Erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag u. Samstag. Preis für das Vierteljahr 1 Mark, durch die Post bezogen 1 Mark 25 Pfennige, durch den Briefträger ins Haus gebracht 1 Mark 50 Pfennige. Amtl. Anzeiger für die Stadt Brilon Nr. 85. Papst Leo XIII. Papst LeoßXIII. weilt nicht mehr unter den Lebenden; der Tod hat den greisen Dulder am Montag Nachmittag um 4 Uhr von seinem Krankenlager erlöst. Sein Hinscheiden kommt nicht mehr überraschend, aber wenn man auch auf dasselbe vorbereitet war, so verliert der Schmerz um den Hingang des großen Toten in der gesamten katholischen Welt doch nichts an Gewalt und Tiefe und überall wird die Lücke mit Trauer empfunden werden, die sein Tod gerissen. Leo XIII. war kein Kirchenfürst, der in der hohen Sphäre, in die ihn Gott berufen, dem katholischen Volke unnahbar gewesen, nein, er war im wahren Sinne des Wortes ein Vater der katholischen Christenheit, der für alle Kinder des katholischen Glaubens, sie mochten einem Lande oder einer Volksklasse angehören, der sie wollten, ein warmes und fürsorgendes Herz hatte. Sein ganzes Pontifikat legt dafür ein herrliches Zeugnis av. Umso und tiefer sein Verlust für uns. Geboren am 2. März 1810 zu Carpineto wurde Joachim Pecci nach dem Ableben Pius IX., das am 7. Februar 1878 erfolgte, am 20. Februar zum Papste gewählt und am 3. März desselben Jahres mit der Tiara gekrönt. Wer hätte damals, als der 68 jährige schwächliche Greis den päpstlichen Thron bestieg, geahnt, daß es ihm vergönnt sein sollte, mehr als ein Vierteljahrhundert den Fischerring zu tragen und damit eine Regierungszeit zu erreichen, die nur von einem Papste übertroffen wurde nämlich Papst Pius IX., der über 31 Jahre die dreifache Krone trug— und ein Lebensalter, in dem er ebenfalls nur von einem Papste übertroffen wurde und zwar Gregor IX., der ein Alter von 99 Jahren erreichte. Von den 61 Kardinälen, die Joachim Pecci zum Papste wählten, überlebt ihn nur einer, der Kardinal Oreglia: fast hätte also Leo XIII. dem Beispiele Urbans VIII. folgen können, der nach dem Aussterben der Kardinäle, die ihn gewählt, für die neuen Kardinäle eine Münze prägen ließ mit der Inschrift:„Non vos elegistis me, sed ego elegi vos — Nicht Ihr habt mich, sondern ich Euch gewählt!“ Vergleicht man die Verhältnisse, unter denen Papst Leo XIII. den päpstlichen Stuhl bestieg, mit denen, unter welchen er ihn verläßt, so muß man zu der Einsicht kommen, daß die Fügung des Himmels sichtlich über seinem Pontifikate gewaltet hat. Dort eine Zeit wo das Schifflein Petri derart den Stürmen ausgesetzt war, daß die Feinde der Kirche schon glauben mochten es würde in ihnen Zugrunde gehen— und hier eine Zeit, wo die katholische Kirche sich eines Ansehens in der gesamten zivilisierten Welt erfreut, wie kaum zuvor! Diesen Wandel der Dinge hat die politische Einsicht Papst Leos vollzogen und seine Friedensliebe, die ein Ausfluß derselben war. Die Kritik der Gegner mag im einzelnen an der päpstlichen Politik der letzten 25 Jahre auszusetzen finden, aber vor den beiden genannten hohen Eigenschaften des Verewigten muß sie verstummen. Diese beiden Eigenschaften sind es auch gewesen, welche insbesondere zu einer Besserung der kirchlichen Verhältnisse in Deutschland und speziell in Preußen geführt haben, und wofür wir deutschen Katholiken Papst Leo besonders dankbar zu sein haben. Ist auch noch nicht alles so, wie wir wünschen, so haben wir doch allen Grund uns des Erreichten zu freuen. Die Beziehungen der deutschen Regierungen, namentlich aber des deutschen Kaisers zum hl. Stuhle sind so herzlich und freundschaftlich geworden, wie wir nur wünschen können. Einen sprechenden Beweis dafür haben wir noch vor wenig Wochen gehabt, als Kaiser Wilhelm den hl. Vater im Vatikan besuchte und ihm seine Verehrung bezeugte. Mag Leo XIII. auch nicht bei allen Staaten so erfolgreich mit seinen Friedensbestrebungen gewesen sein, mag er insbesondere auch nicht mit Italien, das dem Papsttum die weltliche Macht genommen hat, zum Frieden gekommen sein und mag in letzter Zeit namentlich das sich katholisch nennende Frankreich ihm manchen Schmerz bereitet haben, im Ganzen ist sein Pontifikat von einer Kette von Erfolgen und Triumphen der Kirche begleitet gewesen und in allen Erdteilen hat sie einen gewaltigen Aufschwung genommen. Eine ganze Reihe von Ländern verdankt Leo XIII. u. A. die Wiederherstellung einer geordneten kirchlichen Verwaltung. Kein Land und kein Volk, dem er seine Aufmerksamkeit und Fürsorge nicht zugewandt hat. Lumen in coelo, Licht vom Himmel nannte ihn eine angebliche alte Weissagung. Als ein Licht vom Himmel hat er sich vor allem auch in seinen Enzykliken bewiesen, in denen er die Menschheit in allen wichtigen Fragen, die heute die Welt bewegen, belehrt und die Wahrheiten des Christentums verkündet. Wohl kein wichtiges Gebiet des öffentlichen und privaten Lebens ist ihm da entgangen. Alle Uebel der heutigen Gesellschaft hat er da aufgedeckt, ihre Ursachen dargelegt und ihre Heilmittel angegeben. Eine besondere Aufmerksamkeit wandte er der Wissenschaft zu, wohlerkennend, daß heutzutage die Wissenschaft eine der wichtigsten Waffen ist, mit denen die Kirche angegriffen und verteidigt wird. Die Geschichtswissenschaft verdankt ihm die Eröffnung des vatikanischen Archivs, die christliche Philosophie einen neuen Aufschwung; der Bibelwissenschaft hat er noch in der letzten Zeit neue Anregung gegeben. Es ist uns unmöglich, das Wirken Leos XIII. hier im Einzelnen gebührend zu würdigen. Während der zahlreichen Jubiläen, die ihm zu feiern vergönnt waren, ist das in der katholischen Presse in der letzten Jahre ja schon vielfach geschehen. Manche Aufgaben, die sich der hl. Vater gestellt, hat er ihrer Lösung nicht mehr zuführen können; Italien und Frankreich mögen ihm sein Scheiden aus der Welt erschwert haben, aber getrost dürfte er scheidend sich sagen, daß er seines Amtes treu gewaltet— und den Schmerz, der ihm verblieb, wird ihm der Himmel verklären! * Rom, 20. Juli. 11¼ Uhr vormittags schien es, daß der Todeskampf beginne, man rief schleunigst den Kardinal Vannutelli. Der Papst hatte unerwartet einen Anfall starker Atemnot; er war dem Tode nahe. Vannutelli begann die Sterbegebete zu verrichten und erteilte dem Papst den Segen in articuto mortis. Kurz vor dem Tode drückte der Papst, wie der Össervatore Romano weiter mitteilt, allen Anwesenden die Hand. Der Dekan der apostolischen Protonotare nahm auf Anordnung Kardinals Oreglia einen Akt über die Feststellung des Todes auf; der Aufnahme des Aktes wohnten Oreglia mit dem Vicekämmerer und die Prälaten der apostolischen Kammer bei. Oberstkämmerer Bisleti übergab Oreglia den Fischerring des Papstes; Oreglia wird ihn morgen Vormittag der ersten Kongregation der vereinigten Kardinäle vorlegen. Kurz bevor der Tod eintrat, begaben sich die Kardinäle und Würdenträger, im ganzen ungefähr 60 Personen, in das Sterbezimmer, alle knieten nieder, während Kardinal Vannutelli fortfuhr, die Sterbegebete zu verrichten. Sobald der Tod eingetreten war, schloß Professor Dr. Lapponi dem Papste die Augen und faltete die Hände über der Brust. Darauf zogen die Kardinäle, die anwesenden Diplomaten und übrigen Perionen an der Leiche vorüber und küßten die Hand des Verewigten, alle waren in tiefster Bewegung. Zehn Minuten, nachdem der Tod eingetreten war, verließ Kardinal Oreglia das Sterbezimmer; die Schweizergarden erwiesen ihm die Souveränen zustehenden Ehren und geleiteten ihn in feierlichem Zuge zu seinen Gemächern. Kardinal Rampolla stellte seine Tätigkeit als Staatssekretär ein, die Monsignore della Chiesa, wie vorgeschrieben, übernahm. Kardinal Oreglia begab sich bald nach dem Tode des Papstes, von Schweizer= und Nobelgarde geleitet, mit dem Vicekämmerer und dem Geistlichen der apostolischen Kammer im veilchenblauen Trauerornat nach dem Sterbegemach zur Feststellung des Todes des Papstes, die um 4½ Uhr erfolgte. Der Kardinal trat an die verschlossene Pforte des Sterbezimmers und rief unter tiefem Schweigen der Anwesenden dreimal laut den Namen des Papstes; er öffnete sodann die Türe, trat, von dem ganzen Gefolge begleitet, an das Bett und klopfte mit silbernem Hämmerchen dreimal auf die Stirne des Toten, indem er ihn laut beim Namen rief, während alle Anwesenden niederknieten. Sodann verkündete der Kardinal den Versammelten, daß Papst Leo XIII. gestorben sei, und verließ, von den Geistlichen begleitet, das Sterbegemach. Die Kardinäle Vannutelli, di Pietro und Macchi übernahmen als Häupter der drei Kardinalsordnungen die Leitung der geistlichen Angelegenheiten. Der Kardinalkämmerer teilte den Tod des Papstes dem diplomatischen Corps, allen auswärtigen Kardinälen, Nuntien usw. mit. Morgen früh versammeln sich sämtliche hier weilende Kardinäle in der Sala del Con sistoro zur ersten Vorbesprechung über das Konklave; dieselben werden dort auch die Beileidsbezeugungen der Mitglieder des diplomatischen Corps entgegennehmen. An allen Kirchen wird morgen eine Bekanntmachung des Generalvikars, betreffend den Tod des Papstes, und die zu veranstaltenden Trauerfeierlichkeiten angeschlagen. Morgen Abend werden Mazzoni und Lapponi mit Unterstützung von vier Aerzten des Vatikans die Einbalsamierung der Leiche vornehmen. Kardinal Oreglia hat den Häuptern der drei Kardinalordnungen mitgeteilt, daß er die Leitung der Geschäfte übernommen hat, und sie aufgefordert, die Vorkehrung für das Konklave zu treffen; ferner hat Kardinal Oreglia die in Rom anwesenden Kardinäle ersucht, zur ersten Kongregation zusammenzutreten, in welcher Mitteilung darüber gemacht werden wird, ob der verewigte Papst Verfügungen hinsichtlich des Konklave hinterlassen hat, und in der die Bestimmungen über das Konklave getroffen werden. Man glaubt, daß die Bestimmungen, die für das letzte Konklave getroffen worden waren, zur Annahme gelangen werden. Die Kirchen sind von Gläubigen gefüllt; während des ganzen Abends zogen große Menschenmassen nach dem Petersplatz. Nach der amtlichen Feststellung des Todes wurde die Leiche in Gegenwart des Vicekämmerers, eines Notars der apostolischen Kammer, der päpstlichen Ceremonienmeister und des Leibarzies Dr. Lapponi, wie herkömmlich mit weißer Soutane, karmoisinrotem Schultermäntelchen, der päpstlichen Sammetmütze und weißen Schuhen bekleidet, das Kruzifix in die auf der Brust gefalteten Hände gelegt. Dann legte man die Leiche auf das Bett und bedeckte sie mit roter Damastdecke. Das Totenzimmer ist ganz rot ausgeschlagen und von vier Wachskerzen an den vier Enden des Bettes erleuchtet. Zwei Nobelgarden, auf den Schwertknauf gestützt, halten die Totenwache; die Schweizergarden und Palastwachen halten den Eingang besetzt. Blumenkränze sind durch das Ceremoniell ausgeschlossen. Zur Besichtigung der Leiche werden nur Kardinäle, Mitglieder des diplomatischen Corps und des römischen Patriziats sowie vom Kardinalkämmerer besonders ermächtigte Personen zugelassen. Die Wohnräume des Papstes wurden in Gegenwart des Vicekämmerers und eines Notars verschlossen und versiegelt. * * Das Kollegium der Kardinäle hat nunmehr die für die Kirche hochwichtige Aufgabe, einen neuen Papst zu wählen. Jeden Tag finden Exequien für den verstorbenen Papst statt, nach denen die Kardinäle zu wichtigen Beratungen nach genau festgelegter Tagesordnung sich zurück ziehen. 1878 fanden diese Kongregationen in der Sakristei der Peterskirche statt. Da die Augen der gesamten katholischen Welt in diesen Tagen auf das Kollegium der Kardinäle gerichtet sind, wird es unsere Leser interessieren, die Zusammensetzung dieses Kollegiums näher kennen zu lernen. Es besteht aus drei Rangstufen, Kardinalbischöfen, Kardinalpriestern, und Kardinaldiakonen. Alle Kardinäle sind gegenwärtig Bischöfe oder Priester. Die Bezeichnung Kardinalbischöfe,=priester und und=diakone deutet nur an, welchen Rang sie im obersten Senat der Kirche einnehmen, ohne Rücksicht auf die Weihen, welche sie empfangen haben. Die Kardinalpriester sind zum größten Teil Bischöfe, alle Kardinaldiakone sind Priester * Dienstag Morgen traten die in Rom weilenden und die aus Italien herbeigeeilten Kardinäle, alle zum Zeichen der Trauer in veilchenfarbenem Gewande, in der Sala del Consistoro des Vatikans zur ersten Versammlung zur Vorbereitung des Konklave zusammen. An diesem nehmen voraussichtlich alle Kardinäle mit Ausnahme des Erzbischofs von Sydney, Kardinals Moran, teil, der durch die weite Entfernung verhindert wird. Nach der Versammlung empfingen die Kardinäle in dem gleichen Saale die Botschafter von Oesterreich=Ungarn, Frankreich, Spanien und Portugal, die das Beileid ihrer Regierungen ausdrückten. Im Vatikan ist eine große Zahl Beileidstelegramme von Souveränen, S'aatsoberhäuptern, anderen Fürstlichkeiten, geistlichen Würdenträgern sowie katholischen Vereinen und Instituten aus allen Teilen der Welt eingegangen. Die erste Zusammenkunft der Kardinäle dauerte bis 12½ Uhr. Während derselben wurden der Fischerring des Papstes und dessen Bullensiegel zerbrochen. Um 4 Uhr wird das h. Kollegium die Beileidsbezeugungen des diplomatischen Corps entgegennehmen. Zum Sekretär der Konsistorialkongregation wurde Erzbischof Merry del Val ernannt. Galleriedirektor Galli nahm von der Leiche Leos XIII. die Totenmaske ab und formte die rechte Hand des Papstes nach. Infolge der Beschlüsse der Kardinalsversammlung begannen die Bauarbeiten im Vatikan zur Vorbereitung des Konklave. Im Damasushofe werden alle Zugänge vermauert. Im Vatikan werden etwa 65 Wohnräume zu je zwei bis drei Zimmern für die Kardinäle, ihre Sekretäre und die Konklavisten hergerichtet. Die"ahlzeiten nehmen die Kardinäle gemeinschaftlich ein. In der Sala Ducale und der Paulinischen Kapelle, werden Altäre zum Messelesen für sie errichtet. Die Wahlhandlung erfolgt in Morgen= und Abendsitzungen in der Sixtinischen Kapelle, an deren Wänden Sitze für die Kardinäle errichtet werden. Die Kardinäle treten am Abend des 31. Juli in das Konklave ein und halten am 1. August die erste Wahlversammlung ab. Deutsches Berlin, 22. Juli 1903. s Der Kaiser hat folgendes Telegramm an Kardinal Oreglia gesandt:„Schmerzlich bewegt durch die soeben erhaltene Trauernachricht, sende Ich dem hohen Kardinalkollegium den Ausdruck meiner aufrichtigen Anteilnahme an dem schweren Verlust, welchen die römisch-katholische Kirche durch den Heimgang des Papstes Leo XIII erlitten hat. Ich werde dem erhabenen Greise, der Mir ein persönlicher Freund war, und dessen so außerordentliche Gaben des Herzens und des Geistes Ich noch bei meiner letzten Anwesenheit in Rom, erst noch vor einigen Wochen, erneut bewundern mußte, ein treues Andenken bewahren.“ —s Auch Graf Bülow richtete an den Camerlengo ein in warmen Worten gehaltenes Beileidstelegramm. —s Der Tod des Papstes ist der italienischen Regierung angezeigt worden. Als Todesursache wird Lungenentzündung mit allgemeiner Schwäche angegeben. —s Das Konklave soll am 31. ds. Mts. beginnen. Der König von Italien kehrt von seinem Aufenthalt in Racconigi nach Rom zurück, wo er während des Konklaves verweilen wird. —s Dem verewigten Papste Leo XIII. wird von der„Nordd. Allgem. Zeitung" ein warmer Nachruf gewidmet, in welchem ausgeführt wird, daß er als Oberhaupt der katholischen Kirche in Gerechtigkeit, Milde und Weisheit seines Amtes gewaltet habe.„Ein friedliebender Kirchenfürst, ein warmherziger Freund der Armen und Unterdrückten, ein feinsinniger Gelehrter ist dies nicht zum wenigsten der staatsmännischen Einsicht LeoXIII. zu danken, der auch nach Beilegung des Kulturkampfes wiederholt und noch in seinem letzten Lebensjahre ein offenes Verständnis für die staatlichen Bedürfnisse Deutschlands gezeigt hat. Unter den vielen Päpsten, die in der deutschen Geschichte eine Rolle gespielt haben, wird Leo XIII. eine der sympathischsten Erscheinungen bleiben.“ —s Zum Ableben des heil. Vaters. Die gesamte Presse aller Länder, ob sie katholisch oder nichtkatholisch ist, steht unter dem tiefen Eindruck, welchen die erschütternde Kunde von dem Ableben Leos XIII. in der ganzen zivilisierten hervorgerufen hat. Was speziell die deutsche Presse anlangt, so bringen fast alle angesehenen akatholischen Blätter an ihrer Spitze spaltenlange Auslassungen in denen das Lebensbild des Verewigten entworfen und seine Politik der Kritik unterzogen wird. Vielen krausen Auffassungen begegnet man zwar hier, aber durch alle Preßerörterungen, mögen sie von einem Parterstandpunkt diktiert sein, von dem sie wollen, ob vom konservativen, liberalen oder sozialdemokratischen Standpunkt aus Durch alle zieht sich wie ein roter Faden die Auffassung, daß in Leo XIII. einer der hervorragendsten Päpste gelebt und wirkt hat. Allseitig wird anerkannt, daß die Politik des Dahingeschiedenen zusammengesetzt war aus einer hohen politischen Einsicht, einer gleich großen diplomatischen Gewandtheit, einer weisen politischen Mäßigung und bei alledem aus einer kraftvollen und energischen Verfechtung der kirchlichen InteressenUeberall wird anerkannt, daß bei aller Nachgiebigkeit, bei allem persönlichen Entgegenkommen, welches Leo XIII. bekundet hat, er den Interessen der Kirche auch in keinem Punkte etwas vergeben hat Naturgemäß nehmen in den Rückblicken der deutschen Presse die Beziehungen des verewigten hl. Vaters zu Deutschland die erste Stelle ein. Von ganz wenigen Fällen abgesehen, in denen wir einer Kritik begegnen, von der mer aus rein menschlichen Gründen hätte erwarten dürfen, daß sie wenigstens so lange noch nicht eingesetzt hätte, als der den der Tod zu verbreiten pflegt, die Bahre des Verblichen." umgiebt, wird anerkannt, daß das Bestreben Leos XIII.,!“ einem friedlichen Verhältnisse mit Deutschland zu leben ein aufrichtiges war, und daß die guten Beziehungen, welche sic zwischen Vatikan und Deutschland angebahnt haben, als 1 Verdienst zu betrachten sind. Wenn man sich vergegenwärtis“ wie tief der Haß in der liberalen Presse gegen Rom und Katholizismus überhaupt wurzelt, so darf aus jener anerkennenden Kritik der liberalen Presse der Schluß gezogen worden, daß Leo XIII. in der Tat ein Papst gewesen ist, der es verstanden hat, das Ansehen der Kurie auch in der nichtkatholischen Welt zu beleben und zu erhöhen. Als symptomatisch für diese Kritik fügen wir hier ein Urteil an, dem wir in einem nationalliveralen Blatte, welches zu den anragirten Vertretern des Kulturkampfes gehört, begegnet sind. Es heißt da:„ Todeskampf des 93jährigen Greises ist nun zu Ende, die katholische Welt steht trauernd an der Bahre ihres kirchlichen Oberhauptes. Aber auch diejenigen, die in ihm nicht den Statthalter Christi auf Erden verehrt haben, werden den mit Leo XIII. dahingegangen, dessen Name weit über den Kreis Dahingeschiedenen ein Tribut ihrer Hochachtung nicht versagen der katholischen Kirche hinaus mit dem Gefühl aufrichtiger Hochschätzung genannt wurde. Unser Kaiser verehrte in dem Entschlafenen einen persönlichen Freund; die wiederholten Besuche Sr. Majestät legten für das gute Verhältnis zwischen Beiden beredtes Zeugnis ab. Beim Antritt seines Pontifikates Der scharfe Gegensatz, welchen auch Leo XIII. gegenüber der protestantischen Kirche niemals verleugnet hat, vermag Anerkennung des liebenswürdigen, tadellosen Charakters, guten Menschen, des staatsmännisch hochgebildeten Mannes nicht zu schmälern. Ebenso wenig darf das objektive des Urteil ging Leo XIII. der Ruf voran, daß er bestrebt sein werde, ein Friedens= sich durch die Tatsache trüben lassen, daß der verstorbene Par papst zu sein, und diesen Ruf hat er dem deutschen Reiche im letzten Jahrzehnt seiner Wirksamkeit ein eifriger gegenüber in richtiger Erkenntnis der wahren Interessen sowohl der Kirche wie der Staatsgewalt gerechtfertigt. Unter seiner tätigen Mitwirkung gelang es, den Kulturkampf beizulegen und einen modus vivendi mit der katholischen Kirche zu finden, der sich bis heute bewährt hat. Schon vor 18 Jahren über trug ihm das Vertrauen der deutschen Regierung das Amt eines Schiedsrichters im Karolinenstreit mit Spanien. Wenn N Nyten Zahrjehnr seinerStsam der russisch-französischen Annäherung gewesen ist, welche er der Interessen der von ihm geleiteten Kirche dienstbar machen zu können hoffte. Sein reiner Lebenswandel, der sittliche Ernstder alle seine Handlungen auszeichnet, und seine echte Frömmig keit ergeben das Gesamtbild eines Mannes, welcher in der Geschichte der Päpste als eine der anziehendsten Erscheinungen der Nachwelt überliefert werden wird." Selbst der Vorwärts rints Scnöhrichters in Karonmnehstteit ant Bbamen.Wennrher Rachwiit abertiese heute unter regem Anteil der katholischen Bevölkerung am Aus= muß nerkennen, daß Leo XIII. einer der erfolgreichsten bau des deutschen Reiches weiter gearbeitet werden kann, so ist gewesen ist, und seine Schilderung des Lebensbildes Leos Lebenswege. Erzählung von Klara Wilhelmi. Nachdruck verboten 40. Fortsetzung. Paul wurde von diesem Gemälde wunderbar ergriffen, erinnerte es ihn doch zu lebendig an das alte verfallene Kloster und seine Umgebung in Käthchens Heimat, in dessen Kapelle er mit dieser die ersten Liebesworte ausgetauscht. Im Anschauen des Bildes versunken, bemerkte er nicht, daß seine Kollegen sich schon entfernt, bis deren lautes Rufen nach ihm, ihn aus seinen Träumereien weckte. Diese befanden sich auf dem gegenüber liegenden Trottoir. Paul ging quer über die breite Fahrstraße, um zu ihnen zu gelangen. Da kam plötzlich um die Straßenbiegung eine stolze Karosse herangaloppirt,— Paul fühlte sich durch einen heftigen Stoß zu Boden geworfen, sah die Pferde über sich, fühlte einen stechenden Schmerz am Kopfe, und wie das warme Blut ihm die Wange hernieder rann,— dann war es finstere Nacht um ihn. Als er die Augen wieder öffnete, befand er sich in dem weichen Bette eines geräumigen Gemaches, dessen Wände weiß waren. Der Schein des Lichtes wurde durch einen Schirm gedämpft. Der Kopf schmerzte ihn sehr, er wollte mit der rechten Hand hintasten, dies verursachte ihm jedoch solchen Schmerz, daß er von Neuem in Ohnmacht sank. Seine Bewegung, so gering sie auch gewesen, war doch bemerkt worden, und ein weibliches Wesen in schwarzem Gewande und gleicher Kopfbedeckung, mit breiten, weißen Falten nahte sich geräuschlos seinem Lager und beugte sich über den Kranken. Als sie die Binde vom Kopfe entfernte, um sie mit frischem, kühlem Wasser zu benetzen, gewahrte man eine tiefe klaffende Wunde. Der Kranke öffnete die Lippen und lispelte„Käthchen?" Dabei flog ein sonniger Schimmer über sein blasses Angesicht. Er fühlte nicht die brennenden Schmerzen der Kopfwunde, auch nicht die des zerbrochenen Armes; seine Seele umgaukelten liebliche Bilder der Vergangenheit. Er sah wieder das alters Hier herrschte emsiger Fleiß; die tiefe Stille wurde i graue, verwitterte Kloster, hörte wieder das leise, geheimnis= durch das Geräusch der über das Papier laufenden Feder volle Rauschen und Flüstern in den hohen Gipfeln der Bäume des Waldes; hörte den herniederströmenden Regen, den rollenden Donner, sah die zuckenden Blitze Jetzt saß er wieder mit Käthchen auf der Steinbank in der alten Kapelle, sie schmiegte ihr Köpfchen an seine Schulter,— da— tauchte ein anderes Bild aus dem Dunkel empor, es war das Hugo von Bergen's. „Zurück, zurück, weg," stöhnte der Kranke. Jetzt war auch die Vision eine andere. Er befand sich nicht mehr neben Käthchen auf der Steinbank, sondern er stand im Dickicht des Tiergartens, beobachtete und lauschte der Unterredung Hugo's mit seiner Gattin. „Verräterin!" murmelten seine Lippen, ein lautes, qualvolles Stöhnen entrang sich seiner Brust und seine Züge drückten eine namenlose Angst aus. Nach und nach beruhigte er sich wieder, ein paar kleine, weiche Kinderärmchen lugten in seinen Traum hinein und legten sich um seinen Hals, ein reizendes Kinderköpfchen legte sich an seine Wange und rosige Lippen flüstersten zärtlich:„Papa, lieber Papa!" So wechselten die Visionen, bald führten sie ihm heitere, frohe Bilder vor, bald dunkle traurige, beängstigende. Dieses währte mehrere Tage lang, da ließen die Wundfieber nach, aber auch in wachendem Zustande umschwebten ihn die Bilder seiner Vergangenheit. Er fühlte und erkannte, welches Glück er verloren, verscherzt habe, aber er maß noch immer die einzige Schuld seiner Gattin bei, und sein Gemüt verdunkelte, sein Herz verhärtete sich immer mehr. So lange er selbst sein Un unterbrochen, und die Blicke der Schreibenden wandten 1 nicht der Türe zu, als Paul eintrat. Nur Herr Woods 9o den Kopf flüchtig zu ihm empor, neigte demselben ein welny zum Gruße und schrieb weiter. Endlich steckte er die hinter das Ohr und trat dem noch immer an der Tür harrende Paul entgegen. „Nun, Herr Werner, was führt Sie denn zu witt Freut mich sehr, Sie wieder wohl zu sehen," sagte er un leichter Verbeugung, in höflichem, aber keineswegs herzlich Lone. Bei dem Namen„Werner“ hoben sich die Augen übrigen Anwesenden und hafteten hämischen Blickes auf Träger desselben.her „Ich wollte mir die Anfrage erlauben, ob ich den innegehabten Posten wieder übernehmen darf?“ erwid Jener. den „Bedauere, mein Herr," entgegnete Mr. Wood, miee Achseln zuckend,„der ist bereits besetzt, und wie ich hinzusuy darf, zu meiner vollen Zufriedenheit."in „Können Sie mir denn nicht ein anderes Ihrem Geschäfte übertragen?" fragte Paul, den die An und schroffe Haltung seines Gönners unangenehm berührte„Hm, nein, nicht daß ich wüßte," sagte dieser.„Und auch wohl ein Platz offen wäre, würde ich Ihnen denselben nicht geben können.“ „Und darf ich fragen: Warum?" Ihnen „Wenn Sie sich eben hineingearbeitet haben, wurde si recht, seine begangenen Fehler nicht erkannte, konnte die Gnade vielleicht ein ähnlicher Unfall zustoßen und ich genöligt des Herrn nicht in sein Herz einziehen. wieder einen Anderen mit Ihrer Arbeiten zu betrauen. Nach einigen Wochen kehrte Paul geheilt aus dem Ho= liebe dieses Wechseln nicht."fürchtung spitale in seine frühere Wohnung zurück. Seine wenigen Er„Wir wollen hoffen, Herr Wood, daß Ihre eladan zu sparnisse hatte die Krankheit aufgezehrt. Er ging zu Mr. nicht eintritt," versetzte Paul, welcher begann, unge Woods Komptoir, um seine alte Stellung wieder einzu= werden. nehmen.(Fortsetzung folgt.) Ich von der Gehässigkeit, der man sonst in diesem Blatte bei Würdigng politischer Gegner zu begegnen gewohnt ist. —s Minister Budde hat sich am 18. d. Mts. zu mehrwöchigem Aufenthalt nach Borkum begeben. —s Der Staatssekretär Graf Posadowsky hat das Ehrenpräsidium des im September in New-York stagenden Internationalen Kongresses für Versicherungswissenschaft angenommen und wird daselbst durch die in besonderer Mission nach NewYork reisende Staatskommissare vertreten sein. —s Der Botschafter in Konstantinopel Frhr. v. Bieberstein ist in Berlin eingetroffen. —s Prof. Dr. Backhaus in Königsberg hat unter Ablehnung eines Rufes nach Breslau für die neue Professur für Betriebslehre einen längeren Urlanb zur Erholung sowie zur Vollendung größerer wissenschaftlicher Arbeiten nachgesucht. s Die amerikanische Währungskommission hatte am Samstag mit der mexikanischen Silberkommission und den Vertretern der deutschen Regierung eine Besprechung, in welcher Vorschläge zur Einführung einer nationalen Silberwährung in China auf der Basis eines festen Verhältnisses des Silberpreises zum Goldpreise sowie die zur Durchführung dieses Planes für zweckmäßig erachteten Maßregeln erörtert wurden. —s Mr. Cornelius Vanderbilt ist auf seiner Dampfjacht „Nordstar,“ der Einladung des Kaisers folgend, zum Besuch Dänzigs und Marienburgs im Danziger Wasen eingetroffen. —s Der ständige Ausschuß des deutschen Landwirtschaftsrats ist von seinem Präsidenten, Grafen Schwerin=Löwitz zu einer Sitzung auf den 24. und 25. Juli einberufen worden. In derselben, an der etwa 35 Herren teilnehmen werden, wird über wichtige, die deutsche Landwirtschaft betreffende Gesetze und Maßnahmen, wie Fideikommißgesetz, Vererbungsweise des bäuerlichen Besitzes, Bersicherungsvertrag, freiwillige Altersund Invalidenversicherung in bäuerlichen Kreisen, wirtschaftlicher Zusammenschluß der mitteleuropäischen Staaten, Haftbarkeit der Tierhalter in Oldenburg, Anstellung von Stallschweizern zur Bekämpfung der Seuchen, Detarisirung von Zucker und den geplanten Mitteleuropäischen Wirtschaftsverein verhandelt worden. Aus dem Kreise Brilon. □ Brilon, 15. Juni. In der am Samstag stattkfundenen Sitzung der Stadtverordneten, in welcher anwesend baren die Herren Stadtverordnetenvorsteher Wigge, Oberpostassistent Böddicker, Professor Schmitz, Amts=Kassenrendant Brüggemann, Apotheker Cohaus, Zimmermeister Hillebrand, Oekonom Jakobi und Herr Bäckermeister Kleine, vom Magistrat Herr Bürgermeister Schomberg wurde folgendes verhandelt und beschlossen: 1. Verding der Arbeiten zum Durchbau eines Klassenzimmers im Rathause. Die öffentliche Ausschreibung der gedachten Arbeiten hat nur 3 Angebote und zwar: 1. für die Maurerarbeiten W. Kraft mit 343,35 Mk. 2. für die Tischlerarbeiten W. Föckeler mit 174,68 Mk. 3. für die Anstreicherarbeiten E. Kahlenberg mit 124,56 Mk. zur Folge gehabt. Die Angebote bewegten sich im Rahmen des Kosten=Anschlags und ist zu der Zuschlagserteilung die Genehmigung erteilt. 2. Verpachtung des städtischen Steinbruchs am Scharfenbergerwege. Bei der Neuverpachtung ist C. Dohle mit 215 Mk. Letztbietender geblieben. H. Ester, Letztbietender der ersten Verpachtung, hat den Bruch in Besitz genommen und hat der Magistrat die Anstrengung einer Besitzstörungsklage gegen den H. Ester vorgeschlagen. Es ist zunächst die Aufforderung eines Rechtsgutachtens beschlossen. 3. Verpachtung des Jagdbezirks Schellhorn. Dem Anpächter des gedachten Jagdbezirks, Amtsrichter Hövelmann zu Dortmund, ist ausnahmsweise die Jagd auf 12 Jahre zugeschlagen. 4. Beschaffung von Grenzsteinen für die städtischen Waldungen. In den Schutzbezirken Schellhorn, Borberg, Hammerkopf und Dreis hat sich bei der Neumessung das Bedürfnis für Neusetzung einer Menge von Grenzsteinen herausgestellt, indem durch das Fehlen vieler Grenzsteine die Grenze stellenweise derartig verdunkelt ist, daß hierdurch viele Flächen von einer Gesamtgröße von mehreren Morgen unbefugter Weise von den Nachbarn in Besitz genommen waren. Nach dem von dem Herrn Oberförster aufgestellten Kosten=Anschlage sind 720 Grenzsteine neu zu setzen. Die notwendigen Kosten sind bewilligt mit der Maßgabe, daß die Nummern in die Steine eingehauen werden. 5. Neuwahl eines Magistrats=Mitgliedes und 2. Beigeordneten an Stelle des nach Münster verzogenen Buchhändlers Franz Meyer. Zum Magistrats=Mitgliede und 2. Beigeordneten für den Rest der Wahlperiode 1902/1907 ist einstimmig Herr Steuersekretär Lause gewählt worden. 6. Antrag des Försters Droll wegen Uebernahme von Kosten, welche durch die Herstellung einer Dachkammer im Forsthaus Schellhorn entstanden sind. Die betr. Kosten von 85 Mk. 42 Pfg. sind auf die Stadtkasse übernommen. Hierauf sind noch folgende nicht auf der Tagesordnung stehende Sachen erledigt: 7. Angebot des Herrn Amtsgerichtsrats Schwickardi wegen des Wietekschen Hausplatzes. Das gedachte Angebot ist dem Vorschlage des Magistrats entsprechend nicht angenommen, weil der Platz wegen der an das Angebot geknüpften Bedingungen wertlos ist. 8. Verkauf der Wiesenparzelle Flur 40 Nr. 86. Dem am 17. d. Mts. stattgehabten öffentlichen Verkaufe ist wegen Unzulänglichkeit des Kaufpreises die Genehmigung versagt. Dagegen der frühere vom Magistrate vorgeschlagene freihändige Verkauf zu einem höheren Kaufpreise genehmigt. 9. Antrag des Zimmermeisters W. Kraft wegen käuflicher Ueberlassung des Grundstücks Flur 60 Nr. 18. Der Antrag ist nach dem Vorschlage des Magistrats abgelehnt. 10. Haftpflicht=Versicherung der Mitglieder der freiw. Feuerwehr. Die entstehenden Kosten zum Betrage von 10,50 M. sind auf die Stadtkasse übernommen, falls die Wehr nicht schon von der Stadt wegen Haftpflicht versichert ist. Brilon, 23. Juli. Am 19. d. Mts. brachte ein Sonderzug, begünstigt vom schönen Wetter, die Eisenbahnvereine Brilon, Bestwig und Neheim in einer Stärke von 1400 Personen nach der Hohensyburg. Dort wurde in den Sälen des Wirtes Wulf bei fröhlicher Stimmung gemeinschaftlich Kaffee getrunken. Alsdann bewegte sich der Festzug, an der Spitze die Freienoler Kapelle, durch die Parkanlagen nach dem Kaiser=Wilhelm=Denkmal, wo Herr Regierungs= und Baurat Maas den Kaisertoast ausbrachte und die Nationalhymne gesungen wurde. Nach eingehender Besichtigung des Denkmals kehrte der Festzug zu den Wirtschaftssälen zurück, woselbst die Vereine bei Musik, Gesang, Tanz und Kinderspielen noch mehrere Stunden verweilten und gegen 8 Uhr abends mit dem Bewußtsein zurückfuhren, einen vergnügten Tag verlebt zu haben. —** Unser Hochwürdigster Herr Bischof hat angeordnet, daß in allen Pfarr-, Filial= und Klosterkirchen der Diözese Paderborn das feierliche Seelenamt für den hl. Vater am nächsten Samstag abgehalten werden soll. Bei demselben wird ein Hirtenschreiben des Hochwürdigsten Herrn Bischofs verlesen werden. Brilon, 23. Juli. Einjährig=freiwilliger Dienst. Mit dem 1. Juli begann die Frist, daß diejenigen jungen Leute, die im Besitze des Berechtigungsscheines zum einjährig=freiwilligen Dienst sind und die beabsichtigen, am 1. Oktober einzutreten, sich bei den Regimentern melden können. Diejenigen, welche wegen zeitlicher Untauglichkeit abgewiesen werden, machen wir darauf aufmerksam, daß die sich gemäß§ 98 Nr. 7 der deutschen Wehrordnung innerhalb 4 Wochen bei dem Herrn Civilvorsitzenden ihres Aufenthaltsortes zur späteren Beorderung zur Vorstellung vor der Ober=Ersatz=Kommission zu melden haben. Unterlassung der angeordneten Meldung hat, sofern damit eine Ueberschreitung des Ausstandszeitpunktes verbunden ist, eine Bestrafung nach Maßgabe des§ 267 der W.=O. zur Folge. Wir verfehlen nicht, ausdrücklich darauf hinzuweisen, daß diese Bestrafung neuerdings keine polizeiliche mehr ist, sondern infolge eines Erlasses des Herrn Ministers des Innern im Wege des amtsrichterlichen Strafbefehls gemäß§ 447 der Strafprozeßordnung erfolgt. —** Personalien aus dem Lehrerstande des Rg.=Bez. Arnsberg: Eine Schulstelle ist übertragen endgültig den Lehrern Heinrich Bunne zu Brackel in Gelsenkirchen Bismarck, Joseph Duchène zu Holzfeld, Kr. St. Goar, in Gevelsberg, Joseph Schlüter zu Helden in Siegen, den Lehrerinnen Anna Wiese zu Andreasberg in Ramsbeck, Elfriede Knickenburg zu Dortmund ebendaselbst, Paula Gröne zu Sodingen in Giesenberg=Sodingen. Provinzielle Nachrichten. Bestwig, 19. Juli. Das hiesige Portland=Zement= und Kalkwerk, Aktiengesellschaft, hielt im Laufe der Woche Generalversammlung ab. Mit Genugtuung nahm man die Mitteilung entgegen, daß es der jetzigen Direktion gelungen sei, den nach einem neuen Aufbereitungsverfahren hergestellten Zement in verhältnismäßig kurzer Zeit zu Ansehen zu bringen. Man beschloß einstimmig, das Aktienkapital hauptsächlich zur Verbesserung der Rentabilitätsziffern von 1,25 Millionen Mark auf 832000 Mark herabzusetzen Aus der Neuwahl des Aufsichtsrats ging Karl Freiherr von Lünink zu Östwig als Vorsitzender und Amtmann Dransfeld hierselbst als dessen Stellvertreter hervor. Dem Aufsichtsrat gehören ferner an: Freiherr von Droste=Hülshoff zu Hamborn, Graf zu StollbergStollberg in Westheim, Louis Peter zu Hagen, Joseph Schöningh zu Paderborn und Hermann von Mallinckrodt zu Paderborn. Soest, 23. Juli. In einer Felsspalte im Bodethale (Harz) wurde der Student Fritz Schneider aus Soest aufgefunden, der seit 6 Wochen dort als Einsiedler hauste. Seit dieser Zeit wurde er vermißt und der Vater hatte bereits eine Belohnung ausgeschrieben. Schneider ist 23 Jahre alt, sein geistiger Zustand soll nicht normal sein. Aachen, 19. Juli. Monsignore Metzmacher †. Herr Pfarrer. Definitor, Ehrenstiftsherr und päpstlicher Ehrenkämmerer Heinrich Metzmacher ist gestern Nachmittag sanft im Herrn entschlafen. Der um das kirchliche Leben Aachens hochverdiente Verstorbene hat ein Alter von 65 Jahren erreicht. R. I. P. Dortmund, 20. Juli. Selbstmord verübte hier ein städtischer Bureaugehilfe, nachdem er sich hatte Unregelmäßigkeiten zuschulden kommen lassen. Krefeld, 23. Juli. Ein schwerer Unfall, dem ein blühendes Menschenleben zum Opfer fiel, ereignete sich auf dem Schulhofe des hiesigen Gymnasiums. Während der Pause rannten beim Spiel zwei Quintaner mit den Köpfen gegeneinander und zwar derart, daß einer von ihnen an den Folgen einer schweren Gehirnerschütterung verstarb. Werl, 19. Juli. In den nächsten Wochen soll mit dem Bau der neuen Wallfahrtskirche begonnen werden. Die Kirche ist als eine etwa 4000 Personen fassende dreischiffige Kirche romanischen Stiles geplant. Vor derselben wird eine Kreuzweghalle, welche zugleich als Predigthalle benutzt werden kann, errichtet. Demnächst muß auch das alte zum Teil sehr baufällige Klostergebäude niedergelegt werden, an dessen Stelle ein ganz einfaches Kloster errichtet werden soll. Hüsten, 23. Juli. Auf der Landstraße tot aufgefunden wurde in der sogen. Oelinghauser Haide ein italienischer Arbeiter. Der Mann hat, wie Ermittelungen ergaben, an der Talsperre in Meschede gearbeitet, war krank geworden und hatte sich dann in diesem Zustande auf die Wanderschaft begeben. Er kam bis Oelinghausen, wo er zwei Tage bald hier, bald dort zubrachte. Das Aussehen, das Benehmen und auch die Papiere zeugten davon, daß man es mit einem ordentlichen fleißigen Manne zu tun hatte, der jetzt weit ab von seinen sonnigen Italien, verlassen von allen, seinen Tod fand und in kühler deutscher Erde bestattet wird. Vom Rhein, 20. Juli. Die von Industrie durchsetzten Landorte haben, so schreibt man der„Kobl. Volksztg." bei der letzten Reichstagswahl vereinzelte sozialdemokratische Stimmen aufzuweisen gehabt. Offen wagten sich die Anhänger der Sozialdemokratie nicht hervor. Neuerdings versuchte man die sozialdemokratische Lehre bezw. deren Flugblätter durch Gründung von sogen.„Rauchklubs“ unauffälliger in diesen kleinen Orten an den Mann zu bringen. Möge man also an den Plätzen, wo sich derartige Klubs etablieren, ein wachsames politisches Auge haben. In diesen Klubs hat man es besonders auf die noch weniger urteilsfähige und daher für die Irrlehre der Sozialdemokratie empfänglichere Jugend abgesehen. Diesen Dingen darf auch die Zentrumspartei nicht mit verschränkten Armen gegenüberstehen. Führe man allerorts den Volksverein ein als bestes Gegenmittel gegen das Vordringen der Sozialdemokratie. Düsseldorf, 21. Juli. Errichtung einer Akademie für praktische Medizin. Außer dem Projekte der Errichtung eines Oberlandesgerichts ist gegenwärtig noch ein anderer wichtiger Plan für Düsseldorf in der Schwebe, nämlich der Plan der Errichtung einer Akademie für praktische Medizin. Düsseldorf steht im Begriff, ein modernes großes Krankenhaus zu erbauen, und da wurde die Anregung gegeben, gleichzeitig die Errichtung für eine Akademie der praktischen Medizin zu treffen. Die Verhandlungen mit dem Kultusministerium über diese Angelegenheit sind dem Abschlusse nahe. Köln, 17. Juli. Vom Blitz getroffen wurde gestern Nachmittag zu Köln=Poll auf offener Landstraße ein Ehepaar mit seinem Söhnchen; der Mann wurde sofort getötet, während die Frau nebst dem Kinde infolge der erhaltenen Verletzungen dem Deutzer Hospital überwiesen werden mußten. 19. Juli. Gestern wurde der Verbandstag der Maler und Anstreichermeister des Innungsverbandes für Rheinland und Westfalen in Anwesenheit des Oberpräsidenten, des Landrats, der Beigeordneten, Stadtverordneten und der Vertreter der Handwerkskammer eingeleitet. Nach den Begrüßungsworten des zweiten Vorsitzenden, Jansen=Bochum, erklärte der Oberpräsident die reichhaltige Fachausstellung für eröffnet, indem er gleichzeitig das Kaiserhoch ausbrachte. Obermeister Menz dankte darauf im Namen des Verbandes. Linz, 19. Juli. Eine fürstliche Pleite. In dem Konkurse Fürst Ludwig Salm=Kyrburg auf dem Schlosse Renneberg bei Linz am Nhein wird in diesem Monat eine Abschlagszahlung von 1½ Proz. an die Gläubiger stattfinden, wozu ungefähr 17000 Mark vorhanden sind. Die zu berücksichtigenden Forderungen betragen 1107463 Mark. Mainz, 19. Juli. Auf Anregung der hiesigen Feuerwehr hat der Ausschuß des deutschen Feuerwehrtages in Berlin beschlossen, den auf dieses Jahr anberaumten deutschen Feuerwehrtag im Jahre 1904 im Mainz abzuhalten. Maßgebend für diese Terminverlegung war u. a. auch, daß in diesem Jahre das deutsche Turnfest hier abgehalten wird. Kassel. 21. Juli. Acht chinesische Offiziere sind hier eingetroffen, die sich in Deutschland militärisch ausbilden wollen. Die chinesischen Offiziere, sämtlich Söhne hoher chinesischer Beamten, beabsichtigen, sich in Kassel einige Monate der Vervollkommnung ihrer deutschen Sprachkenntnisse zu widmen. Marburg, 23. Juli. Attentat auf einen Eisenbahnzug. Durch eine heute veröffentlichte Bekanntmachung der kgl. Eisenbahn=Betriebs=Inspektion erhält man nachträglich Kenntnis von einem ruchlosen Attentat, das in der Nacht vom 9. zum 10. Juli zwischen den Stationen Cölbe und Sarnau der Bahnstrecke Warburg=Arolsen=Marburg verübt worden ist. Man hatte nämlich einen 120 Pfund schweren Sandstein auf die Schienen gewälzt, um den die Strecke passierenden Frühpersonenzug von Frankenberg nach Warburg bezw. Kassel zur Entgleisung zu bringen. Zum Glück wurde das über einen Zentner schwere Hindernis noch rechtzeitig entdeckt, bevor der Zug die Stelle passierte, und so namenloses Unglück verhütet. Für Entdeckung des Täters hat jetzt die Eisenbahnbehörde eine Belohnung von 300 Mark ausgesetzt Vermischtes. Paris, 16. Juli. Die gestern eingetroffene ostasiatische Post bringt Berichte über einen furchtbaren Wirbelsturm, der am 10. Juni Hanoi verwüstet hat. Mit augenscheinlicher Uebertreibung wird von der vollständigen Zerstörung der Stadt gesprochen. Wahr scheint zu sein, daß zahlreiche Dächer abgetragen, mehrere Häuser, darunter festgebaute Regierungspaläste, arg beschädigt, Bäume fausgerissen, ganze Telegraphenlinien zerstört, mehrere Dutzend Flußschiffe versenkt. Eisenbahnzüge aus dem Geleise geworfen und gegen 300 Eingeborene getötet und verwundet wurden. In Namdinh soll der Taifun noch schlimmer gewütet haben als in Hanoi. Der Schaden wird auf dreißig Millionen geschätzt. *„Wohin reisen Sie?" Diese Frage ist jetzt an der Tagesordnung. Und mein erfahrener Freund gibt mir den Rat: „Vergessen Sie nicht, ein Fläschchen Maggi's Würze mitzunehmen. Sie sind dann sicher, auch auf dem Lande immer schmackhafte Suppen und Speisen zu haben, aber— nicht zu viel davon nehmen! Maggi's Würze ist sehr ausgiebig und darf nicht vorschmecken; ein paar Tropfen genügen. Ist das Fläschchen eer, so können Sie es bei jedem besseren Kaufmann nachfüllen lassen. Vergnügte Ferien!" * Eine Menschenfresserin wurde dieser Tage in Kairo unter großer Erregung der Einwohner in Untersuchungshaft eingeliefert. Schon seit längerer Zeit ging das Gerücht, daß eine Frau aus Kafr=Sakr im Distrikt von Charkieh auf der Straße spielenden Kinder aufgriffe, um sie zu verschleppen und zu verzehren. Die Behörden legten darauf hinzielenden Meldungen zunächst kein großes Gewicht bei, weil ihnen die Sache zu ungeheuerlich erschien. Da aber die Klagen der Einwohner sich mehrten, wurde ein Geheimpolizist nach Kafr=Sakr entsandt, und es dauerte nicht lange, bis er tatsächlich das Weib beim Verspeisen von Menschenfleisch überraschte und festnahm. Es ist danach kaum mehr zweifelhaft, daß eine Anzahl verschwundener Kinder der Kanniballin zum Opfer gefallen ist. Verantwortlicher Redakteur: Heinrich Bungartz, Brilon. Zwangsversteigerung. Am Freitag, den 24. d. Mts., nachmittags 6 Uhr werde ich in Thülen eine große schwarzweiße Kuh öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigert werden. Versammlung der Käufer an der Schule dort. Brilon, den 22. Juli 1903. Röscher, Gerichtsvollzieher. 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Man sollte also nicht säumen, seine Anwendung allen andern scharfen, ätzenden, Gesundheit zerstörenden Mitteln vorzuziehen. Alle Symptome, wie: Kopfschmerzen, Aufstoßen, Sodbrenen, Blähungen, Uebelkeitmit Erbrechen, die beichronischen(veralteten) Magenleiden um so heftiger auftreten, werden oft nach einigen Mal Trinken beseitigt. Gruhisperstanfteng und dereu unangenehme Folgen wie BeklemStühlberssgmung, Kolikschmerzen, Herzklopfen, Schlaflosigkeit, sowie Blutanstauungen in Leber. Milz und Pfortaderfystem (Hämorrhoidalleiden) werden durch Kräuter=Wein rasch und gelind beseitig Kräuter=Wein behebt jede Anverdaulichkeit, verleiht dem Berdauungssystem einen Aufschwung und entfernt durch einen leichten Stuhl alle untauglichen Stoffe aus dem Magen und Gedärmen. Hageres, bleiches mangel, Entkräftung und eines krankhaften Zustandes der Leber. Bei gänzlicher Appetitlosigkeit unter nervöser Abspannung und Gemüthsverstimmung, sowie häusigen Kopfschmerken, schlaflosen Nächten, siechen oft solche Kranke langsam dahin, Kräuter=Wein giebt der geschwächten Lebenskraft einen frischen Impuls. Kräuter=Wein steigert den Appetit, befördert die Verdauung und Ernährung, regt den Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt und verbessert die Blutbildung, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranken nene Kräfte und neues Leßen. Zahlreiche Anerkennungen und Dank. schreiben beweisen dies. Kräuter=Wein ist zu haben in Flaschen a 1,25 und 1,75 in Brilon, Zigge, Warflein, Rüthen, Belecke, Ramsbeck, Büren, Meschede, Fredeburg Medebach, Usseln, Adorf, Niedermarsberg, Fürstenberg, Corbach, Eslohe, Arnsberg u. s. w. in den Apotheken. Auch versendet die Firma„Hubert Ullrich, Leipzig, Weststr. 82“ 3 und mehr Flaschen Kräuterwein zu Originalpreisen nach allen Orten Deutschlands porto und kistefrei. Vor Nachahmungen wird gewarnt. 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