Einzelpreis 20 Pfennig 4 3 DAS BLATT DES SCHAFFENDEN VOLKES Nr. 33 Jahrgang 29 VERÖFFENTLICHT UNTER ZULASSUNG NR. 9 DER MILITARREGIERUNG M Britische Soldaten untersuchen die Ausweispapiere einiger Berliner, die des Schleichhandels verdächtig sind Freitag, 21. Juni 1946 * Drohender Proteststreik in Parrs Lebensmittelsammelwoche vom 22. bis 30. Juni teitde TEin Aufruf an die Bauern der britischen Zone, den Städten zu helfen Gewerkschaften rufen zum Proteststreik gegen Faschistenterror auf Hamburg, 17. Juni.(DPD.) Eine Lebensmittel- eure Pflicht tut. Wir müssen der Welt zeigen, daß sammelwoche wird vom 22. bis zum 30. Juni in der deutsche Landmann auch das letzte ihm irgendjedem Dorf der britischen Zone durchgeführt wie Entbehrliche an Lebensmitteln hergibt, um die Paris. 19. Juni.(DPD.—Reuter.) Zu einem Proteststreik gegen den unglaublichen noch Herriot äußerten sich über die Möglich- werden. Die Vorsitzenden aller Parteien in der Not der Stad Angriff auf das Hauptbüro der Kommunistischen Partei in Paris hat die Pariser keiten einer Beteiligung ihrer Parteien. britischen Zone, die Vertreter der Kirche, sowie Mite des Monats eine sammelvoche statinden Gewerkschaftsvereinigung alle Pariser Arbeiter für Donnerstagnachmittag aurgerufen. Die Kommunisten und andere Vertreter der die Vertreter der Gewerkschaften, der Genos- was er noch indwie von den Vorräten seines Bei einer antikommunistischen Demonstration waren am Dienstagabend in Paris die Linken hatten sich der Stimme enthalten, als senschaften und der Landwirtschaft haben einen eigenen Haushaltes entbehren kann. Es hilft nichts, Fensterscheiben des kommunistischen Parteigebäudes zertrummert und kommuni- Bidault am Mittwoch von der französischen Aufruf erlassen, in dem die Bauern aufgefor- auch der Bauer muß sich stark einschränken, damit stische Bücher verbrannt worgen. Nationalversammlung zum Ministerpräsidenten dert werden, alle Lebensmittel abzugeben, die die Stadt nicht verhungert. Zeigt der Welt und zeigt gewählt wurde. Für Bidault stimmten 384 Ab- sie entbehren können, um der Stadtbevölkerung dem Stadtvolk, daß die Reste Deutschlands eine Notgewahit wurde. Fur Bidault stimmten 384 Ab geftsi nderdienteideen Mitcemmunistische unrer D. clos liken, wurde am Mittwochnachmittag von der geordnete von 545. Die Zahl der Stimmenthal-— In jedem Dorf sind Sammelgruppen gebildet menschen nicht im Stich gelassen werden. am Mittwochnachmittag in der französischen französischen Nationalversammlung zum Mi- tungen war 167.euppen ge Nationalversammlung von diesen Ausschreitun- nisterpräsidenten gewählt. Duclos teilte mit, daß die Kommunisten worden, die un der Leitung des Ortsbauern- Schöningen, Leiter des Zentralamtes für Ernährung gen berichtete, kam es fünf Minuten lang zu in den strittigen Verfassungsfragen zu zu- Vorstehers von Hof zu Hof gehen und die Le- und Landwirtschaft; Kardina Tumulten. Die Interimsregierung hatte am Mittwoch- geständnissen bereit seien. Sie würden eins- bensmittel einsammeln werden. Von len Dör- Köln, Landesbischof Marah Paris, 19. Juni.(DPD.—Reuter.)„Wir verlan- vormittag unter Vorsitz von Felix G n ihre zweiten Kammer zustimmen, aber diese dürt fern werden die Lebensmittel in die Städte ge- kirche Hannover; Konrad Adenauer, CDU.; Max Reigen de Gaulle“ riefen am Dienstagabend etwa letzte Sitzung abgehalten. Auf dic hatte„r beratende Aufgaben haben. Die Kommu- sandt und dort mit den normalen Lebensmittel- mann, KPD.; Dr. Kurt Schumacher, SPD.; W. Heile, 200 Studenten in den Hauptgeschäftsstraßen Bidault einen Bericht über die Viermäc lekon- nisten schlössen si h der Ansicht an, daß der von Paris. Zur gleichen zerschlugen etwa ferenz in Paris erstattet. Präsident der Republikt nicht nur eine mntranten offeneDie Frage der Zusammensetzung der neuen repräsentative Figur sein dürfe, aber sie seien Buchhandlungen wurden die Fensterscheiben Regierung ist noch offen. Weder Depreux dagegen, daß er absolute Gewalt habe. eingeschlagen. Propagandamaterial wurde auf Die Außenminister noch nicht einig Noch keine volle Verständigung über Italien erzielt sandt und dort mit den normalen LebensmittelVorräten aufbewahrt werden. Dadurch soll die der Straße angesteckt. Auch die Fenster des kommunistischen Zeitungsverlages„Nationale Front“ gingen in Trümmer. Die Polizei nahm acht Verhaftungen vor. Frankreich beging am Dienstag den sechsten Jahrestag der historischen Rundfunkrede LDP.; Franz Spliedt, Verwaltungsausschuß der fre en Gewerkschaften; U. Everling, Deutsche Konsumgenossenschaften; Präsident der Landwirtschaftskammer Hannover, Ökonomierat Groß; Präsident der Landesbauernschaft Weser-Ems, Dietrich Bödecker; Leiter der Abteilung Ernährung und Landwirtschaft der Nord-Rheinprovinz, i. V. Fritz Heymann, Präsident der Landesbauernschaft Westfalen, Dr. Hermann Heukamp; Landesbauernvorsteher Schleswig- Holstein, Peter Jensen-Ausacker. Bücklinge für die Hungrigen Hamburg. 19. Juni.(DPD.) Der englische Fischdampfer„Edina" löschte am Mittwochvormittag im Hamburger Hafen die erste Sendung Heringe aus Lerwick im Fanggebiet der Shetland-Inseln. 5394 Kisten mit einem Gesamtgewicht von 236 Tonnen frischer, in Eis verpackter Heringe wurden aus dem Fischdampfer direkt auf LastBürgermeister Waterkortte(KPD.), Düsseldorf, wagen verladen. Noch im Laufe des Vormittags brachten die Wagen die Heringe in verschiesorgte energisch für bessere Ernährungdene Rauchereien Hamburgs, die siebereitsam Paris, 19. Juni.(DPD.—Reuter.) Die Außen- Italien forderten. Von russischer Seite wurde de Gaulles vom 18. Juni 1940, in der de Gaulle minister traten am Mittwoch unter dem Vorsitz bei dieser Gelegenheit daran erinnert, daß am von London aus den Franzosen zugerufen hatte des amerikanischen Außenministers Byrnes Montag die Delegationen übereingekommen „Frankreich hat eine Schlacht verloren, aber zusammen und führten weitere Besprechungen seien, von Italien einen Ausgleich für Kriegsnicht den Krieg.“ über die wirtschaftlichen Bedingungen des schäden zu verlangen, für welche die italieniMinisterpräsident Gouin nahm eine Parade Friedensvertrages mit Italien durch, nachdem schen Stellen verantwortlich seien. Die Ausab, an der Mannschaften des Heeres, der Flotte sie am Montag in vier Punkten einig geworden gleichsforderungen seien nach sowjetischer und der Luftwaffe beteiligt waren. waren. Eine völlige Einigung über die Zurück- Ansicht„Reparationen". erstattung alliierten Eigentums und über finanRegierungsbildung noch unentschieden zielle Probleme im Zusammenhang mit den von Pressestimmen zur AußenministerItalien auf Grund des Friedensvertrages abzu konferenz Paris. 19. Juni.(DPD.—Reuter.) Georg B1- tretenden Gebieten konnte nicht erzielt werden. dault, der bisherige französische Außen- Auch über die Frage des Schadens, der anliiex Berlin, 19. Juni.(DPD.) Die Berichte uber Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Leber minister, Führer der fortschrittlichen Katho- ten Staatsangehörigen durch Italiener während die Pariser Außenministerkonferenz müßten, so mittelrationen bis zur neuen Ernte gesichert lässen V des Krieges zugefügt wurde, kam es zu-Keiner schreibt die Zeitung der Sozialistischen Ein- werden. Der Aufruf hat folgenden Wortlaut: Diese Bücklinge sind fi Einigung. heitspartei Deutschlands,„Neues Deutschland",„Deutsche Bauern! Der Hunger klopft an unsere provinz und W. Die Sitzung wurde nach zwei Stunden be- jeden wahren Deutschen mit ernster Sorge Tür. Ihr wißt, wie groß die Not in der Stadt ist. Es eines zweiten Fisch endet, da die Anwesenheit Außenminister erfüllen.„Die Pläne“, so fährt das Blatt fort, ist erschütternd, taglich Frauen hungemnden am Donnerstag erwartet wird, soll in Hamburg Bidaults im französischen Parlament not-„wie sie von dem Außenminister Frankreichs, Kindern zu sehen. Die britische sneeg9 verteilt werden. Die britische Militärregierung wendig war, wo er zum Ministerpräsidenten Bidauft, vorgelegt werden, würden Deutsch- jindern. Ihr selbst habt eure Pflicht erfüllt. Aber es hat einen Kontrakt über die Lieferung von Dr. Benesch wieder Präsident gewählt wurde. Die Außenministerkonferenz land jede Lebensmöglichkeit nehmen. Der muß mehr geschehen. Wir können diese furc Dran 10 I»(DDD—Ranter.) Dr. Eduard vertagte sich auf Donnerstagvormittag. Verzicht auf das Ruhrgebiet, der Verzicht auf Notlage nur dann überwind Benesch wurde einstimmig zum Präsidenten: Während sich die Konferenz am Mittwoch die Saar, ist für die schwerzerstörte deutsche der Tschechoslowakei wiedergewählt. ausschließlich mit der wirtschaftlichen Seite Wirtschaft untragbar." Auch der Leitartikel der Tschechoslowakei wiedergewant Eriedesvertrages befate derLDP.Zeitung„Morgenbeschäftigte Nat slwersammlung wurde der kommunisti- werden in der Donnerstagssitzung auch poli- sich mit der Pariser Konferenz stark kritisch. Cationalversammlung Gurde der toommunst tutebesprochdievondStelDie Erwarn, mitder wirs Descedie Hitlerjugendführer vor Gericht Jahres zu befreien. Benek wurde jedoch damals brachte die letzten acht Monate Internierungslager zu. Leiter der Presseabteilung des sowietischen kompromißlose Einstellung Frankreichs. Wenn zesses degen de junge beurscne du die be gefluichtete bangeklaqte Llebenau hatte den Außenministeriums, Konstantin Zinchenko. Deutschland jemals eine Demokratie sein soll, semd psen angehört beseitigen. sation Rana, das heißt: Radikalnationalen, angehört beseitigen. Finnland hat dem den bei der Außenministerkonferenz in Paris dann darf dieser nicht schon vor der Geburt sation Raua, versammlung gewählt. Washington.(DPD.—Reuter.) Finnland nat den ber der b amerikanischen Schatzamt 166 479 Dollar und 74 tätigen Korrespondenten in Aussicht. Während solch gefährlicher Bazillus als Keim hoffnungsCent überwiesen und ist domit das einz1ge der Sitzung im vergangenen Monat hatten die losen Siechtums eingeimpft werden.“ Land. das seine Verpflichtungen zur Bezahlung tet Zwei Henker zum Tode verurteilt Weltkrieg internationalen Pressevertreter keinerlei Verseiner Kriegsschulden aus dem ersten Weltkrieg bindung mit dem Pressechef der Sowjetabauch weiterhin erfüllt. ordnung Schanghai.(DPD.—Reuter.) Zwei führende Mitglieder einer nationalsozialistischen Spionage-Orga Raum für einen Kompromiß nisation Büro Ehrhardt sind in China, nach des KonMitteilung dei amerikanischen Militärbehörde, ver- Paris. 19. Juni.(DPD.) Außerhalb des Kon haftet worden. Sie heißen S.egfried Füllkrug und ferenzsaals wurde am Dienstag von eingeimpft Veto im Weltsicherheitsrat zu haben. Die Hauptangeklagten sind der 19jährige Reinhold Ritter, der 21jährige Heino Papert, der 19jäh- Halle. 18. Juni.(DPD.) Wegen aktiver Teilnahme rige Albert Kirchner, der 20jährige Hans Oberdieck an mehreren tausend Hinrichtungen während der sowie die 18jährigen Reinhold Erteil und Willi Weß. Zeit des nationalsozialistischen Regimes wuiden die Die meisten der Angeklagten sind ehemalige Hitler- Scharfrichtergehilfen Johann Klein aus Halle und Andreas Rose aus Magdeburg von einem Gerichtsdaß hof in Halle zum Tode verurteilt. Wie die VerhandNew York. 18. Juni.(DPD.) Der russische Vertreter im Weltsicherheitsrat. Gromvko. brachte jugendführer. in der Dienstagabendsitzung durch Ausübung seines Aus verschiedenen Aussagen ging hervor, das net Kon- Veto-Rechts die vom australischen Delegierten Evatt Günter Liebenau in Lüneburg als„Einsatzleiter“ für lung ergab, war der Tagesrekord eine einem eingebrachte Resolution über Franco-Spanien zu Fall zwei Gruppen der R.na galt, die von van- tunqeklaqten dete dnqent deenWalter Heissing. Außerdem sind noch 22 Personen russischen Beamten aus dem Stab Molotows bei austransche Vorsentae hatte de dd gels des be Gpen sollen gelegentlich Vergütungen von 26 000 Reichsmark festgenommen worden, die mit diesem Büro Ehr- angedeutet, daß die russische Delegation hatte, wie im Laufe der Verhandlung festgestellt Warschau. angedeutet, dab die russische Delegation versun der UNO zu bringen, damit diese über Zwistigkeiten geherrscht haben. Während Ritter es „Kaum fur einen Kombromib sene, einen kollektiven diplomatischen Bruch mit Spanien auf Propaganda und Werbung abgesehen haben soll, (DPD.) Gewisse Schwierigkeiten in falls Grobbritannien und die USA. bereit seien im September beschließen oder andere geeignete wird Papert eine Vorliebe für gewaltsame Aktionen :ak ia slhet Panarationen von aRahman arifan änn festgenommen worden, die mit diesem Büro hardt in Verbindung gestanden haben. der Verwaltung der Provinzen, aus denen die Deutschen ausgewiesen wurden werden als Grund angegeben, für eine Neugliederung in den kürzlich von Polen besetzten Gebieten, wie Radio Warschau meldet. Die neuen Distrikte sind Stettin, Breslau, Olztyn, Posen, Danzig und Bialystok nahe der ostpreußisch-litauischen Grenze. Moskau.(DPD.—Reuter.) In einem Kommentar zur Pariser Außenministerkonferenz kritisiert der Sender Moskau die Pläne für die Reform des deut schen Staatsaufbaus, die von englischer Seite aus anzuerkennen, daß sie selbst Reparationen von Maßnahmen ergreifen könne. Sind Zonengrenzen unüberwindlich? Pieck und Grotewohl können nicht nach Essen einreisen wurde, bei Beginn des Hitlerregimes nur zwei Scharfrichter. Diese Zahl erhöhte sich bis zum Jahre 1945 auf zehn. Allein im Jahre 1942 sollen 3393 Personen hingerichtet worden sein, darunter 1261 polnische vorgeworfen. Propagandaleiter soll Oberdieck gewesen sein, während sich Willi Weß mit Verwaltungsangelegenheiten befabt habe. Staatsangehörige. Der vollziehende Scharfrichter Nach der Verlesung der Vernehmungsprotokolle eielt für jede erste Hinrichtung 60 Mark und für trat der erste Zeuge, Walter Benek, in den Zeugen- alle weiteren je 40 Mark und ein monatliches Fixum stand. Benek soll mit einem gefälschten Entlassungs von 250 Mark schein aus einem Lazarett bei Geesthacht in der Nähe von Hamburg nach Lüneburg gekommen sein. Hamburg wird Zonenhauptstadt Berlin, 19. Juni.(DPD.) Die beiden Vorstands- vatkapitalistischen Gewinnzwek- Von einer illegalen Organisation hatte er den Auf- Hamburg, 14. Juni(DPD.) Pläne zur Einrichmitglieder der SED., Wilhelm Pieck und ken, sondern ausschließlich der Förderung des trag ernalten, in Luneburg dee tung des obersten Hauptquartiers der britischen schen Staatsauibaus, die von engiischer Selte— Otto Grotewohl. hatten eine Einladung er- Pressewesens und allgemeinen kulturellen und zuruckdatierte deutsche Entlassungsscheine er- Kontrollkommission gearbeitet sein sollen, und die auf die Bildung von halten, am 23. Juni in Essen auf einer Kund- sozialen Zwecken dienen sollen, würde am halten, um sie an SS.-Angehörige auszugeben, d neuen Bundesstaaten im Reichsgebiet hin gebung für die Verschmelzung der beiden so- Montag auf einer Pressetagung grobhessische, sich n der Lüneburger Umgebung zielen. Der Kommentator erklärt, die Zerschlägung zialistischen Parteien zu sprechen, wie das Zeitungsverleger in Frankfurt gefordert. Neben Lüneburg hahm er mit seinen alten Freunde des deutschen Kriegspotentials sei die en. 19 109- Zentralsekretariat der SED. bekanntgibt. Das dem Vorstand des Verbandes grobhessischer ihnen Ritter, Brockmann, Fischer und Witting, Ve lichkeit, mit dem deutschen Problem fertig de gontrseretariat teilt weiter mit, daß Pieck Zeitungsverleger nahmen auch Vertreter der bindung auf. Verschiedene Male ging Benek zum teilt. P werden denfried und Grotewohl von der britischen Militärregie- Journalisten und die Vertreter der grobhessi-„Befehlsempfang"“ nach Geesthacht zurück. fähigkeit erfordern eine Zusammenfassung des Oslo.(DPD.—Reuter) Der deutsche Heldenfried- und rotRieEt Auftrag, zuversuchen, die Anhof auf dem Ekeberg bei Oslo soll nach Deutschland rung den Bescheid erhielten, daß sie vorläufig schen Regierung im Lander degen des Belsenprozesses am Ende des vorigen verlegt werden, weil die Norweger es ablehnen, keine Einreiseerlaubnis für die bri ser lagung ten. einen deutschen Friedhof in öffentlichen tische Besatzungszone erhalten könnten. Parkanlagen im Weichbild der Hauptstadt zu haben. Singapore.(DPD.) Acht japanische Kriegsverbrecher wurden in Singapore durch den Strang hincerichtet, unter ihnen auch Vizeadmiral Teizoesetzes in Hara, der frühere Kommandant der Andamanen- fung eines Pres se grund d Inseln. Zeitungen ohne Privatkapitalisten Frankfurt a. M., 18. Juni.(DPD.) Die Schaftung eines Pressegrundge dem alle Zeitungsunternehmen Der Helfershelfer Hitlers Der ehemalige Herrenreiter v. Papen vor Gericht Ein Jahr Streikverzicht geplant USA.-Gewerkschaften verlangen weitere Preiskontrolle Nürnberg, 18. Juni.(DPD.)„Wenn Sie als ehe- habe der jungen kämpfenden Freiheitsbewegung den maliger Kanzler des Reiches, als einer der führen- Weg zur Macht gebahnt, und worin Papen vorausden Laienkatholiken in Deutschland, als ehemaliger sagte, daß Hitler mit dem sicheren Instinkt des umziehen müssen, wird gestattet, ihre Möbel mitzuOffizier der kaiserlichen Armee nach dem 30. Juni Staatsmannes das deutsche Volk in eine glückliche nehmen. Der Plan sieht vor daß niemand aus seiner Hauptquartiers, und zwar in Hamburg. Das Gebiet, das für die Neubauten ausgewählt worden ist, ist die zerstörte Gegend am Grindelbera. Hier sollen 10 Blocks von Wohnhäusern errichtet werden, von denen jedes 12 Stockwerke hoch ist, und vier Blocks mit Acht-Stockwerk-Häusern. Im ganzen werden diese Blocks 900 Wohnungen enthalten. Die Räumung der Enklave wird die Umsiedlung von 20 000 bis 30 000 Deutschen nötig machen. Dafür wird die Verwaltung der Hansestadt zu sorgen haben. Denjenigen, die Wohnung ausziehen muß, bevor nicht eine andere Der Ankläger unterstellte, daß Papen zu dieser geeignete Unterkunit für ihn vorhanden ist. at haben müsse was sich i Neubauten, deren Pläne von Hamburger Architekten Washington, 19. Juni.(DPD. ungsplan passen, werden hamburgisches Eigentum und werden eines Tages deutschen Bewohnern zur Verfügung stehen. 1934 nicht mehr bereit gewesen wären, auch wei- Zukunft führen werde. terhin mit kaltblütigen Mördern im Bunde zu bleiben, dann hätten Sie dieses faule und morsche„eit schon gewußt haben müsse, was sich in WahrDeuterl Den eingreifen zu können. Hoover sei der Ansicht, System zum Zusammensturz gebracht, so rief der heit abspielte. Er erinnerte Papen daran, daß noch angeleruigt wurden, so dab sie in den Stadtbebauines Jahres heißt es, daß durch eine Annahme der Kongreß- britische Ankläger dem Angeklagten von Papen zu, Aurust 1932 Hindenburg sich geweigert hatte, Verzicht auf Streiks für die Dauer eines Jahres heint es, das d pret a er ihn am Dienstag vernahm. Papen erwdete den Ntionalsozialisten die Macht auszuliefern, und sieht ein Plan vor, den die amerikanischen Ge- vorlage, die die Aumebung Magnahmen zur„Wenn ich das öffentlich gesagt hätte, so würde ich daß bald nach der Machtübernahme die Verhaftung werkschaften Präsident Truman vorlegten. ungers in der Weit wahrscheinlich ebenso verschwunden sein, wie Hunderten kommunistischer und sozialdemoDieses„Abkommen über den Verzicht auf Bekämpfung des Hungers in der weit meine Mitarbeiter." Nach Papens Aussage waren kratischer Eührer erfolgt sei Streiks“ soll eine Gegenleistung der Gewerk- zunichte gemacht wurden. an diesem 30. Juni zwei seiner Mitarbeiter, Bose und Jung, erschossen worden, drei andere waren ver Papen stellte auch in Abrede, daß er die Erschaften für die Aufrechterhaltung der PreisStreik der USA.-Seeleute kontrolle in ihrer gegenwärtigen Form durch die Regierung sein. Washington, 15. Juni(DPD, Reuter). Der welt apgeschnitten gewesen Im Fall der Annahme des Planes durch den angekündigte Streik von 200 000 USA.-See- 4. Januar 1933 nur die Frage einer Betei amerikanischen Präsidenten dürfte er eine leuten und Dockarbeitern wurde am Freitag- Papens Hitlertreue unerschuttert lers an dem damaligen haftet worden und er selbst hatte drei Tage lang nennung Hitlers zum Reichskanzler inszeniert habe. unter Hausarrest gesessen und war von der Außen- Er behauptete, daß in der bekannten Besprechung im Hause des Kölner Bankiers von Schröder am Gottwald mit der Regierungsbildung beauftragt Prag, 19. Juni.(DPD.) Kurz nach seiner wesentliche Waffe gegen gewisse Kreise in den abend, 5 Minuter vor dem festgelegten Termin, Frotzdem hat Papen unmittelbar darauf an Hitler die Herstellung einer großen nationalpolitischen Wiederwahl a tren t p USA. sein, die versuchen, die Preiskontrolle durch ein Ahkommen beigelegt, wie der Leite. mehrere Schreiben gerichtet, worin er dem Führer Einheitsfront besprochen worden sei abzuschaffen. Energische Warnungen sind in des USA.-Kriegstransportwesens, Mr. Granville seine unerschütterliche Treue versichert. Er erklärte Gtaatssokrotär Meissners Zeugnis den letzten Tagen von zahlreichen Gewerk- Conway, bekannt gab. Das Abkommen mub sich auch bereit, trotz seines formalen Abschieds- Stddtssekretar Meiss schaftsführern an das Amt für Preiskontrolle noch von den Mitgliedern der Seemannsgewerk- gesuches bis zum September Vizekanzler zu bleiben gegen Papen gesandt worden. Sie stellen fest, daß eine schaft dei Cio bestätigt werden. Eine monat- und sich dann für den diplomatischen Dienst zur Verfügung zu stellen.„Trotz der Morde an ihren* Es liegt ockerung der Preiskontrolle liche Lohnerhöhung von 17½ Dollar und ein eigenen Freunden waren Sie also bereit, im Ausland heren Staatssekretärs Meißner vor, wonach Papen große neue Streikwelle zur Folge haben wdeÜberstundenlohn von! Dollar mit Rückwirkung eine, nun ich wil’ nicht direkt sagen„Mörder- während des ganzen Jahres im Hause Hindenburg Herbert Hoove., der amerikänische son Aptil sid in dem Abkommen für See- bande“ aber doch eine Regierung zu vertreten, die aktiv für die Kanzlerschaft Hitlers bemüht gewe derbeauftragte für Welternährungsfragen, s01 Den Dockarbeitern wurde den Mord zum Werkzeug der Politik erhoben sei. Nach Papens Darsteilung hat er sich abe sich plötzlich entschlossen haben, seine Süd leute vorgesenen Deatte So stellte Sir David zusammenfassend fest darum erst bemüht, als feststand, daß amerikareise abzubrechen, um persönlich in eine Lohnernohung von 22 Cent in der Stünde Er las auch ein Zitat aus einer Rede Papens vom gen des Reichskanzlers Schleicher um eine S mit Rückwirkung vom 1. Öktober gewährt. November 1933 vor, worin Papen sich rühmte, er der NSDAP. gescheitert waren. slowakischen Republik empfing Dr. Eduard Benesch am Mittwoch den Ministerpräsidenten Fierlinger, der ihm— wie es nach einer, Präsidentenwahl in der Tschechoslowakei üblich ist— sein Rücktrittsgesuch überreichte. Dr. Benesch ersuchte den Ministerpräsidenten, sein Amt bis zur Bildung einer neuen Regierung weiterzuführen. Mit der Regierungsbil Seite 2 Freiheit Nr. 33— Freitag, 21. Juni 1946 Freiheitliche Meinung Plan„Barbarossa" Genau vor einem Jahrfünft leistete sich Hitler sein tollstes Stück. Das war am 22. Juni 1941, als er morgens um 4 Uhr den beispiellosen Raubzug gegen den Östen startete. Ist es erkannt worden von dem deutschen Volk, was dieser Überfall auf ein Volk, das sich im tiefsten Frieden wähnte, bedeutete? Eine vertrottelte, denkfaule Volksschicht bei uns hielt und hält es auch heute noch für eine faire Sache, jemandem eine Freundschaftshand zu halten, um mit der anderen versteckten, gepanzerten Faust ihn hohnlachend niederzuschlagen. Gegen die Bolschewisten,— die auf gut deutsch immer noch die„Mehrheitler" heißen,— also gegen diese verdammten „Mehrheitler“, die ihr Volk von der Plage des Zarismus befreit hatten, schien ihnen damals und scheint ihnen zum Teil heute noch jedes Mittel des Betruges, der Ausrottung, der List und der Tücke erlaubt zu sein. Warum wird von Dr. Schumacher angefangen bis zu den unbelehrbaren Nazi-Jünglingen noch immer gegen die Sowjetunion gehetzt? In seinem Buch„Mein Kampf“ liefert Hitler selbst den schlüs igen Beweis, daß es sich gar nicht um den Kampf gegen die„Mehrheitler“ handelte. Er übt Kritik an Wilhelm dem Letzten, weil dieser nicht den ersten Weltkrieg 10 Jahre vorverlegt habe. Also im Jahre 1904, als Rußland sich im Kriege mit Japan befand, damals schon, als noch gar nicht die„Mehrheitler“ in Rußland Aussicht hatten, die Regierung zu übernehmen, wäre laut Hitler der günstigste Zeitpunkt gewesen, die natürlichen Reichtümer des östlichen Nachbarn für Deutschland zu erobern. Somit ist Antibolschewismus nur eine weltanschauliche Fassade, die Hitler, Goebbels, Ribbentrop und Konsorten 37 Jahre später dem Volk vorgaukelten, und die 1904 fehl am Platze gewesen wäre. Angeblich wollte nach der Behauptung Hitlers der Bolschewismus Deutschland überfallen. Dieses Märchen ist durch viele Aussagen beim Nürnberger Prozeß restlos zerstört worden. Ribbentrop hat ein ganzes Jahr vor dem Überfall mit Keitel über dieses Thema gesprochen. Keitel ist seit August 1940 mit dem Plan„Barbarossa" beschäftigt gewesen, Raeder hat am 25. September 1940 volle Klarheit über Hitlers Absichten bezüglich der Sowjetunion gewonnen. Major Bechler schrieb in Nr. 25 des„Freien Deutschland", daß im Oktober 1940 in der Nähe der deutsch-russischen Grenze dreiviertel Jahre vor Beginn des Überfalles Hitlers Hauptquartier errichtet worden wäre. Niemals wäre das geschehen, wenn Hitler einen Überfall seitens der Sowjetunion auch nur vermutet hätte. Bechler als Adjutant des Hauptquartiers wurde mit dem General Müller nach dem Westen geschickt, um mündlich zu unterstreichen und zu erläutern, daß der Plan„Seelöwe"(der Plan einer Landung in England) weitergeführt werde, obwohl beide genau wußten, daß an Stelle dieses Planes „Seelöwe", der längst zu den Akten gelegt war, seit dem 22. Oktober 1940 der Plan„Barbarossa" getreten war. Sie mögen sich merkwürdig genug dabei vorgekommen sein, ihre eigenen Kameraden im Auftrage Hitlers systematisch hinters Licht führen zu müssen. Was hat Hitler erreicht? Er erreichte, wie es Stalin in seiner Rundfunkrede vom 3. Juli 1941, also wenige Tage nach dem Beginn des Überfalles, aussprach, einen„taktischen Gewinn. aber einen katastrophalen politischen Verlust!" Als sich vom polnischen, finnischen und rumänischen Boden die deutschen Flugzeuggeschwader in der Morgenfrühe des 22. Juni erhoben, um die in friedlichem Schlummer liegenden Städte Schitomir, Kiew. Sewastopol, Kowno und andere ohne jede Gegenwehr mit Spreng- und Brandbomben zuzudecken und schlafende Männer, Frauen und Kinder zu Tausenden zu töten, da war dieses ein heimtückischer, bis in alle Einzelheiten genauestens vorbereiteter Überfall auf friedliche Nachbarvölker, ein Überfall, wie er ohne Beispiel in der bisherigen Weltgeschichte dasteht. Diese schmachvolle, brutale Handlungsweise seines Verführers wird dem deutschen Volke unvergessen bleiben, weil es nicht vermochte, das Unheil Hitler abzuwehren, sondern zum Teil ihm begeistert zujubelte. Von den westdeutschen Konzernkapitalisten ist der Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion mit einer ungewöhnlichen Genugtuung aufgenommen worden. Sie empfanden den Schlag gegen den Östen als die Erfüllung ihrer Träume, die sie mit dem Nationalsozialismus verbunden hatten und sie beeilten sich, ihre Industrieorganisationen durch Tochtergesellschaften zu erweitern, um den natürlichen und industriellen Reichtum der Sowjetunion für sich nutzbar zu machen. Sie wollten sich„gesundstoßen“, wie es der Rheinländer Josef Goeb. bels sagte, und haben doch nur alle Nachbarvölker und das eigene deutsche Volk in tiefste Not und größtes Elend gestoßen! Gibt es zuverlässige Garantien dafür, daß der imperialistische Wahnwitz nicht noch ein drittes Mal Millionen Menschen zur Schlachtbank führt, damit Profite gedeihen? Durch die Boden- und Industriereform, die Enteignung der Betriebe aller Kriegs- und Naziverbrecher ist bereits einiges im Gange, aber noch ist die Entnazifizierung in den Anfängen, das Aufräumen, die Beseitigung der negativen Kräfte nicht beendet, die Uneinigkeit der positiven Hitlergegner nicht überwunden. Die Welt kann gewiß ohne Deutschland leben, aber Deutschland nicht ohne die Hilfe und das Wohlwollen der Welt. Darum fordern wir Einstellung aller Haßpropaganda, Beseitigung aller hitleristischen, sozialdemokratischen oder christlichen Voreingenommenheit gegenüber allen Nachbarvölkern. Wir wollen weder eine Feindschaft zur Sowjetunion, noch zu den anderen Ländern erzeugen oder pflegen, sondern durch friedlichen demokratischen Aufbau versuchen, uns die Freundschaft anderer Völker ehrlich zu erringen. Der Kartoffelkäfer jetzt auch in Nordwestdeutschland Hamburg, 20. Juni.(DPD.) Im vergangenen Jahre ist der Kartoffelkäfer im nordwestdeutschen Geblet erstmalig derart stark aufgetreten, daß jetzt die gesamte britische Zone als vom Kartoffelkäfer verseucht anzusehen ist. Süddeutschland ist bereits seit mehreren Jahren stark verseucht. Neuerdings ist der Schädling auch nach Mitteldeutschland und weiter nach Osten vorgedrungen. Der Befall ist bereits so groß, daß mit sehr erheblichen Ertragsausfällen zu rechnen ist wenn die Bekämpfung des Schädlings versäumt wird Dem Kartoffelkäfer gilt unser Kampf, achtet auf die Kartoffelkäfer! Schwarze Kartoffeln- Tomaten- Grüne Kohlen Nördlich des Ruhrgebietes ist die Situation ähnlich wie im Süden oder Südwesten. Menschen hängen an den Personenzügen wie Trauben, klammern sich an den Türgriffen, drängen sich auf den Trittbrettern zusammen. Kartoffelzüge! So sagt der Volksmund. Abgehärmte Frauen mit Kindern, dazu Männer mit einem müden Gesichtsausdruck, oftmals Bergarbeiter. Der Kumpel von der Ruhr, auf dessen Schulter das Schicksal unseres Volkes, unserer Nation liegt. Wohin fahren sie? Häufig eine mürrische Antwort, oftmals grimmiger Hohn. Schwer zugänglich sind diese Menschen geworden, die 12 Jahre in dem Geisterkeller der Geheimen Staatspolizei saßen, davon 5 Jahre Luftkrieg. Doch beharrlich wiederholen wir unsere Frage:„Wohin fahren Sie?“ Ein alter Mann, ein Bergmannsinvalide, gibt uns eine seltsame Antwort:„Nach Taschkent!" Wir stutzen! Was soll die Antwort?„Zum Kaukasus, nach Astrachan, nach Taschkent?“ Jetzt begreifen wir. Tatsächlich, er meint die Naturkatastrophe 1921 in Sowjetrußland. Hunderttausende, ja Millionen Menschen in Bewegung, um nach dem Süden Rußlands zu eilen, um dort die Nahrung zu holen, weil in ihrer engeren Heimat die Saat wie die Ernte durch die Natur vernichtet wurde. Wohin fahren sie? Ins Ösnabrücker Land, dort gibt es noch Kartoffeln! Haben sie Erfolg? Oh doch, ein erbittertes Lachen! Wenn wir uns dabei halten, von einem Bauern zum andern gehen, habe ich am Abend vielleicht 10 Pfund Kartoffeln gesammelt. Drei Kartoffeln gibt der Bauer ab, nicht mehr und nicht weniger und am Abend habe ich nach dem Einmaleins 10 Pfund Kartoffeln zusammen. Immerhin, so sagen wir, doch ein Erfolg!„Und was für einen“, und er fährt fort:„Wenn ich zu Hause ankomme, dann meistens schon Kartoffeln, die schwarz geworden sind. Auf dem Transport brechen die Keime ab und um diese Jahreszeit ist die Kartoffel sehr empfindlich. Es ist ein Wahnsinn!" Es ist ein Wahnsinn! In diesem einen Satz ist die Meinung eines Mannes zusammengedrängt, der die politische Entwicklung in seinem Lande und die internationale Politik aus der Perspektive eines Menschen sehen muß, der, um nicht zu verhungern, aus dem Ruhrgebiet weit nach dem Norden fährt, um dort, von Bauernhof zu Bauernhof wandernd, jeweils drei Kartoffeln zu empfangen. Am Rande der Landstraße liegen einige junge Menschen im Grase. Mit ihnen zu diskutieren ist noch schwer, wir Älteren dürfen nur zuhören. Noch ist es die Jugend, die ihr eigenes Leben lebt. Für sie gelten die Schillerworte:„Schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort. „Organisieren" „Organiiseren", das ist das Zauberwort, das nach allen Richtungen hin gedeutet werden kann und wird.„Organisieren", das war bei den Nazis die Devise in anderen Ländern Europas. Einige von diesen Jungens träumen noch davon, andere organisieren im Geiste die Kartoffelversorgung für das Ruhrgebiet und mitten in der Diskussion, nachdem das Schimpfen auf die Bauern vorüber ist, sagt einer:„Die Schweine haben gewechselt, aber der Trog ist geblieben.“ Auch diese Jungens sehen die Demokratie, sehen die Welt aus der Perspektive hungernder Menschen, die auf ihrer„Hamsterfahrt bei jedem Bauern drei Kartoffeln erhalten. „Tomaten“ seien Luxusartikel haben die Briten gesagt, fährt einer auf und es kommt zu einem hitzigen Gespräch und jetzt müssen wir uns einmischen. Wir sagen, nur:„Da drüben steht es ja, Volkes Stimme zu Nürnberg Mein Auftrag:„Hören Sie doch bitte einmal in der Bevölkerung herum, wie man über den Nürnberger Prozeß denkt und spricht. Teilen Sie uns bitte die Ansichten der Menschen mit, die Sie befragt haben. Geben Sie uns auch Ihre eigene Meinung bekannt!“ Hier das Ergebnis: Der Büroangestellte:„Im Anfang habe ich die Berichte über den Prozeß noch gelesen, aber jetzt habe ich kein Interesse mehr daran; die ganze Sache dauert ja viel zu lange. Jeder der Angeklagten behauptet, gegen Hitler gewesen zu sein. Meistens geben sie ihre eigenen Parteigenossen als Zeugen an. Schacht und Papen sind sogar Antifaschisten" gewesen. Es sollte mich nicht wundern, wenn diese Verbrecher am Ende noch mit einem blauen Auge davonkommen.“ Der Bauarbeiter:„Hin und wieder lese ich die Berichte über Nürnberg. Nach meiner Meinung wird viel zuviel Zeit und Geld verpulvert. Die Sache könnte schon längst am Ende sein. Auf uns Antifaschisten, die wir in den Zuchthäusern und Konzentrationslägern waren, hat man nicht so viel Rücksicht genommen. Aber warum fragen Sie mich? Sehen Sie sich doch um: die Spießgesellen dieser Verbrecher laufen hier in Westdeutschland nicht nur frei herum. sondern sitzen noch unbehelligt in ihren Positionen und spucken große Bogen. Ich merke schon, wie der Karren läuft! Wenn man selbst täglich nur 1000 Kalorien im Bauch hat und sich den Kopf zerbricht, seine Familie zu ernähren, wird man hellhörig. Ich weiß Bescheid, darauf können Sie sich verlassen!" Der Straßenbahnschaffner:„Die Fahrgäste haben sich anfangs viel über den Prozeß unterhalten. Teils für, teils gegen. Aus den Zeitungen erfährt man ja zu wenig über den Prozeß. Dann zieht er sich auch zu sehr in die Länge. Ich glaube, wenn man diese Verbrecher nach einigen Monaten stillschweigend freilassen würde, dann würde das kein Mensch merken. Man sollte endlich mal reinen Tisch machen und den Hintermännern dieser Naziverbrecher, den Konzern. herren, ihre Machtpositionen nehmen. Natürlich auch den Nazimiminister Hugenberg und wie sie alle heißen, mit ihrer ganzen adeligen Bagage zum Teufel jagen! Eher findet Deutschland und das ganze Europa keine . Ruhe und keinen Frieden. Das ist meine Meinung. Noch jemand ohne Fahrschein?" Die Hausfrau:„Der Nürnberger Prozeß? Warten Sie mal— ist das nicht die Sache mit den Konzentrationslägern?— Ja, sind die denn noch nicht verurteilt?“ Was, das waren wiederum andere? Ich interessiere mich mehr dafür, wie ich das nötige Essen auf den Tisch bekomme. Wir Hausfrauen haben in dieser schweren Zeit Sorgen genug. Aber natürlich bin ich dafür, daß diese Verbrecher ihre gerechte Strafe bekommen. Der Kaufmann(ehemal. Pg.):„Anfangs hatte ich so etwas wie ein Schuldbewußtsein. Heute nicht mehr. Seien wir doch ehrlich, mein Herr, benehmen sich die sogenannten Angeklagten vor dem Nürnberger Gericht nicht wie aufrechte deutsche Männer? Wenn auch Dinge passiert sind, die nicht sein durften, so glaube ich heute doch, daß diese Männer stets das Beste gewollt haben. Sehen Sie sich doch einmal die andere Seite an Ich will ja nichts weiter sagen, aber was man uns mit 1000 Kalorien täglich als Demokratie serviert— ich danke vielmals! Andersherum war es doch besser, das müssen Sie doch zugeben. Was wollen wir uns streiten über Schuld und Nichtschuld? Wir haben Schuld, daß wir, ohne von den Verbrechen zu wissen, diese geduldet haben. Die anderen aber wußten davon und haben sie zugelassen. So, wie ich, denken noch viele meiner Freunde. Ich will aber nichts gesagt haben, Sie verstehen mich?“ Meine eigene Meinung: Als dieser Prozeß begann, rechnete ich mit einer Dauer von höchstens einigen Wochen. Was war denn noch groß festzustellen? Sprachen, nein, schrien die Trümmer unserer Wohnstätten, unzählbare Grabkreuze auf den Friedhöfen, verkrüppelte Menschen im besten Jugendalter, verhungerte und verhärmte Gesichter nicht diese grauenvolle Schuld zum Himmel? Fürchtet man, einen„Justizirrtum" zu begehen? Man kann auch übertreiben. Das gesunde Rechtsempfinden des einfachen Mannes hat für eine derartige Prozeßführung nicht das mindeste Verständnis. Man möchte dem Richterkollegium in Nürnberg zurufen: Macht bald Schluß mit dieser Sache. Fort mit dieser Verbrecherbande! Ins Dunkel, in die Vergessenheit mit ihnen! Solange die Erde sie noch trägt, ist die Atmosphäre unrein. Weg mit diesen lebendigen Zeugen einer grauenhaften Vergangenheit. Wir sehnen uns wieder nach Sonne und reiner Luft und — Vergessen! E. R. daß in Deutschland Tomaten Luxusartikel sind!" Wo? fragen sie!„Da drüben am Eingang zu dem Walde, der kein Eingang ist, sondern nur ein Wildgehege.“ Dort steht zu lesen:„Betreten des Waldes streng verboten! Die Gräfliche Forstverwaltung.“ Zunächst verwirrt, dann aber fällt der Groschen. Jawohl, Bodenreform im Münsterland, intensivste Bewirtschaftung des Bodens durch neue Bauern, die dort angesiedelt werden können in den aufgeteilten gräflichen Ländereien, um wirksam dazu beizutragen, die Ernährungslage unseres Volkes zu sichern. Nicht aber mit dem Odland allein, wie es jetzt im Oldenburgischen geschieht, wird eine Bodenreform herbeigeführt, sondern durch die Beseitigung unnützer Wälder, die gar keine Wälder sind, sondern nur den Baronen und Grafen als Wildgehege dienen. Statt über Bodenreform diskutieren die Jungens über die Gerüchte, die bösartig in Umlauf gesetzt werden. Immer wleder taucht das Märchen auf von dem Roggen aus dem Münsterland, der als„Kanadisches Saatgut“ deklariert in das Ruhrgebiet gesandt wird. Auch die dummen Witze von den Weizenschiffen, die durch den Atherraum fliegen, werden immer wiederholt. Polizeikontrollen Ist es ein Wunder, daß es so ist, wenn nichts von den zentralen deutschen Behörden geschieht, um die Bodenreform einzuleiten? Aber man kann nicht den Teufel mit Beelzebub austreiben, auch dann nicht, wenn sich der Teufel in eine Schlange verwandelt. Die Schlange ist noch lange keine Bodenreformerin, auch wenn sie nach der biblischen Legende zur Strafe auf dem Boden kriechen muß, um Erde zu fressen. Nebenbei, in Münster, Sitz des Oberpräsidenten, ist man im Augenblick dabei, fruchtbare Schrebergärten als Grundlage für eine Trümmeranlage zu benutzen. Auch eine Bodenreform. Stolz verkündete die deutsche Ernährungsbehörde in der britischen Zone, daß durch fliegende Polizeipatrouillen gegen Hamsterer vorgegangen wird. In einigen Orten können wir das Ergebnis dieser Maßnahme praktisch studieren. Die„Hamsterer“, die von der Polizei erfaßt werden, sehen bald alle so aus wie der Bergmannsinvalide, der von Hof zu Hof wandert, um jeweils drei Kartoffeln in sein Säckchen zu tun. Dieser Invalide wird am Abend in das Ruhrgebiet zurückfahren. Er wird zu Hause erzählen, was er am Tage erlebte. Ingrimmig werden die Kumpels zum Pütt wandern und unten in der Grube knirschend mit den Zähnen die Formel wiederholen: „Es ist ein Wahnsinn!“ Sie denken an ihre Angehörigen, an die schwarzen Kartoffeln und begreift man, daß es so nicht möglich sein wird, die Produktion der schwarzen Diamanten zu erhöhen. Ja, es ist ein Wahnsinn! Noch wenige Monate, dann bricht der Winter wieder ein, vielleicht ein strenger Winter. Doch wir sind, um mit Lessing zu sprechen, ein wundersüchtiges Volk. Immer noch warten wir auf eine Hilfe von oben, statt den Hebel unten anzusetzen, um mit der fortschreitenden demokratischen Entwicklung nach oben dafür zu sorgen, daß wir in dem kommenden Winter nicht Kohlen der Hoffnung — also Grüne Kohlen— sondern schwarze Diamanten haben. Zack. uns... Todesurteile im Sommerhausen-Prozeß Iserlohn, 19. Juni.(Frht.) Nach fast dreitägiger Verhandlung verurteilte am 13. 6. 1946 das Militärgerich in Iserlohn, unter Vorsitz des Gerichtspräsidenten St. Col. Stanton, den Hauptangeklagten Josef Axt wegen Mordes zum Tode und den Mitangeklagten Johann Weber zu 20 Jahren Gefängnis. Das Urteil muß noch durch eine höherstehende Dienststelle der Militärbehörde bestätigt werden. Die Verteidigung lag in Händen zweier Düsseldorfer Rechtsanwälte. Anklagevertreter war Major Reade vom Intelligence Corps. Die Verurteilten, zwei Kriminalbeamte aus Würzburg, kamen nach einem Luftangriff auf Würzburg am 16. 3. 1945 als Ausgebombte nach der Ortschaft Sommerhausen. Dort hörten sie von einem-bei diesem Angriff ausgestiegenen britischen Flieger, der eingefangen, durch die Gendarmerie im Ortsarrest untergebracht war. Josef Axt, damals Kriminalobersekretär und Mitglied der SS., äußerte sich:„Der gehört mir.“ Damit wollte er sagen, daß er den Gefangenen ermorden wollte. Er suchte sich einen Komplicen und fand ihn an Johann Weber, der ihm aus der gemeinsamen Dienststelle von Würzburg her bekannt war. Axt ließ sich am 18. 3. 1945 die Schlüssel vom Ortsarrest geben und begab sich mit Weber gegen 20 Uhr dorthin. Sie holten den gefangenen jungen Flieger aus der Zelle heraus und führten ihn zu einer Mainbrücke, wo ihn Axt erschoß. Weber hielt unterdessen einige Neugierige zurück. Nach vollbrachter Tat warfen Axt und Weber den Körper des Gefangenen in den Fluß. Dabei wurde noch mehrere Male geschossen. Am anderen Tage fand man die Leiche im Wasser auf. In fairster und sachlichster Verhandlungsführung wurden in diesem Kriegsverbrecherprozeß die Einzelheiten des Mordes aufgedeckt. Der 38jährige Josef Axt und der 66jährige Johann Weber entschuldigten ihre Tat mit einem Mordbefehl Himmlers, nach welchem alle abgesprungenen feindlichen Flieger als Mörder zu behandeln seien. Axt und Weber hatten in diesem Falle ohne direkten Befehl gehandelt Die Tat war mit der Anweisung Himmlers nicht zu entschuldigen und kommt dieses Argument nur strafmildernd in Betracht. Der Anklagevertreter. Major Reade, betonte, daß die Grundsätze der Gerechtigkeit unabhängig von Rachegefühlen gewahr werden müßten. Dieser Prozeß zeigte wieder einmal mit aller Deutlichkeit die Folgen des fluchbeladenen Hitlersystems auf, das die Unwissenheit und blinde Gefolgsbereitschaft seiner Anhänger auf das gemeinste mißbrauchte. Die Verteidigung, die schon auf Grund des Geständnisses der Angeklagten vor einer schweren Aufgabe stand, unterstrich das objektive Verhandlungsverfahren des Gerichts und dankte für die in großzügiger Weise eingeräumten Verteidigungsmöglichkeiten. Sie unterstrich, daß die Tat in einer Zwangslage und unter geistiger und körperlicher Ermüdung durch Verminderung der Widerstandskraft des Charakters der Angeklagten geschehen sei. 100 MiII. RM. Warenaustausch Abkommen zwischen der amerikanischen und russischen Besatzungszone Berlin, 19. Juli.(DPD.) Ein Warenaustausch von 100 Millionen RM. wurde für das nächste Vierteljahr zwischen der amerikanischen und der russischen Besatzungszone auf der Berliner Konferenz über den Interzonenhandel vom 13. und 14. Juni vereinbart. Waren im Werte von je 50 Mill. RM. sollen aus der russischen in die amerikanische Zone und umgekehrt geliefert werden. Die Lieferungen aus der russischen Zone sollen monatlich umfassen: 500 Tonnen Buna, 250 Tonnen Ruß, 200 Röntgenlampen, 5 Tonnen Sacharin, diese verteilt über drei Monate, 200 Traktoren ohne Motoren, 10 Tonnen elektrisches Installationsmaterial, 5 Tonnen Webereimaschinen, 3 Tonnen Metallfäden, 2500 Liter Alkohol, 5000 Tonnen Kreide und 500 Tonnen elementaren Schwefel. Aus der amerikanischen Zone sollen in die russische Zone monatlich folgende Waren und Mengen geliefert werden: 450 000 Tonnen Gummireifen und-schläuche, für 250 000 RM Farben, für 250 000 RM. Kugellager, 110 Tonnen Graphikelektroden, 500 Tonnen Feldspat, 600 Traktorenmotoren, für 2 Millionen RM. Motorenersatzteile, für 1 Million RM. Motorenteile, 20, ansteigend bis 500 Tonnen Stahl, sowie 20, ansteigend bis 500 Tonnen Feinstahlbleche. Ferner wurde die Bildung einer ständigen Kommission beschlossen, die den Austausch weiterer Industrieprodukte vereinbaren soll. Die zusätzliche Beschäftigung von mindestens 50 000 Arbeitskräften wird für die amerikanische Zone als Auswirkung des auf der Berliner Konferenz über den Interzonenhandel abgeschlossenen Abkommens zwischen der sowjetischen und amerikanischen Besatzungszone erwartet. Mehrheiten von KPD. und SPD. Aachen, 19. Juni.(Frht.) Auf drei Zechen des Wurmreviers fanden Betriebsratswahlen statt. Auf der Zeche Carolus Magnus in Palenberg-Uebach wählten 78,3 Prozent. Es wurden gewählt: 5 Kommunisten, 4 Angehörige der CDU., 2 Sozialdemokraten; Betriebsratvorsitzender wurde ein Kommunist. Auf der Zeche Lauerweg in Kohlscheid wählten 1366 Bergleute. Auch hier wurden 5 Kommunisten, 4 christliche Demokraten, 2 Sozialdemokraten und ein Parteiloser gewählt. Betriebsratsvorsitzender ist ein Kommunist. Auf der Grube Adolf in Merkstein wählten über 80 Prozent. Das Ergebnis: 4 Kommunisten, 3 Sozialdemokraten, 2 parteilose Bergleute und 2 parteilose Angestellte. Betriebsratsvorsitzender wurde ein parteiloser Bergmann. Zuschrift 555 Erfassung der Obst- und Gemüse-Ernte Die Obst- und Gemüse-Ernte steht vor der Tür und es ist nicht bekannt, daß wirksame Maßnahmen getroffen wurden, um eine vollständige Erfassung und geregelte Verteilung sicherzustellen. Die chaotischen Zustände, die im vergangenen Jahre herrschten, und selbst jetzt noch nicht abgestellt sind, müssen endlich aufhören und einem planvollen Zusammenarbeiten aller verantwortlichen Stellen Platz machen. Um dem Verbraucher die Möglichkeit zu geben, sich in die Kontrolle der Verteilung einzuschalten, wäre es begrüßenswert, wenn wöchentlich eine Aufstellung darüber herausgegeben würde, welches und wieviel Obst und Gemüse erfaßt wurde wieviel und welches Obst und Gemüse in die ein zelnen Stadtteile kamen und welches Quantum da von die einzelnen Geschäfte erhielten. Durch derartige Veröffentlichungen könnten die Hausfrauen kontrollieren, ob die zur Verfügung gestellten Mengen auch zur Verteilung gelangen oder in dunklen Kanälen verschwinden. Demokratischer Frauenausschuß Düsseldorf-Benrath. Zuschrift 591 Wann soll die werktätige Frau einkaufen? Seit langem stellen wir werktätigen Frauen die Frage:„Wann finden wir Gelegenheit, unsere Einkäufe zu tätigen?“ Nun ist es mir aber schon des öfteren passiert, daß ich nach langem Anstehen mich entfernen mußte, um pünktlich an meinen Arbeitsplatz zu sein. Fast alle Waren werden zu ungewissen Zeiten verkauft, meist sofort nach Eingang. Wir werktätigen Frauen können dann die Gelegenheit nicht wahrnehmen und gehen immer leer aus. K. K., Düsseldorf. Zuschrift 610 Eine verzweifelte Hausfrau fragt an Wie kommt es, daß die alten, stinkigen Kartoffeln, die endlich anrollen, 17 Pfennige je Pfund kosten? Stimmt es, daß die Bauern im Hannoverschen die Kartoffeln zu 5,— RM je Zentner verkaufen? Was muß mein Mann verdienen, wenn ich zu einer Mahlzeit vier Pfund Kartoffeln brauche und zwei Pfund fortwerfen muß? Wie kommt es, daß 15 Monate nach dem Kriege man noch hungern muß? Mein Kleiner, fünf Jahre alt, kennt keinen Kuchen mehr. Er fragt mich:„Mutti, darf ich mich mal sattessen?" Geht dies bei 100 g Brot täglich für ein Kind? Das sind zwei Schnitten. Was soll ich meinem Buben antworten? Ist es nicht möglich, Gaskammern zu errichten, damit das Sterben schneller geht? A. Sch., Oberhausen. Zuschrift 629 Fehlproduktion und Materialvergeudung Schon wiederholt sind Fälle angeprangert worden, daß Firmen Produkte hergestellt haben, die heute von der Bevölkerung nicht unbedingt gebraucht werden. So wird wieder bekannt, daß die Firma Stuwe in ihrer Werkstätte anstatt ausschließlich Baubeschlag hauptsächlich Tabakschneidemaschinen anfertigt. Die Herstellung von Baubeschlag beträgt dagegen vielleicht 10% der Kapazität. Wie wenig Tabakschneidemaschinen gebraucht werden, zeigt die Tatsache, daß sie überall in den einschlägigen Geschäften ohne Bezugschein zu haben sind, während das bei Baubeschlag aller Art nicht der Fall ist. Auch die Anordnung der Behörden, daß die Gartenbesitzer mehr als 15 gepflanzte Tabakpflanzen versteuern müssen, bessern nicht die Aussichten für diesen Artikel. Ob nun gewinnmäßiger Anreiz oder behördliche Anweisung vorliegt, die Tatsache der Fehlerzeugung und Materialverschwendung bleibt bestehen zum Leidwesen der an anderen Gegenständen interessierten Bevölkerung. Auch zeigt dies Beispiel, wie notwendig es ist, daß Rohstoffverteilung und Produktion nach planmäßigen Gesichtspunkten und auf den Bedarf ausgerichtet geregelt wird. W. M., Gevelsberg. Berliner Gewerkschaftswahlen Düsseldorf, 20. Juni.(Frht.) Der Hamburger und Londoner Rundfunk sowie ein Teil der Presse brachten wiederholt Einzelmeldungen über die zur Zeit stattfindenden Gewerkschaftswahlen im FdGB. Berlin. Diese Meldungen von einzelnen Resultaten erweckten den Eindruck, daß die Kandidaten, die der SED. angehören, bei den Gewerkschaftswahlen in der Minderheit blieben. Da die christlichen und die SPD.-Gewerkschaftsfunktionäre gleichermaßen auf demselben Boden der Gewerkschaftseinheit stehen wie die SED.-Funktionäre, sind parteimäßige Zusammensetzungen der Vertretungen nicht immer zu veröffentlichen. Andererseits interessiert ein klares Bild der wirklichen Lage. Das Verhältnis zwischen SPD. und SED. in einigen wichtigen Betrieben und Verbänden geht aus folgenden Wahlergebnissen in den Bezirken zur Groß-Berliner Delegiertenkonferenz deutlich hervor: Verbandöffentlicher Betriebe: Tiergarten 7 SED,— SPD.; Wedding 14 SED., 5 SPD. Prenzlauer Berg 20 SED.,— SPD.; Friedrichshain 9 SED., 2 SPD.; Kreuzberg 8 SED., 2 SPD.; Charlottenburg 8 SED., 6 SPD., Wilmersdorf 5 SED., — SPD.; Zehlendorf 3 SED., 1 SPD.; Schöneberg 7 SED.,— SPD.; Steglitz 4 SED. 2 SPD.; Neukölln 13 SED., 1 SPD.; Treptow 8 SED..— SPD.) Köpenick 8 SED.,— SPD., Lichtenberg 15 SED.,— SPD. Woißensee 6 SED.,— SPD.; Reinickendorf 4 SED., 9 SPD.; BEWAG. 4 SED., 10 SPD.; Charité 4 SED., — SPD.; Arbeitsamt Tiergarten 6 SED.,— SPD. Gesundheitsamt Tiergarten 5 SED.,— SPD. Bezirksamt Tiergarten-Süd 1 SED., 1 SPD.; Bezirksamt Mitte (Kämmereibetrieb) 31 SED., 3 SPD.; Bezirksamt Friedrichhain 8 SED.,— SPD. Polizei 11 SED., — SPD.; Knorrbremse Friedrichhain 15 SED.,— SPD. Verband kaufmännischer und Büroangestellter: Bezirksamt Wedding 43 SED., 29 SPD.; Bezirksamt Weißensee 5 SED.,— SPD. Verband des Post- und Telegrafenwesens: Bezirk Mitte 57 SED., 1 SPD.; Postamt Tempelhof 5 SED.,— SPD. Delegiertenwahlen bei Siemens, Gruppe Metall: Kabelwerk 9 SED., 12 SPD; Gerätewerk 18 SED., 17 SPD.; Maschinenwerk 4 SED., 28 SPD. Eisengießerei 5 SED.,— SPD.; Verwaltungsgebäude 1 SED.,— SPD.; Montage und Bauabteilung 2 SED., 4 SPD.; Wernerwerk I 16 SED., 11 SPD.) Wernerwerk II 11 SED.,— SPD.; Tischlerei 3 SED,— SPD. Wahlergebnisse der Gewerkschaftsleitungen: Berliner Verbandsleitung der Industriegewerkschaft Leder 20 SED., 5 SPD.; desgleichen der öffentlichen Betriebe 27 SED., 2 SPD.j Bezirksgewerkschaftsleitung Friedrichhain, Verband öffentlicher Betriebe 6 SED.,— SPD. Betriebsgewerkschaftsleitung Knorrbremse Friedrichhain 9 SED.,— SPD.; Betriebsgewerkschaftsleitung Josetti 6 SED — SPD.; Bezirksverbandsleitung kaufmännischer und Büroangestellter Weißensee 9 SED.,— SPD. Lederproduktion wieder aufgenommen Lizenzträger: Max Dahlhaus.— Verlagsdirektion Max A wa Zwangsverschleppte werden neu registriert Hamburg, 17. Juni.(DPD.) Vom 21. Juni ab können Zwangsverschleppte(Displaced Persons) in der britischen Zone keine Lebensmittelkarten oder andere Vergünstigungen, die ihnen bisher zustanden. mehr in Anspruch nehmen und müssen auf ihre Ausweise als„Displaced Persons" verzichten, soweit sie nicht in Gemeinschaftslagern untergebracht sind. Die Militärregierung hat dazu folgende Bekanntmachung erlassen: 1. Unterbringung. In den Lagern für Zwangsverschleppte werden jetzt Unterbringungsmöglichkeiten verfügbar. Verschleppten, die außerhalb von Lagern leben, wird, sobald eine Unterbringungsmöglichkeit vorhanden ist, die Möglichkeit gegeben werden, sich in ein solches Lager aufnehmen zu lassen. 2. Das Einweisungsverfahren in die Lager wird wie folgt durchgeführt: Vom 15. Juni 1946 ab werden die Läger die Verschleppten, sobald eine Unterbringungsmöglichkeit vorhanden ist, hiervon unterrichten. Die Unterbringungsmöglichkeit kann entweder in dem Lager gegeben sein, in dem die verschleppte Person für Lebenmittelrationen usw. registriert ist, oder auch in jedem anderen Lager. Den Zwangsverschleppten wird eine Frist von sieben Tagen gegeben werden, nach deren Ablauf sie sich entscheiden müssen, ob sie in das Lager gehen oder weiter außerhalb des Lagers leben wollen. Entscheiden sie sich dafür, nicht in das Lager zu gehen, so wird ihnen nicht erlaubt sein, weiterhin Lebensmittelkarten für verschleppte Personen zu beziehen, sondern sie werden die normale Lebensmittelkarte für Zivilisten erhalten. Auh ihr„Displaced Persons“. Ausweis wird ihnen entzogen werden. 3. Nach dem 21. Juni dürfen nur noch folgende Personen außerhalb der Lager leben: a) Diejenigen, für die im Augenblick keine Unterkunftsmöglichkeiten in Lagern vorhanden sind. b) Diejenigen, die mit Genehmigung der Militärregierung beruflich tätig sind und für die es nicht zweckmäßig ist, in Lagern zu leben. Solche Personen werden eine besondere auf ihre Person lautende schriftliche Genehmigung der Militärregierung erhalten, außerhalb von Lagern leben zu dürfen. 4. Registrierung. Alle außerhalb von Lagern lebenden Zwangsverschleppten, die als solche anerkannt sind, sind persönlich verantwortlich für ihre Registrierung in dem Lager, in dem sie ihre Lebensmittelkarten und andere zur Verfügung stehenden Vergünstigungen erhalten. Kein Verschleppter kann in einem Lager Lebensmittelkarten erhalten, in dem er nicht registriert ist. Zwangsverschleppte werden in der Regel selbst dafür verantwortlich sein, ihre Lebensmittelrationen aus dem Lager zu beziehen, 5. Alle Verschleppten, die zur Zeit Lebensmittelkarten und andere Vergünstigungen erhalten, gleichgültig, ob sie innerhalb oder außerhalb von Lagern leben, müssen sich bis zum 1. Juli 1946 in dem für sie zuständigen Lager registrieren lassen. 6. Nach dem 1. Juli 1946 wird keine Registrierung von verschleppten Personen mehr stattfinden. Neue Identitätskarten für die britische Zone Hamburg, 16. Juni.(DPD.) Neue Identitätskarten werden für alle Bewohner der britischen Zone in den nächsten Wochen ausgegeben. Die neuen Karten, durch die alle bisherigen Identitätspapiere ungültig werden, sollen in zwei Formen ausgegeben werden, und zwar eine „Karte für Erwachsene", die für alle Personen über 15 Jahre bestimmt ist, und eine„Kinderkarte“ für die Kinder bis zum Alter von 15 Jahren. Düsseldorf, 14. Juni 1946.(Frht.) Die Firma Gerhard& Co., Düsseldorf-Heerdt, hat von der Militärregierung Produktionserlaubnis zur Herstellung von Sohlleder für die Zivilbevölkerung erhalten. Dahlhaus, Telef. 1 37 47.— Chefredaktioa: Karl Schabrod, Telefon 1 37 49.— Anzeigen- und Vertr.-Abt. Tel. 1 37 48. — Verlag: Freier Verlag GmbH., Düsseldorf.— Druck: Droste Verlag und Druckerei KG., alle in Düsseldorf, Pressehaus, Martin-Luther-Platz.— Auflege: 312 000. Nr. 33— Freitag, 21. Juni 1946 Freiheit Seite 3 Wir wollen den Frieden sichern Glaube an die Jugend WESTDEUTSCHER SPORTSPIEGEL Am 22. Juni 1941 überfiel Hitler-Deutschland die Völker der Sowjetunion. Dieser neue Raubüberfall entfesselte den totalen Krieg und löste in der ganzen Welt einen Sturm der Empörung aus. Völker, die bisher abseits gestanden hatten, wurden durch Hitlers neuen Wortbruch gezwungen, in die Ereignisse einzugreifen. Der 22. Juni war ein entscheidender Wendepunkt im letzten Krieg, der den Kampf in eine neue Phase leitete. Wenn bisher die deutschen und alliierten Verluste erheblich erhoffte so viel und ihre Enttäuschung war umso größer. Es ist nicht leicht, Ideale aufzugeben, es ist aber notwendig, neue Wege zu finden. Wenn auch heute noch viele Jugendliche abseits stehen, so stellen doch schon die Fortschrittlichsten unter ihnen ihre Forderungen an den neuen Staat. Diese Forderungen haben ein großes Ziel: Die Sicherung der Zukunft. Nur Frieden und Wiederaufbau können die künftige Existenz der deutschen Jugend sichern. Die Gestaltung einer besseren Welt ist vor allem die Aufgabe der Jugend selbst. Wenn wir uns alle mit unserer ganzen Kraft für die Erhaltung des Friedens einsetzen, dann sind auch die großen Opfer, die die deutsche Jugend im letzten Krieg gebracht hat, nicht ganz umsonst gewesen. G. L. Arme Jugend, hast verloren allen Glauben, jeden Halt! Denn es liegt in Schutt und Scherben was dir hoch und heilig galt. Starke Jugend, hast behalten junges Leben, junge Kraft! Jugend kann nie rückwärts blicken, vorwärts deutet, was sie schafft. Neue Jugend, wirst gestalten deine eigne Zukunft klar! Sturm und Drang zu allen Zeiten Vorrecht stets der Jugend war! Willy Steiger. Westfalen— Niederrhein im Handball gewesen waren, so flossen jetzt Tag für Tag Ströme von Blut, so fielen jetzt Tag für Tag Tausende von jungen Menschen auf dem Schlachtfeld. Besonders die deutsche Jugend sollte den 21. Juni nie vergessen, denn ihr Leben war der Einsatz, mit dem Hitler das wahnsinnige, grauenhafte Spiel gewinnen wollte. Junge Deutsche mußten sterben, damit die Fähnchen auf den Stabskarten des Führerhauptquartiers vorgerückt werden konnten, mußten sterben, damit diese Fähnchen einen Monat, einen Tag, eine Stunde länger auf dem Punkt Kaluga, Orel, Nowgorod oder Stalingrad stecken blieben. Jahrelang war die deutsche Jugend auf dieses gewaltige Morden vorbereitet worden. Um sie in dieser Weise mißbrauchen zu können, hatten die Herrscher des Dritten Reiches systematisch den Geist der Freiheit von ihr ferngehalten und sie mit Drill und Zwang betäubt. Unzählige Literaten, Lehrer, Professoren und Jugendführer schilderten den Krieg als ein großes, zukunftverheißendes Abenteuer. Die deutsche Jugend hat dieses Abenteuer, dessen Höhepunkt das große Sterben auf den verschneiten Steppen Rußlands war, bis zur Neige auskosten müssen. Hitler ersparte ihr nichts, jeder Tag der sinnlosen Kriegsführung forderte neue Opfer von jungen Menschenleben. Der Golgathaweg der deutschen Jugend mußte von ihr bis zum endgültigen Zusammenbruch gegangen werden. Unserer Jugend ist es nicht leicht gemacht worden, den Anschluß an das Leben zurückzufinden. Während man sich in der Welt und in Deutschland noch den Kopf zerbrach, über die Umerziehung oder Unerziehbarkeit der Jugend, stürzten schon die Katastrophen des Nachkriegselends auf sie ein. Es war nicht die Schuld der Jugend, daß Deutschlands Freiheit verloren ging: Sie kannte nur eine Welt des Drills und der Unterdrückung. Nicht die Jugend brachte das Elend und die Verzweiflung über Deutschland: Sie Der nackte Krieger Burscheid, das schön gelegene Städtchen im Bergischen Land, besitzt das erste antifaschistische Denkmal. Ein nackter Krieger kommt eiligen Schrittes gegangen, um die letzte zurückbehaltene Waffe, sein Seitengewehr, abzuliefern und mit hocherhobener Rechten zu schwören, daß er nie wieder kämpfen will. Als das Denkmal vor Jahren enthüllt wurde, gab es viel Murren:„Einen nackten Krieger habe ich noch nie gesehen!“—„Weshalb trägt er denn seinen Säbel in der linken Hand?" usw. Heute aber ist jedem die tiefere Symbolik der Darstellung klar geworden. Der Deutsche, hier personifiziert durch den nackten Krieger, mußte erst alles verlieren, er mußte nicht nur bis auf's Hemd, sondern pudelnackt ausgezogen werden, bis er zur Erkenntnis kam, daß durch den Krieg nichts zu gewinnen ist. Dann hat er es aber auch eilig, seine Waffen abzuliefern und Besserung zu geloben. Heute bewundert man staunend die prophetische Schau in die kommende Entwicklung, die es verstand, z. Z. der höchsten Machtentfaltung des Nationalsozialismus den NS.-Bonzen gerade diese Darstellung eines germanischen Kriegers aufzuschwatzen. W. S. Britisch-russisches Schachturnier Ein viertägiges Schachturnier über den Funk, bei dem die britische Mannschaft in ihrem Londoner Klubhaus und die russische über 2000 km entfernt in Moskau im Haus der Kunstgewerbler sitzt, hat am Mittwoch begonnen. Das Turnier war ein Ereignis für London, an dem zahlreiche britische Persönlichkeiten teilnahmen. Die russischen Spieler stellten sich durch Fotografien mit Unterschrift und Grüße ihren englischen Gegnern vor. Doch, bevor das königliche Spiel begann, hielt Minister Silkin eine witzige Ansprache, in der er vorschlug, daß auch Bevin und Molotow sich einmal zu einem Schachturnier zusammensetzen sollten, damit die beiden Außenminister, wie Silkin unter allgemeiner Heiterkeit ausführte, den Wert auch eines winzigen Opfers kennenlernen könnten. Die beiden Ländermannschaften bestehen aus je 12 Personen. Unter der britischen befinden sich zwei Frauen. Der britische Meisterschaftsspieler Alexander spielt gegen den Russen Botwinnik, den Anwärter auf den Weltmeisterschaftstitel seit dem Tode Aljechins. KAUOS Knubs steigt in die Düsseldorfer Straßenbahn. „Bitte einmal bis Adolf-Hitler-Platz!" Der Schaffner lächelt überlegen:„Da sind Sie etwas zurück, junger Mann, der heißt schon seit einem Jahr Graf-Adolf-Platz.“ Knubs ist sprachlos:„Was, zum Grafen haben sie ihn gemacht? Das hat er aber wirklich nicht verdient!" Hermann Düllgen zum Gedächtnis Wer ihn gekannt hat, den unerschrockenen Kampfgefährten aus legaler und illegaler Zeit, den selbstlosen Kameraden langer Zuchthausjahre, der konnte nicht anders, als ihn lieben, Ein Freund, der nie enttäuscht, jungenhaft aufgeschlossen allem Wahren und Schönen, doch eisern, wenn es stark sein hieß, das war Hermann Düllgen aus Neuß am Rhein. Das Leben hatte ihn in eine harte Schule genommen. Schon mit 19 Jahren stand er — ein Arbeiterkind— mit beiden Füßen in der Arbeiterbewegung. Gewerkschaftskämpfe und Streiks lehrten ihn erkennen, daß Politik und Wirtschaft ein unlösliches Ganzes bilden und, daß das werktätige Volk sich seine Rechte in langwierigen politischen Kämpfen erringen müsse. So fand er den Weg zur KPD. 1929 sehen wir ihn als Stadtverordneten in Neuß energisch die Sache der Arbeiterschaft vertreten. Anfang 1933 wurde er zum erstenmal verhaftet. Wie so viele seiner Kameraden mußte er ins Konzentrationslager und anschließend bis Ende 1934 ins Gefängnis. Im August 1935 wurde er erneut verhaftet und zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. Nie während jener langen Zeit quälenden Hungers und unmenschlicher Entbehrungen, an denen so mancher zerbrochen ist, hat er je in seiner Haltung geschwankt. An seiner inneren Kraft und seinem politischen Weitblick fanden die Kameraden den Halt zu weiterem Ausharren. Beim Bombensprengkommando in Kalkum — dem bekannten Todeskommando— fand sich für ihn die langersehnte Gelegenheit, die Verbindung mit der Außenwelt, vor allem mit aktiven politischen Gruppen, aufzunehmen und so den Kampf gegen das Naziregime weiterzuführen. Verrat lieferte ihn in die Hände der Gestapo. Am 27. 10. 1944 wurde Hermann Düllgen wegen Hochverrats in Frankfurt a. M. hingerichtet. Zahlreiche Ausarbeitungen und Briefe hat er uns hinterlassen, die uns den Verlust erStalingrad Von Theodor Plivier Es war kein von Urmenschen gejagtes Tier, kein von Steinäxten angeschlitztes und von Schmerzen tollgewordenes Mammut, es war eine Daimler-Benz-Maschine mit einem 90-PSDiesel-Rohöl-Motor, mit drei Achsen, mit Vorder- und Hinterachsenantrieb, die heulend durch die Nacht flüchtete, in Löcher absackte, über Bodenwellen wegsetzte und eine aufstiebende hohe Schneewolke hinter sich ließ, und es war nicht 300 000 Jahre vor unserer Zeitrechnung,— in der Nacht vom zwölften auf den dreizehnten Januar 1943 und auf dem Wege von der Rossoschkaschlucht zur Straße Karpowka—Pitomnik war das geschehen. Am 12. Januar waren in Karpowka, in Dmitrijewka, Nowo-Alexejewka, Baburkin die Hauptverbandplätze evakuiert worden und je 300 oder 400 oder 450 Schwerverletzte waren, nur in Decken gewickelt, auf offene LKW.s verladen worden. Den Lastwagen war auf dem Wege der Betriebsstoff ausgegangen, andere waren in Schneeverwehungen steckengeblieben, die Kolonne war auseinandergerissen worden und von dreißig Wagen hatten nur fünf ihr Ziel erreicht. Einer von allen Arzten, der Chefarzt einer Verwundetensammelstelle im Rossoschkatal, war dem Befehl nicht nachgekommen; er hatte Flüche, Verwünschungen, Heulen, Flehen, den ganzen Jammer der Betroffenen über sich ergehen lassen, und nachdem er alle vorhandenen Betäubungsmittel hatte austeilen lassen, ihnen erklärt, daß sie zurückbleiben müßten. Das war an einem Ort geschehen, die Schwerverwundeten aller anderen Verwundetensammelstellen und der Hauptverbandplätze sind in Marsch gesetzt worden, und zwar nicht nach dem Flugplatz Pitomnik, um aus dem Stalingrader Kessel ausgeflogen zu werden, sondern nach dem Feldlazarett zwischen Gumrak und Stalingrad, das nichts anderes als eine Auffangstelle für den größten Stalingrader Friedhof war. „Heulen Sie" Der Mann, dem man den Fuß wie einen schlammten Strumpf auseinen Fetzen Decke um das Skelett gewickelt, an seinem Platz saß und Schmerzen und den bis zum Knie hochfressenden Brand vergaß, sagte das. Und ist der Mensch Holz? Nein, er ist nicht Holz! Und alle, die von diesem rasenden Vehikel abgeschüttelt wurden und niedergetreten im Schnee zurückblieben, sind von Müttern, von Frauen, die sich lieben ließen und die liebend von starken, freien Männern träumten, geboren worden. Aber stark sind sie alle nicht geworden, und frei sind sie nicht geworden. „Heulen Sie, da sind Sie auf dem Wege!“ Auf welchem Wege? Wedderkop stellte diese Frage nicht. Noch die Gesichte vor Augen, noch das Splittern(und er hat es doch gehört) zerbrechender Knochen in den Ohren, noch vom Grauen gelähmt, verstand er überhaupt nichts. Und Steiger sagte: „Schwielen an den Händen, darin liegt nicht die Stärke. Und Schwielen der Seele, dahinter steht meistens gar nichts. Heulen Sie, Besseres können Sie nicht tun!" Er sagte noch mehr über Stärke: „Der krummgearbeitete Bauer ist weit stärker, auch die Frau mit einem Kind im Leib ist weit stärker als der Infanterist, der mit fünfundreißig Pfund im Tornister durch Länder marschiert!" Er sagte noch mehr über Stärke, auch über Freiheit, auch über Gott... über Kniebeugen und Klimmzüge, über Furcht, über Tiere, die einen reißenden Fluß überqueren, und daß eins dem anderen hilft, das andere Ufer zu gewinnen. Und von Schmerzen betäubt, schloß er die Augen und fiel in den Sitz zurück. Wedderkop hatte so viel verstanden, daß er Sonthofen und sein Exerzitium dort ein„geistiges Kniebeugen" genannt hat, und daß es gelungen sei, das ganze Volk in Kniebeugehaltung zu versetzen, daß aber der Versuch, auch allen anderen Völkern die Seele, die Freiheit, das eigene Wesen zu nehmen, zum Scheitern verurteilt sei und— Gott sei dafür gepriesen— in eben diesen Stunden zu scheitern beginne; einem ganzen Volk aber den Willen und das Gewissen geraubt und dieses Volk in eine starre Maschine verwandelt zu haben, das cei grauenhafter als kennen lassen, den die Arbeiterbewegung mit seinem Tode erlitten hat. Sein letzter Brief, den er geschrieben hat, als er endgültig wußte, daß er dem Tode nicht mehr entrinnen konnte, ist ein erschütterndes Beispiel für seine mannhafte Haltung bis zum letzten Atemzug. Zwei Tage nach seiner Verurteilung zum Tode schreibt er an seine Angehörigen: „Mein lieber alter Vater, liebe Geschwister! Der alte Goethe schrieb einmal:„Nichts menschliches blieb mir fremd." Ich glaube, der alte weise Herr hat sich geirrt. Viel menschliches hat er wohl kennengelernt und auch nachgekostet, ob er aber die Leiden und Kümmernisse eines Menschen des 20. Jahrhunderts kennenlernte, bezweifle ich mit Recht. Hat er auch nur eine einzige tolle furchtbare Bombennacht erlebt? Nein! Denn bis zu seiner Zeit hatte menschlicher Geist noch nicht so furchtbare Vernichtungsmittel ersonnen.. Soeben ertönte die Sirene und kündete neue Vernichtung an. Ob sie auch ertönt, wenn meine Vernichtung vollendet wird? So ist es meine Lieben: Was ich freiwillig nie tun würde, ist mir nämlich durch Spruch des Volksgerichts am 7. September in Darmstadt zudiktiert worden. Noch ist mir eine kleine Frist gegeben. Diese möchte ich gerne ausgefüllt sehen mit Eurem Besuch, um das letzte, was mir noch auf der Seele brennt, mit Euch zu besprechen und noch einmal, zum letztenmal, in verwandte Augen zu schauen. Wenn ich mein Leben betrachte, so ist es ein Mosaik bunter, bitterer und heiterer Erinnerungsbilder. Eins der freudigsten ist, trotz aller überstandenen Gefahren beim Bombentöten, das vorige Jahr. Ich fasse es in einem einzigen Namen! Fr... Dieser kleine, liebe Mensch hat mich noch einmal von Herzen glücklich gemacht. Ich weiß, daß sie dasselbe von mir sagt. Beide freuten wir uns darauf, die kommenden Jahre gemeinsam und glücklich zu verbringen. Jetzt aber ist es ihr Los, allein und einsam weiter zu pilgern... Ich vertraue aber ihrem tapferen Herzen in der Überwindung des Schmerzes um nie erlangtes Glück. Oft sinkt mein Erinnern in verlebte schöne Stunden zurück und zaubert mir ihr glückliches Gesichtchen vor Augen. Jetzt aber kann ich nur mit einem letzten schriftlichen Gruß ihr eine kleine Freude bereiten. Grüßt sie recht herzlich von mir..." * Die Leiche von Hermann Düllgen ist von Frankfurt a. M. nach Neuß übergeführt worden und wird am Sonntag, dem 23. Juni, in Neuß beigesetzt. Die Trauerfeier beginnt um 10 Uhr in der Kapelle des Neußer Friedhofs. J. B. es sei die Ursache nicht nur für eine, sondern für viele solcher Straßen. Das Unmögliche habe man gewollt. Aber es sei wie mit einem Klimmzug, aus dem Klimmzug müsse man zurück. Die Armee aber und die Soldaten, die aus diesem gigantischen Klimmzug zurückfallen, fallen dort hin, wo wir sie liegen gesehen haben: und keiner hilft dem anderen, kein Auto zieht das andere heraus, so tief ist der Sturz, so tief sind wir gefallen. Das hatte er gesagt. Steiger kehrte aus seiner Öhnmacht zurück. Es war eine weiße, leere Welt, in die er blickte, und es waren leere Augen, die er neben sich hatte. Wir wissen zur Stunde noch nicht, in welcher Aufstellung der Niederrhein am Sonntag zum Repräsentativkampf im Handball gegen Westfalen antreten wird. Westfalen wird die stärkste Vertretung stellen und der Umstand wird auch die „vom Niederrhein" dazu zwingen, allen Komplikationen aus dem Wege zu gehen. Nach den mageren Kriegsjahren im Sport, geht es langsam wieder bergauf.(Hoffentlich nicht nur im Sport.) Der Handball zeigt sich in Hagen sehr rührig und die Erfolge bleiben auch beim Besuch der Spiele nicht aus. Aller Wahrschemlichkeit nach wird sich der Niederrhein auf die alten erfahrenen Spieler von Barmen und Lintfort stützen. Westfalen wird jedenfalls mit Waletzko als Linksaußen und Rademacher, sein Vereinskamerad, auf Linksinnen, zu denen sich die alten Wurfkanonen Kuchenbecker und Helligrath auf der rechen Seite gesellen und Hermann als Mittelstürmer antreten. Es ist ein Sturm, vor dem jede Verteidigung kapitulieren muß. Trotzdem Waletzko eigentlich Innenstürmer ist, trauen wir ihm auf Grund seines großen Handballkönnens eine sehr gute Leistung auf dem Außenstürmerposten zu Hintermannschaft und Torwart sind ebenfalls gut besetzt, und hier ragen die beiden alten Handballstrategen Keiter und Bandholz hervor. Hesselmann als Torwart hat im Probespiel gegen die B-Mannschaft eine sehr gute Figur abgegeben, und hoffen wir, daß auch die Läuferreihe mit dem Hagener Hoffmann, ferner Ulkar und Soree sich als eine gute Aufbau- und Abwehrformation herausstellt. Hagen war von jeher eine Handball-Hochburg, und am kommenden Sonntag werden, wie in alten Zeiten, die Massen zum Höing pilgern. Westfalen und Niederrhein sind alte Kontrahenten im Handball, und hoffen wir, daß niemals eine unnatürliche Grenze die schönen sportlichen Beziehungen unterbrechen mögen. Ferner soll das Spiel das beste Spielermaterial aufzeigen, das uns zur Verfügung steht, wenn es heißt im September dem Europameister, die Schweiz, ein Paroli zu bieten. Wir denken, daß mit dem Spiel gegen die Schweiz unsere internationalen Beziehungen im Sport wieder seinen Anfang nehmen und Wr Sportler aller Welt zeigen können, daß wir mit den anderen Völkern in friedlichem Wettstreit kämpfen wollen. Westfalen spielt in folgender Aufstellung: Hesselmann; Bandholz, Keiter; Hoffmann, Ulkar, Soree: Helligrath, Kuchenbecker, Hermann, Rademacher, Waletzko. Anwurf: 16 Uhr. Sportplatz: Höing in Hagen. Vorher: 15 Uhr Frauen Westfalen gegen Niederrhein. In einem wohldurchdachten Rahmenprogramm wird der VfL. Hagen ab 13.30 Uhr mit leichtathletischen Wettkämpfen die Veranstaltung eröffnen. Leider waren bis zum Redaktionsschluß die Aufstellungen der rheiniscnen Mannschaften und auch die einzelnen Wettkampfarten der Leichtathletik nicht zu erfahren. Um den Platz an der Sonne! Nachdem Harkorten mit 6 Punkten Vorsprung an der Spitze liegt, entbrennt am Ende der Tabelle der Kampf um den Verbleib in der Klasse. Drei bis vier Vereine sind hier stark gefährdet, und gerade diese sind es, welche immer für Überraschungen sorgen. Wir sehen es im Falle Wetter und auch in etwa im Falle Fichte. Der Spitzenreiter Harkorten ist spielfrei und ruht von seinen Strapazen aus. Trotz der scheinbaren Unwichtigkeit der anderen Spiele ist in der Meisterschaft noch alles drin. In der Gruppe Lüdenscheid lag auch Altena mit fünf Punkten Vorsprung vorn, derselbe ist innerhalb zwei Sonntagen auf einen Punkt Vorsprung zusammengeschrumpft. Es gilt auch für alle Vereine der Hagener Gruppe, auf der Hut zu sein, denn plôtzlich kann auch hier der Fall wie in Lüdenscheid eintreten. Das Interesse des Publikums ist jedenfalls an den Spielen der kommenden Sonntage nicht geringer, und wie immer werden die Massen zu „König Fußball“ kommen. Union— Wengern. Zu einem interessanten Kräftevergleich kommt es auf dem Kursbrink. Union macht sich noch Hoffnungen und wird alles daransetzen, die Punkte in Haspe zu halten. Jedoch auch Wengern ist nicht gewillt, kampflos die notwendigen„Dinger“ abzugeben. Jedoch mit dem einheitlichen Sturm und der besseren Läuferreihe werden die Hasper auf heimischem Gelände zum Siege kommen. Wetter— Fichte: Zum siebten Male fährt Fichte in dieser Serie auswärts und noch keinmal kann ein Gegner darüber klagen, daß die Eilper nicht angetreten sind.(Trotz dem Tiefstand in der Tabelle.) Wetter hat am verganBeobachtungsstation in der Rakete Diese Rakete, die hier in einer amerikanischen Versuchsstation mit einem MiniaturLaboratorium ausgestattet wird, soll am 27. Juni von Neumexiko aufsteigen. Die Meßapparate in der Rakete, die 180 km in den Raum fliegen wird, sollen zur Lösung der Rätsel des Weltalls beitragen, da sie in Regionen aufsteigen wird, die bisher noch nicht erreicht wurden. genen Sonntag einen klotzigen Sieg herausgeholt. Da nun beide Gegner die Punkte bitter nötig brauchen, kann man mit einem spannenden und interessanten Spiel rechnen. Beide Mannschaften sind sich in etwa gleichwertig. Man könnte darum den Ausgang des Treffens offen lassen, jedoch spricht für Wetter der heimische Platz und das 6:0-Ergebnis vom vergangenen Sonntag. Westfalia— Altvoerde: Die Gegner stehen in der Tabelle noch sehr günstig und beide werden ihre Chance zu wahren wissen Gefühlsmäßig geben wir jedoch Westfalia auf Grund der einheitlichen Leistung den Vorrang und rechnen auch mit deren Sieg. Haßlinghausen— Schwelm: In Haßlinghausen wird es für Schwelm eine harte Nuß zu knacken geben. Auf heimischem Gelände hat H. schon manche gute Leistung gezeigt. Trotz der starken Schwelmer Hintermannschaft wird der schnelle und schußfreudige Sturm der Haßlinghauser zu Toren und vielleicht auch zum Siege kommen. Milspe— Silschede: Silschede ist nur zu Hause gefährlich und dagegen auswärts viel zahmer. Auf dem geräumigen Milsper Bremenplatz wird S. nicht viel zu verkaufen haben, das heißt, wenn nicht Milspe schon den Kampf vorher aufgegeben hat. Nach der guten vorsonntäglichen Leistung wäre es schade um die Mannschaft. Wir glauben jedenfalls immer noch an Milspe. Ha-es. Bezirksmeister werden gesucht Der erste Schritt zur kommenden westdeutschen Fußballmeisterschaft: Die Bezirke am Niederrhein ermitteln ihre Meister, die dann den Gaumeister ausspielen. Westfalen hat es mit den beiden Gruppen seiner Gauliga einfacher, und am Mittelrhein wird man wohl auch bald so weit sein, daß der beste Verein ausgespielt werden kann. Essen steht mitten in den Endspielen, der Stadtmeister wird gleichzeitig den Ruhrbezirk vertreten. Preußen Essen und Rellinghausen 08 sind nach den beiden ersten Spieltagen ohne Punktverlust, und allgemein sieht man in Preußen die augenblicklich beste Elf. Gegen Rellinghausen 08 müßte es am Sonntag einen weiteren Sieg geben. Kupferdreh 09 wird den Katernberger Sportfreunden sehr zu schaffen machen. Berg-Mark meldet den ersten Endspieltag. In Düsseldorf trifft der allgemein favorisierte VfL. Benrath auf den FC. Ohligs. Die Mannen um Hohmann und Stoffels sind technisch reifer und sollten Inhalte dieser Kunst ein vergleichendes Moment heranziehen, so ließe sich wohl mit gutem Recht sagen, daß diese Plastik über die Leichtigkeit vereint mit Schwere und Tiefe verfügt, wie sie uns in der deutschen Romantik bei Novalis, Arnim oder dem frühen Mörike zum Erlebnis wird, Daß der Bildhauer Ittermann durchaus Sohn seiner Zeit ist, belegen— offensichtlicher und besser überschaubar— seine Zeichnungen, die nüchtern und sachlich die Härte seiner Arbeit nachweisen. Coe—. auf dem Fortuna-Platz den ersten Sieg erzielen. Beachtung verdient der VfB. Marathon Remscheid, der seinen Start gegen Borussia Velbert erfolgreich gestalten dürfte. Vier Gruppensieger stehen am rechten Niederrhein fest. Wahrscheinlich ist der Meidericher SpV. der fünfte, der nach dem ersten 5:1 gegen den Duisburger SpV. auch im Rückspiel beste Aussichten hat. Rot-Weiß Oberhausen wird gegen Rheingold Emmerich das erste Bezirksendspiel ebenso gewinnen wie VfB. Speldorf gegen VfB. Lohberg. Schalke 04 greift erneut in die westfälische Meisterschaft ein. Das erste Spiel gegen Union Gelsenkirchen wurde mit 1:0 nur knapp gewonnen, so daß man auf das erneute Zusammentreffen sehr gespannt sein darf. Interesse verdient auch die Begegnung zwischen Borussia Dortmund und dem VfL. Altenbögge. Gewinnt Altenbögge, so würde dieser Erfolg praktisch den Vorsprung der SpVg. Erkenschwick vergrößern. Westdeutsche Uraufführungen „Die weiße Weste", eine szenische Satire von Heinrich Spoerl, wurde in Hamburg uraufgeführt. Wolfgang Liebeneiner inszenierte. Das Premierenpublikum nahm das Werk mit großem Vergnügen auf. Robert Ittermann 60,Jahre au In Koln fand die Uraufführung der Komödie „Pygmalion wird kuriert" von O. H.Pfeiffer, unter der Regie von Dr. Karl Pempelfort statt. Auszug aus dem gleichnamigen Roman des Autors, der in Berlin erschienen ist. (Zur Ausstellung Robert Ittermann und Albert Otto in den Kunstsammlungen der Stadt Soest.) Frühmorgens, als ich auf dem Wege zur Arbeit an Robert Ittermanns früherem Atelier in Golzheim vorübergehe, denke ich wieder mit schmerzlichem Bedauern, wie sehr uns dieser vorzügliche Bildhauer heute beim Wiederaufbau der Kunststadt Düsseldorf und ihres künstlerischen Lebens fehlt. Charaktere und Begabungen wie Ittermann sind selten. Der gebürtige Iserlohner kam auf dem Wege über Karlruhe in den zwanziger Jahren nach Düsseldorf. Er wurde bald eine der tragenden Figuren im Kunstleben der Stadt, bis ihn der Krieg an den Möhnesee bei Soest vertrieb. Von dort gelangt— Duplizität des Erinnerns und des Sicherinnerns— heute die Einladung zur Eröffnung einer gemeinsamen Ausstellung Robert Ittermanns und des Malers Albert Otto auf den Redaktionstisch der„Freiheit", Für beide Künstler findet die Ausstellung zur Feier ihres 60. Geburtstages statt. Die Plastik Ittermanns erscheint so zauberhaft jung, so voll zärtlicher Hingabe an das Leben, so zeitlos, daß es fast befremdlich scheint, daß ihr Schöpfer doch der Regel einer Zeitlichkeit unterworfen sein soll. Nun, Jugend kann nicht Reife haben. Aber— es ist das beglückendste Erlebnis, wenn die Reife Jugend hat. Hierin scheint mir das Geheimnis der Kunst Ittermanns beschlossen. Er hat jene Vollendung künstlerischen Schöpfertums erreicht, wo jede Gestalt, die er formt, nach eigenem Gesetz Kunst wird. Und so sind wir dankbar, wieder der Fülle seiner Plastik voller Charme, einer außerordentlichen Gestaltungskraft und— eines unerhörten Könnens zu begegnen. Vergleichende Verbindungen zur zeitgenössischen Kunst lassen sich kaum herKulturnotizen Die allgemeinen Probleme der Gegenwart werden in Vorlesungen für alle Fakultäten an der FriedrichSchiller-Universität in Jena in diesem Sommersemester behandelt. Außer dem Präsidenten der Landesverwaltung Thüringen, Dr. Paul, sprechen führende Männer der Landesverwaltung und der Kommunalbehörden. Es werden u. a. folgende Themen erörtert werden: Der Aufbau der Justiz, Überwindung der faschistischen Staatsideologie, der Weg zum Sozialismus, die Bodenreform, der neue Bürger als Problem der demokratischen Verwaltung und Demokratie im Dorf. Aus Anlaß einer Lesung aus eigenen Werken im Rahmen der Kulturwoche der Stadt Braunschweig wurde dem Dichter Eulenberg durch den Oberbürgermeister von Braunschweig die Raabe-Plakette der Stadt Braunschweig verliehen. Die„Kölner Universitätszeitung“ ist von der britischen Militärregierung lizenziert worden. Sie erschien zum ersten Male am 16. Mai 1946. Zunächst erscheint sie monatlich mit Ausnahme der Semesterferien. Sie will sich einsetzen für die freudige Mitarbeit der Studenten am geistigen Wiederaufbau unserer Heimat. Das Kulturamt der Stadt Marl. Kreis Recklinghausen, veranstaltet vom 16. bis 30. Juni 1946 im Städt. Konzertsaal Marl-Hüls eine Ausstellung„Zeitungen und Zeitschriften von heute". iasa Drascaschau dia aus dar Volkshochschularbeit entstanden ist zeigt das Gesicht der neuen deutschen Zeitungen und Zeitschriften aller vier Besatzungszonen und macht damit erstmalig seit langer Zeit wieder umfassend mit dem Presseschaffen in Deutschland bekannt. Das Stadttheater Erfurt hat das Schauspiel „Triumph der Wissenschaft“ von Walter Bankel zur Uraufführung angenommen. Der junge Autor behandelt in seinem Bühnenstück die„Rassentheorie" des Dritten Reiches. Der Spielleiter der Dresdner Staatsoper, Hans Strohbach, wurde als Oberspielleiter an die Frankfurter Oper verpflichtet. Jeden Tag: Nachrichten: 6.45, 8.00, 9.00, 13.00, 19.00. 21.45.— Unterhaltungsmusik: 6.30, 7.10, 8.10, 12.30, 13.15, 17.00, 22.15.— Haus und Gesundheit: 7.00.— Schulfunk: 9.15, 14.30.— Landfunk: 12.15.— Kinderfunk: 16.00.— Suchdienst: 16.30.— Zum Tage: 19.15.— Lernt Englisch im Londoner Rundfunk: 9.05, 18.50.— Wasserstandsmeldungen für Rhein und Mosel: 7.55. Freitag, 21, 6. 46. 14.00: Blick auf die Wirtschaft der Welt; 15.20: Suchdjenst für vermißte Kinder; 15.35: Unterhaltungsmusik; 18.00: Köln: Filmspiegel; 18.15: Köln: Sommerglück und Sommerhoffen; 18.30: Köln: Kammermusik, Franz-Peter Göbel, Klavier; 19.30: Rund um die Welt, 20.15: Sinfonie-Konzert; 22.00: Die Parteien sprechen; 23.00: Tanzmusik von Schallplatten. Samstag, 22. 6. 46. 14.00: Der Jurist spricht; 15.20: Suchdienst für vermißte Kinder; 15.35: Herbert Heinemann und Heinz Munkel an 2 Klavieren; 18.00: Musikalische Rundschau, 18.30: Das Europäische Volkslied; 19.30: Köln:„Führer befiehl, wir folgen dir.. 1“j 20.00: Kabarettsendung; 22.00: Tanz am Wochenende. Sonntag, 23. 6. 46. 7.50: Sonntags-Evangelium; 9.15: Stunde der Besinnung:„Der Sommer", 10.00: Köln: Eichendorff-Lieder von Robert Schumann 10.30: Evangelischer Gottesdienst, 11.30: Musikalische Rätsel; 14.00: Blick in die Welt; 15.00: Sinfonie-Konzert; 16.30: Köln:„Daß uns viel Kurzweil draus erwachs...: 1830: Jugend— heute und morgen; 19.30: Sport, 20.00: Von Operette zu Operette; 22.05: Kölni Sport. Montag, 24. 6. 46. 14.00: Köln: Blick auf die Wirtschaft der Welt, 18.00: Kultur und Leben; 18.30: Klaviermusik von Haydn, 19.30: Köln: Rund um den Sport; 19.45: Lernt tanzen; 20.15: Die Schatzinsell 22.00: Aktueller Vortrag. 22.45: Nr. 33— Freitag, 21. Juni 1946 Freiheit M tä de ) Geschlechtskrankheiten nehmen zu Bei einer Kontrolle waren 50 Prozent aller festgenommenen weiblichen Personen krank Iserlohn. Gelegentlich einer Kontrolle am 31. 5. 1946 wurden in einem hiesigen Lokal 40 weibliche Personen festgenommen. Bei der am nächsten Tage vorgenommenen Untersuchung durch das Gesundheitsami stellte sich heraus, daß 20 von ihnen geschlechtskrank waren. Ob die übrigen alle gesund sind, kann noch nicht gesagt werden. Die Praxis hat gelehrt, daß viele Frauen und Männer nach Ablauf einer gewissen Zeit die traurige Entdeckung machen mußten, daß auch sie von dieser gefährlichen Seuche angesteckt worden waren. Leichtsinn und Gleichgültigkeit in dieser Beziehung haben sich oft bitter gerächt und Tausende ins größte Unglück gestürzt. Soweit festgestellt wurde, beträgt der Anteil der Geschlechtskranken unter den ganz und teilweise Prostituierten in Iserlohn 70 bis 75%. Diese Tatsache ist ein warnendes und alarmierendes Zeichen. Diese Krankheiten können gar nicht ernst genug genommen werden. Es ist notwendig, daß sich alle der Verantwortung bewußt werden, die sie bei einer evtl. Eheschließung für sich und ihre Kinder auf sich nehmen, ganz abgesehen davon, daß es ein schweres Vergehen ist, seine Mitmenschen in die Gefahr einer Ansteckung zu bringen. In einer großen Stadt weisen kleine Plakate auf die Folgen der Geschlechtskrankheiten mit den Worten:„Junger Mann! Junges Mädchen! Was ist dir lieber? Gesundheit, Mut, Kraft und langes Leben— oder Krankheit, Siechtum und früher Tod?" Beherzige ein jeder diesen warnenden Hinweis für die Erhaltung seiner Gesundheit und für die Schaffung einer glücklichen Zukunft unseres Volkes. St. Jugendlicher vermißt Iserlohn. Der 16jährige Gärtnerlehrling Norbert Wethorn, geboren am 30. 4. 1930, wird. seit dem 11. Juni 1946 vermißt. In der zweiten Pfingstnacht wurde in seinem Zimmer noch Licht gesehen. Seit dem darauffolgenden Morgen ist er verschwunden. St. Zur Kenntnisnahme Hemer. Die Stadtverwaltung weist darauf hin, daß in letzter Zeit verschiedentlich beobachtet wurde, daß in den Parkanlagen an der Parkstraße von unberufener Seite Gras geschnitten worden ist. Es wird darauf hingewiesen, daß die Grasflächen vermietet sind und gegen jede unberechtigte Benutzung strafrechtlich vorgegangen werden muß. Silberne Hochzeit Hohenlimburg. Das Fest der silbernen Hochzeit feiern heute, Dienstag, den 18. Juni, die Eheleute Adolf Bäbler, Cowenstraße 2. Wir gratulieren. Besuch in der Lüdenscheider Molkerei Schwarzwild verwüstet Felder Vollme. In ganzen Scharen tauchen Wildschweine Nacht für Nacht in Vollme und Umgegend auf und richten beträchtliche Verwüstungen auf den bebauten Feldern an. Ein Landwirt in Linden war gezwungen, seine Kartoffeln ein zweites Mal anzupflanzen. Wie wir dazu erfahren, soll sich die Zahl der Wildschweine im Kreise Altena auf schätzungsweise mehrere hundert belaufen. Welche Gefahr hier für die Ernährung entsteht, kann man sich sehr gut vorstellen. Es wird höchste Zeit, daß die maßgebenden Instanzen Schritte unternehmen, um dieser Plage Herr zu werden. Diebstähle am laufenden Band Vollme. In Vollme und Umgegend häufen sich die Diebstähle in erschreckendem Maße. Gartenerzeugnisse, ein Schaf, ein Fahrrad und Kaninchen wurden entwendet. Einem Kleinbauern wurde ein Rind aus dem Stall gestohlen. Sogar die Hunde an der Kette sind vor den Dieben nicht sicher, wie uns in zwei Fällen berichtet wurde. Es ist verständlich, daß die Bevölkerung den berechtigten Anspruch auf Stellung eines Polizeipostens in dieser Gegend erhebt, damit die Zahl der Diebstähle verringert wird. Achtung, Sauerländer! Der im Sauerland beheimatete frühere Obergefreite der Luft-Nachr.. Krutmann. welcher sich u. a. auch im Luftwaffen-Sammellager Schongau/Niederbayern befand, wird gebeten, sich an Hans Joachim Orth, Redaktion der„Freiheit“ in Düsseldorf, zu wenden. Bauern und Kleingärtner geschädigt Menden. Vor einigen Wochen wurden in Menden durch die Provinzialpolizei zwei Lastkraftwagen Kartoffeln beschlagnahmt, die im Schwarzhandel zum Verkauf gebracht werden sollten. Anstatt nun diese Kartoffeln in dem städtischen Lagerraum zu lagern, kamen sie zu einem Großhändler. Durch die Bemühungen des hiesigen Wirtschaftsamtes wurden diese Kartoffeln von der Wirtschaftsstelle Iserlohn und von der Kreisbauernschaft für die in Stadt und Amt Menden wohnenden Bauern und Kleingärtner zur Verteilung freigegeben. Der Großhändler, bei dem die Kartoffeln eingelagert waren, verkaufte jedoch einen Teil dieser Kartoffeln ohne Genehmigung des Wirtschaftsamtes an Bauern, die garnicht in Stadt oder Amt Menden wohnten. Unsere Mendener Bauern, ganz besonders aber unsere Kleinsiedler von der Plattenheide und vom Rauherfeld gingen dabei leer aus. Als sich das Wirtschaftsamt die Kartoffeln ansehen wollte, waren von der beschlagnahmten Menge nur noch 40 Ztr. vorhanden. B. zeigt durch seine Handlungsweise, daß er die heutige schwere Zeit noch nicht begriffen hat und somit auch nicht mehr in der Lage ist, als Großhändler sein Geschäft fortführen zu können. Er sabotiert die Bemühungen des Wirtschaftsamtes, die schwere Not zu lindern. Die Kleingärtner sind durch die Handlungsweise des B. besonders hart betroffen worden, weil ihnen dadurch die diesjährige Kartoffelernte verloren geht. Es steht fest, daß B. einen Teil der Kartoffeln ohne Genehmigung des Wirtschaftsamtes verkauft hat. Es steht aber auch weiterhin fest, daß es so nicht bleiben kann. Darum Mendener, macht die Augen auf und fordert Kontrollausschüsse, damit diese Unregelmäßigkeiten endlich aufhören. St. Rauchwarenverkauf wie er nicht sein soll! Menden. Wie nicht anders zu erwarten, gab es bei Bekanntwerden des Tabakwarenverkaufs bei den in Frage kommenden Geschäften ein großes Gedränge. Anscheinend haben die Mendener Händler ihr besonderes System im Verkauf von Mangelware. Während einzelne Geschäftsleute versuchen, jedem gerecht zu werden, glauben andere, aus der Reihe tanzen zu können. So verkaufte z. B. ein Takakwarenhändler an jeden Käufer soviel Rauchwaren, wie diese an Punkten zur Verfügung hatten. So kam es, daß einzelne Käufer 140 bis 180 Zigaretten erhielten. Die Werktätigen, die nach Feierabend ihre Rauchwaren holen wollten, gingen leer aus. St. Lüdenscheid. Es dürfte interessant sein zu erfahren, was mit der Milch geschieht. Allein, daß in der Lüdenscheider Molkerei täglich 20—25 000 Liter Milch verarbeitet werden, wird wohl manchem Leser nicht bekannt sein. Von der Verladerampe rollen die gefüllten Kannen auf einer Gleitbahn zur Waage, dort wird die Milch in große Sammelbecken gegossen. Mittels einer Pumpe gelangt die Milch dann in eine Reinigungszentrifuge, um anschließend in einem Plattenerhitzer bei 85 Grad keimfrei gemacht zu werden. Nachdem sie mehrere Kühlabteilungen passiert hat, kommt sie in den Vollmilchkühlraum. Ein großer Teil der Rohmilch wird zu Butter und entrahmter Frischmilch verarbeitet, wobei die Milch auch im Plattenerhitzer auf eine Temperatur von 85 Grad gebracht werden muß, um ihre Entrahmung in einer Zentrifuge ermöglichen zu können. Der gewonnene Rahm wird danach noch einmal auf 90—95 Grad erhitzt und durch Röhren in einen Nebenraum geleitet. Hier wird er auf 12 Grad abgekühlt, wodurch eine Reinkultur von Milchsäurebakterien butterreif gemacht wird. In riesigen Bottichen bis zum nächsten Morgen aufgespeichert, wird das Produkt dann in große Butterfässer gebracht. Solch ein Faß, in dem die Butter gewaschen wird, faßt 8—10 Zentner. Mit großen Holzspaten bringt man die Butter in die FormAus der Lesermappe Verlegung der Kartenstelle Lüdenscheid. Ein Leser schreibt uns: Die Ausgabestelle für Krankenzulage ist nach der Werdohler Straße verlegt worden. Man hat bei der Verlegung scheinbar nicht berücksichtigt, was es für kranke und alte Leute, die keinen Anhang haben, heißt, von der Hohen Steinert nach der Werdohler Straße zu laufen. Meistens muß man dort auch noch eine Stunde stehen. Daß diesen Leuten der Rückweg erst recht beschwerlich wird, muß jedem verständlich sein. Wir bitten die Stadtverwaltung, die Möglichkeit einer zweiten Ausgabestelle im westlichen Stadtteil in Erwägung zu ziehen. Es wäre damit Vielen geholfen. L. maschine, von wo aus sie fein säuberlich in Papier verpackt, auf den Tisch gleitet. Die entrahmte Milch ist inzwischen, nachdem sie ebenfalls keimfrei gemacht worden war, in die Abfülltanks gebracht worden. In den Räumlichkeiten und an der ganzen Apparatur herrscht peinlichste Sauberkeit. 18 bis 20 Zenter Kohlen sind täglich erforderlich, um das Wasser für die Erhitzer und für die Reinigung zu kochen. Im Kellergeschoß der Molkerei befindet sich ein Laboratorium zur laufenden Überwachung der angelieferten Milch. Immer wieder werden Proben entnommen, um Fett- und Säuregehalt, Sauberheit und Krankheitskeime prüfen zu können. Gibt eine Probe Anlaß zur Beanstandung, so erhält der anliefernde Landwirt eine Karte mit einer Verwarnung. W. L. Aufforderung an Stellenwerber Lüdenscheid. Wir fordern alle diejenigen auf, welche sich zwecks Einstellung bei den örtlichen Behörden beworben hatten, aber einen abschlägigen Bescheid bekamen, sich mit ihren Unterlagen bei der Geschäftsstelle der„Freiheit“, Friedrichstr. 2, zu melden. Solche Personen, die bereits entsprechende Stellungen bekleidet haben oder die Fähigkeit dazu besitzen, wollen sich ebenfalls melden. Bedingung ist politische Unbedenklichkeit. Die Red. Drei Jahre Zuchthaus für 40 Diebstähle Lüdenscheid. Die Strafkammer des Landgerichts Hagen befaßte sich am Freitag mit dem Fall Dornbach. Der Frau des D. wurden etwa 40 Diebstähle nachgewiesen. Dornbach erhielt vier, seine Frau drei Jahre Zuchthaus. Beide erhielten je fünf Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Wir bemerken dazu: Wir erinnern uns, daß es sich bei den Geschädigten durchweg um kleine Leute handelt. In solchen Fällen kann die Strafe nicht hoch genug ausfallen. L. Betriebssprechertagung der Gewerkschaft Lüdenscheid. Eine gemeinsame Betriebssprechertagung aller Berufsgruppen, die am vergangenen Samstag in der Aula der Mädchen-Oberschule stattfand, befaßte sich mit dem neuen Betriebsrätegesetz. Der Vortragende, Kollege Bürger. beleuchtete eingehend Zweck und Ziel des Gesetzes. Ein in der Versammlung gewählter Betriebsräteausschuß, der sich aus allen Berufsgruppen zusammensetzt, soll in Zukunft in regelmäßigen Sitzungen zu den Aufgaben der Betriebsräte und richtigen Anwendung des Betriebsrätegesetzes Stellung nehmen. Die Versammlung befaßte sich anschließend mit der Beitragskassierung der Industriegruppe Metall. Es ist mit der baldigen Genehmigung der Beitragserhebung zu rechnen. L. Sühne für Schmidthausen-Überfall Lüdenscheid. Am 17. 6. 46 hatten sich drei der an dem Überfall in Schmidthausen und Niederheedfeld/Halver, am 23./24. 3. 46 beteiligten Polen vor dem höheren Militärgericht zu verantworten. Sämtliche angeklagten Polen bekannten sich sofort schuldig. Auf Grund ihrer Jugend wurden sie zu je 7 Jahren Gefängnis verurteilt. Kartoffelkäferfunde meldepflichtig Lüdenscheid. Der Oberstadtdirektor teilt mit: Zur Sicherstellung der Ernährung ist eine gründlichere Bekämpfung des Kartoffelkäfers wie in den Vorjahren dringend erforderlich. Dies geschieht am wirkungsvollsten durch Absuchen und Vernichten der Käfer und ihrer Eier und Larven. Es ist deshalb nötig, daß außer den bereits eingeleiteten größeren Suchaktionen, die von den Schulen und den Kartoffelbauern durchgeführt werden, jeder Kleingartenbesitzer auf seinen mit Kartoffeln bebauten Grundstücken immer wieder Nachsuche hält. Die jungen Larven, mit deren Ausschlüpfen in nächster Zeit gerechnet werden muß, sind schwer zu erkennen. Bis zu ihrer Vernichtung durch Anwendung von Spritzmitteln entsteht schon ein merkbarer Schaden, der verhütet werden kann, wenn die Suche nach dem Schädling regelmäßig und sorgfältig durchgeführt wird. Das Spritzen kommt für Kleingärten nicht in Betracht, da die Gefahr besteht, daß das äußerst giftige Spritzmittel auf Gemüsepflanzen übertragen wird. Das Auffinden von Kartoffelkäfern und seinen Larven ist sofort dem Ordnungsamt(Rathaus, Zimmer 24) zu melden. Für den Bezirk Lüdenscheid Fußball: Plettenberg— Sportfreunde Grün-Weiß, Werdohl— Höh, Altena— Eintracht. Untere Klassen: Sportfr. Grün-Weiß Res.— Jahn I., Halver— Kierspe, Oberbrügge— Höh Res., Meinerzhagen— L. 61, Halver II.— Kierspe II, Höh II.— Brügge II. Grünewald II.— Eintracht II. Handball: Sportfr. Grün-Weiß— Brügge, Jahn— L. 61, Friesen Jgd.— Brüninghausen Jgd. Kursus der Handballspitzenspieler in der Sportschule Hellersen In der Zeit vom 25. 6. bis 30. 6. findet der vor einiger Zeit schon angesagte Lehrgang für Handballspieler der Spitzenklasse Westdeutschlands in Lüdenscheid statt. Der Lehrgang dient zur Schulung und Aufstellung der westdeutschen Mannschaft, die am 30. 6. in Köln gegen Süddeutschland spielt. Am Mittwoch, dem 26. 6., spielt eine Auswahlmannschaft in Schalksmühle gegen eine Bezirksmannschaft, während am Donnerstag, dem 27. 6., Westdeutschlands A.-Mannschaft— B.-Mannschaft auf dem Jahnplatz in Lüdenscheid spielt. Im Rahmen einer Sauerlandfahrt wird der Aufnahmewagen des Nordwestdeutschen Rundfunks Ausschnitte aus dem Kursus aufnehmen. G. P. Hohenlimburger Ringer erwarten Köln 93. Nachdem der für den 2. Pfingsttag zugesagte Rückkampf aus technischen Gründen seitens der Gäste abgesagt werden mußte, starten am Sonntag, dem 23. Juni 1946, nunmehr die Kölner in stärkster Besetzung auf der Hohenlimburger Matte Der Kölner Klub für Kraftsport genießt in Westfalen und darüber hinaus einen guten Ruf und besiegte auf eigener Matte die Hohenlimburger mit 4:3 Punkten. Das am Sonntagvormittag im Gasthof zum Adler stattfindende zweite Ringertreffen„Köln— Hohenlimburg“ wird sich keiner entgehen lassen, zumal die Hohenlimburger wieder ihren Bantamgewichtsmeister RöBler zur Verfügung haben. Zentralsportverein Lüdenscheid Den Beitritt zum Zentralsportverein beschloß der Lüdenscheider Tennisverein von 1899. Damit sind alle Sportarten im ZSpV. Lüdenscheid vereinigt. Der Lüdenscheider Tennisverein gilt nunmehr als durchaus selbständige Abteilung der großen Lüdenscheider Sportgemeinschaft und hält in Anlehnung an die örtlichen Satzungen des ZSpV. Lüd. und der noch in Vorbereitung begriffenen Verbandsrichtlinien des zukünftigen großen deutschen Sportverbandes sein Eigenleben aufrecht. Als Sportbeauftragten für den Stadtkreis Lüdenscheid hat die Stadtverwaltung auf einstimmigen Vorschlag der örtlichen Sportbewegung den bisherigen Beauftragten Sportfreund H. Kraus erneut berufen. Die Nattenbergkampfbahn und das städt. Freibad sind nach Mitteilung des Besatzungsamtes für den deutschen Schul- und Vereinsbetrieb bisher nicht freigegeben. Die endgültige Entscheidung seitens der örtlichen Behörden der Militärregierung steht noch aus Zwecks Herausgabe eines einheitlichen Sportplakates werden die einzelnen Abteilungen gebeten ihre Veranstaltungsankündigungen bis Dienstagnachmittags beim Generalanzeiger Schillerstraße anzugeben. Eine wichtige Sitzung des erweiterten Vorstandes des ZSpV. Lüd. und des Bezirksausschusses des 2. Bezirks findet am Montag, dem 24. 6., um 20 Uhr in der Jahnturnhalle statt. Zur Beratung stehen Organisationsaufgaben im Bezirk, Kreis und Verband sowie der Volkssporttag. Menden 09 Rot-Weiß Oberhausen 2:1 Das langerwartete Spiel Menden 09— Rot-Weiß Oberhausen konnte am Sonntag, dem 16. 6., bei schönem Wetter stattfinden. Schon lange vor Beginn des Spiels umsäumten 3000 Zuschauer den Platz. Alle waren in Erwartung, die Oberhausener Mannschaft mit den zwei Nationalspielern Fürrissen und Günther zu sehen. Gleich beim Anpfiff des Unparteiischen gingen die Mendener scharf ran und konnten dann auch gleich in den ersten Minuten das Führungstor treten. Obgleich in der ersten Halbzeit die Oberhausener die technisch Überlegenen waren, konnten sie erst in den letzten Minuten vor Schluß der ersten Halbzeit den Ausgleich erzielen. In der zweiten Halbzeit waren die Mendener den Oberhausenern ebenbürtig. Der beste Mann von Menden war Weber. Weber war der ruhende Pohl der Mendener und zeigte, was technisches Können zu leisten vermag. Weber ist unzweifelhaft einer der besten Spieler Süd-Westfalens. Huckschlag und Hesse gaben ihr Bestes, nur Huckschlag stand nicht auf dem richtigen Platz. Die Oberhausener versuchten alles, den Mendenern eine größere Niederlage beizubringen, aber es scheiterte an dem Kampfgeist und technischen Können der Mendener Mannschaft. Westermann im Tor ist doch immer ein sicheres Gefühl, seine Ruhe und Sicherheit überträgt sich auf die ganze Mannschaft. Erst kurz vor Schluß konnten die Oberhausener das Ehrentor treten, so endete das schöne und faire Spiel 2:1 für die Gäste. Die Mendener spielen auch ohne Hüttemeister einen sehr guten Fußball. Geschäftsstelle und Lokalredaktion für Iserlohn: Kirchstraße 7; für Lüdenscheid: Friedrichstraße 2, Fernruf 4246. Abonnenten und Anzeigen für Altena: Parteibüro der KPD., Nettestraße 6. BEKANNTMACHUNGEN Bekanntmachung über Änderungen der Lohnsteuer. Das am 11, Februar 1946 erlassene Gesetz des Kontrollrats zur Abänderung des Einkommensteuergesetzes und die hierzu von der Leitstelle der Finanzverwaltung für die britische Zone am 11. März 1946 erlassene Erste Ausführungsanweisung bewirken die nachstehenden Änderungen der lohnsteuerrechtlichen Bestimmungen mit Geltung ab 1. April 1946. Sie sind erstmalig anzuwenden auf den Arbeitslohn, der nach dem 31. März 1946 gezahlt wird. I. Grundsätzlich sind alle Bezüge, die dem Arbeitnehmer aus dem Dienstverhältnis oder einem früheren Dienstverhältnis zufließen, lohnsteuerpflichtiger Arbeitslohn. Sie unterliegen unterschiedslos den Sätzen der Lohnsteuertabellen. II. Steuerfrei bleiben weiterhin Rentenbezüge(Ruhegelder), die nach dem Reichsversorgungsgesetz mit Genebmigung des Kontrollrates oder des zuständigen Zonenbefehlshabers gezahlt werden(Artikel X, Abs. 2, Ziffer b des Gesetzes Nr. 12). III. Zum steuerpflichtigen Arbeitslohn gehören nicht: 1. Reisekostenentschädigungen(Tagegelder und Fahrtauslagen), die aus öffentlichen Kassen für öffentliche Dienste gewährt werden. 2. Reisekostenentschädigungen, die den in privatem Dienst angestellten Personen gezahlt werden, wenn diese die vollen Entschädigungssätze der vergleichbaren Beamten nicht übersteigen. 3. Auslösungen, die den privaten Arbeitnehmern bei auswärtigen Arbeiten gezahlt werden. Als Höchstbeträge kommen in Betracht die in Tarifverträgen festgesetzten Gesamtbeträge oder ein Übernachtungsgeld am Beschäftigungsort bis zu 3,50 RM. täglich und ein Verpflegungszuschuß(Trennungsentschädigung) bis zum Betrage von 3.— RM. täglich. IV. Die Lohnsteuer richtet sich nach der Höhe des Arbeitslohnes im Lohnzahlungszeitraum(Abrechnungszeitraum). Sie bemißt sich nach den Lohnsteuertabe.len, die für tägliche, wöchentliche, zweiwöchentliche, vierwöchentliche, monatliche, fünfwöchentliche und vierteljährliche Lohnzahlungen amtlich au gestellt worden sind. Der Arbeitslohn ist ohn» jede Abrunlung in die Stufen der Lohnsteuertabellen einzuordnen V. Von sonstigen Bezügen d. h. Bezügen, die neben den regelmäßigen Zahlungen, die der Arbeitgeber für die üblichen Lohnzahlungszeiträume leistet. gewährt werden, ist die Lohnsteuer wie folgt zu berechnen: a) Grundsätzlich sind die sonstigen Bezüge dem Arbeitslohn tür den letzten Lohnzahlungszeitraum hinzuzurechnen; vom Gesamtbetrag ist die Lohnsteuer einzubehalten. b) Zur Vermeidung von Härten können jedoch die sonstigen Bezüge, wenn diese 100 v H. des laufenden Arbeitslobnes für den letzten Lohnzahlungszeitraum übersteigen, für die Berechnung der auf die sonstigen Bezüge entfallenden Lohnsteuer in der Weise aufgeteilt werden, daß ein Teilbetrag der sonstigen Bezüge in Höhe von 100 v. H. des laufenden Arbeitslohnes diesem hinzugerechnet und von diesem Gesamtbetrag die Lohnsteuer nach der maßgeblichen Lohnsteuertabelle ermittelt wird. Zieht man hiervon die Lohnsteuer für den laufenden Arbeitslohn ab, so ergibt sicn lie auf den Teilbetrag der sonstigen Bezüge in Höhe von 100 v H. des laufenden Arbeitslohnes entfallende Lohnsteuer. Für den Restbetrag der sonstigen Bezüge, der den Betrag von 100 v. Al des laufenden Arbeitslohnes übersteigt, ist die Lohnsteuer so zu ermitteln, daß der Lohnsteuer für den laufenden Arbeitslohn die oben errechnete Lohnsteuer für den Teilbetrag der sonstigen Bezüge so oft hinzugerechnet wird, wie dieser in den sonstigen Bezügen enthalten ist. Für den Restbetrag der sonstigen Bezüge, der weniger als 100 v H. des laufenden Arbeitslohnes beträgt, ist die Lohnsteuer entsprechend durch Hinzurechnung des Restbetrages zum laufenden Arbeitslohn zu ermitteln. 1. Beispiel: Ein verheirateter Arbeitnehmer erhält im Monat Juli 1946 sein regelmäßiges Gehalt von 500.— RM.. und eine Tantieme von 4000,— RM. insgesamt 4500.— RM. Die Lohnsteuer ist wie folgt zu berechnen: Dem Gehalt von 500.— RM. ist ein Teilbetrag der Tantieme in Höhe von 100 v. H. des laufenden Arbeitslohnes= 500.— RM. hinzuzurechnen= 1000.— RM. Hiervon beträgt die Lohnsteuer(Steuergruppe II) 390,— RM. Von dem Gehalt(500.— RM.) beträgt die Lohnsteuer(Steuergruppe II) 133.— RM. Danach entfallen auf den Tantiementeilbetrag von 500.— RM.= 257—(390.— RM. weniger 133.— RM.). Die von dem Gesamtbetrag der Tantieme von 4000.— RM. einzubehaltende Lohnsteuer beträgt somit 8X257— RM.= 2056,— RM. Von dem im Monat Juli 1946 gezahlten Gesamtbetrage von 4500.— RM. beträgt somit die Lohnsteuer 2189.— RM(2056,— RM. für die Tantieme von 4000,— RM. und 133,— RM. für das Gehalt vor 500— RM.). 2. Beispiel: Ein lediger Arbeitnehmer erhält für die Lohnwoche vom 5. bis 10 August 1916 einen Wochenlohn von 45,— RM und einen Akkordüberschuß von 80,— RM., insgesamt 125.— RM. Die Lohnsteuer ist wie folgt zu berechnen: Dem Wochenlohn von 45.— RM. ist ein Teilbetrag des Akkordgeldes in Höhe von 100 v. H des laufenden Arbeitslohnes= 45.— RM. hinzuzurechnen— 90,— RM. Hiervon beträgt die Lohnsteuer (Steuergruppe I) 23.60 RM. Von dem Wochenlohn(45.— RM) beträgt die Lohnsteuer(Steuergruppe I) 4,80 RM. Danach entfallen auf den Akkordgeldteilbetrag(45,— RM.)= 18,80 MR. Lohnsteuer(23,60 RM. weniger 4.80 RM.). Der Restbetrag des Akkordgeldes von 35,— RM. ist dem Wochenlohn von 45,— RM. hinzuzurechnen= 80,.— RM. Hiervon beträgt die Lohnsteuer 18.80 RM Von dem Wochenlohn(45,— RM.) beträgt die Lohnsteuer 4.80 RM. Danach entfallen auf den Restbetrag des Akkordgeldes(35.— RM.)= 14,— RM. Lohnsteuer Von dem in der Lohnwoche vom 5. bis 10. August 1946 gezahiten Gesamtbetrag von 125.— RM. beträgt somit die Lohnsteuer 37.60 RM(18,80 RM. und 14.— RM., zusammen 32.80 RM für den Akkordüherschuß und 4,80 RM. für den laufenden Wochenlohn von 45.— RM.) VI. Der Arbeitgeber ist verpflichtes: a) Wenn das Arbeitsverhältnis vor dem Tage der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung noch nicht der Kündigungsfrist erloschen ist: 1. Von allen Bezügen, die nach dem 31. März 1946 an Arbeitnehmer gezahlt werden oder gezahlt worden sind, die Lohnsteuer nach Maßgabe der ab 1. April 1946 geltenden Lohnsteuertabellen einzubehalten oder nachzuerheben. Die zuviel einbehaltene Lohnsteuer ist dem Arbeitnehmer durch Verrechnung zu erstatten; 2. das Mehr an Lohnsteuer auch dann nachzuerheben, wenn der Arbeitslohn vor dem 31. März 1946 für eine Zeit nach dem 31. März 1946 vorausgezahlt worden ist b) Wenn das Arbeitsverhältnis vor dem Tage der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung bereits durch Ablauf der Kündigungsfrist erloschen ist: 1. Dem für die Betriebsstätte zuständigen Finanzamt Mitteilung mit Igenden Angaben zu machen: a) Name(Firma), Anschrift des Arbeitgebers; b) Name und Anschrift des ausgeschiedenen Arbeitnehmers; c) Höhe der für die Zeit ab 1. 4. 1946 nachzuerhebenden oder zuviel einbehaltenen Lohnsteuer; d) Zeitraum, auf den die Betrage entfallen; e) Steuer-Nr., unter der die zuwenig einbehaltene Lohnsteuer abzuführen gewesen wäre oder die zuviel einbehaltene Lohnsteuer abgeführt worden ist. 2 Die Mitteilungen— auf Einzelblättern in doppelter Ausfertigung für jeden ausgeschiedenen Arbeitnehmer— spätestens bis zum 30. Juni 1946 einzusenden. Die Beträge werden von Amts wegen von den ausgeschiedenen Arbeitnehmern eingezogen oder diesem erstattet. c) Das Mehr an Lohasteuer für die Zeit nach dem 31. März 1946 bis zum Tage der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung in dem für den Arbeitnehmer geführten Lohnkonto nachzutragen. VII. Die neuen amtlichen Lohnsteuertabellen können von der Firma Buch- und Verlagsdruckerei Heinrich Bauer Hamburg 1, Schützenpforte 11, und durch den Buchhandel bezogen werden. Die neuen amtlichen Lohnsteuertab ulen sind auch im Wilhelm-Stollfuß-Verlag, Bonn, erschienen und im örtlichen Buchhandel erhältlich. VIII. Der Arbeitgeber haftet für die Einbehaltung und Abführung der nach Abschnitt VI, Ziffer 1. und 2. nachzuerhebenden Lohnsteuer. IX. Arbeitgeber, die der in Abschnitt VI, Ziffer 3. bezeichneten Verpflichtung nicht nachkommen, setzen sich der Bestrafung nach Maßgabe der Strafvorschriften der Reichsabgabenordnung aus. X. Das Mehr an Lohnsteuer für die Zeit vor Veröffentlichung dieser Bekanntmachung hat der Arbeitgeber im Monat Juni 1946 einzubehalten. Wenn die wirtschaftliche Lage des Arbeitnehmers es erfordert, kann das Mehr an Lohnsteuer in Teilbeträgen bis zum 31. August 1946 einbehalten werden.— Hamburg, 22. Mai 1946. Der Präsident der Leitstelle der Finanzverwaltung für die Britische Zone. Landkreis Iserlohn. Entsprechend der Verordnung der MilitärNr. 2t werden für die Wahlen zur Kreisvertretung acht Wahlbezirke gebildet, und zwar: Wahlbezirk 1 Stadtgebiet Schwerte, Wahlbezirk 2 Stadtgebiet Menden, Wahlbezirk 3 Stadtgebiet Hohenlimburg, Wahlbezirk 4 Stadtgebiet Letmathe-Oestrich, Wahlbezirk 5 Stadtgebiet Hemer, Wahlbezirk 6 alle übrigen Gemeinden des Amtes Hemer, Wahlbezirk 7 Amtsgebiet Menden. Wahlbezirk 8 Amtsgebiet Westhofen und Amtsgebiet Ergste. Die für die Gemeindewahlen vorgesehenen Stimmbezirke gelten auch für die Kreiswahlen. Nähere genaue Abgrenzung kann in den Büros der Gemeindeverwaltungen während der üblichen Dienststunden eingesehen werden. Der Landrat: Jacobi; gez. Lücking, Oberkreisdirektor. Baugewerbeerfassung. Alle Betriebe des Baugewerbes, und zwar sowohl des Bauhaupt- wie des Bauneben- und Bauhilfsgewerbes sind auf Anordnung der Militärregierung zu registrieren. Die Registrierung tritt an Stelle einer besonderen Zulassung durch die Militärregierung, soweit eine solche erforderlich wäre. Sie ist Voraussetzung für den Einsatz der Betriebe, die Zuweisung von Brennstoften. Hilfsund Betriebsstoffen usw. Als Betriebe des Bauneben- und Bauhilfsgewerbes gelten alle Betriebe, die nicht dem Bauhauptgewerbe angehören und deren Tätigkeit sich auf eine der folgenden Berufsgruppen erstreckt: Zimmerer Bautischler, Dachdecker, Maler, Anstreicher, Tapezierer, Glaser. Klempner und Installateure, Heizungsbauer, Elektroinstallateure, Stukkateure, Straßenbauer/Steinsetzer, Platten- und Fliesenleger, Öfensetzer, Isolierer, Steinmetze, Gerüstbauer. Soweit Erfassungsformulare nicht unmittelbar zugestelit wurden, können sie durch die Meldepflichtigen des Bauhauptgewerbes beim Baulenkungsamt des Stadt- oder Landkreises, durch die Meldepflichtigen des Bauneben- und Bauhilfsgewerbes bei den zuständigen Kreishandwerkerschaften bzw. beim zuständigen Innungsausschuß in Empfang genommen werden. Der ausgefüllte Fragebogen ist bis zum 6. 7. d. J. bei derjenigen Stelle wieder abzugeben, welche den Fragebogen ausgegeben hat. Der Oberpräsident der Nord-Rheinprovinz, Baulenkungsamt. Ungeziefer wie Wanzen, Läuse, Flöhe, Schaben vernichtet unter Garantie sowie Schädlinge aller Art die Firma H. Ruffing, Schädlingsbekämpfung u. Raumentwesung, größter Fachbetrieb Westdeutschlands, Iserlohn, Gerichtstraße 12, Telefon 2596, Bombengeschädigte! Holen Sie bzgl. 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September 1946 in Neheim-Hüsten, Veranstalter: Gerhilde Bähr, o. H.-G. Einlieferungen werden bis zum 1. August 1946 entgegengenommen. Bedingungen und Auktionskatalog durch die Briefmarkenhandlung Gerhilde Bähr, (21b) Neheim-Hüsten, offene Handelsgesellschaft, Postfach 63. Neueste Preisliste über Deutschland, Lokalausgaben, Europa u. USA. kostenlos. Wer kann Nachricht geben über Grenadier Paul Dahm, geb. 15. 12. 27, Feldp.-Nr. 26 875 B? Letzte Nachricht 20. 2. 45 v. Gran-Brückenkopf in der Slowakei. Nachricht erb. an Walter Dahm, Remscheid, Burger Str. 187. Wer kann Angaben machen über den Verbleib des Pz.-Jäg. Willy Kurps? Letzte Anschr. Pz.-Jäg.-Ers.-Abtg. I Allenstein, Scholzkaserne. Hildegard Kurps, Plettenberg/Westf., Wilhelmstraße 40, bei Niggemann, Weibl. Interessent wird Gelegenheit gebot., sich an größ. Handelsunternehmen finanziell zu beteiligen. 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