Sprockhöveler Zeitung verwbole erante Belgen. Amtlicher Anzeiger für das Amt Sprockhövel.vatole Guats Belgen Verbreitungsbezirk: Hiddinghausen, Haßlinghausen, Herzkamp, Sches, Stüter, Holthausen, Buchholz, Flankenstein, Durchholz, Vormtolz. Erschemt Dienstag, Donnerstat und Samstag. Bezugspreis pro Monat frei ins Haus 50 Pfg. im voraus, durch die Post bezogen 1.50 Mk. pro Vierteljahr ausschl. Bestellgeld. Druck von Rudolf Steinbeck, Sprockhovel. Verantwortlicher Redakteur Rudolf Steinbeck, Sprockvövel. Eintückungsgebühr. im Inseratenteil fur die 1 spaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., im Reklameteil 35 Bg Bei größeren Aufträgen Nabatt Nr 28 Telegr.-Adr.: Zeitung Sprockhövel. Donnerstag, den 6. März 1913 Fernprecheri 478, Amt Haltingen. 16 doue nu1. Blatt. Bekanntmachung. Die Vergebung der auf rund 8300 Mk. veranschlagten Arbeiten des Ausbaues der Brinkerstraße in der Gemeinde Niedersprockhövel soll öffentlich erfolgen. Kostenanschlag und Bedingungen liegen vom 1. März d. J. ab auf dem Amte zur Einsicht auf. Verschlossene und mit entsprechender Aufschrift versehene Offerten sind bis zum 22. März d. J., vormittags 11 Uhr, dem Unterzeichneten einzureichen, worauf deren Oeffnung in Gegenwart erschienener Reflektanten erfolgen wird. Sprockhövel, den 25. Februar 1913. Der Amtmann: Theis. Bekanntmachung. In jüngster Zeit sind verschiedentlich Personen von bösartigen Hunden angefallen worden. Dies gibt Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß alle bösartigen Hunde mit einem Maulkorbe versehen sein müssen, der nach Konstruktion und Art der Anlegung das Beißen verhindert. Die Polizeibeamten sind angewiesen worden, die Besitzer der dieser Vorschrift zuwider betroffenen Hunde zur Anzeige zu bringen. Sprockhövel, den 3. März 1913. Die Polizeiverwaltung: Theis. Musterung pro 1913. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß in der Zeit vom 27. Februar bis einschl. 15. März d. J. die Musterung der Militärpflichtigen des Kreises Schwelm im Lokale der Wirtin Witwe August Hösterey, Schwelm, Kölnerstraße, stattfindet. Sämtliche Militärpflichtigen des Kreises Schwelm, welche noch keine endgültige Entscheidung durch die Ersatzbehörden erhalten haben oder von der Gestellung zur Musterung nicht ausdrücklich entbunden sind, haben sich, auch wenn ihnen keine besondere Vorlodung zugehen sollte, in folgender Weise zu gestellen: Am Sonnabend, den 8. März, aus dem Amte Sprockhövel die Jahrgänge 1893 und 1892 und etwaige Restanten. Am Dienstag, den 11. März, aus dem Amt Sprockhövel der Jahrgang 1891, sowie aus dem Amt Haßlinghausen die Jahrgänge 1893 und 1892. Am Mittwoch, den 12. März, aus dem Amt Haßlinghausen der Jahrgang 1891 und etwaige Restanten. Das Musterungsgeschäft beginnt an allen Tagen vormittags 9 Uhr. Die Militärpflichtigen haben sich aber der Verlesung wegen um 8 Uhr einzufinden. Die Militärpflichtigen müssen sauber gewaschen erscheinen. Diejenigen der Jahrgänge 1891 und 1892 sowie die Restanten haben ihre Losungsscheine mitzubringen und im Termin abzugeben. Wer der Aufforderung keine Folge leistet, kann zur sofortigen Gestellung angehalten werden, auch hat er zu gewärtigen, daß er als unsicherer Heerespflichtiger behandelt und nach erfolgter außerterminlicher Musterung sofort eingestellt wird. Etwaige Anträge auf Entbindung von der Gestellungspflicht sind sofort bei mir anzubringen. Diejenigen Militärpflichtigen, welche durch Krankheit am Erscheinen verhindert sind, haben ein ärztliches Attest, das von der Polizeiverwaltung beglaubigt sein muß, falls der Arzt nicht beamtet ist, vorzulegen. Die Prüfung der Reklamationen aus dem Amt Sprockhövel findet am Freitag, den 14. März, um 9½ Uhr, und diejenigen aus dem Amt Haßlinghausen am Samstag, den 15. März, um 9½ Uhr vormittags statt. Sämtliche Familienangehörige mit Ausnahme der Kinder unter 14 Jahren haben zu der Reklamationsverhandlung zu erscheinen, falls die Reklamation nicht ohne Weiteres abgewiesen werden soll. Das Erscheinen der Militärpflichtigen selbst zur Reklamationsverhandlung ist nicht erforderlich. Die Losung der im Jahre 1893 geborenen Militärpflichtigen erfolgt für den ganzen Kreis am Samstag, den 15. März cr., vormittags 10 Uhr. Das persönliche Erscheinen der Militärpflichtigen hierzu ist ebenfalls nicht erforderlich. Klassifikation der Reserve pp. Mannschaften: Die Klassifikation der Mannschaften der Reserve, der Landwehr, der Ersatz=Reserve und des Landsturmes, welche vermöge ihrer häuslichen und Familienverhältnisse Anspruch auf Berücksichtigung für den Fall einer Mobilmachung im Jahre 1913/14 zu haben glauben, findet für den Bezirk des Kreises Schwelm am Samstag, den 15. März 1913, vormittags 9 Uhr, im Lokale der Wirtin Witwe August Hösterey in Schwelm, Kölnerstraße, im Anschluß an die Prüfung der Reklamationen statt, wozu die Beteiligten mit dem Bemerken geladen werden, daß bei Nichterscheinen die Gesuche keine Berücksichtigung finden. Schwelm, den 15. Februar 1913. Der Zivil=Vorsitzende der Ersatz=Kommission: I. A.: Prien, Regierungsassessor. Bekanntmachung betreffend Schreibhefte, Tafeln und Zeichenmappen. Gemäß Ministerialerlaß vom 30. Januar 1912 sind von mir mit einem Ausschuß der Rektorenkonferenz und mit der Ortsgruppe Kreis Schwelm des Verbandes Deutscher Papierund Schreibwarenhändler folgende für die evangelischen Schulen des Kreises Schwelm vom 1. April 1913 ab gültige Bestimmungen verabredet: 1. Es werden geliefert: a) Schreibhefte(auch für Rechnen) in vier Liniaturen: 1. vierfache deutsch, 12 Linien mit den Abständen 6 3 6 mm 2. vierfache lateinisch, 11 Linien mit den Abständen 6 4 6 mm 3. dreifache, 14 Linien mit den Abständen 7½ 5 mm (oberste Liniatur zur vierfachen ausgezogen 5 2½ 5 mm) 4. einfache, 15 Linien in 12 mm Abstand. Bogenzahl: einheitlich 10 Bogen. Papier: 14 kg schwer normal 4 a. Rand: 3 cm beiderseitig links. Einband: steif broschiert, in Leinenfalz eingehängt mit Leinenrücken in vier Farben, Ecken abgerundet, Beklebung wollenmarmoriert. Schilder mit Titel und Vordruck:„Jahrgang.... Preis: 25 Pfg. Dies Heft enthält 40 Blatt." Unentgeltlich werden den Schulen geliefert Schilder mit dem Aufdruck„Tagebuch" zur Beklebung von Heften, die im sonstigen Jahresgebrauch nicht ganz aufgebraucht werden konnten. Außerdem wird feilgehalten„Schreib=Uebungsstoff für die 1. Klasse der Volksschulen", Verlag von Matth. Flock zu Cöln=Nippes. Preis 30 Pfg. b) Schiefertafeln 1. Größe Nr. 4 mit vierfacher Deutsch=Liniatur, 30 Pfg. 2. Größe Nr. 5 mit einfacher Liniatur, 35 Pfg. Sowohl 1 wie 2 wird durch eine Mittelsenkrechte geteilt, Rückseite bleibt ohne Linien. o) Mappen zur Aufbewahrung der Zeichnungen: 29X33 cm, sog. Lederdeckel, mit einer Klappe, diese und der Rücken gerillt, Preis 15 Pfg. 2. Unvorschriftsmäßige Hefte usw. werden zurückgewiesen. 3. Für die Städte Schwelm und Gevelsberg treten die Bestimmungen nicht sofort in Kraft; dort wird vielmehr zunächst der von der Ortsgruppe vor dem 1. April 1913 aufgesammelte Restbestand bisher zulässiger Heftarten usw. aufgebraucht. Schwelm, den 25. Februar 1913. Der Königliche Dr. L. Bornemann. Lokales und aus der Umgegend. (Nachrichten unter dieser Rubrik aus unserem Leserkreise sind sehr erwünscht, besonders auch sind Vereinsvorstände gebeten, Berichte über ihre Versammlungen und Veranstaltungen unserer Redaktion zukommen zu lassen.) Sprockhövel, den 6. März 1913. —[Tischlerinnung). Wie wir bereits berichteten, veranstaltet der Rhein.=Westf. Tischlerinnungsverband, Sitz Essen=Ruhr, in Verbindung mit seiner Tischlerinnung Sprockhövel=Haßlinghausen am Sonntag den 9. März, nachmittags 4 Uhr, im Lokale des Herrn Becker in Haßlingyausen eine Versammlung, zu der außer dem Handwerk auch die behördlichen Vertretungen, die Organe der Landwirtschaft, Vertreter der Industrie, sowie Geistliche, Architekten usw. eingeladen sind. Der Geschäftsführer des gen. Verbandes, Herr Hugo Kükelhaus, wird sprechen über das Thema„Das Handwerk und seine Selbsthülfebestrebungen". Nach dem Vortrage soll eine Aussprache stattfinden. Der Zweck der Versammlung soll sein, über die Lage des Handwerks und die Notwendigkeit seiner Selbsthülfebestrebungen aufzuklären, damit einerseits das Handwerk sich anstrengt, die nötige moralische Kraft zur tatkräftigen Gemeinschaftsarbeit zu entwickeln, andererseits aber auch, unter besonderer Beziehung auf die natürliche Interessengemeinschaft zwischen ländlichem und handwerkerlichem Mittelstande, um das Verständnis dafür bei den übrigen Ständen des Volkes zu kräftigen. Wir verfehlen nicht, nochmals auf diese wichtige Versammlung hinzuweisen und den Besuch aufs beste zu empfehlen.(Siehe auch die Anzeige). —[Wichtig für Handwerkerinnen). Nach dem Erlaß des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe vom 18. Juli 1911 sind die für männliche Handwerker erlassenen Anordnungen auch für weibliche Handwerker maßgebend. Trotzdem die Handwerkerinnen durch ehrenamtlich beauftragte Damen auf die gesetzlichen Bestimmungen aufmerksam gemacht wurden, möchten wir an dieser Stelle nochmals darauf hinweisen. Die Berechtigung zum Anleiten von Lehrlingen können alle diejenigen Handwerkerinnen ohne Ablegung der Meisterprüfung erwerben, welche vor dem 1. Oktober 1879 geboren sind und eine zweijährige Lehrzeit zurückgelegt haben, oder seit 1. Oktober 1898 selbständig sind. Der Antrag auf Verleihung der Anleitungsbefugnis ist bei der Handwerkskammer Dortmund zu stellen, welche den Antrag alsdann an die untere Verwaltungsbehörde weitergibt. Alle übrigen Handwerkerinnen(die nach dem 1. Oktober 1879 geboren sind) müssen, wenn nicht ganz besondere Gründe vorliegen, die Meisterprüfung ablegen, um Lehrlinge anleiten zu dürfen. Zur Meisterprüfung wird zugelassen, wer eine mindestens zweijährige Lehrzeit zurückgelegt hat und drei Jahre als Gehülfin tätig gewesen ist. Wer keine ordnungsmäßige Lehrzeit zurückgelegt hat, muß eine mindestens fünfjährige Selbständigkeit nachweisen. Zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung im Damenschneiderhandwerk veranstaltet die Handwerkskammer Dortmund an allen größeren Orten ihres Bezirks fachliche und theoretische Vorbereitungskurse, wenn sich eine genügende Teilnehmerzahl hierzu meldet. Anmeldungen zur Teilnahme an einem Vorbereitungekursus auf die Meisterprüfung sind zu richten an die Handwerkskammer Dortmund, Kaiserstraße 78. Allen Handwerkerinnen, welche die Meisterprüfung ablegen wollen und den Vorbedingungen entspechen, ist zu empfehlen, sich zur Meisterprüfung bis spätestens 1. Oktober 1913 bei der Handwerkskammer Dortmund zur Meisterprüfung zu melden, da nach Ablauf dieses Termins alle Prüflinge vorher die Gesellenprüfung ablegen müssen, falls dieselbe noch nicht abgelegt ist, um zur Meisterprüfung zugelassen werden zu können. Handwerkerinnen, welche Lehrlinge anleiten, ohne hierzu die Befugnis auf Grund eines gestellten Antrages oder durch Ablegung der Meisterprüfung erworben zu haben, machen sich strafbar. —(Königl. Preuß. Klassenlotterie). Die Erneuerung der Lose zur 3. Klasse muß mit Vorlegung der Lose 2. Klasse bei Verlust des Anrechts bis zum 7. März 1913 bei den zuständigen Einnehmern planmäßig geschehen. Das Torpedoboot=Unglück. Wilhelmshanen, 6. März. Die„Wilhelmshavener Zeitung" erfährt von zuständiger Stelle: Gerettet wurden vom Torpedoboot S 178 Marineingenieur Kühn, Assistenzarzt Nanker, die Obermaschinistenmaats Byttlich, Rödenger, Schönbeck und Bootmannsmaat Meyer, die Obermatrosen Franz, Lobinth und Großkopf, die Oberheizer Koch, Glein und Vigo, der Matrose Mullion, die Maschinistenanwärter Spekien, Cortes und Morlock und der Matrose Heider.(Dieser soll schwer verletzt worden sein). Der eigentliche Kommandant, Kapitänleutnant von Castrow, war in der letzten Nacht nicht an Bord und ist so dem Tode entgangen. Das Boot wurde von dem Oberleutnant Pies befehligt. Außer diesem ist auch Oberleutnant z. S. Schede ertrunken. Der ertrunkene Oberleutnant Schede war dem Oberleutnant z. S. Pies, der in der letzten Nacht das Torpedoboot S 178 führte, als Wachoffizier beigegeben. Das Torpedoboot S 178 war übrigens mit zwei anderen Torpedobooten im Juli des vorigen Jahres in Duisburg, Düsseldorf, Cöln und Bonn. Kiel, 6. März. Wie hier mitgeteilt wird, sind bei dem Untergang des Torpedobootes S 178 67 Mann der Besatzung ertrunken. Helgoland, 6. März. Bei dem Untergang des Torpedoboots S 178 wurden die wenigen Geretteten von dem Kreuzer„York“ und andere von einem Torpedoboot aufgenommen. Taucher sind dabei, die Unfallstelle, die sich in der Nähe der Düne befindet, abzusuchen. Marktbericht. Gsson, 3. März. Amtlicher Bericht der Notierungskommission. Auftrieb: Großvieh 725, hiervon 80 Ochsen, 166 Bullen, 479 Färsen und Kühe,— gering genährtes Jungvieh(Fresser), 517 Kälber, 17 Schafe, 3989 Schweine. Preise für 100 Pfd. Schlachtgewicht(in Klammern lebend Gewicht). Ochsen: vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 94—95(54—55) Mk.; desgl. 4—7 Jahre alt, 90 93(48—50) Mk.; junge fleischige und ältere ausgemästete 90—92(48-50) Mk.; mäßig genährte und ältere 85—88(42—44) Mk. Bullen: vollfleischige höchst. Schlachtw 89-90(51—52) Mk.; desgl. jüngere Bullen 85 bis 88(14- 45) Mk.; mäßig genährte und ältere 80—84(37- 39) Ml. Färsen und Kühe: vollfleischige Firsen köchst Schlachtw 87 bis 89(45—46) Mk.; desgl. Kühe bis zu 7 Jahren 87—89(45 bis 46) Mk.; ältere und geringere Kühe nnd Färsen 82-86(40—43) Mk.; mäßig genährte 75-80(32—34) Mk.; gering genährte 75 bis 80(32—34) Mk.; gering genährtes Jungvieh(Fresser): 75-80(32 bis 34) Mk. Kälber: Doppelender, feinster Mast 115—120(83 86) Mk.; feinste Mastkälber 103—108(66-69) Mk.; mittlere Mast- und beste Saugkälber 100—108(60—65) Mk.; geringere 87—109(45-58) Mk. Stallmastschafe: Mastlämmer und jüngere Masthammel— bis 98(47—) Mk.; ältere Mast= und gute junge Schafe 90 95(40 bis 42) Mk.; Merzschafe—(—) Mk. Fettschweine, Lebendgewicht, über 150 kg—(—) Mk; vollfleischige, 120-150 kg, 79—80(63 64) Mk.; 100—120 kg. 77- 80(61—64) Drk.; 80 bis 100 kg, 76—78(60—62) Mk.; unter 80 kg 74- 77(59—61) Mt.; unreine Sauen und geschn Eber 70—77(59—61) Mk., alle mit 20 Prozent Tara. Es wurden verkauft: 331 Schweine zu 80 Pfg., 528 zu 79, 786 zu 78, 572 zu 77, 337 zu 76, 78 zu 75, 95 zu 74, 51 zu 63/65 Pfg. Tendenz: Mittel. 12 Großvieh Ueberstand. Berlin, 4. März. Auf der Tagesordnung stehen zunächst kurze Anfragen. Die Abgg. Gröber und Erzberger(Zentr.) weisen in einer Anfrage darauf hin, daß der königliche kath. Kirchenrat in Stuttgart über Vorträge zweier Jesuitenpaters Erhebungen veranlaßt hat. Wie vereinbart sich das, so fragen die Fragesteller, mit der Erklärung des Reichskanzlers, daß bei der Handhabung des Jesuitengesetzes keine Nachschnüffelei und Schikane stattfinden soll.— Ministerialdirektor Caspar erwidert, daß der kath. Kirchenrat dem württembergischen Ministerium des Kirchen- und Schulwesens untersteht. Da nicht dargetan ist, ob der Instanzenweg in Württemberg erschöpft ist, liegt für den Reichskanzler kein Anlaß vor, bei der württembergischen Regierung Vorstellungen zu erheben. Ohne tatsächliche Ermittlungen, die der württembergischen Regierung zu überlassen wären, kann auch nicht festgestellt werden, ob der Erlaß des Kirchenrats mit der Erklärung des Reichsaknzlers im Einklang steht oder nicht.— In einer weiteren Anfrage weisen die Abg. Dr. Paasche und Frhr. v. Richthofen(natlib.) auf die Versuche der englischen Firma Lever Brothers hin, die sich bemühen„eine Ausbeutungskonzession über ca. 12 000 englische Quadratmeilen des wertvollsten Landes der Republik Liberia zu erhalten.— Geheimrat Lehmann stellt fest, daß die Firma sich tatsächlich um eine solche Konzession bemüht, die aber durch den Ausschluß jeglicher wirtschaftlicher Betätigung seitens Einheimischer und Fremder gegen den Vert rag von 1867 verstoßen und ein unzulässiges Monopol bedeuten würde. Die kaiserliche Regierung hat daher gegen die Erteilung der Konzession Verwahrung eingelegt. Auch die gesetzgebenden Körperschaften des Freistaates Liberia haben das Konzessionsgesuch nicht genehmigt. Die kaiserliche Regierung wir die deutschen Interessen in Liberia in jeder Richtung wahren.— Das zur ersten Lesung stehende Etatnotgesetz wird ohne Aussprache der Budgetkommission überwiesen.— Es folgt der Marineetat.— Beim Kapitel„Instandhaltung der Flotte und der Werften“ fordert Abg. Giesberts(Z.) den Ausbau der Arbeiterausschüsse. Die Staatsverwaltung sei durchaus berechtigt, gegen sozialdemokratische Agitatoren einzuschreiten. Marinelieferungen sollten nur an Firmen gegeben werden, die dieselben Arbeitsbedingungen, Tarifverträge usw. haben„wie die kaiserlichen Werften. Der Staat sollte einen Druck auf die Großeisenindustrie ausüben, daß sie größere Löhne zahlt, mindestens ebenso viel wie die Staatsbetriebe. Sie leben ohnehin meist von Staatsaufträgen.— Abg. Legien(Soz.): Jeder Arbeiter, ist, muß auch ein Agitator sein. Der6 telligente Arbeiter, und da heute Arbeiter zur Sozialdemokratie gehört, ten nicht fernzuhalten. Verständige Unternehmer, zu denen der Staatssekretär freilich nicht gehört, nehmen deshalb am liebsten Sozialdemokraten. Der Staatssekretär würde mit würdiger Ruhe in eine Seeschlacht gehen, aber er zittert vor Angst bei dem Gedanken, daß er die Löhne der Arbeiter erhöhen sollte.— Abg. Six(Zentr.): In der Vergebung von Lieferungen wird Süddeutschland noch nicht genügend berücksichtigt.— Gehr. Admiralitätsrat Harms: Wir bemühen uns, auch Süddeulschland zu berücksichtigen. Die Süddeutschen müssen sich aber auch selbst melden, denn es werden genug Ausschreibungen veröffentlicht.— Abg. Giesberts (Zentr.) wendet sich scharf gegen Legien, der alle intelligenten Arbeiter für die sozialdemokratischen Gewerkschaften retlamiere.— Abg. Brandes(Soz) polemisiert gegen die Arbeiterausschüsse bei der Firma Krupp, die nur eine Farce seien.— Abg. Legien(Soz.) erläutert den gewerkschaftlichen Begriff der Werkstatts=Agitation. Natürlich lassen wir davon nicht ab, denn ihr verdanken wir unsere ganzen Erfolge. Aber Werlstattsagitation bedeutet nicht, daß in der Verkstatt agitiert wird, sondern daß man die Arbeiter aus denselben Werkstätten außerhalb des Werkes zusammenbringt und sie über die Arbeitsverhältnisse in ihrem Betriebe auflärt.— Nun wird über einige Resolutionen abgestimmt. Die ine von Ablaß(Vp.) spricht sich gegen jede Beeinträchtigung es Petitionsrechts der Beamten, Angestellten und Arbeiter us. Eine Resolution der Budgetkommission fordert eine Reision der Arbeitsordnungen, andere Statistiken über die Löhne, die Zahl der Arbeiter usw. Die Resolutionen werden ämtlich angenommen. Angenommen wird ein Antrag auf Neuregelung der Bordabzüge und Abstufung nach der Höhe es Gehalts.— Aba. Waldstein(Volksp.) verlangt Berücksichtigung der Helgoländer Hummerfischer, die durch den Hafenbau geschädigt werden.—Staatssekretär von Tirpitz sagt eine Entschädigung im nächsten Etat zu.— Damit ist der Marincetat in zweiter Lesung erledigt.— Der Nach für die erste Einrichtung der Verwaltung in wird ohne Aussprache in zweiter Lesung angenommen. Es gelangt jetzt der Kolonialetat zur Beratung.— Abg. Henke(Soz.) spricht über die Besiedelungsfrage in DeutschOstafrika, die wenig hoffnungsvoll sei. Selbst der Gouverneur Dr. Schnee hat das zugegeben. Für Ansiedler ohne erhebliches Kapital gibt es keine Möglichkeit des Weiterkommens. Die Propagandareise des Staatssekretärs Solf war eine wahre Bierreise.(Vizepräsident Dove rügt den Ausdruck.) Unsere ganze Kolonialpolitik muß Bankerott machen, wenn die Diamantenfunde aufhören. In den letzten 25 Jahren sind in Ostafrika 150 000 Menschen niedergeschossen worden. Wir sehen nicht herab auf diese Schwarzen, sie sind uns lieber als Ihre Schwarzen hier in Deutschland.— Ein Vertagungsantrag wird angenommen.— Mittwoch Schwerinstag. Preußischer Landtag. schädlich auch auf den Güterverkohr. Abg. Goebel (Ztr.): Die Konkurrenzfähigkeit der oberschlesischen Mon tanindustrie wird durch den Großschiffahtsweg Berlin Steitin herabgedrückt. Wir müssen sofort Sondertarife einführen. Minister v. Breitenbach: Die Forderung des Vorredners verlangt zuviel. Es muß erst zweifellos festgestellt werden, daß in der Tat eine Verschiebung der Konkurrenzfähigkeit am Berliner Markte eingetreten ist. Dem Abg. Ehlers möchte ich erwidern, daß wir zur richtigen Abschätzung der Verhältnisse die Betriebszisser nicht entbehren können. Abg. Schifferer(natl.) begründet einen Antrag, in dem die Regierung ersucht wird, dafür Sorge zu tragen, daß die durch den Ausbau des Kaiser Wilhelmkanals bedingte Verlängerung der Eisenbahnverkehrswege keine Erhöhung der Frachtsätze und der Preise für Fahrkarten zur Folge hat. Minister v. Breitenbach: Ich bedaure, diesem Antrage nicht beitreten zu können. Es ist unser Prinzip jede Aenderung der Wegelängen im Tarif zum Ausdruck zu bringen. Abg. Witzmann(natlb.): Die Sonn tagskarten sind gewiß eine erfreuliche Einrichtung. Aber sie sollten nicht nur den Großstädtern zugute kommen. In den Städten meines Wahlkreises Haynau und Goldbera z. B. gibt es überhaupt keine Sonntagskarten. Der Finanzminister sollte uns Provinzlern wenigstens die Fahrkartensteuer erlassen. Wir werden das Geld für Sonntagsfahrten verwenden und es wird der Staaiskasse daher wieder zufließen. Abg. Fürbringer(nilb.) bekämpft die Ausnahmetarife für Futtermittel vom Stand punkt des Hasens Emden. Durch diese billigen Eisenbahntarise hat Emden einen großen Teil seines Schiff fahrlsverkehrs verloren. Abg. Ströbel(Soz.): Die 1. Wagenklasse muß abgeschafft werden, denn sie ist durchaus unrentabel. Schon die 2. Klasse bringt nichts ein. Die meisten Ueberschüsse wirft die 4. Klasse ab. Darum sollte man diese auch besser ausgestalten. Ich wiederhole auch meine Forderung, 4. Klasse=Wagen in Eil= und Schnellzüge einzustellen. Wenn man die Steuerzuschläge allgemein aufhebt, so schenkt man den reichen Leuten das, was sie jetzt für die Militärlasten zahlen sollen. Abg. Klußmann(ntl.) dankt für das Entgegenkommen des Ministers gegenüber den Interessen der Hochseesischerei inbezug auf Tariferleichterungen. Abg Hoff(Voltsp.) bedauert die ablehnende Haltung des Ministers gegenüber dem Antrag Dr. Schifferer. Damit pflichtet werden könnte, die Mittel für Errichtung und Unkerhaltung der öffentlichen Volksschulen aufzubringen. mund(Ztr.): Wir erkennen an, daß der Minister man ches für sein Personal erreicht hat. Aber es ist noch mancher Wunsch unerfüllt. Das Haus vertagt hierauf die Weiterberatung auf Mittwoch. Dr. BeVerlin, 5. März. Am Ministertische: ler. Zunächst steht auf der Tagesordnung die 2. Beralung des Entwurfs einer Hinterlegungsordnung. Die verstärkte Justizkommission hat den bereits vom Herrenhause vorbereiteten Entwurf in mehreren Punkten abgeändert, deren wichtigster die Heranziehung der Gerichtsschreib er zur selbständigen Erledigung von Hinterlegungsgeschäften betrifft. Ohne Debatte wird der Gesetzentwurf nach den Kommissionsbeschlüssen in 2. Lesung und ebenso die Resolutionen einstimmig angenommen und darauf der Gesetzentwurf sogleich auch in 3. Lesung verabschiedet. Es folgt Fortsetzung der Beratung des Eisenbahnetats. Die Besprechung der allgemeinen finanztechnischen und wirtschaftlichen Fragen wird fortgesetzt. Abg. Krause=Waldenburg(freikons.): Wir sind mit dem Minister darin einverstanden, daß von einer schematischen Ermäßigung der Gütertarife nicht die Rede sein kann. Man soll sie nur von Fall zu Fall zugestehen, wo eine besondere Notwendigkeit vorliegt. Das ist für Niederschlesien der Fall. Abg. Dr. Ehlers (Volksp.): Die Verwaltung behandelt den„Betriebskoeffizienten" mit kotossaler Ehrfurcht, schon deshalb, weil das Publikum nicht weiß, was das ist. Bei jeder Forderung nach Lohnerhöhung heißt es:„das verschlechtert den Betriebskoeffizienten“. Die Fahrkartensteuer wirkt Deutschland. Zur Deckungsfrage in der Heeresvorlage. Berlin, 4. März. Dem Vernehmen nach haben die stimmführenden Mitglieder der Einzelstaaten im Bun desrat in der am Samstag abgehaltenen Sitzung dem Vorschlage der Reichsregierung, eine einmalige Abgabe vom Vermögen zu erheben, zugestimmt. Selbstverständlich kann diese Zustimmung nur im Einvernehmen mit den Veriretern der Einzelstaaten erfolgt sein, um so mehr, als die einzelstaatlichen Bundesratsmitglieder auch in die Beseitigung des Steuerprivilegs der Fürsten für diesen Fall eingewilligt haben. Da sich im Reichstage für diese einmalige Abgabe vom Vermögen zweifellos auch eine große Mehrheit finden wird, darf diese einmalige Abgabe schon so gut wie beschlossen angesehen werden. In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß wahrscheinlich eine Staffelung vorgenommen werden wird in der Weise, daß die Abgabe bei Vermögen von Mk. 50 000 ab 0,03 Proz. beträgt und bis zu 5 Proz. steigt. Es handelt sich hierbei natürlich nur um Mutmaßungen. Die mutmaßliche Einbringung der Militärvorlage. Berlin, 5. März. Der Seniorenkonvent des Reichstages einigte sich gestern dahin, die Österferien Samstag, 8. Mörz, beginnen und bis zum 1. April dauern zu lassen. Der Präsident teilte mit, daß der Reichskanzler ihm die Hoffnung ausgesprochen habe, die neue Militärvorlage am 28. März dem Reichstag zukommen zu lassen. Diese Vorlage soll aß den men, oogleich sich der Reichskanzler darüber nicht geäußert hat. Berlin, 5. März. Die entscheidende Sitzung des Bundesrats, in der über die Kriegssteuer Beschluß gefaßt werden soll, findet bereits Ende dieser Woche statt. Aenderung des Ansiedelungsgesetzes. Berlin, 5. März. Ein Entwurf über Maßnahmen zur Stärkung des Deutschtums in den Provinzen Westpreußen und Posen ist dem Abgeordnetenhause zugegangen. In dem Entwurf wird bestimmt, daß das Ansiedelungsgesetz wie folgt geändert werden soll: 1. der in§ 1 der Staatsregierung zur Verfügung gestellte Fonds wird um 175 Millionen Mark erhöht, von denen 100 Millionen Mark zur Festigung bäuerlicher Güter durch Umwandlung in Ansiedelungsrentengüter uno zur Förderung der Seßhaftmachung von Arbeitern auf dem Lande zu verwenden sind. 2. der in§ 7a der Staatsregierung zur Verfügung gestellte Fonds wird um 30 Millionen Mark erhöht. Ferner soll der im Artikel 2,§ 1 des Gesetzes über Maßnahmen zur Stärkung des Deutschtums in den Provinzen Westpreußen und Posen vom 1. Juni 1902 der Staatsregierung zur Verfügung gestellte Fonds um 25 Mill. Mark erhöht werden. Frhr. von Manteuffel Berlin, 5. März. Der frühere Präsident des preußischen Herrenhauses, Freiherr von Mateuffel ist gestern abend gestorben. Wirkl. Geheimer Rat Landdirektor und Major a. D. Frhr. Otto Karl Gottlob v. Manteuffel, der am 30. Januar 1908 zum Präsidenten des Herrenhauses erkoren ward, war am 29. Nov. 1844 zu Berlin geboren. Er wurde durch Allerhöchsten Erlaß vom 25. August 1883 auf Präsentation des Verbandes des alten und befestigten Grundbesitzes im Landschaftsbezirk Nieder=Lausitz mit Koltbus auf Lebenszeit ins Herrenhaus berufen. Die Haftung des Staates für die Lehrer. Berlin, 5. März. Die Justizkommission des Herrenhauses hat den Initiativantrag auf eine Ausdehnung der Haftpflicht des Staates auf die Amtspflicht der Lehrer in der Fassung des Abgeordnetenhauses angenommen. Die Regierung hat auch im Herrenhause wie im Abgeordnetenhause sich auf einen ablehnenden Standpunkt gestellt und angedeutet, daß sie dem Entwurf später nicht zu stimmen werde aus grundsätzlichen Bedenken. Sie steht auf dem Standpunkt, daß die Konsequenz des Gesetzes die sei, daß der Staat dann auch verhaltung der öffe Der Verliner Etat. Berlin, 5. März. Bei der gestrigen Einbringung des Etats in der Stadtverordnetenversammlung legte Oberbürgermeister Wermuth die Finanzlage der Stadt dar und nahm Stellung gegen die Angreifer der Verwaltung. Mit lebhastem Beifall wurde der Satz aufgenommen, daß jeder, der wisse, welch außerordentlichen Einfluß die ganze kommunale Finanz= und Anleihepolitik auf Staat und Reich und den gesamten Geldmarkt habe, sich"freuen solle, daß die größte Stadt des Reiches mit Zähigkeit an dem Einkommensteuerzuschlag von 100 Proz. sesthalte. Folgenschwerer Beschluß der Berliner Saalbesiter. Berlin, 5. März. Einen folgenschweren Beschluß hat der Vorsiand des Vereins der Saalbesitzer von Verlin und Umgegend gefaßt. In Anbetracht der in Aussicht genommenen städtischen Lustbarkeitssteuer, die gerade die Saalbesitzer in Zukunft am meisten bedrücken würde, ist beschlossen worden, keinem der Stadtverordnelen ihre Säle zur Verfügung zu stellen zu Neuwahlen der Stadtverordneten, Landtagsabgeordneten= oder Reichsagswahlen. Der Kaiser in Wilhelmshaven. Wilhelmshaven, 5. März. Zur Frühstückstafel veim Kaiser an Vord des Linienschiffes„Kaiser“ waren geladen: Vizeadmiral Dick vom Reichsmarineamt, Oberwerftdirekt or Konteradmiral Eckermann und die Kapitäne Fuchs und Hofmann. Nachmittags unternahm der Kaiser einen Spaziergang auf dem Deich. Hierbei sah der Kaiser die neuen Kasernenanlagen der 2. Matrosendivision. Zur Abendtafel an Vord waren einige Herren vom Flottenstabe geladen. Das Großblockabkommen in Baden. Karlsruhe, 5. März. In Baden beginnen demnächst die Verhandlungen zwischen den Vorständen der nationalliberalen, fortschrittlichen und sozialdemokratischen Partei wegen des Abschlusses des Großblockabkommens für die badischen Landtagswahlen. Das Abkommen soll bereits für den ersten Wahlgang gelten. Nachdem die Nationalliberalen sich vorige Woche in ihrer Mehrheit für den Großblock ausgesprochen haben, wenn auch noch keiln definitiver Beschluß vorliegt, haben die Sozialdemokraten sich gestern mit großer Mehrheit für das Abkommen entschieden. Die Abfahrt von Gmunden. Gmunden, 5. März. Nach der gestrigen Frühstückstafel, zu der auch die Gefolge hinzugezogen wurden, besichligten die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise eingehend den Marstall. Als sich später das Wetter aufheiterte, machten die Fürstlichkeiten eine Automobilfahrt bis Traunkirchen. Gegen 5,45 Uhr trafen die Fürstlichkeiten wieder auf dem Schlosse ein. Die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise sind nach überaus herzlicher Verabschiedung von dem Herzog und der Herzogin von Cumberland, dem Prinzen Ernst August und den übrigen Fürstlichkeiten, die die Abreisenden auf den Bahnhof geleiteten, gestern abend 10 Uhr 30 Min. abgereist. Prinz Ernst August begibt sich morgen nach München. Prinz und Prinzessin Max von Baden traten die Rückreise nach Karlsruhe einige Minuten nach der Abreise der Kaiserin an. Oesterreich. Der aufgeschobene Massenstreik. Pest, 5. März. Die sozialdemokratische Parteileitung hat beschlossen, jetzt keinen Massenstreik zu proklamieren. Sie wird in einer Erklärung den Entschluß begründen. Die sozialdemokratische Parteileitung behält sich vor, den Generalstreif zu einem Zeitpunkt zu proklamieren, der ihr genehm ist. Belgien. Um König Leopolds Nachlaß. Brüssel, 5. März. Im Berufungsprozeß der Prinzessinnen Stefanie und Luise gegen den Nachlaß König Leopolds erklärte der Staatsanwalt, daß die 60 Mill. Fres. der Niederfüllbacher Stiftung den Prinzessinnen zufallen müßten. Das Urteil wird später gesprochen. Frankreich. Die französische Presse über die deutsche„Kriegsstener“. Paris, 5. März. Die Zeitungen lassen sich durch ihre Berliner Korrespondenten ausführlich über die geplante Heeressteuer in Deutschland berichten, sagen in ihrer Mehrzahl aber nicht, was sie selbst über diesen außergewöhnlichen Vorgang denken. Man versteht den Zweck einer so gewaltigen Anstrengung in dieser Stunde der Demobilisierung nicht recht, und die aufgeregten Depeschen aus Verlin, die gewaltigen Ziffern, von denen sie melden, erwecken eine leichte Unruhe. Der Berliner Korrespondent des„Echo de Varis“ telegraphiert:„Mögen die Franzosen überlegen: all' das ist sehr beunruhigend. Der Reichstag wird die Kriegssteuer annehmen, er nennt sie jetzt schon bei diesem Namen, aber er ist sich über die außergewöhnliche Maßregel vollkommen im klaren. Dieser diktatorische Akt, dessen Initiative dem Kaiser zugeschrieben wird, ist die Sturmglocke, die durch Europa tönen wird." Der „Figaro“ meint:„Diese außergewöhnliche Steuer, die in der Geschichte allein dasteht, wird die preußische Einkommenstaxe für das Reich verallgemeinen und sich 16fach vermehren. Es ist unnötig, zu betonen, wie diktatorisch, wie revolutionär eine solche Maßregel ist. Sie berechtigt in Kriegszeiten, wenn man eine große Katastrophe befürchtet, aber bei den gegenwärtigen normalen Zuständen, wo weder eine innere, noch eine äußere Gefahr droht, ist sie nicht zu verstehen.“ Der„Gaulois“ weist auf das patriotische Beispiel Deutschlands hin: nun müsse in Frankreich die 3jährige Dienstzeit eingeführt werden. Die 3jährige Dienstzeit in Frankreich. warts, 5. März. Der oberste Kriegsrat, der gestern unter dem Vorsitze des Präsidenten Poincare und im Beisein des Ministerpräsidenten Briand und des Kriegsministers Etienne tagte, hat nach 3stündiger Beratung einstimmig erklärt, daß es im Interesse des Landes unbedingt nötig sei, die Effektivstärke der Truppen zu erhöhen. Nachdem er verschiedene Mittel zur Erreichung dieses Zieles, als Kapitulanten, Ersatz der Oekonomiehandwerker durch Zivilarbeiter, allmonatliche Einberufung von Reservisten zu den Fahnen, eine Dienstzeit von 27 oder 30 Monaten geprüft und einstimmig für unzureichend erklärt hatte, sprach er sich ebenso einstimmig für die unbedingte gleichmäßige und ausnahmslose 3jährige Dienstzeit ohne irgendwelchen Dispens aus. Der ehemalige Ministerpräsident Clemenceau erklärte vorher, daß er ein entschiedener Anhänger der Wiedereinführung der 3 jährigen Dienstzeit für alle Waf fengattungen ohne Ausnahme, ohne jede Vergünstigung und ohne jede Abschwächung sei. Deshalb müsse er sich auch rückhaltlos gegen den Gedanken aussprechen, daß die 3 jährige Dienstzeit zwar eingeführt, der Regierung aber das Recht eingeräumt werden soll, gegebenenfalls eine Jahresklasse 6 Monate früher zu entlassen. Die Regierung würde dann in die bedenkliche Lage geraten, im Parlament alljährlich Anfragen über die Eventualität einer vorzeitigen Entlassung beantworten zu müssen. Noch schlimmer sei die Idee, eine 30 monatige Dienstzeit einzuführen und der Regierung die Ermächtigung zu erteilen, eine Jahresklasse 6 Monate länger unter den Fahnen zu belassen. Eine solche Maßnahme würde in ber Bevölkerung sofort die Besorgnis hervorrufen, daß ein Krieg unmittelbar bevorstehe. Eine Kohlensteuer in Frankreich. Paris, 5. März. Die Kammer nahm mit 364 gegen kaufter Steinkohle mit einer Auflage von 50 Centimes belegt, in allen Gruben, worin für die Tonne 1 Franken Reinerrtrag erzielt wird. Finanzminister Klotz hob hervor, daß diese Steuer, die 14 Millionen liefern wird, sehr mäßig sei, angeSchts der großen Pflichten der Steuerträger. England. Das englische Kö:spaar beim deutschen Botschafter. London 5. März. Der König und die Königin speisten gestern abend beim deutschen Botschafterpaar, Fürst und Für stin Lichnowsky. Die Botschaft war zu Ehren des erstmaligen Erscheinens der Majestäten reich geschmückt. Spanien. Der englische Kriegsminister in Madrib. Madrid, 5. März. Der vorgestern hier eingetroffene englische Kriegsminister, Oberst Seely, stattete gestern, nach dem er zuvor mit den Ministern verhandelt hatte, dem König Alfons einen Besuch ab. Bei seiner Fahrt zum Könige befand sich der englische Kriegsminister in Begleitung des spanischen Kriegsministers und des englischen Botschafters. Oberst Seely reiste abends nach Paris ab. Amerika. Der Präsidentenwechsel in Washington.— Wilsous Antritts rede. Washingtown, 5. März. Unten den üblichen eindrucksvollen Feierlichkeiten hat sich gestern der Wechsel in der Regierung und der Einzug des neuen Präsidenten Wilson in das Weiße Haus vollzogen. Der offizielle Akt spielte sich au der Freitreppe des Kapitols ab, wo in Gegenwart einer vieltausendköpfigen Menschenmenge der Vorsizende des Oberbundesgerichtes dem neuen Präsidenten den Amtseid abnahm. Hierauf hielt Präsident Wilson seine Inaugurationsrede, die ein zum Teil mit hinreißendem Schwung vorgetragenes sozialpolitisches Programm bedeutet. Weitere Sühne des Deutschenmordes in Covadonga. Mexiko, 5. März. Wegen Teilnahme an dem Covadonga=Morde sind weitere 3 Personen strafrechtlich verurteilt und hingerichtet worden. Die Ermordung der 4 Deutschen haben jetzt insgesamt 9 Personen mit dem Tode gebüßt. Die kanadische Flottenvorlage. Ottawa, 5. März. Gestern begann das kanadische Unterhaus die Veratung der Flottenvorlage zur Unterstützung des Mutterlandes, England, mit einer Nachtsitzung. Man erwartet, daß die Sitzung ununterbrochen bis Samstag nacht dauern werde. schuldigten wurde zur Last gelegt, am 7. Nov. 1912 in Hofstede eine der Firma Krupp gehörende Scheune vorsätzlich in Brand gesteckt zu haben. Simon wurde sreijesprochen. Bielefeld, 5. März. Der Arbeiter Fritz Henke aus Heepen hatte den Werkmeister Fritz Siek, unter dem er in einer Kistenfabrik beschäftigt war, im Streit aus der Ladeluke des Fabrikgebäudes auf die Straße getoßen. Bei dem Sturze zog sich S. so schwere Kopfverletzungen zu, daß er nach 4 Tagen starb. Das Schwurgericht verurteilte den Angeklagten zu 4 J. Zuchth. Koblenz, 5. März. Die Strafkammer verhandelte 2 Tage lang gegen den Rechtskonsulenten Gottlieb Hoffmann von hier, der angeklagt war, in den Jahren 1910 und 1911 von Paris aus das Anerbieten zur Spionage angenommen und dafür Entgelt erhalten zu haben. Das Urteil lautete auf 1 Jahr und 9 Mon. Gef. Zugleich wurde die sofortige Verhaftung angeordnet. Erwähnt sei noch, daß Hoffmann eine Reihe von Jahren in der Freindenlegion gedient hat. Die Sache hatte vorher bereits das Reichsgericht beschäftigt. Darmstadt, 5. März. In der Verhandlung des Schwurgerichts wegen der Studventenausschreitungen am 13. Nov. 1912 fällten die Geschworenen gestern abend 10 Uhr den Wahrspruch. Der Ingenieur Bahr aus Soldin, der den Studenten Weise aus Czenstochau bei der Schlägerei erschlagen hat, wurde mit 1 J. 3 Mon. Gef., der Student Allstaedt aus Frankfurt=Main mit 3 Mon. und Bauer aus Rußland mit 3 Wochen bestraft. Aus Westdeutschland. nach 5 Minukamen mit dem Die Lage auf dem Balkan. Die Friedenshoffnungen. Sicherem Vernehmen nach sind die Mächte dahin übereingekommen, einer jeden der vier Balkanregierungen eine Kollektivnote zu übergeben, in der von der letzten Erklärung der Pforte Mitteilung gemacht und bei den Balkan=Regierungen angefragt wird, ob sie eine gleiche Erklärung abzugeben bereit sind in welchem Falle die europäischen Mächte die Friedensvermittlung unverzüglich in die Hand nehmen würden. Die Kollektivnote soll entweder heute oder in den nächsten Tagen übberreicht werden. Von einer der Türkei aufzuerlegenden Kriegsentschädigung will das im Orient am meisten interessierte Frankreich nichts wissen. Wie die anderen Mächte sich zu dieser Frage stellen, ist noch unbekannt, dach darf hierbei daran erinnert werden, daß Rußlands Kriegsentschädigung aus den Jahren 1877=78 von der Türkei noch nicht zur Hälfte gedeckt ist. Beschießung von Ganti Quaranta durch die griechische Flotte. Verfiigun März. Gestern vormittag 11 Uhr verließ un Redierund eine Division der griechischen Schlachtflotte in Schlachtordnung den Hafen in der Richtung nach Norden, gefolgt von mehreren Transportschiffen. 1,10 Uhr beschossen die Kriegs Düsseldorf, 5. März. Der Kreistag beschloß, für den nördlichen Teil des Landkreises eine Kleinbahn zu bauen. Danach ist der Bau einer Versonenbahn von Saarn=Mündelheim=Huckingen=Großenbaum= Angermund Lintorf nach Ratingen und einer Güterbahn SaarnHuckingen=Großenbaum=Weddau vorgesehen. Kleve, 5. März. Die Stadtverordneten geneh migten den Haushaltsplan für 1913, der in Einnahme und Ausgabe mit 1 031 800 Mk. abschließt. Duisburg, 5. März. Gestern morgen wurde an der Unterführung der Hohenbudberger Bahn in Meiderich das 19 Jahre alte Mädchen Stilarius aus der Weberstraße erschossen auf gefunden. Wie festgestellt ist, wollten sich das Mädchen und ihr Bräutigam gemeinsam das Leben nehmen Der Bräutigam hat die Stilarius durch einen Schuß getötet. Sich selbst brachte er einen Schuß durch die Brust vei. Der Bräutigam ist der 22 J. alte Rottenarbeiter Plinke. Er wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Duisburg, 5. März. Au fdem Neubau des Hahnschen Eisenwerks in Großenbaum stürzte gestern morgen die Eisenkonstruktion des Daches ein. Hierbei wurden 4 Leute getötet und 6 verletzt. Zur Hilfeleistung wurden die Berufs feuerwehr und die Sanitätskolonne herbeigerufen. Hamborn, 5. März. Als vorgestern der 22 J. alte Paul Beier aus der Körnerstraße mit seiner Schwester in Streit geriet und ihn der Vater deshalb zur Rede stellte, ergriff der Junge einen Knüppel und schlug seinem Vater den Schädel ein. Der Sohn flüchtete, wurde aber festgenommen. Rheydt, 5. März. Gestern abend fuhr auf der Grenze von M.=Gladbach ein Jutomobil in ein Fuhrwerk. Der Wagenlenker erlitt so schwere Verletzungen, daß er naten starb. Die beiden anderen Insassen k Schrecken davon. Solingen, 5. März. Die Lohnbewegung der Tapezierer und Dekorateure kann als beendet angesehen werden, nachdem bis heute die sämtlichen Firmen in Solingen, Öhligs und Wald, bis auf vier den Tarif anerkannt haben. Wald, 5. März. Die Stadtverordneten bewilligten"225 000 Mk. für den Bau einer Badeanstalt, die aus Anlaß des Regierungsjubiläums des Kaisers den Namen Kaiser=Wilhelm=Bad erhalten soll. Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten wurde ferner die Beteiligung an der Huldigungsadresse für den Kaiser beschlossen. Köln, 5. März. Von einem Dieb sind gestern einem Kaufmannslehrling auf der Reichsbank 3 Tausendmarkscheine aus der Ueberziehertasche entwendet. Der Polizeibericht bezeichn;t einen 55 jährigen Mann als den Täter, nach dessen Verbleib Ermittelungen angestellt werden. Köln, 5. März. An der Ecke Ehrenstraße=Hohenzollernring ist gestern nachmittag ein Dienstmädchen vor ein Kohlenfuhrwerk geraten und zu Fall gekommen, wobei das 2 jährige Söhnchen eines Apothekers, das das Mädchen im Arme trug, unter die Räder geraten und so verletzt ist, daß der Tod eintrat. Auf der Neußer Straße in Merheim ist ein 3 jähriges Mädchen von einem Fuhrwerk überfahren und tödlich verletzt worden. Saarbrücken, 5. März. Die Stadtverodneten bewilligten 12 000 A zur Einrichtung eines Flugstützpunktes in Saarbrücken und stellten das erforderliche Gelände kostenlos zur Verfügung. Sie bewilligten ferner 50 000 M als Spende zum Regierungsjubiläum des Kaisers zur Unterhaltung einer Waldschule. Saarlouis, 5. März. Bei Reparaturarbeiten an der den Gemeindefehlbetrag auf 480 000 Mk. fest. Er soll gedeckt werden durch Erhebung von 100 Prozent Betriebssteuer und je 225 Proz. der Realsteuern, und, wie bereits seit 15 Jahren, 185 Proz. Zuschlag zur Einkommensteuer. Ferner genehmigte die Versammlung die Weiterführung der elektrischen Straßenbahn von Helbke bei Einsal lenneaufwärts bis zum Empfangsgebäude der Staatseisenbahn hier durch die Westfälische KleinbahnenAktiengesellschaft. Warbur=g, 5. März. Eine schreckliche Eifersuchtszene ereignete sich auf dem Gute Karlsfelden. Der chweizer Winkler unterhielt mit einem Dienstmädchen ein Verhältnis, und glaubte Grund zur Eifersucht zu haben. Als das Personal in der Gesindestube beim Abendbrot saß, drang Winkler plötzlich in das Zimmer ein und eröffnete mit einem Revolver ein Schnellfeuer. Das Mädchen erhielt 2 Kugeln in den Kopf und eine in die rechte Brustseite. 2 Knechte erhielten ebensalls Schüsse und wurden schwer verletzt. Alle 3 Personen liegen auf den Tod danieder. W. wurde verhaftet. Münster, 5. März. Der Ausbau der Universität Münster zu einer Volluniversität wurde in der gestrigen Sitzung der Budgetkommission vom Kultusminister zugeagt. Damit würde ein von der ganzen Provinz Westalen langgehegter Wunsch, der seit 10 Jahren durch die Initiative der Stadt eine intensive, durch reichlicheGeldopfer unterstützte Forderung erfahren hat, in Erfüllung gehen. Beckum, 5. März. Zu dem gemeldeten Eisenbahnzusammenstoß ist noch mitzuteilen, daß der schwerverletzte Heizer Dohl inzwischen gestorben ist. Der Schaffner hat schwere Kopfverletzungen und der Zugführer eine Brustquetschung davongetragen. Der Schaden ist bedeutend. Lüdinghausen, 5. März. In der letzten Sitzung des Kreistages wurde die Abtretung von 20 Aktien des Elektrizitätswerkes Westfalen seiten sdes Kreises an die Stadt Lüdinghausen genehmigt. Wegen des Baues der neuen Strecke Dortmund=Münster und anderen Bahnstrecken im Kreise Lündinghausen beschloß der Kreistag, mit den am Bau interessierten Ortschaften wegen Uebernahme einer Zinsgarantie in Verbindung zu treten. Der Haushaltsplan für 1913 wurde in Einnahme und Ausgabe auf 572 00 M. festgesetzt. on Gießerei der Völklinger Hütte stürzten 2 Arbeiter 12 Meter die Tten habe deien Wider tief ab. Den erlittenen Verletzungen erlagen sie kurz darauf stand geleistet, sondern die Flucht ergriffen. Die griechischen Truppen haben Santi Quaranta besetzt. Die türkische Artillerie wurde vernichtet. Gerichtssaal. Essen, 5. März.(Schwurgericht.) Angeklagt sind die Bergleute Hermann Kumutat, Karl Kamutzki u. Franz Renteleit, sämtlich aus Stoppenberg wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung mit tödlichem Ausgang. Am 13. Oktober 1912 feierten die Angeklagten in der Wohnung des Bergmanns Fritz Kumutat den Geburtstag des Bergmanns Karl Eitschberger. Es wurde eifrig dem Alkohol zugesprochen und mit jungen Mädchen getanzt. 8 Uhr abends ging der Angeklagte Kumutat in eine Wirtschaft, um neue Getränke zu beschaffen. Später kam es zum Streit. Alle 3 Angeklagten verließen hierauf, mit Stöcken versehen, die Kumutatsche Wohnung und gingen nach der Wirtschaft. Als sie hier angekommen waren, verließen gerade die Bergleute Otto Kopisch, Jos. Blumberg und Karl Borowski das Lokal. Die Angeklagten gingen auf sie los und Kamutzki schlug den Otto Kopitsch und Karl Borowski an den Kopf. Schließlich wurde der Bergmann Blumberg zu Boden geschlagen und durch Messerstiche schwer verletzt. Er wurde dem Krankenhause in Stoppenberg zugeführt, wo er an den Folgen des Stiches gestorben ist. Kumutat wird zur Last gelegt, dem Blumberg nicht nur die Messerstiche versetzt, sondern ihm auch Stockschläge gegeben zu haben. Kumutat wurde mit 4 J. 1 Woche Gef., Kamutzki erhielt 50 Mk. Geldstrafe, Renteleit wurde freigesprochen. Bochum, 5. März. Vor dem Schwurgericht hatte sich der Bergmann August Simon aus Hosstede wegen vorsätzlicher Brandstiftung zu verantworten. Dem AngeBochum, 5. März. Prof. Dr. Wullstein hat gestern die Stelle als Chefarzt des Krankenhauses BergSchwerer Unfall bei unserer Marine elgoland, 5. März. Heute nacht ist das Torpedoboot„S. 178“ von ei nem unbekannten Schiffe gerammt und gesunken. Die Zahl der Ertrunkenen ist unoekannt. — Der Unfall gestaltete sich zu einer Katastrophe größten Umfanges. Nur 15 Matrosen wurden gerettet, indessen 50 bis 60 Personen ertrunken sind. Die Unfallstelle befindet sich 2—3 Seemeilen von Helgoland entfernt. Das Schiff, das das Unglück verursachte, ist der Kreuzer York. aller Welt. Der Anschlag auf ein Automobil. Berlin. 5. März. Während nach dem Befunde des Anschlages auf Automobile auf der Chaussee zwischen Schulzendorf=Heiligensee vielleicht angenommen werden kann, daß dumme Jungen den Draht fanden und zu einem Automobilanschlag zu benutzen versuchten, scheint es sich um einen wirklichen verbrecherischen Anschlag zu handeln, der nachträglich aus Brandenburg gemeldet wird und bei dem es die Polizei für zweckmäßig gehalten hat, die Nachforschungen geheim zu betreiben. Am 16. Februar wurde bei Brandenburg ein Landauer plötzlich von einem quer über die Chaussee gespannten Telephondraht aufgehalten. Der Draht schlug demKutscher direkt ins Gesicht, sodaß der Mann schwere Verletzungen davontrug. Eine grauenhafte Tat. Chemnitz, 5. März. Der Schneider Manger hat seinen 11jährigen Sohn und seine 8jährige Tochter durch Beilhiebe ermordet und sich dann selbst im Fensterkreuz erhängt, Mangerlebte seit längerer Zeit von seiner Frau getrennt und dürfte die Tat bereits am Sonnabend aus geführt haben, da man den Mörder und die beiden ermordeten Kinder seit dieser Zeit nicht mehr gesehen hatte. 5 Perso Nürnberg, gestern die Inhaberin 4 Kinder durch Leuchtgas. Schreckliche Bluttat. Paris, 5. März. In St. Florient bei Bastia(Corsi erschoß der Bauer Casole im Streit seinen Bruder und seinen Großvater, verwundete den Bräutigam seiner Schwester und stellte sich hierauf der Gendarmerie. Die Braut als Mörderin. Bei Mako in Ungarn wurde dieser Tage auf dem Bahndamme die von einem Zuge zermalmte Leiche eines jungen Mannes gefunden, der als der 26jährige Mühlenmonteur Johann Nemeth aus Oroshaza festgestellt wurde. Da der Tote in der Hand einen Revolver hatte und die zerstückelte Leiche auch eine Schußwunde aufwies, nahm man zuerst einen Selbstmord an. Die nähere Untersuchung ergab aber, daß Nemeth einem Verbrechen zum Opfer gefallen war. Er hatte sich nämlich während einer Beschäftigung in der Mühle des SzendyHorvath in die Schwester des Mühlenbesitzers verliebt und nannsheil angetreten. Er wurde in Anwesenheit des scheinbar Gegenliebe gefunden. Das Mädchen versprach, seine gesamten Arzt= und Pflegeversonals des Krankenhauses Frau zu werden, unter der Bedingung, daß Nemeth sein Leben auf 8000 Kronen versichern und die Police auf den Namen seiner Braut ausstellen lasse. Darauf wurde Nemeth von den Geschwistern in die Mühle gelockt, dort betrunken gemacht und dann mit Knüppeln totgeschlagen. Horvath schoß dem Toten noch eine Revolverkugel in den Leib, drückte ihm, um den Anschein eines Selbstmordes zu erwecken, den Revolver in die Hand und warf die Leiche auf die Schienen. Die Geschwister wurden verhaftet. Die Braut gestand ohne Spur von Reue das Verbrechen ein und erzählte, daß sie noch acht andere Männer zu Lebensversicherungen auf insgesamt 52 000 Kr überredet und auch alle diese habe ermorden wollen! Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt. Eine sensationelle Entführungsgeschichte, in der eln junges Mädchen die Hauptrolle spielt, wissen Odessaer Blätter zu berichten. Ein 16jähriges Mädchen namens Rogowa, welches im Dorfe Kulickari lebte, verliebte sich in einen im Nachbardorfe wohnenden jungen Mann namens Sari. Dieser wollte jedoch von der Liebschaft nichts wissen. Das Mädchen forderte darauf die Leute ihres Dorfes auf, sich zu bewaffnen und den jungen Mann gewaltsam zu entführen. Diese bemächtigten sich nachts des jungen Burschen und brachten ihn nach ihrem Dorfe. Dort zwangen sie einen Priester, die Trauung der beiden jungen Leute vorzunehmen. Als die Familie des jungen Mannes von dem Ueberfall und der Entführung hörte, begab sie sich mit bewaffneten Leuten ihres Dorfes nadem Hochzeitshause, wo es zu einer furchtbaren S kam. Es gab mehrere Tote und Verwundete. gesamten Arzt= und Pflegepersonals des Krankenhauses von dem Verwaltungsdirektor der Sektion 2 der Knappschaftsberufsgenossenschuft, Regierungsrat Dr. Stöcker, als Nachfolger des verstorbenen Professors Dr. Löbker eingeführt. Herne, 5. März. Die Stadtverordneten bewilligten 825 000 Mk. zur Anlage eines Schlachthofes aus Anleihemitteln. Für einen Schulneubau an der la Rochestraße wurden 103 000 Mk. bewilligt. Ferner wurde die Aufnahme einer Anleihe von 1½ Millionen Mark als Darlehen für die Hafenbetriebsgesellschaft Wanne=Herne bewilligt. Dortmund, 5. März. Die Eingemeindungsbestrebungen Dortmunds sind für die im Kreise Hörde gelegenen Gebietsteile als gescheitert anzusehen. Die Stadt Hörde hat bei Anwesenheit der Ministerialabordnung zu erkennen gegeben, daß in ihrer Stadt keine Neigung für eine Vereinigung mit Dortmund besteht. Hagen, 5. März. Die Stadtverordneten genehmigten die Festordnung für die Jahrhundert=Feier. Danach soll Samstag abend ein großer Fackelzug seitens aller Vereine stattfinden, dem ein Kommers in verschiedenen Sälen der Stadt folgt. Für Montag, der für die städtischen Beamten dienstfrei bleibt, ist ein gemeinsamer Kirchgang der Stadtverordneten vorgesehen, an dem sich eine Festsitzung der Stadtverordnelenversammlung anschließen wird. Altena, 5. März. Die Stadtverordneten stellten ägerei Die Vereine, die sich am Sonntag an dem Festzuge zum Sirrenberge beteiligen, werden hiermit benachrichtigt, daß der Abmarsch vom Schulhof keinesfalls später als 6 Uhr erfolgt.— Von 5 Uhr ab findet am Kriegerdenkmal Promenaden=Konzert statt. Die Festleitung. Realgymnasium i. E. zu Hattingen. Die Anstalt erhält zu Östern dieses Jahres die Oberprima. Sie besitzt dann alle Klassen einer Vollanstalt. Das neue Schuljahr beginnt am Dienstag, den 8. April, morgens 8 Uhr. Anmeldungen nimmt der Unterzeichnete mündlich und schriftlich entgegen. Doch wird den Eltern empfohlen, die Anmeldung moalichn mundlich vorzunehmen. Der Anmeldung ist beizufügen: Geburtsschein, Impfschein bezw. Wiederimpfungsschein, Abgangs-Zeugnis der zuletzt besuchten Schule. Bis zum 19. März ist der Unterzeichnete täglich(außer Samstag und Sonntag) von 11—12 Uhr in seinem Amtszimmer im Realgymnasialgebäude zu sprechen. Zur weiteren Auskunft ist er gern bereit. Der Direktor: Dr. Watenphul. Handwerker=Versammlung. Der Rheinisch-Westfälische Tischler=Innungsverband, Sitz Essen=Ruhr und seine Tischlerinnung Sprockhövel-Haßlinghausen veranstalten am Sonntag, den 9. März, nachm. 4 Uhr im Lokale des Herrn Becker in Haßlinghausen eine Versammlung. In derselben wird der Geschäftsführer des Verbandes, Herr Hugo Kükelhaus, über das Thema: „Das Handwerk u. seine Helbsthülfebestrebungen" sprechen. Nach dem Vortrage findet eine Aussprache statt. Wir laden zu dieser Versammlung auch die Meister der übrigen Handwerkszweige höfl. ein und bitten um rege Teilnahme. Rheinisch-Westfälischer Tischlerinnung SprockTischlerinnungsverband hövel- Haßlinghausen. Sitz Essen=Ruhr. Eine gute Uhr ist das beste 11. 9 27) 3: 8 Konfirmationsgeschenk Ich führe nur bewährte, best erprobte Fabrikate und empfehle als besonders preiswert: Solide Uhren in Nickel, Stahl u. Silber von 6 bis 50 M“, .. mehrjährige gewissenhafte Garantie.“. Emil Neuhaus, Sprockhövel. Unübertroffene Auswahl moderner Goldwaren. Moderne Kolliers von 2 Mk. an Ringe, echt goldene, von 1 Mk. an Broschen, Ohrringe von 50 Pfg. an. Armbänder, Schlipsnadeln und Manschettenknöpfe in jeder Preislage. Kontirmanden gewähre 10 Prozent Rabatt. Restaurant G. Mühlhaus. 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Mts., nachmittags 2 Uhr den 9. März. 1.„Zollstation Nr. 12" (Spannendes Detektivdrama in 3 Akten). 2.„Signallichter" (Wildwest-Drama in 1 Akt) 3.„Sein erstes Gebet" (Drama in 1 Akt) 4.„Moritz und das Liebespulver"(Komödie) Außerdem: 4 humoristische Schlager. Anfang: 3 Uhr. Vorstellung nur für Erwachsene. Zu recht zahlreichem Besuch ladet freundlichst ein G. Zur Jahrhundertieier empfehle: Lampions mit langem Bambustragstook von 13 Pfg. an. Rud. Steinbeck. Slevetise, Sirrenberg Sprookhövel. General=Versammlung am Sonntag, den 9. März cr., nachmittags 4 Uhr. Tages=Ordnung: 1. Zahlung der Beiträge und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht der Revisoren. 3. Rechnungslage u. Entlastung des Schrift- und Kassenführers. 4. Ersatzwahl des Vorstandes. 5. Wahl der Revisoren. 6. Verschiedenes. Der Vorstand. Sollte diese Versammlung nicht beschlußfähig sein, so findet die 2. Versammlung, welche unabhängig von der Zahl der Erschienenen beschlußfähig ist, mit derselben Tages=Ordnung eine Stunde später statt. Lade am Samstag, den 8. März Schweine aus. Casp. Waskönig. Aufforderung. Vereine oder Personen, welche noch Bücher, Noten oder sonstige dem Männer-Gesang=Verein gehörige Utensilien in Händen haben, werden gebeten, dieselben sofort an den Verein zurückzugeben, da sonst gerichtliche Beitreibung erfolgt. Sprockhövel. J. A.: Max Hüttel, Vorsitzender. Landwirtschaftl. Verein Sprockhövel. Bestellungen auf Saatkartoffeln können nur noch bis zum 16. März entgegengenommen werden. Spätere Aufträge werden nicht mehr berücksichtigt. Es werden gekauft: Magnum bonum, Up do date, gelbfl. Industrie, Paulsens Juli, Woltmann und King Eduard. Zur Teilnahme an der am 9. März stattfindenden patriotischen Feier versammeln sich unsere Mitglieder punkt ½6 Uhr nachmittags im Vereinslokale. Fackeln werden dort verteilt. Der Vorstand. der 2. Mannschaft gegen F.=C. „Preußen"=Barmen auf dem Sportplatze am Erlbruch. Der Spielführer. Nachmittags 5½ Uhr, trrten sämtlicher Mitglieder zur Beteiligung an der Jahrhundertfeier. Fackeln werden gestellt. Der Vorstand. Jugendbund. Sonntag, den 9. d. Mts., treten die Mitglieder und die Kapelle zur Teilnahme an der Jahrhundertfeier nachmittags 5½ Uhr an. Aus gabe der Fackeln. Der Vorstand. Ziegenzucht-Verein N.-Sprockhövel. Mitglieder, die Bedarf in Pflanz=n. Futterkartoffeln haben, werden ersucht, die Bestellung im Vereinslokal oder bei dem Kassierer zu machen. Die Produktenkommission. Theafer. Barmen. Donnerstag:„Tristan und Isolde". Oper. Rot 2. Freitag:„Herrgottsmusikanten" Lustspiel. Blau 1. Samstag:„Alt-Heidelberg“. Schauspiel. Sonntag, vormittags 11 Uhr: „Belinde", Liebesstück. Nachmittags 3 Uhr:„Die Afrikanerin", große Oper. Abends 7½ Uhr:„Der Landstreicher", Oper. Rot 1. Montaa: Prolog. Hierauf: Prinz Friedrich v. Homburg. Elberfeld. Donnerstag:„Lokomotivführer Clausen".(Im Dienste des Verkehrs). Schausp. 2(grün). Freitag:„Die Hugenotten". Gr. Oper. 1(blau). Samstag:„Ipyigenie auf Tauris", Schauspiel. Sonntag, nachmitt. 3¼ Uhr: Unbestimmt. Abends 7 Uhr:„Die Hugenotten", gr. Oper. 2(gelb). Hierzu: 2. Blatt u.„Deutsche Mode". Sprockhöveler Zeitung Jede Woche 3 wertvolle Gratis=Beilagen. Amtlicher Anzeiger für das Amt Sprockhövel. Jede Woche 3 wertvolle Gratis=Beilagen biddinghausen, Hablinghausen, Herzkamp. Schee, Htüter, Holthausen, Buchholz, Flankenstein, Durchholz, Vormholz Erscheint Dienstag, Donnerstag und Samstag. preis pro Monat frei ins Haus 50 Pfg. im voraus, durch die Post bezogen 1.50 Mk. pro Vierteljahr ausschl. Bestellgeld. Druck von Rudolf Steinbeck, Sprockhovel. Verantwortlicher Redakteur Rudolf Steinbeck, Sprockhövel Aintuaungsribuyt im Inseratenten 5 1 spaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., im Reklameteil 10 Vi. Nei größeren Aufträgen Rahatt Nr 28 Telegr.=Adr.: Zeitung Sprockhövel. Vonnerstag, den 6. März 1913 mbieche! Ami Salti a 16 2. Blatt. Gekreuzte Klingen. Roman von Hermann Jensen. Nachdruck verboten. Was erwartest du im Osten zu gewinnen oder auszurichten? Siehst du nicht ein, daß unsere Sache da drüben verloren ist? Vielleicht haben dich die letzten Telegramme glauben machen, daß sich das Kriegsglück wenden will; aber es wird nicht geschehen; ich versichere es dir; Mischtschenko hat eine tapfere Tat ausgeführt; aber seine Kosaken werden gesprengt werden, und Nogi wird sich mit Oyama trotz aller Kosaken auf der Welt vereinigen. Sei davon überzeugt! Seid ihr denn blind? Ist ganz Petersburg blind, daß ihr nicht sehen könnt, wie hoffnungslos unser Kampf ist?: Die breiten Schichten des Volkes haben es gesehen oder besser, sie haben es mit einer Art tierischem Instinkt gefühlt; aber wir andern, wir wollen nicht sehen. Ich habe Vorstellungen gemacht, solange es noch Zeit war. Ich habe ihnen gesagt, wie es enden müsse, und— Paul, wenn nicht der Zar seine Hand über mich gehalten hätte, sie würden mich, weiß Gott, verbannt haben. Rußland hat in diesen Tagen sein Ohr der Wahrheit verschlossen, und es wird Blut, viel Blut fließen, ehe es sie wieder hören will. Verstehst du denn nicht, daß ich dich zurückhalte trotz deiner halsstarrigen Lust, am Kriege teilzunehmen? Nicht im Östen, sondern hier hat der Zar Verwendung für seine Gelreuen. Es gärt überall in unserem alten Vaterland, und wir haben es lunge unterlassen, darauf zu achten. Wir leben in einer bösen Zeit, Paul. Die Gesetzlosigkeit gewinnt die Oberhand. Die unteren Klassen wollen Herren sein und die Macht an sich reißen von denen, die zum Regieren geboren sind. Fremde, denen jede Kenntnis unseres Landes und unseres Volkes fehlt, schüren die glimmende Glut und suchen an die schlechten Instinkte unserer Arbeiter zu appellieren. Selbst in der Armee gibt es feige Meineidige, die Unfrieden stiften wollen. Von allen Seiten droht unserem Vaterlande Vernichtung. Glaubst du also, daß du das Recht hast, den Boden zu verlassen, auf dem du geboren bist, und die Menschen im Stiche zu lassen, die deine Erziehung überwacht haben? Selbst gegen den Thron erheben freche Aufrührer die Hand. Menschen, denen nichts heilig ist, wagen es, die Unverletzbarkeit des Zarentums anzugreifen. Paul! Dein Vater gehörte zu denen, die sich um den Thron scharten; dein Großvater fiel im Dienste des Zaren, und dein Urgroßvater rettete einmal das Leben seines Herrschers. Du bist altem Blut entsprossen; du gehörst einem Geschlecht an, dessen Name in der Geschichte Rußlands verzeichnet ist. Bedenke, mein Junge, Adel verpflichtet! Zwei Söhne hatte dein Vater. Der eine hat seinen Namen vergessen. Es ist an dir, diesen Namen rein und unbefleckt zu erhalten, damit nicht einmal dein Sohn seinen Vater verfluchen soll! Es stehen dir zwei Wege offen, und beide scheinen gleich ehrenhaft zu sein. Du brauchst bloß das Wort auszusprechen, und dein Gesuch wird von heute auf morgen bewilligt werden. Du wirst dich am Kampfe um einige ferne Landesteile beteiligen, die verloren sind und verloren bleiben werden, weil wir einen Augenblick vergaßen daß sie durch die Klugheit der Diplomaten erworben und festgehalten werden sollten und nicht durch Schwertschlag. Ober— du bleibst hier und nimmst an einem andern Kampf teil, fürchterlicher und erbitterter als der erste, ein Kampf, so roh und brutal, wie ihn die Welt vielleicht nie erlebt hat. Deine Feinde werden deine Sprache reden; möglicherweise wirst du Freunde und sogar Verwandte unter ihnen sehen, und es kann deine Pflicht werden, das Kommando zu geben:„Achtung! Feuer!“ gegenüber denjenigen, denen du am Tage vorher noch die Hand gedrückt hast. Ich sage dir das, damit du weißt, was dieser Kampf bedeutet; aber du mußt auch bedenken, daß du für das Teuerste auf Erden kämpfest, für unser heiliges, altes Rußland.“ Es war ein Beben wie von unterdrücktem Weinen in seiner Stimme, als er die letzten Worte aussprach, und er stützte den Kopf schwer in die rechte Hand. Es war einige Minuten ganz still im Zimmer. Da erhob sich Paul. Seine Augen glänzien feucht, und seine Hand zitterte ein wenig; aber er hatte einen entschlossenen Zug um den Mund, der bewies, daß er gewählt hatte und daß sein Entschluß unerschütterlich war. Mit sicheren Schritten trat er an den Schreibtisch und nahm sein Gesuch in die Hand. Ritsch! Und ein Regen von weißen Papierfetzen senkte sich wie ein Schneeschauer auf den dunklen Teppich des Bodens. ** * „Du bist zurückgekehrt, Dimitrij!" Oberst Iswetzkow stand im Arbeitszimmer seines alten Kameraden Trepow, gleichen Tages, als der frühere Polizeipräfekt von Moskau sein neues Amt als Generalgouverneur von Petersburg übernommen hatte.„Und du kommst in einer glücklichen Stunde", fügte er hinzu, indem er seinem Freunde die Hand reichte. Der andere lachte kurz.„Ja, und ich bin wohl willkommen. Die ganze Hauptstadt jubelt mir entgegen. Trepow! Der Mörder! Der Bluthund! ertönt es auf allen Straßen und Gassen. Na, mögen sie heulen! Du und ich haben schlimmere Stürme überstanden!“ „Nicht schlimmer! Nicht schlimmer!" Der Oberst setzte sich und sah den Generalgouverneur ernst an, dessen hohe Stirn tief gefurcht war.„Strenge Zeiten haben wir zusammen durchlebt, du und ich; sie haben ihre Spuren bei uns beiden hinterlassen; aber ich fürchte, daß uns das Schlimmste noch bevorsteht.“ Trepows Gesintszüge drückten eine gewisse Spannung aus.„Du meinst also—" „Ich weiß! Erinnerst du dich noch unseres letzten Gesprächs?" Trepow nickte:„Wie, hätte ich das vergessen sollen?" „O nein! So wirst du wissen, daß ich damals behauptete, unsere Feinde wären nicht dort zu suchen, wo du glaubtest, sondern ganz anderswo. Ich behauptete, daß mehr als drei Viertel unserer politischen Verbrecher absolut unschädlich wären und losgelassen werden könnten ohne die geringste Gefahr für den Staat, und— die Zeit hat mir recht gegeben. Glaube nur nicht, daß es unsere eigenen„Revolutionsmänner" sind, die für den Augenblick hier in der Hauptstadt„Revolte" machen, und daß es sich hier um eine gewöhnliche russische Revolte handelt, die du niederschlagen sollst! Die meisten meinen es, selbst diejenigen, die an den Aufzügen teilnehmen. Aber ich kann dir versichern, es werden hundert ähnliche„Aufstände" in allen Städten Rußlands und vielleicht sogar in den Landdistrikten entstehen, ehe wenige Tage verstrichen sind. Das Ganze ist mit einer Umsicht und so großzügig geplant, daß es jedem denkenden Menschen einleuchten muß— jedem, der einigermaßen weiß, was dazu gehört— daß es nicht Russen sein können, die das alles in Szene gesetzt haben. Nein, leider! Wollte Gott, es wäre so! Es sind nicht die Studenten, welche die Schuld trifft. Ach, du lieber Gott, die müssen ja immer wegen diesem oder jenem Spektakel machen! Ihnen gegenüber haben wir den größten Fehler begangen, daß wir zuzeiten ihre Knabenstreiche ernst nahmen. Auch mit der großen Streikbewegung haben wir es hier nicht zu tun, obschon es anfangs den Anschein hatte. Einer solchen gegenüber möchte ich Passivität empfehlen. Unsere Arbeiter haben weder Mittel noch Aufklärung genug, um auszuhalten, wie es ihre Genossen in Westeuropa jetzt vermögen. Nein, wäre nichts anderes als das vorhanden, so säßen du und ich nicht hier, um über dieses Thema zu debattieren. Nein, es ist wenigstens einmal eine wirkliche Revolution, die aufgeführt werden soll. Unsere braven, friedlichen Muschicks wollen nach französischem Muster Revolution machen. Und wir und alle Welt sollen glauben, daß sie das selbst erfunden hätten. Aber es ist unmöglich. Wir haben sie früher Revolten machen sehen; aber wir haben es nie erlebt, daß sie 4000 bis 5000 Mann zu verlieren und doch fortzufahren vermocht hätten. Und noch eins: Woher nehmen sie das Geld? Hast du darüber nachgedacht?" Er stand auf und stemmte die Knöchel hart gegen die Tischplatte. Seine Augen funkelten, und seine Worte kamen fast zischend:„Es sind diese verfluchten—“ Trepow hob warnend die Hand:„Still! Still! Laß das lieber unausgesprochen. Ich verstehe dich ja ohnedies, und es könnte der Tag kommen, wo wir beide bereuen müßten, diese Worte gesprochen zu haben.“ Der Oberst setzte sich. Dann fuhr er fort:„Sie sind unsere Feinde; aber wir vermögen sie kaum zu treffen. Die ganze leitende Presse Europas ist in ihren Händen, und sie haben Geld! Augenblicklich scheinen sie es darauf abgesehen zu haben, uns so viele Schwierigkeiten als möglich zu bereiten; darum unterstützen sie unsere Revolutionäre, die ohne sie nichts auszurichten vermöchten, weil ihnen Geld und wieder Geld fehlt— das in unserem Lande so unendlich viel zu bedeuten hat. Nun weißt du, wie die Sachen stehen und warum du hierher berufen worden bist. Ich machte Seiner Majestät dem Kaiser den diesbezüglichen Vorschlag; denn wenn es in Rußland einen Mann gibt, der das Land zu retten und das Zarentum heil durch diese Krise zu führen vermag, so ist es der Mann Dimitrij Trepow.“ Oberst Iswetzkow schwieg, und einige Sekunden lang vernahm man nicht einen Laut. Dann erhob der Generalgouverneur den Kopf.„Du vergissest etwas, Alexander Grigorewitsch! Du vergissest den Mann zu nennen, der am meisten für diese große Sache bedeutet. Derjenige, den du erwähnt hast, ist nur das Werkzeug in den Händen eines anderen, und dieser andere ist zu klug, sich den Blicen der Menge offen zu zeigen. Soll ich dir seinen Namen nennen? Du schüttelst den Kopf. Nun gut! Aber glaube nur nicht, daß ich ganz unbekannt bin mit dem, was in den letzten Jahren in der Hauptstadt vorgegangen ist. Es gab eine Zeit, da ich nicht begriff, warum deine Karriere beim Grad eines Obersten aufhörte. Damals war ich dumm, dumm, wie so viele andere es noch heutigen Tages sind. Später verstand ich und bereute, nicht deinem Beispiel gefolgt zu sein. Was bin ich? Ein großer Mann, nicht wahr? Henker und Mörder nennt mich der Pöbel. Ein Mann, der sich ohne Bewachung nicht auf der Straße zeigen darf. Das ist der Lohn, den ich mir mit den Generalsabzeichen gewann. Und du! Du bist schlecht und recht ein Oberst, ein braver, einfacher Regimentschef, zu dem viele aufsehen und den wenige hassen. Und doch steht hier niemand näher dem——“ Iswetzkow unterbrach ihn heftig:„So! Lasse es genug sein. Ich hoffe nicht, du meinst——“ Der andere lachte:„Nein! Ich meine nichts. Ich glaube nur, daß wir recht bald einander verstehen lernen. Wenigstens glaube ich kühn den Instruktionen folgen zu können, die du mir in Form„freundschaftlicher Ratschläge" mitteilst. Also, was verlangt man von mir?" „Eine feste Hand.“ „Die pflege ich zu haben. Weiter?" „Der Aufruhr muß im Keim unterdrückt werden!“ „Kartätschen also?"—„Genügen nicht." „Nun—?“—„Es bedarf mehr. Wir haben drei Parteien zu bekämpfen. Die eigentlichen Anstifter rechne ich nicht mit; sie befinden sich außerhalb unseres Bereichs. Aber sonst haben wir drei: Die revolutionäre, die wohl ihre Haut beizeiten in Sicherheit zu bringen weiß, die Arbeiter, die augenblicklich Barrikaden bauen und wahrscheinlich von ihrer Verteidigung träumen, und endlich der Pöbel, der große Haufe, der von den Revolutionskomitees dafür bezahlt wird, um das Wasser zu trüben. Deine Kartätschen würden die beiden letzteren Parteien und nicht die erste treffen, und namentlich würden sie auch nicht überzeugend genug auf die vielen Gleichgültigen unter dem Mittelstand wirken, das heißt alle jene Leute, die vor allem mit den„Freisinnigen" sympathisieren, wenn sie sie auch nicht direkt stützen. Sie bilden einen Teil der „öffentlichen Meinung"— einen nicht ganz unwesentlichen Teil— und den dürfen wir nicht vergessen." „Was soll ich tun? Was verlangst du?" Der Oberst beugte sich vorwärts und dämpfte seine Stimme zum Geflüster, als er antwortete:„Du mußt Klasse drei benützen, den Pöbel. Er ist für den Höchstbietenden käuflich. Mache eine vorsichtige Auswahl und sichere dir die Schlimmsten unter dem Auswurf. Organisiere sie zu gesetzlosen, gesetzesbeschützenden Banden. Das klingt zwar paradox; aber versuche es Lasse Petersburg fühlen, was es heißen will, wenn die Hefe der Stadt in ungezwungener Freiheit losgelassen wird, und ich zweisle nicht, daß ihnen das die Lust zu weiterer Revolution nehmen wird. Nachher magst du die Barrikaden mit Kartätschen räumen." . a Es pochte, und Paul fuhr mit einem Satz aus dem Bett auf. Seine Hand griff ohne Zögern nach dem Revolver, der an der Wand hing, und mit seltsam scheuen, blutunterlaufenen Augen starrte er nach der Tür. Aber da besann er sich, und über das müde, übernächtigte Gesicht glitt ein trauriges Lächeln. Ach, du lieber Gott, wie nervös er in der letzten Zeit doch geworden war. „Herein!" Die Tür ging auf, und ein junger Kavallerieoffizier erschien. Mit seinen kurzen Säbelbeinen durchschritt er das Zimmer. „Was bringt dich hierher, Nazarow?" Der Angeredete antwortete nicht, sondern steuerte ohne weiteres nach einem Schrank, den er öffnete. Einen Augenblick später förderte er eine Flasche und zwei Gläser ans Tageslicht. Darauf setzte er sich bequem in einem Stuhl zurecht, füllte die Gläser und wandte sich an Paul.„Prosit, du! Ja, du siehst, ich kenne das Terrain, obschon ich verdammt lange nicht mehr hier gewesen bin. Und— Tod und Hölle— ich wünsche dir Glück! Du machst Karriere, wie es scheint!“ Paul lächelte, aber ohne Leben. Der andere fuhr fort:„Ich möchte mich an deine Stelle wünschen, Paul. Verteufelte Karriere, wenn du die Ohren offen hältst und keine Dummheiten machst! Adjutant bei Trepow! Ich möchte mein Kapitänsabzeichen fortwerfen und mit dir tauschen, wenn es sich tun ließe." Er leerte sein Glas und füllte es wieder. Da bemerkte er, daß Paul das seinige nicht angerührt hatte.„Was, Teufel—“ begann er; aber als er den müden, abgequälten Ausdruck des jungen Mannes bemerkte, unterbrach er sich, und mit einer Milde, die man dem etwas hochfahrenden und volternden Kapitän kaum zugetraut hätte, beugte er sich über den Freund.„Was hast du, Paulchen? Was ist dir im Weg?" Die Stimme war vom dröhnenden Baß in einen weichen, teilnehmenden Ton übergegangen. Es war, wie wenn eine Mutter mit ihrem kranken Kind spräche. Paul fühlte den beruhigenden Klang dieser Stimme und schloß die Augen. Ein eigentümliches Sicherheitsgefühl kam über ihn. Es war so wohltuend, einen Kameraden um sich zu haben, und— so schlief er ein. Kapitän Nazarow blieb still und unbeweglich sitzen. Nur einmal bückte er sich über den Schlafenden und betrachtete das bleiche Gesicht, das jetzt wie das eines unglücklichen Kindes lächelte. Es verging eine Stunde, es vergingen zwei, aber der Kapitän verließ den Platz am Lager des Freundes nicht. Erst nach drei vollen Stunden erwachte Paul und setzte sich aufrecht, indem er verwundert ausrief: „Du hier?" Der andere lachte:„Ja, du bist ein netter Wirt! Da legst du dich zum Schnarchen nieder, während ich dich mit meinem Besuch beehre. Nun, hast du jetzt ausgeschlafen?" „Ja, Dank!“ Und indem seine Augen groß und starr wurden, fragte er:„Hast du jemals erfahren, was es heißen will, nicht schlafen zu dürfen?" Und als der Gefragte verneinend den Kopf schüttelte, fuhr Paul fort: „Dann ahnst du nicht, welche Qual es ist. Vier Nächte lang bin ich hier in der Stube auf und ab gewandert, Stunde um Stunde, bis ich todmüde war; aber sobald ich mich niederlegte, war die Müdigkeit wie fortgeblasen, und kein Schlaf kam in meine Augen. Ich durfte nicht schlafen. Es war, als sähe ich überall lauernde Gestalten; der eiskalte Schweiß perlte auf meiner Stirn, und ich konnte nicht liegen bleiben. Ich mußte aufstehen und das Licht anzünden. Und ich begann meine Wanderungen von neuem, bis der Tag graute. Erst da genoß ich ein paar Stunden unruhigen Schlummers." (Fortsetzung folgt). Reichstag. Am Bundesratstisch: Staatssekretär von Tirpitz und zahlreiche Kommissare.— Die 2. Beratung des Marineetras wird fortgesetzt. Aba. Noske(Soz.): Noch niemals ist eine Etatsberatung mit soviel Selbstgefälligkeit und so wenig politischer Einsicht gepflogen worden, wie die jetzige. In rasendem Tempo haben sich unsere Flottenausgaben verdreifacht. Ich erkenne auch an, daß Organisationstalent und Technik ein gewaltiges Werk des Krieges geschaffen hat. Die Rechte und die Vertreter der besitzenden Klassen überhaupt haben wohl stets die Kosten bewilligt, zum Bezahlen sind sie aber nicht besonders bereit gewesen. Auch angesichts der bevorstehenden Heeresverstärkung zeigt sich wenig Opferfreudigkeit in ihren Reihen. Wenn es sich um kulturelle Zwecke handelt, z. B. um die Herabsetzung der Altersgrenze bei der Altersversicherung dann wird uns immer entgegengehalten, es sei kein Geld vorhanden. Unbrauchbare Schiffe wollen auch wir nicht auf See schicken, wir beklagen nur, daß man es nicht verstanden hat, den Rüstungstreibereien unter den Großmächten Einhalt zu tun. Anzuerkennen ist, daß der Marineetat so übersichtlich ist wie kein anderer. Die Ausgaben für die Offiziere und Mannschaften sind erheblich gestiegen; auch der Pensionsfonds ist bedeutend angewachsen. Daß die Kaiserjacht Flottenzwecken zu dienen hat, können wir nicht zugeben. Die außerordentlichen Gewinne der Panzerplattenfabrikannten geben uns zu bedenken, wenn sich die Preise noch immer übergroß stellen. Die Arbeiterschaft hat kein Interesse an dem Wachsen der Marine, umsomehr, als sie bereit ist, bei einem Seemannsstreik Streikbrecherdienste zu leisten und wo von der Marineverwaltung die Hand dazu geboten wird, Geschäftsleute zu boykottieren. Die Zahl der Mißhandlungen und der sich daraus ergebenden Selbstmorde hat erheblich zugenommen. Den R''üstungstreibereien der gewerbsmäßigen Hetzer muß ein Riegel vorgeschoben werden. Unser Streben ist auf den Frieden gerichtet und die sichere Gewähr und die Bürgschaft für den Frieden erblicken wir in dem Anwachsen des kraftbewußten Proletariats. Wir lehnen den Flottenetat ab.— Staatssekretär von Tirpitz: Solange wir eine Marine haben, haben wir auch eine Kaiserjacht gehabt. Eine Verfassungswidrigkeit ist in dieser Hinsicht nicht zutreffend. Von einem übergroßen Gewinn der Firma Krupp kann keine Rede sein; Daß die Arbeiter nichtsvon dem Gedeihen unserer Marine hätten, trifft nicht zu. 80 Prozent sämtlicher Ausgaben entfallen auf Löhne. Abmachungen sind mit dem Reichsamt des Innern allerdings dahin getroffen worden, daß bei einem internationalen Seemannsstreik unsere Marinemannschaften einzuspringen hätten. Unfälle sind nicht zu vermeiden; mit derartigen Verlusten, wie wir sie leider bei den kriegsmäßigen Fahrten gehabt haben, müssen wir rechnen, namentlich bei Manövern mit abgeblendeten Lichtern. Die Ausgaben für die Marine halten sich in horizontaler Richtung. Eine absolute Steigerung der Ausgaben ist nicht anzuerkennen. Dafür haben wir den Anleihezustand beseitigt. Wir haben aber weit mehr als 40 Jahre Frieden. Wenn Herr Noske darüber klagt, daß durch die Rüstungen kein Geld übrig bleibe für soziale Zwecke, so hat er es vergessen, anzugeben, welcher Staat verhältnismäßig mehr ausgibt für soziale Zwecke als Deutschland. Darauf kommt es an.— Abg. Struwe (Fortschr. Vp.t.): Die Ausdehnung der Strafgewalt auf niedrige Offiziere ist dringend nötig. Die Deckoffiziere sind das Rückgrat der Marine, sie müssen möglichst durch auskömmliche Besoldungen im aktiven Dienst gehalten werden. Hinsichtlich der Tafel= und Kommandogelder sind wir dem Staatssekretär wegen seiner Haltung dankbar.— Abg. Erzberger(Ztr.): Herr Noske hat sich in seinen langen Ausführungen mit meinen kurzen Erklärungen vom Samstag beschäftigt. Die Haltung des Zentrums in der Tafelgelder-Angelegenheit ist durchaus konsequent. Ein sozialdemokratisches Mitglied der Kommission war auch mit unserem Antrag einverstanden. Mit unserem Antrag der 2jährigen Dienstzeit ist es uns vollkommen Ernst. Die Gegengründe des Staatssekretärs kann ich nicht als durchschlagend anerkennen. Wekm der Abg. Noske hier mit allerhand Wünschen für die Marine und die Mannschaften kommt und zum Schluß erklärt, den ganzen Etat ablehnen zu wollen, dann hat seine ganze Rede für das Parlament keinen Wert. Mit unserem Eintreten für eine starke deutsche Flotte dienen wir ganz entschieden am besten dem Volkswohle.— Abg. Noske(Soz.): Daß die beschäftigten Arbeiter keinen Vorteil von dem Schiffsbauen hätten, haben wir niemals behauptet. Wir behaupten nur, daß das für die Marine ausgegebene Geld besser für kulturelle Zwecke verwen det würde. Das Zentrum sollte einmal mit Ernst seinen For derungen Nachdruck verleihen und seine Abstimmungen nach seinen Worten einrichten.— Damit schließt die Generaldebatte. Das Gehalt des Staatssekretärs wird bewilligt. Der Antrag auf Wiederherstellung des ursprünglichen Etats, wo nach 6 Departementsdirektoren an Stelle der von der Kom mission beschlossenen 5 bewilligt werden sollen, wird abgelehnt.— Es bleibt somit bei dem Abstrich.— Die Resolution der Fortschrittlichen auf Vereinheitlichung der Laufbahn der Marineverwaltungsoffiziere und Beamten wird angenom men. Ebenso wird eine Kompromißresolution auf Berücksichtigung der Heimarbeiter bei Vergebung von Marinelieferungen angenommens— Eine ganze Reihe von Titeln wird ohne Debatte bewilligt.— Beim Titel Rechtspflege wird gemäß den Beschlüssen der Kommission ein Kriegsgerichtsrat gestrichen. — Eine Resolution der Kommission auf Verbesserung der Ge nicht hatten, samtstellung der Deckoffiziere sowie Einführung der 2jährigen Breitenbach: Mit den ermäßigten Tarifen Dienstzeit werden angenommen.— Die weiteren Kapitel wer und Gerste den nach den Beschlüssen der Kommission bewilligt.— Beim Kapitel Instandhaltung beantragt die Kommission, blinde Tafelgelder nicht mehr zu bewilligen. Das Haus beschließt entsprechend.— Beim Kapitel Kleidung führt der Abg. Albrecht(Soz.) aus: Es wird geklagt, daß aus Sparsamkeitsrücksichten in den Bekleidungsämtern anstatt Männer in großem Maße Frauen beschäftigt werden, die außerordentlich schlecht bezahlt werden. Auch die hygienischen Verhältnisse der Werkstätten lassen viel zu wünschen übrig.— Vizeadmiral van Capellen: Auf die Nähfrauen, die lediglich eine Wohlfahrtseinrichtung sind, können wir nicht verzichten. Da die Matrosen ihre Uniformen selbst zu bezahlen haben, müssen wir darauf sehen, daß die Uniformen höchst billig hergestellt werden. Insofern besteht allerdings bei un sein Sparsamkeitsprinzip. Die Löhne sind für sämtliche Kategorien der Arbeiter erhöht worden. Es trifft nicht zu, daß 25 Prozent unserer Arbeiterschaft lungenkrank ist. Die hygienischen Zustände unserer Werkstätten sind auch von Herrn Noske als tadellose erklärt worden.— Abg. Giesberts(Ztr.): Die Wünsche der Heimarbeiter, die in der Kompromißresolution niedergelegt sind, sollten auch in den Bekleidungsämtern berücksichtigt werden.— Vizeadmiral von Capellen: An tung der Flotte und der Werften liegt eine Resolution der Budgetkommission, sowie eine der Fortschrittlichen Volkspartei vor, in denen verlangt wird, daß das Petitionsrecht der Beamten, Angestellten und Arbeiter in den Betrieben der Marine in keiner Weise beeinträchtigt werde.— Abg. Brandes=Halberstadt(Soz.): Die Bestimmung, daß sozialdemokratische Agitatoren in den Werkstätten nicht beschäftigt werden dürfen, führt zu den schlimmsten Denunziationen. Das Petitionsrecht der Arbeiterschaft muß möglichst erweitert werden. — Staatssekretar von Tirvitz: Die Beteiligung von Lehrlingen an politischen Organisationen können wir nicht dulden. Mit Politik haben sich Jugendliche nicht zu beschäftigen. Die Wünsche der Arbeiterausschüsse werden von uns geprüft werden. Die Löhne in Unseren Betrieben sind derartig, daß wir uns trotz der Hochkonjunktur kaum des großen Andranges der Arbeiter erwehren können.— Abg. Weinhausen(Fortschrittl. Vpt.): Das Akkordsystem muß möglichst eingeschränkt werden. Die Vorschrift, wonach sozialdemokratische Agitatoren nicht auf Werften beschäftigt werden, müßte dahin geändert werden, daß jede agitatorische Tätigkeit unterbunde wird.— Abg. Giesberts(Ztr.) beantragt Vertagung. Diese wird beschlossen. Nächste Sitzung Dienstag. Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus. Berlin, 3. März. Auf der Tagesordnung steht die 2. Beratung des Eisenbahnetats. Zunächst fand eine allgemeine Besprechung über die finanztechnische und wirtschaftliche Seite des Eisenbahnetats statt. Berichterstatter Abg. Hirschessen referierte über die Verhandlungen der Kommission. Abg. Graf von der Gröben(Kons.): Es ist anzuerkennen, daß die Verkehrsleistungen ohne entsprechende Steigerung der Betriebsleistungen erheblich gestiegen sind. Inbezug auf die Sicherheit des Betriebes marschieren wir an der Spitze sämtlicher Staaten. Wir sind mit dem Minister darin einverstanden, daß Tarifmäßigung.n in besonderen Fällen gewährt werden, beispielsweise für das Transportgebiet vom Saarrevier nach dem Ruhrrevier. Wir begrüßen es daß die Anstellungsverhältnisse der Unterbeamten sich gebessert haben. Aba Schmedding(Ztr.): Der Landeseisenbahnrat hat die ermäßigten Kohlenausfuhrtarise abgelehnt und hat damit keine weitausschauende Politik getrieben. Das kann dahin führen, daß England uns die Absatzgebiete für Kohlen abnimmt. Wir sind erfreut, daß der Minister der Forderung nach Vermehrung der Arbeitskräfte im großen Umfang gerecht geworden ist. Abg. Macco(Ntl.): Die deutsche Eisenbahngemeinschaft ist zwar ein schönes Ideal, jedoch ist vo:läufig'wenig Aussicht vorhanden, es in die Praxis überzuführen. Inbezug auf Betriebsleistung hat die Eisenbahnverwaltung Erfolge in steigendem Maße aufzuweisen. Der Güterverkehr ist etwas vernachlässigt worden. Im Güterverkehr liegt das Hauptmittel für die Rentabilität der Eisenbahnen. Wir wünschen Gütertarifermäßigungen in weiterem Maße, als es jetzt der Fall war. Wir bedauern, daß die Kohlenausfuhrtarife noch nicht wieder eingeführt sind. Der Bewältigung des Massenverkehrs sollte der Minister sein Hauptaugenmerk zuwenden. Frhr. von Zedlitz(Freik.): Der Minister will ermäßtgte Tarife zwischen doer Mosel und Ruhr einführen. Solche ermäßigten Tarife sind auch zur Erleichterung der Absatzverhältn'sse des niederschlesischen Revters notwendig. Minister von Breitenbach: Wir rechnen damit, daß wir gegenüber dem Vorjahre eine M-ehreinnahme von 150 Millionen Mark erzielen. Man kann nicht sagen, daß die Ausgaben in ungesundem Maße stiegen. Infolge dieser günstigen Zeitlage ist es möglich, daß sich der Ausgleichsfonds nach Abzug der 60 Millionen des Nachtragsetats Ende des Etatsjahres 1912 auf etwa 300 Millionen Mark beläuft. Bei dem außerordentlich gesteigerten Verkehr und bei=der Erscheinung des Wagenmangels im letzten Herbst, muß auf eine weitere Ausgestaltung des Apparates für die nächsten Jahre Bedacht genommen werden. In der Frage, ob es notwendig ist, die Kohlenausfuhrtarife nach Frankreich, Jalien und der Schweiz wieder einzuführen, waren die Auffassungen von jeher schwankend. Die Entwickelung des Ruhrkolenverkehr nahm bis 1910 ab und begann erst wieder 1911 zu steigen. Die Wiedereinführung der ermäßigten Ausfuhrtarife wurde vom Landeseisenbahnrat seinerzeit abgelehnt. Die Entscheidung meinerseits ist noch nicht getroffen. Die Frage der Tarifermäßigung für Schlesien wird sorgfältig geprüft. Abg. Pachnicke(Fortschr. Vpt.): Die Reform der Fahrlartensteuer ist leider in die Ferne gerückt. Wenn sie kommt, darf die 4. Klasse nicht berührt und die 3. muß möglichst geschont werden. Abg. Ströbel(Soz.): Bei der Tarifreform sollte die 1. Klasse, die den Luxusbedürfnissen entspricht, in Wegfall kommen. Abg. Hammer(Kons.): Durch den gemeinsamen Warenbezng der Beamten wird den Handwerkern und Kaufleuten große Konkurrenz gemacht. Abg. Herold(Ztr.): Wir wünschen, daß die ermäßigten Tarise für Gerste und Mois auf dem Dortmund=Ems=Kanal, die den erwarteten Erabgeschafft werden. Minister von für Gerste auf dem Dortmund=Ems=Kanal sind die landwirtschaftlichen Interessenten einverstanden. Ich betonte bereits, daß an einer Aenderung der Fahrkartensteuer in absehbarer Zeit nicht zu denken sei. Falls eine Reform kommt, muß darauf Bedacht genommen werden, die erste Klasse wieder stärker nutzbar zu machen. Die 4. Klasse auch bei Eilzügen einzustellen, die viele Stationen überfahren, ist nicht zweckmäßig. Abgeordn. Friedberg(Natl.): Bei der gegenwärtigen Höhe des Ausgleichsfonds sind Steuerzuschläge nicht nötig. Im Interesse der Volkswirtschaft ist eine generelle Ermäßigung der Tarif notwendig. Finanzminister Lenze: Die Steuerzuschläge sind nicht entbehrlich Wir brauchen einen reich dotierten Ausgleichsfonds für die Zeiten niedergehender Konjunktur. Die Quotisierung der Einkommensteuer würde zur Erhöhung der Staatsausgaben führen. Minister von Breitenbach: Wir ind Gegner einer Betriebs= und Finanzgemeinschaft der deutschen Eisenbahnen. Die Weiterberatung wurde bis Dienstag vertagt. rücksichtigt werden.— Vizeadmiral von Cap Heimarbeiten sind die Stickereiarbeiten vergeben. Wir achten Parlamentarische Nachrichten. verden. Lohndrücker bekommen keine Aufträge" uns.— halsnotgeseh ermächtiglt den Reichskangler, bis zur gesetzlcher Beim Kapitel Instandhal= sind. Berlin, 4. März. Ein Entwurf, betreffend die Errichtung eines Amtsgerichts in Brühl im Landkreise Köln ist dem Herrenhause zugegangen. Zu dem neuen Amtsgerichtsbezirke gehören neben der Stadt Brühl die Landgemeinden der Bürgermeisterei Brühl, die bis jetzt zum Amtsgerichte Köln gehörten. Die neue Militärvorlage. Berlin, 4. März. In parlamentarischen Kreisen verlautet der B. Z. zufolge, daß die Höhe der einmaligen Abgabe vom Vermögen sich auf 4 bis 5 pro Mille belaufen wirv, daß aber die Vermögen unter 50 000 A von dieser Abgabe befreit werden sollen. Die einmalige Vermögensabgabe. Berlin, 4. März. Aus politisch unterrichteter Quelle will die„Nationalzeitung" erfahren haben, daß der Reichskanzler von der Aufnahme, die sein Steuerplan bisher in den politischen und parlamentarischen Kreisen gefunden hat, durchaus befriedigt sei, und daß er aus den Besprechungen mit den Parteiführern und sonstigen Persönlichkeiten von Bedeutung den Eindruck gewonnen habe, daß er eine grundsätzliche Ablehnung des Gedankens nicht zu befürchten habe. Es sei als sicher anzunehmen, daß die Besteuerung nur die physischen, nicht aber auch die juristischen Personen treffen wird. Wie das Blatt weiter erfährt, beabsichtigt die Regierung bei der Veröffentlichung des Steuergesetzes sich unmittelbar an das Volk mit einer Kundgebung zu wenden, die ausdrücklich auf die Selbstbesteuerung im Jahre 1813 hinweist und betont, daß die politische Entwickelung der letzten Zeit das friedliebende Deutsche Reich zwinge, für seine Wehr und Sicherheit außerordentliche Opfer zu bringen. Von dem Grundsatz vollster Gerechtigkeit geleitet, strebe die Regierung eine ganz gleichmäßige Erfassung des mobilen und immobilen Kapitals an. Die deutschen Fürsten, die alle ihre Zustimmung dazu gegeben hätten, daß auch sie zur Steuer herangezogen werden, würden in dem Gesetzentwurf voraussichtlich nicht erwähnt sein. Während sonst bei Steuergesetzen ein besonderer Paragraph ausdrücklich die Steuerfreiheit der Fürsten hervorhebe, soll diese Bestimmung diesmal wegfallen. Ebenso legten die meisten Bundesstaaten besonderen Wert darauf, daß diese einmalige Vermögensabgabe an das Reich nichts an dem Prinzip ändere, daß die direkte Besteuerung des Einkommens und Vermögens den Einzelstaaten vorbehalten bleibe. Heeresvorlage und Etat. Berlin, 4. März. Im Reichstage haben sich die Fraktionen bereit erklärt, zur Beratung der Heeresvorlagen und der Deckungsgesetze zu einer Sommertagung nach Pfingsten am 27. Mai zusammenzutreten u. vom 30. April bis 27. Mai eine Vertagung eintreten zu lassen, hauptsächlich mit Rücksicht auf die Landtagswahlen in Preußen. Die erste Lesung der neuen Vorlagen soll noch im April stattfinden, damit die Kommission schon im Mai ihre Arbeiten beginnen kann. Bis zur Vertagung sollen der Etat verabschiedet, die erste Lesung der Heeresvorlagen erledigt und einige kleine Gesetze beraten werden. Im Juni sollen dann die anderen Vorlagen, soweit sie, olenarreif sind, verabschiedet werden. Man rechnet damit, daß der Reichstag sich Ende Juni spätestens auf den Herbst vertagen wird. Kleine politische Nachrichten. Berlin, 4. März. Der frühere Präsident des Herrenhauses Frhr. v. Manteuffel hat einen Schlaganfall erlitten. Sein Zustand gebe zu den schlimmsten Befürchtungen Anlaß. Karlsruhe, 4. März. Der Antrittsbesuch des Prinzregenten von Bayern und seiner Gamahlin am großherzoglichen Hofe wird für Mai erwarlet. Die Reise dürfte mit der nach Stuttgart verbunden werden. Kaiserbesuch auf Helgoland. Helgdland, 4. März. Die Ankunft der Kaiserschiffe, aus Wilhelmshaven war um 11,15 Uhr bei schlechtem Wetter erfolgt. Um 11,20 Uhr vorm. ging der Kaiser an Land und besichtigte die Hafenanlagen, und begab sich dann durch den Tunnel zur Besichtigung der Fortifikationsanlagen nach dem Oberland. Der Kaiser besichtigte insbesondere die neue Südgruppe. Wegen des starken Wellenanschlages der bei der Uferfußmauer herrschte, mußte dort von der Besichtigung Abstand genommen werden. Der Kaiser begab sich mit Gefolge um 12,30 Uhr wieder an Bord des Linienschiffes„Kaiser“. Unter dem Salut der Batterien an der Südspitze der Insel lichteten die Kriegsschiffe um 1,30 Uhr die Anker und nahmen den Kurs nach der Weser. Wilhelmshaven, 4. März. Der Kaiser ist an Bord des Linienschiffes„Kaiser“ gestern abend 9,30 Uhr bei Regen und stürmischem Wetter hier wieder eingetroffen. Schießübung auf Luftballons. Swinemünde, 4. März. Hier traf ein aus 200 Mann bestehendes Kommando Feldartillerie, darunter 15 Offiziere und 40 Unteroffiziere aus Jüterbog ein, um eine 3 Wochen dauernde Schießübung mit neuen Geschützen nach Luftballons abzuhalten. Die Festtage in Gmunden. Gmunden, 4. März. Die Kaiserin entschloß sich auf Bitten der Familie des Herzogs von Cumberland ihren Besuch bis morgen abend auszudehnen, so daß die Rückfahrt nach Berlin am Dienstag, 10,30 Uhr abends erfolgt. Der Besuch der Cumberländischen Herrschaften am Hofe zu Berlin ist nunmehr auf die Tage nach Östern festgesetzt. Trotz des unfreundlichen Wetters unternahmen gestern vormittag die Kaiserin, der Herzog und die Herzogin von Cumberland, das Brautpaar, der Großherzog und die Großherzogin von Mecklenburg=Schwerin und Prinz und Prinzessin Max von Baden in Automobilen einen Ausflug nach dem herzoglichen Jagdgebiet in Almsee. Oesterreich. Die Heeresvermehrung in Oesterreich. Wien, 4. März. In nicht ferner Zeit soll eine abermalige Erhöhung des Rekrutenkontingents für das gemeinsame Heer durchgeführt werden, da das im neuen Wehrgesetz festgesetzte Kontingent auch in seiner Höchstzahl von 159 500 Mann unzureichend ist, um alle Standessanierungen, besonders aber die infolge der Ausgestaltung der Armee unbedingt notwendigen Neuaufstellungen durchführen zu können. Der Mehrbedarf wird auf 25 000 bis 30 000 Mann angegeben, so daß sich eine Kontingentsziffer von 185 000 bis 190 000 ergeben würde. Frankreich. Zusammenkunft des englischen und französischen Marineministers. Toulon, 4. März. Der Marineminister ist hier eingetroffen, um den Schießübungen der Flotte beizuwohnen. Fast leichzeitig traf der englische Kreuzer„Hussar" mit oem ersten Lord der Admiralität Winston Churchill ein. Winston Churhill begab sich nachmittags an Bord des„Voltaire", wo er ine Unterredung mit dem französischen Marineminister Bauin hatte. Er blieb an Bord, um den Schießübungen bei Les alins d’Hyeres beizuwohnen. Offiziös wird erklärt, daß die Begegnung zwischen 7 dem Marineminister Baudin und dem engl. Handelsminister Winston Churchill, die durch zufällige Umstände herbeigeführt sei, den herzlichsten Charakter gehabt hätte. Als Churchill den Votaire verließ, sprach er dem Marineminister Baudin seinen lebhaften Dank für den ihm zuteil gewordenen warmen Empfang aus. Baudin erwiderte, wie glücklich er persönlich sei, daß er Sir Winston Churchill an Bord des Voltaire habe empfangen können und fügte hinzu, die französische Marine werde das Verhalten und die Courtoisie Churchills zu würdigen wissen und in dem neuen Zeugnis der Sympathie einen Beweis für die herzlichen Beziehungen zwischen den beiden Flotten erblicken. Churchill kehrte an Bord des Hussar um 5 Uhr nach Villefranch zurück. Toulon, 4. März. Die Schießübungen der französischen Flotte sind sehr gut verlaufen. Das Linienschiff„Danton", auf dem sich kürzlich die Kohlenstaubexplosion ereignete, hat dabei sehr günstig abgeschnitten. Der erste Lord der engl. Admiralität, Winston Churchill, drückte verschiedentlich seine Anerkennung aus. Das an Bord des„Voltaire“ eingenommene Frühstück verlief außerordentlich herzlich. Churchill brachte einen Trinkspruch auf den Präsidenten der Republik, auf den Marineminister und auf den Ruhm der französischen Flotte aus. Baudin erwi derte mit einem Trinkspruch auf König Georg. England. Gegen die Stimmrechtlerinnen. London, 4. März. Vor dem Pavillon der Musikhall, in dem sich die Anhängerinnen des Frauenstimmrechts Montags zu versammeln pflegen, kam es gestern zu aufregenden Szenen. Die von den früheren Versammlungen ausgeschlossenen Personen hatten sich vor dem Pavillon eingefunden, hielten die Eingänge dicht besetzt und machten alle Versuche der Frauen, Einlaß zu erlangen, zunichte. Den Schutzleuten gelang es nicht, die zum größten Teil aus Studenten bestehende Menschenmenge zu zerstreuen. Es kam zu einem erbitterten Handgemenge zwischen den Frauenstimmrechtlerinnen und ihren Gegnern, bei dem ein ohrenbetäubender Lärm vollführt wurde. Erst als Verstärkungen eintrafen, gelang es der Schutzmannschaft, die Straßen zu säubern. Rußland. Vom Zarenhofe. Petersburg, 4. März. Der Kaiser empfing gestern mittag in längerer Audienz in Zarskoje Sselo den Präsidenten der Reichsduma, Rodsianko, der über die Tätigkeit der Duma sowie, über den Arbeitsplan der jetzigen Session eingehend Bericht erstattete. Russisch-französische Freundschaft. Petersburg, 4. März. Zwischen der russischen und französchen Regierung haben noch keinerlei Verhandlungen über die russische Militärvorlage stattgefunden. Rußland wird erst dann sich mit der Aufstellung einer neuen Militärvorlage näher beschäftigen, wenn es genau über die franz. Heeresvor lage unterrichtet ist. Die russische Regierung ist bisher von der französischen über die Ausgestaltung der Verstärkung der Rüstung Frankreichs noch nicht verständigt worden. Ein hoher russischer Staatsmann erklärte, daß Rußland selbstverständlich alle Wünsche seines Verbündeten erfüllen werde. Amerika. Amtsantritt des Präsidenten Wilson. Washinaton, 4. März. Präsident Wilson ist ge stern nachmittag hier eingetroffen und hat sich in einem ihm vom Präsidenten Taft gesandten Automobil ins Hotel begeben. Er wurde von einer großen Volksmenge enthusiastisch begrüßt. Heute tritt er seine Präsidentschaft an. Bryan als Abrüstungsapostel. Newyork, 4. März. Bryan, oer als der Staatssekretär im künftigen Kabinett des Präsidenten Wilson gilt, erklärte in einer Rede über den Frieden:„Es ist die gebieterische Pflicht der Vereinigten Staaten, nicht nur auf jede mögliche Weise mit den Mächten der ganzen Welt für den Fortschritt des Friedens zusammenzuwirken, sondern auch in der Abrüstung ein glänzendes Beispiel zu geben. Die Union ist durch ihre Lage und durch ihre Stellung unten den Nationen besonders dazu geeignet, mutig diese Haltung einzunehmen. Schreckensherrschaft in Mexiko. Mexiko, 4. März. Der provisorische Präsident Huerta führt eine Schreckensherrschaft ein. Er läßt seine Gegner massenhaft erschießen. Trier, 4. März. Das Schwurgericht verurteilte den Maurer Ludwig Bunderd aus Wittlich, der am 22. Dezember 1912 seine Braut Barbara Kiesgen erschossen hat, zu 6 J. Zuchth. und 10 J. Ehrverlust. Saarbrücken, 4. März. Das Kriegsgericht der 34. Division verurteilte den Oberleutnant Wilh. Sonntag vom Infanterieregiment Nr. 30 in Saarlouis wegen Betruges zu 9 Monaten Gef., Dienstentlassung und Entfernung aus dem Heere. Bochum, 4. März. Am Landgericht begann gestern unter dem Vorsitze des Landgerichtsdirektors Ohme die 2. diesjährige ordentliche Schwurgerichtsperiode. Die 1. Verhandlung richtete sich gegen den kaum 20 Jahre alten Bergmann Heinrich Schilling aus Lütgendortmund, der sich wegen Straßenraubes verantworten mußte. Das Urteil lautete auf 2 Jahre Gef. Dortmund, 3. März. Das Schöffengericht verurteilte den Milchhändler Fritz Rustemayer von hier wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz zu 600 Mk. Geldstrafe. Rustemayer, der bereits wegen eines gleichen Vergehens mit 800 Mk. vorbestraft ist, hatte der Milch 7 Proz. Wasser zugefügt. Die Lage auf dem Balkan. Friebensbedürfnis der Türkei. London, 4. März. Die türkische Regierung fährt fort, auf indirektem Wege, namentlich durch Rußland ihre Friedensgeneigtheit gegenüber Bulgarien zu versichern. Bulgarien hat erklärt, mit der Grenzlinie Muradli=Enos einverstanden zu sein, doch nuk so lange, als sich Adrianopel hält. Sollte die Festung in der Zwischenzeit fallen, so verlangt Bulgarien aluch den Besitz von Rodosto. Von anderer Seite hört man, daß die Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen in der Weise vor sich gehen soll daß die Türkei die zum Verzicht auf Adrianopel auffordernde Kollektivnote der Mächte vom 17. Januar annehmen wird. Der amtliche Kriegsbericht. Konstantinopel, 4. März. Der amtliche Kriegsbericht besagt: Infolge des seit 2 Tagen herrschenden Sturmes und Schneewetters sind bei Bulair und an der Tschataldschalinie keine militärischen Operationen ausgeführt worden. Der Feind hat gestern Adrianopel in Zwischenräumen beschossen. Der Gesundheitszustand der Truppen ist überall ausgezeichnet. Ein deutscher Dampfer von Bulgaren beschossen. Konstantinopel, 4. März. Die Blätter melden, daß unter anderen Handelsschiffen neutraler Staaten auch ein deutscher Hamburger Dampfer namens„Arkadia" von Scharkoi von den Bulgaren beschossen worden sei. gungsfahrt mit einem Automobil. Das Automobil rannte gegen einen Stein. Der Diener wurde dabei auf der Stelle getötet, der Chauffeur schwer verletzt. Metz, 4. März. Der Buchhalter Soisson von der Hütte Sambre a Moselle in Mezieres der nach Veruntreuungen von 54 000 Mk. verschwunden ist, wurde am Sonntag in Traben=Trabach an der Mosel verhaftet. Gerichtssaal. Düsseldorf, 4. März. Das Schöffengericht berurteilte den Zigarrenhändler Walter Hollmann wegen geschäftsmäßiger Vermittelung von Wetten zu französischen Pferdewettrennen zu 800 Mk. Geldstrafe. In seinen Geschäftsräumen waren für 14 000 Mk. Wettscheine gesunden worden. Bonn, 4. März. Das Schwurgericht verurteille wegen Straßenraubs die Arbeiter Johann Müller aus Rankenhohn und Anton Quadt aus Kelters zu je 5½ Jähren Zuchth., sowie den Arbeiter Jos. Räsgen aus Jägersroterhof zu 3 J. Gef. Sie hatten am 30. August 1912 in Schladern den 15 jährigen Lehrling einer Fabrik seiner Posttasche beraubt. Aus Westdeutschland Düsseldorf, 4. März. Der Bauunternehmer Iske hat seine Zahlungen eingestellt; die Schulden betragen an 250 000 Mk. Mörs, 4. März. Auf Schacht 1 der Zeche„Friedrich Heinrich" wurde der Schlepper Heinrich Kamp von 2 Förderwagen erfaßt und sofort getötet.— In Homberg geriet auf Zeche„Nheinpreußen 1“ der Hauer Konrad Iwanitzki unter Steinfall. Er starb kurze Zeit nach dem Unfall. Elberfeld, 4. März. Im ev. Vereinshause fiel ein 23jähriger Maschinist vom 4. Stockwerk in den Fahrstuhlschacht. Er erlitt so schwere Verletzungen, daß der Tod bald darauf eintrat. Barmen, 4. März. Der langjährige unbesoldete Beigeordnete Fabrikant Ernst Schwartner hat sein Amt niedergelegt. Schwartner hat seit langen Jahren die Verwaltung der städtischen Wasser= und Lichtwerke. Solingen. 4. März. Wegen Brandstiftung wurde heute Nacht der Scherennagler Decker verhaftet. D. hat gestern abend seine Werkstelle in Brand gesteckt. Der Brand konnte von der Wehr gelöscht werden. Köln, 4. März. Ein verwegener Raubanfall wurde gestern mittag auf der belebten Apernstraße verübt. Einer Dame, die bei einer Bank 20000 A erhoben und das Geld in ihrem Handtäschchen aufbewahrt hatte, wurde von einem Radfahrer das Täschchen entrissen, das sich auf der Flucht öffnete. Das Geld fiel auf die Straße und die Passanten beteiligten sich an dem Aufsammeln, so daß die Dame das Geld größtenteils zurückerhielt. Troisdorf, 4. März. Die Milchhändler haben eine Ermäßigung des Milchpreises um 2 J das Liter auf 20 eintreten lassen. Rhöndorf, 4. März. Das hier neuerbaute Lehrerheim des Verbandes der kath. Lehrervereine Deutschlands soll Pfingsten eröffnet werden. Der Haushalt ist den Missionsschwestern aus dem Mutterhause zu Steyl übertragen. Die erzbischöfliche Behörde hat bereits die Genehmigung erteilt. Euskirchen, 4. März. In der am Gymnasium unter Vorsitz des Provinzial=Schulrats Dr. Hecker abgehaltenen Reiseprüfung bestanden von 14 Oberprimanern 13. Koblenz, 4. März. Die Enkelin des Ministers Frhrn. vom Stein, Frau Gräfin von der Goeben, hat ihre Einwilligung dazu gegeben, daß gelegentlich der Jahrhundertfeier im Steinschen Stammschloß zu Nassau eine Ausstellung von Sammlungen aus dem Steinschen Archiv erfolgt. Die Aus stellung soll im März eröffnet werden und bis zum 1. Juli dauern. Das Eintrittsgeld wird zu vaterländischen Zwecken verwendet. Cochem, 4. März. In Poltersdorf wurde ein Winzer von herabfallenden Felsmassen verschüttet und tödlich verletzt. Er starb am nächsten Tage. Bochum, 4. März. In Harpen hat sich die Frau des Arbeiters Richter infolge Verzweiflung über ihr Magenleiden aufgehängt. Als dies der Mann erfuhr, versuchte er sich ebenfalls zu töten. Er wurde aber überrascht und daran gehindert. Dortmund, 4. März. Der Aschefahrer Wladislaus Preuß geriet auf dem Eisenwerk Phönix unter einen Eisenbahnwagen, wurde überfahren und blieb auf der Stelle tot. Dortmund, 4. März. Die Stadtverordneten be eschlossen die Erweiterung des städtischen Elektrizitätswerkes mit einem Kostenaufwande von insgesamt Mark 1 070 000, ferner die Einstellung des städtischen Fleischverkaufs mit Rücksicht auf die zurückgegangenen Fleischpreise. Hamm, 3. März. Se. Exzellenz Wirklicher Geh. Rat Dr. Holtgreven, Chefpräsident des Oberlandesgerichts Hamm vollendete gestern sein 70. Lebensjahr. Geboren am 2. März 1843 zu Paderborn wurde Dr. Holtgreven nach dem Tode des Oberlandesgerichtspräsidenten Minisier Dr. Falk am 16. Sept. 1900 zur Leitung der Geschäfte des hiesigen Oberlandesgerichts berufen. Im Jahre 1900 zählte das Oberlandesgericht 5 Senate mit 4 Senatspräsidenten und 25 Räten: heute 10 Senate mit 9 Senatspräsidenten, 45 Räten und 6 Hilfsrichtern und steht damit an 6. Stelle unter den 14 Oberlandesgerichten der Monarchie. Die Verdienste Dr. Holtgrevens haben wiederholt durch hohe Auszeichnungen von höchster Stelle Anerkennung gefunden. Holthausen, 4. März. Erfroren aufgefunden wurde am Sonntag morgen der 60jährige Veteran Fritz Dahlsberg. Lüdenscheid, 4. März. Gestern stürzte der Dachdecker Escher von einem Neubau so unglücklich ab, daß er kurz darauf an den schweren Verletzungen starb, Lüdenscheid, 4. März. Der Haushaltsplan unserer Stadt für 1913 balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 1 385 000 Mk. Die Steuersätze sind dieselben wie im Vorjahre 220 Proz. Bielefeld, 3. März. Die Stadtverordneten beschlossen die Uebernahme der stiftischen Cäcilienschule durch die Stadt. 700 000 Mk. wurden für einen Erweiterungsbau des städtischen Krankenhauses bewilligt. Neubeckum, 4. März. Gestern morgen 6,21 Uhr fuhr der von Beckum kommende Personenzug bei der Einfahrt in den Bahnhof auf einen Rangierzug. Beide Lokomotiven und 4 Wagen entgleisten. Schwer verletzt wurde der Heizer des Personenzuges, leicht veretzt der Zugführer, 1 Schaffner und 3 Reisende. Buer, 4. März. Durch unvorsichtiges Umgehen mit einer Browningpistole hat in Beckhausen ein Kostgänger ein 4 jähriges Kind erschossen. Er wurde verhaftet. Frankfurt=Main, 3. März. Der ChauffeurKöhler und Diener van Acken unternahmen eine VergnüEin Anschlag gegen ein Automobil. Berlin, 4. März. Ueber die nichtswürdige Mordtat, durch die ein Berliner Ehepaar getötet und seine Tochter schwer verletzt wurde, auf der Chaussee bei Henningsdorf an der Havel wird noch berichtet: Gestern nachmittag, nachdem das Geschäft geschlossen war, unternahm der Goldwarenhändler Rudolf Plunz aus der Brunnenstraße 81 in Berlin wieder eine Autofahrt nach Lindøw in der Mark. In seiner Begleitung befanden sich seine Frau und seine 2 Töchter. Der Automobilhändler Janke aus der Brunnenstraße schloß sich in seinem Auto mit seiner Familie an. In heiterer Stimmung verlief die schöne Hinfahrt, und in dem idyllisch gelegenen Lindow wurde zu Mittag gespeist, dann eine Fahrt in die Umgebung gemacht, und nachdem man gegen 7 Uhr dort noch den Kaffee eingenommen hatte, rüstete man zur Rückfahrt. Plunz fuhr mit seinem Auto voran„und in geringem Abstande folgte der Jankesche Wagen. Der 1. Wagen war noch 4 Kilometer von Henningsdorf entfernt, er hatte gerade eine Kurve genommen u. hatte jetzt wieder die gerade Chaussee vor sich so daß Plünz den Wagen mit voller Geschwindigkeit laufen ließ. Plötzlich stieß der Wagen gegen ein Hemmnis, so daß er sich jäh in die Höhe hob und dann zurückprallte. In derselben Sekunde hörten die Insassen des 2. Wagens markerschütternde Schreie, denen ebenso jäh tiefe Stille folgte. Janke bremste sofort, sprang von seinem Wagen und eilte rasch nach vorn. Hier bot sich ihm folgendes Bild: vor ihm lag halb auf der Seite das umgekippte Plunzsche Auto, 4 Schritte davon ein Körper in weiblicher Kleidung, unmittelbar daneben die ältere Tochter Else, über und über mit Blut bedeckt und regungslos. Von der anderen Seite kam jetzt die jüngere Tochter Anna zitternd herbei. Inzwischen waren Jankes Angehörige mit hellbrennenden Laternen herangekommen, und nun fand man auch die Leiche des Vaters. Auch sie war gräßlich verstümmelt. Dem Juwelier war der Kopf vom Rumpfe getrennt, er lag 10 Mtr. von dem Körper entfernt auf der Straße. Auf dieselbe Art hatte Frau Plunz den Tod gefunden. Als man nach der Ursache des Unfalles forschte, entdeckte man rasch, daß hier ein furchtbares Verbrechen verübt worden war. Unbekannte BuBubenhände hatten ein dickes Drahtseil 2 Mal quer über die Chaussee gespannt und an den Bäumen befestigt. Das Seil sperrte die Straße derart, daß es sich einmal ungefähr in der Höhe der Räder, das 2. Mal von 2 Meter befand. Wie die re Leichenbesichtigung ergab, hatte das Seil die Oberkörper von Plunz, seiner Frau und der Tochter Else oberhalb der Brust getroffen und war dann bis zum Halse hinaufgerutscht. Unter dem Kinn des Ehepaares wirkte es gleich einem Messer. Der Tochter Else ging das Seil über den Kopf, so daß sie mit dem Leben davonkam. Die jüngere Tochter Anna hatte sich gerade gebückt, um etwas aufzuheben; nur diesem Zufall verdankt sie, daß sie unverletzt davonkam. — Die Firma Adam Opel in Berlin hat auf die Ergreifung der Urheber des Automobilverbrechens bei Henningsdorf 500 A Belohnung ausgesetzt. Der Inhaber der Tonwarenfabrik Marwitz hat angezeigt, daß das Drahtseil am 19. Febr. aus seiner Fabrik gestohlen worden ist, und zwar von einem Packer. Nach neuerer Mitteilung ist der Automobilhändler Jahnke der Ueberzeugung, daß ein Raubanfall geplant war. Die Täter seien nur dadurch gestört worden, daß er gleich mit seinem Auto hinter den Verunglückten eingetroffen sei. In der Tat hat gestern morgen ein Polizeihund einen Platz verbellt, der 200 Meter vom Tatort in einer Bechenschonung entfernt liegt; die weitere Spur hat der Hund verloren. Der Regierungspräsident von Potsdam hat auf die Ermittelung der Täter eine Belohnung von 1000 Mk. ausgesetzt. Der Kaiserliche Automobilklub, der ja auch ein großes Interesse an der Sache hat, lobte 3000 Mk. Belohnung aus. Aus aller Welt. Der Selbstmord eines Grafen Berlin, 4. März. Der Selbstmord des Grafen Posadowsky-Wehner, der sich vor 8 Tagen in einem Breslauer Hotel erschoß, scheint mit einer Darlehnsaffäre zusammenzuhängen. Der Graf, der Regierungsassessor in Düsseldorf, Leutnant der Reserve bei den Königshusaren in Bonn und „Alter Herr“ der Bonner Borussen war, hatte einen Geldagenten beauftragt, ihm ein Darlehen von 500 000 en zu beschaffen, was aber nicht zustande kam. Sein Vater ist Besitzer einer mehr als 15000 Morgen großen, wohlgepflegten Majoratsherrschaft, die seit 200 Jahren in dem Besitz der Familie ist und einen Wert von 8 Millionen Mark repräsentiert. Für dieses Majorat ist Graf Silvius unumschränkter Majoratserbe. Der Vater besitzt außerdem noch ein Barvermögen von 4 Millionen Mark. Unter Mordverdacht verhaftet. Hamburg, 4. März. In der Halle des Blauen Kreuzes in der Niedernstraße wurde gestern der Arbeiter Dethleffen verhaftet, der den Landmann Ehlers in Boel bei Flensburg in der Nacht zum 22. Febr. erschlager. und beraubt haben soll. 200 Mk. wurden im Besitz des Verhafteten gefunden. 6 Personen ertrunken. Danzig, 4. März. Bei der Heimkehr von einem Bockbierfest ließ sich gestern morgen der Wächter Blank mit seiner Frau und seinen 2 Töchtern von dem Hofbesitzer Görtz und dessen Schwiegersohn Manski von Weichselmünde nach Neufahrwasser in einem Boot über die Weichsel setzen. Infolge des Eisganges kenterte das Boot. Alle 6 Personen ertranken 2 Kinder entführt. München, 4. März. In Neuötting hat der Maurer Franz Neuberger einen 3jährigen Knaben und ein 11jähriges Mädchen entführt, und ist mit seiner Frau über Triest nach Brasilien abgereist, nachdem das Ehepaar zuvor alles zu Geld gemacht und noch zahlreiche Betrügereien verübt hatte. Vom Ehepaar Toselli. London, 4. März. Bei den Londoner Verlegern Duckworth und Company erscheint Östern ein Buch des Signors Enrico Toselli unter dem Titel„Der Ehemann einer Prinzessin". In dem Buch wird erzählt, wie Toselli und die ehemalige Kronprinzessin von Sochsen sich heirateten, mit einander lebten und sich trennten. Ueber alle Einzelheiten dieser Ehe wird berichtet: über die erste Zusammenkunft in Florenz vor 7 Jahren, über die schnell aufflackernde Liebesaffäre, über die Hochzeit in England, über das häusliche Leben in Florenz, die Geburt des Sohnes, über die ehelichen Differenzen und mehrfachen Aussöhnungen und den endgültigen Bruch. 27 11 1 1 t 7. + bevortehende Saisonisthierim großen Special-Hause alles vorbereitet. Seit Wochen undMonaten sindd.besten Schneider der großen Kleiderfabriken und Werkstätten damit heschäftigt, die Frühjahrs. Ware fertigzustellen ie dürfen versichertsein, daß nichtsverähräumt ist, das peste und Vollendetstes zuschaffen. 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