Sprockhöveler Zeitung Haßlinghauser Zeitung= Amtlicher Anzeiger für das Amt Sprockhövel= Blankenstein=Herbeder Zeitung 1. Blatt. Jugendromp. 235, Sprockhövel. Sonntag, 13. Mai 1917 Antreten: 2° Schulplatz„Nord" Uebungen zu den Wettkämpfen. Leichte und alte Kleidung anziehen! Der Vorsitzende des Ortsausschusses für die mil. Vorbereitung der Jugend Theis, Amtmann. Bekanntmachung. Unter dem Pferdebestande der Witwe Landwirt Rische in Obersprockhövel(Kauermannshof) ist die Räude festgestellt worden. Sprockhövel, den 10. Mai 1917. Die Polizei=Verwaltung: Theis. Bekanntmachung. Die von der Gemeindevertretung zu Obersprockhövel am 1. März 1917 getätigte Wiederwahl des Maschinisten August Schleicher zum stellvertretenden Gemeindevorsteher der Gemeinde Obersprockhövel ist durch den Herrn Landrat zu Schwelm bestätigt worden. Sprockhövel, den 9. Mai 1917. Der Amtmann: Theis. Bekanntmachung In der Drogerie von Ernst Gethmann hierselbst wird vom Montag, den 14. ds. Mts., ab für Kinder bis zu 2 Jahren auf den 1. Abriß für Mai der grauen Milchkarte ein Pfund Gerstenflocken abgegeben. Sprockhövel, den 10. Mai 1917. Der Amtmann: Theis. Bekanntmachung Die Ausgabe der Brotzusatzkarten für die körperlich schwer arbeitenden Personen erfolgt am Mittwoch, den 16. Mai 1917, im Amtshause Zimmer Nr. 7. 1) Gemeinde Niedersprockhövel Brotbuchhülle Nr. 1-200 8—9 Uhr vormittags „„ 201—400 9—10„„ „„ 401—600 10—11„ „„ 601—Schluß 11—12„ 2) Gemeinde Obersprockhövel Brotbuchhülle Nr. 1-200 2—3 Uhr nachmittags „„ 201—Schluß 3—4„ 3) Gemeinde Hiddinghausen II von 4—5 Uhr nachmittags. Die Zusatzmarken werden nur gegen Vorlage der roten und blauen Ausweiskarte, von der der erste Teilabschnitt mit dem Firmenstempel des Arbeitgebers versehen sein muß, abgegeben. Brotbuchhüllen sind mitzubringen. Eine nachträgliche Verausgabung der Zusatzmarken findet nicht statt. Sprockhövel, den 12. Mai 1917. Der Amtmann: Theis. Bekanntmachung. Diejenigen Rüstungsarbeiter, die in dieser Woche auf Grund des Abrisses 4 der alten Fleischzusatzkarten Margarine erhalten haben, können am kommenden Dienstag in den betreffenden Geschäften gegen Abgabe des Lebensmittelabrisses 1 der neuen Fleischkarte je ein Pfund Graupen in Empfang nehmen. Diejenigen Rüstungsarbeiter, die den Abriß 4 nachträglich abgeliefert haben, erhalten in den betreffenden Geschäften zunächst Margarine. Sprockhövel, den 11. Mai 1917. Der Amtmann: Theis. Bekanntmachung. Die Lebensmittelgeschäfte wollen am Montag, den 14. ds. Mts., Butter, Margarine, Graupen, Marmelade und Honig abholen und zwar innerhalb folgender Zeiten: 1) von 8½ bis 10 Uhr vormittags die Geschäfte mit den Anfangsbuchstaben Z—T, 2) von 10 bis 11 Uhr vormittags die Geschäfte mit den Anfangsbuchstaben S—N, 3) von 11 bis 12 Uhr vormittags die Geschäfte mit den Anfangsbuchstaben M—L, 4) von 2 bis 3½ Uhr nachmittags die Geschäfte mit dem Anfangsbuchstaben K, einschließlich Konsum. 5) vor ½ bis 5 Uhr nachmitiags die Geschäfte mit dem Anfangsbuchstaben H, 6) von 5 bis 6 Uhr nachmittags die Geschäfte mit den Anfangsbuchstaben G—A. Gefäße und Säcke sind mitzubringen. Sprockhövel, den 11. Mai 1917. • Der Amtmann: Theis. Ausgabe von Pflanzkartoffeln. Montag, den 14. Mai, werden vom Lager Albert Kern Pflanzkartoffeln in folgender Reihenfolge ausgegeben: Z von 7—8 Uhr vormittags V„ 8-10„ Uu. P„ 10½—12„ E„ 2—3„ nachmittags F„ 3-5„ A„ 5—7 Die Reihenfolge wird strengstens eingehalten. Hier nicht aufgeführte Buchstaben werden an einem noch bekannt zu machenden anderen Tage berücksichtigt. Sprockhövel, den 12. Mai 1917. Der Amtmann: Theis. Aus der engeren Heimat. Sprockhövel, den 12. Mai 1917. —[Auszeichnung.) Der Unteroffizier Siegbert Käseler wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. —[Auszeichnung im Felde.] Der Gefreite Emil Stratmann erhielt auf dem westl. Kriegsschauplatz das Eiserne Kreuz. —[Keine Kuchen und Torten mehr.] Nach einer Verordnung des Regierungspräsidenten zu Arnsberg ist die gewerbliche Herstellung und die Abgabe von Kuchen und Torten in Bäckereien und Konditoreien untersagt. —[Erhöhung der Uebernahmepreise für Aluminium.] Das Kriegsministerium hat sich entschlossen, bei Beschlagnahme und Enteignung von fertigen, gebrauchten und ungebrauchten Gegenständen aus Aluminium, die Uebernahmepreise zu erhöhen. Die Uebernahmepreise betragen: 12 Mk. für jedes Kilogramm Aluminium ohne Beschläge, 9,60 Mk. für jedes Kilogramm mit Beschlägen. Da diese Preise erst nach Veröffentlichung der bezüglichen Bekanntmachung durch die Sammelstellen gezahlt werden können, empfiehlt sich für das Publikum, die bei Ablieferung der Gegenstände erhaltenen Anerkenntnisscheine erst nach dieser Veröffentlichung zur Auszahlung des Betrages vorzulegen. Die Ablieferung darf jedoch keineswegs verzögert werden, da die Heeresverwaltung die beschlagnahmten Aluminiummengen dringend benötigt. Die Sammelstellen werden verpflichtet, außer den beschlagnahmten Gegenständen auch Aluminium in Form von nicht beschlagnahmten Gegenständen, sowie AluminiumAltmaterial zu einem Preise von 2,50 Mk. für jedes Kilogramm anzunehmen. —[Dörrverbot für Frühgemüse.] Die Knappheit an der Mehrzahl von Nahrungsmitteln ruft, worauf schon mehrfach hingewiesen ist, eine ungewöhnlich gesteigerte Nachfrage nach Gemüse in den nächsten Wochen und Monaten hervor. Damit das schon in Kürze auf den Markt kommende Frühgemüse nicht aus irgendwelchem Grunde dem Frischverbrauch entzogen und in unerwünschtem Umfange zu Dörrgemüse verwendet wird, hat sich die Reichsstelle für Gemüse und Obst veranlaßt gesehen, durch Bekanntmachung vom 30. April 1917 das Dörren von Frühgemüse bis Ende Juli allgemein zu untersagen. Ausnahmen sind für solche Fälle vorgesehen, in denen ausländische Frühgemüse nur durch die Trocknung vor dem Verderben geschützt werden können. —[Vorsicht beim Briefverkehr mit Kriegsgefangenen.] Trotz wiederholter Warnungen kommt es immer wieder vor, daß in Briefen an Gefangene im feindlichen Auslande übertriebene, zum Teil sogar unwahre Mitteilungen über die wirtschaftlichen Zustände in Deutschland gemacht werden. Es wird erneut darauf hingewiesen, daß derartige Aeußerungen, deren Tragweite der Einzelne oft garnicht zu übersehen vermag, nicht nur geeignet sind, den vaterländischen Interessen großen Schaden zuzufügen, sondern unter Umständen auch strafrechtliche Verfolgung nach sich ziehen können. —[Tierschutz im Frühling.] Der schöne Frühling ist wiedergekommen. Nun beginnt für die liebe Vogelwelt die Wohnungsfrage. Schützt die Nester der Vögel, die in Hecken und Büschen wohnen. Niemand störe ihre Ruhe oder nehme ihnen gar ihre Eier fort. Der Vogelfang ist gesetzlich verboten. Frösche, Kröten, Eidechsen und Salamander sind nützliche Tiere, die Gärten, Aecker, Wiesen von schädlichen Insekten säubern. Man nehme ihnen ihre heit nicht, man quäle oder töte diese Tiere nicht. —[Die Notlage der Zeitungen.] Nach der neu esten Liste des Berliner Postzeitungsamtes haben jetzt nicht weniger als 1430 Zeitungen und Zeitschriften während des Krieges ihr Erscheinen eingestellt. Ihre Namen umfassen 32 Folioseiten der amtlichen Mitteilung. Es sind das bereits 12 Prozent aller Zeitungen und Zeitschriften, die vor Kriegsausbruch erschienen. —[Schollen zu bereiten.] Die Schollen werden, nachdem sie sauber gewaschen sind, in kochendem Wasser, dem Salz, Pfeffer sowie etwas Essig zugesetzt sind, kurze Zeit ziehen gelassen, bis sie weich sind. Dazu wird folgende Tunke gegeben. Fischtunke: Mehrere feingeschnittene Zwiebeln werden mit einem Löffel Mehl und Fischbrühe glatt gerührt, dann die Tunke kochen lassen bis sie sämig wird. Man schmeckt sie mit Salz und Zitronensaft ab.(Nach Belieben auch mit Eidotter und mit Butter abrühren.) Senftunke: ½ Liter Fischbrühe 4 Eßlöffel voll Senf, 2 Eßlöffel Mehl werden gut verrührt, und zum Kochen gebracht. Mit Salz, Essig und Zucker abgeschmeckt. —[Aenderung der Bezeichnung dienstunbrauchbarer Mannschaften.] Zur Vermeidung irriger Auffassungen ist die Bezeichnung„arbeitsverwendungsunfähig(a. v. u.)„in Zukunft nicht mehr anzuwenden, sondern durch kriegsunbrauchbar(kr. u.) zu ersetzen. Hiernach ist in der Kriegsmusterungsanleitung, Abschnitt C H Ziffer 74, statt g. u. a. v. u.(garnison- und arbeitsverwendungsunfähig kriegsunbrauchbar— kr. u.—) zu setzen: kr. u.(kriegsunbrauchbar). Soweit in der Kriegsmusterungsanleitung in Erlassen usw. die Bezeichnung„garnison- und arbeitsverwendungsunfähig" gebraucht ist, hat sie die Bedeutung von kriegsunbrauchbar. —(Spendet Noten.] Der deutsche Feldsoldat kennt keine andere angenehmere Erholung als die Musik. Sobald er im Ruhequartier liegt, wo ihm die Sicherheit es nur erlaubt, wird Mund- oder Ziehharmonika, Klampfe oder Flöte hervorgeholt, ja, oft sogar ein eigenes Instrument gebaut. Und wo drei oder vier Musikbegabte beisammen sind, da gründen sie eine musikalische Vereinigung. Aber zu all diesen schönen Freuden fehlt oft eins: der nötige Bestand an Noten. Der Kaiser hat reiche Mittel zur Beschaffung volkstümlicher Musik für das Feldheer bereitgestellt. Die deutschen Musikverleger haben bereits große Stiftungen gemacht; auch sonst sind der königlichen Hausbibliothek, die den Versand ins Feld übernommen hat, viele Zuwendungen für diesen Zweck gemacht worden. Aber noch immer ist der Bedarf an Feldmusik nicht gedeckt. Es ergeht daher hierdurch die Bitte an alle, Noten jeglicher Art zu stiften. Begehrt werden vor allem ein- oder mehrstimmige Chorlieder, Liederbücher für Zither und Laute, leichtere Klavierstücke, Märsche, Tänze usw., volkstümliche Auszüge aus Opern, Operetten u. dergl. Auch gebrauchte Noten sind willkommen.— Zur Erleichterung der Sammlung von Noten ist auch in Münster für die Provinz Westsalen eine Sammelstelle errichtet worden. Alle Zusendungen und Zuwendungen wolle man an die Leiterin der Sammelstelle, Fräulein Irmgard von Einem, Münster in(Westf.), Königl. Schloß, richten. —[Folgen eines Streiks.] Es ist unlängst eine Notiz durch die Presse gegangen, daß der Streik in den „Deutschen Waffen= und Munitionsfabriken" in Martinickenfelde und Wittenau in der Mark dazu geführt hat, die genannten Werke durch den Oberkommandierenden in den Marken unter militärische Leitung zu stellen. Es wird von Interesse sein, daß infolge dieser Maßregel den Arbeitern untersagt wurde: 1. ohne Znstimmung des militärischen Leiters oder seines Stellvertreters die Arbeitsstelle zu wechseln, 2. von der Arbeit fernzubleiben, ohne nachweislich arbeitsunfähig zu sein, 3. die Arbeit niederzulegen, 4. die Arbeit zu verweigern oder die Arbeit absichtlich einzuschränken. Sodann wurde allgemein verboten: Arbeiter der genannten Betriebe mündlich oder schriftlich oder durch Verteilung von Drucksachen, Erlaß von Aufrufen, oder sonst in irgend einer Weise zur Einstellung oder Beschränkung der Arbeit aufzufordern oder anzureizen. Wie unsere U=Boote bekämpft werden. WTB. Berlin, 11. Mai. Am 1. Mai sichtete eines unserer Unterseeboote im Sperrgebiet der Biscaya, etwa 25 Seemeilen nördlich Bayonne, sechs auf nördlichem Kurs nebeneinander fahrende Fischdampfer, von denen der auf dem östlichen Flügel stehende die spanische Flagge und Neutralitätsabzeichen führte. Der Kommandant des Unterseebootes beschloß, die vermeintlichen spanischen Fahrzeuge zunächst anzuhalten, in der Annahme, daß sie infolge fehlerhafter Navigierung unbewußt ins Sperrgebiet geraten waren. Auf den Signalbefehl des Unterseebootes drehte ein Teil der Fischdampfer auf das Unterseeboot zu. Der andere Teil versuchte zu entkommen. Von ersteren führten zwei Fischdampfer weder Flagge noch Abzeichen, einer spanische Neutralitätsabzeichen, aber keine Flagge, ein vierter eine nicht erkennbare Flagge. Das Unterseeboot verlegte den Dampfern nunmehr den Weg, schoß dann einen Warnungsschuß ab. Unmittelbar darauf eröffneten drei von den Fischdampfern das Feuer auf das Unterseeboot. Im Verlaufe des sich entspinnenden Artilleriekampfes wurde ein Fischdampfer durch Geschützfeuer vernichtet, drei weitere niedergekämpft und später mit Sprengpatrone versenkt. Hierbei wurden 2 französische 3,7-ZentimeterGeschütze mit Munition erbeutet. Die übrigen beiden Fischdampfer, die deutlich erkennbare spanische Abzeichen und Flaggen führten und anscheinend spanischer Nationalität waren, entkamen. Der Vorfall zeigt, daß die Franzosen zur Bekämpfung unserer Unterseeboote nicht davor zurückschrecken, spanische Fischerfahrzeuge auf das schwerste zu gefährden, indem sie sich ihnen anschließen, um sie als Deckung für ihre Unterseebootfallen zu benutzen. Durcheinander in Rußland. WTB. Amsterdam, 11. Mai.(Reuter.)(Drahtb.) Kriegsminister Gutschkow sagte in der Duma, in Rußland herrsche Anarchie. Es gebe zwei Regierungen, es gebe sogar eine Vielherrschaft. Die Armee leide an derselben Krankheit, nur in einem noch viel schlimmeren Grade. Es sei nicht zu spät, die Krankheit zu heilen, aber man dürfe keinen Augenblick verlieren. 16 7 die Weltgetreideversorgung nach dem Rriegc. Reben der jetzigen Brotgetreideversorgung unserer Bevöllerung muß von allen maßgebenden Stellen auch die Frage erhoben werden, wie die Volksernährung in der ersten Zeit nach dem Kriege sicher zu stellen ist. Die Überzeugung, daß Frieden nicht gleichbedeutend mit Brot ist, bricht sich auch in den breiten Massen des deutschen Volkes Bahn. Infolge der schlechten Welternte, die nicht nur durch ungünstige Witterungseinflüsse, sondern auch unmittelbar durch Einwirkungen des Krieges, Fehlen von Arbeitsbräften und Mangel an Düngemitteln, bedingt ist, wird in den nächsten Jahren der Brotbedarf der Menschheit nur knapp gedeckt werden können. Es ist nun außerordentlich bemerkenswert zu sehen, daß die durch ihre Feinde vom Weltmeer abgesperrten Mittelmächte nach sachverständigem Urteil der ersten Zeit nach dem Kriege mit weitaus größerer Ruhe und Sicherheit entgegensehen können als z. B. England, Frankreich und Italien. Sehr lehrreiche Unterlagen für diese zu erwartende Sachlage liefert Leonhard Neumann in der neuen Fachzeitschrift „Der Getreidehandel“. Es werden zwar, sobald derKrieg beendet ist und die Volkswirtschaft ihre alten, freien Bahnen wieder aufsucht, überall zahlreiche versteckte kleine Mengen von Getreide= und Mehlreserven auftauchen, aber für die gesamte Volksernährung kommen diese Aushilfsmengen nicht ernstlich in Frage. Ein starker Einfuhrhunger nach Getreide und Futtermitteln wird unzweifelhaft überall vorhanden sein. Um so erfreulicher ist es, daß Deutschland und seine Verbündeten hinsichtlich der Möglichkeit, sich mit fremdem Getreide mitzuversorgen, aus geographischen Gründen ungleich besser gestellt sind als ihre westlichen Feinde. In seiner östlichen, heute noch feindlichen Nachbarschaft, sind infolge des fast lückenlosen Abschlusses vom Weltmeer und der schlechten Binnen=Verkehrsverhältnisse in den nahezu drei Jahren des Krieges zweifellos Vorräte vorhanden, die größer sein müssen als in irgendeinem andern Getreideausfuhrland der Welt. Dazu kommt für die Mittelmächte Rumänien, das seine Überschüsse im Friedensfalle vorzugsweise Deutschland und Österreich wird zuführen müssen. In den übrigen Getreideausfuhrländern, die fast ausschließlich für unsere Feinde in Betracht kommen, liegen die Dinge ganz anders. Dort kann von größeren Reservevorräten, wie in Rußland, nicht die Rede sein. Nordamerika hat sich bereits überexportiert. Die letzte amerikanische Weizenernte war, wie man weiß, sehr schlecht; in den Vereinigten Staaten betrug sie 17,4 Mill. im Jahre 1915, und in Kanada 5,9 Mill. gegen 10.2 Mill. To. Die Aussichten für die Ernte 1917 sind nicht minder gering. Argentinien fällt völlig aus. Lediglich in Australien sind noch größere Überschüsse von etwa 4,7 Mill. To. vorhanden. Auch aus Indien glaubt England 2 Mill. To. Weizen beziehen zu können. Die Aussichten für die neue indische Ernte sind sehr ungewiß. Die letzterwähnten Weizenvorräte können aber unsern Feinden nur sehr langsam und unter großen Schwierigkeiten zufließen. Die ungeheure Entfernung zwischen England und Australien, sowie Östindien wird durch den starken Frachraummangel noch vervielfacht. Die Getreideversorgung der Mittelmächte wird sich dagegen bedeutend schneller und glatter vollziehen können, vorausgesetzt, daß in die Friedensverträge Bestimmungen aufgenommen werden, die Deutschland und seinen Verbündeten einen solchen Getreidebezug ermöglichen. Unter allen Umständen wird das Heranziehen ausländischer Getreidezufuhren für uns eine gewaltige Aufgabe sein. die schwere niederlage Sarrails. WTB. Die bulgarischen und deutschen Truppen brachten Sarrail auch am 9. Mai wieder eine schwere Niederlage bei. Norwestlich von Monastir, wo das Höhengelände bei 1248 gegen Mittag unter schwerem feindlichen Feuer lag, wurde ein starker Infanterieangriff in drei Kilometer Breite unter den schwersten Verlusten für den Feind abgewiesen, ebenso im Cerna=Bogen, wo vier feindliche Angriffe vollständig scheiterten. Der erste vergebliche Ansturm in den Morgenstunden wurde im Sperrfeuer, zum Teil im Gegenstoß abgewiesen. Nach nochmaliger mehrstündiger Feuervorbereitung trugen zusammengewürfelte Kontingente Sarrails einen heftigen Angriff in einer Breite von 16 Kilometer vor; sie wurden auf der ganzen Front mit Ausnahme einer Höhe südlich von Orle unter schwersten Verlusten geworfen. Ungezählte Tote liegen vor unseren Linien. Über 250 Gefangene, 2 Maschinengewehre und vier automatische Gewehre wurden bisher eingebracht. Nachdem abends noch zwei weitere feindliche Angriffe abgewiesen waren, wurde auch das auf der erwähnten Höhe südilch von Orle in den Händen des Gegners gebliebene Grabenstück von bulgarischen und deutschen Truppen gemeinsam im Gegenangriff wieder genommen. Wie nachträglich gemeldet wird, war es den Serben am Oberlaufe der Moglenica am Abend des 8. Mai gelungen, in den ersten Graben einzudringen, aus dem sie morgens am 9. Mai burch die Bulgaren hinausgeworfen wurden. Weiter östlich gegen Zborske und Tusin vorgehende stärkere Abteilungen wurden leicht abgewiesen. Südwestlich des Ortes Doiran, wo am Vortage mit großer Erbitterung um den Stautzberg gerungen worden war, entriß das tapfere bulgarische Infanterie=Regiment Nr. 34 am Vormittag des 9. Mai durch einen kraftvollen Gegenstoß dem Gegner wiederum die geringen Vorteile,. die der Gegner am Vormittag unter schwersten Verlusten hatte erringen können.— Die ganze Vorstellung ist somit wieder fest in der Hand der Verbündeten. die ungeheuren Artilleriemassen an der Westfront. WTB. Berlin, 11. Mai. Aus einem erbeuteten eng lischen Befehl des 17. Korps, das am 9. April im Abschnitt Maison blanche bis etwa zur Scarpe angriff, geht hervor, mit welch ungeheuren Artilleriemassen die Engländer ihre Angriffe am Östermontag vorbereitet hatten. Auf der fast 5000 Meter langen Front feuerten nicht weniger als 698 Geschütze und 268 Minenwerfer. 362 der Geschütze waren von Kaliber 8,3 Zentimeter, 114 von 11,4 Zentimeter, 28 von 15 Zentimeter, 32 von 20 Zentimeter, 40 von 23,4 Zentimeter, 5 von 30,4 Zentimeter, 2 von 38 Zentimeter. Ferner befanden sich darunter 12 Minengeschütze von 15,2 Zentimeter, 60 von 12,7 Zentimeter, 1 von 3,4 Zentimeter. Unter den 268 Minenwerfern waren 40, die Minen von 138 Pfund warfen. Vorsichtig geschätzt dürften an der gesamten 20 Kilometer langen Angriffsfront vom Östermontag mindestens 4000 Geund Minenwerfer in siebentägigem Feuer durch 9—10 Millionen Geschosse die deutschen Stellungen sturmreif geschossen haben. Die von den Engländern bis heute an der Angriffsfront verfeuerte Munition darf auf mindestens 25 bis 30 Millionen Granaten und Minen berechnet werden. Niederträchtige Behandlung deutscher kriegsgefangener Flieger durch die Franzosen. WTB. Vor kurzem wurde ein im Westen erbeuteter Befehl der 9. französischen Armee veröffentlicht, der eine anständige und ritterliche Behandlung gefangener deutscher Flieger, wie sie zum Leidwesen der französischen Heeresleitung vereinzelt vorgekommen zu sein scheint, ausdrücklich auf das schärfste verbietet. Wie solche Befehle ausgeführt werden, zeigt ein soeben bekannt gewordener Bericht über das Ausfragelager für gefangene deutsche Flieger im französischen Korpsstabsquartier Mondy. Das Lager liegt auf einer windigen Höhe. Es besteht aus kleinen Einzelzelten, deren jedes in einem besonderen Stacheldrahtkäfig liegt. Als Nachtlager dient loses Stroh mit einer Zeltbahn als Decke. Die Verpflegung ist knapp und schlecht. Jeder Offizier erhält täglich eine Büchse kaltes Konservenfleisch, ein halb Pfund Brot und Wasser aus einem Feldeimer. Die Mannschaft bekommt nur jeden dritten Tag kaltes Fleisch. Unter Bedrohungen und Beschimpfungen werden die Flieger ausgefragt. Verweigern sie die Aussage, um so länger verbleiben sie im Lager. Oft wird ihnen, um sie durch Kälte gefügig zu machen, das Lagerstroh und die Decke entzogen. Auf Veranlassung des Kriegsministeriums hat die Oberste Heeresleitung sofort für gefangene französische Flieger ein entsprechendes Lager einrichten lassen, das solange bestehen bleiben wird, bis die französische Regierung Gewähr für eine anständige Behandlung gefangener deutscher Flieger gegeben hat. Es ist bedauerlich, daß wir tapferen Gegnern die ihnen bisher gewährte Rücksicht nicht weiter erweisen können. Das empörende Verhalten der Franzosen zwingt Deutschland immer wieder dazu, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, um seine kriegsgefangene Söhne in französischer Hand vor Entwürdigung zu schützen. Lebensmittelmangel in Frankreich. TU. Die Klagen über den Mangel an Lebensmitteln nehmen trotz der beginnenden warmen Jahreszeit in der französischen Presse einen immer größeren Umfang an. In Vordeaux fehlt es seit 2 Tagen an Brot, weil die Verwaltungsbehörde den Bäckereien kein Mehl mehr liefern kann. Amerikanische Anleihe für Belgien und Frankreich. WTB. Washington, 11. Mai. Reutermeldung. Die Regierung hat Belgien und Frankreich eine gemeinsame Anleihe von 75 Millionen Dollars gewährt. Die Regierung übernimmt damit die Finanzlasten des belgischen Hilfsdien. stes. Die amerikanische Hilfskommission wird die Gesamtkosten der Lieferungen tragen. Die Verwaltung wird Spaniern und Holländern anvertraut werden. wer verzögert den Frieden? WTB. Stockholm, 11. Mai. Die schwedische Presse befaßt sich in der letzten Zeit viel mit der ungenügenden Weltgetreideernte und der infolgedessen drohenden Welthungersnot.„Aftonbladet“ veröffentlicht einen Leitartikel über die Frage: Was verzögert den Frieden? und kommt zu dem Ergebnis, daß die Entwickelung der Verhältnisse Rußlands und die zu befürchtende Welthungersnot die Beendigung des Krieges beschleunigen müßten. Besonders durch die letztere sei eine Lage eingetreten, die die Fortsetzung des Kampfes vollständig sinnlos mache. England strebe danach, Deutschland zu vernichten, während Deutschland stark in dem Bewußtsein der erfolgreichen Verteidigung und im Interesse der Menschheit und der Zivilisation den Frieden angeboten habe, aber nun, höhnisch zurückgewiesen, sich gezwungen sehe, gegen den unbarmherzigen Feind dessen eigene Waffe, den Aushungerungskrieg, zu kehren. Für die neutralen Staaten, die in hohem Grade von den Folgen des Krieges getrofsen würden, sei es nicht nur eine Pflicht gegen die Kultur und die Bevölkerungen der kriegführenden Länder, sondern auch eine Tat des Selbsterhaltungstriebes, jetzt den sinnlosen Kampf zu beenden. Die Konferenz in Stockholm. Stockholm, 11. Mai. Svenska Telegram Byran meldet: Die Berner internationale sozialistische Kommission hat durch den augenblicklich in Stockholm weilenden schweizerischen Nationalrat Robert Grimm die an die Kommission angeschlossenen Parteien und Gruppen zur dritten Zimmerwalder Konferenz in Stockholm am 31. 5. eingeladen, auf der die Friedensfrage und die Stellungnahme zu der von der holländischen Delegation einberufenen Stockholmer Konferenz behandelt wexden soll. bb. Der erste Teil der Stockholmer Sozialistenkonferenz, der die Sonderberatungen umfassen soll, wird am 15. Mai beginnen. Gegen Ende Juni hofft man zu größeren gemeinsamen Verhandlungen zu gelangen. Ebenso wie der Nationalausschuß der englischen Arbeiterpartei beschlossen hat, keine Delegierten nach Stockholm zu schicken, entschloß sich auch die Konferenz des äußersten sozialistischen Flügels in Petersburg, an dem Kongreß in Stockholm nicht teilzunehmen. bb. In einer Besprechung, die Bergbjerg mit der Vertretung der deutschen Sozialdemokratie gehabt hat, ist, wie der sozialdemokratische Parteivorstand im„Vorwärts“ schreibt, der Friede ohne Annexionen, mit dem selbstverständlich auch die Unversehrtheit unseres Landes gegeben sei, Grundlage der Verhandlung gewesen. Freundschaftliche Übereinkommen über Grenzberichtigungen, wie sie auch seien, sei dagegen nicht ausgeschlossen. Niemand werde deshalb den Krieg auch nur um einen Tag verlängern wollen. Die englischen Sozialisten gehen nicht nach Stockholm. TU. Das holländische Nieuwe=Büro meldet aus London: Der Nationalausschuß der britischen Arbeiterpartei beschloß, keine Delegierten nach Stockholm zu schicken. Der Parteiausschuß plant, Mitte Juni zusammen mit der britischen Sozialistenpartei einen Kongreß in London abzuhalten. Ein Ultimatum des Arbeiter- und Soldatenrates. TU. Der Daily Telegraph meldet aus Petersburg: Der Arbeiter= und Soldatenrat stellte der vorläufigen Regierung ein Ultimatum nach Durchführung der Forderungen des Arbeiterrats in Sachen der auswärtigen Politik. Die Strömungen in Rußland. bb. Im Berliner Tageblatt werden die 3 Strömungen in Rußland besprochen. Die erste wird von der provisorischen Regierung verkörpert und von allen Mittelklassen der neuen Demokratie und der gemäßigten Sozialisten unter Führung Plechanoffs, ferner der guten Hälfte der Petersburger Garnison und beinahe aller Truppen an der Front und in den übrigen Städten Rußlands unterstützt. Diese Strömung sei für unbedingte Fortsetzung des Krieges an der Seite der Alliierten. Die zweite Strömung unter Leitung des Arbeiter= und Soldatenrates umfasse die Mehrheit der Petersburger Arbeiterschaft und die Hälfte der Petersburger Truppen. Sie verfüge über sehr große materielle Macht und wolle bald möglichst die Einstellung der Feindseligkeiten auf Grund einer Verständigung der sozialdemokratischen Parteien Europas. Die drikte Strömung verkörpere sich in Lenin und seinem Anhang und fordere den sofortigen Übergang der Staatsgewall auf das Proletariat und die sofortige Beendigung des Krie ges um jeden Preis. Rußlands Schulden. TU., Nach dem Petersburger Korrespondenten des Corriere della Sera war die Geheimdepesche, die Miljukow in der denkwürdigen Nachtsitzung auf den 4. Mai den Delegierten vorgelesen hat, eine Depesche der amerikanischen Regierung, in der diese als Vorbedingung der in Aussicht gestellten Finanzmaßregeln bestimmte politische Erklärungen verlangte, Finanzminister Tereschenski erklärte, daß die russischen Staatsschulden während der drei Kriegsjahre von 8 800 Mill. Rubel auf 36 Milliarden Rubel gestiegen seien und der Notenumlauf von 1600 Millionen auf 10 300 Millionen Rubel. Die täglichen Kriegskosten, die zu Anfang des Krieges 14 Millionen Rubel betrugen, sind gegenwärtig auf 50 Millionen Rubel gestiegen. Ermordung englischer Seeoffiziere. WTV. Während der Unruhen der letzten Zeit wurde in Kronstadt auch eine Reihe englischer Seeoffiziere ermordet. Es wird berichtet, daß die russischen Matrosen den englischen Offizieren den Gehorsam verweigern. WTV. Petersburg, 11. Mai. Reuter. Generalmajor Kartzow, Kommandant einer sibirischen Füsilierdivision, ist in Riga auf einem Spaziergange in der Nähe des Bahnhofes ermordet worden. Gewaltige Überschwemmungen. bb. Petersburger Meldungen zufolge ist Archangels und Umgegend von einer ungeheuren Überschwemmung heimgesucht, die unermeßlichen Schaden angerichtet hat. Eine große Anzahl von Dampfern und Segelschiffen ist samt ihrer Ladung im Hafen gesunken. Alle in der Stadt aufgespeicherte Lebensmittelvorräte sind durch das Wasser zerstört die innere Krisis in Italien. TU. Die trotz aller Zensur der Verheimlichungstaktik der Kriegspresse nicht mehr abzuleugnende Friedensbewegung in Italien schwillt jeden Tag an und beginnt, den Interventionisten bedenklich zu werden. Sie sehen den Tag der Abrechnung herannahen, und wenden sich in ihrer Angst an die Regierung mit der Forderung um energisches Vorgehen gegen die inneren Feinde. Nachdem gestern die Mailänder Liberal=Konservativen der Regierung ihre Gefolgschaft aufgesagt haben, stellt nunmehr auch der äußerste linke Flügel der Interventionisten in seinem Organ Popolo d'Italia der Regierung das Ultimatum, entweder zu zeigen, daß sie auf der Höhe der Lage ist und zwar, daß sie sofort mit den inneren Feinden aufrämnne und sonstige Anstalten mache, um den Krieg zu gewinnen, oder die Interventionisten ganz Italiens würden zu ihren Feinden übergehen. Angesichts der auf den 24. Mai erwarteten Kammereröffnung verdienen diese Anzeichen einer bevorstehenden Krise Beachtung. TU. In Mailand wurden, wie der Corriere della Sera meldet, 8 Anarchisten verhaftet, die Aufrufe an die Bevölkerung mit aufreizender Einladung zum Beginn von Unruhen verteilten. In einer Druckerei wurden 30 000 dieser Aufrufe beschlagnahmt. Auch der Besitzer und die Arbeiter der Druckerei wurden verhaftet. der Krieg zur Sec. 82000 Tonnen im mittelmeer versenkt. WTV. Verlin, 11. Mai. Im Mittelmeer wurden nach neueren Meldungen 9 Dampfer und 8 Segler mit 82 000 To. versenkt, darunter am 11. April der italienische, mit Munition beladene Dampfer„Candia"(1045 To.), am 14. April der französische Dampfer„Ganges"(6868 To.), am 16. April ein unbekannter bewaffneter Dampfer von etwa 5000 To., aus einem Geleitzuge heraus, am 21. April der bewaffnete, tief beladene Dampfer„Jarricon"(3674 Tonnen), am 24. April der bewaffnete englische Dampfer„Reynolds"(3264 To.) mil 4500 To. Kohle auf dem Wege nach Port Said, am 26. April der italienische Segler„August Torantol"(200 To.) mit Phosphat von Tunis nach Alexandria, am 28. April der englische Dampfer„Pontius"(3945 To.) mit 5260 To. Mais, und Gerste nach Italien. Der Chef des Admiralstabes der Marine. 257 000 Tonnen italienischer Schiffsverlust im April. TU. Laut Meldungen aus Genua beträgt der Verlust der italienischen Handelsflotte im April 257 000 Tonnen, das sind 30% mehr als im Monat März. Versenkt. TU. Rotterdam, 11. Mai. Die holländischen Blätter melden, daß der holländische Dampfer„Borneo" auf der Reise von Udvagel nach Rotterdam die Insassen von zwer Booten des versenkten dänischen Dampfors„Esther“ rettete. Die„Vorneo“ wird im Laufe des morgigen Tages hier erwartet. SB. Haag, 11. Mai. Der Motorschooner Bruno wurde von einem deutschen U=Boot in der Nordsee versenkt. Die Besatzung wurde auf das Leuchtschiff Nordhinder gebracht. WTV. Kopenhagen, 11. Mai. Die dänische Gesandtschaft in London berichtet, der dänische Schooner Jörgen Olsen sei auf der Reise von Amerika nach England mit Holzladung im Atlantischen Ozean versenkt worden. Englischer Minenzerstörer torpediert. WTB. London, 10. Mai. Die englische Admiralität meldet, daß ein Minenzerstörer am 5. Mai torpediert worden und gesunken ist. 2 Offiziere und 20 Mann werden vermißt. Folgen des U=Bootkrieges. TU. Das Berner Tageblatt meldet aus London: In Southfield liegen 64 schwedische Dampfer fest. Der Schiffsverkehr England=Schweden und England=Holland ruht völlig. Geheimsitzung des englischen Unterhaufes. TU. Dem„Amsterdamer Handelsblad“ wird aus London gemeldet: Heute wird eine geschlossene Sitzung des englischen Parlaments abgehalten werden, die morgen vermutlich fortgesetzt wird. Lloyd George, der, seitdem er Ministerpräsident geworden ist, den Sitzungen des Unterhauses nicht mehr regelmäßig beiwohnt, wird erscheinen. Wie man erwartet, wird er u. a. über Rußland, die Unterseebotgefahr und Saloniki sprechen. Carson über den U=Bootkrieg. TU. Im englischen Unterhause wurde der Marineminister Carson abermals über den U=Bootkrieg befragk. Carson betonte, daß die Bewaffnung der Kauffahrteischiffe die völterrechtliche Stellung ihrer Bemannungen nicht beeinflusse. Der einzige Unterschied sei, daß Handelsschiffsmatrosen vom Feinde als Kriegsgefangene und nicht als bürgerliche Gefangene behandelt würden. Weittragende Geschike wiirden möglichst verwendek. De A=Bookabwehrabteilung beschäftigk sich in der Admiralität mit der tachnischen Geite des Kampfegegen die U=Boote, und beratend auch mit der englischen Kriegführung. Ein Sinnfeiner ins englische Unterhaus gewählt. WTB. London, 11. Mai. In South Longford wurde der Kandidat der SinnfeinerPartei, Max Guines, mit 1498 Stimmen ins Unterhaus gewählt. Der offizielle Kandidat der Nationalisten, Mac Kenna, blieb mit 1461 Stimmen in der Minderheit. Max Guines hat an der irischen Revolution teilgenommen und befindet sich jetzt im Gefängnis. Ankauf der österreichischen Schiffe in Amerika. WTB. Reuter meldet aus Washington: Das Schiffahr amt kaufte von den amerikanischen Eigentümern 7 frühere österreichische Dampfer von zusammen 52 621 Brutto=Registertonnen, die in amerikanischen Häfen liegen, um sie für Kriegshandelszwecke zu verwenden. Reichstag. Berlin, 10. Mai. Auf der Tagesordnung stehen die deutsch-türkischen Rechtsverträge. Staatssekretär Dr. Zimmermann: Die deutsch-türkischen Rechtsverträge, die am 11. 1. 17 in der Reichskanzlei unterzeichnet wurden, sind zwar juristisch-technischer Natur, haben aber doch eine hohe politische Bedeutung. Sie verfolgen den Zweck, das sogenannte System der Kapitulationen zu ersetzen, die die Verhältnisse der Türkei seit Jahrhunderten geregelt hat. Wir wünschen, daß die deutschen Untertanen in den türkischen Ländern frei und sicher leben können. Dazu bedarf es eines Rechtszustandes, der es fremden Agenten unmöglich macht, unter dem Deckmantel der Kapitulationen ganze Provinzen der Türkei loszureißen.— Ministerialdirektor Dr. Krüger gibt einen historischen Überblick der deutsch-türkischen Rechtsbeziehungen.— Aba. Spahn(Ztr.): Meine politischen Freunde werden den Verträgen zustimmen.— Abg. Landsberg(Soz.): Wir Sozialdemokraten erkennen den Anspruch eines jeden Volkes auf Freiheit an und gönnen es dem türkischen Volke von Herzen, daß es durch Abschüttelung der Kapitulationen Herr im eigenen Lande geworden ist. Dem Auslieferungsvertrage werden wir unsere Zustimmung versagen, weil oft Mißbrauch mit der Auslieferung politischer Männer getrieben wird.— Abg. Dr. Liszt(F. Vpt.): Auch wir haben einen Anlaß, dem Vertrage unsere Genehmigung zu versagen. Gegen einige Bestimmungen des Auslieferungs vertrages haben wir jedenfalls Bedenken. Abg. Dr. Thoma(Natl.): Wir begrüßen die Verträge. Durch sie eröffnet sich auch dem deutschen Sprach- und Schulverein ein großes Gebiet. Wir nehmen die Verträge en bloc an.— Damit schließt die erste Lesung. Es folgt sofort zweite Lesung.— Abg. Dr. Spahn(Zentr. en bloc-Annahme mit Ausnahme des Auslieferungs=, Niederlassungs- und Wehrpflichtsvertrages.— Die en bloc=Annahme der übrigen Einzelverträge erfolgt. Die beanstandeten Verträge werden in einfacher Abstimmung angenommen. In sofortiger dritter Lesung werden darauf die Verträge gleichfalls angenommen, ebenso die Ausführungsbestimmungen zu den Verträgen sowie die Rechtsverträge, die sich auf die Schutzgebiete beziehen. W. Bor Aus Dm 18 Vn lin, 11. des Reichstages hat mit 16 gegen 9 Stimmen eine fortschrittliche Entschließung zur Frage des Reichstagswahlrechtes in nachstehender abgeänderter Faffung angenommen: den Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage alsbald einen Gesetzentwurf vorzulegen, der bestimmt, daß bis zur allgemeinen neuen Festsetzung des Verhältnisses der Wählerzahl zur der Abgeordneten die Wahlkreise mit einem besonders erhalten. Einführung der Verhältniswahl für diese herrenhaus. WTB. Berlin, 10. Mai. Präsident Graf von ArnimBoitzenburg eröffnet die Sitzung.— Zu Ehren der seit der letzten Sitzung verstorbenen Mitglieder Geh. Kommerzienrar Sueg und Generaloberst Frhr. von Bissing, erhebt sich das Haus..— Auf der Tagesordnung steht die Beratung über die Steuerfreiheit der Kriegsbeihilfen.— Nach dem Gesetzentwurf sollen die aus Anlaß der Kriegsteuerung bewilligten Beihilfen und Zulagen der unmittelbaren und mittelbaren Beamten, Lehrer, Angestellten und Arbeiter des Reiches, des Staates und der Kommunalverbände, sowie der Geistlichen, Lehrer, Beamten, Angestellten und Arbeiter der Kirchenverbände, Kirchengemeinden und anderer Religionsgemeinschaften und Religionsgemeinden frei von Staatsund Gemeindesteuern sein. Die Finanzkommission beantragt Annahme des Gesetzentwurfs mit der Maßgabe, daß die Steuerfreiheit nur für das Jahr 1917 Geltung haben soll.— Oberbürgermeister Scholtz=Danzig: Es ist bedenklich, das Gesetz auf ein Jahr zu befristen. Wir halten es für angezeigt, daß die Kriegsbeihilfen, so lange sie gezahlt werden, steuerfrei bleiben. Ich beantrage, die Anderung, die die Kommission vorgenommen hat, zu streichen..— Der Antrag wird angenommen und mit dieser Abänderung wird der Gesetzentwurf angenommen.— Der Entwurf eines Wohnungsgesetzes wird einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen.— Es folgen Petitionen. die Kriegsgefangenen der mittelmächte. Die nachstehende Zusammenstellung gibt einen Überblick über die von den deutschen und den verbündeten Truppen im Verlaufe des Krieges gemachten Gefangenen. Die Übersicht zeigt, in welcher Zahl die Gefangenen am 1. Februar 1917 in den verschiedenen verbündeten Staaten untergebracht waren: die Ernährungsfragen zirtschaftsplan erstattet ba. Mertin(Dt. Fr.) (Lebh. Beifall.)— Darauf werden die erörtert.— Den Bericht über den Wirt Abg. Dr. Matzinger(Zentr.).— Abg. Mertin(Dt. Fr.) erstattet den Ausschußbericht über die Denkschrift über wirtschaftliche Maßnahmen während des Krieges.— Präsident des Kriegsernährungsamts v. Batocki: Die Grundlagen unserer Volksernährung erschienen unsern Gegnern für einen Krieg unhaltbar, da wir 40 Prozent unsers Bedarfs aus dem Auslande beziehen mußten, zumal der Mehrbedarf des Heeres hinzukäme. Tatsächlich macht sich, je länger der Krieg dauert, eine wachsende Knappheit geltend. Wir können froh und dankbar sein, wenn es unserer landwirtschaftlichen Bevölkerung gelingt, die Erzeugung auch nur einigermaßen auf der Höhe zu erhalten. Man hoffe aber nicht, daß man durch hohe Preise oder durch Zwang die Produktion wesentlich erhöhen könne. Wir haben mit großer Knappheit zu rechnen. Damit haben wir uns abgefunden und wir werden uns weiter damit abfinden. Das Ziel muß sein eine richtige Verteilung der Erzeugung zwischen Mensch und Tier; darin ist zweifellos viel gefehlt worden. Die großen Städte und die dicht bewohnten Industriegebiete machen die Verteilungsarbeit auch nicht leichter. Gelingt es nicht, diese Zentren zu versorgen, so bricht unser Wirtschaftsleben zusammen Der freie Handel war nicht imstande, die Bevölkerung im 12. Erntemonat zu ernähren. Beim freien Verkehr würde nicht zurückgehalten, wohl aber überverbraucht worden sein. Die Erfassung der Erzeugnisse muß lickenlos sein, jede Lücke bedeutet eine Preissteigerung. Wir sehen jetzt, daß unsere Feinde die Rationierung nachmachen. Das Brotkartensystem ist aber in unserm Sinne für England völlig undurchführbar. Bedauerlich ist der Schleichhandel, gegen den nur mit Hilfe des Publikums angekämpft werden kann. Für das nächste Jahr wird, ob Krieg oder Frieden, mit einer Knappheit zu rechnen sein. Bei Obst und Gemüse wollen wir jetzt den Kleinhandel walten lassen; hoffentlich gelingt der Versuch. Die Orgainsation wird immer weiter anszubauen sein. Die größten Schwiergkeiten bereiten mir die Bestandsaufnahmen und die Befundsschätzungen. Das letzte Jahr war abnorm, und der ungewöhnliche Frost hat unseren Kartoffelvorräten erheblich geschadet. Wir hatten den Schaden aber zunächst weit höher geschätzt, als er nachher tatsächlich war. Ein Fehler war es ferner, daß wir zu spät in den Schweinebestand eingegriffen haben. Unsere Hoffnung auf Rumänien darf nicht übertrieben werden. Gewiß werden wir einen erfreulichen Zuschuß von dort bekommen, wir dürfen aber nicht vergessen, daß unter englischer Herrschaft das Land arg verwüstet worden ist. Unsere Verbündeten können nichts abgeben. Am schlimmsten stand es in der Fetterzeugung. Durch unsere Thesaurierungspolitik sind wir aber für die Zukunft gesichert. Unsere Reserven reichen aus für eine lange Versorgung. Die Kohlrübenwochen haben unsere Sorgen vermehrt. Die Kritik wurde lebhafter. Jeder Mensch ist ja Sachverständiger auf dem Gebiete der Ernährung. Ich brauche die Mitarbeit des ganzen Volkes, namentlich der Behörden. Bei der Kritik sollte mehr Verständnis herrschen zwischen Stadt und Land. Gerade vor einem Jahre drohten unsere Gegner mit dem Hungergespenst, um unsere Truppen mürbe zu machen. Ich bin sicher, daß diese Hoffnungen der Feinde auch diesmal zusammenbrechen werden, und daß wir siegreich bestehen werden.— Abg. Lederer(Zentr.): Wir dürfen nicht mit dem Darck an die Landwirte zurückhalten. Unser Schicksal ist unzertrennbar verbunden mit der Landwirtschaft. Würden die Bauern einmal stroiken, so wäre bas unser Untergang.— Aba. Schmidt(Soz.): Der frühzeitige Ausdrusch ist nötig, um die Bestände in die öffentliche rtschaftung zu bekommen. Die Versorgung mit billigen Fleischrationen muß in allen Gemeinden durchgeführt werden.— Weiterberatung Freitaa. Russen Serben Montenegriner Italiener Rumänen Franzosen Engländer Engläuder Franzosen Italiener Russen Numänen Serben Belgier Montenegriner Offiziere 4755 709 31 2227 542 12 18 Mannschaften 848 098 96 363 5564 95 485 37 785 453 13 Zusammen 852 853 97 072 5 595 97712 38 327 465 31 Engländer Franzosen Russen Rumänen 704 23 199 23 903 in Gefangenschaft der 27 620 2 846 651 2874271 Es waren also am 1. Februar Mittelmächte: Offiziere Mannschaften Zusammen Deutschland 17474 1673257 1 690 731 Österreich=Ungarn 8294 1083761 1092 055 Bulgarien 1148 66434 67582 Türkei 704 23199 23903 Von diesen insgesamt 2 874 271 Kriegsgefangenen waren, Russen Franzosen Engländer Italiener Belgier Rumänen Serben Montenegriner Auf einen gefangenen Offizier entfielen Mannschaften: Bei den Russen 145, den Franzosen 57, den Engländern 26, den Italienern 42, den Belgiern 62, den Numänen 50, den Serben 169, den Montenegrinern 180. Aus westdeutichland. Köln, 11. Mai. Wie die Köln. Volksztg. erfährt, hat sich der Kaiser für die Berufung des Feldoberpfarrers Prälat Dr. Middendorf zum Dompropst an der Kölner Domkirche entschieden.(Prälat Dr. Arnold Middendorf ist ein Priester aus der Diözese Paderborn geboren am 4. April 1867 zu Freren bei Osnabrück, wurde er am 15. März 1891 in Paderborn zum Priester geweiht und im Jahre 1896 zum Militäroberpfarrer der 1. Gardediviston in Spandau ernannt. Bei Ausbruch des Krieges wurde er zum Feldoberpfarrer befördert.) Köln, 11. Mai. Auf den Draunkohlen=Bergwerken Grefreth und Clarenberg bei Frechen und Donatus bei Liblar sind die durch den langanhaltenden Frost zermürbten und infolge der plötzlichen Hitze vollkommen ausgetrockneten Kohlen in Brand geraten. Durch den starken und verschiedentlich umspringenden Wind war es nicht möglich, das Feuer im Entstehen zu löschen. Die Löscharbeiten, zu denen Militär herangezogen ist, machen gute Fortschritte. Krefeld, 11. Mai. Die Handelskammer hat an den Reichskanzler eine Eingabe gerichtet, in der ausgeführt wird, daß es nötig sei, daß der Handel und die Industrie im Herrenhaus eine ihrer Bedeutung entsprechende Vertretung erhalte und daß den Handelskammern das Wahlrecht verliehen werden möchte. Emmerich, 11. Mai. Infolge des Ausweiszwanges und der Grenzverordnungen hat das Reisen der Hamsterer und Schleichhändler in das Grenzgebiet aufgehört. Natürlich versuchen die Grenzfahrer jetzt das Feld ihrer Tätigkeit weiter zurück zu verlegen. Die Polizei in Wesel warnt schon vor Ausfuhr von Lebensmitteln aus dem Kreise Rees. Düsseldorf, 11. Mai. Trotz umfangreicher Vergrößerung der städtischen Kriegsküchen kann der Bedarf an Mittagessen nicht gedeckt werden. Der Vorstand der Küchen mußte sich unter diesen Umständen entschließen, eine Herabsetzung der gewährten Portionen vorzunehmen. Die Erweiterung der Küchen ist geplant, die Fertigstellung aber vor Herbst nicht möglich. M.=Gladbach, 11. Mai. Im Januar d. J. war der Rentner Alois Mundt aus Hemmerden in einer Konditorei in Köln angehalten worden, als er einen Pack mit etwa 60 Pfund Weizenmehl bei sich trug. Er gab an, er habe das Mehl in der Konditorei verkaufen wollen. Die hiesige Straf, kammer verurteilte ihn wegen Beiseiteschaffung von beschlagnahmtem Brotgetreide zu 3000 M Geldstrafe. Elberfeld, 11. Mai. Die Stadtverordneten beschlossen, den städtischen Beamten und Angestellten sowie den Lehrern und Lehrerinnen an städtischen Schulen vom 15. Mal ab Teuerungszulagen nach staatlichen Grundsätzen zu gewähren; ferner die Lebensmittelkommission um drei Arbeitervertreter zu verstärken. Elberfeld, 111. Mai. Der Gepäckträger Johann Pauli wurde von der Strafkammer zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt; er hatte seit mehreren Monaten auf dem hiesigen Hauptbahnhofe Gepäckstücke geraubt. Bei einer Haussuchung wurden Spitzensachen, Pelzgarnituren, feines Schuhzeug, Fleischwaren usw. aufgefunden, deren Wert in die Tausende ging. Elberfeld, 11. Mai. Der Eisenbahndirektionspräsident Wirklicher Geheimer Oberbaurat Hoeft feierte gestern seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlaß hat die Stadtverordnetenversammlung ihn zu ihrem Ehrenbürger ernann Essen, 11. Mai. Gestern nachmittag sprang au Bahnsteig 2 Essen Hbf. eine Frau, deren Namen noch nich ermitelt werden konnte, in selbstmörderischer Absicht vor den einfahrenden Personenzug 274 und wurde sofort getötet. Iserlohn, 11. Mai. Einen qualvollen Tod erlitt der Arbeiter Klein von hier, Vater von fünf Kindern. Auf dem Gundwiger Messingwerk schlug beim Gießen eine Stichflamme in einen Ölbehälter, der sich entzündete. Bei den Löschungsarbeiten fingen die Kleider des genannten Arbeiters Feuer. Über und über mit Brandwunden bedeckt, erlöste ihn der Tod bald von seinen Schmerzen. Minden, 11. Mai. Der Leutnant und Komp.=Führer Nackelmann von hier, dem vor kurzer Zeit das Eiserne Kreuz erster Klasse verlehen worden war, ist gefallen. Wegen seiner hervorargenden Tapferkeit wurde er noch nach seinem Tode zum goldenen Ehrenkreuz für heldenmütige Tat eingereicht und erhielt diese Auszeichnung auch. Aus aller welt. Berlin, 11. Mai. Die Magistratsvorlage über den Erwerb der Gewerkschaft Trier ist einem Fünfzehnerausschuß der Stadtverordneten übergeben worden, und es wird sich nun darum handeln, zu prüfen, ob auch nach Ansicht der Stadtverordneten die Vorteile, die sich der Magistrat von dem Erwerb verspricht, im Verhältnis zu den Millionen stehen, die die Stadt für das Unternehmen aufwenden muß. Depeschenwechsel zwischen Talaat Pascha und dem Reichskanzler. WTB. Berlin, 11. Mat. Zwischen dem türkischen Großwesir Talaat Pascha und dem Reichskanzler hat anläßlich der Rückkehr des ersteren nach Konstantinopel ein Depeschenwechsel stattgefunden, in der die Unlösbarkeit des deutsch-türkischen Bündnisses und der unerschütterliche Wille zum Siege nochmals betont wird. Schweres Bootsunglück. bb. Danzig, 11. Mai. Ein schweres Bootsunglüch ereignete sich in der Danziger Bucht. Drei Schiffer, darunter zwei Landsturmmänner, hatten sich in Zoppot ein Boot gekauft und wollten es über See nach Neufahrwasser bringen, Unterwegs füllte sich das Boot mit Wasser. Die beiden Landsturmleute sprangen in die See, um schwimmend das Ufer zu erreichen, sie ertranken aber. Der dritte Bootsinsasse, ein Junge von 16 Jahren, wurde im Boot tot aufgefunden; ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Vollziehung des deutsch-schweizerischen Wirtschaftsvertrages, TU. Bern, 10. Mai. Der Bundesrat hat das Wirtschaftsabkommen mit Deutschland ratifiziert. Das englisch-spanische Wirtschaftsabkommen. TU. Lyoner Blätter melden aus Madrid: Die spanische Regierung hat die Ratifizierung des vom Marquis Cortina in London mit England abgeschlossenen Wirtschaftsabkommens mit der Begründung verschoben, das Abkommen müsse der Kammer vorgelegt werden. Ein Zugunfall der französischen Mission in Amerika. TU. Französische Blätter berichten, daß bei Acola im Staate Illinois der Zug, in dem die französische Sondermission sich befand, entgleiste. Das Journal versichert dazu, daß die Untersuchung keinerlei böswillige Absicht feststellen konnte. Von den in ihren Sonderwagen bei Tische von dem Unfall überraschten Mitgliedern der französischen Mission sei niemand verletzt. Viviani und Admiral Chocheprat sprangen nach der Entgleisung aus dem Abteil, Joffre blieb beim Frühstückstisch. Amerikanische Munitionsfabrik in die Luft geflogen. 19 fi WTB. Nach einer New-Yorker Meldung des„Journal ist die amerikanische Munitionsfabrik Hammoth in die Lu geflogen. Die Zahl der Opfer ist noch unbekannt. Brasilien und die Vereinigten Staaten. TU. Aus Rio de Janeiro wird gemeldet: Correro, de Manha berichtete, in der Deputiertenkammer werde beantragt werden, die Solidarität Brasiliens mit den Vereinigten Staaten zu erklären. Wenn Deutschland dieses Vorgehen als einen feindfeligen Akt ansehe, werde die Kammer die Krienserklärung beschließen. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange meines lieben Gatten, unseres treusorgenden Vaters, sprechen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, besonders dem Herrn Pastor von Martitz für seine trostreichen Worte am Grabe, unseren herzlichsten Dank aus. Frau Wwe. Gust. Batteleld nebst Kindern. Hiesen-Fuswahl in Herren- und Burschen- Anzügen, Ueberzichern, Hosen u. s. w.. ferner Damen-Blousen, Kleiderröcke, Unterröcke, Schürzen. Besonders grosse Auswahls in Kinder-Aleldchen Wäsche u. Schürzen Bekanntmachung Zwieback aus Weizenauszugmehl kann in Zukunft gegen besondere Brotscheine, die für Säuglinge und Magenkranke auf Grund ärztlicher Atteste von den Ortsbehörden verausgabt werden, von folgenden Bäckern bezogen werden: Haßlinghausen, Bäckermeister Wiggershaus, Sprockhövel,„ Mönninghoff. Auf einen Brotschein werden 175 Gramm verabfolgt. Der Preis für 175 Gramm beträgt 0,50 Mark. Schwelm den 7. Mai 1917. Der Kreisausschuß: Mehlverteilungsstelle. finden Sie beiBekanntmachung gegen hohen Lohn für dauernde und lohnende Beschäftigung gesucht. Friedrich Hué, Eisenhoch= und Brückenbau. Sprockhövel, 10. Mai 1917. Barmen Bredderstr. 63 Gestemp. Scheine 62,5 gr 62,5 gr 200 gr 200 gr Zu Beginn der Saison empfehle mein reichhaltiges Lager in einfachen u. eleganten, hochmodernen Damen-, Herrenin allen Größen und Preislagen. Frau Wuve. Herm. Lehmhaus. In Ausführung des Abs. 3 der Bekanntmachung des Kreisaus schusses vom 1. Mai 1916 wird folgendes bekannt gegeben: Für die Zeit vom 13.-19. 5. beträgt die Einheit der auf diese Zeit gültigen Abrisse der Lebensmittelhefte: Naturbutter Margarine, Fett, Oel Haferfabr. oder Gerstenflocken, Abriß 2, S. 4a Graupen: Abriß 3(13.—26. 5.) S. 4b des Lebensmittelheftes Kartoffeln: auf Abriß 3a, 4a, 5a(13.—19. Mai) der neuen Kreiskartoffelkarte je 500 gr. Als Ausgleich für die fehlenden 2 Pfund Kartoffeln auf Abriß 1a und 2a je 175 gr Brot. In den Geschäften sind außerdem gedörrte Steckrüben zum Preise von 3,20 Mark für 1 Kilogr. zu haben. Höchstabgabe 2 Kilogr. an jeden Haushalt. Eier: 2 Stück, Preis 31 Pfg., auf Abriß E Seite 8 des Lebensmittelheftes, rote A= und grüne B=Hefte, rote Bund grüne A=Hefte. Eierselbstversorger haben keinen Anspruch. Sacharin ein Päckchen auf je 2 Lebensmittelhefte gegen Vermerk auf der Vorderseite derselben. An Rüstungsarbeiter außer den laufenden Zulagen in Fleisch und Fett 500 Gramm Käse, Preis 2,85 Mk., gegen Lebensmittelabriß 3 der Fleischzusatzkarte durch diejenigen Stellen(Geschäfte oder Firmen) bei denen Abriß 2(Graupen) eingelöst ist. Auf blaue und rote Arbeiterausweise Abriß B rund 500 gr Klippfisch oder Häringe, Preis für Klippfisch 2.— Mark. für Häringe 1.10 Mk. An Kinder von 3—12 Jahren auf Abriß 5 der roten Milchkarte, auf Abriß 5 der blauen Milchkarte 125 Gramm Sago, Preis 0,43 Mark. Die Abgabestellen werden seitens der Ortsbehörden bekannt gegeben. Schwelm, den 8. Mai 1917. Der Kreisausschuß des Kreises Schwelm: Harz, Landrat, Geheimer Regierungsrat. Hiermit verbiete ich das Wegebahnen über meine Grundstücke(auch Steinbruch). Zuwiderhandlungen werde ich unnachsichtlich zur Anzeige bringen. Hugo Altenhain Sirrenberg. Für einen kleinen, besseren Haushalt wird ein erfahrenes, zuverlässiges (evgl.), welches Küchen- und Hausarbeit übernimmt und die Hausfrau in jeder Weise unterstützen könnte, zum sofortigen Eintritt gesucht. Angebote mit Zeugnissen erbittet Frau Ernst Mlein, Barmen, Viktorstr. 16. Lichtspiele Sprockhövel, Restaurant Gustav Mühlhaus. Sonntag, den 13. Mai 1917. Wunderschönes Programm! Nur für Erwachsene! Nr. 1) Detektiv Braun. Detektiv-Tragikomödie in 3 Akten. Hauptrolle Frl. Hedda Vernon. Nr. 2) In schwebender Schauspiel in 3 Akten. In Not geraten und in schwebender Pein,— schuldlos, nur durch eine Kette unglücklicher Zufälle,— dies ist das Thema, das de vorliegende Film geistreich und interessant behandelt. Nr. 3) Teddy im Schlafsofa. Lustspiel in 2 Akten. J. d. Hauptrolle Anna Müller Linke, Aud Egede, Nissen Teddy Ferner das gute Beiprogramm. Es ladet freundlichst ein Gust. Mühlhaus. In Vorbereitung: Die Somme=Schlacht. Herstellungsverbot von Kuchen u. Torten. Auf Grund der§§ 12 und 15 der Bekanntmachung über die Errichtung von Preisprüfungsstellen und die Versorgungsregelung vom 25. September bis 4. November 1915 (R.=G.=Bl. S. 607, 728,) sowie der Bekanntmachung vom 6. Juli 1916(R.=G.=Bl. S 673) ordne ich zu dem Zweck, alles vorhandene Brotgetreide, Mehl und Streckmittel ausschließlich der Brotversorgung zuzuführen, bis auf weiteres Folgendes an: § 1. Die gewerbliche Herstellung und die Abgabe von Kuchen und Torten in Bäckereien und Konditoreien ist untersagt. § 2. Zuwiderhandlungen werden mit Gesängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 1500 Mk. bestraft. § 3 Diese Anordnung tritt am 15. Mai 1917 in Kraft. Arnsberg, den 8. Mai 1917. Der Regierungspräsident: gez. von Bake. Harmoniums in grosser Auswahl Barmen, Neuerweg 40 Vorzüglich zu Grünfutter und zur Gründüngung ist Saat und Auskunft bei Ant. Gerold. PapierKragen in allen Größen. Rudolf Steinbeck. Rudolf Steinbeck. r noban der Sprockhöveler Zeitung noch eine Winhaltreiche, dabei billige illustrierte Männer- Gesang- Verein Berliner Tageszeitung mit wochentlich 7 Beiblättern lesen will, der abonniere auf die Sprockhövel. Wir empfehlen Kleiderstoffe, Wäsche, Korsetts, Unterröcke, Taschentücher, Handschuhe und Schirme. Friedr. Voss Söhne, Sprockhövel. die im 26. Jahrgang erscheint, Leitartikel führender Männer aller Parteien über die Tages- und Reformfragen bringt(die D. W. ist Organ des Hauptausschusses für Kriegerheimstätten), schnell und sachlich über alles Wissenswerte berichtet und monatlich nur 95 Pfennig(Bestellgeld 14 Pfennig) kostet. Man verlange Probenummer vom Verlag Berlin NW. 6. Sonntag, den 13. Mai nachmittags 3 Uhr Gesangprobe Um zahlreiches Erscheinen bittet der Vorstand. Sport-Klub „Viktoria" Sprockhövel. Besang-Bücher in allen Preislagen. Rudolf Steinbeck. Erscheint Bezugspreis: du Pfg., am Postsch 1,8 Nr. 62. Sonntag, den 13. Mai 1917 Sportlest in Herbede. Diejenigen Spieler, die an den Einzelwettkämpfen teilnehmen wollen, haben sich um 7½ Uhr im Vereinslokal einzufinden. Alle übrigen Spieler haben um 12 Uhr pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. In der Wo Einheit für: 1. Frisches a) auf die Kr b) auf die R Zahlen(( (Kinder) a 2. Fleischwaren waren), auf? Den Metzge daß sie jedem können. Sollten verabfolgen, so anzuzeigen. Schwelm, Der Kreisaussch Folgende kauf von Eier Für Geme Für Geme Für Gem mannshau Für Geme Für Gem Der Ueben Die Zutei ter Ablieferung Eierzahl statt. Die Abga Aufkäufer ode sitze einer hellt Schwelm, Der Kreisau Anzeigepf Mit Rüc wird noch bes die Anzeigepfli und jeder Tot welcher den V waltung unve Der Anzeiger pockenverdächt Wechselt unverzüglich neuen Aufent Zur Anz 1. Der 2. der 3. jede Erkr 4. derj. Erkr 5. der Die Ver tritt nur dan nicht vorhan Für Kr. lichen Krank ähnlichen An die von der ausschließlich Sprockh Nach Luftstreitkr wendet. Materialfe Ballone kommen. werden, n wird. In weise ich mit größ sowie das des Ball bestraft1 absichtlich deutlich weisung treffenden unbeding Ballone Hierzu: 2. Blatt. Sprockhöveler Zeitung Haßlinghauser Zeitung= Amtlicher Anzeiger für das Amt Sprockhövel= Blankenstein=Herbeder Zeitung Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. Bezugspreis: durch unsere Boten frei ins Haus gebracht monailich Pfg., am Postschalter abgeholt 1,50 Mk., vom Briefträger gebracht 1,80 Mk. vierteljährlich im voraus. Druck und Verlag von Rudolf Steinbeck, Sprockhövel. Verantwortlicher Schriftleiter Rudolf Steinbeck, Sprockhövel Einrückungsgebühr: im Inseratenteil die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., im Reklameteil 50 Pfg. Bei Wiederholungen wird entsprechender Rabatt gewährt. Nr. 62. Postscheckkonto Cöln 2864.. 12. Mai 1914. Fernsprecher 470, Amt Hattingen. 20. Jahrg. 2. Blatt. Bekanntmachung. In der Woche vom 6. 5.—12. 5. 1917 beträgt die Einheit für: 1. Frisches a) auf die Kreisfleischkarte 250 gr b) auf die Reichsfleischkarte, Abrisse 1—5 rote Zahlen(Erwachsene), 1—3 grüne Zahlen (Kinder) auf jeden Abriß 25 gr 2. Fleischwaren(Konserven, Wurst und Räucherwaren), auf Abriß 6—8 rote Zahlen(Erwachsene) 25 gr Den Metzgern ist soviel frisches Fleisch zugeteilt worden, daß sie jedem Kunden die festgesetzte Einheit verabfolgen können. Sollten die Metzger die festgesetzte Einheit nicht verabfolgen, so ist dieses der Polizeibehörde des Wohnortes anzuzeigen. Schwelm, den 11. Mai 191.. Der Kreisausschuß: Harz, Landrat, Geh. Regierungsrat. Bekanntmachung. Folgende Personen sind im Kreise Schwelm zum Ankauf von Eier berechtigt: Für Gemeinde Niedersprockhövel Karl Battefeld, Sprockhövel. Für Gemeinde Obersprockhövel Frau Obermann,„ Für Gemeinde Hiddinghausen I und II bis Beermannshaus Frau Kißler, Hiddinghausen. Für Gemeinde Gennebreck Karl Oesterling, Haßlinghausen. Für Gemeinde Haßlinghausen, Linderhausen Karl Romberg, Hoßlinghausen. Der Uebernahmepreis beträat 25 Pfennig. Die Zuteilung von Hühnerfutter findet erst nach erfolgter Ablieferung der Eier im Verhältnis der abgegebenen Eierzahl statt. Die Abgabe an andere als die vorstehend bezeichneten Aufkäufer oder deren Beauftragte, die sich sämtlich im Besitze einer hellblauen Ausweiskarte befinden, ist verboten. Schwelm, den 3. Mai 191.. Der Kreisausschuß: Harz, Landrat, Geh. Regierungsrat. Anzeigepflicht bei Pockenerkrankungen. Mit Rücksicht auf die mehrfachen Pockenerkrankungen wird noch besonders auf die bestehenden Vorschriften über die Anzeigepflicht hingewiesen. Hiernach ist jede Erkrankung und jeder Todesfall an Pocken(Blattern), sowie jeder Fall, welcher den Verdacht dieser Krankheit erweckt, der Polizeiverwaltung unverzüglich mündlich oder schriftlich anzuzeigen. Der Anzeigepflicht unterliegen jetzt auch Windpocken als pockenverdächtige Erkrankungen. Wechselt der Erkrankte den Aufenthaltsort, so ist dies unverzüglich bei der Polizeibehörde des bisherigen und des neuen Aufenthaltsorts zur Anzeige zu bringen. Zur Anzeige sind verpflichtet: 1. Der zugezogene Arzt, 2. der Haushaltungsvorstand, 3. jede sonst mit der Behandlung oder Pflege des Erkrankten beschäftigte Person, 4. derjenige, in dessen Wohnung oder Behausung der Erkrankungs= oder Todesfall sich ereignet hat, 5. der Leichenschauer. Die Verpflichtung der unter 2—5 genannten Personen tritt nur dann ein, wenn ein früher genannter Verpflichteter nicht vorhanden ist. Für Krankheits= und Todesfälle, welche sich in öffentlichen Kranken=, Entbindungs-, Pflege=, Gefangenen= und ähnlichen Anstalten ereignen, ist der Vorsteher der Anstalt oder die von der zuständigen Stelle damit beauftragte Person ausschließlich zur Erstattung der Anzeige verpflichtet. Sprockhövel, den 26. April 191.. Die Polizei=Verwaltung Theis, Amtmann. Bekanntmachung. In Ausführung des Abs. 3 der Bekanntmachung des Kreisausschusses vom 1. Mai 1916 wird folgendes bekannt gegeben: Marmelade und Kunsthonig: Mai Seite 6, 145— 150 gr. Marmelade und 125 gr. Kunsthonig. Preis für 500 gr Marmelade Mk. 0.55, Preis für 500 gr. Kunsthonig Mk. 0,55. Schwelm, den 10. Mai 1911. Der Kreisausschuß: Harz, Landrat, Geh. Regierungsrat. Bekanntmachung. Die Anlieger der neugepflasterten Wiesenstraße werden darauf hingewiesen, daß sie nach den Bestimmungen im Ortsgesetz vom 29. 5. 1912, betreffend die Reinigung der öffentlichen Wege im Bezirke der Octschaft Niederfprockhövel, verpflichtet sind, regelmäßig am Samstag jeder Woche den Bürgersteig einschließlich der Bordsteine, die Straßenrinnen und den Fahrdamm zu reinigen. Der Straßenkehricht, Schlamm und Unrat sind wegzuschaffen; es ist verboten Straßenschmutz usw. in die Kanalöffnungen zu kehren oder den Nachbaren zuzuschieben. Bei trockener Witterung müssen die Straßen und Bürgersteige zur Verhütung der Staubentwickelung vor der Reinigung gehörig mit Wasser besprengt werden. Zuwiverhandlungen gegen die Bestimmungen werden, sofern nicht nach den Gesetzen eine höhere Strafe eintritt, mit Geldstrafe bis zu 9 Mk. oder im Unvermögensfalle mit Haft bis zu 3 Tagen geahndet. Sprockhövel, den 8. Mai 191.. Die Polizeiverwaltung: Theis, Amtmann. Eure goldenen Ketten u. Ringe der Goldankaufstelle! Die hiesige Goldankaufsstelle befindet sich im Amtshause, Zimmer Nr. 7, und wird der nächste Ankaufstag noch bekannt gegeben. Bekanntmachung. Nach Mitteilung des kommandierenden Generals der Luftstreitkräfte werden im Luftsperrschutz Fesselballons ver wendet. Durch plötzlich einsetzenden starken Wind oder durch Materialfehler im Kabel kann es vorkommen, daß sich Ballone losreißen und in benachbarten Gebieten zu Boden kommen. Die Ballone können trotzdem wieder verwendet werden, wenn jede mutwillige Beschädigung verhindert wird. In Anbetracht des großen Mangels an Gummistoff weise ich die Bevölkerung darauf hin, daß gefundene Ballone mit größter Sorgfalt zu behandeln und zu bergen sind, sowie daß mutwillige Beschädigung oder Beraubung des Ballonstoffes nach den bestehenden Gesetzen streng bestraft wird. Um durch unsachgemäßes Bergen auch unabsichtliche Beschädigungen zu vermeiden, ist in den Ballonen deutlich sichtbar eine kleine Tasche angebracht, die eine Anweisung über das Bergen sowie die Ortsangabe der betreffenden Luftsperr=Abteilung enthält. Die Anweisung muß unbedingt vorher gelesen werden. Für den Finder der Ballone sind Geldbelohnungen ausgesetzt. Der Landrat: Harz, Geheimer Regierungsrat. Bekanntmachung. Diejenigen Landsturmpflichtigen, die am 18. Mai 1917 ihr 11. Lebensjahr vollenden, haben sich am 15., 16. oder 18. Mai ds. Is. auf dem Amtsbureau während der Vormittagsstunden zwecks Eintragung in die Landsturmrolle anzumelden. Sprockhövel, den 9. Mai 191.. Der Amtmann: Theis. Die Sprech= und Meldestunden für das Hauptmeldeamt Hagen, Meldeamt Schwelm und Iserlohn, sowie für die Reklamationsabteilung werden vom 15. ds. Mts. ab für die Zeit von 8—10 Uhr vormittags festgesetzt. Hagen, den 11. Januar 191.. Königliches Bezirkskommando. Kuhhalter dürfen zurückbehalten: 1. Falls sie an Sammelstellen liefern und von dort ihre Butter(wöchentlich 125 gr.) erhalten tägl, auf den 2. S“8 ihnen erlaubt ist, selbst zu buttern täglich stark ½ Liter(wöchentlich 4 Liter.) 3. Für die Bezugsberechtigten Personen von 1—6 Jahren außerdem die für die Versorgungsberechtigte Bevölkerung festgesetzten Mengen. Wann verlieren Kriegsteilnehmer die Anwartschaft bei der InvalidenVersicherung. Diese Frage, für viele unserer wackeren Kämpfer von hoher Bedeutung, hat Landrat Dr. Schelemann=Düsseldorf in der„Korrespondenz für Kriegswohlfahrtspflege" erörtet. Um die Ansprüche aus der Betragsleistung für die Invalidenversicherung aufrecht zu erhalten und Anträge auf Renten und Heilverfahren bei der Landesversicherungsanstalt stellen zu können, ist es erforderlich, daß der Antragsteller die Anwartschaft erhält. Diese erlischt nach§ 128 der Reichsversicherungsordnung, wenn während zweier Jahre nach dem auf der Quittungskarte bezeichneten Ausstellungstage weniger als 20 Wochenbeiträge auf Grund der Versicherungspflicht oder der Weiterversicherung entrichtet worden sind. Für den Kriegsteilnehmer aber rechnen nach§ 1281 R.=V.=O. die Militärdienstzeiten als Wochenbeiträge, ohne daß Beiträge geleistet zu werden brauchen, ohne Beschränkung. Militärdienstzeiten sind nach§ 1393 R.=V=2 alle vollen Wochen, in denen der Versicherte zur Erfüllung der Wehrpflicht in Friedens=, Mobilmachungs= und Kriegszeiten eingezogen war oder in den Mobilmachungs= oder Kriegszeiten freiwillig militärische Dienstleistungen verrichtet hat. Diese Wochen werden nur denen angerechnet, die vorher berufsmäßig oder nicht nur vorübergehend versicherungspflichtig beschäftigt gewesen sind. Für die, welche sich freiwillig versichert haben, kommen die Militärdienstwochen nicht ohne weiteres zur Anrechnung, sondern nur dann, wenn auch während dieser Wochen Beitragsmarken weiter geleistet worden sind. Für die versicherungspflichtigen Kriegsteilnehmer hingegen rechnen die ganzen Wochen, während denen sie zum Heere eingezogen worden sind, unbeschränkt. Hier besteht also keineswegs die Gefahr, daß der Kriegsteilnehmer die Anwartschaft verliert. Etwas anders liegt die Sache bei den Kriegsbeschädigten. Solange ein solcher(vorausgesetzt, daß er vor seinem Eintritt ins Heer berufsmäßig versicherungspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat) dem verbande noch angehört, rechnen diese Wochen wie bei jedem Kriegsteilnehmer. Ist er jedoch als Kriegsbeschädigter aus dem Heeresverbande entlassen worden, so kann eine Anrechnung von militärischen Dienstwochen als Beitragswochen von dem Tage seiner Entlassung ab nicht mehr erfolgen. Ist er dann noch krank, beziehungsweise infolge seiner Verwundung nicht imstande ein Drittel seines Normalarbeitsverdienstes auf dem ällgemeinen Arbeitsmarkte zu erwerben, so können ihm gemäß§ 1393 Ziffer 3 R.=V.=O. diese„Krankheitszeiten" als Beitragswochen angerechnet werden, ohne daß auch für diese Beiträge geleistet worden wären. Voraussetzung hierfür ist, daß der Versicherte zeitweise arbeitsunfähig und nachweislich verhindert ist, seine Berufstätigkeit fortzusetzen. Diese Krankheitswochen werden aber nach§ 1394 Absatz 3 R.=V.=O. entgegengesetzt zu den Militärdienstzeiten, nicht uneingeschränkt als Wochenbeiträge angerechnet, sondern nur bis zur Höchstdauer von einem Jahre. Es kann also durch Krankheitswochen die Anwartschaft gewahrt bleiben, ohne daß Beiträge geleistet wären, nur für eine Zeit von einem Jahr, nach der erlittenen Verwundung, oder nach dem Beginn der als Kriegsbeschädigung aufzufassenden Krankheit. Ist der Kriegsbeschädigte während dieser Zeit noch Soldat, so kommen die Krankheitszeiten überhaupt nicht in Frage, ist er aber innerhalb dieses Jahres aus dem Heeresverband entlassen, so braucht er bis zum Ablauf der Frist keine Marken zu kleben, um die Anwartschaft zu erhalten. Der letztere Fall wird weniger häufig vorkommen. In der Regel wird das Dienstentlassungsverfahren innerhalb eines Jahres nach der Verwundung oder dem Beginn der Krankheit noch nicht zum Abschluß gekommen sein. Die Möglichkeit, die Anwartschaft zu erhalten, ist auch für den Fall gegeben, daß der Kriegsbeschädigte entlassen worden und noch nicht imstande ist, ein Drittel des Normalarbeitsverdienstes auf dem Arbeitsmarkt durch Lohnarbeit wiederzuverdienen. Nach§ 1281 Ziff. 2 R.=V.=O. zählen nämlich als Wochenbeiträge im Sinne des§ 1280 R.=V.=O. auch die Zeiten ohne versicherungspflichtige Beschäftigung, während denen der Anwärter oder Verstorbene Invalidenrente aus einer Kasse oder Sonderanstalt, oder Unfallrente von mindestens einem Fünftel der Vollrente bezog. Da nun nach§ 1255 Absatz 3 R.=V.=O. der Versicherte, welcher zwar nicht dauernd Invalide, aber während 26 Wochen ununterbrochen Invalide gewesen ist, für die weitere Dauer der Invalidität die Krankenrente bekommen kann, so wird in den Fällen, bei denen das Jahr abgelaufen ist, für die Krankheitswochen als Beitragswochen angerechnet worden sind(ohne Beitragszahlung), die Gewährung der Invaliden-(Kranken) Rente regelmäßig in Frage kommen. In diesen Fällen ist also darauf zu achten, daß der Kriegsbeschädigte den Antrag auf Gewährung der Krankenrente bei dem Versicherungsamt des Lazarettortes stellt. Mitteilung der Obersten Heeresleitung. WTB. Großes Hauptquartier, 10. Mai. Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Bei Arras ist der Artilleriekampf in weiterer Steigerung begriffen. Unsere Gräben westlich von Lens und Avion waren gestern das Ziel vergeblicher feindlicher Unternehmungen. Fresnoy blieb gegen erneute englische Angriffe restlos in unserer Hand. Um den Besitz von Bullecourt tobt der Kampf hin und her. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zwischen Soissons und Reims nahm die Gefechtstätigkeit zeitweise wieder zu, hielt sich im allgemeinen aber in mäßigen Grenzen. Am Winterberg und bei Ste. Marie Fe, östlich von Cormicy, wurden mehrmals wiederholte französische Angriffe in erbittertem Nahkampf und durch Gegenstoß abgeschlagen. Nordwestlich von Prosnes blicben feindliche Teilvorstöße erfolglos. Heeresgruppe Herzog Albrecht. In mehreren Abschnitten verliefen Unternehmungen unserer Aufklärungsabteilungen erfolgreich. Neun feindliche Flugzeuge wurden durch Luftkampf, eins durch Abwehrfeuer zum Absturz gebracht. Oestlicher Kriegsschauplatz: An der Narajowka, bei Brzezany und bei der Bahn TarnopolZloezow lebte das Artillerie= und Minenfeuer zeitweise auf. An der Macedonischen Front, wurde gestern die Schlacht mit größter Erbitterung fortgesetzt und übertraf in ihrer Heftigkeit alle bisherigen Kämpfe auf dem dortigen Kriegsschauplatz. Nordwestlich von Monastir scheiterten feindliche Angriffe, die den Besitz unserer Höhenstellungen zum Ziele hatten. Im Cernabogen wurden morgens, nachmittags und abends durch stärkstes Artillerie= und Minenfeuer vorbereitete, auf einer Front von 16 Klm. durchgeführte Massenangriffe von Italiesiern, Franzosen und Russen unter den schwersten Verlusten für den Feind abgeschlagen. Nördlich von Vodena in unsere Stellung eingedrungene Serben wurden blutig zurückgeworfen. Die verbündete deutsche und bulgarische Infanterie hat in hartnäckigster Abwehr und erbitterten Gegenstößen, unterstützt durch die sich allen Lagen schnell anpassende Artillerie, ihre Stellung restlos behauptet und sich glänzend geschlagen. WTB. Großes Hauptquartier, 11. Mai Westlicher Kriegsschauplatz: Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht Die Tätigkeit der beiderseitigen Artillerien erreichte gestern an der ganzen Kampffront von Arras größere Heftigkeit. Teilvorstöße der Engländer bei Fresnoy=Roeux und zwischen Monchy und Cherisy blieben erfolglos. Bei einem Versüch, Bullecourt durch Umfassung zu stürmen, wurde der Feind verlustreich abgewiesen. Heeresgruppe Kronprinz Nach verhältnismäßig ruhigem Vormittag hat gegen Abend dieKampftätigkeit zwischen Soissons und Reims wieder zugenommen. Stärkerer Artilleriekampf aller Kaliber entwickelte sich besonders an der Straße Soissons=Laon, beiderseits von Craonne, längs des Aisne Marne=Kanals, in der Champagne und stellenweise auch in den Argonnen. Starke französische Angriffe zwischen dem Winterberg und der Straße Corbeny=Berry an Bac sowie bei Prosnes schlugen fehl. Front des Generalfeldmarschalls Herzog Albrecht Keine besonderen Ereignisse. Im Luftkampf und durch Abwehrfeuer wurden am 10. 5. achtzehn feindliche Flugzeuge und ein Fesselballon zum Absturz gebracht, Leutnant Frhr von Richthofen bezwang seinen 22., Leutnant Gontermann seinen 30. Gegner. Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Gefechtstätigkeit blieb gering. Macedonische Front Erneute Angriffsversuche der Franzosen und Serben zwischen der Cerna und dem Wardar konnten an der für die Ententetruppen verlorenen Schlacht nichts mehr ändern. Sie wurden restlos abgeschlagen. Aus den Truppenhandlungen geht hervor, daß der Feind in den dreitägigen ergebuislosen Angriffen besonders schwere Verluste erlitten hat. die Frage der Kriegsentschädigung. Aus Berlin wird uns geschrieben: In einem Artikel der offiziösen„bayerischen Staatszeitung", der dem Blatt von „besonderer Seite“ zugegangen ist, wird die Frage der Kriegsentschädigung mit dem Ergebnis erörtert, daß die Notwendigkeit einer solchen für Deutschland verneint wird. Der Arlikel fordert eine„Fülle von Zugeständnissen, die gleichbedeutend mit einer Kriegsentschädigung von einer Milliardensumme in bar seien", und niemand in Deutschland hat wohl besonderen Wert darauf gelegt, daß eine Kriegsentschädigung in Gold an uns käme. Schon 1871, wo wir zudem eine gewisse Summe Goldes für die Einführung der Goldwährung nötig hatten, ist der bei weitem größte Teil der Kriegsentschädigung in Wechseln und Devisen, die uns Forderungsrechte im Ausland verschafften, gezahlt worden, und in diesem Krieg haben wir es ja in besonders eindrucksvoller Weise erfahren, daß die größten Kräfte unserer Volkswirtschaft nicht im Gelde, sondern in den wirtschaftlichen Gütern stecken. Bei einer Kriegsentschädigung kann sich es sich daher nur darum handeln, Deutschland in der zweckmäßigen Form die Mittel zuzuführen, die ihm eine sofortige, ungehemmte und ungeschwächte Kraftentfaltung in der Welt wieder ermöglichen. Dazu sind, wie der angeführte halbamtliche Artikel der „bayer. Staatszeitung“ ganz richtig betont, unentgeltliche oder Lieferungen zu niedrigen Preisen von Rohstoffmaterialien seitens unserer Feinde vor allem nötig. Denn Deutschland hat während des Krieges seine Bestände und Reserven an Rohstoffen, bei deren Bezug es auf das Ausland angewiesen war, allmählich aufgebraucht, seine Volkswirtschaft befand sich, soweit die Produkte nicht im eigenen Lande wieder zu erzeugen waren, im Zustande der Liquiation, und die vornehmste Sorge wird es daher sein, seine Rohstofflager wieder aufzufüllen. Würden wir Gold von unseren Feinden als Entschädigung erhalten, so müßte dieses doch wieder außer Landes wandern, um uns die nötigen Rohmaterialien herbeizuschaffen, von deren Besitz unser Exporthandel und damit die Wiederherstellung unserer Währung abhängig ist. Durch diese direkten Rohstofflieferungen unserer Feinde sichern wir uns außerdem die benötigten Mengen, soweit sie nicht ohne Bezahlung uns zufallen, zu festen Preisen, während wir sonst durch Preistreibereien empfindlich geschädigt werden oder gar auf Schwierigkeiten bei der Erlangung der notwendigen Mengen überhaupt stoßen könnten. Dabei ist wohl als sicher anzunehmen, daß die Lieferungen im Friedensvertrage zu Durchschnittspreisen so festgelegt werden, daß alle Spekulationen und Preistreibereien unseren Feinden zur Last fallen. Aber neben dem Bezug von industriellen Rohstoffen scheinen uns auch Vereinbarungen über die Zuführung von Nahrungs= und Futtermitteln unbedingt erforderlich zu sein. Einerseits muß unsere Landwirtschaft wieder kraftvoll aufgebaut werden, andererseits muß angesichts der allgemeinen Lebensmittelknappheit, die auch ein baldiges Kriegsende nicht völlig wird abwenden können, die Ernährung unserer Bevölkerung zu niedrigen Preisen sichergestellt werden. Denn es ist durchaus notwendig, daß unser Volk möglichst bald durch eine kräftige Ernährung über die Zeiten der Entbehrung und Schwächung während des Krieges hinweggebracht wird; dann werden in ihm die Kräfte zu neuer wirtschaftlicher Entfaltung viel schneller emporwachsen. Gleichzeitig werden wir dadurch wesentlicher Sorgen für die Übergangszeit enthoben. Denn das Zurückströmen von Millionen Feldgrauer auf den Arbeitsmarkt wird trotz aller Vorbereitungen einen gewissen Lohndruck zur Folge haben, und es ist daher durchaus erforderlich, daß sich die Bevölkerung bei niedrigem Einkommen auskömmlich ernähren kann.— Die Menge der ohne Entschädigung oder zu billigen Preisen zu liefernden Rohmaterialien und Lebensmittel seitens unserer Feinde muß aber dadurch bestimmt werden, daß uns durch sie die Wiederherstellung unserer Valuta gewährleistet wird." Jedenfalls brauchen wir tatsächliche Sicherheiten, die unsern neuen Kämpfen um den Weltmarkt baldigen Erfolg versprechen. Nach unserm Siege und dem starken Aufbau unserer Binnenwirtschaft werden wir auch die Macht und Kraft haben, auf dem Weltmarkt unsere alte Stellung uns wiederzuerobern. Bedenklich an den Ausführungen des offiziösen Artikels muß aber erscheinen, daß unter die Fülle von Zugeständnissen seitens unserer Feinde die Herausgabe unserer beschlagnahmten Schiffe und der deutschen Kolonien gerechnet wird, deren Rückgabe doch eine Selbstverständlichkeit ist. Ebenso ist nicht recht verständlich die Begründung des Verzichtes auf bare Kriegsentschädigung damit, daß die 60 Milliarden Kriegsanleihe nur einen geringen Teil des 375 Milliarden betragenden, um jährlich 10 Milliarden wechselnden Volksvermögens darstellen. Denn durch die unentgeltlichen bezw. billigen Lieferungen von Rohstoffen durch unsere Feinde, für deren volle Bezahlung unsere Erwerbsstände an das Reich Kriegsanleihe hingegeben haben, wird doch eben ein Teil unserer Milliardenschuld abgebürdet, und das halten wir für unbedingt erforderlich, soll nicht die kommende Generation unter einer drückenden Steuerlast wesentlich in ihrer Kraft zu neuem wirtschaftlichen Aufstieg gehemmt werden, zumal in den Kriegsanleihen unsere Kriegskosten durchaus nicht völlig enthalten sind. Diese Formen einer Kriegsentschädigung treten aber natürlich zurück hinter der durchaus erforderlichen Erweiterung unserer Grenzen, die in dem offiziösen Artikel überhaupt nicht erwähnt wird. Denn nur durch neue Siedlungsmöglichkeiten unseres Vaterlandes und die damit verbundene Stärlung unserer landwirtschaftlichen Produktion einerseits und die Inbesitznahme der Erzgruben an der lothringischen Grenze andererseits, deren Wert auf 23 Milliarden geschätzt wird, und die unsere Eisenproduktion unabhängig vom Ausland machten, können wir eine wirkliche Entschädigung unserer schwerwiegenden Verluste und eine Sicherstellung unserer Zukunft erlangen. Unsere Feinde betrachten es fortgesetzt als ihr Kriegsziel, Deutschland kommerziellen, industriellen, agrarischen und sinanziellen Reichtum durch schwere Abgaben nach errungenem Siege fortdauernd zu untergraben; nicht vernichten wollen sie Deutschlands Handel, sondern nur Herren seiner Entwickelung bleiben; wir sollen für sie frohnden. Wir wollen nur freie Entwickelung in der Welt haben und dazu uns durch einen deutschen Frieden die erforderliche Machtgrundlage sichern. Im Flugzeug über dic Karpathen an den Feind. Schon lange hatte ich mir vorgenommen, mir die feindlichen Stellungen nicht nur von der vordersten InfanterieStellung und den zahlreichen Beobachtungsstellen meiner schweren Artillerie, sondern auch aus der Luft anzusehen. Nur wer etwas sieht, kann ja dem Feinde Schaden tun, und je ielseitigere Anschauung man über die feindliche Aufstellung hat, umso gründlicher kann man sie bekämpfen. Da meine were Artillerie hier ihre todbringenden Feuerschlünde auf einen Raum von 4 Meilen Breite richten kann, so war es mir in dem Gebirgsgelände noch nicht möglich gewesen, alles persönlich in Augenschein zu nehmen. Erfordern doch einzelne Besuche z. B. bei meinem seitlich am weitesten auf einem 1200 Meter hohen Berg befindlichen vorgeschobenen Beobachter 1 bis 2 Tage! Dabei rastet die Arbeit„zu Hause", d. h. in einem verlassenen rumänischen Dorf, das noch unter feindlichem Artilleriefeuer steht, keinen Augenblick. Dauernd läutet der Fernsprecher, den ich so oft handhabe, daß ich an der linken Backe schon eine stark schmerzende Stelle besitze. Sind doch dauernd von meinen zahlreichen Vatterien, darunter „Mäxe" und„Bertas“, eingehende Erkundungsberichte zu verwerten und darauf die Batterien mit ihrem Feuer anzusetzen. Jeden Augenblick kommt was anderes. Jetzt schanzt der Russe da, worauf ihm Zuckerhüte aus den Haubitzen vorgesetzt werden. An anderer Stelle ist ein Beobachtungsstand erkannt. Zwei Meilen links oder rechts davon bittet die stark beschossene Insanterie um Hilfe. Da sind rauchende Untertände gesehen. Plötzlich ruft der Flieger an, der eine feuernde eindliche Batterie beobachtet und mit einer Batterie dagegen chießen will. Inzwischen kommen und gehen abgelöste Baterieführer und Beobachter, die mir stets persönlich Vortrag halten. Zur Belohnung dafür kommen sie dann einige Tage in Ruhe. Jetzt erscheint der Adjutant mit den Unterschriften, denn auch alle wirtschaftlichen Angelegenheiten der zahlreichen Batterien gehen durch meine Hand. Dazu der dauernde Fernsprechverkehr mit dem vorgesetzten Armeekorps, den Divisionen, der Feldartillerie, der Infanterie. Kurz, ich glaube, dieser kleine Ausschnitt genügt. Ganze Tage ist man aber in Gottes freier Natur, mit Gebirgsausrüstung, gänzlich unbewaffnet, nur die Gasmaske gemahnt an den Krieg. Dann taucht man bald hier, bald da auf,„die fündige Seele ausscheltend", aber viel öfter lobend, klettert auf die Hochstände, hockt auch in der vordersten Linie in tiefem Schnee und verschafft sich mit dem getreuen Doppelglas Übersicht über die neuesten Arbeiten des Feindes. Es ist zu spaßhaft, die nichtsahnenden Posten der Russen zu belauschen. Vorgestern kam ich endlich dazu, meinen langersehnten Wunsch, zu fliegen, auszuführen, was ich seit einem Jahre, der Beendigung meiner Ausbildung als Artillerieflieger, nicht mehr gekonnt hatte. Also auf! 35 Klm. im österreichischen Auto,— denn mein Korps ist ein österreichisch=ungarisches— über den Karpathenpaß, an ungezählten Kolonnen vorbei ins siebenbürgische Landstädtchen. Dort noch schnell einiges bei dem Generalstabschef der Armeegruppe, einem lieben alten Kriegsakademiefreund, Garde=Ulan, erst gekippt, dann zu den östereichischen Fliegern, mit denen ich schon so oft zusammen gewesen. Hier gutes Mittagessen in vergnügtem Kreise, und im mit zwei ungarischen feurigen Rappen bespannten Wagen auf den Flugplatz. Hier herrscht Großbetrieb, zu dem sich viele Zuschauer, auch fünf Rote-Kreuz=Schwestern, eingefunden hatten. Starteten doch fünf Flugzeuge gleichzeitig. Der Führer der Flieger=Kompagnie selbst wollte mit fliegen. Es herrscht herrliches Frühlingswetter. Und um uns, die wir in der Ebene stehen, glänzen im Sonnenschein die schneebedeckten ehrwürdigen Karpathenhäupter, die schon so viele Völker aus den meisten Erdteilen durch den Paß hatten eilen sehen, zuletzt die Rumänen, diese im schnellsten Tempo. Rasch prüft der liebenwürdige und doch so energische Hauptmann P. seinen Doppeldecker; ich mache mich zurecht, d. h. setze nur die Sturzkappe auf. Schal um den Hals und Karte zur Hand. Dann schwebten wir auf den mächtigen Gebirgswall los, der wie eine Mauer vor uns stand. Immer kleiner und kleiner, zuletzt Spielzeugschachteln wurden die Häuschen, die Chausseen zu feinem Bindfaden, die Bäche zu blitzenden Fäden, aber vor uns erhoben sich immer noch drohend die schneebedeckten Riesen; sie schienen unüberwindlich zu sein. Doch in kunstvollen Spiralen schraubt sich der so kleine elegante Doppeldecker unter der Meisterhand seines Piloten in die Höhe, und David überwindet auch hier den Goliath. Nur rechts und links noch die überhöhten Riesen von über 2000 Meter. Doch schon liegen die mit kleinen Stecknadelköpfen(Kolonnen) besäten Serpentinen des Passes, einer sich bewegenden Riesenschlange vergleichbar, tief unter uns. Schon längst habe ich mich abgegurtet und trinke bewundernden Auges das herrliche Schauspiel in mich hinein. Hinter uns die Ebene mit den bunten Spielzeughäuschen, Halden, den geschlängelten Silberfäden und auf drei Seiten hunderte und aberhunderte von schnee- und waldbedeckten Schneekoppen bis in die weiteste Ferne. Mensch, wie bist du so klein dieser herrlichen großartigen Natur in ihrer erhabenen Ruhe gegenüber! Doch es gilt sich loszureißen, denn die Pflicht ruft. Schon weist der Führer mit fragendem Blick auf den Feind, weiß er doch nicht, ob ich mich von oben in den vielen Kuppen, die so gleich ausschauen, zurecht finde. Also die Karte zur Hand. Jetzt kommt mir die einst in Jüterbog erworbene Übung zustatten, bald habe ich mich zurecht gefunden. Wir schweben in 3330 Meter Höhe über dem Meeresspiegel über dem enggebauten Taldorf, wo ich sonst bei den übrigen Erdenwürmern hause, dort vor uns der hochragende Tannenwalb(1200 Mtr.) muß unser erstes Ziel sein. Ich zeige dem Führer den Ort, wo es auf der Karte ist, und dann im Gelände. Befriedigt nickt er, das Vertrauen ist hergestellt. Und donnernd rast der Propeller und macht der Wind, gegen dessen Stärke der auch durch das schnellfahrende Auto erzeugte Wind nichts anderes als linder Zephyr ist, die freien Teile des Gesichts erstarren. Da, unter mir ein dünner Faden im Schnee und in den Wäldern, vielfach verschnörkelt und gezackt. Aha, die dem Gebirgsgelände angepaßten eigenen Infanterie=Stellungen und gegenüber die feindlichen, oft so nahe! Das Doppelglas zur Hand! Und eben will ich mich mit dem Gefühl des Jägers auf dem Anstand, wenn der Bock in Schußweite anspringt, in die Einzelheiten vertiefen, da nach rechts und nach unten. Neben uns zerflattert eben im Sturmwind ein weißes Wölkchen, ein Schrapnell. Und nun läßt der Führer seine Kunst spielen. In Spiralen und Kurven, in kleinen Gleitflügen und Wendungen sucht er den unten richtenden Artilleristen irre zu führen, dessen aufblitzende Schüsse man deutlich bei einer Fabrik erkennt. Ich sah mir die Sache zuletzt stehend an, so wunderbar interessant war dies Duell und die Kunst, die mein Führer entwickelte. Der geärgerte Feind gab bald den Kampf auf. Hätte er aber gewußt, daß der Kommandeur der schweren Artillerie, die ihm hier so großen Schaden beibrachte und noch immer beibringt, sich vor seinen Nohren befand, hätte er es wohl anders gemacht. Nun konnte ich mich nach diesem hochinteressanten Intermezzo den feindlichen Stellungen widmen, die ich in mich förmlich aufnehmen mußte, um— ihnen später möglichst großen Schaden zuzufügen. Dreimal legten wir die vier Meilen Front zurück, wobei mein hervorragender Führer dauernd mitbeobachtete und dabei das Flugzeug so meisterhaft führte, daß man von den Gebirgsböen wenig spürte. Hier und da drosselte er den Motor ab und machte mich auf Einzelheiten mit stärkstem Stimmenaufwand, der aber an mein Ohr nue als Flüstern drang, aufmerksam. Weit drüben z. B., in Rumänien, beschossen die Russen eifrig eines unserer anderen Flugzeuge, hier legten die Russen ein neues Magazin an, dort erkannte man eine neuerstandene Batterie. Und siehe, da hinter der russischen Front auch die Stecknadelköpfe, aber viel weniger als bei uns, aha, auch ein Ergebnis unseres Schießens, also die Russen wagten in der Hauptsache nur bei Nacht zu ergänzen. Inzwischen schlagen noch mehrere Schrapnells bei uns ein, die der Führer nur mit einer wegwerfenden Handbewegung abtat. Aber ich merkte mir die Punkte an, wo Neubauten entstanden waren, um mich dieser bei nächster Gelegenheit liebevoll mit meinen Kartaunen und Vombarden anzunehmen. Dabei noch prüfende Blicke, ob auch meine eigenen Batterien gut gegen Fliegersicht geschützt wären, insbesondere die auf Grenzbauden=Höhe liegenden Beobachtungsstellen. Ein kurzer Abstecher noch in Feindesland. Die Finger erstarrten am Doppelglas, die Kälte drang durch den dünnen Boden in die Reitstiefel, und die erstarrten Lippen wollten nicht mehr sprechen. Aber was wollte das sagen gegen das Hochgefühl, mit dem man die gegen sonstige Sicht zum Teil so vollkommen gedeckten feindlichen Stellungen übersah, und gegen das wundervolle Hochgefühl des Beherrschens der Lust noch dazu über so herrlicher Landschaft? Als wir den dritten Längsflug hinter uns hatten, wandte sich mein Führer mit fragendem Blick nach mir um und zeigte nach der Richtung des Rückfluges. Noch einmal genoß ich nun das herrliche Schauspiel der stummen Vergriesen, der lieblichen Täler, während wir langsam hinunterglitten, und bald die eben überwundenen Giganten stolz ihr weißschimmerndes Haupt über uns erhoben. Da tauchen die großen Dörfer in der Ebene auf, da werden die Spielzeughäuschen wieder groß, die Bindfaden Bänder, die Stecknadelköpfe wirkliche Wagen und Pferde. Dort zeigen sich schon die Flugzeugzelte, und sicher und elegant landet mein hervorragender Führer, den ich in den letzten zwei Stunden bewundern gelernt habe. Unten interessanter Empfang durch die Fliegeroffiziere: Wie war's?„Herrlich". Währenddessen surrte auch einer nach dem anderen der entsandten Niesenvögel heran. Im Wagen zu einem gemütlichen Kaffeestündchen zu den Herren der Armeegruppe, dann die 35 Klm. lange Antofahrt über den Serpentinenpaß, den ich vor einigen Stunden so tief als Riesenschlange unter mir gesehen, in wunderbarem sternklaren Abend, und zum Abendbrot mit meinen Herren in der selbstgebauten vierzimmerigen Gebirgsbaude. Das war das, was ich erlebt und empfunden bei meinem ersten Flug über die Karpathen an den Feind. Bracht, preuß. Major der Artillerie. die Wiedereroberung von kresnoy. WTV. Im Naume von Arras kam am 8. Mai abends die stärkere bereitgestellte englische Infanterie westlich von Gavielle in unserem Vernichtungsfeuer nicht zur Entwicklung. Ein gleichzitig gegen den Bahnhof Noeux in 1 Kilometer Breite angesetzter Angriff brach blutig in unserem Infanterie= und Maschinengewehrfeuer zusammen. Stoßtrupps, die an der gleichen Stelle den Angriff nachts wiederholten, wurden ebenfalls abgewiesen. Um 11 Uhr abends wurde ein nach einem schlachtartigen Feuerüberfall gegen Bullecourt vorgetragener Angriff gleichfalls glatt abgewiesen. Die Wiedereroberung von Fresnoy durch bayrische Truppen am 8. Mai vormittags war eine im vollsten Umfange geglückte Unternehmung. Trotz des zähesten feindlichen Wiederstandes wurde der Westrand des Dorfes von den Bayern mit großer Tapferkeit wiedergenommen, die über 300 Gefangene und 6 Maschinengewehre einbrachten, und dem Feinde, wie auch bei seinen zweimaligen vergeblichen Gegenangriffen schwere Verluste zufügten. En nach einer starken trommelfeuerartigen Vrbereitung am 8. Mai nachmittags offenbar geplanter dritter Gegenangriff kam in unserem Feuer nicht zur Entwicklung. Starke feindliche Stoßtrupps, die am 7. Mai um 4 Uhr vormittags gegen Fresnoy zum Angriff vorgingen, wurden ebenfalls verlustreich abgewiesen. Die in ihren Berichten recht bescheiden gewordenen Englänber melden heute um 2,40 Uhr vormittags, dtß der dritte feindliche Gegenangriff gegen die britischen Stellungen südlich des Souchezflusses blutig und völlig gescheitert ist. Die Sachlage ist indessen folgende: Die Engländer versuchen, ihre Linien gegen unsere Stellungen vonzuschieben. Von eit zu Zeit stoßen wir aus unseren Linien heraus, werfen die Engländer in ihre Ausgangsstellung zurück und holen uns Gefangene; alles Unternehmungen, die uns so gut wie keine Verluste kosten. Das sind die heftigen deutschen Gegenangriffe. Erbitterte Kämpfe in mazedonien. TU. Einer Az Est=Meldung aus Sofia zufolge sind seit dem 6. Mai an der ganzen mazedonischen Front erbitterte Kämpfe im Gange. Die Hälfte der Front bis zum linken Wardar wird von den Engländern gehalten, vom Wardar bis zum Prespa=See stehen die Franzosen, Russen, Italiener und Serben. Im Cerna=Bogen erschienen am Dienstag die Russen zum ersten Male. Sie ergaben sich in großen Scharen, Der Feind erlitt bei den letzten Kämpfen schwere Verluste. Ganze Bataillone wurden vernichtet. Es ist anzunehmen, daß diese mächtigen Angriffe nur den Anfang einer Offensive bedeuten und, wenn die ungeheuren Verluste den Feind nicht einschüchtern werden, wird diese Offensive auf lange Zeit hinaus entscheidend sein. Nach Aussagen französischer Gefangener ist der Weg von Santi Quaranta nach Mazedonien bereits fertiggestellt, so daß der Transport der von Italien verschifften Waren nach der Front erleichtert wird. WTB. In Mazedonien gingen am 8. Mai die Kämpfe fort. Im Cernabogen hielt das feindliche Artilleriefeuer vom frühen Morgen in gleicher Stärke wie am Vortage an. In der Mitte des Abschnittes auf der Höhe 1950 und in der Gegend südlich Orle steigerte es sich zeitweise zum Trommelfeuer. Stärkere Truppenansammlungen in den feindlichen Gräben wurden hier unter schwerstes Vernichtungsfeuer genommen. Wo einzelne feindliche Kompagnien ihre Gräben verließen, wurden sie durch das Feuer aller Waffen, zum Teil im Handgranatenkampf, zurückgetrieben. Ein starker Angriff gegen den Östteil der Cernabogen=Stellung brach unter den schwersten Verlusten für den Gegner vollkommen zusammen. Ein abends wiederholter Angriff erlit das gleiche Schicksal, ebenso ein etwa zu gleicher Stunde gegen den Westteil des Cernabogens ausgeführter starker feindlicher Vorstoß. Die Verluste der hier kämpfenden italienisch-russischfranzösischen Kräfte sind außergewöhnlich schwer, während die unseren gering blieben. Auch bis zum Doiran=See war das Feuer an vielen Stellen lebhafter. Ein Angriff gegen Gradiste wurde im Vernichtungs= und Sperrfeuer abgeschlagen, Westlich des Wardar wurden vier feindliche Kompagnien, die gegen die bulgarischen Stellungen bei Alcok Mah voramaen abgewiesen. Nach starkem feindlichen Fouer, das sich gegen Abend zu großer Heftigkett steigerte, erfolgte der erwartete Angriff auf der Front Cascali=Doiran=See. Die Engländer brachen in vier starken Sturmwellen vor, ohne indessen irgendwelche Erfolge gegen die Bulgaren erzielen zu können. Auch spätere Angriffe scheiterten. Besonders erbittert waren die Kämpfe um den Staußberg, 1 Kilometer südöstlich des Ortes Doiran. Hier sind die Kämpfe noch nicht abgeschlossen. Die Haltung aller an den Kämpfen beteiligten deutschen und bulgarischen Truppen war ausgezeichnet. Das vorzüglich geleitete Feuer der Artillerie war nach Meldung der Infanterie von größter Bedeutung. wieder 22 500 Tonnen versenkt. WTB. Berliu, 10. Mai.(Amtlich.): Neue U-Booterfolge im Atlantischen Ozean: 4 Dampfer und 4 Segler mit 22 500 Tonnen. Darunter befinden sich u. a. folgende Schiffe: der bewaffnete englische Dampfer Sebeck, 4601 Tonnen, mit Stückgut nach Australien, und Delmira, 3459 Tonnen, mit öl für England, ein unbekannter bewaffneter Dampfer mit Kurs nach England und ein unbekannter Dampfer, Ladung anscheinend Munition; von den versenkten Seglern führten u. a. einer Mais und ein anderer Düngemittel nach England. Der Chef des Admiralstabes der Marine, England verheimlicht U-Boot=Verluste. W22. Berlin, 10. Mai. Es mehren sich Beweise, daß England die Namen vieler torpedierter Schiffe verheimlicht. Eine Anzahl dänischer Gesellschaften wurde von englischen Versicherungsgesellschaften für Waren entschädigt, die mit Schiffen untergingen, deren Torpedierung England nicht bekanntgab. 30 000 englische Arbeiter streiken. WTB. London, 10. Mai. Aus einer Anfrage im Unterhause geht hervor, daß 30000 Arbeiter der Munitionswerke in Southlancashire die Arbeit niedergelegt haben nachdem Streitigkeiten zwischen der Leitung der Munitionsfabrik und 500 streikenden Arbeitern sechs Wochen vom Muntionsschiedsgericht unberücksichtigt gelassen wurden. Ein russisches Koalitionsminisierium? TU. Die Frage der Neuordnung der Regierung wird nach dem Petersburger Korrespondenten des Corriere della Sera mit steigendem Eifer erörtert, und die Forderung eines Koalitionsministeriums, durch welches dem Dualismus zwischen der vorläufigen Regierung und dem Arbeiterrat ein Ende gemacht würde, gewinnt immer mehr Anhänger. In einer vom Arbeiterrat einberufenen Versammlung der Vertreter der Soldaten sämtlicher Bataillone und Regimenter in Petersburg traten einige Redner für die Errichtung eines ausschließlich sozialistischen Ministerims ein. Die Mehrheit erklärte sich jedoch gegen eine reine Arbeiterregierung, aber für ene Erweiterung des Ministeriums durch Hinzuziehung von Vertretern und Sozialisten und in erster Linie von Bertretern des Arbeiterrates. Rücktritt des russischen Kriegsministers. WB. Nach Meldungen Petersburger Zeitungen ist die Erkrankung des Kriegsministers Gutschkow derart, daß er sich gezwungen sehen dürfte, die Leitung des Kriegsministeriums für unbestimmte Zeit vollständig aus den Händen zu geben. Sämtliche Vorträge bei Gutschkow wurden abbestellt. Neuer russischer Kommandierender der Nordfront. TU. Aus Vetersburg wird gemeldet, daß General Dragomir zum Chef des Heeres an der Nordfront als Nachfolger des Generals Rußki ernannt wurde. Eine russische Meerengen=Forderung. WTB. Sebastopol, 10. Mai.(Petersb. Tel.=Ag.) Der Kongreß der Vertreter der Schwarze=Meer=Flotte, der Garnison und Arbeiter nahm eine Entschließung an, die vollkommen die Bürgschaft für die Freiheit der Durchfahrt durch alle Meerengen und Bürgschaft dafür verlangt, daß keine feindliche Flotte in das Schwarze Meer einfahren kann. WTB. Petit Parisien meldet aus Petersburg: Der Vollziehungsausschuß des Arbeiter= und Soldatenrats hat die Behörden ersucht, die Bildung von ukrainischen, esthländischen und livländischen Regimentern nicht zu gestatten. Miljukow erkrankt. TU. Der russische Außenminister Miljukow ist nach einer Meldung der„Wetschernaja Wremja“ erkrankt und hat seit 3 Tagen seine Wohnung nicht verlassen. Miljukow 12 Stunden in Haft. TU. Während der Petersburger Unruhen wurde Miljukow im Automobil unter dem Vorwande verhaftet, daß auf seinen Befehl die Massen beschossen worden seien. Innerhalb des Arbeiterrates wurde ein energischer Vorschlag gemacht, Miljukow vor Gericht zu stellen. Auf die dringenden Vorstellungen der Regierung wurde der Minister jedoch nach 12stündiger Haft wieder freigelassen. Wo ist Buchanan? TU. Nach Meldungen aus Petersburg sind die Gerüchte über die Flucht des englischen Botschafters Buchanan darauf zurückzuführen, daß der Botschafter, beunruhigt durch die letzten Ereignisse, die Hauptstadt verlassen hat, um auf seinem in der Nähe von Petersburg gelegenen Landsitz Ruhe und Erholung zu suchen. Der„Djen“ behauptet, daß der Botschafter der Ruhe dringend bedürftig sei, so daß er früher als gewöhnlich die Hauptstadt verlassen habe. Auch der französische Botschafter aus Petersburg abgereist. bb. Die„Köln. Ztq.“ meldet aus Kopenhagen: Aus zuverlässiger Quelle erfahre ich, daß nicht allein der britische Botschafter Buchanan plötzlich Petersburg verlassen sondern auch der französische Botschafter Paleologue während der neuen Unruhen in der letzten Woche heimlich aus der russischen Hauptstadt abgereist sei, und zwar noch vor dem englischen Botschafter.— Die„F. Z.“ meldet aus Stockholm: Wie ich erfahre, wird Botschafter Paleologue nicht nach Petersburg zurückkehren. Sein Nachfolger wird der bisherige französische Munitionsminister Thomas. Frankreichs Unruhe üͤber Rußlands Friedenswünsche. ZU. Die französische Regierung hat beschlossen, der Abordnung der Minderheitssozialisten die Pässe nach Stockholm zu verweigern. Der Beschluß der Regierung zeigt die ungewöhnliche Unruhe, die sich der französischen Presse seit dem Bekanntwerden der Beschlüsse des Petersburger Arbeiterrats zur Friedensfrage bemächtigt hat. Das Komitee und der Ministerrat halten täglich lange Sitzungen ab. Die Presse ist in höchster Aufregung. TU. Das Journal des Debats führt aus, daß man in Frankreich der vom Ausschuß der Arbeiter und Soldaten ernannten Kommission für auswärtige Angelegenheiten in Petersburg jede Anerkennung verzagen müsse. Auch die Russen in Frankreich wollen Frieden. bb. Wie der Berliner Lokalanzeiger berichtet, setzte durch Drohung mit einer Militärrevolte die 8000 Mann starke 3. Brigade des russischen Expeditionskorps in Frankreich die Entsendung zweier Delegierter in den Petersburger Arbeiterund Soldatenrat durch. Sie seien mit der Forderung nach raschestem Frieden und nach Bodenverteilung beauftragt. Skandinavische Friedensinitiative TU. Stockholm, 10. Mai. Gestern traten in Stockholm die drei skandinavischen Ministerpräsidenten mit ihren Außenministern zu einer dreitägigen Konferenz zusammen. Gestern überreichte der Vollzugsausschuß des schwedischen Verbandes dem schwedischen Außenminister ein Schreiben, in dem eine skandinavische Initiative zur Friedensvorbereitung vorgeschlagen wird. Zuversicht auf baldige und glückliche Beendigung des Krieges. WTB. Die bayerische Staatszeitung bringt über die Sitzung des Bundesratsausschusses für auswärtige Angelegenheiten folgende halbamtliche Meldung: Der Bundesratsausschuß für auswärtige Angelegenheiten trat gestern und heute unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Grafen von Hertling zu Sitzungen zusammen, die in regelmäßiger Wiederkehr beim Reichskanzler stattfinden. Die Verhandlungen führten zu einem Meinungsaustausch, wobei die von voller Zuversicht auf eine baldige und glückliche Beendigung des Krieges getragenen Ausführungen des Reichskanzlers über die Gesamtlage und die zu befolgende Politik einhellige Zustimmung der anwesenden Bundesratsmitglieder fand. Admiral v. Copelle über den Sieg der U-Boste. Berlin, 9. Mai.(Reichstag.) Beraten wird der Haushaltsplan der Maxineverwaltung. Den Bericht des Ausschusses erstattet Abg. Dr. Vfleger(Ztr.). Er führt u. a. aus: Was unsere braven Seeleute unter genialer Führung geleistet haben, das hat die Bewunderung der ganzen Welt erregt. Der Glaube von der Überlegenheit der englischen Flotte ist gründlich zerstört worden. Mit dem 1. Februar setzte der uneingeschränkte U=Bootkrieg ein und zeigte schönste Erfolge. Der Ausschuß hat die Admiralität beauftragt, der gesamten Mannschaft und den Offizieren der Marine für ihre hervorragenden Leistungen den Dank des Volkes auszusprechen, insbesondere den U=Bootleuten. Dankbar erinnert sich das Vaterland cer U=Boothelden, die auf dem Felde der Ehre gefallen sind. Weiter gedenken wir der erfolgreichen U=Bootführung.— Staatssekretär des Reichsmarineamts v. Capelle: Ich danke dem Ausschuß namens der Marine für die anerkennenden Worte. Sie werden uns ein neuer Ansporn sein, die Erwartungen, die das deutsche Volk heute auf seine A=Boote setzt, zu erfüllen. Voll und ganz werden die U=Boote an ihre Arbeit herangehen. Ich kann versichern, daß die U=Böote bis zum Ende durchhalten werden. Es ist alles vorhanden, was erforderlich ist. Ein Radikalmittel gegen die U-Boote gibt es nicht, außer, wie man jetzt in England sagt, ihre Stützpunkte auszuräuchern. Mögen sie nur kommen!(Stürmischer Beifall.) Sie werden auf Granit beißen. Unsere U=Boote nehmen, nachdem der ungehemmte U-Bootkrieg eröffnet und die ganze Kriegführung ihrer Eigenart angepaßt ist, in ihrer. Leistungsfähigkeit dauernd zu. Die Angaben in der feindlichen Presse über verlorene U-Boote sind falsch. Unsere Verluste sind äußerst gering. Unsere U=Boot=Besatzungen sind von dem Bewußtsein getragen, daß es jetzt um das Ganze geht.(Stürmischer Beifall.) Wir hatten anfangs nur mit einer Monatsbeute von 600 000 Tonnen gerechnet. In Wirklichkeit sind in den ersten 3 Monaten 2 800 000 Tonnen versenkt worden.(Stürmisches Bravo!) Es sind in den ersten 3 Monaten des uneingeschränkten U=Bootkrieges 1325 Schiffe in den Grund gebohrt. Die Stimmen aus England klingen heute schon ganz anders als vor 3 Monaten. Man ist schon viel kleinlauter geworden. Man sieht ein, daß der U=Bootkrieg ein wuchtiger Schlag in das Leben unserer erbittertsten Feinde ist.(Stürmische Zustimmung). Unsere Marine hat den eisernen Willen zum Sieg!(Stürmischer Beifall.)— Abg. Brandes(Soz.): Die Militärverwaltung hat die Lohnverhältnisse weit befriedigender geregelt als wie die Marineverwaltung. Der Redner bespricht dann die Arbeitsverhältnisse im ganzen.— Staatssekretär v. Capelle: Auch in den Marinewerften sind einige Arbeitseinstellungen vorgekommen. Die Arbeiter sind aber nach kurzer Zeit wieder an die Arbeit zurückgekehrt, nachdem ihnen die Folgen des Streiks klargelegt waren.— Direktor Harm stellt fest, daß die Löhne auf den Werften erheblich gestiegen sind.— Abg. Waldhausen(Fortschr. Volksp.): Auch wir bringen unsern Dank allen Marineangehörigen dar. Es gibt nirgends so viel stilles Heldentum als in der Flotte, die fortdauernd bereitstehen muß gegen einen Feind, der nicht kommen will. Über die Umgehung des Beschwerderechts wird auch in der Marine geklagt. Eine Ehrenpflicht der Marineverwaltung sollte es sein, möglichst weitherzige Unterstützungen für die invaliden Marinesoldaten zu gewähren.— Staatssekretär v. Capelle: Armee und Marine müssen das gleiche Beschwerderecht haben. Das Verhältnis zwischen Offizieren und Mannschaften ist bei der Marine durchweg gut.— Abg. Nehbel(Kons.): Die Erfolge unserer U=Boote übersteigen unsere höchsten Erwartungen. Nur der uneingeschränkte U=Bootkrieg kann England zum Frieden zwingen. Abg. Paasche(Natl.): Wir zollen der Marineverwaltung, dem früheren und dem jetzigen Staatssekretär volle Anerkennung und Dank, daß sie in dieser schwierigen Zeit des Krieges es verstanden haben, das furchtbare Instrument der Flotte auszubauen und so zu organisieren, daß wir heute schon wohl sagen können, daß die Entscheidung im Weltkriege bei der Marine liegen wird. Dank wissen wir der Verwaltung und den Offizieren und Mannschaften, daß sie uns die treffliche Bewaffnung und Besatzung aller U=Boote ermöglichten. Dazu gehören auch die Leistungen unserer Kreuzer, ohne die die gewaltigen Leistungen der„Möwe“ nicht möglich waren. Wo steckt hingegen die englische Flotte, die stolze, Jahrhunderte alte, ie traut sich nicht heran! Die Herrschaft Englands auf dem Meere ist für alle Zeit erschüttert.— Abg. Warmuh(D. Frakt.): Auch die Tätigkeit unserer Großkampfschiffe darf nicht vergessen werden. Sie haben uns die Nordsee freigehalten vom Feinde und verhütet, daß die Stäbte an der langgestreckten Ostseeküste nicht verwüstet werden konnten. Auf die Ernährungsschwierigkeiten in England, das nicht rechtzeitig rationierte, übt der U=Bootkrieg schon jetzt bedenklihen Ernstuch aus. Dus Peingzip des richstchtelosen U So= krieges darf nicht durchbrochen werden.— Abg. Voigtherr(S. A. G.) bemängelt die Entlohnung und Behandlung der Arbeiterschaft in den Marinebetrieben.— Abg. Giebel(Sol.): Die Stellung der Arbeiterausschüsse ist noch numer nicht so, wie sie nach dem Gesetz sein sollle. Auch für Angestellte solkten solche Ausschüsse gevildet werden. Dem Bureaupersonal muß eine bessere Bezahlung zuteil werden.— Geheimer Admiralitätsrat Harms: Die Gewährung der Teuerungszulagen erfolgt nach bestimmten Grundsätzen der Finanzverwaltung. Was an uns liegt, geschieht in weitestem Maße, den Wünschen nachzukommen.— Der Marineetat wird bewilligt.— Es folgt der Etat der Schutzgebiete. Abg. Waldheim(Vp.) berichtet über die Ausschußverhandlungen und spricht der Schutztruppe in Deutsch=Ostafrika und ihrem Führer, Oberst vn Lettow=Vorbeck den Dank aus. — Der Etat der Schutzgebiete wird bewilligt.— Es folgt der Etat des Reichskolonialamtes. Aba. Noske(Soz.): Wir hoffen, daß es Deutschland gelingen wird, auch hinsichtlich der Kolonien unversehrt aus diesem Kriege hervorzugehen.„Keine Annexionen“ gilt auch für England.— Abg. Dr. Thoma (Natl.): Die Kolonialdeutschen müssen reichlich entschädigt werden und zwar von den Schadenstiftern. Um England würde sich niemand kümmern, wenn nicht die Kolonialmacht dahinter stände. Ebenso hat Deutschland seine Kolonialpolitik aus wirtschaftlichen Gründen zu kulturellen und ideellen Zwecken getrieben. Wir erwarten auch für die Kolonien einen starken deutschen Frieden.— Abg. Henre(S. A. G.); Wir stehen der Kolnialpolitik, die bisher getrieben wurde, nach wie vor ablehnend gegenüber.— Staatssekretär Dr. Solf: Für die anerkennenden Worte für die heldenmütige Haltung unserer Schutztruppe und unseren Kolonialdeutschen danke ich herzlichst. Die Regierung wird sie nicht im Stich lassen. Den Abg. Henke zu bekehren, muß ich aufgeben. Daß der Abg. Noske sich namens der Sozialdemokratie für die Kolonialpolitik ausgesprochen hat, ist die beste Anerkennung für uns. Die Eingeborenen=Politik des Frhrn. von Rechenberg erleichtert das so heldenmütige Durchhalten in Ostafrika. — Der Etat wird bewilligt.— Ohne Debatte wird der Etat für das Reichsmilitärgericht und der Etat der Reichsschuld bewilligt; ebenso der Etat der allgemeinen Finanzverwaltung.— Rächste Sitzung Donnerstag. Die A-Boote im Hauptausschuß. WTB. Im Hauptausschuß des Reichstages stellte am Mittwoch bei der Beratung der Marinefragen ein Zentrumsabgeordneter als Ergebnis der Erörterungen fest, daß Deutschland bezüglich des U=Bootbaues den anderen Nationen weit voraus ist. Der Staatssekretär des Reichsmarineamtes stellte fest, daß gewisse Wassen erst während des Krieges auf ihre Höhe gebracht werden konnten. Wenn man die lange Dauen des Krieges hätte voraussehen können, hätte man gewiß die eine oder andere Waffe noch mehr als es geschehen, auszubauen sich bemüht.— Ein knservativer Redner betonte, ohne die Hochseeflotie hätte der U=Bootkrieg nicht in der erfolgreichen Weise geführt werden können.— Ein sozialdemokratischer Redner führte aus,, jetzt handle es sich einzig darum, durch die Ausgestaltung unserer Waffen das baldige Ende des Krieges herbeizuführen. Kein Wort der Bewunderung sei stark genug, die Anerkennung dafür auszusprechen, was die Flotte, was die Offiziere und die Mannschatfen in der Schlacht bei Skagerrak geleisiet hätten.— Ein Fortschrittler bezeichnete die Schlacht bei Skagerrak als eine Ruhmestat unserer Marine. Er wünschegrößtmöglichste Förderung des Baues einer scharfen Unterseebootwaffe. Aus westdeutschland. Elberfeld, 10. Mai. Einem großen Hamsternest kam die Berliner Polizei auf die Spur. Ihr war aufgefallen, daß eine Familie häufiger größere Sendungen aus dem Wuppertal und von der holländischen Grenze erhielt, sie nahm eine Haussuchung vor und beschlagnahmte große Mengen Schinken, Zungenfleisch= und Fettwaren, Mehl, Kakao, Hülsenfrüchte, Kaffee usw. Absenderin all dieser kostbaren und seltenen Dinge war eine entfernte Verwandte der Berlinen Familie, eine hiesige Kaufmannsfrau, die sie auf Hamsterfahrten an die Grenze von Schmugglern erworben hatte. Die Frau wurde vom Schöffengericht wegen unerlaubten Handels mit Lebensmitteln zu 1000 A Geldstrafe verurteilt. Auch gegen die Berliner Familie ist vorgegangen worden. M.=Gladbach, 10. Mai. Der Händler Franz Becker in Geilenkirchen war vom Schöffengerichte in Odenkirchen wegen Betrugs und Überschreitung des für Butter festgesetzten Höchstpreises zu 1 Monat Gefängnis verurteilt worden. Es handelte sich um holländische Margarine, die von dem Angeklagten als reine Naturbutter zu 5 A das Pfund verkauft worden war. Die hiesige Strafkammer als Berufungsinstanz hatte insoweit auf Freisprechung erkannt, als Überschreitung des Höchstpreises in Betracht kam, da für Margarine ein solcher nicht vorgeschrieben sei. Die Gefängnisstrafe aber wurde in der gleichen Höhe belassen. Dieses Urteil ist vom Düsseldorfer Oberlandesgericht auf Revision des Angeklagten aufgehoben worden mit der Begründung, daß das Erkenntnis der Strafkammer, insoweit auf Freisprechung erkannt worden sei, auch eine Ermäßigung der Strafe bedinge. M.=Gladbach, 10. Mai. Die Stadtverordneten bewilligten für eine Erweiterung des Ehrenfriedhofes 20 000 Mark. Ferner wurde die Übernahme der privaten Präparandenanstalt auf die Stadt beschlossen. Kaldenkirchen, 10. Mai. In den Waldungen bei Schloß Krickenbeck brach ein Brand aus. Viele hundert Morgen Kiefern wurden vernichtet. Auch gerieten einige im Bereiche des Geländes gelegene Wohnhäuser in Brand und wurden eingeäschert. Saarbrücken, 10. Mai. Auf das von den Arbeitern der Röchlingschen Werke an den Kaiser gesandte Huldigungstelegramm ist folgende Antwort eingelaufen: Seine Majestät der Kaiser und König hoben den Huldigungsgruß der Hüttenund Munitionsarbeiter von den Röchlingschen Werken mit besonderer Befriedigung entgegengenommen und lassen für das Gelübde unerschütterlicher Pflichttreue bis zum siegreichen Ende herzlich danken. gez. v. Valentini. Münster, 10. Mai. Ein Sonderlehrgang für Kriegsbeschädigte wird Mitte Mai beim hiesigen Paulinischen Gymnasium ins Leben treten. Er ist bestimmt für frühere Primaner und Obersekundaner der Gymnasien, Realgymnasien und Oberrealschulen. Die Mindestzeit der Vorbereitung auf die erleichterte Kriegsreifeprüfung beträgt ein halbes bezw. ein ganzes Jahr. Meldungen solcher, die noch an dem Lehrgang teilnehmen wollen, sind schleunigst an das Provinzialschulkollegium in Münster einzureichen. Münster, 10. Mai. Laut königlicher Genehmigung findet der Provinziallandtag der Provinz Westfalen am 20. Mai beginnend in Münster statt. Kirchhellen, 10. Mai. Ein Waldbrand entstand an der Grenze des Gemeindegebiets von Kirchhellen und Hiesfeld. Zur Hilfeleistung eilten die Feuerwehren von Sterkrade, Oberhausen, Hiesfeld, Dinslaken und Kirchhellen, sowis Militär aus Dinslaken herbei. Der Schaden wird auf 100 000 M geschätzt. Dem verheerenden Elemente sind hauptsächlich Nadelholzbestände der Gutehoffnungshütte und des Kal. Forstbezirks Bruckhausen am Quien gefallen. Fax. Die Erbinnen von Reichenbach. Roman von Teo Küster. (Nachdruck verboten.) Jetzt erst sagte das stolze Mädchen wie es gekämpft, wie es den Stürmen des Lebens Trotz geboten, wie ungebahnt seine Wege gewesen.— Warum— so dachte Hans — hatte Edda nicht damals in München, als er sie bei Rombergs aufgesucht, ihm das alles offen gesagt?— Es wäre dann sicher anders gekommen...— Doch er hatte sie ja schon verdammt, ehe er sie gehört; er hatte damals nicht nach Gründen gefragt, die sie zur theatralischen Laufbahn bestimmt haben konnten. Tief beschämt und schwer getroffen fühlte sich Hans bei den aufrichtigen, gesinnungsfesten Worten des Justizrats zugunsten Eddas, als er sah, daß dieser Mann ihn eines besseren belehrte, daß jener unter keinen Umständen an ihr gezweifelt haben würde, selbst wenn er sie am Rande eines moralischen Abgrundes gesehen hätte. Als man spät am Abend sich trennte, ging Baron Hans, das Herz voll Liebe und froher Hoffnung, nach seiner Stadtwohnung, um dort die Nacht zuzubringen und am anderen Morgen seine Reise anzutreten. Sein Ideal war ihm wiedergegeben— schöner und reiner als es je gewesen, denn es hatte sich im Sturm und Kampf mit dem Leben bewährt und auch selbst auf ungebahnten Wegen nicht gestrauchelt. Einige Tage nach seiner Abreise befanden die Zwillingsschwestern sich eines Mittags allein im Wohnzimmer des Gallischen Hauses. Edda streichelte sanft Marys Wange, und kopfschüttelnd sagte sie:„Kind, du leidest— sag' mir, was dich drückt; möchtest du zurück nach Dresden?“ Mary schüttelte den Kopf und nachdenklich erwiderte sie:„Nein, Edda, ich bin recht glücklich bei dir— nur eins möcht' ich wissen— ob.. Sie hatte die letzten Worte mehr zu sich selbst gesprochen, und als jetzt die Schwester in sie drang, ihr dieses„Eine" doch zu sagen, bemerkte Mary abwehrend: „Du kannst mich nicht verstehen!“ Noch sprachen die Schwestern lebhaft zusammen, als das Mädchen eintrat, eine Karte überreichte und bemerkte, der„junge Herr“ warte draußen. Edda las:„Viktor von Uhlberg." Lebhaft ein freudiges„Ah!" ausrufend, erhob sich Mary.„Er kommt!" sagte sie.„Öh, ich wußte es!—" Nun allerdings wußte Edda genug.— Sie wußte, daß Mary den ihr selbst so wohlbekannten jungen Uhlberg liebe, daß er ihr nachgeeilt sei, um sie wiederzufinden— und sie freute sich dessen, denn sie hatte Viktor stets hochgeachtet, namentlich seit sie die Überzeugung gewonnen hatte, daß er nicht um des Mammons willen heiraten werde; und diese Überzeugung mußte ihr sein Verhalten gegenüber Giselaßund deren Eltern geben, bei denen von seiner Verlobung mit der reichen Erbin schon wie von einer vollendeten Tatsache gesprochen worden war. Allein, man hatte damals eben ohne Viktors Herz gerechnet, und als Edda das Schwindsche Haus verließ, wußte sie bereits, daß Viktor seiner Mutter gegenüber die Millionärin ausgeschlagen hatte, und daß deren Verlobung mit Max Bauer nur noch eine Frage der Zeit sei. Als er nun eintrat, das hübsche Gesicht von Erregung gerötet, Marys beide Hände ergriff und mit dem unverkennbaren Ausdruck tiefer, wahrer Liebe an seine Lippen drückte, als Marys Gesicht sich purpurn färbte und sie ihre glückliche Verlegenheit nicht zu verbergen vermochte — da reichte auch Edda ihm die Hand und hieß ihn als alten Bekannten willkommen. Als nach wenigen Minuten des Beisammenseins Edda zum Justizrat, der Geschäftliches mit ihr zu besprechen hatte, gerufen wurde, da wußte sie, daß es zwei Glückliche waren, die sie hinter sich im Zimmer zurückließ. „Ich wußte, daß Sie kommen würden", sagte unschuldig naiv Mary, sobald ihre Schwester den Rücken gewendet hatte. Entzückt über dieses geradezu offene Bekenntnis, welches sie ablegte, ohne zu ahnen, wieviel sie dadurch ihm offenbarte, ließ Viktor nicht länger ungesagt, was auch ihn bewegte. Ihre Hände erfassend und seinen Blick tief in ihre träumerischen Augen versenkend, flüsterte er mit zitternder Stimme: „Bis ans Ende der Welt wäre ich Ihnen gefolgt!— Wie könnte ich auch anders, Mary, da ich Sie so unendlich liebe, wie ein Mensch nur lieben kann!— Oh, Mary!" fuhr er begeistert fort, und seine Augen verkündeten mehr fast als Worte, was in ihm vorging,„Mary, sage auch du mir, daß du mich liebst und mein eigen sein willst!" Er zog die Widerstandslose in seine Arme und drückte das schöne Köpfchen an seine Brust. Ihr Blick, ihr seliges Lächeln hatte ihm alles gesagt, was ihn zu beglücken vermochte. In vollstem Selbstvergessen verrannen die Minuten, bis Edda zurückkehrte. Hand in Hand fand sie die Liebenden glück= und freudestrahlend. Mary warf sich an der Schwester Brust und stammelte errötend:„Ich liebe ihn mehr als alles sonst in der Welt!“— „Auch mehr als mich?" neckte Edda. „Ich habe Sie beraubt, Fräulein Edda“, sagte Viktor, „Mary ist mein; doch wir beide wollen Sie so lieben, wie man eine Schwester nur lieben kann!“ „Und Ihre Mutter?"— wandte Edda nach einigen Augenblicken zögernd ein. „Sie wird mich glücklich sein lassen; sie weiß um meine Liebe zu Mary, von der ich ihr bei meiner Ankunft in Berlin vor mehreren Wochen und nachdem ich Mary im Hause Drakes kennengelernt, sogleich Mitteilung machte. Sie ist zufrieden mit der Wahl ihres Sohnes." „Nun, dann bedarf es nur noch der Einwilligung unseres Vormundes...— Ah, da ist er ja!— Nun, bei dem werde ich Ihr Anwalt sein, lieber Baron, denn wir beide kennen uns ja länger und genauer." Edda stellte dem Justizrat die Verlobten vor und verbürgte sich für den Charakter und die Persönlichkeit Viktors. „Ja, durch solch' beredten Advokaten, der mir altem Aktenmensch fast überlegen ist, muß man sich schon überzeugen lassen", sagte launig der alte Herr und schüttelte des Barous Hand. Glückliche Tage vergingen nun im Hause des Justizrats Galli. Man war eifrig beschäftigt, die Fremdenzimmer in Ordnung zu bringen, denn die Baronin von Uhlberg hatte sich angemeldet, um Viktors Braut kennenzulernen. Die vornehme Dame begrüßte ihre zukünftige Schwiegertochter mit mehr Herzlichkeit, als Viktor zu hoffen gewagt hatte; doch die kluge Frau war sich nur zu wohl bewußt, daß es jetzt galt, sich das Herz ihres Sohnes für immer zu sichern und dann ward es ihr ja auch so leicht, das schöne, sanfte Mädchen mit dem glücklichen Gesicht und den Taubenaugen in ihr Herz zu schließen. Ihren Stolz und ihre Muttersorge wußte sie zu beruhigen, da sie Viktors Verbindung mit Mary kaum noch für eine Mißheirat hielt. Fast gleichzeitig mit Frau von Uhlbergs Ankunft in B. erhielt Edda einen langen Brief von ihrer ehemaligen Schülerin Gisela Schwind, der eine Einladung zur Hochzeit enthielt. Gisela schilderte in hellen Farben ihr Glück, um bald die Gattin des besten, treuesten aller Männer zu werden. XXI. Ein warmer, köstlicher Maitag im Beginn dieses herrlichsten Monats hatte sein helles Sonnenlicht über die grüne, zu neuem Leben erwachte Flur ergossen; laue Lüfte bewegten das frische, junge Laub, in dem es tönte und zwitscherte im tausendstimmigen Konzert. Scheu huschten die gefiederten Sänger schnell von Ast zu Ast, denn noch war das Laubwerk nicht dicht genug, um ihnen ein sicheres Versteck zu bieten. Auch im Garten des Justizrats Galli grünte und blühte schon alles; die ersten Blumen wurzten die reine Luft mit ihrem Wohlgeruch und die Rosenstöcke waren mit dichtem, saftig frischem Grün bedeckt. Alles atmete neues Leben, neue sprudelnde Lust— Mensch, Tiere und Pflanzen. Die auf der Gartenseite des geräumigen Wohnhauses angebaute breite und glasumgebene Veranda war weit geöffnet und der mit schön gestickter Decke behangene Tisch wie die verschiedenen bequemen, etwas unordentlich umherstehenden Sessel verrieten, daß die Hausgenossen einen großen Teil des Tages bereits in frischer Luft zugebracht hatten. Edda Liebenstein trat mit einem Buche in der Hand aus dem Hause. Mary mit ihrem Verlobten und Emma Galli hatten den Justizrat auf der Fahrt nach einem nahen Rittergut, dessen Rechtsvertreter er war, begleitet; Edda war mit Frau von Uhlberg allein zurückgeblieben. Viktors Mutter hatte ihre gewöhnliche Nachmittagsruhe gesucht und Edda kam, die herrliche Frühlingsluft zu genießen, nach dem Garten. Unfern der Veranda befand sich eine schon mit ziemlich dichtem Grün bedeckte Laube; dahin ging das junge Mädchen und ließ sich im Schatten derselben auf einem bequemen Gartenstuhl nieder. Sie begann zu lesen. Alles war still um sie her. Eddas Gesicht war leicht gerötet; ihre Aufmerksamkeit schien keineswegs ausschließlich auf ihre Lektüre gerichtet zu sein, denn wiederholt schon hatte sie das Buch in den Schoß sinken lassen, minutenlang träumerisch dagesessen, dann wieder, während ein zufriedenes Lächeln ihren Mund umspielte, zu lesen fortgefahren. Sie trug ein einfaches graues Seidenkleid, welches ihre herrliche Gestalt im reinsten Ebenmaße hervortreten ließ, ohne einen anderen Schmuck als den durch eine goldene Nadel gehaltenen feinen Spitzenkragen. Ihr reiches, schönes Haar war in dicken Zöpfen um den Kopf gelegt. Eddas ganze Erscheinung bot ein Bild edelster Weiblichkeit, frei von jeder Überladung, den reinsten Schönheitssinn bekundend. „Wie ruhig und schön ist es hier!" sagte sie halblaut. „Wie ruhig und glücklich sollte doch auch ich sein!“ Wehmütig schüttelte sie das Köpfchen. Sie hielt sich für undankbar gegen das Schicksal— und doch konnte sie nicht innerlich glücklich sich fühlen, so wie sie es früher gewesen; sie konnte die sorglose Heiterkeit nicht wiederfinden, welche sie noch besaß, als sie Europas Boden betrat. Nun war es eben ein Jahr— oh, wie kurz dünkte ihr dieses Jahr!— Ein halbes kaum glaubte sie währenddem durchlebt zu haben. Enttäuschung, Kummer, Schmerz hatte diese kurze Zeit ihr in Hülle und Fülle gebracht; doch dann hatte alles ja sich wieder zum Guten gewendet...— Alles?— Nein; noch gab es ein unerfülltes Sehnen in Eddas Brust. Nur eins war nicht so, wie es sein konnte, wie sie in süßen hoffnungsvollen Träumen es ersehnt.— Würde es jemals anders werden — würde sie ganz glücklich sein?... Solche Gedanken waren es, welche das junge und doch im Drange des Lebens schon so gereifte Gemüt beherrschen, und es war wohl kein Wunder, wenn ihr selbst unbewußt das Buch schon seit einer Viertelstunde am Boden lag und allerlei kleine Vögel sich, in nächster Nähe der regungslos dasitzenden Gestalt, ihres Lebens und des Wiedererwachens der Natur erfreuten. Da wurden leichte, leise Schritte in der Umgebung der Laube hörbar— doch nicht für Edda, sie träumte weiter, sie schlief nicht, doch ihre Augen waren geschlossen, ihr Seelenleben hatte kaum noch eine Empfindung für die Außenwelt zurückgelassen. Sie ahnte nicht, daß zwei Augen voller Liebe und Entzücken auf dem Bilde hafteten, welches die regungslos Dasitzende in diesem Augenblick bot. Sie konnte nicht wissen, wie stürmisch das Herz des Mannes klopfte, der da zehn Schritte von ihr entfernt stand— trotzdem gerade all ihr Sinnen und Denken sich in diesem Manne konzentrierte, den sie fern glaubte, dessen Nähe sie hätte erbeben machen. Da ertönte ihr Name— flehend voller Liebe und Glück:„Edda!"—— Eine Hand erfaßte die ihre— wie aus einem Traum— einem schweren, wirren Traum erwachend, suchte sie ihre Gedanken zu ordnen. Mächtig klopfte ihr Herz, ihre Pulse flogen— vor ihr stand er, an den sie all die Zeit über gedacht, ihr Cousin Hans von Reichenbach.— Keines Lautes, keines Grußes war sie in diesem Augenblick fähig; alles Blut war aus dem noch eben so lieblich geröteten Antlitz gewichen, und sie hatte wirklich nicht die Kraft, ihm ihre Hand zu entziehen— wollte das auch wohl nirht. Aus dem starken, selbstbewußten Mädchen war ein hilf= und willenloses Kind geworden. Da drangen Worte heißer, glühender Leidenschaft an ihr Ohr, wie sie solche nie gehört. Vergeblich suchte sie sich der Allgewalt ihrer Gefühle zu erwehren; lautlos, unbeweglich hörte sie ihn an— und ihre Augen hingen an den seinen, und der göttliche Strahl erkennender Liebe, welche aus diesen Augen blitzte, sagte ihm mehr— weit mehr, als Worte es konnten. Nur mit einem leisen Gegendruck ihrer Hand beantwortete sie die stürmischen Fragen, welche Hans an sie richtete. „Du stolzes Mädchen, wie schwer, wie unsäglich hab' ich um dich gelitten!— Doch sag' es mir, sprich es aus, daß du mein liebes, treues Weib sein willst, daß du mir all die unseligen Irrtümer verziehen hast, daß kein Mißverständnis jetzt mehr zwischen uns steht!"— So bat Hans und schaute ihr liebetrunken selig. in die schönen Augen. „Du böser, lieber Mann!" flüsterte sie mit halb durch Freudentränen umflorter, bebender Stimme und wehrte ihm nicht, als er sie an seine Brust zog und innige, leidenschaftliche Küsse auf Stirn, Augen und Mund ihr drückte. Endlich hatten sie sich gefunden— die zwei so entschieden füreinander bestimmten Herzen!— Ein unbewachter Augenblick hatte all die sorgfältig bewachte Liebe zutage gebracht, und ein schöner Bund war geschlossen fürs ganze Leben. Frau von Uhlberg erschien. Erstaunt, fragend hing ihr Blick an den so vertraulich plaudernden jungen Leuten. Sie trat näher. Edda begrüßte sie und stellte ihr ihren Vetter vor. Das Geheimnis ihrer Liebe verrieten sie einstweilen noch nicht: erst sollte der Justizrat uno älteste Freund beider erfahren, daß er seine Vormundschaft von so kurzer Dauer an einen anderen abzutreten habe. Dann flüchtete Edda sich ins Haus— sie mußte allein sein mit ihrem Glück, ungesehen lachen und weinen können — vor Freude! „Er liebt mich— er liebte mich immer, so wie ich ihn!" jubelte es in ihr auf. Mit seligem Lächeln stand sie am Fenster ihres Zimmers; sie lauschte auf seine Stimme, welche aus dem Garten zu ihr hinaufklang. Aus ihren in Liebeshoffen versunkenen Träumen störte sie das Knarren von Rädern auf: die Ausflügler kehrten zurück. Edda eilte hinunter. Herzlich ward Hans vom Justizrat. von Mary und Emma begrüßt. Edda stellte ihm Viktor von Uhlberg vor und verband damit gleich die Mitteilung der Verlobung desselben mit Mary. Die beiden jungen Mädchen schüttelten sich freundlich die Hände— ein Blick hatte sie belehrt, daß sie Freunde werden würden. Man ging in den Garten. Edda hatte den Arm ihres Vormundes genommen und führte ihn voraus, um eine „kleine Geschäftssache" mit ihm zu besprechen. „Es betrifft Schloß Reichenbach!" rief Hans, welcher ihnen folgte;„da habe ich auch ein Wort mitzureden." „Ja, es betrifft Reichenbach, Herr Justizrat. Hans und ich wollten es beide besitzen; wie denken Sie darüber, verehrter Vormund?" fragte Edda schelmisch lächelnd und ihrem Vetter und Verlobten glücklich zuwinkend. „Hm!" sagte der Justizrat anfänglich sehr bedenklich und mit erstaunter Miene. Doch der Alte war nicht so leicht zu dupieren: mit verständnisvollem Lächeln blickte er abwechselnd beide an, dann sprach er in neckischem Tone:„Aber gezankt habt ihr euch hoffentlich darum nicht? — Ihr werdet euch, denke ich, auch nicht zanken, wenn ihr zusammen dort leben sollt— was ich euch übrigens rate, nur um keine Besitzstreitigkeiten und sonstige Ursachen zum Zwist aufkommen zu lassen— und um des hübschen Schlosses willen." „Ja, das wollen wir auch!“ rief Hans launig.„Meine Braut und ich, wir halten es auch beide so fürs beste!" Und er drückte Edda an sich. „Na, ich wußt' es ja, Kinder, daß es so kommen würde— trotz der finsteren, kalten Mienen wußt' ich doch, wie es drinnen im Herzen ganz anders ausschaute!— Ihr beide werdet glücklich zusammen sein, denn ihr gehört zueinander." Herzlich drückte der alte, bewährte, aufrichtige Freund beiden die Hände; er war so froh, daß es nun klar geworden zwischen ihnen. Das neue Brautpaar ward mit Jubel empfangen beim Nachtessen unter der Veranda. Justizrat Galli brachte einen humoristisch gewürzten Trinkspruch aus auf beide Paare, und im perlenden Johannisberger— im Wein vom deutschen Rhein— trank man auf deren Glück, Liebe und Zukunst. Frau von Uhlberg küßte Edda liebevoll, ihr früherer Groll war ganz geschwunden, und es freute sie diese Verbindung um so mehr, als dadurch Edda ihr nähertrat, und sie die Hauptsache darin fand, daß die Schwester ihrer Schwiegertochter nicht allein in gleicher Sphäre mit dieser leben werde, sondern selbst als Gattin eines der reichsten Grundbesitzer, eines Mannes, dessen Name als Schriftsteller bei Hofe sogar mit Auszeichnung genannt wurde, des Baron Hans von Reichenbach, sogar noch höher stand. Täglich war Hans jetzt im Hause des Justizrats. Noch im Frühsommer sollte die Hochzeit sein; auch Marys Hochzeitstag war festgesetzt. Zuvor sollten beide Brautpaare noch einer anderen Vermählung beiwohnen und zu diesem Zwecke brachen sie eines Tages auf nach dem alten Köln am Rhein, um den Glücks= und Ehrentag von Gisela Schwind und Max Bauer mit zu feiern. Freundlich und herzlich ward namentlich Edda im Schwindschen Hause begrüßt, aus dem sie vor acht Monaten voll tief gekränktem Stolze geschieden. Auch Viktor ward als alter Freund des Hauses empfangen, und Hans imponierte der noch korpulenter gewordenen Frau des Millionärs ganz besonders; sie freute sich des schönen Paares und des Glückes, das Edda endlich gefunden. Gisela Schwind war entzückend im bräutlichen Schmuck, und das glücklich stolze Lächeln des stattlichen Bräutigams an ihrer Seite war allen wohlbegreiflich.— Einige recht frohe, glückliche Tage brachten die Besucher in Köln zu, dann trennte man sich und die beiden Brautpaare kehrten zurück nach Schloß Reichenbach und nach wo auch für sie bald die entscheidende, frohe Stunde schlagen sollte. Friederike von Lossau starb in Meran im Laufe des Sommers, als ihr Bruder schon seit mehreren Wochen Eddas glücklicher Gatte war. Beide reisten zum Begräbnis dorthin und brachten Frau von Reichenbach mit zurück, welche ihren Witwensitz im Reichenbachschen Palais zu B. nahm. Drake ließ nie wieder von sich hören; man erfuhr nur, daß er auf Reisen gegangen sei und eine Reihe von Jahren abwesend sein werde. Seine Tante aber schrieb einen herzlichen Glückwunschbrief zu Marys Hochzeit. — Ende.— unsere Abonnenten. Bei unregelmäßiger Zustellung dieser Zeitung wollen die verehrlichen Abonnenten uns dieses sofort mitteilen, damit wir für Abhülfe sorgen können. Erpedition der Sprockhöveler Zeitung. Bergisch Märlesche Zeitung Elberselder Zeitung Barmer Nachrichten Neueste Nachrichten 3. Großzügige politische Tageszeitung. Beliebtes Familienblatt im bergischen Industriebezirk. Erscheint wöchtl. 13mal, morg. 3.30 u. abds. 3.30 Uhr Ausgabe 6 Ausgabe B morgens u.abends zugestellt u. Illustr. 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