes, der ihm in den Nacken rann. Auf dem Hof ließ er sich nicht Zeit, ins Haus zu treten, sondern rief schon vom eisüberkrusteten Brunnen aus dem Ukrai ner zu:„Sergej, den Schlitten raus!“ Während der Knecht in die Remise eilte, führte er die beiden Haflinger aus dem Stall, legte ihnen das Kummet mit den Glöckchen um und spannte sie vor den Schlitten, auf den er mehrere Roßdecken warf. Ehe Sergej fragen konnte, was los sei, war der Bauer eingestiegen und hatte die Pferde in Richtung zur Duxer Schneide in Trab gesetzt. Schon warf die Dämmerung lange Schatten über Angst um ihn vergaß die Hohenleitnerin den Gram, der ihr am Herzen fraß, und horchte immer wieder in den Abend hinaus. Endlich drang Schellengeläut von der Schneide herab und hald wurde die zierliche Silhouette des Schlittens erkennbar. Neben dem Alten saß, tief eingehüllt, eine Frau. Da bogen die Pferde mit rauhreif=überzogenen Nüstern dampfend in den Hofraum ein. Die Schwiegertochter gab der Hohenleitnerin verlegen die Hand; in ihrem Schoß schlief, wie ein Eskimo vermummt, der kleine Peter. Mit einem beglückten Leuchten in den tränenfeuchten Augen drängte die Bäuerin die Rosl zum Aussteigen. Dann nahm sie das zarte Bündel in die Arme und schritt neben der Schwiegertochter und dem Bauern, der eine frischabgeschnittene Jungtanne unter dem Arm geklemmt hielt, ins Haus, in die Stube. In stiller Besinnung saßen sie dort beisammen. Keiner von den dreien sprach ein Wort, von dem, was war und das seit heute keine Gültigkeit mehr hatte. Aus der alten Hohenleitnerwiege starrte der kleine ins den Hof. Der Bauer war noch nicht zurück. In der Es wächst doch! Es war wie ein"Erwachen aus einem schweren Traum. Der Weg führte uns dienstlich außerhalb der zerstörten Stadt durch die Felder zu einem kleinen Dorf. Es war eigentlich nicht das, was man einen schönen Tag nennt. Dicker Nebel hing über der Landschaft, von keinem Windhauch bewegt. Die Dinge sahen sich wie durch einen Schleier an, und jedes für sich schien noch mit einem Leinentuch umgeben. „Das rechte Wetter Für Tiefflieger, sagte grimmig der Begleiter.„Heute sollten sie nur kommen; da würden sie alle vor einen Berg bdor einen Baum rennen.“ Sie kamen natürlich nicht und ersparten es uns, Ausschau zu halten. Hinter uns blieb die geschundene und geschändete Stadt zurück. Das ließ freier atmen; wir hatten nicht mehr ständig den Anblick verkohlter Balken und geschwärzter Mauerstümpfe vor uns, sahen nicht mehr die Frauen und Kinder mit einem Topf voll Essen durch die verschlammten Straßen hasten, und für zwei Stunden wenigstens konnte man sich in einem andern Lande wähnen, Wunsch mit Wirklichkeit vertauschen oder vielmehr in einer andern Wirklichkeit leben. Auch die Nebellandschaft kann schön sein. Man hatte davon gelesen! Bei Löns, Storm, der Droste. Da waren die Wände des wohlig durchwärmten Zimmers zurückgewichen, das elektrische Licht war zur Sonne geworden, die mit den Nebelschwaden kämpft, der Weidenstrauch war zu einem Fabelwesen mit wunderlichen Formen geworden. Das erlebten wir jetzt. Und doch anders, als es der Dichter darstellt oder vielmehr: anders, als wir es beim Dichter gedeutet hatten. Man denkt in diesen Zeiten realistischer, ist der Romantik gegenüber skeptisch geworden. Und doch, mochte es nun die angestrengte Arbeit der letzten Tage sein oder das Gefühl der Befreiung, endlich wieder einmal wachsende Natur zu sehen, jedenfalls ließen wir uns willig treiben. Eine Gruppe Pappeln erschien uns wie von Silber übergossen, die Stämme der Ulmen dämmerten Peter mit erstaunten Augen in die ersten Weihnachtslichter seines kaum begonnenen Daseins. Noch ein Geschenk hatte die Rosl mitgebracht: Ein Telegramm, daß der Hias vor wenigen Tagen verwundet in ein Wiener Lazarett eingeliefert worden sei. Der Bub lebt! Eine schweigsame, aber schöne Freude kam über die Hohenleitner=Leute. Keiner brauchte ein Wort zu sagen. Sie dachten alle dasselbe und was auf den harzduftenden Zweigen brannte, wirkte in der großen dunklen Bauernstube wie kleine Sonnen. Noch mehr ergriff die Feierlichkeit der Ruhe und des Dankes von ihnen Besitz, als sie nach der Bescherung des Gesindes auf ein Weilchen in die Winternacht traten. Ihr Rauschen und Ruhen und Wiedererwachen erschien den Dreien wie ein Spiegel des eigenen Geschickes. Unter dem Leichentuch des Schnees keimt eine neue Saat dem Frühling und der Reife zu und droben in der Kammer schlummert zur gleichen Stunde einer einem Leben entgegen, das er als Hohenleitner dereinst dem Berghof widmen wird. schwarz auf weißem Hintergrund, während ihre Kronen sich in der Unendlichkeit zu wölben schienen. Wie unter einem schützenden Dach lagen die Felder und Wiesen, und die Weite schien sich wie die Brust eines schlafenden Menschen zu heben und zu senken. Frieden atmete diese Landschaft, nichts Dämonisches, Schreckhaftes. Die vermummten Sträucher und Bäume waren keine Ungeheuer, die jeden Augenblick aus der weißen Hülle hervorspringen und sich auf den Wanderer stürzen konnten, sondern Wesen, in denen Leben rann, jetzt ein wenig langsamer als im Sommer, das Abbild der tätigen Ruhe. Und dann sahen wir etwas, das uns in der Tiefe erschütterte. Eigentlich nichts Besonderes. Wir hatten es tausendmal gesehen, uns allenfalls seines stillen Reizes gefreut, waren aber nie von dem Ungewöhnlichen des Lebens so unmittelbar angerührt worden. Ein Kornfeld lag an der Straße, Roggen, etwa handhoch. Der Nebel ließ immer den Blick so weit frei, daß er die sauber gesäten Reihen zwei Steinwürfe weit. verfolgen konnte. Dicht an dicht standen die Pflänzchen in ihrem hellen Grün, das sich in der Weite ins milchig Weiße verlor. Wer aus einer zerschlagenen Stadt kommt, denkt nicht an die Lerche, die hier einmal ihr Nest haben wird, der denkt an die vielen tausend Flugzeuge, die schon über diesen Acker gezogen sind, an die Zehntausende von Zentnern Bomben, die sie über ihn hinweggetragen haben. Dieser Acker aber hatte keine Wunden. Auch er hätte umgewühlt sein können wie so viele andere auch. Aber soviel Bomben hat der Feind nicht, daß er uns alle Felder verwüsten könnte. Vielleicht fliegen noch viele Flugzeuge über dieses Feld, sicherlich wird noch manches Haus in Trümmer zusammenfallen. Aber das Feld lebt, es reckt seine grünen Lanzen zum Himmel, einmal werden hier Halme stehen, die uns willig ihren Segen schenken. „Es wächst doch“, murmelte unser Begleiter. Das Leben ist stärker als die Verwüstung.—ff. Sadtsoet Heilige Nacht Der Himmel kleidet sich in seine Sterne: sieht, wie er blau aus allen Rändern bricht; zur Nähe neigt nun innig sich die Ferne, in allen Dingen ist das junge Licht: so wie ein Stern, in dir, in deinen Sinnen ist jene Blüte Christi aufgeblüht, und leuchtend wächst ein Lächeln ganz aus Innen, das langsam immer tief're Kreise zieht. Denn Gottes Atem ist in dieser Stunde: er kam, so wie der Tag in's Dunkel rinnt; die Himmel sind wie Hauch vor seinem Munde, er kam und lächelte: und war ein Kind. Ingeborg Kölling. Wo melden sich Geschädigte? Deutsche Staatsangehörige, die infolge eines Angriffs auf das Reichsgebiet oder eines besonderen Einsatzes der-bewaffneten Macht Schaden an Leib oder Leben(Personenschaden) erleiden, und eren Hinterbliebene erhalten auf Antrag Fürsorge und Versorgung nach der Personenschädenverordnung in Verbindung mit dem Wehrmachtfürsorge= und=versorgungsgesetz und dem Einsatzfürsorge= und=versorgungsgesetz. An Fürsorge= und Versorgungsleistungen kommen beim Vorliegen der Voraussetzungen insbesondere in Frage: a) für Beschädigte: Heilfürsorge, Versehrtengeld und für Arbeitsverwendungsunfähige AVU=Rente. b) für Hinterbliebene: Bestattungsgeld, Witwen=, Waisen= und Elternrente. Ferner wird den Eltern für gefallene Söhne und Töchter die Elterngabe gewährt. Personen, die infolge eines Personenschadens die Sicherung des notwendigen Lebensbedarfs verlieren, erhalten als Umstellungsbeihilfe Familienunterhalt nach den Vorschriften des Familienunterhaltsrechts. Da die Zahlung der Fürsorge= und Versorgungsbezüge für Beschädigte erst vom Antragsmonat ab erfolgt, ist es wichtig, die Anträge rechtzeitig zu stellen. Die Zahlung der Hinterbliebenenbezüge beginnt, wenn der Anspruch innerhalb eines Jahres angemeldet wird, mit dem Sterbemonat. Wo melden die Volksgenossen, die bei dem Terrorangriff auf Soest einen Körperschaden erlitten haben oder bei denen ein Angehöriger gefallen ist, ihren Anspruch an? a) Stadt Soest: Stadtverwaltung, Hans=SchemmSchule, Schonekindstr., Zimmer 21. b) Kreis Soest: bei den zuständigen Amtsbürgermeistern. Es ist vorteilhaft, bei der Antragstellung das Familienstammbuch mitzubringen. Beschädigte, die infolge ihrer erlittenen Verwundung voraussichtlich für längere Zeit arbeitsunfähig sind oder Witwen, Waisen und Eltern, denen der Ernährer genommen wurde, beantragen bei den obengenannten Stellen, wenn der notwendige Lebensunterhalt nicht sichergestellt ist, die Umstellungsbeibilfe. Die Durchführung des Versorgungsverfahrens erfolgt durch das Versorgungsamt Soest, Vor dem Nöttentor 14— Buchstabe A—L Zimmer 53, M—3 Zimmer 54. Diese Stelle ist zu jeder weiteren Auskunft in allen Fürsorge= und Versorgungsfragen eern derel () Auszeichnung. Dem Obergefr. Friedrich Haase, Soest, wurde das Eiserne Kreuz 2. Klasse verlieher () Deutsche Stunde im Archigymnasium Am heutigen Sonnabend, 23. Dez., veranstaltet die Kreisleitung der NSDAP. um 16,30 Uhr in der Aula des Archigymnasiums eine Deutsche Stunde mit vorwethnachtlichem Charakter. Alle Soester und Soesterinnen, auch die Familien mit Kinder, sind herzlich einladen. () Für die Totalfliegergeschädigten unserer Stadt gibt es eine Sonderzuteilung an Branntwein und Zigaretten, die nach Vorlage des roten Totalfliegergeschädigten=Ausweises ab Sonnabend, 23. Dez., vormittags 9 Uhr, auf der Kreisamtsleitung der NSV., Nöttentor, abzuholen ist. () Bei der Aufräumung auf Kunstdokumente achten! Es wird dringend gebeten, bei den Aufriumungs arbeiten darauf zu achten, daß keine Kunstdokumente verloren gehen, zum Beispiel geschnitzte Holzbalken, Steinskulpturen von Portalen, Türoberlichter usw. Besonders zu achten ist bei Arbeiten am Portal des Hauses der Bewegung, beim„Grauen Haus am Kolk“ (Wagner, Thomästr.), Gruß, Osthofenstr., Eckhaus Östhofen— Filzenstr., Inschristbalken der Osthofenstr., Andernach, Thomästr. usw. Es wird gebeten, Sammelstücke aller Art, die für die Soester Kunst und Kultur von Bedeutung sind, im Burghofmuseum sicherzustellen und Herrn Senator a. D. Dr. Hubertus Schwartz, Nöttenstr., zu benachrichtigen. Zum Weihnachtsfest in Soest Ein Fest der Stille und Verinnerlichung Das sechste Kriegsweihnachtsfest trägt ein anderes Gesicht als das Weihnachtsfest früherer Jahre und auch der bisherigen Kriegszeit. Die Wochen und Tage vor dem Fest waren sonst ausgefüllt mit dem Schaffen für die Familie, für die lieben Angehörigen, für den Mann und Vater, der vor dem Feinde steht, und für die Kinder. Die Feldpostpäckchen als herzlichen Gruß von daheim hatten ihre weite Reise angetreien, in stiller Abendstunde wurde für die Jugend gewirkt, und diese selbst war voller Heimlichkeit in ihrem kindlichen Bemühen, den Angehörigen eine kleine Weihnachtsfreude zu bereiten. Dies und jenes konnte in den Geschäften noch erstanden werden. Ueber den Plätzen rund um die Petrikirche und den Patroklidom lag der Hauch frischer Tannenbäume. Kein Haus, keine Wohnung war ohne den Weihnachtsbaum, der am Feste groß und klein mit seinem Glanze erfreute. * So sollte es auch diesmal sein. Die Kinder zählten schon die Tage, die dem Feste noch vorangehen mußten. Ihre Wünsche waren nicht groß, aber in ihren Herzen lebte die Freude. In wenigen Stunden aber wurde von grausamer Hand Tod und Verderben in unsere schöne, alte Stadt geschleudert. Das Ausmaß des Unheils ist uns allen bekannt. Wir stehen noch alle unter dem Eindruck des Geschehens, empfinden die Wunden, die vielen Familien geschlagen wurden. Schmerz und Trauer wollen so manches Herz schier erdrücken. Unermeßlich ist oftmals das Leid, vor dem das Wort tiefer Anteilnahme keine Bedeutung hat. Das tiefste Leid ist stumm. Schweigend wollen wir allen Schwergeprüften die Hand drücken, all denen die liebe Angehörige, Hab und Gut vorloren haben und obdachlos geworden sind. Der stumme Händedruck aber, sei nicht ohne die Tat. Das Weihnachtsfest ist das Fest/ der Liebe, des Gebens und des Schenkens. Handeln wir danach. Gestern veröffentlichten wir zwei Aufrufe der Kreisleitung. Sie sprechen alle jene an, die vor dem feindlichen Terror verschont geblieben sind, die Heim und Gut behalten durften. Könnten alle diese das Weihnachtsfest feiern bei dem Gedanken, daß Mitbürger ohne Bleibe, ohne Wärme und ohne helfende Anteilnahme sind? Könnten sie feiern bek dem Bewußtsein, daß es Mitmenschen gibt, deren Leid in den Bunkerwänden ruht? Dies darf nicht sein. Niemand ist von unserer großen Volksgemeinschaft ausgeschlossen. Gerade den Obdach= und Heimatlosen muß in diesen Tagen unser ganzes Denken und Handeln gelten. Vielleicht haben wir selbst in diesem Jahre keinen Weihnachtsbaum und auch keinen gabenbedeckten Weihnachtstisch. Wir haben aber einen Feierraum, ausgestattet mit einigen grünen Zweigen und Festesglanz. Der Ofen gibt Wärme, und frohgestimmte Menschen sitzen zu Tisch. Lassen wir in diesen Kreis einen hartbedrängten Menschen treten, geben wir ihm ab von dem, was wir besitzen, lassen wir ihn teilhaben am weihnachtlichen Geschehen, damit Weihnachtsfreude ein trauerndes Herz erwärme, damit es sich aufrichte und sich dem Leben wieder zuwende. Der willige Geber wird dann so reich sein wie der Beschenkte. Viele Hände regen sich in diesen Tagen, um auch das Bild der Stadt, soweit es möglich ist, von den Spuren des Unheils zu befreien. Ein Aufruf der Kreisleitung der NSDAP. wandte sich an die Männer, Frauen und die Jugend, in gemeinsamem Werk an die Reinigung der Straßen und Gassen zu gehen. Am Freitag morgen wurde mit der Säuberung begonnen. Es soll heute und morgen fortgesetzt werden. Die Fuhrwerke werden gestellt. Es bedarf daher nur der freudigen Mitarbeit der Bevölkerung. Wenn viele Hände Spaten und Schaufeln ansetzen, wird es gelingen, die Hauptlast zu beseitigen. Darüber hinaus muß der geringere Anfall vor einzelnen Häusern durch Eigenhilfe fortgeschafft werden. Die Frage, wohin mit dem Schutt, mit den zerbrochenen Dachziegeln und vor allem mit den Scherben, ist bereits beantwortet worden. Viele Karren und Wagen werden sich zur städtischen Schuttabladestelle am Hauptlinderweg bewegen. Es ist bei dem Großreinemachen darauf zu achten, daß noch verwertbares Material, Eisen Holz usw., ausgesondert wird. Wie wir zum Feste unsere Wohnungen reinigen und freundlich herrichten, so wollen wir auch unsere Stadt von allem befreien, was uns behindert, soweit das eben möglich ist. Unsere Stadt blutet aus vielen Wunden. Sie muß sie tragen. Die Narben werden einst den Geschlechtern künden, daß Soest gelitten hat wie so viele Städte in unserer westfälischen Heimat. Sie sollen aber auch bezeugen, daß die Bevölkerung ihrer Zeit und der Tapferkeit ihrer Heldensöhne würdig war, in Not und Leid nicht verzagte und sich selbst in Trümmern nicht der inneren Freude, die das Weihnachtsfest schenkt, entzog und aus dankerfülltem Herzen all jene in schützende Arme nahm, deren ganzes Glück in einer Stunde des Unheils zerbrach. So wird Soest auch weiterhin seinem stolzen Namen als Ehrenreiche gerecht. W. Tr. „alte Vinke" und unsere engere Heimat Die Beziehungen des ersten westfälischen Oberpräsidenten zu Soest und Vellinghausen Von Clarenbach, Borgeln. Friedrich Ludwig Wilhelm Philipp von Vinke, dessen 100 Todestgg am 2. Dezember d. Is. war und der am Tage vor Heiligabend 1774 in Minden als Sohn des Domdechanten Ernst Jobst von Vinke und seiner Gemahlin Luise von Banen ist, is nicht nur der erste Oberpräsident der 1815 aus alt seinen Zeiten schon besaß. Sie stammt aus westfä Aber auch abgesehen hiervon lassen sich manche Verbindungsfäden zwischen Vinke und unserer enge ren Heimat ziehen. Zunächst sei darauf hingewiesen, daß seine Familie das adlige Gut Vellinghau uise von Butlar geboren ist, ist(sen im Nordwesten des Kreises Soest besitzt, und zu stfälipreußischen Teilen und neuen geistlichen und welt lichen Territorien geschaffenen Provinz Westfalen ge wesen, sondern auch— und man wird mit dem Urteil seinen Nachfolgern kein Unrecht tun— der tüchtigste und auf alle Fälle der volkstümlichste. Dafür zeugen die vielen über Vinke umlaufenden Anekdoten. Sie schildern den hohen Staatsbeamten durchweg, wie er im blauen Bauernkittel mit dem Knotenstock unerkannt durchs westfälische Land wandert, gut Freund dem Volte, vor allem seinen geliebten Bauern, ein Schrekken für die untüchtigen Beamten, aber auch ein warmer Anwalt für seine pflichttreuen Untergebenen. In diesem Zusammenhang sei erinnert an die treffliche Erzählung:„Fink im Baum“, die uns unser heimischer Erzähler Heinrich Luhmann in seinem prächtigen Anekdotenbande:„Lob des Landes“ erst 1940 geschenkt hat. Ueber die eigentliche Tätigkeit dieses ausgezeichneten Verwaltungsbeamten ist in diesem Erinnerungsmonate schon anderweitig gesprochen worden. An dieser Stelle soll nur die Rede sein von seinen Beziehungen zu unserer engeren Heimat. Allerdings als er zum ersten Male, soweit wir sehen, in Soest weilt, urteilt er in seinem sorgfältig geführten Tagebuch darüber, daß es den Namen des großen Dorfes in Westfalen mit Recht trage. Das war im Sommer 1803, als er als junger Landrat von Minden eine Reise durch Westfalen machte. Mit 24 Jahren war er das schon geworden.„Ein Jüngling an Jahren, aber ein Greis an Weisheit“ soll von ihm Siein gesagt haben, als der König meinte, wie man 1798 Vinke ihm vorschlug:„Macht man denn jetzt Kinder zu Landräten?“ Soest braucht aber jenes Urteil nicht tragisch zu nehmen, denn Vinke hat offenbar, wie manche in seiner Zeit, keinen rechten Sinn für architektonische Schönheiten geabt. Ueber das schöne Lüneburg und das stolze Köln hat er ähnliche Urteile gefällt. schem Uradel und wird bereits im 13. Jahrhundert erwähnt. Ihr Hauptsitz ist Östenwalde im Osnabrücki schen bei Melle. Die Großmutter Vinkes, Beate Elisabeth, geb. von Korff, verwitwete und heirateie Jo hann Viktor von Voß zu Böckel(auch im Osnabrückischen) und Vellinghausen. Da die zweite Ehe linderlos blieb, bekam ihr Sohn aus erster Ehe, der schon genannte Ernst Idel Jobst, Domdechant in Minden, Vellinghausen. Er war in jungen Jahren Offizier und hat als Adjudant des Erbprinzen von Braunschweig in der Schlacht von Vellinghausen mitgekämpft. Er ließ 1789 auf seinem Grund und Boden das erste Schulhaus in Vellinghausen erbauen. Seine Familie hat sich auch zeitweilig etliche Male in Vel linghausen aufgehalten. Gelegentlich erfahren wir auch von Ludwig von Vinke, daß er auf Vellinghausen geweilt hat. So besuchte er seine Eltern dort, als er Ende 1804 Präsident der Kammer in Münster und Hamm geworden war, von Hamm aus. Als er sich in der Franzosenzeit nach seiner Heirat mit Eleonore von Syberg von Haus Busch bei Schwerte von den Staatsgeschäften zurückgezogen vatte und von 1810 ab als Gutsbesitzer auf Haus Ickern bei Dortmund, das seine Frau ihm zugebracht hatte, lebte, ist er des öfteren in seines Vaters Geschäften in Vellinghausen gewesen. So auch, als er das OberDaß Vinke unsere Gegend genauer kennt, beweist ein bezeichnender Zug. Bei der Rekrutierung der 1814 aufgestellten westf. Landwehrregimenter stellte sich heraus, das das Paderborner Land starke Abnei gung gegen den Militärdienst hatte. Vinke führte das u. a. auf die Birkenbaumschlachtsage zurück, nach der man wieder einen geistlichen Herrn oder einen katho lischen Fürsten aus dem Hause Oesterreich erwartete Und nun zu Soest selbst! Als die Franzosen 1797 Westfalen besetzten, ist Vinke, damals Assessor an der Kurmärkischen Kammer in Berlin tief erschrocken:„Die Unmenschen wollen mein Vaterland vernichten". Unter Vatersand versteht er nach dem Sprachgebrauch seiner Atseine westfälische Heimat. Als er aber erfährt, daß ie Soest erreicht haben, ist er wie vom Donner gerühri In späteren Jahren ist er oft in Soest gewesen, schon allein deshalb, weil dort eins seiner Lieblingskinder, das Lehrerseminar, untergebracht war. Als 1806 das in Wesel schon früher gegründete Seminar in die Mark vertegt werden sollte, sorgte die Kammer in Hamm, der er vorstand, daß es nach Soest kam. Nach der Franzosenzeit aber erwirkte der neue Oberpräsident Vinke beim König, daß es ausreichende Räumlichkeiten in dem 1814 aufgehobenen Minoritenkloster bekain. Immer wieder bewies er dem Seminor größtes Intersse. In jedem Jahre hat er es zwei oder dreimal besucht. Häufiger schenkte er der Bibliothek aus seiner Privatbücherei Bücher, in die er stets eine eigenhändige Widmung hineinschrieb. Daß er bei dem 23jährigen Bestehen des Seminars 1831 ein besonders geehrter Gast war, ist ebenso selbstverständlich, wie daß die Anstalt nach seinem Ableben ihm eine besondere Gedächtnisfeier veranstaltete Im folgenden Jahresbericht aber widmete ihm der greise Direktor Ehrlich der gleich ihm Schüler der Frankeschen Anstalten in Halle gewesen war, einen überaus warmen Nachruf.„Die Anstalt verdankt seiner Vorsorge ihre Reorganisation und ihre Ausstattung und manche innere und ußere Verbesserung ist nur aus seinem scharf umherspähenden Geiste hervorgegangen. Er drang so tief ein und machsich mit den Einzelheiten des Instituts so bekannt, daß man hätte glauben können, er babe nur die eine Anstalt ins Auge gefaßt und widme ihr seine Hauptsorge. usw."— Das soziale Empfinden ist bei Vinke besonders ausgeprägt. Bei seinen vielen Wanderungen kreuz und quer durch Deutschland, bei seinen Reisen nach England und Frankreich, nach Italien und der nach Schweiz, nach Spanien und Portugal, hat er stets, auch schon als Student, jede Gelegenheit benutzt, um Gefängnisse und Irrenanstalten, Krankenhäuser und Blinden= und Taubstummenanstalten zu besichtigen. Ueber die gewonnenen günstigen oder ungünstigen Eindrücke berichtete er sorgfältig in seinem Tagebuch. Als er Oberpräsident wurde, sind diese eingehenden tudien seiner Heimatprovinz zugute gekommen. Auch vorher schon war das der Fall. So setzte er sich 1804 für die Errichtung einer Irrenanstalt in dem aufgehobenen Kloster Marienfeld bei Münster ein. 1812 für die Verwendung der Gebäude des Kapuzinerklosters in Niedermarsberg zu demselben Zwecke, 1841 wurde in Geseke eine Heil= und Pflegeanstalt eingerichtet von der Provinz, vorher schon in Benninghausen ein Arbeitshaus. Paderborn bekam durch Vinke eine Hebammenlehranstalt. Seine besondere Fürsorge galt den Taubstummen und Blinden. 1821 wurde die erste westfälische Taubstummenanstalt im Kloster Kentrop bei Hamm eröffnet, aber im nächsten Jahre schon nach Münster verlegt. 1831 wurde dansi die größere Anstalt in Soest ins Leben gerufen(neben der von Büren). Hier hatte der bereits genannte verdienstvolle Seminardirektor Ehrlich bereits seit 1827 eine kleine Taubstummenschule eingerichtet. Die Blindenanstalt in Soest trägt zwar offiziell den Namen„Von Vinkesches Blindeninstitut“, ist aber erst nach dem Tode Vinkel 1846 gegründet worden. Immerhin atmet auch diese Anstalt seinen Geist, wie er auch selbst noch die Pläne gefaßt hatte, aus iner kleinen privaten Anstalt in Paderborn ein großes Provinzialinstitut zu entwickeln. Auf alle Fälle aber ist diese Namensgebung eine würdige Ehrung des sozialen Wirkens des alten Vinke. Seine Grabinschrift im Haine von Haus Busch bei Schwerte besagt in aller Kürze dasselbe:„Pro aliis vixit."(Für andere hat er gelebt.) Roman von Liesbet DII Mimalminin mninnn 23. Fortsetzung „Es ist trotzdem aber merkwürdig; denn dieser Brief kann uns auf die richtige Spur führen. Und lles, was Licht in diese Angelegenheit bringt, ist für Sie nur entlastend“, sagte der Richter ernst. Er sah Odette an und bemerkte, daß sie sich bei diesen letzten Worten verfärbte. Sie schwieg, indem sie die Hand in die Falten ihres Kleides krampfte. „Mir ist es gleich, was man in dieser Sache beschließt, sagte sie tonlos.„Ich kann nicht mehr aussagen, als ich weiß." * Die Polizei hatte einen Antiquar am Hafen von Marseille entdeckt, zu dem Frau Longeville öfters in den Laden gekommen war, um Silber zu verkaufen. Er hatte auch diesen Herrn bei ihm gesehen, den sie mitbrachte und der die Händel abschloß.„Ich habe mich über diesen Kerl schwarz geärgert", sagte der Antiquar,„weil er immer mehr haben wollte, als man für die alten Sachen geben konnte und grob wurde, wenn man die Preise, die er verlangte, nicht bezahlen wollte." Der Alte hatte den Eindruck, daß die beiden in nahen Beziehungen zueinander standen. Er hatte sie für ein Ehepaar gehalten und einmal gesehen, daß Frau Longeville dem Unbekannten vor der Tür Geld einhändigte. Mehr hatte dieses Verhör nicht ergeben. Die Akten wurden beiseite gelegt und die Kriminalpolizei angewiesen, das Hafenviertel von Marseille scharf zu bewachen. * B. lag im Winterschlaf versunken in der feuchten Ebene, zwischen abgeernteten, kahlen Weingärten und leeren Aeckern. Der Regen trommelte vom frühen Morgen bis in die sinkende Nacht auf die Dächer der Stadt, die grotesken Wasserspeier der Kathedrale sprudelten das Regenwasser aus weit geöffneten Mäulern und Brüsten auf die nassen verödeten Gasen. Es verirrte sich selten noch ein Fremder nach B., um die Kathedrale zu besuchen oder die alte Ziehschelle am Musee historique ins Leben zu erwecken, um dort, für einen Frank Ein“ der Marquise de Montespan, von Mignard gemat mit Rosen im Schoß, den Kardinal Mazarin oder Madame de la Valliere, als Hofdame, als Nonne und„en zu sehen, die da zwischen abgeschabten Louisseizesesseln, der Totenmaske der Agnes Sorel, blindenlegeln und Corbeilles de mariages aus verstaubtem, weißem Atlas unter Glasgolcken herumstanden. Die Omnibusse des„Lion vor“ und des„Ascades“ fuhren leer zum Bahnhof und kamen leer zurück. Die meisten Leute gingen, um Licht zu s#aren, früh schlafen, und die Geschäfte schlossen frühe Läden. Dann lag die Stadt schon em acht Uhr verlassen und totenstill da, mit ihren tristen, engen Gassen, in denen sich nichts regte, und der leere Narktplatz, wo von allen Dächern und an allen-Da nen das Regenwasser troff, sah verlassen und trostlos aus. Nichts unterbrach die Eintönigkeit der Wintertage. Es gab in B. kein Theater, noch Konzert sonst irgendeine Zerstreuung. Es cab elne kleine Leihbibliothek am Markt, mit alten zerlesenen Romanen. Odette hatte einmal eine lebende Wanze in einem solchen Buch gefunden. Es gab ein kleines Kino mit schlechten Bildern und elender Musik, in das abends die Soldaten strömten. Zuweile fand eine Gesellschaft statt. Dann rollten die Wagen in der Abendstunde über den Markt. Die Offiziersd.n in B., batten ihren Empfangstag und besuchten sich zur Teestunde, und wer keinen Empfangstag auf seinen Visitenkarten hatte, gehörte nicht zur Gesellschaft in B. Odette hatte bisher jeden Donnerstag inige Familien bei sich gesehen. Seit dem Prozeß war dieser Verkehr abgebrochen. Man kam nicht mehr zu ihr ins Haus. Irgend etwas war hängen geblieben, ein Verdacht war nicht aufgeklärt. Der Prozeß hatte die ganze Gegend in Aufruhr gebracht, und die tungen mit ihren fettgedruckten Ueberschriften hatten ihre Wirkung getan. „Nein, wirklich, man kann es uns nicht zumuten“, sagte die Frau des Notars, deren Mann die Deputierten aus Paris empfing. Und da die erste Gesellschaft von nun ab vor Odette ihre Türen geschlossen hatte, sagten die anderen Bürgerfrauen, mit denen Odette bisher keinen Verkehr unterhalten hatte: Das fällt uns ein, sie einzuladen, jetzt, nachdem sie den anderen nicht mehr gut genug ist. Man grüßte Frau Gontard sehr von oben herab, wenn man ihr begegnete. Odette ging selten aus in diesem Winter. Nur nachmittags in der Dämmerung stieg sie hinauf zur Kathedrale, brachte frische Blumen für die Altäre. Sie hatte der Madonna ein neues Kleid gearbeitet aus Silberspitze auf hellblauem Atlas. Stundenlang kniete sie in der stillen, hohen, feierlichen Kathedrale, den Kopf in den Händen, und dachte zurück. Wenn sie dann zurückkam, war sie rühiger. Aber es hielt nie lange an. Es war ihr immer, als käme noch etwas. Als warte irgend etwas hinter der Tür auf sie. Tagsüber lief sie in dem engen, weitläufigen Hause treppauf, treppab, und arbeitete mit einer Emsigkeit, daß Charles sagte: „Du machst es genau wie Mama. Du wirst auch eines Tages einen Herzschlag bekommen." Etwas Fanatisches war in diesem Arbeitsdrang. Sie arbeitete, um nicht denken zu müssen. In dem Getriebe der Wirtschaft ging es. Und abends war sie oft so müde, daß sie während des Lesens einschlief Sie las viel an diesen stillen Winterabenden, während sie und Charles sich gegenübersaßen in dem kleinen Wohnzimmerchen nach dem Hof, wenn draußen nichts hörbar war, wie das Geräusch des Regens und das Rasseln der Pferdeketten im Stall. Odette war abgemagert. „Du arbeitest viel zu viel", sagte Charles.„Du siehst gar nicht mehr gut aus." Das Blühende war Auf eine weitere Verbindung zwischen ihm und Soest sei abschließend aufmerksam gemacht. Die letzte ausführliche wissenschaftliche Biographie Vinkes, die der Staatsarchivrat Dr. Kochendörffer veröffentlicht hat, ist 1932 und 1933 in zwei Teilen in Soest im Verlag der Rocholschen Buchdruckerei W. Jahn erschie, nen. Ich bin in der Hauptsache in meinen„obigen Ausführungen diesem Werke gefolgt und bin ihm zu Dank verpflichtet. Ich bedauere nur, daß der noch ausstehende dritte Schlußband(wohl weil der Verfasser inzwischen gestorben ist), noch aussteht. So reicht es wie das frühere 1853 erschienene Buch über Vinke von Ernst von Bodelschwingh nur bis zum Jahre 1816. Appell an die Bauern des Kreises Soest Der Kreishauernführer richtet an eine Berufskameraden den dringenden Appell, alle auf den landwirtschaftlichen Betrieben noch vorrätigen Dachziegel dem zuständigen Ortsbauernführer zu melden. Die Ziegel werden dann von den Höfen abgeholt und vorwiegend zu notwendigen Dachreparaturen auf anderen geschädigten Höfen Verwendung finden. a Enkesen, Beförderung und Auszeichnung. Der Leutnant Otto Varnholt wurde zum Oberleutnant befördert und mit dem Eisernen Preuz erster Klasse ausgezeichnet. a Meiningsen. Auszeichnung. Dem Gefreiten H. Bubenhøim wurde das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen. aus ihrem Gesicht verschwunden, die rosigen Farben waren wie weggewischt. „Glaubst du, daß sie ihn finden werden?“ fragte Odette eines Abends. „Wie kann man das wissen? Nach dem Knebelbart können sie lange suchen. So sehen in Marseille viele aus. Und wer weiß, ob der noch dort ist. Und ob er es tatsächlich gewesen ist.“ „Aber es könnte doch eines Tages sein, Charles.“ „Nun, dann würde ich Gott danken", sagte er. „Für was danken?“ „Daß wir die ganze Geschichte dann für immer los sind." Sie schwieg. Auf ihnen beiden lastete noch immer der Druck, wenn auch die Gerüchte in der Stadt verstummt waren. Es war, wie wenn man Asche ber das Feuer legt. Darunter glimmt es langsam fort. Eines Tages konnte ein Windstoß wieder die alte Flamme erwecken. Und dann brannte es wieder an allen Ecken lichterloh. Wegen des Regens waren die Handwerksarbeiten im Longevilleschen„Schlößchen" zum Stillstand gekommen, und im„Lion dor“ konnte man vor dem Frühjahr nicht mit dem Abreißen beginnen. Es war, wie wenn alles auf etwas wartete. Allmählich kamen wieder einige Gäste in den „Lion dor", die alten Stammgäste fanden sich zum Billard ein und die Provinzreisenden übernackhteten an Markttagen wieder dort. Eines Nachmittags, als das Haus sauber geordnet und still war, saß Odette mit ihrer Stickerei am Fenster in dem kleinen Bureau. Und sie fühlte: es war wieder da. Gedanken und Gespenster irrten um sie. Schatten standen auf. Das Geräusch des Regens, der von morgens bis abends aus grauen Wolken troff, der Anblick dieses Himmels, der schwei und schiefergrau über dem Lande hing, bedrückte Gedanken. Plötzlich kam Charles herein. in dem Geldschrank zu luchen. ser die beiseite schob, flog ein Arößerlsrostiget Sch Mutter und Tochter einsam behaust in einem Not quartier der fremden Stast, hatten kein Wort darüber gesprochen, daß man zu diesem Christfest keinen Baum schmücken und keine Geschenke tauschen werde. Es verstand sich von selbst. Aber als der Morgen des 24. Dezember heraufdämmerte, dachten beide zugleich, aus ihrem unfesten weil oft bedrohten Schlaf erwachend, daß man sich werde stark machen müssen, um den angebrochenen Tag wie irgendeinen der übrigen 364 des Jahres unausgezeichnet vbrübergehen zu lassen. Doch das gestanden sie einander nicht. Jede der beiden Frauen ging ihren Alltagsgeschäften nach, doch sie taten es beide leiser, besonnener, auch wohl langsamer als sonst. Denn sie hielten manchmal inne: hatte nicht ein Papier geknistert, wie man es seit Kinderzeit an diesem Tag der Geheimnisse gewohnt war? Zog nicht eine Woge Kuchenduft durchs Zimmer? Klopfte es nicht an der Flurtür? Ob es wohl denkbar war, daß Hans Gerhards schmerzlich erwarteter Weihnachtsbrief aus dem Felde just zum Heiligen Abend bei Mutter und Schwester eintraf? Bei solchen Gedanken blickten sie aneinander vorbei. Die Tochter warf den hübschen Kopf ein wenig in den Nacken, um frohgemut zu erscheinen. Die Mutter senkte das ergrauende Haupt, um sich nicht anmerken zu lassen, daß eine Träne der Sehnsucht sich unter ihre Wimper stahl. Die Briefträgerzeit war vorüber. Die Spannung legte sich, die Stunden begannen zu schleichen. Ein silbig saß man beim Mittagsmahl am runden Tisch. an dem nach festem Brauch ein leerer Stuhl stand, als könnte der Sohn des Hauses zu jeder Stunde eintreten und wäre immerdar willkommen. Man stocherte ohne Lust in den Speisen. Das Mädchen dachte: um diese Stunde ist es ja noch auszuhalten. Doch heute Abend? Der leere Platz wird wie ein Abgrund gähnen zwischen mir und der Mutter. Wie bring' ich die alte Frau über die Erinnerung an den Urlaub früherer Kriegsweihnachten hinweg? Die Mutter dachte: es geht mir nicht bloß um den Sohn. Ich weiß es ja, man muß sich bescheiden,— in diesem Jahr des großen Aufgebots noch williger als bisher. Es geht mir auch um das Mädel. Neben ihrer Arbeit und Ueberarbeit hat sie nichts als die Einsamkeit mit mir alter Frau. Ihre Blüte verwelkt. Auch für sie brachte Hans Gerhard Frische und Jugendmut ins Haus. Der leere Platz heute Abend wird sie bitterer noch darauf hinweisen, wie verlassen unser Leben ist. Nach dem Essen gingen sie einander aus dem Wege. Vorzeitig versank der Wintertag in Nebel. Kein Stern erstrahlte über dem frühen Abend, den man eigenmächtig aus dem Kalender ausgestrichen hatte. Auch die Natur hüllte sich in Schweigen. Doch um die Stunde, da die Kirchenglocken über den Dächern summten, meldete sich auch die Flurglocke Die Frau ging öffnen. Die Nachbarin vom Oberstock stand vor der Tür.„Es ist sehr freundlich, daß Ihre Tochter mich für heute Abend zu Ihnen gebeten hat, weil ich noch einsamer bin als Sie, die Sie noch Sohn und Tochter haben. Ich bin in meiner frischen Trauer zwar ein trüber Gast.“ Die alte Dame faßte sich: „Wir wollen uns bemühen, Sie ein wenig aufzuheitern., Freilich haben wir keinerlei Zurüste...— „Ich habe die Einladung auch nur angenommen, weil — der Platz nicht leer bleiben sollte."—„Jaso... erwiderte die andere betroffen uno zerstreut. In dem selben Augenblick betrat ein zweiter Gast die Wohnung. Diesmal hatte die Tochter geöffnet. Es war der kriegs versehrte Papierhändler aus dem Nebenhause, der der Kundin einmal geklagt hatte, daß er ganz ohne An hang in dieser Stadt lebe.„Es war sehr gütig von Ihrer Frau Mutter, mich für heute abend einzuladen, und ich überwand meine Furcht, zu stören, weil doch — der Platz nicht leer bleiben sollte." Das Mädchen lächelte— etwas zerstreut, doch dankbar. Dankbar, weil über dem stumpfen grauen Tag doch die Heimlichkeit gegenseitigen Sichüberraschens gewaltet hatte und Mutter und Tochter sich in dem Versuch begegnet waren, einander den Anblick des leeren Platzes am Heiligabend zu ersparen. Dafür konnte schon einige Verlegenheit in Kauf genommen werden. Die Verlegenheit war gexinger als zu erwarten gewesen. Die Mutter hatte für„ihren“ Gast einen kräftigen Wildtee vorbereitet und im Ofen ein paar Plätzchen dazu gebacken, die Tochter für den ihren eine Apfelspeise gerührt. Als man sich nun zu vieren um den Tisch setzte, den schnell zwei Gedecke vervollständigt hatten, und des abwesenden Kriegers gedachte, dessen leerer Platz gleich zweimal beansprucht wurde, wickelte die Hausgenossin einen holzgeschnitzten Leuchterengel aus ihrer Tasche und entzündete sein Lichtlein. Es blinkte feierlich durch den Raum, dessen Lampe gelöscht ward. Eine Christrose stellte sie daneben. Sie vertrat den Tannenbaum. Und der Papierhändler lief hinaus, holte seine Geige und spielte alte Weisen, wie sie seit Kindextagen uns vertraut sind,— spielte beglückt über die tiefen glänzenden Augen des lauschenden Mädchens. Dessen Wangen blühten auf. Ein fremder Mensch, den sie noch keine Stunde kannte—? Musik schließt mehr vom inneren Wesen auf als Worte. Der Mutter Blicke ruhten auf der Tochter. Sie ruhten wirklich. Nach soviel Unrast eines gehetzten Lebens... Sie schauten im Wahnwitz der Zerstörung einen neuen Grund sich gründen. Die Frau in Trauer bewegten ähnliche Gedanken, und sie freute sich ihres Engleins und ihrer Blume.„Ewige Weihnacht“, flüsterte sie vor sich hin. Ewige Weihnacht! hallte es in allen Seelen nach. Sie ist nicht umzubringen. Und sperrst du sie aus Haus und Herzen, sie dringt durch alle Fugen warm und weich und mächtig. Es klingelte zum dritten Mal. Der Telegraphenbote brachte Hans Gerhards Festgruß.„Ewige Weihnacht!“ drahtete er,—„auch in Zeiten der Not!“ Denk an mich! Der Meldehund„Herzdame“ war der vierte im Zwinger der Nachrichtenabteilung„Eichblatt". Die anderen drei Hunde hörten auf die Namen„Karo Bube",„Pik Bube“ und Kreuz As“.„Herzdame“ war keine Hündin, sondern ein stämmiger, edel gebauter Deutscher Schäferhundrüde, oftmals prämiiert,„Herzdame“ hatte Wunder im Nachrichtenüberbringen vollbracht, war Lebensretter, Feindspürer. Eine feindliche Granate riß ein großes Loch in die Erde. Wachtmeister Peter Uhlenkamp, dreiundzwanzig Jahre alt und der Meldehund„Herzdame“ wurden verschüttet.„Herzdame“ kam mit einem hinkenden Hinterlauf davon, Wachtmeister Uhlenkamp verlor das Augenlicht.„Herzdame“ kam auf Uhlenkamps Wunsch mit ihm in die Heimat, in ein Lazarett. Es gibt Zufälle im Leben, die kaum zu glauben sind. Gisela Schreiterberg, Aerztin, war in Essen ausgebombt, hatte Heim und Privatpraxis verloren, wurde nach Ischl versetzt, freute sich der Sonne, der Berge, der Arbeit, glich ihren rheinischen Dialekt dem ostmärkischen an, tat Gutes an Kranken, bewohnte ein schönes Zimmer, bebaute ein kleines Gärtlein vor dem Fenster, und... war glücklich. Uhlenkamp, obwohl die Augen nicht sehen konnten, empfand nie Dunkelheit. Er glaubte an die Sonne, die er in seinem Herzen trug. Ein kleines, silbernes Blättchen— darauf war gestochen„Denk' an mich“— trug Uhlenkamp bei sich. Dieses Silberplättchen fand er am Halsband von„Herzdame“, der als Führerhund bei Uhlenkamp blieb. Drei Tage vor Weihnachten war's. Viel Schnee lag auf Berg, Wald und Flur. Uhlenkamp ging mit „Herzdame“ spazieren. Behutsam tasteten sich Herr und Hund über die Straßenkreuzung, der Esplanade zu.„Herzdame“ blieb stehen, setzte sich, jaulte einmal, zweimal, bellte laut. Uhlenkamp suchte Herzdames Kopf, streichelte darüber:„Was hast' denn? Komm!“ Eine Frauenstimme klang an Uhlenkamps Ohr: „Trojan, Trojan!" Herzdame blieb sitzen, jaulte, zog nicht vorwärts und nicht rückwärts, lief nicht von seinem Herrn fort. Nein, nein, das darf er nicht!„Trojan, lieber, guter Trojan!" Gisela Schreiterberg war's die ihren Hund erkannt hatte und jetzt vor Wachtmeister Uhlenkamp stand.. Eine Geschichte um Weihnachten von Hans Gustl Kernmayr „Sie entschuldigen,..: aber ich habe Trojan großgezogen.“ Wachtmeister Uhlenkamp spürte eine zweite Sonne. Leise kam es über seine Lippen:„Denk' an mich!“ Gisela Schreiterberg flüsterte:„Sie haben; das Halsband?“ „Ja, diese Worte haben mich immer begleitet!“— Uhlenkamp, Gisela und„Herzdame“ gingen jetzt Tag für Tag spazieren. Es war auch nicht verwunderlich, daß Uhlenkamp und„Herzdame“ am Weihnachtstaa bei Gisela geladen waren.„Herzdame“ verzog sich, einen Knochen in der Schnauze, hinter den Ofen Uhlenkamp hielt Giselas Hand und flüsterte:„Denk' an mich!“—„Herzdame“ knurrte zufrieden, als er Giselas Stimme hörte:„Ich denk' an Dich“. Die Lichter am Tannenbaum glänzten! Uhlenkamp, Gisela und„Herzdame“ werden noch oft zu dritt, vielleicht auch zu viert und fünft Weihnachten feiern. Bergweilinacht von G. Dlouhy Die Gipfel der Berge ergrauen In stiller Winterruh; Die dunklen Tannen raunen In Feierstimmung sich zu: „Hört ihr's, Weihnacht ist heut!" Die Spuren am Hang überwebt Der weißen Kristalle Licht; Am Himmel der Mond stille steht Und zeigt es, als wär's seine Pflicht: „Seht ihr's, Weihnacht ist heut!“ Die Glocken singen ein feierlich Lied Vom einsamen Bergdorf herüber; Der Wind verweht's bis ins fernste Glied Und von den Sternen tönt's wieder: „Wißt ihr's, Weihnacht ist heut!“ Stille Nacht, heilige Nacht! Von Friedrich A. Zschau Wo in diesen Tagen in den deutschen Gauen Weihnachtslieder gesungen werden, fehlt gewiß nicht das alte Lied von der heiligen Nacht.„Stille Nacht, heilige Nacht“ ist für jung und alt zum schönsten Weihnachtslied geworden. Wer in diesem Jahr nicht zu singen vermochte, der wird es, wenn auch nicht ganz ohne einen leisen Schmerz zu empfinden, am Weihnachtsabend tun. Weihnachten ohne Lied ist für uns Deutsche undenkbar. König Friedrich Wilhelm IV., der„Romantiker auf dem Königsthron“, war von der Innigkeit dieses Liedes, um dessen Entstehung sich manche Legende rankt, immer wieder ergriffen, so daß er sich das Lied jedes Jahr zum Weihnachtsfest vom Domchor vorsingen ließ. Er war es auch, der eine Nachforschung nach der Herkunft dieses immer wieder gern gehörten Liedes veranlaßte. Erst der Volksliedersammler Ludwig Erk und der Schriftsteller Otto Franz Gensichen klärten den Ursprung dieser Weihnachtsverse auf und stellten fest, daß diese den Hilfsprediger Josef Mohr in Oberdorf an der Salzbach zum Verfasser haben, der 1818 hier an der neuerrichteten Pfarrei St. Nikolaus wirkte. Nachdem dieser an einem Dezemberabend die schlichten, von deutscher Gemütstiefe zeugenden Strophen niedergeschrieben hatte, übergab er sie seinem Freunde Franz Gruber aus dem Nachbarort Arnsdorf, der als Lehrer und Organist tätig war, mit der Bitte, eine passende Melodie zu diesen Versen zu ersinnen. Da in jenen Tagen die Orgel der Kirche nicht in Ordnung war, vertonte Gruber dieses Lied für zwei Solostimmen und Guitarrebegleitung. Das so entstandene Lied, in dem sich Text und Melodie zu einer harmonischen Einheit verweben, wurde am Heiligabend des Jahres 1818 von Gruber und seinem Freund Josef Mohr einer andächtig lauschenden Gemeinde vorgesungen, wobei ein Chor den Endreim wiederholte. Als der Orgelbauer Karl Marcacher aus Fügen im Zillertal, der sich um die Wiederingangsetzung der Orgel bemühte, hiervon hörte, war er so begeistert, daß er eine Abschrift dieses Liedes in seine Heimat mitnahm. Hier wurde es durch Tiroler Händler bald bekannt. Die vier Geschwister Straßer aus Laimach im Zillertal, die sich als Sänger einen Namen gemacht hatten, nahmen das Weihnachtslied in ihr Programm auf. Zu ihren Gewohnheiten gehörte auch der Besuch der Leipziger Messe. Damit kam das Lied nach Leipzig. Es wurde hier 1831 exstmals auf einem Gewandhauskonzert vorgetragen. Ein Jahr später finden wir den Text in einem Tiroler Liederbuch unter der Ueberschrift:„Weihnachtslied aus dem Zillertal“ wiedergegeben. Bald schon erschien es auch in anderen Liedersammlungen, einmal sogar mit dem Namen Michael Haydn, dem Bruder des großen Komponisten als Verfasser angegeben. Schließlich drang das Lied über die deutschen Grenzen hinaus nach Frankreich. Doch nicht nur hier wird das„Douce nuit, sainte nuit“ gesungen, auch in England, von dem schon Goethe sagt, daß es das Land ist, das die meisten Heuchler und Scheinheiligen aufweist, erklingt das „Still night, holy nigh“. Richard Wagner bekennt einmal, daß er sich nichts Widerwärtigeres als diesen echt englischen Schlag vorstellen kann. Franz Gruber konnte den Siegeszug seiner Melodie noch erleben, nicht aber der Dichter Josef Mohr, der 1848 an der Stätte seines Wirkens starb., Ihre Schöpfung ist unsterblich. Immer wieder wird sie uns in ihren magischen Bann ziehen, so lange ein deutsches Weihnachtsfest, das Fest der Gemeinschaft und das deutscheste aller Feste gefeiert werden wird. Beim Terrorangriff am 5. Dez. entriß uns ein hartes Geschick meinen über alles geliebten Mann, unsern herzensguten Sohn, Schwiegersohn, Brud., Schwager, Onkel und Vetter Res.-Lokführer Hans Lüchtefeld im Alter von 41 Jahren. Wir beugen uns dem Willen Gottes. In tiefer Trauer: Ida Lüchtefeld geb. Hunecke, Philipp Lüchtefeld u. Frau als Eltern, Geschwister u. Anverwandte. Soest, zZt. Nordwald üb. Soest, im Dez. 1944. Die Beerdigung hat bereits am 12. Dez. 44 in Hovestadt stattgefunden. M Durch ein tragisches Geschick verloren wir an ihrem 71. Geburtstag unsere herzensgute, nimmermûde Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Tante, die Ww. Bernhardine Kropf geb. Plattfuß Trägerin d. gold. Ehrenkreuzes der deutschen Mutter In tiefer Trauer: Kinder und Angehörige. Soest, Hermannstr. 21, zZt. Hammerweg 10, im Dez. 44. Die Beisetzung fand in aller Stille statt. Allen, die uns in den schweren Tagen beim Heimgang meines lieben Mannes, unseres guten Vaters soviel Güte und Trost entgegenbrachten, ebenfalls für die Kranzspenden, danken wir recht herzlich. Frau Sophie Krömeke und Kinder. Soest, Brügge-Ring 8, im Dezember 1944. Allen, die uns in den Tagen tiefsten Schmerzes beim Heldentode meines innigstgeliebt. Mannes, unseres guten Sohnes ihre Teilnahme in Wort und Schrift entgegenbrachten, sagen wir uns. herzl. Dank. Im Namen der Angehörigen: Frau Martha Trelle u. Kinder Soest, Herenfridstr. 13. Für die Beweise herzl. Teilnahme beim Tode unserer kleinen Helgå sagen wir alherzlichen Dank. deinz Kagemann u. schwister Am Mittwoch morgen 9,30 Uhr starb plötzlich und unerwartet unsere liebe, treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwägerin und Tante Luise Behmer geb. Kaiser im Alter von 76 Jahren. In stiller Trauer: Heinrich Behmer, Emma Behmer geb. Lange. Klaus Behmer. Soest(Kl. Osthofe 17), zZt. Müllingsen, den 22. Dez. 44. Die Beerdig. findet am Samstag, dem 23. Dez., 10 Uhr, von der Leichenhalle des Osthofenfriedhofes aus statt. Heute abend 11 Uhr entschlief plötzlich nach kurzer Krankheit unser lieber, treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater, Bruder, Schwager und Onkel Heinrich Buschhoff im Alter von fast 76 Jahren. Um stille Teilnahme bitten: Die trauernden Angehörigen. Klotingen, Schwerte, Enkesen b. Schwefe, Hiddingsen und Meyerich, den 21. Dez. 44. Die Beerdigung findet am 1. Weihnachtstag 1944 um 3 Uhr auf dem Friedhof in Welver statt. Plötzlich u. unerwartet starb unsere lb. Tochter u. Schwester stud. phil. Hanna Herms im Alter von 20 Jahren. In tiefer Trauer: Familie Albert Herms. Soest, Brügge Ring 28, den 20. Dezember 1944. Die Beerdigung findet am 23. Dez. 44, um 8,30 Uhr von der Halle des Osthofen-Friedhofes aus statt. Für die vielen Beweise herzl Teilnahme zum Tode m. gel. Mannes, m. treus. Vaters, uns. guten Sohnes, Schwiegersohnes und Bruders sagen wii? allen herzl. Dank. Frau Mieze Salthammer und Töchterchen Bärbel, Fam. Salthammer, Fam. Meierkord Meyerich, im Dezember 44. Von ganzem Herzen danken wir hiermit allén, die uns beim Tode meiner lieb. Frau. uns. guten Mutter, Tochter u. Schwester ihre innige Anteilnahme durch liebe Trostworte und Kranzspenden bezeugten. Wilhelm Erdmann u. Kinder, Familie Gustav Pape Werl, im Dezember 1944. Allen, die uns beim Heimgang unserer lieben, unvergeßlichen Mutter ihre Teilnahme bewiesen haben, sagen wir auf diesem Wege unsern innigen Dank. Familie Wilhelm Runte und Geschwister Ampen, im Dezember 1944. Heute wurde meine lb. Frau, unsere treusorgende Mutter, Klara Euler geb. Wurm nach langem, schwerem Leiden durch einen sanft. Tod erlöst. In tiefem Schmerz: August Euler. Lehrer a. D.. Hermgild Hüring geb. Euler. Waltraud Krick geb. Euler. Gisbert Euler, Hauptm. i. e. Pz.Jg.-Abt., Franz Wurm. als Bruder. Dr. med. Heinz Hüring. Stabsarzt d. Euftwaffe, Ferdinand Krick. zZt. i. Felde. Ursula Euler geb. Klaas. Bad Sassendorf, Oberstdorf, Neheim, Hagen, Wischau, Dortmund, den 16. Dez. 44. Die Beerdigung hat bereits stattgefunden. Wir haben uns vermählt: Alfred Paetzoldt. stud. chem.. z. Zt. Ltn. in einer Flak-Abtlg, Paula Paetzoldt geb. Kroll, z. Zt. Urlaub, Soest, V. d. Osthofentor 23, im Dezember 1944 Ihre Vermählung geb. bekannt: Heinrich Brandstetter, Erna Brandstetter geb. Krieger, Sölde, Neuengeseke, im Dez 44. Ihre Vermählung geb. bekannt: Theodor Zaß. Wachtm. i. einer Nbl. Tr. Schule. Anni Zass geb. Klaas, Solingen, Soest, Rüthenerstraße 8, Weihnachten 1944 Ihre Verlobung geben bekannt: Elisabeth Meermann, Robert Nothofer. Werl i W., Waldniel (Niederrh.), Weihnachten 1944. Ihre Verlobung zeigen an: Toni Czurav. San.-Gefr. Johannes Maiborn, Soest, Weihnachten 44 Statt Karten! Ihre Verlobung geben bekannt: Anni Grams, Peter Baert, Soest, den 25. Dezember 1944. Für die erwiesene herzl. Teilnahme beim Tode unseres unvergeßlichen Bruders und unserer lieb. Schwägerin sprechen wir unseren tiefgefühlten Dank aus. Geschwister Flecke Soest, im Dezember 1944. Für die uns beim Heimgang unserer lieben Mutter erwiesene Teilnahme und für die zahlreichen Kranzspenden sagen wir aufrichtigen Dank. Geschw. Leonhardt u. Angehörige Eineckerholsen, im Dez. 44. Allen, die uns beim Heimgang meiner lieben unvergeßl. Gattin, unserer guten Mutter ihre Teilnahme in Wort und Schrift bewiesen haben, sagen wir auf diesem Wege unseren herzl. Dank. Gustav Haverland u. Kinder Meiningserbauer, im Dez. 44. Für die vielen Glückwünsche und Aufmerksamkeiten anläßl. unserer Kriegstrauung danken wir herzlich. Franz Brinkmann u. Frau Agnes geb. Frigger Für die vielen Glückwünsche zu unserer Hochzeit danken, auch im Namen der Eltern: Kurt Hanisch und Frau Gisela geb. Krehnke. Möbl. Zimmer außerh. Soests von Ww. mit 1 Kind gesucht. Herd vorhanden. Arbeiten können übernommen werden. Angebote an die Geschäftsstelle. Mehrere möbl. Zimmer für unsere Gefolgschaftsmitgl. gesucht. Soester Anzeiger mit Soester Kreisblatt, Soest, Jakobistr. 46. 1 bis 2 leere Zimmer gesucht. Hausarbeit kann übernommen werden. Angebote an die Geschäftsstelle. Biete: Anzug, Wintermantel o. Fotoapparat. Suche: Fahrrad. Ang. an die Geschäftsstelle. Piete: Guterh. bl. Mädchenrock. uche: Schlafzim,=Gardine 1,80 mal 2. Zuschriften an die Geschäftsstelle. Bekanntmachung In der Gemeinde Bad Sassendorf ist ein kleines Schwein zugelaufen. Der rechtmäßige Eigentümer wird hiermit aufgefordert, seine Rechte bei der unterzeichneten Behörde geltend zu machen. Bad Sassendorf, d. 18. Dez. 1944. Der Amts=Bürgermeister als Ortspolizeibehörde: gez. Schröer. Evangelische Gottesdienste für St. Petri, Pauli, Thomä, Wiese, zur Höhe und Reformierte im Petrushaus. 24. Dez.: Morgens 8,15 Uhr. Heiligabendgottesdienst: nachm. 4 Uhr. 1. Hl. Christtag: Morg. 8,15 Uhr u. nachm. 4 Uhr. 2. Hl. Christtag: Morg. 8,15 Uhr u. nachm. 4 Uhr. Andachten im Kindergarten Müllingserweg: Heilig Abend und 2. Hl. Christtag: nachm. 4 Uhr. Hl. Abendmahl. St. Petri 2. Sonntag, den 24. Dez., 15 Uhr Heiligabend=Gottesdienst im Petrushaus, Past. Pleuger. 1. Weihnachtsfesttag, 25. Dez. 10 Uhr Hauptgottesdienst im Petrushaus, Pastor Pleuger. Kirchengemeinde Bad Sassendorf. Heilig Abend 16 Uhr: Gemeinde=Weihnachtsfeier. 1. Feiertag 9 Uhr. Festgottesdienst, 2. Feiertaa 9 Uhr Weihnachtsfeier des Kindergottesdienstes. Kirchengemeinde Weslarn. Heil. Abend: 16 Uhr. 1. Christtag: 9,30 Uhr. 2. Christtag: 15 Uhr. Kath Gottesdienst, einstweilige Ordnung. Patrokli=Dom. Sonntag: Hl. Messen: 7, 8, 9, 10 (10, 11, 12) u. nachm. 4 Uhr. Werktags: 7 u. 8 Uhr(10 u. 11). Außerdem Sonntags im Pfarrheim, Niedergasse 1, 8, 9, 10 Uhr(10, 11, 12). Die Christmette ist am Hl. Abend nachm. 4 Uhr im Dom u. im Pfarrheim. Eingang z. Dom nur von den beiden Seiten(Paradies u. Passe). St. Bruno. Sonnt. 7,30, 8,30, 9,30 u. nachm. 5,30 Uhr hl. Messen. Werktags um 8 Uhr. Weihnachten: Christmette: Hl. Abend nachm. 4 Uhr. Weihnachten: 5, 8,30, 9,30 Uhr. Für die Wehrmacht am 1. Weihnachtst. nachm. 4 Uhr in St. Bruno, Akazienstraße 18. Klavier verleiht Cremer=Hatting, Niederbergheimerstr. 79. Biete: Gute Mandoline und Plüschbär auf Rädern. Suche: Spielzeug f. Jungen. Zu erfr. in der Geschäftsstelle. Biete: Kletterweste Gr. 40, guterh.,u. Herrenledergamaschen. Suche: Damenstiefel, Leder od. Gummi Gr. 37—38. Ang. an die Geschäftsstelle. Biete: guterh. Kinderwagen. Suche: Wollkleid od. Schuhe Gr. 37. Zuschriften an d. Geschäftsst. Biete: Mädchenmantel f. 10 b 12jähr. Suche: Karbidlampe u. elektr. Kocher. Ang. an die Geschäftsstelle. Burg-Theater Soest Wiedereröffnung des Theaters am 1. Weihnachtsfeiertag. Vorstellungen an beid. Feiertagen 14, 16,45 und 19,30 Uhr der spannende Terra-Film Dr. Grippen an Bord Rudolf Fernau, Gertrud Meyen, René Deltgen, Anja Elkoff, Rolf Weih, Max Gülstorf, Ernst Waldow. Kartenvorverkauf an der Kasse von 11—13 Uhr und ½ Stunde vor Beginn der Vorstellung. Keine telef. Vorbestellungen. Der verehrten Kundschaft mache ich davon Mitteilung, daß ich das Geschäft meines Mannes unter der bisherig. Firma weiterführe. Ich bitte, das meinem Mann erwiesene Vertrauen auch mir entgegenzubringen. Frau Hedwig Emmeluth, Inh. der Firma Rudolf Emmeluth, Bürobedarf, Soest, Petrikirchplatz. Telefonisch wieder erreichbar. Viehh. Fritz Kreikenberg, Soest, Lütgengrandweg 11, Tel. 1226. Kundschaft, d. ihrer Teile in d. Kunststopferei verlustig geworden sind, wollen sich bei der zuständigen Behörde, Soest, Ressource, Zim. 1, melden. Adolf Nitz, jetzt Burgtheater 2. Stock. Gem. Branntkalk für Düngezwecke wieder vorrätig. Küsters, Borgeln. Briefmarken=Auktion Jan. 1945 Einlieferungen von Nachlässen, Sammlungen usw., müssen jetzt umgehend vorgenommen werden. Auktions=Einlieferungsbedingungen kostenlos. Edgar Mohrmann u. Co., Hamburg 1, Postfach 837, Bad Nauheim, Postfach 85. Gefunden Nähe Kleinbahnhof Hovestadt eine Geldbörse m. Inhalt. Abzuholen: Franz Naumke, Hobestadt. Bl. Damenhut Sonntag abend v. Müllingser Weg bis Niederbergheimer Str. verloren. Geg. Belohnung abzugeben in der Geschäftsstelle. Brauner H.=Lederhandschuh am Dienstag nachm. um 16,15 Uhr zwischen Damm— Großer Teich verloren gegangen. Gegen Belohn. abzug. in d. Geschäftsst. Gefunden! Auf der Reichsstraße Hamm—Soest wurde in Nateln am 27. 11. 44, nachm. 4 Uhr, ein Stahlsessel gefunden. Derselbe ist abzugeben bei Kleekämver, Haus Nateln üb. Soelt.