O) Abonnements=Preis: pro Quartal mit„Familienfreund“ 1 Mark 20 Pfg. Erscheint Mittwochs und Samstags. Redaction, Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte. Anzeigen und Bekanntmachungen aller Art werden mit 10 Pfg. die fünfspaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet. Mittwoch, 8. Mai 1878. 11. Jahrgang. Aumnen Bei Husten, Heiserkeit, Verschleimung Brustleiden, Kinderhusten das angenehmste, mildeste, sicherste und billigste Hustenmittel (Verbrauchskosten höchst. 20 Pf. tägl.), allein ächt mit nebigem Verschlußstempel des gerichtlich anerkannten 1, 1½ und cieller Gebr.= sei Carl Braus am Markt, in Schulze=Velling= W. Hollmann, Josephson und sehen durch alle heken.) Täuschung0) lachahmun S# rkäufern sol=00 wird andlung der sucht ewährte MitPfg.— Kranke, eser gefährlichen vollen nicht veruch anzuschaffen, und, soweit noch inte Heilung, rin abgedruckten .— Vorräthig gen, oder gegen f. auch direct zu F's Verlags=Angen lee wachten bei Schumacher. tag, 5. Mai, oncert Kl. Großenbräuker. ist bei mir 1I. de. B. Fischer. Für die und Juni ## e r ö f f n e n w i r e i n n e u e s A b o n n e m e n t u n d w e r d e n B e stellungen zu 80 Pfg. mit Unterhaltungsblatt in unserer Expedition sowie von unseren Boten entgegengenommen. halts der Wähler wiederhergestellt, im Uebrigen aber der Paragraph in der Commissionsfassung angenommen wurde. Den Reichstag in Berlin besuchten neulich 5 Hindus, angesehene Kausteute aus Bonbay. Vortomentorsches. Der Reichstag gewährt seit Wiederaufnahme seiner Sitzungen ein recht unerfreuliches, ein geradezu beschämendes Bild. Zur ersten Sitzung waren nur etwa 120 Abgeordnete erschienen; bis jetzt mußte jede der täglich anberaumten Sitzungen— bis auf die Freitagssitzung— wegen Beschlußunfähigkeit des Hauses abgebrochen werden. Und dabei standen Gegenstände von höchster Wichtigkeit zur Berathung: Das Vieheinfuhrgesetz, die Gewerbeordnungsnovelle u. s. w. Hervorgehoben zu werden verdient, daß schon bei Eröffnung der Sitzungen am 30. April von den Conservativen nur zwei Abgeordnete fehlten, während die einreißenden Gewohnheiten der anderen dem Abg. Windthorst und dem Präsidenten v. Forckenbeck Veranlassung gaben, den dringenden Wunsch auszusprechen, daß doch wenigstens die in Berlin anwesenden Mitglieder so viel Rücksicht nehmen möchten, in die Sitzung zu kommen und dann auch bis zu Ende derselben auszuharren. Es ist traurig, daß solche Ermahnungen gegenüber der höchsten Körperschaft des Reichs nothwendig sind! In der Donnerstagssitzung, wo die so tief einschneidende Gewerbegesetz=Novelle auf der Tagesordnung stand, war das Haus zu Anfang gut besetzt, so daß das Rinderpestgesetz mit einigen von konservativer Seite beantragten Aenderungen zur Annahme gelangte. Im Laufe der Sitzung leerte sich das Haus aber so sehr, daß es abermals beschlußunfähig wurde und die Debatte über das Gewerbegerichtsgesetz abgebrochen werden mußte. Erst in der Freitagssitzung wurde die zweite Berathung dieses Gesetzes zu Ende geführt. Eine sehr lange Debatte entspann sich über den§ 6, welcher von der Berufung der Mitglieder des Gewerbegerichts handelt. Die Commission ist hier von der Regierungsvorlage hauptsächlich in drei Puncten abgewichen; sie wollte, daß die Berufung der Mitglieder auf mindestens, 1 Jahr und auf höchstens 3 Jahre(statt 5 Jahre) erfolgen, sowie, daß die eventuell zur Wahl der Beisitzer zu berufenden Arbeitgeber und Arbeiter seit mindestens einem Jahr(statt 2 Jahren) in dem Bezirke des Gewerbegerichts wohnhaft oder beschäftigt sein sollen; außerdem strich sich die Bestätigung der Wahl des Vorsitzenden durch die höhere Verwaltungsbehörde. Das Resultat der schließlichen Abstimmung war, daß die Regierungsvorlage im Punkte der fünfjährigen Dauer des Mandats und des zweijährigen AufentLebens Mai. Nun winkt's und flüstert's aus den Bächen, Nun duftet's aus dem Thal herauf; In ungestümer Sehnsucht brechen Die Knospen und die Herzen auf. Des Hirsches Tritt erklingt im Walde, Im Blauen schifft der wilde Schwan, Den Aelpler treibt's zur sonn'gen Halde, Der Schiffer löst den schwachen Kahn. Das sind die alten Zauberlieder, Die hell in's Land der Frühling singt, Daß tief durch alles Leben wieder Ein ungeduldig Hoffen dringt. Und in das schallende Getriebe Hineingezogen wallst auch Du, Und suchst, o Herz, das Haus der Liebe Und pilgerst nach dem Land der Ruh'. Emanuel Geibel. „§*. Der Teufels=Capitain. Seashengnte Kaiser Wilhelm wird, wie verlautet, gelegentlich der am 18. Juni stattfindenden Silberhochzeit des sächsischen Königspaares in Dresden mit dem Kaiser Franz Joseph zusammentreffen. Die Nachrichten über das Befinden des Reichskanzlers Fürsten Bismarck waren in den letzten Tagen schwankend; die Heilung des Ausschlags soll mit großen Schmerzen verbunden sein. Der Culiusminister Dr. Falk unternimmt demnächst eine Rundreise durch Hannover. In der orientalischen Frage leben wir Alle, zünftige und unzünftige Diplomaten und Politiker, von der Hand in den Mund und bekommen heute von Rußland, morgen von England einen Brocken in den Mund gesteckt. Heute von Rußland. Da soll der Ministerrath in Petersburg unter Vorsitz des Kaisers versöhnliche und beschwichtigende Entscheidungen getroffen und sofort nach London und Wien telegraphirt haben. Näheres weiß man nicht oder doch nur so viel, daß alle zunächst betheiligten Parteien, Rußland, die Türkei und Oesterreich, zu einer Entscheidung gedrängt werden. Eine Ausnahme macht vielleicht nur England. Der englische Minister Salisbury soll neulich im Zorn dem russischen Botschafter zugerufen haben:„Der Vertrag von Stefano muß in Stücke zerrissen werden; denn er ist nicht nur ein Attentat auf das europäische Gleichgewicht, sondern auch auf das asiatische Gleichgewicht. Der neu ernannte Gesandte der nordamerikanischen Union bei der deutschen Reichsregierung, Bayard Taylor, welcher einige Tage in Paris verweilte, ist am Sonnabend in Berlin eingetroffen und sollte am Montag die Geschäfte der Mission übernehmen. Der„Reichsanz.“ publicirt das Gesetz, betreffend die Ersparnisse an den von Frankreich für die deutschen Occupationstruppen gezahlten Verpflegungsgeldern; ferner das Gesetz, betreffend die Aufnahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltungen der Post und Telegraphen, der Marine, des Reichsheeres und zur Durchführung der Münzreform; sowie endlich das Regulativ für den Geschäftsgang bei dem OberVerwaltungsgerichte. Nach nunmehriger Bestimmung wird die Vereinigung der Central=Moor=Kommission am 12. d. M. stattfinden zu dem Zweck, um sämmtliche Culturund Hafen=Anlagen längs des Laufes der Ems zu besichtigen. Die am 3. d. geschlossenen Zeichnungen auf die neue preußische 4prozentige Anleihe haben ein unter gegenwärtigen Verhältnissen ziemlich befriedigendes Resultat ergeben. Ein kleiner Rest, welcher in der Zeichnung nicht genommen ist, wird zum freihändigen Verkauf gebracht. Die Engländer verheirathen sich mit Reußen und Preußen und kommen doch immer mehr auseinander. Der jüngste Heirathskandidat ist der Prinz Arthur, Herzog von Connaugth, der sich mit der preußischen Prinzessin Luise Margarethe, jüngsten Tochter des Prinzen Friedrich Carl, verheirathet. Die Verlobung wird, wie wir hören, am 9. d. Mts. in Darmstadt vollzogen werden. Kaiser Wilhelm hat zu Seume's Denkmal in Teplitz 200 Mark beigesteuert. Wenn man abgesetzt, aus dem Lande gewiesen und seiner Einkünfte beraubt ist und soll doch noch Steuern geben, das ist hart. Das alles muthet die Steuercommission in Posen dem Erzbischof Ledochowski zu, der seit Jahren in Rom lebt. Er soll sich selber einschätzen, hat sie ihm geschrieben, und er hat geantwortet 1. auf gut römisch: non possumus! gut deutsch: wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren. Die Webstühle der Zeit sind ziemlich flott im Gang, wenn auch das orientalische Gespinnst etwas langweilich ist; viel bedenklicher stets mit den Stühlen der armen Weber im Voigtland. Da sind unter 480 Webstühlen nur noch 79 im Gang und werfen ihren Herren doch nur 3—4 Mark wöchentlich ab. Die Elsässer klagen bitterlich, daß sie(in den Zeitungen) nicht von der Leber weg sprechen könnten. Die Lebern sollen freilich französisch sein. Die Königin von Sachsen hat ihrem Gemahle zum 50. Geburtstage das Rittergut Helfenberg bei Pillnitz geschenkt. Der König liest hoffentlich keine Zeitungen; sonst erfährt er gleich, was es kostet, nämlich 750,000 Mark— und das wäre doch unschicklich.— Oesterreich. Die Aussichten auf ein endliches Zustandekommen des Ausgleichs sind wieder gesunken und man glaubt, daß schließlich nichts übrig bleiben wird, als das Provisorium zu verlängern. Frankreich. Die Weltausstellung ist am 1. Mai eröffnet worden— programmmäßig bis auf den Regen, der zeitweise die festliche Stimmung etwas trübte. Von allen Seiten spricht man sich in Frankreich selber ganz außerordentlich befriedigt über das Ereigniß des Tages aus. Dasselbe bedeute„das Fest der Republik“, die„erste Revanche" nach„unseren Unfällen.“ In der Kammer sagte der Präsident Grévy, er glaube nur den einstimmigen Gefühlen der Kammer Worte zu leihen, wenn er der hohen friedigung und tiefen Bewegung Ausdruck gebe, die er bei der Eröffnungsfeier der Ausstellung empfunden habe. Frankreich habe nach seinen Unglücksfällen in seinem Wohlstande die Macht und das Mittel gefunden, zu einer solchen Feier einzuladen.(Allseitiger Beifall. Die Pariser und die Fremden waren ungeheuer gespannt, mit welcher National=Hymne die Ausstellung am 1. Mai eröffnet werden würde und Mac Mahon war in großer Verlegenheit. Die Auswahl war nicht groß. Ged save the king, die Hymne, die so oft in allerlei Uebersetzungen aushelfen muß, war nicht möglich; denn Frankreich hat ja weder einen König, noch einen Kaiser,„den Gott erhalte“, sondern ist eine Republik. Die Hymne der Republik aber, die weltberühmte Marseillaise, war noch„unmöglicher“, denn sie ist ein Gesang der Revolution und ein Schlachtlied. Napoleon hatte sie zum letztenmal in seinem Schloß spielen lassen, als seine Eugenie ihren kleinen Krieg gegen Deutschland durchgesetzt hatte; die jetzige Republik ist aber eine blaue, eine honnette und vorläufig friedliche Republik. Man konnte doch nicht die fremden Gäste und sich selbst in Schrecken jagen mit der Marseillaise! Was thun? Mac Mahon wußte Rath, was ihm nicht immer passirt, er bestellte ein Lied: vive la France! es lebe Frankreich! und ließ es in Musik setzen. Das wurde nun geblasen und gesungen und Jedermann konnte einstimmen. Dichter und Componist bleiben vorläufig in bescheidenem Incognito. Ihr Paris haben die Pariser Abends so schön beleuchtet, wie fast nie, sie setzten eine Ehre drein, es noch schöner zu machen als Napoleon. Wir Republikaner können's auch, sagen sie vergnügt, wir zeigen der erstaunten Welt und unseren Gästen zum erstenmal wieder etwas„nach unserm großen Unglück.“ Einen Tag nach der Eröffnung der Weltausstellung ist auch der Weltpostkongreß zu Paris eröffnet worden, zu welchem deutscher Seits Generalpostmeister Stephan und die Geh. Oberposträthe Sachse und Günther abgeordnet wurden. 46 Delegirte und die Minister des Auswärtigen und der Finanzen wohnten der ersten Sitzung an. Der Letztgegannte, Leon Say, hielt die Eröffnungsrede. Nachdem er in Frankreichs Namen die Mitglieder des Congresses begrüßt, wies er auf die Segnungen des Postvereins hin, welcher das Band der internationalen Beziehungen sei, daß die Weltausstellung noch enger zu ziehen die Bestimmung habe und welcher aus den civilisirten Staaten ein einziges gleiches Gebiet machen solle. Die Post und die französische Ausstellung bildeten für den Augenblick inderthat ein einziges volkswirthschaftliches Gebiet. Die chinesische Gesandtschaft in Berlin, die einzige in Europa neben der in London, hat schon lange den Neid der Franzosen erregt. Es sind gegenwärtig Unterhandlungen angeknüpft worden, um die Regierung in Peking zu veranlassen, auch eine Gesandtschaft in Paris niederzusetzen. Italien. Aus Rom, 4. Mai, wird gemeldet: Dem Vernehmen nach hat die Cardinals Congregation, welche damit beauftragt war, die preußischen Maigesetze einer Prüfung zu unterziehen, um ihre Meinung kunbeugsamer Strenge verwaltete. Sehr laut und scharf suchte er den bei ihm sitzenden Herren zu beweisen, daß Etienne von Malton ein Ketzer sei, welcher auf einem Scheiterhaufen auf dem Gréveplatze verbrannt zu werden verdiene. „Aber bedenken Sie, Herr von Lamothe, sagte der Graf,„daß Etienne von Malton ein Freund unseres Hauses ist, daß ich ihn empfange. Ich bin überzeugt, er ist ein wackerer, tapferer Edelmann.“ In diesem Moment öffnete sich leise die Thür des Salons und Etienne von Malton trat ein. Derselbe, nachdem er von dem Grafen einen geheimen Wink empfangen, der sich auf Lamothe bezog, begrüßte Anna und ihre Mutter, nahm dann den Grafen Bertrand am Arme und schritt mit ihm lauf den Tisch zu, wo Lamothe noch immer eifrig redete, ohne zu ahnen, daß sein Gegner bereits hinter ihm stand. „Nein, Herr Graf,“ schloß der Beamte seine Rede,„was Sie auch sagen mögen, dieser TeufelsCapitain ist ein Gottesleugner, der den Tod ver: dient.“ „Ich danke Ihnen, Herr von Lamothe.“ Der Genannte sprang von seinem Sitze mit „Weil dieser Castillan mir durch die schönen Augen der Sybille verführt schien, die uns gestern so wunderbare Dinge prophezeiht hat, und ihr mit einem Eifer folgte, der mir auffiel.“ „Das beweis't nur, daß mein Sekretär einen guten Geschmack hat,“ sagte Herr von Malton lächelnd. „Aber sprechen wir von etwas Anderem. Ich nehme an Ihrer Vermählung mit Fräulein von Faventines, wie Sie wissen, den wärmsten Antheil, aber zugleich kommt mir ein trüber. Gedanke.“ Bertrand sah Etienne erstaunt an. „Und worauf bezieht sich dieser Gedanke?" „Auf ihren Bruder, Graf Bertrand.“ Herr von Lembran zitterte. Anna wurde aufmerksam. sie. „Sie besitzen einen Bruder, Herr Graf?“ fragte den, ihm zu begegnen. Dordogne gefallen, oder von einer Zigeunerbande entführt worden? Niemand wußte es zu sagen. Als nun vor einem Jahre der alte Graf von Lembran starb, empfahl er mir seinen Sohn Bertrand und beschwor mich zugleich, Alles, was in meinen Kräften stände, anzuwenden, um dessen verlorenen Bruder, wenn er noch lebe, aufzufinden.“ „Es sind jetzt schon fünszehn Jahre, seit Ludwig vermißt wurde,“ fiel Bertrand ein.„Wahrscheinlich ist er längst todt.“ „Ihr Bruder möchte jetzt in dem Alter sein,“ sagte Malton,„wo er an seine Abkunft zu denken deginnt. Vielleicht fucht er schon seine Familie zu entdecken, und wer weiß, ob er Sie nicht eines Tages finden wird, da Sie schwerlich das Glück haben werRoman von J. Steinmann. (Fortsetzung.) 8. Kapitel. Manuel. Am Abend desselben Tages war im Hotel Faven= einer Bewegung auf, als wenn ihm die Posaune des tines eine glänzende Gesellschaft versammelt. Anna jüngsten Gerichts in die Ohren geklungen wäre. hatte sich in eine Ecke des Salons zurückgezogen.]„Ihr teuflischer Geist, Herr von Malton,“ rief Ihr Verlobter, Graf Bertrand saß ihr zur Seite er,„wird Sie noch auf den Scheiterhaufen bringen.“ und suchte sie in galanter Weise zu unterhalten. Etienne lachte laut auf. Aber sie hörte seine Schmeicheleien nur zerstreut und„Sie können ruhig sein,“ sagte er,„Sie werden ohne Bewegung an. Die Gräfin von Faventines jedenfalls in Ihrem Bette sterben.“ Herken, Als Herr Tambihe biese Worte beantworten O, das wünsche ich von ganzem Herzent rief Anna. Es war leicht zu errathen, warum Herr von Malton dem Grafen Bertrand nicht sogleich die volle Wahrheit sagte, er wollte erst dessen Herz prüfen. Der junge Lembran schwieg; aber man konnte in seinen Zügen lesen, daß er sich von einer nahen Gefahr bedroht fühlte. „Dieses Wiederfinden des verlorenen Bruders," versetzte Etienve, Anna zugewendet,„würde meinem Malton, was wissen Sie Freunde Bertrand die Hälfte seines Vermögens kosten. Aber ich bin überzeugt, daß er diesen Verlust nicht „Sie haben mir nie davon gesprochen.“ „Weil er sie wahrscheinlich nicht durch peinliche Erinnerung betrüben wollte,“ sagte Malton etwas ironisch. „In der That,“ stotterte Bertrand,„es sind schmerzliche Erinnerungen, die nie ein Ende nehmen werden.“ „hm! wer weiß,“ murmelte Etienne. Wahrend sich Zeichen der Unruhe in Bertrand's Zügen zeigten, wandte sich Anna zu Malton. „Ich bitte, Herr von von diesem Bruder!“ „Die Geschichte ist ganz einfach," begann Etienne, bedauern wird.“ „Ludwig, Bertrand's Bruder, war fünf Jahre alt, Bertrand erwiederte mit erheuchelter Ruhe: als ich dreizehn zählte. Der alte Graf von Lembran, bei„Mein Bruder kann in Gottes Namen wiederplauderte vertraulich mit einigen alten Herren, Als Herr Lamothe diese Marte heantworten dem ich erzogen wurde, vertraute mir oft und gern kehren. Ich werde ihn mit offenen Armen empfangen sion reiten, die Wasfen fuhren, was aues ich damals ich werde nicht vergessen, daß ich der alters Sotn# Geduld die Bemerkungen eines schwarz gekleideten Graf Bertrand, der sich erinnerte, daß Herr von Mannes anhörte, die des Herrn Lamothe, der höchsten Malton seinen Secretär Ferdinand Castillan den Zie Gerichtsperson in Eriminalangelegenheiten. geunern nache hatte, fragte seinen Freund: Es war allgemein bekannt, daß der lange, ma=„Haben jungen Secretär wiedergegere Herr von Lamothe ein ausgezeichneter sehen, Etier wissenhafter Gerichtsbeamter war, der sein A„Wes' ihn reiten, die Waffen führen, was Alles ich damals ich werde nicht vergessen, daß schon ziemlich verstand. Eines Tages, als ich abwer meines Vaters din.“ lsend, entfernte sich Ludwig mit dem Sohne Gärtners, Namens Simon Vidal, mit dem Ludwig zu spielen pflegte. Als der Abend herankam, wurden beide Knaben überall vergebens gesucht. Waren sie entgegnete Malton, beim Vogelnestersuchen in den Weiden in den Flußz Bertrand kolz. „Ganz recht,“ sagte Herr von Malton,„doch wird Sie das nicht von der Pflicht entbinden, Ihrem Bender Rechnung abzulegen.“ „Das Gesetz wied für mich sein,“ entgegnete darüber abzugeben, ob die Gesetze annehmbar seien oder gegen die Satzungen der Kirche verstoßen, Beschlüsse gefaßt, welche die Wiederherstellung der Beziehungen zwischen dem Vatican und der deutschen Regierung sehr erleichtern. Es wird versichert, die Congregration sei im Uebrigen der Ansicht, daß die Maigesetze zum Theil schlecht interpretirt würden. Niederlande. Die zweite Kammer hat am 2 zur Vermählung des Prinzen Heinrich der Nieder lande mit der Prinzessin Marie von Preußen ein stimmig ihre Zustimmung ertheilt. Die Einrichtung ist doch schön, daß ein Prinz erst die Volksvertretung befragen muß, ob er die von ihm erwählte Braut heirathen darf. Was würde der Bürger dazu sagen, wenn er die Erlaubniß zur Verheirathung erst bei der Regierung nachsuchen müßte. Rußland. Der an einem Gichtleiden erkrankte Reichskanzler Fürst Gortschakoff befindet sich auf dem Wege der Besserung, kann indessen die Staatsgeschäfte noch nicht wieder übernehmen. Der durch Wera Sassulitsch verwundete Peters burger Polizeichef Trepoff hat seine Wunde einer Sondirung unterzogen. Die Operation wurde von 4 Aerzten ausgeführt und hatte den Hauptzweck, womöglich die Kugel aufzufinden und zu entfernen, was indeß nicht erzielt wurde; wohl aber wurde ein Knochensplitter und ein Stückchen der durchschossenen Uniform entfernt; der Patient erfreut sich übrigens der ungeschmälerten Gunst seines Monarchen, während die Wera Sassulitsch von Neuem eingekerkert werden sollte; sie hat sich aber in's Ausland geflüchtet. Ein bukarester Bericht des Czas bringt zur Kennzeichnung der finanziellen Nothlage Rußlands folgendes authentische Telegramm des Chefs der russischen Armeelieferanten an einen Agenten in San Stefano:„Die täglichen Ausgaben betragen 500,000 fr. Die Regierung schuldet uns 20 Millionen Rubel; unser Credit ist erschöpft. Erkläre dem Großfürsten, falls ein beträchtlicher Theil der Forderung binnen drei Tagen nicht gezahlt wird, sei eine Katastrophe unvermeidlich. Es wird von verschiedenen Seiten bestätigt, daß Rußland größere sachliche Zugeständnisse als bisher gemacht habe, und zwar verdanke man dies dem Einschreiten des Czaren selbst. Wie weit die Zugeständnisse gehen, weiß man freilich nicht: aber sie müssen nicht unerheblich sein, da von Wien gemeldet wird, Oesterreich sei befriedigt und werde in London dahin zu wirken suchen, daß auch England sich befriedigt erkläre. Es ist also wenigstens die Möglichkeit vorhanden, daß England und Rußland sich verständigen. England. Das nun in seiner Formirung fertige zweite Armeekorps, welches für den Orient bestimmt ist, besteht aus 36,228 Mann Truppen aller Waffengattungen mit 19,585 Pferden, 1479 Karren und 99 Kanonen. Der große Spinnerstrike in Lancastershire dauert noch an Aber er unterscheidet sich doch sehr vortheilhaft von ähnlichen socialen Zwischenfällen bei uns zu Lande. Die englischen Arbeiter unterbreiten ihre Sache einem Schiedsgericht, an dessen Spitze der Bischof von Manchester steht. Das Gericht selbst ist zusammengesetzt aus Kaufleuten, Commissionären, Bankiers, zwei Fabrikanten und zwei Arbeitern. In Manchester hat sich ein Comitee zur Linderung extremer Nothfälle gebildet, das seine Arbeiten fortsetzen wird, so lange die Fabrikanten sich weigern, die Lohnfrage einem Schiedsgerichte zu unterbreiten. Wir mit unsern deutschen Begriffen vom Strike haben für solche Thatsachen kaum ein Verständniß. Dem Ministerium des Innern ist ein Promemoria an die Königin mit 17,000 Unterschriften überreicht worden, in welchem die Einberufung der Reserven bedauert und die Königin gebeten wird, sie möchte ihren Einfluß zu Gunsten des Zusammentrittes des Congresses geltend machen, damit der europäische Friede aufrecht erhalten werde. Unter den Unterzeichnern befinden sich die Herzöge von Westminster und Bedford, mehrere Pairs, Bischöfe, Mitglieder des Unterhauses, zahlreiche hervorragende Geistliche und Schriftsteller. Amerika. Aus Mexico wird der Ausbruch eines Aufstandes in den Staaten Durango und Nuevoleon gemeldet. General Trevino ist zur Unterdrückung abgegancen. Asien. Ein Telegramm aus China meldet den ersprießlichen Fortgang der europäischen Hülfsthätigkeit, indessen droht die Hungersnoth noch immer in Folge des dürftigen Regenfalls, der ungewohnt lange auf sich warten läßt. Die Beendigung des Nothstandes ist vor Michaeli nicht zu erhoffen. Zur Orientkrisis. Der schöne Mai thut Wunder! Auch die Russen und Engländer ver spüren ein menschlich Rühren. Sie sollen sogar wie ein junges Liebespaar nach einigem Schämen und Zieren beim ersten Geständniß angelangt sein, nur daß dieses gegenseitige Geständniß nicht etwa lautet: ich liebe Dich! oder; wir lieben uns! sondern: Wir lieben die Türkei! Politisch ausgedrückt heißt das, Russen und Engländer haben angefangen, sich über„praktische Ausführung der Theorie von den Aequivalenten“, d. h. auf deutsch, über die Theilung der Beute sich zu verständigen. Und auf diesem Gebiete sollen sie sich sehr gut verstehen. Stören wir das junge verschämte Liebespaar heute nicht. Das erste Eis soll dadurch gebrochen worden sein, daß die Königin Victoria dem Kaiser Alexander zum Geburtstag gratulirte, wenn auch noch mit rothem Kopf. Von den neuesten wichtigeren Nachrichten theilen wir folgende mit: Berlin, 3. Mai. Es wird versichert, der Kaiser habe sich neulich zu einigen Generälen dahin geäußert, er werde Rußland und seinen Kaiser, falls Rußland in wirkliche Bedrängniß gerathen sollte, nicht im Stich lassen.(?) Die Stimmung am hiesigen Hofe ist eine durchaus russenfreundliche. Wien, 5. Mai. Wie verlautet, hat das englische Cabinet bereits die letzten russischen Eröffnungen beantwortet. Die Stimmung in der Antwort soll eine friedliche sein. Danach ist die englische Regierung geneigt, in directe sachliche Erörterung über den Vertrag von San Stefano einzutreten, behält sich jedoch die Principienfrage, betreffend die Vorlage des Gesammtpaktes vor einen europäischen Areopag vor. Athen, 4. Mai. Der rumänische Oberst Algio überreichte im Auftrag der rumänischen Regierung dem König Georg, so wie den Ministern Komunduros und Delyannis daß Großkreuz des Sterns von Rumänien. Die griechische Presse sieht hierin ein Anzeichen eines rumänisch=griechischen Einverständnisses für gewisse Fälle. „Etienne lächelte ironisch. „Allerdings, mein Freund, wäre es so wenn nicht der Wille ihres verstorbenen Vaters es anders bestimmt hätte.“ Graf Bertrand verlor etwas die Farbe. „Wie— wie meinen Sie das?“ „Errathen Sie das nicht?“ „Nein, wie könnte ich—“ sprach natürlich von einem Testamente. Es existirt ein solches. „Von meinem Vater?“ „So ist es.“ „O, das ist nicht möglich. Sie täuschen sich.“ „Keinesweges. Ich würde Ihnen nichts davon gesagt haben, ständen Sie nicht auf dem Punkte, sich zu vermählen. Ich halte es für Recht, daß ihre neue Familie die Schulden ihrer Vergangenheit, und Verpflichtungen für die Zukunft kennt.“ „Mein Vater,“ sagte Bertrand in gereiztem Tone, „war mehr als irgend Jemand auf den Glanz seines Namens stolz. Hätte er gethan, was Sie behaupten, so würde er die Prinzipien seines ganzen Lebens verleugnet haben.“ „Sie kannten ihren Vater nicht so gut, wie ich,“ sagte Etienne.„Er liebte seine beiden Söhne mit gleicher Zärtlichkeit und wollte, daß sie das Vermö gen und die Ehre seines Hauses theilen sollten.“ „Ah, Sie scheinen in dieser Hinsicht sehr genau unterrichtet,“ murmelte Bertrand. „Ichbines, sonst würde ich nicht so bestimmt sprechen.“ „Sie kennen also das Testament? Etienne blickte ihn fest an und nickte. „Ja, ich kenne es.“ Bertrand biß sich auf die Lippen. „Und wo hat mein Vater das Testament depo nirt?“ fragte er mit leisem Beben der Stimme. „Er hat es in meine Hände gelegt, entgegnete Malton kalt. Der Graf fuhr zurück. Er murmelte etwas zwischen den Lippen, was wie ein Fluch klang, von den Anderen aber nicht gehört wurde. Anna, welche Zeuge dieses Gespräches war, sah ihren Verlobten kopfschüttelnd an. „Wie, Herr Graf,“ sagte sie, sollten Sie die Handlungsweise Ihres edlen Vaters nicht für gerecht und billig halten?“ Bertrand suchte seine innere Wuth zu verbergen. Er nahm die Maske des Heuchlers vor. „Behüte der Himmel, mein Fräulein. Mein Vater hielt große Stücke auf Herrn von Malton und wußte, daß er ihm mit ganzer Seele ergeben war. Ich habe jetzt nur den Wunsch, daß mein verlorener Bruder zurückkehrt. Selbst wenn ich ihm die Hälfte meines Vermögens überlassen müßte, bleibe ich doch noch reich genug, um Ihnen eine glückliche Zukunft zu sichern, die Sie mit Recht erwarten können.“ Etienne berührte leicht die Schulter des Grafen. „Wohl gesprochen, mein Freund.“ Ich sehe, Sie sind bereit, als Ehrenmann zu handeln. „Er stand auf, um sich zu verabschieden. Bertrand hielt ihn zurück und führte ihn zur Seite. „Noch ein Wort, mein theurer Freund,“ sagte er leise. „Gut, sprechen Sie.“ „Wo befindet sich jetzt das Testament meines Vaters?“ Leshalb begehren Sie das zu wissen. „Nur aus Neugierde. Sollte es mir nicht erlaubt werden, Einsicht davon zu nehmen?“ Etienne drohte ihm mit dem Zeigefinger. „Nehmen Sie sich in Acht, Bertrand! Sic zweifeln an meinem Worte.“ „Nie, nein, Sie irren sich.“ „Es giebt in dem Testamente noch etwas Anderes, als die Geldfrage. „Und was könnte das sein?" „Ein schreckliches Bekenntniß. „Schrecklich! für wen?“ „Für Sie, Bertrano.“ „Für mich?“ rief der Genannte. „Ja, für Sie. Glauben Sie mir, Bertrand, für Ihre eigene Ruhe ist es besser, wir lassen die Geheimnisse Ihres Vaters schlafen. „Allein, wenn Sie plötzlich sterben sollten, Etienne, fragte Bertrand,„was würde aus diesem Testamente werden?“ „O, quälen Sie sich darum nicht. Ich habe auch das vorgesehen.“ Bertrand sah Herrn von Malton unentschlossen an, schien aber dann noch weitere Fragen stellen zu wollen. Allein Letzterer kam ihm zuvor. „Mein Freund,“ sagte er, Bertrand's Hand er greifend,„Alles, was ich Ihnen erzählte, ist nicht ohne Absicht geschehen. Sie stehen einem verhängni ßvollen Momente nahe. Ehe ich Ihnen die Thatsachen enthüllte, wollte ich sehen, was von Ihrem Herzen zu hoffen oder zu fürchten sei. Ich weiß jetzt, woran ich bin.“ „Und wann werde ich Alles erfahren?" fragte Graf Bertrand, indem er seine innere Angst zu verbergen suchte. „Sie sollen morgen hören, wie wunderbar die Wege der Vorsehung sind. Ich hoffe und wünsche, daß wir uns verständigen werden. „O, gewiß, ich weiß ja, daß Sie wahrhaft mein Freund sind, Etienne.“ „Ich bin der Freund jedes Mannes, der edel und ehrenhaft fühlt, denkt und handelt, erwiderte Herr von Malton ernst. Bertrand schlug wider Willen die Augen zu Boden. „Also morgen?“ fragte er. „Ja, und zwar in meiner Wohnung. Um zehn Uhr erwarte ich Ihren Besuch.“ „Ich werde kommen.“ (Fortsetzung folgt.) Westfalen und Rheinland. * Schwerte, 7. Mai. Im Inseratentheile findet der Leser heute eine Verfügung Königlicher Regierung zur Kenntniß gebracht, auf die wir an dieser Stelle besonders aufmerksam machen, als auf ein Zeichen, daß man höheren Orts möglichst einem Uebel zu begegnen sucht. Schwerte, 6. Mai. In der letzten GeneralVersammlung des landwirthschaftlichen Vereins wurde das Nähere in Betreff einer diesjährigen Festfeier dem Fest=Comitee überlassen. Letzteres hat nun beschlossen, daß das Thierschaufest am Samstag, den 29. Juni cr., stattfinden solle. Möge das in Aussicht stehende Fest, das auch eine willkommene Gelegenheit des Zuammenfindens und Begegnens zwischen Land= und Stadtbewohnern gewährt, sich auch diesmal einer regen Theilnahme erfreuen und von gutem Wetter begünstigt sein. ** Schwerte, 6. Mai. Bei der AachenMünchener Feuer=Versicherungs=Gesellschaft hatte Herr Friedr. Kötter zu Overberge einen Kornhaufen zu 800 Mark versichert. Dieser Schober ging am 4. März er. in hellen Flammen auf. Trotzdem nun die Vercherung am 1. März er. abgelaufen und seitens der Gesellschaft jede gesetzliche Entschädigungsverpflichtung erloschen war, wurde von genanter Gesellschaft der volle Schaden vergütet. Eine solche Coulanz verdient öffentlich anerkannt zu werden. Schwerte, 6. Mai. Gestern langten viele Passagiere von Elberfeld hier an, die die Strecke von dort auch ohne die Eisenbahn mindestens eben so rasch zurückzulegen im Stande gewesen wären. Es waren Brieftauben, die einzelne Mitglieder der Gesellschaft Fauna in Elberfeld hier fliegen ließen. Einzelnen muß es in unserem schönen Ruhrthale nicht schlecht gefallen haben, denn sie traten, zum Verdruß ihrer Besitzer, ihre Rückreise nicht sofort wieder an. ** Schwerte 6. Mai. Die Angelegenheit der Anlage des neuen Friedhofes ist neuerdings in der letzten Nummer dieses Blattes besprochen, leider macht aber der Einsender jenes Artikels gar keine positiven Vorschläge, sondern meint am Schlusse nur, man solle nicht zu starr an der östlichen und nördlichen Lage festhalten. Er scheint also auf den Süden und Westen hindeuten zu wollen. Jedermann weiß aber, daß im Süden der Stadt zwischen Ruhren des Ruhrkieses und der Ueberschwemmung wegen an eine solche Anlage gar nicht zu denken ist, und im Westen der Stadt schwerlich ein allen Anforderungen entsprechendes Terrain in Größe von circa 10—12 Morgen zu finden sein wird. Es können nach wie vor nur die 2 Projecte an der Dortmunder Chaussee und am vorderen Dortmunder Wege in Betracht kommen, und von diesen beiden verdient unzweifelhaft das letztere den Vorzug, weil es durchaus eben tiefgründig ohne Otterlei oder Kies und ganz trocken ist, vom Getriebe der Welt, resp. des Bahnhofes, Fabriken und Fuhrwerke ebenfalls als ruhiges Plätzchen abseits und doch ganz in der Nähe der Stadt liegt, sowie auch von den zahlreichen Außenbürgern der Schwerter Heide, Ostberge, Overberge, Lichtendorf, Geiseke am bequemsten zu erreichen ist. Was für Uebelstände sich bei den obigen Projecten herausgestellt, bitten wir im Interesse der Sache in der nächsten Nummer mitzutheilen, denn uns sind wenigstens am Dortmunder Wege keinerlei Uebelstände bekannt. Mehrere Bürger. " Schwerte. Wo kommt der neue Todtenhof hin? Diese Frage beschäftigt allgemein die Gemüther der Stadt= und Landgemeinde. Wie verlautet, sind drei Parzellen in Vorschlag gebracht: auf der Deitmecke, in der Nähe der Lührmann'schen Brauerei, am Kirschbaumswege, an der Ueberführung der Arnsber= ger Eisenbahn, und ebendaselbst, der letzteren Stelle gegenüber. Die erstgenannte Parzelle ist den andern entschieden vorzuziehen, da dieselbe nicht nur die billigste, sondern auch die leimhaltigste und trockenste ist; letzteres hat sich namentlich bei dem letzten wasserreichen Winter herausgestellt. Der Preis ist auf 9 Mark die Ruthe festgesetzt, was bei einer Anlage von 12 Morgen eine Summe von 19440 Mark ausmachen würde. Die Parzelle am Kirschbaumswege würde dagegen 12 Mark die Ruthe kosten und pro Morgen 30 Mark Dungentschädigung, macht auf 12 Morgen 26280 Mark. Rechnen wir nun noch die Summe ür Erwerbung, Anlage und Erhaltung eines Weges hinzu, so würde die Parzelle mindestens 9000 Mark mehr kosten, was in dieser flauen Zeit wohl zu erwägen ist. Einer für Viele. y Schwerte, 6. Mai. Heneralversammung der hiesigen Sterbekasse im Lokale des Wirths Herrn C. H. Z“ die Rechnung des vergangenen Jak. nahme vo 947 Mark 63 F 82 68 Pfg., also einen Bestand von 125 Mark 95 Pfg. In der hiesigen Sparkasse stehen 1692 Mark 84 Pfg. Trotzdem der Beitrag gering ist,(monatlich 30 Pfg.) bleiben noch sehr Viele der Kasse fern. Dieses ist zu bedauern, zumal es Manchen bei einem Sterbefalle die Aufbringung der Beerdigungskosten erleichtert. Schwerte, 6. Mai. Gestern Abend gegen 6 Uhr entwickelte sich vor dem Brückenthor hierselbst eine großartige Schlägerei. Wohl ein Dutzend junger Burschen von hier belästigten einen Fuhrmann, der in Begleitung von noch drei andern Männern eine Fuhre Möbeln von Limburg nach der Berghofer Mark transportirte, indem sie eine Kette bildeten und ihm so den Weg versperrten. Nach erfolgloser Aufforderung seitens des Fuhrmanns, den Weg frei zu machen, trieb derselbe seine Pferde zur Weiterfahrt an, worauf ein Bursche den Pferden wüthend in die Zügel fiel. Das war dem Fuhrmann zuviel! Es entstand nun eine blutige Keilerei, wie sie lange hier nicht vorgekommen ist. Die Burschen, die aus purem Uebermuthe diese ruhig ihres Weges gehenden Leute belästigten, wurden von dem inzwischen herbeigeeilten Gens'darmen Nuhnen zur exemplarischen Strafe angemerkt. * Schwerte, 7. Mai. Der Maikäfer tritt in diesem Jahre in einer Masse auf, wie selten. Sie mußten schon im vorigen Jahre in Menge auftreten, durch die Ungunst der Witterung verzögerte sich jedoch das Auskriechen derselben bis in dieses Jahr und kommt nun das heurige Kontingent hinzu. Von allen Mitteln, die man zur Vertilgung derselben angerathen, hat sich nur eines bewährt: Am frühen Morgen, sowie bei kühler Witterung hangen dieselben mit angezogenen Beinen lose an Bäumen und Sträuchern, besonders an Birnen=, Pflaumen= und Kirschbäumen, an Buchenhecken und jungem Laubholz. Dann lassen sie sich leicht abschütteln und auflesen. Dem Hühnervolk sind sie eine Lieblingsspeise; ihnen kann man einen Theil der gesammelten überlassen. Die übrigen tödte man durch heißes Wasser oder Wasserdämpfe und benutze sie als Dünger. Ein anderes Mittel ist folgendes: Man nehme ein altes Faß ohne Deckel, bestreiche es innen mit Theer und stelle auf den Boden desselben ein brennendes Licht, etwa eine Nachtlampe. Stellt man dieses Faß Abends ins Freie, so lockt das Licht eine Masse Maikäfer an, die bei ihren plumpen Flugversuchen gegen die Wände fliegen und am Theer hängen bleiben. Vor allen Dingen kann hierbei helfend die Schuljugend eintreten. Wie wir hören, erwirbt sich die Henner Schuljugend um die Vertilgung der Maikäfer ein großes Verdienst. Gestern wurden von einem Schüler 1160 Stück dem Lehrer abgeliefert. Die kleinen Nimrods, welche ihre Jagdbeute eimerweise herbeischleppen, erhalten 100 Stück mit 4 Pfg. bezahlt. !! Schwerte, 7. Mai. Für die deutsche Turnerchaft ist das Jahr 1878 ein Jubeljahr, in welchem man sich rüstet, den 100jährigen Geburtstag des alten Meisters deutscher Turnerei, unseres am 11. August 1778 geborenen Turnvaters Jahn, würdig zu begehen. Jahn ist der Gründer des deutschen Turnens, er gab unserer Sache den deutschen Namen und das deutsch=nationale Gepräge. In der alten schlesischen Hauptstadt ist das Festcomité unter Führung des Reichstags=Präsidenten Oberbürgermeister von Forckenbeck in voller Thätigkeit, um allen deutchen und auch nicht deutschen Männern und Jünglingen ein freundliches Bild Breslau's zu zeigen. Vor 60 Jahren bereits wurde Jahn und seine gute Sache schon einmal glänzend in Breslau gefeiert. Am 2. August 1818 zog Jahn an der Spitze von etwa 50 Turnern in die Hauptstadt Schlesiens ein und gastlich wurden dieselben von angesehenen Bürgern bewirthet. Am nächsten Tage fand unter allgemeiner Betheiligung der Breslauer ein Festturnen statt. Aber auch an den Festturnplatz knüpfen sich geschichtliche Erinnerungen, die für jeden Vaterlandsfreund theuer sein müssen. Es ist derselbe Platz, von welchem aus die todesmuthige Schaar der Lützower, in deren Reihen Jahn mit allen wehrfähigen Turnern der Hasenhaide getreten war, in den Kampf für Freiheit und Vaterland gezogen. Und den Platz überragt jenes Königshaus, aus welchem Friedrich Wilhelm III. 1813 den Aufruf an sein Volk erließ. Ist auch die Entfernung von hier sehr groß, so hoffen wir doch, daß auch der hiesige Verein wenigstens einen Delegirten nach Breslau zu dem am 29.,30. und 31. Juli stattfindenden Jubelfest entsenden wird. Während des heftigen Gewitters in der Nacht zum Donnerstag schlug der Blitz in die den Gebr. Christophery gehörige Schauermühle„auf der Trommel“ in der Obergrüne bei Iserlohn und zündete das Gebäude an, welches vollständig niederbrannte. Dem Schauermeister E. gelang es, sich mit seiner ganzen Familie aus dem brennenden Hause, das er bewohnte, zu retten; leider ist aber der Associé der genannten Firma, Herr Fritz Hülsmann von Iserlohn todt unter den Trümmern hervorgezogen worden; wahrscheinlich hat der einschlagende Blitz ihn sofort getödtet. Das Curatorium der Realschule in Hagen hat eine Petition an den Reichstag gerichtet, es möge den Realschulabiturienten die Berechtigung zum Studium der Medicin gewährt werden. Dortmund, 2. Mai. Wegen unerlaubten Kleinhandels mit Branntwein wurde die Ehefrau des Destillateurs Wilhelm Dresemann zu Schwerte in der heutigen Criminal=Gerichts=Sitzung zu tiner Geldbuße von 10 M. verurtheilt.(Dortm. Ztg.) In Dortmund will man gegen die Schundund Schandliteratur, mit welcher das Volk durch Colporteure überschwemmt wird, unter Beihülfe der Lehrer durch Lesevereine vorgehen. Eine Anzahl von Grubendirectoren des Dorter Oberbergamtsbezirks hat kürzlich beschlossen, eder des socialdemokratischen Bergarbeiter=Ver bandes nicht mehr anzunehmen und bereits in Arbeit stehende zu entlassen. In Dortmund war ein Brauer wegen Trunkenheit und Ungehorsams entlassen worden. Abends versuchte er in die Wohnung des Braumeisters einzudringen, was ihm indessen nicht gelang. Da er draußen fortgesetzt lärmte, so begab sich der Braumeister, wohl in der Absicht, den Ruhestörer zu entfernen, endlich vor die Hausthür. Nach wenigen Minuten kehrte er in seine Wohnung zurück und rief aus:„Ich bin gestochen!" Der Stoß war so heftig geführt und das Herz so gut getroffen worden, daß der Tod nach etwa zehn Minuten eintrat. Der Ermordete, welcher sich in dem letzten Kriege durch seine Tapferkeit das eiserne Kreuz erworben hatte, stand eben im Begriffe, eine zweite Heirath einzugehen. Der Mörder ist sofort verhaftet worden. Auf der Westf. Bahn in der Nähe von Dorstfeld stießen am Samstag Nachmittag zwei Arbeitszüge aufeinander, wodurch mehrere Waggons Beschädigung erhielten. Ein unverheiratheter Böttchermeister in Wetter versuchte, indem er sich vom Kahn aus in die Ruhr stürzte, sich zu ertränken, wurde jedoch wieder hekausgezogen. Gelsenkirchen dauert die Auswanderung nach Brasilien fort. Es wird zwar vielfach vor der Auswanderung gewarnt, ob aber die besorgten Warner in der Lage sind, den Leuten hier Arbeit und Brod zu schaffen, wird nicht erwähnt. So lange unsre Erwerbs=Verhältnisse nicht besser werden, ist es nicht die Auswanderungslust, welche die Leute über den Ocean treibt, sondern die Noth aus Mangel an Arbeit. Wie die„Ess. Ztg.“ erfährt, sind für eine Anzahl von Lehrern im Landkreise Essen nicht unerhebliche Zuschüsse aus Staatsmitteln bewilligt worden. In Mülheim a. d. Ruhr ist die bedeutende Kohlenfirma Gebr. Becker bankerott. Die Firma besitzt 16 eiserne und 40 gewöhnliche Schiffe auf dem Rhein. In Barmen besteht die Tagesgeschichte wieder aus einer Reihe von Verhaftungen skandalirender Burschen, liederlicher Frauenzimmer. Schlägereien, Auflesen von sinnlos Betrunkenen, Keilereien zwischen Militär und Civilpersonen, Springen in die Wupper und dem Entwenden einer diebessichern Cassette, enthaltend 300—400 M., und zwar aus der dritten Etage einer Fabrik auf der Jägerstraße. Es reüssiren in unserer geschäftsflauen Zeit fast nur noch die Gewerbe der Diebe und Bummler. In Barmen haben die Stadtväter eine Commission eingesetzt, die zu untersuchen hat, wie und wo Ersparnisse im städtischen Haushalt zu machen sind und auf welche Weise die Einnahmen zu erhöhen sind, ohne die Steuern zu vermehren. In Wermelskirchen ist man auf den Cultusminister besonders gut zu sprechen, da er der Stadt zum Bau einer„paritätischen“ Schule mit 10.000 M. beigesprungen ist. Für dieses Jahr sind in Elberfeld bereits 164 Bauconcessionen nachgesucht, während im verflossenen Jahr nur 134 eingingen. — Wie verlautet, beabsichtigen die Lehrer des Bergischen Landes im Laufe dieses Sommers ein großes Gesangfest zu veranstalten. Ein Brandbriefschreiber, ein noch junger Burfche aus der Gegend von Sonnborn, stand vor den Schranken des Elberfelder Zuchtpolizeigerichts und erhielt für diese Schriftstellerei à la Schinderhannes 9 Monate Gefängniß. Bei Solingen wurden zwei Männer vom Blitze erschlagen. Dieselben hatten auf dem Felde gearbeitet und waren dann vor dem strömenden Regen unter einer Hecke geflüchtet, wo sie der tödtliche Strahl traf. In Crefeld wurde ein Buchdruckergehülfe verhaftet, welcher 100 nachgemachte Galleriebillets für den Circus Corty verkauft hatte. Am 1. Mai hatte die Rheinische Bahn einen Zug mit Fahrgästen, wie vielleicht noch nie vorher. Ein aus 6 Waggons zusammengesetzter Zug brachte die geisteskranken Insassen der Irrenanstalt von Siegburg, damit dieselben in das neue Anstaltsgebäude zu Düren übersiedelt werden. Diese seltenen Touristen machten bei ihrem kurzen Aufenthalt in der Central= Personen=Station zu Köln einen vielseitigen Lärm und boten ein für den Menschenfreund recht trauriges Bild. In mehreren rheinischen Zeitungen läßt die Roisdorfer Militär=Effecten=Fabrik bekannt machen, daß bei ihr Sattler, auf Tornister und Patronen= taschen eingeübt, lohnende und dauernde Beschäftigung finden. Leser, merkst du was? Nichts ist mehr vor den Spitzbuben sicher! Auf einem Felde bei Neuß wurden drei junge Burschen ertappt, welche mit Spaten die eben gepflanzten Kartoffeln herausholten. Der landwirthschaftliche Local=Verein in Coblenz hat sich an das königliche Gouvernement gewandt mit der Bitte, die Vertilgung der Maikäfer dadurch erfolgreich zu unterstützen, daß an einzelnen Tagen Soldaten commandirt würden, um des Morgens in der Frühe Käfer zu schütteln und zu sammeln. Das Saarlouier Gouvernement hat bekanntlich schon diesbezügliche Maßregeln getroffen. Die Käfer zeigen sich hier heuer in ungemein großer Menge. Die Gemeinden der Umgegend entwickeln aber auch eine ungewohnte Thätigkeit im Einsammeln und Vernichten dieser Insecten. In Saarbrücken erschoß sich ein 17jähriger, an Schwermuth leidender Handlungs=Lehrling. * In England sind in der letzten Zeit Ermittelungen über die Ursachen der Sterblichkeit in den verschiedenen Armeen angestellt worden. Nach denselben zeichnet sich die preußische Armee durch geringste Sterblichkeit aus, was vor Allem in der rationellen Art des Dienstbetriebes und der großen Sorgfalt begründet ist, mit welcher die Vorgesetzten über ihre Mannschaften und ihr Wohlergehen wachen. Neuere Erfindungen. * Unterm 23. März cr. ist von v. Dreyse in Sömmerda ein Patentgesuch angemeldet auf einen Revolver mit seitwärts bewegbarem Laufe.— Wahrscheinlich gibts nächstens noch Revolver, mit denen man um die Ecke schießen kann. Vermischtes. * In Berlin wurde vor einigen Tagen eine böse Stiefmutter, die eine 14jährige Tochter ihres Mannes mit einer glühend gemachten Zange in die Fleischtheile zu kneifen pflegte, zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt. * Berlin, 3. Mai. Vergangene Nacht brannte der große vierstöckige Getreidespeicher der Actiengesellschaft„Berliner Brodsabrik“ total nieder. Mehrere hunderttausend Mark Werth sind hier dem Feuer zum Opfer gefallen. Leider sind durch den Einsturz einer Mauer drei Mann der Feuerwehr verunglückt und bereits verstorben. * Fräulein Agnes Stronsberg, die älteste und ebenso schöne wie geistvolle Tochter des Dr. Strousberg, hat sich mit dem Grafen v. Kleist, einem reichen Cavalier und Gutsbesitzer aus Pommern verlobt. * Der Schriftsetzer Wiesinger, Redacteur der sozial=democratischen Thüringer Volkszeitung, ist vom Kreisgerichte in Erfurt wegen Gotteslästerung zu 8 Monat Gefängniß verurtheilt. * Ein blutjunges Hamburger Bürschlein wollte durchaus auf die deutsche Flotte; da seine Eltern ihn abhielten, so ging er nach Berlin durch, um seinen Wunsch dem Kaiser vorzutragen; dort festgenommen und nach Hamburg zurückgebracht, sagte er: dann gehe ich unter die Seeräuber. * In Wiesbaden ist das ganze Jahr hindurch Generalversammlung; denn es leben dort gerade 50 pensionirte Generale; nicht lauter kommandirende (denn viele sind verheirathet), sondern G.=Lieutenants und G.=Majore. Der Prinz von Ligna hat einst die treffende Bemerkung gemacht:„Von wem hängt unser Ruf ab? Meist von den Leuten, welche selbst keinen besitzen. * Schrecklicher hat sich das Spielen mit Schießgewehren kaum gerächt als bei einer Bauernhochzeit in Gabel in Böhmen. Beim lustigen Hochzeitsschmauß flüchtete sich die Braut in die Küche, um ihren Bräutigam zu necken. Dieser fing nach ihr und griff endlich zu einem Gewehr, das in der Ecke stand und von dem er annahm, es sei beim Hochzeitszuge längst abgeschossen worden. Ich schieß' Dich! rief er.— Nur zu, ich fürchte mich nicht! antwortete die Braut. Er drückte ab und— todt lag die Braut vor ihm, mitten durch die Brust getroffen. Literarisches. Einen„Führer durch die Litteratur über Landwirthschaft, Gartenbau und Forstwesen,“ ein sehr bequemes Hilfsmittel, um Werke über einen bestimmten Gegenstand zu finden, die man sonst mit Mühe und oft nur durch Zufall auffindet, hat die landw. Buchhandlung von Hugo Voigt in Leipzig herausgegeben und versendet denselben an Jeden, der ihn mit Postkarte verlangt, gratis und franco. Der Anfführung der sämmtlichen neuen Erscheinungen aus 1877 nebst sehr übersichtlichem Sachregister, folgt eine Anzahl Besprechungen empfehlenswerther landw. Werke. Wir empfehlen unsern Lesern auf dem Lande, sich diesen praktischen Führer kommen zu lassen. Von der„Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens“, deren außerordentlich billiger Preis(nur 50 Pfg. für einen stattlichen, nicht weniger als 256 bis 288 Seiten enthaltenen Band; jährlich erscheinen 13 viermöchentliche Bände), die Anschaffung auch dem Unbemitteltsten ermöglicht, ist uns soeben der vierte und fünfte Band des gegenwärtig erscheinenden zweiten Jahrgangs 1878 zugegangen. Diese Bände bieten wie die früheren eine sorgfältig getroffene Auswahl unterhaltenden und belehrenden Lesestoffs. Wir beschränken uns darauf, nachstehend nur das Inhaltsverzeichniß des vierten Bandes zu geben:„Gepanzerte Herzen“, Roman von Max von Schlägel.—„Verschwunden", Roman von Ewald August König.—„Ebbe und Fluth“, Novelle von Th. Justus— Die weiße Geistlichkeit in Rußland“, von Aug. Scheibe.—„Eine aussterbende Völkergruppe“ von H. Scheube.—„Die Weine von Bordeaux“ von S. Augustin.—„Der Einfluß des Menschen auf die klimatischen Verhältnisse seiner Umgebungen“ von H. Weidenthal.—„Aus dem Leben der großen Schafzüchter in Neu=Seeland“ von H. Zeitzmann.— Den Schluß des Bandes bilden eine Reihe lesenswerther Miscellen. Ebenso reichhaltig und interessant ist auch der Inhalt des fünften Bandes. Sitzung der Stadtverordneten. In der am 4. ds. stattgefundenen öffentlichen Sitzung der Stadtverordneten, woran vom Magistrat der Herr Bürgermeister Mönnich und von den Stadtverordneten 9 Herren, nämlich: Wirth als Vorsitzender, Haver Protokollführer, Dommermühl, Klewitz, Lührmann, Ostermann, Rasche, Stork und Uffelmann theilnahmen. Mit Entschuldigung fehlten die Herrn Krieger und Börstinghaus. Es kamen folgende Gegenstände zur Berathung resp. Beschlußfassung: 1) Gegen die Baugesuche der Herren Gill, Fund, Pferdekämper, Lecking und Schulte fand sich Nichts zu erinnern. 2) Das Gehalt des Controleurs der Sparkasse wurde auf Mk. 2000— jährlich und die Höhe der von demselben zu erlegenden Caution auf Mk. 6000 festgesetzt.— Die Amtsdauer des Controleurs wurde, vorbehaltlich der Genehmigung der Amtsverordnetenversammlung zu Westhofen auf zwölf Jahre normirt. Die Ausschreibung der betreffenden Stelle wurde nicht für nöthig erachtet. 3) Der Antrag des p.p., betreffend Bewilligung refp. Uebernahme eines Darlehns wurde genehmigt. 4) Von der Nachweisung über vorgenommene Revision der städtischen Cassen wurde Einsicht genommen. 5) Versammlung nahm Kenntniß von der Verfügung der Königlichen Regierung, nach der dieselbe die Einrichtung einer gewerblichen Fortbildungsschule genehmigt hat. 6) In Bezug auf die Unterbringung des Leichenwagens, wurde der Magistrat beauftragt, sich mit dem Fuhrunternehmer Fr. Werth hier in's Vernehmen zu setzen und demselben eventuell das Fahren des Leichenwagens auf 12 Jahre unter der Bedingung zu übertragen, daß er für ein abgeschlossenes, wasserdichtes Gelaß für den Leichenwagen auf seine Kosten Sorge trägt. Civilstands=Nachrichten des Standesamts Schwerte vom 16 bis 30. April 1878. Geburten: Caroline Mohrenstecher 1 T.— Schneidermeister Diedrich Bücker 1 T.— Tagelöhner Wilhelm Trappe 1 T.— Fabrikarbeiter Joseph Naber 1 S. Sterbefälle: Anna Jonas 4 M. 14 T.— Carl Witz 16 J. 11 M. 16 T.— Carl Friedrich Schröer 8 M. 3 T.— Louis Lenz 2 J. 3 M. 19 T.— Theresia Luke 7 M. 27 T.— Caroline Lehmkühler 1 M. 26 T. Eheschließungen: Schneider Friedrich Heinrich Ludwig Heese gebürtigt zu Schwerte mit Dienstmagd Karoline Marie Wagner gebürtigt zu Griemelsheim. Markt=Berichte. Dortmund 4. Mai 1878. Weizen 100 K. Landrog. à 100 K. Gerste 100 K. Neuß, 6. M. Pf. Qual. 24 70 „ 23 20 Mai 1878. M. Pf. 2. Kilo Buchweizen à 100 Kilo Hafer 100 Kartoffeln Roggenstroh Weizenvorschuß Kleien à 50 K. 10o M. Sommrt.——. Heu„„ kübsen(Aveel) M. 32,— Raps M. 33,50. küböl per 100 Kilo in Partien von 100 Ctr. 72 küböl per 100 Kilo faßweise 74— Vereinigtes Oel per 100 K. 3 M. höher als Rüböl. Winter= Sommer= 16 50 15— 17— 15 50 8— 3 60 33 50 5 40 2 10 72— Viehmärkte. Werne, 3. Mai. Auf dem heutigen Mai=Viehmarkte entwickelte sich bei ziemlich großem Auftrieb und Anwesenheit zahlreicher Käufer ein recht lebhaftes Geschäft. Es waren aufgetrieben: 200 Kühe und Jungvieh, etwa 1400 Schweine und 132 Pferde. Die Preise stellten sich besonders für Milchkühe recht hoch, Es kosteten frischmelkende Kühe 200—300 Mk., in nächster Zeit milchend werdende 200— 290 Mk. Schweine, Ferkel, pr Lebenswoche 2—2,50 Mk. Von Pferden waren nur geringere Sorten vorhanden. Uebrigens handelte ein zerlumpter Zigeuner um ein Pferd von 300 Mk.— An Viehwagen und Karren wurden heute früh gegen 8 Uhr circa 152 Stück gezählt, die durchschnittlich mit 8—10 Ferkel beladen waren. Nächster Markt am 11. Juni d. J. Besteuerung der Wanderauctionen. Auf den Bericht vom 10. Jan. er. Nr. 6963 c., betreffend die Besteuerung der s. g. Wanderauctionen, eröffnen wir Ew. Hochwohlgeboren, daß diejenigen Personen, welche außerhalb ihres Wohnorts ohne Begründung einer gewerblichen Niederlassung und ohne vorgängige Bestellung Waaren feilbieten, nach§ 55 der Gewerbeordnung eines Legitimations= scheines bedürfen. Wenn dieselben, ohne im Besitze eines solchen zu sein, am Orte des Verkaufs das Gewerbe als ein stehendes anmelden und die Gewerbesteuer vom stehenden Handel zu zahlen bereit sind, so erscheint es nicht gerechtfertigt, der Ausübung des Gewerbebetriebes auf den bloßen Verdacht hin, daß dadurch lediglich ein unbefugter Hausirhandel verdeckt werden soll, durch Anwendung polizeilicher Präventivmaßregeln entgegen zu treten. Stellt es sich dagegen demnächst nach Lage der concreten Verhältnisse heraus, daß die Voraussetzung einer gewerblichen Niederlassung am Orte des Verkaufs im Sinne des von Ew. Hochwohlgeboren in Bezug genommenen Ministerialrescriptes vom 16. Oet. 1875 nicht zutrifft, also die sicht eines dauernden Gewerbebetriebes nich so ist unverzüglich die Contravenier befugten Gewe Umherziehen Arnsberg, der Könic Abtheilu Do Bekanntmachung. Im Amte Westhofen und in der Stadt Schwerte hat sich Ende vorigen Monats ein der Tollwuth dringend verdächtiger Hund gezeigt, welcher, nachdem er mehrere Hunde gebissen, verschwunden ist. Ich ordne deshalb unter Hinweis auf die Regierungs=Polizei=Verordnung vom 30. Juni 1865 und den§ 50 des Gesetzes vom 25. Juni 1875 hierdurch an, daß in der Stadt Schwerte und im Amtsbezirk Westhofen bis zum 1. August 1878 nach der Wahl der Wahl der Besitzer die Hunde entweder: a. innerhalb der Wohnungen resp. geschlossenen Gehöfte fest anzulegen oder unter Verschluß zu halten; b. soweit und so lange solches nicht geschieht, mit einem Maulkorbe zu versehen sind, welcher nach Construction und Art der Anlegung das Beißen verhindert und gleichzeitig den Hunden die freie Bewegung des Unterkiefers gestattet. Von dieser Beschränkung sind nach § 3 der erwähnten Verordnung ausgenommen: a. Jagdhunde, während sie von ihren Besitzern zur Jagd gebraucht; b. Hirtenhunde, so lange sie zum Bewachen, Hüten oder Treiben des es verwendet werden. andlungen ziehen eine Strafe oder verhältnißmäßige v. Rynsch. zung wird hierintniß gebracht. 78. Bürgermeister. Bekanntmachung. Nachdem höhern Orts die Anstellung einer Hebamme für die Gemeinden Lichtendorf und Geisecke genehmigt worden, habe ich Termin zur Wahl einer Hebammen=Lehrtochter auf Dienstag, 14. Mai, Nachmittags 5 Uhr, in der Schule zu Geisecke anberaumt und werden zu demselben die sämmtlichen Ehefrauen der benannten Gemeinden eingeladen. Von denjenigen Frauen, welche in dem Termine nicht erscheinen möchten, wird angenommen, daß sie dem Beschlusse der Anwesenden beistimmen. Die zu wählende Lehrtochter darf nicht unter 18 und nicht über 30 Jahre alt sein. Bewerberinnen wollen sich vor dem Wahltermine unter Nachweis ihrer Quali= fikation bei mir melden. Westhofen, 6. Mai 1878. Der Amtmann: Rebber. Gehanntmachung. Zur Instandsetzung der Wege in der Gemeinde Lichtendorf soll die Anfuhr und das Zerkleinern von 250 Cubikm.(55 Schachtruthen) Steine, ferner die Anfuhr von 110 Cubikm.(25 Schachtruthen) Ruhrkies am Freitag, 10. Mai ds. Is., Nachmittags 3 Uhr, bei Herrn Wirth Flunkert zu Eichholz öffentlich, wenigstfordernd verdungen werden. Westhofen, 1. Mai 1878. Der Amtmann: Rebber. Bekanntmachung. Nach Anordnung des Herrn Landraths zu Dortmund sind im Stadtbezirk Schwerte und Amtsbezirk Westhofen bis zum 1. August d. Is. die Hunde innerhalb der Wohnungen oder geschlossenen Gehöfte fest anzulegen oder unter Verschluß zu halten. Zuwiderhandlungen ziehen Strafe bis zu 30 Mark oder verhältnißmäßige Haft nach sich, außerdem kann die sofortige Tödtung der frei umher laufend betroffenen Hunde angeordnet werden. Westhofen, 4. Mai 1878. Der Amtmann: Rebber. Bekanntmachung. Der Communalweg von dem Hause des Schuhmachers Lecking in Lichtendorf nach Overberge wird wegen theilweisen Neubaues vom 6. Mai bis 1. Juni ds. Is. für den Verkehr mit Fuhrwerk gesperrt. Westhofen, 30. April 1878. Der Amtmann Rebber. Revolver. 5 schüssig nur 6,00 M. 6„ gezogen 7,50„ nicklicirt 10,50„ mit elfenb. Kolben 15,00„ in größter Auswahl bei Bromberg. Offene Trhenugrsteue. Für meine Buchdruckerei suche ich einen Lehrling. Carl Braus. —„Kn.skalt Zu Bortinund, heinische Straße 36, von Dr. Blöbaum. Specialarzt für Augen- und Flechtenkranke. anwendbar zur kalten Gaul=Heife, Wäsche für farbige Stoffe jeden Gewebes à Stück 25 Pfg., vorräthig bei Carl Braus. 190,000 Mark und mehr sind in beliebigen Raten auf Bauernhöfe und Landgüter, Kirchen, Schulen und Gemeinden zu 4, 4½ und 5% Zinsen oder Amortisation theils sofort, theils Mai, Juli, September, November anzuleihen. Camen, im April 1878. C. Harlinghoff. Bergmann's Salicyl-Seile, wirksamstes Mittel gegen alle Hautunreinigkeiten und als Toilettenseife besonders geeignet, die Haut stets frisch und rein zu erhalten. Vorräthig à Stück 50 Pf. bei Carl Braus. Kleeverkauf. sind Am Mittwoch, den S. Mai, Nachmittags 6 Uhr, soll eine Parzelle Klee am Bahnhofswege, neben dem früheren Wigginghaus'schen Garten, nummerweise verkauft werden. Schwerte, den 1. Mai 1878. Kleeverkauf. Herr Friedr. Wortmann zu Lichtendorf läßt am Samstag, 11. Mai, 6 Morgen sehr gute Kleefrucht und zwar: Nachmittags 5 Uhr in den Flurpöten unweit Krumme 3 Morgen und um 6 Uhr am Steinpat an der Lichtendorfer Kuhstraße 3 Morgen nummerweise an Ort und Stelle verkaufen. Hohenschwert. Kleeverkauf. Herr Eckei zu Lichtendorf laßt am Donnerstag, 9. Mai, Nachmittags 6 Uhr, auf der Schwerterhaide am Kreimberge, unweit Sauerland, 2 Morgen Kleefrucht nummerweise am Ort und Stelle verkaufen. Hobenschwert. Kleeverkauf. Herr Heinr. Hagemann hierselbst läßt am Freitag, den 10. Mai, Nachmittags 6 Uhr, 2 Morgen Klee an der Linde nummerweise meistbietend an Ort und Stelle verkaufen. Hohenschwert. Subhastations=Patent. Band VI, Blatt 545, auf Die im Grundbuche von Schwerte, Lane.—, Fnder Wirths Carl Rösener zu Schwerte eingetragenen Grundstücke Flur IV, Nr. 154/2, 169, 170, 580/256, 584/258, 383/2, 384, 385, 386, „ IV,„ 620/434, 621/434, 458, V.„ 76, 87, „ VII,„ 602/376, 603/376, 545, 547, „VIII,„ 334, XI,„ 32, 552/186, 386, insgesammt vermessen zur Größe von 4 Hect. 72 Are 80 □ M., sollen im Wege der nothwendigen Subhastation auf Antrag eines Gläubige 28. Juni 1878, Vormittags 10 Uhr, an hiesiger Gerichtsstelle versteigert werden. Der Reinertrag sammticher, Sexzstr g6 ermitelte Ruzungswerth der aufsehenden Gebäulichkeiten 24/gegzhugeliz und die etwa noch eingehenden Abschätzungen und anderen, die Grundstücke betreffer den Nachweilungen sind im Bureau II. einzusehen. zux Mirsankeit gegen Alle Diejenigen, welche Eigenthum oder anderweile, zu. Wirtsamtent geg Dritte der Eintragung das Grundbuch bedürfende, aber nicht Realrechte auf die zur Subhastation stehenden Realitäten geltend zu machen haben, werden aufgefordert, dieselben zur Vermeidung der Präclusion spätestens im Versteigerungstermine anzumelden. Das Urtheil über die Ertheilung des Zuschlages son am 29. Juni 1878, Vormittags 9 Uhr, an der hiesigen Gerichtsstelle verkündet werden. Schwerte, 29. April 1878. Königliche Kreisgerichts-Commission. Der Subhastationsrichter. Dubrunstart. 6 Täglich Dampf=, Sool= und Wasserbäder bei C. Potthoff. e Aierberkauf. Frau Wwe. Rehfeuter läßt am Samstag, 11. Nachmittags 6 Uhr, 3 Morgen guten Klee im Ostberger Felde meistbietend an Ort und Stelle verkaufen. Hengsen. Kissing, A.=C Tnovilarverkauf. er D. Herz, Elbersederstr. 13. HIAGEN. Elberseldersr. 13. Billigste Preise! Billigste Damen-Lederstiefel mit eleganter Lackkappe, à Thlr. 1. 22½ Sgr. Damen-Stoffstiefel zum Schnüren, à Thlr. 1. 5 Sgr. 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