Sprockhöveler Zeitung Haßlinghauser Zeitung= Amtlicher Anzeiger für das Amt Sprodkhövel= Blankenstein=Herbeder Zeitung Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. Bezugspreis: durch unsere Boten frei ins Haus gebracht monatlich 55 Pfg., am Postschalter abgeholt 1,50 Mk, vom Briefträger gebracht 1,80 Mk. vierteljährlich im voraus. Druck und Verlag von Rudolf Steinbeck, Sprockhövel. Verantwortlicher Schriftleiter Rudolf Steinbeck, Sprockhövel Einrückungsgebühr: im Inseratenteil die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., im Reklameteil 50 Pfg. Bei Wiederholungen wird entsprechender Rabatt gewährt. Nr. 74. Postscheckkonto Cöln 28642. Samstag, 9. Juni 1917. Fernsprecher 478, Amt Hattingen. 20. 1. Blatt. Jugendkomp. 235, Sprockhövel. Sonntag, den 10. Juni, Antreten: 2 Uhr Schulhof„Nord“. Uebungen zum Wehrkampf. Der Vorsitzende des Ausschusses für die mil. Ausbildung der Jugend Theis, Amtmann. Bekanntmachung. Die Lebensmittelgeschäfte wollen am Montag=Nachmittag Butter, Haferpräparate und Marmelade bezw. Honig abholen lassen. Für Margarine wird Butter ausgegeben. Sprockhövel, den 9. Juni 1917. Der Amtmann: Theis. Bekanntmachung. In Abänderung der Bekanntmachung des Kreisausschusses vom 12. April 1917 Absatz 2§ 4 wird folgende Aenderung getroffen: Jeder Brotschein berechtigt zur Entnahme von 512 gr. Brot oder 175 gr Zwieback oder 150 gr Mehl. Ein ganzer Reisebrotschein je zum Bezuge von 50 gr Brot oder der entsprechenden Menge Zwieback oder Mehl. Schelm, den 2. Juni 1917. Kreislebensmittelamt: Abt. Mehlverteilung: gez. Harz: Landrat, Geheimer Regierungsrat. Bekanntmachung. In Ausführung des Abs. 3 der Bekanntmachung des Kreisausschusses vom 1. Mai 1916 wird folgendes bekannt gegeben: Für die Zeit vom 10. 6.-16. 6. beträgt die Einheit der auf diese Zeit gültigen Abrisse der Lebensmittelhefte: Naturbutter, inl. 62,5 gr Margarine, Fett, Oel 62,5 gr Haferfabrikate: Abriß 4, S. 4a des Lebensmittelheftes 150 gr. und 125 gr. Dörrgemüse, soweit derselbe noch nicht eingelöst ist. Graupen: Abriß 5 Seite 4b des Lebensmittelheftes 200 gr Brotaufstrich: Abriß Juni 2 75 gr. Kraut Preis 40 Pfg. oder Marmelade„ 55„ „ Kunsthonig„ 55„ Kartoffeln: Die Zufuhren sind fraglich. Vorläufig können Abriß 10, 20 und 36 der Kreiskartoffelkarte gegen Brot eingelöst werden. Weitere Bekanntmachung auch wegen Schwerarbeiterzulagen ergeht Mitte nächster Woche. Eier: 4 Stück und zwar bis einschließlich Mittwoch auf rote B= und grüne A=Hefte, Abriß vom 3.—9.6. Von diesem Tage ab auf rote A= und grüne B=Hefte, Abriß vom 10.—16. 6. Die zur Verteilung gelangenden Hühnereier stammen zum Teil aus einer besonderen guten Sendung und sind daher zum Einlegen geeignet. Dagegen empfiehlt es sich, die Enteneier frisch zu verbrauchen. Es wird dringend empfohlen, jetzt einen Teil der zugewiesenen Eier einzulagern, da mit Ueberweisungen im Winter nicht gerechnet werden kann. Als Konservierungsmethoden kommt die Einlagerung in Kalk, Garantol oder Wasserglas in An Rüstungsarbeiter außer den laufenden Zulagen an Feit und Fleisch voraussichtlich ab Freitag oder Samstag, den 16. 6, gegen Lebensmittelabriß 2 der neuen Fleischzusatzkarte 250 gr. Schmalz. Lebensmittelabriß 3 der Fleischzusatzkarte für Rüstungsarbeiter ist bis Dienstag abend, den mit der Lieferung beauftragten Stellen(Arbeitgeber, Geschäfte) und von diesen bis Mittwoch abend den Ortsbehörden abzuliefern. Kreislebensmittelamt: Harz, Landrat, Geheimer Regierungsrat. Bekanntmachung Die Ausgabe der neuen Kommunalfleischkarten findet wie folgt statt: Für die Gemeinde Niedersprockhövel Dienstag, den 12. Juni 1917 Brotbuchhülle Nr. 1—200 8—9 Uhr vormittags " 201—400 9—10 401—600 10—11 601—Schluß 11—12 Für die Gemeinde Obersprockhövel Dienstag, den 12. Juni 1917 Brotbuchhülle Nr. 1—200 3—4 Uhr nachmittags „„ 201—Schluß 4—5„ Für die Gemeinde Hiddinghausen 2 Dienstag, den 12. Juni 1917 Brotbuchhülle Nr. 1—Schluß 5—6 Uhr nachmittags. Zur schnellen Durchführung der Verteilung ist es notwendig, daß für jede Familie eine erwachsene Person erscheint, die genaue Auskunft über die Zahl und das Alter der im Haushalte lebenden Personen erteilen kann. Bei nachträglicher Abholung der Karten wird eine Gebühr von 50 Pfennig erhoben. Die Brotbuchhüllen sind mitzubringen. Sprockhövel, den 9. Juni 1917. Der Amtmann: Theis. Bekanntmachung. In der Woche vom 4. 6.—10. 6. 1917 beträgt die Einheit für: 1. Frisches Fleisch a) auf die Kreisfleischkarte 250 gr b) auf die Reichsfleischkarte, Abrisse 1-5 rote Zahlen(Erwachsene), 1—3 grüne Zahlen (Kinder) auf jeden Abriß 25 gr 2. Fleischwaren(Konserven, Wurst und Räucherwaren), auf Abriß 6—7 rote Zahlen(Erwachsene) 25 gr Den Metzgern ist soviel frisches Fleisch zugeteilt worden, daß sie jedem Kunden die festgesetzte Einheit verabfolgen können. Sollten die Metzger die festgesetzte Einheit nicht verabfolgen, so ist dieses der Polizeibehörde des Wohnortes anzuzeigen. Schwelm, den 8. Juni 1917. Der Kreisausschuß: Harz, Landrat, Geh. Regierungsrat. Aus der engeren Heimat. (Nachrichten unter dieser Rubrik aus unserem Leserkreise sind sehr erwünscht, besonders auch sind Vereinsvorstände gebeten, Berichte über ihre Versammlungen und Veranstaltungen unserer Redaktion zukommen zu lassen.) Sprockhönel, den 9. Juni 1917. —[Dank unserer Feldgrauen.] Erhielt heute von der dortigen Sammelstelle ein inhaltreiches Qualmpaket, und habe mich sehr darüber gefreut. Sage allen werten Spendern meinen innigsten Dank dafür. Gruß an alle Sprockhöveler! Verbleibe mit treudeutschen Grüßen: Garde=Schütze Hugo Valentin.— Sende allen Sprockhövelern und der lieben Heimat die herzl. Grüße: Musk. Steinbrink. — Der Liebesgabenstelle für das schöne Rauchpaketchen meinen herzl. Dank. Freundl. Gruß an alle Sprockhöveler sendet: Wehrm. Ferd. Schmidt.— Für das von der Liebesgabenstelle erhaltene Rauchpaketchen, was ich im Lazarett empfangen habe, danke herzlichst: Musk. Pottkämper.— Meinen besten Dank für das schöne Rauchwarenpaketchen, das ich gestern erhalten habe. Hoffentlich geht es allen Sprockhövelern noch gut, was bei mir auch der Fall ist. Es grüßt vielmals von der Westfront Musk. Otto Homberg. — Für das heute von der Liebesgabensammelstelle erhaltene Paketchen meinen verbindlichsten Dank, ebenso dem Verlag der Spr. Ztg. für die pünktliche Zusendung der lieben Heimat=Zeitung. Es ist ein rechter Genuß, wenn man die liebe Heimat=Zeitung durchstöbern kann. Aus dem warmen Galizien sendet herzliche Grüße an alle Sprockhöveler: GardePionier R. Heierberg.— Für empfangene Liebesgaben der Sammelstelle Sprockhövel herzlichen Dank. Wehrm. Heinr. Finkensiep.— Für erhaltenes Rauchpaketchen von der Sammelstelle sage ich allen Spendern und Spenderinnen meinen herzlichsten Dank. Hoffend, daß uns das Jahr 1917 einen glücklichen Frieben bringt, sendet die besten Grüße aus dem Argonnerwald: Füsilier Otto Eickermann.— Für das schöne Paket mit Rauchmaterial, welches ich gestern erhielt, danke bestens allen Spendern: Wehrm. Stöter Tillmann. — Den Spendern und Spenderinnen des mic zugesandten Liebesgabenpaketchen spreche ich an dieser Stelle meinen verbindlichsten Dank aus. Es freut einen jedesmal, wenn man hier in Feindesland ein Paketchen oder einen Brief aus der Heimat erhält. Mit besten Grüßen: Telegrafist Erlbruch.— Heute erhielt ich von der Liebesgabenstelle Sprockhövel ein schönes Rauchpaketchen und spreche ich allen gütigen Spendern meinen herzlichsten Dank aus. Mit treudeutschem Gruß Gefr. E. Nippus.— Für das erhaltene Paketchen mit Nauchmaterial und für die regelmäßige Zustellung der Heimatzeitung vielen Dank. Viele Grüße sendet Kanonier Rudolf Kersten.— Der Liebesgabenstelle für das schöne Qualmpaket, welches ich heute erhielt, meinen besten Dank. Ebenfalls meinen verbindlichsten Dank der Expedition für die pünktliche Zusendung der Heimatszeitung. Kanonier Willy Aeckersberg. —[Gestohlen] wurden in der EisenkonstruktionsFabrik Hué 2 wertvolle Ledertreibriemen. Von den Tätern hat man bisher noch keine Spur. —[Kriegsgefangene.] Von seiten des stellv. Generalkommandos 7.A. K.geht uns fogendes zu: Zur Hebung von Zweifeln wird darauf hingewiesen, daß jedermann berechtigt ist, Kriegsgefangene, die ohne Bewachung angetroffen werden und nicht im Besitze eines von der zuständigen Lagerkommandantur ausgestellten Ausweises sind, festzunehmen. Sie sind dann der nächsten Polizeibehörde zuzuführen. —[Einlegen von Eiern) Bei den augenblicklichen wöchentlichen Eierlieferungen empfiehlt es sich in den Haushaltungen einen Teil derselben für den Winter aufzubewahren. Folgende einfache Verfahrungsweise kommt dafür in Frage: 1. Einlegen der Eier in gelöschten Kalk.(1 Liter Kalk im Wasser aufgelöst genügt für 50—70 Eier.) 2. Einlegen der Eier in Wasserglas.(1 Liter Wasserglas und 10 Liter Wasser. Die Flüssigkeit muß immer eine Handbreit über den Eiern stehen. —[Bredenscheid.] Der Fabrikant Albert Meckenstock und auch der 17jährige Sohn erkrankten nach dem Genuß von Fischwurst, welche als frische Ware in Hattingen gekauft war. Während Meckenstock nach 8 tägigem Kranksein starb, erholte sich der Sohn wieder und ist heute außer Lebensgefahr. —[Haßlinghausen.] In Ausführung der Maßund Gewichtsordnung werden hierselbst am 15., 18., 19., 20., 21. und 22. Juni ds. Is. im Lokale des Wirts Alex Wichelhaus Nacheichtage abgehalten. Die Einlieferung der Maß= und Wiegegeräte hat an den betr. Tagen vormittags von 9—11 Uhr in gereinigtem Zustande zu erfolgen. —[Der Vaterländische Frauen=Verein) beabsichtigt in seinen— interkonfessionellen— Jugendabteilungen die schulentlassene weibliche Jugend zu sammeln und für sich zu gewinnen und vorzubereiten für die spätere Tätigkeit als Vereinsmitglieder in seinen Zweigvereinen. Die Mitglieder der Jugendabteilungen werden daher nicht nur durch Vorträge, Ansprachen und dergleichen zu Verständnis für die vaterländischen Ziele des Vereins erzogen, sondern auch durch praktischen Unterricht in der Säuglings- und Kleinkinderpflege und auf sonstigen sozialen Gebieten für ihre spätere Vereinstätigkeit vorbereitet. Diese Vorbereitung geschieht also im Interesse derjenigen Fürsorgebedürftigen, für die sie später im Vereinsleben tätig werden sollen, und nicht um der jungen Mädchen selbst willen. Dadurch unterscheiden sich die Jugendabteilungen der Vaterländischen Frauen-Vereine grundsätzlich und wesentlich von den Jungfrauen-Vereinen, die im eigentlichen Sinne Jugendpflege treiben, die Jugend pflegen um ihrer selbst willen. Die Jugendabteilungen sind demnach Werbe= und Vorbereitungsabteilungen für die örtlichen Vaterändischen Frauen=Vereine, nicht aber, wie die JungfrauenVereine, Vereinigungen zur Jugendpflege. —(Zum Schrei nach besserem trockenen Brot chreibt die Rh.=W.=Ztg.: Drei Pfund Brot als Wochenation auf den Kopf der Bevölkerung ist gewiß kein Ueberluß, aber man könnte damit auskommen, wenn— ja, wenn das Brot den Ansprüchen, die man in Friedenszeit an seine Beschoffenheit stellte, genügte. Aber dem ist leider nicht so. Der übergroße Teil der Bevölkerung z. B. von Groß=Essen von anderen Städten des Industriebezirkes kommen ähnliche Klagen) muß sich mit einem klatschigen, rauhen Brot abfinden, das am Messer klebt, daher unwirtschaftlich und zudem schlecht verdaulich ist. Was das in der Zeit der Kartoffelknappheit bedeutet, braucht wohl nicht weiter betont zu werden. Geduldig hat die Bevölkerung versucht, sich auch in dieses„angeblich" Unvermeidliche zu schicken, aber die Versuche scheitern an dem Umstand: daß das Brot nicht nur der wichtigste Bestandteil unserer täglichen Nahrung ist, sondern heute auch als Ersatz für das andere wichtigste Ernährungsmittel, die Kartoffel, dienen muß. Weshalb trotz dieser erhöhten Anforderungen ein so mangelhaftes Brot? Die Bäcker schieben die Schuld auf das schlechte Mehl, das durch die hohe Ausmahlung des Kornes und den Zusatz von allerlei Streckungsmitteln verursacht werde. Man hört und zweifelt. Denn man kann es nicht verstehen, daß die Staatsregierung dem Volk ein Brot geben sollte, dessen Unwirtschaftlichkeit und Gesundheitsschädlichkeit den papiernen Vorteil der Streckung der Verbrauchsmenge in den Schatten stellt. Es muß da etwas nicht in Ordnung sein. Jedenfalls ist die Sache wichtig genug, daß sich sowohl die Kommunal- wie auch die Regierungsbehörden einmal sehr ernstlich mit der Untersuchung der Frage beschäftigen: muß sich der größte Teil der Bevölkerung tatsächlich mit dem heutigen Wasserkleisterbrot abfinden, oder ist die Möglichkeit vorhanden, ein Brot von festem und trockenem Teig herzustellen, das auch ein geschwächter Magen vertragen kann. Der Meinungsäußerung eines Bäckermeisters in Dortmund zufolge, dem, wie er sagt, das Wohl der Bevölkerung am Herzen liegt, besteht diese Möglichkeit, wenn die Bäckereien nur wollten. Dieser Sachverständige sagt:„Die Bäcker machen die Brotteige durchweg zu weich, d. h. sie mengen mehr Wasser in einen Sack Mehl, als es unser Getreide vertragen kann. Warum nun so weiche Teige? Das gibt doch mehr Brotteig! Und bei der jetzigen Ausmahlung des Getreides ist das Mehl auch vielmehr Wasser aufnahmefähig, ohne dem Bäcker große Schwierigkeiten bei der Verarbeitung der Brote z. B. durch Fließen oder Auseinandertreiben der Brote zu machen. Wenn der Bäcker nun mehr Brotteig erzielt, dann bekommt er auch mehr Brotmarken: und ich habe festgestellt, daß ein Bäcker bei der jetzigen Brotbereitung aus jedem Sack Mehl 30—40 Brotmarken mehr herauszieht, als sonst(bei weniger Wasserzusatz). muß, um einen Sack Mehl zu bekommen, 610 Brotmarken abliefern. Er backt aber aus einem Sack Mehl 46 Brote, vielleicht auch 47, für jedes Brot bekommt er 14 Brotmarken, das sind 644, bezw. 658 Brotmarken. Das ist also eine Profitfrage. Aus einem Sack Mehl sollten nur 290 Pfd. Teige oder noch weniger hergestellt werden, dann braucht das einzelne Brot auch nicht zu 6 Pfd. 300 Gr. oder 6 Pfd. 400 Gr. Teig abgewogen zu werden, sondern nur zu 6 Pfd. 200 Gr. Diese 200 Gr. genügen bei festem Teig, um nach 24 Stunden noch 6 Pfd. Brot zu haben." Der Dortmunder Bäckermeister, dem das Wohl der Bevölkerung am Herzen liegt, schließt mit folgender sehr beachtenswerten Aufforderung an die Behörden: Die Brotfrage bleibt auch für die nächsten Jahre noch die wichtigste Ernährungsfrage, und die aufsichtführenden Behörden sollten da etwas näher hinschauen. Das beste wäre, einen unbeteiligten Fachmann ständig die Bäckereien kontrollieren zu lassen, um zu sehen, wie gearbeitet wird, damit nicht, wie die Metzger, WasserWurstschläuche machten, auch Wasserkleisterbrot gebacken wird. der Fortgang der russischen Zersetzung. Von unserem Berliner Vertreter. Noch so schön gefärbte Berichte der neutralen und feindlichen Presse können nicht darüber hinwegtäuschen, daß langsam aber sicher die russische Zersetzung ihren Fortgang nimmt. Wir von unserem deutschen Standpunkt aus tun nach wie vor am besten, in beschaulicher Ruhe ohne störendes Eingreifen und ohne jedwede Anbiederung an Rußland die Dinge zu beobachten. Sie nehmen dann ganz von selbst und nur um so unbehinderter und kaum zielsicherer ihren Verlauf. Betrachten wir uns zunächst die Lage im russischen Heere. Der todkranke Kerenski hat zweifellos in nicht unbeträchtlichen Kreisen der russischen Armee den Willen zu einer neuen Offensive gefördert und bestärkt. Das wichtigst aber, um ein Heer wieder schlagfähig zu machen, ist doch wohl die Erneuerung des Geistes, welcher die Führer sowohl wie die Mannschaften beherrscht. Das hier der wichtigste Punkt liegt, hat Kerenski in einer Rede in Odessa anerkannt, in welcher er ausführte, daß es darauf ankomme, der Armee einen„neuen Geist“ einzuflößen. Man wird aber doch wohl gelinde Zweifel darüber außern dürfen, ob es einem noch so fähigen Organisator gelingen wird, in verhältnismäßig kurzer Zeit einem Millionenheer den Geist einzuflößen, welcher erforderlich ist, um die Truppen zum Siege zu führen. Dabei liegen gerade die Verhältnisse an der russischen Front um so schwieriger, weil der alte Geist durch die revolutionären Wirkungen ertötet wurde und ein neuer Geist erst anerzogen werden muß. Nussische Heerführer müssen zugeben, daß die Zahl der Deserteure Hunderttausende betrage, auch greife immer mehr die Trunkenheit auf die Armee über. Die Einflüsse einer gefährlichen Propaganda werden daneben sehr ernst beurteilt. Dennoch ist zuzugeben, daß es Kerenski gelungen ist. allerdings unter Hinweis auf die angeblich nicht versagenden Hilfsmittel der Entente, den Kriegswillen erneut zu entfachen. Daß die Russen an einer allgemeinen Offensive die bald kommen wird, teilzunehmen die Absicht und den Willen haben, kann gar nicht bezweifelt werden. Es wird nur die Frage sein, inwieweit sie die Kraft haben werden, den neuen Stoß mitzumachen. Wird er nicht im ersten Anlauf sichtbare Erfolge bringen, dann kann die Rückwirkung sehr gefährlich werden. Selbst Ententeblätter haben ja ganz offen ausgesprochen, daß bei einem Fehlschlage der neuen Aktion eine zweite und in ihren Wirkungen geradezu katastrophale Revolution in Rußland kommen werde, welche den Sieg der Anarchie bedeuten müßte. Dieser Ausblick führt uns zu einer Betrachtung der inneren Stmmung im Lande. Wir beobachten da eine außerordentlich energische und schroffe Agitation der ganz radikalen Elemente in Rußland, der sogen. Extremisten, welche unter Führung von Lenin und Volschewiki stehen.. Sie lehnen sich gegen die mäßigenden Elemente im Arbeiter= und Soldatenrat auf und gehen sogar aktiv zur Durchsetzung ihrer Forderungen vor. Die bezeichnendste Handlung in dieser Richtung bedeutet die Besetzung der Festung Kronstadt durch diese Extremisten. Kronstadt ist eine der bedeutendsten Festungen Rußlands, und sie gewinnt ihren besonderen Wert dadurch, daß sie Petersburg direkt vorgelagert ist. Man darf wohl auch annehmen, daß die Lebensmittelversorgung dieser Festung wesentlich besser als die Petersburgs selber ist. In der Besitzergreifung von Kronstadt ist im Grunde nicht anderes zu erblicken als der gewaltsame Versuch, auf den Arbeiter= und Soldatenrat in Petersburg direkt im Sinne der Wünsche der Ganzradikalen einzuwirken. Diese standen von Anfang an auf dem Standpunkt, daß der Arbeiter= und Soldatenrat überhaupt keine Kompromisse mit Regierungsmännern eingehe, daß er vielmehr alle staatlichen Machtbefugnisse an sich allein reiße und direkt auf das Volk wirke. Sie sind weiter der Anschauung, daß die jetzigen Ereignisse keineswegs ein Ende der Revolution, sondern der Beginn einer viel größeren Umwälzung darstellen. Sie lehnen jede Verbindung mit bürgerlichen Politikern ab und sind daher auch schärfstens gegen einen Sonderfrieden mit Deutschland. Ihre Losung ist, das Ende des Krieges durch eine Revolution in allen kriegführenden Ländern herbeizuführen. Zur Charakterisierung der inneren Vorgänge in Rußland ist die gschilderte Bewegung wohl geeignet. Es wäre aber auch hier wiederum verfehlt, ihr eine allzugroße Bedeutung beizulegen. Man kann wohl sagen, daß mit Ausnahme bestimmter und verhältnismäßig eng begrenzter Beßirke die Mehrheit des russischen Volkes von diesen radikalen Methoden nichts wissen will. Andererseits ist aber auch nicht zu verkennen, daß die Gedankengänge der bezeichneten Gruppe bei manchen Elementen des Arbeiter= und Soldatenrates nicht ohne Eindruck geblieben sind. Vorläufig ist es ja noch einmal gelungen, die zum Frieden drängenden Kreise des Arbeiter= und Soldatenrates mit dem Hinweis auf angeblich unmittelbar bevorstehende neue und große Ereignisse zu beschwichigen, aber die Agitation inmitten des Arbeiterund Soldatenrates zugunsten einer Verständigung mit den Alliierten über die Frage der Kriegsziele geht trotz alledem unentwegt weiter. Man fordert dort uno zwar mit vollem Rechte die Veröffentlichung der von Rußland mit der Entente geschlossenen Geheimverträge und der übernervöse Widerstand der Entente gegen diese begreifliche Forderung beweist ja zur Genüge, wie viel man zu vertuschen hat und wie sehr man sich davor fürchtet, dem russischen Volk in Wahrheit zu sagen, wie schmählich man es verkauft hat. Inzwischen hat der Arbeiter= und Soldatenrat einen neuen Aufruf zu einer internationalen Sozialistenkonferenz in Stockholm ergehen lassen, als deren Hauptaufgabe bezeichnet wird, eine Übereinstimmung der Sozialisten aller Länder„hinsichtlich der politischen Abrechnung mit der geheiligten Verbindung zwischen Regierung und imperialistischen Klassen“ zu erzielen. Das ist also die offizielle Kampfansage gegen simperialistische Bestrebungen aller Art, die den Keim zu kriegerischen Entwickelungen in sich tragen. Inzwischen geht die Gährung im russischen Volke weiter. Große Straßenunruhen sind an dr Tagsordnung. Dabei wird die Arbeiterschaft immer nachdrücklicher in ihren Forderungen, so sollen jetzt in Petersburg 40 000 Arbeiter den sechsstündigen Arbeitstag verlangt haben. Daneben vernimmt man aus ernst zu nehmenden Quellen Mitteilungen über das Wiederaufleben der Bewegung zugunsten der Zarenherrschaft. Die Verhaftung des Großfürsten Nikolajewitsch hängt ebenfalls mit diesen Dingen zusammen. So wird das russische Reich fortgesetzt von inneren Wirren heimgesucht, welche Land und Volk nicht zur Ruhe kommen lassen und welche geradezu nach den Gesetzen der natürlichen Entwicklung zu einer den ganzen Komplex von Fragen lösenden Klarstellung drängen. Diese wird durch die demnächst zu erwartenden militärischen Unternehmungen mit in Erster Linie befördert werden. die Schlacht in Flandern ist voll entbrannt. Die neuen Kämpfe im WyrschaeleBOGe mulmaßlictte Frontlinie Michlamtlich) 1 2 3 4 R Zilm. Daß die Kriegslage dem perfiden Albion immer unbehaglicher geworden ist, kann man aus dem Übergreifen der englischen Offensive von dem Scarpe=Abschnitt nach Norden in das La Bassee=Gebiet und in den Wytschaetebogen deutlich erkennen. Gerade die überaus langwierige Feuervorbereitung, die Marschall Haig für diesmal anbefohlen hat„beweist zur Genüge, daß man auf englischer Seite so wuchtig und gründlich zu Werke gehen wollte, um beizeiten aus der immer beängstigender werdenden militärischen Verstrickung herauszukommen. Ja, es hat ganz den Anschein, als hätte man die schweren Batterien am liebsten noch länger spielen lassen, wenn es nur die Lage irgendwie gestattet hätte. Aber der wachsende Druck der deutschen U=Boot=Offensive mit der steigenden Erschwerung der Beförderung von Truppen, Munition und Lebensmitteln u. nicht am wenigsten die schwere, verlustreiche Niederlage der Italiener bei Jamiano, nötigten die englischen Macht- und Befehlshaber zu schnellerem Handeln, zu schnellerem Losschlagen. Nicht wenig hat wohl dazu auch das Zögern der einstweiligen russischen Regierung und der immerwährende Kommandowechsel im russischen Heere beigetragen, an dessen Spitze jetzt auf das dringendste Verlangen der Soldatenausschüsse General Brussilow statt des Generals Alexejew getreten ist. Unter solchen Umständen kann es nicht wundernehmen, wenn England auf eigene Hand vorgeht. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß den englischen Angriffen in Flandern, die am 7. Juni früh nach Sprengungen und Trommelfeuer zum vollen Entbrennen einer Schlacht geführt haben, Angriffe von der See aus auf die Küste folgen. Es gehen sogar Gerüchte, daß England, wenn seine verzweifelten Bemühungen, sich um jeden Preis zu Wasser und zu Lande Luft zu machen, pergeblich sind, Angriffsversuche auf und durch das neutrale Holland unternehmen wird. Wie dem auch sei, zur Würdigung der Lage im Westen darf nicht übersehen werden, daß begleitende Angriffe der Franzosen bisher ausgeblieben sind, daß hingegen in dem Augenblicke, wo ein kühner deutscher Vorstoß an der Straße Pinen=Jouy die Aufmerksamkeit des Gegners ablenkte, deutsche Truppen am„Damen=Wege" 2000 Meter der französischen Gräben erstürmten und alle Gegenangriffe des Feindes, der 557 Gefangene einbüßte, restlos abwiesen. WTB. Nachdem die Frühjahrsoffensive der Engländer und Franzosen, die den Durchbruch und die Aufrollung der deutschen Westfront zum Ziele hatte, vollkommen scheiterte und verblutete, begannen die Engländer am 7. Juni eine neue Offensive in Flandern. Bereits vor Mitte Mai steigerte sich die Feuertätigkeit im Wytschaetebogen, wo südlich des Ypernkanals die deutschen Stellungen halbkreisförmig in weitem Bogen in die feindlichen Linien vorspringen. Nach einer kurzen Feuerpause vom 16. Mai bis zum 21. Mai setzte die systematische energische Feuervorbereitung am 22. Mai ohne Pause ein, um sich vom 1. Juni an zu äußerster Heftigkeit zu steigern, die an verschiedenen Tagen bereits den Charakter von Trommelfeuer trug. Häufige Erkundungsvorstöße des Feindes bestätigten seine Angriffsabsicht. Bereits am Abend des 5. Juni wurden mehrere starke nächtliche Patrouillenvorstöße zurückgewiesen und da und dort eingedrungene Engländer im Nahkampf geworfen. Vergeblich brachten die Engländer Flammenwerfer zur Anwendung, von denen ihnen einer abgenommen wurde. Am gleichen Abend wurde eine etwa mit zwei Kompagnien unternommene gewaltsame Erkundung gegen unsere Stellung südlich von Douve—Dashes verlustreich zurückgewiesen. Am frühen Morgen des 6. Juni stießen südlich von Messines zwei englische Patrouillen von die ebenfalls verjagt wurden. Vormittags am 6. Juni lag nur zeitweise starkes Feuer auf der Angriffsfront und auf dem Hintergelände, wo die englischen Granaten die belgischen Orte Warneton, La BasseeBille und Menin stark mitnahmen. Nachmittags ging das Feuer zum stärksten Trommelfeuer über. Die ganze Nacht zum 7. Juni hindurch tobte ununterbrochen der schwerste Artilleriekampf. Zahlreiche feindliche Patrouillen wurden abgewiesen und Gefangene eingebracht. Um 4 Uhr morgens ließen die Engländer an mehreren Punkten Minen auffliegen. Diesen Sprengungen folgte eine Feuerwelle von allergrößter Gewalt. Um 5 Uhr morgens gingen die englischen Sturmtruppen auf der ganzen Front des Wytschaetebogens zum Angriff über. Die Infanterieschlacht tobt in dem größtenteils flachen, teilweise sumpfigen, von Hecken und kleinen Wäldern durchzogenen Gelände hin und her. Die Artillerie= und Fliegertätigkeit ist gesteigert. Unsere Truppen schlagen sich mit alter Tapferkeit. Frankreich verlangt Elsaß-Lothringen. Paris, 8. Juni.(Havas.) Senat. Es lag eine Tagesordnung Combes=Regismanset vor, wonach von den Erklärungen Ribots Kenntnis genommen und die Überzeugung ausgedrückt wird, daß ein dauerhafter Frieden nur aus dem Siege der verbündeten Heere hervorgehen kann. Die Tagesordnung bekundet den Willen Frankreichs, den Krieg gefestigt durch seine Bündnisse und treu seinem Ideal der Freiheit für alle Völker fortzusetzen, bis zur Wiederherausgabe Elsaß=Lothringens und Sühne der Verbrechen, Wiedergutmachen der Schäden, sowie Annahme von Bürgschaften gegen einen wiederholten Angriff des preußischen Militarismus. Die Tagesordnung vertraut darauf, daß die verantwortliche Regierung dieses Ergebnis erzielen werde, die allein das Recht habe, unter der Kontrolle der Kammer Verpflichtungen für das Land einzugehen, u. sie rechnet auf ihre Tatkraft bei der Durchführung innerer und äußerer Maßnahmen, die erforderlich sind für das Heil der Nation. Diese Tagesordnung wurde von 235 Abstimmenden einstimmig angenommen.(Das schon jetzt erschöpfte Frankreich wird sich an dieser Forderung verbluten. Elsaß=Lothringen ist altes eeutsches Land nud wird deutsch bleiben.(D. Reb.) Was das französische Volk nicht wissen darf. WTB.„Nouvelliste du Lyon“ zufolge erklärte der Abgeordnete Raffin Dougens bei der Verteidigung des wegen sozialistischer franzosenfeindlicher Außerungen angeklagten Anarchisten Cartier, daß die Verantwortung für den Krieg nicht allein auf Deutschland falle. Trotz lebhaften Widerspruchs fuhr Dougens fort, die Geschichte werde das beweisen, niemand könne es leugnen. Als Dougens von den französischen Verlusten in der Champagne sprechen wollte, wurde er vom Staatsanwalt daran gehindert, worauf es zu weiteren lebhaften Zwischenfällen kam. Die Meldungen der Pariser Blätter über die Verhandlung, die mit zwei Monaten Gefängnis für den Angeklagten endete, sind von der Zensur vollständig gestrichen worden. Die Streikbewegung in Frankreich. WTB. Nach Pariser Meldungen ist in Paris die Arbeit in dem größten Teil der Unternehmungen wieder aufgenommen worden, in anderen dauern die Besprechungen zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern sort. Besonders einschneidend ist der Ausstand der Verkehrsangestellten, der die Einstellung eines großen Teiles des Verkehrs notwendig machte. Baldige Einigung wird hier erwartet. In Lyon sind die Eisenbahner ausständig. Der Verkehr ruht zum größten Teil. Bei anderen Lyoner Ausständigen ist noch keine Einigung erzielt. Auch in Avignons, Grenoble, Rennes, Cherbourgund Roannes sind Ausstandsbewegungen im Gange. In Marseille hot der Ausstand ziemlichen Umfang angenommen. 150 Personen wurden verhaftet. Die Bergleute in Mittelfrankreich haben sich für den Ausstand ausgesprochen. Sie verlangen 3 Fres. Teuerungszulage pro Tag und die Einführung des Achtstundentages. Zum Luftangriff auf Sheerneß. WTB. London, 8. Juni. Neuter. Amtlich. Die Gesamtverluste bei dem gestrigen Luftangriff sind 12 Tote und 36 Verwundete. Der Sachschaden ist nicht groß.(?) Amerikauische Kriegsschiffe in französischen Häfen. WTB. Paris, 8. Juni. Nach einer Meldung der Agence Havas ankern zwei amerikanische Kriegsfahrzeuge an der französischen Küste. Sie wurden von französischen Seeleuten freudig begrüßt. will sich Rußland von den Alliierten trennen? bb. Kopenhagen, 8. Juni. Nach Petersburger Nachrichten bestehe nun im Arbeiter= und Soldatenrat eine sichere Mehrheit dafür, daß sich Rußland vollständig von den Alliferten trennen und in erster Linie darauf bedacht sein wolle, den Frieden wieder herzustellen. Man erwarte für die nächste Zeit neue schwere innere Erschütterungen, bei denen auch die jetzige Regierung beseitigt und durch eine rein sozialistische Regierung ersetzt werden solle. Anarchie in Petersburg? bb. Stockholm, 8. Juni. Astonbladet zufolge berichten Reisende, die in Haparanda eintrafen, daß Petersburg wieder der Schauplatz ernster Unruhen sei. Es soll vollständige Anarchie herrschen. Ssasonow will zurücktreten. WTB. Petersburg, 8. Juni. P. T.=A. Der russische Gesandte in London, Ssasonow, hat seinen Rücktritt angeboten. Rumänische Friedensfühler? TU. Eine Meldung der Neuen Züricher Zeitung aus Jassy schildert die allgemeine Beklemmung, die in Rumänien enttanden ist. Die Vertreter der russischen Regierung und des rbeiter= und Soldatenrates haben erklärt, daß bei nicht bald erfolgendem Friedensschluß die Interessen Rumäniens nicht zu wahren sein werden. Das Blatt hebt den Vorschlag des von den Russen befreiten Sozialistenführers Rakowski hervor, die neue Dobrudscha den Bulgaren zurückzugeben. Eingeweihte Kreise fassen diese Meldung mit dem Hinweis auf die bekannten Beziehungen des in Frage kommenden Korrespondenten zu offiziellen rumänischen Kreisen als einen Friedensfühler. Rumäniens auf. der österreichische Sieg bei Jamiano. WTB. Wien, 8. Juni. Aus dem Kriegspressequartier wird mitgeteilt: Die Schlacht bei Jamiano dauerte gestern mit unverminderter Heftigkeit sort. Wie an den Vortagen bemühten sich die Italiener unter Einsatz noch größerer Massen die am 4. 6. verloren gegangenen Stellungen zurückzugewinnen. Sie vermehrten nur ihre Verluste. Trotzdem sie das Feuer der Artillerie zu äußerster Heftigkeit steigerten und immer neue Reserven an Stelle der völlig erschöpften, zusammengschossenen Sturmbrigaden in den Kampf warfen, blieben alle ihre Anstrengungen vergeblich. Die Zahl der von uns gemachten Gefangenen erhöhte sich um 30 Offiziere und 500 Mann. Die Anstrengungen der Welschen gingen nach ihren Äußerungen in der 10. Isonzoschlacht dahin, die Hermada im Süden und im Norden zu umfassen, daher im Raume von San Siovanni zur Jamiano ihre wütenden Massenangriffe. Diese brachten ihnen wohl etwas Raumwinn, kostete sie aber die schwersten, in keinem Verhältnis zu dem tatsächlich erreichten Erfolge stehende Verluste. Durch unsere Siege vom 4. und 5. Juni sind sie aber um diese bescheidenen Erfolge gebracht worden. Die Wucht unseres Vorstoßes im Raume von San Siovanni vereitelte völlig den Plan der Umfassung vom Süden her. Gleichzeitig verhinderte unsere schneidige, für die Italiener äußerst verlustreiche Aktion im Raume von Jamiano den Feind an derDurchführung seiner Absicht im Norden. Trotz aller erneuten Anstürme vermochten die Italiener auch hier nicht unsere Truppen zurückzudrängen und ihnen den gemachten Raumgewinn zu entreißen. Frankreich und die Stockholmer Konferenz. TU. Stockholm, 8. Juni. Der gestern hierher gedrahtete Vorschlag mehrerer Pariser Blätter, den Munitionsminister Thomas als französischen Vertreter auf die internationale Sozialistenkonferenz nach Stockholm zu entsenden, ist zusammen mit der letzten Rede Ribots charakteristisch dafür, wie die französische Regierung bei dem immer stärker wehenden Friedenswinde gegenüber dem eigenen Volke und dem russischen Verbündeten laviert. Unmittelbar nach der Rede Ribots erklärte Branting in seinem Blatte, daß er sich als Vorsitzender des Kongresses selbstverständlich(!) für einen französischen Frieden(!) einsetzen werde und daß an einem direkten Zufammentreffen der französischen Delegierten mit den deutschen Vertretern nicht die Rede sei, so lange diese ihre imperialistische Regierung unterstützen. Diese freundschaftliche Zustimmung des Stockholmer Neutralen scheint der französischen Regierung den Anlaß zu dem Versuche gegeben zu haben, durch ihren Munitionsminister aus Stockholm oder Kopenhagen die Wiedergewinnung Elsaß=Lothringens sowie die Deutschland aufzuerlegende Kontribution heimzuholen. (Am bemerkenswertesten erscheint hier, sofern die Meldung zutrifft, die franzosenfreundliche Haltung Brantings zu sein. D. Red.) Die russischen Vertreter für Stockholm. „Progres de Lyon“ meldet aus Petersburg, der Arbeiter- und Soldatenrat habe Tscheidse, Brauson, Sokolow, Statkewitsch, Kozlowski und Nischniak als Vertreter für die Stockholmer Konferenz ernannt. Italienische Sozialisten reisen nach Stockholm. bb. Die Leitung der italienischen sozialistischen Partei beschloß, offiziell an der Stockholmer Zusammenkunft zunehmen und im Geiste der Beschlüsse von Zimmerwald mit den russischen Soldaten u. Arbeitern Hand in Hand zu gehen. das koloniale Kriegsziel. bb. Leipzig, 8. Juni. In der Alberthalle des hiesigen Kristallpalastes veranstaltete die Abteilung Leipzig der deutschen Kolonialgesellschaft eine vaterländische Feier. Die Feier, an der Herzog Albrecht von Mecklenburg teilnahm, wurde eingeleitet durch eine Ansprache des Missionsdirektors Professor Dr. Paul, der eine Nede des Professors Dr. pans Meyer über unsere koloniale Zukunft folgte. Hierauf jielt Staatssekretär Dr. Solf eine bedeutsame Rede über das englische und das deutsche koloniale Kriegsziel, in der er sich mit den letzten Neden der englischen Staatsmänner Lord Robert Cecil und Smuts auseinandersetzte. Er führte kt. a. aus: Gegenüber alledem, was man in England von der Zertrümmerung unserer Kolonien und unseres Welthandels letzthin sagte, will ich gleich am Anfang betonen, daß die Regierung einig ist mit dem deutschen Volke in festester Entschlossenheit, unsere koloniale Zukunft sicherzustellen. Unser koloniales Peogramm ist klar und einfach: Wir wollen unsere Kolonien wieder haben, und wollen diesen Besitz nach Möglichkeit zu einem widerstandsfähigen, wirtschaftlich leistungsfähigen Betriebe ausgestalten. Gleichzeitig möchte ich daran erinnern, wie wir schon vor dem Kriege, und zwar in klarer Kenntnis der Bedeutung eines zusammenhängenden Kolonialbesitzes für die Lebenssicherung des deutschen Volkes weitgehende Vorbereitungen trafen, um auf dem Wege friedlicher Verständigung und Vereinbarung eine unseren dringendsten kolonialen Bedürfnissen entsprechende Ausgestaltung unseres überseeischen Besitzes zu erlangen. der Krieg zur See. Wieder 20 500 Tonnen versenkt. WTB. Berlin, 8. Juni. Amtlich. Im Kanal und Atlantischen Ozean sind durch die Tätigkeit der U=Boote 20 500 Brutto=Register=Tonnen vernichtet worden. Unter den versenkten Schiffen befanden sich ein bewaffneter englischer Dampfer mittlerer Größe und zwei englische Dampfer von etwa 2500 Tonnen. Der Chef des Admiralstabes der Marine, Bruch mit Haiti. WTB. Berlin, 8. Juni. Der Geschäftsträger von Haiti hat dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes eine Note übergeben, in der gegen den uneingeschränkten U=Bootkrieg Einspruch erhoben wird. Zügleich wird Ersatz verlangt für Schaden, der dem Haitianischen Handel durch die Versenkung mehrerer Schiffe erwachsen sei. Bei der Versenkung hätten auch Haitanische Staatsangehörige ihr Leben eingebüßt. Endlich wird in der Note Bürgschaft für die Zukunft verlangt. Da die Forderung der Haitanischen Regierung in einer ungewöhnlichen Form gestellt ist und die Erfüllung binnen einer Frist perlangt wird, in der es nicht einmal möglich ist, die angegebenen Gründe nachzuprüfen, hat die kaiserliche Regierung es für angezeigt gehalten, dem Geschäftsträger sogleich seine Pässe zuzustellen.(Die Einwohnerschaft von Haiti besteht zumeist nur aus Negern, die bekanntlich von de: Entente als„Kulturträger“ anerkannt sind. D. Red.) Eine Sozialistenkonferenz in London? bb. Englische Blätter lassen sich aus Petersburg melden, daß die Möglichkeit bestehe, den Vorschlag des Arbeiter= und Soldatenrates über die Abhaltung der Sozialistenkonferenz in Stockholm zu ändern, weil Henderson, Thomas und Vandervelde zur Zeit mit den russischen Sozialisten verhandelten über die Organisation einer Vorbesprechung zwischen den Sozialisten aller Ententeländer, welche in London stattfinden werde. Serbiens Glück und Ende. Am 10 Juni sind 14 Jahre seit der Ermordung des serbischen Königspaars Alexander und Draga ins Land gezogen, und wenn auch die Bluttat im Belgrader Konak des Jahres 1903 in ihren Begleiterscheinungen sich wesentlich von dem Serajewoer Fürstenmord im Jahre 1914 unterscheidet, so sind doch beide gleicherweise Glieder in der Kette der Umstände, die den Vorfall und das Ende Serbiens zur logischen Folge haben muß. Serbien ist ja längst erledigt, und vor wenigen Tagen erst hat der junge Kaiser Karl in seiner Thronrede die rechten Worte über die Zukunft des Banditenstaates gefunden. Serbien ist allerdings nicht, wie so gern behauptet wird, an sich der casus belli des großen Weltkrieges gewesen. Die eigentlichen Brandstifter und ihre Helfer sind Rußland, Frankreich und vor allen Dingen England gewesen, die dies an Hand der amtlichen Veröffentlichungen unserer Feinde selbst nachgewiesen werden kann. Aber trotzdem verdient Serbien am wenigsten unser Mitleid, da es sich gewissenlos ins russische Schlepptau nehmen ließ und von dem großen slawischen Bruder zu ollen diplometischen und militärischen Dummheiten, deren es überhaupt fähig war, mißbrauchen ließ. Auch von Italien ließ sich Serbien bereitwillig vorschieben, wenn es galt. Tatsachen zu verdrehen und vor dem Kriege geschlossene Verabredungen zu brechen. Als Satandra im Mai 1915 den italienischen Treubruch durch allerlei Redensarten zu rechtfertigen versuchte, wagte er die kühne Behauptung, daß das österreichische Ultimatum an Serbien ein Abkommen verletzte, das Italien mit ÖsterreichUngarn verband. Serbien hatte Anfangs noch Gelegenheit, mit kühnen Blick seinem nördlichen Nachbar zu höhnen. Als aber September 1915 das Strafgericht anbrach, da mußte es erfahren, daß knapp 8 Wochen genügten, um der ganzen Herrlichkeit ein Ende zu bereiten. Wer hat den österreichischungarischen Siegeszug heute schon vergessen? Wohl niemand. Im Fluge ereilte Serbien das Geschick; am 9. Oktober wurde Belgrad besetzt, am 24. Valjevo und am 5. November fielen Kralljewo und Nisch den Bulgaren in die Hände, und als am 25. November das Gesamte im Besitz der Verbündeten war, hatte Serbien außer schrecklichen Verlusten an Toten, 100 000 Gefangene, 502 Geschütze und unübersehbares Kriegsmaterial eingebüßt. Der 25. November 1915 war die Quittung für die jahrelange Mißwictschaft in Serbien, für Alexander und Dragas leichtsinnige Regierung, für die Umtriebe, die Serbien jahrzehntelang vor den Augen Rußlands gegen Österreich=Ungarn hatte inszenieren dürfen. Von da ab existiert Serbien nur noch auf der Landkarte, denn die traurigen Überreste des serbischen Heeres sind indisciplinierte Banden unter fremder Herrschaft, kriegsmüde, ohne Aussicht auf irgend einen moralischen Erfolg, verblutend im Vasallendienst für Rußland und für England, das kalten Herzens zusah, wie eins seiner Schützlinge nach dem anderen von der Bildfläche verschwand. Die Blüte der Serbischen Jugend ist dahin, und mit ihr sind die Verteranen dreier Kriege ins Grab gesunken. Serbiens Fehler war der uferlose Traum von einem Groß=Serbien. Das wird niemals mehr kommen können. Bei allem gerechten Zorn, den man haben muß, wenn man die verfehlte Politik der letzten 20 Jahre in Serbien betrachtet, die das Land, zum Mitschuldigen an dem größten Verbrechen, das an der Menschheit verübt wurde, gemacht hat, wirkt der Hilferuf des serb. Volkes, der vor kurzem in einem russ. Blatt erschien, erschütternd, in dem es hieß: Schonen, schonen muß man die letzten serbischen Männer, damit das serbische Volk seiner Zukunft nicht ganz verloren geht England scheint dafür sorgen zu wollen, das auch dieser letzte Hilferuf achtlos verhallt. Mark verschwunden. In Hagen ist zwar der Briefbeute angekommen, jedoch ohne seinen wertvollen Inhalt. Über den Verbleib des Wertbriefes ist bisher noch nichts ermittelt worden. Hamm, 8. Juni. Die Stadtverordnetenversammlung beschloß, mit Rücksicht auf die Einführung der Kohlensteuer der Kohlenpreiserhöhung und der allgemeinen Verteuerung des Betriebes des Gas= und Wasserwerks vom 1. Juni ab den Gaspreis von 25 auf 27 Pfg. je Cbm. zu erhöhen. Wiesbaden, 8. Juni. Der Oberlehrer Prof. Dr. Mollenaar aus Königstein(Taunus) wurde wegen Aufreizung zum Ungehorsam gegen Befehle eines Vorgesetzten von der hiesigen Strafkammer zu 3 Tagen Gefängnis verurteilt. Ey hatte als überzeugter Impfgegner in 11 gedruckten Postkarten Frontsoldaten aufgefordert, sich der Zwangsimpfung zu widersetzen. Aus aller welt. Der bulgarische Ministerpräsident in Berlin. bb. Berlin, 8. Juni. Radoslawow, der Leiter der bulgarischen Politik, ist letzte Nacht mit dem Balkanzuge hier eingetroffen. Im Namen des Auswärtigen Amtes wurde Radoslawow von Geheimrat Rosenberg und Baron O. von Wachendorf begrüßt. Ein neuer Scharfrichter. bb. Ein Jahr hindurch war, nachdem der Scharfrichter Schwietz in Breslau sein Amt freiwillig niedergelegt hatte, das dortige Scharfrichteramt unbesetzt. Laut ministeriellen Bestallung ist jetzt der frühere Gehilfe des Schwietz, Paul Spaete, mit diesem Amt betraut worden. bb. Graudenz, 8. Juni. In Konitz beging der Rentmeister Schmidt des Kreises Schlochau nach Unterschlagung von 34 000 M an Amtsgeldern Selbstmord101 000 Mark Geldstrafe. bb. Nürnberg, 8. Juni. Die Strafkammer verurteilte den Direktor des hiesigen Lederer=Aktienbräu, Alber v. Mühldorfer, der über 1200 Zenter Malz verbotswidrig unter Preisüberschreitung an Regensburger Mälzereien verkauft hatte, zu 101 000 Mark Geldstrafe, an deren Stelle im Höchstfalle zwei Jahre Gefängnis treten sollen. Verhaftete Fälscher. bb. Genf, 8. Juni. Im Auftrage der Pariser Behörden wurde hier der Brasilianer Mendoca verhaftet, welcher in Paris für 12 Millionen Fr. falsche brasilianische Wertpapiere veräußert hatte. Friedensantrag im österreichischen Abgeordnetenhause. TU. Wien, 8. Juni. Die parlamentarische Priestervereinigung hielt vorgestern unter dem Vorsitze ihres Obmanns, Msgr. Stojann, eine Beratung ab, in der beschlossen wurde, folgenden, von dem Abgeordneten Stojann unterzeichneten Dringlichkeitsantrag in der nächsten Sitzung des Abgeordnetenhauses einzubringen: Als Herrscher der christlichen Religion der Liebe und des Friedes erachten wir es als unsere Pflicht, entsprechend den Interessen des heiligen Vaters Benedikt 15. und des Kaisers Karl nachstehenden Antrag einzubringen: Das hohe Haus wolle beschließen: Die kaiserlich-königliche Regierung wird dringend aufgefordert, alle Schritte für Abschließung eines ehrenvollen Friedens zu unternehmen. Eisenbahnunfall der niederländischen Königin. WTV. Haag, 8. Juni. Niederländische TelegraphenAgentur. Gestern ist der Eisenbahnzug von Hertogenbusch nach dem Haag, in dem sich die Königin befand, auf der Station Houten entgleist. Bei der Entgleisung hat sich kein Unglück ereignet. Die Königin ist mit einstündiger Verspätung im Haag eingetroffen. Der englisch-spanische Zwischenfall. bb. Nach einer Madrider Depesche ist die Beilegung des englisch-spanischen Zwischenfalles wegen Beschießung von Algeciras durch ein angebliches Versehen der britischen Artillerie bevorstehend. Man erwartet Personalveränderungen im Gibraltarkommando. Riesenbrände in Rußland. TU. Wie die Daily Mail aus Petersburg meldet, stehen in der Gegend von Minsk 3150 Hektar Wald und in den Speichern von Saratow 1 Mill. Hektoliter Getreide in Brand. 400 Personen an Alkoholvergiftung gestorben. bb. In Troitskij(Gouvernement Orenburg) sind 400 Personen an Alkoholvergiftung gestorben, darunter 6 Soldaten. Generalstreik in Norwegen. TU. Christiania, 8. Juni. Der von den Arbeiterverbänden organisierte Demonstrationstag wird bei vollständigster Arbeitseinstellung begangen. Sämtliche Gemeindeschulen sind geschlossen, ebenfalls die Geschäfte aller Branchen, auch die Lebensmittelverkaufsstellen, Restaurants und Kaffees. Die sämtlichen Straßenbahnen stehen still, ebenso das Gaswerk, so daß nicht einmal Privathaushaltungen Gas haben. Keine Zeitung erschien den Tag. Im ganzen Lande ist ein vollständiges Verkaufsverbot alkoholartiger Getränke erlassen. Im übrigen Lande, namentlich in den Städten, wird der Tag in gleicher Weise begangen. In Christiania demonstrierten 40 000 Personen mit Fahnen, die Aufschriften haben gegen die Teuerung. Eine Abordnung wurde von Präsidenten des Storthings empfangen. Kerenski gegen Finnland. TU. Stockholm, 8. Juni. Nachdem Kerenski bereits erklärt haben soll, daß sich die Helsingforser Kanonen unter Umständen auch auf Helsingfors richten könnten, erklingt diese nicht mißzuverstehende Darlegung noch viel deutlicher in einer Unterredung mit dem finnländischen Generalgouverneur Stachewitsch, die Wetschernowje Wremja soeben veröffentlicht. Die russische Regierung, so führte der Generalgouverneur aus, weist auf das bestimmteste jedwede Selbständigkeit und internationale Garantie für Finnland zurück. Sollte sich Finnland für selbständig erklären, so würde Rußland noch in der folgenden Nacht den Krieg erklären und das Land besetzen. Im übrigen bemerkte der Generalgouverneur, daß nur die schwedischen Parteien in Finnland Selbständigkeit fordern, während die finnländischen Sozialdemokraten und die überwiegende Mehrheit des Landes keine politische Selbständigkeit verlangen. Angebliches Komplott in Athen. TU. In Athen wurden 3 Oberste, 5 Majore und 2 Hauptleute wegen eines angeblichen Komplotts zur Ermordung englischer Offiziere verhaftet. Die englische Gesandtschaft in Athen bezeichnet den Zwischenfall als so ernst, daß die Folgen unabsehbar seien.(Es handelt sich hier wahrscheinlich um Entente=Umtriebe. D. Red.) Unabhängigkeitserklärung von Tientsin. WTB. Nach dem Nieuwe Rotterdamsche Courant hat sich die chinesische Provinz Tientsin unabhängig erklärAus westdeutschland. Köln, 8. Juni. In der Stadtverordnetensitzung ging der Leiter des städt. Lebensmittelamtes, Beig. Dr. Matzerath, gegen die Reichskartoffelstelle vor, die wiederholt erklärt habe, daß vom 15. April d. J. die städtische Bevölkerung mindesten 5 Pfund Kartoffeln in der Woche erhalten solle. Kaum einer Stadt des Westens sei diese Kartoffelmenge zur Verfügung gestellt worden, und Köln sei jetzt in der traurigen Lage mit vielen anderen rheinischen Großstädten, nur noch ein Pfund in der Woche der Bevölkerung geben zu können. Alle dringlichen Vorstellungen der Stadtverwaltung hatten nichts gefruchtet in Berlin, wo man schließlich der Stadt Köln Kreise im Östen als Lieferungskreise für Kartoffeln angewiesen habe, die sich bei näherer Prüfung selbst als Bedarfskreise herausgestellt hätten. Düsseldorf, 8. Juni. In den städtischen Kriegsküchen werden gegenwärtig 35 000 Mittagessen abgegeben, davon 11 000 an Betriebe, die sie wieder an ihre Arbeiter verteilen. In den Schulküchen werden täglich etwa 15 000 Portionen abgegeben. Verschiedene industrielle Betriebe geben außerdem an ihre Arbeiter täglich noch 20 000 Mittagessen ab. Elberfeld, 8. Juni. Wegen versuchten Betruges zum Nachteil der Heeresverwaltung bei der Herstellung und Ablieferung von Geschossen verurteilte die Strafkammer die Fabrikanten Wilhelm Stolle aus Euskirchen und Friedrich Marcus aus Ronsdorf zu 4 bezw. 2 Monaten Gefängnis und je 2000 M Geldstrafe, den Betriebsassistenten Hermann Hecker aus Sömmerdar zu 9 Monaten Gefängnis. Osterfeld, 8. Juni. Ein großer Fleischschmuggel wurde hier zufällig entdeckt. Der Wagen eines auswärtigen Händlers erlitt einen Radbruch. Ein hinzukommender Gendarmeriewachtmeister fand in dem Wagen 31 geschlachtete Schweine, die unter der Hand verkauft werden sollten. Das Fleisch wurde bschlagnahmt und der Händler zur Anzeige gebracht. Dortmund, 8. Juni. Am 6. und 7. Juni haben hier Vortragskurse über Kriegswucherbekämpfung für höhere Polizeibeamte aus der Provinz Westfalen stattgefunden. Die Vorträge wurden gehalten von Regierungsassessor Dr. Conrad seitens des Kriegswucheramtes in Berlin und von Staatsanwaltschaftsrat Lüdorff aus Docimund seitens der Preisprüfungsstelle für die Provinz Westfalen. Dortmund, 8. Juni. Bei einem Feuer, das in dem Hause Leopoldstraße 2 ausbrach, erlitt eine 81 jährige Frau unabsehbar seien.(Es handelt sich hier wahrscheinlich wieder Viktoria Mostek tödliche Verbrennungen. Hagen, 8. Juni. Vor einigen Tagen ist ein von Barmen=Wichlinghausen an der Barmer Hauptpost angekommener, nach Haspe i. W. bestimmter Wertbrief über 13 000 Eisenbahn=Fahrplan. Die Züge mit* verkehren mit D sind D=Züge,—— Sonntagsfahrkarten der 1.. Neujahrstag, Östermontag, nur an Sonn= und Festtagen, die mit † nur an Werktagen, mit§ sind( trennt Personenzug von Eilzug, die mit Z sind zuschlagspflichtige D=Züge, sind Triebwagen. Gültig ab 1. Juni 1917. „ und 3. Wagenklasse werden während des ganzen Jahres an Sonntagen 1 Himmelfahrtstaa, Pfingstmontag, Fronleichnam, Peter und Paul und 2. Weihnachtstag ausgegeben. Hattingen ab Bredenscheid„ Sprockhövel„ Bossel Schee„ Bracken„ Barm.=W.„ Barm.=H.„ Richtung Hattingen—Barmen=Heubruch. 6,19 6,24 6,19 6,30 6,42 6.52 7,01 7.07 7,16 7,21 7,08 * 7,26 7,41 7,51 7,56 7,57 8,02 11,12 11,25 11,36 11,45 11.53 12,00 12,10 12,15 T 12,50 12,59 1,08 1,15 1,28 1,32 2,47 nach B.=R. 3,20 3,25 5,40 5,52 6,01 6,11 6,17 6,31 6,36 727 7,38 7,48 7,55 8,02 8,12 8,17 § 8,21 8,38 9,09 9,20 9,31 9,40 9.48 9.54 8,58 8,58 10.03 weiter 9,03 10,08 nach Elberf.=Döp. Werktagszug ab Sprockhövel morg. 7,10, Bossel 7,18, Schee 7,26, Bracken 7,32 bis Barmen=Heubruch. 300 3,09 3,18 3,26 3,31 3,40 3,49 3,54 5,28 17,16 Richtung Barmen=Heubruch—Hattingen. Barm.=H. ab Barm.=W.„ Bracken„ Schee„ Sprockhövel„ Bredenscheid„ Hattingen an Schee Haßlinghausen Hiddinghausen Silschede Silschede Hiddinghansen Haßlinghausen Schee 6,37 6,48 6,57 7,02 7,07 an 7,30 7,44 7,55 8,00 8,06 8,12 8,18 8,2 10,45 10,51 11,0 11,08 11.13 11,19 11,26 11,32 11,55 12,08 12,16 12,22 12,27 T an 2.57 4,27 4,40 4,53 bis Hattingen 7,44 7,50 7,59 8,07 8,12 8,20 8,32 8,39 ab ab an 6,22 6,33 6,42 6,50 Richtung Schee—Silschede. 8,06"8,26 9,56 1,30 3,42 6,15 8,16 8,36 10,05 1,40 3,52 6,28 8,22 8,42 10,20 1,46 3,58 6,36 8,31 8,51 10,29 1,55 4,07 6,45 Richtung Silschede—Schee. 7,28 18,52 11,10 3,05 4,53 7,21 7,34 9,13 11,20 3,13 5,05 7,31 7,38 9,34 11,31 3,18 5,10 7,41 7,45 9,46 11,40 3,26 5,20 7,51 Essen ab Steele„ Hattingen„ Blankenstein„ Bommern„ Hagen an Sonntagszug ab Werktagszug ab Sonntagszug ab Werktagszug ab Richtung Essen—Steele—Hattingen-Hagen. 5,44 8.02 10,40 6,00 8,21 10,54 11,31 6,17 8,39 11,12 11,49 6,30 8,55 nach Barm.W. 12,02 6,44 9,09 Elberfeld 12,16 7,19 9,40 M.=Vohwinkel 12,46 12,35§1,51 2,12 4,40 12,49 2,60 2,26 5,08 1,05 2,15 2,42 5,24 an nach 2,54 an Elberfeld= 3,08 Obg. 3,38 6,25 6,40 6.55 §8,00 8,10 8,24 nach Elberfeld= 8,32 8,48 9,07 9,21 9,35 8,10 8,20 8,26 8,35 9,07 9,17 9,23 9,33 9.56 10,07 10,22 7,26 Döppersberg 10,05 Essen morg. 5,25, Steele N. 5,39, Dahlhausen 5,48, Hattingen an 5,55. Essen morg. 6,40, Steele N. 6,50, Dahlhausen 6,58, Hattingen an 7,05. Essen nachm. 3,32, Steele N. 3,41, Dahlhausen 3,49. Hattingen an 3,56. Essen abends 6,49, Steele N. 6,59, Dahlhausen 7,07, Hattingen an 7,14. Richtung Hagen—Hattingen—Steele—Essen. Hagen ab Bommern„ Blankenstein„ Hattingen Steele„ Essen an 5,55 6.26 6,41 7.04 7.26 7,38 von Elberfeld-Döppersberg §8,07 8,19 8,28 von Vohwinkel Barm.=W. 8,27 8,.50 9.02 8,09 8,42 8,57 9,12 9,30 9,42 10,10 10,40 10,54 11.08 11 25 11,36 1,48 2,05 2,16 von ElberfeldObg. §2,58 3,12 3,20 5,16 5,49 6,03 6,18 6,55 7,07 Sonntag, den 10. Juni 1917. Anfang 3 Uhr. Keine Jugendvorstellung. Sonntagszug ab Hattingen morg. 4,00, Dahlhausen 4,08, Steele N. 4,18, Essen an 4,27. Werktagszug ab Hattingen morg. 4,45, Dahlhausen 4,53, Steele N. 5 02, Essen an 5,14. Werktagszug ab Hattingen abends 5,03, Dahlhausen 5,11, Steele N. 5,21, Essen an 5,30. Vikforia-Lichrspiele Sprockhövel, Restaurant Gustav Mühlhaus. für 6 Eier empfiehlt Bürger- u. Besangverein Sprockhövel. Rud. Steinbeck, Sprockhövel. abedat den 10. Jun, Erhalte morgen früh Schweine Nathan Röttgen. bittet Versammlung. Schnittholz u. Schanzen Umn zochlreiches Erscheinen kanst Edm. Stock, Solingen der Vorstand. in grosser Auswahl Gut erhaltenes Sofa billig zu verkaufen. Zu erfragen in der Exped. dieser Zeitung. Ein einsam Grab 5.Akter. Das Leben einer Frau in Schuld und Sühne über den Tod hinaus. Mia May, die schöne und temperamentvolle Künstlerin lebt mit leidenschaftlicher Kunst ganz in ihrer schwierigen Rolle. Die Fahrt der Vergeltung Drama in 4 Akten. Herrliche Ausstattung, meisterhafte Regie, spannend bis zum Schluß. Der Todeszug Sensationelles Drama aus dem wilden Westen. Ferner das bekannt gute Beiprogramm. Es ladet freundlichst ein Gebrauchter Junker u. RuhKomplette Zelte, auch gebrauchtes Segeltuch, Markisendrel oder ähnliches gebrauchtes Tuch kauft Heinrich Rensing, Dorsten i. W. 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Erhalte morgen früh große Waskönig. Sportklub„Viktoria" Sprockhövel. Die Spieler der 1. Mannschaft haben sich am Sonntag, den 10. Juni, vormittags 9½ Uhr, im Vereinslokal pünktlich einzufinden. Ziegenzucht-Verein N.-Sprockhövel. General=Versammlung am Sonntag, den 10. Juni 1917, nachmittags 4 Uhr, im Vereinslokal, am Bahnhof. Tages=Ordnung: Punkt 1 Zahlung der Beiträge u. Aufnahme neuer Mitglieder Punkt 2 Versicherung der Ziegen Punkt 3 Verschiedenes. Der Vorstand tritt ¼ Stunde früher zusammen. Um pünktliches Erscheinen bittet der Vorstand. Hjerzu: 2. Blatt. Haßlinghaufer Zeitung= Amtlicher Anzeiger für das Amt Sprockhövel= Blankenstein=Herbeder Zeitung 2. Blatt. Vaterländischer Hilfsdienst. Zweite Aufforderung zur Meldung der Hilfsdienstpflichtigen. 1. Alle in der Zeit nach dem 30. Juni 1857 und dem 1. Januar 1870 geborenen, nicht mehr landsturmpflichtigen männlichen Deutschen, welche im Amte Sprockhövel wohnen, haben sich, soweit sie nicht unter die in Ziffer 3 vorgesehenen Ausnahmebestimmungen fallen und soweit sie sich noch nicht gemeldet haben, in folgender Ordnung zu melden: Montag, den 11. Juni, vormittags von 9—12 Uhr, Jahrgänge 1857, 1858, 1859, 1860, 1861, 1862, 1863. Dienstag, den 12. Juni, vormittags von 9-12 Uhr, Jehrgänge 1864, 1865, 1866, 1867, 1868, 1869. 2. Die Meldung kann mündlich oder schriftlich erfolgen. Bei mündlicher Meldung wird deren Inhalt von der Meldestelle in die vorgeschriebene Meldekarte aufgenommen. Die schriftliche Meldung erfolgt durch Ausfüllung der Meldekarte und Zustellung derselben an die Meldestelle. Die Meldekarten mit Umschlägen sind auf dem Amte erhältlich. Die Zustellung der ausgefüllten Karten an die Meldestelle kann durch Vermittelung des Arbeitgebers, aber auch durch den einzelnen Hilfsrienstpflichtigen erfolgen, indem er die ausgefüllte Meldekarte bei der Meldestelle abgibt oder der Post zur Beförderung an die Ortsbehörde übergibt. Im letzten Falle werden die Meldekarten der Hilfsdienstpflichtigen portofrei befördert, sofern der Briefumschlag den Vermerk „Heeressache, Hilsfdienstpflichtigen=Meldung" trägt und offen zur Abgabe am Schalter gelangt. Alle Meldenden erhalten die Bestätigung ihrer Meldung. gleichgiltig, ob sie schriftlich oder mündlich erfolgt ist, durch Aushändigung des zu stempelnden Abreißstreifens der Meldekarte. Hilfsdienstpflichtige, welche sich am Meldetage auswärts aufhalten, haben sich, sofern sie im Amte Sprockhövel wohnen, dennoch bis zum Meldetage hier zu melden und zwar schriftlich. 3. Nicht meldepflichtig sind die Personen, die mindestens seit dem 1. Marz 1917 selbständig oder unselbständig im Hauptberuf tätig sind: a) im Reichs=, Staats=, Gemeinde= oder Kirchendienst, b) in der öffentlichen Arbeiter- oder Angestellten=Versicherung, c) als Aerzte, Zahnärzte, Tierärzte oder Apotheker, d) in der Land= oder Forstwirtschaft, e) in der See= oder Binnenfischerci, f) in der See= oder Binnenschiffahrt, g) im Eisenbahnbetrieb einschl. des Betriebs der Kleinund Straßenbahnen, h) auf Werften, i) in Berg= und Hüttenbetrieben, k) in Sprengstoff=, Pulver=, Munitions= und Waffenfabrikation, 1) außerdem in folgenden kriegswichtigen Betrieben: Wasser= und Elektrizitätswerk des Kreises Schwelm. Ergänzend wird bemerkt, daß auch die in den hiesigen Fabriken mit der Herstellung von Kriegsarbeiten beschäftigten Arbeiter von der Meldepflicht nicht befreit sind. 4. Gibt nach dem 15. März 1917 ein bisher nach Ziffer 3 von der Meldepflicht Befreiter die dort bezeichnete Tätigkeit auf oder wechselt er seine Beschäftigungsstelle, so hat er sich spätestens am dritten darauffolgenden Werktage auf dem Amte in Sprockhövel persönlich zu melden und die für die Ausfüllung der Meldekarte erforderlichen Angoben zu machen. Bei einem Wechsel des Wohnortes hat die Meldung bei der Meldestelle des neuen Wohnortes zu erfolgen. Sie kann auch schriftlich unter ordnungsmäßiger Ausfüllung der vorgeschriebenen Karte innerhalb von 3 Tagen erfolgen. Außerdem hat der Arbeitgeber, wenn ein bisher nach Ziffer 3 von der Meldepflicht Befreiter die dort bezeichnete Tätigkeit bei ihm aufgibt, dieses bis zum dritten darauffolgenden Werktage dem Vorsitzenden des Einberufungsausschusses, Herrn Hauptmann d. L. a. D. Voormann in Hagen i. W. mitzuteilen. Gibt ein bereits gemeldeter Hilfsdienstpflichtiger seine bisherige Tätigkeit auf oder wechselt er seine Beschäftigungsstelle oder seine Wohnung, so hat er dieses spätestens am 3. darauffolgenden Werktage dem Einberufungsausschuß z. H. des Herrn Hauptmann d. L. a. D. Voormann in Hagen i. W. mitzuteilen. Dabei ist die neue Tätigkeit, Beschäftigungsstelle oder Wohnung anzugeben. 5. Mit Gefängnis bis zu 3 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu sechshundert Mark wird bestraft, wer bei der Meldung wissentlich unwahre Angaben macht. Mit Geldstrafe bis zu einhundertfünfzig Mark oder mit Haft wird bestraft, wer die vorgeschriebenen Meldungen oder Mitteilungen schuldhaft unterläßt. Sprockhövel, den 6. Juni 1917. Der Amtmann: Theis. Bekanntmachung. Auf Grund der Bundesratsverordnung vom 24. März 1917 Reichsgesetzbl. S. 218 haben sämtliche Personen, die Zentrifugen oder Buttermaschinen im Besitz haben, bis zum 15. Juni den Ortsbehörden(Bürgermeister, Amtmann) folgende Angaben zu machen: 1. Die Anzahl der in ihrem Besitz befindlichen Buttermaschinen und Zentrifugen, 2. die ungefähre Leistungsfähigkeit der einzelnen Maschinen. Schwelm, den 1. Juni 1917. Der Kreisausschuß: Harz, Landrat, Geheimer Regierungsrat. Butterablieferung. Nach§ 15 der Anordnung des Herrn Regierungspräsidenten in Arnsberg über Speisefette vom 16. 1. 1917 (Sonderbeilage zum 5. Stücke des Regierungs=Amtsblattes für 1917) haben Milcherzeuger, die nicht an Molkereien oder sonstige Sammelstelle zu liefern verpflichtet sind, die nach Deckung des eigenen Bedarfs verbleibende Vollmilch, soweit sie nicht als Frischmilch an die ihnen amtlicherseits zugeteilten Kunden zu liefern ist, in Gestalt von Butter an den Kommunalverband abzuliefern Zu diesem Zwecke sind besondere Ortssammelstellen, an die die Butter abzuliefern ist, eingerichtet worden und zwar: a) für die Gemeinde Niedersprockhövel bei dem Händler Heinrich Battefeld in Niedersprockhövel, b) für die Gemeinde Obersprockyövel bei dem Landwirt Ludwig Thielmann auf Bossel, c) für die Gemeinde Hiddinghausen II bei dem Landwirt Karl Dunker gnt. Röllinghoff in Hiddinghausen II. Indem noch bemerkt wird, daß diejenigen Kuhhalter, denen erlaubt ist, selbst zu buttern, täglich ¾ Liter Kinder im 1. und 2. Lebensjahre und im übrigen stark ½ Liter Milch(wöchentlich 4 Liter) für jeden sonstigen Haushältungsangehörigen zurückbehalten dürfen, werden die Milcherzeuger, denen Kunden von hier aus zugewiesen sind und die nicht an Molkereien oder sonstige Sammelstelle liefern müssen, ersucht, den Mehrertrag an Milch— d. i. derjenige Ertrag, der den eigenen Bedarf und den Bedarf der Kunden übersteigt— in Gestalt von Butter(1 Pfund Butter für jede 14 Liter Milch) an die betreffende Sammelstelle abzuliefern und zwar am Freitag einer jeden Woche. Der Uebernahmepreis ist auf 2,40 Mk. für das Pfund Butter festgesetzt worden. Bei der auszuübenden scharfen Kontrolle wird dringend ersucht, der obigen Vorschrift gerecht zu werden. Zuwiderhandlungen gegen die Anordnung des Herrn Regierungspräsidenten werden mit Gefängnis bis zu einem Jahre und mit Geldstrafe bis zu 10000 Mk. oder mit einer dieser Strafen bestraft. Außerdem werden Kühe, die dauernd in der Milcherzeugung hinter dem Durchschnittsertrag zurückbleiben, der Ankaufskommission als Schlachtvieh bezeichnet. Sprockhövel, den 26. Mai 1917. Der Amtmann: Theis. Anordnung. Auf Grund der Bekanntmachung über Speisefette vom 20. Juli 1916— R.=G=.Bl. S. 755— der Bekanntmachung über die Bewirtschaftung von Milch und den Verkehr mit Milch vom 3. Oktober 1916— R.=G.=Bl. S. 1100— und der zu diesen Bekanntmachungen ergangenen Ausführungsanweisungen, sowie auf Grund des§ 15 der Bekannt machung über die Errichtung von Preisprüfungsstellen und die Versorgungsregelung vom 25. September bezw. 4. November 1915(R.=G.-Bl. S. 607 728) und der Bekanntmuchung vom 6. Juli 1916(R.=G.=Bl. S. 673) ordne ich Folgendes an: § 1. Der§ 10 der von mir unter dem 16. Januar 1917 erlassenen Speisefettanordnung erhält hinter Absatz 2 folgenden Zusatz: Milchselbstversorger sind die Kuhhalter nebst ihren Haushalt= und Wirtschaftsangehörigen. Kuhhalter im Sinne dieser Verordnung ist diejenige, der die Kuh in eigener Wirtschaft hält. § 2. Diese Anordnung tritt mit der Veröffentlichung im Amtsblatt in Kraft. Arnsberg, den 30. Mai 1917. Der Regierungspräsident: gez. von Bake. Bekanntmachung der Reichsfuttermittelstelle zur Verordnung über Futtermittel vom 5. Oktober 1916(R.-G.-Bl. S. 1108). Besitzer verhältnismäßig geringer Futtermittelmengen unterlassen es immer noch, diese Mengen nach§ 3 der Verordnung vom 5. Oktober 1916(R.=G.=Bl. S. 1108) der Bezugsvereinigung der deutschen Landwirte in Berlin anzuzeigen. Die Geringfügigkeit des Bestandes an Futtermitteln entbindet nach§ 3 Abs. 2 in Verbindung mit§ 2 Abs. 2 Ziffer 1 der Verordnung den Besitzer nur dann von der Anzeigepflicht, wenn es sich um Mengen handelt, die vom Inkrafttreten der Verordnung ab in der Hand desselben Eigentümers einen Doppelzentner von jeder Art nicht übersteigen. Größere Futtermittelmengen sind nur dann nicht anzeigepflichtig, wenn die Voraussetzungen des§ 3 Abs. 2 § 2 Ziffer 2 und 3 der Bundesratsverordnung vorliegen. Berlin NW. 7, den 10. Mai 1917. Reichsfuttermittelstelle: gez. Wehnert. 2 Bringt Eure goldenen Ketten und Ringe der Goldankaufstelle! Der volle Goldwert wird erstattet. Die hiesige Goldankaufsstelle befindet sich im Amtshause, Zimmer Nr. 7, und wird der nächste Goldankaufstag noch bekannt gegeben. Bekanntmachung. In Ergänzung der Bekanntmachung des Kreisausschusses vom 31. Mai 1917 können ferner gegen Brot eingelöst werden von Einwohnern der Stadt Gevelsberg und Amt Haßlinghausen Abriß 4 und 5 d der Kreiskartoffelkarte von Einwohnern des Amtes Langerfeld, Abriß 5 d der Kreiskartoffelkarte. Als Ersatz für fehlende Kartoffelzulagen der Schwerarbeiter werden in Schwelm, Gevelsberg, Langerfeld, Milspe und Haßlinghausen 250 gr. Graupen in Verbindung mit 125 gr.getrockneten Steckrüben verausgabt. Schwelm, den 7. Juni 1917. Kreislebensmittelamt: Harz, Landrat, Geh. Regierungsrat. Mitteilung der Obersten Heeresleitung. WTB. Großes Hauptquartier, 7. Juni Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Zwischen Ypern und Armentieres tobt seit gestern der Artilleriekampf in unvermindeter Kraft; heute früh ist nach umfangreichen Sprengungen und stärkstem Trommelfeuer mit Infanterie=Angriffen der Engländer die Schlacht in Flandern voll entbrannt. In außergewöhnlicher Heftigkeit hielt auch vom La Bassè-Kanal bis auf das Südufer der Scarpe die Feuertätigkeit an. Bei Hulluch, Loos, Lievin und Roeux sind heute vor Tagesanbruch starke englische Teilangriffe gescheitert. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Bald nachdem niederrheinische Füsiliere an der Straße BinonJoncy in erbittertem Handgemenge eine Anzahl Gefangene aus den französischen Gräben geholt und die Aufmerksamkeit des Gegners dorthin gelenkt hatten, setzten sich frühmorgens südlich Pargny-Filain Teile von meiningschen, hannoverschen, schleswig-holsteinischen und brandenburgischen Regimentern in den Besitz der seindlichen Stellungen am Chemin des Dames in fast zwei Kilometer Ausdehnung. Durch Artillerie, Minenwerfer und Flieger wirksam unterstützt, begleitet von Pionieren und Trupps des in den Kämpfen der letzten Wochen besonders bewährten Sturmbataillons 7 nahmen die Kompagnien trotz hartnäckigen Widerstandes des Gegners das befohlene Angriffsziel. Gegen die gewonnene Linie richteten sich nach heftigen Feuerwellen starke feindliche Gegenangriffe bis in die Nacht hinein; sie sind sämtlich abgewiesen worden. 14 Offiziere, 543 Mann wurden als Gefangene, eine Revolverkanone, 15 Maschinengewehre und mehrere Granatenwerfer als Beute eingebracht. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Nichts Besonderes. Gestern wurden 8 englische Flugzeuge im Luftkampf abgeschossen, davon 1 durch Leutnant Voß, der damit seinen 34. Luftsieg errang. Auf dem Oestlichen Kriegsschauplatz. und an der Macedonischen Front keine größeren Kampfhandlungen. WTB. Großes Hauptquartier, 8. Juni. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. An der Küste und an der Yserfront blieb die Kampftätigkeit noch gering. Die nach tagelangem, starken Zerstörungsfeuer zwischen Ypern und dem Ploegsteert=Walde, nördlich Armentieres, einsetzenden Angriffe der Engländer sind südlich Ypern abgewiesen worden; auch auf dem Südflügel des Schlachtfeldes kämpften wir erfolgreich. Dagegen gelang es dem Gegner, bei St. Elois, Wytschaete und Mefsines unter der Wirkung zahlreicher Sprengungen in unsere Stellung einzubrechen und nach hartnäckigen, wechselvollen Kämpfen über Wytschaete und Messines vorzudringen. Ein kraftvoller Gegenangriff von Garde= und bayerischen Truppen warf den Feind auf Messines zurück. Weiter südlich wurde ihm durch frische Reserven Halt geboten. Später wurden unsere tapfer kämpfenden Regimenter aus dem westwärts vorspringenden Bogen auf eine vorbereitete Sehnenstellung zwischen dem Kanalknie nördlich Hollebecke und dem Douve=Grund, zwei Kilometer westlich Warneton, zurückgenommen. An der Arras=Front ist in mehreren Abschnitten der Feuerkampf gesteigert gewesen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Am westlichen Teil des Chemin-des=Dames=Rückens hat seit mehreren Tagen die Artillerietätigkeit zugenommen; anch am AisneMarne=Kanal ist sie aufgelebt. Heeresgruppe Herzog Albrecht. In den Vogesen und im Sundgau sind mehrfach nach heftigen Feuerwellen vorstoßende Erkundungsabteilungen der Franzosen zurückgewiesen worden. In vielen Luftkämpfen, vornehmlich an der flandrischen Front, sind 12, durch Abwehr von der Erde 3 feindliche Flugzeuge abgeschossen worden. Auf dem Oestlichen Kriegsschauplatz und an der Macedonischen Front hat sich die Gesamtlage bei unseren und den verbündeten Truppen nicht geändert. violette und devonport. Noch immer klingen in England und Frankreich die offiziösen Auslassungen über die Wirkung unserer U=Vootsperre zuversichtlich. Noch immer wird mit beruhigender Gebärde auf den Ausgleich verwiesen, der sich durch die Verbrauchseinschränkungen und den Schiffsneubau ergeben soll. Auch die phantasiereichen Hoffnungen, die man auf die amerikanischen Neubauten setzte, sind allgemein bekannt. Wer sich rechnerisch mit diesen Fragen auseinandersetzt, erkennt sehr bald, daß alle diese Bemühungen, dem drosselnden Strick zu entgehen, zwar die Gefahr hinauszögern, aber nicht mehr aufheben können. Denn die Differenz zwischen den Ersparnis= und Neubauquoten einerseits und der Vernichtungsquote andererseits ist zu bedeutend, um nicht sehr schnell in wirksame Erscheinung zu treten. Durch neutrale Zeitungen hören wir denn auch täglich Nachrichten, die ein anderes Bild malen, als die ministerlichen Beruhigungspillen es uns geben. Die„Neue Züricher Zeitung“ z. B. brachte kürzlich einen Bericht ihres Vertreters in London über die Einschränkung der Lebenshaltung in England, der zeigt, daß das Amt des inzwischen zurückgetretenen Lords Devonports kein leichtes ist. Der Aufsatz erzählt außerdem den weltgeschichtlichen Treppenwitz, daß England sich jetzt allgemach zu Maßregeln bequemt, die eine verzweifelte Ähnlichkeit mit den von Deutschland bald nach Beginn des Krieges eingeführten haben, Maßnahmen, über die sich der„freie“ Brite damals mit borniertem Hochmut lustig gemacht hat. Wir lesen da, daß fleischlose Tage eingeführt wurden, daß der Verkauf von Kuchen teilweise verboten wurde, wir lesen von der Rationierung des Benzins, der alkoholischen Getränke, der Haferverfütterung, des Papierverbrauchs. Wir lesen aber außerdem— und dies zeigt uns, daß England bereits seit einigen Wochen in wichtigen Nahrungsmitteln ärmer ist als wir,— daß Kartoffeln nur an einem einzigen Tage in der Woche aufgetragen werden dürfen, daß Bier aus Gerste überhaupt nicht mehr hergestellt werden darf, daß der Benzinverbrauch für Taxameter auf ein Drittel des Normalen eingeschränkt werden muß,, daß die Pferderennen verboten wurden, und daß der Staat die Kontrolle über sämtliche Mühlen übernommen hat. Das Exempel liegt sehr einfach. In dem Hungerwettrennen zwischen England und Deutschland ist der Vorsprung, den England ursprünglich hatte, bereits nach einem Vierteljahr U=Vootkrieg ausgeglichen und jede weitere Woche bringt Deutschland voraus. Es ist nur eine Frage der Zeit, daß England gezwungen sein wird, das Rennen aufzugeben. Übrigens: an einer Tatsache dürften wir uns ein Beispiel nehmen: die wohlhabenden Kreise Englands haben sich aus Erkenntnis der Sachlage heraus im Gegensatz zu den unteren Schichten einer tapferen freiwilligen Nationierung unterzogen. Wenn man dagegenhält, daß unsere wohlhabenden Schichten sich durchaus nicht immer die Einschränkungen auferlegen, die die weniger Bemittelten zu tragen gezwungen sind, so sollte ihnen das englischen Beispiel in dieser Hinsicht ins Gewissen reden. Aber nicht nur England wird in diesem Maße vom UBootkrieg getroffen werden sondern, indirekt, doch nicht weniger wirkungsvoll, auch die Bundesgenossen. In Frankreich sieht es sehr schlimm aus Senator Humbert, der aufrichtige Warner, hat bereits Anfang Mai gesagt, die Wirtschaftskrise in Frankreich fange erst an und werde sich schnell ernster gestalten; man stehe am Vorabend harter Zeiten. Die Regierung müsse mit ihren Verheimlichungen aufhören.... Dieser Warnungsruf hat inzwischen bereits durch die Aufsehen erregende Rede des französischen Ernährungsministers Violette in der Kammer eine Bestätigung erhalten, die geeignet war, auch das zuversichliche Gemüt zu erschrecken. Der Minister stellte beispielweise fest, daß von der für die Einfuhr der notwendigsten Kohlen benötigten 1 525 000 Tonnen Schiffsraum 815 000 Tonnen fehlen. Auch von anderer Seite wurde in der Kammer das offene Eingeständnis gemacht, daß die Verbündeten nicht mehr über die Mindesttonnage verfügen, die sie für ihre Kriegsindustrie und für die Versorgung der Bevölkerung nötig haben. Gefrierfleisch kommt nicht mehr ins Land herein, es wird von England für die englische Heeresversorgung vorher beschlagnahmt.„Wenn der Krieg noch ein Jahr dauern sollte, muß das ganze Land auf jede Fleischversorgung verzichten.“ Nach den von dem Präfekten gegebenen Zahlen reicht Frankreich mit seinen Vorräten nur bis Ende Juli. Die neue Ernte, die dann sofort angebrochen werden muß, bietet aber nach dem„Temps“ miserable Aussichten. Nach Violett habe die eigentliche Teuerung zwar erst im dritten Jahre eingesetzt, aber unter der Einwirkung der deutschen Seesperre sei sie jetzt in den wenigen Wochen zu einer Not herangewachsen. Frankreich könne das laufende Jahr nur überstehen,„wenn es Glück habe.“ Eine kleine Besinnung ist nötig: Was wollten wir denn erreichen, als wir im Februar den verschärften U=Bootkrieg begannen? Der Frhr. von Zedlitz gibt uns da in der Nummer vom 27. Mai des„Königsberger Anzeigers“ eine klare und überlegte Antwort, die sich auch mit den wiederholten Außerungen des Kanzlers und der Marineleitung deckt. Er schreibt: „Daß England gerade auf die Knie gezwungen wird, ist nicht unbedingt nötig, es muß nur nicht mehr daran zweiseln können, daß der Krieg verloren ist.“ Die Mittel, England solche Erkenntnis beizubringen, liefern uns unsere Tapferen an der Westfront und unsere U=Boote. Noch einen zweiten beherzigenswerten Satz spricht der Freiherr von Zedlitz aus:„Der Krieg selbst wird den Frieden bringen.“ Diese einfache und kraftvolle Wahrheit sollte im Interesse eines baldigen Friedens Allgemeingut werden. Kein Friedensgerede, keine noch so heißen Wünsche, kein freundliches Entgegenkommen können England die Überzeugung beibringen, daß es von einer Fortsetzung des Krieges nichts mehr zu erheffen hat. Das kann einzig und allein die geschlossene Kraft unserer Waffen. 10000 Italiener in 3 Tagen gefangen genommen. WTB. Wien, 7. Juni. Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Die Fortsetzung unserer Angriffe auf dem Südflügel der Karsthochfläche am 4. 6. führte zu einem durchschlagenden Erfolge unserer Truppen. Bis gestern büßten die Italiener in diesem Kampfe nicht weniger als 250 Offiziere, darunter 4 Stabsoffiziere, und 10 000 Mann an Gefangenen ein. Im Laufe des gestrigen Tages und auch in der Nacht setzten sie ihre ganze Kraft daran, uns in ebenso verzweifelten als ergebnislosen Angriffen die am 3. und 4. Juni von uns zurückeroberten Stellungen wieder zu entreißen. Unter kräftiger Mitwirkung seiner Artillerie warf der Feind seine Reserven in den Kampfraum und trieb sie in dichten Sturmwellen vor, die aber im Feuer unserer Artillerie und Infanterie niedergemäht oder in erbittertem Handgemenge zurückgeworfen wurden. UnsereTruppen behaupteten nicht nur siegreich den an den beiden letztenTagen gemachtenGeländegewinn, sondern dehnten ihn auch noch durchEroberung einer 7 Fliegerleutnant Schäfer gefallen. Krefeld, 7. Juni. Bei den hier wohnenden Eltern lief die Drahtnachricht ein, daß der Fliegerleutnant Schäfer, der gestern noch im Tagesbericht erwähnt wurde, im Kampfe mit einem englischen Geschwader als Führer an der Spitze einer Jagdstaffel den Heldentod für sein Vaterland gestorben ist.. Schäfer war 25 Jahre als und wurde vor kurzem mit dem Orden Pour le Merite ausgezeichnet. Er hatte gestern seinen 30. Gegner zum Absturz gebracht. Die Beisetzung des Lufthelden erfolgt in seiner Vaterstadt Krefeld. Höhe im Raume von Jamiano in bedeutendem Maße aus. Der Kampf war von unerhörter Heftigkeit. Die Italiener wollten um jeden Preis die immer deutlicher hervortretende Niederlage abwenden und opferten schonungslos Regiment auf Regiment, um die Mauer unserer Front zu durchbrechen. Bei diesem Beginnen haben sie sich verblutet. Tausende von Leichen italienischer Soldaten bedeckten das Schlachtfeld. Einige italienische Brigaden haben aufgehört, zu bestehen. Den planlosen Anstürmen des Feindes warfen sich unsere Truppen mit solcher Wucht und Durchschlagskraft entgegen, daß, wie bereits im amtlichen Heeresbericht gemeldet, sie ganze Regimenter, die eben erst auf das Schlachtfeld geführt und noch nicht zur Entwickelung gelangt waren, gefangen nahmen. Im Raume von San Giovanni machten unsere Truppen einen Gegenangriff von solcher Wucht, daß sie die feindliche Front vollkommen durchstießen und weit hinter dieser im dortigen Eisenbahntunnel untergebrachte große Feldspitäler aufhoben. Die gestrige mondhelle Nacht wurde von den Italienern dazu benutzt, um auf ihre Weise Vergeltung für die schwere Niederlage auf dem Schlachtfelde zu üben. Ihre Flieger kamen in starken Geschwadern weit hinter unsere Front, wo sie wehrlose Städte und Ortschaften mit Bomben belegten. Sowohl bis Laibach als auch bis Bozen drangen sie vor, ohne nur den geringsten Sachschaden anzurichten. Im Küstenland und in Krain fielen ihnen einige unschuldige Menschenleben zum Opfer, dagegen wurden im Gailtal einer ihrer Doppeldecker abgeschossen und seine Insassen gefangen genommer die steigende Not Frankreichs. WTB. Der französische Verpflegungsminister hat in sei ner unlängst gehaltenen Parlamentsrede folgende interessante Zahlen angegeben: Nach der Bestandsaufnahme vom 1. 4. hatten wir 22 Millionen Zentner Getreide im Lande, 11 Mill. Zentner auswärts gekauft oder schwimmend, zusammen 33 Millionen Zentner. Spätere Aufnahmen der Präfekten haben einen Fehlbetrag im Lande von 11 Millionen Zentnern ergeben.(Daß die 11 Millionen im Auslande durch den U-Vootkrieg geführdet sind, sagt der Minister nicht ausdrücklich.) Wir können rechnen mit 33 Millionen bis zur neuen Ernte. Mit dem Inlandsfehlbetrag von 11 Millionen langen wir bis Ende Juni. Wenn un snicht ein besonderer Glückfall zu Hilfe kommt, gehen wir sehr harten Zeiten entgegen. Für Lebensmittel allein bedürfen wir eines Schiffsraumes von 1½ Millionen Tonnen. Wir müssen hier mit einem Ausfall von 800 000 Tonnen, eventuell mehr rechnen, infolge der Ereignisse zur See, deren niemand Herr ist. Über Fleisch werden Zahlen angegeben mit der Bemerkung, daß, wenn der Konsum so weiter gehe, in einem Jahre oder früher niemand mehr Fleisch haben wird, weder Armee noch Zivil. Benzin bedarf die Industrie 15 000 Tonnen(Zeitraum ist nicht angegeben), verfügbar seien nur 3000. Vertrauensvotum für Ribot. WTB. Lyoner Blättern zufolge ergab die Abstimmung in der französischen Kammer über die Vertrauenstagesordnung, daß diese mit 467 gegen 52 Stimmen angenommen wurde. Die ganze sozialistische Minderheit, darunter Blanc, Bricon, Cochin, Moutet, Lanquet und der sozialistische Radikale Turmel, stimmte geschlossen gegen die Tagesordnung.— Der römische Messagero meldet aus Paris: Ribot errang seinen großen Parlamentssieg durch seine Erklärung, daß dieses Jahr das Ende des Krieges bringe. Große Explosion in Paris. WTB. Nouvelliste de Lyon meldet aus Paris: Dienstag morgen ereignete sich im Weichbilde von Paris in den für die Landesverteidigung arbeitenden Werkstätten von Pinel Chernier und Faure eine gewaltige Explosion. Der Sachschaden ist außerordentlich hoch. Von beiden Fabriken steht kein Stein mehr. Die Explosion wurde in ganz Paris gehört. In einem Umkreis von zwei Kilometern zersprangen alleFensterscheiben. Da die Arbeit ruhte, wurden nur einige Wächter verletzt. das hungergespenst vor Englands Tür. bb. Im Börsenkurier schreibt Professor Julius Wolf: Mit jedem Tage mehr verstärkt sich der Eindruck, daß nicht die letzten silbernen Kugeln und die letzten Granaten, sondern die letzte Million Sonnen Getreide entscheidet. Es sei sicher, daß England in diesem Winter, wenn der Krieg bis dahin währt, vor einer Lage stehen werde, die selbst Lloyd George nicht zu meistern vermöge. England strebt einer Hungerkatastrophe entgegen. Was die U=Boote zu tun übrig ließen, werde die amerikanische Mißernte und die Unfähigkeit Rußlands und Rumäniens, zu expartieren, besorgen. Das Hungergespenst sei vor Englands Tür. Eine Entente-Kriegsziel-Note an Rußland. TU. Die Nowoje Wremja erfährt von gut unterrichteter Seite, daß die Antwortnote auf die Aufforderung der provisorischen Regierung, die eine Revision der Kriegsziele der Verbündeten verlangte, eingelaufen sei. Diese Note Englands, Frankreichs und Amerikas— von Italien ist vorläufig nicht die Rede— enthalte im wesentlichen dieselben politischen Gesichtspunkte, die von dem verantwortlichen Minister in einer Rede bereits angekündigt wurden. Die Former Frieden ohne Annexionen und Selbstbestimmungsrecht aller Völker wird anerkannt. Allerdings bietet die verschiedenartige Auffassung der Formel Gelegenheit zu weiteren Meinungsverschiedenheiten. So wird u. a. die Wiederherstellung und Entschädigung Belgiens als eine der wichtigsten Forderungen aufgefaßt. Die Nowoje Wremja weist darauf hin, daß Rußland leider nicht in der Lage wäre, dafür zu garantieren, daß an entsprechenden neuen Anträgen festgehalten würde. Während die Verhandlungen über diese Frage noch andauerten, wechsele in Rußland die eine Regierung die andere ab. Wie viele neue Regierungen noch kommen würden, könne niemand voraussagen. Eine derartige Unsicherheit der Lage sei jedenfalls für Rußlands Interessen nicht günstig. Munitionsexplosion in Rußland. WTB. Petersburg, 7. Juni. P. T. A. Ein Teil der aus England eingetroffenen Ladungen von Sprengstoffen wie Schwefel, Kalium, Chlorat und Phosphor ist im Hafen von Petersburg in die Luft geflogen. Dank dem günstigen Winde konnte der Brand binnen einigen Stunden örtlich beschränkt werden. Die Ursache des Unglücks konnte noch nicht festgestellt werden. Die vernichteten Mengen sind beträchtlich. Der Oberkommandierende der russischen Armee. TU. Das Echo de Paris schreibt: Die Ernennung Brussilows zum Generalissimus bedeutet ein Programm. Der Petersburger Korrespondent des Matin meldet, es sei nun kein Zweifel mehr, daß die Tätigkeit an der russisch-rumänischen Front wieder aufleben werde. Die schmerzlich erstaunte Entente. TU. Reuter meldet aus Petersburg: Henderson, Thomas und Vandervelde richteten ein Schreiben an den Arbeiterund Soldatenrat, worin sie ihrem großen Erstaunen über die Einberufung einer internationalen Konferenz Ausdruck geben, ehe der agressive Imperialismus vernichtet sei. Bis dahin halten sie ein Zusammenarbeiten mit den Deutschen für unmöglich. Die kriegswütigen französischen Sozialisten und Rußland. TU. Die Erbitterung der französischen Sozialisten und ihrer Presse gegen den Arbeiter= und Soldatenrat in Petersburg ist jetzt gerade an der Grenze angelangt, wo die brüderliche Gesinnung aufzuhören beginnt. Die Spannung der nach dem Manifest des Arbeiterrats zwischen Frankreich und den russischen Revolutionären entstand, hält man zu verschleiern nicht mehr für nötig. Man sucht seinen einzigen Trost in der amerikanischen Hilfe. Manche Zeitungen, wie die Liberte und Radical schreiben ungeniert, der Petersburger Arbeiterrat stehe offenkundig im Solde der Wilhelmstraße. Herve sagt, das Manifest atme den Geist von Zimmerwald. Man wünsche beinahe den Zarismus wieder zurück. Die Stockholmer Besprechungen. bb. Dem Vorwärts wird aus Stockholm berichtet: Für die Verhandlung mit den Vertretern der deutschen Sozialdemokratie, sind die Tage bis Freitag, vielleicht bis Samstag, in Aussicht genommen. Die Vertreter der Unabhängigen treffen am Freitag in Stockholm ein. Es wird aber kaum vor Montag mit ihnen verhandelt werden. Weiter heißt es, trotz der Rede Ribots erwartet das holländisch-skandinavische Komitee bestimmt die baldige Ankunft Renaudels und Lonquets. Fest steht, daß Roberts, Elynes von der Arbeiterpartei und Macdonald von der Vereinigten Unabhängigen Arbeiterpartei und der Sozialistenpartei bereits unterwegs sind. Nach Beendigung der Verhandlungen mit den Franzosen und Engländern sollen Branting, van Kol, Alberdy und Huysmans mit ihnen nach Petersburg reisen. Amerikanische Sorgen. TU. über die unerklärliche Verzögerung in der Ankunft der Botschaft Wilsons an die russische Regierung berichtet die Neue Korrespondenz aus Newyork, den Regierungsmitgliedern sei es bishr noch nicht gelungen, die Ursache dieser Verzögerung aufzudecken. Seit der Veröffentlichung der Depesche Zimmermanns vermutet man, daß die Deutschen ein System erfunden haben, um die offiziellen amerikanischen Botschaften abzufangen und zu entziffern, besonders diejenigen, die zwischen Petersburg und Washington gewechselt werden. Die Friedenskundgebungen in Chikago. TU. Aus Washington wird gemeldet, daß nach einem Bericht aus Chikago die Kundgebungen der Friedensfreunde daselbst von großer Bedeutung gewesen sind. Weiter seien Anzeichen dafür vorhanden, daß auch in den amerikanischen Arbeiterkreisen, besonders unter den Schwerarbeitern, die Lage der Dinge nicht günstig sei. Eigenartige Rekrutierungsmaßnahme in Amerika. TU. Die Rekrutierung in Newyork begann Dienstag morgen um 7 Uhr. Die Regierung traf die größten Vorsichtsmaßnahmen. 30 000 Mann stehen bereit, 15 000 Polizisten, 10 000 Mann der Nationalgarde, 3000 Mann der Regierungstruppen, 2000 Mann der Stadtgarde. Über 200 Deutsche, darunter zahlreiche Reserve=Offiziere, wurden in Newyork und Philadelphia in Haft genommen.(Die Kriegsbegeisterung in den Vereinigten Staaten muß doch überwältigend sein.) TU. Nach einer Schätzung sind vorgestern 10 Millionen Dienstpflichtige in das Nationalregister eingetragen worden. Das Land bietet ungefähr dasselbe Bild wie an einem Wahltage. Präsident Wilson erklärt in einer Rede, die Nation sei bereit, hren ganzen Reichtum und ihr Blut im Dienste der Menschheit zu opfern.(Wilsons Menschlichkeit besteht im blutbefleckten Dollarhunger. D. Red.) TU. Newyork, 7. Juni. 20 000 Personen wohnten einer Protestversammlung bei, die von Anarchisten einberufen war, um gegen den zwangsweisen Militärdienst zu protestieren.— Der Schatzkanzler erklärt, daß der Krieg in diesem Jahre 10 Millionen Dollar kosten würde. Die erste Anleihe werde in der Hauptsach von Banken aufgenommen. deutscher Protest an Brasilien. TU. Einer Havasmeldung aus Rio de Janeiro zufolge hat Deutschland an die brasilianische Regierung einen Protest wegen der Verwendung der deutschen Schiffe gerichtet. der Krieg zur Sec. Neue reiche U=Boot=Beute. WTB. Berlin, 7. Juni. Amtlich. In den nördlichen Sperrgebieten sind durch U=Voote u. a. versenkt worden: Der englische Dampfer Dromore(268 B. R. T.) und ein englischer Segler, beide in Ballast fahrend. Ferner ein unbekannter, tief beladener Dampfer(5000 B. N. T.) aus einem Geleitzuge heraus, ein unbekannter bewaffneter Dampfer(1200 B.R.T.) und eine unbekannte Bark(2000 B. R. T.) Von einer weiteren Anzahl der versenkten Schiffe blieb Art und Größe der Fahrzeuge unbelannt, da ihre Versenkung nachsendo. Im Mittelmeer wurden aufs neue eine Anzahl Dampfer und die den werdenden und stillenden Müttern und den SäugSegler versenkt, mit einem Gesamtbruttotonnengehalt von lingen zustehende Milchmenge ohne Schwierigkeiten und 34 900. Hierunter waren mehrere bewaffnete Dampfer ver in Empfang genommen werden kann. Die für die schiedener Größe, deren Namen wegen Zerstörergeleits nicht gesunden Säuglinge nötige Menge an Haferflocken und Weifestgestellt werden konnten. Außerdem der englische bewaff ist von ihnen aus zugewiesenen Lebensmittelmengen mete Dampfer Egyptian Prince(3117 BRT.) mit Baumwolle vorweg sicherzustellen; die für kranke Kinder zu bemessende von Alexandria nach Manchester, der englische bewaffnete Dampfer Olmenbank(3051 BRT.) mit Kohle von Malta nach Vort Said und der italienische bewaffnete Dampfer Rio Amazonas(2970 BRT.) mit Reis von Port Said nach Italien. Unter den Ladungen der versenkten Segler befanden sich u. a. 2500 Tonnen Naphtha von Amerika nach Gibraltar und Algier bestimmt. Der Chef des Admiralstabes der Marine. U-Boote im Bottnischen Meerbusen. TU. Kopenhagen, 7. Juni. Nach einem Telegramm setzen die Deutschen im Bottnischen Meerbusen ihre Tätigkeit fort. Am Sonntag wurde der finnische Dampfer„Sten“ versenkt, der mit sehr wertvoller Stückgutladung von Stockholm nach Raumo unterwegs war. Man befürchtet, daß im Laufe des Montags noch mehrere andere Dampfer versenkt worden seien. Im Bottnischen Meerbusen hält sich eine große Anzahl deutscher U=Voote von neuestem großem Typ auf. Englische Schiffsverluste. TU. Lloyds meldet: Der englische Postdampfer„Trenthamhall" strandete und brach auseinander. Er verdrängte 4173 Tonnen. Der kanadische Dampfer„Selje", 2180 To., ist infolge eines Zusammenstoßes gesunken. Der englische Schoner„Elsie Birdett" ist gesunken. Die lügenhaften englischen Berichte über Schiffsversenkungen. WTB. Die bisherigen Veröffentlichungen über die Geheimsitzungen im englischen Unterhause werden noch durch folgende zuverlässige Mitteilungen ergänzt: Lord Cecil ließ bei Besprechung der Verluste der Handelsflotte, die als falsch, irreführend und als mit den tatsächlichen Verlusten nicht im Einklang stehend bezeichnet wurden, durchblicken, daß diese Angaben nicht diejenigen englischen Schiffe enthielten, die an die verbündeten Regierungen zeitweise abgegeben worden seien, desgleichen nicht diejenigen, welche vorübergehend im Chartre der an die verbündeten Regierungen verpflichteten Schiffahrtsgesellschaften gefahren sind. Von verschiedenen Seiten wurde darauf im Unterhause erwidert, warum sich denn die Regierung solcher Statistiken in der Öffentlichkeit bediene, von denen sie selbst behaupte, daß sie falsch seien. Cecil sagte, daß das eine Frage der Admiralität sei, welche die Angaben liefere, und Carson bemerkte, daß darin keine Anderung eintreten werde. Sozialisten fragten an, warum die Regierung dann aber noch aus derartigen irreführenden Statistiken durch bezahlte Journalisten lange Berichte und Betrachtungen über die Zwecklosigkeit des feindlichen U=Bootkrieges aufbauen lasse und an die Presse sende. Cecil sagte, daß dies Anordnungen des Auswärtigen Amtes seien u. wahrscheinlich nicht für England bestimmt, worauf die Sozialisten antworteten, daß solche Artikel im Ausland noch weniger geglaubt würden als in England. die Ernährung unseres nachwuchses. Je länger der Krieg dauert, desto stärker wird die Ver pflichtung des Staates zur bestmöglichen Ernährung des in der Heimat keimenden oder bereits heranwachsenden Nach wuchses unseres Volkes. Hier harrt eine Aufgabe von höchster nationaler Bedeutung ihrer Erfüllung. Das Kriegsernährungsamt hat daher unter dem 25. Mai d. Is.„Grund sätze für die Ernährung werdender Mütter, Säuglinge und Kinder“ den Bundesregierungen mit dem Ersuchen zuge stellt, hiernach die Versorgung der genannten Bevölkerungsgruppen einheitlich vorzunehmen und die Gemeinden zu einem den Grundsätzen entsprechenden Verfahren zu verpflich ten. Die Grundsätze sind im Einvernehmen mit dem Kaiser lichen Gesundheitsamt unter Mitwirkung berufener Sachver ständiger und Kinderärzte aufgestellt worden; zur Ergän zung soll demnächst ein, gleichfalls unter Mitarbeit des Ge sundheitsamtes entworfenes„Merkblatt über die Ernährung der Kinder bis zum vollendeten 2. Lebensjahre" an sämtliche Arzte verteilt werden Die Lebensmittelversorgung der Mütter und Säuglinge ist in einer großen Zahl von Gemeinden breits in zum Teil vorbildlicher Weise geregelt. Jetzt gilt es, die gleiche Fürsor ge in allen Gemeinden des Reiches zu entwickeln, schon weil die Herstellung der sogenannten Kindermehle, sowie Keks und Zwieback, eingestellt, die Herstellung der Nährmittelzubereitungen wesentlich eingeschränkt werden mußte. Als Ersatz für diesen Ausfall sind den Kommunalverbänden geringe Mengen von nur bis 75% ausgemahlenem Weizenmehl überwiesen worden, das jedoch, ebenso wie ein aus ihm herzustellendes Krankengebäck, lediglich an Kranke, und zwar unter Anrechnung auf die Brotkarte, verabfolgt werden darf. Für die Ernährung werdender Mütter, Säuglinge und der Kleinkinder kommt die Versorgung mit Milch, Brot, Mehl, Nährmitteln und Zucker in Betracht. Schwangere Frauen in den letzten drei Monaten vor der Entbindung und stillende Mütter sind bereits nach der Bekanntmachung vom 3. Oktober 1916 vollmilchversorgungsberechtigt, ebenso Kinder bis zum 6. Lebensjahre. Ihre Versorgung geht der anderer Gruppen von Berechtigten unter ollen Umständen vor. Vom 6., spätestens vom 7. Kalendermonat der Schwangerschaft bis zu deren Beendigung sind auf Antrag Schwangerschaftszulagen in Brot und Milch zu gewähren, und zwar an Brot mindestens 350 g für die Woche, an Milch täglich bis ¾ Liter, sonst, wenn möglich Magermilch oder eine entsprechende Zulage in anderen gleichwertigen Lebensmitteln wie Teigwaren, Nährmitteln und Zucker. Gesunde Säuglinge sollen neben der Milchversorgung nach den Anordnungen der Reichsstelle für Speisefette vom 4. Oktober 1916 täglich mindestens 30— 50g Zucker erhalten, wöchentlich mindestens 200 g Weizenmehl gewöhnlicher Ausmahlung und monatlich mindestens 500 g Hafermehl. Soweit für den Säugling nicht volle Nahrungsmittelkarten ausgegeben werden, sollen, den stillenden Müttern nach Möglichkeit Stillbeihilfen in Gestalt von Zulagen gewährt werden. Kinder vom 2. Lebensjahre ab erhalten sämtliche Lebensmittel nach den für sie im Einzelnen geltenden Bestimmungen. Eine Herabsetzung des örtlichen allgemeinen Kopfsatzes bei der Mehl= und Brotversorgung zu ungunsten der Kinder ist nicht statthaft. Für kranke Kinder bis zum vollendeten 2. Lebensjahre kann die gewöhnliche Ernährung durch Verabfolgung von weniger stark ausgemahlenem Weizenmehl oder durch besondere, ausschließlich für diesen Zweck bestimmte Nährmittelzubereitungen ersetzt oder ergänzt werden. An Milchzubereitungen stehen hierfür zur Verfügung: Eiweiß= und Buttermilch, Larosan, Plasmon und Namogen; an Malzzuckerzubereitungen: Soxhlets Nährzucker, Löflunds Nährmaltose und Löflunds Malzsuppenextrakt. Die Gemeindebehörden haben Vorsorge zu treffen, daß Menge derselben Nährmittel muß in bestimmten Ausgabestellen(Krankenhäuser, Kliniken, Apotheken, Säuglingsfürsor gestellen usw.) zur Verfügung stehen, damit diese Nährmittel hier in geringen Mengen, etwa bis zu einem Pfund wöchentlich, jederzeit bezogen werden können. Das gleiche gilt für die vorgenannten Milch= und Malzzuckerzubereitungen. Die Verabfolgung von Eiwéiß= und Buttermilch sowie von Ramogen ist nur unter Einziehung der Vollmilchkarte, die der Malzzuckerzubereitungen nur unter Einziehung der Zuckerkarte für die Dauer der Verschreibung zulässig. Die Verschreibung darf für Nährzucker und Nährmaltose die Menge von 200—350g bei Malzsuppenextrakt von 500—700g, pro Kopf und Woche nicht überschreiten. Die durch diese Grundsätze des Kriegsernährungsamts geforderte vorzugsweise Berücksichtigung der werdenden Mütter, Säuglinge und Kinder muß jedoch, da Sonderzuweisungen für diese Zwecke leider nicht möglich sind, im Rahmen der allgemeinen Versorgung, gegebenenfalls also unter entsprechender Kürzung des Durchschnittsanteils für die übrige Bevölterung erfolgen. Bei der ungeheueren Wichtigkeit der zu lösenden nationalen Aufgabe aber dürfen sich Bedenken hiergegen wohl kaum erheben. Aus wesideutschland. Düsseldorf, 6. Juni. Gestern fand auf Veranlassung des Oberbürgermeisters von Düsseldorf und Köln und der Münster entwichener Franzose, der schon eine Nacht auf holändischem Boden geschlafen hatte, sich dann aber wieder auf deutsches Gebiet verirrte, wo er von der Grenzwache fest genommen wurde. Kassel, 7. Juni. Der Massenaufkauf von Lebens. mitteln auf dem Lande durch Händler oder gewerbsmäßige Aufkäufer wird durch einen Sonderbefehl des kommandierenden Generals von heute ab im Bereiche des 20. Armeekorps bei Strafe verboten. Gendarme, Polizeibeamte und Militärpersonen sind berechtigt, die angetroffenen Lebensmitteln ohne Entgelt zu beschlagnahmen. Sie dürfen zu dem Zweck den Bahnhöfe und Züge Betretenden das Gepäck durchsuchen. Städte statt, in der nen Vortrag über den Großschiffahrtsweg Rhein=Main=Do nau hielt. Dem Vortrag folgte eine recht lebhafte Erör terung. Die Versammlung nahm folgenden Beschschluß an Die heutige Versammlung in Düsseldorf kennt die große Bedeutung, welche der zu schaffende leistungsfähige Großschiffahrtsweg Rhein=Main=Donau innerhalb der dringenden Aufgabe, daß deutsche Wasserstraßennetz ausreichend auszubauen, sowohl vom allgemeinen vaterländischen, als vom besonderen wirtschaftlichen Standpunkt hat, an und hält es für notwendig, einen endgültigen Plan für diese Wasserstraße technisch und wirtschaftlich auszuarbeiten, auch die für die Planung erforderlichen Kosten aufzubringen. Die Versammlung erklärt es für erwünscht, den Interessen am Niederrhein eine der Höhe der von ihnen aufzubringenden Kosten entsprechende angemessene Beteiligung bei der näheren Gestaltung des Planes einzuräumen und beauftragt den gebildeten Arbeitsaus schuß, hierüber die näheren Vereinbarungen herbeizuführen. Düsseldorf, 7. Juni. Durch die Einführung einer Kohlensteuer und die Erhöhung der Eisenbahnfrachten haben die Ausgaben für die städtischen Gas= und Elektrizitätswerke jährlich um 1 Million en zugenommen. Die Stadtverordneten genehmigten unter diesen Umständen eine Erhöhung des Gaspreises für den Kubikmeter von 14 auf 16 Pfg. und eine Erhöhung des elektrischen Kraft= und Lichtstromes. Bonn, 7. Juni. Das Schwurgericht verhandelte gegen den Schlosser Josef Bender aus Köln, der in der Nacht zum 21. Juni 1913 zusammen mit zwei anderen Verbrechern in das Pfarrhaus zu Niederpleis eingedrungen und den Pfarrer und dessen Schwester sowie die Haushälterin unter Vorhalten von geladenen Revolvern zur Herausgabe von Geld und Wertsachen gezwungen hatte. Der wiederholt, auch bereits mit Zuchthaus vorbestrafte Angeklagte wurde zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. Ein Mittäter war früher zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. M.=Gladbach, 7. Juni. Einem hiesigen Bürger wurden von Einbrechern 27000 en in Kriegsanleihescheinen sowie eine Reihe wertvoller ausländischer Münzen gestohlen. Elberfeld, 7. Juni. Das Ergebnis der U=Bootspende beträgt 40 153,90 M. In diesem Betrage ist das Ergebnis der Büchsensammlungen am Sonntag noch nicht enthalten. Duisburg, 7. Juni. Ein gefährlicher Einbrecher, der seit Jahren die größeren Städte des hiesigen Industriebezirks bereist, stand in der Person des Arbeiters Josef Weber vor der Strafkammer. Es wurden ihm zahlreiche Einbrüche bei Geschäftsleuten und besonders auch bei Geistlichen nachgewiesen. Das Gericht verurteilte ihn zu 8 Jahren Zuchthaus. Sein Gehilfe, der Arbeiter Wilhelm Apphold, erhielt eine Gesamtstrafe von 4½ Jahren Zuchthaus. Essen, 7. Juni. In der Nähe der Badeanstalt in der Steelerstraße sprang ein 16jähriges Mädchen von einem Motorwagen der Straßenbahn in voller Fahrt ab, stürzte, geriet unter den Anhängerwagen und wurde sofort getötet. Dieringhausen, 7. Juni. In Georghausen wurden nachts an einem Teiche von einem Förster 4 Personen beim Fischsport erwischt. Sie ergriffen die Flucht und als sie auf mehrmaliges Anrufen nicht stehen blieben, gab der Förster einen Schuß auf sie ab, wobei einer der Flüchtlinge, ein Familienvater namens Müller aus Rotthausen, getötet wurde. Bochum, 7. Juni. Das Reichsgericht in Leipzig hat die Revision des Bergmanns Eduard Rösler, der vom Schwurgericht Bochum am 24. April zum Tode verurteilt worden ist, weil er am 12. März zu Herne, die Möbelhändlerin Hirschen und deren Dienstmädchen Ladewig ermordete und bei dieser Gelegenheit eine größere Menge Wertsachen raubte, verworfen. Hagen, 7. Juni. Als der Güterzug 6738 den Bahnhof Geisweid verließ, entgleisten verschiedene Wagen, wobei der Hilfsschaffner Spieß aus Altenessen getötet wurde. Paderborn, 7. Juni. Der Akademische Bonifatiusverein beging sein goldenes Gründungsjubiläum. Zur äußeren Feier fand im Leokonvikt ein einfacher Festakt statt. an dem neben dem hochw. Bischof Dr. Schulte, der Bischof von Limburg und Weihbischof Haehling von Lanzenauer teilnahmen. Die Festrede hielt der Generalsekretär Dr. Weinand über die Entwickelung des Verbandes akademischer Bonifatiusvereine, in der er auch hervorhob, daß der Verband bisher bereits 650 000 A für den Bau notwendiger Kirchen aufgebracht habe und daß ein Grundstock von 60 000 A bereit liege für den Bau einer Gedächtniskirche für die Gefallenen des Verbandes. Recklingyausen, 7. Juni. Handelsminister von Sydow traf gestern morgen hier ein, um die zur HiberniaA.=G. gehörenden Zechenbetriebe zu besichtigen. Vormittags besuchte er die Tagesanlagen der Zechen„General Blumenthal", nachmittags der Zeche„Schlägel und Eisen". Bocholt, 7. Juni. Im Laufe der Woche wurden an der deutsch-holländischen Grenze mehrere entwichene Kriegsgefangene wieder festgenommen, darunter 4, die aus einem Gefangenenlager im Harz entwichen und wochenlang unterwegs gewesen waren. Noch größeres Pech hatte ein aus Aus aller welt. Kein Grund zur Besorgnis. WTB. Wie im vergangenen Jahre, so ist auch in diesem wiederum das Gerücht aufgetaucht, daß unsere Gegner in den Sommermonaten Fliegerangriffe größten Umfanges gegen alle Teile Deutschlands unternehmen würden, um das reifende Getreide auf dem Felde durch Brandbomben zu vernichten. Das Gerücht stammt nachgewiesenermaßen aus dem Lager unserer Feinde und hat einzig den Zweck, im deutschen Volke Beunruhigung zu erregen.— Zu einer solchen Beunruhigung liegt nicht der geringste Grund vor. Es ist unmöglich, reifende Getreidefelder durch Bomben oder ähnliche Brandmittel vom Flugzeug aus in Brand zu setzen. Wir können nur wünschen, daß unsere Gegner zu solch aussichtslosen Versuchen schritten; sie würden schwere Einbußen an Flugzeugen dabei erleiden, ohne unserer Brotfrucht auf dem Felde Schaden zufügen zu können.(Amtlich.) Dr. Thulins rätselhaftes Lustabenteuer. WTB. Berlin, 7. Juni. Ein Teil der schwedischen Presse fährt fort, trotz der deutschen aufklärenden Darstellung des Vorkommnisses, daran festzuhalten, daß der schwedische Flieger Dr. Thulin auf seinem kürzlichen Fluge von zwei deutschen Flugzeugen beschossen worden sei. Die Hartnäckigkeit einiger schwedischer Zeitungen und des Dr. Thulin in seiner irrtümlichen Darstellung ist besonders bemerkenswert, weil die beiden deutschen Flugzeuge, welche die Begegnung mit dem schwedischen Flieger hatten, Auftlärungsflugzeuge ohne jede Bewaffnung waren. Die Flugzuge wurden von den Flugmeistern Stolzenbach und Jacob geführt. Sie waren bei gutem, sichtigem Wetter zu einem Aufklärungsflug aufgestiegen und hatten auf dem Hinwege nichts Besonderes erlebt. Auf dem Rückwege über dem Sund wurde bei Landskrona ein schwedisches Landflugzeug, und zwar ein Eindecker mit dem Buchstaben T unter den Tragdecken, gesichter. Die beiden deutschen Flugzeuge steuerten zu dieser Zeit in 500 Meter Höhe und in drei Kilometern Abstand von Land nach Süden. Der schwedische Flieger flog nach Süden zu ab, um dann zu einem der deutschen Flugzeuge von Backbord achtern aufzufliegen. Er winkte mehrere Male und grüßte, worauf der Gruß von den Deutschen herzlich erwidert wurde. Der schwedische Flieger flog darauf nach Land zurück, während die deutschen Flieger die Rückkehr von ihrer in jeder Beziehung harmlos verlaufenen Aufklärung fortsetzten. Ein sonderbares Urteil. Berlin, 7. Juni. Wie der Berliner Lokalanzeiger mitteilt, wurde der Ingenieur Scharnow, der sich von einem Herrn, den er im Restaurant kennen lernte, oine Brotkarte hatte schenken lassen, vom Schöffengericht wegen Hehlerei zu 7 Wochen Gefängnis verurteilt. Ein Kind im Arme der Mutter durch den Blitz erschlagen. Chemnitz, 7. Juni. Als ein Gewitter über Ehrenfriedersdorf zog, stand die Frau verw. Barthel mit ihrem drei Jahre alten Knaben auf dem Arm in dem Hausflur der elterlichen Wohnung. Plötzlich schlug der Blitz in das Gebäude ein und traf das Kind, das der Mutter tot aus den Armen fiel. Frau Barthel selbst wurde nur betäubt. Die Reformationsfeier in Wittenberg und Eisenach. bb. Die geplante 400 Jahrfeier in Wittenberg und Eisenach ist unter Berücksichtigung der erschwerenden Kriegsverhältnisse mit Zustimmung des Kaisers abgesagt und auf das Jahr 1918 verschoben worden. Ein ungarisches Übergangsministerium. TU. Budapest, 6. Juni. In politischen Kreisen hält man angesichts der bestehenden Schwierigkeiten zurzeit die interimistische Lösung der Krise durch die Ernennung eines Übergangsministeriums unter der Leitung des Grafen Johann Zichy oder des Grafen Bela Serenyi für wahrscheinlich, Jedenfalls erwartet man bis Ende der Woche hierüber die Entscheidung.— Zur Kennzeichnung der bestehenden Gegensätze sei noch erwähnt, daß der Bezirksausschuß in Hermannstadt in einer einstimmig angenommenen Resolution jede wesentliche Erweiterung des Wahlrechts nicht nur als eine Gefährdung des politischen Einflusses, sondern auch der ungarischen Staatsinteressen betrachtet. Beulenpest. TU. Amsterdam, 7. Juni. Wie die Daily Mail meldet, sind an Bord des Dampfschiffes„Sardinie", der am 2. Mai in Graveend angekommen ist, Fälle von Beulenpest zu verzeichnen gewesen. In den letzten 5 Tagen der Reise wurden mehrere Fälle festgestellt, darunter 3 Todesfälle. Bei der Ankunft in Graveend ergaben sich noch zwei weitere Todesfälle durch diese Krankheit. Die beiden letzten Patienten wurden am 8. Mai vom Schiff nach dem Spital gebracht. Der sanitäre Dienst hat alle Maßnahmen getroffen, um der Verbreitung der Krankheit entgegen zu treten. Holländische Kammerwahlen. WTB. Haag, 6. Juni. Niederländische TelegraphenAgentur. Bei der gestrigen Wahl, für die zweite Kammer wurde gemäß einem zwischen den Parteien getroffenen Abkommen gewählt, 4 freie Liberale, 2 Sozialdemokraten, zwei freisinnige Demokraten, 9 Antirevolutionäre, 7 christliche Historische, 22 Kandidaten der kath. Partei und 6 Kandidaten der liberalen Union. In 48 Distrikten sind Stichwahlen notwendig. Kundgebungen gegen die Lebensmittelteuerung in Norwegen. bb. Christiania, 6. Juni. Über ganz Norwegen erstreckt sich eine Arbeiterkundgebung, die mit einer Einstellung aller industriellen und öffentlichen Arbeiten am morgigen Tage verbunden sein wird. Nur der Eisenbahn=) Post=, Telegraphen und Telephonverkehr sollen in Wirksamkeit bleiben, doch werden alle Läden und Lokale geschlossen. Die Zeitungen werden nicht erscheinen. Die Kundgebung richtet sich gegen die Lebensmittelteuerung. Eine Kriegsziel=Note Amerikas. TU. Agence Havas berichtet aus Newyork: Die russische Regierung empfing eine Mitteilung des Präsidenten Wilson Vaterland. Roman aus der von O. Elster. (Nachdruck verboten.) Doch plötzlich erscholl irgendwoher der erlösende Ruf: „Der Gegner geht zurück!" und alles atmete erleichtert auf. Der heiße Kampf war nicht vergebens ausgefochten, die Opfer nicht vergebens gebracht! Durch das Feuer der Artillerie und Maschinengewehre war der Feind erschüttert und konnte dem letzten Sturmangriff der wackeren Infanterie nicht mehr widerstehen, die jetzt mit Hurra sich auf den Feind warf. Ein kurzer Nahkampf, in dem die deutschen Fäuste den Sieg davontrugen— dann flutete die Masse des Feindes zurück, von der deutschen Artillerie und den Maschinengewehren unter wirksames Feuer genommen. Verderbenbringend prasselten die Geschosse in die zurückflutenden Infanterielinien, die hinter den vielfachen Wäldern und Anhöhen Deckung suchten. Ein Sieg, ein vollkommener Sieg war erfochten— aber ein schwererkaufter Sieg! Der Wald, in dem die Maschinengewehrkompagnie lag, war besät mit Toten und Verwundeten. Einen Offizier und die Hälfte der Mannschaft hatte die Kompagnie verloren. Von dem einen Gewehr des Zuges, der unter Oberleutnant Martens stand, waren sämtliche Mannschaften bis auf einen durch eine Granate zerrissen. Auch Oberleutnant Martens war schwer verwundet. Ein Granatsplitter war ihm durch Rücken und Brust gedrungen, ein anderer Splitter hatte ihm den Leib aufgerissen. Sterbend lehnte er an einem Baume— so fand ihn Horst. Er kniete neben dem Sterbenden nieder. „Kann ich Ihnen noch helfen, Kamerad? Haben Sie einen Wunsch?" „Geben Sie mir einen Schluck Wein,..." Horst hielt ihm die Flasche an die Lippen. Gierig saugte der Sterbende das Getränk ein. „Haben Sie große Schmerzen?“ „Nein— danke— mir ist jetzt ganz wohl...“ Horst wollte einen Arzt herbeirufen; ehe dieser zur Stelle war, hatte der Verwundete ausgelitten, das verrinnende Blut hatte seine Schmerzen gelindert und sein Leben ausgelöscht.— Die französische Armee war zurückgeworfen, dennoch mußte man noch mit einem Rückstoß der Franzosen, die sich verstärkt hatten, rechnen und sich dagegen sichern. Die Nacht brach herein. Auf den Höhen, die man in heißem Kampfe genommen, sollte eine Verteidigungsstellung angelegt werden, und so schanzten die vom Kampfe ermüdeten Soldaten bis gegen Morgen. Schützengräben, Batteriestellungen wurden angelegt, kurz alles zu einer energischen Verteidigung vorbereitet. Erst nach Mitternacht trat einige Ruhe ein, und die erschöpften Soldaten sanken zu einem kurzen Schlummer auf den taufeuchten Rasen nieder. Es war eine lauwarme Sommernacht. Von dem samtdunklen Himmel funkelten die tausend und aber tausend Sterne auf das blutgetränkte Schlachtfeld nieder, auf dem jetzt die Sanitätsmannschaften beschäftigt waren, die Verwundeten nach den Feldlazaretten zu tragen, die Toten dem Schoße der Mutter Erde anzuvertrauen. Auf einer nahen Anhöhe brannte lichterloh ein schönes Schloß mit seinen Nebengebäuden, und seine Flammen warfen ihren blutroten Schein gespenstisch über das dunkle Feld. In der Ferne grollte noch, wie der Donner eines abziehenden Gewitters, ab und zu ein Kanonenschuß, der aber die erschöpften Soldaten nicht in ihrem Schlummer störte. Im Halbschlaf lag auch Horst da. Plötzlich fühlte er eine warme Hand auf der seinigen. Er war sofort munter. Neben ihm lag Karl Schönhals, der seine Hand erfaßt hatte. „Was ist los, Karl?" fragte er. „Verzeihen Sie, daß ich Sie störte", entgegnete Karl. „Ich wollte Ihren Schlaf nicht stören. Ich hatte nur das Bedürfnis, Ihnen nahe zu sein nach diesem schrecklichen Tage." Horst drückte ihm die Hand. „Ich danke dir, Karl, mein guter Kamerad— wir wollen stets zusammenhalten, wie heute..." „Ja, das wollen wir. Aber nun müssen Sie schlafen." „Du auch, Karl. Du hast's ebenso nötig." „Gute Nacht denn." „Gute Nacht." Sie wickelten sich in ihre Mäntel und lagen still da. Horst war bald wieder eingeschlafen, aber Karl lag wachend da und sah mit großen Augen zu den ewigen Sternen empor. 8. In den folgenden Tagen wurde die belgisch=französische Grenze überschritten. Nicht mehr unter dem Jubel, unter dem man über die belgisch=deutsche Grenze gerückt war! Denn die Stimmung der Mannschaften war ernster geworden, wenn auch nicht weniger zuversichtlich und entschlossen. Aber die letzten Kämpfe, die Schrecken des Krieges, die brennenden Dörfer, die zerstampften, vernichteten Fluren, die fliehenden Einwohner, die stete Wachsamkeit einem hinterlistigen Überfall gegenüber, die eigenen Verluste— das alles hatte auf das Gemüt der Soldaten doch seinen Eindruck nicht verfehlt und machte sie ernster als im Anfange des Krieges, der einem frischen, fröhlichen Manöver glich. Man wird sich des Ernstes des Kampfes, der der deutschen Armee bevorstand, mehr und mehr bewußt. Man sah, daß man es mit keinem zu verachtenden Gegner zu tun hatte, und daß es der ganzen Kraft und Entschlossenheit, des festen, unerschütterlichen Willens bedurfte, um zu siegen. Dazu kamen die eigenen Verluste! Der alte Oberst war zu Tode verwundet zurückgeschafft worden; sämtliche Stabsoffiziere und mehrere andere Offiziere waren gefallen oder verwundet. Ein Hauptmann führte das Regiment, Oberleutnants die Bataillone. Und mancher brave Kamerad ruhte in der kühlen Erde. Starke Nerven gehörten dazu, um alle diese Eindrücke zu überwinden, unerschrockene Herzen, um der gefahrvollen Zukunft ruhig und fest in das Auge zu sehen. Leutnant Bartling, der Doktor der Philosophie, hat sich in der Schlacht von Namur tapfer gehalten. Aber nach dem Unwetter des Kampfes trat bei ihm die Reaktion ein; die furchtbaren Eindrücke zerrten an seinen Nerven; als ein Mann des Friedens und der stillen Studien war er diesen Eindrücken nicht gewachsen. Schlaff hing er im Sattel, und ein nervöses Lächeln zuckte ihm um die Lippen, wenn ihm Hauptmann von Bergheim ermunternde Worte zurief oder Horst ihm einen Scherz erzählte. Er würde seine Pflicht bis aufs äußerste tun, gewiß, aber, so sagte Bergheim zu Horst,„ich glaube, er klappt uns zusammen, seine Nerven halten es nicht aus". Dagegen war Karl Schönhals von einer ruhigen Festigkeit, die auf die Mannschaften den besten Eindruck hervorbrachte. „Er ist einer der besten Unteroffiziere der Kompagnie“, sagte Hauptmann Bergheim.„Ich werde ihn zum Eisernen Kreuz einreichen. Ihnen, lieber Benneckenstein, ist das Kreuz auch sicher." Horst freute sich mehr als über das eigene Eiserne Kreuz über die Auszeichnung seines braven Kameraden Karl Schönhals. Jenseits der französischen Grenze stieß die Division zum erstenmal auf die Engländer. Es kam zu einem hitzigen Gefecht, in dem die Engländer zurückgeworfen wurden. Die Division hatte einige Verluste, darunter den Generalstabschef der Division. Das Regiment Horsts kam nicht in das Gefecht und rückte am Abend in das erste französische Dorf ein, in dem es Quartier beziehen sollte. Aber das Dorf war von seinen Bewohnern verlassen. Einsam und dunkel lagen die Häuser und Gehöfte da. Nur hin und wieder heulte ein Hund, den man vergessen hatte, von seiner Kette zu lösen. Die Fenster, die Türen und Tore waren fest verschlossen— was blieb da übrig, als Türen und Tore einzuschlagen, um erst einmal die Häuser nach versteckten Einwohnern oder feindlichen Soldaten zu durchsuchen! Dann warf man sich erschöpft von dem Marsche und den Kämpfen für ein paar Stunden auf das Stroh einer Scheune, um in der Frühe des anderen Morgens weiter zu marschieren. Ein Gewaltmarsch, den ganzen Tag und die Nacht hindurch, brachte die Division nach St. Quentin, das man um Mitternacht passierte, um auf dem Felde der Schlacht von 1871 zu biwakieren, neben dem Denkmal, das diese Schlacht in Erinnerung der nachfolgenden Geschlechter festhalten sollte.— Aber nochmals sollten auf diesem blutgedüngten Gefilde die eisernen Würfel der Schlacht fallen! Zwei Tage rangen die Deutschen mit den Franzosen und Engländern hier um den Übergang über den Oisefluß, bis deutscher Mut und deutsche Kraft auch hier wieder den Sieg errangen und das französische Heer in eiliger Flucht nach Süden, hinter die schützende Linie der Marne, abzog, indem es sämtliche Festungen— La Fère, Laon und Reims— ohne Kampf räumte. In Eilmärschen folgte ihnen die Armee Bülow, während die Armee des Generalobersten von Kluck weiter westlich auf Paris vordrang und die Sachsen sich östlich an die Armee Bülows anschlossen. Die Marne war überschritten. Man befand sich in der schönsten, fruchtbarsten Landschaft Frankreichs, in der weingesegneten Champagne. Von fern her grüßte der stolze gotische Bau der Kathedrale von Reims; an den Hängen der Berge reiften in der warmen Septembersonne die köstlichen Trauben der Champagne, deren edles Blut die Geister und Kräfte der durch die langen Märsche erschöpften deutschen Soldaten ersrischte und neu belebte. War man doch seit der zweitägigen Schlacht von St. Quentin tagelang den Franzosen auf den Fersen gewesen. Die schwere deutsche Artillerie funkte täglich in die französische Nachhut hinein, sie zu immer größerer Eile antreibend, so daß sie die brodelnden Kartoffel= und Fleischtöpfe ihrer Biwaks rechts und links des Weges stehen ließen,„Gulaschkanonen", wie die deutschen Regimenter, besaßen sie ja nicht. Neben der großen Heerstraße, die von Metz über Chalons nach Paris führt, hatte die Division Mittagsrast gemacht und ließ sich das Essen aus den Gulaschkanonen munden, das mit dem herrlichen Weine der Champagne gewürzt wurde. Da kam Hauptmann von Bergheim, der zum Divisionsstab geritten war, in vollem Galopp zurück. „Kinder!“ rief er schon von weitem,„macht, daß Ihr mit dem Essen fertig werdet! Wir marschieren geradeswegs auf Paris!" Ein Hurra der Mannschaften antwortete ihm. Paris, die stolze, übermütige Hauptstadt des Feindes, lag nur einige Tagemärsche entfernt; im Sturme wollte man sie nehmen, wie Lüttich, wie Namur, wie Longwy und Maubeuge! „Ja, wir marschieren direkt auf Paris", sagte Bergheim zu Horst und Bartling.„Es ist die Meldung eingetroffen, daß der Feind seinen Rückzug nach Süden fortsetzt. Andere Truppen sollen ihm auf den Fersen bleiben, wir aber sollen uns vor Paris mit der Armee Kluck treffen, deren Spitzen schon in Compiègne und Senlis, vierzig Kilometer von Paris, eingetroffen sind. Also fertig zum Aufsitzen und an die Gewehre, meine Herren!“ In froher Stimmung wurde aufgebrochen. Selbst Leutnant Bartlings Gesicht strahlte von fröhlicher Siegeshoffnung, und in den Augen der Mannschaften leuchtete die helle Siegesfreude, die auch nicht durch den Kanonendonner beeinträchtigt wurde, der aus ziemlich naher Entfernung herüberschallte. An diese Musik war man schon seit Wochen gewöhnt und achtete kaum mehr darauf. Das Regiment Horsts bildete die Vorhut der Division. Zur Aufklärung war eine Ulanen=Eskadron vorgeschoben. So erreichte man nach einiger Zeit einen großen Wald, der sich südlich der Straße entlang erstreckte, als an der nächsten Straßenbiegung eine dichte Staubwolke hochwirbelte. Das Trampeln von vielen galoppierenden Pferden wird laut, und im nächsten Augenblick biegt um die Waldecke eine Kavalkade reiterloser Pferde, schnaubend, stampfend, mit unter dem Bauche hängenden Sätteln, das Zaumzeug zerrissen, viele der Pferde aus Wunden blutend. Als sie an der Kolonne vorüberbrausen, sieht man erschreckend, daß es die Pferde der vorgeschobenen UlanenEskadron sind! Und schon kommen in rasendem Tempo zwei Ulanen angeprescht. Atemlos von dem raschen Ritte melden sie, daß die Schwadron, die zur Beobachtung abgesessen gewesen, auf ganz kurze Entfernung von feindlicher Artillerie beschossen sei. Die Pferdehalter konnten die scheugewordenen Pferde nicht mehr halten, die sich losgerissen und davongejagt waren. Die abgesessene Mannschaft war wehrlos gegen den unsichtbaren Feind, der sie mit einem furchtbaren Feuer überschüttete. Und weiter sprengen die Ulanen zum Divisionsstab, und über die stürmische Freude der Mannschaften legt es sich wie eine trübe Wolke. Jeder wußte: Heute gilt's! Und jeder brannte, denen an die Kehle zu kommen, die unsere wackeren Ulanen heimtückisch aus dem sicheren Hinterhalt beschossen hatten. Adjutanten fliegen, Befehle kommen und gehen, die Division hält! Aber der Wald, der zwischen der Division und dem Feinde sich ausbreitet, ist fast undurchdringlich mit Unterholz durchwachsen, wie alle französischen Wälder. Nur eine schnurgerade Straße führte hindurch, gerade auf die Stellung des Feindes zu, und diese Straße lag unter dem wirkungsvollsten Artilleriefeuer des Gegners. Der Waldausgang war nicht zu passieren. Sowie sich jemand aus diesem Ausgange zeigte, platzten die Granaten und Schrapnells mit unheimlicher Sicherheit über ihm und streuten Tod und Verderben umher. „So zwängte sich die brave Infanterie durch das dichte Unterholz durch den Walk, um sich jenseits in einer Geländesenkung wieder zu sammeln und vr zugehen. Bald knatterte denn auch das Gewehrfeuer, in sich die dumpfen Kanonenschläge der feindlichen Artillerse mischten. Hinter dem Walde aber auf der großen Straße standen die Maschinengewehre, die Artillerie, die Munitionswagen und andere Fahrzeuge und konnten nicht vorrücken, um der Infanterie, die todesmutig vorging, zu Hilfe zu kommen, da es unmöglich schien, den Wald zu passieren. Ungeduldig hob sich Hauptmann von Bergheim in den Steigbügeln und zerkaute den blonden Schnurrbart. Dann ritt er an den Abteilungskommandanten der Artillerie heran. „Herr Major, wir können unmöglich unsere Infanterie ohne Feuerunterstützung lassen", sagte er ingrimmig. „Ja, lieber Herr Hauptmann“, entgegnete der Major, eine kräftige, derbe Soldatengestalt mit gutmütigen, blaugrauen Augen,„wie soll ich denn durch den Wald kommen? Wollen Sie mir das mal vormachen?" „Gewiß, Herr Major", versetzte Bergheim zornig. Und dann zu der Maschinengewehrkompagnie zurückreitend, befahl er kurz entschlossen:„Fahrzeuge einzeln mit hundert Meter Abstand in gestrecktem Galopp durch den Waldausgang in die davorliegende Mulde!“ Wie eine Erlösung zuckte es durch alle Mannschaften und Offiziere der Kompagnie. Hauptmann Bergheim sprengte als erster den gefahrvollen Weg entlang. Horst folgte, und hinter ihm drein rasselten die Fahrzeuge. Wie ein Donnerwetter hinein in den Wald! Zusammengekauert saßen die Fahrer, die Zügel der fast durchgehenden Pferde in den nervigen Händen, die aufgesessene Mannschaft krallte sich an die Sitze, und so ging es in rasendem Tempo im feindlichen Granatfeuer durden Wald. Weit vorn knatterte das Infanteriefeuer! Da— Bum!— und nochmals Bum!— und gleich darauf das Heulen der Granaten in der Luft und das krachende Einschlagen in die feindliche Stellung! Gott sei Dank— die schwere deutsche Artillerie setzte ein, und ein befriedigendes Lächeln huschte über manches Gesicht. Der Wald war überwunden. In Trab und Galopp gingen die Maschinengewehre weiter vor. Die ersten Leichtverwundeten, die aus dem Gefecht zurückschwankten, wiesen die Richtung— und Sss—Sss— zischten die ersten Geschosse den Mannschaften um die Öhren. Aber ein ebenso dichter Wald trennte die Kompagnie noch von der kämpfenden Infanterie. Hauptmann Bergheim, der vorausgesprengt war, um sich von dem Regimentsführer Besehle zu holen, winkte mit dem Säbel. Mit Blitzesschnelle wurden die Gewehre freigemacht, und hinein ging es in den Wald, aus dem das Geknatter des Infanteriefeuers erklang. Zähneknirschend und fluchend arbeiteten sich Offiziere und Mannschaften, die die schweren Maschinengewehre, die Patronenkasten und Wasserkühler tragen mußten, durch das Gestrüpp des Waldes, nur von dem einen Wunsch erfüllt: Ran an den Feind! Fortsetzung folgt. Die noch vorrätigen Strohhüte für Damen, Herren und Kinder verkaufe ich von heute ab zu äußerst billigen Preisen. Mache darauf aufmerksam, daß im Schaufenster fast keine Hüte ec ausgestellt werden. Habe sämtliche Artikel im Laden und im Zimmer ausgestellt. Wwve. Herm. Lehmhaus, für unsere tapferen Landsleute im Felde ist ein FeldpostAbonnemont auf die Sprockhöveler Zeitung“