Syrockhöveler Zeitung Haßlinghauser Zeitung= Amtlicher Anzeiger für das Amt Sprockhövel= Blankenstein-Herbeder Zeitung 1. Blatt. Ingendkomp. 235, Sprockhövel Sonntag, den 17. Febr. 1918. Uebung fällt aus! Der Vors. des Ortsaussch. für Jugendpflege. Theis: Amtmann. Bekanntmachung. Die Bekanntmachungen des stellv. Generalkommandos vom 16. Februar 1918, betreffend Beschlagnahme und Bestandserhebung von Holzspänen aller Art, sowie Höchstpreise von Holzspänen aller Art, können anf dem Amte eingesehen werden. Sprockhövel, den 14. Februar 1918. Der Amtmann Theis. Bekanntmachung. Für den Monat Februar ist zur Beleuchtung gewerblicher Anlagen eine geringe Menge Petroleum überwiesen worden. Gewerbetreibende, denen es an sonstiger Beleuchtungsmöglichkeit der Arbeitsräume sehlt, werden ersucht, Anträge auf Ueberweisung von Petroleum, das nur für den bezeichneten Zweck bestimmt ist, bis zum 20. dieses Monats beim Amte hierselbst zu stellen. Sprockhövel, den 15. Februar 1918. Der Amtmann Theis. Bekanntmachung. Die Lebensmittelgeschäfte wollen am Montag, den 18. ds. Mts., die nachbenannten Lebensmittel abholen und zwar innerhalb folgender Zeiten: 1. von 8½—½ Uhr vormittags die Geschäfte mit den Anfangsbuchstaben Z—T, 2. von 9½—10½ Uhr vormittags die Geschäfte mit den Anfangsbuchstaben S—N, 3. von 10½2—11½ Uhr vormittags die Geschäfte mit dem Anfangsbuchstaben H, 4. von 2 bis 3 Uhr nachmittags die Geschäfte mit dem Anfangsbuchstaben K, einschl. Konsumverein, 5. von 3 bis 4 Uhr nachmittags die Geschäfte mit den Anfangsbuchstaben M und L, 6. von 4—5 Uhr nachmittags die Geschäfte mit den Anfangsbuchstaben G—A. Verausgabt werden: a) Margarine für die Zeit vom 10. bis 16. Februar 1918 62½ Gramm, b) Margarine für die Rüstungsarbeiter, c) Griesmehl auf Abriß 14 der Lebensmittelkarte 125 Gramm, d) Marmelade auf Abriß 15 der Lebensmittelkarte 250 Gramm. Ferner ist in den Lebensmittelgeschäften Konsum=Verein, Fr. Stracke und Ernst Gethmann hierselbst von Dienstag ab in geringem Umfange dänische sterilisierte Flaschenvollmilch zu 1,20 Mk. erhältlich. Diese Milch ist in erster Linie für Kranke, für Schwangere und Kinder von 2-6 Jahren bestimmt. Der Verkauf darf nur gegen Vorzeigung der Milchkarten, die alsdann seitens der Geschäfte mit einem Vermerk über die Verabfolgung der Milch zu versehen sind, erfolgen.(In Frage kommen Milchkarten mit einem„K“ gekennzeichnet und gelbe Milchkarten über ½ Liter). Die Milchflaschen bleiben amtliches Eigentum und werden mit 10 Pfg. zurückvergütet. Sprockhövel, den 15. Februar 1918. Der Amtmann: Theis. Oeffentliche Steuermahnung. Die rückständigen Steuern für das 4. Vierteljahr des Rechnungsjahres 1917 sind bis zum 20. ds. Mts. zu entrichten; vom 21. ds. Mts. werden sie kostenpflichtig beigetrieben. Bei Zusendung auf bargeldlosem Wege oder durch die Post hat die Einzahlung so rechtzeitig zu erfolgen, daß der Betrag spätestens am 20. ds. Mts. der Kasse zugeführt ist, andernfalls die Beitreibungskosten fällig werden und mit einzusenden sind. Sprockhövel, den 15. Februar 1918. Die Amtskasse Sprockhövel als Vollstreckungsbehörde: J. V. Ringelsiep, Rendant. Bekanntmachung. In Ausführung des Absatzes 3 der Bekanntmachung des Kreisausschusses vom 1. Mai 1916 wird folgendes bekannt gegeben: Für die Zeit vom 17.2.—23.2. 1918 beträgt die Einheit der auf diese Zeit gültigen Abrisse der Lebensmittelkarte: Naturbutter 62½ gr Auf Abriß 16 der Lebensmittelkarte Suppen 150 gr „ 16„ Sauerkraut 125 gr „ 16„ Marmelade 250 gr „ 17„ Kaffeeersatz 125 gr Schwelm, den 14. Februar 1918. Kreislebensmittelamt. Bekanntmachung. Von der Landesfleischstelle in Berlin sind neue Bestimmungen über den Verkehr mit Zucht= und Nutzvieh erlassen worden. Die Bestimmungen können während der Dienststunden auf dem Büro des Landratsamtes und außerdem bei den Vertrauensmännern des Westf. Viehhandelsverbandes in Münster, Herrn Otto Hagemann und Herrn Nathan Röttgen, beide wohnhaft in Sprockhövel, eingesehen werden. Schwelm, den 13. Februar 1918. Der Landrat: Harz Geheimer Regierungsrat. Provinzialausschuß der Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen für die Provinz Westfalen. Westfalen. Die genannte Stiftung will in Ergänzung der Hinterbliebenenfürsorge des Reiches den hilfsbedürftigen Hinterbliebenen der im gegenwärtigen Kriege Gefallenen wirtschaftliche Unterstützung zuteil werden lassen. In erster Linie sollen die Kriegerwitwen in den Stand gesetzt werden, möglichst aus eigenen Kräften ihren Hausstand weiterzuführen und ihre Kinder so zu erziehen und ausbilden zu lassen, daß diese dereinst ihren Lebensunterhalt in einer ihren Fähigkeiten angepaßten Tätigkeit erwerben können. Es gilt also, denen zu helfen, die durch den gewaltigen Krieg am schwersten getroffen sind und auf denen die Zukunft unseres Volkes und Vaterlandes beruht. Große Mittel sind noch aufzubringen, um dieses Werk wahrer Vaterlandsliebe und treuer Dankbarkeit zu vollenden. Dabei wird aber die Provinz Westfalen, die sich stetshervorgetan hat. wenn Opfer für die Gesamtheit der Volksgenossen zu bringen waren, gewiß nicht zurückbleiben. Darum gebe jeder bald nach seinen Kräften. Auch kleine Gaben sind willkommen. Jeder Geber dankt damit den Helden, die ihr Leben für das Vaterland hingegeben haben. Hauptsammelstellen sind: Märkische Bank, Münsterische Bank, Filiale der Osnabrücker Bank, Westfälischer Bankverein, Filiale der Essener Kreditanstalt in Münster, Essener Kreditanstalt, Rheinisch=Westfälische Diskonto=Gesellschaft A. G., Barmer Bankverein Hinsberg, Fischer u. Co., Deutsche Bank, Deutsche Nationalbank, sämtlich mit ihren Filialen. Auch die örtlichen Bankgeschäfte haben sich zur Empfangnahme von Gaben bereit erklärt. Ebenso werden die Regierungs=Hauptkassen, Kreiskassen, Sparkassen, Stadtund Amts= und Gemeindekassen Spenden entgegennehmen. Münster, im November 1917. Der Vorsitzende des Ausschusses: Karl Prinz von Ratibor u. Korwey, Oberpräsident von Westfalen. Aus der engeren Heimat. (Nachrichten aus unserem Leserkreise über örtliche Begebenheiten sind uns stets sehr erwünscht. Die Vereinsvorstände werben gebeten, Berichte über ihre Versammlungen und Veranstaltungen unserer Redaktion zukommen zu lassen) Sprockhövel, 16. Februar 1918. —[Unser neuer Roman),„Die Göttin des Glücks“ von dem beliebten Schriftsteller Reinhold Ortmann behandelt ein nicht alltägliches Frauenschicksal. Mit großer Gewandtheit hat der Verfasser das Schicksal der Hanna Sylvander mit dem der anderen Personen verflochten, so daß die Handlung den Leser stets in Spannung hält. [Heldentod.] Nach langer, quälender Ungewißheit erhielt jetzt erst die Familie Gustav Stöter Tillmann amtl. Nachricht über das Schicksal ihres ältesten Sohnes Gustav. Nach Aussage einiger in englische Gefangenschaft geratener Kameraden, die durch das Rote Kreuz den Eltern übermittelt wurde, erlitt der tapfere Vaterlandsverteidiger am 2. Mai v. Jahres den Heldentod bei Opie in der Nähe von Arras. Ein Volltreffer zerstörte den Unterstand und tötete die braven Insassen. Treue Kameraden konnten nur den verschüttenen Leichnam des oben Genannten bergen, wurden aber bei den weiteren Aufräumungsarbeiten von den Engländern abgefangen. Dem gefallenen Helden ein treues Gedenken! [Heldentod.] Der Musketier Gustav Pottkämper, ältester Sohn des Schuhmachermeisters Pottkämper hierselbst, welcher im April 1917 durch eine Granate schwer verwundet wurde, hat nunmehr in einem Lazarett in Frankfurt=Main sein Leben für unser aller Vaterland dahingeben müssen. 48 Granatsplitter waren in den Körper eingedrungen und hatten während der langen Zeit des Krankenlagers an dem Mark des jungen Helden gezehrt. Wie wir hören, soll der Leichnam nach hier überführt werden. Die Heimat wird auch diesem tapferen Streiter ein ehrendes Andenken bewahren. [Auszeichnung.] Der Musk. Hugo Heckmann von hier, früher auf dem hiesigen Amte beschäftigt, wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. —[Frost.] Dem Frühlingswetter ist wieder starker Frost gefolgt. Seit vorgestern weht ein rauher Wind, und die jungen voreiligen Knospen an Sträuchern und Hecken lassen wieder ihre erfrorenen Köpfchen hängen. Hoffentlich schadet der Frost nicht auch der sonst gut stehenden Wintersaat. —(Die rückständigen Steuern) müssen nach einer Steuermahnung in heutiger Nummer bis zum 20. ds. Mts. bezahlt sein, andernfalls kostenpflichtige Beitreibung erfolgt. —[Sommerzeit 1918.] Die Sommerzeit beginnt in diesem Jahr am 1. April und endigt am 14. Oktober. —(Vieh= und Kaninchenzählung am 1. März 1918.] Zur Biehzählung am 1. März 1918 hat der Bundesrat eine Ausführungsverordnung erlassen, die eine Zählung der im Deutschen Reiche vorhandenen zahmen Kaninchen anordnet. Diese Feststellung geschieht im Interesse der Heeresverwaltung, weil die Felle der Kaninchen in steigendem Maße für den Kriegsbedarf Bedeutung gewinnen. Da eine besondere Zählung zurzeit nur mit großen Schwierigkeiten durchführbar sein würde, erschien es angezeigt, sie mit der am 1. März 1918 vorgeschriebenen allgemeinen Viehzählung zu verbinden. —[Verkauf von Ferkeln.] Die Provinzialfleischstelle in Münster hat angeordnet, daß in Zukunft beim Verkauf von Ferkeln von einem Lebendgewicht bis zu 15 kg. ein Preis von 1.10 Mk. für das Pfund Lebendgewicht ab Stall nicht überschritten werden darf. Der Preis für alle Schweine im Lebendgewicht über 15 kg, mit Ausnahme der Zuchtschweine, die nachweislich zur Zucht Verwendung finden, ist durch Anordnung der Provinzialfleischstelle vom 22. November v. J. mit Wirkung auf 16. Januar d. J. für Schweine bis zu 70 kg. auf 63, bis 85 kg. auf 73, über 85 kg. auf 78 Mk. für 100 kg. Lebendgewicht festgesetzt worden. —(Kein Leinen als Packmaterial.] Die oft beobachtete Gepflogenheit, gutes Leinen als Packmaterial für Sendungen an Gefangene zu verwenden, ist unter den heutigen Verhältnissen Verschwendung und geeignet, die Bestrebungen zur Streckung unserer Vorräte auf diesem Gebiet zu durchkreuzen. Zur Verwendung als Packmaterial genügen Papiere oder Pappe vollkommen. Der vorhandene Vorrat an Webwaren muß unbedingt der Verarbeitung für Kleidung und Wäsche vorbehalten bleiben. Hoffentlich hat der Teil der Bevölkerung, der hier in Frage kommt, Einsicht genug, diesen Wink zu beherzigen. —[Das Kuchenbackverbot.] Der Regierungspräsident hat unter Abänderung seines im Mai v. J. erlassenen grundsätzlichen Kuchenbackverbotes den Konditoreien die Herstellung und Abgabe solcher Torten gestattet, bei denen eine Verwendung von Mehl oder Schrot aus Getreide nicht stattfindet. Der Grundsatz, daß alles vorhandene Brotgetreide ausschließlich der Brotversorgung zuzuführen ist, wird also in vollem Umfange aufrecht erhalten. Um jede Umgehung des bestehenbleibenden Backverbotes von vornherein unmöglich zu machen, ist das Verbot des Backens und der Abgabe von Torten auf Kaffees, Gast= und Speisewirtschaften ausgedehnt worden. Siehe Bekanntmachung. —(Hattingen.] Die hiesige städt. Kriegsfürsorge gewährt bedürftigen Kriegerfamilien für die Ausstattung ihrer Kinder zur Konfirmation oder Kommunion eine einmalige Beihülfe von 75 Mk. bis 100 Mk. Ein hochherziger Beschluß, der Nachahmung verdient!! Abbruch der Petersburger Verhandlungen. WTB. Berlin, 15. Febr.(Drahtb.) Die Tätigkeit der nach Petersburg gesandten deutschen Kommission stößt in der letzten Zeit auf immer größere Schwierigkeiten. Unterredungen mit den maßgebenden Persönlichkeiten, ohne die nach Lage der derzeitigen Verhältnisse in Petersburg ein Fortgang der Verhandlungen nicht zu erzielen ist, werden den Mitgliedern der deutschen Kommission dadurch unmöglich gemacht, daß die russischen Volkskommissare, insbesondere Lenin und Trotzki, andere dringende Geschäfte vorschützen. Bald ergeben sich diese, bald jene Gründe für die Verzögerung der Verhandlungen. Nachdem sich nun in den letzten Tagen auch noch der schwerwiegende Fall ereignet hat, daß in einer die deutschen Kriegs= und Zivilgefangenen betreffenden Angelegenheit die russische Regierung eine von ihr gegebene Zusage am nächsten Tage wieder zurückgenommen hat, entsteht ernstlich die Frage, ob die weitere Anwesenheit der deutschen Kommission in Petersburg unter den derzeitigen Verhältnissen noch Zweck hat. Erfolgreicher Vorstoß unserer Torpedoboote. WTB. Berlin, 15. Febr.(Amtlich.) In der Nacht vom 14. zum 15. Februar griffen unsere Torpedoboote unter Führung des Korvettenkapitäns Heinecke die starke Bewachung des englischen Kanals zwischen Dover und Grisnez=Folkestone überraschend an. Ein großes Bewachungsfahrzeug, zahlreiche bewaffnete Fischdampfer und mehrere Motorfahrzeuge wurden zum Kampfe gestellt und größtenteils vernichtet. Unsere Torpedoboote erlitten dabei keine Verluste und Beschädigungen. Sie sind vollzählig zurückgekehrt. Politik und Kricgführung. Von Generalleutnant Fryrn. v. Freytag=Loringhoven, Chef des Stellvertretenden Generalstabes der Armee. Unter obigem Titel hat vor einiger Zeit der Kaiserlich Osmanische Major a. D. Endres eine Schrift erscheinen lassen, deren klare Ausführungen in vielen Punkten durchaus zu billigen sind, in anderen jedoch nicht unwidersprochen bleiben dürfen. Von den bekannten Sätzen ausgehend, in denen Clausewitz die gegenseitige Bedingtheit von Politik und Kriegführung darlegt, folgert der Herr Verfasser, gestützt auf Bismarck:„Die Ausführung des Auftrages: Vernichtung der feindlichen Streitkräfte, muß ganz der Obersten Heeresleitung überlassen werden. Aber auch nur das.“ So einfach liegen denn doch die Dinge nicht, am wenigsten im heutigen Kriege. Es sprechen so viele außerhalb der eigentlichen operativen und taktischen Tätigkeit liegende Fragen mit, daß eine Oberste Heeresleitung mit der Einschränkung, wie sie hier gefordert wird, überhaupt nicht wirken könnte. Es vergeht kaum ein Tag, wo der Heerführer nicht gleichzeitig Beschlüsse zu fassen hätte, die mehr oder weniger das politische Gebiet berühren. Um diese zu erhärten, genügt der Hinweis auf das Zusammenorbeiten mit unseren Verbündeten in Galizien und Polen, in Serbien, der Türkei, Rumänien, Italien, auf das Zusammenhandeln mit der Marine, auf die Verwaltung der weiten, besetzten Gebiete. Major Endres nimmt sehr richtig die Fähigkeit, sich ein Bild von der Zukunft zu machen, mit Hilse eines reifen politischen Erfahrungsschatzes für den Staatsmann in Anspruch. Daß aber nur der Politiker imstande sein soll,„an zeitlich weit zurückliegende Entwicklungen und Zustände geschichtlicher Art anzuknüpfen, und eben solche weit in die Zukunft hinein hellsichtig vorauszusehen", ist eine ebenso willkürliche Behauptung wie die, es bestehe ein Gegensatz zwischen der„langfristigen Kunst in der Erfassung von Zuständen“ und der kurzfristigen militärischen Kunst, der Waffentat“. Auch der Politiker kommt häufig in die Lage, einen schnellen Entschluß fassen zu müssen. Andererseits ist Heerführung nicht immer ein kurzfristiges Ding, am wenigsten im Weltkriege. Sie ist ein dauerndes Vorausdenken. Selbst rein taktische Anordnungen bis zur Division hinab, erfordern heute umfangreiche Vorarbeiten. Der von Major Endres angenommene Gegensatz gilt daber höchstens für niedere Einbeiten. Sein Rezensent in Nr. 328 der„Frankfurter Zeitung“ nom 27. November vorigen Jahres, 1. Morgenblatt, Rudolf Zircher, geht noch weiter, indem er zwar der militärischen Erziehung und Bildung, die wir unseren Offizieren zuteil werden lassen, für soldatische Zwecke hohe Anerkennung zollt, aber gerade wegen ihrer auf die Tat gerichteten Einseitiakeit die Eigenschaft, politisches Verstöndnis zu erzielen, abspricht. Ist auch die soldatische Erziehung nicht auf solches angelegt, wie weit reicht denn das politische Verständnis bei anderen Berufszweigen? Ich habe jedenfalls bei meiner Rückkehr aus dem Felde auf einen Heimatposten umgekehrt mit Stannen gesehen, wie unsaabar gering das Verständnig für militärische Dinge, inmitten dieses größten Krieges, selbst bei Leuten ist, bei denen man solches einigermaßen hätte voraussetzen müssen. Es ist ganz wahr, was Major Endres sagt. daß die normalen militärischen Ausbildungsmethoden nicht jeden Generalstabsoffizier, nicht jedes Oraan der Obersten Heeresleitung, zu politischer Betätigung befähigen. Es handelt sich hier aber auch nur um die höchsten Spitzen, die doch wahrhaftig nicht durch einen bloßen Zufall in ihre Stellungen gelangt sind, und um einige erprobte Gehilfen. In dieser Hinsicht sagt Treitschke(Politik II.§ 23) sehr bezeichnend:„Ein wirklicher Feldherr großen Stils muß immer zugleich ein Staatsmann sein.... Blücher war ein politisches Genie; man erstaunt immer von neuem darüber. Auf die Orthogranhie kommt es nicht an, sondern darauf, daß er immer die Dinge sieht, wie sie sind." Und will man etwa Scharnhorst: Gneisenau oder Rodetzky politischen Instinkt absprechen? Moltke hat die Strategie als die Anwendung des gesunden Menschenverstandes auf die Kriegführung bezeichnet. Auf ihn, wie auf die Mehrzahl auer großen Soldaten trifft zu, was Sybel(Begründung des Deutschen Reiches II) mit Bezug auf Kaiser Wilhelm I. sagt:„Gründliche Arbeit erzieht alle Kräfte des Geistes und macht sie geschickt, wo es erforderlich wird, auch auf früher unbekannten Gebieten sich bald zurecht zu finden.“ Der Krieg ist nach Treitschke„Politik in höchstem Maße“, und„Politik ist“, um mit dem Fürsten Bülow(Deutsche Politik) zu sprechen,„Leben, und spottet im Grunde wie alles Leben jeder Regel“. Man stelle also auch keine Regeln über Politik und Kriegführung auf, die sich geschichtlich nicht rechtfertigen lassen. Es wird stets darauf hinauskommen, daß zwei Faktoren: Heeresleitung und volitische Leitung im Einvernehmen miteinander handeln. Wie dieses herbeigeführt wird und sich äußert, wird jedesmal verschieden sein. Die Forderung: „Klare Verhältnisse! Scharf getrennte Arbeitsgebiete!“, die Major Endres stellt, ist in der Praxis nicht durchführbar. Der Fernstehende kann sich freilich schwer einen Begriff davon machen„in wie hohem Grade die andauernde stille Friedensarbeit des Generalstabes, die sich auf ein reiches Nachrichtenmaterial stützt, politisches Urteil weckt. Wohl aber offenbaren jedem, der sich mit der Frage Politik und Kriegführung beschäftigt, zahlreiche Denkschriften, die in Moltkes Militärischer Korrespondenz enthalten sind, eine seltene Fülle politischen Scharfblicks. Auch auf diesem Gebiete, nicht nur auf taktischem und operativem, sind wir über Graf Schlieffen immer noch Moltkes Schüler. Major Endres gibt mittelbar selbst zu, daß eine strenge Scheidung zwischen den Fragen der Politik und der Kriegführung sich kaum durchführen läßt, denn er erwähnt, daß Bismarck bei Beginn des Krieges 1866 sich Übergriffe in Moltkes Tätigkeitsbereich hane zuschulden kommen lassen. Ernster waren die Erschwerungen, die Bismarck 1870=71 in Versailles Moltke bereitete. Der Bundeskanzler verlor vor Paris die Geduld und ließ sich dahin aus, es sei der größte Fehler gewesen bis Paris vorzudringen. Er habe sich— was freilich nicht zutraf— stets dafür ausgesprochen, daß der Krieg nicht weitergeführt würde als bis in die Champagne. Wenn ein Staatsmann, der so soldatisch empfand wie Vismarck, dem die Armee so Ungeheures verdankte, inmitten des Krieges derartiges fordern konnte, so liegt es auf der Hand, daß Moltkes Gegengewicht in solchen doch zugleich hochpolitischen Fragen gar nicht zu entbehren war. Darin, daß ein Friedensschluß in erster Linie politisch ist, wird man dem Herrn Verfasser durchaus zustimmen. Wenn er aber der Obersten Heeresleitung hierbei lediglich eine beratende Stimme zubilligt, so geht das zu weit. Weniger Zurückhaltung von seiten Moltkes beim Präliminarfrieden wäre 1871 durchaus angebracht gewesen. In seiner Schrift„Vismarcks Friedensschlüsse"(F. Bruckmann, München 1916) sagt Professor Haller: „Bismarck allein ist. dafür verantwortlich, daß Belfort aufgegeben wurde. Er zuerst hat sich bestimmen lassen, diese Forderung fallen zu lassen und er hat denn auch Kaiser Wilhelm und Moltke dafür gewonnen. Beide haben unverkennbar widerstrebt". Es zeigt sich bei dieser Frage von ungeheurer Bedeutung, wie wichtig ein enges Zusammenwirken der politischen und militärischen Leitung bis in die Friedensverhandlungen hnein ist. Major Endres ist an sich unzweifelhaft im Recht, wenn er meint, auf dem Gebiete der inneren Politik habe die Oberste Heeresleitung nur militärisch zu denken. Da aber heute das ganze Land durch den Krieg in Mitleidenschaft gezogen ist, und durch seine Leistungen in aktivem und passivem Sinne die Lage an den Fronten in hohem Maße beeinflußt wird, so ergibt sich auch hier ohne weiteres, daß heute die Oberste Heeresleitung weit mehr als früher ihren Einfluß in zahlreichen inneren Fragen kräftig zur Geltung zu bringen, in der Lage sein muß. Die Rüstungsindustrie, die Verpflegungsfrage, das Verkehrswesen, die weitgehende Ausnutzung der Menschenkraft bedingen eine fortgesetzte Mitwirkung der Obersten Heeresleitung, wenn nicht die schwersten Nachteile für den Ausgang des Krieges erstehen sollen. Nicht im Sinne scharfer Trennung der Aufgaben der Heerführung und der politischen Leitung sehen wir das Heil unseres Vaterlandes, sondern in steter Zusammenarbeit beider, wie wir es jetzt erleben. Rumänien vor der Entscheidung. Das Verhältnis der Rumänen zu den Russen war nie ein gutes, nicht als Bundesgenosse Rußlands, sondern als der von Frankreich und England ist Rumänien in den Krieg eingetreten, den es sich vermaß, selbständig ohne Anlehnung an die damals noch mächtige Armee Brussilows zu führen. Es ist bekannt, mit welchem Erfolg. Notgedrungen suchten die Trümmer des Heeres nunmehr Anlehnung an Rußland, wo auch der aus seiner Hauptstadt vertriebene König eine Zuflucht fand. Allmählich wurde die Armee wieder in kampffähigem Zustand gebracht und 200 000 Mann stark gewann sie an Bedeutung, als rings um sie die russischen Armeen von der großen Auflösung erfaßt wurden. Dem Waffenstillstand der Mittelmächte mit Rußland schloß sich auch Rumänien an, aber in demselben Moment kam es zu offenen Kämpfen zwischen Russen und Numänen. Die Russen erlaubten sich arge Übergriffe, sprengten z. B. Munitionsdepots der Rumänen in die Luft, diese entwaffneten kleinere russische Verbände. Bei Galatz kamn es dann zu einer regelrechten Schlacht, die siegenden Rumänen fielen in Bessarabien ein, jenem von Rumänen bewohnten russischen Grenzgebiet, das schon immer von den Mittelmächten dem Reich des Königs Carol als Siegespreis gezeigt war. Vessarabien hat sich als selbständige Nepublik erklärt, liegt mitten zwischen Numänien und der Ukraine und seine Eroberugn kann leicht zu Verwicklungen mit dieser führen, die unerwünscht sind. Noch steht den Rumänen unser Feldmarschall Mackensen gegenüber und dieser hat nun die Bedingung gestellt, sich zu einem Abkommen bereit finden zu lassen oder eines Angriffs gewärtig zu sein. Die Antwort wird kaum ablehnend sein. Lebensmittel und Munition konnte die rumänische Armee nur aus Nußland bekommen, die Lieferungen haben aufgehört, und wenn auch aus Bessarabien Lebensmittel zu gewinnen sind, der Mangel an Munition ist nicht zu heben. So ist es bedeutungsvoll, daß der Kriegstreiber Vratianu nun als Premierminister zurücktritt, und daß der höchstkommandierende General Averescu auch erster Minister wird. Der General hat seine Schuldigkeit in vollem Umfang getan, war ober in seinem Herzen mehr auf der Seite der Carp und Margilhoman, der alten Freunde dreibundfreundlicher Politik, die in dem besetzten Rumänien zurückgeblieben sind. Bratianu hat sie als Verräter gebrandmarkt, aber die Trümmer der Petroleumindustrie, die Bratianus Freunde, die Engländer, so frevelhaft verwüstet haben, beweisen, wo die wirklichen Verräter am Wohle Rumäniens zu suchen sind. So dürfte ein zweiter Friedensschluß dem mit der Ukraine folgen, und wenn Rumänien wirklich mit dem" Gewinn Bessgrabiens rechnen darf, so wird es auch gern die Dobrudscha an Bulgarien zurückgeben. Natürlich werden die Mittelmächte sich auch hier Garantien verschaffen, daß nicht wieder die rumänische Politik von Männern geleitet wird, die für Bestechungen so zugänglich sind, wie es in dieser Krisis die leitenden Minister waren. Dazu würde gehören, daß der König gegenüber solchen Machenschaften sich einen klaren Blick bewahrt. Aber vielleicht werden die Rumänen versuchen, ohne einen Monarchen auszukommen. Es scheint nicht, daß die Mittelmächte auf diese Frage besonderen Wert legen. Beginn der Verhandlungen mit Rumänien. TU. Berlin, 15. Febr. Eine offizielle Mitteilung über die Verhandlungen mit Rumänien liegt noch nicht vor. Aber es ist anzunehmen, daß die rumänischen Unterhändler, die zunächst über die Verlängerung des Waffenstillstandes verhandeln wollen, an ihrem Bestimmungsort angekommen sind. die Lage an der Offfront TU. Berlin, 15. Febr. Zur Lage an der russischen Front wird von maßgebender Seite darauf hingewiesen, daß der durch Funkspruch mitgeteilte Befehl zur Demobilisation des russischen Heeres noch am selben Tage vier Stunden nach seinem Erlaß wieder zurückgezogen wurde, so daß eine Demobilisation des russischen Heeres tatsächlich nicht erfolgt. Demobilisierung in Nordrußland. WTB. Berlin, 15. Febr. Der russische Oberkommandierende der West= und Südfront Mjasnikow het durch Funkspruch vom 11. Februar folgenden Befehl erlassen: 1. Die Demobilisierung der Armee wird schnell vor sich gehen, wobei volle Ruhe und Ordnung gewahrt werden muß. Der heutige Zustand der Eisenbahnen erfordert, daß wir sparsam mit ihnen umgehen. 2. Zur Durchführung der Demobilisierung sind bei den Truppenteilen der Armeen besondere Organe, mit Kometees und Räten an der Stitze, zu bilden. Die Heranziehung bezahlter Arbeitskräfte ist in weitgehendstem Maße erforderlich, worauf ich schon in meinem vorigen Befehl hingewiesen habe. 3. Parallel mit der Demobilisierung muß die Organisation der Roten Armee gehen. Mehr Agitation! Mehr praktisches Handeln in dieser Richtung! 4. Die Komitees der Räfe und Verwaltungsorgane der Truppenteile müssen bis zur letzten Minute auf ihrem Posten bleiben. Kameraden! Die Erfüllung dieser Bedingungen wird uns ermöglichen, die Stürme des Krieges endgültig zu liquidieren und zu einer gesunden Form 5. Schutzes von Land und Revolution gegen ihre Feinde überzugeh.. Gedrückte Stimmung in Nordrußland. WTV. Stockholm, 15. Febr. Telegraphischen Meldungen aus Petersburg zufolge äußert sich die bolschewistische Présse zu den Ergebnissen der Verhandlungen in BrestLitowsk in zustimmender Weise, doch klingt diese Zustimmung etwas gedämpft. Das gorkische Organ„Nowaja Shisn" findet den Ausgang der Verhandlungen unbefriedigend, da Deutschland zum Weitervordringen in Rußland stark genug sei, und die ukrainische Frage militärisch wie wirtschaftlich eine sehr gefährliche Wendung genommen habe. Das führende Organ der Sozialrevolutionäre nahm zu dem Ergebnis noch nicht Stellung. Das Kadettenblatt„Wiek" erklärt die jetzt vorliegende Situation zwischen Rußland und dem Vierverband wegen der inneren Gefahren und der wirtschaftlichen Misere Rußlands als unmögliche. Im SmolnnInstitut herrscht, wie aus glaubwürdiger Quelle verlautet, eine ziemlich kleinlaute Stimmung. Man verhehlt sich kaum mehr, daß man sich über den Ausbruch der erwarteten revolutionären Umwälzung in Deutschland gründlich täuschte. Die gedrückte Stimmung wird noch durch das Gefühl der Ohnmacht gegenüber der allgemeinen Anarchie, besonders gegenüber den in Petersburg herrschenden trostlosen Zuständen verschärft. Besonders kritisch erscheint die Gesamtlage durch das Vorgehen des Generals Alexejeffs, der über etwa 100 000 Mann, wovon etwa 30000 Offiziere sind, verfügen soll, gegen Moskau. Wiederaufnah me der bulgarisch-rufsischen Beziehungen. TU. Aus Sofia wird gemeldet, die bulgarische Regierung habe mit Rußland die diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen. TU. Sofia, 14. Febr. Der Friedenszustand mit Rußland, der jetzt eingetreten ist, wird hier mit großer Freude begrüßt, umsomehr, als nun der Zeitpunkt der endgültigen Verwirklichung der bulgarischen nationalen Ideale gekommen ist. Mit fieberhafter Spannung erwartet man jetzt das spruchreife Schicksal Rumäniens, das die Vereinigung der ganzen Dobrudscha mit Bulgarien bringen soll. die Beratungen im Großen hauptquartier. TU. Verlin, 15. Febr. Der Reichskanzler Graf Hertling wird heute wieder in Berlin zurückerwartet. Der Staatssekretär Freiherr von Kühlmann dürfte etwas später eintreffen. An den Veratungen im Großen Hauptquartier haben, wie das Verliner Tageblatt hört, auch der Staatssekretär des Reichsmarineamts, Admiral v. Capelle, und der Chef des Admiralstabes der Marine, Admiral von Holtzendorff, teilgenommen. Einigkeit zwischen hindenburg und hertling. WTB. Verlin, 15. Febr. Den Abendblättern zufolge führten die Besprechungen im Großen Hauptquartier zu einer völligen übereinstimmung der Auffassung zwischen den militärischen Stellen und der politischen Leitung. Ein endgültiger Beschluß liegt noch nicht vor. Das Ergebnis soll erst in einigen Tagen bekanntgegeben werden. Die Wirtschaftsbeziehungen zur Ukraine. bb. Berlin, 15. Febr. Gestern begannen im Auswärtigen Amt die Verhandlungen zwischen den Vertretern Österreich-Ungarns und des Deutschen Reiches über die Regelung der durch den Friedensvertrag angeknüpften wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Mittelmächten und der Ukraine. Militärische Hilfe für die Ukraine. TU. Wien, 15. Febr. Die Ukraine befindet sich infolge des Krieges in einem Zustande, der es ihr unmöglich macht, die Verpflichtungen zu erfüllen, die sie im Friedensvertrage hinsichtlich der Lieferung ihrer überschüsse eingegangen ist, wenn sie nicht Hilfe von außen erhält. Diese Hilfe wird ihr, wie von befugter Seite mitgeteilt wird, gegeben werden. Sie wird nicht nur technisch sein, d. h. in der Bereitstellung von Lokomotiven und Wagen bestehen, es könnte auch sein, daß ihr von den Mittelmächten Beistand zur Organisierung cines Sicherheitsdienstes geleistet wird. Die militärische Hilfe der Mit lmächte würde, wenn es erforderlich werden sollte, den Warenanstausch mit der Ukraine zu schützen, darin bestehen, wichtige Knotenpunkte und Stapelplätze gegen überfälle durch Banden sicherzustellen. Natürlich würde diese Hilfeleistung im Einvernehmen mit den ukrainischen Behörden erfolgen. TU. Der Wiener Mitarbeiter des Budapester Blattes „Ujsag" hatte eine Unterredung mit einer Persönlichkeil, die an den Verhandlungen teilgenommen hat und u. a. sagte: Der Frieden mit Rumänien ist nunmehr nur noch eine Frage von Tagen. Zur Ermöglichung der Transporte aus der Ukraine und zum Schutze der Stapelplätze für Lebensmittel werden wir wahrscheinlich der Ukraine militärische Hilfe schicken. über die gegenwärtigen seltsamen Berhältnisse in Rußland sagte der Gewährsmann: Trotzki war gewissermaßen von innerpolitischen, taktischen Motiven geleitet. Denn wenn man den aus Rußland eintreffenden Nachrichten Glauben schenken will, sind die Tage der Volschewiki gezählt. Polen verstimmt. bb. Berlin, 15. Fehr. Nach polnischer Quelle wird dem Prager„Narodny Listi“ gemeldet: Es besteht noch eine andere, sehr ernste Ursache, warum die polnischen Abgeordneten und Herrenhausmitglieder sehr erbittert sind. Diese Ursachen betrifft die Grenzen des polnischen Staates nach Westen hin. Den Polen ist bekannt geworden, daß sie nicht die Grenze erhalten sollen, die sie erwarteten, sondern letztere soll wesentlich nach Osten verschoben werden, so daß das Gebiet des polnischen Staates nicht das ganze Gebiet des Polens in Rußland umfassen werde. Abgeschnitten davon wird Lodz und Dombrowa. Der Zugang zum Meer wird den Polen nicht bewilligt. Das polnische Hrer. bb. Berlin. 15. Febr. Zu der Nachricht, daß 3 Abgeordnete vom Kommandanten der polnischen Truppen in Rußlanh, dem General Dowbor=Musnicki, in besonderer Sendung in Warschau eintreffen, bemerkt die Vossische Zeitung: Es handelt sich dabei um Verhandlungen, die darauf abzielen, einen Zusammenschluß der polnischen Legionen mit den Truppen des Generals Dowbor=Musnicki herbeizuführen, die den Regentschaftsrat als rechtmäßige Regierung anerkannt haben. Diese Truppen waren es bekanntlich, die in letzter Zeir auf eigene Faust Krieg auf weißrussischem Boden führten und unter anderem das Gouvernement Mohilew zu Polen annektierten. Die Bedrückung der Deutschen in Esthland. Riga, 15 Febr. Die Lage der von Deutschland ihre Errettung erhofsenden Deutschen und Esthen in Livland und Esthland eilt der Katastrophe zu, wenn nicht Rettung in lehzter Stunde kommt. In Reval sind von den Maximalisten 3000 Deutsche und Esthen verhaftet worden. Die Frauen befinden sich getrennt von ihren Kindern im Schlosse, die Männer in Kinos. In Dorpat wurden etwa 280 Männer verhaftet. Weilere Verhastungen sind aus Fellin gemeldet. Der gesamte deutsche Adel ist für vogelfrei erklärt. Währenddessen agitiert England weiter und bedingt sich die militärische Verfügung über die Häfen des Landes als Gegenleistung aus. der Krieg zur Sec. Reue Taten unserer U-Boote. WTB. Berlin, 15. Febr.(Amtlich.) 1.) Außer den gestern veröffentlichten Erfolgen unserer U-Boote im östlichen Mittelmer sind nach neu eingegangenen Meldungen auch solche im mittleren Teile des Mittelmeeres erzielt worden, durch die besonders der Transportverkehr nach Italien getroffen wurde. 3 Dampfer und 3 Segler fielen hier unseren A-Booten zum Opfer. Die Dampfer, von denen 2 bewaffnet waren, wurden sämtlich aus stark gesicherten Geleitzügen herausgeschossen. Von den versenkten Seglern hatten 2 Papiermasse, einer Holz geladen.— 2.) Am 31. Jannar hat eins unserer Unterseeboote die Chemische Fabrik Arenella bei Palermo auf nahe Entfernung erfolgreich beschossen. Der Chef des Admiralstabes der Marine. U-Bootvortrag in Warschan. WTB. Warschau, 15. Febr. Über unsere Flotte im Weltkrieg, mit besonderer Berücksichtigung des U=Bootkrieges hielt gestern im großen Saal der Warschauer Philharmonie Kapitän zur See von Mantey vom Admiralstab der Marine einen Vortrag. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Generalgouverneur Generaloberst Exz. von Beseler war mit Begleitung ebenfalls erschienen. Der Vortragende führte an der Hand genauester statistischer Angaben aus vorwiegend feindlichen Quellen u. a. aus, daß wir mehr als das Doppelte an Schiffen abschießen, als die Welt nachzubauen imstande ist. Der Erste Lord der englischen Admiralität hat in seinen Erklärungen zugeben müssen, daß wir unsere UBoote schneller bauen, als die Feinde sie versenken können. Im Fazit seiner Darstellungen stellte Kapitän von Mantey fest, daß England und seine Verbündeten infolge Frachtraummangels bereits in großer Notlage sind.„Die Zahl unserer U=Voote wächst, ein brauchbares Abwehrmittel ist nicht gefunden, wir können also mit unbedingtem Vertrauen in die Zukunft blicken.“ Näheres über die letzten Verhandlungen mit Trotzki. WTV. Berlin, 15. Febr. Über den Verlauf der beiden letzten Sitzungen der deutsch-österreichisch-russischen Kommission zur Regelung der territorialen Fragen, die mit der bekannten Erklärung Trotkis ihren Abschluß gefunden, wird noch folgendes bekannt: Die Sitzung am 9. Febr. leitete von Kühlmann damit ein, daß er die in Aussicht gestellte Darlegung über das Ergebnis der Vesprechungen gab. v. Kühlmann stellte fest, daß eine Annäherung der Standpunkte nicht erzielt sei. Es ergebe sich, daß die Ausdehnung von Verhandlungen, die keine Aussicht auf Erfolg versprächen, nicht möglich sei. Die rechtspolitischen Fragen zwischen den Spezialkommissionen hätten bereits eingehende Erörterung gefunden, so daß im Falle einer Einigung über die politischen Fragen der Abschluß keine Schwierigkeiten bieten würde.— Graf Czernin führte aus: Seit Wochen beschäftige man sich mit der Erörterung, wie gewisse Veränderungen an der russischen Westgrenze zu qualifizieren seien.. Ein noch so langes Hinausziehen biete wenig Aussicht auf Einigung. Er schlage vor, die Frage offen zu lassen, wie die Veränderungen aufzufassen seien.— Trotzki entgegnete: Die Anwendung, welche die Gegenpartei dem Grundsatz des Selbstbestimmungsrechtes geben wolle, sei gleichbedeutend mit der Ablehnung dieses Grundsatzes; infolgedessen sei die Erörterung allerdings hoffnungslos. Wenn er sich der Frage nach der Bedeutung der neuen Westorenze zuwende, müsse er darauf hinweisen, daß die geplante neue Grenzführung vom Gesichtspunkte militärischer Rücksichten beurteilt werden müsse. Es sei aber jetzt eine neue Schwierigkeit entstanden durch die Ukraine. Die ukrainische Volksrepublik sei vom Vierbunde anerkannt, ja die Vertreter des Vierbundes hätten einen Friedensvertrag unterzeichnet, in welchem auch die Abgrenzung des ukrainischen Gebietes behandelt sei. Redner protestierte dagegen und bemerkte u. a., diese Handlungsweise müsse Zweifel hervorrufen, ob die Mittelmächte zu einer Verständigung mit Rußland gelangen wollten. Der Vertrag mit der Kiewer Rada sei für das ukrainische Volk und für die Regierung von ganz Rußland ungültig.— Unter Bezugnahme auf die Bemerkung Trotzkis, daß die als russische Westgrenze in Aussicht genommene Grenzlinie einer Besprechung durch Sachverständige bedürfe, machte von Kühlmann nunmehr den Vorschlag, die Grenzziehung einer Unterkommission zu überweisen. Es sei der Versuch gemacht, für Polen, Kurland und Litauen diejenigen Grenzen zu finden, die der geschichtlichen Abgrenzung und der Lage am besten entsprächen. Andentungen des Vorredners gegenüber, als ob den Zentralmächten bei Ziehung dieser Grenzlinie irgend welche Pläne im Hinblick auf Rußland vorgeschwebt hätten, bemerkte von Kühlmann, er brauche Trotzki nur auf die dauernde deutsche Politik hinzuweisen, die in der Pflege eines guten Verhältnisses zu dem östlichen Nachbarn bestanden habe, bis durch Vorgänge, die der russischen Delegation noch besser bekannt seien, wie der deutschen, dem deutschen Volke der Kampf aufgezwungen sei. Die deutsche Politik werde auch einem neu organisierten Rußland gegenüber immer ein freundnachbarliches Verhältnis anstreben. Der Vierbund müsse es sich vorbehalten, selbst darüber Richter zu sein, welche Staaten er anzuerkennen für gut befinde. Was das zukünftige Schicksal der in den besetzten Randgebieten zurückziehe, werde es sie auch aus dem türkischen Gebiete zurückziehen.— v. Kühlmann entgegnete, er habe bezüglich der Aalandsfrage den Ausdruck„Minimum" gebraucht zur Bezeichnung dessen, was er als deutsche Forderung ansehe. Wenn man ihn frage, an welches Maximum er dabei dachte, so sei dies eine Maßregel, auf die er schon früher mehrfach anspielte, nämlich unter Beteiligung der an der Ostsee anliegenden Völkerschaften, diese Inseln zu neutralisieren.— Die Sitzung wurde hierauf geschlossen. Am 10. Februar hielt die Unterkommission unter Vorsitz des K. u. K. österreichisch-ungarischen Sektionschefs Dr. Graetz 2 Sitzungen ab, in denen die militärischen Sachverständigen zu Worte kamen. Während von russischer Seite versucht wurde, die strategischen Nachteile nachzuweisen, denen Nußland durch die Neuführung seiner Westgrenze ausgesetzt wäre, wurde diese Auffassung von deutscher Seite widerlegt, da es sich nicht um eine russisch-deutsche Grenze, sondern um eine Grenze Nußlands mit neuen Randstaaten handele.— In der Sitzung der Vollkommission am 10. Febr. brachte von Kühlmann zunächst einen Befehl zur Sprache, den das russische Oberkommando zur Verbreitung unter den deutschen Truppen veröffentlicht habe, und der die russischen Soldaten anweise, deutsche Truppen zum Vorgehen gegen die deutschen Generale und Offiziere zu bestimmen.— Trotzki erklärte, davon keine Kenntnis zu haben.— Nachdem Graetz mitgeteilt hatte, daß ein Einvernehmen nicht erzielt sei, richtete Kühlmann an die russische Delegation die Frage, ob diese noch Mitteilungen zu machen habe. Trotzki führte aus, daß nach den langen Verhandlungen nunmehr die Stunde der Entscheidung gekommen sei. Die Völker erwarteten mit Ungeduld das Ergebnis der Verhandlungen. Nach Ausfällen gegen den Imperialismus der Welt erklärte er, Rußland wolle an dem Kriege kainen Anteil haben, deshalb führe es sein Volk aus dem Kriege. Rußland gebe den Krieg auf und benachrichtige hiervon alle Völker und ihre Regierungen. Seine Regierung lehne es aber ab, die deutsch-österreichischen Bedingungen zu sanktionieren. v. Kühlmann entgeanete, wenn er den gegen wärtigen Zustand analysiere, so stehe der Vierbund mit Ruß land im Kriege. Die kriegerischen Unternehmungen seien durch den Waffenstillstandsvertrag eingestellt, würden aber beim Wegfall dieses Vertrages von selbst wieder aufleben. Der Waffenstillstandsvertrag bezeichno den Abschluß des Friedens als eigentlichen Zweck seines Daseins. Würde also mangels Abschluß eines Friedens der Daseinszweck verschwinden, so würden die Kriegshandlungen wieder aufleben. Die Tatsache, daß die eine der Parteien ihre Armeen demobilisiere, würde hieran weder tatsächlich noch rechtlich etwas ändern. Das Merkmal für das Bestehen des Friedenszustandes sei das Vorhandensein internationaler Beziehungen, ferner das Bestehen von Rechts- und Handelsbeziehungen. Er möchte die russische Delegation um Meinungsäußerung bitten, ob die russische Regierung beabsichtige, neben der Erklärung der Beendigung des Kriegszustandes mitzuteilen, wo die Grenzen des russischen Reichs liefen, denn dies sei für die Wiederaufnahme der diplomatischen, konsularischen, Rechts- und Handelsbeziehungen Voraussetzung.— Trotzki erklärte, dem Gesagten nicht viel hinzufügen zu können, worauf Kühlmann vorschlug, für den folgenden Tag eine Vollsitzung anzuberau men, worin die Stellungnahme der Verbündeten zu den Mit teilungen der russischen Delegatrdie bekannt gegeben würden. Trotzki erwiderte, seine Delegatiter habe jetzt alle Vollmachten erschöpft, die sie erhalten habe. Sie kehre nach Petersburg zurück. Alle Mitteilungen, welche die Delegationen machen würden, werde sie im Schoße der Regierung der russischen Republik beraten und Antwort erteilen.— Auf die Frage Kühlmanns, wie dieser Gedankenaustausch erfolgen solle, entgegnete Trotzki, die russische Delegation habe von Litauisch=Brest aus direkte Drahtverbindung mit Petersburg, vor dem Waffenstillstand habe man sich durch Funksprüche verständigt, und außerdem befänden sich jetzt in Petersburg Vertretungen der 4 verbündeten Mächte, die mit ihren Regierungen verkehren könnten. So könne man die Verbindung herstellen.— Die Sitzung wurde hierauf geschlossen. Kaiser Karl zum ukrainischen Frieden. WTB. Wien, 15. Febr. Der Kaiser erließ folgendes Manifest: An meine Völker! Dank Gottes gnädigem Beistande schlossen wir mit der Ukraine Friede. Unsore siegreichen Waffen, unsere mit unverdrossener Ausdauer verfolgte aufrichtige Friedenspolitik zeitigten die erste Frucht des um unsere Erhaltung geführten Verteidigungskampfes. Im Vewine mit meinen schwergeprüften Völker vertraue ich darauf, daß nach dem ersten für uns so erfreulichen Friedensschluß bald der allgemeine Friede der leidenden Menschheit gegönnt sein werde. Unter dem Eindruck dieses Friedens mit der Ukraine wendet sich unser Blick voll Sympathie jenem strebsamen jungen Volke zu, in dessen Herzen zuerst unter unseren Gegnern das Gefühl der Nächstliebe wirksam wurde, und welches nach in zahlreichen Schlachten bewiesener Tapferkeit auch dazu, genügende Entschlossenheit besaß, um seiner besseren Überzeugung vor aller Welt durch die Tat Ausdruck zu verleihen. So schied es denn als erstes aus dem Lager unserer Feinde aus, um im Interesse einer möglichst raschen Erreichung des nunmehr gemeinsamen großen Zieles seine Bestrebungen mit unserer Kraft zu vereinen. Habe ich mich schon vom ersten Augenblicke an, als ich den Thron meiner erlauchten Vorfahren bestieg, eins gefühlt mit mei nen Völkern in dem felsenfesten Entschluß, den uns aufge drängten Kampf bis zur Erreichung eines ehrenhaften Frie dens auszufechten, so fühle ich mich um so mehr eins slebenden Völker anlange, so beziehe er sich auf die von den Mittelmächten abgegebenen Erklärungen. Trotz der von den ihnen in dieser Stunde, in welcher nunmehr der erste Schritt Mittelmächten festgehaltenen Auffassung, wonach das Selbst zur Verwirklichung dieses Zieses erfolgt ist Mit Bewunbestimmungsrecht in diesen Gebieten bereits ausgeübt sei, derung und liebevoller Anerkennung für die fast übermenschseien die Regierungen bereit, durch planmäßigen Ausbau derliche Ausdauer und unvergleichliche Opferfreudigkeit meiner Vertretungskörper die Möglichkeit einer Kundgebung auf brei 5 kester, volkstümlicher Grundlage zu schaffen. Im Zusammenhang hiermit wolle er noch bemerken, daß der wesentliche Inhalt des 1. Vorschlages für den Vierbund eine conditio sine qua non des Friedensschlusses sei, da die Räumung gewisser für uns und unsere treuen Verbündeten, sondern auch für Gebiete durch die Mittelmächte zugesagt sei, wenn die Näu ganze Menschheit den endgültigen Frieden erreichen. heldenhaften Truppen sowie jener, die täglich daheim eine nicht mindere Aufopferung bekunden, blicke ich voll Zuversicht in eine nahe glücklichere Zukunft. Der Allmächtige segne uns weiter mit Kraft und Ausdauer, auf daß wir nicht nur mung der Gebiete ihrer Verbündeten gleichzeitig stattfinde. Damals sei als Zeitpunkt, von welchem an für die Mittelmächte die Räumungsverpflichtung beginne, das Ende der russischen Demobilisierung genommen. Die Mittelmächte waren hinsichtlich dieses Zeitpunktes zu Konzessionen bereit, er müsse aber wiederholen, diß ein Friedensschluß, in dem die Zusicherung der Räumung der Gebiete durch die Truppen der Petersburger Regierung nicht enthalten sei, nicht in Frage käme. Er glaube nicht daran zweifeln zu wollen, daß Am 12. Februar 1918. Seidler m. p. Karl m. p. der Ansturm gegen Lloyd George. TU. Nach Londoner Depeschen hatte sich Lloyd George am Schlusse seiner Unterhausrede gegen einen furchtbaren Ansturm der Geguer des einheitlichen Entente=Oberkommandos zu verteidigen. Als Lloyd George sagte, der deutsche Generaldie russischen Truppen in den besetzten türkischen Gebieten stab würde Millionen dafür zahlen, wenn er— Lloyd George dem Befehl der Petersburger deg züglich der Aalandsfrage müsse er erklären, daß der Friedensschluß Deutschland als Minimum das an Rechten wieder einräumen müsse, was Deutschland vertragsmäßig bei Kriegsausbruch genoß. Auch weise er auf die Wünsche des schwedischen Volkes hin, welches aus geographischen Gründen an diesen Inseln ein vitales Interesse habe.— Trotzki entgegnete, ebense die Rußland jetzt seine Truppen aus Persien ten würde, erhob sich Asquith und verwehrte sich gegen den Vorwurf, er habe militärische Geheimnisse aus Lloyd George herauslocken wollen. Die Liberalen fekundlerten Asquich unt Lloyö Lärm George sierte. Die Opposition rief:„Warum stopfen Sie der Northeliffe-Presse nicht den Mund? Es ist ja ihre eigene Presse, sie bezieht ihre Informationen von Ihnen." Lloyd George rief: „Das ist eine gemeine Lüge." Der Premier redete sich dann n die größte Wut:„Die Hetzerei der Presse macht eine Kriegührung einfach unmöglich. Wenn man kein Vertrauen mehr zu mir hat, soll man in Gottes Namen die Regierung wechseln. Die steigende Kriegsunlust in England. TU. Wie aus London gemeldet wird, haben die energischen Maßnahmen zur Fortführung des Krieges, wie sie in der englischen Thronrede und in der Rede Lloyd Georges erwähnt wurden, in England starke Gegnerschaft hervorgerufen. die Lebensmittelrationierung in Frankreich. WTV. Paris, 15. Febr.(Agence Havas.) Der Minister für Lebensmittelversorgung Boret hat der Presse einer Erlaß zugehen lassen, der morgen im Amtsblatt erscheinen wird, durch den die Erzeugung, der Verkauf und der Verzehr gewisser Nahrungsmittel geregelt wird. Hinsichtlich des Brotes wird nur eine neue Anordnung getroffen. Luxusbrote, mindestens 700 Gramm schwer und nicht länger als 80 Zentimeter sowie lange Biskuits dürfen nicht mehr verkauft werden. Die gesamte Bäckerei von frischem trockenen Kuchen wird verboten. Die Biskuitfabriken werden weiter für staatliche Aufträge arbeiten. Ein gleiches gilt von eingemachten und glacierten Früchten und Cremespeisen. Sämtliche Luxusschokoladen sowie mit Milch angerührtes Zuckerwerk werden untersagt. Pulverisierter Kakao fällt nicht unter das Verbot; er darf aber nur in Verpackungen in den Handel kommen, die den Namen des Erzeugers und Angaben über die Zusammensetzung tragen. Die gleiche Vorschrift erstreckt sich auch auf Erzeugnisse aus Getreide in Pulverform, die zur Ernährung von Kindern und Kranken bestimmt sind. Was die Gastwirtschaften betrifft, so dürfen zwischen 9 und 11 Uhr vormittags und zwischen 2,20 und 5,30 Uhr nachmittags keine Speisen verabreicht werden. In anderen Anstalten als Kantinen und Speisewagen, wo der Preis des Essens 8 Fr. übersteigt, dürfen bei einer Mahlzeit nicht mehr als 2 Platten mit Gemüsen, nicht mehr als 100 Gr. Brot verabreicht werden. Käse darf in den oben erwähnten Anstalten überhaupt nicht verzehrt werden. Aus westdeutichland. Düsseldorf, 15. Febr. Hier wurde das rheinische Bissingheim, Siedlungsgenossenschaft m. b. H., gegründet. Die Genossenschaft wird 600 Einfamilienhäuser am Bahnhof Wedau errichten für Kriegsbeschädigte, Eisenbahnbeamte und solche Arbeiter, die in der Industrie beschäftigt sind. Kobleng, 15. Febr. Das städtische Verbrauchsamt hatte im Jahre 1917 einen Jahresumsatz von 13½ Millionen, Mark, ohne den Fleisch=, Gemüse= und Obstverkauf. Für die Fleischversorgung wurden 4½ Millionen Mark ausgegeben. Zur Zeit werden 7 Kriegsküchen unterhalten. An Familienunterstützungen wurden bis September 1917 5 863 956 A gezahlt; ungedeckt blieben davon 5 300 000 M. Wermelskirchen, 15. Febr. Die Stadtverordneten bewilligten einen Kredit von 30000 A zur Errichtung einer städtischen Schuhausbesserungswerkstätte. Wipperfürth, 15. Febr. Die„K. V.“ schreibt: Nachdem mitgeteilt worden war, daß Trotzky ursprünglich Braunstein geheißen habe, sind uns mehrere Zuschriften zugegangen, welche anfragen, ob er vielleicht identisch sei mit einem Iwan Braunstein, welcher, in Wipperfürth geboren, dort seine Jugend verbracht habe und später unter sehr verdächtigen Beschuldigungen aus Wipperfürth und Deutschland verschwunden sei. Es dürfte schwer sein, diese Frage mit Sicherheit zu beantworten. Trotzky nennt sich gegenwärtig mit Vornamen Leo. Freilich, wenn er seinen ursprünglichen Namen in Trotzky oder Trotzkij verwandeln konnte, konnte er auch seinen Vornamen in Iwan oder Leo verwandeln. Wichtiger jedoch ist, daß berichtet wird, er beherrsche die deutsche Sprache nur unvollkommen und spreche sie nicht wie ein geborener Deutscher. Vielleicht ergibt die Zukunft noch Zuverlässiges über seine Herkunft. Mülheim=Ruhr, 15. Febr. Bei der Firma Thyssen wurde der Kontrollbeamte Fritz Kirkes verhaftet, den vor einigen Tagen in Selbeck verübten Doppelmord an den Gutsfrauen Schmidt, Tante und Nichte, verübt zu haben. Die Verdachtsmomente sind von erdrückender Schwere. Altena, 15. Febr. Die Stadtverordneten bewilligten ein Darlehen von 700 000 A zu dem Bau der Nettetalbahn, wodurch der Bau gesichert ist. 499 500 M zahlen die Altenaer Fabrikanten zu dem Bau der genannten Bahn. Iserlohn, 15. Febr. Bei den Versteigerungen von lebendem und toten landwirtschaftlichen Inventar werden ganz enorme Preise erzielt, namentlich für Wagen, Maschinen und Pferde; letztere bringen es auf Phantasiepreise und erstere oft auf das Doppelte des Anschaffungspreises trotz jahrelanger Benutzung. Plettenberg, 15. Febr. Durch Feuer wurde die hiesige Schützenhalle, die von der Firma D. W. Schulte gepachtet worden war, vollständig zerstört. Aus aller welt. Vom Reichstag. TU. Berlin, 14. Febr. Der Reichstag wird am kommenden Dienstag seine Arbeiten wieder aufnehmen. Aber mit schon morgen sollen die Besprechungen zwischen der Regierung und den Fraktionsführern beginnen, was, wie üblich, die parlamentarischen Arbeiten einleiten wird. Der Stellvertreter des Reichskanzlers, v. Payer, wird diese Besprechungen leiten. Man kann annehmen, daß der Verlauf dieser Besprechungen auch einen gewissen Einfluß auf die Entscheidung der Nationalliberalen in der Wahlrechtsvorlage haben wird. Dem Reichstage werden außer dem Reichshaushalt bis nach Wiederaufnahme der Sitzungen auch die Frage über das Arbeitskammergesetz u. die Vorlage über die Aufhebung bezw. Anderung des§ 153 der Gewerbeordnung zugehen. Bevorstehende Rede des Reichskanzlers. TU. Berlin, 15. Febr. Der Reichskanzler wird alsbald nach dem Zusammentritt des Reichstages Veranlassung nehmen sich über die politische Lage im Plenum zu äußern, Ein bestimmter Tag ist hierfür noch nicht festgesetzt. Aller Wahrscheinlichkeit nach dürfte der Kanzler aber schon den ersten Tag nach dem Zusammentritt für seine Erklärungen über den Frieden mit der Ukraine, das Verhältnis zu Rußland t“ den Versailler Kriegsrat wählen. Dann dürfte sich eine Aussprache in engem Rahmen anschließen, da auch die Fraktionen den Wunsch haben, sobald als möglich zu den politischen Fragen Stellung zu nehmen. Gröber, VJorsitzender der Zentrumspartei. WTB. Köln, 15. Feor. Der Abgeordnete Gröber, der seit längerer Zit ertamtt war, wird am 19. Februar nach Berlin reisen, und den Vorsitz der Zentrumsfraktion der Reichstages übernehmen. Wenn Liebe könnte Wunder tun Und Tränen Tote wecken, Dann würde dich, geliebter Sohn, Niemals die fremde Erde decken. Wer dich gekannt und auch dein gutes Herz, Der drückt uns stumm die Hand im tiefsten Schmerz. Nachruf! Statt jeder besonderen Anzeige. Endlich, nach monatelanger, schmerzlicher Ungewißheit, erhielten wir die erschütternde Nachricht, daß unser innigstgeliebter, herzensguter Sohn, unser unvergeßlicher Bruder, Enkel, Neffe und Vetter, der Musketier Gust.Stöter Tillmann im blühenden Alter von 21 Jahren den Heldentod fürs Vaterland gestorben ist. Mit ihm geht unser Stolz, unsere schönste Hoffnung dahin. Alle, die den Verstorbenen gekannt, werden unsern Schmerz zu würdigen wissen. Um stille Teilnahme bittet in tiefem Schmerz Famille Gustav Stöter-Tilmann. Sprockhövel, im Februar 1918. Von Beileidsbesuchen bitten wir Abstand nehmen zu wollen. Den Heldentod fürs Vaterland starb im Mai v. J. unser lieber Turngenosse Bustav Siöter-lilmann. Er war ein reges Mitglied unseres Vereins, der bis zum Tage seiner Einberufung sich der deutschen Turnerei mit Eifer widmete. Wir werden seiner nicht vergessen. Turn-Verein Sprockhövel E. U. Mitglied der Deutschen Turnerschaft. 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Februar abends 7 Uhr:„Gespenstersonate". Hierzu: 2. Blatt. Stadttheater Barmen Sonntag, 17. Februar, 35 Nachmittags=Vorstell.:„Ein Sommernachtstraum“. Lustspiel in 5 Akten von W Shakespeare. Narmoniums in grosser Auswahl Einläufiges bilig zu verkaufen. Zu erfragen in der Expedition dieser Zeitung. Schrifsezer=Lehrling bei sofortiger Vergütung, sucht Rud. Steinbeck Bürger- U. Sprockhövel. Sonntag, den 17. Februar 1918, nachm. 4 Uhr, in Bossel Gesangprobe. Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. Sportverein Sprockhövel Mitglied des Westdeutschen Spielverbandes Sonntag, den 17. Februar, nachmittags 2 Uhr, Uebungsspiel der 2. und 3. Mannschaft. Der Spielführer. Barmon, Neuerweg enthaltend 5 gute Umschläge und 5 gute Briefbogen, zu 25 Pfg. empfiehlt Rudolf Steinbeck. ../ Sprockhöveler Zeitung Haßlinghauser Zeitung= Amtlicher Anzeiger für das Amt Sprockhövel= Blankenstein-Herbeder Zeitung 2. Blatt. Anordnung Kuchenbackverbot. Unter Abänderung meines am 8. Mai 1917 unter Nr. 1. 15 Nr. 4094 1— erlassenen Verbots ordne ich auf Grund der§§ 12 und 15 der Bekanntmachung betreffend die Errichtung von Preisprüfungsstellen und die Versorgunngsregelung vom 25. September und 4. November 1915— R.=G.=Bl. S. 607 und 728—, sowie der Bekanntmachung vom 6. Juli 1916— R.-G.=Bl. S. 673— folgendes an: § 1. Die gewerbliche Herstellung und Abgabe von Kuchen und Torten in Bäckereien, Kaffees, Gast= und Speisewirtschaften, in Speiseanstasten oder Erfrischungsräumen des Militärs, in Geschäftshäusern, Fabriken oder Privatvereinigungen, ist verboten. § 2. Reine Konditoreibetriebe, d. h. solche Betriebe, in denen Brot oder sonstige Gebäcke aus Getreidemehl oder Schrot weder hergestellt noch abgesetzt werden, dürfen Torten, zu deren Herstellung Getreidemehl oder Schrot überhaupt nicht verwendet wird, gewerblich herstellen und- abgeben; im übrigen ist auch ihnen die Herstellung und Abgabe von Torten und Kuchen verboten. § 3. Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 1500 Mk. bestraft. § 4. Diese Anordnung tritt mit dem 11. Februar in Kraft, gleichzeitig tritt die Anordnung vom 8. Mai 1917 außer Kraft. Arnsberg, den 7. Februar 1918. Der Regierungs=Präsident. gez. von Bake. Bekanntmachung. Wichtig für Hühnerhalter. Hühnerhalter, die Hühnerfutter beziehen wollen, können dasselbe erhalten und zwar gegen Unterschrift eines Verpflichtungsscheines, wonach sie mit Beginn der Legezeit ihrer Hühner von jedem Huhn wöchentlich 1 Ei an die amtlichen Sammelstellen abgeben. Die Verpflichtungsscheine liegen bei folgenden amtlichen Aufkäufern auf: Heinrich Battefeld, Sprockhövel. Frau Overmann, Obersprockhövel. Frau Kißler, Hiddinghausen 2. Oesterling, Gemeinde Gennebreck,(Amt Haßlinghausen). Karl Romberg, Haßlinghausen. Das Hühnerfutter wird nach Eingang der Verpflichtungsscheine beim Kreislebensmittelamt durch Vermittlung der Auskäufer den Hühnerhaltern zugeteilt und zwar für jedes Huhn einmalig 5 Pfund, ferner vom Zeitpunkt der Eierablieferung an solange der Futtervorrat reicht wöchentlich für jedes abgelieferte Ei ein Pfund. Schwelm, den 13. Februar 1918. Der Kreisausschuß: Harz, Landrat, Geh. Regierungsrat. Betrifft Sammlung alter Konservendosen. Zinn gewinnt für die Zwecke der Landesverteidigung und der Volksernährung(zur Herstellung neuer Konservendosen) eine immer wachsende Bedeutung. Die verfügbaren Bestände an neuem Zinn sind begrenzt. Jede Möglichkeit, Zinn aus zinnhaltigen Gegenständen, insbesondere solchen aus Weißblech, zu gewinnen, muß restlos ausgenutzt werden. Aus diesem Grunde Ast die Sammlung und Ablieferung aller vorhandenen alten Konservendosen, die ganz oder teilweise aus Weißblech bestehen, dringend geboten. Jede zur Ablieferung gebrachte Konservendose vermehrt den Zinnbestand des Deutschen Reiches. Im vaterländischen Interesse werden alle Kreise der Bevölkerung, geschäftliche Betriebe, Gastwirtschaften, Verpflegungsanstalten jeder Art, Haushaltungen usw. aufgefordert, die bei ihnen verfügbaren alten Konservendosen aus Weißblech in gewaschenem sauberem Zustand an die Sammelstelle bei dem Herrn Kaufmann Julius Ibing in Niedersprockhövel abzuliefern. Die zur Zeit vorhandenen Dosen sind möglichst sofort, später entfallende nach Ansammlung kleiner Mengen zur Ablieferung zu bringen. Für die Zwecke der Sammlung verwendbar sind nur solche Dosen, die ganz oder teilweise aus Weißblech bestehen. Dosen aus Schwarzblech ohne Weißblechteile können nicht angenommen werden. Für die abgelieferten alten Konservendosen aus Weißblech wird auf Wunsch eine Vergütung von 50 Mk. für 1000 kg. gezahlt. Auch die kleinste Menge ist von Wert. Jeder Ablieferer alter Konservendosen verdient sich, ohne Opfer bringen zu müssen, den Dank des Vaterlandes. Sprockhövel, den 13. August 1917. Der Amtmann: Theis. die Summe von 2,4 Millivnen zu erheben, also mehr als vor fünf Jahren im ganzen Regierungsbezirk. Erfreulich ist die Feststellung, wie sich in der durch den Krieg besonders mitgenommenen Provinz Östpreußen die Steuerkraft hebt. Hier belief sich der Jahresbetrag der zu erhebenden Einkommensteuer in den Regierungsbezirken in Millionen Mark: Millionen Millionen. an Einkommenschreibt: In einer Zeit, da Zuckerknappheit leiden, da ungenützt bleiben, weil der Zucker fehlt, da selbst den Vaterländischer Hilfsdienst. Jeder im Reichsgebiete wohnhafte männliche Deutsche oder Angehörige der österreichisch=ungarischen Manarchie, der das 17. Lebensjahr vollendet, hat sich spätestens 2 Wochen nach diesem Zeitpunkt bei dem Einberufungsausschuß seines Wohn= oder Aufenthaltsorts zur Eintragung in die Nachweisung der Hilfsdienstpflichtigen zu melden. Zu gleichem Zwecke hat sich jeder männliche Deutsche oder Angehörige der österreichisch=ungarischen Monarchie im Alter vom vollendeten 17. bis zum vollendeten 60. Lebensjahre, der, nach dem 20. Dezember 1917 seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in das Reichsgebiet verlegt, bei demselben Ausschuß zu melden, sofern er nicht zum aktiven Heere oder zur aktiven Marine gehört. Die Meldung kann persönlich oder schriftlich erfolgen. Die schriftliche Meldung geschieht durch Abgabe der ordnugsmäßig ausgefüllten vorgeschriebenen Meldekarte an den Einberufungsausschuß des Wohn= oder Aufenthaltsorts oder durch Abgabe der ordnungsmäßig ausgefüllten vorgeschriebenen Meldekarte in offenem, an den Einberufungsausschuß adressierten, unfrankierten Umschlag bei einer Postanstalt(Postagentur) gegen Aushändigung der ausgefüllten und gestempelten Meldebestätigung. Diese Bestätigung ist sorgfältig aufzubewahren. Die Leiter von öffentlichen oder privaten Anstalten(Straf=, Besserungs=,Heilanstalten usw.) mit Einschluß der geschlossenen Unterrichtsanstalten(Internate) werden auf die Vorschriften des§ 5, des§ 8 Abs. 4, des§ 15 und des§ 16 Abs. 2 der Verordnung hingewiesen. Wer die Meldung schuldhaft unterläßt, kann vom Einberufungsausschuß mit einer Ordnungsstrafe bis zu 100 Mk. und, wenn die Geldstrafe nicht beizutreiben ist, mit Haft bis zu 3 Tagen bestraft werden. Gegen die Festsetzung der Strafe findet Beschwerde an die beim Kriegsamt in Berlin NW. 7, Friedrichsstraße 100 errichtete Zentralstelle statt; die Beschwerde hat aufschiebende Wirkung. Mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 10000 Mk. wird bestraft, wer in der Meldung wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben macht. Sprockhövel, den 5. Februar 1918. Der Amtmann: Theis. Verschiedene Nachrichten. —[Gegen die Bonbonlutscher.] Die Duldung der Bonbon= und Konfekt=Herstellung in verschiedenen deutschen Großstädten geißelt in einer Zuschrift an den Hannoverschen Volkswillen scharf ein Einsender indem er alle Familien Hannovers unter viele Nährfrüchte nur deshalb zu ihrer Verarbeitung nötige kleinen und kleinsten Kindern die dringend benötigten Zuckermengen vorenthalten bleiben müssen, in dieser Zeit werden hier in Hannover tagtäglich Zentner über Zentner Zucker zu Voltchen und sonstigem Konfekt verarbektet, die zu Phantasiepreisen an einzelne Zahlungsfähige abgegeben werden. Das ist ein bitteres Unrecht, und der Unwille darüber in allen Schichten der Bevölkerung sehr groß. Man braucht nicht einmal grundsätzlich auf dem Standpunkt zu stehen, daß die Herstellung von teurem Konfekt in dieser Zeit der Zuckerknappheit überhaupt zu verbieten wäre, und wird doch ganz entschieden gegen den Umfang Stellung nehmen müssen, den die Herstellung und Verteilung von Boltchen hier in Hannover allmählich angenommen hat. Verzeihlich wäre die Konfitürenherstellung auch, wenn sie allen Teilen der Bevölkerung gleichmäßig zugute käme, denn dann würde ja niemand etwas entzogen, sondern ihm der für den Körper nötige Zucker nur in verarbeiteter Form gereicht. Voraussetzung hierfür wäre ein Preis, der allen erschwinglich ist. Gerade an dem aber fehlt es. Was hier in Hanover für Konfekt verlangt und leider auch bezahlt wird, ist schon gar nicht mehr erstaunlich, sondern nur noch lächerlich. Pfundpreise bis zu 30 und 40 Mk. kommen vor, selbst im regulären Massen handel geht der Pfundpreis bis zu 20 Mk. hinauf. Kann das nicht endlich aufhören? Gewinn und patriotische Tat! Jeseneerenenenenenoosonaeonenoen ) Die günstigste Gelegenheit zum Verkauf von Juwelen zum hohen Auslandspreise bietet die Ablieferung an die Goldankaufsstellen. 2 Gleichzeitig eine patriotische Tat! —(Die Steuerkraft in Preußen.] Die Einkommensteuer in Preußen ist während des Krieges ganz erheblich gestiegen. Seit dem Jahre 1913 ist sie von 348,1 auf 585,7 Millionen, d. h. um 237,6 Millionen, gewachsen, und zwar für die Städte um 168,2 Millionen, und für das flache Land um 69,3 Millionen. Bezeichnend für die Hebung des flachen Landes ist folgende Ziffer. gierungsbezirk Köslin wurden im Jahre 1913 im ganzen 2,2 Millionen an Einkommensteuer aufgebracht. Für 1917 aber ist hier allein in den Landgemeinden und Gutsbezirken von weniger als 2000 Einwohnern an Einkommensteuern In Berlin wurden 1916 38,2 steuer erhoben und 1917 51,1 —[Sibirische Butter.] Die wenigsten unserer Leser dürften im Frieden gewußt haben, daß ein großer Teil der Butter, die in Deutschland, namentlich in den großen Städten, verzehrt wurde, aus dem westlichen Sibirien stammte. Dieses Land ist sehr menschenarm, aber gleichzeitig sehr viehreich. Man rechnete vor dem Kriege auf 100 Menschen etwa 70-80 Stück Rindvieh. Die russischen Kriegsverhältnisse werden allerdings hierin während dreier Kriegsjahre wohl auch etwas aufgeräumt haben, dennoch ist wohl damit zu rechnen, daß durch Neuaufzucht der Schaden zum Teil wieder ausgeglichen sein wird.— Wie hoch der sibirische Butterversand war, möge aus der statistischen Angabe erhellen, daß im Jahre 1910 etwa 1-1½ Millionen Zentner Butter ausgeführt wurden. Im Jahre 1913 bezog Deutschland allein aus Sibirien etwa ¾ Millionen Zentner.— Inwieweit der Friedensschluß im Osten, der ja inzwischen zur Tatsache geworden ist, in dieser Hinsicht uns die Möglichkeit einer besseren Butterversorgung in Aussicht stellt, kann natürlich gegenwärtig noch nicht angegeben werden, da hierbei noch eine andere wichtige Tatsache mitspricht, nämlich die Möglichkeit eines entsprechenden ausgedehnten Eisenbahntransportes. Wie man weiß, wird unser rollendes Eisenbahnmaterial noch allzu stark für Kriegszwecke gebraucht. Jedoch dürfte auch hier eine Aenderung eintreten, wenn es zu einem Friedensschlusse mit Rumänien kommen und uns dadurch die Benutzung des ausgedehnten rumänischen Eisenbahnnetzes und Fahrmaterials ermöglicht werden sollte. —[Anzeigen Privater über Kauf= und Verkauf getragener uno nicht getragener Kleidungsstücke usw.] Aus Zeitungskreisen ist beim stellv. Generalkommando Klage geführt, das Publikum sei darüber ungehalten, wenn seitens der Zeitungen die Aufnahme von Anzeigen verweigert würde, in denen Privatpersonen getragene oder nicht getragene Kleidungs= und Wäschestücke, Uniformen und Stiefel zu kaufen suchen oder anbieten. Demgegenüber weist das Generalkommando darauf hin, daß den Zeitungen die Aufnahme derartiger Anzeigen verboten ist. Es dürfen nur behördlich zugelassene Personen und Stellen die genannten Gegenstände käuflich erwerben oder veräußern. Zuwiderhandelnde können mit Gefängnis oder Geldstrafe bestraft werden. Diese Maßnahme beruht auf einer Bekanntmachung des stellv. Herrn Reichskanzlers vom 10. 6. 1916 23. 12. 16 und soll den Kommunalverbänden Gelegenheit geben, größere Bestände von gebrauchter billiger Kleidung und Wäsche zu sammeln, um in der Lage zu sein, die Bevölkerung und namentlich die aus dem Felde heimkehrenden Krieger angemessen versorgen zu können. Wer also derartige Sachen abgeben will, handelt im vaterländischen Interesse, wenn er sie den Kommunalbehörden— unentgeltlich oder gegen Bezahlung— zur Verfügung stellt. Berichte der Obersten Heeresleitung. Großes Hauptquartier, 14. Februar(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz: Engländer und Franzosen setzten an vielen Stellen der Front ihre Erkundungen fort. Nördlich von Lens und in der Champagne kam es daber zu hestigen Kämpfen. In einem vorspringenden Teil unserer Stellung südöstlich von Tahure haben sich die Franzosen festgesetzt.— Eigene Infanterie brachte in Flandern und auf den Maashöhen Gesangene ein. Von den andern Kriegsschauplätzen nichts Neues. WTB. Berlin, 14. Febr., abends(Amtlich.) In der Champagne war die Feuertätigkeit in den Abschnitten nördlich von Prunay südwestlich von Tahure vielfach gesteigert.— Von den anderen und Kriegsschauplätzen nichts Neues. WTB. Großes Hauptquartier, 15. Februar(Anitlich.) Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht In einzelnen Abschnitten Artillerie= und Minentätigkeit. Abteilungen eines Matrosen=Regimentes brachten von einem Erkundungsvorstoß gegen die belgischen Linien südwestlich von Mannekensvere 2 Offiziere und 26 Mann gefangen zurück. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht Nordwestlich und östlich von Reims rege Erkundungstätigkeit des Feindes. In der Gegend von Prunay und südöstlich Tahure entwickelten sich lebhafte Artilleriekämpfe. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Die Gefechtstätigkeit lebte im Ober=Elsaß zeitweilig auf. Im Januar beträgt der Verlust der feindlichen Luftstreitkräfte an den deutschen Fronten 20 Fesselballone und 151 Flugzeuge, von denen 67 hinter unseren Linien, die übrigen jenseits der gegnerischen Stellungen erkennbar abgestürzt sind. Wir haben im Kampf 68 Flugzeuge und 4 Fesselballone verloren. Von den andern Kriegsschauplätzen nichts Neues. Vor schwerwiegenden Entscheidungen. Von unserer Berliner Schriftleitung. isch=Brest in Berlin eingetroffen, während die übrigen Mitglieder der deutschen Delegation und die der Verbündeten 1 Brest geblieben sind. Am Mittwoch ist er zusammen mit dem Reichskanzler in das Große Hauptquartier abgereist, um dort dem Kaiser Vortrag über die Lage im Osten zu halten. Nachdem Trotzki, verzweifelnd an einem für Nordrußland günstigen Ausgang der Verhandlungen, praktisch sich in Brest=Litowsk unterworfen hatte, nachdem auch seine Partei einseitig den Kriegszustand für beendigt erklärte, die Demobilmachung der russischen Streitkräfte ankündigte, aber nicht sich zu einem Friedensvertrage nach dem Vorbilde der Ukraine bequemen wollte, stehen die Mittelmächte vor einer in der Weltgeschichte beispiellosen Tatsache. Trotzki warf einfach die Sache von sich, drückt die Tatsache der Einstellung des Krieges aber in seiner Mentalität nicht durch das klare und bindende Wörtchen„Friede“ aus, und läßt einfach die Dinge weiter gleiten. Weder Krieg noch Frieden war ja die Formel Lenins, und Herr Trotzki glaubte, dadurch, daß er sie auch für seine Person annahm, könnten die Zentralmächte damit einverstanden sein. Dem ist nicht so,. Wir müssen— obgleich militärisch der Osten für uns erledigt ist— auch politisch rechtlich bindende Garantien im Osten haben. Die neueste Formel Trotzkis gibt aber diese Sicherungen nicht. Sein Vorschlag, daß Einzelheiten in Petersburg besprochen werden sollen, ist für uns aus den gleichen Gründen unannehmbar, aus denen wir seinerzeit die Verlegung der Verhandlungen von Brest=Litowsk nach Stockholm ablehnten. Die deutsche Kommission, die seit einigen Wochen über wirtschaftliche Fragen in Petersuurg verhandelt, ist vor den Gefahren des Chaos so wenig icher, stieß auf so unverhüllte Feindesseligkeiten und Verchleppungsbestrebungen der Bolschewisten, daß man sich ogar m““ dem Gedanken ihrer Abberufung trägt. Eine Fortsetzung der Brester Verhandlungen in Petersburg würde vort, inmitten des Chaos, unmöglich sein und keine ersprießlichen Ergebnisse erzielen. Petersburg scheidet daher als Ort der Verhandlungen aus; wir sind nicht gewillt, uns im geringsten um diese Bedingung der Bolschewisten zu kümmern, die in ihrem Fanatismus weiterhin eine Feindseligkeit gegen uns zeigen, die allerdings nur als Macht das Wort hat, also ohnmächtig ist. Wird daher von den Mittelmächten der Entschluß gefaßt, Trotzkis Forderungen abzulehnen und auf Klarheit zu dringen, so bleibt Trotzki nur eine Wahl:, sich den Bedingungen zu unterwerfen und die Gepflogenheiten im diplomatischen Verkehr anzunehmen, die von den Vertretern der Ukraine z. B. so mustergültig gewahrt wurden. Tut er es nicht, so werden wir Petersburg isolieren Wir haben die Kraft und den Willen, unsere Bedingungen durchzusetzen Fügt Trotzki sich ihnen nicht, so werden er und seine Regierung erkennen, aß die deutsche Geduld endlich ein Ende fand. Neben dieser Frage wird die rumänische sicherlich im Vordergrund stehen. Dort ist noch alles in der Schwebe, aber Klarheit dürfte auch dort bald geschaffen werden. Bratianu, der Rumänien in das Unglück stürzte, gefährdet mit seinem Sturz sogar die Stellung König Ferdinands. Es liegen keine positiven Nachrichten darüber vor, daß König Ferdinand zugunsten seines Sohnes dem Throne entsagen will. Jedenfalls wäre eine solche Abdankung nicht der ungeschickteste Schachzug, den die rumänische Dynastie machen könnte. König Ferdinand und besonders seine Gattin, sind treibende Kräfte des Krieges gewesen. Auf alle Fälle stehen wir in einem Wendepunkt. Unsere Lage ist, nachdem die Ostfront zusammenbrach, die Ukraine den Frieden endgültig abschloß, derartig glänzend, daß wir in Ruhe den weiteren Ereignissen entgegensehen und das Ergebnis der Besprechungen im Großen Hauptquartier mit Vertrauen erwarten können. Trüat nicht alles so ist der Zeitpunkt nicht mehr fern, in dem das deutsche Volk die Früchte seiner Siege und seiner Entbehrungen froh einscheuern kann. 6 Sie Kengre n busk . Poten ragui Beguef 7 Die Nerdwestgranze der Ukreine Besprechung im hauptquartier TU. Berlin, 13. Febr. Reichskanzler Graf Hertling und Staatssekretär von Kühlmann sind heute morgen im Großen Hauptquartier zu den angekündigten Beratungen eingetroffen. Der Reichskanzler beim Kaiser in Homburg. WTB. Berlin, 14. Febr. Reichskanzler Graf von Hertling ist vom Anhalter Bahnhof nach Homburg vor der Höhe abgereist. Empfang Czernins. WTV. Wien, 14. Febr. Bürgermeißer Weißkirchner wird morgen nachmittag den Minister des Außern, Grafen Czernin bei seiner Ankunft am Nordbahnhof an der Spitze der Gemeindevertretung begrüßen und ihm den Dank der Wiener Bevölkerung für seine erfolgreiche Tätigkeit in der Friedensfrage ausdrücken. demission des polnischen Rabinetts. WTB. Warschau, 14. Febr. Den Blättern zufolge hat gestern eine mehrstündige Sitzung des Ministeriums unter dem Vorsitz des Regentschaftsrates stattgefunden. Gegenstand der Erörterung waren die letzten politischen Ereignisse, insbesondere der Friedensvertrag mit der Ukraine. Abends überreichte.ainisterpräsident Kucharczewski dem Regentschaftsrat die Demission des Kabinetts.—„Gazette Poranna“ zufolge hat Kucharzewski dem Regentschaftsrat heute in dieser Angeelgenheit eine motivierte Erklärung überreicht. Die Erregung unter den österreichischen Polen. TU. Unter den österreichischen Polen ist die Erregung im Wachsen. Die polnischen Herrenhausmitglieder haben dem sie in die Opponischen Minister dle der Polenklub am Sonnabend fassen werde. Rumäniens Zwangslage bb. Die Morning Post meldet aus Jassy: Die für den 15. Februar ausgeschriebenen Einberufungsbefehle für die im Januar ausgemusterten Heerespflichtigen wurden aufgehoben. — General Avarescu hat neben der Ministerpräsidentschaft das Amt des Armeeoberkommandante Radoslawow in Berlin. TU. Der bulgarische Ministerpräsident Radoslawow ist Mittwoch mittag, aus Brest=Litowsk kommend, in Berlin eingetroffen. Es ist anzunehmen, daß er seine Anwesenheit in Berlin vor allem auch zur Aussprache über diejenigen Fragen benutzen wird, die bei den Verhandlungen mit Rumänien zur Entscheidung gelangen dürften. Von diesen Fragen steht die der Dobrudscha narirlich im Vordergrund. Radoslawow über die Lage im Osten. TU. Einem Mitarbeiter der Vossischen Zeitung gegenüber äußerte sich der in Berlin weilende bulgarische Ministerpräsident Radoslawow über die Lage wie folgt: Ich erblicke in den Abmachungen von Brest=Litowsk den ersten Schritt zum allgemeinen Frieden. Der Friedensvertrag mit der Ukraine ist der Auftakt zu einem kommenden Weltfrieden. Wilson macht echt amerikanische Politik. Gewisse Umstände deuten darauf hin, daß zwischen der amerikanischen Auffassung und der der übrigen Ententemächte gewisse Unstimmigkeiten bestehen, die ihren Grund in den verschiedenen geistigen Verfassungen haben dürften. Vor meiner Abreise von Sofia nach Brest=Ltiowsk hatte in mir auf Grund urkundlicher Tatsachen sich die Überzeugung festgesetzt, daß die Volschewiki nicht gewillt sind, den Friedensvertrag zu unterzeichnen. Der Volschewismus ist nicht nur eine Gefahr für Rußland, sondern weiterhin eine für ganz Europa, letzten Endes gar eine Weltgefahr. Läßt man den Bolschewismus blindlings weiter wirken, so ist die gesamte westeuropäisch-amerkanische Kultur in Gefahr. Es liegt daher im eigentlichen Interesse aller, dieser Weltgefahr ins Auge zu sehen und vorbeugende Maßnahmen dagegen zu ergreifen. Trotzki ist offenbar schon mit der Instruktion nach Brest=Litowsk zurückgekehrt, nicht zu unterzeichnen, sonst hätte er nicht mit seiner Regierung alle Verträge mit seinen früheren Bundesgenossen für null und nichtig erklärt. Was in Petersburg augenblicklich geschieht, ist nicht eine Revolution, sondern Anarchie. Wir erwerben uns daher ein nicht hoch genug einzuschätzendes Verdienst um die ganze Menschheit, wenn wir sie vor dieser Weltgefahr schützen. Wir, Bulgarien, sind selbst ein werdender Staat und haben daher für den kommenden polnischen Staat volle Sympathie. Nur muß auch dieser polnische Staat auf dem Boden der Wirklichkeit stehen. Auch wir wünschen sehnlichst den Frieden mit Numänien, aber der Moment ist noch nicht gekommen, denn die Rumänen haben den vollen Ernst ihrer Lage bis auf den heutigen Tag noch nicht begriffen. Zur litauischen Frage. bb. Der Bischof von Kowno, Karewicz, wellt zurzeit in Berlin. Er hatte Exzellenz Ludendorff im Großen Hauptquartier einen Besuch abgestattet, konferierte in Köln mit Kardinal von Hartmann und hatte eine Audienz beim Reichskanzler Grafen Hertling in Sachen der litauischen Frage Wie die Germania schreibt, ist der Bischof Karewicz von dem Entgegenkommen, das er im Großen Hauptquartier und bei der Reichsregierung gefunden hat, sehr befriedigt. Man werde demnach wohl mit einer baldigen Klärung der litauischen Frage rechnen dürfen. Das glauben wir. WTB. London, 14. Febr. Vom Reuterschen Bureau wird mitgeteilt, daß die englische Regierung sich nicht für gebunden hält, den zwischen Österreich=Ungarn, Deutschland und den anderen Unterzeichnern mit der Ukvaine geschlossenen Frieden anzuerkennen. WTB. Wien, 14. Febr.(Corr.=Bureau.) Die ersten Folgen des Friedensschlusses mit der Ukraine machen sich bemerkbar. Die Rada verlegte ihren Sitz nach Zitomir und stellte direkte Verbindung mit uns her. Es ist sehr zu hoffen, daß durch diese örtliche Näherrückung eine beschleunigte Abwicklung aller im Verhandlungsweg festgelegten Abmachungen erfolgt. Die landwirtschaftlichen Verhältnisse Kurlands. Seitdem die deutschen Truppen Kurland besetzt haben, und nachdem nunmehr in Brest=Litowsk über das Schicksal dieses Landes beraten wird, ist das Interesse an der früheren deutschen Provinz ein allgemeines geworden.— Kurland ist fast ausschließlich ein Agrarland. Neben den großen Gütern, die Flächen bis zu 60 000 Hektar einnehmen, findet man auch vielfach mittlere Betriebe und kleinere Bauerngüter. Der Großbetrieb ist meistens in den Händen der Deutschen. Die Bevölkerung teilt sich in Letten und Deutsche. Pachtgüter gibt es sehr wenige. Die klimatischen Verhältnisse in Kurland sind für die Landwirtschaft äußerst schwierig. Die Vegetationszeit ist eine kurze und gedrängte, weshalb der Boden sehr schwer voll ausnutzbar ist. Sehr fruchtbar sind die Ebenen, besonoers die sogenannte Mitauer Ebene. Nach dem Rigaer Meerbusen zu wird der Boden sandig und unfruchtbar. Dort sind nur sehr anspruchslose Feldfrüchte anbaubar. Durch den hohen Tongehalt ist der Boden vielfach sehr naß. Auf Kurland kommen 28 v. H. Ackerland, 30 v. H. Wiesen und Weiden, 33 v. H. Wald und 10 v. H. unbenutztes Land: während in Deutschland 50 v. H. auf Garten- und Ackerland, 16 v. H. auf Wiesen und Weiden, 25. v. H. auf Wald und 9 v. H. auf Odland entfallen. Die Fruchtfolge in dieser baltischen Provinz ist meist die Dreifelderwirtschaft. Die Benutzung landwirtschaftlicher Maschinen war bisher sehr willkommen. Feldwege und Straßen sind ganz ungenügend. Stark tritt auch das Fehlen an Arbeitskräften in den Vordergrund. Die Gesamtbevölkerung Kurlands beträgt etwa 700000 Köpfe, auf 1 Quadratkilometer entfallen 27 Personen gegenüber 120 im Deutschen Reiche. Mehr als ½ Million sind Letten mit lettischer Sprache. Der Absatz wird durch die mangelhaften Eisenbahnverbindungen sehr erschwert. Das Getreide wird von den Großmühlen gekauft, meist sind die Besitzer der Mühlen Juden, die auch den Viehhandel besorgen. Die Milch wird an die sogenannten Milchpächter geliefert, die sich auf allen größeren Gütern befinden. Diese bezahlen 8 bis 9 Pf. pro Liter, erhalten freie Wohnung und verarbeiten die Milch zu Butter und Käse. Cloya Georges Ableynung. bb. Berlin, 14. Febr. Reuter meldet: Lloyd George sagte im Unterhause in Erwiderung auf die Ausführungen Asquiths u. a.: Mein Freund hat sich mit den Reden beschäftigt, die über die Friebensfrage gehalten sind. Ich kann Ihnen hierauf nur erwidern, daß die britische Regierung entschlossen ist, an der Erklärung festzuhalten, die ich im Namen des Kabinetts vor den Vertretern der Gewerkschaften abgelegt habe. Mit Enttäuschung habe ich die Antwort gelesen, die der deutsche Kanzler und Graf Czernin auf die Botschaft Wilsons erteilt haben. Hinsichtlich der Tonart besteht ein Unterschied zwischen den Reden des deutschen und des österreichischen Staatsmannes. Aber so höflich au# die Form der Rede Czernins war, dem Inhalte nach war zie so hart wie Stahl. Er stellte Mesopotamien, Palästina, Arabien auf ein und dieselbe Stufe mit Belgien. Jene Länder sollen an die Türkei zurückerstattet werden, vermutlich unter denselben Bedingungen wie diejenigen, unter denen die Deutschen Belgien wiederherstellen wollen. Was seine Ausführungen über die slawische Völkerfrage anbelangt, so gipfelten sie in der Erklärung, daß diese Frage die Verbündeten nichts angehe und sie also keineswegs berufen seien, darüber eine Untersuchung anzustellen. Er weigerte sich, irgend eine Bebingung bekanntzugeben, die als Friedensbedingungen hätten angesehen werden können. Wenn ich mich nun mit der Rede des deutschen Reichskanzlers befasse, so muß ich sagen, daß es für jeden, der sie gelesen hat, schwer ist, anzugeben, ob es Graf Hertling ernst gewesen ist mit einigen Forderungen. Was antwortet er auf unsere sehr gemäßigten Bedinanngen? Er verlangt von uns die Herausgabe unserer Kohlenstationen in der ganzen Welt. Es ist das erste Mal, daß diese Forderung aufgestellt wurde. Meiner Ansicht nach hätte das die letzte Forderung der Deutschen sein dürfen(!). Diese Kohlenstationen stonden früher ebensogut den deutschen wie den englischen Schiffen offen. Die deutsche Flotte wurde immer mit Gastfreundschaft in diesen Stationen empfangen. 1913 besuchten rund 50 bis 60 deutsche Kriegsschiffe einen einzelnen Hafen, und es wurden ihnen die nämlichen Erleichterungen gewährt wie den englischen. Dem Handel der Deutschen wurden dieselben Vorrechte eingeräumt, und sie wurden unter den nämlichen Bedingungen ausgeübt als diesenigen der britischen Firmen. Die Tatsache, daß eine Forderung dieser Art zum 1. Male im 4. Kriegsjahre gestellt wurde, ist Beweis dafür, daß das Dentsche Reich nicht gewillt ist Friedensbedingungen zu besprechen. Ich bedauere das tief, aber es hat keinen Zweck, nach Frieden zu rufen, wenn es keinen Frieden geben kann(N, Das Vorgehen des Deutschen Reiches gegenüber Rußland beweist, daß alle diese Erklärungen über Frieden wertlos sind. Es wurde uns keine Antwort über Belgien gegeben, die irgend jemand hätte zufriedenstellen können. Es wurde keine Antwort erteilt über Polen oder über ElsaßLothringen. Kein Wort haben wir vernommen über das künftige Schicksal der Bewohner/ italienischer Rasse, die zur Zeit unter österreichischem Joch seufzen(!). Hinsichtlich der Türkei sind die Zentralmächte offenbar entschlossen, die vorgebliche Integrität dieses Landes aufrecht zu erhalten. Ich wünsche aufrichtig, daß ein Mitalied dieses Hauses imstande wäre, in diesen Reden des deutschen Staatsmannes irgend etwas zu entdecken, was man als Beweis dafür ansehen könnte, daß die Zentralmächte bereit sind, Frieden zu schließen. Mit dem größten Bedauern muß ich jene Erklärungen ablehnen. Solange Lloyd George solch politische Wahnideen verfolgt wie die Rückaabe Elsaß=Lothringens an Frankreich, wird eine Verständigung unmöglich sein. Unsere Waffen werden entscheiden müssen, sie werden den schon erheblich kleinlauter gewovdenen Lloyd George schon ganz zum Schweigen bringen. Lloyd George über die militärische Lage. bb. London, 14. Febr. Lloyd George fuhr im Unterhause fort: Es hat eine beträchtliche Anzahl von deutschen Divisionen gegenwärtig die Ostfront verlassen und wurde nach dem Westen gebracht. Die Lage wurde viel bedrohlicher, als damals. Die Alliierten sind in Versailles zusammengokommen, um die besten Mittel zur Begegnung dieser Bedrohung zu beraten. Bis 1918 besaßen die Alliierten die überwältigende Mehrheit an Truppen auf der Westfront. Das heißt keine militärische Nachricht für den Feind weggeben, der dies ebensogut weiß. Stufenweise hat diese Überlegenheit nachgelassen, trotz der von den Deutschen den Russen gegenüber eingegangenen Verpflichtung, daß während des Waffenstillstandes keine Truppen von der Ost= nach der Westfront abgezogen werden sollten. Sie werden so schnell, wie dies die Eisenbahn gestattet, befördert. Das müssen wir uns vor Augen halten, wenn wir über die Friedensbedingungen sprechen.(Beifall.) Denn es hat Einfluß auf die Bürgschaften. Bis 1918 war kein Angriff denkbar, den die Deutschen gegen unsere Armeen ausführen konnten, der nicht in der Hauptsache durch Reserven jeder der beiden Armeen pariert werden konnte. Die Lage ist durch die außerordentliche Verstärkung, die vom Osten nach dem Westen gebracht wurde, vollßändig verändert. Die Vertreter der Alliierten in Versailles mußten die besten Methoden erwägen, um der Lage Herr zu werden. Sie hatten mit einer Lage zu tun, wo es absolut wesentlich ist, daß die ganze Kraft der alliierten Armeen— von Frankreich, England, Italien, Amerika— für die Stelle, wo der Angriff kommt, verfügbar war. Wo wird der Angriff kommen? Hier oder dort, wer kann es wissen? Alles, was man weiß, ist, daß er vorbereitet w. Der Feind hat hinter sich ein riesenhaftes Eisenbahnsystem, wodurch der Angriff zur Ausführung kommen kann. Es sind Anordnungen getroffen, durch die die Alliierten mit ihrer Armee als einer einzigen operieren konnten, um der Drohung, wo sie komme, zu begegnen. Auf den alten Konferenzen, an die ich gewohnt war, kamen die militärischen Mitglieder und die bürgerlichen Mitglieder für sich zusammen. Die militärischen Mitglieder kamen mit einem Schriftstück und teilten mit, was sie beschlossen hatten. Ich muß sagen, daß bei einer solchen Konferenz über Strategie zu diskutieren eine bloße Posse war. Bei dieser Konferenz saßen die bürgerlichen Mitglieder und die militärischen Mitglieder vier bis fünf Tage zusammen, um eine Entscheidung zu fassen, die Höchstkommandierenden, die Generalstabschefs, die militärischen Vertreter, wie auch die Premierminister. Verurteilung eines Unterhausmitgliedes wegen Hamsterns. Wie die„Times“ berichtet, wurde William John Mac Caw, Parlamentsmitglied für West=Down, vom Bezirksgericht Godstone wegen Hamsterns zu 400 Pfund Geldstrafe verurt teilt. In seinem„Rabennest" benannten Hause wurden ganz bedeutende Mengen Lebensmittel gefunden. Der Richter erklärte, man werde sich künftighin weder durch Rang noch Reichtum beeinflussen lassen und alle Verstöße gegen die Verordnungen der Regierung mit der ganzen Strenge des Gesetzes verfolgen. Ein schlimmerer Fall ließe sich kaum denken, als daß ein Volksvertreter die Nahrungsmittel der Nation in eigennütziger Weise hamstere. der Krieg zur Sce. 33 000 Tonnen versenkt. WTB. Berlin, 14. Febr. Amtlich. Durch Vernichtung von 33-000 BRT. erlitt der Transportverkehr unserer Feinde im östlichen Mittelmeer empfindliche Einbuße. Es handelt sich hauptsächlich um die nach dem Orient bestimmten Transporte. Den Hauptteil an den stärkster Gegenwirkung zum Trotz erzielten Erfolgen hat Kapitänlentnant Sieß. 5 Dampfer wurden aus Geleitzügen herausgeschossen, 2 davon unmittelbar vor dem Hafen von Alexandrien. Unter den übrigen versenkten Dampfern befand sich das erst 1916 gebaute Motorschiff „Glenamoy", 7269 BRT. Ein Dampfer hatte Baumwolle nach Marseille geladen, wie sich aus der Aufschrift zahlreicher an der Untergangsstelle treibender Baumwollballen ergab. An Segelschiffen wurden vernichtet die englischen Segler„Apostolos Andreas" und„Taxiarchis“. Der Chef des Admiralstabes der Marine. der Inglisches Blatt über die A-Bootgefahr. bb. Bern, 14. Febr. Der liberale Daily Chronicle sagt zu der Versenkung des Transportschiffes Toscania: Die Statasmänner, welche Neigung verspuren, optimistische Erklärungen über den Tauchbootkrieg abzugeben, sollten unter den Tisch klopfen und den Mund halten. Jeder derartigen Außerung pflegt eine schlechte Woche hinsichtlich der Tauchbootopfer zu folgen. Der Letzte, der. in dieser Beziehung verstoßen hat, ist Geddes. Seine Erklärung, daß man das Tauchboot im Schach halte, hat die gewöhnlichen Folgen gehabt. Die Zeitung weist darauf hin, daß, wie die Versenkung der Toscania lehre, kein Geleit volle Sicherheit gewähre, und sagt: Es ist notwendig, die Fortdauer der Tauchbootgefahr zu unterstreichen, nicht, weil sie ein Verzweifeln an dem Endergebnis rechtfertigt, sondern weil es zweifellos uns allen, einschließlich der Zivilbevölkerung, wachsende Opfer auferlegen wird. Wir können uns nicht klar genug vergegenwärtigen, daß der Schlüssel aller unserer Probleme, nämlich des Effektivstärkeproblems, des Lebensmittelproblems und des Flugzeugproblems in der Schiffahrt liegt. Die Zeitung führt dann an, daß die letzten Erfolge gegen das Tauchboot nicht unbefriedigend seien, wenn man bedenke, daß die langen Winternächte ihnen bedeutende Vorteile gewährten.(Anmerkung der Redaktion: Vor 6 Monaten hieß es, die kurzen Sommernächte gewährten den Tauchbooten besondere Vorteile.) Englische Regierungskrise. WTB. Der Nieuwe Rotterdamsche Courank schreibt: Daily News schreiben zur Rede Lloyd Georges: Lloyd George ging mit einem ermüdeten Ausdruck aus dem Saal und ließ seine Kollegen niedergeschlagen und in Spannung zurück. Gleich bei Beginn der Sitzung bekam man das Gefühl, als ob eine Krise in der Luft wäre. Diese Angelegenheit muß und wird bis auf den Grund geprüft werden. Das Unterhaus ist sich schließlich der schweren Verantwortlichkeit bewußt geworden, die auf ihm ruht, und wird darauf dringen, zu hören, wessen Händen das Schicksal der englischen Armee anvertraut ist und eb Haig und Robertson dem französischen Oberbefehlshaber unterstellt worden sind. Es wird bessere Gründe verlangen als sie, welche für eine Leitung durch General Nivelle angeführt wurden. Man kann keine Ausflüchte brauchen, wenn es sich um eine Sache von so überragender Vedeutung handelt. Frankreich erwartet eine Offensive. WTB. Die französische Öffentlichkeit wird mit aller Deutlichkeit auf die bevorstehende Offensive der Mittelmächte an der Westfront vorbereitet. Die meisten Blätter enthalten diesbezügliche Aufsätze ihrer militärischen Mitarbeiter. So schreibt Oberst Nousset im„Petit Parisien", eine Offensive großen Stils auf der Westfront sei durchaus notwendig. Deutschland sei hierzu gezwungen, nicht nur, weil der augenblickliche Stillstand sein Prestige herabsetzen würde, sondern auch, weil die innere Lage Deutschlands einen großen Erfolg notwendig mache. Der Berichterstatter des„Petit Parisien“ an der englischen Front hält gleichfalls den Angriff für unvermeidlich. Es sei Pflicht, dies der Öffentlichkeit mit aller Deutlichkit zu sagen, um jede Überraschung und Entmutigung im Augenblick des Kampfes unmödlich zu machen. Der„Matin“ hält angesichts der enormen Frontverkürzung im Osten eine österreichisch=ungarische Offensive in Venetien für nicht ausgeschlossen. Die Rede Orlandos. TU. Die große Spannung, mit der der Rede Orlandos in Italien entgegengesehen wurde, hat eine arge Enttäuschung erfahren. Weder die Frage der Anerkennung der Kriegsziele Italiens durch die Alliierten, die nach den Reden Lloyd Georges und Wilsons eine entschiedene Klärung verlangte, noch diejenige der Einheitlichkeit des obersten Kommandos der Ententeheere hat von Seiten Orlandos eine eingehende Behandlung erfahren und in Bezug auf das Problem der Versorgung Italiens hat Orlando sogar zugestehen müssen, daß diese zwar das allergrößte Entgegenkommen von Seiten der alliierten Regierungen gefunden habe, aber noch keineswegs als gesichert angesehen werden könne. Eine griechische Republik am Schwarzen Meer. TU. Wie der Berner Bund erfährt, wurde die Bildung eines griechischen Armeekorps von den Regierungsbehörden von Tiflis anerkannt. Die 4. russische Division erhielt Befehl, dem genannten Armeekorps alles nötige Kriegsmaterial zur Verfügung zu stellen. Der Zweck der Gründung dieses griechischen Korps ist, die griechtschen Interessen in der Gegend der Schwarzen Meerküste zu unterstützen, wo eine unabhängige griechische Republik gegründet werden soll.(?) Düsseldorf, 14. Febr. Das starke Steigen der Preise aller Lebensmittel kommt in dem Voranschlag zum Haushalt der rheinischen Provinzialverwaltung für das Rechnungsjahr 1918=19 in einer erheblichen Erhöhung der Ausgaben, vor allem in den Anstalten, zum Ausdruck. Es sind gegen das laufende Jahr zweieinhalb Millionen Mark mehr aus der Provinzialsteuer zu decken. Da aber das umlagefähige Staatssteuersoll ganz erheblich wächst, 133 Millionen Mark in dem Voranschlag für das kommende Jahr gegen 114 Millionen Mark im laufenden Jahre, so wird es möglich sein, auch im kommenden Jahre ohne Erhöhung der Provinzialsteuer die vermehrten Bedürfnisse zu decken. Der Hauptteil der Mehrausgaben kommt auf die Krieggbeihilfen. Krefeld, 14. Febr. Auf frischer Tat war bei Einbruch in das Lebensmittellager der Gemeinde Lank der Schlosser Heinrich Busch gefaßt worden, der mit einem Nachschlüssel das Sicherheitsschloß oft geöffnet und Lebensmittel entwendet hatte. Als er erwischt wurde, war er von seiner Tochter begleitet. B., der noch nicht bestraft war, erhielt von der Strafkammer 1 Jahr und 1 Monat Gef. Seine Tochter Auguste wurde zu 2 Monaten Gef. verurteilt. Cleve, 14. Febr. 2 in Rindern in Quartier liegende Soldaten gerieten gestern in Streit. Dabei schlug der eine seinem Gegner mit einem Holzscheit so wuchtig an den Kopf, daß der Getroffene eine schwere Gehirnerschütterung erlift, die den Tod herbeiführte. Wesel, 14. Febr. Die Ferkelpreise haben in Holland stark angozogen. Waren letzthin auf den Märkten Ferkel für 00 bis 75 Cents die Alterowoche zu haben, verlangt man jetzt 4 Gulden für die Alterswoche, ein Preis, der noch nie da war. Troydem bleibt die Anfuhr sehr gering, da die Schweinezucht sehr zurückgegangen ist. Duisbuvg, 14 Sahr. Die Strafkammer verurteilte den Maschinisten Wilhelm Hübsch zu 6 Jahren Zuchthaus. Er hatte einem Schlosser vorgeschwindelt, er könne ihm für 4700 Mark bares deutsches Geld für 100000 A falsches holländisches Geld zu verschaffen. Der Schlosser gab die 4700 M. In einem Hotel in Krefeld, wo man in der Sache mit einem Holländer zusammentreffen wollte; sodann stahl Hübsch seinem ahnungslosen Begleiter weitere 4500 A und verschwand. Osterfeld, 14. Febr. Bei einem hoftigen Orkan, der hier vor einigen Tagen wütete, geriet ein etwa 8 Meter hoher Turm der Pankratiuskirche ins Wanken und stürzte in die Tiefe. Außer einigem Sachschaden am Dach und an den Kirchenfenstern ist weiteres Unheil nicht angerichtet worden. Langen dreer. 14. Febr. Die Zeche Bruchstraße scheint recht vom Unglück verfolgt zu sein. Nachdem vor kurzem erst zwei schwere Schlagwetterexplosionen vorgerommen sind, hat sich jetzt schon wieder, wenn auch kleineres Unglück ereignet. Zwei Bergleute wurden durch Zusammenbruch einer Strecke verschüttet und konnten trotz der größten Mühe nur als Leichen geborgen werden. Dortmund, 14. Febr. Eine Bande von 16 Jungen, die zur Ausführung von Diebstählen von Essen nach hier gekommen waren, wurden Sonntagnacht hier verhaftet; einige bei Einbrüchen im nördlichen Stadtteil auf frischer Tat, die übrigen am Bahnhof, wo sie das Ergebnis der Deutezüge ihrer Genossen abwarteten. Schwelm, 14. Febr. Die Firma Falkenroth u. Kleine hat zu ihrem 60jährigen Geschäftsjubiläum der Stadt 10 000 Mark überwiesen zu Gunsten Hinterbliebener von gefallenen Schwelmern, ebenso stiftete Justizrat Geilen zu gleichem Zwecke 10 000 Mark in Erinnerung an seine 2 im Kriege gefallenen Söhne. Berleburg, 14. Febr. Vor einigen Tagen ist, wie gemeldet, in Ouchy in der Schweiz die Fürstin Léonille zu Sayn=Wittgenstein, geborene Fürstin Bariatinski, Mutter des früher hier wohnenden Grafen Hachenburg, im Alter von 102 Jahren gestorben. Mit dieser Frau ist eine Persönlichkeit von hohen Geistesgaben dahingegangen. Das ganze 19. Jahrhundert ist an ihr vorübergezogen. Ihr Schwiegervater, der Feldmarschall Graf Wittgenstein, hatte den Oberbefehl über die Truppen geführt, die Petersburg vor der Armee Napoleons zu schützen hatten, sie selbst hat noch die Kaiser Alexander I und Rikolaus I. persönlich gekannt; sie hat in Paris die Flucht Philippes aus den Tuilerien bei der Julirevolution mit angesehen, und als sie von dort im Sommer 1848 nach Berlin kam, fand sie die Stadt in Aufruhr und die königliche Familie auf der Flucht. Sie befand sich in Rom, als Pius IX. den Syllabus erließ und das Dogma der Unfehlbarkeit verkündete. Gütersloh, 14. Febr. Der Polizei ist es wieder gelungen, einen größeren Posten Lebensmittel, die Schleichhändler mit der Eisenbahn von Harsewinkel nach Dortmund verschieben wollten, zu beschlagnahmen. Es handelt sich um 91 Pfund Speck, 14 Pfund Schinken, 48 Pfund Rindfleisch und 39 Pfund Butter. Es soll eine größere Anzahl von Personen beteiligt sein, die ihrer Bestrafung entgegensehen. Hannover, 14. Febr. Auf tragische Weise ist ein 12 Jahre alter Schulknabe zu Tode gekommen. In Abwesenheit seiner Mutter stellte er Versuche an, wie man sich erhängen könne. Er hatte einen Lederriemen um den Hals gelegt und das obere Ende an der Türklinke befestigt. Dabei glitt er aus, der Riemen zog sich zu und der unglückliche Knabe erstickte. Worms, 14. Febr. Das Mitglied des Reichstags und der hessischen Ersten Kammer, Dr. Freiherr Heyl zu Herrusheim, beging seinen 75. Geburtstag. v. Heyl, der bis zu den Auseinandersetzungen über die Finanzreform der nationalliberalen Partei angehörte, ist seit 1874 mit einer kurzen Unterbrechung Vertreter des Wahlkreiss Worms=HeppenheinWimpfen. Moi mar. 14. Febr. Der 15jährige Sohn des Invaliden Kolansee in Stotternheim erschoß seine Mutter mit einem Gewehr, so daß sie auf der Stelle verschied. Die Mutter hatte ihm wegen seines Müßigganges bittere Vorhaltungen gemacht. Aus aller welt. Anträge zum Haushalt des Finanzministers. WTB. Berlin, 14. Febr. In der Sitzung der verkärkten Haushaltskommission des Abgeordnetenhauses stand der Haushalt des Finanzministers zur Beratung. Es wurden folgende Entschließungen angenommen: 1. Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen, die Kgl. Staatsregierung aufzufordrn, in allen Verwaltungen die Pauschbeträge. aus denen Angestellte besoldet, sächliche Geschäftsbedürfnisse erstattet u. Pferde gehalten werden, der gegenwärtigen Teuerung entsprechend zu erhöhen und zwar mit rückwirkender Kraft für das Jahr 1917. 2. Die Kgl. Staatsregierung zu ersuchen, bei der Reichsregierung dahin zu wirken, daß die Bezüge Kriegsbeschädigter und der Hinterbliebenen gefallener oder an den Folgen des Krieges gestorbener Krieger eine der gegenwärtigen Teuerung entsprechende Erhöhung erfahren. 3. Durch gesetzgeberische und Verwaltungsmaßnahmen den zu I genannten Personen wirtschaftliche Erleichterungen zu schaffen. Førner wurde folgender Antrag des Freiherrn von Zedlitz=Neukirch angenomen: Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, 1. dem Landtag tunlichst noch in der laufenden Tagung einen Gesetzentwurf betr. Neuordnung der Einkommen und Ergänzung für Steuern vorzulegen, in dem noch mehr als bisher auf die Leistungsfähigkeit der ßärkeren Zahler Rücksicht genommen wird. 2. Dahin zu wirken, daß das Reich bei Wiederaufbau seiner Finanzen— nötigenfalls gegen Übernahme eines Teiles der Kriegslasten durch die Bundesstaaten und Zusicherung entsprechender landesrechtlicher Besteuerungen des Besitzes— von jedem weiterem Eingriff in die Besteuerung des Einkonnnens und Vermögens oder in diese Steuerquellen absieht. Die Annahme des ersten Teiles dieses Antrages erfolgte einstimmig, die des zweiten Teiles gegen die Stimmen der Fortschrittlichen und Sozialdemokraten.— Der Haushalt des Finanzministers wurde hierauf angenommen mit Ausnahme der Titel, welche Ausgaben für gemischsprachige Bezirke enthalten, deren Beratung und Beschuaung bis zum Frertag ausgesetzt wird. Schluß der 1. Lesung der Herrenhausvorlage. WB. Berlin, 14. Febr. Der Wahlrechtsausschuß des Abgeordnetenhauses beendete heute die erste Lesung der Herrenhausvorlage. Der konservative Antrag, daß Herrenhaus zukünftig„Erste Kammer“ zu nennen, wurde angenommen. Der Zentrumsantrag, der die Bezeichnung„Ständehaus" vorschlägt, wurde abgelehnt. Nach§ 33 der Regierungsvorlage wird der Zeitpunkt des Inkrafttretens dieses Gesetzes durch kgl., Verordnung bestimmt. Gleichzeitig scheiden die bisherigen Mitgliøder mit Ausnahme derjenigen Mitglieder, die auf Lebenszeit und aus den ehemaligen Reichsunmittelbaren, Fürsten, Ständeherren und aus königlichem Vertrauen berufen sind, aus. Ein nationalliberaler Antrag, wonach die Herrenhausvorlage gleichzeitig mit dem neuen Wahlrecht für das Abgeordnetenhaus in Kraft treten solle, wurde angenommen. Der Minister des Innern erklärte, daß die Regierung in ihrer Vorlage beabsichtigt habe, daß ein Widerspruch des Herrenhauses in keiner Weise beiseite geschoben werden könne und das Herrenhaus möglichst selbständig dastehen solle. Bei Einführung des gleichen Wahlrechts würden sich die Mehrheitsverhältnisse des Abgeordnetonhauses außorordentlich verschieben, so daß die unabhängige Stellung des Herrenhauses durchaus notwendig erscheine. WSB. Brüssel, 14. Febr. Gestern und heute fand hier unter Leitung des Chefs des Feldsanitätswesens, Exz. von Schjerning, unter zahlreicher Tielnahme von Vertretern des Høeres die dritte Kriegs=Chtrurgentagung statt. Wähvend der Tagung traf an Exz. von Schjerning folgendes Tolegramm des Kaisers ein: Ihnen, und den zur dritten Kriegstagung versammelten Chirurgen danke ich herzlichst für den freundlichen Huldigungsgruß. Pflichterfüllter, wissenschaftlicher Ernst, Zielbewußtsein und restloses Forschen hat die ärztliche Kunst im Kriege zu ungeahnter Höhe gehoben. Auf ihre Träger blickt vertrauensvoll mit den tapferen Helden das. gesamte Vaterland. Möge dieses Bewußtsein Sie alle stärken und weiter leiten in Ihrer schweren und segensreichen Arbeit. Wilhelm I. R. Wien, 14. Febr. Wie Lemberger Mätter berichten, geriet nachts im Stanislau=Lemberger Personenzug, als er den Dnjestr passierte, ein Wagen in Brand. Von den Neisenden, die kopflos und entsetzt aus dem Wagen sprangen, fielen mehrere in den Fluß und ertranken. In dem niedergebrannten Wagen fand man 7 verkohlte Loichen. 11 Personen erlitten schwere Brandwunden, 8 Reisende Verletzungen von verschiedener Gefährlichkeit. Der Brand soll durch Entzündung eines Kinofilms in einem Reisekoffer entstanden sein. Türkisches Frauen-Bataillon. WTB. Konstantinopel, 14. Febr. Die Osmanische Vereinigung für Fruenarbeit veröffentlicht einen Aufruf, in dem alle Frauen im Alter von 18 bis 30 Jahren eingeladen werden, sich für das kürzlich geschaffene Arbeiterinnen=Bataillon einschreiben zu lassen.„Vakit" zufolge wird das Bataillon, das nach Zulassung der türkischen Frau zum Handel, Beamtentum, öffentlichen Amtern, Roten Kreuz und anderen Dienstzweigen das Eintreten der Frau in die Armee eröffnete, dem ersten Korps zugeteilt und den Namen 1. ArbeiterinnenBataillon tragen. Das Offizierkorps und Aufsichtspersonal werden anfänglich aus Männern bestehen, die stufenweise durch Frauen ersetzt werden. Das Bataillon wird täglich acht Stunden hinter der Front arbeiten. die Streiks und der Kriegswille unserer Feinde. Der Streik ist zu Ende! Nicht an dem guten Willen der Führer in Berlin lag es, sondern an dem gesunden Sinne unserer Arbeiter, daß nur ein kleiner Bruchteil von ihnen sich in eine Bewegung hineinreißen ließ, die für die Arbeiter selbst verhängnisvoll hätte werden können. Nicht umsonst brachten die feindlichen Zeitungen ihre Nachrichten darüber mit der Überschrift:„Der Zusammenbruch der Mittelmächte". Richt umsonst hat Amerika eiligst eine Summe von 6-800 Millionen bewilligt, um damit Aufhetzer zu bezahlen, die unter der Maske deutscher Arbeiterfreunde zu neuen Streiks und, wenn möglich, zu einer Revolution nach Art der russischen aufreizen sollen. Uns auf dem Schlachtfelde zu besiegen, hoffen unsereFeinde selbst nicht mehr. Nachdem die russische„Dampfwalze", auf die sie ihre besten Hoffnungen gesetzt hatten, elend zerbrochen war, haben sie ihre Offensiven eingestellt und warten ängstlich, daß die Truppen, die von uns im Osten freigeworden sind, jetzt im Westen den Krieg entscheiden. Trotzdem setzen sie unseren Friedensangeboten, die wir immer wieder erneuert haben, noch immer den alten Hohn entgegen. Was sie einzig und allein noch erhoffen, ist jener„Zusammenbruch der Mittelmächte", als dessen Anfang sie unseren Streik betrachten und dessen weiteren Fortschritt sie mit ängstlicher Ungeduld erwarten. In unserer Bevölkerung ist vielfach die Meinung verbreitet, der Krieg könnte jeden Augenblick zu Ende sein, sobald unsere Regierung das wollte, oder noch einfacher, wenn unsere Soldaten an der Front nicht mehr kämpften. Freilich ist jede Prügelei zu Ende, wenn der eine der beiden Raufenden nicht mehr zuschlägt; aber es beginnt dann ein einseitig Geprügeltwerden, und derjenige, der sich friedfertig hat erweisen wollen, trägt allein die blauen Flecken davon. Sollen wir uns in diese angenehme Lage bringen? Hat man denn ganz vergessen, um was der Krieg für England geht? Müssen wir immer wieder daran erinnern, was schon im Jahre 1897 eine englische Zeitung schrieb:„Wenn Deutschland morgen aus der Welt vertilgt würde, so gäbe es übermorgen keinen Engländer in der Welt, der nicht um so viel reicher würde. Völker haben jahrelang um eine Stadt oder um ein Erbfolgrecht gekämpft; sollten sie nicht um einen jährlichen Handel von fünf Milliarden Krieg führen?" England kämpft für seine Tasche, und, um sie noch mehr zu füllen, will es dem deutschen Arbeiten sein Brot nehmen, denn ein volles Drittel unserer Arbeiter lebt von dem, was wir ausführen, also von dem deutschen Handel, den es vernichten will. Das aber kann nur geschehen, wenn es unsere Industrie vernichtet; so hat man denn auch ganz schamlos verkündet, man wolle, sobald man in Deutschland eindringe, jede Fabrik, auf die man stoße, systematisch dem Erdboden gleichmachen. Das wäre der Erfolg, wenn unsere Truppen nicht mehr kämpfen wollten, und wenn unsere Arbeiter streiken, entziehen sie ihnen die Mittel des Kampfes. Vor allem aber machen sie unseren Feinden Mut; sie bewirken, daß diese an dem Zusammenbruch Deutschlands glauben und daher den Frieden immer weiter verweigern in der Hoffnung, ihre menschenfreundliche Kriegsziele doch noch zu erreichen. Die Streiks in Wien und Berlin, so dürftig sie waren, haben doch zweifellos den Krieg um Monate verlängert, und unsere tapferen Soldaten werden harte Arbeit haben, um das wieder gutzumachen, was die törichten Mißleiteten in der Heimat verdorben haben. Die Göttin des Glücks Roman von Reinhold Orimann. Nachdruck verboten.) 1. Kapitel. „Guten Abend, Bernhard! Wenn ich bir ungelegen komme, sag's rund heraus! Du weißt, zwischen uns gibl's keine höflichen Redensarten und keine törichten Empfindlichkeiten." Der diese Worte gesprochen hatte, war ein auffallend großer und stattlicher junger Mann von ausgeprägt nordischem Typus, blond, blauäugig, mit einem ossenen, gutmütigen Gesicht. Er hatte, von der Haushälterin ohne weiteres eingelassen, nach kurzem Anklopsen die Tür des einfach ausgestatteten Arbeitszimmers geöfinet und war auf der Schwelle stehengeblieben, mit seiner hohen, breitbrüstigen Gestalt ben Nähmen fast vollständig ausfüllend. Freudig überrascht sprang Rechtsanwalt Bernhard Sylvander, dem die frische Begrüßung galt, aus seinem Schreibstuhl auf und trat mit ausgestreckter Hand dem Besucher entgegen. „Nein, Alter— und das ist gut für dich! Denn wenn nicht alle Empfindlichkeiten zwischen uns verpönt wären, müßte ich dich wohl mit sehr Es sind, glaube ich, beinahe ungnädiger Miene empfangen. zwei Wochen, daß du dich hier nicht mehr hast blicken lassen.“ „Wirklich! Na, dann werde ich wohl alle diese vierzehn Tage hindurch von meiner Arbeit festgehalten worden sein. Der Mensch ist eben leider nicht bloß zum Piaudern und Biertrinken auf der Welt. Ich störe dich also nicht?" „Im Gegenteil, du konntest keine bessere Stunde wählen. Mach dir's bequem. lieber Harro! Da sind Zigarren, und für ein mannhaftes Getränk wird meine gute Frau Heitmüller sorgen. Daß du es nur weißt, Harro Boysen: sie hat ihr Herz an dich verloren. Und daran, daß sie in den letzten vierzehn Tagen noch brummiger war als sonst, ist sicherlich nur dein Ausbleiben schuld." „Ja, es ist werkwürdig, was für ein Glück ich bei den Fräten habe, die über die sechzig hinans sind. Vermutlich ist in meiner äußeren Erscheinung etwas Hilfloses und Schutzbedürftiges, das sie geradezu herausfordert, mich freundlich zu bemuttern.“ „In der Tat, das muß es sein“, lachte der Rechtsanwalt, dessen schlanke Gestolt zierlich und beinabe klein erschien neben der des reckenhalten Freundes.„Unbegreiflich, daß ich nicht schon längst auf diese Erklärung verfiel. Aber sind es denn auch wirklich mir weibliche Wesen von so ehrwürdigem Alter, die dich mit ihrer Zuneigung beglücken?" Harro Boysen, der sich's hereits in der Sosaecke behaglich gemacht hatte, zuckte mit den Achsein. „Jungen Mädchen müß man imponieren, um ihre Gunst zu gewinnen. Und darauf verstehe ich mich herzlich schlecht. Überdies bekomme ich ja eigentlich gar keine zu Gesicht.“ „Kubyinommen Fräulein Erika Herbold! Oder ist sie nicht mehr bei ihrem Vater?“ Der andere war eben im Begriff, sich eine Zigarre anzuzünden. Und aus der Umständlichkeit, mit der er dabei verfuhr, erklärte sich's wohl, daß die Antwort etwas lange auf sich warten ließ. „Oh doch!" sagte er endlich, sich ganz in blaue Rauchwolken hüllend.„Der aber imponiere ich schon gar nicht. Und ein Verlangen, sich meiner Hilflosigkeit anzunehmen, hat sie bisher ebenso wenig zu erkennen gegeben. Wäre mir auch, offen gestanden, gar nicht sehr lieb, wenn sie's täte." „So hast du deine Ansichten über sie geändert?" „Welche Ansichten, Sylvander?“ „Nun, ich glaube mich doch zu erinnern, daß du dich wiederholt recht wohlwollend über sie ausgesprochen hast." „Wohlwollend? das ist schwerlich das richtige Wort. Ich habe dir vielleicht gesagt, daß ich sie um ihres starken, tapferen Charakters willen bewundere, und daß— aber da du sie nicht kennst, kann dich das eigentlich gar nicht interessieren. Und wir wollen mit deiner Erlaubnis von etwas Vernünftigerem reden.“ Das Erscheinen der Haushälterin schob den Beginn dieser vernünftigeren Unterhaltung noch um ein kleines hinaus. Die bejahrte Frau Heitmüller, die sicherlich viel braver und tüchtiger war, als sie hübsch und liebenswürdig aussah, brachte ein halbes Dutzend Bierflaschen und zwei Gläser, von denen sie zuerst dem Gast eines hinsetzte: „Wohl bekomm's, Herr Boysen!“ sagte sie, um dann nach einem kleinen Zögern hinzuzufügen:„Es ist Münchener Hofbräu, und hoffentlich noch frisch, obwohl es schon recht lange auf Sie wartet.“ Harro Boysen hatte seinen Pokal gefüllt und trank ihr mit freundlichem Lächeln zu. „Prosit, liebe Frau Heitmüller! Es ist frisch, als käme es direkt aus dem Faß." Die Haushälterin sah so glücklich drein, als ihr runzeliges Gesicht es zuließ. Der Rechtsanwalt aber rief, sobald sie sich wieder zurückgezogen, mit erheucheltem Unmut: „Da hast du's! Für dich hütet fie derartige verborgene Schätze, und ich mußte mich während der ganzen Zeit mit schmalem Lagerbier begnügen. Wahrhaftig, wenn ich nicht gerade in einer so versöhnlichen Stimmung wäre, ich würde ernstlich eifersüchtig auf dich werden." „Und diese großmutige Stimmung— welchem glücklichen Ungefähr habe ich sie zu verdanken? Haft du deinen ersten fetten Prozeß ergattert?“ „Etwas viel besseres, Harro— ich habe mich verlobt." Nur eine sehr mäßige Überraschung spiegelte sich in Harro Boysens Antlitz. Er begnügte sich, die Zigarre aus dem Munde zu nehmen und dem Freunde mit einer gelassenen Bewegung die Hand zu reichen. „Möge es zu deinem Glück sein, Bernhard! Ich brauche ja nicht zu fragen: mit wein. Denn ich sah es rommen, seitdem du mir von deiner ersten Begegnung mit Inge erzähltest." „Dein Scharfblick war vielleicht so bewunherungs die doch wirklich schon an jenem würdig nicht. Habe Tage geliebt. Und wie hätte es auch anders sein können? Ist sie denn nicht das holdseligste und liebenswerteste Geschöpf auf Erden?" „Es wäre schlimm, wenn du anders über sie dächtest. Wann gibt's denn nun Hochzeit?“ „Oh, damit hat es einstweilen noch gute Wege. Dein Oheim will ja sogar unser Verlöbnis erst bekanntgemacht wissen, nachdem ich ihm seinen Prozeß gewonnen habe." „Und das sagst du mit solcher Seelenruhe? Ja, machst du dir denn wirklich Hoffnung, diesen verrückten Prozeß zu gewinnen?“—„Nicht die geringste, Harro!“ „Und was soll unter diesen Umständen aus dir und Inge werden?" Maßen glückliches Ehepaar, wie ich hoffe. Die Bedingungen des Herrn von Restorp sind doch wohl nicht zu tragisch zu nehmen. Mag er auch einen beträchtlichen Eigensinn entwickeln, sobald es sich um diese leidige Prozeßangelegenheit handelt, das Glück seines einzigen Kindes wird er ihr doch schließlich nicht zum Opfer bringen wollen.“ „Hm! Ich weiß nicht— du solltest ihn doch lieber bewegen, freiwillig von der aussichtslosen Verfolgung seines vermeintlichen Anspruches abzustehen." „Ich würde leichter den Justizpalast von der Stelle rücken, als daß ich ihn dazu bestimmte. Alles was ich erreichen würde, wäre, daß er die Sache einem anderen Anwalt übertrüge. Und ich habe triftige Gründe, das nicht zu wünschen.— Aber was ist denn das? Noch ein Besuch— um diese Stunde?" Das zweimal rasch nacheinander erfolgte Anschlagen der Wohnungsglocke hatte ihn zu dieser erstaunten Frage bewogen. Die verstummten Freunde hörten den schlurfenden Schritt der Haushälterin, ein längeres Durcheinander mehrerer Stimmen, von denen die eine ihrem hellen, angenehmen Klange nach einem jugendlichen weiblichen Wesen angehören mußte, und endlich ein dumpfes Geräusch wie von dem Niedersetzen eines schweren Gegenstandes. Bernhard, der seine Wißbegierde nicht länger zügeln konnte, stand auf, um sich über die Natur der seltsamen Störung zu unterrichten. Aber er hatte die Tür des Arbeitszimmers noch nicht erreicht, als sie ziemlich ungestüm von draußen geössnet wurde, und eine junge Dame in knapp anschließendem grauen Reisemantel ihm gerade in die Arme lief. „Hanna!“ rief er in höchster Überraschung.„Ist es denn möglich? Ich habe dich nicht einmal an der Stimme erkannt, so wenig war ich darauf gefaßt, daß du es sein könntest." Er hatte sie umarmt, und sie bot ihm mit einer sehr graziösen Kopfbewegung ihre Wange zum Kusse— eine weiche, feingerundete und von einem lieblichen Rot überhauchte Wange. Dann machte sie sich los und erwiderte heiter:„Mein Reiseentschluß kam so plötzlich, daß es zwecklos gewesen wäre, bir zu schreiben, da mein Brief hätte später eintrefsen müssen, als ich selbst. Ich wollte dir unterwegs telegraphieren; aber ich gab es wieder auf, weil du dir dann über die Gründe meines Kömmens vielleicht ganz unnütz den Kopf zerbrochen hättest. Genug, daß ich da bin— nicht wahr? Irgendeinen Winkel, wo ich unterschlüpfen kann, wirst du doch wohl haben?“ Während sie mit ihrer wundervollen, metallisch klingenden Stimme das alles sehr rasch hervorgesprudelte, hatte sie die Hände erhoben, um die Nadel berauszuziehen, die ihr einfaches Neisehütchen auf den dicken Haarflechten festhielt. Die Schönheit und das tadellose Ebenmaß ihrer biegsamen, zugleich schlanken und üppigen Gestalt offenbarte sich in dieser Stellung vollkommener, als es in irgendeiner anderen hätte geschehen können. Und als nun der helle Lichtithein des Kronleuchters auf ihr Gesicht fiel, sah Harro Voysen, der sich gleich bei ihrem Eintritt erhoben hatte, daß ihre Züge noch reizender waren als die herrlichen Linien ihres jugendlichen Körpers. Die feine, gerade Nase, der kleine Mund mit den schwellenden, zart rosig schimmernden Lippen, das wie von einem antiken Bildner gemeißelte Kinn, waren Einzelheiten von vollendeter Schönheit. Aber das Bestrickendste in diesem klassischen Mädchenantlitz waren ohne Zweifel die großen, dunklen, leuchtenden Augen, deren Blick sich mit wundersamer Klarheit auf denjenigen richtete, zu dem sie sprach. Sie hatte den Fremden noch nicht bemerkt, oder vielleicht auch hatte sie sich nur den Anschein gegeben, ihn nicht zu sehen. Denn in ihrem Mienenspiel gab sich weder Verwunderung noch Verlegenheit kund, da Bernhard sagte:„Ehe wir diese schwierige Unterkunftsfrage lösen, erlaubst du mir wohl, dir einen lieben Freund vorzustellen, der dix dem Namen nach längst bekannt ist. Harro Boysen, meine Schwester Hanna.“ Sie hatte sich nach dem jungen Manne umgewendet, und ihre Augen richteten sich auf sein Gesicht, ebenso fest und unbefangen wie vorhin auf das des Bruders. „Ich senne Sie allerdings schon seit einigen Jahren", sagte sie, ihm die Verlegenheit der ersten Anrede ersparend. „Wenn ich in den Sommerserien mit Bernhard zusammen war, pflegten Sie in seinen Erzählungen jedesmal eine hervorragende Rolle zu spielen. Ich freue mich daher aufrichtig, Sie endlich auch von Angesicht zu sehen." Dabei bot sie ihm mit der natürlichsten Liebenswürdigkeit ihre Rechte, von der sie während des Sprechens mit einem einzigen Ruck den perlgrauen Handschuh abgestreift halte. Vehutsam nur, wie etwas sehr Zartes und Zerbrechliches wagte Harro die kleine, zierliche Hand zwischen seine Finger zu nehmen. Aber der kräftige Druck, den er zu seinem lebhaften Vergnügen fühlte, bewies ihm, wie fest und muskulös dies schmale Händchen war. „Ich brauche wohl nicht erst zu versichern, daß die Freude eine gegenseitige ist, mein gnädiges Fräulein— oder muß ich nicht vielmehr sagen: Fräulein Doktor?“ Aber sie schüttelte, indem sie ihre Hand zurückzog, in lächelnder Abwehr den dunklen Kopf. „Nein, nennen Sie mich nur bei meinem Namen— ohne alle Ehrentitek, auf die ich keinen Anspruch habe. Denn ich habe das Stubium vorläufig aufgegeben, und nur des Schicksals dunkle Mächte wissen, ob ich es jemals wieher aufnehmen werde.“ „Wie, Hanna— höre ich recht?" fragte der Rechtsanwalt erstaunt.„Du willst abspringen— jetzt unmittelbar vor der Promotion? Und nachdem du mir erst kürzlich geschrieben, daß deine Doktor=Dissertation so gut wie fertig sei?" Hanna nickte, und etwas selbstbewußt Herrisches war in der Haltung ihres schönen Kopfes wie im Klang ihrer Stimme, als sie erwiderte: „Ja— trotzdem! Ich habe die Lust verloren, und es wird von tausend Umständen abhängen, ob sie mir je zurückkehrt.“ „Dein Reiseplan ist also nicht bloß dem Wunsche entsprungen, mich wieder zu sehen? Du wolltest Zürich an längere Zeit verlassen?" „Auf immer, wie ich hoffe. Jedenfalls habe ich alle meine irdischen Besitztümer mit mir genommen. Das Handgepäck und ein Koffer mit Kleidern und Wäsche stehen draußen auf dem Gange. Das übrige wird in den nächsten Tagen als Frachtgut nachfolgen. Herr Boysen entschuldigt es gewiß, wenn ich dich bitte, mir vor allem ein Plätzchen anzuweisen, wo ich mich von dem Staub der zweiundzwanzigstündigen Reise befreien kann. Dem anmutigen Drachen, den du zur Hüterin deines Hauses bestellt hast, wagte ich nicht mit einem solchen Anliegen zu kommen." Du wirst zunächst mit meinem Schlafzimmer vorlieb kammen lassen. Mag sie auch äußerlich eine gewisse Ahnlichkeit mit dem von dir genannten Fabeltier haben, in ihrem Innern——" „Ist sie ein Schaf, ich glaube es dir gern. Aber das hindert nicht, daß ich mich vorläufig noch ein wenig vor ihr fürchte." Bernhard Sylvander lachte. „Du— dich fürchten! Nein, Hanna, alles will ich dir glauben, nur das nicht. Und wenn sie auch vielleicht eben bei deinem Empfange nicht gerade ihre freundlichste Miene aufgesetzt hat,— morgen wird sie dir ja doch deine Wünsche von den Augen abzulesen suchen. Weißt du noch, was der Vater immer von dir sagte, wenn du als halbwüchsiges Mädel die tückischsten Pferde und die bissigsten Köter im Handumdrehen zu lammfrommen Geschöpfen machtest? Sie ist ein Sonntagskind, sagte er, und irgendeine Fee muß ihr die Gabe verliehen haben, Mensch und Tier mit ihrer Stimme zu bezwingen." „So? Sagte er das?" fragte Hanna lachend, und Harro Boysen meinte nie etwas Berückenderes gehört zu haben, als dies silberne Lachen.„Nun, ich glaube, ohne die Unterstützung durch eine tüchtige Hetzpeitsche würde sich damals dies Feengeschenk herzlich schlecht bewährt haben. Darf ich also bitten? Ich sage Ihnen natürlich noch nicht Adieu, Herr Boysen, denn Sie dürfen sich durch mich nicht vertreiben lassen. Und ich werde Ihnen Bernhard nicht länger als auf einige Minuten entführen." Harro, der in seiner gewaltigen Größe noch immer steif wie ein Rekrut neben dem Sofa stand, machte ihr eine etwas linkische Verbeugung. Und er dachte auch dann noch nicht daran, seine erloschene Zigarre wieder anzuzünden, als sich die Tür bereits seit einer guten Weile hinter den beiden geschlossen hatte. Wie auf eine von fern her klingende süße Musik lauschte er auf den Klang von Hannas Stimme, dem nach ihres Vaters Meinung eine so wundersame Macht inne wohnen sollte. Und als er ihn nicht mehr hören konnte, weil die Geschwister in das an der anderen Seite des Ganges gelegene Schlafzimmer eingetreten sein mochten, strich er sich gleich einem aus dem Traume Erwachenden über die Stirn und durch das wellige blonde Haar. Bernhard Sylvander, der nach etwa fünf Minuten zurückkehrte, fand ihn nachdenklich vor dem gefüllten Bierglase sitzen, die kalte Zigarre in der einen und das Zündhölzchen, das er anzustreichen vergessen hatte, in der anderen Hand. „Nun, Alter, was sagst du zu dieser Überraschung?" fragte er, und der Stolz auf die schöne Schwester leuchtete aus seinem Gesicht.„War es brüderliche Übertreibung, was ich dir von ihr ergählte?" „Es war eine sehr stümperhafte Schilderung, mein Bester! Sie ist das schünste und liebenswürdigste Wesen, das die Natur jemals in einer verschwenderischen Laune hervorgebracht." „Das ist vielleicht ein bißchen viel gesagt. Aber, so töricht es klingen mag, und obwohl sie meine Schwester ist— ich bin eigentlich derselben Meinung." „Abgesehen natürlich von Inge, nicht wahr?" „Ab, Inge— das ist etwas ganz anderes! Kannst du eine Nachtigall mit einem Paradiesvogel vergleichen? Ober eine duftige Rose mit einer phantastischen, farbenprächtigen Orchidee? Inge ist für mich der verkörperte Inbegriff sanfter, mädchenhafter Anmut und stiller weiblicher Tugend. Sie wäre der heldenmütigsten Aufopferung fähig für die, welche sie liebt. Ader sie würde sich opfern, ohne ein Wort darüber zu verlieren, und sicherlich ohne daß diejenigen es ahnten, für die sie es täte. Hanna dagegen——“ „Nun?— Es klingt nicht, als ob der Vergleich zugunsten deiner Schwester ausfallen sollte." „Oh, du darfst mich nicht mißverstehen. Hanna ist darum gewiß nicht schlechter, weil sie anders geartet ist. Und in keinem Fall ist sie verantwortlich zu machen für die Besonderheit ihres Wesens, die ganz und gar eine Sache des Temperaments und der ursprünglichen Charakteranlage ist. Soweit meine Ermnerungen an ihre Kindheit zurückreichen, war sie dieselbe, die sie heute ist- eine starke, selbständige, vielleicht etwas eigenwillige Natur. Ich kenne niemanden, den sie nicht schon als ganz kleines Mädel bezaubert hätte; aber ich entsinne mich keiner Situation, in der sie die geduldig Leidende oder bemütig Nachgebende gewesen wäre.“ „Nun, das ist wahrhaftig kein Tadel. Der schwachen und nachgiebigen Naturen sind leider mehr als genug— jener Hauskatzen=Naturen, die fein stillhalten, wenn sie von einem Stärkeren geschlagen werden, und die erst dann zu kratzen anfangen, wenn sie's ohne Gefahr tun können." „„Nein, so eine Hauskatze ist Hanna freilich nicht", sagte Bernhard lachend.„Sie kratzt gewiß, wenn sie geschlagen wird, unb wahrscheinlich schon früher. Etwas mehr Schmiegsamkeit wäre ihr sogar meiner Ansicht nach zuweilen recht zu wünschen. Aber ihre Erziehung war allerdings wenig danach angetan, diese Tugend zu entwickeln. Wir hatten die Mutter früh verloren, und sie war der verhätschelte Liebling des Vaters, wie sie aller Welt Liebling war. Auf dem großen Gute, das mein Vater als Domänenpächter bewirtschaftete, konnte sie ganz das Leben eines in beinahe zügelloser Freiheit aufwachsenden Naturkindes führen. Ihre sogenannten Gouvernanten waren nichts als das willenlose Spielzeug ihrer manchmal sogar ein bißchen grausamen Launen. Und von jenem Zwang, unter dem andere Mädchen zu schüchternen Jungfrauen herangedrillt werden, hat sie nie etwas gespürt." „Und wie konnte sie die Vorkenntnisse, deren sie für das Studium der Medizin bedurfte, bei einer solchen Erziehung erwerben?" „Das ist eigentlich auch mir ein Geheinmis geblieben. Denn ich habe sie niemals und angestrengt arbeiten sehen. Aber sie besaß allerdings schon als Kind eine geradezu geniale Schnelligkeit und Sicherheit der Auffassung. Ohne einen ordentlichen methodischen Unterricht genossen zu haben, wußte sie alles, wie wenn es ihr angeflogen wäre. Mit unserem alten Dorspastor, der sie vergötterte, trieb sie zu ihrem Vergnügen Lateinisch und Griechisch. Und die Naturwissenschaften, für die sie von jeher eine leidenschaftliche Vorliebe hatte, studierte sie aus allen möglichen guten und schlechten Büchern in meines Vaters nicht eben mustergültiger Bibliothek. Wenn ich als Gymnasiast und später als Student in den Ferien nach Hause kam, hatte ich täglich ein paarmal Gelegenheit, mich durch die überlegenen Kenntnisse meines um sechs Jahre jüngeren Schwesterchens beschämen zu lassen— ganz abgesehen davon, daß ich mich im Reiten, Turnen und Schwimmen auch nicht entsernt mit ihr zu messen vermochte." In gespannter Aufmerksamkeit hingen Harro Boysens blaue Augen an den Lippen des Freundes. „Ein wunderbares Geschöpf!" murmelte er.„So hast du mir sie eigentlich nie vorher geschildert.“ „Wenn ich's getan hätte, würde sie in deiner Vorstellung sicherlich zu einer höchst unweiblichen und unliebenswürdigen Person geworden sein. Man muß sie eben gesehen und kennengelernt haben, um daran zu glauben, daß sie von dem Liebreiz ihres Geschlechts über alledem nichts eingebüßt hat." Fortsetzung folgt.