Erscheint wöchentlich dreimal u. zwar: Tienstag, Donnerstag und Samstag. Preis pro Quartal 1 Mk., durch die Post bezogen 1,25 Mk. Inserare pro einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 10 Pf. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Reklamen pro Petitzeile 30 Pf. mit der wöchentlichen Gratis=Beilage: zugleich Marsberger-Zeitung und Anzeiger für die Aemter Nieder=Marsberg, Fürstenberg und die Stadt Ober=Marsberg. Der Annoncentheil des„Diemel-Bote“ ist mit dem der„Briloner Zeitung“ verbunden. Annoncen und Correspondenzen besorgt die Filial=Expedition von Joh. Schulte in Nieder=Marsberg. Inserate werden bei der Expedition in Brilon am Tage vor Erscheinen der Zeitung bis Morgens 10 Uhr, bei der Expedition in Nieder=Marsberg bis Morgens 7 Uhr erbeten Nr. 113. 39. Beitragswoche der Niedermarsberg, Samstag, den 42. September. Alters= und Inv.=Vers. 1892. 000000 oAbonnements 0 0 auf den„Diemel- Boten“ nebst der wöchentlichen Gratis=Beilage„Sonntags lumen“ für das 9= 4. Quartal 1892= 6 a werden schon fortwährend von allen Postanstalten und *Briefträgern, sowie von unseren Boten und der ExpeDion entggengnonnen. Der Abonnementspreis beträgt bei der Expedition 1 Mk., durch die Post bezogen 1,25 Mk. Die Expedition. oo00000000000000 Der Bundesrath wird seine Berathungen in der nächsten Woche wieder aufnehmen; die erste Plenarsitzung soll am 27. d. M. abgehalten werden. Man darf überzeugt sein, daß der bayerische Antrag auf Wiederzulassung der Redemptoristen nicht auf der Tagesordnung stehen wird. Der eilt ja nicht; er hat so lange gewartet und kann weiter warten und die geduldige bayerische Regierung wird kaum drängeln. Dagegen ist die Militärvorlage höchst dringlich. Zwar glauben wir kaum, daß der Bundesrath großen Einfluß auf dieselbe haben wird. Was die Militärverwaltung, d. h. im Grunde Preußen, ausgearbeitet hat, dafür wird man einfach seine Zustimmung einholen. Die ganze Berathung wäre bloße Formalität, wenn nicht auch die Beschaffung der Mittel durch neue Steuern in Frage käme. An diesem Punkte dürfte doch dieser oder jener Bundesstaat mit einer Opposition einsetzen. Die süddeutschen Staaten werden sich wehren, wenn das Bier und der Tabak„mehr bluten" sollen. Zur Vorsicht ist Staatssecretär Frhr. von Martzahn nach Süddeutschland gereist, um unter der Hand die Opposition im Voraus zu beschwichtigen, wenn nicht auch zu spalten. Es scheint in der That beabsichtigt gewesen zu sein, den Tabakbau in Deutschland ganz zu verbieten. Der entschiedene Widerstand der süddeutschen Staaten hat aber erreicht, daß man sich mit der Erhöyung der Steuer und des Zolles auf Tabak begnügt.(Vielleicht muß es auch umgekehrt lauten: mit der Aussicht auf das Verbot des Tabakbaues hat man bei den süddeutschen Staaten erreicht, daß sie sich mit der Erhöhung nothgedrungen einverstanden erklärten. Die Red.) Wie es mit der Bierfrage steht, darüber verlautet noch nichts. Die„Pol. Corresp.“ hat in einem officiösen Berliner Briefe es als eine unhaltbare Abnormität hingestellt, daß in dem norddeutschen Brausteuergebiete die Bierabgabe nur 70 bis 80 Pfennige pro Kopf der Bevölkerung betrage, in Biyern dagegen beinahe 6 und in Württemberg über 4 Mark. Diese 4 oder gar 6 Mark scheinen in Berlin demnach als„ein Ziel, auf's innigste zu wünschen", betrachtet zu werden. Wenn man nur die Norddeutschen auch zwingen könnte, statt 87 Liter 221 jährlich zu trinken, wie die Bayern, oder wenigstens 173, wie die Württemberger. Das Ziel ist also unerreichbar, auch wenn man den bayerischen Malzaufschlag erreicht, und könnte nur mit einer Steuer von solcher Höhe erzielt werden, daß die einheimischen norddeutschen Biere mindestens den Preis der eingeführten süddeutschen erreichten. Das würde aber lediglich heißen, die ärmeren Klassen dem Schnapsgenuß noch mehr zutreiben, und der Vortheil wäre wieder verschwunden. Die süddeutschen Staaten dürfen da im Reichstage auf den Beistand Aller rechnen, die eine Zunahme des Schnapsgenusses nicht wünschen, und vermuthlich wird sich dieser Beistand nicht allein gegen eine gewaltige, sondern auch gegen eine mäßige Erhöhung der Biersteuer bethätigen. Alter Gewohnheit getreu verlassen sich die süddeutschen Staaten wohl leider mehr auf den Reichstag als auf sich selbst. Nach einigem Sträuben werden sie annehmen, was man ihnen in Berlin präsentiren wird; mag der Reichstag sich wehren. Grund hat er allerdings dazu. Die laufenden Mehrkosten sind von dem tiefen Course von 65 Millionen, den die„Kreuzztg.“ am Samstag notirte, heute nach den Notirungen der„Post“ wieder auf 100 Millionen angelangt. Die Erhöhung des Präsenzstandes soll demselben Blatte zufolge 95,000 Mann betragen. Wohl gemerkt, es sollen noch über jene Anzahl Recruten, die nöthig sein werden, um die durch Beurlaubungen nach dem zweiten Dienstjahr mehr entstehenden Lücken auszufüllen, hinaus 95,000 Mann jährlich mehr eingestellt werden. Die Etatsstärke der Infanterie an Gemeinen und Gefreiten beträgt 262,000 Mann. An Recruten werden jährlich 109,000 Mann eingestellt. Dafür müßten nach zweijähriger Dienstzeit etwa 52,000 Mann entlassen werden, weil sonst die Etatsstärke überschritten wäre. Sollen fortan alle Eingestellten nach zwei Jahren entlassen werden, so würden 57,000 hinzukommen (einige Procent sind allerdings für Abgänge in Abzug zu bringen, doch ist das hier nicht von Wichtigkeit). Um den bisherigen Präsenzstand aufrecht zu erhalten, müssen also in Zukunft 57,000 Mann mehr eingestellt werden. Da man nicht weiß, wie die 95,000 Mann der„Post“ sich auf die einzelnen Waffengattungen vertheilen, und die einen zweijährige, die anderen dreijährige Dienstzeit haben sollen, so läßt sich nicht angeben, wie viel von den 95,000 auf das einzelne Jahr fallen. Man darf vielleicht auf 35—40,000 rechnen. Das gäbe mit den 57,000 Mann so zwischen 90 und 100,000 Mann. Im Jahre 1891 wurden im Ganzen 172,515 Mann ausgehoben. Man sieht den Zuwachs. Im Jahre 1871 wurde die Friedenspräsenzstärke auf 401,659 Mann festgesetzt. 1891 betrug sie 486,983 Mann. Die jetzt geplante Erhöhung beträgt also noch 10,000 Mann mehr als alle Erhöhungen in den letzten 20 Jahren zusammengenommen. Allerdings kommen dafür die bisherigen Dienstleistungen der Ersatzreserve in Wegfall und werden die für den vollen Dienst eingezogenen Mannschaften im Wesentlichen dieselben sein, die jetzt schon 10 Wochen dienen mußten. Die„Post" versichert, es werde die Militärverwaltung die denkbar größte Sparsamkeit obwalten lassen, das gelte namentlich hinsichtlich der Verwerthung aller irgendwie entbehrlichen Bestände, wie z. B. hinsichtlich der Kleidung; auch in der Unterbringung seien„für's Erste" keine„übermäßig" hohen Ansprüche zu erwarten; sie werde vielfach eine provisorische sein. Ein schöner Trost: erst verlangt man 100 Millionen und dann will man sparen, d. h.„für's Erste". Die einmalige Neuforderung giebt die„Post" aber auch schon auf 50 Millionen an! Nachrichten. Deutsches Reich. Berlin. 23. September. —* Unser Kaiser arbeitete am Donnerstag Morgen im Marmorpalais bei Potsdam zunächst allein. Um 9¼ Uhr kam der Kaiser nach Berlin, begab sich sofort in das königliche Schloß und empfing daselbst den Kriegsminister v. Kaltenborn zum Vortrage und arbeitete darauf mit dem Chef des Militärcabinets. Mittags verließ der Monarch wieder Berlin und begab sich auf der Potsdamer Bahn nach Neubabelsberg, von wo aus derselbe zu Wagen nach Jagdschloß Glienicke fuhr, um einer Einladung des Prinzen Friedrich Leopold zur Tafel zu entsprechen. Später kehrte Se. Majestät nach dem Marmorpalais zurück. Am Spätabend gedenkt der Kaiser seinen Jagdausflug nach Rominten in Östpreußen anzutreten. —* Die Prinzessin Heinrich XVIII., Reuß j. L., ist am Donnerstag früh von einem Sohne leicht und glücklich entbunden. Die Prinzessin sowie der neugeborene Prinz befinden sich wohl. —* Da es sehr unwahrscheinlich ist, daß die handelspolitischen Verhandlungen mit Rußland bis zum 1. Dezember d. J. zum Ziel führen, soll es, nach der„Köln. Ztg.“ im Plane der Reichs=Regierung liegen, für die an jenem Tage erlöschende Vollmacht des Bundesrathes, die Zollermäßigungen auch solchen Staaten zu gewähren, die einen vertragsmäßigen Anspruch darauf nicht haben, eine kurze Verlängerung vom Reichstage auszuwirken. Ein Räthsel. Roman von E. Heinrichs. 34)(Fortsetzung.) Nachdruck verboten. „Aber so komm' doch wieder her, Väterchen!" bat sie weich,„höre mich nur ruhig an—“ „Danke schön, habe genug davon,— ich gehe aus, kannst den Rudolf allein abfertigen, da ich ihm nicht wieder unter die Augen treten mag.“ „Bitte, Vater, nur einen Augenblick!" Sie trat zu ihm, schlang beide Arme um seinen Hals und flüsterte ihm stockend einige Worte in's Ohr. Der alte Herr sagte kein Wort darauf, ober er drückte sie fest an seine Brust und küßte sie zärtlich. Dann streichelte er liebkosend ihr schönes Haar, löste sich sanft aus ihren Armen und schritt hinaus, um ihr seine tiefe Bewegung zu verbergen. Clarg las den Brief wieder und wieder und mochte jetzt wohl etwas ganz anders daraus gelesen haben als vorher, denn sie drückte ihn an die Lippen und Thränen des Glücks, des herzinnigen Dankes fielen auf die Zeilen, welche ihr nun einen Himmel eröffneten. Sie war zu sehr Weib, um nicht jetzt an ihre Toilette zu denken und in fliegender Hast warf sie sich in ein Hausgewand, das in geschmackvoller Einfachheit ihre geschmeidige Gestalt zur vollen Geltung brachte und dessen lichte Farben die Jugendfrische und Lieblichkeit ihrer ganzen Erscheinung unabsichtlich hoben. Clara wollte schön sein und sie war es jetzt doppelt in dem Widerschein eines innern Glücks. Sie warf noch einen zufriedenen Blick in den Spiegel und wollte in's Wohnzimmer hinabgehen, als ihr Fuß stockte und das Herz wieder so ungestüm hämmerte, daß sie die Hand darauf pressen mußte. Die Thürglocke hatte geklingelt, gewiß war er schon gekommen, um sich die Antwort zu holen. Sie horchte aus der Thür, er war's, doch klang seine Stimme so erregt, so hastig und ängstlich, als ob er dem Vater ein Unheil verkünde. Öhne sich weiter zu besinnen, flog sie die Treppe hinab und sah Rudolf in der offenen Thür der Wohnstube stehen, während der Vater in sichtlicher Aufregung seinen Hausrock mit einem andern vertauschte. „Guten Morgen!" sagte sie mit einer an ihr ganz ungewohnten Schüchternheit, welche ihr einen neuen Reiz verlieh. „Ist ein Unglück geschehen?" Rudolf wandte sich rasch um. Sein aufleuchtender Blick umfing die liebliche Gestalt. Er trat auf sie zu, erfaßte ihre Hand und preßte seine Lippeu darauf. Dann senkten sich seine Augen in die ihrigen und er las aus ihnen die Antwort auf seinen Brief. „Clara!" flüsterte er,„Du willst die meine sein?" „Ja, Rudolf, Herz und Hand gehören Dir!" Wie gern hätte er sie in seine Arme geschlossen, aber er mußte sich jetzt beherrschen und dem Stadtsecretär wieder Rede stehen, der zur Eile drängte und das Töchterchen auf späteren Aufschluß vertröstete. „Der alte Riehl ist gerettet, Kind,— unser Rudolf hat eine wichtige Entdeckung gemacht, halte uns nur um gotteswillen nicht länger auf, der Tod könnte uns sonst einen Strich durch die Rechnung machen.“ Der junge Herr konnte aber doch das Haus nicht verlassen, ohne die Geliebte im Fluge umarmt und ihr den ersten Kuß geraubt zu haben, was Clara mit einem süßen Schrecken, der Vater jedoch mit stiller Genugthuung, welche sich in einem zufriedenen Schmunzeln kundgab, erfüllte. 4 Was war geschehen? Welche Entdeckung hatte Rudolf Steinmann bei seinem Morgen=Spaziergang gemacht? Von Unruhe gefoltert, war er durch die stille Promenade geschritten und hatte den Doctor getroffen, welcher ebenfalls nach seiner Gewohnheit, von der ihn nur die äußerste Nothwendigkeit zurückhalten konnte, seinen Spaziergang machte. Die beiden Herren hatten sich freudig begrüßt und sofort die gestrigen Ereignisse wieder verhandelt, wobei der Doctor nochmals seine ganz besondere Genugthuung über die Handlungsweise seines jungen Freundes, sowie über die kecke Declarirung seiner Verlobung ausgesprochen hatte. „Ich bin überzeugt, daß Fräulein Brandner die Sache richtig auffaßt, wenn Sie nur nicht zu bescheiden von Ihren Verdiensten geschrieben und Ihr Licht nicht unter'n Scheffel gestellt haben," meinte der Doctor,„auch die klügste Frau liebt es, ihren Ritter im strahlendsten Glanz zu sehen, da Goethe's Ausspruch:„Nur Lumpe siud bescheiden!" die Tugend halb und halb zu einem Laster gestempelt hat." „Renommisterei war niemals meine Sache," bemerkte Rudolf,„was ich gesagt und gethan, wäre schon längst die Pflicht jedes Ehrenmannes gewesen. Doch Apropos, Doctor," setzte er, ein anderes Thema anschlagend, hinzu,„wie gehts dem alten Riehl? Ich hörte, daß er krank sei." „Ja, es steht ziemlich schlimm mit ihm, ich glaube nicht, daß er's lange macht. Sagen Sie mir aufrichtig, lieber Steinmann, glauben Sie an seine Schuld?" „Nein, ich glaube nicht daran, ebensowenig an die Schuld der Tochter, obgleich auch ihre Verhaftung durch eine Verkettung von Beweisen unumgänglich wurde, wie ich bereits klar genug eingesehen." „Es ist eine seltsame Geschichte," sagte der Doctor,„noch seltsamer durch cine Art Beichte, welche der kleine Olsen, welcher in dieser letzten Nacht gestorben ist, mir ablegte." „Er erzählte Ihnen wahrscheinlich seinen Traum, worin der Volontär Adolar eine Hauptrolle spielt." „Ah, so haben Sie Kenntniß davon gehabt?" „Freilich hatte ich das,— er erzählte meinem Detectiv, — ich mußte mich eines geheimen Beamten bedienen— die Geschichte seines Traumes, welchen ich allerdings für wirklich erlebt halte. Darnach hatte er in jener Nacht, als die Leiche des Kindes durch die Eckensteher gefunden wurde, mit diesen beiden Kumpanen sich nach der Schlucht begeben, um seinen Rausch, den er selber als ganz sinnlos bezeichnete, hinter der —* Von der deutschen Flotte. Bei dem Zusammenstoß der Panzer„Friedrich Karl“ und„Württemberg“ hat ersterer „Württemberg“ mittschiff getroffen und manöverunfähig gemacht. Ersterer welcher den Ramsteven verlor, traf am Donnerstag Vormittag in Kiel ein und verholte in die Werft.„Württemberg“ wurde am Nachmittag vom Panzer„Deutschland" eingeschleppt. — An der Berliner Börse wurden am Dienstag für die Nothleidenden in Hamburg 44,000 Mark gezeichnet. — Das„Berl. Tageblatt“ veröffentlicht ein Interview wit einem hohen Beamten Hamburgs. Danach sollen, wenn die Noth der Hamburger Arbeiterbevölkerung noch lange anhält und wenn die Privatwohlthätigkeit nicht genügt, Staatsmittel herangezogen werden. Hamburgs Export habe gewaltig gelitten. Der Gewährsmann verurtheilte scharf die Nachlässigkeit der Behörden bezüglich des Trinkwassers.— Nach einer Erklärung des Ministers des Innern ist Harburg nicht verseucht. Bückeburg, 20. Sept. Der Zustand des Prinzen Hermann zu Schaumburg=Lippe hat sich wenig geändert. Es macht sich eine allmähliche Abnahme der Körperkraft bemerkbar. Das Nahrungsbedürfniß des Kranken ist gering, Puls und Temperatur sind normal. Die Lebensgefahr besteht fort. Oesterreich. Wien, 21. Sept. Wie in hiesigen Hofkreisen verlautet, reist Kaiser Wilhelm am 9. October von Weimar ab und trifft am 10. October Vormittags hier ein. Doch ist es auch nicht ausgeschlossen, daß er den 10. October noch in Berlin zubringt, wie noch nichts unbedingt festgestellt ist. Der Kaiser kommt zu privatem Besuch, jedoch nicht incognito. Während seines Aufenthalts sind kleinere Jagden in Aussicht genommen, namentlich aber auch Hof= und Privatfestlichkeiten aus Anlaß des Distanzrittes Berlin=Wien, der in die Zeit des Kaiserbesuches fällt. Die Distanzreiter werden hier durch Abendgesellschaft bei Hofe geehrt werden. Auch sind für sie festliche Ausflüge nach Kisber und andern Gestüten geplant. Frankreich. * Aus Paris wird bestätigt, daß während der letzten großen Manöver mit den neueingeführten sogenannten Mischregimentern sehr schlechte Erfahrungen gemacht worden sind. Die Leute waren absolut nicht kriegstüchtig. Die Manöver haben wiederum ergeben, was schon lange kein Geheimniß mehr ist, nämlich, daß Frankreich außer Stande ist, mit dem vorhandenem Menschenmaterial die Ansprüche der Militärverwaltung zu erfüllen. Belgien. *Die Schlägereien zwischen französischen und belgischen Arbeitern in Nordfrankreich dauern nach immer fort. Alle Vermittelungversuche haben bisher nichts gefruchtet. Holland. * In dem Orte Paturanas ist die Cholera plötzlich epidemisch aufgetreten. Eine größere Anzahl von Personen ist erkrankt, die Hälfte der Erkrankungen endet mit dem Tode. Großbrittanien. * Die Prinzessin von Wales, welche infolge des Todes ihres ältesten Sohnes, des Herzogs von Clarena, in Trübsinn verfallen war, ist jetzt so ziemlich wiederhergestellt. Rußland. * Die Abberufung des bisherigen russischen Botschafters von Mohrenheim in Paris scheint sicher zu sein. Herr von Mohrenheim, der bei jeder Intrigue gegen Deutschland zu finden war, hat sich in Paris etwas gar zu sehr als Protector der russisch=französischen Freundschaft aufgespielt und das hat den mißtrauischen Czaren verstimmt.— Die im Pamirgebiet stehenden russischen Truppen sind zurückberufen worden. Türkei. * In Konstantinopel sind mehrere tausend türkischer Studenten verhaftet, die an Bord von Dampfern gebracht wurden. Nach offiziellen Angaben soll die Maßregel erfolgt sein, um eine Ueberfüllung der öffentlichen Schulen zu vermeiden. Man hat wohl einen Straßen Krawall befürchtet.— Der belgische General Brialmont, welcher vom Sultan um sein Gutachten Ruine, wohin sich so leicht kein Menschenkind sonst verirrte, auszuschlafen, da er seiner braven Frau in diesem Zustande nicht nach Hanse kommen mochte. Der alte Bursche besaß immerhin bei all' seiner Versunkenheit noch einen guten Kern, der sich in der Scham vor seiner Frau äußerte. Wie er zu der rohen Mißhandlung gegen sie gekommen ist, kann ich nicht begreifen.“ „Es ist unabsichtlich geschehen, das steht fest," bemerkte der Doctor,„der arme Schelm betheuerte es noch in seiner Sterbestunde, und auch die Frau vertheidigte ihn nach dieser Seite hin bis zum letzten Athemzuge. Man findet oft wirkliche Seelengröße bei diesen armen Geschöpfen, deren ganzes Dasein nur schwere Arbeit und Leiden aller Art bedeutet. Na, der klein Olsen hatte ihren Werth wohl erkannt, das sagt uns seine Reue und schwere Buße, die er sich in der Entsagung des Alkohols freiwillig auferlegte, deutlicher als viele Worte, weil es für den Säufer in diesem Alter Vernichtung heißt. Eine allmähliche Abgewöhnung kann zur vollständigen Heilung führen, gänzliche Entsagung aber zum raschen Tode, zumal wenn nagende Reue den Seelenfrieden vernichtet. Nach seiner Erzählung, die er mir vor zwei Stunden noch zum Besten gab, ist er durch die kalte Berührung einer HundeSchnauze in jener Nacht vom Schlafe aufgeschreckt worden und hat im Mondenschein ganz deutlich seine beiden Collegen gesehen, die sich mit einem fremden feingekleideten Herrn unterhalten haben. Nach der Beschreibung kann dieser Herr, den er oft mit dem schönen Hunde, welcher auf den Namen Pascha hören soll, in der Stadt gesehen habe, kein anderer sein als—“ „Ich weiß, Herr Doctor," unterbrach ihn Rudolf hastig, „nennen wir lieber keinen Namen. Es ist eine unheimliche Geschichte, ein Räthsel, worüber der unglückliche Riehl wohl wegsterben wird, ohne daß eine Lösung desselben erfolgt ist. Die beiden Eckensteher, welche ja auch verhaftet worden, sind's gewesen, welche es dem kleinen Olsen so lange vorgeschwatzt, daß er nur geträumt habe, bis der arme Kerl endlich selbst daran glanbt. Ich will heute meinen Collegen besuchen, um über die Befestigung der Dardanellen ersucht war, empfahl den Bau neuer Werke an Stelle der veralteten, was etwa fünfzig Millionen kosten würde. Ja, wenn der Sultan soviel Geld übrig hätte. * Die Cholera macht in Krakau und Umgebung langsame Fortschritte, die Fälle nehmen Tag für Tag zu, haben aber eine besorgnißerregende Höhe noch nicht erreicht. Die sanitätspolizeilichen Maßregeln werden mit großer Schärfe gehandhabt. — Der Antritt einer großen Weltreise durch den Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand wird allgemein als Beweis dafür angesehen, daß nennenswerthe politische Verwicklungen in absehbarer Zeit nicht erwartet werden. Amerika. * In Argentinien scheinen sich schon wieder einmal unheimliche Dinge vorzubereiten: Man hat eine weitverbreitete Verschwörung entdeckt, und eine Anzahl von Officieren ist wegen Theilnahme daran verhaftet worden.— Aus den Küstenstädten der Vereinigten Staaten wird eine Anzahl neuer Cholerafälle berichtet. über die Cholera. —* Die Cholera. In Hamburg sind vom Mittwoch Mittag bis Donnerstag Mittag 180 Choleraerkrankungen und 97 Todesfälle gemeldet; eine Anzahl Nachmeldungen sind aber noch zu erwarten. Im Berliner Choleralazareth waren am Donnerstag 77 Personen, einschließlich derjenigen, welche beobachtet wurden. Davvn war bei 14 Kranken die asiatische Cholera nachgewiesen und zwar bei 8 Männern, 4 Frauen, 2 Kindern. Die Mehrzahl dieser 14 gehört Schifferfamilien on, doch sind auch Berliner darunter, die, soviel bekannt, nicht mit Hamburgern zusammengekommen sind, wohl aber sich an der Spree zu thun gemacht haben. Das Wasser der Spree muß daher unbedingt als verseucht gelten. Am Donnerstag gelangten in Berlin vier Krankheits= und drei Todesfälle zur Meldung. In Hamburg haben alle Aerzte von der Choleracommission Scheine erhalten, wonach sie befugt sind, ungesunde Wohnungen polizeilich räumen und die Bewohner nach einer Staatswohnung schaffen zu lassen. Die Choleracommission arbeitet Tag und Nacht. Die beiden Bataillone des 76. Regimentes der Hamburger Garnison kommen nach Lückeck, Flensburg und Rostock, die Wandsbecker Husaren nach dem Lockstedter Lager. Hamburg, 20. Sept. Der Generalpostmeister v. Stephan übersandte dieser Tage der hiesigen Postdirection ein Anerkennungsschreiben hinsichtlich des aufopfernden Eintretens, namentlich der Unterbeamten. Die Postdirection wird dann angewiesen, wo unter den Beamten Nothstand in Folge der Epidemie angezeigt wird, sofort entsprechende Unterstützungen auf Rechnung der Postkasse zu leisten. Die Zahl der erkrankten und verstorbenen Postunterbeamten ist nicht unerheblich; da namentlich die Briefbesteller vielfach der Ansteckung unterliegen. Hamburg, 20. Septbr. Sämmtliche hierher beorderte Militär=Aerzte haben nunmehr die Krankenhäuser verlassen. 20 Lazarethgehülfen bleiben bis zum Freitag zur Beobachtung einer Quarantäne in den Baracken und kehren dann zu ihren Truppentheilen zurück. Die Feldlazareths sind geräumt, weil sie bei der rauhen Witterung für Cholerakranke ungeeignet sind. Die Speisehalle am Hansaplatz wird morgen eröffnet. Hamburg, 21. Sept. Insgesammt sind bis jetzt über 7000 Todesfälle konstatirt. Das Elbwasser bei Wittenberg enthält Commabazillen. — Das Schicksal einer aus Hamburg nach Wismar geflüchteten Familie erregt in weiten Kreisen Theilnahme. In den letzten Augusttagen kam eine Frau Meyer in Wismar aus Hamburg an und fand mit ihren vier Kindern Aufnahme bei ihren betagten Eltern. Nach drei Tagen waren der Vater, die alte Mutter und zwei Kinder an der Cholera erkrankt. Die beiden Kinder und der Großvater starben, die Großmutter liegt noch schwer krank im Choleralazhreth, während Frau Meyer nur leicht erkrankte und nach 6 Tagen aus der Beobachtungsbaracke entlassen werden konnte. Am Freitag Abend kam ihr Gatte von Hamburg an. Er war als Leichenträger zu hören, wie weit er denn eigentlich in der Sache vorgerückt ist." Sie waren während dieser Unterhaltung immer weiter gegangen, bis sie plötzlich beim Riehl'schen Hause angelangt waren und Beide hier stehen blieben, um einen Blick in den Garten zu werfen. „Wird das Haus denn gar nicht bewohnt?“ fragte Rudolf,„oder haust die alte Nette hier ganz allein?" „Die Alte liegt schwer krank im Hospital,— wird wohl auch darauf gehen. Sie hat sich das schreckliche Schicksal ihrer Herrschaft zu sehr zu Herzen genommen und wird das Nervenfieber, daß sie ergriffen, schwerlich überwinden. Was ist denn das?" setzte der Doctor aufhorchend hinzu,„hörten Sie nicht eben einen sonderbaren Klageton?" „Ja,— es kam von drüben aus der Schlucht. Da ist der Ton wieder, er klingt wie das Stöhnen eines Sterbenden oder Todtkranken.“ „Sehen wir dort einmal nach, Assessor!“ sagte der Doctor, eutschlossen voranschreitend. Die Schlucht, woran sich in ziemlicher Erhöhung die Ruine lehnte, wurde an der entgegengesetzten Seite durch ein altes Gemäuer aus zerbröckelten Quadersteinen, von einem Stück Wiesenland, der ehemaligen Gemeinde=Weide, getrennt, welche jetzt verpachtet wurde. Die Wiese lag nur wenige Fuß tiefer als das Gemäuer, während die Schlucht an ihrer Seite eine bedeutende Tiefe besaß, da sich hier ein vorzüglicher Sandboten befand, der von den Bauleuten zum Mörtel benutzt und frei abgeholt werden durfte, wodurch eine tiefe Grube entstanden war, worin sich in der Regel irgend ein Arbeitsgeräth, eine Schiebkarre mit der Schaufel oder dergleichen von den hier beschäftigten Arbeitern zu befinden pflegte. „Es muß ein Mensch in der Sandgrube verunglückt sein," sagte der Doctor, den Weg dorthin eiligst einschlagend, gewiß ein fürwitziger Bube, der sich im Springen geübt und dabei die Knochen zerbrochen hat.“ (Fortsetzung folgt.) beschäftigt gewesen und mußte sich vom Bahnhof aus ohne seine Frau vorläufig anders als von weitem begrüßen zu können, in das Gebäude der alten Stadtschule begeben, un die vorgeschriebene Quarantäne durchzumachen. Hier versuchte er, dem Qnarantäne=Wärter durch Angebot eines Tsalers zu bewegen, ihn freizulassen, welchem Ansinnen natürlich nicht entsprochen wurde. In der Nacht gegen 1 Uhr öffnete Meyer ein Fenster und suchte mit Hilfe einer Rouleauxschnur zu entfliehen. Die Schnur riß, Meyer stürzte auf das Pflaster und war sofort todt. Die arme Frau, die jetzt mit ihren zwei verbliebenen Kindern allein ist, hat in wenigen Wochen eine Leidensgeschichte von furchtbarer Ausdehnung erleben müssen. Locales und Die verehrl. Leser werden ersucht, uns Nachrichten, welche für die Oeffentlichkeit von Ivteresse sind, gefl. zusenden zu wollen N.=Marsberg, 21. Sept. Zum einjährig=freiwilligen Dienst Berechtigte, welche bis zum 1. October cr. zurückgestellt sind, müssen sich jetzt entweder zum Dienstantritt bei einem Truppentheil melden nder aber eine weitere Zurückstellung bei dem Civilvorsitzenden derjenigen Ersatz=Commission nachsuchen, welche die erste Zurückstellung verfügt hat. Wer den Zeitraum der ihm gewährten Zurücksetzung verstreichen läßt, ohne sich zum Dienstantritt zu melden, oder nach Annahme zum Dienst sich rechtzeitig zu stellen, verliert bekanntlich die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst. Obermarsbera. 21. Sept. Heute Mittag wurde das einzige 3jährige Söhnchen des Herrn Jos. Kloke hierselbst von einem Düngerwagen überfahren und war sofort todt. -e- Obermarsberg, 22. Sept. Ein niederträchtiger Bubenstreich wurde in der Nacht vom 14. auf den 15. d. Mts. hier verübt, indem die an der Stiftskirche sich befindliche eiserne Kirchhofspforte gewaltsamer Weise abgemeißelt und gestohlen wurde.(Siehe diesbez. Annonce). □ Brilon, 22. Sept. Ein Wagen ohne Pferde. Gestern Abend trafen ein Herr und eine Dame von Hoerde kommend auf einem sogen. elektrischen Wagen, Motorwagen, aus der Gasmotoren Fabrik von Benz u. Co. in Mannheim hier ein. Das Fuhrwerk wird mittels eines Motors in Bewegung gesetzt. Die Betriebskosten sollen aber noch so hohe sein, daß eine allgemeire Einführung dieser Wagen wohl noch in weiter Ferne steht. □ Brilon, 23. Sept. Gestern Abend ½11 Uhr ertönte plötzlich Feuerlärm, in dem Hause des Hauderers Wilhelm Isenberg in der Capellenstraße war Feuer ausgebrochen, welches so rasch um sich griff, daß nur Weniges gerettet werden konnte. Da das Haus massiv gebaut und ziemlich isolirt stand, konnte das Feuer auf seinen Heerd beschränkt werden. Wie das Feuer, welches unten im Hause ausgebrochen ist, entstanden, ist noch nicht aufgeklärt. Haus und Mobilar sollen versichert sein. Da bekanntlich sehr viele Leute ihr Mobilar immer noch nicht versichert haben, seien dieselben bei dieser Gelegenheit ermahnt, dieses recht bald zu thun, um sich vor Schaden zu bewahren. ( Brilon, 23. Sept. Der Herbst hat seinen Antritt hier mit einem starken Gewitter begleitet, das in den Nachmittagsstunden bei nur mittlerer Temperatur losbrach. □ Nuttlar, 21. Sept. Heute verschied hier plötzlich am Schlagfluß der Director der Schieferbau=Actiengesellschaft Herr Drechsler. An ihm verliert die Gesellschaft einen sehr tüchtigen und umsichtigen Leiter, die Gemeinde einen Mann, der wegen seines biedern Characters überall hoch geschätzt wurde. R. i. p. - Nuttlar. 21. Sept. Heute Mittag ereignete sich hier ein bedauerlicher Unfall. Der 24jährige Bergmann I. Hohmann von hier erlitt durch zu frühzeitiges Entladen eines Schusses nicht unbedeutende Verletzungen. Namentlich soll die linke Hand und das linke Auge stark verletzt sein. Neheim, 21. Sept. Beim Eintritt der langen dunkeln Abende wollen wir darauf aufmerksam machen, daß der Eigenthümer eines Gebäudes verpflichtet ist, Flur und Treppenaufgang bei herrschender Dunkelheit so lange zu beleuchten, als der regelmäßige Verkehr stattfindet. Unterläßt er dieses, so handelt er fahrlässig, hat Polizeistrafe zu gegenwärtigen und außerdem etwa durch die Nichtbeleuchtung entstandenen Schäden aufzukommen. Menden, 20. Sept. Heute Nachmittag 4 Uhr wurde der am Samstag Morgen nach langem schweren Krankenlager hierselbst gestorbene Ehrenamtmann des Amtes Menden, Herr Theodor Freiherr von Dücker, zur letzten Ruhe gebettet. Die in seiner 27jährigen Amtsperiode bewiesenen vortrefflichen Eigenschafien als Verwaltungsbeamter machen den Verlust des bewährten Beamten weit über die Grenzen des Amtsbezirks hinaus zu einem herben. Wickede a. d. Ruhr. 22. Sept. Vergangene Nacht entlud sich über unserm Orte ein schweres, mehrere Stunden andauerndes Gewitter. Ein Blitzstrahl traf das Eisenbahnstationsgebäude; dasselbe wurde ein Raub der Flammen. Berleburg, 17. Sept. Neuerdings haben wiederholt Vernehmungen in Sachen des durch Urtheilsspruch bereits abgeschlossenen Wagenbach'schen Mordprocesses stattgefunden. Der gefürchtete Wilddieb Wagenbach ist bekanntlich wegen Ermordung des fürstlich Wittgenstein'schen Försters Kroh vom Arnsberger Schwurgericht zum Tode verurtheilt und dieses Urtheil vom Reichsgericht in Leipzig bestätigt worden. Nun soll nach Bericht der„Rh.=Westf. Ztg." gegen mehrere Belastungszeugen der dringende Verdacht des Meineids vorliegen; ein Zeuge aus dem Siegerlande soll offen erklärt haben, sein dem Wagebach schwer belastendes Zeugniß beruhe auf Unwahrheit. Wagenbachs Vertheidiger, Rechtsanwalt Scheele in Arnsberg, ist auf Grund dieser neuen Wendung der Dinge in eifrigster Thätigkeit, so daß man auf den weiteren Gang dieser Angelegenheik gespannt sein darf.— Die hiesige Fürstl. Hofapotheke ist aus dem Besitze der verw. Frau Apotheker Schütz an den Apotheker Wilhelm Brauneck käuflich übergegangen. Der langjährige Geschäftsführer, Apotheker Aschenbach ist nach Kassel verzogen. Geseke, 21. Sept. Gestern Vormittag um 12 Uhr fand vor dem Magistrat und Stadtverordneten=Collegium die Einführung und Vereidigung unsers neuen Bürgermeisters Herrn Flamm durch den Landrath Herrn Frhr. v. Werthern als Commissar durch den Regierungspräsidenten statt. Letzterer wies in seiner Rede auf die Rechten und Pflichten des Bürgermeisters hin. Herr Flamm dankte darnach den Herrn Stadtverordneten und dem Herrn Landrath für seine einstimmige Wahl und Ernennung. Hierauf leistete er den vorgeschriebenen Eid. Um 1 Uhr Mittags fand ein Festessen im Hotel Kersting statt, an dem über 100 Personen Theil nahmen. Büren, 26. Sept. Gestern wurde hier durch die Glocke bekannt gemacht, daß im benachbarten Geseke der Unterleibtyphus ausgebrochen sei. Die Sache ist nicht so schlimm denn im allgemeinen hört man in Geseke davon nichts. Hamm, 21. Sept. Einen schrecklichen Tod fand auf dem hiesigen Bahnhofe der Maurermeister Kremer aus Camen. Der Mann war irrthümlich statt in den Dortmunder in den Mindener Zug eingestiegen. Bei dem überhasteten Aussteigen stolperte er und wurde von dem sich in Bewegung setzenden Zuge überfahren. Er war sogleich todt. Münster, 22. Sept. Unser Mitbürger, Herr Wienand, ist nach 14tägiger Dienstleistung als Ober=Krankenwärter zu Hamburg=Eppendorf bei seiner Familie wieder eingetroffen. Die Dienste Wienand's, welcher von dem ihm während der Cholera=Epidemie 1866 bekannt gewordenen Leiter des Hospitals nach Hamburg berufen worden war, wurden unnöthig, weil die ihm unterstellte Abtheilung des Krankenhauses für Typhuskranke eingerichtet wurde; denn neben der Cholera herrscht zur Zeit auch der Typhus in Hamburg. Herr Wienand verdiente täglich 20 Mark bei freier Verpflegung. Bei seiner Abfahrt aus Hamburg ist er einer gründlichen Desinfection unterzogen und es ist natürlich, daß auch die hiesige Polizei sich seiner sofort bei der Ankunft liebevoll annahm. Aber auch die peinlichste ärztliche Untersuchung konnte nur den vorzüglichsten Gesundheitszustand desselben feststellen und so dürfen wir uns freuen, einen Mitbürger wieder in unserer Mitte zu haben, der seine Kenntnisse und Erfahrungen in so hochherziger Weise der leidenden Menschheit zur Verfügung gestellt hat. Münster, 20. Sept. Einer der es hat! Bei dem Postschalter des hiesigen Hauptpostamts ließ Jemand beim Einkanf von Versicherungsmarken aus Versehen eine Anzahl Goldstücke liegen, ohne sich deswegen bisher zu melden. Das Geld liegt beim hiesigen Postamt zum Abholen bereit. Münster, 20 Sept. Ein Verein zur Hebung der Rindviehzucht in Westfalen wurde in einer stark besuchten Versammlung von Landwirthen, welche im Gasthof Wieseler hier gestern stattfand, in's Leben gerufen. Hauptzweck des Vereins, welchem sogleich 50 Mitglieder beitraten, ist die Veredelung der Viehrassen durch An= und Verkauf guter Zuchtthiere. Zum Vorsitzenden wurde Freiherr von Dalwigk=Heek, zu weitern Mitgliedern des Vorstandes der Generalsecretär Dr. Schleh(Herford) und der Landwirthschaftslehrer Dr. Potthast (Billerbeck) gewählt. Münster, 20. Septbr. Ein jedenfalls einzig in seiner Art dastehender Fall, welcher besonders den Vogelzüchtern und Liebhabern nicht uninteressant sein dürfte, wird von unterrichteter Seite wie folgt mitgetheilt. Eine hiesige Dame hatte einen Canarienvogel, welchen sie während dem mehrjährigen Besitze so weit herangebildet hatte, daß er frei im Zimmer umherfliegen konnte. Als dieselbe nun neulich wiederum ihren Liebling hätschelte, öffnete sie plötzlich die Zimmerthür, und ehe man sich es versah, war Hans, dem Freiheitsdrange nachgebend, durch dieselbe und ein offenstehendes Fenster davon geflogen. Alles Rufen und Locken blieb umsonst, und schmerzlich gedachte man des geschiedenen schönen Sängers. Einige Tage vergingen und noch immer blieben die Nachforschungen vergebens. Der Verschollene blieb und war verschwunden, bis kürzlich nach vollendeten 2 Monaten, plötzlich etwas durch das offene Fenster geflogen kam und sich vor dem Vogelkäfige niederließ. Wie erstaunt war man, als man in demselben den Verschwundenen wiedererkannte, welcher seinerseits auch die Freude des Wiedersehens zu erkennen gab. Wo das Thierchen sich nun während der ganzen Zeit aufgehalten hat, vermag nicht angegeben zu werden. Jedenfalls ist der Fall, daß der Vogel nach 2monatlicher Abwesenheit dem verlassenen Heime wieder zuflog und dasselbe noch wiederfand, äußerst selten. Bochum, 20. Sept. Wegen Beleidigung Baare's sollte sich morgen vor der hiesigen Strafkammer der stellvertretende Redacteur Weber der„Westf. Volksztg.“ verantworten. Unter Anklage stehen drei Artikel vom 18. und 20. Juni, sowie vom 4. Juli 1. I. Die Verhandlung ist heute bis nach Beendigung des Essener Processes vertagt worden. Wetter a. d. Ruhr, 20. Sept. Die hiesige Polizei fahndet eifrig auf die ruchlosen Verbrecher, die am Donnerstag Abend am Hause des Directors Schuchardt das DynamitAttentat ausgeführt haben. Die Dynamitpratronen, wie wir hören, 250 Stück, wurden durch Einbruch aus dem Magazin des Steinbruchbesitzers Heaser hierselbst gestohlen. Ein großer Theil des Dynamits muß sich noch im Besitze der Verbrecher, auf deren Ergreifung die hiesige Ortsbehörde 300 M. Belohnung setzte, befinden. Mehrere Verhaftungen wurden bereits vorgenommen. Ruhrort, 20. Sept. Das Opfer eines Mordbuben ist hier gestern ein Pferdebahnkutscher geworden. Derselbe bekam Abends gegen ½10 Uhr mit zwei jungen Burschen, die sich ohne Berechtigung in die Abtheilung erster Klasse gesetzt hatten, Streit. Da sie sich nicht gutwillig entfernten, mußten sie schließlich gewaltsam hinausgeworfen werden, was sie derartig erregte, daß sie dem Wagen bis zur nächsten Haltestelle nachliefen, dort den Kutscher, einen baumlangen, starken Menschen, herausforderten, und ihm, als er der Forderung nachkam, durch einen Messerstich in das Herz zu Boden streckten. Der Tod des Aermsten trat wenige Augenblicke später ein. Die beiden Burschen ergriffen nach der That zwar die Flucht, doch gelang es, einen von ihnen nach der That zu erwischen und festzunehmen. Ob dieser der Messerheld war oder sein Kumpan, der sich irgendwo verborgen hält, ist noch nicht festgestellt; der Verhaftete bestreitet die That. Wesel, 21. Sept. In der vergangenen Nacht sind die beiden an der Brechruhr erkrankten Personen, der Fabrikarbeiter Unnerstall und die Tochter des bereits vor acht Tagen verstorbenen Fischerknechtes Lemken gestorben. Die Besserung ist also nur eine scheinbare gewesen. Unnerstall hinterläßt 8 kleine Kinder. Dem Vernehmen nach ist diesen Morgen ein von derselben Krankheit befallener Mann von Fusternberg, in der Nähe Wesels aber ziemlich weit von der Rheinvorstadt liegend, in die Cholerabaracke gebracht worden. Verschiedene Brunnen der Stadt sind polizeilich geschlossen worden. Ebenso werden die Bewohner der Rheinvorstadt jetzt polizeilich gezwungen, ihre noch nicht vorschriftsmäßig befundenen Aborte sofort herrichten zu lassen. Grevenbroich, 19 Sept. Bei Gelegenheit der letzten Controllversammlung im April d. J. hatte ein Reservist, nachdem er von einem der anwesenden Officiere ausdrücklich zur Ruhe verwiesen worden, dennoch im Gliede gesprochen und nach der Versammlung denselben Officier auf seinem Heimwege durch beleidigende Zurufe belästigt. Das Kriegsgericht hat den Reservisten dieserhalb zu einem Jahr und 14 Tagen Gefängniß verurtheilt. Crefeld, 20 Sept. Seitens der Behörde ist für den Landkreis Crefeld die Brottaxe wieder eingeführt worden. Die für September angegebenen Preise für Schwarzbrod belaufen sich auf durchschnittlich 8 Pfg. für das Pfund. Crefeld, 20. Sept. Eine Frau, welche von ihrem Manne getrennt lebte, hielt sich im vorigen Jahre vorübergehend hier in Crefeld auf, lernte einen Italiener kennen und ließ sich denselben schließlich auf den Namen einer gleichalterigen Nichte, deren Papiere sie sich zu verschaffen gewußt hatte, antrauen. Der verlassene Ehemann beabsichtigte nun, sich vor Kurzem mit dem seit etwa zehn Jahren getragenem Ehejoche zu befreien und ließ nach seiner verschollenen Ehefrau forschen, wobei dann, der„Cref. Ztg. zufolge, der wahre Sachverhalt an's Licht kam. Die Frau wird sich wegen Bigamie zu verantworten haben. Düsseldorf, 20. Septbr. Der vor einiger Zeit von der hiesigen Strafkammer wegen zahlreich verübter schwerer Diebstähle zu 15 Jahre Gefängniß verurtheilte Tagelöhner Schimmelpfennig ist gestern aus dem Alexianerkloster zu Neuß, wo er sich zur Beobachtung seines geistigen Zustandes befand, entsprungen. Es ist dies bereits das zweite Mal, daß Sch. entflieht. Er wird sich indeß kaum sehr lange der goldenen Freiheit erfreuen. Koblenz, 20. Sept. Der Oberpräsident der Rheinprovinz ordnet zur Verhütung der Weiterverbreitung der Reblaus die unverzügliche Vernichtung sämmtlicher Rebeulturen und Weinpfähle auf mehreren Grundstücken an. Benannt sind fünf Parcellen in der Gemarkung Lohrsdorf,(Bürgermeisteramt Neuenahr) fünf Parcellen in der Gemarkung Ockenfels und acht Parcellen in der Gemarkung Leubsdorf(beide zum Bürgermeisteramt Linz gehörig.) Der betreffende Grund und Boden muß desinficirt werden. Gegen diese Anordnung steht den Eigenthümern oder Nutzungsberechtigten der betreffenden Grundstücke die Beschwerde an den Minister offen, indeß erklärt der Oberpräsident wegen dringender Gefahr der Weiterverbreitung der Reblaus die verfügten Maßnahmen schon vor Erledigung etwaiger Beschwerden für vollstreckbar *[Ein Trost.] Er:„Aber Kind, du hast ja auf dem Standesamt kaum das Wort„Ja“ aussprechen können."— „Ich war so verwirrt, lieber Heinrich; das nächste Mal wird's schon besser geh’n!" Briefkasten der Redaction. Nach Antfeld. A. 300. Ihr Wunsch kann erfüllt werden. Ueberraschend schön und groß ist die Auswahl unserer Neuheiten in Tuch-, Buxkin-, Kammgarn-, Cheviot-, Paletötstoffen, Loden und Damentuchen. Wir versenden bereitwilligst Muster franco an alle Stände und empfehlen Jedem, sich dieselben kommen zu lassen,d lich Vortheilhaftes Hochfeine FantasieCheviots von 4 bis 13 Mark. Mode-Streichgarn. Engl. Neuheiten in Kammgarn und Mohair. 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Schulte hiermit unter dem Bemerken zur Kenntniß der hiesigen Einwohner, daß gegen den Antrag von Eigenthümern, Nutzungs=, Gebrauchsberechtigten und Pächtern der benachbarten Grundstücke innerhalb einer Präclusivfrist von einundzwanzig Tagen, vom 23. d. M. an gerechnet, bei der Ortspolizeibehörde hierselbst Einspruch erhoben werden kann, wenn der Einspruch sich durch Thatsachen der im§ 15 des erwähnten Gesetzes bezeichneter Art begründen läßt. Obermarsberg, den 21. September 1892. Der Bürgermeister. Fehling. 300 Mark Belohnung erhält vom Unterzeichneten Derjenige, welcher den oder die Thäter, welche in der Nacht vom 14. auf den 15. d. Mts. die eiserne Kirchhofspforte an der Stiftskirche abgemeißelt und gestohlen haben, so zur Anzeige bringt, daß gesetzliche Bestrafung eintreten kann. Joh. Bartholme, Obersmarsberg. Zacherlin ist das bestgerühmte Mittel gegen jederlei Inseeten. Die Merkmale des staunenswerth wirkenden Zacherlin sind: 1. die versiegelte Flasche, 2. der Name„Zacher!“. 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