Sprockhöveler Zeitung Haßlinghauser Zeitung= Amtlicher-Anzeiger für das Amt Sprockhövel= Blankenstein=Herbeder Zeitung 1. Blatt. Bekanntmachung Die Bekanntmachung des stellv. Generalkommandos vom 28. ds. Mts., betreffend Höchstpreise für Eichen= und Fichtengerbrinde, kann auf dem Amte eingesehen werden. Sprockhövel, den 28. Februar 1918. Der Amtmann Theis. Bekanntmachung. Räude ist festgestellt worden unter den Pferdebeständen des: 1) Metzgermeisters Wilhelm Strätling in Welper, Amt Blankenstein, 2) Landwirts Adolf Fischer zu Wolfshövel, Amt Milspe und 3) Landwirts Fritz vom Bruch zu Homberge, Amt Milspe. Sprockhövel, den 1. März 1918. Die Polizeiverwaltung: Theis. Bekanntmachung. Eine geringe Menge Seifenpulver auf Zusatz=Seifenkarten der Rüstungsarbeiter gelangt von Dienstag den 5. März, ab zum Verkauf in den Geschäften Konsumverein, Gustav Gremm, Gustav Hilgenstock, Witwe Boß in Niedersprockhövel, I. P. Bosselmann, Karl Krieger, Wilhelm Mönninghoff in Obersprockhövel und Karl Stolte in Hiddinghausen 2. Sprockhövel, den 28. Februar 1918. DDer Amtmann: Theis. Bekanntmachung. Die Lebensmittelgeschäfte wollen am Montag, den 4. ds. Mts., die nachbenannten Lebensmittel abholen und zwar innerhalb folgender Zeiten: 1. von 8½—0½ Uhr vormittags die Geschäfte mit den Anfangsbuchstaben Z—T, 2. von 9½—10½ Uhr vormittags die Geschäfte mit den Anfangsbuchstaben S—N, 3. von 10½-11½ Uhr vormittags die Geschäfte mit dem Anfangsbuchstaben H, 4. von 2 bis 3 Uhr nachmittags die Geschäfte mit dem Anfangsbuchstaben K, einschl. Konsumverein, 5. von 3 bis 4 Uhr nachmittags die Geschäfte mit den Anfangsbuchstaben M und L, 6. von 4—5 Uhr nachmittags die Geschäfte mit den Anfangsbuchstaben G—A. Verausgabt werden: 1) Butterfett für die Zeit vom 24. 2.—2. 3. 1918 62½ Gramm(Verkaufspreis 4,40 Mk. das Pfd). 2) Sago auf Abriß=18 der Lebensmittelkarte 100 Gramm, 3) Suppen auf Abriß 18 der Lebensmittelkarte 50 Gremm. 4) Butterfeit für die Rüstungsarbeiter für die Zeit vom 24. 2.—2. 3. 1918. Sprockhövel, den 2. März 1918. Der Amtmann: Theis. Hus der engeren Heimat. (Nachrichten aus uuserem Leserkreise über örtliche Begebenheiten sind uns stets sehr erwünscht. Die Vereinsvorstände werden gebeten, Berichte über ihre Versammlungen und Veranstaltungen unserer Redaktion zukommen zu lassen.) Sprockhövel, 2. März 1918. —(Dank unserer Feldgrauen.] Der hiesigen Liebesgabenstelle für das schöne Paketchen vielen Dank. Der Redaktion ebenfalls schönen Dank für die pünktliche Zustellung der Heimatszeitung. Ein baldiges Wiedersehen wünscht Utffz. Mättner, z. Z. auf dem Balkan. —[Der Frühlingsmonat März) ist eingezogen, auf dessen letzten Tag in diesem Jahre schon das heilige Österfest fällt. Voriges Jahr steckte Deutschland im März im Schnee, dieses Jahr werden wir hoffentlich etwas gelinder davonkommen. Die beiden ersten Tage mahnen allerdings mehr an den Winter, denn an den bevorstehenden Frühling. Ein schneidender Nordwind bringt uns jetzt nach den milden Januartagen noch einen dritten, hoffentlich nur kurzen Kälterückfall. Nach dem Verlauf des Winters werden wir wohl ein veränderliches, dafür aber fruchtbares Frühjahr mit Regen haben. 1917 kamen die ersten warmen Tage im Mai, der es dann aber auch doppelt gut gemeint hatte. —[Die Reichsbekleidungsstelle] wird jetzt die Versorgung der Arbeiter der Rüstungsindustrie mit Arbeitskleidung aufnehmen. Aus den Beständen der Heeresverwaltung sind zu diesem Zwecke so viel als möglich Kleidungsstücke herbeigeschafft worden. Die im freien Handel befindliche Arbeitskleidung für Frauen und Männer soll beschlagnahmt werden. Ferner hat sich die Reichsbekleidungsstelle auch mit der Beschaffung von Strümpfen befaßt. Es werden etwa 30 Millionen Paar Strümpfe in Naturfarbe angefertigt, von denen 20 Millionen Paar bereits an die Kommunen abgegeben wurden. Auch die Nähgarnverteilung ist bereits im Gange. Nach einer neuen Bestimmung sollen die großen Kommunalverbände vorläufig je 200000 Rollen Garn erhalten. Interessant ist ein neues technisches Verfahren zur Herstellung von Wäsche aus Papiergewebe, das das Kochen und Waschen der Stücke erlaubt, ohne daß das Gewebe auseinanderfällt. —[Ferkelhöchstpreise nur für Schlachtferkel.) Zahlreiche Anfragen und Pressenotizen enthalten die Meinung, daß die neuerdings festgesetzten Ferkelhöchstpreise von 1.10 Mk. pro Pfund Lebendgewicht ab Stall bei allen Ferkelverkäufen Geltung haben, gleichgültig, zu welchem Zwecke die Tiere erworben werden. Demgegenüber sei darauf hingewiesen, daß dieser Höchstpreis nur für Schlachtferkel gilt, die zum Zwecke sofortiger Schlachtung erworben werden, nicht aber für Tiere, deren Kauf zu Zuchtzwecken oder zur Aufstellung zum Mästen erfolgt.(Also dabei darf gewuchert werden. Die Red.) Bekanntmachung. Die auf Abriß 3 der Eierkarte zu verabfolgenden Eier sind in den bekannten Geschäften eingetroffen und können dort abgeholt werden. Sprockhövel, den 1. März 1918. Der Amtmann: Theis. Bekanntmachung. Die Ausweiskarten über die nachträgliche PetroleumAnmeldung für Beleuchtungszwecke gelangen am Montag, den 4. ds. Mts., nachmittags von 3 bis 5 Uhr, im Amtshause hierselbst, Zimmer Nr. 7, unter Vorlage der Brotbuchhüllen zur Ausgabe. Sprockhövel, den 1. März 1918. Der Amtmann Theis. Die Sammlung zu Gunsten der„Heimatspende für das Westfälische Rote Krenz 1918“ empfehle ich den Kreis eingesessenen aufs Wärmste. Wir wollen zeigen, daß die Kinder der Roten Erde sich an Opferwilligkeit nicht übertreffen lassen. In allen Verwaltungsbezirken des Kreises werden Listensammlungen vorgenommen. Außerdem werden Gaben angenommen von der Kreiskommunalkasse hierselbst, von den Sparkassen und Zeitungen im Kreise und von den Schatzmeistern der Vaterländischen Frauenvereine, den Herren Lehrer Gail zu Beckacker; Fabrikbesitzer Wilhelm Schmitz (in Firma Stocken& Schmitz) zu Gevelsberg; Fabrikbesitzer Wilhelm Jardon zu Haßlinghausen; Amtsrentmeister Zoelzer zu Langerfeld; Brennereibesitzer Theodor Bouchsein zu Schwelm; Fabrikant F. Wellershaus zu Milspe und Fabrikant Carl Bauer jr. zu Voerde. Jede Gabe, auch die kleinste, ist willkommen. Schwelm, den 25. Februar 1918. Der Kgl. Landrat: Harz, Geheimer Regierungsrat, Vors. der Kreisstelle vom Roten Kreuz im Kreise Schwelm. —(Erhöhung der Kriegsteuerungszulagen.] Der interfraktionelle Ausschuß des Reichstages für Beamtenfragen, ist jetzt an einen vorläufigen Abschluß seiner Arbeiten gelangt. Die Mitglieder der Konferenz, die sämtlichen Fraktionen des Neichstages angehören, haben sich in Erkenntnis der allgemeinen Notlage der Beamtenschaft einstimmig für eine wesentliche Erhöhung der Kriegsteuerungszulagen ausgesprochen. Die Reichsregierung hat zu diesem Beschlusse grungsätzlich bereits ihre Zustimmung erklärt. Nur über das Maß der Erhöhung sind noch Verhandlungen im Gange. —[Derneue„Tavak“.] Nach einer Bekanntmachung des Bundesrats ist es demnächst gestattet, allen Blätterund Pflanzengemischen, in denen auch nur ein ganz verschwindender Prozentsatz echten Tabaks enthalten ist, den edlen Namen Tabak zu verleihen. Gleichzeitig wird uns mitgeteilt, womit wir unter dieser Firma alles beglückt werden sollen: Buchenlaub, Kastanienlaub, Pflanzenfasern, Hopfen usw. Vermutlich wird man auch die Steckrübe— die eigentlich Streckrübe heißen sollte— noch als Tabakersatz entdecken. Ganz Deutschland, soweit es raucht, wird bald ebenso zum Himmel stinken, wie gegenwärtig bereits sein Wuchertum und sein Schleichhandel. Wie teuer der neue„Tabak“ sein wird, wird nicht verraten. Jedenfalls sei allen sparsamen Naturen empfohlen, sich ihr Buchenund Kastanienlaub selbst zu holen und nicht erst 350% Zwischengewinn an geschäftstüchtige Zwischenhändler wegzuwerfen. Unser schönes deutsches Volkslied wird man in Zukunft singen müssen: Wer hat dich, du schöner Wald— aufgeraucht so hoch da droben? Die Füllung unserer Seegrasmatratzen wird manchem Hausvater schon über ein paar Monate Tabaksmangel hinweghelfen. Vielleicht hat Mutter auch noch einen Rest Dörrgemüse für diesen Zweck übrig. —[Nur Freilistengegenstände sind bezugsscheinfrei.] Sowohl in Fabriken wie auch in Verkaufund Verbraucherkreisen begegnet man noch heute oft der irrigen Ansicht, daß Web=, Wirk= und Strickwaren, die aus beschlagnahmefreiem Material hergestellt sind, der Bezugscheinpflicht nicht unterliegen. Die Reichsbekleidungsstelle nimmt deshalb nochmals Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß das zur Herstellung von Web=, Wirk= und Strickwaren verwendete Material auf die Bezugscheinregelung ohne Einfluß ist, und daß sämtliche Web=, Wirk- und Strickwaren, soweit sie nicht durch die laut Bekanntmachung der Reichsbekleidungsstelle vom 13. Okt. 1917 veröffentlichte Freiliste von der Bezugscheinpflicht befreit sind, nur gegen Bezugschein an die Verbraucher abgegeben werden dürfen. Die mangelnde Kenntnis der beteiligten Kreise von vorstehender Regelung kann die Reichsbekleidungsstelle in Zukunft nicht mehr als Entschuldigung gelten lassen. —[Das Wirtschaftsgeld der Hausfrau] ist, namentlich in den Familien festbesoldeter Gehaltsempfänger, wie Beamten, angestellten Kaufleuten und dergl., eine Quelle großer Sorge. Es langt an allen Ecken und Enden nicht, soviel man auch daran„strecken" mag. Es würde reichen, wenn man tatsächlich nur das zu kaufen brauchte, was einem auf Marken und Karten zusteht. Aber welche Familie ist imstande, sich mit diesen geringen Mengen satt und arbeitsfähig zu erhalten? Tatsache ist, daß jedermann hintenherum kaufen muß und naturgemäß zu Preisen, die jeder Beschreibung spotten. Da ist es für die Hausfrau keine leichte Aufgabe, den richtigen Mittelweg zu finden. Der strenge Hausvater schimpft zwar weidlich über etwaige zu hohe Preise, die seine Frau angelegt hat, aber erst, nachdem er satt ist und die gute Ware im Magen hat. Außerdem sind auch die Mengen, die man für ein Sündengeld kaufen muß, schon die durch die Unzulänglichkeit des Geldbeutels auf ein gewisses Mindestmaß beschränkt.— Man blicke einmal tiefer in das häusliche Wirtschaftsleben unserer Hausfrauen. Sie sparen sich jeden guten Happen am eigenen Munde ab, um den geldverdienenden Mann keine Not leiden zu lassen. Sie selbst werden infolgedessen immer hinfälliger und schwacher. Die „Teuerungszulagen“, die neben dem Gehalt gewährt werden, reichen oft kaum aus, ein paar Stiefel oder den allerbilligsten Rock zu kaufen. Es ist ein trauriges Kapitel, in gegenwärtiger Zeit die Sorgen der Hausfrau unter die Lupe zu nehmen. —(Verfügung über das Herbstgemüse.] Der Staatssekretär des Kriegsernährungsamtes hat seine Genehmigung dazu erteilt, daß alles Herbstgemüse, über welches Lieferungsverträge nicht zustande kommen, der Absatzbeschränkung unterworfen werden wird. Es darf mithin jeder Anbauer für sich behalten, was er in seinem Haushalt verbraucht und in seinem Betrieb verarbeiten will. Geht er aber dazu über, Ware im Handel abzusetzen, so bestimmt die Reichsstelle für Gemüse und Obst oder die ihr nachgeordnete zuständige Stelle, wohin die Ware zu leiten und wer sie zu erhalten hat. In keinem Falle wird alsdann ein höherer, wahrscheinlich aber ein niedrigerer Preis als im Lieferungsvertrag gezahlt werden. —[Ist ein Kommunalverband als„Verbraucher“ anzusehen?] Mit einer sehr interessanten kriegswirtschaftlichen Frage hatte sich jetzt das Reichsgericht zu beschäftigen. Es war zu entscheiden, ob ein Kommunalverband, der für seine Kreiseingesessenen Waren eingekauft hat, als„Verbraucher“ dieser Waren im Sinne einer Höchstpreisverordnung zu gelten hat. Das Reichsgericht hat die Frage verneint und damit anerkannt, daß, da in der fraglichen Bundesratsverordnung Höchstpreise nur für den Verkauf an den„Verbraucher“ festgesetzt sind, der Kommunalverband als Käufer der Waren nicht die Zahlung des über den Höchstpreis hinausgehenden vereinbarten Kaufpreises verweigern kann. —[Warnung für die Urlauber.] In letzter Zeit ist mehrfach beobachtet worden, daß sich auf den größeren Bahnhöfen Personen herumtreiben, die sich an die aus dem Felde kommenden Urlauber herandrängen und sich ihnen zur Besorgung von Paketen anbieten, um diese meist Lebensmittel enthaltenden Sendungen dann zu unterschlagen und zu ihrem Nutzen zu verwenden. Um bei den Soldaten Vertrauen zu erwecken und um das Treiben sicherer ausüben zu können, tragen jene Personen zuweilen Post= oder BahnDienstkleidung oder eine Dienstmütze. Wenn unsere Urlauber sich vor Schaden bewahren wollen, dürfen sie niemals Pakete an Unbekannte, auch wenn sie Beamtendienstkleidung oder Beamtenabzeichen tragen, zur Besorgung aushändigen, sondern müssen die Sendungen immer selbst bei den amtlichen Annahme= oder Aufbewahrungsstellen abgeben. —[Haßlinghausen.] Der hiesige Vaterländische Frauenverein wird im Laufe der kommenden Woche eine Haussammlung„Heimatspende für das Westfälische Rote Kreuz 1918“ vornehmen lassen. —[Haßlinghausen.] In der morgigen GeneralVersammlung des Haßlinghauser Kriegervereins ist unter Punkt 5 der Jagesordnung eine Ehrung von 20 Kameraden für 50 bezw. 25 jährige Mitgliedschaft vorgesehen, Diplomatenarbeit in Litanisch=Brest und Bukarest. Wie wir erfahren, rechnet man damit, daß die Verhandrungen der Mittelmächte mit der Jassyer Regierung bald ein klaves Bild ergeben, da das Programm der Mittelmächte festgelegt sei. Es kann versichert werden, daß zwischen Berlin, Wien, Sofia und Konstantinopel volle Übereinstimmung über die Kriegsziele gegen Rumänien herrscht. Die eigentlichen Verhandlungen haben in Bukarest noch nicht begonnen, doch schon bei den gegenwärtig gepflogenen Vorbesprechungen soll sich gezeigt haben, daß auf rumänischer Seite die Lage verschieden beurteilt wird. Im Grunde sei auch Ministerpräsident Averesu davon überzeugt, daß Rumänien sich in einer Zwangslage befindet. Viele auf König Ferdinand noch immer einflußreiche Bojarenkreise haben jedoch den Ernst der Lage noch nicht völlig erkannt und glauben, die Verhandlungen nach Art Trotzkis verlängern und die klare Lage verwirren zu können. Vor allem wünschen sie, daß Rumänien in Bessarabien reichlich entschädigt werde, daß es also möglichst wenig unbestraft aus dem selbstgewollten Kriege herausgehe. Mit letzterem sind natürlich auch die in Bukarest verbliebenen rumänischen Politiker einverstanden, doch spitzt sich die ganze Friedensfrage auf die dynastische zu. Der Thron des rumänischen Königs, ja das Verbleiben der ganzen Dynastie ist in Frage gestellt, da König Ferdinand und besonders die Königin Maria jetzt von den Rumänen für den Zusammenbruch verantwortlich gemacht werden. Wenn dies auch nicht der historischen Wahrheit entspricht, wenn auch die einflußreichen rumänischen Kreise mindestens ebenso schuldig am Kriege sind, so läßt sich doch nicht verhehlen, daß ein Verbleiben der jetzigen Dynastie gegen den Willen der Mehrheit des rumänischen Volkes wäre. Noch mehr erschwert wird die Lage Averescus durch die Agitation dev rumänischen Demokraten, die unter der Führung des fähigen und geschickten Sozialisten Rakowsky nicht nur rumänische Republick verlangen, sondern auch den Sturz der Vojarenherrschaft, die bisher auf den großen Latifundien die rumänischen Massen in Hörigkeit hielt. Gerade durch die Besetzung durch die Mittelmächte hat der rumänische Landbewohner Geld in die Hände bekommen und den Geist einer neuen sozialen Ordnung verspürt. So droht also jeder rumänischen Regierung die Gefahr einer sozialen Umwälzung. Die Forderungen der breiten rumänischen Massen gehen auf eine völlige Neuordnung der Agrarverfassung hinaus, die natürlich in den Bojaren, welche das Heft der Regierung in Händen haben, erbitterte Interessenten findet. Auf alle Fälle kann versichert werden, daß die Mittelmächte in Bukarest reinen Tisch machen werden und vor dem Mittel, das jetzt Petersburg zum Frieden zwang, im Notfalle nicht zurückschrecken. Neben wirtschaftlichen Vorteilen schweben vor allem Erwängungen über Kriegsentschädigungen finanzieller Natur. In Drest hatten am Mittwoch die Verhandlungen noch nicht begonnen, doch dürften sie, sobald die Russen eingetroffen sind, schnell zum Abschluß kommen, wenn auch die handelspolitischen Fragen neben dem politischen Abschlusse gesonderte und vielleicht länger dauernde Beratungen erfordern. Wie es heißt, ist Geheimrat von Rosenberg, der Führer der deutschen Delegation, bevollmächtigt, den Friedensvertrag zu unterzeichnen. Die Verhandlungen in Brest=Litowsk.— Trotzki wird nicht teilnehmen. TU. Berlin, 28. Febr. Die zur Unterzeichnung des Friedensvertrages nach Brest=Litowsk abgesandte Abordnung des Rates der Volkskommissare ist entgegen der ursprünglichen Annahme gestern noch nicht dort eingetroffen. Sie wird erst heute nachmittag erwartet. Die Abordnung wird nicht von Trotzki, sondern von Sokolnynow geführt. Trotzki wird, der B. Z. zufolge, überhaupt nicht nach Brest=Litowsk kommen. TU. Die Eisenbahndirektion Kattowitz hat nach einer Meldung der Schlesischen Zeitung den Regierungsrat Wielusat und einen Assistenten nach Brest=Litowsk entsandt, die den Eisenbahnverkehr zwischen Deutschland und Rußland zweckAustausch von Gütern in die Wege leiten sollen. Rücktritt Lenins und TU. Nach Petersburger Depeschen der Balkanagentur soll die Prawda das Gerücht, daß Lenin und Trotzki abzudanken beabsichtigen, bestätigt haben. Der Demission beider werde die Einberufung der Konstituante voraufgehen. Nach einer weiteren Pariser Meldung soll man in Petersburg fieberhaft arbeiten, um die Stadt in Verteidigungszustand zu setzen. Eine Depesche des Journal schildert die Panik, die auch Moskau ergriffen hat. Ein erheblicher Teil der Bevölkerung suche auf alle mögliche Art zu entfliehen.(Anscheinend arbeitet die Entente fieberhaft gegen den kommenden Frieden. Die An strengungen werden aber an der Macht der Tatsachen zerschellen. D. Reb.) Ein russisches Dlrektorium. TU. Nach einer Petersburger Depesche der Pariser Presse setzte der Rat der Volkskommissare ein Direktorium ein, dem außerordentliche Vollmachten verliehen wurden. Das Direktorium, dem Lenin und Trotzki angehören, beschloß die Generalmobilisation(?) und die Verteidigung Petersburg.— Weitere Petersburger Depeschen bezeichnen die Demission Trotzkis als tatsächlich bevorstehend. Trotzki werde von seinen Freunden bereits nicht mehr als Minister betrachtet, Die Bolschewisten und die Deutschen in den Ostseeprovinzen. TU. Als die Bolschewisten sich nach dem Abbruch der Friedensverhandlungen soweit in der Macht fühlten, daß sie den deutschen Truppen energisch Widerstand zu leisten hofften, wurde ein von den Sowjets unterzeichnetes Dekret erlassen, alle Adeligen und Grundbesitzer Livlands und Kurlands— die Männer vom 17., die Frauen vom 20. Lebensjahre ab— zu verhaften und nach dem Innern Rußlands zu schicken. Nach dem siegreichen Vormarsch der Deutschen haben sich die Bolschewiki anders besonnen ud ordnen jetzt an, daß alle Verschleppten unverzüglich wieder freigelassen werden. Die aus Dorpat, Reval und anderen Städten verschleppten Deutschen werden setzt von Rußland aus zurückbefördert und dürften in den nächsten Tagen sich wieder in ihrem Familienkreise befinden. Estland proklamiert seine Unabhängigkeit. TU. Die Neue Korrespondenz in Bern meldet aus Petersburg: Nach einem Telegramm aus Reval hat der Stadtrat von Reval eine Kundgebung veröffentlicht, die die Unabhängigkeit Estlands erklärt. Eine provisorische Regierung ist gebildet worden. Die Kundgebung erklärt Estland als neutrale Nation. Eine andere Depesche aus Petersburg teilt mit, der deutsche und österreichische Lebensbaum. Wilson: Die beiden zu trennen, werde ich wohl mit meiner Laubsäge nicht schaffen! daß die Deutschen, als sie bis auf 7 Stunden auf Reval vorgerückt waren, Parlamentäre schickten, die erklärten, in Anbetracht der Unabhängigkeitserklärung Estlands kämen die Deutschen als Gäste und nicht als Eroberer. Die Zustände im russischen„Heer“. TU. Wie der Corriere della Sera meldet, haben einige Abteilungen des Preobaschenski-Regiments, das von Petersburg abfahren sollte, auf einem Petersburger Bahnhof eine Versammlung abgehalten und festgestellt, daß sich das halbverhungerte Heer gar nicht mehr schlagen könne. Man beschloß, nicht abzureisen, sondern zur Garnison zurückzukehren. Die Entente hofft immer noch auf Rußland. TU. Die Sozialrevolutionäre in Petersburg veröffentlichen einen Aufruf über die Fortsetzung des Widerstandes und die Einberufung der Konstituante außerhalb von Petersburg. Die Maximalisten machen große Anstrengungen, den Ausbruch von allgemeinen Unruhen und Plünderungen zu verhindern. Die Maximalisten haben den Kopf verloren. Die Lage ist äußerst ernst. Der Korrespondent der Daily News in Petersburg meldet, man solle nicht annehmen, daß Rußland in diesem Kriege kein Faktor mehr sein werde. Wenn die Sowjets die Armee vollständig reorganisiert haben werden, so werde man erwägen, daß sie mit oder gegen ihren Willen den Krieg gegen Deutschland werde erneuern müssen. Die Zwangslage für Rumánien. TU. Der Berner Neuen Korrespondenz wird aus Jassy gedrahtet: Die Zustände in Rußland stellen die Lage Numäniens mit jedem Tage mehr bloß. Einerseits wird der von der Ukraine an das deutsche Volk gerichtete Appell den demnächstigen Einzug des Feindes in Kiew und Odessa zur Folge haben, andererseits bestehe von jetzt ab zwischen den Bolschewiki und Rumänien der Kriegszustand. Man muß darauf gefaßt sein, daß der Feind seine Forderungen höher stellt, so daß sich wahrscheinlich General Averesen in der Notwendigkeit befindet, den von den Deutschen und österreichern festgesetzten Zeitpunkt für den Beginn der Friedensverhandlungen zu genehmigen. Besprechung des Grafen Czernin mit dem eumänischen König. WTB. Berlin, 28. Febr. Seit dem Eintreffen der Abordnungen der Vierbundmächte in Bukarest haben unverbindliche Vorbesprechungen mit General Averesen stattgefunden. Gemäß den bei diesen Besprechungen getroffenen Vereinbarungen hat der k. u. k. österreichisch-ungarische Minister des Auswärtigen, Graf Czernin, am 27. Februar in dem von rumänischen Truppen besetzten Teile Rumäniens eine Unter redung mit König Ferdinand im Einverständnis mit den Verbündeten gehabt. Czernin gab dem König die Bedingungen bekannt, unter denen der Vierbund bereit wäre, mit Rumänien Frieden zu schließen. König Ferdinand erbat sich kurze Bedenkzeit, die ihm gewährt wurde. Von der Antwort des Königs wird es abhängen, ob eine friedliche Lösung mög lich erscheint. TU. Bern, 1. März. Auf die Frage eines Berichterstatters des Berliner Tageblattes, ob Deutschland versuchen werde, die bulgarischen Forderungen etwas zu mildern, erklärte der rumänische Gesandte in Bern, Pagliano: Ich hoffe es von ganzem Herzen, denn Deutschland hat zuviel Gerechtig manchen anderen Anzeichen ein„Offener Brief eines Deutschen an Lenin", den das„Journal de Geneve" veröffentlicht. Der Verfasser, Hermann Fernau— Orts= und Zeitangabe fehlt— wirft darin Lenin Mangel an Logik vor, weil er sich in seinem Friedens-Aufruf an die kriegführenden Völker, besonders die arbeitenden Massen, gewandt habe, wähvend er die Friedens=Verhandlungen mit den amtlichen Verretern des Vierbundes führe. Er erklärt schon diese Verjandlungen für einen offenen Verrat an den demokratischen brundsätzen; ein mit diesen Vertretern abgeschlossener Friede würde aber der demokratischen und republikanischen Sache in Deutschland den Todesstoß versetzen. Damit gibt Fernau preis, weshalb er gegen den Friedensschluß ist: durch ihn vürden die Hoffnungen vernichtet werden, welche er auf einen ür Deutschland ungünstigen Ausgang des Krieges gesetzt hat: die deutsche Revolution kann nur siegreich sein nach einer militärischen Niederlage der„Hohenzollern", wie Fernau sich ausdrückt. Er scheint doch noch eine Spur von Scham zu haben, die ihn abhält, von einer Niederlage Deutschlands zu sprechen, obgleich selbstverständlich sich das eine mit dem anderen deckt. Wenn ihm nicht schon einfache Überlegung das gesagt hätte, so geht es aus den Beispielen hervor, die er Lenin gegenüber anführt: Die Niederlage des Zarismus im jetzigen Kriege und diejenige der Bonaparte 1870-71, die beide nichts anderes waren als Niederlagen ihrer Länder.— Um die Heuchelei voll zu machen, ruft er aus: Ich sage nicht, setzen Sie den Krieg fort; ich sage nur seien Sie logisch! Wie Lenin das machen soll, ist sein Geheimnis. Wer die Vorgange im Deutschen Reich verfolgt hat, kann nicht im Zweifel sein, daß die Unabhängigen Sozialisten genau den Fernau'schen Standpunkt einnehmen. Sie sind„Defaitisten" im schlimmsten Sinne des Wortes; sie sind keine Flaumacher, sondern sie lechzen nach der deutschen Niederlage. Das deut sche Blut, das diese Niederlage kosten würde, ist ihnen völlig gleichgültig, wenn sie nur Erfüllung ihrer politischen Wünsche erreichen; ebenso gleichgültig ist ihnen die Verelendung des deutschen Volkes, besonders der Arbeiter, welche ein Sieg unserer Feinde uns auf Geschlechter hinaus bringen würde. Betrübend ist, daß die Haltung der Regierung in der Erwiderung auf die westlichen Unverschämtheiten immer noch zu schwächlich ist: Da trotz Kühlmann's„Niemals" immer wieder der Anspruch auf Elsaß=Lothringen als selbstverständlich erhoben wird, muß auch immer wieder entgegnet werden, daß an ein Eintreten in Verhandlungen solange nicht gedacht werden kann, als drüben noch von Elsaß=Lothringen, von etwaiger anderer Verfügung über unsere Kolonien und ähnl. gefaselt wird. Über manches andere kann man ja reden. Gutmachung von Schäden? Soweit sie unverschuldet zugefügt sind, ist doch sicher kein unbilliges Verlangen. Aber da wir die systematisch Eingekreisten und mit Vorbedacht Überfallenen sind, kommt dafür nur Östpreußen, Galizien und das westliche Asien in Betracht.— Selbstbestimmung der unterjochten Völker? Wenn die Bevölkerung von Irland, Marokko, Agypten, Arabien und Indien abgestimmt haben, kann man darüber reden, ob noch andere, in viel kleineren Bezirken wohnende unterjochte Völker zu erlösen sind.— Über andere Fragen herrscht wohl schon jetzt auf beiden Seiten völlige bereinstimmung, so über Freiheit des Meeres, einschließlich der Meerengen; nur daß wir andere Bürgschaften dafür fordern, als sie dem Erzheuchler in Washington vorschweben.— Vorstehende Zeilen sind vor Wochen geschrieben. Der Verlauf der letzten Tage hat bewiesen, daß Lenin den ihm vorgeworfenen Mangel an„Logik" abzuhelfen versucht hat. keitsgefühl und praktischen Sinn, um zuzusehen, daß Rumänien vernichtet werde. Die Existenz Rumäniens, des Eckpfei lers der europäischen Kultur im Osten, ist für Deutschland ebenso notwendig wie für die anderen Großmächte. Das weiß man in Berlin zu genau, und man weiß auch zu genau, daß wir Deutschland und Österreich große wirtschaftliche Vorteile bieten können. Und darum möchte ich an Deutschland und Österreich appellieren, Rumänien nicht einen Frieden aufzu zwingen, der seinen Rechten und seinen Lebensinteressen zu widerläuft. Das ist erforderlich im Interesse der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit.(Die Gerechtigkeit und Menschlichkeit sind von Numänien durch den treulosen Verrat mit Füßen getreten worden. D. Red.) Rücktritt des serbischen Rabinetts. TU. Das holländische Nieuwsbüro meldet aus Korfu: In der Mittwochsitzun der Skuptschina hatte Ministerpräsident Pasitsch für alle Kabinettsmitglieder die Demission überreicht. Kriegsziele unserer Feinde und der deutschen Unabhängigen Sozialisten. Man schreibt uns: Die deutsche Presse hat wiederholt darauf hingewiesen, daß die maßlosen Ansprüche, welche die Vertreter der Westmächte noch in allerletzter Zeit in ihren Reden ausgedrückt haben, in schreiendem Gegensatz zur militärischen Lage stehen, und daß sich diese Ansprüche, die man wohl nicht als reinen Bluff auffassen kann, nur dadurch erklären lassen, daß sie auf innere Zwistigkeiten im Vierbund minderheitssiege. Welche Siege sind häufiger? Solche der Mehrheit oder solche der Minderheit? Der Schriftsteller Karl Leyst hat in seinem prächtigen Büchlein„Hindenburg oder Napoleon" die 95 bedeutendsten Schlachten in der Zeit von 1631—1871 zusammengestellt. Und davon sind 53 Minderheitssiege. Einer der größten Minderheitssieger ist Friedrich der Große gewesen. In seinen zehn Kriegsjahren hat er achtmal ein zahlenmäßig überlegenes Heer besiegt. Bekannt sind ja in dieser Hinsicht vor allem Roßbach und Leuthen. Noch glänzender aber sind die Siege bei Soor und Liegnitz. Denn während bei Leuthen 43 000 Preußen 80 000 Österreicher und bei Roßbach 22 000 Preußen 43 000 Feinde besiegten, kämpften bei Soor nur 18000 Preußen gegen 40 000 Mann, und bei Liegnitz war das Verhältnis gar 14 000:32 000. Dabei ist noch hervorzuheben, daß die Österreicher bei Liegnitz von ihrem zweifellos tüchtigsten, Daun weit überlegenen Feldherrn Laudon geführt wurden. Noch ungünstiger lagen die Verhältnisse für den Prinzen Eugen bei Peterwardein, wo 64 000 über 150 000, und bei Belgrad, wo 60000 über 180 000 siegten. Die gewaltigste Leistung aber hat der General v. Werder vollbracht, als er an der Lizaine mit nuy 45 000 Mann Bourbakis 140 000 besiegte. Wiederholt haben ferner Minderheitssiege erfochten Gustav Adolf, Radetzky und Prinz Friedrich Carl. Vielleicht ist mancher Leser überrascht, Napoleon nicht in dieser Reihe zu finden. Dieser hat aber in seinen zehn Kriegsjahren(=Friedrich d. Gr.) nur zwei Minderheitssiege davongetragen, bei Austerlitz und bei Ligny. Dort siegte er mit 65 000 über 82000 und hier mit 78 250 über 87 350. Überhaupt sind die Vorstellungen, die man bisher allgemein von Rapoleons Feldherrnleistungen gehabt hat, stark übertrieben. Als„Wiege seines Ruhmes" gilt ja Italjen, wo er in dem Feldzuge 1796/97 nach der üblichen Darstellung eine Reihe glänzender Siege erfochten haben soll. Betrachtet man aber die Zahlenverhältnisse kritisch, so verlieren diese Siege viel von ihrem Glanz: mit Ausnahme von Rivoli, wo die Partie gleich stand, hat er mit erdrückender Mehrheit gesiegt, so bei Montenotte mit 15.000 über 3000, bei Lodi mit 15000 über 9000, bei Arcole mit 21 000 über 8000. Manche Siege hat er sich außerdem auf Kosten anderer angeeignet. So ist der Sieg bei Marengo ein Werk Desaix'. Napoleon war am Vormittag des 14. Juni 1800 glatt besiegt worden. Desaix nahm nachmittags die Schlacht wieder auf, fiel aber, und diesen Umstand nutzte Napoleon beim Bericht nach Paris für sich aus. Auch später hat Napoleon— von den beiden genannten Ausnahmen abgesehen— so beständig große Massen vor der Schlacht zusammengetrieben, das bereits Bernhardi sagt, er sei eigentlich nur an der Spitzé der Überzahl in seinem Element gewesen. Verliert Napoleon schon durch die Feststellung dieser Tatsachen sehr viel, so noch mehr dadurch, daß er, worauf namentlich Graf Schliefsen schon hingewiesen hat, stets nur bestrebt gewesen ist, die feindliche Stellung zu durchbrechen Zuweilen zeigt sich zwar in der Bedrohung der einen Flanke ein leichter Ansatz zum Umfassungssieg. Aber eine wirklich durchgeführte Umfassungsschlacht hat er nie geschlagen. Der Meister dieser Taktik war Molkte und ist neuerdings Hindenburg, iur trotz Clausewitzens Grundsatz, daß eine solche Schlacht bei einem zahlenmäßig überlegenen Gegner nicht am bauen. Daß es leider derartige Volksgenossen, die ihren Landsleuten in den Rücken fallen, bei uns gibt, unterliegt! Platze sei, mit der Minderheit den riesigen Gegner umarmt keinem Zweike einen unumstößlichen Beweis dafür liefert! u. zermalmt.— Vor Tannenberg verblaßt Austerlitz zu nichts, der Krieg zur Sec. 22 000 Tonnen versenkt. WTB. Berlin, 1. März.(Amtlich.) Im Mittelmeer wurden auf dem Wege nach Alexandrien, Port Said und Saloniki 6 Dampfer und 2 Segler von zusammen 22 000 BRT. versenkt. Die Dampfer waren tief beladen, zum Teil bewaffnet und stark gesichert. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Torpediert. WTB. Stockholm, 1. März. Wie Svenska Dagbladet aus Gotenburg erfährt, ist der schwedische Lloyddampfer Augin (2500 Tonnen) vor der Küste von Cornwall torpediert worden. Reichstag. Berlin, 1. März. Am Bundesratstisch: v. Payer, Wallraf, Graf Roedern.— Vizepräsident Dr. Paasche eröffnet die gestrige Sitzung um 11 Uhr.— Abg. Landsberg (Soz.): Ein Sieg der Russen hätte die gleichen Folgen gehabt wie ein Sieg der Perser bei Marathon, deshalb sind wir für den Krieg mit Rußland eingetreten. Aufgabe der Reichstagsmehrheit ist es, dafür einzutreten, daß der künftige Friede der Reichstagsentschließung entspricht. Darin stimmen wir mit dem Zeutrum völlig überein. Wir wollen Rußland nicht demütigen. Als Frankreich Straßburg annektierte, galt das als weiseste Politik. Jetzt nach 200 Jahren verblutet Frankreich an den Folgen dieser Politik. Staastsekretär Wallraf hätte die Arbeiter ruhig empfangen sollen, genau so, wie er sich mit anderen Nicht=Abgeordneten, so von Tirpitz, unterhalten hat. Hinter diesen Männern standen viele Landsleute, die den Krieg mitgemacht haben und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet sind. Sie überschätzen seine Bedeutung. Deutschland ist länger als andere Länder von Ausständen verschont geblieben, ein gutes Zeichen für unsere Arbeiter. Die Konservativen wollten keine Einmischung des Reiches in Fragen des preußischen Wahlrechts. Dabei verlangten sie durch den Mund Oldenburgs, der sich jetzt in unglaublichen rednerischen Ausschreitungen ergeht, als es sich um Anderung des bisherigen Wahlrechts handelte, daß zuvor die Genehmigung Preußens einzuholen sei. Er sprach das Wort aus: Gegen Demokraten helfen nur Soldaten. Es. sehlt uns die Demokratie; mit ihr allein können wir auch Elsaß=Lothringen innerlich gewinnen. Das Pluralwahlrecht ist ganz unmöglich. — Staatssekretär Wallraf: Die Regierung hatte, als der Streik ausbrach, die Wahlrechtsvorlage bereits eingebracht. besonders zu bestätigen. Die Arbeiterführer vielmehr hätten die Arbeiter aufklären und die Nutzlosigkeit des Streikes nachweisen sollen. Ich kann nicht, wie Minister Dankl, in Ruhe der Sozialdemokratie dafür danken, daß sie die Führung übernommen habe. Das war bei uns ja auch gar nicht der Fall. Undererseits sind außer dem ermordeten Wachtmeister 21 Polizeibeamte mehr oder weniger schwer verletzt worden. Ihnen gebührt für iher Treue unser Dank.(Lebh. Bravol) — Abg. Riesser(Natl.): Dr. Landsberg sagte, es wäre ihm lieber, wenn die Einmütigkeit, die in der nationalliberalen Reichstasgfraktion für das gleiche Wahlrecht besteht, in der preußischen Abgeordnetenhausfraktion vorhanden wäre. Uns auch. Haase hat bestritten, daß in Belgien Greueltaten vorgekommen seien. Er scheint das amtliche Weißbuch über die völkerrechtswidrige Führung des belgischen Volkskrieges nicht zu kennen. Die nationalliberale Reichstagefraktion war vor einigen Tagen in Hamburg gewesen, wo Vertreter der Kaufmannschaft ihre Wünsche vorgebracht haben. Wir haben uns gefreut über den unzerstörbaren Glauben an die stolze Zukunft unseres Vaterlandes, der aus ihren Worten sprach. Man vertraut fest auf den starken Schutz der deutschen Armee, wenn der hanseatische Kaufmann wieder nach Übersee hinausgehen will. Wir brauchen die Überzeugung, daß die gesamte Wirtschaft nur gedeihen kann beim Blühen aller Stände. Mancher scheinbare Gegensatz zwischen Unternehmern und Arbeitern könnte bei gegenseitigem Verständnis ausgeglichen werden. Es ist verwerflich, wenn die Herabsetzung ganzer Stände aus politischen Gründen erfolgt, die dann ihr schlimmes Gegenspiel in einer falschen Judikatur auch der Gerichte finden muß. Es kann nur anerkannt werden daß uns unsere Kriegswirtschaft, die Ernährungswirtschaft, die Rohstoffbewirtschaftung usw. angesichts unserer Abschließung vom Meer über diese Zeit hinweggebracht hat. Es war ein Versuch am untauglichen Objekt, trotz des Fehlens des freien Marktes einen angemessenen Preis für die Gegenstände des öffentlichen Bedarfs feststellen zu wollen. Das war eine Aufgabe, die scheitern mußte. Wir sind durch die Zwangswirtschaft in den Staatssozialismus hineingetommen. Diese Gelegenheitsorganisationen haben oft mehr Schaden im Gefolge gehabt als Nutzen. Die Überproduktion an Gesetzen vermindert die Achtung vor dem Gesetze. Die Schnelligkeit, mit der man öfter hat vorgehen müssen, hat dazu geführt, daß sehr oft rasche Anderungen der Verordnungen erfolgen mußten, die die schon bestehende Verwirrung noch erhöhen mußten. Dazu kommt, daß die Interessenten leider nicht in gehöriger Zahl gehört wurden. Das müssen wir aver umso mehr verlangen, als der Reichstag auf eine Mitwirkung beim Erlaß von Verordnungen verzichtet hst. Dabei sind die Strafen häufig so bemessen, daß sie nach unseren Friedensbegriffen mit der Schwere des Vergehens gar nicht im Einklang stehen. Da geht auch viel von der Achtung vor dem Gesetz, ja viel von der Furcht vor Bestrafung, von der beabsichtigten Abschreckung verloren, die ein Verurteilter bei seinen Mitbürgern erleiden soll. Wir fordern, daß mit der Produktion von Verordnungen, Bekanntmachungen, Verfügungen nicht in einem Tempo fortgesohren werde. Ich würde eine Abhilfe vor allem darin finden, daß Verordnungen überhaupt nicht erlassen werden, ohne daß sie vorher im Reichswirtschaftsamt vorgelegen haben. Die Ermächtigung des Bundesrats zu Notverordnungen besteht mit der Maßgabe, daß der Reichstag jederzeit die Aufhebung solcher Verordnungen verlangen kann. So gibt es z. B. neben der Kriegsleder=Aktiengesellschaft die Riemenfreigabestelle, die Kontrolle für freigegebenes Leder, die Gutachterkommission für LederAho ausschuß der Schuhindustrie mit elf unmittelbaren Herstellungs- und Vertriebsgesellschaften an verschiedenen Orten Uhnlich ist es bei den Fischen. Man wtrft Millionen weg, wenn man dem Handel den Einkauf nicht besorgen läßt. Der lein freie Handel allein kann verhindern, daß in großen Gebieten Überfluß an Mangel ständig abwechseln. Nur der freie Han del kann eine wirkliche Rationierung erreichen. Wir lehner grundsätzlich Staatsmonopole, einschließlich des Getreidemonopols, ab. Bei ihrer Einführung würde von oem freien Wirtschaftsverrehr der Friedenszeit so gut wie nichts übrig bleiben. In Frage der Zusammenlegung der Betriebe schliezen wir uns der Entschließung des Ausschusses für Handel und Gewerbe an. Die im Kriege stillgelegten Betriebe sollen in der Übergangszeit bald wieder aufgenommen werden durch chleunige Zunnung von Betriebsstoffen usw.. Wir sind jeute schon in der Übergangsziet durch den Friedensschluß mit der Ukraine. Eine staatliche Aufsicht wird auch in der Übergangszeit nicht zu vermeiden sein. Die Übergangszeit muß so kurz wie möglich bemessen sein. Alsbald nach dem Kriege hat ein möglichst zu beschleunigender Abbau der Kriegstellen zu erfolgen. Der Weltverkehr muß so rasch wie möglich eröffnet werden. Ein kühner Kopf würde die sofortige Zulassung des freien Handels, der freien Landwirtschaft und der freien Industrie bestimmen. Eine Zolleinigung mit Österreich=Ungarn würde nur eine Rückversicherung für den Fall eines künftigen Krieges sein, sie darf aber den deutschen Überseeverkehr nicht hindern. Wenn wir einen ehrenvollen Frieden erhalten, dann werden wir eine kürzere Übergangszeit haben, als selbst Optimisten jetzt annehmen. Wir werden einen Ausschwung wirtschaftlicher Art erleben, wie wir ihn noch nie gehabt haben. Für uns sehr erfreulich ist die Tatache, daß wir kein Moratorium brauchten.— Abg. Dr. Roesicke(D. K.): Die Teuerungsverhältnisse, unter denen wir leben, erfordern energische Maßnahmen, um das Durchjalten zu erleichtern. Hier kommen besonders der Mittelstand und die Beamten in Betracht. Auch die Pensionsempfänger müssen noch mehr berücksichtigt werden. Die Zuweisung der Renten aus der sozialen Versicherung muß rascher erfolgen. Es ist mir ein Fall bekannt, wo 2 Jahre darüber verflossen ind. Der Krieg hat beschüdigte Zivilpersonen geschaffen, die eine Entschädigung bekommen und der Kriegsversorgung nicht unterworfen sind. Auch die müssen in den Kreis der Berechtigten eingezogen werden. Gefreut habe ich mich, daß erfüllt sieht. 22 Kriegsge damit ist es gonug. Die wichtigste Position im Etat scheinen uns die 300 Millionen Mark für die Wiederherstellung der deutschen Handelsflotte zu sein. Wir begrüßen auch die Förderung des Kalibergbaus, dem alle möglichen Erleichterungen gewährt werden müssen. Die Unterstützung des Kleinwohnungsbaues ist zweifellos Reichssache. Ich hoffe, daß die Beiehungen zu den neuen Völkern des Ostens Verhältnisse chaffen, um dort deutsche Kolonisation durchzuführen. Das Arbeitskammergesetz ist uns angekündigt. Nach den Worten des Vizekanzlers soll es uns bald vorgelegt werden. Ichh es für bedenklich, den Rahmen des Gesetzes weiterzuziehen, als absolut notwendig ist. Ernste Sorge muß uns das recht große Defizit beretten. Wenn die Schuld des Reiches so weiter wächst, dann muß man sich doch die Frage vorlegen, ob wir überhaupt in der Lage sind, diese Last zu tragen. Nach der Resolution vom 19. Juli 1917 führen wir einen Verteidigungskrieg. Zur Verteidigung gehört aber doch nicht nur die Verteidigung des Territoriums, sondern auch die Erhaltung unseres Wirtschaftslebens. Wir führen auch einen Wirtschaftskrieg; denn, wenn unsere Feinde uns wirtschaftlich vernichten, haben sie den Krieg gewonnen. Deshalb ist es notwendig, daß die Feinde uns einen Teil der Last abnehmen. So brauchen wir eine Entschädigung. Wir müssen es uns deshalb reiflich überlegen, welche Konsequenzen die Resolution auf den Etat ausüben muß. Am meisten würden dabei die Arbetter leiden. Es würde dann wie in den neunziger Jahren kommen, die wirtschaftlichen Verhältnisse werden schwach sein, und wir werden statt Waren Menschen ausführen. Wie Dr. Helfferich ausführte, sollen unsere Gegner das Bleigewicht der Milliarden herumschleppen. Nach der Resolution sollen wir es tun. Wenn wir die Hand ausstrecken, aber niemand kommt, dann haben wir doch nicht schuld, daß der Krieg weiter dauert. Infolge ihrer Schuld müssen dann doch unsere Gegner und nicht wir büßen. Hinter uns stehen auch Anhänger des Zentrums, der Nationalliberalen, der Fortschrittler und der Sogialdemokratie. Wir sind gegen weitere Friedensangebote, weil wir uns damit lächerlich machen. Erzberger freilich will mit Lloyd George in einigen Stunden fertig werden.(Abg. v. Graefe: Der Weltfrieden in der Westentasche.(Heiterkett.) Jedenfalls glaubt Erzberger, England werde jetzt einlenken. Wenn das richtig ist, dann ist es naiv, zu glauben, daß England sich der Kraft des Worles gebeugt habe. England weicht nur der Macht.— Abg. Erzberger(Zentr.): Der Aba. Dr. Roesicke hat mir vorgeworfen, daß die Reichstagsresolntion nicht kriegverkürzend, sondern kriegverlängernd gewirkt habe. Ich antworte ihm darauf dasselbe, was ich schon im Hauptausschuß gesagt habe: Kriegverlängernd wirkt die Haltung der Annexionisten und der Gewaltpolitiker aller Länder. Meine Berechnungen und Behauptungen über die Wirkungen das U-Pootkrienes haben sich s bewahrheitet. Der Abg. Dr. Roesicke hat behauptet, ich hätte eine Belohnung für die Arbeiter dafür verlangt, daß sie während des Krieges ihre Pflicht treu erfüllt hätten. Ich habe das genaue Gegenteil gesagt. Ich habe ausgeführt, nicht eine Belohnung soll dem Arbeiter gegeben werden, sondern es soll ihnen ihr Recht gegeben wenden und dieses Recht sehe ich darin, daß ihnen sobald wie möglich die politische Gleichberechtigung gewährit werde.— Abg. Dr. von SchulzGaevernitz: Wenn je ein Volk seine Reise für das all gemeine, gleiche Wahlrecht gezeigt hat, so hat das deutsche Volk diese Prüfung bestanden. Die preußische Wahlreform ist die Wasserscheide zwischen dem alten und dem neuen Deutschland. Die Waclreform ist die bedeutendste Forderung auch für unsere äußere Politik. Der kommende Friede wird ein Fretheitofriede sein, wie die napoleonischen Kriege Frei heitskriege waren.— Weiterbratung Freitag. Preußischer Landtag. WB. Berlin, 28. Febr. Auf Anregung des Abg. Dr. Kries(Kons.) wird in Aussicht genommen, nicht den Samstag, sondern den Montag nächster Woche sitzungsfrei zu lassen.— Die zweite Boratung des Staatshaushalts wird beim Justizetat fortgesetzt.— Abg. Rainhard(Zentr.): Die Zumeisung des Gefan um betrachten wir als lich wird derselbe humane strockung maßgebond sein. Die Zunahme der Kriminalistik Kriege beklagen wir auf das tiefsta. Am meisten bedauern wir die Zunahme der Verbrechen bei der Jugond. Demgegenüber sollte mehr Gebrauch von der bedingten Straffestsetzung gemacht werden.— Abg. Gottschalk=Solingen(Natl.): Dem und der Stantsanwalt zustimmt, dann ist die Sache damme ledigt.— Abg. Kanzow(Vp.): Bei der Bestrafung der Iguendlichen muß man berücksichtigen, daß ihnen im Kriege die nötige Beaufsichtigung fehlt. Es darf die politische Gesinnung für das Urteil nicht maßgebend sein.— Aba. Dr. Liepmann(Natl.): Der Fonds zur Förderung der Fürsorge für die aus der Strafhaft Entlassenen muß erhoyt werden, und eine umfassende Organisation für diesen Zweck gebildet werden.— Der Justizetat wird genehmigt.— Es folgt die Beratung des Stats des Ministeriums des Innern und, zwar Medizinalwesen.— Abg. Graf von der Gröben (Kons.) berichtet über die Verhandlungen der Kommission.— Weiterberatung Freitag.. Hus westdcutichland. Köln, 1. März. Mit Anschluß von 34 Inmungen und hier eine Ge zur Verteilung der Rohstoffe an das Handwerk ge Geschäftsführerposten wird öffentlich ausgeschrieben. Coblenz, 1. März. Das Kriegsgericht der Festung Coblenz-Ehrenbreitstein verurteilte gestern die 24jährige Arbeiterin Sibylla Sauer aus Kaerlich und die Ehefrau Ant. Schath aus Kaltenengers zum Tode. Die Sauer hatte am 13. Dezember 1917 ihr 1¼ Jahre altes außerehelich gsborenes Kind mit Strychnin vorsätzlich getötet. Die Schath hatte die Sauer zum Mord angestiftet und dazu Beihilfe geleistet. Coblenz. 1. März. Der Oberpräsident der Rheinprovinz hat dem Beispiele der übrigen Provinzen folgend vom 1. März ab die Rationen der Selbstversorger von monatlich 8½ Kilogr. auf 6½ Kilogramm Brot herabgesetzt. Die Mehrrationen der Versorgungsberechtigten bleiben unverändert. Düsseldorf, 1. März. Zur Bekümpfung der Spatzenplage zahlt die Stadt für jeden abgelieferten Spatzenkopf 16 Pfennig. Die Bekämpfung der schädlichen Tiere soll beschleunigt durchgeführt werden, damit sie bei der Rückkehr der Singvögel beendet ist. Sieabura, 1. März. Der Kreistag nahm eine Schenkung des Geheimrats Jul. Vorster in Köln von 50000 en zur Unterstützung kinderreicher Familien von Kriegsteilnehmern entgegen. Hagen, 1. März. Großes Aufsehen erregt die Festnahme einer weitverzweigten Diebesgesellschaft in Hagen, Vorhalle, Boele und Herdecke. Es handelt sich um Eisenbahnarbeiter und Hilfsarbeiter, die schon seit längerer Zeit die Züge systematisch beraubten. Hagen, 1. März. Der Vorsitzende des Westfälischen Kriegerverbandes, Major a. D. Müller, hat mit Rücksicht auf sein hohes Alter sein Amt niedergelegt. Bis zur Neuwahl eines Vorsitzenden führt der stellvertretende Vorsitzende, Geh. Bergrat Salomon, Dortmund, die Verbandsgeschäfte. Recklinahausen, 1. März. Stadtrat Carl Still hat der evangelischen Kirchengemeinde eine Stiftung von 10 000 Mark überwiesen, aus deren Zinsen Theologiestudierenden der Universität Münster, in erster Linie solchen aus unserer Stadt, Beihilfen zu ihren Studien gewährt werden sollen. Münster, 1. März. Die Stadtverordneten bewilligten gestern einen weiteren Kriegskredit von 3 000 000 Mark, der zur Unterstützung von Kriegerfamilien verwendet werden soll. isher sind für diese Swecke schon 10 Mill. A ausgegeben. Lengerich, 1. März. Auf dem Bahnhof wurden zwei Kisten mit 150 Pfund frischem Fleisch, zwei Schinken und vier Seiten Speck, die für Essen bestimmt waren, beschlagnahmt. Verhältnissen des Krieges. Wir hegen die berechtigte Erwartung, daß nach dem Kriege eine Besserung eintreten wird.— Justizminister Dr. Spahn: Alle Streitfragen der bedingten Degnadigung kommen an das Justizministerium. Wenn aber das Gericht die bedingte Begnadigung ausspricht, Nus aller welt. Berlin, 1. März. Großen Schiebungen mit Lebensmitteln ist die Bahnhofspolizei in Soldin(Neumark) auf die Spur gekommen. Der Direktor der Soldiner Genossenschaftsmolkerei, Franz Dohrmann, hat feit Monaten gewerbsmäßig große Mengen von Molkereiproducten, insbesondere Butter und Käse, nach Berlin verschoben. Sein Hauptabnehmer soll, ein Kaufmann Wiegand in Wilmersdorf, Mansfelder Str. 12, gewesen sein. Die Schiebungen waren dadurch möglich, daß Dohrmann die Geschäftobücher und Frachtbriefe fälschte. Gestern wurde Dohrmann in der Angelegenheit wieder vernommen. Nach seiner Vernehmung begab er sich in seine Wohnung und verübte durch Erschießen Selbstmord. Der Wirner Oberbürgermeister will Aufklärung. TU. Der Wiener Bürgermeister Dr. Weißkirchner hat im Herrenhause an den Ministerpräsidenten die folgende Interpellation gerichtet: Die Bevölkerung der Stadt Wien leidet unter der ungenügenden Versorgung mit Brot und Mehl. Die Hoffnung der gesamten Bevölkerung war auf den Brotfrieden gerichtet, den Graf Czernin mit der Ukraine in BrestLitowsk abgeschlossen hat. Die Bevölkerung ist darüber tief beunruhigt, daß die Truppen des verbündeten Deutschen Reiches den Weg in das Gebiet der Ukraine nehmen und sich der dort lagernden Getreidevorräte versichern, während seitens unserer Monarchie keine geeigneten Maßnahmen getroffen wurden, um auch uns unsererseits Mengen von Getreide zu sichern und mit Beschleunigung hierher zu schaffen. Da nun der Herr Ministerpräsident im Abgeordnetenhause erklärte, daß österreichisch-ungarische Truppen nicht in die Ukraine einmarschieren werden, fragen die Unterfertigten an, welche anderen Maßnahmen die k. u. k. Regierung vorgesehen hat, um sich im Interesse der notleidenden und erregten Bevölkerung den Import von Getreide aus der Ukraine zu sichern und innerhalb welcher Zeit solche Einfuhren zu erwarten sind. bb. Warschau, 1. März. Großes Aufsehen erregt die Verhaftung des Schauspielers Zezarski, der sich in der letzten Zeit mit dem Einwechseln von Geld befaßte. Zczarski wechselte anfänglich zum Zwangskurse kleinere Beträge gegen deutsche Währung ein. Allmählich wurden ihm viele Hunderttausende anvertraut, die er veruntreute. Die Höhe der unterschlagenen Summe beträgt über eine Million Rubel. Hertlings Rede im englischen Unterhaus. WTB. London, 1. März.(Reuter.) Im Unterhause wurde durch den Liberalen Holt eine Erörterung über Graf Hertlings Rede herbeigeführt. Balfour sagte: Die Diplo matie sei, was die Verhandlungen unter den Kriegführenden anbetrifft, ausgeschaltet, bis sich ern solches Maß möglichen Übereinstimmung zwischen den Kriegführenden gebildet habe, daß man von diplomatischen Unterredungen gute Ergebnisse erwarten könne. Er spreche es mit tiefem Bedauern aus, daß nach allen Anzeichen dies erfreuliche Stadium noch nicht erreicht sei. Wie könnten wenn Hertlings Rede darstelle. Balfour spottete nahme der Grundprinzipien Wilsons und sagte, er würde an der Sache des Friedens das größte Unrecht tun, wenn er die Hoffnung ermutigte, daß es irgend einen Zweck hätte, mit mündlichen Unterredungen zu beginnen, ehe etwas wie eine Es ist bestimmt in Gottes Rat, Daß man vom Liebsten, was man hat Muß scheiden. Dramatischer Verein„Germania“ Ober=Sprockhövel. Statt jeder besonderen Anzeige. Gestern nachmittag 3 Uhr nahm der Herr nach langem, schweren, mit großer Geduld ertragenen Leiden unsern lieben, unvergeßlichen Sohn, unsern guten Bruder, Schwager und Onkel Hugo Rüterswörden im blühenden Alter von beinahe 22 Jahren zu sich in sein Himmelreich. Um stille Teilnahme bittet namens der trauernden Hinterbliebenen: Familie Fritz Rüterswörden. Sprockhövel, Essen-Dellwig, franz. Gefangenschaft, den 28. Februar 1918. Sonntag, den 10. März 1918, im Saale des Herrn Wilh. Mönninghoff, Station Bossel zum Besten der Kriegs-Wohlabrtsplege unter Mitwirkung der Zimmermann'schen Kapelle. 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Nachstehende Bekanntmachung wird auf Ersuchen des Königlichen Kriegsministeriums hiermit zur allgemeinen Kenntnis gebracht mit dem Bemerken, daß jede Zuwiderhandlung gegen die Beschlagnahmevorschriften nach§ 6 der Bekanntmachung über die Sicherstellung von Kriegsbedarf in der Fassung vom 26. April 1917(R.=G.=Bl. S. 376) und 17. Januar 1918(R.=G.=Bl. S. 37) und jede Zuwiderhandlung gegen die Meldepflicht§ 5 der Bekanntmachung über Auskunftspflicht vom 12. Juli 1917(R.=G.=Bl. S. 604) bestraft wird. Auch kann der Betrieb des Handelsgewerbes gemäß der Bekanntmachung zur Fernhaltung unzuverlässiger Personen vom Handel vom 23. September 1915(R.=G.=Bl. S. 603) untersagt werden. Artikel 1. In§ 2 der Bekanntmachung Nr. W. M. 1300/12. 15. K. R. A. wird hinzugesetzt. 9. Handsäcke, Handschützer und alle aus Web=, Wirk=, Strick=, Filz= und Seilerwaren hergestellten Gegenstände, welche zum Schutz der Hände bei Betriebsarbeiten in Frage kommen können(auch Anfaßlappen). Artikel 2. Die erste der gemäß§ 11 der Bekanntmachung Nr W. M. 1300/12. 15. K. R. A. erforderlichen Meldungen über die in Artikel 1 bezeichneten Gegenstände ist bis zum 15. März 1918 zu erstatten. Für sie ist der am Beginn des 1. März 1918 tatsächlich vorhandene Bestand' maßgebend. Artikel 3. Diese Bekanntmachung tritt mit dem 1. März 1918 in Kraft. Münster, den 15. Februar 1918. Das königliche stellv. Generalkommando des 7. Armeekorps. Der kommandierende General: gez. Frhr. v. Gayl, General der Infanterie. Beurlaubungen für die Landwirtschaft zu den Frühjahrsarbeiten. Gesuche um Beurlaubungen von Mannschaften zu den landwirtschaftlichen Frühjahrsarbeiten sind bis spätestens zum 5. März bei den zuständigen Gemeindevorstehern bezw. Bürgermeisterämtern anzubringen. Für die Anträge sind Formulare vorgeschrieben, die bei den obenerwähnten Stellen bereit gehalten und dortselbst auch ausgefüllt werden. Gesuche in anderer Form als hier vorgesehen werden nicht entgegengenommen. Der Landrat: Harz, Geheimer Regierungsrat. auch senkrechtstehende, wie es bei den 10 Gr.=Abschnitten der auf insgesamt 50 Gr. lautenden Marken der Fall ist. Endlich sind stärkere Schrifttypen gewählt worden und sämtliche Nummern in schwarzer Farbe ausgeführt. Die alten Reichs=Reisebrotmarken verlieren ihre Gültigkeit am 14. März 1918. Die neuen Reichs=Reisebrotmarken gelangen schon in der nächsten Zeit zur Ausgabe und haben auch diese jetzt schon Gültigkeit. Sämtliche Brotmarken sowie auch die Reichs=Reisebrotmarken sind von den Bäckern, Händlern, Gast= und Schankwirtschaften usw. sofort nach der Empfangnahme der Marken bei Verabfolgung von Gebäck, mit einem Stempel, der die Aufschrift„Ungültig“ enthalten muß, zu entwerten. Es sind nicht die ganzen Bogen sondern die einzelnen Marken zu entwerten. Die Lagerhalter sind angewiesen, nur entwertete Brotmarken anzunehmen, für nicht entwertete Brotmarken wird ein Ersatz an Mehl nicht geleistet. Reichs=Reisebrotmarken nach dem alten Muster werden nach dem 15. März nicht mehr eingelöst. In letzter Zeit ist es in mehreren Fällen vorgekommen, daß auch jetzt noch von Bäckern usw. Reisebrotmarken ohne Wertpapierunterdruck, also Marken, die ihre Gültigkeit bereits mit dem Ablaufe des 15. Mai 1917 verloren haben, entgegengenommen worden sind, und ebenso solche Fälschungen, bei denen der Wertpapierunterdruck derart mangelhaft ausgeführt worden war, daß die Marken für jedermann auf den ersten Blick als Fälschungen erkennbar waren. Die Bäcker usw. werden darauf hingewiesen daß auch für solche Marken Mehl nicht vergütet werden darf. Diejenigen Kreiseingesessenen, die am 15. März 1918 noch im Besitz von alten Reisebrotmarken sind, ersuche ich, diese bei den zuständigen Ortsbehörden gegen Reisebrotmarken neuen Musters einzutauschen. Schwelm, den 22. Februar 1918 Der Kreisausschuß: Harz, Landrat, Geheimer Regierungsrat. Berichte der Obersten Heeresleitung. WTB. Grußes Hauptquartier, 28 Febr.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht Die Engländer setzten ihre Erkundungen an vielen Stellen der Front fort. Mit starken Kräften stießen sie während der Nacht am Honthoulsterwalde und nördlich von der Scarpe nach heftiger Feuerwirkung vor. Im Nahkampfe und im Gegenstoß wurden sie zurückgeschlagen Heeresgruppe Deutscher Kronprinz und Heeresgruppe Herzog Albrecht. Erfolgreiche Unternehmungen bei Avocourt und Les Eparges brachten uns 27 Gefangene Oestlicher Kriegsschauplatz: Die Operationen nehmen ihren Verlauf. In Estland hat sich auch das vierte estnische Regiment zur Bekämpfung der das Land durchstreisenden Banden unserem Kommando unterstellt.— In Minsk wurden 2000 Mgschinengewehre und 50 000 Gewehre eingebracht.— Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. Strecke abgeschnittenen 23 Kameraden zur Hilfe zu kommen, da neben der gewaltigen Hitzeentwickelung besonders die starken Rauchgase daran hinderten. Erst um 4 Uhr nachmittags konnte man alle abgeschnittenen Knappen bergen. Leider sind der Explosion 23 brave Knappen zum Opfer gefallen, die nur tot zutage gefördert werden konnten. Unter den Toten befinden sich auch 5 Kriegsgefangene, 18 Bergleute stammen aus Herne, 3 aus Recklinghausen=Süd. Die gemeinsame Beerdigung der Opfer wird Sonntagnachmittag stattfinden. Da die Explosion glücklicherweise örtlich beschränkt blieb, so sind größere Zerstörungen in der Grube nicht angerichtet worden. WTB. Bekanntmachung. Zur Erzielung einer Papierersparnis und zur Verhütung von Fälschungen hat das Direktorium der Reichsgetreidestelle beschlossen, eine Aenderung in der Gestaltung der Reichs=Reisebrotmarken eintreten zu lassen. Die Länge der neuen Marken bleibt die gleiche wie bei den alten Marken; im übrigen sind sie halb so groß. Zur Verwendung gelangt ein Papier mit einem durchlaufenden Wasserzeichen. Weiter ist es mit roten und blauen Fasern versehen. Der Wertpapierunterdruck ist in zwei Farben ausgeführt. Grauer Adler auf blaugrauem Untergrunde. Im Gegensatz zu den bisherigen Marken erstreckt sich der Wertpapierunterdruck nicht nur über die einzelne Marke, sondern über den ganzen Markenbogen. Großes Hauptquartier, 1. März(Amtlich.) Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht Nördlich von Poelkapelle scheiterten nächtliche, nach starker Feuerwirkung unternommene Vorstöße englischer Infanterie. An der übrigen Front lebte die Artillerietätigkeit vielfach in Verbindung mit kleineren Erkundungsgefechten auf Westlich von La Fere brachte eine Abteilung vom Vorstoß über den Kanal einige Gefangene zurück. Ein feindlicher Flugangriff auf Contrik verursachte erhebliche Verluste unter der belgischen Bevölkerung. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz Bei Chavignon drangen Sturmtruppen in die feindlichen Gräben und nahmen zehn Amerikaner und einige Franzosen gefangen.— In den frühen Morgenstunden lebte die Gefechtstätigkeit in einzelnen Abschnitten der Champagne auf Oestlicher Kriegsschauplatz Längs der ukrainischen Nordgrenze im Vordringen nach Östen haben unsere Truppen den Dujepr erreicht. Bei Rjetschija stießen sie auf einen stark ausgebauten und vom Feinde verteidigten Brücken kopf. Stadt und Bahnhof wurden im Sturm genommen und einige 100 Gefangene gemacht. In Mosyr haben wir die Pripjet-Flotille, sechs Panzerboote, 35 Motorboote, sechs Lazarettboote— erbeutet — Bei Pfasiitow und Fasatin wurde die Bahnlinie Kiew-Shmerinka erreicht.— Den südwestlich von Starekonstantinow im Kampf gegen feindliche Uebermacht stehenden polnischen Legionären eilten deutsche Truppen zu Hilfe. Gemeinsam wurde der Feind geschlagen.— Von der ukrainischen Regierung und Bevölkerung zum Schutze gegen feindliche Banden gerufen, sind österreichisch-ungarische Truppen in breiten Abschnitten nördlich vom Pruth in die Ukraine eingerückt Italienische Front. Zu beiden Seiten der Brenta war die Kampftätigkeit tagsüber gesteigert. Von der Macedonischen Front nichts Nenes. WTB Berlin, 1. März, abends.(Amtlich.) In der Champagne sowie zwischen der Maas und Mosel führten wir kleinere Unter nehmungen mit Erfolg durch. Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. Das Gold vor der Front. Von Peter Rosegger Nachdruck verboten In einem Winkel der eisernen Kasse lehnte der Goldbarren und schluchzte. Oede und dunkel im Gelaß und das Gold mußte weinen. Da rief plötzlich die Eisenwand der Kasse mit harter Stimme:„Was heulst du, Taugenichts?“ Weil ich ein Taugenichts bin, geworden bin im Geängnis", sagte das Gold. Ach, du warst es immer!“ rief das Eisen.„Du warst nie für etwas Rechtes zu brauchen. Nur für Tant und Hoffart." Das Gold erinnerte:„Ich war im ganzen Reiche das einzig Beständige, ich trotzte den Elementen. Ich war der Herrscher.“ Das Eisen:„Und hast die Menschen verführt und verdorben.“ Gold:„Die verführt und verdorben sein wollten. Sie haben mich erniedrigt, nicht ich sie.“ Eisen:„Heuchler! Und wie geringschätzig hast du stets hergeblickt auf mich. Obschon in mir allein die Kraft, die Arbeit und die Wehr liegt.— Ich glaub's, daß es dich wurmt, wenn jetzt in ernster Zeit sich alles von dir wendet, wenn du von allen Seiten hören mußt: Gold gebe ich für Eisen!“ „Diese Zeit ist dein. Aber ich möchte schon leisten, wenn man mich nicht hier gefangen Gold: auch was hielte." Eisen: Gold: Eisen: „Du was leisten? Da wäre ich doch neugierig.“ „Und zeigen, daß ich ebenso stark bin wie du.“ Wenn du so stark bist— versuch's, geh' jetzt bloß einmal ins Freie.— Nicht war, wie sich die Zeiten ändern! Sonst warst du mein Herrscher, jetzt bin ich dein Kerkermeister.“ Gold:„Sage mir Eisen, bist du ein edles Metall?“ Eisen:„Das sieht doch alle Welt.“ Gold:„So laß mich frei. Du wirst sehen, was ich kann.“ Eisen:„Ich kann mir's denken. Den Krämerbuden würdest du zulaufen, den Spielhöhlen, den Lasterhäusern.“ Das Gold konnte eine Weile nicht sprechen vor Kränkung. Endlich sagte es leise:„Ich würde ins Feld ziehen, vor die Front.“ Eisen:„Du? Du ins Feld? Wohl gar um den Feind zu bestechen, daß er dir das Geschäft nicht verderbe!“ Gold:„Hartes Eisen. Wie wolle ich deinen Spott zuschanden machen!“— Nun wurde das Eisen nachdenklich und schaute ernst auf das Gold, das im Dunkeln ein wenig leuchtete.„Gut,“ sagte das Eisen,„wenn es wahr ist, daß du uns ernstlich zu Hilfe kommen willst in dieser Not, so will ich bei Seiner Majestät ein Gnadengesuch einreichen um deine Befreiung.“ Schon am nächsten Tage war's, da erklang der Ruf durch die deutschen Gaue zur Goldsammlung. Sogleich sprangen alle Schränke und Truhen auf im ganzen Land, das Gold drang in die Welt, vereinigte sich zu einem Riesenheere, zog ins Feld und brachte den schwerbedrängten Soldaten unendliche Mengen von Kampf= und Lebensmitteln, ein Meer von frischer Kraft und von Herzensmut. In neuer, unwiderstehlicher Kraft entbrannte der Kampf und der Feind wurde geschlagen. Das tapfere Gold ist dann ausgezeichnet worden— mit dem Eisernen Kreuz. An unsere Abonnenten. Bei unregelmäßiger Zustellung dieser Zeitung wollen die verehrlichen Abonnenten uns dieses sofort mitteilen, damit wir für Abhülfe sorgen können. Expedition der Sprockhöveler Zeitung. Vor großen Ereignissen. Von unserem militärischen Mitarbeiter. Auftakt? Auf der ganzen Westfront entwickeln Engländer und Franzosen rege Erkundungstätigkeit, um den Schleier zu lüften, hinter dem sich der Aufmarsch vollzieht. Und diese Erkundungsgefechte entwickeln sich an den Hauptpunkten, so in Flandern, im Artois, in der Champagne, an der Maas, am Hartmannsweiler-Kopf und bei Mühlhausen zu größeren Gefechten mit starker Artillerievorbereitung und heftigen Grabenkämpfen. Auf der ganzen, etwa 1000 Kilometer langen Front von der Nordsee bis zum Adriatischen Meer hat das Geplänkel eingesetzt, das die Vorbereitung des starken Zusammenpralls der Massen von Menschen u. Kriegsmaterial bildet. Und das Rätselraten in der Ententepresse beginnt. Anfangs Februar prahlte Frankreichs Marineminister Seygues in der Sorbonne, die Alliierten sprengten den feindlichen Block, durch den anhaltenden fortschreitenden und unwidertehlichen Druck ihrer Armeen",— aber— die Zeit der Prüungen sei noch nicht vorbei. Und die französische Presse verucht, die schwachen Nerven zu stärken. Einmal spricht sie von einer Offensive der Entente, das andere Mal von der der Deutschen, sagt— man kennt die aufgeplusterten Angstphrasen— furchtbar entscheidungsvolle Tage ständen bevor, aber wenn auch Rückschläge eintreten würden, schließlich würde doch die Entente standhalten. Standhalten! Und man hatte doch für 1918 mit der erfolgreichen Offensive gerechnet! Jetzt spricht man nur von Verteidigung, da der russische Zusammenburch den Alliierten gänzlich die Möglichkeit nahm, die eigene Offensive durch eine Paralleloffensive an der Ostfront zu unterstützen, wie zur Zeit der Sommeschlacht(Brussilow) und der großen Flandernkämpfe durch Kerenskis Willfährigkeit. Was könnte Gegengewicht sein? Versailles schuf ein einheitliches Oberkommando, auf Clemenceau und Wilsons Verlangen,„eine beinahe sklavische Nachahmung des preußischen Vorbilds“ schreibt die Londoner Nation." General en Chef ist wohl Foch, daneben Sir William Wilson für England und Bliß für Amerika. Foch will gleichzeitig die Operationsarmee führen, die in entscheidenden Augenblicken an den bedrohlichen Stellen eingesetzt werden soll. Sir William Robertson, der englische Generalismus, hat sich bis zuletzt gegen dieses einheitliche Oberkommando gesträubt. Und es ist augenscheinlich, daß dieses Verlegenheitsprodukt die Quelle ständiger Reibungen bilden wird. Umsomehr, da man nach Ententemeldungen jetzt französische und englische Ver deutschen Truppen durch ihren Vormarsch in Rußland den Druck auf die Bolschewisten noch verstärken. Dieser Friedensvertrag, dessen Unterzeichnung man in wenigen Tagen erwartet, hat als Hauptbestimmung die Ausscheidung von Kurland, Litauen, Livland, Estland und Polen aus dem russischen Reich und die Loslösung der Volksrepublik der Ukraine und der neuen finnländischen Republik von Petersburg. Vor allem wird bestimmt, daß Kurland und Litauen mit einer Grenze, die östlich Dünaburg verläuft, also Riga umfaßt, vollständig von Rußland gelöst und daß ihr Schicksal im Einvernehmen mit der Bevölkerung von Deutschland bestimmt wird. Wie diese Gebiete sich entscheiden, ist nach der unzweideutigen Erklärung der Landstände dieser Gebiete nicht zweifelhaft. Sie werden Anschluß an Deutschland suchen, aber auch Livland und Estland werden bis zur Regelung der Verhältnisse von einer deutschen Polizeimacht besetzt. Über die staatliche Form, und wem sie sich zuneigen wollen, bestimmen Livland und Estland selbst. Nach den Schreckenstagen, die der Bolschewismus dort einführte, ist aber die Neigung zum Anschluß an Deutschland noch stärker geworden. Was mit Reval geschieht, wird nicht näher bestimmt; auf alle Fälle bleibt es dem russischen Einfluß entzogen. So sind die Ostseeprovinzen vom Russenjoch frei. Aber auch Finnland— mit dem wir vor dem Kriege lebhaften Handel pflegten wird durch Deutschland vom Bolschewismus befreit, da wir an Rußland das Ultimatum gestellt haben, seine Horden sofort aus Finnland zurückzuziehen. Auch aus der Ukraine! So ist Deutschland im Osten politisch Vorkämpfer und Bewahrer der Selbstständigkeit der Völker. Daß wir mit diesen befreiten Völkern Interessenverträge abschließen, liegt auf der Hand. Ein schwerer Schlag gegenüber den Winkelzügen der russischen Volschewisten und ihrem Traume, die rote Garde als Kern einer Armee zu bilden, die für die Weltrevolution kämpfen soll, ist die Forderung nach sofortiger, völliger Demobilisierung dieser Truppen. Gerade dieser Punkt wird den Herren Trotzki und Radek viel Kopfzerbrechen machen, da die Demobilmachung der Roten Garde die zuchtlosen Banden leicht dazu führen kann, die Waffen gegen ihre Schöpfer selbst zu erheben. Im Einzelnen wird noch die völlige Wiederherstellung der asiatischen Türkei verlangt und die Einstellung der bolschewistischen Agitation gegen Deutschland. In wirtschaftlicher Friede in Rußland. a a BOLSCNEPrietet. Aud S Jumnanee, werde mir Filialen einrichten müssen, sonst macht mein Hauptgeschäft pleite. Auch die Republik Raukasus bittet um Frieden. Konstantinopel, 28. Febr. Minister des Außern Achmed Nessimy Bei hielt gestern in der Kammer eine Rede, in der er zunächst eine Darstellung der Verhandlungen in Brest=Litowsk gab. Durch Vermittlung des Oberkommandanten der russischen Truppen im Kaukasus ist uns die Bitte des Präsidenten der Republik Kaukasus zugekommen, einen geeigneten Ort für Friedensverhandlungen zu bestimmen. Wir haben diese Vitte bereitwillig aufgenommen. Nach dem Rückzuge der russischen Truppen, die in unseren östlichen Provinzen stationiert waren, haben wir diese Provinzen von nach Ententemeldungen jetzt französische und englische Ver ist die Verlängerung des für uns günstigen Han den Vanden gesäubert, die dort schreckliche Greueltaten an bände stark gemischt hat. Das Hineinspielen der politischen delsvertrages von 1904 Vorbedingung des Friedens.den eingeborenen Muselmanen verübten, die sie mordeten Gegensätze und der Strategie der Kabinette in London und Paris erschwert schließlich die Wirksamkeit eines solchen„einheitlichen Oberkommandos" in höchstem Maße. Hinzu kommen bittere Vorwürfe der Alliierten untereinander. Der englische Generalissimus Robertson ließ durch Repington Lloyd George vorwerfen, er habe nicht genügend Ersatztruppen aufgebracht. Dem amerikanischen Kriegsminister Baker macht man den Vorwurf, er habe zu optimistische Versprechungen gemacht, nicht einmal die nötige Ausrüstung der amerkikanischen Truppen in Frankreich sei vorhanden. Die Untersuchungskommission des Senats ließ durch ihren Vorsitzenden, Chamberlain, exklären, der Kriegsminister Bater habe in seinen Angaben über den Stand der Rüstungen das amerikanische Volk irregeführt. Oberst House, Wilsons Freund, hat sich in einem Bericht pessimistisch über die Lage an der Westfront geäußert und die U-Bootsgefahr als Hauptquelle der unmöglichen amerikanischen Hilfe bezeichnet. Journal of Commerce gibt zu, daß Amerika nicht soviel Truppen senden könne, weil es an Schiffsraum fehle. Was House und die Fachblätter bestätigen, rief der Senator Me. Kunder im Kongreß in olle Öffentlichkeit. Amerika sei nicht bereit. Wir müssen jetzt, sagte er die Lektion lernen, daß man mit Ruhmredigkeit keinen Krieg gewinnt. Man kann von der Entente keine größeren Ansnengungen erwarten, als sie bisher schon gemacht hat. Wenn wir Amerikaner das Gleichgewicht er Kräfte wiederherstellen wollen, müssen wir 5 Millionen Mann in den Kampf schicken. Eine weitere Million ist erforderlich, um den Vorteil, den die geographische Lage den Zentralmächten bietet, auszugleichen, und noch eine weitere Million, wenn die Entente in den Stand gesetzt werden soll, zum Angriff überzugehen. Woher sollen wir aber zu alledem die Schiffe nehmen, zumal wir doch auch noch Großbritannien, Frankreich und Italien mit Lebensmitteln versorgen müssen? Wo sind die notwendigen Fahrzeuge? Das mag Gott wissen; sicher weiß es weder der Schiffahrtsausschuß noch das Marineministerium! Kriegsminister Baker aber hat bis jetzt auf die dringlichen Fragen keine Antwort gefunden. Im Temps pricht sich schließlich am 16. II. General Maleterre sehr kühl iber die Möglichkeit aus, daß die schon in Frankreich weilenden amerikanischen Truppen sich taktisch wertvoll verwenden ießen. Man könne nicht warten, bis sie ausgebildet seien. Und schließlich— es ist das A und 0 aller Klagen— fehlten die Transportmöglichkeiten, um genügend amerikanische Truppen über den großen Teich zu holen. Man sieht, der Druck lastet auf unseren Feinden. Sie rätseln, wieviel Divisionen wir wohl zum Stoß bereit halten, sprechen besorgt davon, daß der Angreifer den Borteil hätte, seine Artillerie an den entscheidenden Stellen zu massieren, während der Verteidiger die seine auf die ganze Front verteilen muß. Schließlich wird orakelt, wo der Stoß einsetzen und was seine Folge sein würde. Aus allem geht hervor, daß die Lage im Westen immer gespannter wird und die Nerven unserer Gegner gewaltig in Erregung geraten find. Wann Ercignisse eintreten, dürfen wir getrost Hindenburg überlassen. Dessen können aber die Gegner versichert sein, daß durch unseren Vormarsch in Rußland der Druck im Westen nicht geringer geworden ist. Mit Vertrauen sehen wir daher der Stunde entgegen, da der Vorhang sich hebt, der über der Zukunft liegt und den die Feinde durch stärker werdende Gefechtstätigkeit auf der Westfront zu heben versuchen. Die Bedingungen für den Ostfrieden. Am Montag gab Graf Hertling im Reichstage bekannt, daß die deutsche Friedensbedingungen als Ultimatum in Petersburg bekannt gegeben worden wären. Nach heftiger Erörterung ist dann in der Vollversammlung des Sowjets das deutsche Ultimatum mit 126 Stimmen gegen 85 bei 26 Stimmenthaltungen bedingungslos angenommen worden. Lenin wendet ich gleichzeitig in einem Artikel in der Prawda gegen Trotzki und dagegen, daß„die Politik der Phrase nochmals die Oberhand bekommen sollte". Die ganze russische Bürgerschaft jubele über das Nöherkommen der Deutschen. Me Schuld, daß Rußland sich den schärferen Bedingungen der Mittelmächte unterwerfen müßte, liege bei Trotzki. Am Dienstag hat im Reichstag Unter=Staatssekretär Frh. von dem Bussche den Inhalt des Ultimatums bekanntgegeben, während die russischen und deutschen Delegierten in Brest zar letzten Beratung sich versammeln und die Diese Bedingungen bedeuten eine völlige Lösung der östlichen Fragen, wobei die Interessen der Mittelmächte ebensowohl wie die Völker, die sich unserem Schutz unterstellten, gewahrt wurden. Uns will scheinen, als ob diese Friedensbedingungen auf Jahrzehnte hinaus unsere Östgrenze sichern werden. Wir sind auf Menschengedenken von dem Albdruck befreit, der seit Napoleons Zeit über Mitteleuropa lag, nämlich kosackisch zu werden. die ungeheure Beute in Pleskau. TU. Der Petersburger Korrespondent des Corriere della Sera sagt: Die Kunde von der Einnahme von Pleskau (Pskow) durch die Deutschen hat in Petersburg eine Stimmung erzeugt, die an Verzweiflung grenzt. Pleskau war der Sitz des Oberkommandos der Nordfront und barg ungeheure Lager von Kriegsmaterial aller Art sowie von Lebensmitteln. 100 Batterien, gewaltige Mengen von Munition, alles ist unversehrt in die Hände der Deutschen gefallen. Die Bedeutung von Reval. bb. Die Londoner Times schreibt(vor Revals durch die Deutschen): Ein Verlust Revals würde die letzten Hoffnungen nicht nur Rußlands, sondern auch der Entente zerstören. Mit dieser Besetzung würden die Deutschen unbeschränkte Herren der Ostsee. In Reval befinden sich vermutlich ungeheure Mengen von Lebensmitteln und Kriegsmaterial, sowie Eisenbahnmaterial für das russische Staatsbahnnetz. Keine Hand der desorganisierten russischen Armee rührt sich, um diese von der Entente gelieferten, unbezahlbaren Werte aus Reval fortzuschaffen. Rußland fürchtet für seine Flotte. TU. Nach Meldungen aus Helsingfors herrscht dort große Bestürzung wegen der Einnahme von Reval. Es wird dort befürchtet, daß sich die Deutschen der bei Sveaborg eingefrorenen Flotte bemächtigen. Die russischen Matrosen machen große Anstrengungen, um die Schiffe freizubekommen, besonders die großen Panzer„Republica“ u.„Petropablowsk". „Wenn doch die Deutschen kämen". TU. Ein früherer russischer Stabsoffizier, dem es durch glücklichen Zufall gelungen ist, vor wenigen Tagen aus Petersburg über Helsingfors zu entfliehen, berichtet: Kein Wunder, daß gerede, seitdem das erste Gerücht über Friedens möglichkeiten aufgetaucht war, die friedliche Einwohnerschaft der unglücklichen Hauptstadt aus dieser zu entfliehen trachtete, auf den sonderbarsten Wegen und nach den sonderbarsten Richtungen. Man flieht an den Ladoga=See und bereitet sich Verstecke in verlassenen, ofenlosen Sommerhäuschen in der Umgebung der Stadt vor. Man sieht sich nach Kellern um, wohin man die noch vorhandenen Essenvorräte bei Zeiten verbringt. Während der ganzen Zeit war die Einwohnerschaft Petersburgs noch nie so nervös wie jetzt, sobald der Friede wieder wahrscheinlich geworden ist und gleichzeitig die angeblich friedfertig gewordene Regierung immer neue Tau sende von Rotem Gesindel bewaffnet. Selbst unter den wenigen deutschfreundlichen Kreisen Petersburgs hört man jetzt den Wunsch äußern:„Wenn doch erst die deutschen Truppen in unserer Nähe wären." Die Stimmung in Petersburg. TU. Daily Chronicle meldet aus Petersburg: Die Geschichte der letzten Tage ist die Geschichte des Kampfes zweier Auffassungen. Lenin war der Ansicht, daß der Friede in Brest=Litowsk unterzeichnet werden müsse, um soviel wie möglich von der Revolution Rußlands zu vetten. Nur ein Mann unter den Volschewisten stimmte gegen die Annahme der deutschen Friedensbedingungen, und dieser wird aus der Par tei ausgestoßen werden, nämlich Trotzki. Zurückziehung der Garnisonen aus Petersburg. TU. Ein Erlaß sieht die Räumung Petersburgs von den Garnisonen vor. Mit Ausnahme einer geringen Anzahl Truppen, die zur Aufrechterhaltung der Ordnung in der Stadt belassen werden, rücken alle Regimenter nach der Provinz aus. Diese Maßnahme mußte, wie der Stockholmer Korrespondent der Telegraphen=Union erfährt, aus zwei Gründen erfolgen, 1. wegen der in Petersburg herrschenden Krankheiten, wie Typhus und Pest, und 2. wegen der Disziplinlosigkeit unter den Soldaten. und deren Häuser sie einäscherten. Moskau, 28. Febr. Hier sind die Patriarchenschätze, bestehend aus goldenen und juwelenbesetzten Kirchengeräten, die auf 30 Millionen Rubel geschätzt werden, gestohlen worden. Das Gewicht des gestohlenen Schatzes beträgt 400 Pfd. Finnlands Unabhängigkeit von Spanien anerkannt. WTB. Madrid, 28. Febr. Die Unabhängigkeit Finnlands ist von der spanischen Regierung anerkannt worden. Die Verhandlungen mit Rumänien geheim. bb. Budapest, 28. Febr. Die eigentlichen Friedensverhandlungen mit Rumänien haben, wie die„Expreß-Korrespondenz" erfährt, bisher noch nicht begonnen. Die in Bukarest stattfindenden Beratungen beschränken sich bis jetzt auf informatorische Besprechungen. Die Friedensverhandlungen werden auf Wunsch der Mittelmächte und Rumäniens geheim geführt, da die Öffentlichkeit der Verhandlungen in Brest-Litowsk Fiasko erlitten hat. die Aufnahme der Kanzlerrede bei den Feinden. TU. Baseler Blätter erfahren aus Paris: Der Eindruck der Rede Hertlings in unterrichteten Kreisen läßt sich dahin der Einnahmezusammenfassen, daß man anerkennt, daß die Sprache des würde die deutschen Reichskanzlers mäßiger geworden ist. Aber man warnt davor, sich durch die immer gleichbleibenden Manöver auf den Leim locken zu lassen, um die Verbündeten auseinanderzusprengen. Diesmal wählte der Feind Amerika und England. Amerika sei in den Krieg der Rechtsfrage wegen eingetreten(!). Hertling spreche, als wolle er das Unrecht wieder gutmachen und Belgien wieder herstellen. Aber er spreche von Garantien und enthülle das Maß seiner Aufrichtigkeit. Mit Eroberungen im Osten gesättigt, wünsche Deutschland die Friedensfrage zu beleben in der Hoffnung, die Regierungen der erschöpften Völker zu Verhandlungen zu zwingen. TU. Times meldet aus Washington: In Amerika hat man mit gemischten Gefühlen Hertlings Rede gelesen, in der er behauptet, die 4 grundlegenden Bedingungen Wilsons anzunehmen. Dies behaupte er, nachdem die Militärautokratie bereits alle 4 Grundsätze in flagranter Weise verletzt habe, indem sie das hilflose Rußland zwinge, große Teile des Reiches abzutreten und Rußland erniedrige, Bedingungen anzunehmen, die mit den demokratischen Grundsätzen unvereinbar seien. die Not in frankreich. TU. In der gestrigen Kammersitzung in Paris gab der Lebensmittelminister wichtige Erklärungen über die Beurlaubung von Truppen zu Ackerbauzwecken ab. Die Lage sei ungünstig, und es könne eine Besserung nur eintreten, wenn Mannschaften von der Front beurlaubt würden. Aber dies sei augenblicklich vollkommen unmöglich. Frankreich brauche jetzt alle seine Männer für die Front, da große militärische Ereignisse unmittelbar bevorständen. Ob die Offensive von den deutschen oder von den verbündeten Armeen unternommen würde, könne und wolle er nicht sagen. Aber die Sicherung des Landes dürfe nicht in Frage gestellt werden. Die Regierung lasse Männer aus Afrika, Amerika und Indochina kommen. Sobald diese Leute für den Frontdienst ausgebildet seien, werde man daran denken können, ältere Jahrgänge abzulösen, aber vorher nicht. Wer bewars zuerst hülflose Städte? bb. Berlin, 28. Febr. Die Frage, welche kriegführende Macht zuerst mit Fliegerbomben weit hinter der Front liegende Städte angegriffen hat, wurde letzthin von neutralen Blättern viel erörtert. Für die Franzosen existiert diese Frage nicht. Obwohl sie den letzten deutschen Vergeltungsangriff auf Paris als eine Handlung gegen Völkerrecht und Menschlichkeit bezeichneten, verkünden sie stolz und triumphierend, daß die Menschheit die Ausbildung und wirksame Durchführung dieser Angriffsmethode den Franzosen verdankt. So sagt Georges Pacy im„L’Eclair“ vom 12. 2. 18: „Man darf niemals aus den Augen verlieren, daß es unsere Flieger und Bombenwerfer sind, die die ersten Massen angriffe auf weit innerhalb des feindlichen Gebietes gelegene Objekte unternommen haben: Das am 27. Mai 1915 gegen die chemischen Fabriken der Gegend Ludwigshafen-Mannheim ausführte Bombardement enthüllte unsere unzweifelhafte überlegenheit über einen Gegner, der nur einzelag zufällige Bombardements ausgeführt Sein Wille, die Unversehrtheit, das Leben und die Zukunft des Reiches zu sichern, besteht nach wie vor. Wenn die Konservativen von der Krieg zur Sec. 25 000 Tonnen versenkt. WIB. Berlin, 28. Febr.(Amtlich.) Eins unserer schuld daran. Die Vaterlandspartei hat Zwietracht ge anan e ae n e e kürzlich in der Irischen See und im Armelkanal 9 Dampfer mit 25 000 BRT. versenkt, darunter der bewaffnete, tiefbeladene englische Dampfer„Theanor" mit 1980 BRT.,„Polo“ mit 2915 BRT.,„Carlisle Castle" mit 4325 BRT., ferner die englischen Küstendampfer„Linesfield",„Arlbeg",„Ben Rein“. Mit den versenkten Schiffen gingen wertvolle Ladungen an Kriegsmaterial und Gebrauchsgegenständen verloren, so mit dem Dampfer„Eleanor" eine Schiffsladung Minen, für den Mittelmeerkriegsschauplatz bestimmt. Die 8 versenkten Dampfer waren mit Werg, Soda und Seife voll beladen. Besonders wertvolle, mit mehreren Geschützen bewaffnete Dampfer von 4000 und 7000 BRT. wurden in der Einfahrt zur Irischen See aus starker feindlicher Sicherung schossen. Der Chef des Admiralstabes der Marine. die Ruhmesfahrt s. m. S.,wolf' WTB. Berlin, 28. Febr. Über die Fahrt des Hilfsweuzers„Wolf“ erfahren wir folgende Einzesheiten: Austeise und Heimreise standen unter dem Zeichen schlechten Wetters. Nebel und Eisgang waren zwar zur Durchbrechung der englischen Blockade willkommen, stellten aber anderersetts mn die Navigation hohe Anforderungen. Unerkannt gewann „Wolf“ Ende 1916 den Ozean und wandte sich gen Süden. Die erste Wirkung des Auftretens zeigte sich in Schiffsverlusten im Atlantischen Ozean; sie wurden zuerst auf U=Boote zurückgeführt; erst als englischer Stolz die Anwesenheit eines beutschen Hilfskreuzers zugeben mußté, um die Schiffahrt vor ihm zu warnen, erhielten die Schiffsuntergänge ihren Aufschluß. Von Südafrika aus wandte sich„Wolf“ nach dem Indischen Ozean und kreuzte an der Westküste Vorder=Indiens. Auch jetzt wieder meldeten Nachrichten vom Sinken wertvoller Dampfer; wachsende Maßnahmen des Feindes wurden beobachtet: Die Schiffahrt wurde alarmiert. Das Tätigkeitsgebiet mußte verlegt werden. An der Verfolgung beteiligten sich vorwiegend japanische Schiffe. Um diese Zeit vurde der englische Dampfer„Turitella“, früherer deutscher Dampfer„Gutenfels", erbeutet und als„Iltis“ verwandt. Er sollte die Schiffahrt im Golf von Aden stören, während „Wolf“ nach Süden„steuerte. Ein 4. Erdteil wurde aufgesucht, die Schiffahrt von Australien und Westamerika im Stillen Ozean geschädigt. Vor Rabaul lief dem„Wolf“ ein englischer Regierungsdampfer in den Weg, von dem nicht nur die wertvolle Dienstpost erbeutet, sondern auch der für die geraubte deutsche Südsee-Kolonie bestimmte australische Gouverneur gefangen genommen wurde. Sehr gute Dienste leistete ein mitgenommenes Flugzeug. Lag„Wolf“ zwecks Überholung von Kesseln oder sonstiger Arbeiten an irgend einer Stelle, so klärte er auf und sicherte vor Überraschungen. Eines Tages, als„Wolf“ eine Reinigung des Schiffsbodens vortahm, mithin selbst nicht aktionsfähig war, zog ein englischer Dampfer vorbei, dem das Flugzeug vermittels eines auf Deck heruntergeworfenen Beutels die Aufforderung überbrachte, sich sofort zu dem deutschen Hilfskreuzer zu begeben. Folgsam kam der Engländer nach; er wurde dann prompt versenkt. Nicht einfach war die Kohlenergänzung. Nicht weniger als 11 Monate mußte„Wolf“ von den eigenen Beständen leben. Schlechtes Wetter verhinderte mehrfach die Einnahme von Kohlen aus aufgebrachten Dampfern, sodaß diese versenkt werden mußten. Die Versenkung der aufgebrachten Schiffe wickelte sich ohne Zwischenfall ab. Nur mit dem japanischen Passagierdampfer„Hitachi Maru“ mußte ein kurzes Feuergefecht durchgeführt werden. Die Beschädigungen des japan. Dampfers wurden ausgebessert und dieser als Begleitschiff mitgenommen. Seine auf viele Millionen Mark zu schätzende Ladung verschwand im Laderaum des„Wolf“. Etwas später wurde der spanische Dampfer„Agotz Mendi“ (4648 BRT.) mit einer vollen Kohlenladung aufgebracht. Bei schwerem Wetter ergänzte„Wolf“ seinen Kohlenvorrat und rüstete den Spanier als Begleitschiff aus. Die Kajüteneinrichtungen des spanischen Dampfers wurden herübergeschafft, Kammern ausgebaut und dadurch Unterkunft für die 60 besseren Passagiere, darunter acht Damen und mehrere Kinder, geschaffen. Auch der gefangene Gouverneur befand sich auf dem Begleitschiff. Ohne bedeutende Zwischenfälle gelangten beide Schiffe in die europäischen Gewässer, wo der japanische Kapitän Selbstmord beging. Bei schwerstem Wetter verlor jedoch„Wolf“, schon in den nordeuropäischen Gewässern eingetroffen, das Begleitschiff in Nacht und Nebel. Dieses setzte seine Reise nach Deutschland selbständig fort, strandete aber vor einigen Tagen in einem starken Nordweststurm bei Skagen und landete einen Teil der Passagiere, vor allem Frauen, Kinder und Neutrale, in Skagen, um deren Sicherheit zu gewährleisten für den Fall, daß die Versuche, den Dampfer flott zu machen, erfolglos blieben. Fast ein ganzes Jahr lang begleiteten einige Gefangene den„Wolf“ auf seinen Fahrten. Ihre Zahl wuchs allmählich auf 467. Ihr Verhalten wa: im allgemeinen zufriedenstellend, doch bildete sich bald ein sehr gespanntes Verhältnis zwischen den Japanern und Indern einerseits und den Engländern andererseits heraus, das in Tätlichkeiten ausartete und eine Trennung nötig machte. Welche Schädigung des feindlichen Frachtraumes der„Wolf“ erzielte, ist ja inzwischen schon bekannt gegeben. Die Höhe der durch ihn mit den Schiffen und ihren Ladungen vernichteten Werte läßt sich genau nicht abschätzen, geht aber in hunderte von Millionen Mark. Die nicht hoch genug zu bewertende Wirkung der 1¼jährigen Kreuzerfahrt des„Wolf“ liegt aber darin, daß er, wie andere ähnliche Unternehmungen der deutschen Marine eine außerordentlich große Zahl feindlicher Kriegsschiffe, Bewachungsfahrzeuge usw. in Atem gehalten und Schiffahrt und Handel des Feindes auch indirekt aufs Schwerste schädigte. Reichstag. WTB. Berlin, 28. Febr. Am Bundesratstisch: von Payer, Dr. Solf, Wallraf, von Scheuch. Vizepräsident Dr. Paasche eröffnet die gestrige Sitzung um 11,15 Uhr.— Die Genehmigung zur Strafverfolgung des Abg. Henke(U. S.) wird nicht erteilt.— Erste Lesung des Haushalts.— Abg. Dr. Wiemer(Fortschr. Volksp.): Die Regierungspolitik stützt sich auf die Mehrheit des Reichstages. Dies ist zum 1. Mal der Fall. Das Zusammenarbeiten von Regierung und Volk erfolgt auf Grund eines einheitlichen Programms. Hoffentlich kommt es jetzt zum Frieden von der Ostsee bis zum Schwarzen Meere. Wir begrüßen diese Aussicht mit aufrichtiger Gemigtuung. Behalten wollen wir Belgien nicht. es darf aber nicht der Tummelplatz feindlicher Machenschaften sein. Das deutsche Voll will den Frieden aus voller Seele. der äußersten Rechten oder der äußersten Linken mehr gesündigt wird.(Rufe rechts: Unerhört! großer anhaltender Lärm rechts. Bravo links. Glocke des Präsidenten.)— Vizepräsident Dr. Paasche: Der Reichskanzler hat uns ermahnt, auf die Wiederherstellung des inneren Friedens hinzuwirken. Vermeiden Sie, die Gegensätze zu verschärfen.— Abg. Wiemer ff.: Das Spiel des Herrn von Oldenburg mit dem Gedanken des Bürgerkrieges ist bodenlos leichtfertig. Solchem Handeln mußte der Vizekanzler entgegentreten. Wir freuen uns des neuen Kurses. Bei der kommenden Finanzreform muß der Steuerpartikularismus der Einzelstaaten zu Gunsten des Reiches die Segel streichen. Die Frage des Handwerks muß gelöst werden. Mangelhafte Erfassung der Vorräte hat die Entfremdung zwischen Stadt und Land hervorgerufen. Wenn beide Teile sich verstehen lernen, so dient das dem Vaterlande. Auch die Arbeiterschaft darf sich nicht davon ausschließen. Die Streikvorgänge haben die Verdienste der Arbeiterschaft verdunkelt. Der Streik hat schädlich gewirkt. Wir verurteilen den Streik zur Erreichung polttischer Ziele Verwahrung muß ich dagegen einlegen, daß Abg. v. Heydebrand sich darüber beschwerte, daß v. Payer als Württemberger über das Wahlrecht gesprochen hat. Wer hier spricht, tut es nicht als Schwabe oder Preuße, sondern als Deutscher. — Abg. Dr. Stresemann natl.): Wir kommen jetzt zum Frieden mit unserem mächtigsten Feinde. Wir sind als Miterlebende uns der Größe dessen nicht bewußt, was wir alles erreicht haben und was die Geschichte dereinst von diesem Kriege berichten wird. Es wäre schon ein Großes, wenn wir den Feind bloß von unserem Lande ferngehalten hätten. Darüber hinaus aber haben wir Gewaltiges erreicht. Dem russischen Frieden wird der rumänische folgen und damit die Neuordnung auf dem Balkan, wobei Bulgarien, dessen König an seinem Geburtstage unsere herzlichsten Glückwünsche gelten(Bravol) zur Zusammenfassung aller Stammesgenossen kommen muß. Auch angesichts der Taten S. M. S. Wolf können wir sagen: den deutschen Soldaten macht uns niemand nach. Zur Verhinderung der Wiederkehr anarchistischer Zustände müssen unsere Truppen noch in den befreiten Ländern bleiben. Im Interesse Belgiens ein neues Friedensangebot zu machen, würde von Übel sein.(Sehr richtig.) Die belgische Frage darf nicht aus dem ganzen Komplex der Westfragen herausgegriffen werden. Belgien ist uns ein außerordentlich wertvolles Faustpsand. Das Herausgreifen der polnischen Frage aus dem Komplex der Östfragen reizt gerade nicht zur Nachahmung im Westen. Die feierlichen Zusagen an die Vlamen und Wallonen dürfen nicht uneingelöst bleiben.(Sehr gut)! Dem König Carol von Rumänien haben wir noch im Tode zu danken, daß er mit Peter Carp uns die Treue gehalten hat.(Lebh. Beif.). Sein Nachfolger verdient keine Rücksicht, er hat sein Erbe vertan.. Liegt ein Grund vor, bei Rumänien von einer Kriegsentschädigung abzusehen? Nein! Der frühere Abgeordnete Dr. Spahn hat diesen Standpunkt unter dem Beifall des Zentrums eingenommen. Auch Scheidemann hat mir gesagt: Wir wünschen nicht, daß wegen einer Kriegsentschädigung der Krieg fortgesetzt werde, wenn sie aber neben dem Frieden zu erlangen ist, so sind wir nicht so dumm, sie abzulehnen. Bei uns würde es nicht verstanden werden, wenn wir unsere Lust nicht erleich tern. Namentlich Numänien gegenüber haben wir die Freiheit der Entschließung. Die ethischen Ziele, mit denen England in den Krieg eintrat, sind Vernichtung unseres Kolonialbesitzes. Mit geringer Besatzung haben wir drei Jahre unseren Besitz gewahrt. Hätten wir früher weitsichtiger gehandelt, wir hätten jetzt in Afrika ein anderes Ergebnis. Unsere Feinde halten ihre Eroberungspläne aufrecht. Die Westfeinde sollten aus dem Osten lernen. Der tragische Tod des Großherzogs von Mecklenburg=Strelitz gibt die Möglichkeit, daß der russische General Herzog Karl Michael, der gegen Deutschland gekämpft hat, die Thronfolge erhält.(Hört, hört!) Das muß durch Reichsgesetz verhindert werden. Im Arbeitskammergesetz muß die Schaffung von Angestelltenkammern festgelegt werden. Es liegt im Interesse der Konservativen, die Staatsnotwendigkeit der Wahlreform anzuerkennen. Scheitert das gleiche Wahlrecht, so wird die Demokratisierung nur noch vadikaler. Das Schicksal des Mittelland=Kanals, dessen Fehlen uns im Weltkriege sehr fühlbar geworden ist, beweist, daß für die Regierung auch von einer konservativen Mehrheit nicht immer die Aufgabe erleichtert wird. Die christlichen Gewerkschaften lehnen einmütig den Streik ab, wenn auch einzelne durch Terrorismus der Radikalen in die Bewegung hineingerissen wurden. Der Streik war frivol. Die Haltung des Staatssekretärs Wallraf war durchaus richtig, sonst kämen wir zur Regierung der Straße.— Staatssekretär Dr. Solf: Die Rede des Generals Smuths war nicht die Rede eines Privatmannes; er ist Mitglied des Kriegskabinetts und auch in Versailles gewesen. Niewals hat es in unserem Volke Unklarheiten darüber gegeben, daß wir unsere Kolonien wieder haben wollen. Die Kolonialfrage ist ür uns keine Luxus, sondern eine Lebensfrage. Genau so wie Llpyd George Deutschland als Kontinental=Macht und Carson es als Industrie=Macht vernichten wollen, so will Smuths es als Kolanialmacht vernichten. Er strebt zwei Landwege vom Kap nach Kairo und weiter nach Kalkutta durch englisches Besitztum an. Das ist der krasseste, imperialistische Machtstandpunkt. Unsere Schutztruppe war nicht dazu eingerichtet, gegen eine große Macht standzuhalten. Sie hatte keine Artillerie. Sie sollte nur Ruhe und Ordnung aufrecht erhalten. Tatsächlich ist die englische Macht in den Kolonien viel stärker gewesen. Auch Indien ist stark zum Militärdienst herangezogen. Wenn es unseren Ostafrikanern gelungen ist, so lange standzuhalten und jetzt eine neue Kolonie zu erobern, so ist es ihnen gelungen, weil wir ihnen zweimal Waffen und Munition zuschickten. Ohne diese Hilfe, für die ich der Marine stets dankbar sein werde, hätten sich diese armen Leute schon längst ergeben müssen.(Bravol)— Abg. Haase (U. S.): Nach dem Ultimatum an Rußland kann von einem Verständigungsfrieden nicht mehr die Rede sein. Es steht mit keinem früheren Programm der Regierung in Einklang, das Eroberungsabsichten uns nicht führen. Ludendorff regiert bei uns. Veweisen Sie die deutsche Treue auch unseren Feinden gegenüber.(Gelächter.) Rußland geht jetzt unter das kaudinische Joch. Wir protestieren stark dagegen. Wir sind gegen einen englischen, französischen oder italienischen, aber auch gegen einen deutschen Frieden. Wenn behauptet wird, der Streik sei mit feindlichem Gelde gemacht worden, so isc das völlig falsch. Die Arbeiter haben aus reinstem Idealismus gehandelt. Es wurden auch Arbeiter erschossen.(Zuruf: Der Wachtmeister bekam den ersten Schuß.) Aber von wem: Es wird behauptet, daß dieser Schuß aus Versehen von Schutzleuten abgegeben worden sei.(Widerspruch rechts.) Aba. Erzberger(Zentr.): Die Reichslagsresolukion men als Gänzes genommen werden. Man sollte nicht von ihr als von der niederträchtigsten Friedensresolution sprechen. Den Frieden mit Rußland können wir warm begrüßen. Die Besetzung bleibt eine rein vorübergehende Polizeimaßnahme, Gegen ein wehrloses Volk sind wir nicht marschiert. Nicht Deutschland, Rußland allein ist schuld daran, daß alles so gekommen ist. Deutschland kann den Frieden mit Rußland zum dauernden machen, wenn es die Zeit benutzt, um die der westlichen Randvölker Rußlands dauernd zu sichern. Wenn sie sich uns anschließen wollen, dann müssen sie auch eigens Verwaltungen bekommen. Rumäniens Regierung war ein treuloser Verräter. Sühne muß eintreten. Unsere Unterhändler werden das deutsche Interesse vollkommen wahren. Im Ausland wird die Macht Heydebrands überschätzt. Auf die Frage: wer regiert in Deutschland? heißt es dort: ZurufErzberger!) Nein, der ungekrönte König von Preußen, der Abgeordnete Heydebrand. Mit Belgien will der Reichskanzler in Frieden und Freundschaft leben. Gewaltpolitik ist ihm gegenüber nicht angebracht. In England finden Friedensdebatten im Parlament in größter Breite statt, wie bei uns. In Frankreich aber herrscht ein Terrorismus, wie in Petersburg. Daß Wilson mit der Versailler Kundgebung nicht einverstanden ist, ist offenkundige Tatsache. Wir werden uns schon selber wieder hochbringen. An Belgien ist 1914 kein Unrecht geschehen, denn Not kennt kein Gebot.(Lachen links.). Der Kolonialpolitik des Staatssekretärs Solf stimmen wir zu. Die weise Eingeborenenpolitik des Freiherrn von Rechenberg in Ostafrika hat sich in der Haltung der Kolonie glänzend gerechtfertigt. In dem Kampf gegen die Reichstagsresolution wird eine gewisse Presse mit unglaublichen Inserataufträgen bedacht. Das riecht sehr nach Korruption.(Sehr richtig!) Über meine Persun kursieren tausonde von Verleumdungen. Schon soll ich als Mönch beim Papst gewesen sein, und so sei die niederträchtige Friedensresolution entstanden. Später soll ich in London gewesen sein, die Treibereien gegen Ludendorff besorgt haben, von England bestochen sein. Sogar am Diebstahl der Flottenvereins=Briefe 1907 soll ich beteiligt gewesen sein. Meine Klarstellungen werden nicht beachtet. In diese Stinkflut hinein hat die Rede des Vizekanzlers von Payer wie ein reinigendes Gewitter gewirkt. Ein Sieg der Entente wäre es, wenn die Sozialdemokratie von der Mitarbeit ausgeschlossen würde, es wäre Wahnsinn, sich zu zerfleischen, so lange das Haus brennt.(Sehr richtig!) Parteipolitisch hat zweifellos die Sozialdemokratie die größten Opfer gebracht. Sie hat sich geteilt, nur um dem Vaterlande zu nützen.(Sehr richtig!). Ich freue mich über die frische Tonart am Regierungtisch, man kann heute auch den Ministerfrack anziehen, ohne seine freiheitliche Gesinnung abzulegen. Früher war es anders. Der Soldo., der aus dem Schützengraben heimkehrt, darf nicht an Stelle des Dreiklassen=Wahlrechts das Sechsklassenwahlrecht vorfinden!(Sehr gut!) Hoffentlich kommt es möglichst bald zu einer befriedigenden Lösung. Geben wir dem deutschen Volke die Freiheit politischer Überzeugung und religiöser Forderung. Das nützt unserem Volke im Durchhalten. Hart ist die Not der Zeit.(Lebhafter Beifall im Zentrum und bei den Fortschrittlichen.)— Weiterberatung Donnerstag 11 Uhr. Der Altestenrat des Reichstages. WTV. Berlin, 28. Febr. Der Altestenrat des Reichstages hielt heute vormittag eine Besprechung über die Geschäftslage ab und einigte sich dahin: Am Sonnabend, 2. März, soll sich die Vollversammlung bis zum 12. März vertagen, damit der Hauptausschuß und etwaige kleinere Ausschüsse Zeit haben, die Beratungen des Reichshaushalts und kleinere Vorlagen zu fördern. Die Österpauso ist für die 23. März bis 9. April vorgesehen. Aus westacutichland. Düsseldorf, 28. Febr. Der Bäcker Robert Mebus in Höhscheid hatte sich gefälschter Brotmarken bedient, um erheblich mehr Mehl zu erlangen, als ihm zustand. Das Schwurgericht verurteilte ihn zu 3 Monaten Gefängnis. Koblenz, 28. Febr. Das Kriegsgericht verurteilte, die 24jährige Sybilla Sauer aus Kärlich und die Ehefrau Anton Schuth aus Kaltenengers wegen Kindesmordes zum Tode. Am 13. Dez. hatte die Sauer ihr 15 Monate altes, uneheliches Kind vergiftet. Die Schuth hatte sie zu der Tat angestiftet und ihr Strychnin verschafft. Barmen, 28. Febr: Die Polizei hatte von der Absicht eines Einbruchsdiebstahls Kenntnis erhalten, den mehrere fahnenflüchtige Soldaten in einem Lederlager der Militärverwaltung beabsichtigten. Als die Diebesbande an der Arbeit war, wurde sie von Kriminalpolizisten überwältigt und verhaftet, auch der Führer in Leutnantsuniform, der sich mit einer Selbstladepistole zur Wehr setzen wollte. Bochum, 28. Febr. Die Gewerbelehrerin Hedrich(Berlin) hatte in der vorigen Woche Vorträge über ein neues Stärkemittel gehalten. In den Anzeigen wurde darauf hingewiesen, daß es sich um ein neu erfundenes Stärkemittel handele, das vollständig Reisstärke ersetze. Die Behörde wurde darauf aufmerksam gemacht, daß es sich um Schwindel handele, und die Untersuchung ergab denn auch, daß das neue Stärkemittel, das nach Befragen der Vortragenden Pflanzenleim enthalten soll, Kartoffelstärkekleister ist und Pflanzenleim überhaupt nicht darin enthalten war. Der ganze Vortrag ist eine raffinierte Täuschung der Hausfrauen. Dortmund, 28. Febr. Die Stadtverordneten haben eine Vorlage über die Errichtung einer gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft m. b. H. angenommen, die sich mita dem Erwerb von Baugelände und dem Bau von Wohnhäusern befassen und möglich noch während des Krieges bauen soll, Das Kapital der Gesellschaft beträgt vorläufig 2 Millionen Mark, wovon die Stadt 1,2 Million aufbringt. Die großen Arbeitgeber sollen das Fehlende aufbringen. Die Stadtver ordneten beschlossen weiter die Errichtung eines städitschen Wohnungsamtes. Plettenberg, 28. Febr. Der 4 Jahre alte Knabe einer Frau Heß machte sich am Herd zu schaffen. SeinKleider fingen Feuer und das Kind verbrannte. Warstein, 28. Febr. Die Ukrainer von den im hie sigen Stadtwalde und bei Landwirten beschäftigt gewesenen russischen Kriegsgefangenen, etwa 30, rückten von hier ab, um in ihre Heimat befördert zu werden. Von der ihnen zuteil gewordenen guten Behandlung zeugt wohl der Umstand, daß die meisten, obwohl sie sich freuten, in ihre Heimat zu kommen, dennoch tränenden Auges Abschied nahmen. Karlsruhe, 28. Febr. Das badische Kultusministerium hat der zweiten Kammer einen Gesetzentwurf über die Neuweitert werden. Nach dem Unterrichtsplan der Mädchenfort . Die Göttin des Glücks Roman von Reinhold Ortmann. (Nachdruck verboten.) „Ich wollte dir zuvor Gelegenheit geben, Herrn von Restorp kennen zu lernen, Hanna! Seine kleinen Eigentümlichkeiten, die ja deinem Scharfblick unmöglich entgangen sein können, sollten es dir begreiflich machen, weshalb ich ihn gegen meine überzeugung noch immer in einer für ihn so beglückenden Selbsttäuschung lasse." „Ah, es handelt sich also nur um eine Wahnidee? Der Mann ist geistig nicht ganz gesund?" „O doch. Der Anspruch, auf den sich seine hochfliegenden Hoffnungen stützen, ist möglicherweise sogar ein völlig berechtigter. Nur, daß er sich eben niemals beweisen lassen wird, und daß es aus diesem Grunde kaum etwas Aussichtsloseres geben kann als den Prozeß, von dessen Ausgang er die glückliche Wendung in seinem Schicksal erwartet.“ „Was für ein Prozeß ist das? Komm, laß uns einen kleinen Umweg durch den Tiergarten machen! Ich mag noch nicht nach Hause gehen, und man wird uns dort ebenso wenig belauschen als daheim in unsern vier Wänden." Bernhard willfahrte ihrem Verlangen, und als sie in das Halbdunkel einer matt erleuchteten Baumallee eingetreten waren, begann er: „Du weißt, daß der Vater meiner Braut einen älteren Bruder hatte, und du hast in unserm Elternhause oftmals von diesem Dietrich von Restorp erzählen hören. Er galt für einen genialen Kopf. Und in einem gewissen Sinne mag er es wohl auch gewesen sein, wenngleich seine sogenannte Genialität ihm nicht gerade zum Segen gereicht hat. Er hatte beständig die kühnsten und abenteuerlichsten Ideen, die sich bald auf irgendeine neue Lösung der sozialen Frage, bald auf eine weltbewegende Erfindung oder ein gewaltiges industrielles Unternehmen richteten. Als er bei den Versuchen, seine menschenbeglückenden Pläne auszuführen, den größten Teil seines Vermögens eingebüßt hatte, verlegte er sich allerdings nur noch auf rein ge chäftliche Spekulationen. Und es kann gewiß als ein Beweis für seine ungewöhnliche Begabung gelten, daß es ihm mehr als einmal gelang, große Reichtümer zu gewinnen, die dann freilich immer wieder ebenso schnell bei anderen, mißglückten Projekten daraufgingen. Da er eigentliche kaufmännische Kenntnisse nicht besaß, konnte er für die Verwirklichung seiner oft geradezu tollkühnen Entwürfe den Beistand eines schlauen Geschäftsmannes nicht entbehren. Und er fand einen solchen in der Person eines gewissen Wedeking, mit dem er übrigens schon von Jugend auf bekannt gewesen war. Nach allem, was ich davon weiß, muß das Verhältnis zwischen diesen beiden Wännern ein höchst sonderbares, von allen Gepflogenheiten kaufmännischen Verkehrs abweichendes gewesen sein. Es war offenbar ganz auf rückhaltloses gegenseitiges Vertrauen gegründet, und wenn ich auch nicht behaupten möchte, daß Wedeking das Vertrauen seines Freundes in betrügerischer Weise mißbraucht hat, so scheint Dietrich von Restorp doch in seiner genialen Verachtung der einfachsten Vorsichtsmaßregeln vielfach weitergegangen zu sein, als es für seinen Vorteil ersprießlich war. Jedenfalls ist es eine Tatsache, daß Herr Wedeking als sehr wohlhabender Mann aus dem Leben schied, während Restorp um dieselbe Zeit gänzlich verarmt war. Es geschah das vor ungefähr zehn Jahren, als Inges Vater noch als Rittergutsbesitzer auf Klitzow hauste, und vermutlich bereits einen schweren Verzweiflungskampf um seine Existenz zu führen hatte. Hinsichtlich der Vorgänge, die sich damals abgespielt haben, bin ich ganz und gar auf seinen Bericht als auf die einzige heute noch zugängliche Quelle angewiesen." „Das klingt fast, als ob du von der Zuverlässigkeit dieses Berichts keine allzu hohe Meinung hättest. Hältst du deinen zukünftigen Schwiegervater für einen Lügner?" „Nicht gerade im gewöhnlichen Sinne dieses häßlich klingenden Wortes. Wenn er hier und da ein wenig von der Wahrheit abweicht, so geschieht es immer nur, weil ihn zuvor eine allzu lebhafte Phantasie und ein unverwüstlicher Optimismus verführt hatten, sich selbst zu belügen, und weil das schöne Wahngebilde dann in seiner Vorstellung allgemach zur Wirklichkeit geworden war. Ich weiß nicht, Hanna, ob du verstehst, wie ich das meine?" „O ja— auch mir sind derartige sonderbare Phantasten schon begegnet, und ich weiß, daß sie unter allen Lügnern die gefährlichsten sind. Was also ist damals geschehen? Und was haben Dietrich von Restorps Spekulationen mit den Millionen=Ansprüchen seines Bruders zu tun?" „Um dir das klar zu machen, muß ich mich wohl genau an den Bericht meines Schwiegervaters halten. Er erzahlt, daß vor nunmehr zehn Jahren sein Bruder Dietrich, mit dem er sonst eben nicht in lebhaftem Verkehr stand, eines Tages zu ihm nach Klitzow gekommen sei, krank, hinfällig, ein völlig gebrochener Mann. Er hatte alles verloren, was er besessen, und er fühlte, dasim diesmal nicht mehr Spannkraft genug geblieben war, sich von dem Schlage zu erholen. In bitteren Worten erging er sich über seinen alten Freund Wedeking, dessen kalte Selbstsucht ihm eine sehr schmerzliche Enttäuschung bereitet hatte. Eine der letzten Spekulationen, die sie gemeinsam unternommen— und zwar diesmal auf Wedekings hartnäckiges Zureden— war die Erwerbung ausgedehnter Brachländereien in der Nähe des Badeortes Salzbergen gewesen. Die Terrains, die für eine nutzbringende Bewirtschaftung nur mit einem gewaltigen Kostenaufwande zu gewinnen gewesen wären, hatten an und für sich bei weitem nicht den Wert des dafür gezahlten Kaufpreises. Aber das Projekt einer vom Staate zu erbauenden neuen Eisenbahnlinie schwebte in der Luft, und Wedeking war überzeugt, daß man dazu einen Teil dieser Ländereien brauchen und um jeden Preis kaufen werde. Wie es bei derartigen allzu feinen Spekulationen öfter zu gehen pflegt, hatte er sich in dieser Berechnung getäuscht. Die neue Eisenbahnlinie wurde zwar gebaut; aber sie umging in einem weiten Bogen jenes Terrain, das jetzt fast noch wertloser geworden war als zuvor. Für den reichen Wedeking bedeutete der Verlust nicht allzuviel; Dietrich von Restorp aber, der bald nachher bei anderen, größeren Unternehmungen sein ganzes Vermögen verloren hatte, würde sich noch einmal in die Höhe gearbeitet haben, wenn er seinen Anteil an dem Spekulations=Terrain hätte veräußern können. Er war bereit, einen großen Teil des auf Wedekings Andrängen aufgewendeten Geldes preiszugeben, wenn der Freund ihm seine Eigentumsrechte abkaufen wollte. Aber er erfuhr eine kühle und bestimmte Zurückweisung, die ihn fast tiefer schmerzte, als sein wirtschaftlicher Ruin. Daran, daß er einen anderen Käufer für seinen Anteil an den beinahe wertlosen Ländereien sinden würde, war nach seiner eigenen Versicherung nicht zu denken, und auch der Bruder vermochte ihm nicht zu helfen. Seelisch tief bedrückt und körperlich leidend, reiste er nach zweitägigem Aufenthalt wieder von Klitzow ab. Wenn du das weitere verstehen sollst, muß ich dir dies alles so ausführlich erzählen, liebe Hanna, obwohl ich sicher bin, daß es dich wenig interessiert." „Doch! Es interessiert mich. Fahre nur fort!" „Drei Tage später kam aus Breslau, wo Wedeking seinen ständigen Wohnsitz hatte, die Nachricht, daß er ohne voraufgegangene Krankheit an einem Schlagfluß gestorben sei. Und wieder nach Verlauf veniger Tage wurde Georg von Restorp an das Sterbelager seines Bruders gerufen. Er fand den unglücklichen Dietrich schon sehr schwach, doch bei ungetrübtem Bewußtsein und klarem Verstande. Noch in ihren letzten Gesprächen war von dem mißglückten Salzbergener Spekulationsgeschäft und dem unverkäuflichen Besitzanteil die Rede. Eine Veräußerung war also inzwischen nicht erfolgt, und da Dietrich von Restorp sechsunddreißig Stunden später in den Armen seines Bruders starb, mußte dieser sich überzeugt halten, daß zu der Hinterlassenschaft des Verblichenen auch jenes Eigentumsrecht gehöre. Er war unvermählt gewesen, und seine gesetzlichen Erben waren die Geschwister Georg von Restorp und die inzwischen bereits verwitwete Editha Boysen. Nun aber ergab sich etwas höchst Merkwürdiges. Als Besitzer des Terrains war in den Grundbüchern des Kreises lediglich der Kaufmann Julius Wedeking eingetragen, und nirgends, weder in seinen Büchern noch in Dietrich von Restorps nachgelassenen Papieren, fand sich ein dokumentarischer Belag dafür, daß er das Kaufgeschäft in Gemeinschaft mit einem anderen gemacht habe. Es war offenbar eine jener Vereinbarungen„auf Treu und Glauben" gewesen, wie sie zwischen den beiden Freunden Jahrzehnte lang die Stelle ordnungsmäßiger kaufmännischer Verträge vertreten hatten, und der zufällige Umstand, daß sie beide fast gleichzeitig aus dem Leben geschieden waren, machte eine klare Feststellung des Sachverhalts außerordentlich schwierig. Der alleinige Erbe des verstorbenen Wedeking, sein einziger Sohn, hatte damals das Alter der Volljährigkeit noch nicht ganz erreicht, und seine Vormünder taten nur ihre Pflicht, wenn sie sich entschieden weigerten, einen Anspruch anzuerkennen, dessen Berechtigung durch nichts anderes erwiesen werden konnte, als durch Georg von Restorps Bericht über die angeblichen Außerungen seines Bruders. Ein sofort angestrengter Prozeß würde ja vielleicht damals zu einem für die Geschwister günstigen Ergebnis geführt haben. Aber er wäre jedenfalls sehr langwierig geworden und hätte Kosten verursacht, die zu dem damaligen Werte in gar keinem Verhältnis standen. Editha Boysen wollte denn auch nichts von einem solchen Prozeß wissen, und Inges Vater hatte vermutlich guten Grund, alle überflüssigen Ausgaben zu vermeiden. So kam es, daß er seinen Anspruch nicht weiter verfocht, und daß der junge Wedeking sich beinahe zehn Jahre lang für den alleinigen Besitzer der Odländereien bei Salzbergen halten durfte.“ „Nun?— Und jetzt? Stellt dieser Anspruch die Millionen deines Schwiegervaters dar?" Bernhard Sylvander nickte. „Vor zwei Jahren wurde in der Umgebung des berühmten Soolbades ein mächtiges unterirdisches Lager von Kalisalzen entdeckt. Der Regierungsassessor Wedeking ließ daraufhin sein noch immer unverwertetes Terrain von sachverständigen Geologen untersuchen, und auf ihren Vorschlag an fünf verschiedenen Stellen Bohrlöcher in die Tiefe treiben. Das Ergebnis muß ein über alle Erwartung glänzendes gewesen sein; denn es ist vollkommen richtig, daß ein zu diesem Zweck zusammengetretenes Konsortium von Finanzleuten dem Besitzer das Terrain für ungefähr vier Millionen Mark abkaufen will, um es dann durch eine Aktien=Gesellschaft ausbeuten zu lassen.“ Hanna war stehengeblieben, und der Rechtsanwalt fühlte, wie ihre kleine Hand seinen„Arm mit festerem Druck umschloß. „Das also ist es! Und wenn es gelänge, den Nachweis zu führen, daß Dietrich von Restorp der Miteigentümer war, dann würde die Hälfte dieser Millionen deinem Schwiegervater und Harro Boysen gehören?“ „Ja— wenn es gelänge!. Aber wie die Dinge einmal liegen, ist ein solcher Nachweis so gut wie unmöglich. Man braucht nicht einmal Jurist sein, um das einzusehen!" „Sage mir ganz offen, Bernhard! Hältst du die Erzählung des Herrn von Restorp für wahr?" „Nachdem ich einen Teil der alten Korrespondenz seines verstorbenen Bruders durchgesehen und mich davon überzeugt habe, mit einem wie beispiellosen Leichtsinn sich Dietrich von Restorp ohne bindende Verträge und gehörig formulierte Abmachungen in die waghalsigsten Geschäfte einzulassen pflegte— seitdem ich namentlich einen Einblick in die Art seiner Beziehungen zu jenem Wedeking gewonnen, habe ich für meine Person allerdings kaum einen Grund, daran zu zweifeln.“ „Und es ist nichts— gar nichts schriftliches vorhanden, das sich als Beweismaterial verwerten ließe?" „Nichts. Inges Vater hat zwar den brieflichen Nachlaß seines Bruders mit rührender Pietät aufbewahrt. Aber in diesem ungeheuren Wust von ungeordneten Papieren hat sich bis jetzt nicht eine einzige Zeile gefunden, die als Beleg für einen gemeinschaftlichen Kauf des Salzbergener Terrains gedeutet werden könnte.“ „Bis jetzt— sagst du? Man hat also die Papiere noch nicht einmal vollständig durchforscht?" „Das zu tun, wäre eine Arbeit von Monaten oder vielleicht von Jahren. Herr von Restorp hat sie nach einigen tapferen Anläufen verzweifelt aufgegeben, weil er nach seiner Erklärung darüber den Verstand zu verlieren fürchtete. Inge aber, die geduldiger und beharrlicher ist als er, hat wenigstens den Briefwechsel und die verstreuten Aufzeichnungen aus dem letzten Lebensjahre ihres Oheims soweit gesichtet, daß sich daraus im großen und ganzen ein Überblick gewinnen läßt. Wie wenig dabei für die in Rede stehende Angelegenheit herausgekommen ist, habe ich dir bereits gesagt." „Und wo befinden sich die Papiere? Bei den Restorps?" „Nein, sie sind sämtlich in meinem Bureau, wohin Inges Vater sie zu meiner Information, wie er sagte, in einer großen Kiste schaffen ließ. Ich habe sie zum guten Teil durchgesehen, von einer Fortsetzung der ganz unfruchtbaren Arbeit aber auf Inges Versicherung hin, daß sie nichts irgendwie Bedeutsames enthielten, Abstand genommen." „Und worauf hast du deinen Prozeß gegen jenen Wedeking gegründet? Denn er ist doch eingeleitet worden, dieser Prozeß?" „Allerdings, wenn auch nicht in dem Umfange, wie mein Schwiegervater es wünschte. Um eine Klagé anzustrengen, deren Objekt sich auf Millionen oder auch nur auf Hunderttausende beziffert, hätte es eines Gerichtskostenvorschusses bedurft, wie ihn der verarmte Vater meiner Braut niemals hätte aufbringen können. Der von mir erhobene Anspruch geht deshalb nur auf die Zubilligung gewisser Verfügungsrechte, deren Anerkennung allerdings zugleich eine grundsätzliche Anerkennung des Besitzrechtes in sich schlösse. Wir werden den Prozeß selbstverständlich verlieren; aber ich bin entschlossen, ihn durch alle Instanzen zu führen, weil das ganze Dasein des armen Herrn von Restorp gewissermaßen auf diesen schönen Wahn gebaut ist, und weil er seine unglückliche Lage kaum empfindet, so lange er mit jener Million wie mit einem sicheren Besitztum rechnet.“ „Und wenn er auch in der letzten Instanz abgewiesen sein wird— was dann?" „Ich mag heute noch nicht daran denken, was dann geschehen wird. Es können Jahre darüber vergehen, ehe es soweit ist, und während dieser Zeit ist er jedenfalls sicher vor der Gefahr, in die Hände eines Advokaten zu fallen, der seinen unerschütterlichen Glauben an einen endlichen Sieg dazu ausbeutet, ihn durch endlose GebührenRechnungen an den Bettelstab zu bringen." „Dein Freund Harro aber— wie denkt er über den Prozeß?" „Er findet ihn töricht und lächerlich. Die Hoffnungen des Herrn von Restorp sind in seinen Augen nur schillernde Seifenblasen. Und daß er sich niemals bemüht hat, das zu verbergen, hat die Entfremdung zwischen ihm und dem Oheim zu einer vollständigen gemacht.“ Ohne darauf zu achten, waren sie aus den finsteren Laubgängen des Tiergartens wieder in die hell erleuchtete Straße gelangt. Mit Erstaunen nahm Bernhard wahr, daß die Wangen seiner Schwester stark gerötet waren, und daß ihre Augen seltsam leuchteten. Noch ein paar Schritte tat sie schweigend an seiner Seite, dann sagte sie plötzlich: „Nimm mir's nicht übel, Bernhard,— aber die Sache deines Schwiegervaters ist bei dir nicht, in den besten Händen. Nicht in die Länge ziehen solltest du als sein Sachverwalter den Prozeß, sondern du solltest ihn gewinnen." Mehr befremdet, als erzürnt, sah ihr der Getadelte ins Gesicht.„Und willst du mir vielleicht auch sagen, Hanna, wie ich das anfangen müßte!“ „Nein, denn ich bin kein Jurist. Wenn ich es wäre ich würde ihn sicherlich gewinnen!" „Vergib! Aber bei allem Respekt vor deinen Geistesgaben: daß du das Unmögliche möglich machen könntest, wage ich denn doch zu bezweifeln.“ „Daß du es für unmöglich hältst, ist eben, was ich dir zum Vorwurf mache. Statt deine Sache selbst von vornherein als eine verlorene anzusehen, solltest du an ihren Sieg glauben, wie es die Restorps tun, und—“ „Du irrst, Hanna! Weder Inge noch ihre Mutter glauben an einen solchen Sieg." „Weil sie schwache und furchtsame Naturen sind", fuhr sie fast heftig auf,„die eine ein schüchternes Kind, und die andere eine kranke, gebrochene Greisin. Du aber bist ein Mann, und du dürftest dich wahrlich nicht an Energie von, diesem heruntergekommenen Gutsbesitzer beschämen lassen. Der Mann mag ein Narr sein, und ein Egoist vom reinsten Wasser. Aber seine gesunde Selbstsucht gefällt mir, und in seiner Narrheit steckt mehr Kraft und Verstand als in eurer allzu bereitwilligen, schwächlichen Entsagung. Die Göttin des Glücks streift an dir vorüber, Bernhard, und wenn du jetzt nicht mit beiden Händen zugreifst, sie zu halten, so——" „So würdest du mich als einen Dummkopf verachten. Das wolltest du doch sagen, Hanna?“ Unwillig warf sie das schöne Haupt zurück.„Ab, was hilft es, viele Worte zu machen, wenn wir uns doch bei alledem so wenig verstehen! Du hättest statt eines Rechtsanwalts lyrischer Dichter werden sollen, einer von denen, die ihr Glücksideal darin erblicken, mit dem geliebten Wesen auf einer weltentlegenen Insel von Datteln und frischem Quellwasser zu leben.“ Er nahm ihre Worte für einen Scherz und lachte fröhlich auf. Sie aber sprach während des ganzen übrigen Weges nichts mehr, und so oft er einen Blick auf ihr Gesicht warf, sah er, daß ein eigentümlicher Ausdruck angestrengten Nachdenkens in ihren Zügen war. Als sie in der Wohnung angelangt waren, und als er glaubte, nun wieder von anderen Dingen sprechen zu dürfen, unterbrach sie ihn zu seiner Überraschung schon bei den ersten Worten durch die Frage: „Willst du mir gestatten, Dietrich von Restorps hinterlassene-Papiere durchzusehen? Wenn es auch eine Arbeit von Monaten sein sollte— ich schrecke nicht davor zurück.“ Er zögerte ein wenig; aber als sein Blick dem ihrigen begegnete, ließ er seine Bedenken fahren. „Wenn Herr von Restorp nichts dagegen einzuwenden hat, weshalb sollte ich es dir verwehren! Aber es wird eine sehr wenig vergnügliche Beschäftigung sein, Hanna, und ich meine, du könntest deine Zeit auf angenehmere Weise hinbringen als mit einem so nutzlosen Bemühen.“ „Lassen wir es auf den Versuch ankommen“, erwiderte sie ruhig.„Vielleicht hat mich das Schicksal doch noch zur rechten Zeit hergeführt, um dir zu deinem Glücke zu verhelfen." 5. Kapitel. Seit Hannas erstem Besuch bei den Restorps war ungefähr eine Woche vergangen. Es war um die neunte Stunde, und nach dem gemeinsam eingenommenen Abendessen hatten sich die Geschwister wieder getrennt, weil jedes sich noch eine Weile ungestört zu beschäftigen wünschte. Der Rechtsanwalt arbeitete in seinem Bureau, und Hanna saß in dem hübschen kleinen Wohnzimmer, das sie sich innerhalb weniger Tage unter Aufwendung sehr bescheidener Mittel zu einem traulichen und anheimelnden Heim umzugestalten gewußt hatte. Sie hatte beide Türen des Gemaches hinter sich verschlossen, und eine seltsame Arbeit war es, der sie sich bet dem Schein der hellbrennenden Studierlampe hingab. Vor ihr auf der weit ausgezogenen Platte des Schreibtisches lag eine große Anzahl von Briefen und Papieren verstreut, die sämtlich von derselben Hand herzurühren schienen, einer festen, in großen, kaufmännisch deutlichen Zügen schreibenden Hand. Dazwischen standen verschiedene Fläschchen, von denen einige mit Tinte und andere mit wasserhellen oder milchweißen Flüssigkeiten gefüllt waren. Vier der fünf Federhalter, ein paar feine Pinsel und zwei verschieden gestaltete Messerchen mit blitzenden, haarscharfen Klingen lagen in einer flachen, metallenen Schale. Das junge Mädchen arbeitete emsig. Ihre Wangen glühten. Aber es hatte nicht den Anschein, als ob sie von dem Ergebnis ihrer seltsamen Tätigkeit befriedigt sei; denn zwischen ihren Augenbrauen war eine kleine Falte, und sie schüttelte wiederholt unmutig den Kopf. Da— sie mochte ungefähr eine halbe Stunde bei ihrer Beschäftigung zugebracht haben— erklang draußen die Wohnungsglocke, und gleich darauf wurde eine dunkle Männerstimme vernehmlich, die nach dem Rechtsanwalt fragte. Hanna erkannte diese Stimme sofort, obwohl sie sie bisher nur an einem einzigen Abend gehört hatte, und in einem tiefen Atemzuge hob sich ihre Brust. Sie unterbrach ihre Arbeit sofort und verwahrte Flaschen und Pinsel in einem Schubfache des Schreibtisches. Die Briefe ließ sie auf der Platte liegen. Fortsetzung folgt.