Erscheint Donnerstag und Sonnabend, mit einer halbmonatli Landwirtschaftl herauskommenden jen Beilage. Abonnementspreis vierteljährlich 1 A inkl. Postaufschlag, durch den Briefträger 1,24 M. Druck und Verlag: C. D. Flotho, Höxter. Inserate nimmt die Expedition in Empfang und müssen solche Tags zuvor bis Vormittags 10 Uhr hier eintreffen, wenn sie in der nächsten Nummer Aufnahme finden sollen. Insertionsgebühr die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 10 4 im Reklameteil 30 4. für den Kreis Horter. Fernsprecher Nr. 6, Wochenblatt für die Kreise Hörter, Paderborn, Warburg, Büren. 27. Jahrgang. Höxter, Sonnabend, den 3. April 1909.. 40. Erstes Blatt. Zur Konfirmation. Zieht hin mit Gott auf eurem Pilgerpfade, Ihr jungen Christen, unser Stolz und Glück! Ein gut Gewissen und des Himmels Gnade Sei euer Trost in jeglichem Geschick! Zu neuer Arbeit ruft ein Morgenrot— Zieht hin mit Gott! Zieht hin mit Gott! Ob sonnenhell die Wege, Ob rauh der Pfad, den Gottes Hand euch führt: Geborgen in des Höchsten treuer Pflege Ist stets zu Dank und Preis das Herz gerührt, Und nimmer sicht euch an der Feinde Spott— Zieht hin mit Gott! Zieht hin mit Gott! Nicht immer euch zur Seite Steht treuer Eltern, treuer Lehrer Hort. O drum erwählt als sicherstes Geleite Das ewig wahre, feste Gotteswort! Es hilft euch siegreich selbst durch Not und Tod— Zieht hin mit Gott! Zieht hin mit Gott! In gut und bösen Tagen O haltet fest dies Kleinod, euch vertraut! Der kann getrost das Schwerste mutvoll wagen, Wer glaubensvoll empor zum Helfer schaut, Der euer Trost auch in der letzten Not— Zieht hin mit Gott! Paul Lips. Konsirmation. Zahlreiche junge Menschenkinder eilen Sonntag dem Gotteshause zu, um vor der Gemeinde ihren christlichen Glauben zu bekennen, ihrem Gott Treue zu geloben und dann feierlich eingesegnet und in die Zahl der mündigen Glieder der christlichen Kirche aufgenommen zu werden. Wie feierlich ernst ertönen die Glocken, brausen die Klänge der Orgel, wie durchzieht frommer Schauer den jungen Christen unter der segnenden Hand des Geistlichen, wenn er vor dem Altar kniend das Gelübde der Treue ablegt! Der Tag der Konfirmation ist von ernster Bedeutung für die herangewachsene Jugend, für das Elternhaus, aber auch für den Staat und das ganze Volk. Das Gelübde der Treue, das die Konfirmanden ablegen, soll nicht ein bloßes Lippenbekenntnis zu einer kirchlichen Glaubenslehre sein, sondern eine Herzenstat, in welcher der junge Christ zu seinem Gott und den Idealen, wie sie im Evangelium enthalten sind, Stellung nimmt. Diese Jugend ist es, welche die Hoffaung unseres Volkes bedeutet. Mit Hoffnung und Wehmut schauen wir daher auf die jungen Menschenkinder. Werden sie die Kraft unseres Volkslebens heben oder zerstören helfen? Werden sie die große Zahl derjenigen vermehren, die in einer ziel= und haltlosen, weil religiös und sittlich bankrotten Weltanschauung deutsches Volkstum und Vaterlandsliebe zu untergraben streben, oder werden sie uns Kräfte der Erneuerung zuführen, durch die unser Volksleben erstarken kann? Das sind bange Fragen, die sich heute jedem Volksfreunde aufdrängen. Die Liebe, die das junge Menschenkind bisher im Familienkreise umgab, gilt jetzt in den meisten Fällen einem Scheidenden; denn es kann nichts helfen, der Knabe, und nur zu ost auch das Mädchen, „muß hinaus ins feindliche Leben, muß wirken und streben, muß wetten und wagen, das Glück zu erjagen." Das Elternhaus mit seiner treuen Liebe kann sie nicht länger halten, sie müssen ihre eigenen Wege gehen. Daheim bleibt nur die Liebe und Sorge zurück und begleitet das scheidende Kind mit seinen Gebeten. Und wohl dem Kinde, das den feuchten Blick des Mutterauges, den festen warmen Druck der Vaterhand bis ins Herz hinein fühlt, wohl ihm, wenn es der Scheidestunde gedenkt in allen Lebenslagen! Es hat dann einen Leitstern bei sich für alle Zeiten. Unser menschliches Sorgen allein kann es nicht bewahren, und was es sich auch vorgenommen, es kommt nicht aus Ziel, wenn es nicht unter dem Schutze des Höchsten steht. Wohl dem, der in seinen späteren Jahren einmal von sich sagen kann: Der Kindheit Glück, der Schule Lehren Begleiten mich auf meiner Bahn, Ob sich mir längst auch bessre Sphären, So heiß ersehnte, aufgetan; Ob sich mir längst auf weiten Reisen Für Schönes mehr geschärft der Blick, Ob ich auch nicht genug kann preisen Das mir von Gott erteilte Glück. Wer freilich mit müßigen Händen darauf warten will, bis ihm das Glück des Lebens von selbst in den Schoß fällt, der wird stets enttäuscht werden. Ernstes, emsiges Streben und treue, unermüdliche Pflichterfüllung im großen wie im kleinen, das ist die unerläßliche Bedingung. Darauf weist auch Goethe hin, wenn er sagt: Wie sich Verdienst und Glück verketten, Das fällt den Toren niemals ein; Wenn sie den Stein der Weisen hätten, Der Weise mangelte dem Stein! Fröhlich und unbefangen vollbringen, was jedesmal die Pflicht gebeut, das ist es, worauf es ankommt. Dieser sittliche Gewissensernst möge der konfirmierten Jugend in Fleisch und Blut übergehen! Und die Konfirmation will betonen, daß eine gute und gewissenhafte Lebensführung die beste Verankerung in einem festen religiösen Glauben findet. Vater= und Mutterherzen sind am Konfirmationstage von vielen hoffenden und sorgenden Gedanken bewegt. Mögen die Hoffnungen überwiegen! Mögen die jungen Menschenkinder, die in dieser Zeit konfirmiert werden, den ihnen zusagenden Wirkungskreis finden, mögen sie das Glück erobern und festzuhalten verstehen, mögen sie zu christlich charaktervollen Persönlichkeiten heranreifen, denen die Klippen des Lebens nichts anzuhaben vermögen! Das ist heute unser innigster Wunsch. Folitische Nachrichten. Dentsches Berlin, 1. April. Die Majestäten, welche gestern Nachmittag nach dem Neuen Palais zurückgekehrt waren, trafe heute Vormittag wiederum hier ein und wohnten um 11 Uhr im Tattersall in der Luisenstraße dem Preisreiten des Berlin=Potsdamer Reitervereins bei. — Der Reichstag hatte am Dienstag bei der Beratung über den Etat des Reichskanzlers seine innerpolitische Debatte, die von dem Abg. Bassermann(natl.) eingeleitet wurde. Er beschränkte sich auf die Frage der Reichsfinanzreform und erklärte, daß die Nationalliberalen zur Annahme einer Erbanfallsteuer entschlossen seien. Abg. Wiemer(fr. Vp.) polemisierte gegen die Rechte, Abg. Frhr. v. Richthofen(kons.) wies die Angriffe gegen die Konservativen zurück, während die Abgg. Fürst von Hatzfeld(Rp.) und Liebermann v. Sonnenberg(wirtsch. Vg.) die Bereitwilligkeit ihrer Fraktionen zu einem Ausbau der Erbschaftssteuer erklärten. Einen Angriff des Abg. Götz v. Olenhusen(Welfe), der die Königstreue des Reichskanzlers anzuzweifeln gewagt hatte, wies Fürst Bülow entrüstet zurück und sprach dann über Block und Reichsfinanzreform.— Am Mittwoch begründete zunächst Abg. Roeren(Ztr.) eine Resolution, in welcher der Reichskanzler ersucht wird, die gewerbsmäßige Herstellung und Verbreitung unsittlicher Schriften und Bilder möglichst zu unterdrücken. Die Besprechung des Falles Der Fall Welshofen. Kriminalroman von M. Kossak. (28. Fortsetzung.) Punkt halbacht klingelte es an der Entreetür— Brümmel war mit militärischer Pünktlichkeit erschienen. Lina ging öffnen und ihr Freund stand auf der Schwelle, den Finger an den Mund legend, um einen unvorsichtigen Ausbruch ihrer Wiedersehensfreude zu verhindern; unter dem Arm trug er ein Kästchen, wie es Geschäftsreisende bei sich zu führen pflegen. „Die Signora Brusio zu Hause?" fragte er laut. „Nein, die Signora ist ausgegangen," stammelte Lina. „Ich wollte nur anfragen, ob sie nicht Bedarf an feinen Likören hätte. Meine Firma" und nun erging der geschmeidige Detektiv sich in einen Redeschwall, welcher die Anpreisung seiner Ware zum Gegenstand hatte.„Aber wenn die Signora auch nicht daheim ist, so würden Sie, Fräulein, doch vielleicht— ich möchte mich glücklich schätzen, Sie zu meinen Kunden rechnen zu dürfen. Eine kleine Probe steht gern zu Diensten und" — bevor die Köchin noch zu antworten vermochte, hatte Brümmel sich bereits durch die Tür gedrängt und ein paar Minuten später stand er schon im Salon, sich ehrfurchtsvoll vor der dort sitzenden Marietta verneigend. „Die Damen gestatten—“ er öffnete sein Kästchen und entnahm ihm eine Anzahl kleiner Flaschen, die er vor den neugierigen Augen der Verdi auf den Tisch stellte.„Danke bestens, mein Fräulein—“ wandte er sich an Lina, die hinauseilen wollte, um Gläser zu holen —„brauche nichts, ist alles hier— unsereiner hat dergleichen immer bei der Hand." Er packte die Gläser aus, goß sie aus einer Flasche mit lockendem goldig gelbem Inhalt voll. „Auf Ihr Wohl, meine verehrten Damen," rief er, sein Glas gegen Lina und Mariette erhebend, nachdem er sich ungeniert auf einen Sessel niedergelassen hatte. „Ein feiner Stoff!" fuhr er fort.„Dick wie Oel und feurig und dabei doch sanft und süß, wie die Liebe— wollte sagen, wie alles, was schön und beglückend ist, denn das ist die Liebe doch— nicht wahr, meine Damen?" „Nein, wie gespaßig der Herr von Smetana immer ist!" fuhr es Lina unbedacht heraus. Doch der gewandte Brümmel verstand ihre Unvorsichtigkeit sofort wieder gut zu machen.„Nein, daß das Fräulein sich auch meinen Namen gemerkt hat!" meinte er unbefangen.„Große Ehre für mich— wahrhaftig! Wir haben uns nämlich schon vor einigen Tagen beim Materialwarenhändler drüben an der Ecke gesehen, als ich dort meinen Besuch machte," erklärte er der Verdi. Da diese ein paar Worte in ihrem fürchterlichen gebrochenen Deutsch erwiderte, rief er erfreut,„ah, die Signora ist Italiana! Wie mich das interessiert! Schönes Land, Italia— bin mehrmals dort gewesen und kann auch die herrliche melodische Sprache so einigermaßen reden. Si, si, parlo italiano, vuole dire—" und nun wandte er sich in geläufigem Italienisch an Mariette, ihr einige höfliche und schmeichelhafte Phrasen über ihr Geburtsland sagend. Dabei verabsäumte er es aber keineswegs, auch Lina die Cour zu machen, um nicht unnötigerweise ihre Eifersucht herauszufordern. Mit der Verdi redete er italienisch und mit der Köchin deutsch, dabei immer jeder alles, was sie nicht verstand, in ihr heimisches Idiom übersetzend. So bewegte sich die Unterhaltung eine Weile fort. Natürlich wurde immer fleißig getrunken, denn Brümmel schenkte sofort, sowie ein Glas leer war, wieder ein. Lina trank nur wenig, aber Mariette ließ sich die günstige Gelegenheit, ihrer Leidenschaft für feine Liköre zu fröhnen, nicht ungenützt entgehen. Schon brannten ihre gelben Wangen und glühten ihre Augen in einem verdächtigen Feuer, als Brümmel, sich behaglich in seinem Sessel zurücklehnend, äußerte,„wie schön es die Damen hier haben! Prächtige Wohnung, große Eleganz und eine bequeme sorgenfreie Stellung— denn sicher bietet die Signora Brusio Ihnen die doch. Sie hat ja wohl bedeutende Einnahmen?" „Ach die!" brummte die Verdi ingrimmig.„Die, die—“ ihre schwarzen Augen funkelten und in ihrem mageren Gesicht erschien ein gehässiger Zug. „So haben Sie Klage über die Signora zu führen?" fragte der Detektiv erstaunt. Als ob es nur dieser Worte bedurft hätte, um die Beredsamkeit der Kammerjungfer zu entfesseln, so brach jetzt ein Strom von Verwünschungen gegen ihre Herrin von ihren Lippen. Wie geizig sie wäre, wie undankbar und wie schlecht— ja, wie schlecht, setzte sie Brümmel auseinander, immer in ihrer aufgeregten und zugleich boshaften Weise redend. „O, o, o!" machte Brümmel bedauernd.„Ja, ja, man hört freilich so mancherlei über die Signora, aber ich dachte mir, die Leute reden auch so viel, und man darf ihnen nicht alles glauben. Und besonders, da der Graf Welshofen, der doch mit der Signora verlobt war, ihr solch ein großes Vermögen hinterlassen hat, so mußt' er eine sehr gute Meinung von ihr gehabt haben. Aber, so trinken Sie doch aus, Signora," bat er, seine Flasche dem Glas der Verdi nähernd.„So, nun probieren Sie einmal diesen Likör— echter Chartreuse, im Kloster gemacht, unübertrefflich! Also, um auf den Grafen und des Professors Kuhlenbeck, jenes Lausanner Universitätsprofessors, der wegen alldeutscher Umtriebe und wegen des Verdachts der Kollegabtreibung aus seinem Amte entferrt worden ist, ergab, daß derselbe keineswegs ein Opfer des Deutschenhasses geworden ist. Zum Schluß entwickelte sich noch ein Rededuell zwischen den Abgg. Gothein(fr. Vg.) und Graf Kanitz(kons.) über den Handelsvertrag mit Amerika. — Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte am Dienstag zunächst eine Anzahl von Petitionen in der Hauptsache nach den Anträgen der Kommission. Dann folgte die Beratung der Sekundärbahnvorlage. Hier wurde von konservativen und nationalliberalen Rednern bemängelt, daß für Nebenbahnen nicht genügend Neuanlagen vorgesehen seien. Minister v. Breitenbach verwies demgegenüber darauf, daß in früheren Jahren besonders Nebenbahnen angelegt seien, es gegenwärtig aber nötig sei, in denjenigen Gebieten Arbeiten in Angriff zu nehmen, wo Arbeitslosigkeit herrsche.— Am Mittwoch brachten bei Fortsetzung der Beratung 25 Redner ausschließlich lokale Wünsche zur Sprache, die sich auf die Direktionsbezirke Bromberg, Köln, Kassel und Königsberg bezogen. — Bei der Reichstagsersatzwahl in Cochem=AdenauZell erhielt von 13493 abgegebenen Stimmen Pauly (Ztr.) 12407, David(Soz.) 483, Mäßer(wild) 413 Stimmen; die übrigen Stimmen zersplitterten sich. Pauly ist somit gewählt. — Der„Zukunft"=Harden reist noch immer im Reiche umher, um Vorträge über die politische Lage zu halten, die aber in Wahrheit eine Hetze gegen den Kaiser darstellen. Interessant ist, was der„Vorwärts" über diese Vorträge zu berichten weiß: In Magdeburg, wo Harden auch einen Vortrag über die politische Lage gehalten hat, erhielten vorher zahlreiche Bewohner eine „ergebenste Einladung", gegen deren Vorzeigung ihnen auf den Eintrittspreis, der 4, 3 und 2 Mark betrug, eine Preisermäßigung von 25 v. H. in Aussicht gestellt wurde.— Hereinspaziert, meine Herrschaften, nur hier ist der billige Mann! — Der Bund der Arbeitgeberverbände Berlins hat beschlossen, diejenigen Arbeiter, die am 1. Mai ohne genügende Entschuldigung der Arbeit fernbleiben, auf 8 bis 10 Tage auszusperren. Ansland. An der Vervollkommnung der französischen Artillerie wird unablässig gearbeitet. Aus Toulon wird gemeldet, daß daselbst Versuche mit einem von dem Artilleriemajor Tournier erfundenen 240 Millimeter-Geschütz vorgenommen wurden, mit dem sechs Schüsse in der Minute abgefeuert werden können. Oesterreich=Ungarn. In Wiener informierten Kreisen hält man die Stellung der Dynastie Karageorgiewitsch in Serbien für ernstlich gefährdet. Man glaubt, daß bereits in kurzer Zeit der Sturz der Dynastie erfolgen werde. In Wien herrscht keinerlei Absicht vor, die Dynastie, deren Fortbestand als eine Gefährdung des europäischen Friedens betrachtet wird, zu stützen. — Ueber die Beilegung des österreichischen Konfliktes mit Serbien und den von Deutschland geleisteten politischen Beistand hat sich im ungarischen Abgeordnetenhause Ministerpräsident Wekerle folgendermaßen ausgesprochen: Ich kann meine Rede nicht beenden, ohne auch meinerseits mit aufrichtigem Danke jener musterhaften Freundschaft und Bündnistreue zu gedenken, welche das Deutsche Reich ohne jeden Vorbehalt mit ganzer Hingebung uns gegenüber bezeigt hat, und welche der Reichskanzler auch im deutschen Reichstage zum Ausdruck gebracht hat. Ich möchte dessen mit aufrichtigem Danke gedenken und auch von dieser Stelle aus erklären, daß diese Haltung auf unserer Seite vollen Widerhall findet, und daß wir dieses Bündnis nicht nur als ein der Form nach bestehendes, sondern als ein Bündnis betrachten, das in den Gefühlen der Völker seine sicheren Wurzeln besitzt. An diesem Bündnis müssen wir festhalten, weil dieses nicht nur unsere Interessen gegenwärtig wahrt, sondern auch einen Machtfaktor des Friedeus bildet. — Lebhafter Beifall im ganzen Hause folgte diesen Worten. Rußland. Wieder ist eine weitverzweigte revolutionäre Organisation in Petersburg entdeckt worden. Siebzehn Personen, darunter mehrere Offiziere, wurden verhaftet. 10000 Patronen sowie eine große Zahl Infanteriegewehre wurden aufgefunden. Weitere Verhaftungen stehen bevor. Es ist festgestellt, daß ein Zusammenhang zwischen dieser Organisation und den kaukasischen Revolutionären besteht. Spanien. In der spanischen Deputiertenkammer machte im Verlauf der Interpellation über die MarokkoPolitik der Regierung der Deputierte Senante der letzteren den Vorwurf, daß sie die Entente mit Deutschland vernachlässigt habe. Das Ergebnis dieser Politik sei das für Spanien bedauerliche französisch=deutsche Abkommen, bezüglich dessen manche Leute an die Existenz einer für Spanien nachtelligen Geheimklausel glaubten. Koloniales. Vom Wetter in Südwest. Wir haben mehrmals Mitteilungen gemacht, daß es in der Mitte und im Norden der Kolonie erfreulicherweise gute und reichliche Regenfälle gegeben hat. Aus Rehobot und von Plätzen weiter südlich bringt ein Schreiben vom Februar uns die gleiche Kunde. Das Feld sei so schön, wie es seit Jahren nicht gesehen wurde. Der Fischfluß hat etwa eine Woche lang Wassermassen in einer Höhe von 8 bis 10 m dahingewälzt. Bei Orab, auf dem Gebiete der Südwestafrikanischen Schäfereigesellschaft, war er an 1000 m breit. Dabei ist natürlich nicht ausgeblieben, daß die gewaltigen Wassermassen hie und da Schaden gemacht haben, so z. B. mußten an einigen Stellen Luzernebeete nochmals angelegt und nen besät werden. Aber, meint unser Briefschreiber, im Hinblick auf die sonstigen Vorteile der reichlichen Niederschläge nimmt man das gern mit in Kanf. Die Arbeiten zur Wassererbohrung haben auf dem Gelände der genannten Gesellschaft den erwünschten Erfolg gehabt. Unter den Schafen auf Dabib brach eine Seuche aus, die aber durch ein erprobtes südwestafrikanisches Hausmittel bald behoben wurde. Wo sonst Krankheitsfälle sich ereigneten, wurde Abhilfe geschaffen, indem die Herden auf ein anderes Weidefeld getrieben wurden. Von Nah und Höxter, 2. April.(Hoher Besuch.) Heute Abend treffen zur Besichtigung unseres Bataillons von Detmold kommend hier ein: Der kommandierende Herr General des VII. Armeekorps General der Kavallerie von Bernhardi, der Kommandeur der 26. Infanterie=Brigade Herr Generalmajor von Beck und der Regimentskommandeur Herr Oberst von Hopffgarten=Heidler, mit je einem Offizier. Die Herren steigen im„Berliner Hof" ab. Die Besichtigung erfolgt morgen Vormittag. Höxter, 2. April.(Kaufmännische Fortbildungsschule.) Am Mittwoch, den 31. März, fand die diesjährige Prüsung der Schüler der kaufmännischen Fortbildungsschule in Gegenwart des Vorstandes der Schule statt. Die Prüfung erstreckte sich über kaufmännisches Rechnen, Handelsrecht, Handelslehre usw. Nach Beendigung der Prüfung sprach Herr Bürgermeister Leisnering im Namen der anwesenden Herren des Vorstandes den Lehrpersonen die volle Befriedigung über die Unterrichtsresultate aus. Auf Vorschlag des Leiters der Schule wurde der Schüler Anton Maßmann, der bestimmungsgemäß bis Juni noch schulpflichtig ist, mit Rücksicht auf sein tadelloses Verhalten und seine guten Leistungen durch den Vorstand vom Weiterbesuche des Unterrichts befreit. Höxter, 2. April. Am Sonntag Palmarum findet in der St. Kilianikirche durch Herrn Pastor Hartog die Konfirmation der Kinder des I. Gemeindebezirks statt. Die Namen der Konfirmanden sind folgende: Von der Bürgerschule: Erich Zschoche Auguste Klangwart Wilhelm Bitterberg Friederike Schwabe Gustav Waßmuth Paula Porsch August Ibendahl Martha Arens Felix Beyer Marie Wöhler Ernst Bitterberg Meta Steck Wilhelm Baumhauer Charlotte Droste Haus Boehden Auguste Rantzuch Hermann Kirchner Auguste Deppler Hoetizsch Emma Baumhauer. Vom Gymnasium: Karl Gebhard Hermann Dormann Franz Möbius Paul Wolf. Hermann Hartmann Von der höheren Töchterschule: Helene Manegold Hildegard Müller Helene Rohländer Elisabeth Müller Elisabeth Wolf Margarete Lülwes Else Eigendorf Luise Jordan. Elise Leßmann Elisabeth Saeger. Höxter, 2. April.(Eingesandt.) Hierdurch erlauben wir uns auch auf das letzte Eingesandt des Herrn A. F. mit einigen Ausführungen einzugehen. Wir freuen uns sehr, daß Herr A. F. mit uns der Meinung ist, der 8 Uhr=Ladenschluß bedeute nicht den Rain für Handel und Gewerbe. Wir unterschreiben auch voll und ganz, was Herr A. F. weiter bemerkt, daß es für die Zukunft von Handel und Gewerbe nur darauf ankomme, in welchen Händen beide lieger. Ja, eben gerade aus dieser Erkenntnis heraus möchten wir den 8 Uhr=Ladenschluß herbeigeführt sehen. Die Ansprüche an den strebenden Kaufmann wachsen täglich. Wie sollen aber die Handlungsgehülfen diesen Anforderungen genügen, wenn ihnen nicht etwas mehr Zeit auch zu ihrer theoretischen Ausbildung gegeben wird? Herr A. F. irrt, daß die Handlungsgehülfen in ihrer Mehrzahl einen schlechten Gebrauch von der erweiterten Freizeit machen würden. Sehr richtig bemerkt der Herr Minister von Bethmann=Hollweg im Reichstage am 28. März 1908 anläßlich der Debatte über die Sonntagsruhe: Erinnern Sie sich, wie wir damals gehört haben, das würde der Ruin des ganzen kleinen und mittleren Kaufmannsstandes sein; erinnern Sie sich, wie gesagt worden ist, die jungen Handelsleute würden nichts anderes machen können, als ihren freien Sonntag in Müßiggang, Kneipen usw. zu vergeuden! Und was ist schließlich die Folge gewesen? Wir alle haben gesehen, daß sich das Publikum, die kaufende Bevölkerung auch in ihren Gewohnheiten den Bedürfnissen nach Sonntagsruhe anpassen kann, und ich bin fest überzeugt, daß diese Anpassung noch in weiterem Umfange möglich sein wird, als es gegenwärtig der Fall ist. Ebenso hat es sich auch gezeigt, daß die Handlungsgehülfen es sehr wohl verstanden haben, ihre freie Zeit zur gesunden Erholung für Leib und Geist zu benutzen. Auf diesem Wege müssen wir fortschreiten. Dieser Ansicht sind auch die Ladeninhaber vieler Städte, die teilweisen 8 Uhr=Ladenschluß haben, beigetreten. Die Praxis ist eben beim 8 Uhr=Ladenschluß die Allüberzeugerin. Nach und nach kommen die ausgenommenen Branchen und ersuchen, ebenfalls in den 8 Uhr-Ladenschluß einbezogen zu werden. Ja Brandenburg a. H. z. B. besteht seit einer Reihe von Jahren der 8 Uhr=Ladenschluß mit Ausnahme der Nahrungsmittelbranche. In diesen Tagen hat dort nun eine Unterschriftensammlung stattgefunden und dabei erklärten sich von den in Frage stehenden Ladeninhabern 266 für und nur 9 gegen den 8 Uhr=Ladenschluß. An vielen anderen Orten zeigte und zeigt sich genau dieselbe Erscheinung. In den über 500(die Zahl stimmt in der Tat!) Orten mit 8 UhrLadenschluß wird nach unserer Kenntuis der Dinge auch kein einziger Geschäftsinhaber, der sein Geschäft und die Signora zurückzukommen— ob sie ihn wohl sehr geliebt hat, ihren toten Bräutigam— was?“ Die Verdi lachte giftig.„Geliebt! So'n alten Mann! Und lieben kann die überhaupt nicht." „So, so. Uebrigens— was ich noch sagen wollte — warum mag die Signora eigentlich immer noch auftreten, da sie es doch gar nicht mehr nötig hat— da sie jetzt so reich ist? Aber trinken Sie aus, Signorina, trinken Sie aus." „Ja, sie muß schon," meinte die Verdi mit schon stark anstoßender Zunge.„Da sie sich mit ihrem Liebhaber überworfen hat und ihr vor dem Geld graut, so will sie's noch erst einige Zeit liegen lassen— vielleicht auch ist sie ihrer Sache nicht ganz sicher und denkt— wie gewonnen, so zerronen— da läßt sie's eben vorerst alles beim alten bleiben.“ Brümmel lauschte mit Staunen diesen für ihn unerklärlichen Worten. Jetzt aber galt es vorsichtig zu sein, um die Italienerin nicht mißtrauisch zu machen. Ja, ja, wie gewonnen, so zerronnen!" wiederholte er lachend.„Ein wahres, altes Sprichwort, das in diesem Fall sicher seine Anwendung findet! Denn es klebt doch wirklich recht viel Unheimliches, sozusagen Blut an dem Reichtum." Dabei schenkte er von neuem ein. Die Verdi wurde von Sekunde zu Sekunde trunkener. „Blut nun gerade nicht!" meinte sie kichernd.„Dafür hat der Todd schon Rat gewußt— geschickt, wie er ist, der Teufel! Noch gerühmt hat er sich vor der Signora, daß er's so kiug angefangen— daß niemand der Sache auf die Spur kommen kann, weil keiner hierzulande das Gist kennt." „Der arme Graf!" entgegnete der Detektiv, dessen Herz wie ein Hammer klopfte in diesem entscheidenden Augenblick, der ihm den Aufschluß über alle Rätsel zu bringen begann.„Es ist doch furchtbar, daß er so ahnungslos in meuchelmörderische Hände fallen mußte! Aber woher wissen Sie eigentlich all das Schreckliche? Ins Vertrauen hat man Sie doch nicht gezogen—“ „Mich?" unterbrach ihn die Verdi empört.„Aber ich bitte Sie, Herr Smetana, wie können Sie so etwas glauben? Dann wär ich doch gleich auf die Polizei gegangen, um das Verbrechen zu verhüten— ich bin doch eine ehrliche, anständige Person— ich werde doch nicht einen Mord geschehen lassen!" „Aber das habe ich doch nicht gemeint, ich dachte nur, daß man's Ihnen hinterher erzählt hätte, als der Graf schon tot war. Na, und da hatte es doch keinen Zweck mehr, die Anzeige zu machen, wenigstens war das Verbrechen nicht mehr zu verhindern. Und mit der Polizei hat keiner gern zu schaffen. Also, es hat Ihnen niemand etwas anvertraut, sondern Sie haben's durch die Tür gehört, Signorina?“ „Alles, jedes Wort!" nickte die Verdi.„Die Signora glaubte sicher, ich wäre in meiner Kammer, weil sie nich laut den Riegel hatte zuschieben hören, aber"— wieder kicherte sie in ihrer boshaften Weise— „ich schlich mich in Strümpfen heraus, ganz leise, leise, und horchte am Schlüsselloch. Da weiß ich, wie's geschah und wie er sich seiner Schlauheit rühmte, ihr den Giftring aufgeschwatzt zu haben." Jetzt vermochte Brümmel seine Erregung doch nicht ganz zu unterdrücken.„Was hat sie gesagt?" fragte Lina neuglerig, worauf er ihr das Gehörte dolmetschte. Sie stieß einen kleinen Schrei aus.„Ach Gott, ach Gott!" jammerte sie.„So was Schreckliches! Und zu denken, daß ich in der Wohnung gewesen bin, in der das verhandelt ist! Noch hinterher möcht'ich vor Schreck sterben!" „Nehmen Sie sich zusammen, sonst wird sie kopfscheu," mahnte ihr Freund.„Wir müssen alles hören, die ganze Geschichte mit sämtlichen Details.— Aber erzählen Sie weiter, Signora"— bat er die Verdi—„erzählen Sie, was das mit dem Giftring für eine Bewandtnis hatte." Die Italienerin sah ihn mißtrauisch an. Brümmels und Linas Zwischenreden hatten sie für den Moment stutzig gemacht. Diese Regung verflog jedoch rasch, als der Detektiv ihr von neuem aus einer grünschimmernden Flasche eingoß.„Ja, was erzähle ich denn da?" meinte sie dessenungeachtet mit leisem Bedenken.„Das sind doch Dinge, die keiner wissen darf.“ „Ach, ich kenne sie doch, Signora," suchte Brümmel sie zu beruhiger.„Ih weiß alles, habe mir alles aufs Genaueste gedacht, wie Sie's sagen. Es interessiert mich nur, zu erfahren, ob ich mich auch in keiner Einzelheit geirrt habe." „Aber sie— sie weiß nicht—“ dabei deutete die Verdi auf Lina. „Sie versteht ja kein Italienisch. Ihretwegen brauchen Sie keine Sorge zu haben, Signora. Also— wie ist die Sache mit dem Ring? Wer hat ihn dem Grafen gegeben?“ „Nun, die Signora doch natürlich. Der Todd hat ihn ihr gegeben, damnit sie ihn dem Grafen als Verlobungsring schenken sollte. Das wußt' ich ja immer, aber ich glaubte, ebenso, wie die Signora, daß es ein ganz unschuldiger Ring sei, daß sich Gift darin gefunden, hörte ich erst, als der Graf schon tot war. Er hatte ihr den Ring aufgeschwatzt, weil er so altertümlich ist und der Graf solche Altertümer liebt—“ seine Zeit versteht, die Wohltaten des zeitigen Ladenschlusses missen, auch in den vielen kleinen und kleinsten Orten nicht, wo die Verhältnisse ähnlich liegen wie in Höxter. Herr A. F. bemerkt des ferneren, daß in Höxter in keinem Geschäft so intensiv gearbeitet wird, daß nicht Pausen zum Ausruhen vorkämen. Dies einmal zugegeben, steht doch aber fest, daß der Angestellte in jeder Minute arbeitsbereit sein muß und daß eine derartige Arbeitsbereitschaft der Arbeit mindestens gleich zu achten ist. Wollte man die Handlungsgehülfen hier wählen lassen, sie würden die Arbeit der steten Arbeitsbereitschaft sicher vorziehen. Wünschen die Herren Chefs, wie Herr A. F. zum Schlusse ausführt, den Handlungsgehülfen nicht nur jede Erleichterung im Beruf, sondern wollen sie auch in wohlverstandenem Eigeninteresse handeln, so wird der 8 Uhr=Ladenschluß auch für Höxter kommen und zwar— recht bald. H. B. und G. T. 2. April. Während das Schuljahr am König Wilhelms=Gymnasium mit heutigem Tage geschlossen ist und 3 Wochen Ferien eintreten, hat an der Königlichen Baugewerkschule das Sommersemester seinen Anfang genommen. Die höheren Mädchenschulen schließen heute ebenfalls ihre Pforten, dagegen beginnen die Ferien der beiden Volksschulen erst Mitte nächster Woche. Holzminden, 30. März. Herr Oberamtsrichter Cleve, hier, gedenkt, nach dem„H. Krbl.", am 1. Juli dieses Jahres sich von den Amtsgeschäften gänzlich zurückzuziehen und in den Ruhestand zu treten. K. Bad Pyrmont, 1. April. Aus dem bekannten Bade Pyrmont wird uns geschrieben: Es wird die Leser Ihres Blattes insbesondere die zahlreichen Landleute, die alljährlich Pyrmont wegen seines vorzüglichen Salztrinkbrunnens und seiner heilkräftigen Solbäder besuchen, interessieren, daß die Einrichtungen an den Quellen auch in diesem Jahre wieder Erweiterungen und Verbesserungen erfahren haben, die es ermöglichen, daß alle Quellen, sei es warm oder kalt, durch Zapfhähne in unverändertem Zustande, wie sie der Quelle entnommen werden, auch in der kleinen Wandelbahn getrunken werden können. Die Verwaltung unter der neuen Leitung des Herrn Kurdirektor von Beckerath ist stets bemüht, den zur Kur hierherkommenden Landleuten aus der näheren und weiteren Umgegend den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen, sodaß sich zu den alten Stammgästen gewiß viel neue Besucher einfinden werden, die in unserem altberühmten Bade Erholung und Gesundheit suchen und finden. Als besonders hervorzuheben ist ferner noch, daß die Kurmittel durch die Errichtung einer Milch= und Molkenkur=Anstalt, erweitert worden sind, und daß in diesem Jahre die Kur bereits mit dem ersten Mai beginnt und bis zum Ende des Oktobers ausgedehnt wird. Einbeck, 31. März. Einem Schwindler zum Opfer gefallen ist ein hiesiger Einwohner, der sich auf eine Anzeige hin nach Hannover als Chauffeur meldete. Bei Abschluß des Vertrages wurden im 215 Mark Gehalt zugesichert. Die verlangten 500 Mark Kaution wurden von ihm gestellt. Als der Mann gestern seine Stelle antreten wollte, war der sogenannte„Chef" spurlos verschwunden und mit ihm die 500 Mark Kaution. Hameln, 1. April. Der in der Mordaffäre Breske vielfach genannte Uhrmachergehilfe Kronsbein, der früher hier in Stellung war, ist aus der Untersuchungshaft entlassen worden, da sich seine völlige Unschuld in der Sache herausgestellt hat. Detmold, 26. März. Die Vorbereitungen zur Feier der 1900jährigen Wiederkehr der Schlacht im Teutoburger Walde, die im August am Hermannsdenkmal stattfinden soll, nehmen ihren Fortgang. Ein großer Festausschuß hat sich gebildet, um die Feier zu einer würdigen zu gestalten. Der Festausschuß hat jetzt den vorläufigen Entwurf zu einem Festzuge ausgearbeitet. Es werden ca. 600 Erwachsene und 100 Kinder bei dem Zuge mitwirken, ferner eine Kavalleriekapelle und die Regimentsmusik. Beständig mehren sich die Anmeldungen von Vereinen und Körperschaften, die an der Feier teilzunehmen gedenken. So ist mit Gewißheit zu erwarten, daß die Grotenburg im Jahre 1909 ein vaterländischer Wallfahrtsort werden wird, nach dem Deutsche aus allen Gauen herbeiströmen werden. Bielefeld, 29. März.(Dreihundertjahrfeier der Grafschaft Ravensberg.; Bekanntlich kann im Juni dieses Jahres die Grafschaft Ravensberg die 300jährige Verbindung mit dem Hause Hohenzollern begehen. Aus diesem Anlaß soll in Jöllenbeck bei Bielefeld, woselbst die Landstände dem Kurfürsten von Brandenburg handgebende Treue gelobten, eine größere Feier stattfinden, zu der bereits umfassende Vorbereitungen getroffen werden. Mit der Einweihung eines aus diesem Anlaß errichteten Denkmals wird ein historischer Festzug verbunden sein, der den Entwickelungsgang der Geschichte des Raveusberger Landes umfassen und in möglichst getreuen Bildern die Beschäftigung der Bewohner (Spinnerei, Weberei 2c.) vor Augen führen soll. In einer anderen Gruppe soll alles, was sich auf die Geschichte des Ortes Jöllenbeck bezieht, gesammelt und dargestellt werden. Dieselbe Feier können auch die Grafschaften Cleve und die Mark begehen. Es sind daher gleichfalls größere Festlichkeiten in Cleve und Hohensyburg geplant. Sollte es gelingen, diese drei Feiern zeitlich zusammenfallen zu lassen, so ist mit dem Besuche des Kaiserpaares mit Bestimmtheit zu rechnen. Die Feiern werden voraussichtlich am 16., 17. und 18. Juni stattfinden. Münster i. W., 29. März. Ein sonderbarer Kauf, der für den Abnehmer recht verhängnisvoll zu werden scheint, wurde, lt.„Münst. Anz.", dieser Tage zwischen einem Pferbehändler und einem hiesigen Herrn abgeschlossen. Der Pferdehändler setzte sein Pferd nebst Geschirr und Dogcart zum Verkauf aus. Im Laufe des Handels bot einer der Anwesenden dem Verkäufer für das Pfund 1,15 Mk. Der Verkäufer schlug zu und beide gaben durch Handschlag ihr gegenseitiges Einverständnis. Belm Wiegen des Gefährts stellte sich ein Gewicht von 1310 Pfund heraus, es hätte also der Käufer einen Betrag von 1506,50 Mk. zu zahlen. Da diese Summe ungefähr den doppelten Betrag des wirklichen Wertes darstellt, so bedeutete der Käufer den Händler, er akzeptiere den Kauf nicht und habe das Angebot nur scherzweise gemacht. Der Händler ist jedoch anderer Ansicht und, da eine Einigung auf gütlichem Wege nicht zustande kam, wird die Sache ein gerichtliches Nachspiel haben. Hörde, 31. März. Ein heiterer Zwischenfall, der sich bei der Militärmusterung ereignet hat, wird aus dem Amte Aplerbeck berichtet. Unter dem Maße steht ein wohlgebauter, großgewachsener Bursche, wie geschaffen für die Garde. Des Herrn Major Auge ruht mit Wohlgefallen auf der prächtigen Gestalt. Natürlich ist's mit dem äußeren Eindruck allein nicht getan. Die Gardisten Seiner Majestät sollen auch im Punkte ihres bürgerlichen Vorlebens von tadelsfreier Beschaffenheit sein, und so fragt der Herr Major:„Sind Sie vorbestraft?" Der Gardeanwärter, ein braver Ruhrbergmann, blickt den Frager aus treuen Augen an und antwortet mit leiser Beschämung„Jawohl!"„Sooo? Weshalb denn und wie hoch?"„Mit einer Mark wegen Förderns unreiner Kohle!" Vermutlich wird der Aplerbecker trotz dieser Vorstrafe im Herbst zur Garde einrücken. Im Kampfe gegen die Schundliteratur. Die Ueberhandnahme der Schundliteratur hat den Magistrat der Stadt Schöneberg veranlaßt, energisch gegen die Schädigungen, die durch diesen Literaturzweig hervorgerufen werden, Front zu machen. Der Magistrat wird in den nächsten Tagen an die Buchhändler und Papierhandlungen Schönebergs eine Mahnung wegen des Vertriebs dieser Art Literatur richten; ferner sollen alle Zeitungshändler, Inhaber von Zeitungsständen auf den Straßen, Kinematographenbesitzer und Bibliotheken auf die schädigenden Einflüsse der Schundliteratur aufmerksam gemacht werden. Wie wir hören, ist in der Reichshauptstadt ferner eine Bewegung im Gange, die gegen die Bestrebungen des Berliner Komitees auftreten will, das sich zur Aufgabe machen will, die Jugend zu sogenannten„Pfadfindern" auszubilden. Besonders soll seitens der städtischen Behörden den Eltern der Kinder das Verderbliche der Schundliteratur vor Augen geführt werden. Die Schöneberger Schuldeputation hat deshalb, einer Anregung der Rektorenkonferenz folgend, an die Eltern der in Schöneberger Schulen aufgenommenen Kinder folgendes Schreiben gerichtet: An die Eltern unserer Kinder! Allen Eltern liegt das Wohl ihrer Kinder am Herzen. Sie sorgen für die leibliche Gesundheit ihrer Kinder und tun ihr möglichstes, damit sie im späteren Leben ihr gutes Fortkommen finden können. Eines aber wird von vielen verabsäumt. Man kümmert sich wohl noch darum, mit welchen Gespielinnen die Kinder verkehren, selten aber, welche Bücher und Bilder sich in ihren Händen befinden. Und doch ist der Einfluß schlechter Bilder und Bücher auf die Entwickelung des jugendlichen Charakters oft von den schädlichsten Folgen begleitet. Besonders gilt dies von einer gewissen Gruppe von Heften und Büchern, deren Titel und Abbildungen zumeist schon ihren verderblichen Inhalt kennzeichnen; solche Machwerke sind Sherlock Holmes, Kapitän Morgan, Jugendstreiche, Die rote Jule, Nick Carter, Buffalo Bill, Der Luftpirat, Schwinbelprinzeßchen, Klub der Einbrecher, Die Stimme der Toten, Berühmte Indianerhäuptlinge und viele andere, wie sie leider zu Dutzenden in den Schaufenstern und Ladentüren vieler Buchhandlungen und Papierhandlungen sich breit machen. Wie mancher schwache und schwankende Charakter ist schon durch das Lesen solcher Schauerromane, Indianer= und Räubergeschichten auf die schiefe Bahn des Verbrechens gelangt. Es ist daher die unabweisbare Pflicht jedes Vaters und jeder Mutter, diesem Punkt der Erziehung der Kinder die größte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Wir fordern deshalb alle gewissenhaften Eltern auf, im Verein mit den Bestrebungen der Schule gegen den verderblichen Einfluß der schädlichen Erzeugnisse in Wort und Bild mit aller Strenge anzukämpfen, jene Herz und Gemüt der Kinder vergiftende Schundliteratur in den Händen der Kinder nicht zu dulden und ihnen den Besuch solcher Geschäfte, die den Verkauf dieses Giftes weiter fortsetzen, streng zu verbieten. Für diese vorhandene Schundware gibt es nur ein Mittel: ins Feuer damit. Das Lesebedürfnis unserer Schüler wird durch die Schülerbibliothek der Schule in angemessener Weise befriedigt und in gesunden Bahnen erhalten. Die Verführung der Jugend durch die Schundliteratur, wodurch der Erziehung der Eltern und der Schule entgegengearbeitet wird, kann erst aufhören, wenn die verderbliche Schundware keine Käufer mehr findet. Deshalb darf niemand mehr gleichgültig zusehen, wie gewissenlose Geschäftsleute um des schnöden Geldverdienstes willen die jungen Seelen unserer Kinder vergiften. Wie wir hören, beabsichtigen mehrere Groß=Berliner Gemeinden, sich dem Beispiele Schönebergs anzuschließen und ebenfalls den Kampf gegen die Schundliteratur aufzunehmen. Es verdient auch anderwärts Nachahmung. — Wittenberge, 31. März. Einen eigenartigen Viehdiebstahl hat man auf der Strecke Wittenberge— Dergenthin entdeckt. Dort meldete ein Bahnwärter, daß zwei totgefahrene Hammel auf den Schienen lägen. Die Untersuchung ergab, daß zwei Schlächtermeister aus Wittenberge mit einem Viehtreiber einen regelrechten Viehdiebstahl an der Strecke eingerichtet hatten. Der Viehtreiber mußte an der mecklenburgischen Grenze auf große Viehtransporte aufpassen, sich dann in Wittenberge in den Viehwagen einschleichen und zwischen Wittenberge und Dergenthin das Vieh aus dem Zuge werfen. Die beiden Schlächter wurden jedenfalls vor dem Eintreffen großer Viehtransporte drahtlich benachrichtigt und fanden sich mit Fuhrwerken an der Bahn ein. So wurden letzter Tage 16 Hammel aus dem Zuge geworfen, die zum Teil in Wittenberge geschlachtet, zum Teil lebend verkauft wurden. Auch Kälber wurden aus dem Zuge geworfen und eingefangen. Die beiden Schlächter sind schon verhaftet, während sich der Viehtreiber noch versteckt hält. — Einen unerfreulichen Abschluß nahm eine Verlobung, die neulich in Elbing gefeiert worden war. Ein junger Handwerksmann T. war im vorigen Sommer in Elbing zugereist, wo er auf einem Tanzvergnügen eine junge, hübsche Maid kennen lernte und ihr nach kurzer Bekanntschaft Herz und Hand für die Ewigkeit antrug, worauf auch die Verlobung erfolgte. Alles schien in bester Ordnung. Die Braut traf Vorbereitungen für das eigene Heim. Da kam wie ein Blitz vom heitern Himmel die Nachricht aus dem Kreise Neidenburg, daß der Bräutigam längst verheiratet und Familienvater sei. — Havana, 30. März. Ein heftiges Schadenfeuer wütete im hiesigen Hafen, wobei mehrere Schiffe und Fahrzeuge beschädigt wurden. Auch der Hamburger Dampfer„Altenburg" erlitt schwere Beschädigungen. Nach dreistündiger Arbeit gelang es, des Feuers Herr zu werden. Der Kreuzer„Bremen" leistete wertvolle Hilfe. Berantwortlicher Redakteur: L. Flotho in Höxter. Mutmaßlich für die nächsten Tage: Vorwiegend heiteres, trockenes Wetter, Nachts kühl. Rote Rosen=Pflanzkartoffeln zu haben Bachstraße 5. Delikatess-Sauerkraut Frankfurter Würstchen Gemüse-Konserven bei Herm. Manegold, am Markt. Frische Bücklinge „ Lachsheringe ff. Rollmops Sardinen in Oel und Essig bei Herm. Manegold, am Markt. Maikräuter-Essenz zur Bowle, Apfelwein, Heidelbeer=, Johannisbeerwein empfiehlt W. Hunstiger. Gesetzlich darf in MAGGI-Original-Flaschen nichts anderes als echte MAGGI-Würze feilgehalten werden. Beim Nachfüllen achte man deshalb darauf, dass die Würze aus der grossen Original-MAGGI-Flasche nachgefüllt wird. Gesucht zum 1. Juni ein ordentMädchen für kleinen Haushalt nach Recklinghausen. Näheres Rodewiekstraße 11. 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Abonnementspreis vierteljährlich 1 M inkl. Postaufschlag, durch den Briefträger 1,24 M. Druck und Verlag: C. D. Flotho, Höxter. Inserate nimmt die Expedition in Empfang und müssen solche Tags zuvor bis Vormittags 10 Uhr hier eintreffen, wenn sie in der nächsten Nummer Aufnahme finden sollen. Insertionsgebühr die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 10% im Reklameteil 30 4. 27. Jahrgang. Höxter, Sonnabend, den 3. April 1909. 40. Fernsprecher Nr. 6. für den Kreis Höxter. Wochenblatt für die Kreise Hörter, Paderborn, Warburg, Büren. Fernsprecher Nr. 6. Zweites Blatt. Rückkehr zu der früheren Sparsamkeit. (XVII.) Es gibt noch zwei sehr gewichtige Hindernisse, welche einer zu erstrebenden Sparsamkeit sehr im Wege stehen, deren Namen wir allen, bei denen es angebracht erscheint, ins Stammbuch schreiben möchten, und zwar sind sie um so leichter zu behalten, als sie sich sogar reimen und auch sonst eng zusammen gehören, es ist die Reiserei und Rederei, die beide heutzutage so beliebt sind. Das Reisen ist gewiß eine schöne und auch gute und nützliche Sache. Wer wollte es verwerfen? Im Gegenteil, man kann es Jedem, besonders jüngeren Leuten nur auraten, sich durch die Kenntnis anderer Gegenden und Länder, anderer Menschen, anderer Sitten und Einrichtungen einen weiteren Blick über alle menschlichen Verhältnisse zu verschaffen, ja es bildet das Reisen einen wichtigen Bildungsfaktor, der nicht zu unterschätzen ist. Die hoch vornehme Welt wußte das schon lange, darum schickte sie besonders ihre jüngeren Mitglieder, ehe sie selbständig wurden, auf Reisen— selbst in fremde Länder und Städte, wie nach Paris und Italien. Bei den heutigen viel größeren Verkehrsmitteln mußte das Reisen ganz natürlich auch in weite Kreise dringen und die Reiselust sich vermehren, zumal da die Kosten selbst größerer Reisen sich bedeutend ermäßigten. Wer heute irgendwie mitsprechen will, muß zunächst das deutsche Vaterland von der Nordsee bis zu den Alpen und womöglich auch von Straßburg bis Königsberg so ziemlich kennen. Das ist in der Tat nicht zuviel verlangt, erreicht er doch damit erst den Gesichtskreis unserer alten Handwerksburschen, die schon lange vor dem„Zeitalter des Verkehrs", in welchem wir leben, ganz richtig die Wichtigkeit des Reisens für ihre Geschäfts= und Weltkenntnis eingeschätzt haben. Heute ist es sogar wünschenswert, daß man auch die Länder des europätschen Kontinents so ziemlich kennt, daß man Holland und Oesterreich, Paris und Italien gesehen hat, ja selbst die bekannte Orientreise, welche den Ruhm in sich schließt, daß man 3 Weltteile mit ihr gesehen hat, braucht man nicht gerade für Luxus zu halten, do man auch dies Vergnügen sich für einige 100 Mark leisten kann. Hier handelt es sich um ganz etwas anderes, nämlich um das fortwährende Reisen und Unterwegs sein, wie es heutzutage Mode geworden ist. Wie weit wir darin schon vorgeschritten sind, beweist zunächst wieder ein Teil der vornehmen heutigen Welt, welcher überhaupt schon keinen festen Wohnsitz mehr hat, sondern entweder es macht wie die Zugvögel, die uus im Herbste verlassen und ein südliches Klima aufsuchen und erst im Frühlinge und Sommer sich wieder bei uns einfinden, indem sie ganz allmählich stationsweise wieder nach Norden vorrücken, oder die auch bei uns in Deutschland herumziehen und bald hier, bald dort ihren Wohnsitz aufschlagen. Doch solche Leute, die sich das leisten können, sind durch kein Amt oder sonstiges Gewerbe und Geschäft an die Scholle gebunden, mögen sie sich diesen Luxus erlauben, wenn sie sich bei ihrem Nomadenleben so wohl fühlen. Bedenklicher ist es schon, wenn es bei hohen Beamten und sonstigen vornehmen Geschäftsleuten immer mehr Mode wird, im Ausgange des Winters regelmäßig die Riviera, jenes berühmte paradiesische Uferland des mittelländischen Meeres an der Nordküste Italiens aufsuchen zu müssen glauben, um den Uebergang zum Frühjahre angenehmer überstehen zu können. Ein Geschäftsmann kann es doch nur in den seltensten Fällen, weil er sein Geschäft nicht so lange vernachlässigen darf, von den Beamten— es handelt sich dabei allerdings doch nur um höhere— sollte man dasselbe denken, aber scheint ja doch zu gehen, daß solche Herren lange Wochen sich aus ihrer Residenz entfernen, und wenn man die im Laufe des Jahres oft noch folgenden Urlaubsreisen dazu nimmt, oft monatelang auswärts sind— weil der Gehalt fortläuft. Dazu kommen dann noch bei diesen Herren die oft nicht seltenen offiztellen Reisen zu allen möglichen Festen, Einweihungen, Jubiläen usw. auf RegimentsUnkosten, so daß wohl für die Arbeit daheim nicht allzu viel Zeit übrig bleibt. Daß die letzte Sache sich so verhält, beweist schon der Umstand, daß bei dem jetzi entierten Sparsystem die Behörden von oben bereits angewiesen sind, die offiziellen Reisen möglichst zu beschränken und nur die allernotwendigsten zur Ausführung zu bringen, es scheint also auch hiernach mit der Reiserei und ihren großen Kosten des guten etwas zuviel getan zu sein. Wir kommen zu der Reiserei auderer Leute, die sich allerdings eine Italienfahrt nicht jedes Jahr leisten können, und die sich infolgedessen geduldigen müssen, bis der holde Frühling geruht, mit seiner Blütenpracht und seinen milden Zephyrlüften auch bei uns einzuziehen. Aber dann ist auch bei so vielen kein Halten mehr, die Reiserei geht an und reißt bei manchen nicht ab, bis das unfreundliche Herbstwetter sie mahnt, mal wieder ruhig im Neste zu bleiben und nicht førtgesetzt Reisen, Ausflüge und Tourchen zu machen. Dagegen wird kein Mensch etwas einwenden, wenn man ab und zu eine Ferienreise macht und wenn sie auch alljährlich wiederkehrte, um wenigstens einmal im Jahre, wie man sagt, den Aktenstaub etwas abzuschütteln, oder aus dem alltäglichen Getriebe und Geschirre zu kommen, das ist ja jedem, besonders wenn er seine Arbeit wirklich ernst und gewissenhaft genommen hat, zu gönnen, aber was zu viel ist— das ist zu viel, das fortwährende Reisen und Unterwegssein, das ist vom Uebel, es zerstreut, macht unlustig zur Arbeit, wie ja jeder es an sich erfahren kann, wenn er auf der Reise nur mal seine Tageserlebnisse zu Papier bringen will, es ist sogar mitunter verführerisch und bringt ernste Gewissenhafte in Gefahr, so wie die Alten früher sagten: Qui multo peregrinantur, raro sancti ficantur, d. h. die viel reisen, werden selten frömmer— und endlich last not least, zuletzt noch das bemerkenswerteste, um das es sich hier handelt— die Reiserei kostet viel Geld. Auf Reisen ist schlecht sparen, man müßte sonst reisen, wie die bekannten„armen Reisenden", aber dazu möchte doch keiner so leicht Lust verspüren. Daß auch hier des Guten zu viel getan ist, beweist der Umstand, daß, wie man hört, die Zahl der Eisenbahnzüge, die bekanntlich stets auf den zeitweilig herrschenden Verkehr zugeschnitten sind, weil einige von ihnen schlecht besetzt sind, beschränkt werden soll. Es scheint also auch hier der Weg zur Sparsamkeit vorbildlich eingeschlagen zu werden und können wir hoffen, daß das Reisen auch deshalb etwas beschränkt wird, weil sich nicht mehr so viel Gelegenheit dazu bietet. (Fortsetzung folgt.) Von Nah und Höxter. Es werden zurzeit viele französische Zehnfrankenstücke und österreichische Zehnkronenstücke, die nur einen Wert von je acht Mark haben, als Zehnmarkstücke auszugeben versucht. Dazu gesellen sich jetzt noch beschnittene Zwanzig=Markstücke, die von Berlin aus vertrieben werden. Ein Ersatz dafür wird von der Reichsbank oder anderen amtlichen Stätten nicht geleistet, wohl aber werden sie den gesetzlichen Bestimmungen gemäß durch Zerschneiden unbrauchbar gemacht. Es ist also nicht ganz überflüssig, in Zahlung erhaltene Goldmünzen sich doch etwas genauer anzusehen, um nicht zu Schaden zu kommen. Höxter.(Reserve= und Landwehr- Uebungen.) Nach den neuesten Bestimmungen wird aus dem Bereich des 7. Armeekorps eine große Zahl Mannschaften der Reserve und Landwehr 1. Aufgebots eingestellt, von der Reserve=Infanterie allein 35 530, außerdem werden beim 7. Armeekorps 2 Reserve=Jafanterieregimenter und eine Reserve=Feldartillerie=Abteilung gebildet. Auch beim Gardekorps wird ein Reserve=Infanterieregiment und eine Reserve=Feldartillerie=Abteilung aufgestellt. Höxter. Am Donnerstag, den 15. April 1909, von Nachmittags 12½ Uhr ab, findet im Königlichen Hauptgestüt Beberbeck bei Hofgeismar der öffentlich meistbietende Verkauf von 24 Gestütpferden statt. Die zu verkaufenden Pferde werden am Versteigerungstage von 11 bis 12 Uhr unter dem Reiter gezeigt und können übrigens vorher täglich von Morgens 7 bis 10½ Uhr unter dem Reiter gesehen werden. Am Versteigerungstage werden Vormittags 10 Uhr am Bahnhofe Hofgeismar Wagen zur Abholung der mit der Bahn ankommenden Fremden bereitstehen. Anmeldungen zur Benutzung dieser Wagen sind an die Gestütdtrektion zu richten. Dort und bei dem Zentralbureau des Ministeriums für Landwirtschaft usw.(Berlin W 9, Leipziger Platz 10) sind Listen der zum Verkauf kommenden Pferde und die Versteigerungsbedingungen zu erhalten. Braunschweig, 31. März. Anläßlich der Hundertjahrfeier der beiden braunschweigischen Regimenter überwies der Herzogregent Johann Albrecht zum Andenken an seine Gemahlin, Herzogin Elisabeth von Mecklenburg, 10000 Mark dem braunschweigischen Landwehrverbande behufs der Gründung einer Elisabethstiftung für hilfsbedürftige Witwen und Waisen ehemaliger Unteroffiziere und Mannschaften der braunschweigischen Truppenteile. Schwerte, 31. März. In der benachbarten Ortschaft Heugsen starb dem Bergarbeiter Radeck eine Kuh, die er in Gemeinschaft mit einem Metzger zwecks Verwertung des Felles abdeckte. Der hinzugezogene Tierarzt stellte als Todesursache Milzbrand fest. Nach einigen Tagen zeigte sich bei dem Besitzer des Tieres eine Entzündung der Hand, hervorgegangen aus einer au und für sich ungefährlichen Verletzung, in die beim Abziehen des Felles Ansteckungsstoffe gelangt waren. Radeck wurde in das Krankenhaus gebracht, wo er gestorben ist. Gelsenkirchen, 26. März. Das 2 Jahre alte Töchterchen des Bergmanns Schulz fiel in einem unbewachten Augenblick in eine mit heißem Wasser gefüllte Badewanne. Es erlitt so schwere Verbrühungen, daß es bald verstarb. —(Die drei Frauen des Gouverneurs.) Die Zeitschrift„Kolonie und Heimat in Wort und Bild" bringt folgendes reizende Geschichtchen aus Kamerun. Unsere„schwarzen Landsleute", wie sie immer so nett genannt wurden, huldigen bekanntlich der Vielweiberei und finden das auch ganz in der Ordnung. Sie nehmen von Missionaren kaum irgend etwas anderes so übel, als daß sie ihnen diese alte Sitte verbieten wollen, und mancher Neger, der sonst gern an den Segnungen der Mission und den damit verbundenen Nebenvorteilen, als da sind Tabak, Zeug usw. teilhaben möchte, läßt sich aus diesem Grunde davon abhalten. Deswegen halten sie uns Weiße auch für arme Schlucker. Nur wenige Europäer sind in der glücklichen Lage, draußen mit ihren Frauen zu leben, wohl die härteste Entbehrung, die wir in den Tropen erdulden müssen. Ist einer aber verheiratet, so hat er naturgemäß nur eine Frau.„Das kommt von der Armut", sagt sich der verständige schwarze Mann und zuckt verächtlich mit der Achsel. Um so größer war die Freude der guten Kameruner, als der neue Gouverneur ankam. Der neue„Puthekamer"(daß es Dr. Seitz ist, bleibt sich gleichgiltig, zunächst heißt er einfach wie sein Vorgänger Puthekamer) brachte drei weiße Damen mit. D. h. die Frau Gouverneur, eine junge Dame, die mitkam, um ihr Gesellschaft zu leisten, und eine Köchin. Die Neger aber sagten:„Dieser Gouverneur, der höher ist als alle, ist mal ein richtiger Weißer! Er hut drei Frauen!" Dabei blieb es, und sie waren stolz auf ihren Gouverneur. Da geschah es, daß sich die junge Dame, die mitgekommen war, um der Frau Gouverneur Gesellschaft zu leisten, mit einem Bezirksamtmann verlobte. Ste war sehr schön und liebenswürdig, und alle Weißen im Bezirk freuten sich, daß sie nun eine so feine und liebe Dame als Bezirksamtmännin hatten. Auch die Köchin verlobte sich bald, denn sie war gewiß auch sehr schön und liebenswürdig (ich habe sie nämlich nicht gesehen), außerdem konnte sie natürlich auch sehr fein kochen. Alles freute sich, denn nun war wieder eine weiße Frau mehr in der Kolonie, denn daran tuts uns not. Natürlich nur die Weißen. Die Neger aber sagten:„Das ist nicht schön voa Puthekamer. Uns wirds verboten, unsere Weiber zu verkaufen, und er selbst, kaum kommt er in die Koloate, verkauft gleich zwei von seinen Frauen! Aber vielleicht haben ihm die Missionare gesagt, daß er nur eine Frau haben darf!" — Hamburg, 31. März. Die Hamburg=AmerikaLinie teilt mit, daß das Feuer im Hafen von Havana, das den Dampfer„Altenburg" zerstörte, 9 Mann Besatzung das Leben gekostet hat. Die Toten sind: der zweite Offizier Horn, der dritte Maschinist Wittkop, der Kochsmaat Buchner, der Koch Klose, der Steward Kraeußlich, der Hetzer Möller, die Zimmerer Bock und Kustor und der Schiffsjunge Boehme. Bestimmungen über die Wohltaten des Potsdamschen großen Militär=Waisenhauses. I. Die Stiftung gewährt den Kindern verstorbener Soldaten, ausnahmsweise auch den Kindern ehemaliger Soldaten, welche völlig erwerbsunfähig sind, vom Feldwebel abwärts 1. Aufnahme in die Erziehungsanstalten Potsdam(evangelische Knaben), Pretzsch(evangelische Mädchen), Haus Nazareth zu Höxter(katholische Knaben und Mädchen), 2. soweit eine solche Aufnahme nicht stattfinden kann, Pflegegeld von jährlich 90 M oder für Doppelweisen von 108 M. II. Anspruch auf diese Wohltaten haben die Waisen im Falle der Bedürftigkeit, wenn der Vater im Preußischen oder in einem unter Preußischer Verwaltung stehenden Heereskontingent zur Zeit der Geburt des Kindes aktiv diente oder während dieses Militärdienstes oder an den Folgen einer Kriegsbeschädigung gestorben ist. Dem Dienst im Preußischen Heere ist zur Zeit derjenige in der Kaiserlichen Marine gleich gestellt. III. Aufnahme in die Erziehungsanstalten kann auch solchen Waisen bewilligt werden, deren Vater einen Feldzug mitgemacht oder nach Erfüllung der gesetzlichen Dienstpflicht längere Zeit weiter gedient hat oder als invalide anerkannt ist. IV. Die Wohltaten werden bis zum 15. Lebensjahre des Kindes gewährt, und zwar das Pflegegeld vom Monat der Anmeldung an. Die Aufnahme in die Anstalten findet zwischen dem 6.—12. Lebensjahre des Kindes zu Östern und Michaelis, in die Anstalt zu Pretzsch nur zu Östern statt. V. Die Aufnahme in die Anstalten hat vom 1. des der Aufnahme folgenden Monats ab bis zum Ablauf des Entlassunasmonats die Abführung des gesetzlichen Waisen= und des aus dem Reichs=InvalidenFonds und dem Kaiserlichen Dispositions=Fonds bewilligten Erziehungsgeldes zur Haupt=Militär=Waisenhauskasse zur Folge. VI. Gewährung von Pflegegeld wird durch Waisen= und Erziehungsgeld(V) ausgeschlossen. Neben dem auf Grund des Reichsgesetzes vom 13. Juni 1895, betreffend die Fürsorge für die Witwen und Waisen der Personen des Soldatenstandes des Reichsheeres und der Kaiserlichen Marine vom Feldwebel abwärts, zuständigen Waisengeld kann jedoch ein Teil des Pflegegeldes bis zur Erreichung der Beträge von 90 und 108 A(I. 2.) bewilligt werden. VII. Die Bewerbung um die Wohltaten ist an das Direktorium des Potsdamschen großen Militär=Waisenhauses in Berlin(Wilhelmstraße 82/85) zu richten. Dem Gesuche sind beizufügen: 1. die Militärzeugnisse des Vaters, 2. die Sterbeurkunde des Vaters und bei Doppelwaisen auch der Mutter, sowie die Geburtsurkunde des Kindes, 3. eine amtliche Bescheinigung der Bedürftigkeit, 4. ein amtlicher Ausweis über das zuständige Waisen= oder Erziehungsgeld. Minden, den 4. Dezember 1901. Der Regierungs=Präsident. I. V.: v. Lüpke. Bekanntmachung. Die diesjährigen Frühjahrs=Kontroll=Versammlungen in dem Kreise Höxter werden in nachstehender Weise abgehalten: 14. April, Mittwoch, Nachmittags 4 Uhr Driburg, 15.„ Donnerstag, Vormittags 9 Uhr Brakel, 15.„„ Nachmittags 230 Uhr Himmighausen, 15.„„„ 6 Uhr Steinheim, 16.„ Freitag, Vormittags 81 Uhr Luegde, 16.„„„ 1115 Uhr Nieheim, 16.„„ Nachmittags 430 Uhr Marienmünster, 17.„ Sonnabend, Vormittags 9 Uhr Höxter, Reserve und Dispos.=Urlauber 17.„„„ 10 Uhr Höxter, Landwehr I, 17.„„„ 11„„ Ersatzreserve, 17.„„ Nachmittags 330 Uhr Ottbergen, 19.„ Montag, Vormittags 1080 Uhr Beverungen, Landw. I und Ersatzreserve, 19.„„„ 1115 Uhr Beoerungen, Reserve und Dispos.=Urlauber. Zu denselben haben: 1. sämtliche Reservisten, 2. sämtliche Mannschaften der Landwehr I. Aufgebots mit Ausschluß derjenigen, welche in der Zeit vom 1. April bis Ende September 1897 eingetreten sind, 3. sämtliche zur Disposition der Ersatz=Behörden entlassenen und zur Disposition der Truppenteile entlassenen Mannschaften, sowie 4. sämtliche halb= und zeitig ganzinvalide bezw. feldoder garnisondienstunfähige Mannschaften der Reserve und Landwehr I. Aufgebots, auch wenn sie hinter die letzte Jahresklasse der Landwehr zurückgestellt sind und 5. sämtliche Ersatz=Reservisten zur festgesetzten Zeit pünktlich in sauberem Anzuge zu erscheinen und ihren Militärpaß, sowie ihr Führungszeugnis bezw. ihren ErsatzReserve=Paß mit zur Stelle zu bringen. Begründete Gesuche um Befreiung vom Appell sind sofort nach dem Bekanntwerden dieser Aufforderung beim zuständigen Bezirksfeldwebel anzubringen. Hierzu wird ausdrücklich bemerkt, daß Gesuche, die nicht vorher von der Polizei= rc. Behörde begutachtet sind, überhaupt keine Berücksichtigung finden. Derartige Gesuche bleiben unbeantwortet und hat der betreffende Mann dann selbstverständlich zum Appell zu erscheinen. Eigenmächtiges Fortbleiben vom Appell wird als Ungehorsam gegen einen Dienstbefehl, ausnahmslos mit Arrest bestraft; desgleichen, wenn Jemand ohne Erlaubnis einer anderen als der zuständigen Kontrollversammlung beiwohnt. 6. Die Offiziere der Reserve und Landwehr I. Aufgebots nehmen an den Kontroll=Versammlungen in Uniform teil. (Kleiner Dienstanzug, Mütze.) Besondere Aufforderungen werden an sie nicht mehr gesandt. Den Befehl zur Kon, troll=Versammlung zu erscheinen, bildet vielmehr diese Bekanntmachung. Paderborn, im März 1909. Königliches Bezirkskommando. Die besten Fahrrüder Decken und Schläuche sämtliche Ersatzund Zubehörteile erhält man bei Adolf Schenk. 3 Große Auktion. Montag, 5. April, Vormittags 9 Uhr anfangend, werde ich das zur Konkursmasse Witwe Heinrich Bunte, Höxter, gehörende Inventar im Auftrage des Konkursverwalters Herrn Rechtsanwalt Dr. Bremer meistbietend gegen Barzahlung versteigern, unter anderem: 2 zweitürige Kleiderschränke, 1 eintüriger Kleiderschrank, 1 zweitüriger Wäscheschrank(Eschen), 1 Küchenschrank, 1 pol. Eckschrank(Eschen), 1 Milchschrank, 3 moden, 5 Bettstellen mit Matratzen, sowie div. gute Betten, 10 verschiedene Tische, 1 Eichenschreibsekretär, 1 Plüschsofa, 2 Plüschsessel, 1 gute alte Standuhr, 1 Gaskronleuchter, 1 Partie bessere u. gewöhnl. Stühle, 1 Partie sehr gute Tisch= und Bettwäsche, 1 große und 1 kleine Dezimalwage mit Gewichten, 1 großer kupferner Kessel, Porzellan= und Glassachen, div. gute Bilder und Spiegel, sowie 2 Pferde, 2 einsp. Wagen, 1 Handwagen, 1 Zug Eggen, 2 Ernteleitern, Wägen, Ketten, Pferdegeschirre, 30 Säcke 2c., ca. 30 Fuder guten Stall=(Pferde=) Dünger. 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