Sprockhöveler Zeitung Haßlinghauser Zeitung= Amtlicher Anzeiger für das Amt Sprockhövel= Blankenstein=Herbeder Zeitung Erscheint Dienstags, Donnerstags, Freitags und Samstags. Bezugspreis: durch unsere Boten frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatl., am Postschalter abgeholt 1,50 Mk., vom Briefträger gebracht 1,80 Mk. vierteljährlich im voraus. Druck und Verlag von Rudolf Steinbeck in Sprockhövel. Verantwortlicher Redakteur Rudolf Steinbeck, Sprockhövel. Einrückungsgebühr: im Inseratenteil die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg., im Reklameteil 60 Pfg. Bei Wiederholungen wird entsprechender Rabatt gewährt. Nr. 80. Postscheckkonto Cöln 28642. Samstag, 29. Juni 1918. Fernsprecher 478, Amt Hattingen. 21. Jahrg. 1. Blatt. Bekanntmachung Die von den bisherigen Empfangsberechtigten nicht eingelösten Bezugsausweise für Kerzen können nunmehr von den übrigen Haushaltungen, die Anspruch auf Zuweisung von Petroleum hatten, in Empfang genommen werden, und zwar in der nächsten Woche im Amtshause, Zimmer Nr. 4, während der Dienststunden. Sprockhövel, den 26. Juni 1918. Der Amtmann: Theis. Bekanntmachung Die Lebensmittelgeschäfte wollen am Montag, den 1. Juli ds. Is. die nachbenannten Lebensmittel abholen und zwar innerhalb folgender Zeiten: 1. von 8½—9½ Uhr vormittags die Geschäfte mit den Anfangsbuchstaben Z—T, 2. von 9½—10½ Uhr vormittags die Geschäfte mit den Anfangsbuchstaben S—N, 3. von 10½—11½ Uhr vormittags die Geschäfte mit dem Anfangsbuchstaben H, 4. von 2 bis 3 Uhr nachmittags die Geschäfte mit dem Anfangsbuchstaben K, einschl. Konsumverein, 5. von 3 bis 4 Uhr nachmittags die Geschäfte mit den Anfangsbuchstaben M und L, 6. von 4—5 Uhr nachmittags die Geschäfte mit den Anfangsbuchstaben G—A. Verausgabt werden: 1. Margarine für die Zeit vom 23.—29. 6. 1918 62½ gr 2. Kunsthonig auf Abschnitt 3 der Lebensmittelkarte 250 gr 3. Griesmehl auf Abschnitt 4 der Lebensmittelkarte 200 gr 4. Gemüsekonserven(Brechbohnen, Schnittbohnen Suppenerbsen, Stangenspargel, Brechspargel, Spargelköpfe) auf Abriß 5 der Lebensmittelkarte im Geschäft Dahlmann in Niedersprockhövel. Haushaltungen mit 1 und 2 Personen 1 Kilo 3„ 4„ 2„ 5„ 6„ 3„ 7„ 8„ 4„ 9„ 10„ 5„ 11„ 12„ 6„ 13„ 14„ 7„ 15„ 16„ 8„ 5. Die Geschäfte, die Sauerkraut bestellt haben,(Kern, Lieber, Konsumverein, Mühlhaus, Gethmann, Zarges, Mönninghoff und Stolte) erhalten letzteres vom Lager Kern in Niedersprockhövel gegen auf dem Amte vorher abzuholende Bescheinigung. Das Sauerkraut kann frei— ohne Lebensmittelabriß— verkauft werden. 6. Kartoffeln 4 Pfund in den Kartoffelgeschäften Kern, Dahlmann, Lieber und Leveringhaus. Die Haushaltungen müssen zunächst in denjenigen Geschäften vorsprechen, bei denen sie als Kunden für den Kartoffelbezug eingetragen sind. 7. 100 Dosen Sardinen in Brühe stehen im Geschäfte Heinrich Lieber zum Verkauf. Ladenhöchstpreise. 1. Margarine 2,00 Mk. das Pfund 2. Kunsthonig 0,75„„ 3. Griesmehl 0,32„„„ 4. Brechbohnen und Schnittbohnen 1,30 Mk., Suppenerbsen 1,55 Mk., Stangenspargel 2,65 Mk., Brechspargel stark 2,20 Mk., Brechspargel mittel und Spargelköpfe 2,05 Mk. die 2 Pfund Dose, 5. Sauerkraut 0,30 Mk. das Pfund 6. Sardinen in Brühe 0,90 Mk. die Dose Sprockhövel, den 28. Juni 1918. Der Amtmann: Aus der Heimat. (Nachrichten aus uuserem Leserkreise über örtliche, Begebenheiten sind uns stets sehr erwünscht. Die Vereinsvorstände werden gebeten, Berichte über Versammlungen und Veranstaltungen unserer Redaktion zukommen zu lassen.) Sprockhövel, 29. Juni 1918. —[Die besten Grüße) von der Fahrt nach KölnMülheim senden die Musketiere Gust. Mättner, Fritz Piepenbrink und Fritz Padberg.— Von einem unerwarteten Zusammentreffen in Frankreich senden herzliche Grüße an alle Sprockhöveler: Pionier Karl Dietzel, Pionier Fritz Westerhoff. —[Die Reichsstelle für Gemüse und Obst hat eine im 2. Blatt in der heutigen Nummer veröffentlichte Bekanntmachung über den Verkehr mit Frühgemüse und Frühobst erlassen, auf die hierdurch besonders hingewiesen sei. —[Im Silberkranze.] Die Eheleute Jul. Offermann und Frau, Lina geb. Thurell, Kauerhof, begehen morgen die 25. Wiederkehr ihres Hochzeitstages. Wir gratulieren und wünschen dem Silberpaare weitere 25 Jahre ungetrübten Eheglücks. —[Rauchverbot für Jugendliche.] Der Oberpräsident hat mit Zustimmung des Provinzialrats für den Umfang der Provinz Westfalen ein Rauchverbot für Jugendliche erlassen. Personen unter 16 Jahren ist es verboten, Tabak, Tabakpfeifen, Zigarxen, Zigaretten und Zigarettenpapier zu kaufen, sowie auf öffentlichen Wegen, in öffentlichen Verkehrsmitteln und Räumen zu rauchen. Ferner ist es verboten, an solche Personen die bezeichneten Gegenstände zu verkaufen. Jeder, unter dessen Aufsicht eine solche jugendliche Person steht, ist verpflichtet, sie am Rauchen zu hindern. Zuwiderhandlunden werden mit 60 Mark Strafe bedroht. —[Das Rauchen von Waldmeister) wird jetzt vielfach zur Streckung des Tabaks für die Pfeife benutzt. Von ärztlicher Seite wird darauf aufmerksam gemacht, daß diese Verwendung des Waldmeisters sehr bedenklich sei, da die Pflanze ein schädliches Herzgift enthalte, das leicht Herzschlag zur Folge haben könne. —[Die freiwillige Abgabe von Männer=Oberkleidung bleibt weit hinter den vom Reichsbekleidungsamt gestellten Anforderungen und auch weit hinter den hier gehegten Erwartungen zurück. Die Behörde ersucht dringend um Abgabe, da andernfalls ohne Ansehen der Person Zwangsmaßnahmen eingeleitet werden müssen, um das geforderte Soll aufzubringen. —[Flottenfahrt westfälischer Schüler.] Das Kommando des Patenschiffes der Provinz Westfalen, S. M. S.„Westfalen“ hat die westfälische Jugend auch für dieses Jahr zu einem Besuch an Bord eingeladen. Infolgedessen findet zu Beginn der großen Ferien die dritte Flottenfahrt westfälischer Schüler statt. Es können 14- bis 18 jährige Schüler teilnehmen. Außer der„Westfalen“ wird auch der Kreuzer„Emden“ besucht werden, von dessen Kommando ebenfalls eine liebenswürdige Einladung eingegangen ist. —[Muß ich Steuern zaylen?] Ich bin doch Soldat? Grundsätzlich steht fest, daß das Militäreinkommen der einberufenen Mannschaften einschl. der Unteroffiziere des Friedensstandes von dem Tage der Einberufung ab steuerfrei ist. Ein Soldat, der nicht über ein besonderes Zivileinkommen verfügt, hat infolgedessen auch keine Steuern zu bezahlen und die Gerüchte, daß von unsern Feldgrauen nach Friedensschluß Steuern eingezogen werden könnten, sind deshalb ganz unbegründet, kein Mensch denkt daran.— Steuerpflichtig ist dagegen ein fortlaufendes Zivileinkommen. Wer also ein Haus, eine Wirtschaft oder ein Geschäft besitzt oder als Angestellter einen Teil seines Gehaltes fortbezieht, hat für solche Einkünfte auch Steuern zu entrichten. Jedoch haben Preußen, Anhalt und Braunschweig die Grenze des steuerfreien Kriegereinkommens auf 3000 W, Württemberg diese auf 3200% erhöht, während Sachsen, Bayern und Baden das Friedensexistenzminimum unverändert beibehalten haben. Den für die Veranlagnng der Staatssteuern geltenden Grundsätzen passen sich in den einzelnen Bundesstaaten die Gemeinden bei der Erhebung ihrer Steuern in der Regel an. Ein Kriegsteilnehmer, der gegen seine Steuerveranlagung Einspruch erheben will, ist im allgemeinen nicht an die übliche Berufungsfrist(in Preußen vier Wochen, in Sachsen drei Wochen) gebunden, sondern er kann gegen die erfolgte Veranlagung noch nach Beendigung des Krieges Einspruch erheben. Württemberg und Baden haben zwar die Cinspruchs frist nicht verlängert, doch werden auch die verspätete Einsprüche nach Möglichkeit berücksichtigt. Zu empfehlen ist es natürlich, den beabsichtigten Einspruch möglichst bald nach Empfang der Veranlagung anzubringen. Zum wenigsten lasse man in solchem Falle die veranlagende Behörde durch seine Angehörigen ungesäumt über seine, Kriegsteilnehmerschaft unterrichten, soferu diese Veranlagungsverfügung nicht schon den ausdrücklichen Vermerk„Kriegsteilnehmer“ trägt. —[Einlösungsfrist für Zweimarkstücke.] Von zuständiger Seite wird noch in letzter Stunde darauf aufmerksam gemacht, daß die Frist zur Einlösung der vom 1. Januar 1918 ab nicht mehr als gesetzliches Zahlungsmittel geltenden Zweimarkstücke bei den Reichs= und Landeskassen am 1. Juli 1918 abläuft. —[Gegen den Raupenfraß] wird ein höchst ein faches und dabei billiges Mittel empfohlen, das mit Sicherheit die Weißlinge vom Kohl abhält. Im oft verachteten Dill ist uns nähmlich dieser Retter in der Rot durch die Natur gegeben, d. h. man muß zwischen die einzelnen Kohl reihen, am besten schon beim Pflanzen, ganz dünn etwas Dillsamen streuen, der für wenig Geld zu haben ist, und man wird geradezu staunen: Vögel gibt es nicht, die den Raupen des Kohlweißlings nachstellen, der Igel verschmäht sie auch, jedoch der dem Dill ausströmende feine, aber scharfe Geruch jagt die Schmetterlinge ab. —[Keine Bezugsscheine auf Bettwäsche.] Die Reichsbekleidungsstelle gibt bekannt, daß künftig Bezugsscheine auf Bettwäsche nur für Kranke, Wöchnerinnen und Säuglinge gegen eine Bescheinigung des Arztes bezw. der Hebamme erteilt werden. Sonstige Antragsteller sind auf bezugsscheinfreie Papiergarnerzeugnisse zu verweisen. —[Keine neuen Lehrbücher.] Die Einführung neuer Lehrbücher für, den evangelischen Religionsunterricht an den höheren Lehranstalten für die männliche Jugend war für Östern 1920 vorgesehen. Jetzt hat der Unterrichtsminister mit Rücksicht auf die Kriegslage bestimmt, daß die Einführung um 1 Jahr, also bis Östern 1921, hinausgeschoben wird. —[Trotz der wiederholten Hinweise] auf das Verbot der Versendung feuergefährlicher Gegenstände mit der Post werden derartige Sachen, wie Streichhölzer, Benzin, Karbid, Feurin(Benzonid), Schwefeläther, Essigessenz(30prozentige Essigsäure), Hartspiritus, Selbstzünderzigarren, Hoffmannstropfen usw., immer wieder in Postsendungen, namentlich an Heeresangehörige, verschickt. Infolgedessen sind durch Selbstentzündung solcher feuergefährlicher Gegenstände in letzter Zeit wieder ganze Wagenladungen mit Postsendungen vernichtet worden. Um Leben und Gesundheit des Personals nicht zu gefährden und um die Allgemeinheit vor Schaden zu bewahren, werden die Postbenutzer dringend ersucht, die Versendung feuergefährlicher Gegenstände durch die Post unbedingt zu unterlassen. Die Zuwiderhandlung ist nach§ 367 Ziffer 5a des Strafgesetzbuches strafbar, jeder zur Kenntnis der Postbehörden gelange Fall wird gerichtlich verfolgt. —[Richtpreise für Ziegelsteine.] Von der Kriegsamtstelle Düsseldorf geht uns folgende Mitteilung zu: Für Ziegelsteine(Vor= und Hintermauerungssteine) sind folgende Richtpreise festgesetzt und zwar für den Bereich des 7. A. K. Mk. 55,— pro Tausend ab Ziegelei mit Ausnahme für die Kreise Lippstadt, Soest, Cleve, Geldern, Moers, Rees, Stadt= und Landkreis Bielefeld und Recklinghausen und des Stadtkreises Buer, wofür ein Richtpreis von 60,Mk. festgesetzt ist. Die Preise gelten vom Tage der Verkündigung an bis auf weiteres. Für Kleinbedarf(Abgabe bis zu 5000 Stück gemäß§ 6 der Bekanntmachung vom 15. 1. 18) ist ein Zuschlag von 10 Prozent auf die Preise gestattet. —(Kostenlose Abgabe von Nähgarn.] Eine sehr willkommene Nachricht wird von der Nessel=AnbauGesellschaft in Berlin verbreitet, nämlich die kostenlose und bezugscheinfreie Abgabe von Nähgarn! Die genannte Gesellschaft gibt allen Sammlern von Brennesseln, die 10 Kilo trockener Stengel durch den Vertrauensmann der Gesellschaft abliefern, außer dem Sammellohn ein Wickel schwarzes oder weißes Nähgarn aus Brennesselmischgarn, und zwar einesteils, um damit zu fleißigem Sammeln anzuregen, anderseits, um zu zeigen, welch vorzügliches Garn aus der Brennesselfaser gewonnen wird. Es liegt deshalb in jedermanns Interesse, die wertvolle Faserpflanze zu sammeln und vor unbedachter Vernichtung— dies gilt besonders für die Zeit der Heuernte— zu schützen. Jeder fördere das vaterländische Werk der Brennesselsammlung und führe die Sammelergebnisse der nächsten Sammelstelle zu, wende sich gegebenenfalls unmittelbac an die NesselAnbau=Gesellschaft m. b. H., Berlin W 8 um Auskunft. [Haßlinghausen.] Der Schütze Gustav Hermes, Inhaber des Eisernen Kreuzes, ist im Alter von 28 Jahren auf dem Felde der Ehre gefallen. Ehre seinem Andenken. [Blankenstein.] Ers.=Res. Wilh. Glaser erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse. [Durchholz.] Der Kanonier Fritz Heller wurde mit dem Cisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. (Hiddinghausen.] Das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhielt der Gefreite Fritz, Gall aus Hiddinghausen. Sein Bruder hat diese Auszeichnung schon im September 1914 erhalten. —[Hattingen.] Die Stadtverordneten beschlossen, zur Hebung des Kleingeldmangels 20 000 Fünfzigpfennigstücke und 20000 Fünfundzwanzigpfennigstücke prägen zu lassen. —[Gennebreck.] Wegen Milchfälschung wurde die Landwirtin Hendrika v. d. V. zu einer Geldstrafe von 200 Mk. verurteilt. Sie hatte die von ihr nach Elberfeld gelieferte Milch längere Zeit hindurch durch Zusatz von Wasser gefälscht. [Herbede.] Den Heldentod fürs Vaterland starb der Schütze Fritz Hustadt von hier im Alter von 27 Jahren. Ehre dem Tapferen! Bericht des Admiralstabes. WTB. Berlin, 28. Juni.(Amtlich.) Am 27. Juni, vormittags griff eine unserer Marine=Jagdketten unter Führung des Leutnants der Res. Österkamp quer ab der flandrischen Küste ein starkes, von Eindeckern gesichertes feindliches Bombengeschwader an. Im Verlaufe des Kampfes, in denen alle feindlichen Flugzeuge— ungefähr 20— eingriffen, gelang es unserer Kette, die nur aus 4 Flugzeugen bestand, vier feindliche Flugzeuge abzuschießen. Leutnant Österkamp errang seinen 15. Luftsieg. Leutnant Zenses war an dem Erfolg mit 2 Abschüssen beteiligt. Am Abend des 27. Juni gerieten Teile unserer Torpedobootsstreitkräfte Flandern auf einer Patrouillenfahrt vor Östende in ein Gefecht mit englischen Zerstörern unter Führung eines Zerstörerführerschiffes. Nach einem etwa einhalbstündigen Gefecht zogen sich die feindlichen Zerstörer mit hoher Fahrt zurück, indem sie sich durch Einnebeln der Sicht entzogen. Es wurden Treffer auf dem Führerschiff und einem der feindlichen Zerstörer beobachtet. Unsere eigenen Boote sind ohne Verlust und Beschädigungen eingelaufen. Der Zar nicht ermordet? Darmstadt, den 28. Juni. Das Großherzogliche Marschallamt teilt mit, daß der Hof von der Regierung der Räterepublik über deren Gesandschaft in Berlin Nachrichten erhalten hat, denen zufolge sich der Zar in Sicherheit befindet. Vorschußlorbeeren. Von unserem militärischen Mitarbeiter. Bm. Wenn man an den italienischen Heeresbericht vom 24. Juni denkt, welcher angab, die auf dem Westufer der Piave kämpfenden österreichisch=ungar. Truppen seien geschlagen und fluteten in Unordnung zur Piave zurück, hart verfolgt von den italienischen Truppen, und wenn man dann vas auffallende Zurückschrauben der nächstfolgenden italienischen Berichte in ihrer Tonart und die Kritiken des sonst so chauvinistischen italienischen Militärschriftstellers Barzini üüber die österreichisch=ungar. Frontzurücknahme an der Piave liest, so ergibt sich deutlich, daß der" Henische Oberkommandierende Diaz Vorschußlorbeeren geno en hatte; diese hielten aber nicht lange vor. Schon der k. 1 Heeresbericht vom 25. Juni läßt deutlich erkennen, daß er Uferwechsel über die Piave sich ungestört vom Feinde und in guter Ordnung vollzogen hat. Allein aus dieser Tatsache erhellt zur Genüge, wer von beiden Parteien der Sieger geblieben ist. Denn mit einem reißenden Strome im Rücken, dazu den Feind dicht vor der Front kann eine geschlagene Truppe niemals mit der geringsten Aussicht auf Rettung einen derartigen Uferwechsel vollziehen. Am Westufer der Piave hätte den k. u. k. Truppen in solchem Falle rettungslose Vernichtung oder Gefangennahme gedroht. Tatsache aber ist, was auch Barzini zugibt, daß es den k. u. k. Truppen gelungen ist, selbst ihr Kriegsgerät, in der Hauptsache also die Geschütze, zurückzubringen, was also auf eine planmäßige und in voller Ordnung verlaufene Bewegung schließen läßt. Sehr siegreich sieht auch das Verhalten der Italiener nicht aus, denn sie fühlten am 25. Juni erst vorsichtig mit Patrouillen an die Piave heran. Daß natürlich einige schwache Nachhuten, die die Aufgabe hatten, den Uferwechsel zu decken, in Feindeshand fallen mußten, liegt in der ganzen Sachlage begründet und läßt sich nicht vermeiden. Wenn man aber die Gesamtverluste der Italiener— 50 000 Gefangene— insgesamt also etwa 150 000 Mann einschließlich der Toten und Verwundeten bedenkt, so zeigen diese am besten, wer der Geschlagene in diesem Falle ist. Im übrigen ist es in der Kriegsgeschichte schon häufig genug vorgekommen, daß der Sieger trotz seines errungenen taktischen Vorteils nach der Schlacht rückwärtige Bewogungen antrat, die durchaus vorübergehender Natur waren und ihren operativen Zweck erst später offenbarten. In diesem Falle waren es lediglich Naturgewalten, welche den Entschluß der österreichisch-ungarischen Heeresleitung reifen ließen, der bei den gegebenen Verbältnissen der einzig richtige ist. Trotz alledem hat der Vorstoß seinen Zweck erfüllt und die italienische Front nicht nur gebunden, sondern auch ihre Reserven derartig durcheinander gewürfelt, daß Diaz längere Zeit brauchen wird, um sie wieder sachgemäß zu gruppieren. Ob ihm unsere Bundesgenossen diese Zeit lassen werden, erscheint fraglich. Die Nachwirkung des Vorstoßes scheint sich aber auch auf die gesamte Westfront auszudehnen; denn es mehren sich allerhand Nachrichten, daß die 5 in Frankreich befindlichen italienischen Divisionen zurückbefördert werden sollen, womit die erste Angriffshandlung unseres Bundesgenossen auf die Gesamtlage im Westen operativ eingewirkt hätte. Aber nicht nur in Italien, sondern auch bei der übrigen Entente werden augenblicklich Vorschußlorbeeren genommen. Das pflegt immer so zu sein, wenn bei uns anscheimnend eine Kampfpause eingetreten ist und dafür die feindlichen Staatsmänner ihre Redeoffensive beginnen. Lloyd George hat eben erst wieder betont, daß man auf neue Schläge durchaus gefaßt sei und sie nicht fürchte; man wäre gewappnet. Er hat wieder auf die amerikanische Hilfe vertröstet, sich vorsichtigerweise aber gehütet, Zahlen anzugeben. Wie es um diese Hilfe aussieht, wissen wir ganz genau und verstehen Lloyd George's Vorsicht, keine Zahlen zu nennen. Aber immer tritt das Bestreben der Entente in diesen Reden deutlich hervor, auf unsere Stimmung nachteilig einzuwirken und uns dadurch gefügiger zu machen. Dem können wir nur immer wieder das feste Vertrauen in unsere Heeresleitung und in unser Heer entgegensetzen und Lloyd George nachdrücklich antworten, daß nach Überzeugung des deutschen Volkes dieser Feldzug nicht durch Reden, sondern durch Taten entschieden werden wird. Alsdann mag die Zeit für die Staatsmänner gekommen sein. Z. der Osterreichisch=Ungarische heeresbericht. WTB. Wien, 27. Inni. Amtlich wird verlautbart: Bei Brzzacca, im Etsch=Tale und auf der Zugna scheiterten italienische Erkundungsvorstöße. Der heiß umstrittene Col del Rosso, der am 15. Juni von der ruhmreichen EdelweißDivision im Sturm genommen und seither in den schwersten Kämpfen siegreich behauptet wurde, wurde gestern vormittag nach schwerstem Trommelfeuer abermals durch starke Kräfte angegriffen. Es war für den Feind ein vergebliches Beginnen, seine Kampftüchtigkeit mit der unserer Salzburger, Kärnter, Ober= und Niederösterreicher zu messen, an deren Tapferkeit alle Angriffe zerschellten. Die jungen Regimenter 107 und 114, von unserer Artillerie in allen Gefechtsphasen mustergiltig unterstützt, haben sich eines Geistes mit ihren altbewährten Stammtruppen, dem 59., 7., 14. und 49. Regiment, gezeigt. Der Feind erlitt eine schwere Einbuße an Toten und Verwundeten und ließ zahlreiche Gefangene in unserer Hand. Bei Ponta di Piave versuchte der Italener, in Booten unsere Ufer zu gewinnen. Er wurde zusammengeschossen Der Chef des Generalstabes. WTB. Wien, 28. Juni. Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Die schweren Kämpfe auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden, östlich der Brenta dauerten am 24. 6. noch bis in die Dunkelheit fort. Um jeden Preis wollte der Gegner seine am 15. 6. verlorenen Stellungen wiedergewinnen. Die heftige, stellenweise zum Trommelfeuer gesteigerte Artillerietätigkeit leitete seine Aktionen ein, die überall erfolglos blieben. Am Col del Rosso wies das Infanterie=Regiment Nr. 114 zwei starke feindliche Angriffe ab. Am Monte Asolone, wo der Feind in den Abendstunden zum siebenten Male gegen unseree Linien vorstürmte, warf ihn ein Gegenstoß unserer Reserven unter schwersten Verlusten restlos zurück. An anderen Abschnitten der Gebirgsfront konnten unsere Feldwachen nach erfolgreichem Kampfe merklich vorgeschoben werden. Im Laufe der Nacht brachen mehrere seindliche Vorstöße beiderseits der Brenta schon im Abwehrfeuer zusammen. In diesen Kämpfen machten wir einige hundert Gefangene. Infolge der erlittenen außerordentlichen Verluste wiederholte der Gegner am 25. 6. seine Angriffe nicht. WTB. Bern, 28. Juni. Barzini meldet dem Corriere della Sera von der italienischen Front, daß die kleinen italienischen Vorstöße im Gebirge an den letzten Tagen hauptsächlich unternommen wurden, um festzustellen, ob die Schlagkraft und die Moral des österreichischen Heeres durch den Piaverückzug erschüttert seien. Dies müsse nunmehr verneint und deshalb über kurz oder lang mit einem neuen österreichischen Vorstoß gerechnet werden. WTB. Vern, 28. Juni. Bei einer Kundgebung der Be amten des Schatzministeriums anläßlich des österreichischen Rückzuges, erklärte Schatzmintster Ritti u. a.: Er verstehe zwar die hochgehenden Wogen der Begeisterung in Italien, empfehle aber, sich mit Gleichmut unerschütterlicher Zuversicht auf weitere harte Kraftproben gefaßt zu machen, da es falsch wäre, sich über die Dauer des Krieges Täuschungen hinzugeben. Der Krieg werde sich noch lange hinziehen und noch lange seine stahlharte Faust fühlen lassen. Der Feind werde den gescheiterten Versuch erneuern. Paris als Rriegszone erklärt. TU. Wie der Secolo aus Paris meldet, unterzeichnete der Präsident ein Dekret, welches die Departements von Paris und der Seine als Kriegszone erklärt. Das Dekret habe nur militärische Bedeutung. Alle Verwaltungsbehörden bleiben auch ferner von ihren betreffenden Ministern abhängig. Die Maßregel wird wahrscheinlich die Schwierigkeiten vermehren für diejenigen, die von anderen Orten Frankreichs nach Paris reisen wollen. TU. Die Veröffentlichung der offiziellen Vorschriften erfolge, um unbemittelten Personen das Verlassen von Paris zu ermöglichen. Danach erfolgte die Ausgabe von Fahrkarten auf den Staatsbahnen der Orleansbahn und der Strecke Paris=Lyon zu ermäßigten Preisen für Familien, die bis 600 Frank Miete bezahlen. Der Kulturkampf der Neger gegen Deutschland. Die französische Heeresleitung hat bekanntlich an der Reimser Front schwarze Kolonialtruppen eingesetzt, die hier unter dem konzentrischen Feuer der deutschen Batterien ungeheuerliche Verluste erleiden. Über die„Kulturmission“ dieser armseligen Sklaven des französischen Imperialismus weiß nun in dem„neutralen“ westschweizerischen„Journal de Geneve“ der genugsam bekannte Militärkritiker Oberst Feyler folgende erstaunliche Ausführungen zu machen: Die Neger haben den deutschen Angriffen auf Reims tapfer stand gehalten. Sie haben es nicht für überflüssig erachtet, ihre Zivilisation gegen diejenige zu verteidigen, deren Gesandte die deutschen Behörden in Belgien, Serbien, Polen und Armenien sind. Sie haben es vorgezogen, sich nicht näher mit Leuten einzulassen, die Gott in seiner Gnade in den Dienst Kaiser Wilhelms für den Triumph des Rechts, der Freiheit, der Ehre und der deutschen Moral gestellt hat. Das alles haben die Neger in Reims nicht gewollt. Es ist mehr: Der Kampf spielt sich zwischen zwei Prinzipien ab. Die Menschheit wird sich freuen, daß in Reims das Negerprinzip den Sieg davongetragen hat. Amerikas„Verteidigungs"maßnahmen. TU. Die Finanzkommission des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten hat einen neuerdings von der Regierung geforderten Kredit in Höhe von 5435 Millionen Dollars genehmigt. Ein Teil dieses Betrages soll u. a. verwendet werden für die Verteidigung des Landes gegen deutsche Angriffe aus der Luft und vom Meere her. Die schweren Geschütze werden sämtlich auf Eisenbahnwagen oder besonders dazu hergerichteten Automobilen montiert, um sie schnell von einem Frontabschnitt zum anderen transportieren zu können, denn man rechnet damit, daß der Schützengrabenkrieg endgültig dem Bewegungskrieg Platz gemacht hat. die Gegenrevolution in Rußland. Trotzki hat in einem Notruf an das russische Volk zugegeben, daß die tschecho-slowalischen Aufrührer im Verein mit den Gegenrevolutionären 10 große Städte im Osten Rußlands besetzt haben. An der Spitze dieser weißen Garde scheint der aus Perm entflohene Großfürst Michael zu stehen. Bezeichnend für die Auffassung der russischen Gegenrevolutionäre ist der Aufruf des Großfüsten an das russische Volk. Er fordert darin dieNiederwerfung derBolschewistenherrscha,t und die endliche Einberufung einer gesetzgebenden Versammlung, die über die russische Regierungsform und auch über — die Würde des Großfürsten selbst entscheiden soll. Damit ist das monarchistische Prinzip der Gegenrevolutionäre nur schwach verhüllt ausgesprochen. Während sich so die Gegenrevolution ausbreitet wie ein Ölfleck, wird die Stellung der Bolschewisten auch in den Gebieten, die sie unbedingt beherrschen, von innen heraus unterhölt. Neben den Lebensmittelnöten hat Trotzki den schärfsten Kampf gegen die Bourgeoisie angekündigt und Maßnahmen in Aussicht gestellt, die sich von denen Robespierres nicht unterscheiden. Der Sieg der Bolschewisten bei den Wahlen in Petersburg ändert nichts an der Tatsache, daß die Bolschewisten großen Schwierigkeiten gegenüberstehen. TU. Die Züricher Morgenzeitung erfährt, daß die gegenrevolutionäre Bewegung in Rußland sich täglich verschärft und daß man mit dem Sturz der Bolschewikf rechnen müsse. Allgemein bezeichnet man Kerenski als den kommenden Mann. bb. Die„Times“ berichtet aus Petersburg, daß bekannt gegeben wurde, daß in den nächsten drei Tagen Brot oder Kartoffeln nicht verabreicht werden. Die Bevölkerung muß von Dörrgemüse leben. Männer und Frauen sinken vielfach erschöpft auf der Straße nieder. TU. Aus Moskau meldet Havas: Der erste Versuch, nach dem Plane Lenins bewaffnete Arbeiter auszusenden, um Nahrungsmittel aus den Dörfern aufzutreiben, ist kläglich gescheitert. Eine Abteilung bewaffneter Arbeiter kam in ein Dorf in der Umgebung von Nowgorod. Die Bauern weigerten sich, Nahrungsmittel herzugeben. Darauf wollten die Arbeiter selber nach Nahrungsmitteln suchen, worauf sie von den Bauern angegriffen wunden, die 27 Arbeiter töteten, 8 verwundeten und die übrigen gefangen nahmen. der Exzar doch ermordet. genheiten, unterzeichnete Depesche erhalten, wonach der zwischen Jekaterinenburg und Perm ermordet worden ist. Hiermit hat sich ein Schicksal vollzogen, das von den höchsten Höhen der Menschheit durch eigene Schuld zum Abgrund führte. Durch die Schwäche und Nachgiebigkeit des Zaren entstand der Weltkrieg, und ihm fiel er zum Opfer, wie er auch Millionen seiner Untertanen dem Machthungen u. seinen utopischen Ideen opferte. Der Zar erreichte ein Alter von 50 Jahren. 1894 vermählte er sich mit der Prinzessin Alix von Hessen und bei Rhein, aus welcher Ehe 4 Töchter und 1 Sohn, der jetzt 14jährige ehemalige Thronfolger Alexej Nikolajewitsch, entsprossen sind. TU. Wie das ukrainische Telegraphen=Büro in Kiew meldet, bestätigt sich die Nachricht von der Ermordung des früheren Zaren durch bolschewistische Truppen, die auf dem Rückzuge nach Jekaterinenburg waren. WTB. Darmstadt, 28. Juni. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, scheint sich das Gerücht von der Ermordung des früheren Zaren nach hier eingelaufenen Nachrichten nicht zu bestätigen. Die angeblichen Zustände in Petersburg. TU. Nach einer Meldung der Times aus Petersburg ist die Lebensmittelversorgung der dortigen Bevölkerung auf einem kritischen Punkt angelangt. Die Nowisa Wjed schreibt: Die hungrige Bevölkerung sucht überall auf den Müllhaufen, um noch etwas Eßbares zu finden. Sogar der Kleister von den Plakaten, die man an den Straßenecken klebt, wird für Ernährungszwecke gesammelt. Hunderte von bewaffneten Arbeitern werden von der Petersburger Gemeindeverwaltung ausgeschickt, um überall Getreide für die hungrigen Stadtgebiete aufzuspüren. Man erwartet einen Zusammenstoß zwischen diesen fouragierenden Truppen und den Bauern, die sich weigern, Lebensmittel abzugeben. Ein Zug mit Lebensmitteln wurde neulich auf der Straße Petersburg=Wlaike überfallen, die Wagen ausgeplündert und die Begleitung getötet. Bestrebungen für eine russische Monarchin. TU. Der Kadettenführer Miljukow und der Oktobristenführer Gutschkow trafen nach Kiewer Blättern in Charbin ein und stellten sich an die Spitze der gegenrevolutionären Bewegung. Die gegenrevolutionären Bestrebungen sind hauptsächlich monarchistischer Natur. Die Monarchisten haben, so teilen Kiewer Blätter weiter mit, jetzt in jeder Stadt Abteilungen, die im Besitze von Waffen und Munition sind. Sogar in der Roten Armee und unter den Arbeitern finden sie meist ihre Anhänger. Im Falle der Herstellung der Monarchie soll eine Vereinigung der Ukraine, Bessarabiens und der Krim mit Rußland angestrebt werden. Kerenskis Aufwiegeleien. TU. Einem Vertreter der Daily Chroniele erklärte Kerenski, daß nach seiner Ansicht die Verbündeten gegen die Bolschewiki Stellung nehmen müßten, da diese Feinde der russischen Demokratie seien. Die Bolschewiki fänden bei den Bauern nur wenig Unterstützung. Kerenski tritt mit Nachdruck für eine Intervention der Alliierten in Rußland ein, was nach seiner Ansicht nicht zu verhindern brauche, daß Japan den größten Teil der Truppen stelle. Diese Intervention müsse rein militärischer Art und gegen Deutschland gerichtet sein, ohne sich in die russische Politik einzumischen. Nikolaus II. TU. Der Frankfurter Zeitung wird aus Bernstadt gemeldet: Der Großherzogliche Hof hat aus Moskau eine von Tschitscherin, dam Volkskomm r auswärtige AngeleArbeiterkonferenz in Lonaon. WTB. Der„Nieuwe Notterdamsche Courant“ meldet noch folgendes über die Sitzung der Londoner Arbeiterkonferenz: Nach der Rede des Präsidenten des Bergarbeiterverbandes, Smillie, der die Hoffnung aussprach, daß das Ende des Burgfriedens für die Ergänzungswahlen auch das Ende der Beziehungen der Arbeiterpartei zur Regierung bedeuten würde, waren fast alle Reden gegen die Regierung gerichtet. Die Redner setzten sich für den Rücktritt der Minister der Arbeiterpartei ein. Minister Barnes sagte u. a.: Der Beschluß, den Burgfrieden aufzuheben, würde die Minister der Arbeiterpartei in eine wenig beneidenswerte Lage versetzen. Er gehe von Personen aus, die in den letzten Jahren alles versucht hätten, aus der Kriegsmüdigkeit Münze zu schlagen. Diese Menschen hätten von Anfang an jeder Regierung Steine in den Weg geworfen. Sie hätten Gerüchte über Finanzleute im Auslande verbreitet und hätten alles getan, um das Volk von denjenigen, die den Krieg führen, zu trennen. Clynes sagte am Schluß seiner Rede: Die Frage, um die es sich handele, sei folgende: Ist die Arbeiterpartei jetzt, wo sie ihre Friedensbedingungen aufgestellt hat, bereit, für die Bedingungen zu kämpfen? Der parlamentarische Berichterstatter der„Times“ schreibt, daß die 8 Mitglieder der Arbeiterpartei, die der Regierung angehören, heute über ihre Lage beraten. Auf Grund guter Informationen kann mitgeteilt werden, daß die Minister der Arbeiterpartei den Beschluß der Konferenz als sehr ernst betrachten. Er läuft in ihren Augen auf eine Kriegserklärung hinaus. May befürchtet, daß er zu einer definitiven Spaltung in den Reihen der Partei führen wird. TU. Auf dem Kongreß der englischen Arbeiter sagte, was Reuter unterschlug, Henderson u. a., daß die Regierungen der Alliierten nicht das Ziel verfolgen, den deutschen Militarismus zu vernichten, denn es sei falsch, anzunehmen, daß der Krieg durch eine Niederlage des deutschen Militarismus beendet werden könnte. TU. Aus London wird gemeldet: Der schwedische Sozialistenführer Branting ist in London angekommen, um an der Arbeiterkonferenz teilzunehmen. WTB. London, 28. Juni.(Reuter.) Kerenski erschien nachmittags auf der Arbeiterkonferenz u. wurde, von Henderson der Versammlung vorgestellt, mit lebhaftem Beifall empfangen. Er sagte: Ich betrachte den Empfang, der mir zuteil geworden ist, als Sympathiekundgebung für die russische Demokratie, die für das uns allen so teure Ideal kämpft. Ich komne direkt aus Moskau und halte es für meine Pflicht, als Staatsmann und Sozialist, dem englischen Volke und den Völkern der ganzen Welt mitzuteilen, daß das russische Volk, die russische Demokratie gegen die Tyrannei kämpfen. Darussische Volk kann nicht gebrochen, kann nicht unterdrückt werden. Ich glaube, ja ich bin dessen sicher, daß das russische Volk sich Ihnen bald für die große Sache der Freiheit anschließen wird.— Als Kerenski seine Rede beendet hatte, fragte ein Delegierter, als wessen Delegierter Kerenski spreche und fügte hinzu, wenn Kerenski hat kommen können, weshalb te Troelstra nicht kommen? Der Vorsitzende erklärte, daß eine solche Frage gegenüber einem Manne wie Kerenski eine große Beleidigung sei. Es entstand ein großer Tumult. Endlich wurde fast einstimmig beschlossen, daß der Delegierte, der die Störung verursachte, weggehen müsse. TU. Die holländische Presse steht den Erklärungen Kerenskis sehr skeptisch ge nüber. Der Nieuwe Courant z. B. meint, eine organisiert Kriegsmacht Rußlands gehöre zu den absoluten Unmöglichkeiten. Höchstens könnten Freischärlerabteilungen gebildet werden, die das Leben und die innere Verwaltung Rußlands noch zerrissener und unmöglicher machen würden. 20000 Tonnen versenkt. WTB. Berlin, 28. Juni.(Amtlich.) Das unter dem Kommando des Kapitänleutnants Jesa stehende U-Boot hat in der Jeischen See und deren Zufahrtsstraßen 3 besonders wertvolle Dampfer von je 5—6000 BRT. Größe versenkt. 2 dieser Dampfer wurden aus starken nach England einlaufenden Geleitzügen herausgeschossen. Im ganzen nach neu eingegangenen Meldungen unserer A=Boote versenkt: 20 000 Brutto=Register=Tonnen. Der Chef des Admiralstabes der Marine. der Friedensvertrag mit Rumänien im hauptausschuß des Reichstages. WTB. Berlin, 27. Juni. Der Hauptausschuß des Reichstages setzte heute die Beratung der rumänischen Friedensverträge beim Zusatzantrag über die wirtschaftlichen Beziehungen fort, zu dem Ministerialdirektor v. Körner u. a. ausführte: Der wirtschaftliche Teil des Friedensvertrages besteht aus zwei Abmachungen, einmal aus dem Zusatzvertrage zwischen uns und Rumänien und dem Sonderabkommen zwischen uns und Österreich=Ungarn einerseits und Rumänien andererseits. Der Zusatzvertrag setzt den Handelsvertrag mit einigen zum Teil recht wesentlichen Modifikationen zu unseren Gunsten wieder in Kraft. Der gesamte rumänische Zolltarif ist gebunden, während wir uns für unseren Vertragstarif das Recht dreimonatiger Kündigung vorbehalten haben. Die Konzessionen, die anderen Ländern zu unseren Gunsten gemacht worden sind, sollen aufgehoben werden. Das Sonderabkommen zerfällt in ein Petroleumabkommen, ein Wirtschaftsabkommen und ein Schiffahrtsabkommen. Das Petroleumabkommen soll uns die Überschüsse der rumänischen Petroleumindustrie sichern, ohne den Betrieb der bestehenden deutschen Petroleumgesellschaften in Rumänien zu hindern. Das Wirtschaftsabkommen sichert Deutschland und Österreich-Ungarn die Überschüsse der landwirtschaftlichen Erzeugnisse Rumäniens. Für die beiden ersten Jahre ist ein fester Kauf abgeschlossen, für die späteren Jahre besteht Optionsrecht. Das Schiffahrtsabkommen bezweckt eine Gleichstellung von deutschen Schiffen und Ladungen mit denen anderer Meistbegünstigungen. Zur Frage der Durchfuhrschwierigkeiten erklärt Körner u. a.: Die Durchfuhrschwieriakeiten, die uns österreich=Ungarn macht, werden immer mit den Durchfuhrschwierigkeiten begründet, die wir Österreich=Ungarn nach Holland und den skandinavischen Reichen bereiten. Das Auswärtige Amt tut alles, um diese Schwierigkeiten aus der Welt zu schaffen. Wenn es gelingen sollte, ein engeres Wirtschaftsverhältnis mit Österreich=Ungarn herzustellen, werden vermutlich auch diese Schwierigkeiten fortfallen. Bei den Bestimmungen über die Beseitigung von Konzessionen, welche etwa während des Krieges eingeräumt worden sind, ist Gegenseitigkeit aur Wunsch Rumäniens bestimmt worden. Eine praktische Ledeutung hat das nicht, da wir während der Kriegsdauer derartige Konzessionen nicht erteilt haben und diese Bestimmung nur für diese Zeit gilt.— Geheimrat Scholz erklärt hierzu, daß es sich bei der österreichisch-ungarischen Ausfuhr nach Holland zum Teil um Kohlen aus dem Ostrauer Revier handelte, zu einer Zeit, wo Deutschland bei der außerordentlichen Inanspruchnahme seiner Eisenbahnen darauf habe sehen müssen, jede unnötige Beförderung auf weite Strecken zu vermeiden. Rumäniens Stellung zu den Mittelmächten. TU. Bukarest, 28. Juni. In der Antwortadresse des Senats auf die Thronrede heißt es über die internationalen Beziehungen: Wir müssen anerkennen, daß die Mittelmächte, obgleich der Krieg mit uns kaum beendet ist, unsere Vereinigung mit Bessarabien woh wollend betrachten. Diese Hal tung ist geeignet, die Wiederherstellung der alten Beziehungen zu erleichtern. Die Unterzeichnung des Friedens gestattet uns, formale Beziehungen zu den alten Staaten zu unterhal ten, und wir haben keinen anderen Wunsch, als diese Beziehungen auch auf unsern Nachbarn im Osten, die Ukraine, auszudehnen. Amnestieerlaß für alle verurteilten Deutschen in Rumänien. Bukarest, 28. Juni. Das rumänische Amtsblatt veröffentlicht einen vom König Ferdinand unterzeichneten Amnestie=Erlaß. Es werden alle deutschen Staatsangehörigen, die wegen eines Vergehens zugunsten ihres Vaterlandes oder wegen Verstoßens gegen die Ausnahmegesetze für feindliche Staatsangehörige gerichtlich verfolgt werden, begnadigt. Allen deutschen Staatsangehörigen, die wegen der obigen Vergehen bereits verurteilt sind, wird die Strafe erlassen, ebenso allen denjenigen Deutschen, die sich wegen der Internierung eine Verurteilung zugezogen. Militärische Vorlagen. Berlin, 27. Juni. Der Reichstagsausschuß für die Bera tung der militärischen Vorlagen begann die Beratung des Gesetzes auf Anderung der Wehrpflicht in der Richtung daß die ausgebildeten Angehörigen des Landsturms in Zukunft der Reserve oder der Landwehr zugeführt werden sollen. Von der Regierung wurde dazu erklärt, daß diese Vorlage einen Ausgleich schaffen solle zwischen dem Dienstverhältnis der aktiven Mannschaften und den militärisch zusgebildeten, noch in dem entsprechenden Lebensalter ste henden Landsturmpflichtigen. Aus der Mitte des Ausschusses vurde jedoch die Aussetzung der Beschlußfassung verlangt, damit sich erst die Fraktionen eingehend mit ihr beschäftigen sönnen. Die zweite Lesung der Vorlage auf Milderungen m Militärstrafgesetzbuch bestätigte die Beschlüsse erster Leung; jedoch wurde eine der über die Vorlage hinausgehenen Milderungen, gegen die die Regierung Bedenken getußert hatte, in die Form einer Entschließung gekleidet. Gleichfalls angenommen in zweiter Lesung wurde die Vorage auf Heranziehung der Heeresunfähigen zum militärichen Arbeitsdienst. Ihre Dauer wurde aber auf die Zeit bes jetzigen Krieges beschränkt. esjähr. Regierungsjubiläum des hamburger Burgermeisters. WTB. Hamburg, 28. Juni. Der Kaiser sandte an Bürgermeister Predoehl zum heutigen Erinnerungstage seiner vor 25 Jahren erfolgten Wahl im Senat folgendes TeleFramm: An dem Tage, an dem Sie auf eine 25jährige Tätigkeit als Mitglied des Hamburger Senats zurückblicken, eine reich an Arbeit und Erfolgen, gedenke ich Ihrer mit wärmsten Glück= und Segenswünschen. Sie haben an Ihrem Ceile mitgewirkt an der vorbildlichen Entwicklung, die in den letzten Jahrzehnten bis zum Kriegsausbruch die alte hansastadt zu neuer Blüte geführt hat. Durch zähe Arbeit und gesunden Unternehmungsgeist hatte sich Hamburg eine Bedeutung in der Welt erkämpft, worauf das ganze deutsche Paterland stolz war. Möge es Ihnen vergönnt sein, auck in der kommenden Friedenszeit ihre Kräfte dem Wiederaufbau von Handel und Schiffahrt zu widmen und es zu erleben, wie die durch den Krieg geschlagenen Wunden heilen und sich überall neues, kräftiges Leben veg. Wilhelm I. R. Auch eine Ludendorff=Spende. Hamburg, 28. Juni. Anläßlich des 25jährigen Regierungsjubiläums des Bürgermeisters Predoehl gingen verschiedene Telegramme, u. a. vom Senat von Lübeck und vom Reichskanzler, ein, das folgenden Wortlaut hat: Da, Eurer Magnifizenz mit hoher Befriedigung auf eine 25jährige und erfolgreiche Wirksamkeit im Senat der Freien und Hansastadt Hamburg zurückblicken können, bitte ich Sie, meine aufrichtigsten Glückwünsche entgegennehmen zu wollen. Möge es Ihnen vergönnt sein, auch weiterhin noch eine Reihe von Jahren zum Wohle Hamburgs und des deutschen Vaterlandes an so hervorragender Stelle tätig zu sein und mitzuhelfen am großen Werk der Wiederaufrichtung deutscher Weltwirtschaft nach einem glücklich beendeten Kriege. Reichskanzler Graf Hertling. Aus westdeutichland. Köln. 28. Juni. In der Bürgergesellschaft fanden un ter Leitung von Freiherrn Klemens von Loë, Burg Bergerhausen, die Generalversammlungen der genossenschaftlichen Zentralinstitute des Rheinischen Bauernvereins statt. Nach dem in der Generalversammlung der Rheinischen VauernGenossenschaftskasse erstatteten Geschäftsbericht betrug der Umsatz im Jahre 1917 rund 1115 000 000 M. Die Bilanz schließt ab mit einem Reingewinn von 107 880 M(93 760 M). In der anschließenden Generalversammlung des Verbandes rheinischer Genossenschaften betonte der Verbandsvorsteher, Freiherr Clemens von Loö, die Bedeutung der ländlichen Genossenschaften in der Kriegswirtschaft. Nach dem von Genralsekretär Kerp erstatteten Geschäftsberichte gehören dem Verbande 775 ländliche Genossenschaften mit rund 80 000 Mitgliedern an. Nach dem vom Vorstande erstatteten Geschäftsbericht schließt die Bilanz vom 31. Dezember 1917 mit einem Reingewinn von 79 459,17 A ab einschl. des Vortrages von 1916 von 4056,83 A gegenüber 77 781,43 Mark im Vorjahre. Der Warenumsatz betrug 2347 400 Ztr. im Werte von 5 219 550,19 M. Köln, 28. Juni. Der Verband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein hielt im Gürzenich seine ordentliche Mitgliederversammlung ab. An Stelle von Exzellens Max Freiherr von Heydl, dem bekannten Kunstfreund, der sein Amt aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt hatte, wurde Ex zellenz von Römheld, Chef des Großherzoglichen Kabinettin Darmstadt, zum Vorsitzenden gewählt. Düsseldorf, 28. Juni. Der Vorstand der Handwerkskam mer beschloß nach einem vom Geschäftsführer der Kammer Dr. Peters aufgestellten Plane eine Reihe von Maßnahmen zur Wiederaufrichtung der durch den Krieg geschädigten Handwerksbetriebe. Zur Beschaffung von Aufträgen und insbesondere zur Beratung der Handwerker bei Ausführung der Arbeiten wird unter Aufsicht der Kammer in der Rechtsform einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung eine Wirtschaftsstelle gegründet werden, die sich auf die während des Krieges gegründeten Genossenschaftszentralen stützt. Die Rechtshilfe zugunsten der Heimkehrenden wird durch Schaf fung von Gütereinrichtungen, Einziehungsämtern und Treu stellen ausgebaut werden. Um das Verständnis für die Wichtigkeit der Übergangsmaßnahmen in weiteste Kreise zu tragen, hat die Kammer an sieben Orten des Bezirks Besprechungen mit den Leitern der Handwerkerorganisationen abgehalten, an denen sich auch die Kommunalverwaltungen beteiligten, sie lassen eine verständnisvolle Mitarbeit aller Beteiligten erwarten. Mit den während des Krieges vielfach übereilt gegründeten Lieferungsgenossenschaften wird die Kammer in besondern Lehrgängen die aus den gegenwär ligen und kommenden wirtschaftlichen Verhältnissen sich ergebenden Notwendigkeiten besprechen, auf Abstellung etwaider Mißstände drängen und Vorsorge für eine dauernde Be tätigung der Genossenschaften auch nach Rückkehr normaler Verhältnisse treffen. Mörs, 28. Juni. Die öffentliche Unsicherheit nimmt in hiesiger Gegend in geradezu erschreckender Weise zu. In Mörs wurde bei dem Metzger Pannenbecker in der Uerdinger Straße eingebrochen und ihm sein ganzer Hühnerbestand gestohlen. Ein ähnlicher Einbruch wurde in der Filderstraße ausgeführt.— Das Fahrrad gestohlen wurde einem Bürolehrling am Kreishause, während er eine Besorgung darin zu machen hatte.— In Homburg drangen Diebe in das Kaufhaus Könen, vorm. Haukamp, ein und entwendeten Waren im Werte von mehreren tausend Mark. Soliugen, 28. Juni. Die Vereinigung Solinger Stahlwarenfabrikanten hat ihre Verkaufspreise erhöht für Ta schenmesser und Scheren um 175 Proz. auf bisher 200 Proz. Zuschlag auf die Grundpreise Bei allen Artikeln der Tafelmesserfabrikation, wie Bestecke, Brot=, Schlacht=, Küchen=, Gemüsemesser, Obstbestecke, Butter= und Käsemesser- Tortenschaufeln, sind die Mitglieder gehalten, eine den jeweiligen Verhältnissen entsprechende angemessenen Erhöhung der Grundpreise eintreten zu lassen, während der bisherige Aufschlag von 200 Proz. außerdem bestehen bleibt. WTB. Herne, 28. Juni. Mittwoch abend wurden au der Zeche Shamrock in Flöz Präsident durch Zusammenbruch des obersten Teiles einer über der 6. Sohle bestehenden Banabteilung 6 Bergleute durch Kohlen- und Gesteinsmassen verschüttet. Infolge der sofort durch die Betriebsführer angeorneten und während der Nacht seitens der herbeigeeilten königlichen Bergrevierbeamten und der Werkleitung in eingehender Beratung gebilligten Rettungsmaßnahmen konnte ein jüngerer Arbeiter am Donnerstag morgen fast unverletzt herausgeholt werden. Die Rettungsarbeiten werden mit allen erdenklichen Mitteln fortgesetzt. In welchem Zusammenhang dieser Zusammenbruch eines an und für sich geringen Teiles der Bauabteilung mit den am Mittwoch abend kurz nach 11 Uhr in Herne und Umgegend verspürten Erdstoße steht, läßt sich heute noch nicht sagen. Es kann sich, ähnlich wie in früheren Jahren, um das Niedergehen von Gebirgsschichten über alten Baustellen in dem Gebiet um Herne berum handeln, sodaß der Shamrockvorfall als Teil- ober Folgeerschernung einer grozeren Gebirgsbewegung angesehen werden kann. Eine Aufklärung darüber wird erst nach eingehender fachmännischer Untersuchung herbeigeführt werden können. Dortmund, 28. Juni. Die beiden Diebe die am Bahnhof n Lüdinghausen festgenommen wurden, die Arbeiter Raven aus Annen und Siemens aus Hiltrup, stehen im Verdacht, den Mord an der Frau Tölke in Huckarde begangen zu haben. Der Verdacht folgert sich aus dem Umstand, daß die beiden erwiesenermaßen Brotmarken verkauft haben und bei dem Raubmord an der Frau T. Brotmarken gestohlen sind. Lünen, 28. Juni. In der letzten Stadtverordnetensitzung wurde beschlossen, die Stadt Lünen mit einem Stammkapital von 4000 A bei der in Münster neuzugründenden gemeinnützigen Genossenschaft„Westf. Heimstätte" als Mitglied anzumelden. Ferner sollen die Sparkassenüberschüsse in Höhe von 81 000 A für wohltätige Zwecke, wie Ludendorff spende, Säuglingsfürsorge, Kriegswohlfahrtspflege usm Verwendung finden. Unna, 28. Juni. Wegen mancherlei Vergehen wurde ein auf dem Bureau tätig gewesener Gefreiter vom hiesigen Ersatzbataillon festgenommen. Der Verhaftete stellte gegen entsprechende Bezahlung Urlaubsscheine aus, fälschte die militärischen Ausweispapiere und ließ sich umfangreiche Unterschlagungen und sonstige Betrügereien zu schulden kommen. Hamm, 28. Juni. Die jetzige Verteilung von Einmachzucker machten sich mehrere hiesige Angestellte zunutze, um einen sehr einträglichen Zuckerhandel ins Werk zu setzen. Sie stahlen größere Mengen Zuckermarken und kauften dafür Zucker ein, den sie in Dortmund und Münster für 3,70 das Pfund veräußerten. Bisher sind in der Angelegenheit zwei Verhaftungen erfolgt Arnsberg, 28. Juni. Die Waldbeerernte fällt im Sauerland dieses Jahr schlechter aus wie in den beiden Vorjahren. Der Frost im Frühjahr hat den Beeren sehr geschadet. Auch die Dürre hat die Entwicklung der noch vorhandenen Beeren gehemmt. Es ist nicht anzunehmen, daß die letzten Niederschläge hieran noch viel ändern. Die Preißelbeeren versprechen nach dem Blütenansatz ebenfalls keinen guten Ertrag. Aus aller welt. Der Reichskanzler im Großen Hauptquartier. TU. Berlin, 27. Juni. Die Vossische Zeitung berichtet: Reichskanzler Graf Hertling begibt sich, wie wir erfahren, morgen zu wichtigen Besprechungen ins Große Hauptquartier. TU. Wie die Berliner Morgenpost erfährt, steht die Neise des Reichskanzlers ins Große Hauptquartier in keinem Zusammenhang mit den jüngsten politischen Vorkommnissen. Bundesratssitzung. Berlin, 28. Juni. In der Sitzung des Bundesrats wurden angenommen der Entwurf eines Gesetzes über die abermalige Verlängerung der Legislaturperiode des Reichstags, der Entwurf eines Gesetzes betr. den Landtag für ElfaßLothringen; der Entwurf einer Bekanntmachung von wirtschaftlichen Maßnahmen für die Übergangswirtschaft auf dem Textilgebiet; der Entwurf eines Gesetzes zur Abänderug des Paragraphen 1 Abs. 1 des Gesetzes betr. Bürgschaften des Reichs zur Förderung von Kleinwohnungen für Reichs=Militärbedienstete vom 10. Juni 1914; der Entwurf eines Gesetzes betr. Feststellung eines Nachtrags zum Reichshaushalt für das Rechnungsjahr 1918. Die Pariser Presse zur Kühlmann=Rede. TU. Die Pariser Blätter heben die Bedeutung der Kühlmannschen Rede, insbesondere den Passus über einen Verständigungsfrieden hervor. Petit Journal macht den Versuch, die Unschuld der Entente am Ausbruch des Krieges darzulegen. Echo de Paris weist auf die Bedeutung des wirtschaftlichen Druckes der Entente hin. Unter den übrigen Stimmen verhält sich lediglich der Matin und der Homme libre ablehnend. Beide Blätter behaupten, der Friede könne nur durch militärische Erfolge errungen werden. Straßburg, 28. Juni. Seine Frau erschossen aus Unvorsichtigkeit hat ein in der Polygonstraße wohnender Zollassistent. Er reinigte ein Gewehr, wobei er den Abzug berührte, so daß plötzlich ein Schuß losging, der augenblicklich den Tod der getroffenen Frau herbeiführte. München, 2 l. Juni. In Kleinlangheim in Bayern überreichte ein Spielkamerad dem 10jährigen Landwirtssohn Andreas Schulz eine mit Lysol gefüllte Flasche mit den Worten:„Willst du einen Schnaps trinken?" Der Angeredete trank von dem gefährlichen Inhalt und mußte unter gräßlichen Schmerzen sterben. Große Explosion in Kiew. TU. Agence Havas berichtet aus Moskau: Eine Explosion in Kiew hat große Artillerie= und Pulverdepots zerstört. 200 Häuser flogen in die Luft. Infolge der Katastrophe wurde der Belagerungszustand verhängt. vermischtes. Witze vom Tage. Im Garten des Regimentsstabes stehen Salat und sonstiges Frühgemüse in höchster Entfaltung. Gegen unbefugte Entnahmen ist der Garten mit starkem Maschendraht und Stacheldraht gesichert. Eines Morgens befindet sich ein Loch im Zaun, der Draht ist kunstgerecht zur Seite gebogen. Dabei findet sich ein Zettel mit folgender Aufschrift:„Gruß und Dank vom Stoßtrupp der 6. Kompagnie. Gelernt ist gelernt."—— Endlich— nach acht langen Tagen kommt wieder einmal Post in die Stellung! Kamerad Thausinger bekommt gleich drei Briefe, und er stürzt sich darauf mit fliegenden Händen. Aber die Nachrichten sind nicht gut: sein Altester ist im Examen durchgefallen— ein Hauptkunde hat Konkurs gemacht— den Hühnerstall haben sie ihm nachts ausgeräumt!—„Armer Kerl!“ sage ich,„das ist ein bis'l viel auf einmal!"—„Schad't nix!" meint er man freut sich doch jedesmal, wenn man Post kriegt!“ Der mißtrauische Emil. Wir unterhalten uns über den Begriff„Kameradschaft". Da fragt unser Gastgeber plötzlich seinen aufwartenden Burschen, einen waschechten Spreeathe ner:„Emil, wie denkst denn du über Kameradschaft?"— „Ick weeß nich, Herr Leitnant— wenn zu mir eener Kamrad sacht, dann will er mir wat klauen, oder er hat mir schon wat jeklaut!" Ans der Zeitung. Praktische Neuheit. Patent Flecken seife. Entfernt unter Garnatie sämtliche Flecken, selbst divon Nriegsseife. Hinreichend. Freund(zum verschuldeten Lebemann); „Und ist Ihre Braut großjährig?"— Lebemann(seufzend) „Schon zweimal!" Aus einem modernen Roman. Egon stand vom tagsmahle auf und leate sich entkräftet aufs Sofg nieder. Bekanntmachung. Das Bezirkskommando, einschließlich der Reklamationsabteilung, des Hauptmeldeamtes und der Meldeämter Iserlohn und Schwelm, ist ab 25. 3. 18 aus dienstlichen Gründen an Werktagen nur noch von 10—12½ Uhr vormittags, an Sonn= und Feiertagen von 11—12 Uhr vormittags geöffnet. Die Sprechstunden der Versorgungsabteilung sind an Werktagen von 8—1 Uhr vormittags und 3½—6½ Uhr nachmittags, an Sonntagen von 11—12 Uhr vormittags. Hagen, den 25. März 1918. Bezirkskommando Hagen. Kam... ringt das Gold! Und wisset klar: Gold im Reichsschatz bannt Gefahr. Wird des Reiches Goldschatz leer, Schwankt die Wage, wankt die Wehr. Ida Bauerhenne z. Zt. Tirol Heinz Risken Oberdräing z. Zt im Felde Verlobte im Juni 1918. Vorhalle 99 Suche sofort oder. zum Kochen Kantine. Prop. Mädchen für einige Stunden morgens gesucht. Zu erfragen in der Gechäftsstelle dieser Zeitung. für meine Fritz Steinbruchbesitzer. Mimaaaaia.. auf Eisenkonstruktionen gesucht. Friedrich Hué. Wollen Sie das praktische, technische Zeichnen und Rechnen für Walzwerk, Maschinenbau, Kesselschmiede, Brückenbau und Eisenkonstruktion, Die Gold= und Silberankaufsstelle für den Kreis Schwelm befindet sich im Kreishaus in Schwelm, Barmerstraße 41, und ist täglich vorm. von 9—12 Uhr geöffnet. Bekanntmachung Nach Mitteilung des kommandierenden Generals der Luftftreitkräfte werden im Luftsperrschutz Fesselballone verwendet. Durch plötzlich einsetzenden starken Wind oder durch Materialfehler im Kabel kann es vorkommen, daß sich Ballone losreißen und in benachbarten Gebieten zu Boden kommen. Die Ballone können trotzdem wieder verwendet werden, wenn jede mutwillige Beschädigung verhindert wird. In Anbetracht des großen Mangels an Gummistoff weise ich die Bevölkerung darauf hin, daß gefundene Ballone mit größter Sorgfalt zu behandeln und vollständig und sicher ohne Vorkenntnisse und ohne Beruföstörung, in zu bergen sind, sowie die mutwillige Beschädigung oder 4-6 Monaten, für 40 Mk(Raten 5 Mk.) unter Garantie erlernen, so Beraubung des Ballonstoffes nach den bestehenden Ge= verlangen Sie kostenlos Auskunft von August Arens, Zivil-Ing., setzen streng bestraft wird. Düsseldorf, Bergerallee 6. Rallano onthalton das hai Rarsihuen Die von mir ausgebildeten über 2500 Personen im Alter von Niedergegangene Ballone enthalten das bei Berührung 59 Jahren bekleiden Stellen als: Betriebsleiter, Techniker, mit offenem Licht hochexplosive Gemisch von Luft und Obermeister, Maschinenmeister, Monteure, Vorzeichner u. dgl Wasserstoffgas. Es darf daher niemals mit brennender Gegr. 1886.: Zahlreiche Anerkennungen.: Hohe Auszeichnungen. Zigarre, Zigarette oder offenem Licht, wozu auch die üblichen Laternen gehören, an die Ballone herangetreten werden. Noch weniger darf die Entleerung der Ballone unter Zuhilfenahme solcher Laternen vorgenommen oder bei der Entleerung gebraucht werden, da hierdurch leicht eine Explosion hervorgerufen werden kann. Um durch unsachgemäßes Bergen auch unabsichtliche Beschädigungen zu vermeiden, ist an den Balloneu deutlich sichtbar eine kleine Tasche angebracht, die eine Ausweisung über das Bergen sowie die Ortsangabe der betreffenden Luftsperr=Abteilung enthält. Die Anweisung muß unbedingt vorher gelesen werden. Für den Finder der Ballone sind Geldbelohnungen ausgesetzt, Der Landrat Harz, Geh. Regierungsrat. Lade Sonntag früh Schweine aus. Alfred Waskönig. Lade morgen früh große Schweine aus. Nathan Röttgen. Dr. Rappoport Spezialarzt für Ohren=, Nasen=, Hals= und Lungenkrankheiten. Barmen, Blelcherstr. 10. Fernsprecher 833. Ein kleines Haus 4—6 Zimmer groß, mit Garten, in Sprockhövel oder in der Nähe auf sofort oder später zu kaufen gesucht. Offerten mit Preisangabe unter H. K. 80 an die Geschäftsstelle dieser Zeitung. von 3 durchgehenden Zimmern und 1 Bodenzimmer zum 1. Oktober zu vermieten. Hauptstraße 31. Bekanntmachung d die Benachrichtigung durch längere Signale der Dampfsirene Schaub'schen Fabrik erfolgen. Die beklagenswerten Opfer unter der Bevölkerung bei feindlichen Luftangriffen auf deutsche Städte sind vielfach darauf zurückzuführen, daß die von den Behörden zum Schutz der Bevölkerung getroffenen Verhaltungsmaßregeln nicht in genügender Weise befolgt werden. Es wird daher im Folgenden das zusammengefaßt, was bei feindlichen Luftangriffen zu beachten ist, und die strengsté Befolgung der gegebenen Verhaltungsmaßregeln jedem einzelnen zur Pflicht gemacht 1. Eine rechtzeitige Benachrichtigung der Bevölkerung wird nicht immer möglich sein und nicht immer so zeitig vor dem Angriff erfolgen können, daß die Bevölkerung von der drohenden Gefahr rechtzeitig Kenntnis erhält. Vielfach wird vielmehr ein feindlicher Luftangriff nur durch das überraschende Auftreten feindlicher Flieger (Propellergeräusch) und die Einschläge der herabgeworfenen Bomben erkannt werden. In der geschlossenen Ortschaft Niedersprockhövel wird der 2. Ist ein feindlicher Luftangriff erkannt, so soll die Bevölkerung in Ruhe die Straßen und freien Plätze räumen und in die nächstgelegenen Häuser treten. Größere Ansammlungen in einzelnen Räumen sind hierbei zu vermeiden. Je besser die Verteilung der Menschen in den Gebäuden ist, desto geringer werden die Verluste sein. 3. Beim Aufenthalt in geschlossenen Räumen ist zu beachten, daß man keinesfalls zu den Fenstern und Türen hinaussehen darf. Ueberhaupt ist vor der Neugierde nicht genug zu warnen. Da Sprengstücke, die vom Boden abprallen, durch Fenster und Türen in das Innere der Räume fliegen können, stellt man sich am sichersten unmittelbar an den inneren Wandflächen neben Türen oder Fenstern auf. In den Kellern bleibe man nicht zu weit von den Ausgängen und öffne die Fenster, da sich beim Einschlagen von Bomben giftige Gase entwickeln können. Die Gasleitungen sind abzustellen. Es ist Pflicht der Hausverwalter und Hauswirte, die Haustüren während der Gefahr unverschlossen zu halten oder sofort aufzuschließen, damit Schutzsuchende Zuflucht nehmen können 4. Personen, die sich auf freiem Felde befinden und gedeckte Räume nicht schnell genug erreichen können, suchen zweckmäßig Deckung in Gräben, Gruben, sonstigen Erdvertiefungen oder bei starken Bäumen, Mauern und dergleichen. 5. Straßenbahnen müssen sofort anhalten, damit die Fahrgäste aussteigen und in die nächstgelegenen Häuser flüchten können. Es empfiehlt sich, daß bei Luftangriffen die Zentralen den Strom abstellen und dadurch sämtliche Straßenbahnen zum Halten bringen. Ein Abstellen der elektrischen Ortsbeleuchtung darf aber unter keinen Umständen hierbei stattfinden. Fahrzeuge müssen ebenfalls sofort halten, wo sie sich befinden. Der Fahrzeugführer muß bei seinen Pferden bleiben. 6. Den Anordnungen der Sicherheitsorgane(Schutzleute) ist unbedingt Folge zu leisten. Bei der geringen Zahl der vorhandenen Sicherheitsorgane ist es aber Pflicht eines jeden besonnenen Einwohner, einerlei ob Mann oder Frau, auf die übrigen, besonders auf Kinder, in geeigneter Weise, z. B. durch Zuruf, einzuwirken, daß die empfohlenen Verhaltungsmaßregeln befolgt werden, vor allem, daß größere Ansammlungen im Freien und neugieriges Ausschauen nach den Fliegern sowie jede Unruhe vermieden wird. 7. Befinden sich größere Menschenmengen zufällig in geschlossenen Räumen zusammen, so wird es in den meisten Fällen Friedr. Voß Söhne Sprockhövel empfehlen Seide für Mäntel, Kleider und Blusen. Fertige Damenblusen und Kinderkleider. Handschuhe Wäsche. und jugendl. Arbeiter Heinrich Schaub senior R. Spennemann& Co. verkaufen von unserem Lager Hauptstraße 25 eine größere Partie Haiteemühlen in bester Ware, mit geschmiedeten, doppelten Mahlwerken. Ferner Grabegabeln, Grabeschüppen u. Düngergabeln. Feilenfabrik. für Einmachzwecke. Rolle mit 1 Bogen 30 Pfg. „„ 2„ 60 Rudolf Steinbeck. Vikforia-Lichtspigle Sprockhövel, Restaurant Gustav Mühlhaus. KriegerUnterstützungs=Verein Sprockhövel. Sonntag, den 7. Juli 1919, nachmittags 4 Uhr General=Verfammlung Tages=Ordnung: 1. Nachmittags von 4—6 Uhr Zahlung der Beiträge und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Rechnungslage. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. Sonntag, den 30. Juni 1918 = Wunderschönes Programm.= Personen unter 17 Jahren haben keinen Zutritt. Nr. 1.„Im Banne des Wahns“ Großes Schauspiel in 4 langen Akten. Erster Film der Meisterwerke mit Eva Speyer in der Hauptrolle. Nr. 2.„Der Gürtel der Dollarfürstin“ Ein spannender Detektivfilm in 4 Akten. Hauptrolle: Joseph Klein vom Deutschen Theater, Berlin. Nr. 3.„Fürstin Kiki“ Heiteres Lustspiel in 2 Akten. Nr. 4.„Der meschuggene Angler“ Humor. Es ladet freundlichst ein Gust. Empfehle die noch in großer Auswahl vorrätigen billigen Damen=, Herren=, Knaben= und Mädchen=Hüte ebenso Teller=Mützen. Sämtliche Sachen sind mit Preisen im Schaufenster ausgestellt sein, keine Mitteilung von dem bevorstehenden oder bereits einge= Neu eingetroffen: ntel= und tretenen Angriff zu machen, um jede Beunruhigung zu vermeiden. Es ist das beste, wenn in solchen Fällen die Vorführungen und der in guter Qualität, 70 bis 140 Zentimeter breit, Kreis-Socken 8. Wird die Bevölkerung nachts durch Luftangriffe geweckt, so soll sie ruhig in ihren Häusern verbleiben und Deckung nehmen. Der kommandierende General: Frhr. v. Gayl, General der Infanterie, hant Wwe. Herm. Lehmhaus. Sport=Verein Sprockhövel. Mitglied des Westdeutschen Spielverbandes Am Sonntag, den 30. ds. Mts., nachm. punkt 3½ Uhr, Wettspiel der 1. Mannschaft gegen die gleiche des Sport=Vereins, Hattingen. Der Spielführer. Knappen-Unterst.- Verein Sprockhövel. Juni, Sonntag, den 30. nachmittags 5 Uhr Versammlung Der Vorstand. Turnverein„Jahn" Sprockhövel. Sonntag, den 30. Junt 1910, vormittags 9½ Aufmarschprobe und ahnenreigen. Der Vorstand. Sprockhöveler Zeitung Haßlinghauser Zeitung= Amtlicher Anzeiger für das Amt Sprockhövel= Blankenstein=Herbeder Zeitung 2. Blatt. Jugendkomp. 23., Sprockhövel Sonntag, 30. Juni 1918. Antreten 200 Uhr nachm. auf der Weide. Diejenigen Jungmannen(Beurlaubte und Mitglieder der Kapelle), die an der Marinefahrt nach Wilhelmshafen teilnehmen möchten, mögen sich bis zum 1. 7. bei den Leitern anmelden. Der Vorsitzende des Ortsausschusses für die militärische Ausbildung der Jugend Theis, Amtmann. Liebesgabensammelstelle des Amtes Sprockhövel. Für die Kriegsteilnehmer und deren Angehörigen gingen ferner ein. 135) Vom Männer=Gesangverein Sängerbund zu Obersprockhövel, Erlös aus einem Wohltätigkeitskonzert am 20. 5. 18 145.—% 136) Vom Turn-Verein„Jahn" zu Sprockhövel, Erlös aus dem Wohltätigkeitskonzert am 2. Juni 1918 125.— 137) Erlös aus einem Zitherkonzert am 2. 6. 18. 110.60%6 138) Vom Verein deutscher Kunstfreunde zu Barmen, Erlös aus einem Unterhaltungsabend am 1. 5. 18 75.— 139) Sühnegeld 30.— 36 Summa 485.60 Bisher einaeaanaen 23182.28 46 Gesamtbetrag 23667.88 06 Der Empfang der vorstehenden Beträge wird hiermit unter dem Ausdrucke des herzlichsten Dankes bestätigt; weitere Gaben werden jederzeit gern entgegengenommen. Sprockhövel, den 26. Juni 1910. Der Amtmann: Theis. Als unbenutzt gelten Wohnungen und Räumlichkeiten, wenn sie vollständig leer stehen oder lediglich zur Aufbewahrung von Gegenständen benutzt werden, die in Lagerräumen aufbewahrt werden können. Räumlichkeiten, die mit eigenen oder auf Abzahlung entnommenen Möbeln wohnungsmäßig eingerichtet sind, gelten nicht als unbenutzt. Solange sich der Kommunalverband zur Uebernahme der Wohnung oder der Räumlichkeiten nicht bereit erklärt hat, ist der Vermieter vorbehaltlich der Bestimmungen in § 1 und§ 2 dieser Anordnung in der Verfügung über die Räume unbeschränkt. § 4. Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung werden mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft. Beim Vorliegen mildernder Umstände kann auf Haft oder auf Geldstrafe bis zu eintausendfünfhundert Mark erkannt werden. Eine Zuwiderhandlung gegen§ 3 Absatz 1 liegt sowohl dann vor, wenn die Wohnung nicht freiwillig zur Verfügung gestellt wird als auch in jedem Fall, in der die vom Leiter des Kommunalverbandes ergehende Aufforderung ohne Erfolg bleibt. § 5. Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft. Münster, den 18. Juni 1918. Der kommandierende General: Frhr. v. Gayl. Verordnung Auf Grund der§§ 4 und 9b des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 und des Gesetzes betreffend Abänderung dieses Gesetzes vom 11. Dezember 1915 bestimme ich im Interesse der öffentlichen Sicherheit Folgendes: § 1. Den Vermietern wird verboten, Wohnungen oder Wohnräume, die im Bereich des 7. A.=K.belegen sind, ohne Einverständnis der Mieter zu kündigen oder nach Ablauf eines Mietvertrages an andere als die bisherigen Mieter zu vermieten oder sonst zu überlassen oder selbst in Benutzung zu nehmen, falls nicht der Leiter des Kommunalverbandes oder eine von diesem bestimmte Dienststelle oder Kommission der Kündigung usw. zugestimmt hat. Die Bestimmung in Absatz 1 gilt entsprechend für das Verhältnis zwischen Mieter und Untermieter. Die Zustimmung kann insbesondere dann versagt werden, wenn durch die Kündigung usw. die Beschaffung einer anderen geeigneten Wohnung für den bisherigen Inhaber in Frage gestellt wird oder wenn die Kündiguug usw. anläßlich des Ueberganges des Grundstückes auf einen anderen Eigentümer oder in der Absicht erfolgt, den Mietpreis in ungerechtfertigtem Maße zu steigern. In solchen Kommunalverbänden oder Gemeinden, in denen ein Bedürfnis nach Einschränkung des freien Kündigungsrechtes nicht oder nur in geringem Maße hervorgetreten ist, kann der Leiter des Kommunalverbandes von dem Erfordernis der Zustimmug Befreiung eintreten lassen und zwar entweder allgemein oder für bestimmte Fälle, z. B. für die Fälle, daß einer der Beteiligten in der Lage ist, das Mieteinigungsamt anzurufen und dessen Zuständigkeit begründet ist. § 2. Es wird verboten, ohne Zustimmung des Leiters des Kommunalverbandes oder der von diesem zu bestimmenden Dienststelle oder Kommission Räumlichkeiten, die bisher als Wohnstätten gedient haben oder zur Benutzung als selbständige Wohnung geeignet sind, zu anderen als Wohnzwecken zu verwenden oder zu vermieten. § 3. Es wird verboten, Wohnungen oder Räumlichkeiten, die allein oder in Verbindung mit anderen Räumlichkeiten zur Benutzung als selbständige Wohnung geeignet sind, unbenutzt zu lassen ohne sie binnen zwei Wochen freiwillig oder, falls dies nicht geschieht, auf Aufforderung des Leiters des Kommunalverbandes dem Kommunalverbande zu einem angemessenen Preise, dessen Höhe erforderlichenfalls von einer durch den Leiter des Kommunalverbandes zu bestimmenden Sachverständigungskommission festgesetzt wird, mit der Maßgabe zur Verfügung zu stellen, daß der Kommunalverband für eigene Rechnung die freie Verfügung darüber im Umfange der dem Vermieter zustehenden Befugnisse erhält. Als solche Räumlichkeiten gelten auch Teile von Wohnungen, die ohne Beeinträchtigung der Benutzung der üdrigen Räume von der Wohnung abgetrennt werden können. Verordnung über Frühgemüse und Frühobst. Auf Grund des§ 11 der Verordnung über Gemüse, Obst und Südfrüchte vom 3. April 1917(Reichs=Gesetzbl. S. 307) wird bestimmt: § 1. Im Gebiete des Deutschen Reiches darf in der Zeit vom 1. Juli 1918 ab Kontrollgemüse(Weißkohl, Rotkohl, Wirsingkohl, Mairüben, Möhren und Karotten) sowie Kontrollobst(Aepfel und Kirschen) für sich oder zusammen mit andern Erzeugnissen mit Eisenbahn oder Kahn nur mit Genehmigung des für den Versandort zuständigen Kommunalverbandes versandt werden. § 2. Die Landesstellen für Gemüse und Obst können mit Genehmigung der Reichsstelle a) für ihre Bezirke oder Teile davon die vorstehenden Vorschriften durch besondere Verordnung auf andere Obstarten, insbesondere Heidelbeeren, ausdehnen und bestimmen, daß diese allgemeine Verordnung bereits früher als am 1. Juli 1918 zur Anwendung kommt; b) die Genehmigungsbefugnis allgemein sich selbst vorbehalten. Das Preußische Landesamt für Gemüse und Obft darf seine Befugnisse auf die Provinzial= und Bezirksstellen übertragen. § 3. Die Erteilung der Genehmigung erfolgt kosten- und gebührenfrei. § 4. Die Genehmigung darf nur dann verweigert werden, 1. wenn hinreichende Verdachtsgründe vorhanden sind, daß beim Absatz die festgesetzten Höchstpreise überschritten worden sind; 2. wenn der Nachweis erbracht wird, daß es sich nicht um Frühgemüse oder Frühobst handelt, sondern um Herbstgemüse und Herbstobst, durch dessen frühzeitige Aberntung der Volksernährung Schaden zugefügt werden kann; 3. wenn Grund zu der Annahme besteht, daß durch den Absatz die Erfüllung ordnungsmäßig genehmigter Lieferungsverträge gefährdet würde. § 5. Wer den vorstehenden Vorschriften zuwiderhandelt, wird gemäß§ 16 der Verordnung über Gemüse, Obst und Südfrüchte vom 3. April 1917(R.=G.Bl. S. 307) mit Gefängnis bis zu einem Jahre und mit Geldstrafe bis zu zehntausend Mark oder mit einer dieser Strafen bestraft. Neben der Strafe kann auf Einziehung der Vorräte erkannt werden, auf die sich die strafbare Handlung bezieht, ohne Unterschied, ob sie dem Täter gehören oder nicht. § 6. Diese Bekanntmachung tritt mit dem Tage der Veröffentlichung in Kraft. Berlin, den 5. April 1918. Reichsstelle für Gemüse und Obst. Verwaltungsabteilung: v. Tilly. Vorstehende Verordnung über Frühgemüse und Frühobst bringe ich mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis, daß die Ortsbehörden mit der Ausstellung der Ausweise beauftragt worden sind. Schwelm, den 27. Juni 1918. Der Landrat: Harz, Geheimer Regierungsrat. Bekanntmachung Auf Abschnitt 27 der Kartoffelkarte werden an Stelle der fehlenden Kartoffeln 750 gr Graupen ausgegeben. Schwelm, den 29. Juni 1918. Kreislebensmittelamt. Bekanntmachung Der Termin zur Ablieferung der getragenen Männeroberkleidung wird bis zum 30. Juni verlängert. Nach dem 30. Juni werden Bestandsaufnahmen nach Maßgabe der Bekanntmachung des Kreisausschusses vom 14. Mai angeordnet. Schwelm, den 26. Juni 1918. Der Kreisausschuß: Harz, Landrat, Geheimer Regierungsrat. Bekanntmachung In Ausführung des Absatzes 3 der Bekanntmachung des Kreisausschusses vom 1. Mai 1916 wird folgendes bekannt gegeben: Für die Zeit vom 30. 6.-6. 7. werden ausgegeben: Margarine 62½ gr Auf Abschnitt 6 der Lebensmittelkarte Graupen 200 gr (die größere Zuteilung dient als Ersatz für das gekürzte Brot) Auf Abschnitt 7 der Lebensmittelkarte Dörrgemüse 40 gr Marmelade 250 gr Sauerkraut 250 gr Die Ortsbehörden erhalten im Laufe der Woche zur Verteilung an die Arbeiter der Rüstungsindustrie Roggenmehl oder Schrot und Fett zugewiesen. Die Zuteilung an die Arbeiter erfolgt durch die Fabriken gegen Abschnitt 2 der weißen Karte. Die Einheit beträgt 400 gr. Roggenmehl oder Schrot und 75 gr. Fett. Schwelm, den 28. Juni 1918. Kreislebensmittelamt. Bekanntmachung Die Landwirte weise ich darauf hin, daß das Verfüttern von grünem Roggen oder grünem Weizen als Grünfutter ohne meine Genehmigung nach der Bundesratsverordnung vom 20. Mai 1915 verboten ist. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 1500 Mk. bestraft. Der Landrat, Harz, Geh. Regierungsrat. Bekanntmachung Im vorigen Jahre sind unserer Liebesgaben=Sammelstelle größere Mengen Früchte und Saft für die VerwundetenPflege von Kreiseingesessenen geschenkt worden. Auch in diesem Jahre sollen solche Liebesgaben entgegen genommen werden. Die dafür benötigten Einkochgläser können, da die Vereine vom Roten Kreuz einen Teil der Kosten übernehmen, zum Preise von etwa 0,45 Mk. für ½ LiterGläser und 0,55 Mk. für 1 Liter=Gläser einschließlich Deckel, Gummiring und Verschlußbügel, auf Wunsch auch unentgeltlich abgegeben werden. Bedingung ist aber, daß die so bezogenen Gläser gefüllt an unsere Liebesgaben=Sammelstelle zur Verwertung für die Lazarette abgeliefert werden. Damit der Bedarf an Gläsern frühzeitig bestellt werden kann, wird gebeten, die Zahl der gewünschten Gläser, ½ und 1 Liter Inhalt, unserer Liebesgaben=Sammelstelle recht bald mitzuteilen. Schwelm, den 18. Juni 1918. Kreisstelle vom Roten Kreuz im Kreise Schwelm. Der Vorsitzende: Harz Landrat, Geheimer Regierungsrat. Berichte der Obersten Heeresleitung Großes Hauptquartier, 27. Juni.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Deutscher Kronprinz. Die Lage ist unverändert. Rege Tätigkeit des Feindes nördlich der Scarpe und Somme, westlich von Soissons und südwestlich von Reims. Auf der Kathedrale von Reims wurden erneut Beobachter des Feindes erkannt. Während der Nacht nahm die Artillerietätigkeit auch an der übrigen Front zwischen Yser und Marne in Verbindung mit Erkundungsgefechten der Infanterie wieder zu. Heeresgruppe von Gallwitz. Auf dem östlichen Maasufer führten wir erfolgreiche Erkundungen durch. Nördlich von St. Mihiel wurde ein stärkerer Vorstoß des Feindes abgewiesen Aus feindlichen Bombenstaffeln, die in den beiden letzten Tagen zum Angriff gegen Karlsruhe, Offenburg und das lotringische Industriegebiet vorstießen, wurden fünf Flugzeuge abgeschossen. Unsere Bombengeschwader griffen gestern Paris und auf dem Wege dorthin Bahnknotenpunkte und Flugplätze des Feindes an. Leutnant Rumey errang seinen 25. Luftsieg. WTB. Großes Hauptquartier, 28. Juni. Amtl. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Rege Tätigkeit der Engländer und Franzosen beiderseits der Somme. Auch in anderen Abschnitten zwischen Yser und Marne nahm das Artilleriefeuer am Abend zu. Heute früh steigerte sich das Feuer des Feindes beiderseits der Lys, zwischen Bailleul und Bethune und südlich der Aisne zu größerer Stärke. Unsere Artillerie nahm den Kampf kräftig auf. In einzelnen Abschnitten haben sich Infanteriegefechte entwickelt. Starker Fliegereinsatz führte zu heftigen Luftkämpfen. Unsere Flieger schossen gestern 25 feindliche Flugzeuge und einen Fesselballon ab, unsere Flugavwehrgeschütze fünf feindliche Flugzeuge. Hauptmann Berthold errang seinen 37., Leutnant Löwenhardt seinen 29., Leutnant Renney seinen 26. und 27. Luftsieg. 2. Blatt. Englands verluste. Von unserem militärischen Mitarbeiter., So schwer es den Engländern auch fallen mag, so sehr es ihren Stolz und ihre Eigenliebe verletzen muß, sie müssen sich doch entschließen, die riesigen Materialverluste und deren Folgen einzugestehen, schon um die mit der Herstellung von Kriegsmaterial Beschäftigten zu außergewöhnlichen Anstrengungen anzuregen. Wenn ein englisches Blatt sich zu dem Eingeständnis gezwungen sieht:„Wir sind in die Enge getrieben; der Ernst der jetzigen militärischen Lage liegt für jeden, der die Heeresberichte der letzten Wochen auch nur gelegentlich verfolgt hat, nur zu klar zutage"— so muß die Gefahr England so riesengroß erscheinen, daß es sogar seine Gewohnheit, alles abzuleugnen und alles im günstigsten Lichte erscheinen zu lassen, notgedrungen aufgab. Die Engländer geben unumwunden zu, daß sie mehr als ein drittel der alten Schützengrabenlinie und damit zugleich die gesamte Ausrüstung dieses Stückes der alten Front verloren haben. Soll dem Feinde Halt geboten werden, so muß ein neues Schützengrabensystem ausgerüstet werden, das mindestens so lang ist, wie das war, das die Engländer bei Beginn unserer Offensive ausgebaut und besetzt hatten. Um dem Volke die Bedeutung dieser Tatsachen möglichst klar zu machen, wird dakauf hingewiesen, daß für 1000(englische) Meilen Front Stacheldraht, tausende Tonnen Holz, ungeheure Mengen elektrischer Ausrüstungsgegenstände der verschiedensten Art, ganze Abschnitte voll Metall für Eisenbahnzwecke und rollendes Material, eine große Menge von Ausrüstung für die Wasserbeschaffung und vieles andere mehr sofort besorgt werden muß. Zwar hat die Regierung sich beeilt, zu erklären, daß alle Lücken und Verluste an Munition ausgeglichen sind. Diese Erklärung kann sich aber unmöglich auf die oben angeführten Materialien beziehen, da die oben angeführten Dinge selbstverständlich niemals unter den Begriff Munition fallen können. Es ist auch nicht daran zu denken, daß die in diesen Dingen vorhandnen Vorräte jenen plötzlich und überwältigend eingetretenen Bedarf auch nur einigermaßen ersetzen können. Daher das offene Eingeständnis anstatt des bisher so beliebten Vertuschungssystems. Es sind ganz gewaltige Mengen fehlenden Materials zu ersetzen. Man ist sich auch weiter ganz klar darüber, daß man mit Deutsche Munitionskolonne, Mannschaften und mit Gasmasken ausgerüstet. Pferde Rücksicht auf die besonders empfindlichen Lücken, die Tod, Verwundung und Gefangenschaft in das Offizierkorps der Verbündeten gerissen haben. Rücktransport der Italiener von der Westfront. TU. Der Züricher Tagesanzeiger berichtet, daß der Rücktransport der italienischen Divisionen von Frankreich bevorstehe. TU. In England scheint man anzufangen, den angeblichen Sieg der Italiener richtig einzuschätzen. So sagt der Manchester Guardian, es wäre unrichtig, heute eine große Bewe, gung der Italiener über die Piave zu erwarten. Der Rückzug der Österreicher nach den alten Linien sei keine Flucht gewesen. Man dürfe die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. will die frauzosische Regierung Paris verlassen? TU. Der Pariser Korrespondent des Secolo behauptet: In maßgebenden Pariser Kreisen befürchtet man, daß die Resiay anc, weiter gung tiar vuruber, duß man mit gierung beabsichtige, die Hauptstadt heimlich zu verlassen. Daweiteren schweren Schlägen des Feindes zu rechnen hat, die, gegen erheben sich heftige Proteste. Angeblich ziehen die wenn sie auch gar keinen weiteren Geländeverlust zur Folge Pariser es vor, die Gefahr der drohenden Beschießung aushaben sollten, doch sich in einer starken Inanspruchnahme der englischen Reserven an Leuten und Munition äußern müssen. Ebenso wenig darf vergessen werden, daß infolge der großen Tiefe, in der die Deutschen in die enalischen Stellungen eingedrungen sind, den Engländern die Benutzung einer großen Zahl von Gebäuden und Stapelplätzen unmöglich gemacht worden ist, die jetzt nahe der Feuerlinie liegen und dem feindlichen Feuer ausgesetzt sind. Das„Liverpooler Handelsblatt", das diesen Gegenstand ebenfalls behandelt, sieht sich daher veranlaßt, eine bewegliche Mahnung an das gesamte arbeitende Volk zu richten, sich lieber die eigenen ungeheuren Verluste freimütig einzugestehen, als auf Unruhen beim Feinde zu hoffen. Es habe gar keinen Zweck, eine behagliche Stimmung zu fördern, wie sie leider im Lande schon so weit aufgekommen ist, daß zu befürchten sei, es würde sich kein Mensch mehr anstrengen, falls die feindliche Bedrohung auch nur einigermaßen nachlassen sollte. Anstatt daß daher so viele Zeitungen die wichtigsten Mißerfolge beschönigen, sollten sie lieber im aanzen Volke ein lebhaftes Gefühl der Verantwortlichkeit wecken und wach erhalten, bis England seine furchtbare Aufgabe, den Endsieg zu erringen, gelöst habe. Aber gerade das Gegenteil sei der Fall, es sei nicht übertrieben, wenn behauptet würde, daß im Schiffs= und Maschinenbau die durchschnittliche Leistungsfähigkeit des Arbeiters seit Kriegsbeginn dauernd herabgegangen sei. Aber ohne daß sich nicht jeder einzelne aufs äußerste anstrenge, könne die Entscheidung nicht erzwungen werden, die jeder Engländer mit Sicherbeit für die nächste Zukunft erhoffen müsse.„Im Augenblick ist die Lage," so mahnt ein angesehenes Blatt,„kritischer als in den ersten Tagen des Krieges, wo jeder sich in seinen Leistungen aufs äußerste anstrenate. In den nächsten Monaten muß aber noch mehr als damals jedermann bis zur letzten Faser sich anstrengen. Wir müssen die Begeisterung, wie sie zu Beginn des Krieges herrschte wiedergewinnen. Der Verlust von so viel Kriegsmaterial hat auch unmittelbar und mittelbar zur Folge, daß noch mehr Schiffsraum benötigt wird. Hoffentlich erkennen die Gewerkschaften die schwierige Lage und benutzen ihre ganze Organisations= und Propagandafähigkeit, um die Arbeitsleistung des Einzelnen und der Gesamtheit derart zu beleben, daß uns der Endsieg zufällt." der Oesterreichisch-Ungarische heeresbericht. WTB. Wien, 26. Juni. Amtlich wird verlautbart: An den Fronten westlich der Etsch war die Gefechtstätigkeit in den letzten Tagen wieder lebhafter. Auf dem Zugana-Rücken schlugen wir starke, durch heftiges Geschützfeuer eingeleitete Vorstöße unter schweren Feindverlusten ab. Auf der Hochfläche von Asiago und zwischen Brenta und Piave verlief der gestrige Tag wesentlich ruhiger. Das erbitterte Ringen vom 24. Juni hat für den Italiener mit einem vollen Mißerfolge geendet, der am klarsten dadurch in die Erscheinung trat, daß ie in den meist umstrittenen Kampfgebieten auf dem Asolone und Monte Pertiva unsere dem Feinde folgenden Abteilungen beträchtliche Abschnitte seiner vordersten Linie in Besitz nahmen. So sind demnach dank der Tapferkeit und dem herzhaften Zugreifen unserer in ungebrochener Kampfkraft fechtenden Truppen alle italienischen Anstrengungen, das am 15. Juni eingebüßte Gelände zurückzuerobern, blutig gescheitert. Bei der Heeresgruppe des Feldmarschalls Boroevie keine besonderen Ereignisse. Der Chef des Generalstabes. Die Kriegslage an der Piave. TU. Über die Zurücknahme einzelner Truppenabteilungen vom Westufer der Piave meldet das Neue Wiener Tageblatt: In der regnerischen und nebeligen Nacht vom 21. zum 22. Juni gelang die Ablösung der Truppen vom Feinde so unbehelligt, daß die weitere Übersetzung unter dem Schutze kleiner Nachhuten ohne nennenswerte Verluste an Mannschaften und Material durchgeführt werden konnte. Die Gerüchte über starke Einbußen der zurückgenommenen Angriffsfront sind unbegründet. Unsere Armee wird unter günstigeren Verhältnissen umso kraftvoll die 1 fensive wieder aufnehmen.— Auch die„Zeit" stellt* t, daß die Offensive nur unterbrochen, aber nicht obgebrochen sei. Die italienische Heeresmacht bleibe wie bisher an thre Linien gebunden, die hier durch die Kampfstellungen der österreis ungarichen Armee vorgetrieben sind. Italiens Verluste. In auffallendem Widerspruch zu der halbamntlichen tarien Versicherung, daß die Verluste der Diazschen Streitträfte 100 000 Mann nicht erreichten, stehen Sondermeldungen über die notgedringene Ungruppierung aller italienischen und verbündeten Piaveaufgebote. In Diaz' Hauptwird gegenwärtig hierüber beraten, namentlich mit zuhalten, da die Eroberung durch den Feind vollständig ausgeschlossen sei. Die Unruhe bei den Ententetruppen. WTB. Am 25. Juni vormittags wurden im Östteile von Verdun zwei Explosionen beobachtet, die größere Brände zur Folge hatten.— An den in der Nacht zum 25. Juni beidereits der Straße Arras=Cambrai gescheiterten englischen Angriffe waren nachweisbar Teile von drei verschiedenen Divisionen, darunter einer kanadischen, beteiligt. Auch am 25. Juni griff die Entente wiederum an vielen Stellen der Front von der Scarpe bis Chateau=Thierry, zum Teil mit stärkeren Kräften an. In allen diesen täglichen Angriffen und Erkundungsvorstößen, die sämtlich unter schweren Feindverlusten ergebnislos verlaufen, zeigte sich die Unruhe und Unsicherheit der Entente vor neuen Ereignissen als Nachwirkung ihrer letzten großen Niederlagen zwischen der Aisne und Marne und zwischen Montdidier und Noyon. Die ungeheuren Verluste der Entente, die allein in kurzer Zeit von drei Monaten eine Million betragen, werden durch die täglichen vergeblichen Anstrengungen der Engländer, Franzosen und Amerikaner weiterhin erheblich gesteigert. Französische Mißbilligung der Rede Balfours. TU. Die Rede Balfours findet die unverhüllte Mißbilligung des Journal des Debats. Das Blatt schreibt: Man kann keinen größeren Wahnsinn begehen, als den Krieg verlieren unter dem Vorwand, daß man an den Beutezielen festhält, die man vor drei oder 4 Jahren versprochen hat. Die militärische und politische Lage ist nicht dieselbe wie 1915. „Entgegenkommen" Wilsons. TU. Daily News melden aus Newyork: In Washington herrscht die Überzeugung, daß infolge der österreichisch-ungar. Niederlage(?) der Krieg an der Westfront bald beendet sein würde(?). Wilson sei zur Durchsetzung seiner Idee eines Völkerbundes mit Deutschland als Mitglied entschlossen. In Washington erwarte man deutsche Friedensvorschläge. Mitglieder der Regierung sind sogar der Meinung, daß den Deutschen eine geeignete Grenze im Osten zugestanden werden müsse. Voraussetzung für dieses Entgegenkommen an Deutschland ist, daß die deutsche Militärautokratie aufhöre.(Alles, was bisher von Wilson gesagt und getan wurde, läßt irgendwelche Menschenfreundlichkeit Deutschland gegenüber nicht zu. die Wuhlarbeit der Entente im Osten. TU. In englischen politischen Kreisen rechnete man bereits Mitte Mai mit dem Eintreten des Kriegszustandes zwischen der unabhängigen Republik Sibiriens und dem Deutschen Reiche. Es bestanden nur Zweifel, ob die Republik Sibirien, ohne sich um die Politik der Moskauer Regierung zu kümmern, von dem beutsch-russischen Friedensvertrag zurücktreten oder regelrecht eine neue Kriegserklärung erlassen werde. Die letzte Entscheidung wird beeinflußt durch die Frage der Entsendung eines amerikanischen Expeditionskorps nach Sibirien, die bereits als sicher gilt. Falls der Anschluß der Bolschewiki an die Entente, welche Möglichkeit noch immer offen gehalten wird, auf keine Weise zu erzielen ist, besteht über die Japans kein Zweifel mehr. Das Kabinett Terauchi hatte die Entsendung japanischer Truppen nach Sibirien bereits unmittelbar nach der Unterzeichnung der japanischen Konvention Mitte Mai beschlossen. Die Bedingungen Japans, namentlich den Forderungen Amerikas gegenüber, bildeten den Gegenstand besonderer Unterhandlungen in Versailles. Angesichts der Reorganisation der russischen Armee kann das Erscheinen der Japaner in Sibirien zu unerwarteten Folgen führen. Die Reorganisation hat inzwischen erhebliche Fortschritte gemacht. Die einzelnen Militärbezirke sind bewährten hohen militärischen Führern unterstellt. An Mannschaften ist nach Feststellung von Sachverständigen bereits der Stamm für eine vollwertige Armee von 500 000 Mann vorgesehen. Amerik. Propaganda für Japans Eingreifen in Sibirien. TU. Die Propaganda in den Vereinigten Staaten zu gunsten des Eingreifens Jopans in Sibirien wird zum großen Teile aus englischen Quellen genährt. Die revolutionäre Partei der Vereinigten Staaten schwankt zwischen ihrem alt hergebrachten Mißtrauen gegen Japan und der Aussicht, in dem Kampfe um das japanische Einschreiten eine Angriffsmöglichkeit gegen den Präsidenten Wilson zu gewinnen. Unterdessen hemühen sich auch die amerikanischen Regierungskreise um das Eingreifen Japans und fordert, daß die Entente gemeinsam eine Armee von 400 000 Chinesen und 25 006 Amerikanern movilisiere. An der Spitze dieses seltsamen Heeres sol. Roosevelt(!) gestellt werden, zum min destens wied schon jetzt für ihn Neklame gemacht. . Ardon, 27. Kuns. Neuter erfährt von maßgebender japanischer Seite, daß an dem Berichte, die Entscheidung über eine Intervention in Sibirien sei getroffen, kein wahres Wort sei. Die angebliche Ermordung des Exzaren. bb.„Central News" melden nach dem russischen Blatt, „Mia", die Rote Garde hätte den Exzar in Jekaterinenburg ermordet. Es seien in der Stadt bei der Nachricht, daß Abteilungen der Tschecho=Slowaken auf die Stadt losmarschieren würden, um den Exzaren zu befreien, Unruhen ausgebrochen. Hierauf drangen Rote Gardisten mit Gewalt in die Wohnung des Exzaren ein und töteten ihn durch Revolverschüsse. Ein unerfreuliches Schauspiel. Unter dieser Überschrift schreibt die Köln. Zta.: Die politische Offensive liegt uns nicht. Mit der Kreuzzeitung hatten wir befürwortet, daß von unserer Seite das Tromme feuer der feindlichen Schmähreden, dem das deutsche Volk fast täglich ausgesetzt ist endlich einmal mit schwerem Geschütz beanlwortet werde, daß unsere Regierenden wenigstens von Zeit zu Zeit auch aus ihrer bisherigen olympischen Zurückhaltung heraustreten und laut und vernehmlich sagen möchten, was wir in Anbetracht unserer militärischen Überlegenheit der Impertinenz jener an tatsächlichen Forderungen entgegenzustellen haben. Wir waren der Meinung, daß auch dann das Geschrei nicht viel lauter werden würde, wenn diese Forderungen nicht zu bescheiden ausfielen, daß es vielmehr hier wie dort schließlich die Gemüter beruhigen, die Rückkehr zu vernünftiger Überlegung beschleunigen und somit den Krieg abkürzen würde, wenn die Welt wisse, woran sie mit uns ist. Wir glaubten, daß die Zeit dazu gekommen sei, zumal da der gleiche Begehr auch in der öffentlichen Meinung der Gegner immmer dringender wird. Man hat uns zu belehren versucht, daß wir im Irrtum seien, und wir haben uns beschieden er Erwägung, daß die Männer, die im Ausguck stehen, weiter zu sehen vermöchten. Trotzdem hat der Staatssekretär v. Kühlmann am Montag im Reichstag eine lange programmatische Rede darüber gehalten, was die Regierung will. Obschon wir keineswegs einem„Gewaltfrieden" das Wort reden und mit Bismarck der Ansicht sind, daß in der Beschränkung der Meister liegt, konnten wir dem Programm, das er entwickelte, nicht in allen Punkten zustimmen, nahmen aber an, daß das, was er sagte, in der Tat das mit den zuständigen Stellen verabredete Programm der Reaierung sei, hinter das nunmehr das Volk treten solle und müsse. Wenn wir uns getäuscht haben, so lag das daran, daß diese Voraussetzung nicht zutraf, daß merkwürdigerweise eine vorherige Verständigung zwischen Reichs- und Heeresleitung offenbar nicht herbeigeführt worden ist, daß Herr v. Kühlmann seinen Außerungen vielmehr eine persönliche Färbung gegeben hat, die nicht an allen in Betracht kommenden Stellen geteilt werden kann. Das sind Zustände, die kaum verständlich und gänzlich unhaltbar sind; sie müssen unbedingt und unter allen Umständen geändert werden. Wie Kühlmanns Ausführungen im Auslande wirken. TU. Bern, 27. Juni. Die Erklärungen des Staatssekretärs von Kühlmann haben hier außerordentlich überrascht. Vor allen Dingen hat in dieser Zeit der großen und noch nicht abgeschlossenen Offensive im Westen die Erklärung Aufsehen gemacht, daß durch militärische Entscheidungen allein das absolute Ende des Krieges nicht erreicht werden könne, und daß für den Frieden die militärischen Entscheidungen nicht allein maßgebend seien.(Dies wurde bekanntlich von Kühlmann nicht behauptet.) Die bis dahin hier viel verbreitete Ansicht, daß Deutschland nach dem Fehlschlagen der Friedensversuche alle Karten auf die Armee gesetzt habe und somit das Ende herbeizuführen hoffe, sieht man ins Wanken gebracht. Feindliche Preßstimmen zu Kühlmanns Rede. WTB. Reuter verbreitet ausführliche Kommentare der englischen Blätter zur Rede Kühlmanns. Die„Times schreibt: Die Rede enthält keine Stelle und keine Silbe, die darauf hindeutet, daß Deutschland in den großen Tagen, um die die Welt kämpft, auch nur um Haaresbreite von traditionellen Anschauung abgegangen ist. Auch bekennt sich Deutschland noch zum Militarismus, ohne auch nur die geringste Spur von Zweifel und Reue zu verraten. Der Krieg wird so lange dauern, als Deutschland die Politik der Rede Kühlmanns unterstützt.—„Daily Expreß“ sagt: Die Alliierten haben nicht die Absicht, über einen Frieden zu verhandeln, der Deutschland die Übermacht im Osten Europas hinterlassen würde.—„Daily Chronicle“ führt in einem„Friedensoffensive" überschriebenen Artikel aus: Kühlmann hat es unterlassen, zuzugestehen, daß die Alliierten mehr als einmal ziemlich ausführlich ihre Friedensbedingungen formulierte während Deutschland sich darauf beschränkt hat, zu erklären, daß sein Gebiet einschließlich der Kolonien und die Gebiete seiner Verbündeten ungeschmälert erhalten bleiben müßten, Kühlmann sagt, daß Deutschland nie daran gedacht habe, Europa und die Welt zu beherrschen; gleichzeitig spricht er von Verträgen Mittel= und Östeuropas, die, wenn sie von Dauer wären, Deutschland in diese Lage setzen würden.— Die anderen Blätter äußern sich ähnlich. bb. Die französische Presse verhält sich zur Rede Kühlmanns ablehnend. Clemenceaus„Homme libre" schreibt: Kühlmann hat gesprochen, um nichts zu sagen, oder besser, um zu sagen, daß er nichts mitteilen will. Seine Rede enthält die preußische Politik in ihrem ganzen Charakter und arroganten Schlauheit. Wenn nun Deutschland nicht reden will, sollen wir sprechen? Wenn es gestern bei uns noch einige gab, die behaupteten, wir sollten dies tun, werden sie heute noch dieser Meinung sein nach dieser in ihrem Verschweigen so beredten Rede? Das Blatt des Ministers des Außern, Pichon, der„Petit Parisien", meint: Der Rede Kühlmanns mangelt es nicht an Geschicklichkeit und Elastizität. Sie ist einerseits gegeben zur Befriedigung der Alldeutschen, auf der anderen e gibt sie den Vertretern eines Kompromißfriedens einige Genugtuung. Kühlmanns Stellung erschüttert? TU. Der Berliner Lokalanzeiger teilt mit: In parlamentarischen Kreisen herrscht kein Zweifel mehr, daß die Stellung des Staatssekretörs von Kühlmann vollkommen erschüttert und sein Rücktritt nur noch eine Frage der Zeit ist. Wann der Wechsel im Auswärtigen Amt erfolgen wird, darüber bestehen vorläufig nur Nutmaßungen. Im allgemeinen gehl die Ansicht dahin, daß Herr von Kühlmann noch bis zur Erledigung der dringendsten parlamentarischen Geschäfte im Amte bleiben wird, also insbesondere bis zur Erledigung des Friedensvertrages mit Numänien. Daraus würde sich dann wohl ergeben, daß der Wechsel erst eintritt, nachdem der Reichstag wieder in die Ferien gegangen ist. TU. Das Berliner Tageblatt schreibt: In offiziellen Regierungskreisen war man noch gestern früh bestimmt der Ansicht, daß es eine Kühlmannkrise nicht gebe. Somtt scheinen auch alle Gerüchte, wonach der Staatssekretär bereits sein Rücktrittsgesuch eingereicht habe, unzutreffend zu sein. Im Hauptausschuß war Herr von Kühlmann gestern vormittag wie gewöhnlich anwesend. 16000 Tonnen versenkt. WSB. Berlin, 27. Juni. Auf dem nördlichen Kriegsschauplatz wurden durch unsere U-Boote wiederum 16 000 BRT. feindlichen Handalsschiffsraumes vernichtet. Zwei Dampfer wurden im Westausgang des Kanals aus stark jesicherten Geleitzügen herausgeschossen. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Reichstag. Berlin, 26. Juni. Am Bundesratstisch von Payer, Kühlmann, Wallraf, Graf Hertling.— Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung.— Das Haus setzt dei Beratung des Etats des Reichskanzlers, der Reichskanzlei und des Auspärtigen Amtes fort.— Abg. Hauß(Els.): Das Verwaltungsgesetz für Elsaß=Lothringen wird dauernd durchbrochen. Der Volksvertretung werden dauernd Fesseln angelegt. An den militärischen Maßnahmen darf nur in vertraulichen Sitzung en Kritik geübt werden. Trotzdem sich die Abgeordneten allen Anordnungen fügten, hat das Armee=Oberkommando den Zusammentritt des Landtages später überhaupt verboten. Der Landtag hat sich zudem in den letzten Jahren mustergültig verhalten: Während man alle Erörterungen zur Schaffung eines autonomen Elsaß=Lothringens verbietet,, läßt man solche, die auf eine Angliederung an Preußen inarbeiten, zu.. Das ist eine bewußte Irreführung der öffentlichen Meinung Deutschlands, da nur vier Fünftel der Bevölkerung Anhänger einer Autonomie sind, oder höchstens für eine Angliederung an Bayern.— Staatssekretär Wallraf: Nicht weit von den Großstädten Elsaß=Lothringens steht die deutsche Westfront, und elsaß-lothringisches Gebiet oder die Grenze kann jeden Tag wieder der Schauplatz ernster Kämpfe werden. Deshalb ist die Zeit noch nicht gekommen, wo über die zukünftige Gestaltung des Landes öffentliche Erörterungen zugelassen werden können. Die verbündeten Regierungen haben einen Beschluß noch nicht gefaßt. Da aber der Reichstag dabei mitwirken wird, werden auch die Interessen der elsaß-lothringischen Bevölkerung Berücksichtigung finden. Die Flamenfrage berührt den ganzen Komplex der Westfragen. Sie findet aber bei uns volle Würdigung und Sympathie. In den besetzten Gebieten kann die militärische Verwaltung nicht entbehrt werden. Die litauische Bevölkerung wird allmählig zu der Verwaltung herangezogen werden.— Abg. Noske(Soz.): Bei dem letzten Kanzlerwechsel hatten wird an einen gewissen politsichen Fecei gehait, der viger der det der Bipantiung der lrechtsfrage durch die Krautjunker und Schlotbarone cht große Erbitterung im Lande.(Der Präsident bittet, nicht solche Kritik an einem anderen Parlament zu üben.) Der Vernähungswille besteht bei unseren Feinden fort. Das veranlaßt, uns, in Fragen der inneren Politik eine gewisse Zurückhaltung zu üben. Die Reichstagsmehrheit will einen Verständigungsfrieden.. Wir wollen siegen, solange die Gegner nicht zu einer Verständigung bereit sind, aber wir sind jederzeit zu einer Verständigung bereit.— Abg. von lichthofen(natl.): Ich bedaure, daß es bisher noch nicht möglich war, die Frage des preußischen Wahlrechts aus der Welt zu schaffen, zumal ich ein unbedingter Anhänger des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts bin. Der Glaube an den Sieg unserer Sache wird uns hoffentlich nicht verlassen, sonst kommen wir überhaupt nicht an den Friebenstisch.— Abg. Grff Posadowsky(D. Fr.): Auch ich teile einen Teil der Bedenken, die gegen den Staatssekretär geäußert worden sind. Bezüglich der Schuld Rußlands an dem Kriege bin ich jedoch der Meinung des Herrn von Kühlmann. In Italien stand die Monarchie vor dem Kriege auf ziemlich schwachen Füßen. Die Irredenta trieb schließlich das Land zu dem schimpflichen Verrat. Dadurch, daß gegenüber den Verleumdungen unserer Gegner unsere Regierung nicht immer prompt geantwortet hat, hat sich der Aberglaube bei unseren Feinden festgesetzt, daß wir die Schänder der Kultur sind. Dank der deutschen Siege haben sich die Randvölker befreit. Diesen Ländern sollte man aber aus eigener Kraft ihre Zukunft aufzubauen überlassen, sonst übernehmen wir eine schwere Verantwortung. Die austropolnische Lösung kann für uns schwere Folgen haben aber der Ausgang der Verhandlungen hängt von den Waffen ab. Das deutsche Volk glaubt an den Endsieg und muß an ihn glauben, sonst kann es die Opfer nicht ertragen. Diese Siegeszuversicht im Volke darf die Regierung nicht zerstören. — Abg. Graf Westarp(kons.): Herrn Noskes Kritik an der Person des Kaisers müssen wir zurückweisen. Seine Rede war eine Bestätigung unserer Meinung, daß wir eine Po litik nicht für richtig halten können, die dazu bestimmt ist, die Sozialdemokraten unter allen Umständen an der Stange zu halten. Mit den gestrigen Ausführungen des Reichskanzlers sind wir vollständig einverstanden. Wir haben nie ein Hehl daraus gemacht, die Politik der Friedensresolution bekämpfen zu müssen. Die militärischen Erfolge haben die Lage so verändert, daß wir von dieser Resolution frei geworden sind. Wir haben die Pflicht, die Siegeszuversicht im deutschen Volke zu erhalten.— Präsident Fehrenbach: Früher war es üblich, die Person des Kaisers nicht in die tte zu ziehen. Allmählich ist man davon abgegangen. Ich will hier keine Anderung eintreten lassen, werde aber darauf sehen, daß eine solche Besprechung dem Ansehen der Krone und der Würde des Hauses entspricht.— Abg. Haase (U. S.): Das Auftreten des Herrn Noske beweist, daß die Politik der Regierungssozialisten völlig zusammengebrochen ist.— Aba. Scheidemann(Soz.): Den Wahlrechtsgegnern haben wir nicht den Vorwurf machen wollen, daß sie Geldsackinteressen vertreten. Graf Westarp ärgert sich darüber, daß jetzt der infamen Verleumdung d'e Spitze abgebrochen ist, die Sozialdemokratie setze sich aus vaterlandslosen Gesellen zusammen, mit der man früher bequem gegen uns arbeiten konnte. Der Reichskanzler hat gestern nicht gesagt, was mit seinen früheren Äußerungen in Widerspruch steht. Solange die Regierung zu dem steht, was sie versprochen hat, haben wir keinen Grund, ihr entgegenzutreten. Es dreht sich hier nicht um den Glauben an den Sieg, sondern, ob es möglich ist, daß es der einen Mächtegruppe gelingt, die andere ganz zu Boden zu schlagen. Da halte ich meinen früheren Standpunkt aufrecht.— Abg. Graf Westarp (kons.): Wir meinen, daß der Reichskanzler sich von der Politik der Reichstagsresolution loslösen muß.— Damit schließt die allgemeine Besprechung.— Der Etat des Reichskanzlers, der Reichskanzlei und des Auswärtigen Amtes werden genehmigt, ebenso ohne wesentliche Erörterung die Stats des Reichs=Militärgerichts, des Rechnungshofes des Dautschen Reiches, den Reichsschulden- und der allgemeinen nanzverwaltung.— Damit ist die zweite Lesung des Etats erlediat.— Nächste Sitzung Mittwoch. Aus westdeutschland. Düsseldorf, 27. Juni. Der Kommandeur des(niederrheinisch-westfäl.) Reserve-Inf.=Regt. Nr. 39. Major Schniewindt, erhielt den Orden Pour le meriete für persönliche Tapferkeit und besonders hervorragende Leistungen seines Regiments. Essen, 27. Juni. Die Wahl von Dr. Luther zum Oberbürgermeister von Essen ist bestätigt. Essen, 27. Juni. Vor Eintritt in die Tagesordnung der estrigen Versammlung der Zechenbesitzer fand aus Anlaß es 25jährigen Bestehens des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats eine Ehrung für Herrn Geheimrat Dr. Emil Kirdorf statt. In dankbarer Erinnerung an die großen und unvergänglichen Verdienste um die Gründung, die Einrichtung und die mehr als 25jährige Leitung des rheinisch=westf. Kohlensyndikats stellen die beteiligten Zechenbesitzer aus ihren Mitteln ihrem Vorsitzenden, Herrn Geheimrat Dr. Emil Kirdorf, eine Summe von 1 Million Mark zur Errichtung einer Emil-Kirdorf-Stiftung zur Verfügung mit der Maßgabe, über die Verwendung für Wohlfahrtszwecke im Kreise des über die Verwendung für Wohlfahrtszwece im Kreise ves rheinisch-westfälischen Bergbaues nach seinem freien Ermessen zu bestimmen. Die Versammlung beschloß sodann, die Richtpreise für die nächsten beiden Monate unverändert zu lassen. Der Antrag des Eisen= und Stahlwerks Hoesch, gemäß§ 18 des Syndikatsvertrages die Schachtanlagen der Gewerkschaft Fürst Leopold und seine eigenen Schachtanlagen als ein Ganzes zu betrachten, wurde genehmigt. Krefeld, 27. Juni. Gestern morgen ist kurz vor Uerdingen ein stark besetzter Straßenbahnwagen mit einem Zuge der Krefelder Hafenbahn zusammengestoßen. Von den Insassen des sehr beschädigten Straßenbahnwagens wurden 4 schwer und mehrere leicht verletzt. Krefeld, 27. Juni. Die hiesige Strafkammer verurteilte den Färbergesellen Franz Fleischmann und den Hilfsarbeiter Fritz Syveiches wegen wiederholter Kaninchen- und Hühnerdiebstähle zu 3 bezw. 4 Jahren Zuchthaus. Zugleich wurden ihnen die bürgerlichen Ehrenrechte für die Dauer von 10 Jahren aberkannt und ihre Stellung unter Polizeiaufsicht für zulässig erklärt. Barmen, 27. Juni. In der unter dem Vorsitz des Generalsuperintendenten D. Klingemann aus Koblenz hier abgehaltenen Hauptversammlung der Rheinischen Missionsgeellschaft entspann sich im Anschluß an den Bericht des Direkors über die Arbeit draußen eine Aussprache, in der festgestellt wurde, daß auf fast allen Missionsgebieten die Arbeit ungehindert fortgehe. Bei gleichem Fortgang der Sammlungen zur Deckung des Fehlbetrags, der eine halbe Million zu erreichen drohte, wird der Fehlbetrag in einiger Zeit beseitigt sein. Am 28. Juli werden zum ersten Male in der Kriegszeit vier junge Missionare(1916 einer) ordiniert werden können. B.=Gladbach. 27. Juni. Eine Schülerin und ein junges Mädchen von hier wurden vom Bensberger Schöffengericht wegen Raubzüge in Lebensmittel- und Manufakturwarengeschäften zu 2 bezw. 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Zwei ihrer Geschwister erhielten je einen Monat wegen Hehlerei. Bonn, 27. Juni. Eine in der Nähe von Bonn wohnende Familie hatte 4 Söhne im Heere, von denen die 8 ältesten bereits den Tod fürs Vaterland fanden. Als die Eltern von einem Ausgange heimkehrten, fanden sie ihr jüngstes Kind, einen Knaben von 6 Jahren, tot vor. Er hatte mit Kerzen gespielt und war verbrannt. Kaum waren die Eltern von seinem Begräbnisse zurückgekehrt, da wurde ihnen die Trauernachricht überbracht, daß auch der 4. Sohn an der Westfront gefallen sei. WTB. Koblenz, 27. Juni. Als Nachfolger des verstorbenen Regierungspräsidenten Dr. von Baltz wurde Oberpräsibialrat Dr. Momm in Koblenz zum Regierungspräsidenten von Trier ernannt. Koblenz, 27. Juni. Schwer heimgesucht wurde eine hiesige Familie. Nachdem 2 Söhne bereits gefallen waren, wollte es das Schicksal, daß zwei weitere Söhne an ein und demselben Tage fielen. Außerdem wurde der 5. Sohn durch einen Rückenschuß schwer verletzt. Saarbrücken, 27. Juni. Das Urteil des außerordentlichen Kriegsgerichts des 21. Armeekorps vom 23. April ds. Is., durch das der Arbeiter Friedrich Wagner aus Dudweiler wegen Mordes zum Tode verurteilt worden ist, wurde durch Erschießen vollstreckt. Aachen, 27. Juni. Vor dem Schwurgericht hatte sich zu verantworten der Invalide Brülls aus Hastenrath. Er ist angeklagt, am 18. Mai d. J. zu Hastenrath seinen Schwie gersohn, den 52jährigen Arbeiter Joseph Büskens, getötet zu haben. Das Urteil lautete auf 8 Jahre Zuchthaus. Hörde, 27. Juni. In einer hiesigen Wirtschaft wurde ein Spielernest ausgehoben. Di eSpieler waren meistens Nuß=Polen, die sich aus den umliegenden Ortschaften hier eingefunden hatten.— Wegen Grabschändung wurde die Wwe. Agnes Orzykowski und die gewerbslose Henriette Kohlbrunn zur Anzeige gebracht. Sie haben in mehreren Fällen von den iesigen Friedhöfen Kranzschleifen entwendet und zu Haarleifen benutzt. Lünen, 26. Juni. Durch das entschlossene Auftreten des Buchdruckerlehrlings Heinrich Bielefeld wurden hier zwei entwichene Kriegsgefangene festgenommen. Der Junge brachte die beiden Engländer zum Polizeibüro.— Durch den Gendarmeriewachtmeister Kampschulte wurden ebenfalls in den letzten Tagen 5 Kriegsgefangene wieder eingebracht. Freienohl, 27. Juni. Frau N. von hier, eine Mutter von 5 kleinen Kindern, war unter dem Druck der Sorgen schwermütig geworden und durchschnitt sich mit einem Rasiermesser die Pulsadern. Man fand sie, in ihrem Blute schwimmend, als Leiche vor. Bottrop, 27. Juni. Tödlich verunglückt ist auf dem Bahnhof hier der verheiratete Fuhrmann Marks. Er war damit beschäftigt, einen Waggon Holz abzuladen, stürzte dabei ab und blieb sofort tot. Bielefeld, 27. Juni. Nikolaus Dürkopp, Leiter und Generaldirektor der Dürkoppwerke, ist in Bad Salzuflen im Alter von 76 Jahren gestorben. Dürkopp hatte sich aus kleinen Anfängen zu einer hochangesehenen Stellung in der deutschen Industrie emporgearbeitet. Im Jahre 1867 begann er in einer kleinen, unscheinbaren Schlosserwerkstätte seine Tätigkeit und stand gegen sein Lebensende als Leiter und Generaldirektor einer der größten Aktiengesellschaften der Maschinenindustrie Deutschlands da. Werther, 27. Juni. Ein an dem Transport der Überland zentrale mit mehreren Kollegen beschäftigter Monteur kam den Hochspannungsdrähten zu nahe. Tcotz sofortiger Hilfe seiner Mitarbeiter konnte nur der Tod des Verunglückten festgestellt werden. Wildungen, 27. Juni. In Netze hantierten einige junge Burschen mit einem geladenen Revolver; dabei entlud sich die Waffe, und das Geschoß drang dem in der Nähe stehenden 10jährigen Knaben Eybel in den Kopf, so daß der Tod au der Stelle eintrat. Das Unelück ist umsomehr bedauernswert, als schon zwei Brüder des Erschossenen auf dem Felde der Ehre gefallen sind. Oberstein, 27. Juni. In einer öffentlichen Volksverammlung, in welcher der Vertreter der Stadt Oberstein im Oldenburger Landtage, Abgeordneter Hug, sprach, wurde eingehend der Austausch des Fürstentums Birkenfeld an Preußen debattiert. Nach Ansicht des Redners erscheine ihm eine Angliederung an Preußen aus finanziellen und materiellen Gesichtspunkten sowie auch aus Verkehrs- und teuerpolitischen Gründen nur zweckmäßig, zumal von einer Finanzgemeinschaft mit Oldenburg nicht viel zu erwarten sei. n einer unverbindlichen Besprechung hat sich der Provinzialrat für den Anschluß an Preußen ausgesprochen. Diesbezügliche Besprechungen haben mit Preußen bereits stattgefunden, jedoch sind noch keine Abmachungen getroffen. Frankfurt a. M., 27. Juni. In den ersten 5 Tagen der iesigen Gold- und Juwelenwoche wurden für mehr als eine albe Million Mark Juwelen zum Verkauf gestellt. Aus aller welt. WTB. Berlin, 27. Juni. Im Sitzungssaal des Abgeordnetenhauses fand gestern eine Versammlung preußischer Landwirte zur Gründung einer Gesellschaft zur Förderung der Landwirtschafts-Wissenschaft statt, an welcher die Vertreer verschiedener Behörden, Landwirtschaftskammern, eine Anzahl hervorragender Landwirte aus allen Teilen des deutchen Vaterlandes, Gelehrte, Reichs- und Landtagsabgeordnete, Vertreter wissenschaftlicher Institute, Versuchs- und Lehranstalten teilnahmen. Für den Ministerpräsidenten Grafen von Hertling war der Unterstaatssekretär anwesend. Landwirtschaftsminister von Eisenhart=Rothe und Kultusminister Schmidt waren persönlich erschienen. Die Versammlung wurde mit einer Ansprache des Staatsministers Frhr. von Schorlemer=Lieser eröffnet. Berlin, 27. Juni. In einer Strafsache, die vor einer hiesigen Strafkammer zur Verhandlung anstand, war ein Fliegerleutnant als Zeuge geladen, von dessen Anwesenheit die Möglichkeit der Verhandlung abhing. Da der Offizier aber auch an seiner Dienststelle so gut wie unabkömmlich war, hatte er von seiner vorgesetzten Dienststelle die Erlaubnis erhalten, der Zeitersparnis halber ein Flugzeug benutzen zu dürfen, das ohnedies nach Berlin gebracht werden sollte. Der Zeuge startete in früher Morgenstunde in München und kam, von dem sturmartigen Wind noch beschleunigt, nach verhältnismäßig kurzer Flugzeit hier wohlbehalten an. Einiges Kopfzerbrechen dürfte den Beamten der Gerichtskasse die Berechnung der Zeugengebühren bereiten, da in der Zeugengebührenordnung nur von„Landweg, Fuhrwerk, Schiff und Eisenbahn" die Rede ist. Peter Rosegger †. Peter Rosegger ist in Krieglach gebekannte österreichische Heimatbei Graz, 27. Juni. torben. Peter Rosegger, der chriftsteller, wurde geboren am 31. Juli 1843 in Alpl Krieglach in Obersteiermark als Sohn armer Bauersleute, erhielt nur den notdürftigsten Unterricht und kam, weil er für einen Alpenbauer zu schwach war, mit 17 Jahren zu einem Wanderschneider in die Lehre, mit dem er mehrere Jahre lang Gehöft von Gehöft zu Gehöft zog. Dabei kaufte und las er, von Bildungsdrang getrieben, Bücher, namentlich den„Volkskalender" von A. Silberstein, dessen Dorfgeschichten ihn so lebhaft anregten, daß er selbst allerlei Gedichte und Geschichten zu schreiben anfing. Endlich wurde ihm 1865 der Besuch der Grazer Handelsakademie ermöglicht, an der er bis 1869 seiner Ausbildung oblag; später wurde ihm zu weiteren Studien, vom steierischen Landesausschuß ein Stipendium bewilligt. Er ließ sich dauernd in Graz nieder, wo er seit 1876 die Monatsschrift„Der Heimgarten" herausgibt. Von der Universität Heidelberg wurde er zum Ehrendoktor ernannt. Zahlriften hat Rosegger veröffentlicht; Helder ewige Licht",„Das Sünderglöckl",„Wildlinge". Die Ministerkrise in Österreich. TU. Wien, 27. Juni. Im Laufe des gestrigen Tages hat der Kaiser die Vertreter der deutschen Sozialdemokratie, Seitz und Dr. Renner, ferner die Vertreter der Tschechen, Südslawen und Rumänen empfangen. Es steht bisher noch nicht fest, ob die Entscheidung heute fallen wird. TU.Wien, 27. Juni. Graf Silva Tarouca setzt seine Verhandlungen mit den Parteien noch fort, aber es ist nach den gestrigen Beschlüssen der deutschen Parteien sehr wenig Aussicht auf Erfolg vorhanden. Bei einem Teil der Deutschen nimmt das Gefühl Oberhand, daß die Deutschen gestern mit ihrem Eintreten für Seidler einen schweren politischen Fehler gemacht haben. WTB. Kristiania, 27. Juni. Im gestrigen Staatsrat wurde die Einbringung eines Gesetzentwurfes beschlossen, der die Regierung ermächtigt, die Arbeitszeit in den industriellen Betrieben, soweit die Verhältnisse es möglich machen, auf 48 Stunden wöchentlich herabzusetzen. Die Königin von Spanien an den Pocken erkrankt. TU. Die Königin von Spanien ist an den Pocken er krankt. Auch die Prinzessinnen Beatrice und Maria Christine sind von der Krankheit, die einen normalen Verlauf nimmt, befallen worden. WTB. Madrid, 27. Juni.(Agence Havas.) Nachrichten aus Cordova zufolge wird angesichts der Ablehnung der Forderungen der streikenden Grubenarbeiter von Penaroya die Lage für ernst gehalten. Der Gouverneur hat energisch eingegriffen, um den Streik zu schlichten. Verhaftung amerikanischer Anarchisten. TU. In Newyork sind 3 russische Anarchisten verhaftet worden. Eine große Anzahl anarchistischer Werbeschriften wurde bei ihnen beschlagnahmt. Neben Lobpreisungen der Anarchie und Aufforderung zur Revolution wird in der Flugschrift in energischer Weise dagegen protestiert, daß die amerikanische Regierung auf die brutalste Weise durch Beeinflussung und Aufhetzung von Schulkindern, durch Schwarze Listen, durch Vertreibung von Arbeitern von ihren Arbeitsstellen usw. dem Volke das Geld zu der sogenannten Freiheitsanleihe erpreßt habe. Eigenartige Krankheitserscheinungen in Paris, TU. Krankheitserscheinungen in Paris haben eine gewisse Ähnlichkeit mit der spanischen Epidemie. Das Blatt Heuvre berichtet, man habe diese Feststellung gemacht, nachdem eine Ruhepause an der Westfront eingetreten sei. Das Blatt fragt sich, ob die Krankheit aus Spanien eingeschleppt worden der ob sie von den deutschen Giftgasen herrührt, die von der Front nach der Hauptstadt verweht würden. Schnee in den Pyrenäen. TU. Das Pariser Journal meldet aus Mabribt In den Pyrenäen ist starker Schneefall eingetraten. No Korperatur sank auf 10 Grad unter Null. Unabhängigkeitserklärung Kankastsch-ren WIB. Kiew, 27. Juni. Kaukasischeinigen Tagen die staatlich Die Schule des Lebens. Original=Raman von Leonbard Keßnet. Nachsruck nerboten.) „Ich habe nichts Unehrliches versucht! Noch nicht, aber wenn es geschehen sollte, dann danke ich es Ihnen und Ihrem Konsortium. Jetzt haben Sie mir die Kehle zugebunden.— Also fechten wir es aus, wer stärker ist!“ Der Geheimrat blies den Zigarrenrauch in die Höhe. Er überlegte eine Weile. Dann machte er Koßmann klar, in welcher Weise er eingreifen wolle, um das Geschäft zu sanieren. Aber Koßmann wies alle Vorschläge zurück. „Es soll mir nicht darauf ankommen", war sein letztes stolzes Wort. Der Geheimrat ging. Kurz nach ihm verließ auch Koßmann seine Wohnung, um einen seiner einflußreichsten Freunde aufzusuchen. 18. Kapitel. An seinem ersten Arbeitstage blieb Georg bis um sieben Uhr in seinem Kabinett. Dann eilte er zu Dehns, wo er diesmal nicht der einzige Gast war. Die anderen waren Freunde des alten Herrn mit ihren Frauen, auch zwei junge Mädchen und die dazugehörigen Herren waren geladen. Franziska begrüßte ihn herzlich. Sie waren heute nicht die einzigen jungen Menschen wie sonst. Die Eltern wurden durch die Freunde zurückgehalten, so daß das junge Volk etwas mehr Freiheit hatte. Georg fand eine Gelegenheit, Theos Grüße heimlich auszurichten. Aber Franziska stieg das Blut zu Kopfe. „Ach, wenn er nur erst wieder da wäre!“ Und Georg seufzte auch: „Ja, wenn er nur erst wieder da wäre!" Dann fügte er rasch hinzu: „Ich habe übrigens heute eine Stellung angenommen." „Sie—— wo?" „Bei Koßmanns als Privatsekretär." Franziska sah ihn voll innerer Bewegung an: „Soll ich Ihnen dazu gratulieren?" „Tun Sie es immerhin." Sie reichte ihm die Hand— gerade in diesem Augenblick trat der Vater hinzu: Na, so feierlich?" Franziska war etwas verwirrt. Aber Georg sagte rasch: „Fräulein Franziska gratuliert mir, weil ich heute eine neue Stellung angenommen habe." Der alte Dehn freute sich auch: „Das ist recht, Herr Parker. Sehen Sie, ich wollte Ihnen ja nichts sagen über Ihren Beruf. Aber das ist doch nichts, wenn man auf die Inspiration angewiesen ist. In einem bürgerlichen Beruf wird es Ihnen besser gehen." Um die Gesellschaft etwas zu erheitern, setzte sich Georg an den Flügel. „Ich habe seit einem halben Jahre keine Taste an„Spielen Sie doch", bestürmte man ihn von allen Seiten. Und Georg spielte und sang. Er war gewiß kein Künstler, aber er hatte eine angenehme Baritonstimme. Als sich dann später wieder alt und jung trennte, sagte Franziska leise zu Georg: „Bin ich nun ein schlechter Mensch?" Und er antwortete mit einer Gegenfrage: e.„Bin ich's?" Dann tauchten sie wieder in das allgemeine Gespräch zurück, das sich besonders um den diesjährigen Karneval drehte. Die jungen Damen berichteten, wie sie hier und dort bereits getanzt hatten. „Und Sie Fräulein Franziska?" „Ich gehe in diesem Jahre nirgends hin." Nirgends?" Aber man fragte doch nicht viel, denn man wußte, daß da irgendein geheimer Grund vorlag. Es war, als sei Franziska halb in Trauer. Und plötzlich stand sie auf und sagte lächelnd zu Georg hinüber:„Eigentlich weiß ich nicht, warum ich dies Jahr nicht mitmache." Wieder fand Georg Gelegenheit, ihr ein paar Worte zuzuflüstern:„Am offenen Bücherschrank, im ersten Band Goethe ist ein Briefchen." Franziska wurde totenblaß, sie sagte nur:„Es ist gut." Und abermals wurden sie getrennt durch allgemeine Gespräche. Georgs Nerven waren angespannt wie zum Reißen. Dort gegenüber saß die Geliebte zum Greifen so nah'— aber nein, war es nicht die Braut eines andern? Wer war der andere? Ein Freund? Georg stand erregt auf; aber im selben Augenblick tönten vom Nebenzimmer her Walzerklänge. Die alten Herrschaften, vom Wein gerötet, die jungen, voll Lebenskraft und Lebenslust.— Und wenige Minuten später tanzten Georg und Franziska.——— „Werden Sie das Briefchen hølen?"—— er sprach die Worte lächelnd, sah doch alle Welt auf ihn und sie. „Nehmen Sie es wieder weg—! Nehmen Sie es weg!" „Und ich bitte Sie, holen Sie es, lesen Sie es, meiner Seele Seligkeit hängt davon ab." „Nehmen Sie es fort, ich flehe Sie an. Und wenn Sie es nicht tun, dann nehme ich es selbst fort und verbrenne es." „Sie müssen es lesen." „Wollen Sie mich zugrunde richten?" „Nein— ich will Sie glücklich machen." „Dann gehen Sie und kommen Sie nie wieder.“ Der Walzer war zu Ende. Georg führte Franziska auf ihren Platz, ging dann, wie um sich abzukühlen, aus dem Saal heraus und trat in das Wohnzimmer. Er trat an den offenen Bücherschrank und entnahm ihm den ersten Goetheband. Nach kurzem Blättern fand er den Brief. den er heimlich hineingesteckt hatte, und wollte dann zurück in den Saal. In demselben Augenblick trat Franziska in das Wohnzimmer: „Geben Sie mir rasch den Brief, ich muß ihn lesen— —„Da."—„Und dann gehen Sie, sobald wie nur irgend möglich. Ich kann Sie nicht mehr sehen, ohne in Tränen auszubrechen." Das improvisierte Tänzchen dauerte sowieso nicht lange, und Georg fand bald Gelegenheit zum Entschlüpfen. Er wußte nicht, wie er zu Hause ankam. Er legte sich schlafen, aber in seinem Schädel gingen die Gedanken kreuz und quer, daß er keinen Schlaf fand. Und in dieser einen schlaflosen Nacht wurde es ihm klar, daß es nur ein Mittel gab, um noch einmal ein froher Mensch zu werden, das war Franziska. Nur wenige Stunden lag er in tiefem, traumlosem Schlaf. Denn es rief ihn eine neue Pflicht. Herr von Koßmann hatte für ihn eine Arbeitszeit von sechs Stunden festgesetzt, die auf Vor- und Nachmittag verteilt waren. Mit Eifer ging er an seine Arbeit. Den Inhalt der Papiere, die er zu ordnen hatte, verstand er nicht ganz. Aber aus all den Korrespondenzen ging das eine hervor, das für ihn völlig neue: Mit der Firma Koßmann stand es schlecht! Und je weiter er in der Arbeit vordrang, desto tiefer wurde sein Entsetzen. Es war ihm, als ob die Erde unter ihm wankte. Plötzlich trat Koßmann ein: „Ich sehe Sie bei der Lektüre dieser Sachen, ich habe nichts dagegen. Aber das sage ich Ihnen, wenn je ein Laut von alledem über ihre Lippen kommt, dann——“ Koßmann sprach den Satz nicht aus, aber Georg war es ohne weiteres klar, daß Koßmann mit etwas Entsetzlichem drohe. „Ich habe Sie zu meinem Sekretär gemacht, weil ich annehme, daß Sie als Kavalier Schweigen gelernt haben. „Herr von Koßmann, Sie können sich ganz auf mich verlassen."—„Gut." Dann diktierte er Georg ein paar Telegramme, unter denen sich auch eins an Theo befand. Es lautete:„Verbitte mir weitere Anspielungen auf Rückkehr nach München. Reiset nach Breslau." Als Koßmann sich zum Weggehen rüstete, bat Georg um einen kleinen Vorschuß, den er dringend brauchte. Koßmann wurde hochrot, dann sagte er leise:„Morgen. Im Moment ist es mir unmöglich." In diesem Augenblick empfand Georg gar nicht seinen eigenen Mangel. Aber daß ein Mann wie Koßmann im Augenblick nicht soviel Geld hatte,— das erschütterte ihn. Als er dann mittags auf dem Heimwege war, erschien es ihm fast humoristisch. Da war er selbst ja fast noch reicher. Denn er brauchte wenigstens keinen Sekretär.— Gewiß wußte er, daß Koßmann ihm das Geld auch sofort hätte geben können, aber in diesem Augenblick spielten hundert Mark effektiv eine Rolle. Als Georg nach Hause kam, fand er einen Brief vor. Hastig öffnete er ihn, er war von Franziska. „So will ich Ihnen denn den Willen tun. Ich komme. Erwarten Sie mich Punkt sieben am Hofgartenausgang, un der Galeriestraße. Meine Eltern sind im Theater. Franziska." Georg schluchzte laut auf vor Freude, Jubel und Trauer. Franziska mußte seine Frau werden, das war ja ganz klar—— ja, aus all dem Unglück, aus all der Trauer war ein Sieg, ein Glück doch möglich. Freilich der arme Theo von Fiegel konnte nicht geschont werden. Es tat ihm so herzlich leid. Aber es war nicht zu ändern. Nun noch für drei Stunden in das Kabinett. Koßmann ließ sich an diesem Nachmittag überhaupt nicht blicken, und Georgs Nervosität steigerte sich von Sekunde zu Sekunde. Bis um sechs Uhr mußte er hierbleiben. Um sieben Uhr würde er sie sehen!— Und vorher mußte er etwas Geld beschaffen. Und dann wieder fiel ihm Theo ein— er war im Begriff, die Fassung zu verlieren. Eine harte kalte Winternacht sank über München hernieder. In den Abendstunden herrschte ein wildes Treiben auf den Straßen. Nacht von Sonnabend zum Sonntag im Karneval. Wallhöfer saß ruhig schmauchend im Café. Er sah die Menschen draußen furchtbar eilig laufen und freute sich seiner Ruhe. „Was so die andern Menschen heute eine Eile haben!" Der„Alte" war wieder melancholisch: „Ich wünschte, ich hätte heute jemand, für den ich sorgen könnte. Ein Weib, ein Kind! Herr Gott, wie trostlos ist unser Leben." „Aber, Alterchen, warum so trübe? Willst du für jemand sorgen, so sorge für mich. Soll ich dir einen Wunschzettel schreiben, also paß auf: Erstens einen anständigen Anzug, denn ich sehe wirklich nicht sehr berückend aus. Dann fünf Pfund guten Tabak. Dann,— na— wenn's durchaus sein muß— ein Billett zweiter Klasse nach der Schweiz. Und noch so ein bißchen Reisekasse." Der Alte lachte ingrimmig vor sich hin. „Wenn ich das Geld hätte, würde ich dich gerade schicken." Wallhöfer lachte laut auf:„Das ist also deine Selbstverleugnung. In diesem Augenblick trat Georg Parker ein. Er knöpfte sich nur den Mantel auf. „Warum machen Sie es sich denn nicht bequem, Herr Parker?" fragte Wallhöfer. „Ach, ich komme nur auf einen Augenblick. Ich wollte Sie nur etwas fragen— unter vier Augen.“ Die ganze Gesellschaft brach in ein frohes Gelächter aus. Georg sah verwundert auf. „Ja, warum lachen Sie denn alle?" „Weil wir ganz genau wissen, was Sie ihn fragen wollen." „Aber wie können Sie das wissen?" „Also gestehen Sie, Sie wollen ihn anpumpen.“ züberkdie Spur, wie käme ich dazu.“ Wallhöfer erhob sich, noch immer etwas lächelnd. „Aber nun sagen Sie es mir ins Ohr." Georg zog ihn beiseite und flüsterte: „Können Sie mir bis morgen fünf Mark leihen?" Wallhöfer bekam einen Lachkrampf. Er schlenkerte mit den Armen um sich und schrie: „Er— hat— mich doch angepumpt.“ „So ein Frechdachs— aber gut hat er es gemacht.“ „Das finde ich gar nicht!“ rief Parker lachend.„Dann hätte ich doch vor allem das Geld bekommen. Das hab' ich nicht." „Kommt noch, aber nicht von mir. Unser Alter hat heute den Wunsch geäußert: er möchte so gern ein Wesen haben, für das er sorgen kann.— Hier, mein Sohn— hier ist Georg Parker, und leih ihm fünf Mark.“ Der Alte stand feierlich auf:„Gut, er soll die fünf Mark haben. Aber unter einer Bedingung, er muß uns sagen, wofür er die fünf Mark braucht. Denn wenn einer im Karneval fünf Mark braucht, dann hat er sicher einen romantischen Zweck.— Also, erst hinsetzen, dann Kaffee trinken und dabei erzählen." Georg war ernst geworden. „Gebt mir das Geld, ich brauche es.“ „Nein— erzählen und die Wahrheit sagen—“ Georg stützte den Kopf auf die Hand. „Es ist ja auch egal, Ihr könnt es wissen." Und dann erzählte er ihnen seine Geschichte. Die andern waren still geworden. Der Alte kramte das Geldstück hervor. Georg nahm es, dankte und ging rasch weg. 14. Kapitel. Fünf Minuten vor sieben stand Georg an der verabredeten Stelle. Ein kräftiger Wind wehte und Georg fror ein bißchen. Zehn Minuten wartete er. Nach allen Seiten hielt er Umschau, ob sich nicht ein kleines, zierliches Figürchen zeigen wollte. Plötzlich stand sie vor ihm. Er nah:n den Hut tief ab. „Fräulein Franziska, ich danke Ihnen, daß Sie kamen.“ Franziska sah reizend aus. Aus dem silberhellen Chinchillakragen leuchtete ihr rosiges und doch so vergrämtes Gesicht. Und mit unsicherer Stimme hub sie zu sprechen an: „Ich bin nur gekommen, um Ihnen zu sagen—“ Geoeg unterbrach ste. „Aber wir können doch hier nicht bleiben. „Ja, wo wollen Sie denn hin?" „Sie holen sich in der Kälte den Tod. Franziska lächelte zu ihm hinauf: „Wäre das nicht vielleicht das beste? „Franziska, wie können Sie so sprechen? Kommen Sie!" Und Franziska schritt mit ihm über den Damm auf die Königinstraße zu. „Glauben Sie, daß es hier wärmer ist?" fragte sie wieder mit ihrem leisesten Lächeln. „Fräulein Franziska, nein, ich glaube es nicht. Aber wollen wir mal ganz vernünftig sprechen? Es ist sehr kalt und es ist am besten, ein kleines Kaffeehaus aufzusuchen, das hier in der Nähe liegt." Franziska blieb stehen. Sie heftete ihre hübschen braunen Augen fest auf die Georgs. „Herr Parker, ich kam, um Ihnen Lebewohl zu sagen." „Nein, das ist nicht wahr." „Das ist doch wahr.— Sehen Sie, was soll aus uns beiden werden?" „Zwei glückliche Menschen.“ „Das werden wir nie." „Franziska, wir können es werden, wenn wir wollen!“ „Hören Sie, Georg, nehmen Sie an, daß Sie alle Widerstände überwinden, den Widerstand in mir, den von Papa und Mama und den der Welt. Nehmen wir an, daß Sie überall siegen— wir bleiben zwei unglückliche Menschen—“ „Warum nur?" fragte er tonlos. „Weil ich es fühle." „Nein, Franziska, dann will ich lieber mit Ihnen unglücklich sein, als ohne Sie so elend, so elend—“ „Wenn es sich nur um uns beide handeln würde, es wäre mir gleich. Wir könnten umeinander leiden.— Und wir wären doch glücklich. Aber ich kann Theo nicht betrügen." „Franziska, wir müssen wahr zueinander sein." „Ja, ich sage die Wahrheit, ich kann es nicht.— Er ist fortgegangen, ohne sich mein Wort zu holen. Er war seiner Sache sicher— und er durfte es sein!" „Wie durfte er annehmen, daß Sie ihm Ihre Neigung bewahrten?" „Meine Augen sprachen es.“ „Franziska, was sprachen Ihre Augen zu mir!" Franziska brach in Tränen aus. „Franziska— wir liebten uns früher. Damals, als wir uns im Badeort trafen, schrieben wir uns unsere Liebe in die Augen. Damals war es beschlossene Sache. Und als ich herkam, war mein erster Gang zu Ihnen. Damals waren Sie noch verreist. Dann aber wartete ich und mußte warten bis schließlich Theo mir schrieb, daß ich kommen sollte. Ich bedauere Theo von Herzen, aber ich kann ihm nicht helfen. Die Liebe ist ein Kampf, in dem kein Pardon gegeben wird.— Ich war mein Lebtag kein starker Egoist, der seinen Willen und sein Recht durchsetzte. Aber wenn ich es tue, dann weiß ich warum, und dann tue ich es ohne Reue.— Kommen Sie, Franziska.“ Georg faßte Franziskas Hand. „Lassen Sie mich", schrie sie auf.„Ich kann es nicht. Ich muß mich ja zu Tode schämen! „Vor wem?" „Vor meinem Vater"— „Franziska, wollen Sie aus einer verschrobenen Eitelkeit ein Opfer bringen?“ „Was, Eitelkeit?" „Jede Scham ist im letzten Grund eine verschrobene Eitelkeit. Ich weiß es, weil ich der Scham zuliebe mein ganzes bisheriges Leben verpfuscht habe. Ich hahe zu lange als Gentleman und Kavalier dagestanden, um jetzt „plötzlich ein einfach arbeitender Mensch zu werden. Ich habe mich geschämt. Ich habe mich geniert vor meinen ehemaligen Kameraden, ich habe es einfach nicht ertragen. Aber jetzt, da ich Sie liebe, ist alles anders geworden. Ich kann jetzt arbeiten— die Stellung bei Koßmanns ist ja erst ein bescheidener Anfang, sie ist nicht von ewiger Dauer. Aber ich werde Ihnen beweisen, daß ich Sie liebe." „Aber ich glaube Ihnen ja“, Franziska lächelte matt, „und doch kann ich nicht— ich kann es nicht", sie wurde tiefernst:„Wir werden nicht glücklich." „Und glauben Sie wirklich noch heute, daß Sie mit ihm glücklich werden können: jetzt noch?" „Ja, ich könnte es, weil ich fühle, daß ich sicher wäre unter seinem Schutz. Weil ich fühle, daß mir nichts geschehen kann, wenn er bei mir ist. Sie sind ein guter Mensch. Aber unter Ihrer Einwirkung habe ich all meine Energie eingebüßt.“ „Kommen Sie, Franziska, wir gehen in irgendein Café— hier können wir nicht bleiben.“ „Doch, ich gehe nicht von hier.“ „So kommen Sie doch nur auf die andere Seite— hier kann man uns sehen, hier sind wir ja einfach verloren, wenn wir einen Bekannten treffen.“ Und Franziska ließ sich über den Straßendanim ziehen und dann gingen sie einen schmalen Fußsteig, der hinab in den Englischen Garten führt. „Srunzista, hier kann ich auch den Arm um Sie schlingen, um Sie vor der Kälte zu schützen", sagte Georg Parker. „Nein, lassen Sie mich, ich brauche keinen Schutz.“ Sie atmete schwer. Der Mond war aufgegangen und glänzte auf die weiß verschneite Wiese des Gartens nieder. Auf den Bäumen glitzerte es, und die Stadt schien völlig erstorben, denn es drang fast kein Laut herüber. „Ist es nicht schön, Franziska, die weite frosterstarrte Welt! Alles Leben ist entflohen. Nur wir, Franziska, sind warm. Unsere Herzen pöchen, unser Atem fliegt uns entgegen, unser Sein sehnt sich nach Glück— nach Liebe — fühlst du es nicht?“ Die Tränen rannen ihr über die Wangen und Georg scherzte leis und innig: „Nicht weinen, Kind, nicht weinen... wenn die Tränen gefrieren—“ Aber Franziska hörte nicht den Scherz. Sie schluchzte leidenschaftlich auf: „Sie gefrieren nicht— denn sie sind brennend heiß. „Franziska, ich liebe dich, und du liebst mich— und es gibt für uns kein anderes Glück. Könntest du mich gar nicht achten?“ „Theo achte ich"—— Noll und warm schlug sie die Augen zu ihm auf— dann über sagte sie: „Ihn achte ich— und dich—— liebe ich!" „Franziska!" Georg hielt das zitternde zarte Geschöpf in seinen Armen. Er küßte sie auf den roten, vollen Mund, und ihre Lippen gaben die Küsse bebend zurück. Ihre Tränen waren noch nicht ganz versiegt, als sie scheu fragte: „Verachtest du mich nun ganz?" „Franziska, was soll das?" Und wieden senkten sich die Lippen aufeinanderFortsetzung folgt.