Erscheint wöchentlich dreimal u. zwar: Tienstag, Donnerstag und Samstag. Preis pro Quartal 1 Mk., durch die Post bezogen 1,25 Mk. mit der wöchentlichen Gratis=Beilage:„Sonntagsblumen“, Inserare pro einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 10 Pf. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Reklamen pro Petitzeile 30 Pf. zugleich Marsberger-Zeitung und Anzeiger für die Aemter Nieder=Marsberg, Fürstenberg und die Stadt Ober=Marsberg. Der Annoncentheil des„Diemel-Bote“ ist mit dem der„Briloner Zeitung“ verbunden. Mittags wurde der Staatsminister Herrfurth von dem Monarchen in einer Abschiedsaudienz empfangen. Am Abend entsprach der Kaiser einer Einladung des Officierscorps des Leibgardehusaren=Regiments zur Tafel. —* Zur Reise unseres Kaisers nach England. Kaiser Wilhelm hat dem deutschen Botschafter Grafen Hatzfeld in London seine besondere Genugthuung über den Verlauf seines Aufenthaltes in Cowes ausgedrückt und dankte Allen, die dazu beigetragen haben, ihm eine so angenehme Erholungszeit zu verschaffen. Die Wiederholung seines Besuches im nächsten Jahre hat der Kaiser bestimmt in Ausicht gestellt. —* Der Kaiser wird, wie dem„Hamb. Corr.“ gemeldet wird, in den nächsten Tagen zur Besichtigung und Abnahme der Felseneisenbahn Uelzen=Celle eintreffen. In Celle ist bereits die Garnison in Bereitschaft gesetzt worden, auch ist der Chef des Großen Generalstabes, General v. Schlieffen, angekommen. Der nahe bei Celle angelegte Feldbahnhof hat electrische Beleuchtung erhalten. — Der Kaiser wird der Einladung des Königs von Schweden zur Jagd am 5. September nachkommen. Nach Gothenburg, wo die Majestäten Quartier nehmen, ist bereits Benachrichtigung abgegangen. Die Jagd wird nur einige Tage dauern. —* Herr Herrfurth ist am Donnerstag in einer Abschiedsaudienz vom Kaiser empfangen und zur Hoftafel geladen worden. Am Tage vorher hatte er seine Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger Grafeu Eulenburg übergeben. Der Abschied von seinen Räthen war besonders warm und herzlich. Der Minister setzte ihnen ausführlich die Gründe seines Rücktritts, vor Allem seinen grundsätzlichen Gegensatz bei vielen wichtigen Fragen der Miquelschen Steuerreform auseinander. So weit man hört beabsichtigt Herr Herrfurth, seinen ständigen Wohnsitz in Berlin beizubehalten, wo er bereits eine Privatwohnung im Westen der Stadt gemiethet hat und sich znnächst ganz seinen Abgeordnetenpflichten zu widmen. Man nimmt an, daß er nunmehr als Hospitant der freiconservativen Partei beitreten wird. —* Fürst Bismarks Schwiegersohn will aus dem Staatsdienst scheiden. Das Amsterdamer Handelsblatt verzeichnet die Meldung, daß der deutsche Gesandte in den Niederlanden, Graf Rantzau, der am Dinstag von Amsterdam nach Varzin abreiste, auf seinen Posten nicht mehr zurückkehren werde. — Wie verlautet, wurden mehrere Lehrer wegen ihrer Stellungnahme zum Zedlitz'schen Schulgesetzentwurf zur Verantwortung gezogen. —* Ueber die neue deutsche Militärvorlage schreibt der Gbg. Corr., daß die definitive Feststellung derselben immer noch nicht erfolgt ist. Alle Angaben über Inhalt und Kosten beruhen also nur auf Vermuthung. —* Die Einnahmen der preußischen Staatsbahnverwaltung wiesen schon im vorigen Jahre einen verhältnißmäßigen Rückgang auf und in diesem Jahre zeigt sich die ungünstige Erscheinung in noch größerem Umfange. Hierauf ist es vor allen Dingen zurückzuführen, daß der Eisenbahnminister Thielen allen Directionen die größte Sparsamkeit zur Pflicht gemacht hat. Bei neuen Bahnbauten sollen genaueste Berechnungen aufgestellt werden und ferner eine Anzahl Züge in Fortfall kommen, die nicht so besetzt waren, daß sie sich rentiren. Die bezüglichen Anordnungen sind im Einverständniß mit dem Finanzminister Dr. Miquel erlassen worden. —* Die deutschen österreichischen Behörden haben sich jetzt vereinigt, um gemeinsam dem abscheulichen Mädchenhandel, der von Östen recht schwungvoll nach überseeischen Ländern betrieben wird, zu steuern. Dieses Treiben hatte in letzter Zeit wieder sehr stark zugenommen, weil die weißen Sklavenhändler in aller Form sich mit ihren Opfern verheiratheten, die sie in der Fremde dann dem Elend bald überließen.— Der neueste preußische Staatsanzeiger veröffentlicht das Gesetz betr. die Aufhebung der Steuerfreiheit der ehemals reichsunmittelbaren Familien. —* Bezüglich der Vertheilung der Altersrenten auf Stadt und Land ist auf Grund des amtlichen Matrials festgestellt, daß der Haupttheil derselben auf Bewohner des platten Landes entfällt. —* Von einem Cholerafall war am Donnerstag in Berlin wieder die Rede. Nach der genauen Untersuchung handelte „Das wohl nicht, aber ich hörte unterwegs von der geheimnißvollen Mordgeschichte und dergleichen hat immer starken Reiz für mich gehabt. Jetzt bleib' ich da, bis der alte Mann, den man als Mörder eingesteckt hat, verurtheilt oder freigesprochen ist. Ich hoffe, daß er frei wird." „Gott segne Sie für dies Wort, lieber Herr!“ rief Nette ihn dankbar anblickend.„Nicht wahr, Sie halten ihn nicht für den Mörder?" „Gott bewahre, wie sollte ich denn das," erwiderte der Detectiv mit ehrlicher Ueberzeugung,„ich habe mir die Geschichte, welche mich sehr interessirt, denn man ist doch ein mitfühlender Mensch, von verschiedenen Seiten erzählen lassen, bin aber nun zu der Ueberzeugung gelangt, daß der arme alte Mann unschuldig ist und ein Jeder verpflichtet wäre, nach dem wahren Thäter zu forschen, einerlei, ob er zur Polizei gehört oder, wie ich zum Exempel, ein einfacher Privatmann ist." „O, Sie sind ein guter, braver Maun,“ rief Nette, sich tiefgerührt eine Thräne trocknend.„Nicht wahr, man kann ihn gar nicht verurtheilen?“ Lange zuckte die Achseln. „Man kann und darf sehr viel, meine Liebe, wovon unsereins mit seinem schlichten Verstande keine Ahnung hat. Sie kennen die Familie Riehl?“ „Na und ob ich sie kenne, habe über dreißig Jahre dabei gedient." „Ah, das ist mir ja höchst interessant, da können Sie mir gewiß noch einige dunkle Punkte aufklären. Wo war zum Exempel das junge Fräulein während des Versteckspiels der Kinder, bei welcher Gelegenheit der Knabe doch abhanden kam?" Nette schwieg eine Weile, starr vor sich hinblickend. (Fortsetzung folgt). es sich aber nicht um Cholera, sondern um Brechruhr, der die Kranke allerdings erlegen ist. Uebrigens sind in der deutschen Reichshauptstadt alle Vorsichtsmaßregelu getroffen, um ein Auftreten der Cholera möglichst zu verhindern.— Die deutsche Grenze ist jetzt für russische Auswanderer geschlossen worden. — Der Gouverneur von Deutsch=Östafrika, Herr v. Soden hat nach dem„Berl. Tageblatt“ sein Abschiedsgesuch eingereicht. Als dessen Nachfolger ernannt zu werden, hat Kapitänlieutenant Rüdiger die meiste Aussicht. Oesterreich. —* Die Italiener hatten sich sehr gekränkt dadurch gefühlt, weil zur Theilnahme an der Columbusfeier in Genua drei österreichische Schiffe bestimmt waren, deren Namen an österreichische Siege über die Italiener errinnerten. Infolge dessen sind die Panzerschiffe,„Kaiser Franz Joseph" und„Kronprinz Rudolph“ zur Reise nach Genua beordert, an deren Namen doch nichts ausgesetzt werden kann.— Der König von Dänemark ist beim Herzog von Cumberland, seinem Schwiegersohn in Gmunden angekommen.— Das Wiener amtliche Blatt hat die neuen Valutagesetze veröffentlicht.— Der Rücktritt des langjährigen österreichisch=ungarischen Botschafters in Berlin, des Grafen Szchenyi, wird Mitte Oktober erfolgen. Frankreich. * Es wird weiter annectirt! Das französische Geschwader im indischen Ocean hat den Befehl erhalten, sofort die zur madagassischen Inselgruppe gehörigen Ruhmesinseln zu annectiren.— Im Pariser Tuilleriengarten wird am Montag ein großes russisch=französisches Fest beginnen, dessen Betrag zur Hälfte den Nothleidenden im russischen Choleragebiet und zur Häfte den Pariser Armen zufallen soll. Belgien. * Das Vorgehen Frankreichs gegen den Congostaat, an dessen Spitze der König Leopold von Belgien steht, hat in Belgien, das sonst ziemlich freundlich den Franzosen gesinnt war, heftige Erbitterung hervorgerufen. Es kann ein völliger Umschlag in der Stimmung der Belgier gegen Frankreich eintreten. Großbritannien. * Für Donnerstag Nacht wird die Annahme des Gladstone'schen Mißtrauensvotums im Parlament gegen das Ministerium Salisbury erwartet, worauf sofort der Rücktritt des letzteren erfolgt. Gladstone bildet alsdann ein neues Ministerium mit Lord Roseborry als Minister des Auswärtigen, worauf das Parlament bis zum nächsten Frühjahr vertagt wird. Rußland. * Der russische Minister des Auswärtigen, Herr von Giers, wird auf seiner diesjährigen Urlaubsreise am übernächsten Samstag in Berlin eintreffen und bei dieser Gelegenheit vom Kaiser empfangen werden und auch mit dem Reichskanzler Grafen von Caprivi eine Unterredung wegen der bevorstehenden beiderseitigen Handelsvertragsverhandlungen haben. Zu einen bestimmten Abschlusse dürften dann freilich die Vorbesprechungen noch nicht gediehen sein. * Was sich russische Zeitungen Alles einbilden. Nachdem der Papst die französische Republik anerkannte, werde er auch, so führt ein Petersburger Blatt aus, darauf hinwirken, daß Italien Republik werde, worauf sich dies natürlich vom Dreibunde trennen werde. Dann werde man Deutschlands und Oesterreichs sicher Herr werden! Ob Rußland nicht eher Republik ist als Italien? Locales und Provinzielles. Die verehrl. Leser werden ersucht, uns Nachrichten, welche für die Oeffentlichkeit von Interesse sind, gefl. zusenden zu wollen. N.=Marsberg, 11. August. Eine Extrabeilage des Amtsblattes der Kgl. Regierung zu Arnsberg veröffentlicht den Entwurf des Statuts einer Ortskrankenkasse nach den neuen Bestimmungen, eine Anweisung zur Ausführung des Kranken=Versicherungs= Gesetzes vom 10. April 1892, eine Belehrung über das Wesen der Cholera und das während der Cholerazeit zu beobachtende Verhalten, sowie eine PolizeiVerordnung, welche die Ein= und Durchfuhr von gebrauchten Kleidern, Leib= und Bettwäsche, Hadern und Lumpen aller Art, Obst, frischem Gemüse, Butter und sogenannte Weichkäse aus Rußland verbietet. Ausgeschlossen von dem Verbote bleiben Wäsche und Kleider von Reisenden. N. Marsberg, 10. August. Für die kommende Zeit der Einquartirung wird es von Interesse sein, darauf hinzuweisen, daß die„Prarrhäuser“ und sonstige Dienstwohnungen von Beamten und Geistlichen nicht von der Einquartirungslast befreit sind. Die gegentheilige Ansicht, die sich z. B. bei Hinschius(das Preuß. Kirchenrecht) findet, ist irrig. Nach § 4 des Bundesgesetzes v. 25./6. 68 sind diejenigen„Gebäude und Gebäudetheile“ befreit, die zu einem öffentlichen Dienst oder Gebrauch“ bestimmt sind. Die Regierungsvorlage, die die Dienstwohnungen befreien wollte, ist im Reichstage geändert worden. N.=Marsberg, 8. August. Zulassung als Eisenbahncivilsupernumerare. Auf mehrfache Anfragen über die Formen, in welchen nach den gegenwärtig geltenden Vorschriften der Nachweis einer für die Zulassung als Civilsupernumerare ausreichende Schulbildung erbracht werden kann, hat der Minister der öffentlichen Arbeiten Folgendes bestimmt: Soweit nicht etwa der Bewerber nach Maßgabe der früheren Bestimmungen die Reife für die erste Klasse eines Gymnasiums eines Realgymnasiums oder einer Oberrealschule(also Unterprima) besitzt, ist seine Zulassung als Civilsupernumerar davon abhängig, daß er entweder— vor oder nach dem 1. April 2c.— daß Reifezeugniß ein Realschule(höheren Bürgeroder Gewerbeschule) oder einer öffentlichen gymnasialen oder einer realitischen Lehranstalt mit sechsjährigem Lehrgange erlangt, oder nach Abschluß der Untersecunda einer neunstufigen höheren Lehranstalt die von der Schule jetzt vorgeschriebene Prüfung bestanden hat. An den Anstalten mit früher siebenjährigem Lehrgange ist diese Prüfung welche also die nämliche Berechtigung gewährt, anläßlich des Wegfalles der Obersecunda im Monat April ec. abgehalten werden. Im Uebrigen wird gegen Ausgang des diesjährigen Sommerhalbjahees an allen neunstufigen Lehranstalten ausnahmsweise eine Abschlußprüfung für diejenigen Schüler veranstalten werden, welche zu Michaelis v. I. oder Östern d. J. in die Obersecunda versetzt sind, oder zu Michaelis laufenden Jahres in die Obersecunda versetzt werden sollten und sich dem Subalterndienst widmen wollen. Dagegen dürfen als Civilsupernumerare nicht zugelassen werden, solche Bewerber, welche eine höhere Lehranstalt zwar mit dem Zeugniß der Reife für den einjährig=freiwilligen Militärdienst, aber ohne Ablegung der Prüfung verlassen, oder welche zwar die Obersecundn besucht, aber weder die Abschlußprüfung bestanden, noch die Reife für Prima erlangt haben, desgleichen Bewerber, welche nur die Berechtigung für den einjährig=freiwilligen Militärdienst auf Grund der Prüfung vor der Prüfungscommission für Einjährig=Freiwillige besitzen. Hinsichtlich der Schüter außerpreußischer Lehranstalten, welche als Civilsupernumerare einzutreten wünschen, hat es bis auf weiteres bei den früheren Anforderungen zu bewenden. Zum Schluß macht der Minister darauf aufmerksam, daß Privatlehranstalten, einschließlich derjenigen, welche Befähigungszeugnisse für den einjährig=freiwilligen Militärdienst ausfertigen dürfen, ihren Schülern den vorgeschriebenen Nachweis einer für die Zulassung als Civilspernumerare ausreichenden Schulbildung nicht gewähren. Solchen Zöglingen muß überlassen bleiben, sich zu diesem Zwecke einer Prüfung als Externer an einer sechsklassigen öffentlichen Lehranstalt zu unterziehen. ( Brilon. 12. August. Am Dienstag wurde hier eine Lehrerconferenz des diesseitieen Conferenz=Bezirkes unter Leitung des Kreisschulinspectors Herrn Wolff abgeholten. Die Betheiligung seitens der Lehrer war eine allgemeine; auch nahmen mehrere Geistliche des Bezirkes an der Conferenz Theil. Mit einer Lehrprobe in der Oberklasse des Herrn Lehrer Kersting in der Raumlehre. worin die Eintheilung der Vierecke behandelt wurde, nahm die Conferenz ihren Anfang, dann folgte ein Vortrag des Herrn Lehrer Deimann über Fingerzeige zur Heilung des Stotterns nach der Gutmann'schen Methode, sowie ein längerer Vortrag der Fräulein Lehrerin Cramer über erziehliche Bedeutung des Schreibunterrichts. Nachdem noch einige geschäftliche Angelegenheiten erörtert waren, folgte der gemüthliche Theil der Versammlung, ein gemeinschaftlicher Kaffee im Saale des Herrn I. Schmelter. Arnsberg, 8. August. Der zum Tode verurtheilte Gärtner Wagebach hat vor einigen Nächten wiederum versucht, das Freie zu erlangen, indem er zwei Schlösser sprengte. Er wurde indessen rechtzeitig am Ausbrechen verhindert. Paderborn, 8. August. Se. bischöfl. Gnaden der hochwürdigste Herr Bischof Hubertus haben heute Morgen im hohen Dome nachfolgenden 9 Alumnen des Priesterseminars die hl. Priesterweihe ertheilt: Heinrich Berglai aus Overhagen, Paul Funte aus Magdeburg, Georg Habighorst aus Büren, Peter Halbfas aus Kalberschnacke, Theodor Jäger aus Berge, Johannes Mertens aus Lippspringe, Joseph Robrecht aus Brakel, Bernhard Saul aus Heiligenstadt, Lorenz Schimmelfelder aus Beller. Ferner erhielten die Priesterweihe folgende 12 Fratres des hiesigen Franziskanerklosters: Mansuetus Staufenbiel aus Helmsdorf, Nicetus Oberborbek aus Neviges, Orentius Neetix aus Süchteln, Philotheus Kilzer aus Lantershoven, Redemtus Kullmann aus Breitenholz, Theophilus Hanke aus Kunzendorf, Adjutus Rhode aus Vechta, Petrus Sheehan aus Irland, Tatianus Thesing aus Lembeck, Ulricus Hüntemann aus Münster, Anacletus Brogsitter aus Ahrweiler, Beda Kleinschmidt aus Brakel. Außerdem ertheilte der hochwürdigste Herr Bischof Hubertus den am Samstag zu Subdiaconen geweihten 42 Alumnen des Priesterseminars und 7 Fratres des Franziskanerklosters die hl. Diaconatsweihe. Paderborn, 9. August. Die Auszahlung der von der Sperrgeldverwendungs=Commission für die Diöcese Paderborn bewilltgten Sperrgelder wird nunmehr durch die Kgl. Regierungshauptkasse zu Minden, welche die höhere Anweisung dazu erhalten hat, erfolgen. Geseke, 10. August. Am Samstage, den 7. August, empfing Se. Excellenz der Oberpräsident von Westfalen in Angelegenheit des Bahnbaues Geseke=Büren eine Deputation der drei betheiligten Städte, bestehend aus den Herren: Bohtz, Lincke und Scheidt für Büren, Dr. Jehn für Geseke, Bürgermeister Haumann und Kisker für Lippstadt. Der Herr Oberpräsident war bereits völlig informirt über den Inhalt der gedruckten Eingabe, ließ sich in nahezu einstündiger Audienz eingehenden Bericht erstatten, daß er dem Gesammtprojecte Paderborn=Büren=Geseke=Büren=Brilon durchaus sympathisch gegenüberstände. Er habe seiner Zeit sehr bedauert, daß es dem Kreis Büren nicht rechtzeitig gelungen wäre, die Gesammtkosten zu sichern, da damals jedenfalls die ganze Linie zur Genehmigung gelangt wäre. Der Herr Oberpräsident erklärte schließlich er würde den gleichzeitigen Ausbau der Strecke Geseke=Büren warm befürworten. Die Deputation hat demnach alle Ursache mit dem Ergebnisse ihrer Reise zufrieden zu sein. Wiedenbrück. 9. August. Die zwolfjährige Tochter des Haarspinners Gerson Steinberg goß Petroleum in die brennende Kochmaschine. Alsbald fingen die Kleider des Müdchens Feuer welches die Unglückliche am ganzen Körper entsetzlich verbrannte. Nach sechs qualvollen Stunden gab sie ihren Geist auf.— Alle Warnungen helfen nichts. Hörde, 9. August. Wie jetzt bekannt wird, hat Herr Bürgermeister Dr. Mascher hierselbst, bekannt durch die „Hallunkengeschichte," in der letzten geheimen Stadtverordnetensitzung am Samstag den Antrag auf Pensionirung eingereicht. Dem Herrn, gegen den bekanntlich das Disciplinarverfahren beantragt ist, scheint allmählich doch der Boden etwas warm unter den Füßen zu werden. Stegen, 9. August. Die seitens des Ministers zwar verbotene, aber trotzdem noch immer stillschweigend gduldete Unsitte des Billet=Coupirens während der Fahrt hat wieder einmal ein Opfer gefordert. Der Hülfsschaffner Alb Mansins, ein 28jähriger, allgemein beliebter und pflichttreuer Beamter, coupirte in der Nähe von Letmathe, während der Fahrt auf dem Trittbrette stehend, die Fahrkarten. Bei einer scharfen Kurve verfehlte der Mann den Griff des Wagens und wurde gegen eine Mauer geschleudert. Er erlitt mehrere Rippenbrüche und starb nach wenigen Minuten. Schwelm, 9. August. An verschiedenen Localen des Schwelmer„Brunnen“ konnte man am Sonntag von Socialdemokraten angeheftete rothe Placite sehen, laut welchem in diesen Localen„boykottfreies" Bier zu haben sei; die geboykotteten Bierwirthe machten darum kein schlechteres Geschäft. — Die Mitglieder des in Concurs gerathenen Berg.=Märk. Creditverein werden pro Antheil mit 370—400 Mk. herangezogen werden; eine nichts weniger als angenehm Ueberraschung. Bochum, 9. August. Staatsanwalt Sandmeyer ist von hier nach Hannover versetzt worden. Bochum, 10. August. Zur Characteristik des Bochumer Stempelfälschungsprocesses verdient nochmals die Thatsache hervorgehoben zu werden, daß am 1. October d. J. in Essen, also nahe bei dem vielgenannten Werke des Herrn Commerzienraths Baare, ein königlich preußisches Eisenbahn=Abnahmeamt zur Ueberwachung der Anfertigung und Abnahme von Schienen, zur Ausbildung staatlicher Abnahmebeamten zur Beobachtung der Leistungsfähigkeit der einzelnen Industriewerke eröffnet werden wird. Diese nackte Thatsache ist die beste Critik des freisprechenden Urtheils, das die Strafkammer in Essen im Bochumer Stempelprozeß verkündet hat. Die Regierung kannte, als sie ihr neues Abnahmeamt einzurichten beschloß, nur die Ergebnisse der Bochumer Voruntersuchung; das Resultat der öffentlichen Hauptverhandlung hat aber diese blamablen Ereignisse noch weit übertroffen, und daher erklärt es sich auch, daß die nationalliberale Baare=Presse durch nachträglichen Theaterdonner die Schande zu verdecken strebt, die aus den Verhandlungen zu Tage trat. Die Behörden haben die Angelegenheit bis ins Einzelne verfolgt, und ihr Urtheil war schon gesprochen, ehe die Essener Strafkammer zu dem ihrigen kam. Der Prozeß selbst ist in der Presse noch immer Gegenstand eingehender Erörterungen, und in einem Berliner Blatte wird gelegentlich der Besprechung der in den Verhandlungen zu Tage getretenen Erscheinungen u. a. folgendes Vorkommniß festgenagelt.„In der Sitzung vom 29. Juli, heißt es da, bekundet der wohlbeleumundete Zeuge Dreher Franz Lange, daß er dabei gewesen sei, wie der russische Abnahmebeamte Pretrowitsch Schienenlieferungen revidirte. Ingenieur Bering sagt ihm, er solle gleich zu Herrn Baare gehen und „das Bewußte haben". Er richtet das aus, worauf Bernhard Baare und Geheimrath Baare ein Pult öffneten, dem sie mehrere Kassenscheine entnahmen. Diese Scheine legte Geheimrath Baare in ein Couvert, übergab es dem Zeugen und sagte: „ich solle es dem Abnahmebeamten Petrowitsch bringen," mich aber nach Uebergabe sofort entfernen. Ich hatte zu sagen: „Hier ist etwas für Sie" und das habe ich denn auch in Berings Gegenwart gesagt. Der Abnahmebeamte hatte sich am Tage vorher schwierig gezeigt, nachdem er das Couvert erhalten, nahm er ab, obgleich er am Tage vorher die Schienen als schlecht erachtet hatte.“ Soweit wörtlich der Zeuge. Seine Erzählung klingt ungeheuerlich. Der Rechtsanwalt Hünnebeck erklärt auch im Namen des Bochumer Werks sofort:„Ich werde nachweisen, daß die ganze Geschichte eine Legende ist." Und drei Tage weiterer Gerichtsverhandlungen gehen in's Land. Der Nachweis, daß eine„Legende" vorliege, erfolgt nicht, wohl aber gibt Rechtsanwalt Dr. Schwering, derselbe Herr, der in seiner späteren Vertheidigungsrede das„Banner der Unschuld siegend über das Schlachtfeld“ trug, seinen Klienten, Ingenieur Bering, mit einem„römischen Senator“ und dem „Mädchen aus der Fremde“ verglich und den„Lindwurm,“ den„Ritter St. Georg“ und den„Lorbeerkranz" zu Füßen des Gerichts niederlegte,„für Bering die Erklärung ab, daß entgegen der Aussagen des Zeugen Lange ein Einverständniß zwischen dem Abnahmebeamten Petrowitsch, der ein Ehrenmann sei, und ihm ausgeschlossen gewesen; er hoffe, daß diese Erklärung genügen werde," worauf auf ein weiteres Eingehen in die von Lange bekundete Couvertgeschichte verzichtet wird. Ein Commentar zu dieser actenmäßig wiedergegebenen ProzeßEpisode halten wir für überflüssig, für ganz überflüssig!" Weitmar, 9. August. Einen schrecklichen Tod fand auf Zeche„General“ ein junger Arbeiter Namens Schlicht. Derselbe stürzte in einen 80 m tiefen Hülfsschacht und war auf der Stelle todt. Die Leiche mußte in einzelnen Stücken heraufbefördert werden. In ähnlicher Weise verunglückte auf „Hasenwinkel“ der Hauer Wegmann, welcher Frau und Kind hinterläßt.— In Eickel hat man mit dem Bau eines katholischen Krankenhauses begonnen. Münster, 11. August. Eine seit dem 1. Juli eingeführte Aenderung im Weltpostverkehr ist noch wenig bekannt. Es sind nämlich im Verkehr mit dem Auslande Nachnahmen nur noch auf eingeschriebenen(nicht auf gewöhnlichen) Briefsendungen— Briefen, Drucksachen u. s. w.— zulässig. Die Angabe des Nachnahmebetrages hat in der Währung des Bestimmungslandes zu erfolgen. Ist diese Vorschrift nicht beachtet, so gelangen die Sendungen an den Absender zurück. Cleve, 9. August. In Elberfeld sindet am 5. n. M. Termin gegen den Redacteur der deutsch-sozialen Wochenschrift „Rheinische Wacht" wegen angeblicher Beleidigung des Herrn Staatsanwalt Baumgardt, des Landgerichtsrath Brixius ec. statt. Bürgermeister Schleß, Gärtner Mölders aus Xanten und viele Zeugen aus Cleve sind geladen. Xanten, 9. August. Für die schwergeprüfte Familie Hegmann gehen laut dem„Boten für Stadt und Land“ noch fortwährend größere und kleinere Beträge ein. Herr CivilIngenieur Rütter aus Cleve sandte 100 Mk. und machte außerdem die Zusage der unentgeltlichen Fertigstellung eines eisernen Gitters für das Grab des ermordeten Knaben Jean Hegmann. Düsseldorf, 9. August. Auf dem hiesigen Standesamte erfuhr ein junger Mnnn, daß seine Braut 10 Jahre älter sei als sie ihm gesagt hatte. Die Folge davon war, daß der Bräutigam jetzt nichts mehr von der Heirath wissen will. Coblenz, 9. August. Ueber den heute Vormittag 8 Uhr 25 Min. hier wahrgenommenen Erdstoß, der mehrere Secunden anhielt und sich in nordwestlich=südöstlicher Richtung fortbewegte, berichtet die„Coblenzer Ztg.": Man hatte den Eindruck, als ob unter dem Boden eine gewaltige Explosion erfolgt sei. Der mit einem dumpfen, donnerartigen Rollen verbundene Erdstoß verbreitete Angst und Schrecken. In den Wohnungen schwankten Möbel und Bilder, der Verputz fiel von der Decke; schwere Gegenstände wurden verschoben; in der Schule in der Nagelsgasse fiel das Gestell mit der Tafel um; in der Schule entstand eine große Panik. Alles eilte auf die Straßen, die dadurch ein sehr belebtes Bild annahmen. Es kann schon jetzt als bestimmt angenommen werden, daß die Erdbewegung von hier ausgegangen ist und sich in südöstlicher Richtung fortgepflanzt hat. Aus den vorliegenden Meldungen ist zu ersehen, daß in Andernach, Mayen, Kreuznach sowie an der Untermosel bis Bernkastel hin nichts wahrgenommen wurde, dagegen wurde das Erdbeben in Ems und Wiesbaden sehr stark verspürt. Aus Vallendar wird gemeldet, daß während des Erdbebens Möbel umfielen und Bilder herabstürzten. In Ems war der zehn Secunden währende starke Stoß mit rollendem Getöse begleitet. *[Druckfehlerteufel.](Aus einem Roman.)„Und die Geliebte empfing den Treulosen mit klopfendem Besen.“ = Privatbedarf in Burkin,= Velour, Cheviot und Kammgarn ca. 140 cm breit à Mk. 1.75 Pfg. per Meter versenden in einzelnen Metern an Jedermann das Buxkin=Fabrik=Dépôt Oettinger& Co.. Franksurt a. M. Muster in reichster Auswahl bereitwilligst franco ins Haus. 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