Sprockhöveler Zeitung Jebe Woche 2 wertvolle Gratis=Beilagen. Amtlicher Anzeiger für das Amt Sprockhövel. Jebe Woche 2 wertvolle Gratis=Beilagen Verbreitungsbezirk: Ziddinghausen, Haßlinghausen, Herzkawp, Schee, Stäter, Holthausen, Buchholz, Flankenstein, Burchholz, Bekanntmachung. Auf Grund der§§ 3 und 4 der Bundesratsverordnung vom 28. Juni 1915 werden sämtliche Landwirte im Kreise Schwelm hierdurch aufgefordert, ihren gesamten Roggen und Weizen binnen 10 Tagen auszudreschen. Bei Nichtbeachtung dieser Aufforderung wird der Ausdrusch durch beauftragte Dritte vorgenommen werden. Der Verpflichtete hat die Vornahme auf seinem Grund und Bodeu sowie in seinen Wirtschaftsräumen und mit den Mitteln seines Betriebes zu gestatten. Schwelm, den 9. Januar 1916. Der Landrat: Harz, Geheimer Regierungsrat. Bekanntmachung. Die von der Amtsvertretung getätigte Wahl des Fobrikanten Gustav Düsterloh zu Niedersprockhövel zum stellvertretenden Mitgliede des Sparkassenvorstandes ist von dem Herrn Landrat in Schwelm bestätigt worden. Sprockhövel, den 7. Januar 1916. Der Amtmann: Theis. Bekanntmachung. Für die Kriegsteilnehmer und deren Angehörige gingen ferner ein: 65) N. N. 500,— Mk. Bisher eingegangen 10757,16„ Gesamtbetrag 11257,16 Mk. Der Empfang der vorstehenden Spende wird hiermit unter dem Ausdrucke des herzlichsten Dankes öffentlich bestätigt; weitere Gaben werden jederzeit gern entgegengenommen. Sprockhövel, den 7. Januar 1916. Der Amtmann: Theis. Bekanntmachung. Auf Grund des Paragraph 9 Buchstabe b des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 wird die Versteigerung von Eichenrinde- und Fichtenrinde=Gerblohe bis zur Bekanntgabe demnächst zu erwartender Höchstpreisverordnung verboten. Münster, den 5. Januar 1916. Der kommandierende General: Frhr. v. Gayl, General der Infanterie. Bekanntmachung. Das stellvertretende Generalkommando in Münster verfügt heute telegraphisch folgendes: „Im Einverständnis mit dem Kriegsministerium werden Sonderverkäufe und Ausverkäufe unter Ankündigung herabgesetzter Preise für Web= und Wirkstoffe und hieraus konfektionierte Gegenstände und für alle Strickwaren für Januar verboten." Die eingesessenen Firmen unseres Bezirkes werden hierdurch aufgefordert, der Verfügung entsprechend zu verfahren. Hagen i. W., den 8. Januar 1916. Die Handelskammer: Th. Springmann, Vorsitzender. Dr. Boye. Bekanntmachung. Nachdem die Maul= und Klauenseuche unter dem Viehbestande des Wirts und Landwirts Gustav Stöter=Tillmann in Sprockhövel erloschen ist, hebe ich die in meiner viehseuchenzolizeilichen Anordnung vom 9. September 1915 getroffenen Sperrmaßnahmen hiermit auf. Schwelm, den 30. Dezember 1915. Der Landrat: Harz, Geheimer Regierungsrat. Lokales und aus der Umgegend. (Nachrichten unter dieser Rubrik aus unserem Leserkreise sind sehr erwünscht, besonders auch find Vereinsvorstände gebeten, Berichte über ihre Versammlungen und Veranstaltungen unserer Redaktion zukommen zu lassen.) Sprockhövel, den 11. Januar 1916. —[Dank aus dem Felde.] Für erhaltene von der Sprockhöveler Sammelstelle abgesandte Weihnachts=Pakete sprechen wir unsern herzlichsten Dank aus. Außerdem wünschen wir allen Daheimgebliebenen aus dem fernen Serbien ein glückliches neues Jahr. In der Hoffnung auf ein frohes, baldiges Wiedersehen in der lieben Heimat grüßt Landstm. Gust. am Mihr, Landstm. Gefr. Gust. Mühlhaus. — Heute erhielt ich von der Sprockhöveler Sammelstelle ein schönes Weihnachtspaket, wofür ich den lieben Spendern und Spenderinnen meinen herzlichsten Dank ausspreche. Wehrmann Fritz Glittenberg.— Für das mir übersandte schöne Paketchen spreche ich dem Vorsitzenden des Grubenvorstandes Herrn Dr. Schmieden und den Beamten der Gewerkschaft Barmen meinen innigsten Dank aus. Wehrmann Gefr. Hilligweg.— Für das vom M.=G.=V. Sprockhövel erhaltene Liebesgabenpaketchen dankt bestens Rob. Buchner.— Die herzlichsten Grüße an alle Sprockhöveler sendet Gefr. F. Wiggers.— Herzliche Grüße aus dem Felde sendet Utffz. Pauck.— Für von der Sammelstelle Sprockhövel erhaltene Liebesgaben spreche ich meinen herzlichsten Dank aus. Utffz. Stallmann. —[Frauen=Verein Nieder=Sprockhövel.] In gewohnter Weise entfaltete der Niedersprockhöveler Frauenverein im verflossenen Jahre seine Tätigkeit. Von den gesammelten reiwilligen Beiträgen hiesiger Bürger wurde der größte Teil für unsere tapferen Feldgrauen verwandt, während nebenbei durch reiche Gaben einiger treuer Mitglieder des Vereins, z. B. 26 Mtr. Hemdenbiber, 12½ Mtr. Kleiderstoff, 12 Mtr. Unterrockstoff, 3 Kinderhosen, 3 Schürzen, 3 Paar Kinderstrümpfe, 2 Paar Pantoffeln, 3 Paar Schuhe, 30 Lth. Wollgarn und 3 Wagen Kohlen 13 bedürftige Familien resp. Einzelstehende beglückt wurden. Außerdem wurde das ganze Jahr hindurch, je nach Bedürfnis, für Kranke und Arme gekocht. Herzlichsten Dank all' den freundlichen Gebern und Helfern mit der Bitte, auch fernerhin dem Liebeswerk die nötige Unterstützung zuwenden zu wollen, wozu die andauernd ernste Kriegszeit uns besonders mahnt.—tz. —(Briefe an die Gefangenen in Frankreich.) Wir werden ersucht, unsere Leser darauf aufmerksam zu machen, daß es laut Verfügung des franz. Kriegsministeriums verboten ist, den Gefangenen Karten, Briefe, Paketsendungen usw. mit irgend welchen Nationalitätsabzeichen deutscher Bundesstaaten, wie Streifen in den Landesfarben, Wappen, Bildnissen deutscher Fürsten und Heerführer usw. zu schicken. Derartig ausgestattete Sendungen werden den Gefangenen nicht ausgeliefert, sondern ohne weiteres beschlagnahmt. Es ist den Angehörigen von Gefangenen in ihrem eigenen Interesse daher dringend zu empfehlen, nur streng neutral aufgemachte Sendungen zu schicken. Besonders die Originalverpackung von Zigarretten und Zigarren zeigt häufig derartige von Frankreich nicht zugelassene patriotische Ansschmückungen, indem z. B. die Blech- und Pappkartons in Nationalfarben gefärbt sind, eingedruckte Wappen usw. tragen. —[Die Abhängigkeit unserer Ernährung vom Auslande.] Man schreibt uns: Der Geheime Regierungsrat Professor Dr. Wohltmann in Halle hat über unseren Bedarf an Vieh und tierischen Nahrungsmitteln aus dem Auslande Untersuchungen angestellt und dabei nachgewiesen, daß wir mit unserer Ernährung mit animalischen Produkten nicht so sehr vom Auslande abhängig sind, wie allgemein angenommen wird. Im Jahre 1913 bezahlten wir dafür insgesamt 12,10 Mk. an das Ausland, pro Kopf der Bevölkerung gerechnet, und zwar für Rindfleisch 1,68 Mk., für Schweinefleisch 0,69 Mk., für Butter, Käse, Milch 2,91 Mk., für Schmalz und Talg 2,04 Mk., für Geflügel 1,00 Mk., und für Eier 3,86 Mk. An dem inländischen Verbrauch war das Auslandsfleisch nur mit 1,7% beteiligt. Dabei ist zu berücksichtigen, daß der Inlandsfleischverbrauch pro Kopf der Bevölkerung seit dem Jahre 1900 mit 43,4 kg bis zum Jahre 1913 auf 58 kg, also um nicht weniger als 1 kg im Jahresdurchschnitt, zugenommen hat. Daraus ergibt sich, daß einerseits die einheimische Erzeugung mit dem steigenden Verbrauch durchaus Schritt gehalten hat, und daß anderseits eine Einschränkung im Verzehr um den Einfuhrüberschuß keine Beeinträchtigung der Volksernährung bedeutet. Nur bei Butter, Schmalz und Eiern fühlen wir den Einfuhrausfall, trotzdem ist auch hier der Ausfall so gering, daß wir bei weisem Haushalten mit den uns zu Gebote stehenden Nahrungsmitteln auch im zweiten Kriegsjahre durchaus auskommen. —[Von seiten des stellvertretenden Generalkommandos 7. Armeekorps) geht uns folgendes zu: Immer wieder laufen beim Generalkommando Beschwerden ein, daß Feldpostbriefe und Karten, Feldpostpäckchen und schwerere Pakete ihre Adresse nicht erreichen. In hunderten solcher Fälle ist aber festgestellt, daß die Ursache, hiervon lediglich in der mangelhaften oder falschen Adressierung zu suchen war. Vorbedingung für die richtige Zustellung aller Briefe und Pakete ist eine richtige Aufschrift; ohne solche ist es bei den Schwierigkeiten des Feldpostbetriebes unmöglich, die Sendungen richtig zu leiten. Es muß daher immer wieder betont werden, daß die Adressierung genau, ausführlich und leicht leserlich angegeben werden muß. Das Generalkommando erteilt gern durch seine Abteilung 5 in Zweifelsfällen auf solche Anfragen Auskunft und zwar: mündlich in der Zeit von 9 bis 1 Uhr vormittags und 4½ bis 7 Uhr nachmittags Münster, Steinfurterstraße 6. Für schriftliche Auskunftserteilung hat die Reichspostverwaltung hellgrüne Anfragepostkarten mit dem Vordruck(für den 7. Korpsbezirk:„An das Militär=Paket=Depot Düsseldorf") anfertigen lassen, die bei jeder Postanstalt erhältlich sind, sie kosten einen Pfennig das Stück und werden portofrei befördert. Dem Publikum wird im eigenen wie im Interesse unserer tapferen Krieger im Felde dringend ans Herz gelegt, von diesen Einrichtungen ausgiebigen Gebrauch zu machen; es wird dadurch verhütet, daß Spenden, die oft mit Mühe und unter Entbehrungen aufgebracht sind, lediglich infolge unrichtiger oder ungenauer Angaben ihre Adresse verfehlen. —[Die Zeitungen und der Krieg). Der Verein badischer und pfälzischer Zeitungsverleger wendet sich mit einer Erklärung an die Zeitungsleser. Da nicht nur die badischen und pfälzischen Zeitungen, sondern die gesamte deutsche Tagespresse genau unter denselben Schwierigkeiten zu kämpfen und eine schwierige Kriegsarbeit zu leisten hat, verdient die Erklärung weiteste Berbreitung. Sie lautet: „Mit der längeren Dauer des Krieges haben sich für den regelmäßigen Zeitungsbetrieb ganz erhebliche Schwierigkeiten eingestellt, sowohl hinsichtlich der Personalbeschaffung, als auch infolge der veränderten Verhältnisse auf dem Rohstoffmarkt. Wir möchten deshalb sowohl unsere Bezieher, als auch unsere Inserenten bitten, auf diese schwierige Lage Rücksicht zu nehmen, wenn bei der Zusendung der Zeitungen oder beim Austragen derselben Verspätungen vorkommen. Eine so rasche und pünktliche Erledigung unserer Kundschaft wie im Frieden, ist nicht mehr durchführbar, wie auch die technische Herstellung der Zeitungen nicht mehr mit derselben Sorgfalt wie früher vorgenommen werden kann. Die Folgen davon sind: verspäteter Abdruck wichtiger Artikel, erhöhte Zahl von Druckfehlern, schlechterer Druck. Ganz besonders würden uns die Freunde unserer Zeitungen verbinden, wenn sie beim Einsenden von Artikeln immer vor Augen haben wollten, daß die allergrößte Raumbeschränkung notwendig ist. Wir möchten deshalb bitten, alle Einsendungen, besonders diejenigen von Vereinen und Korporationen, daraufhin gründlich anzusehen, ob nicht Worte und Sätze gespart werden können. Sollte der eine oder andere Leser nicht sofort an dem einer Veranstaltung nachfolgenden Tage einen Bericht über dieselbe finden, so möge er daran denken, daß unsere Herren Redakteure mit Arbeit überhäuft sind, sodaß sie unmöglich unverzüglich, etwa am selben Abend, ihre Berichte und Kritiken schreiben können, ja es wird wohl notwendig werden, in weniger wichtigen Fällen von Berichten vollständig abzusehen. Mitteilung der Obersten Heeresleitung. WTB. Großes Hauptqnartier, 10. Januar. (Amtlich). Westlicher Kriegsschauplatz: Nordwestlich Massiges, in Gegend des Gehöftes Maison de Champagne, führten Angriffe unserer Truppen zur Wegnahme der feindlichen Beobachtungsstellen und Gräben in einer Ausdehnung von mehreren hundert Metern. 423 Franzosen, unter ihnen 7 Offiziere, 5 Maschinengewehre, ein großer und 7 kleine Minenwerfer fielen in unsere Hand. Ein französischer Gegenangriff östlich des Gehöftes scheiterte. Ein deutsches Flugzeuggeschwader griff die feindlichen Etappeneinrichtungen in Furnes an. Oestlicher Kriegsschauplatz: Die Lage ist im allgemeinen unverändert. Bei Berestiany wurde der Vorstoß einer stärkeren russischen Abteilung abgeschlagen. Balkan=Kriegsschauplatz: Nichts Neues. Ein englisches Schlachtschiff untergegangen. WTB. London, 10. Jan. Das Schlachtschiff Eduard VII. ist auf eine Miene gestoßen und mußte wegen des hohen Seeganges aufgegeben werden. Es sank bald darauf. Die Besatzung konnte das Schiff rechtzeitig verlassen. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen. Nur zwei Mann sind verwundet. Neuregelung der Brot= und GetreideVerteilung. WTB. Berlin, 10. Jan.(Amtlich.) Die Bestandsaufnahme vom 16. September 1915 hat ergeben, daß die Brotgetreidevorräte im Deutschen Reiche ausreichen, um die Bevölkerung und das Heer bis zur nächsten Ernte zu ernähren. Es hat sich aber gezeigt, daß die freieren Maßnahmen, die bei dem Beginn des zweiten Wirtschaftsjahres getroffen wurden: Freigabe von Hinterkorn, Futterschrot, geringere Ausmahlung und die Erhöhung der Brotration, bei den Verbrauchern und Landwirten die Auffassung erweckt haben, als wenn unser Vorrat überreichlich und Vorsicht nicht vonnöten märe. Diese Auffassung ist irrtümlich; wir müssen auch im zweiten Jahre streng haushalten, wenn wir nicht nur reichen, sondern auch mit einer hinlänglichen Reserve in das nächste Wirtschaftsjahr hinübergehen wollen. Das Kuratorium der Reichsgetreidestelle hat daher beschlossen, unter vorläufiger Aufhebung der freieren Maßnahmen zu den Bestimmungen des Verteilungsplanes des vorigen Jahres zurückzukehren und die Tageskopfmenge wie im Frühjahr 1915 festzusetzen. Für die Bedürfnisse der Schwerarbeiter nach stärkeren Brotrationen wird wie bisher ansreichend gesorgt werden. Der englische Zusammenbruch im Orient. Ganz Gallipoli vom Feinde gesäubert.— 10000 Engländer in Mesopotamien eingeschlossen. Aufgabe des Saloniki=Unternehmens? Das ist also das klägliche Ende eines Unternehmens, welches das übermütige Albion unter den stärksten Trompetenstößen begann zur Zertrümmerung der Türkei und zur Schwächung der Mittelmächte. Wohl noch nie ist ein Feldzug mit größerer Siegessicherheit unternommen worden und noch nie hat England eine schwerere Niederlage erlitten, denn die Säuberung von Gallipoli ist ein Türkensieg von entscheidender Bedeutung und von einer Tragweite, die sich noch gar nicht übersehen läßt. Zwar werden die englischen Minister wieder im Aus,reden" und schöne Redensarten nicht verlegen sein; darin besitzen sie bekanntlich eine Schlagfertigkeit, die vas englische Heer nicht besitzt. Wir wissen, was von den kommenden Ausreden zu halten ist. Churchill kündigte mehrfach das Bevorstehen eines gewaltigen Sieges an, der den Ausgang des ganzen Krieges beeinflussen mußte. Churchill hat ja schließlich Recht behalten, sofern man seinen Orakelspruch im„pythischen" Sinne auslegt: ein großer Sieg ist erfochten worden, und von wuchtigem Einfluß auf den Gang der Ereignisse wird es sein, daß nunmehr auf Gallipoli kein Kriegsschauplatz mehr ist. Ein Sieg ist es im vollkommensten Sinne des Wortes, und einer von jenen Siegen, der neue Siege und neue Erfolge mit sich bringen muß. Der wunderbaren Ausdauer und der unvergleichlichen Tapferkeit unserer türkischen Waffenbrüder ist diese Räumung des Schlachtfeldes zu danken, die nur erzwungen wurde von den türkischen Waffen, die nicht von seindlichen Diplomaten vorher erklügelt war. Denn noch vor turzem haben französische und englische Blätter betont, daß Sedd ul Bar unter allen Umständen gehalten werden müßte, daß es ein zweites Gibraltar werden müßte, um den Eingang in die Dardanellen zu sperren und zu öffnen, ganz nach britischem Belieben. Wir dürfen hoffen, daß der Salonikiaktion ein gleiches unrühmliches Ende beschieden ist, an dem auch die Einführung der Wehrpflicht in England nichts wird ändern können. Denn ein Gesetz schafft noch kein Heer und am wenigsten in einem Volke, das in Selbstsucht und Eigennutz diesem Gesetz den hartnäckigsten Widerstand bereitet. Und würde das Wehrpflichtgesetz gutgeheißen vom ganzen englischen Volke und würde es Armeen aus der Erde stampfen— es ist nach diesem Siege nicht mehr imstande, das Ansehen des englischen Namens im Orient wiederherzustellen. Dieses Ansehen hat sein Grab gefunden auf Gallipoli, es muß verbluten, und mit dem hinströmenden Blute wird kraftlos werden die Hand, die Aegypten zu halten versucht und Indien. Ungeheure Freude herrscht in Konstantinopel und an allen Orten des weiten türkischen Reiches, und mit ganzem aufrichtigen Herzen sreuen sich Deutschland, Oesterreich=Ungarn und Bulgarien mit an diesem Tage, den rauschende Fahnen grüßen von Hamburg bis Bagdad, von der Nordsee bis zum Persischen Golfe. Die Glocken der christlichen Kirchen werden die Freude künden ins Land, und die Muezzins werden sie hinaussingen von den Minaretts, und sie wird wiederklingen in allen Herzen, die auch außerhalb des türkischen Reiches sich bekennen zum Glauben Mohammeds und die Begeisterung für den heiligen Krieg wird wachsen und wachsen. Lichterschein wird am Abend dieses Tages glänzen aus allen Fenstern in Hütten und Palästen, und von den Bergen werden Flammenzeichen mit blutigrotem Widerschein hinüberleuchten in alle Länder, die noch schmachten unter Albions Herrschaft, die aber mit heißem Begehren die Stunde der Freiheit ersehnen! Gallipoli von den gesäubert. WTB. Konstantinopel, 9. Jan. In der Nacht räumten die Engländer nach heftigen Kämpfen unter großen Verlusten Sedd ul Bahr. Die Halbinsel Gallipoli ist vom Feinde gesäubert. Nicht ein einziger ist zurückgeblieben. WTB. Konstantinopel, 10. Jan. Das historische Ereignis der Räumung des letzten Winkels der Halbinsel Gallivoli durch die Engländer ist durch eine Sonderausgabe des Amtsblattes bekannt gemacht worden. Einzelheiten werden noch nicht berichtet, man weiß nur, daß türkische Truppen die Schützengräben bei Sedd ul Bahr und Teke Burnu besetzt haben, die sie zu Anfang des Krieges ausgehoben hatten. Die Truppen des Zentrums haben dem Feinde 9 Geschütze und ein großes Lager mit Zelten abgenommen und ein mit Truppen gefülltes feindliches Schiff versenkt. Der amtliche Bericht über die neuen Türkensiege. WTB. Konstantinopel, 10. Jan.(Meldung der Agence Milli). An der Dardanellenfront haben wir mit Gottes Hilfe die Feinde auch von Sedd ul Bahr vertrieben. Wir haben noch keine ins Einzelne gehende Berichte über die Schlacht erhalten, die seit 3 Tagen vorbereitet war und Samstag nachmittag durch unsern Angriff begonnen wurde. Wir wissen nur, daß alle vor dem Kriege bei Sedd ul Bahr und Teke Burnu angelegten Schützengräben von uns besetzt wurden und daß unsere im Zentrum vorrückenden Truppen 9 Geschütze genommen haben. Große Zeltlager der Feinde fielen mit Zelten und ihrem Inhalt in unsere Hände. Unsere Artillerie versenkte ein mit Truppen beladenes feindliches Transportschiff. Die außerordentlich große Beute konnte noch nicht gezählt werden. Die feindlichen Verluste dürften sehr groß sein. Einer unserer Flieger griff einen feindlichen Doppeldecker vom System Farman an und brachte ihn zum Absturz. Das Flugzeug stürzte breunend bei Sedd ul Var nieder. Der Feind, der an dieser Front seit fast einem Jahre alle Mittel anwandte, um uns ins Herz zu treffen, hat als Ergebnis große Verluste und Einbuße an Material erlitten und wurde zur Flucht gezwungen. Er hat alle Hoffnung aufgeben müssen, dank der Tapferkeit unserer Armee, die im Vertrauen auf ihr Recht eine Tapferkeit und Ausdauer zeigte, die wert sind, in der Wellgeschichte verzeichnet zu werden. Wir preisen die Helden, die in Erfüllung ihrer Pflicht den Tod gefunden haben und danken unseren siegreichen Truppen. An der Irakfront griff der auf eine Division geschätzte Feind, der sich in Iman Alligarli befand, in der Absicht, Kut-elAmara zu Hilfe zu kommen, am 6. und 7. Jannar unter dem Schutz von vier Kriegsschiffen unsere Stellungen bei Scheik Said, ein Tagesmarsch zwischen beiden Orten, sehr heftig an. Die Angreifer wurden durch einen Gegenangriff unserer Truppen, die einige Gefangene machten, vollständig geschlagen. Die feindlichen Verluste werden auf 3000 Mann geschätzt, besonders erlitt ein feindl. Kavallerieregiment schwere Verluste. bb. Die Blätter äußern sich einmütig froh über das Ende des Dardanellenunternehmens. Der Lokalanzeiger schreibt: Das ist das Ende des Traums Churchills von dem siegreichen Vormarsch auf Konstantinopel. Mit voller Blamage endele er für das stolze England, dessen Blätter mit der ersten geglückten Landung bei Sedd ul Bar die Stadt am Goldenen Horn bereits in dem Bereich der gierig ausgestreckten Hände Albions sahen. Trotzdem ernste Parlamentsmitglieder ihre große Enttäuschung über die notgedrungene Räumung der 10 am LGIISCUNS T. A.Melles Seddul Bah (tes 64 CSrd (res Burus sum Rale Xeros MARMARA MEER Karte zur Säuberung Gallipolis von den feindl. Truppen. Stellung bei Anaforta und Ari Burnu klar ausdrückten, blies die Mehrzahl der englischen Blätter immer noch Jubelfansaren über die wunderbaren Leistungen von Gallipoli, die nicht nur gestatteten, eine beträchtliche Verstärkung der Salonikiarmee vorzunehmen, sondern auch keineswegs eine vollständige Näumung der Halbinsel bedeuteten, da man unter allen Umständen Sedd ul Bar halten und alsEintrittspforte zur Wiederaufnahme des Marsches nach Konstantinopel benutzen werde. — In der Deutschen Tageszeitung heißt es: Dieser abschließende Erfolg ist schneller eingetreten, als man wohl meist vermutet hatte, jedenfalls außerhalb der eingeweihten militärischen Kreise. Wenn auch die Gefahr für Gallipoli und die Dardanellen schon seit geraumer Zeit nicht mehr bestand, so bedeutet doch die gänzliche Räumung der Halbinsel eine sehr wichtige Entlastung der türkischen Streitkräfte, und ein Freiwerden erheblicher Truppenmassen.— Wie die Post ausführt, bedeutet der Rückzug der Engländer von den Dardanellen mehr als eine Niederlage schlechthin, sie bedeutet das Zerreißen des ehrfurchtgebietenden und geheimnisvollen Schleiers, der die Scheingröße des britischen Weltreiches bisher verhüllle. — In der Morgenpost wird gesagt: Eins der wichtigsten und wesentlichsten Ziele, wegen deren Rußland überhaupt in den Krieg gegangen ist, ist gescheitert. Und darin liegt die welthistorische Bedeutung der Aufgabe des Dardanellenangriffes, das Interesse Rußlands an der Weiterführung der Kämpfe muß geringer werden, wenn es erkennt, daß sein wichtigstes Ziel und seine wichtigsten Absichten unerreichbar sind. Aus Hamiltons Bericht. TU. London, 10. Jan. In einem Bericht von 20 Spalten meldet Hamilton, wie und warum die Gallipoli=Expedition mißlang. Zunächst gab es Verspälung, dann Uebereilung und Unterschätzung des Feindes, wodurch ganze Abteilungen in tollkühnen Angriffen niedergemetzelt wurden. Als Illustration der besonderen britischen Tüchtigkeit wird ausführlich mitgeteilt wie i 2 Truppen des Generals Birdwoods sich bei ihrer Landung versteckten, daß die eigene Armeeleitung sie drei Tage lang nicht finden konnte. Aber auch General Stropford, der die Suvlabay=Landung kommandierte, war im dringenden Augenblick nicht zu finden, wodurch 2 Brigaden ohne Führung dastanden. Während Stropford und die Marinebehörden darüber stritten, wo der Rest der Truppen gelandet werden solle, wobei die Marine ihren Willen durchsetzte, kamen die neuen Truppen zu spät. Der Siegesjubel in Konstantinopel. WTB. Konstankinopel, 10. Jan.(Agentur Milli.) Infolge unseres letzten Sieges unserer Truppen bei Sedd ul Bahr ist die ganze Stadt beflaggt. Ueberall finden Freudenkundgebungen statt. In den Moscheen werden Gebete verrichtet und Dankgottesdienste in allen Kirchen und Tempeln abgehalten. Am Abend wird die Stadt illuminiert werden. Weitere Einzelheiten. TU. Konstantinopel, 10. Jan. Die Kunde von dem endgültigen Abzug der Ententetruppen lief in den gestrigen Morgenstunden durch alle Straßen Stambuls und Peras. Die Straßen sind voll Menschen, die sich beglückwünschen. Alle Schiffe sind mit Wimpeln geschmückt. Zwei Tage und zwei Nächte hatte die Flotte des Feindes die türkischen Stellungen bei Sedd ul Bar überschüttet. Trotzdem waren die feindlichen Stellungen unhaltbar. Die Landungsstege zerbrachen unter den Treffern der Türken. Die Transportschiffe und Kriegsfahrzeuge waren dauernd in höchster Gefahr. In den vorgestrigen Nachmittagsstunden verließen die Feinde das letzte Stück der Halbinsel. Der klägliche Zusammenbruch dieses Abenteuers nach so großartig angekündigten Versprechungen bedeutet namentlich im Orient eine moralische Niederlage von einer Tragweite, die erst die kommenden Dinge deutlich machen werden. 10 000 Enaländer in Mesopotamien WTB. Konstantinopel, 10. Jan. Nachrichten von der Irak-Front zufolge wird Kut-el-Amara, das durch die von den Türken bei ihrer Verteidigung am Knie des Tigris errichteten, von den Engländern später ein wenig umgebauten Besestigungen in eine kleine Festung umgewandelt ist, gegen. wärtig von türkischen Truppen eingeschlossen, die bereits bis zur Hauptbefestigungslirtie vorgedrungen sind. Man hofft, daß die Festung entweder durch Sturmangriff oder durch Aushungerung bald genommen werden kann, so daß die über 10 000 Mann starke englische Besatzung gefangen genommen werden würde. Die Engländer wollten sich, indem sie diese Streitkräfte in Kut=el-Amara festlegten, die Verteidigung des Ortes und den gtordneten Rückzug des übrigen Teiles der Armee sichern. Dies ist ihnen teilweise gelungen, doch konnten die geretteten Teile der Armee, da sie sich gegenwärtig weit südösilich von Kut-el=Awara befinden, der Besatzung nicht zur Hilfe kommen, zumal die Moral der Truppen erschüttert ist. Ernstliche Unruhen in Indien. WTB. Aus Peking meldet die Associated Preß, daß dor! Gerüchte über ernstliche Unruhen in Indien im Umlauf seien. Waffen seien aus China eingeschmuggelt worden. Neue türkische Erfolge bei Urmia. WTB. Konstantinopel, 10. Jan. Nach aus türkischer Quelle eingelaufenen Privatmeldungen versuchten die russischen Streitkräfte, welche am 29. Dezember bei Sandschbulak geschlagen worden warss, sich gegen Urmia zurückzuziehen, wurden jedoch von türkischen und persischen Reitern verfolgt und mußten in Richtung nach Miandoab zurückweichen, wobei sie 400 Tote, darunter 4 Offiziere, eine Anzahl von Gefangenen und Kriegsmaterial verloren. Die türkische und persische Reiterei ist bis in die Nähe von Miandoab gelangt. Aufgave des Saloniki=Unterneymens? bb. Wie der Amsterdamer Berichterstatter der Vossischen Zeitung aus London erfährt, habe sich der englische Kriegsrat mit der Frage beschäftigt, ob es nicht ratsam sei, die SalonikiExvedition aufzugeben. Neue schwere Verletzung der griechischen Neutralität. WTB. Athen 10. Jan.(Agenee Haras) Aus Mitlene wird gemeldet Eine Abte'nag ven Trappen des erverbandes hat den deutschen Vizekonsul Courtgis, der griechischer Untertan ist, und seinen Sohn, den Dragomani des Konsulats, festgenommen. Ebenso wurden der österreichisch-ungarische Konsularagent Bartzili, ein osmanischer Würdenträger, der deutter. Agent Hoffer ind mehret ondere Personen die verdächtig erschienen. verhaftet. Alle wurden auf ein Kriegsschiff der Alliierten gebracht. WTB. Athen, 10. Jan. Ein Reutertelegramm aus Mitylene bestätigt, daß die Militärbehörden der Alliierten die dortigen österreichischen, deutschen und türkischen Konsularvertreter aus denselben Gründen wie in Saloniki verhaftet haben. WTB. Konstantinopel, 10. Jan. Nach einer Meldung aus Athen haben die Gesandten des Vierbundes gegen die von den Franzosen auf Mytilene vorgenommenen Verhaftungen Protest eingelegt. Diese Verhaftungen lassen vermuten, daß Mytilene zur Operationsbasis gemacht werden wird. Die verhafteten Konsuln. WTB. Paris, 10. Jan. Die in Saloniki verhafteten Konsuln des Vierbundes sind auf einem französischen Kriegsschiff in Toulon eingetroffen. Die verhafteten Konsuln nicht freigelassen. bb. Das Berliner Tageblatt meldet aus Turin: Die in Saloniki verhafteten Konsuln befinden sich in Toulon nach wie vor in Gefangenschaft. Petit Parisien dementiert ausdrücklich die Nachricht, daß sie freigelassen werden. Gaulois rechtfertigt die Festhaltung der Konsuln damit, daß man bisher noch nicht vollständig den Umfang der angeblich von den Konsuln geleiteten„Saloniker Komitatschiverschwörung" kenne. Türkische Vergeltungsmaßnahmen gegen den Rechtsbruch von Saloniki. WTB. Konstantinopel, 10. Jan. Als erste Vergeltungsmaßnahme für die Verhaftung der Konsuln in Saloniki hat die Regierung die Verhaftung der hier zurückgebliebenen Beamten der englischen und der französischen Botschaft und einiger anderer Personen angeordnet und insgesamt zehn Per sonen verhaften lassen. Man glaubt, daß die Regierung noch zu weiteren Verhaftungen schreiten werde als Vergeltungsmaßregel für die in Saloniki erfolgte Internierung von tar send Untertanen der Mächte des Vierbundes. Die Montenegriner vor Berane geschlagen. WTB. Wien, 9. Jan.(Südöstlicher Kriegsschauplatz.) Nordöstlich von Berane haben sich die Montenegriner erneut gestellt. Die von ihnen besetzten Höhen wurden erstürmt, wobei wir ein Geschütz erbeuteten. An der Tara Geplänkel. An der herzegowinischen Grenze und im Gebiete der Boche di Cattaro sind unsere Truppen im Kampfe gegen die montegrinischen Stellungen. Friedenssehnsucht in Montenegro. bb. Nach Bukarester Meldungen kommen an die Gesandtschaften und Zeitungen Mitteilungen aus Montenegro, die von der dort herrschenden großen Erregung unter der Bevölkerung zu berichten wissen. Ein großer Teil der Bevölkerung wünscht den zwecklosen Krieg zu beenden. Auch mehrere Mitglieder der Regierung geben der gleichen Ueberzeugung Ausdruck. Montenegro könnte ihrer Ueberzeugung nach jetzt günstigere Friedensbedingungen erlangen. In Cetinje soll es vor dem Konak zu Kundgebungen gekommen sein, gegen die das Militär einschreiten mußte. Eine bemerkenswerte engl. Stimme. WTB. London, 10. Jan. In der englischen Wochenschrift schreibt eine englische Aerztin, die den ganzen serbischen Feldzug mitmachte: Gegen alle meine Erwartungen war das Verhalten der deutschen Soldaten in jeder Hinsicht ausgezeichnet. Niemals weigerte sich ein deutscher Soldat, wenn ich darum bat, die Hälfte seines Brotes für einen serbischen Verwundeten. Meist gab er immer das ganze. Nachdem ich zu erkennen begann, daß alle Engländer von unserem Feinde die falschesten Auffassungen haben, habe ich die in den Gefangenenlagern untergebrachten britischen Gefangenen besucht. Ich fand, daß es ihnen gut geht. Auch fand ich, daß Deutschlands Hilfsquellen, noch weit davon entfernt sind, erschöpft zu sein. Es herrscht keine Not. Lebensmittel sind genügend vorhanden, auch Luxusartikel. westlichen 1103 Franzosen gefangen genommen.— 15 Maschinengewehre erbeutet. WTB. Großes Hauptquartier, 9. Jan. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz: Südlich des Hartmannsweilerkopfes am Hirzstein gelang es gestern, den letzten der am 21. Dezember in Feindeshand gefallenen Gräben zurückzuerobern, dabei 20 Offiziere, 1103 Jäger gefangen zu nehmen, 15 Maschinengewehre zu erbeuten. Oestlicher und Balkan-Kriegsschauplatz: Die Lage ist unverändert. Die oberste Heeresleitung. Eine Luftoffensive im Westen. TU. Der„Petit Parisien" meldet, daß in militärischen Kreisen Frankreichs von einer demnächst einsetzenden großen Offensive mittels eines Geschwaders von Flugzeugen die Rede sei. Der englische Fachmann Desbleds auf dem Gebiete der Luftschiffahrt sei bereits in Paris angekommen und habe mit den französischen Fachleuten einen Plan zu einem Angriff durch die verbündete Luftflotte ausgearbeitet.(Wenn die „große Offensive“ vorher angekündigt wird, ist die Sache schon faul. D. Red.) Folgen der Beschießung von Raney. WTB. Bern, 10. Jan. Der Präsident der französischen Republik hat vor einigen Tagen Nancy besucht, anscheinend, um auf die geängstigte Bevölkerung beruhigend zu wirken. Wie aus Pariser Blättermeldungen hervorgeht, verlassen die Bewohner scharenweise die Stadt. Auf dem Pariser Ostbahnhof ist ein besonderer Ordnungsdienst für die Ankommenden eingerichtet. Dieselben werden in die Asyle für Kriegsflüchtlinge untergebracht. Dabei bemerken die Blätter, daß die meisten Bewohner nach Dijon und anderen Städten geflüchtet sind. Der Präfekt des Departements Menrthe et Moselle hat einen Aufruf erlassen, der sich betitelt: Schande über die Verbreiter von Paniken. In dem Aufruf spricht er von geringfügigen Beschädigungen durch die dreimalige Beschießung der Stadt aus weittragenden Geschützen der Deutschen. Er spricht den Beschädigten Trost und verheißt ihnen Hilfe, aber die schwersten Strafen drohen demjenigen, der unwahre Nachrichten über den Zustand der Stadt im Lande verbreitet. Vom östlichen Kriegsschauplatz. Das Erlahmen der russischen Angriffe. WTB. Wien, 9. Jan.(Amtlich.) Russischer Kriegsschauplatz. Vor zwei Tagen neuerlich an allen Punkten Östgaliziens und der bessarabischen Grenze unter großen Verlusten zurückgeschlagen, hat der Feind gestern seine Angriffe nicht wiederholt, sondern nur zeitweise sein Geschützfeuer gegen unsere Linien gerichtet. Er zieht Verstärkungen heran. Am Kormynbache in Wolhynien zersprengten unsere Truppen russische Aufklärungsabteilungen. Sonst keine besonderen Ereignisse. Neuer russischer Ansturm in Östgalkzien. WTB. Wien, 10. Jan.(Amtlich.) Russischer Kriegsschauplatz. Die Schlacht in Ostgalizien und an der Bukowina-Grenze entbrannte gestern aufs Neue. An der Strypa begann, wie bereits gemeldet, der Feind schon vor Tagesanbruch seine Angriffe. Einige starke Abteilungen der Sturmtruppen waren unter dem Schutze des Nebels bis zu unseren Batterien vorgedrungen, als der Gegenangriff der Honvedregimenter 16 und 24 und des mittelgalizischen Infanterieregiments 57 einsetzte und den Angreifer über unsere Stellungen zurückschlug. Unter den 720 hierbei gefangenen Russen befinden sich ein Oberst und 10 andere Offiziere. Unsere Linien am Dnjestr standen tagsüber meist unter starkem Geschützfeuer. An der bessarabischen Front leitete der Gegner seine Angriffe kurz vor Mittag durch Artillerietrommelfeuer ein. Seine Anstrengungen waren abermals gegen unsere Stellungen bei Toporontz östlich von Rarancze gerichtet. Die Kämpfe waren außerordentlich erbitterte. Teile seiner Angriffskolonnen vermochten in unsere Gräben einzudringen, wurden aber durch Reserven im Handgemenge wieder zurückgetrieben. Wir nahmen hierbei 1 Offizier und 250 Mann gefangen. Bei Berestiany in Wolhynien wiesen unsere Truppen russische Erkunbungsabteilunsen ab. Am Styr vereitelte die Artillerie durch konzeutr sches Feuer einen Versuch der Russen, den Kirchhof nördlich von Czartorysk zurückzugewinnen. Westdeutchsland. Köln, 10. Jan. Dem Oberbürgermeister Wallraff ist das Eiserne Kreuz 2. Klasse am weiß-schwarzen Bande verliehen worden. Köln, 10. Jan. Die Kriegsspende hat wieder eine große Sendung zur Armee des Generalfeldmarschalls von burg abgehen lassen. Sie besteht in 2 Doppelwaggons Möbel, darunter 24 vollständige Betten. Die Möbel sind hier in Köln gesammelt und von der Kriegsspende auf ihre Kosten wieder neu hergerichtet worden. Köln, 10. Ign. Geh. Kommerzienret Dr. Emil vom Rath hat aus Anlaß seines 40jährigen StadtverordnetenJubiläums 20 000 A gestiftet zur Linderung der Not in dieser schweren Zeit. Kaiserswerth, 10. Jan. Der 58jährige Fährmann Johann Pesch, der die Rheinfähre bedient, ist im Rhein ertrunken. Wie der Unfall entstanden ist, konnte noch nicht ermittelt werden. Rheydt, 10. Jan. Eduard Junkers und Frau stifteten aus Anlaß ihrer goldenen Hochzeit für Wohlsahrtszwecke 10 000 M. Aachen, 10. Jan. Angeklagt war die Landwirtin Josepha Dohmen aus Haaren wegen Milchfälschung. Sie ist wegen der gleichen Straftat schon wiederholt vorbestraft, das letzte Mal mit 30 A Geldstrafe. Trotzdem hatte sie der Milch wieder 10% Wasser zugesetzt und sie hier als Vollmilch verkauft. Die Strafkammer verurleilte sie zu 2 Mon. Gefängnis. Trier, 10. Jan. Eine aus Anlaß des goldenen Priesterjubiläums des Bischofs Korum vom Diözesankleres gesommelte Ehrengabe von 24 000 Al wurde vomer zur Ausgestaltung des Hochaltars im Trierer Dom besi mmt. Dinslaken, 10. Jan. Tödlicher Unglücksfall. Eine Frau sprang aus dem in voller Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen und stürzte zu Boden, wobei sie schwere Verletzungen am Kopfe erlitt. Nach einer halben Stunde erlag die Frau, Mutter von acht Kindern, ihren Verletzungen. Oberhausen, 10. Jan. Einen Selbstmordversuch machte hier ein Mann, indem er sich mit einem Revolver zwei Kugeln in die Brust schoß. Er fand Aufnahme im Krankenhause. Familienzwistigkeiten sollen die Ursache zur Tat sein. WTB. Essen, 10. Jan. Die Direktion der Firma Krupp A.=G. zu Essen teilt mit, daß am Samtag nachmittag gegen 6 Uhr in der Modellschreinerei aus bisher unbekannten Ursachen ein Brand ausbrach, der bei dem herrschenden starken Winde rasch um sich griff und auf einen Anbau der Radsatzwerkstatt übersprang. Nach 2 Stunden war die Macht des Feuers gebrochen. Die Modellschreinerei und der Anbau sind Die innere e TU. London, 10. Jan. England befindet sich in einer politischen Aufregung, wie nie zuvor seit Menschengedenken. Die Vorgänge im Parlament lassen alle Weltereignisse zurücktreten. Von worgens 10 Uhr bis nachmittags standen Tausende vor dem Unterhaus, um das Resultat der Sitzung abzuwarten. Alle politischen Parteien und Gruppen halten Verammlungen ab. Die Frage des Zwangsdienstes hat eine olche Verwirrung im Anhang der Parteien hervorgerufen, daß die Führer machtlos geworden sind. Die Arbeiterparteien ind sehr erregt über Henderson, dem won öffentlich in der Verammlung Verrat und Irreführung der englischen Arbeiterchaft vorwarf. Mehrere politische Klubs in London hielten Donnerstag vormittag eine gemeinsame Sitzung ab, in der die ganze Tätigkeit der Regierung einer scharfen Kritk unterzogen wurde. Die von Lord Derby bekanntgegebenen Zahlen wurden als falsch bezeichnet. Man hätte viel mehr Soldaten erhalten können, wenn Asquith das Versprechen an die verheirateten Männer unterlassen und Derby einen einheitlichen Dienstvertrag und nicht fünf verschiedene aufgestellt hätte. Einige Lords warfen Asquith vor, durch sein Versprechen den inneren Frieden zerstört und nationalen Hader heraufbeschworen zu haben, wodurch das englische Volk das Interesse am Kriege verliere. Dieser Ansicht soll auch der König in einem Briefe an Asquith Ausdruck verliehen haben. Politiker sind der Meinung, daß das ganze Kabinett zurücktreten müsse und nicht einzelne Minister. Wieviel waffenfähige Mann hat England? Aus Anlaß der Einführung der Wehrpflicht in England wird der Korrespondenz„Heer und Politik“ geschrieben: Bei der Einführung der Wehrpflicht bildet die wichtigste Frage der Bestand an den waffenfähigen Mannschaften, über den England verfügt. Von diesen waffenfähigen Mannschaften muß allerdings diejenige Zahl der Männer abgezogen werden, die bereits unter den Waffen steht. Am 21. April 1915 hatte Lloyd George im Unterhause erklärt, daß man früher vor dem Kriege das englische Expeditionsheer auf höchstens sechs Divisionen berechnet habe, daß aber jetzt mehr als 6 Mal so viel Soldaten bereits im Felde ständen. Anfang April waren also ungefähr 700 000 Engländer auf dem westlichen Kriegsschauplatz angelangt. Diese Anzahl bedeutet aber nicht die Anzahl der überhaupt unter den Waffen stehenden Engländer, sondern sie umfaßt nur die„Expeditionsarmee", die aus englischen Truppen in England selbst gebildet und zur Verwendung außer Lande bestimmt ist. Es kommen dazu noch die Territorial=Armee neben allerlei Reserven, die ausschließlich zur Verteidigung Englands bestimmt sind. Nun hat das Parlament Ende November 1914 die Erhöhung der ursprünglich nach Frankreich gesandten 180 000 Mann auf 2 130 000 Mann gebilligt. Im Januar 1915 wurde aus England weiterhin amtlich gemeldet, daß 6 neue Armeen zu je drei Armeekorps gebildet würden. Von Kitchener wurde im Mai noch eine Erhöhung von 300 000 Mann gefordert, so daß alles in allem ungefähr 2½ Millionen Mann unter den Waffen stehen dürften. Die Gesamtzahl der wehrfähigen Engländer wird recht verschieden angegeben. Während von der einen Seite ungefähr 7½ Millionen genannt werden, bleiben die anderen Zahlen darunter. Nun hat der jüngste Rekrutierungsbericht des Lord Derby 5 Millionen Mann als im waffenfähigen Alter stehend angegeben. Die bisher ausgehobenen Mannschaften dürften entgegen manchen Annahmen, die in der Presse bekundet wurden, dazu nicht zu rechnen sein, so daß tatsächlich die Anzahl der waffenfähigen Mannschaften insgesamt auf 7½ Millionen berechnet werden kann. Von den 5 Millionen haben sich 2 800 000 Mann gemeldet, unter denen 2 400 000 tauglich waren. Der Rekrutierungsbericht weist darauf hin, daß sich insgesamt 650 000 Mann nicht gemeldet hätten. Hier scheint ein Widerspruch in den Zahlen vorzuliegen, da die Zahl derjenigen, die sich gemeldet haben, und derjenigen, die sich nicht gemeldet haben, zusammen noch nicht 5 Millionen Mann ergeben, sondern nur 3½ Millionen. Es handelt sich aber tatsächlich nicht um einen Widerspruch, da von den 5 Millionen waffenfähigen Männern Englands, die jetzt noch übrig sind, ungesähr 1½ Millionen verheiratet sind. Bekanntlich sollen diese vor der Hand nicht zum Heeresdienst herangezogen werden. Wenn wir also die Gesamtzahl der im waffenfähigen Alter stehenden Männer betrachten, so ergibt sich folgendes: Die Gesamtzahl der Tauglichen und Untauglichen, Verheirateten und Unverheiratelen beträgt 7½ Millionen Mann. Von diesen stehen ungefähr 2½ Millionen bereits unter den Waffen. Von dem Rest der 5 Millionen sind 3¼ Millionen unverheiratet und 1½ Millionen verheiratet. Von den Unverheirateten haben sich 2,8 Millionen gemeldet, aber nur 2,4 Millionen sind als diensttauglich befunden worden. Der Rest von 0,7 Millionen Unverheirateten soll nun jetzt durch die Einführung der Wehrpflicht zu den Waffen herangezogen werden. Man hat sich allgemein über die große Zahl von Tauglichen gewundert. Es ist aber bereits zu bedenken, daß die Ansprüche, welche die englische Heeresverwaltung jetzt an die Tauglichkeit ihrer Soldaten stellt, sowohl was Körpergröße, als auch was Gesundheit anbetrifft, niedergebrannt. Sonstige Gebäude sind nicht beschädigt. Verletzt wurde niemand. Dortmund, 10. Jan. Wegen Verfütterung von Brotgetreide war der Landwirt Karl Brüggemann aus Nieder=, aden vom Schössengericht Unna zu 500 A Geldstrafe verurteilt. Auf seine Berufung hin ermäßigte die Strafkammer die Strafe auf 300 M. Hannover, 10. Jan. Für zum Heeresdienst einberufene Eisenbahnbeamte sind auf den kleineren Stationen im Direktionsbezirk Hannover jetzt Bahnsteigschaffnerinnen eingestellt. Neustadta. d. H., 10. Jan. Hier wurde die Gründung eines Psälzischen Frauenbundes für die Errichtung eines Pfälzer Erholungsheimes für Veteranen und Krieger beschlossen. Die Kosten des Heims stellen sich auf 300 000 Mark, die bis auf 100 000 Mark beisammen sind. Aus aller Welt. Aenderung des preußischen Wahlrechts? bb. Der Lokalanzeiger meldet aus Berlin: Unterrichtete Kreise bezeichnen die Meldung eines Leipziger Blattes, daß einespontane Gtlärung der preußfhen Statsregierung iber die Neu=Regelung des preußischen Wahlrechts erfolgen werde, als glaubwürdig. Ueber den Zeitpunkt der Abgabe dieser Erklärung und ihren Inhalt ist Zuverlässiges nicht bekannt. Die Klärung in der deutschen Sozialdemokratie. WTB. Berlin, 10. Jan. Der sozialdemokratische Parteiausschuß, der gemeinsam mit dem Parteivorstand in Verlin tagte, hat, wie der„Vorwärts“ meldet, zu den Vorgängen in der Reichstagsfraltion und zu der Bewilligung der Kriegsglische Krise. im Laufe der Monate seit Kriegsbeginn immer geringer geworden sind. Sie gehen heute beinahe nicht weiter, als die Ansprüche der französischen Heeresverwaltung. Endlich sei noch auf einen Widerspruch hingewiesen, der zwischen der Zahl der unter den Waffen Stehenden und der Zahl der tatsächlich am Kriege Beteiligten steht. Von mehreren Seiten wurde bereits die Frage aufgeworfen, wo eigentlich die engl. Millionensoldaten stecken. Eine Erklärung für diese Erscheinung kann man in den Berichten englischer Blätter über die unzweckmäßige Verwendung der englischen Soldaten erblicken. Auf jeden tatsächlich dem Feinde gegenüberstehenden Mann sollen 6—8 Mann kommen, die hinter der Front oder in England nur die Sorge für die Verpflegung des Mannes haben. Daraus ergibt sich, daß eine große Anzahl von Soldaten mangels einer langjährigen und straffen Organisation noch keineswegs ein großes Heer darstellt, wenn man unter dem Heer nur diejenigen Mannschaften versteht, die vor dem Feinde in Felde stehen. Aus diesem Grunde bedeuten auch die Millionen neu Ausgehobener keineswegs Millionen neuer Krieger. Zur allgemeinen Wehrpflicht in England. TU. London, 10. Jan. Die„Times" meldet: Der englische Gesetzentwurf über die allgemeine Wehrpflicht legt den 15. August 1915 als das Datum dafür fest, wer als verheiratet und unverheiratet angesehen werden soll Die Kolonien sollen aushelfen. TU. London, 10. Jan. Es wird gemeldet, daß eine Konferenz von Regierungsvertretern aller englischen Kolonier nach London einberusen ist, die dazu Stellung nehmen soll in welcher Weise die Kolonien in Zukunft ihre dem englischen Heer geleisteten Dienste noch erweitern können. Da bereits damit gerechnet wird, daß die Dienstpflicht nicht eingeführt werden kann, oder bestenfalls nur einen geringen Erfolg haben wird, soll festgestellt werden, wieviel Mannschaften, Munition, Lebensmitteln usw. die Kolonien im Höchstfalle für das engl. Heer liefern können. Die Flucht in die Ehe. TU. London, 10. Jan. Seit Anfang voriger Woche haben im Zusammenhang mit der Dienstpflicht die Standesämter großen Andrang zu verzeichnen. In den letzten 14 Tagen sind in London über 2500 Ehen geschlossen worden, was eine Zunahme von 30 bis 40% bedeutet. In der Provinz ist es ebenso. Churchill Brigadekommandenr? TU. London, 10. Jan. Reuter meldet, daß dem ehemaligen Minister Churchill der Befehl über ein Bataillon schottischer Füsiliere übertragen worden sei. Das bedeute wahrscheinlich den Uebergang zur Ernennung zum Brigadekommandeur. Unruhen in Irland. TU. London, 10. Jan. Die Times berichten über Unruhen in Irland: In Carrickmore, in der Grafschaft Tyrone, ist es zu blutigen Zusammenstößen zwischen irischen Truppen gekommen. 50 bewaffnete Gendarmen wurden schleunigst her. beigeholt und griffen ein. Es kam zu einer regelrechten Schlacht in der Nähe des Schulhauses. Die Iren kämpften unter Hochrufen auf Kaiser Wilhelm. Als die Ruhe wieder hergestellt war, war das Schulhaus eine Ruine. Amerikanische Note an England. WSB. Washinaton, 10. Jan.(Reuter.) Die amerkkanische Regierung hat an Großbritannien eine Note gerichtet, in der über die von den britischen Behörden ausgeübten Zensur der Postsendungen von den Vereinigten Staaten nach neutralen Ländern Klage geführt wird. Amerika und der„Persia"-Fall. WTB. Washington, 10. Jan.„Morning Post" meldet: Es ist müßig, Vermutungen darüber aufzustellen, was Wilson tun wird; aber das Publikum scheint die Annahme aufzugeben, daß ein Bruch mit Oestereich=Ungarn staltfinden oder die Regierung mehr für nötig halten wird, als eine neue energische Darlegung des amerikanischen Standpunktes. Wenn Oesterreich=Ungarn nicht zugibt, daß eines seiner Unterseeboote die Schuld trug und die Vereinigten Staaten dies nicht beweisen können, so ist die Angelegenheit erledigt. WTB. Washington, 10. Jan.(Reuter.) Der österr.ungarische Geschäftsträger Baron Zwiedenek lenkte unformell die Aufmerksamkeit des Staatssekretärs Lansing auf die Tatsache, daß sich an Bord des italienischen Dampfers„Giuseppe Verdi“ zwei Kanonen befanden. Man glaubt, daß der Geschäftsträger zu erfahren wünschte, welche Schritte die Vereinigten Staaten als Neutrale in dieser Angelegenheit zu tun gedenken. Arbeiterunruhen in Nordamerika WTB... Youngstown(Ohio), 10. Jan. Das Reuter. sche Bureau meldet: Drei Milizregimenter haben Eastyoungstown und die anderen industriellen Vororte besetzt. Heute kam es zu einigen kleinen Tumulten, die ohne Bedeutung waren. Der gestern angerichtete Schaden wird auf 1 Million Dollar geschätzt. kredite mit:28 gegen 11 Stimmen eine Entschließung angenommen, in der es heißt:„Die Zustimmung der Fraktion zu den Kriegskrediten am 21. Dezember 1915 war wohlbegründet. Sie ist die folgerichtige Fortführung der am 4.. August 1914 eingeleiteten Politik, deren Voraussetzungen auch heute noch gegeben sind. Die Gegner zeigen noch keine Geneigtheit zum Frieden, beharren vielmehr auf ihrer Absicht, Deutschland und seine Verbündeten wirtschaftlich und militärisch niederzu werfen. Die Durchkreuzung der Politik unserer Fraktion durch das Vorgehen der 20 Fraktionsmitglieder, die entgegen dem Fraktionsbeschluß die Kredite ablehnten und eine besondere Erklärung abgaben, ist aufs schärfste zu verurteilen. Insbesondere verdient das Verhalten des Genossen Haase die schärfste Mißbilligung. Indem Haase sich an dem Disziplinbruch beteiligte, hat er aufs neue und in noch schlimmerer Weise als durch das„Gebot der Stunde“ gegen die Pflicht verstoßen, die ihm sein Amt als Vorsitzender der Parteiorganisation auferlegt. Weiter stellt der Parteiausschuß fest, daß der „Vorwärts“ seine Pflicht als Zentralorgan der Partei nicht erfüllt. Statt die Politik der Partei zu vertreten, fördert die Redaktion des„Vorwärts“ die auf Parteizerrüttung gerichteten Bestrebungen. Damit verwirkt der„Vorwärts" jedes Recht, als Zentralorgan der deutschen Partei zu gelten." Eine unbegründete Anklage. Zürich, 10. Jan. Nach französischen Kreisen war bezüglich des Londoner Abkommens und des italienischen Garantiegesetzes in den Neuen Züricher Nachrichten behauptet worden, daß Deutschland durch den Fürsten Biilow früher ein ähnliches Angebot an Italien gemacht habe. Das Blatt erfährt nun von unterrichteter Seite, daß die Behauptung von der papsiseindlichen Haltung des Fürsten Bülow in allen Teilen unrichtig ist und dan alle Angriffe auf Dülow in jeder Hinsicht unbegründet sind Der Flüchtling. Roman von A. Seyffert=Klinger. (Nachdruck verboten.) 17. Kapitel Dem launigen Winter war ein unfreundlicher Frühling gefolgt. Kalte Nordwinde wehten, eisige Regenschauer, mit Hagel untermischt, gingen nieder. Aber grün wurde es doch. Knospen trieben, Blätter entfalteten sich, frierend hingen sie an den Zweigen, sobald aber die Sonne schien, machten sie sich breit, wie kleine Mädchen es in ihrem Sonntagsstaat zutun pflegen. Als wisse der Lenz, daß er auf Frühlingsstimmung nicht hoffen dürfe, so widerwillig zog er ins Land. In einer behaglichen Privatvilla in Harzburg weilte Rittmeister Öhlendorf zur Erholung, begleitet von seiner Mutter und deren Gesellschafterin Eva Berendes. Herb und würzig wehte die Luft, sie trieb das Blut rascher durch die Adern und regte den Appetit in nahezu beängstigender Weise an. Eva hatte immer Hunger und zwar einen solchen Wolfshunger, daß es ihr peinlich wurde. Die Rätin lachte sie aus.„Ein junges Mädchen muß tüchtig essen und fest schlafen, dann ist es gesund an Leib und Seele.“ „An Hunger und Müdigkeit mangelts bei mir nicht, gnädige Frau, demnach müßte ich kerngesund sein.“ „Das gehört sich auch so, Evchen. Wenn Sie demnächst unser Haus verlassen, müssen Sie blühen wie eine Rose. Darin setze ich meinen Stolz." Eva blieb in tiefstem Erschrecken stehen. Die köstlichen Anlagen mit dem maigrünen Laub, die hohen, mit zartem Moos bedeckten Felsblöcke, welche verstreut, wie von Riesenfäusten dorthin geschleudert am Wege lagen, schienen plötzlich allen Reiz für sie verloren zu haben. Hatten sich dunkle Wolken vor die Sonne geschoben. Für Eva war aller Sonnenglanz verblichen. Stumm, atemlos starrte sie ihre Wohltäterin an. Zu sprechen vermochte sie in solchen Momenten der höchsten Erregung nicht, aber so unglücklich sah sie aus, daß die Rätin kopfschüttelnd fortfuhr: „Sie sind doch kein Kind mehr, Evchen, und werden bemerkt haben, daß man sich angelegentlich um Ihre Gunst bemüht. Besonders der junge Oberlehrer, Dr. Scheller scheint reelle Absichten zu haben. Na, ob nun dieser oder ein anderer, einer von vielen wird es sein, welcher Sie als Braut heimführt. Aber wir können hier im Wege nicht stehen bleiben, dort hinten kommen Leute. Wir können darüber ja auch im Weitergehen sprechen.“ Eva rührte sich nicht von der Stelle.„Gnädige Frau, ist es aus irgendwelchen Gründen Ihr besonderer Wunsch, daß ich bald Ihr Haus verlasse?" Die Dame zog sie fast gewaltsam mit sich fort.„Nein, Evchen, nein, aber meine Wünsche kommen hierbei nicht in Betracht. Es ist doch nur natürlich, daß Sie über kurz oder lang einem Manne ins eigene Heim folgen. Sie mit Ihrem goldigen Gemüt sind geschaffen, einen Mann mit Herz und Hand zu beglücken, wer Sie einmal heiratet, zieht das große Los.“ „Ich werde niemals heiraten." Nahezu schroff kam die Erklärung von den feingezeichneten Mädchenlippen. Das Lob, welches ihr die Rätin so freimütig gespendet, schien Eva kaum gehört zu haben. Jetzt wurden Frau Mariannes Mienen sehr ernst. Forschend lugte sie von der Seite in das frischgerötete liebliche Mädchengesicht.„Ich will nicht hoffen, Eva, daß Sie zu den wenigen gehören, welche Anstoß an der Beschädigung nehmen, welche ein Tapferer im Kriege erlitten. Dem Oberlehrer fehlt der linke Arm, auch die anderen männlichen Kurgäste haben allesamt bereits vor dem Feinde gestanden und schwere Verletzungen davongetragen...." „Gnädige Frau, diese rein äußerlichen Dinge könnten meine Empfindungen niemals beeinflussen, oder doch nur dieselben vertiefen." Eva sagte es widerwillig, gequält. Erst nach kurzem Schweigen fuhr sie fort: „Ich fühle mich so unendlich glücklich in Ihrem Hause, gnädige Frau und bitte Gott allabendlich um die Gunst, nur eine kurze Zeit noch mir diesen Frieden, diese schrankenlose Seligkeit zu gewähren.“ Die Dame nickte.„Das soll ja alles gut sein, Kind, ich sehe, daß Ihnen die Freude aus den Augen strahlt. Ich möchte nur nicht, daß Sie achtlos an Ihrem Glück vorübergehen. Da ist auch noch der Bankdirektor, ein prächtiger gesunder Mensch mit heilen Gliedern. Dem haben Sie es auch angetan!“ Jetzt lachte Eva fröhlich heraus.„Sie werden mich nicht los, gnädige Frau, nun ich weiß, daß nur die Sorge um mich aus Ihnen spricht.“ Bei den letzten Worten wurde sie flammendrot, denn wie aus der Erde gewachsen stand der Rittmeister vor ihnen. Es war an einer Wegbiegung. Er hatte dort auf einer Bank ausgeruht, nachdem er bereits vor längerer Zeit den Fahrstuhl verlassen. Er unternahm jetzt täglich, nur auf seinen Stock gestützt, Gehversuche. Hochaufgerichtet, ein Bild kraftvoller, vornehmer Männlichkeit, stand er vor den Damen. Das Eiserne Kreuz verriet den vom Kaiser ausgezeichneten Kämpfer. „Wovon ist hier die Rede?“ fragte er,„du willst Fräulein Eva los sein? Das ist ja das Allerneueste!" Beide Damen schwiegen in einiger Verlegenheit. Aber Frau Marianne wünschte auszuruhen, und als man Platz genommen und Martin immer noch fragend von einer zur andern sah, sagte Eva resolut: „Gnädige Frau wünscht mich zu verheiraten. Darüber kam es zu einer kleinen Meinungsverschiedenheit zwischen uns." Ein Schelmenlächeln zeigte ihre weißen, blitzenden Zähne.„Mich freut's, daß die Menschen mich gern mögen, warum sollte ich das leugnen. Aber so lange ich darf, bleibe ich bei meiner verehrten gnädigen Frau. Und ich will schon Sorge tragen, daß ich nicht fortgeschickt werde.“ „Gott, Kind, was sollten wir wohl anfangen, ohne Sie!" Die Rätin räusperte sich. Es war, als ersticke innere Bewegung ihre Stimme. Sie stand rasch auf. „Mir bekommt das Sitzen nicht. Ich gehe nach Hause. Ihr beide könnt bis Mittag bleiben. Auf diesem schönen versteckten Platz seid ihr ganz ungestört.“ Eva kam heute zu ihrem Arger aus der Verlegenheit nicht heraus. Am liebsten wäre sie mit der Rätin zusammen gegangen. Aber sie durfte den Rittmeister doch nicht allein lassen. Von dem Pfleger, welcher den Wagen bewachte, war auch nichts zu sehen. Lächelnd sah Martin auf das verwirrte Mädchen, aber langsam veränderte sich sein Gesicht, es wurde ernst. Er seufzte. Eva wagte nicht aufzublicken. Seltsam froh und feierlich zugleich war ihr zumute. Vergangenes wollte sich beunruhigend vor ihre Seele drängen. Doch energisch wies sie die wüsten Bilder von Not und Demütigung zurück. Jetzt hatte sie den neben ihr Sitzenden vergessen. Aus heiteren Augen hielt sie Umschau. Tief atmend sog sie die würzige, kräftigende Gebirgsluft ein. Sonnenlichter spielten auf dem grünen Waldboden, den plätschernden Wassern der kleinen Quelle, die aus der moosüberwucherten Verborgenheit hervorquoll, auf den Zweigen der ernsten, würdigen Tannen, welche den Weg umsäumten. Die kleinen Waldvögel schmetterten ihre Lieder, in der Ferne rollte ein Wagen. Ringsum war es still. Da stahl sich Martins Hand in Evas Rechte. Nur kaum merklich zögerte er noch, dann zog er das Mädchen zu sich heran. „Du hast mich lieb“, sagte er,„deine Augen haben es mir tausendmal verraten. Dich schreckt es nicht, daß ich ein Krüppel bin. Wie heiß und stürmisch ich dich aber liebe, das weißt du noch gar nicht, Eva, das sollst du erst erfahren, wenn du mein liebes Weib bist.“ Eva hatte diese Stunde in süßer Trunkenheit vorausgeahnt, denn auch Martins Blicke hatten sein Herz verraten. Aber nun erschauerte sie doch wie im Übermaß des Glücks.„Daß du mich liebst, macht=mich mir selbst wert", wollte sie sagen, doch sie zwang kein Wort über die zitternden Lippen. Sie war bleich vor Erregung. Leise, kaum wahrnehmbar erwiderte sie seinen Händedruck. Daß sie ein armes Mädchen war und er reich an Glücksgütern, kam ihr nicht in den Sinn. Sie hätte ihn geliebt, auch wenn der Glanz des Reichtums nicht gewesen wäre. Da zog Martin sie zu sich heran und gab ihr den Verlobungskuß. Der Bann war gebrochen. Sie gehörten zusammen. Wie ein liebes schönes Wunder erschien ihnen dies. Das Bewußtsein, fürs ganze Leben eins zu sein, war so groß und wundersam, daß es sie überwältigte. „Wir müssen nach Hause", mahnte Eva endlich,„was wird deine liebe Mutter zu dieser Wendung sagen; sie ist mir ja herzlich zugetan, aber daß ich ihr als Schwiegertochter willkommen bin, wage ich kaum zu hoffen.“ „Sie konnte die Zeit ja kaum erwarten“, lachte Martin, „und war eifersüchtiger als ich auf deine Verehrer. Ich habe es wohl gemerkt, daß sie Angst hatte, es könne mir einer zuvorkommen. Ich aber verstand doch in deinen Augen zu lesen, mein Lieb, und kenne dein Gemüt zur Genüge, um zu wissen, daß keiner dich mir streitig machen könne." „Keiner“, wiederholte sie, sich inniger anschmiegend, „ach, ich habe dich geliebt von der ersten Stunde an, wo ich in eurem Hause war. Freilich, lange Zeit nur so, wie man ein unerreichbares Ideal liebt. Schon in deiner Nähe weilen, deine geliebte Stimme hören zu dürfen, machte mich glücklich und zufrieden." Wie ein Dürstender trank Martin das Geständnis ihrer Liebe, die Französin hatte mit Liebkosungen gegeizt, ihn mit Absicht schmachten lassen. „Ich war schlimmer daran als du, mein Lieb, denn auch mein Herz rebellierte gar bald, doch hielt ich es für meine Pflicht, mit aller Kraft dagegen anzukämpfen, allerdings mit dem Erfolg, daß mein Herz sich mit jedem Tage inniger zu dir hingezogen fühlte." „Ich habe dir noch so viel zu erzählen, Geliebter. Oft fürchtete ich, mich zu verraten und erwog allen Ernstes, heimlich zu fliehen." „Und ich träumte in jeder Nacht von dir, Evchen. Eine Pein war es. Wenn ich das Traumbild zu mir heranziehen wollte, zerfloß es in Nebeldunst." „Es ist die höchste Zeit, wir müssen gehen, Liebster. Rasch hielt sie nach allen Seiten Umschau, doch keiner war zu sehen. Da legte sie beide Arme um seinen Hals. Sie sahen sich in die Augen und küßten sich heiß und überDann schaute sie nach dem Pfleger aus. Er hatte sich in einiger Entfernung auf einer Bank niedergelassen. Eva winkte ihn heran. Im Sturmschritt ging es dann zur Villa. Eva wünschte sich Flügel. Zuletzt hielt sie es doch nicht mehr aus. Sie lief voran. Ihr Herz war übervoll. Mit strahlenden Augen, noch heiß von Martins Küssen, stürzte sie ins Zimmer. „Muttchen, geliebtes Muttchen, wir sind— wir haben—“ unter Tränen lachend fiel sie der alten Dame um den Hals.„Martin sagt, du willst mich zur Tochter. „Gott, hat das lange gedauert, Kinder! Gottlob, daß ihr endlich so weit seid. Gott segne eure Liebe und euer Glück und erhalte es euch!“ Schluß folgt. Ich empfehle: Taschentücher, Unterzeuge, Strümpfe, Regenschirme, Korsetts, Handschuhe, Schlipse Herren- u. Knaben-Filz-Hüte u. Mützen. Zu bedeutend herabgesetzten Preisen empfehle ich meine noch vorrätigen Damen-, Mädchenund Rinder-Süte. 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Januar abends 7½ Uhr: Fledermaus". Freitag, den 14. Januar, Geschlossen. Samstag, den 15. Januar, abends 7½ Uhr:„Flachsmann als Erzieher". Sonntag, den 16. Januar, nachm. 3¼ Uhr:„Jugendfreunde". Abends 7 Uhr:„Die KönigsKinder". Montag, den 17. Januar, Geschlossen. Dienstag, den 18. Januar, abends 7½ Uhr:„Die Fledermaus". Mittwoch, den 19. Januar, abends 8 Uhr:„Prinz von Homburg." Donnerstag, den 20. Januar, abends 7½ Uhr:„Der Widerspenstigen Zähmung". Freitag, den 21. Januar, Geschlossen. Samstag, den 22. Januar, nachm. 3¼ Uhr:„Aschenbrödel". Abends 7 Uhr:„Die lustigen Weiber von Windsor." Die 6.3