0 Robunot om Mag, Hattioger Zeitung Anzeigenpreis: Für 1 mm Höhe und 22 mm Breite 5 Pfg. Für Anzeigen im Textteil 1 mm Höhe und 75 mm Breite 20 Pfg. Ermäßigte Grundpreise und Nachlässe It. Preisliste Nr. 4. Anzeigenaufträge werden nur zu den„Allgemeinen Geschäftsbedingungen" angenommen und in„Die Heimat am Mittag“ Ausgabe A veröffentlicht. Schluß der Anzeigenannahme morgens 10 Uhr für die am gleichen Tage erscheinende Ausgabe. Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmter Stelle wird keine Gewähr übernommen. Bezugspreis: Durch Boten frei Haus halbmonatlich 1,08 RM., für Abholer halbmonatlich 0,95 RM. Verlagsleiter Rudolf Hundt. Hauptschriftleiter: Dr. Rudolf Hundt; Stellvertreter: Hans Hollender; verantwortlich für Politik und Handel: Dr. Rudolf Hundt; nart Mesthaalfclanh Guaßt und SallusGaus GARAARAe. MABAVAS. EI. Matt daom der Schriftleitung unverlangt eingesandten Beiträ für Ausgaben Hattinger Zeitung, Bochume. Wwe., Hattingen=Ruhr. Drahtanschrift: Kreisblatt Hattingenruhr. Für die Aufbewahrung aller eingesandten Beiträge kann keine Gewähr übernommen werden.„Die Heimat am Mittag" D.=A. Bochumer Tageblatt u. Tageblatt für Essen=Steele=Kray=Ueberruhr=Kupferdreh VI. über 11800 Ausgabe A 90. Jahrgang Kreisblatt für den Ennepe-Ruhrkreis Die große Heimatzeitung in Stadt und Kreis Nummer 170 Samstag, 23. Juli 1938 Brestau im Zeichen des 1. Grostdeutschen Lücufestes 250000 deutsche Sportler aus dem Reich und aller Welt 2,5 Millionen Juschauer werden erwartet- Der Festzug der 150000 Zum erstenmal in der Geschichte der deutschen Leibesübungen und des Deutschen Volkes rollt in den Tagen vom 24. bis 31. Juli in der Hauptstadt Schlesiens ein Hochfest der gesamten deutschen Leibesübungen ab, das erste deutsche Turn= und Sportfest Großdeutschlands. Dieses Fest, dem voraussichtlich 2½ Millionen Zuschauer beiwohnen werden, ist hinsichtlich seiner Gestaltung und seiner Beteiligung mit rund 250 000 Aktiven, von denen 30000 allein an den Veranstaltungen des Tages der Wettkämpfer beteiligt sind, ohne Vorläufer nicht nur in Deutschland, sondern auch in der ganzen Welt. In dieser größten Kundgebung der Leibesübungen aller Zeiten wurde der Wille des Führers und der Anspruch des von ihm geschaffenen totalitären nationalsozialistischen Staates Wirklichkeit, daß die Gesundheitserhaltung und körperliche Leistungsfähigkeit staatsbürgerliche Pflichten, die körperliche Erziehung aber ein gleichberechtigter Faktor in der Gesamterziehung des deutschen Menschen sind. Nur das durch den Führer und die nakionalsozialistische Revolution geeinte Großdeutschland konnte ein Fest ausrichten, in dem das ganze deutsche Volk in allen Lebensaltern und Schichten, Frauen' und Männer. jung und alt, die im Reichsbund für Leibesübungen zusammengeschlossenen Millionen Turner und Sportler und die Angehörigen der Wehrmacht und aller Kampfformationen der Bewegung vom jüngsten Pimpf und Jungmädel bis zum ältesten SA=Mann Anteil haben. Der nationalsozialistische Staat hat das bisher in zahllose Verbände und Gruppen zersplitterte Heer der Leibesübungtreibenden zusammengefaßt. Nach seinem Willen ist der Körverkultur in der Wehrmacht, im Arbeitsdienst, in den Formationen der Bewegung und nicht zuletzt in den Erziehungsanstalten, von der Dorfschule bis zur Universität breitester Raum gewährt worden, und er hat ihnen allen das hohe Ziel der Gemeinschaft und die große Aufgabe gewiesen, die jetzt in Breslau zum erstenmal in Erscheinung tritt: Ein Volk in Leibesübungen! Wie umfangreich dieser Gesamteinsatz ist, das zeigt ein flüchtiger Blick in die Festfolge, die am Sonnabend, dem 23. Juli, mit einem Gebietssportfest der Hitler=Jugend des Gebietes Schlesien ihren Anfang nimmt. Der Sonntag bringt den ersten festlichen Auftakt mit der schlesischen Feierstunde auf dem Schloßplatz. Der Sonntagabend bringt aus dem kulturellen Rahmen, der das erste deutsche Turn= und Sportfest umgibt, die festliche Aufführung von„Feier und Spiel“ in der Jahrhunderthalle und zugleich die Uraufführung des Festspieles in der Schlesierkampfbahn, an dem nicht weniger als 10 000 Breslauer mitwirken, Bis zum Mittag des Mittwochs treffen dann die 240 Sonderzüge mit den Teilnehmern aus dem Reich und den volksdeutschen Gebieten des Auslandes ein. Mittwochnachmittag findet in der Schlesierkampfbahn die feierliche Eröffnung des Deutschen Turn= u. Sportfestes durch den Reichsinnenminister Dr. Frick statt. Der Donnerstag ist der Tag der Wettkämpfer. Hier beginnen die im Rahmen des ersten Deutschen Turnund Sportfestes durchgeführten vier Deutschen Meisterschaften in den Mehrkämpfen, in der Leichtathletik und in der Schwerathletik mit einer Teilnehmerziffer, wie sie bisher auf einem turnerischen oder sportlichen Wettbewerb noch nicht erlebt wurde. Der Sonntag bringt am Vormittag den Festzug und Vorbeimarsch der Vereine des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen, die in drei gewaltigen Heersäulen durch die Stadt ziehen, während am Nachmittag auf der Friesenwiese die Schlußfeier dieser gewaltigen Kundgebung stattfindet, an der nicht weniger als 70 000 Teilnehmer mitwirken. Es bedarf kaum der Betonung, welch u'ngeheure organisatorische Arbeit zu leisten ist, um ein solches Fest durchzuführen, nehmen doch allein am volkstümlichen Dreikampf 35 000 Teilnehmer, am Volksdeutschen Tag 40 000 Auslandsdeutsche, an den Vorführungen des Schlußtages 70000 Teilnehmer und am Festzug 150 000 teil. Für die Absperrungen werden 3000 Mann benötigt. Die Zahl der Kampfrichter allein ist größer als die der Gesamtteilnehmer an den letzten Olympischen Spielen, und mehr als 600 Journalisten werden von den großartigen Geschehnissen des ersten Deutschen Turn= und Sportfestes berichten, während man mit einer Besucherziffer von rund 2½ Millionen rechnet. Alle diese Massen wollen verpflegt, untergebracht, befördert und betreut werden. Der Gau Schlesien und die Feststadt Breslau haben in monatelanger Vorarbeit alle Vorbereitungen getroffen, um eine reibungslose und würdige Durchführung der gewaltigen Heerschau der deutschen Leibesübungen sicherzustellen. Die Lage am Wochenende Drei politische Großereignisse— Königsbesuch — Nationalitätenstatut— Ungarnbesuch in Rom— Fehlspekulationen— Neuer Schritt in Prag— Englisch-deutsche Fühlungnahme Die zu Ende gehende Woche ist, was die europäische Politik betrifft, außerordentlich lebhaft gewesen. Drei hervorragende Ereignisse waren es, auf die sich die allgemeine politische Aufmerksamkeit konzentrierte: das Bevorstehen der tschechischen Erklärung zur Nationalitätenfrage, der Besuch des englischen Königspaares in Frankreich und die Reise des unggrischen Ministerpräsidenten und Außenministers nach Rom. Die Vermutungen, die von einer, der Achse Berlin=Rom nicht freundlich gesinnten Clique im Zusammenhang mit dem ungarisch=italienischen Meinungsaustausch angestellt wurden, haben sich in keiner Weise erfüllt.„Sie sind ausgesprochene Fehlspekulationen gewesen und durch die Tatsache widerlegt worden, daß der italienischungarische Akkord sich auf der großen europäischen Kraftlinie der Achse Berlin=Rom aufbaut. Das ist das bemerkenswerte Ergebnis der Aussprache in der italienischen Hauptstadt, ein Ergebnis, das um so erfreulicher ist, als es eine sichtbare Stärkung der europäischen Friedenssache bedeutet. Nicht zu Unrecht ist in Rom diese Entwicklung dahingedeutet worden, daß sich eine breite Zone der Klarheit und Sicherheit in Europa entwickle. Unmittelbar vor dem Wochenende ist, was die tschechische Politik betrifft, das eingetreten, was eigentlich nach der bisherigen Haltung der Prager Gewalthaber vorauszusehen war. drückt sich erneut um eine klare Antwort auf die berechtigten Forderungen des Sudetendeutschtums, und nachdem die Session des Abgeordnetenhauses zur Durchberatung der Nationalitätengesetze bereits mehrmals abgeblasen wurde, ist sie erneut verschoben worden, und zwar bis zum Herbst! Damit dokumentiert die tschechische Regierung offenkundig, daß sie nicht bereit ist, das 20jährige Unrecht gutzumachen und von sich aus den notwendigen Beitrag zur Befriedung der Verhältnisse in Europa zu leisten. Statt des Nationalitätenstatutes erstrebt Prag ein Ermächtigungsgesetz für die tschechische Regierung. Dieses Ermächtigungsgesetz würde eine Verfassungsänderung im Sinne einer Abkehr von den wenigen noch in der Tschecho=Slowakei vorhandenen demokratischen Prinzipien in Richtung einer ausgesprochenen Diktatur bedeuten. Ausgerechnet diejenigen Kreise, die noch vor wenigen Tagen der Weltöffentlichkeit damit Sand in die Augen streuten, daß sie sich als Retter der Demokratie aufspielten, versuchen ihr nunmehr in der Tschecho=Slowakei endgültig das Grab zu schaufeln. Aber das ist nicht der einzige Bluff, mit dem Europa von tschechischer Seite genarrt wird. Die Prager Regierung scheint sich nämlich, wie die tschechischen Verlautbarungen der letzten Tage deutlich verraten, mit der Absicht zu tragen, ein Falschspiel des Jahres 1926 zu wiederholen und die bereits beseitigten vier„historischen" Länder Böhmen, Mähren=Schlesien, Slowakei und Karpatho=Rußland wieder staatsrechtlich erstehen zu lassen. Damit weicht die tschechische Politik der Kernfrage, nämlich einer Einteilung des Landes entsprecheno den Voltsgruppen, aus dem Wege. Erfreulicherweise zeigt sich, wie Informationen aus London und aus Paris erkennen lassen, in den maßgebenden politischen Kreisen Englands und auch Frankreichs eine nicht zu verkennende Beunruhigung über die Haltung Prags, und es verlautet, daß wahrscheinlich ein neuer Schritt der Westmächte bei der tschechischen Regierung bevorsteht. Es ist in dieser Situation wesentlich, nicht nur die fortgesetzte Unnachgiebigkeit der Tschechen festzustellen, sondern auch zugleich noch einmal aufzuzeigen, daß diese Unnachgiebigkeit durch die Haltung gewisser Kreise in London und in Paris gestärkt wurde. Schon seit vielen Wochen wurde von deutscher Seite betont, daß höfliche Vorstellungen in Prag wenig Erfolg haben würden und daß man mit den tschechischen Gewalthabern, die ja seit 20 Jahren zeigen, daß sie nicht bereit sind, der Gerechtigkeit die Türe zu öffnen, eine betont deutliche Sprache sprechen muß. Sie ist jetzt umso mehr am Platze, als die tschechische Haltung geradezu eine Verhöhnung der um eine Befriedung. in Europa besorgten verantwortungsbewußten politischen Kreise ist. Die politischen Besprechungen, die übrigens aus Anlaß des englischen Königsbesuches in Paris geführt werden und weit mehr im Vordergrund der allgemeinen Betrachtung stehen als die Vormarsch in Estremadura Die Offensive dauert an— Einmarsch in die Provinz Valencia Bilbao, den 23. Juli. Das siegreiche Vordringen der nationalspanischen Truppen an der EstremaouraFront hat bei den bolschewistischen Machthabern große Bestürzung hervorgerufen. Um die Bevölkerung, die auf den raschen Einmarsch der Nationalspanier hofft, in Schach zu halten, werden die Methoden schärfsten Terrors angewendet. Ueberläufer aus dem roten Hauptquartier Don Benito, die bei den nationalen Truppen der Estremadura=Front eintrafen, sagen aus, daß in Don Benito in den letzten Tagen eine Panik ausgebrochen sei, die eine neue Mordwelle verursachte. In einem kleinen Ort hätten die Roten bisher fünfhundert Personen ermordet, darunter ganze Familien. Ein Geistlicher sei gevierteilt worden. Der Vormarsch der nationalen Truppen fand bei 44 Grad Hitze im Schatten statt. Der Feind, der den Angriff offensichtlich nicht erwartet hatte, leistete teilweise nur schwachen Widerstand. Der von den Truppen während des Vormarsches eroberte Ort Monte Rubio war von den Einwohnern völlig geräumt worden. Die Sowjettruppen hatten die etwa 1000 Köpfe zählende Bevölkerung zum Verlassen ihrer Heimat gezwungen. Erst nach dem Einmarsch der nationalen Truppenverbände kehrten einige hundert Frauen und Kinder in den Ort zurück.— Im Orte Orellana la Sierra wurden sämtliche Gebäude geplündert. In Orellana la Vieja sind die Häuser durch Handgranatenexplosionen schwer beschädigt worden. Der nationale Heeresbericht meldet: An der Estremadura=Front im Abschnitt Puente del Arzobispo wurden die nationalen Stellungen weiter vorverlegt. Im Nordabschnitt konnte die bedeutsame Offensive der letzten Tage fortgesetzt werden, wobei die Truppen den GuadianaFluß überauerten. Es wurden über 500 Gefangene gemacht und 328 gefallene Sowjetspanier bestattet. Im Südabschnitt sind einige Stellungen bei Puerto Vuelos besetzt worden, wobei die nationale Kavallerie in kühnem Handstreich bis Helechal vororang und zwei feindliche Kompanien vernichtete sowie 243 Gefangene und reiche Beute machte. An der Katalonien=Front im Abschnitt Sort wurde ein feindlicher Angriff, der in den ersten Morgenstunden mit großer Heftigkeit einsetzte unter großen Verlusten für die Roten abgewiesen. Zwei Sowjetbataillone wurden völlig aufgerieben; eine Anzahl von Leichen liegt vor den Drahtverhauen. An der Sagunt=Front erfolgte der Einmarsch in die Provinz Valencia nach Ueberwindung des heftigen feindlichen Widerstandes. Im Abschnitt Candiel wurde die Ortschaft Pavias besetzt. Unwetterkatastrophe in Japan. Heftige Regenfälle, die 36 Stunden ununterbrochen niedergingen, brachten zahlreiche Häuser zum Einsturz und verwandelten weite Strecken des Landes in riesige Seen. Nur mit Mühe können sich die Wagen einen Weg durch die überschwemmten Straßen von Koto bei Tokio bahnen.(Weltbild) Pariser Festlichkeiten, werden Gelegenheit bieten, daß sich die maßgebenden Staatsmänner Frankreichs und Englands im Hinblick auf die TschechoSlowakei über die gegebenen Notwendigkeiten schlüssig werden. Allerdings spielt sich ein Teil der marxistisch angehauchten französischen Presse als Vormund der englischen Politik auf und versucht sozusagen mit dem erhobenen Zeigefinger dem englischen Ministerpräsidenten Chamberlain und seinem Außenminister Lord Halifax„wohlgemeinte" Ratschläge zu verteilen. Uebrigens ist zum Wochenende eine Erweiterung der französisch=englischen Besprechungen in sofern eingetreten, als nunmehr auch der Chef des Generalstabes der englischen Luftstreitkräfte und der Kriegsminister Hore=Belisha nach Frankreich gerufen worden sind. Wie weit die Veröffentlichung des„Paris Soir“ zutrifft, daß der Generalstabschef der französischen Luftstreitkräfte, General Vuilemin, zu Besprechungen über Abmachungen über die Luftstreitkräfte Englands, Frankreichs und Deutschlands nach Berlin reisen werde, muß abgewartet werden. Bedeutsam ist am Wochenende noch eine Zunahme der Stimmung in England in Richtung einer engeren deutsch-englischen Fühlungnahme, deren Ursprung wohl nicht nur in einer kürzlichen Erklärung des englischen Außenministers, sondern auch in einer in den letzen Tagen viel diskutierten deutschen Initiative zu suchen sein dürfte. Die Deutschen in aller Welt hören mit Die bisher größte Parteikundgebung der Östmark=Gaue Berlin, den 23. Juli. Die Rundfunkübertragung der großen Gefallenengedenkfeier, die Rudolf Heß am Sonntag in Klagenfurt abhält, wird, wie NSK. meldet, nicht nur in der Zeit von 11 bis 12 Uhr als Reichssendung durchgeführt, sondern auch mit Richtstrahlern nach Ostasien, Südasien, Afrika, Süd=, Mittel= und Nordamerika übertragen, so daß die Deutschen in aller Welt Zeugen dieser feierlichen Stunde sein werden. In den Städten und Dörfern der ÖstmarkGaue werden außerdem am Sonntag in der Zeit der Klagenfurter Kundgebung würdige Gemeinschaftsempfänge durchgeführt. In Klagenfurt werden mit den Gauleitern sämtliche Gauamtsleiter, Kreisleiter und höhere Führer der Gliederungen der Östmark versammelt sein. Aus allen sieben Gauen werden außerdem Tausende von Parteigenossen nach Klagenfurt kommen, um mit dem Stellvertreter des Führers der für Großdeutschland Gefallenen zu gedenken. Der Klagenfurter Tag wird so die bisher größte Parteikundgebung der sieben ÖstmarkGaue werden. Neue Versuchsflüge der Lufthansa über den Nordatlantik Berlin, den 23. Juli. Das Hochseeflugzeug„Nordmeer“ der Deutschen Lufthansa, das am Donnerstagabend um 20 Uhr von dem vor Horta(Azoren) liegenden Flugstützpunkt„Schwabenland“ zum Fluge über den Nordatlantik startete, ist Freitag mittag um 13.40 Uhr nach einer Flugzeit von 17 Stunden 40 Minuten planmäßig in New York eingetroffen. Mit diesem Fluge der„Nordmeer“ hat die diesjährige Nordatlantik=Flug=Versuchsreihe der Lufthansa segonnen, die insgesamt 28 Flüge zwischen Europa und den Vereinigten Staaten nach einem vorher festgelegten Flugplan vorsieht. Dr. Goebbels in Salzburg jubelnd empfangen Salzburg, den 23. Juli. Am Freitagnachmittag traf Reichsminister Dr. Goebbels, von der Salzburger Bevölkerung mit stürmischem Jubel begrüßt, in der Stadt der Festspiele ein. Sprechchöre der Hitler=Jugend und begeisterte Kundgebungen der Volksgenossen veranlaßten ihn, sich mehrmals auf dem Balkon seines Hotels zu zeigen. Am Sonnabend wird Reichsminister Dr. Goebbels bekanntlich die Salzburger Festspiele eröffnen. Botschafter von Dircksen bei Chamberlain London, den 23. Juli. Der deutsche Botschafter von Dircksen, der sich am Sonnabend zu seinem Sommerurlaub nach Deutschland begibt, besuchte den britischen Premierminister, um sich für die Dauer des Urlaubs von ihm zu verabschieden. Tschechen singen Schmählieder Unverschämte Provokation-Wüste Beschimpfungen des Führers Prag, 28. Juli. Der Abgeordnete der Sudetendentschen Partei, Ernst Kundt, hat an die Prager Regierung wegen der Verbreitung von provozierenden Hetzliedern durch Militärpersonen und Lehrer eine dringliche Anfrage gerichtet. Abgeordneter Kundt weist darauf hin, daß in einer Zeit, wo zwischen der Regierung und den Bevollmächtigten der Sudetendeutschen Partei Besprechungen stattfinden, in denen vor allem nach Grundlagen gesucht werde, die einen psychologischen Ausgleich von Volk zu Volk ermöglichen sollen, von Militär und der tschechischen Lehrerschaft in den Grenzgebieten die beutsche Bevölkerung durch Schmahlieder aufs schwerste provoziert werde. Die Anfrage führt dann konkrete Fälle an. So hat z. B. der Lehrer Hasil der tschechischen Volksschule in Benisch während des Unterrichts am 22. Juni d. J. den Kindern einen Vers an die Tafel geschrieben, vorgesprochen und vorgesungen. Der Vers ist in der Anfrage wortwörtlich angeführt und enthält schwere Beleidigungen gegen das deutsche Staatsoberhaupt. Dieser Lehrer hielt die Kinder an, das Lied zu lernen, was sie auch taten. Ein zweiter Fall: Die Soldaten der Garnison Königgrätz, aber auch anderer Garnisonen singen seit einiger Zeit ein Lied, in welchem ebenfalls der deutsche Reichskanzler aufdas gröblichste beleidigt und beschimpft wird. Auch dieses Lied führt die Anfrage wortwörtlich an. Das gleiche Lied wird, wie der Abgeordnete Kundt feststellt, seit Juni von tschechischen Schulkindern und Erwachsenen in Türnau nach der Weise eines alten tschechischen Volksliedes gesungen. Auch in der tschechischen Schule in der Böhmerwaldstadt Winterberg wird der gleiche Text den Schulkindern seit Ende Juni 1938 von dem Lehrer gelehrt, der ihnen den Auftrag gab, das Lied zu Hause auswendig zu lernen, was die Kinder befolgten und nun das Lied öffentlich singen. Im übrigen konnte man dieses Lied während des okol=Kongresses in dem überwiegenden Teil der Prager Gaststätten und auf den Straßen hören. Neben diesem Lied hat sich das InfanterieRegiment in Winterberg noch ein besonderes zugelegt. Am 26. Juni, so führt die Anfrage aus, ca. um ¾7 Uhr, marschierte eine Abteilung dieses Regiments unter dem Kommando des Reserveleutnants Hanslik durch die Straßen dieser Stadt, wobei dieses Lied gesungen wurde. Auch die 4. Kompanie des Regiments unter Leitung des Leutnants Schober singt dieses Lied tagtäglich beim Ausrücken und Morgenturnen. Der Anfrage ist dann der Text beigefügt. Weiter stellt Abgeordneter Kundt fest, daß in Türnau ein Spottlied gesungen wurde. Auch dieser Text ist in der Anfrage wörtlich angeführt. Während des Sokol=Kongresses wurden Sprechchöre laut, die eine gröbliche Beleidigung des Deutschtums darstellten, Da von zuständiger Seite bisher nichts geschehen ist, diese Gesangsübungen abzustellen, fragt Abgeordneter Kundt die Regierung, ob sie bereit ist, die Vorkommnisse streng und gründlich erheben zu lassen, geeignete Maßnahmen zwecks Abstellung dieser Gesangsübungen zu treffen und dafür zu sorgen, daß gegen diese Lehrer und Soldaten ein Verfahren eingeleitet werde, welches zumindest genau so streng durchgeführt wird, wie dies bei zahllosen Schutzgesetz verfahren gegen deutsche Staatsbürger der Fall ist. Die Dringlichkeit der Interpellation wird damit begründet, daß die angeführten Lieder in immer weitere Kreise verbreitet werden, die deutsche Bevölkerung in größte Erregung versetzen und damit durch die Weiterbelassung des jetzigen Zustandes ernste Gefahren für die Ruhe, die Sicherheit und die Ordnung im Staate gegeben scheinen. Das Königsvaar wieder in London Jubelnder Empfang durch die Bevölkerung Paris, den 23. Juli. Nach Abschluß der Einweihungsfeier des Denkmals in Villers=Bretonneux nahm das englische Königspaar Abschied vom französischen Staatspräsidenten und trat im Sonderzug die Rückreise nach Calais an. Wenige Stunden später erfolgte auch die Rückreise des französischen Staatspräsidenten nach Paris, während sich Außenminister Bonnet gleichfalls nach Calais begab, um das englische Königspaar auf französischem Boden zu verabschieden. Um 17.30 Uhr erfolgte die Abreise des Königspares an Bord der königlichen Jacht„Enchantreß“. König Georg sandte an den französischen Kriegsminister und den Luftfahrtminister Telegramme, in denen er noch einmal den tiefen Eindruck unterstreicht, den die Parade in Versailles auf ihn gemacht habe. Um 21.14 Uhr traf das Königspaar wieder in London ein. Bereits in Dover hatte sich unweit der Brücke, an der die Admiralitätsjacht „Enchantreß“ anlegte, eine große Menschenmenge angesammelt, um dem aus Frankreich zurückkehrenden Königspaar zuzujubeln. Auch in London wartete schon Stunden, bevor der Hofzug im Viktoriabahnhof eintraf, eine nach Tausenden zählende Menge. Auf dem Bahnhof wurde das Königspaar u. a. vom Innenminister Sir Samuel Hore begrüßt. Beim Verlassen der Bahnhofshalle und auf der ganzen Fahrt zum Buckinghampallast wurden der König und die Königin von den die Straßen umsäumenden Menschenmassen stürmisch umjubelt. Mit dem gleichen Zuge, der das Königspaar nach London zurückbrachte, traf auch Außenminister Halifax wieder in London ein. „Vom englischen Königspaar war zu sehen!“ Paris, den 23. Juli. Die französische. Presse hat sich während der ganzen Dauer des englischen Königsbesuches bemüht, auch nicht den kleinsten Anschein irgendeiner Mißstimmung wahrhaben zu wollen. Der größte Teil der Zuschauer ist jedoch höchst unbefriedigt geblieben, da infolge der strengen Absperrungsmaßnahmen eine lebendige Anteilnahme an dem Besuch des englischen Königspaares nicht möglich gewesen war. Das muß auch nachträglich der„Paris Soir“ zugeben, indem er folgende recht scharfe Vorwürfe erhebt: Seit drei Tagen, so müsse man eingestehen, habe man die königlichen Gäste ein wenig allzusehr hinter einem ungeheuren Ordnungsdienst versteckt; der einer„wandelnden MaginotLinie“ geglichen habe. Man verstehe wohl, daß diese notwendigen Vorsichtsmaßnahmen in keiner Weise getroffen worden seien, um das Pariser Volk zurückzuhalten, sondern nur gegen die Möglichkeit, daß unerwünschte Elemente die englischfranzösischen Beziehungen stören könnten. Aber trotzdem, so bemerkt der„Paris Soir", was zuviel sei, sei zuviel! Der König und die Königin von England seien Donnerstagabend auf dem Balkon des Quai d'Orsay erschienen, und dabei habe endlich einmal die Menge die königlichen Gäste tatsächlich gesehen. Berlin. Der Führer und Reichskanzler hat dem Universitätsprofessor Dr. Philipp von Heck in Tübingen anläßlich seines 80. Geburtstages in Anerkennung seiner Verdienste um die deutschRechtswissenschaft die Goethe=Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen. Kiel. Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht traf Freitag vormittag zu einem kurzen Besuch bei der Kriegsmarine in Kiel ein, wo er von der Bevölkerung begeistert begrüßt wurde und sich auf dem Aviso„Grille“ einschiffte. Wien. Der Führer und Reichskanzler hat an Reichsstatthalter Dr. Seyß=Inquart folgendes Telegramm gerichtet:„Zu Ihrem 46. Geburtstag spreche ich Ihnen meine herzlichsten Glückwünsche für Ihr persönliches Wohlergehen wie für die weitere erfolgreiche Arbeit aus". Paris. Nachdem in der französischen Hauptstadt vor kurzem erst der Brotpreis um 10 Centimes heraufgesetzt worden war, wird Kraft Verordnung des Präfekten des Departements Seine mit sofortiger Wirkung eine weitere Erhöhung um 5 Prozent eingeführt. Moskau. Wie die Wochenzeitung„Besboshnik“ meldet, fand in Moskau vom 15. bis 20. Juli eine Unionskonferenz der Gottlosenorganisation statt. Sofia. Nach einer Meldung der Zeitung„Sora“ aus London wird der Labourabgeordnete Lansbury am 17. August zu einem dreitägigen Besuch in Sofia eintreffen, um anschließend auch Bukarest, Belgrad und Budapest zu besuchen Polnisches Verkehrsflugzeug mit 14 Insassen abgestürzt Bukarest, 23. Juli Am Freitagnachmittag stürzte ein polnisches Verkehrsflugzeug bei Stulpikanij in der Bukowina ab. Sämtliche 14 Insassen des Flugzeuges wurden getötet. Es handelt sich um ein Lockheed=Flugzeug der polnischen Fluggesellschaft Lot, das die Strecke Helsinki— Warschau— Bukarest beflog. Die Maschine war nach einer planmäßigen Zwischenlandung in Czernowitz um 17 Uhr von dort zum Weiterflug nach Bukarest gestartet und stürzte etwa 45 Minuten später aus bisher unbekannten Gründen ab. Der Unglücksort liegt 20 km von der Stadt Kimpelung entfernt. An Bord befanden sich zehn Fluggäste und vier Mann Besatzung. Unter den Passagieren befanden sich ein japanischer Hauptmann, der Kommandant des Flughafens von Czernowitz und ein rumänischer Pilot. Der Kommandant der portugiesischen Staatsjugend in Berlin Berliy 28. Juli. Der Kommandant der portugiesischen Staatsjugend, Staatssekretär Nobre Guedes, ist mit seiner Gattin zu einem privaten Besuch in Berlin eingetroffen. Der Stabsführer der Reichsjugenofuhrung, Hartmann=Lauterbacher, stattete ihm am Freitagvormittag einen Besuch ab und überbrachte ihm die Grüße des in Süddeutschland weilenden Reichsjugendführers. tagmittag gab Stabsführer Lauterbacher in einem kleinen Kreise zu Ehren des portugiesischen Jugendführers im Hotel Kaiserhof einen Empfang. Zwölf Jahre Kriegszustand Verhaftete Memelländer mißhandelt Memel, den 23. Juli. d. M., erteilt worden. An der Besichtigung durfSchritt der Westmächte in Prag Mahnungen aus London und Paris an die Tschechen Paris, den 23. Juli. Das politische Hauptergebnis des englischen Königsbesuches in Paris ist nach den übereinstimmenden Meldungen Pariser und Londoner Blätter eine Verabredung zwischen dem französischen und dem englischen Außenminister, einen neuen Schritt bei der tschechoslowakischen Regierung zu tun. Nach den Berichten mehrerer Londoner Blätter wollen beide Mächte dem Präsidenten Benesch noch einmal klarmachen, daß das größte Entgegenkommen auf die Wünsche der Sudetendeutschen angebracht ist und daß die Verhandlungen mit ihnen soschnell wie möglich zu einem befriedigenden Abschluß gebracht werden sollten. Sehr deutlich äußert sich dazu der Pariser „Matin":„Frankreich und England drängen auf Prag, das Nationalitätenstatut so schnell wie möglich zu ordnen und es nicht immer wieder hin auszuzögern. Prag muß den Warnungen aus Paris und London Rechnung tragen. Das Bemühen, das Problem der Minderheiten loyal und aufrichtig zu lösen, muß wirklich ernsthaft sein und darf nicht lediglich ein Täuschungsmanöver werden. Nur unter dieser Voraussetzung könnten Paris und London Prag weiter unterstützen.“ Im übrigen zeigen sich sowohl die Pariser wie die Londoner Blätter ziemlich optimistisch über die Möglichkeit einer baldigen friedlichen Lösung des Nationalitätenproblems. Erwähnt sei noch, daß der französische Außenminister Bonnet den Prager Gesandten eingehend über die Besprechungen der französischen Minister mit Lord Halifax unterrichtet und die Wünsche der Westmächte in dem oben mitgeteilten Sinne übermittelt hat. Tschechischer Bürgermeister provoziert Ausschreitungen Prag, 28. Juli. In Brüsau in Nordmähren, einem kleinen Städtchen mit 70 v. H. deutscher Mehrheit, haben tschechische Burschen auf offener Straße einen reichsdeutschen Staatsbürger aus Wien überfallen und versucht, ihm seine weißen Strümpfe herunterzureißen. Besonders bemerkenswert ist, daß der tschechtsche Bürgermeister der Stadt zu diesem Ueberfall angespornt hat. Nur dem Hinzukommen deutscher Einwohner war es zu verdanken, daß der Ueberfallene nicht von den tschechischen Strolchen schwer mißhandelt wurde. Der memelländische Landtag hiett am Donnerstagabend seine sechste Sitzung ab. Abgeordneter Bingau(Einheitsliste) begründete einen Dringlichkeitsantrag auf Aufhebung des Kriegszustandes und Beseitigung der Staatssicherheitspolizei im Memelgebiet. Der Kriegszustand besteht seit 1926, also fast ein Dutzend Jahre. Wer konnte es da wagen, ihn noch als einen Ausnahmezustand zu bezeichnen? Er diene nur dazu, den Memelländern ihre im Statut garantierten Rechte zu nehmen und die deutsche Bevölkerungsmehrheit zu unterdrücken. Mit dem Gesetz zum Schutz von Volk und Staat, das mit dem Memelstatut nicht vereinbar sei und daher auch von den Memelländern nicht anerkannt werden könne, werde die deutsche Bevölkerung zu Menschen zweiter Klasse gestempelt. Auch die vergangenen Wochen hätten bewiesen, daß dunkle Kräfte am Werk seien, um die Memelländer zu verleiten, den Boden des Rechts und des Statuts zu verlassen.„Wir haben die Zuversicht", fuhr der Abgeordnete Bingau fort,„daß die praktische Erfahrung von bald 20 Jahren den Memelländern die Erkenntnis eingehämmert hat, daß wir stark sind und immer stärker werden, je mehr wir Unrecht erleiden müssen, daß wir aber uns selbst den Boden entziehen, wenn wir selber das Gesetz verletzen." Auf die Zwischenfälle im Juni übergehend, be tonte der Abgeordnete, bei den Vorgängen am 21. Juni habe die Staatssicherheitspolizei mehrere Verhaftungen vorgenommen, ohne zuständig zu sein. Denn nach Artikel 20 des Statuts gebe es nur örtliche Polizei(Landespolizei), Hafenpolizei, Grenz=, Zoll= und Eisenbahnpolizei. Es sei weiter festgestellt worden, daß Beamte der Staatssicherheitspolizei Verhaftete mißhandelt haben. Die körperlichen Mißhandlungen seien durch einwandfreie Aussagen und ärztliche Untersuchungen bestätigt Das Kriegsgericht habe nun einige der Verhafteten zu Zwangsarbeitslager von drei Monaten bis zu einem Jahre verurteilt. Andere Beteiligte sollten noch vor das Kriegsgericht gestellt werden. Als die Abgeordneten der Einheitsliste von den Zuständen im Arbeitslager erfuhren, hätten sie am 14. Juli den Gouverneur gebeten, einer Kommission aus Mitglieder des Direktoriums die Genehmigung zur Besichtigung dieses Lagers zu vermitteln. Die Genehmigung sei vom Innenminister für Donnerstag, den 21. ten teilnehmen Präsident Baldschuß und Abgeordneter Monien. Als diese beiden im Arbeitslager erschienen, wurde ihnen mitgeteilt, daß sich die Besichtigung nur auf die allen Besuchern zugänglichen Teile erstrecken dürfe. Die Besichtigung des eigentlichen Lagers (Unterkunftsräume, Verpflegungsräume usw.) wurde nicht gestattet. Der Landtag stimmte zum Schluß noch einem Dringlichkeitsantrag zu, in dem verlangt wird, die im Gefängnis befindlichen Memelländer bis zur Gerichtsverhandlung auf freien Fuß zu setzen. Riesige Waldbrände durch Sobotage 150 Feuerwehrmänner wegen„Unzuverlässigkei““ entlassen. Seattle(Washington), den 28. Juli. Es mehren sich die Stimmen, die in Sabotage und Brandstiftung die Ursache dafür sehen wollen, daß die riesigen Waldbrände, die in den nordwestlichen Staaten Washington und Oregon wie auch in Britisch=Kolumbien(Kanada) trotz aller Anstrengungen und größten Kräfteeinsatzes bis jetzt noch immer nicht gelöscht werden konnten. Solange die Staatsförsteret in Oregon besteht, sind Waldbrände derartigen Umfanges noch nicht vorgekommen. In Kreisen der Forstverwaltung wird ganz offen die Vermutung ausgesprochen, daß Arbeitslose, die sozusagen Dauerbeschäftigung als Brandbekämpfer suchen, für die an vielen Einzelstellen immer wieder ausbrechenden Feuersbrünsten verantwortlich zu machen. Im Staate Washington werden die Löscharbeiten verschiedentlich durch Wassermangel stark beeinträchtigt. In BritischKolumbien mußten nach einer Mitteilung der dortigen Oberförsterei 150 Feuerwehrmänner„wegen Unzuverlässigkett“ entlassen werden; man mußte feststellen, daß ein 350 Meter langer Schlauch mit dem Messer unbrauchbar gemacht worden war. Ein Riesenbrand auf der Insel Vancouver droht auf gewaltige Nutzholzvorräte überzugreifen. 12 NUMMER 170 „DIE HEIMAT AM MITTAG“ SAMSTAG, 23. JULI 1938 die Heimat Gedanken eines Rachsüchtigen Als ich gestern in die Stube trat, war mein Freund Rudi zu Besuch. Er saß dort, wie immer, aber ab und zu hob er den rechten Arm und schlug mit heftiger Gebärde durch die Luft, während ein wütender Ausdruck sein Gesicht entstellte. „O Gott, der spinnt“ war mein erster Gedanke; mitfühlend begab ich mich zu ihm, begrüßte ihn entsprechend und fragte, was ihm eigentlich fehle. „Was soll mir fehlen?“ meinte er verständnislos und führte schon wieder einen heftigen Schlag durch die Luft. „Ja, warum schlägst Du denn dauernd mit den Händen aus?“ konnte ich mich nicht enthalten zu fragen. Aber schon schien es um ihn geschehen. Er japste vom Sitz hoch, schlug mit beiden Armen um sich und rief:„Das verfluchte Biest!“ Dann rannte er zur Wand und fuhr wütend mit der Hand an der Wandfläche entlang und rief schmerzlich„Au“, weil er seine Handfläche in unsanfte Berührung mit einem hervorstehenden Nagel gebracht hatte. Gestern habe ich über ihn gelacht, aber heute kann ich seinen heiligen Zorn verstehen. Es sind die Fliegen, die uns jetzt ärgern. Ich bin sonst ein friedfertiger Mensch, aber seit meinen Erlebnissen in der heutigen Nacht kenne ich mich selbst nicht mehr. Die ganze Nacht hat mich so ein Vieh Zum gemütlichen Abendtrunk in die PILSSTUBE H. F. Steinsiepe, Essen-Steele Bochumer Straße 95 in Schach gehalten. Immer wieder setzte es zur Landung auf meiner Nase an, blieb dort aber keineswegs sitzen, sondern begann zu krabbeln. Diese Fliegenschritte raubten mir den Schlaf, daß ich in die Höhe fuhr, daß ich wie ein Wilder um mich schlug, daß ich furchtbare Fluche ausschrie, daß ich die Kissen an die Wand warf und von Stuhl zu Stuhl, vom Bett auf den Tisch turnte, um die Fliege endlich zu erwischen. Und wenn ich dann nichts mehr von den Fliegen sah, sie alle für ermordet hielt und mich befriedigt ins Bett legen wollte, zog erneut die nächste mit melodiösem, schadenfrohem Gebrumm ihre Kreise um meine Nase. Wenn jetzt der Fliege der Kampf angesagt wird, wenn darauf hingewiesen wird, daß dieses naschhafte Vieh Fäulnis= und Krankheitskeime von hier nach dort überträgt, daß es eben noch auf faulem Fleisch sitzt, um im nächsten Augenblick an unseren Käsesorten zu naschen und womöglich dort sogar ein neues, noch viel zahlreicheres Geschlecht zu begründen, wenn es von Fäkalien den Weg zur Butterdose antritt und überall die Zersetzung in die Wege leitet, dann rufe ich aus vollstem Herzen mit: Schlagt sie tot, sie hat es verdient. las. österreicher in hattingen Eine große Menschenmenge entbot ihnen herzlichen Gruß dt. Wir berichteten gestern mittag, daß am Abend die Urlauber aus der Östmark eintreffen und hier für 14 Tage Quartier beziehen würden. Die Nachricht hatte bewirkt, daß sich auf dem Untermarkt in der siebenten Abendstunde eine beträchtliche Menschenmenge eingefunden hatte, um die Kameraden aus Oesterreich zu begrüßen. Ortsgruppenleiter Lüer nahm hier das Wort und entbot den Gästen ein herzliches Willkomdruck. Er führte aus, daß man die Nachricht, in dieses westfälische Gebiet fahren zu dürfen, aus dreierlei Gründen mit besonderer Freude aufgenommen habe. Einmal, weil hier das Aufbauwerk des Führers schon so weit vorgeschritten sei; zum anderen, weil hier ebenfalls altes Kampfgebiet sei. Und dann auch, weil das Westfalenland einen alten Kulturgau im deutschen Vaterland darstelle. Er ging dann kurz auf Krems, Bei der Begrüßung auf dem Hattinger Untermarkt men. Er betonte, daß unsere Gedanken nicht erst in den Jahren 1937 und 1938 bei den Östmärkern gewesen seien, sondern daß wir schon immer mit heißem Herzen an ihrem Geschick Anteil genommen hätten. Der große Kampf der Oesterreicher um ihre Heimat werde niemals wieder vergessen werden. Jedem einzelnen der Kämpfer gelte sein besonderer Dank für das, was er für Deutschland getan. Ganz Hattingen freue sich, daß sie zu uns gekommen seien. Mit dem Wunsch auf frohe 14 Tage und auf gute Erholung schloß er seine herzlichen Worte, die er durch einen Händedruck bei allen 27 Gästen bekräftigte. Der örtliche Leiter der NS=Volkswohlfahrt, Paul Fry, brachte im Namen der NSV. deren herzliche Willkommensgrüße zum Ausdruck. Er wies auf die segensreiche Einrichtung der NSV. hin, die, vom Führer geschaffen, auch diese Fahrten ermögliche. Dann richtete er an alle Besucher die Bitte, in diesen 14 Ferientagen die Alltagssorgen abzuwerfen und sich uneingeschränkt an allem, was ihnen von der NSV. und der Standarte 99 Schönes geboten werde, zu erfreuen. Obersturmbannführer Düsterloh schloß mit den guten Wünschen im Namen der Standarte 99 Ruhr seinen Vorrednern an. Die Standarte 99 sei stolz, Männer aus Oesterreich bei sich zu sehen. Ihnen brauche er nichts vom Kampf zu erzählen, denn sie alle hätten ihren Mann gestanden. Als Kämpfer und Kameraden seien sie in der alten Kampfstadt Hattingen willkommen. Er wünsche, daß sich alle recht wohlfühlen möchten. Das dreifache Sieg=Heil auf den Führer beschloß seine Ansprache. Den Dank der Oesterreicher brachte Schriftleiter Hans Anderle aus Krems zum AusMit Besen und Kratzer Straßenpflege in früherer Zeit- Ein alter Wegewärter erzählt di. Man denkt sich heute recht wenig dabei, wenn man, ohne in Staubwolken zu geraten, über eine unserer neuen glatten Straßen geht. Und doch ist es noch gar nicht allzu lange her, daß auf den offenen Landstraßen zwei, drei Autos geradezu panisches Entsetzen hervoriefen. Der Staub wallte dann derart auf, daß man kaum noch seine Hand vor den Augen sehen konnte. Wenn dann eine Hausfrau ihre Wäsche auf der Bleiche hatte! Nach und nach kamen die Asphalt= und die Teerstraßen aus, und heute kennt man es kaum noch anders, als daß mustergültige Fahrbahnen unsere Heimat und das ganze Vaterland durchziehen. Im Zeitalter der Reichsautobahnen ist man verwöhnt. Ganz anders sah es vor 40 Jahren auch bei uns im Hattinger Lande aus. Dieser Tage ergab sich die Gelegenheit, mit einem alten Straßenwärter, dem im 76. Lebensjahr stehenden Gottfried Scharfe, der in Hattingen in der Holthauser Straße Nr. 11 wohnt, über Straßen einst und jetzt, zu sprechen. Der Hochbetagte ist im Jahre 1890 nach Hattingen gekommen und hat die Entwicklung von Jahr zu Jahr tätig miterlebt. 16 lange Jahre, bis zum Jahr 1906, war er Wegewärter der Provinzialstraßenverwaltung; im Jahre 1906 trat er dann als Vorarbeiter in städtische Dienste und sorgte als solcher mit für die Instandhaltung unserer Hattinger Straßen. „Wie es früher auf den Straßen aussah“, wiederholt er auf unsere Frage, und lacht dabei.„Das will ich Ihnen wohl sagen. Da mußte ich mit einem 40 Zentimeter breiten Kratzer die Straße säubern. Die Schlammschicht, die auf diese Weise abgenommen wurde, wurde an die Seite gefegt und bildete dort beträchtliche Haufen. Die Nacharbeit erfolgte mit dem Piassava=Besen, da der Kratzer nicht alle Unebenheiten erfassen konnte. „Ueberhaupt“, so fuhr der alte Herr fort, „wurden damals die Straßen noch ganz anders gebaut als heute. Da gab es keine Teerdecke und nur auf bestimmten Straßen Pflaster. In Hattingen begann die Pflasterung erst am Haus Beine. Vom Bahnhof bis dahin aber wurde die Straße noch„mit Dreck“ gebaut. Noch nicht einmal eine Packlage wurde bei diesen Straßen gesetzt. Vielmehr wurde der Ruhrkohlensandstein kleingeschlagen und dann, mit Erde zusammen, solange gewalzt, bis die Oberfläche glatt war. Die Freude an der ebenen Straßendecke dauerte aber nicht lange. Die schweren Eisenräder der Fuhrwerke mahlten in kurzer Zeit die Straßenoberfläche zu Staub. Wenn es dann regnete, war der Schlammbrei im Nu fertig. Die Bahnhofstraße in Hattingen war in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts fast noch unbebaut. An beiden Seiten zogen sich noch offene Straßengräben her. Das alles hat sich ja im Laufe der Zeiten gründlich gewandelt.“ Ich fragte den Alten, ob er sich noch entsinnen könnte, wann in Hattingen die ersten modernen Verkehrsmittel der Straße ein anderes Gesicht gaben. Auch das ist ihm noch in der Erinnerung. Er sinnt um nahezu 5 Jahrzehnte zurück und holt aus dem Gedächtnis wieder die Zeit hervor, als die erste Straßenbahn von Bochum bis zur heutigen Wirtschaft Thomas draußen vor den Toren der Stadt verkehrte. Er weiß noch, wie die ersten Radfahrer, besonders an Sonntagen, gesehen wurden und dann auf den hohen Radungetümen hin ausfuhren. Als die Firma Hill vor rund 25 Jahren das erste Auto in Dienst stellte, rief dieser erste Motor=Wagen beträchtliches Aufsehen hervor.“—— In solchen Rückblicken spiegeln sich die gewaltigen Fortschritte auf dem Gebiete des Straßen= und Verkehrswesens, die mit der Schaffung des Volkswagens ihre Krönung finden. dem Heimatort der Urlauber, ein. Unerhört hart habe dort der Kampf getobt. Große Opfer mußten gebracht werden. In Würdigung der besonderen Verdienste habe erst kürzlich der Führer die Stadt Krems zur Gaustadt des Gaues Niederdonau ernannt. Mit herzlichen Worten des Dankes und mit dem Gelöbnis der Treue zum Führer ließ er seine Worte ausklingen. Damit hatté die Begrüßungsfeier ihr Ende erreicht. Die Gäste suchten dann sofort ihre Quartiere auf, in denen sie für die 14 Tage untergebracht sind. Der erste Empfang der Gäste war bereits eine Viertelstunde vorher am Bahnhof Hattingen durch die Führer der SA vorgenommen worden. Außerdem war Standartensachbearbeiter Wygold den Urlaubern bis Hagen entgegengefahren, um sie dort in Empfang zu nehmen und nach Hattingen zu geleiten. Mit den Koffern beladen, nahmen sie vor dem Bahnhofsgebäude Aufstellung. Dann erschien der offene Wagen der Amtsfeuerwehr und war im nächsten Augenblick bis oben hin mit Koffern beladen. Diese Entlastung wurde von den Oesterreichern, die die lange Fahrt hinter sich hatten, sehr angenehm empfunden. Dort am Bahnhof konnten auch wir die ersten Worte mit den Besuchern wechseln. Sie waren zwar müde, aber alle doch guter Dinge und voller Vorfreude auf die Tage der Erholung. Möge ihnen die Urlaubszeit in Hattingen recht gut gefallen! Zwei von siebenundzwanzig — Sie freuen sich auf die Hattinger Ferientage (Bilder: Schmidt) — Verschärfte Preisüberwachung bei Grundstücken. Durch gemeinsame Verordnung des Reichskommissars für Preisbildung und des Reichsfinanzministers wird die Preisüberwachung bei Grundstücken stärker gesichert. Wenn ein Grundstück oder ein grundstückgleiches Recht freihändig veräußert wird, so hat künftig die Grunderwerbssteuerstelle nach Eingang der Anzeige der zuständigen Preisbildungsbehörde die Veräußerungen mitzuteilen. Die Preisbildungsbehörde teilt der Grunderwerbssteuerstelle binnen Entschließung mit. nsg. Im goldenen Chekranz * Reichsbahnzugführer a. D. Ernst Neuhaus und Fran Lina, geb. Arnscheidt Beider Wiege stand in Hattingen. Er verlebte seine Jugend in der Altstadt, sie an der Friedrichstraße. Morgen vor 50 Jahren, am 24. Juli 1888, wurde der Ehebund geschlossen. 20 Jahre später verlegte das Paar infolge der Beförderung des Mannes zum Reichsbahnzugführer seinen Wohnsitz nach Düren, Rhld. Dort, Schöllerstraße 158, gedenken sie auch den goldenen Erinnerungstag zu feiern in bester Gesundheit und im Kreise von Kindern und Enkelkindern. Des Paares ältester Sohn starb den Heldentod auf dem Schlachtfelde. Ernst Neuhaus entstammt einer langlebigen Familie. 1912 konnten seine Eltern das Fest der diamantenen Hochzeit feiern. Eine Schwester des goldenen Bräutigams, Frau Kombrink in Hattingen, ist 83 Jahre, eine andere, Frau Karl Vohwinkel in Essen, 82 Jahre alt. Eine Schwester der Jubelbraut, Frau Brodt in Weitmar, steht vor der Vollendung des 90. Lebensjahres. Zur Vaterstadt unterhält das goldene Paar freundlichste Beziehungen. Zu den Gratulanten zählt auch die Krieger= und Landwehr=Kameradschaft 1817 Hattingen, in deren Stammrolle der Jubilar seit seinem grünen Hochzeitstage als Mitglied geführt wird. Heil und Segen zum goldenen Tage und glückliche Weiterfahrt bis zum diamantenen Feste anno 1948! hattingen — Die letzte Fahrt. Gestern fanden wieder zwei müde Erdenpilger ihre Ruhestatt auf dem Hörstchen: eine Frau aus Welper, deren Vorfahren in der Marpe wohnten und den Namen dieses Hofes trugen, und Friedrich Haarmann(„Unser Fritz“); beide in den Sechzigern stehend. Der Beisetzung gingen feierliche Andach... und Samstags- und Sonntagsabends bei Stimmung und Jans der beliebten Kapelle Willi Schaefekd im Westfälischen Hof. E.-Steele Ferd. Grothoff Kaiser-Wilhelm-Straße ten in der Friedhofshalle bzw. der Totenkapelle des Krankenhauses vorauf.— Haarmann gehörte über zwei Jahrzehnte zur Gefolgschaft dieses Hauses. In seinem Nachruf am Sarge gedachte Pastor Graefe zu Baringdorf der vorbildlichen Tätigkeit des Verstorbenen auf seinem Arbeitsplatz und seiner Hingabe für Deutschland in vaterisch=schwerer Kriegszeit im Verbande des Metzer Artillerie=Regiments 34. Vor dem Leichenwagen schritten die Artillerie=Kameradschaft Hattingen mit Fahne und Musik, die Gefolgschaft des Krankenhauses und der stellv. Leiter der Arbeitsfront. Alle dienstfreien Schwestern des Krankenhauses und Verwandte und Bekannte in großer Zahl folgten dem Sarge. Kameraden des E. K. trugen den Sarg. Unter den Klängen des Liedes vom„guten Kameraden“ wehte die Fahne den letzten Gruß. Nach der Ehrensalve widmete der Betriebsführer dem Heimgegangenen Worte ehrenden Gedenkens. — Weitere Neuauschaffungen für das Städt. Lesezimmer. Es wird allgemein interessieren, daß für die Handbücherei des Städtischen Lesezimmers (Keilstraße 7, am Untermarkt), seitens der Stadtverwaltung wiederum weitere Neuanschaffungen vorgenommen worden sind. Zunächst sei besonders auf das politisch wertvolle Quellenwerk„Dokumente der Deutschen Politik“, herausgegeben von Paul Meier=Beneckenstein, hingewiesen. Die wichtigsten Ereignisse seit der Machtergreifung durch die nationalsozialistische Bewegung sind hier im Wortlaut der Reden, zusammengetragen und festgehalten worden. Die hervorragende Sammlung, die in nachhaltiger Form den Eindruck von der Größe der Zeit und der Tat des Führers für das deutsche Vaterland vermittelt, verdient allseitiges Interesse. Das Werk umfaßt bisher vier Bände und ist besonders wertvoll für die politische Schulung. Als Nachschlagewerk ist weiter ein vierbändiges neues Lexikon eingestellt worden. In recht vollendeter und lebendig anschaulicher Form gibt dieses Lexikon über alles Wichtige aus Geschichte, Wissen und Können der Welt und über Persönlichkeiten bis zur Gegenwart in Wort, Bildern und guten Uebersichten Auskunft. Noch einmal hervorgehoben sei weiterhin, daß im Lesezimmer das neue Reichskursbuch(große Ausgabe) ausgelegt ist. Es wäre zu wünschen, wenn das Lesezimmer größeren Zuspruch finden würde. Neue Klangverbesserungen, wesentliche Empfangserleichterungen, erweiterte Kurzwellenbereiche, vorteilhafte Preise. Was braochte uns die Woche? hattinger Rückblicke Wir haben Besuch. Treue Söhne der Deutschen Östmark sind gestern abend bei uns eingekehrt. Sie alle stammen aus Krems an der Donau. Am Donnerstagnachmittag sind sie mit 700 Kameraden in Oestereich abgefahren. Sie wußten, daß es nach Westfalen gehen sollte und freuten sich auf dies betriebsame Land, d auch in der Östmark ein Begriff ist. Daß sie naa Hattingen kommen würden, erfuhren sie allerdings erst im Zuge. Die Fahrt hat über 24 Stunden gedauert.„Die Zigarett'n gingen uns nimmer aus“ erzählte uns einer. Damit hielt man sich wach, um all' die Eindrücke der Strecke erleben zu können. Mancher von ihnen kommt zum erstenmal ins Altreich. Nach dem ersten Eindruck scheint ihnen unser altes Ruhrstädtchen zu gefallen. Einer der Gäste hat in herzlichen Worten bei der Begrüßung auf dem Untermarkt zum Ausdruck gebracht, was sie empfinden und wie sehr sie der herzliche Empfang freute. Nun werden sie heute den ersten Dauerschlaf hinter sich haben und mit frischer Kraft die vierzehn Ferientage beginnen. Sie alle mögen wissen, daß wir Hattinger uns freuen, sie bei uns zu haben. Wir wünschen ihnen, daß sie sich gut erholen und mit neuen Kräften in die Heimat zurückkehren können.— An diesen ersten Besuch von Östmärkern werden sich im Laufe der nächsten Wochen weitere ähnliche Transporte anschließen, so daß wir in Zukunft öfters Männer der Deutschen Östmark in unseren Mauern sehen werden. „Für den Fußgänger Immer wieder ist darauf den Bürgersteig.“ hingewiesen worden, daß die Fahrbahn für den Fahrverkehr bestimmt ist und der Bürgersteig dem Fußgänger gehört. Damit diese Forderung eingehalten werden kann, wurden neue Bürgersteige gebaut. So wird auch die Nierenhofer Str. an einer Seite einen Bürgersteig erhalten. In der Altstadt allerdings sind der Stadt in dieser Hinsicht die Hände gebunden. Denn man kann nicht die ganze Straßenanlage, die für den geruhsamen Verkehr vor Jahrhunderten gebaut ist, abändern. Da aber die schwierigen Verkehrsverhältnisse in der Altstadt verbessert werden sollen, ist an den Bau der Entlastungsstraße von der „Viktor=Lutze=Straße zur Heggerstraße gedacht. In der Altstadt selbst werden sodann einige Gebäude fallen. Das Haus Bruchstraße 4 sollte jetzt schon niedergelegt werden, aber der letzte der vier Mieter will nicht vor dem 1. September heraus. Wir haben über die Vorgeschichte berichtet. Es ist durchaus zu verstehen, daß ein doppelter Umzug — selbst wenn ihn die Stadt bezahlt— kein Vergnügen ist. Eine Neuerung hat soeben das Licht der Welt erblickt. Sie scheint uns praktisch zu sein für alle, die zum Friedhof gehen! Jetzt noch muß man die Gießkanne mitschleppen. Das ist unangenehm. Diesem Mangel will ein neu erfundener Automat abhelfen. Er soll Gießkannen leihweise abgeben. Man wirft 15 Rpf. in den Mechanismus hinein, worauf man eine Gießkanne entnehmen kann. Wenn man sie nach Benutzung wieder einhängt, gibt der Automat 10 Rpf. Pfandgebühr zurück. Das Entleihen kostet also nur 5 Rpf. Der erste dieser Automaten ist in Berlin auf einem Friedhof aufgestellt worden. Er soll sich recht gut bewähren. Auch in Hattingen würde eine derartige Einrichtung Anklang finden, denn oft ist der Wea von der Wohnung bis zum Friedhof weit. Ebenso oft ist man auch nur zufällig dort und entdeckt erst dann, daß die Pflanzen unbedingt Wasser haben müssen. Man leiht sich zwar bei diesem oder jenem„guten“ „Bekannten eine Kanne. Aber das ist immer unangenehm. Und manchmal auch trifft man niemanden, der die Gießkanne entbehrlich machen könnte. Die 5=Rpf.=Gießkanne würde diese Bedürfnisse befriedigen. „Man braucht ja so wenig, um glücklich zu sein.“ Und„Geld allein macht auch nicht glücklich!“ Das sind gewiß wahre Worte, die man immer dann im Munde führt, wenn man nicht mit besonderen materiellen Glücksgütern gesegnet ist. Trotzdem ist keiner böse, wenn ihm Fortuna eines schönen Tages einen mächtigen Geldbeutel in die Hand drückt. Ganz in unserer Nähe, im niederbergischen Land und rund um Langenberg, ist das Glück in dieser Form eingekehrt. Das Große Los der Preußisch=Süddeutschen Klassenlotterie fiel zum Teil nach dort. Einige Leute sahen sich nämlich mit einem Achtel an dem Glücksgewinn beteiligt. Bei uns ist der Glücksengel vorübergerauscht, und wir können diesmal nur aus der Ferne zusehen. Aber wir wollen den Gewinnern die Freude gönnen und hoffen, daß auch uns eines schönen Tages Fortuna beglückt. * Peter soll zum Was tut die Mutter. Sie Abendessen kommen! ruft„Peter, komm sofort!“ Wenn sie genau sein wollte, müßte sie aber sagen:„Peter, Jürgen, Friedrich, Wilhelm, August, Dieter, komm sofort!“ Dabei ist immer derselbe Junge gemeint, nämlich der Peter, der außerdem noch die anderen Vornamen sein eigen nennt. Und warum die sechsfache Ausfertigung? Vom Vater heißt er Peter, vom Großvater Friedrich Wilhelm, vom Onkel August, der Mutter gefiel schon immer Dieter so gut, und dem Vater schwebte Jürgen als Idol vor. Man einigte sich in der Weise, daß man das zarte Knäblein mit allen Benennungen belastete. Auf eine Handvoll kam es eben nicht an. Nun hat der Junge zwar die vielen Namen, aber er braucht sie bis auf einen nie. Er muß sie nur schreiben. Er oder ein anderer. Der andere ist der Pfarrer und der Standesbeamte, die Behörde und die Wehrmacht. Sie alle ärgern sich über die unnütze Schreibarbeit etwa so: Nach dem heute geltenden Recht steht es in jedermanns Belieben, ob er sich für einen Sprößling einen oder 24 Namen aussucht. Da das aber eine riesige Verwaltungsarbeit verursacht, wird in der Zeitschrift für Standesamtswesen der Vorschlag gemacht, eine Beschränkung der Zahl der Vornamen zu erzielen. Unserer Meinung nach wäre das zu begrüßen. Dadurch brauchte die Verwendung von vielen schönen Namen aber nicht eingeschränkt zu werden. Nur die Zuteilung müßte anders sein, statt der vielen Namen mit wenigen Kindern, viele Kinder mit wenigen Namen! Dann könnte außer dem Peter vielleicht auch der Jürgen, der Friedrich Wilhelm, der August und der Dieter„untergebracht“ werden. Ob das nicht ein schöner Weg wäre, die Großmutter und den Großvater, den Onkel und die Tante zu ehren? Neues aus den Aemtern Niederwenigern — Auf ein 40jähriges Bestehen kann in diesem Jahre die Feuerwehr Dumberg=Niederwenigern zurückblicken. Dieses Jubiläum ist Anlaß zur Veranstaltung eines Festes, das am Sonntag und Montag vonstatten geht. Der hiesige Löschzug hat in den vier Jahrzehnten seines Bestehens segensreich gewirkt. Er wurde nicht nur bei Bränden eingesetzt, sondern war auch mit einer Wasserwehr verbunden, die im Laufe der Jahre über 20 Tote aus der Ruhr geborgen hat. Die Führung des Löschzuges hat Heinrich Höffken inne. Die Festtage werden mit einer Ehrung von drei verdienten, seit der Gründung der Feuerwehr angehörenden Mitgliedern verbunden werden. Es handelt sich um die Kameraden Johann Höffken, Johann Wieners und Theodor Bartling. Altendorf-Ruhr Die Erntezeit beginnt Die erste Aehrenfrucht der Felder, die Gerste, neigt seit langem ihre prall gefüllten Köpfe zur Erde. Sie harrt der Ernte. Nun schreitet der Bauer wuchtigen Schrits über das Land, jetzt ertönt wieder das Surren der Mähmaschinen und das traute Geräusch der Dreschkästen. Ein leichter Stoppelwind läßt die Sehnsucht der Jungen wach werden, Drachen anzufertigen und in den blauen Himmel steigen zu lassen. Ueberall sieht man die blauen, grünen, gelben oder roten Windvögel in luftiger Höhe. Ferienzeit ist oft aber auch Arbeitszeit für die größeren Jungen auf der Ruhrhalbinsel. Im August ist ja bekanntlich die Altendorfer Stachelbeer=Kirmes. Für dieses äußerst wichtige Ereignis gilt es, schon jetzt die entsprechenden Geldmittel zu verdienen. — Spendet Freiplätze für Kinder. Am 30. Juli treffen für Altendorf, Dumberg, Niederweniger 15 erholungsbedürftige Kinder ein. Jeder, der eben dazu imstande ist, möge ein Kind aufnehmen Er dient damit in schönster Weise der Volksgemeinschaft. — Ein größeres Bauvorhaben ist in Unteraltendorf an der Bahnhofstraße geplant. Als SiedVivere Ein italienischer Film mit einem berühmten Tenor im Zentraltheater Ein Film der Deutsch=italienischen FilmUnion fordert einiges Interesse. Sein kurzer Titel„Vivere“(leben) wurden nach dem Kehrreim eines Liedes, das vom Hauptdarsteller gesungen wird, nicht eben glücklich in„Kehre zurück, mein Mädel“ verlängert. Der italienische Tenor Tino Schipa und die entzückende Caterina Boratto spielen die Hauptrollen, und zwar nicht als Liebespaar, sondern als Vater und Tochter Die Möglichkeiten, einen großen Sänger filmisch in einer Handlung zu erfassen, sind nicht gerade groß. Sie müssen sich um die Stimme, den Ruhm und den Aufstieg drehen. Das ist ihre Stärke und Schwäche zugleich. Ihre Stärke, weil der Zuschauer zum Zuhörer werden muß und sich begeistert an vollendeter Gesangskunst: ihre Schwäche, weil man den Ablauf des Geschehens von vornherein kennt. Wenn in diesem Spezialfall väterliche Liebe zur Debatte steht, so ist das allerdings eine neue Note, die nicht undankbar empfunden wird. Der Sänger di Lauro, in einer großen Bar tätig, in der er Schlager singt, wo die Frauen ihn umdrängen, holt seine Tochter Paula aus dem Pensionat. Ein guter Freund, Musikalienhändler und Konzertagent Mario Dei, verliebt sich in die schöne Paula und heiratet sie entgegen dem Willen des Vaters und Freundes. Zwischen den Männern kommt es zum Bruch. Als die Bank dem Agenten den Kredit sperrt, versucht Paula, den drohenden Zusammenbruch ihres Mannes aufzuhalten, indem sie den Vater bittet, seine Geldmittel einzusetzen. Auf der Autofahrt nach Wien, wo Lauro ein Konzert gibt, verunglückt die junge Frau. Erschüttert versöhnt sich der Vater mit dem Schwiegersohn am Krankenbett der Toch ter. Zu dritt segeln sie dann am Ende einer schöneren, helleren Zukunft entgegen. Wesentlich sind die musikalischen Szenen, in denen der berühmte Sänger der Scala seine wundervolle Stimmkultur zeigt. Wenn er auch Gigli nicht erreicht, so darf man sich doch an der klaren Höhe und dem Schmelz des Tenors erfreuen. Auch das Spiel ist gewandt und von Temperament durchglüht. Caterina Boratto ist eine ebenso charmante wie wunderschöne Schauspielerin, die ohne jede Uebertreibung mit durchaus fraulicher Haltung ihre Rolle spielt. Man ist entzückt von den rauschenden Melodien, von den Weisen zahlreicher italienischer alter und neuer Meister, Man hört Musik von Donizetti, Scarlatti, Schippa, Corto possi und des ganz modernen Giannini, des Bru ders der großen Sängerin Dusolina Giannini von dem ferner zu melden ist, das vor nicht langer Zeit eine Oper aus seiner Feder in München erfolgreich uraufgeführt wurde. Die Aufmachung des Films ist ausgezeichnet. Zurückhaltend und doch sehr elegant. Ein Werk, das man um zahlreicher Vorzüge willen sehen soll. lungsgelände ist das den Erben Düllberg gehörige Land vorgesehen. — Der Sturm 7/99 tritt heute 19 Uhr am SAHeim zum Sturmappell an. Es wird erwartet, daß der Sturm restlos zur Stelle ist. herbede — Verkehrsunfall mit Sachschaden. An der Ecke des alten Kirchweges und der Durchholzer Straße stieß ein aus dem Kirchweg kommendes Personenauto eines Durchholzer Besitzers mit einem die Durchholzer Straße befahrenden, kohlenbeladenen Lastkraftwagen zusammen. Personen wurden nicht verletzt; es entstand jedoch erheblicher Sachschaden. Der Unfall ist darauf zurückzuführen, daß der Führer des Personenautos das Vorfahrtsrecht des Lastwagens auf der Hauptverkehrsstraße nicht beachtete. — Eine 85jährige. Heute vollendet die Witwe Ernst Schmalenberg, Amalie geb. Bröcker, In der Twissel wohnhaft, wohlbehalten ihr 85. Lebensjahr. Der Hochbetagten, die sich im Haushalte ihrer Tochter, der Ehefrau Heimbach, wohlverdienter Pflege erfreut, entbieten wir zu ihrem Ehrentage freundliche Glückwünsche. Weiterhin noch viel Sonnenschein! — Mauer wurde umgelegt. Nunmehr ist auch die in die Fluchtlinie der Hauptstraße vorspringende hohe Gartenmauer an der früheren Brennerei Frahne der Spitzhacke zum Opfer gefallen. Die Mauer bildete schon seit längerer Zeit ein Hindernis. Die neue Einfriedigung wird sich besser in den Rahmen des Gesamtbildes der Straße einfügen. Drei Personen aus Bochum ertrunken Während einer Kahnpartie auf der Glörtalsperre ereignete sich am Donnerstag ein schweres Unglück, dem drei Personen zum Opfer sielen. Ein mit vier Personen— zwei Männern und zwei Krankenschwestern vom Josephs=Krankenhaus in Bochum— besetztes Boot schlug plötzlich um. Einer der Männer konnte sich durch Schwimmen in Sicherheit bringen, die anderen drei Insassen ertranken. Bei dem Ertrunkenen handelt es sich um den Wärter des Krankenhauses. Seit Freitag vormittag befindet sich ein Taucher aus Bochum an der Unglücksstelle, jedoch konnten die Leichen bisher noch nicht geborgen werden. Wie heicaten Aufgebote in der engeren Heimat Keingeen — Kartoffeln und Obst billiger. Auf dem tigen Wochenmarkt war die Kauflust rege. den Ständen mit frischem Gemüse und mit zahlreichen Obstsorten, die die jetzige Jahres darbietet, herrschte durchweg Andrang, besond in den Stunden vor Mittag. Die Kartoffeln kosten jetzt 10 Pfund 75 Pfennig. Stachelbeeren sind ebenfalls billiger geworden. Die ersten blauen Pflaumen wurden nun auch dort angeboten. Schwarze Beeren wurden in größeren Mengen feilgehalten. — Mangel an Grubenbeamten. Die Bergvorschule zu Hattingen=Winz beabsichtigt einen neuen Lehrgang, der die Vorschulung für die Steigerklassen der Bergschulen bezweckt, durchzuführen. Da ein Mangel an Grubenbeamten herrscht, ist die Lehrgangsdauer an der Bergvorschule von vier auf drei Halbjahre herabgesetzt worden. — Ihren 75. Geburtstag feiert heute die Witwe Anna Herkstroter, geb. Winderscheid, wohnhaft in Hattingen, Friedrichstraße 49. Die Jubilarin wohnt im Haushalt ihres Sohnes Hermann. Wir wünschen dem betagten, aber noch rüstigen Geburtstagskind einen weiteren sonnigen Lebensabend! Evangelische Gottesdienste Kirchliche Gemeinschaft, Schulstraße 41. Sonntag 10 Uhr: Sonntagschule. Dienstag 20.30 Uhr: Bibelbesprechstunde. Donnerstag 16 Uhr: Frauenbibelstunde. Samstag 20.30 Uhr: Gebetsstunde. Kirchliche Gemeinschaft Baak. Mittwoch 20 Uhr: Bibelstunde in der Schule in Winz. Kirchliche Gemeinschaft Sprockhövel, Brinkerstraße 1. Sonntag 17.30 Uhr: Bibelstunde. Donnerstag 20.15 Uhr: Bibelbesprechstunde. Das Wetter Sommerlich warm Die Großwetterlage hat endlich eine Umgestaltung erfahren. Das Azorenhoch ist mit seinem Kern auf den Atlantik zurückgewichen. Dadurch hat die Zufuhr kühler Meeresluftmassen aufgehört. Unser Gebiet ist schon seit gestern im Bereich einer kräftigen Divergenz, die uns durch ihre wolkenauflösende Wirkung starker Sonneneinstrahlung aussetzt. Im Verlauf des Sonntags werden die Winde aus Südwest wehen und Warmluftmassen zuführen. Nach einem im allgemeinen schönen und warmen Sonntag werden sich bald erneute Störungseinflüsse bemerkbar machen. Vorhersage für Sonntag: Schwache Winde aus südlicher Richtung, wolkig bis heiter, trocken und recht warm. Vorhersage für Montag: Bei schwachen Winden im Laufe des Tages zunehmende Bewölkung. Neigung zur UnbestänWahrscheinliche Weiterentwicklung: Unbeständig! Geschäftliches. (Ohne Verantwortung der Schriftleitung) Unserer heutigen Ausgabe liegt ein Prospekt der Firma Th. Althoff, Essen, bei. ist der Inhalt der„Heimat am Mittag“. Deshalb wirken auch Ihre Anzeigen stets wie„Neueste Nachrichten“, selbst wenn Sie alltägliche Bedarfsartikel anbieten.— Darin beruht die Wirkung der Insertion in der Heimatzeitung Beim Standesamt Stadt Hattingen: Schreiner Erich Heinrich Peter Becker Hattingen, Südring 61, und Verkäuferin Hildegard Spatz, Bochum, Schlägelstraße 6. Anstreichergehilfe Alexander Hermann Schmidt, Hattingen, Am Rosenberg 68, und Hausgehilfin Georgine Magdalene Zagler, Wuppertal, Wettiner Straße 22. Kranführer Albert Neuhauer, Hattingen, Im Huck 3 und Spulerin Hildegard Anna Deiwiks, Hattingen, Im Huck 3. Bäckergehilfe Franz Karl Erich Schroeder, Hattingen, Langenberger Straße 5, und Verkäuferin Irmgard Emilie Ida Probst, Bochum, Am Sonnenberg-60 Beim Standesamt Winz=Baak: Bohrer Johannes Gailing, Winz V 85, und Kontoristin Anna Friederike Dattenberg, Winz V 53. Maurergeselle Wilhelm Heinrich Karl Vohwinkel, Winz, Bergstraße 10, und Helene Rosa Bust, Lehrmädchen, Welper, Brucherstraße 14. Schreiner Hellmut Simon Paul Hüttemann, Winz, Ruhrstraße 11, und Fabrikarbeiterin Elisabeth Anna Möller, Winz, Ruhrstr. 11 Kandidat der Medizin Karl Heinz Krückhaus, Winz, Hochstraße 56, und die berufslose Erna Anstock, Winz, Hochstraße 56. ab Montag 8½ Uhe M Sommer-S. E.-STEELE Immer durchgehend Spezialgeschäftt. Kinder-, Damen- u. 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Mäntel bei Barzahlung 3% Rabatt Das führende Fachgeschäft für Herren-Bekleidung Hattingen-Ruhr, Große Weilstraße 10-12 Blick in die Wietschalt Tschechenkapital gegen Sudetendeutsche Zum Verkauf der Petschek-Aktien an den Zivno-Konzern ergriffen Gegenmaßnahmen werden Der politische Ausschuß der Sudetendeutschen Partei befaßte sich in seiner letzten Sitzung mit der durch den Verkauf der Petschek=Aktien an den Zivno=Konzern geschaffenen Lage im nordwestböhmischen Kohlengebiet und gibt folgendes bekannt: In einer Zeit, in der das durch die SDP. vertretene Sudetendeutschtum mit der Regierung über die Neuregelung der nationalen Verhältnisse und damit über die Sicherung des deutschen Arbeitsplatzes und Besitzstandes offiziell Gespräche führt, erwirbt das tschechische Finanzkapital nach umfassenden Vorbereitungen und sichtlicher Förderung durch offizielle Stellen einen gewaltigen Einfluß auf den deutschen Arbeitsmarkt und die deutsche Wirtschaft Nordwestböhmens. Die Expansionsgelüste des tschechischen Finanzkapitals haben, wie das Beispiel der Aussiger Chemischen Werke beweist, nicht nur allein wirtschaftlichen Charakter. Das Vordringen des tschechischen Kapitals war vielmehr stets mit der Tschechisierung bisberiger deutscher Arbeitsplätze verbunden. Diese Befürchtungen können auch durch die Erklärung des neuen ZivnoSyndikats, mit den bisherigen Kräften weiterarbeiten zu wollen, auf Grund eigener Erfahrungen nicht als beseitigt gelten. Im übrigen wird in den Stellungnahmen fast der gesamten tschechischen Presse die nationalpolitische Bedeutung dieser Transaktion zugegeben. Die Sudetendeutsche Partei wird daher schon im Hinblick darauf, daß an dem neuen Syndikat eine auf das deutsche Geschäft angewiesene Bank beteiligt ist, eine praktisch wirksame Sicherung des bisherigen Standes an Arbeitsplätzen und Lieferungsverträgen fordern. So lange in dieser Hinsicht nicht verbindliche Verpflichtungen von dem, neuen Syndikat übernommen werden, ist die Uebernahme eines Mandates der Verwaltungsräte der Syndikatsgesellschaften unvereinbar mit der Mitgliedschaft bei der Sudetendeutschen Partei oder auch nur mit der Zugehörigkeit zum völkischen Sudetendeutschtum. Zur Sicherung der nationalen, sozialen undwirtschaftlichen Belange des Sudetendeutschtums fordert die Sudetendeutsche Partei alle deutschbewußten Aktienbesitzer der dem neuen Syndikat angehörenden Brüxer Kohlenbergbau=AG. und der Nordwestböhmischen Kohlenbergwerksgesellschaft auf. ihre Aktien zur Vertretung bei den Niederlassungen der Kreditanstalt der deutschen Industrie, der Deutschen Agrar= und Industriebank, in kürzester Frist anzumelden. Silberkugeln und Goldbarren Chinas und Japans Finanzlagen nach einjähriger Kriegsdauer Je länger der Krieg im Fernen Östen dauert, desto schwieriger wird seine Finanzierung für die beteiligten Staaten. Japan muß seine Goldbarren verkaufen und China schießt sozusagen mit silbernen Kugeln, um durchzuhalten. Japan hatte bisher zu den Ländern gehört, die über einen verhältnismäßig großen staatlichen Goldbestand verfügen. Für Ende 1936 wurde die Goldreserve Japans noch mit rund 1150 Millionen Mark bewertet. Ende 1937 war sie bereits auf rund 650 Millionen Mark zusammengeschmolzen. Jetzt beträgt die Goldreserve der Bank von Japan noch rund 560 Millionen Mark. Und soeben ist in Tokio beschlossen worden, dieser Reserve wieder über 200 Mil lionen zu entnehmen, die ins Ausland verkauft werden sollen, um Rohstoffe und Nahrungsmittel einzukaufen. Demgegenüber finanziert China den Krieg mit Silber, das im Fernen Östen währungsmäßig die Hauptrolle spielt. Die Chinesen haben ein neues Abkommen mit den Vereinigten Staaten getroffen, wonach das amerikanische Schatzamt wieder eine bedeutende Silbermenge übernimmt und den Chinesen den Gegenwert in Devisen zur Verfügung stellt. In Washington nimmt man übrigens an, daß das chinesische Silber, soweit es sich in den Tresoren der Banken befand, schon längst nach London übergeführt worden ist, um es dem Zugriff Japans zu entziehen. Indessen sind in China noch riesige Silbermengen in privatem Besitz verblieben. Wehrdienst und Lehrzeit Der Chef des Oberkommandos des Heeres hat in einem Erlaß zum Ausdruck gebracht, daß die Annahme von Lehrlingen in den aktiven Wehrdienst erst nach abgelegter Gesellenprüfung erfolgen solle. Ferner dürfen Lehrlinge, die sich in der Berufsausbildung befinden, im allgemeinen nur dann als Freiwillige angenommen werden, wenn sie ihre Lehrzeit bis zum Entlassungstage voraussichtlich mit Erfolg beendet oder die Einwilligung ihrer Lehrherren zur Verkürzung der Lehrzeit beigebracht haben. Hierbei wird kein Unterschied gemacht zwischen Handwerkslehrlingen oder gewerblichen und kaufmännischen Lehrlingen, vielmehr sind die Vorschriften auf alle Lehrlinge gleichmäßig anzuwenoen. Mit diesen Anweisungen wird erfreulicherweise erneut herausgestellt, welch hoher Wert einer geregelten und abgeschlossenen Berufsausbildung bei uns beigelegt wird. Wir hören 1100 amerikanische Banken liquidiert 1100 der amerikanischen Banken, die im Zusammenhang mit dem Anfang 1933 erlassenen Bankenmoratorium unter Konkursgerwaltung gestellt wurden, sind jetzt endgültig liquidiert worden. Nur 42 Banken wurden saniert und wieder eröffnet. Die 1100 liquidierten Banken haben bei einer Gesamtschuldensumme von 540 Millionen Dollar(rund 1,3 Milliarden Mark) ihren Gläubigern 444 Millionen Dollar zurückerstattet. Ueber 1 Million Tonnen Kriegsschiffe im Bau Mehr als eine Million Tonnen Kriegsschiffe sind erstmals seit dem Weltkrieg im Jahre 1938 in der ganzen Welt im Bau, wie das Institut für Honjunkturforschung in seinem neuesten Wochenbericht mitteilt. Der Bestand an fertigen, nicht überalterten Schiffen erster Ordnung war Anfang 1938 allerdings geringer als zu Beginn des Jahres 1914. Die meisten Schiffe hat England, doch haben Amerika und Japan ihren Abstand bedeutend verringern können. Deutschland, das vor dem Krieg an zweiter Stelle stand, folgt heute an sechster Stelle. Ein neuer ostpreußischer Seehafen Am Frischen Haff bei Peyse am Königsberger Seekanal soll ein vierter ostpreußischer Seehafen entstehen, der die Häfen von Königsberg, Pillau und Elbing ergänzen wird. Für die Bauarbeiten des ersten Hafenbeckens sind bereits Ausschreibungen der Wasserbauverwaltung erfolgt. In vier Wochen Ostmesse! Vom 21. bis 24. August wird in Königsberg (Pr.) die 26. Deutsche Östmesse stattfinden. Die bisherige Veranstaltung erfährt eine weit über den normalen Rahmen hinausgehende Verbreiterung durch die zur gleichen Zeit, nämlich vom 21. bis 28. August veranstaltete Östschau des Reichsnährstandes. Die zihnlichkeit war Millionen wert Alter Griesgram setzt junges Mädchen zur Universalerbin ein In einem kleinen Liverpooler Hafengasthause fing es an. Dort saß Nachmittag für Nachmittag ein alter Herr mit müdem verdrossenen Gesicht. Jahrelang ging das so. Kein freundliches Wort kam über seine Lippen, an allem hatte er etwas auszusetzen. Bald war der Kaffee zu kalt oder das Bier zu warm, die Butter zu weich oder das Brot zu hart. Kein Stuhl war ihm bequem genug, und das Wackeln des Tisches konnte ihn zur Raserei bringen. Und doch legte der Wirt Wert auf diesen Gast, der regelmäßig eine größere Zeche zu machen pflegte als ändere. Das ging solange, bis Miß Williams neu als Servierfräulein eintrat. Es traf sich, daß' sie den alten Herrn bedienen mußte, und zum Staunen der Stammgäste und des Wirtes gab es kein Geschimpfe, keine Nörgelei am Tisch des alten Herrn. Er blieb länger sitzen als sonst und verlangte von da ab, nur noch von Miß Williams bedient zu werden, die sich natürlich alle Mühe gab, den guten Gast bei guter Laune zu erhalten. Hin und wieder, wenn wenig zu tun war, erzählte der mürrische alte Mann aus seinem Leben. Und so erfuhr Miß Williams, daß er vor Jahren durchaus kein griesgrämiger, mürrischer Geselle gewesen ist bis zu dem Tage, an welchem sich etwas ereignete, was ihn vom fröhlichen zum finsteren Menschen verwandelt hatte. Aber was das war, das wollte er nicht sagen. Ein paar Monate vergingen, Miß Williams und der alte Mann hatten sich aneinander gewöhnt, so daß sie, die allmählich eine kindliche Verehrung für den alten Mann empfand, nur schweren Herzens ihm berichtete, daß sie sich nicht mehr sehen würden, weil sie heiraten wollte. Der Alte nickte traurig und fragte sie nach einem Bilde ihres Auserwählten. Lächelnd zog sie eine Photographie hervor, war aber über die Wirkung auf den Alten erstaunt und bestürzt.„Das ist ja mein kleiner Sohn!“ rief mit tränenden Augen der Alte. Das Bild stellte nämlich einen anderthalb Jahre alten Jungen dar, der mittlerweile herangewachsen und der Verlobte von Miß Williams war. Tatsächlich zeigte der alte Mann nun seinerseits das Bild eines kleinen Jungen, das dem anderen entsprechend ähnlich sah. Und dann erzählte er, ihm sei sein Kind in jungen Jahren durch einen Unglücksfall entrissen worden. Seit der Zeit habe er nicht mehr lachen können. Miß Williams heiratete ein paar Tage später. Oft war der mürrische Alte von einst zu Gast bei dem jungen Ehepaar, das ängstlich und beunruhigt war, als er einmal nicht mehr erschien und nichts von sich hören ließ. Nicht lange darauf kam ein Anwalt ins Haus und brachte ein Testament, mit welchem Miß Williams und ihr Mann zu Erben eines Millionenvermögens eingesetzt worden waren. Ein kleiner Brief lag dabei, in dem der alte Mann dafür dankte, daß sie ihm in seinem hohen Alter noch einmal ein paar fröhliche Stunden bereitet hätte. Hankau von allen Regierungsbehörden geräumt Schanghai, 23. Juli. Nach einer Meldung der Domei=Agentur hat Marschall Tschiangkaischek die Räumung Hankaus von allen Regierungsbehörden befohlen. Bis zum 31. Juli müssen sämtliche Regierungsämter einschließlich des Außenministeriums ihren Sitz nach Chungking verlegt haben. In Hankau selbst ist eine weitere Abteilung britischer Marine-Infanterie in Stärke von 110 Mann eingetroffen. Auch die neuangekommenen britischen Truppen haben die Aufgabe, im Notfall Leben und Eigentum der in Hankau verbliebenen britischen Staatsangehörigen zu schützen. Die japanischen Militärbehörden in Schanghai haben das ausländische Korps gebeten, bei der Tschiangkaischeck=Regierung darauf hinzuwirken, daß an die Sonderzüge der Kanton—HankauBahn, die im Schutze der Flagge dritter Mächte verkehren, keine chinesischen Güterwagen mehr angehängt werden. Die japanischen Behörden hätten erfahren, daß unter dem Schutze der Flagge neutraler Mächte Waffen= und Munitionstransporte von Kanton nach Hankau durchgeführt würden. Neue Ueberschwemmungen in Nordchina durch Hochwasser Peking, den 23. Juki. Riesige Regenfälle verursachten bedeutenden Schaden in ganz Nord=China.— Zahlreiche Verbindungsmöglichkeiten wurden unterbrochen und das Gebiet zwischen Tientsin und Peking überschwemmt.— Am Yangtingho werden Deichbrüche erwartet.— Das Wasser des Huangho stieg schnell.— Mit einer weiteren Ausbreitung der Ueberschwemmung ist zu rechnen.— Kaifenghu wird jetzt wieder bedroht. Nachdem die Gefahr in der letzten Woche durch absichtliche Verbreitung der Lücken im Lunghai=Eisenbahndamm abgewendet worden war. Engländer sprengen Häuser in Palästina Jerusalem, den 23. Juli. Britisches Militär sprengte als Vergeltungsmaßnahme für den Tod eines britischen Oberfeldwebels mehrere Häuser in dem Dorfe Bakatgharbich. In dem Aufstandsdreieck Jenin Nablus Tulkarem unternahm das Militär eine großangelegte Aktion, bei der mehrere hundert Bauern verhaftet wurden. 100000 Francs Lohngelder auf offener Straße geraubt Paris, den 23. Juli. In einer Marseiller Vorstadt überfielen am hellichten Tage fünf maskierte uno bewaffnete Banditen drei Angestellte eines Unternehmens für öffentliche Arbeiten, die in einer Bank die Wochenlohngelder abgehoben hatten. Die Ueberfallenen wurden mit dem Leben bedroht und mußten das Geldpaket im Werte von 100 000 Francs den Räubern überlassen, die in einem bereitstehenden Kraftwagen eilends das Weite suchten. Nerven in Not Die Hast des Alltags, Aufregung, Sorge. Beruf— alles zerrt an den Nerven. Nehmen Sie rechtzeitig als wirksamen Kraft- und Aufbaustoff regelmäßig ickmit ezithin Der Sommer-Schluß-Verkauf bei Grüterich ist wieder ein Ereignis für Groß-Essen! * Wir bieten auch in diesem Jahre Ungewöhnliches. In allen Mode- u. Saison-Artikeln sind große Posten guter schöner Schuhe zum Saison-Schluß-Verkauf bereitgestellt * Wer zuerst kommt, wird die größte Auswahl haben und wer vormittags einkauft, hat Zeit zum Wählen. Das Haus der guten Schuhe Limbecker Straße 55 1 Sort-Ründschod 2:0 gegen Frankreichs ,Musketiere Europasieg im Dooiscup? henkel und Metaxa gewinnen ihre Spiele im Davispokalkampf— Riesenüberraschung Frankreichs Tennisspieler hatte man seit Jahren in Berlin nicht mehr gesehen, und so überraschte es nicht, daß trotz des unbeständigen, regnerischen Wetters 5000 Tennisfreunde am ersten Nachmittag zur Hundekehle kamen. Im Eröffnungsspiel hatte Henner Henkel überaus große Mühe, den kräftigen, starken Franzosen Yvon Petra in vier Sätzen 4:6, 6:1, 11:9, 6:2 zu schlagen. Es war kein schönes Spiel, aber ein um so schwereres Ringen. Die Auslosung wollte es, daß Yvon Petra und Henner Henkel den ersten Kampf bestritten.— Gleich in den ersten Spielen entwickelte sich ein äußerst harter Kampf. Der junge, baumlange Franzose zog schnell auf 2:0 davon, gab die Führung nicht mehr ab und holte sich mit 6:4 die Satzführung. Henkels Rückhand war schwach und darauf stellte sich Petra geschickt ein. Ein völlig anderes Bild bot der zweite Satz. Henkel paßte sich taktisch klug seinem wuchtigen Gegner an, glänzte mit sehr schönen Schlägen, die an seine Vorjahrsform erinnerten und punktete den Franzosen 6:1 aus. Petra gewann das vierte Spiel. Die Vorentscheidung fiel im dritten Satz, der voller Dramatik und Härte war. Gleich im ersten Spiel kam es zu einem wilden Flugballduell, in dem Petra den kürzeren zog. Mit seinem temporeichen, überaus offensiven Spiel glückte dem Franzosen aber schnell der Ausgleich. Henkel jedoch kämpfte mit äußerster Konzentration. Taktisch klug vermied er Rückhand und Flugbälle, die ihm Schwierigkeiten machten und führte 3:1 und 4:2. Plötzlich kam Henkel aber wieder aus dem Schlag, wurde nervös, bat die Zuschauer um Ruhe und verlor die nächsten drei Spiele. Dann aber bewies der Berliner, daß er zu kämpfen versteht. Verbissen und überlegt führte er den Kampf gegen den am Netz. durch seine Größe und Reichweite äußerst gefährlichen Franzosen, schaffte das 35 und damit ein wieder völlig offenes Spiel. Der Kampf riß an den Nerven. Wie könnte man es sich sonst erklären, daß bis zum 19. Spiel jeder seinen Aufschlag verlor! Petra wurde müde. Er, der immer auf das Tempo zu drücken versuchte, ließ nach. Henkel erkannte die Situation, führte mit 10:9, durchbrach die Serie, gewann zum ersten Male wieder seinen Aufschlag und hatte damit mit 11:9/ den Satz sicher. Die Hoffnungen stiegen etwas! Das große Rätselraten um Henkel, der verzweifelt mit seiner Form ringt, ist aber noch nicht gelöst. In der Pause arbeiten die beiden Mannschaftsführer,„Toto“ Brugnon und Altmeister Uhl, an ihren Schützlingen. Henkel weiß, daß ihm eine große Chance winkt. Entschlossen, mit äußerster Konzentration, spielt er wie im zweiten Satz. Spiel um Spiel holt er sich ver hältnismäßig sicher, wenn auch nach langen Ballwechseln. Bei einer 4:0=Führung rechnet alles schon mit dem klaren Satzgewinn, als sich der große Kämpfer Petra noch einmal-zusammenreißt, immer wieder ans Netz vorstürmt, schmettert und die Kampfführung an sich reißt. Henkel muß die beiden nächsten Spiele abgeben. Petra aber ist doch zu müde, um dieses Tempo noch weiter durchzustehen. Verzweifelt wehrt er sich. Seine Lobs aber sind schwach, und seinen Vorhandschüssen mangelt die ursprüngliche Kraft. Noch einmal reißt Henkel den Aufschlag seines Gegners an sich, gewinnt den eigenen und damit den so überaus wichtigen Punkt im Kampf mit Frankreichs junge. Musketieren. Matara, die überraschung Destremeau 6:4, 7:5, 5:7, 5:7, 6:3 besiegt Das Selbstvertrauen im deutschen Lager war nach Henkels Sieg stark gestiegen. Vollkommen unbekümmert, frei von allen Hemmungen nahm Georg von Metaxa seinen Kampf gegen Bernard Destremeau, Frankreichs große Hoffnung, auf. Mit einer Form, wie die Berliner den langen Wiener noch nicht gesehen haben, überraschte unser zweiter Davispokalspieler die Zuschauer und seinen Gegner. Es entwickelte sich ein technisch schönes Grundlinienspiel, das nur hin und wieder durch einige Netzattacken des Franzosen durchbrochen wird. Dieses Spiel ist im Gegensatz zu dem harten Ringen vorher geradezu eine Augenweide. Forsch und behexzt zieht Metaxa sofort in Front, führt schnell 4:1, als der Franzose mehr und mehr aufkommt, den Satz aber doch mit 4:6 abgeben muß. Wesentlich härter ist der zweite Satz. Bei 5:3 und eigenem Aufschlag scheint der Wiener einem sicheren Siege zuzusteuern, als mit einem Male Hemmungen sein Spiel diktieren, er sein Service zu Null abgibt und Dostremeau, in dem viele Franzosen schon den zweiten Cochet erblickten, auf 5:5 herankommt. Hart umstritten ist das elfte Spiel. Nach mehrmaligem Einstand aber reißt es Metaxa an sich. Der Wiener hat allerdings Glück, als ein zweifelhafter Ball vom Schiedsrichter anerkannt wird und ihm im zwölften Spiel die 6:4=, 7:5=Führung bringt. Mit langen Treibschlägen, auf Vorhand und Rückhand gleich gut, beginnt Metaxa den dritten Satz. Ueber 3:1, 4:2 und 5:3 steht er bereits vor dem Gewinn des Kampfes, als Destremeau selbstbewußt alles auf eine Karte setzt, ans Netz stürmt, scharf und genau seine Bälle placiert und durch Metaxas Doppelfehler, einige mißlungene Stoppbälle und eine leichte Nervosität seines Gegners mit 7:5 zum ersten Satzgewinn kommt. Man ist erstaunt über das Spiel des Deutschen. Im vierten Satz übernimmt Metaxa sofort wieder die Führung, muß sie nach 5:3 aber erneut wieder abgeben. Im fünften und entscheidenden Satz kommt der Wiener schnell auf 4:0. Noch einmal dreht der Franzose auf, aber Metaxa läßt nicht mehr locker, und nach 5:3 kommt schnell das Ende. Der Jubel will kein Ende nehmen. Deutschland führt 2:0 nach dem ersten Tage. Nun hofft alles auf eine glückliche Fortsetzung des Kampfes. Noch ein einziger Punkt, und Deutschland wird am nächsten Wochenende mit Jugoslawien in der Reichshauptstadt die Endrunde der Europazone spielen. 3:0 in Brüssel Jugoslawien im Endspiel Im Davispokalwettbewerb 1938 hat Jugoslawien bereits das Endspiel der Europazone erreicht. In Brüssel machten am Freitag Kukuljevic/Mitic den dritten Punkt. Sie bezwangen im Doppel de Borman/Geelhand 6:3, 6:3, 3:6, 10:8, und damit liegt Belgien schon 0:3 zubück. Es ist kaum anzunehmen, daß die Jugoslawen von den zwei letzten Einzelspielen noch eins verlieren. Die„Tour" entschieden? Der Italiener Bartali führt mit 18 Minuten Man darf wohl annehmen, daß die„Tour de France“ auf der 14. Etappe von Digne nach Briancon über 210 km entschieden wurde. Der Italiener Gino Bartalt, der hier erneut seine großen Qualitäten offenbarte, sicherte sich endgültig das Gelbe Trikot und führt mit 18 Minuten Vorsprung vor dem Luxemburger Mathias Clemens und dem Belgier Verwaecke, der wieder einmal nicht ganz an seine südlündische Rivalen heranreichte und von drei Reifenschäden ereilt wurde. Pech für den Belgier, der schon 1935 und 1986 den dritten Platz besetzte und auch diesmal wahrscheinlich im Schatten eines anderen auf einem der Ehrenplätze landen wird. Bartali verdankt seinen ersten Platz in der Hauptsache seinem großartigen Abschneiden in den Bergen. Allein auf dieser Etappe wurden ihm rund fünf Minuten für die drei Siege auf den verschiedenen Paßhöhen gutgeschrieben, eine weitere erhielt er für den Etappensiea und über sieben Gutminuten hatte er sich bereits im bisherigen Verlauf der Tour erkämpft, so daß er rund 13 Minuten auf Grund der zusätzlichen Prämienwertung erhielt. Drei Gipfel von mehr als 2000 m Höhe waren bei hochsommerlicher Hitze zu erklimmen. Beim Anstieg zum Col d’Allos(2250 m) setzte sich sofort Bartali an die Spitze und siegte. Dann hatte Verwaecke seinen ersten Reifenschaden, und sofort gingen die Italiener geschlossen los. Auf dem Col de Vars(2115 m) kam hinter Bartali der Franzose Cosson mit 1:19 Minuten Abstand an, und mit dieser Bergprämie hatte Bartali dem Belgier Verwaecke bereits das Trikot abgejagt. Seine Zeitvergütung betrug hier schon 2:28. Ein Reifenschaden bei der Abfahrt stoppte zunächst den Siegeszug des Italieners. Vicini sauste vorbei, aber Bartali holte seine zweieinhalb Minuten bald wieder auf und kam als erster auf den 2409 m hohen Col d'Ezoard. Eine schon mehr als waghalsige Talfahrt dehnte seinen Vorsprung noch weiter aus, und schließlich traf Bartali allein in Briancon ein. Ihm folgten in Abständen sein Landsmann Vicini und der hervorragend gefahrene Mathias Clemens, der sich mit dieser Leistung auf den zweiten Platz gearbeitet hat und noch den als 10. eingekommenen Verwaecke im Gesamt hinter sich ließ. Die Deutschen vermochten auf dieser Etappe keine Rolle zu spielen. 1. Bartali 8:49:07; 2. Vicini 8:54:28; 3. Mathias Clemens 8:55:55; 4. Servadei 9:00:25: 5. Mollo, 6. Martano 9:04:08; 7. Gallien 9:05:20; 8. Cosson, 9. Lowie. 9:06:29; 10. Verwaecke, 11. Egli 9:07:14. Gesamtwertung: 1. Bartali 98:56:22; 2. Mathias Clemens 94:14:07; 8. Verwaecke 94:17:52; 4. Vicini 94:20:09; 5. Cosson 94:25:18; 6. Visser 94:31:47. ölspur stoppt das Training Sommerwetter in der Eifel Der vorletzte Trainingstag der Rennwagen zum 11. Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring zeichnete sich bei herrlichem und heißem Sommerwetter durch einen Riesenbesuch aus. Leider kamen die Zuschauer nicht ganz auf ihre Kosten, denn nach zwei Stunden mußten die Prüfungsfahrten abgebrochen werden. Infolge eines Bruches am Oelbehälter oder der Oelleitung hatte der Italiener Dr. Farina mit seinem Alfa Romeo eine sehr gefährliche Oelspur über gut sechs Kilometer von der Steinstrecke weg bis zum Schwalbenschwanz gelegt. Hans Stuck kam mit seinem Auto=Union im Karussell ins Rutschen und konnte erst nach zweimaliger Umdrehung seine Maschine wieder in die Gewalt bekommen. Wenig später rutschte Manfred von Brauchitsch auf der gleichen Stelle mit dem Mercedes=Benz aus und wurde bis an den Rand der berühmten Kurve getragen. Da die Säuberung der Strecke mit Betonstaub längere Zeit in Anspruch nahm, sah sich die Rennleitung gezwungen, das Training abzubrechen. Während Mexcedes=Benz heute nur drei Trainingswagen laufen ließ, die Ing. Uhlenhaut, von Brauchitsch und Seamen steuerten, war die AutoUnion mit ihren vier Rennwagen zur Stelle. Tazio Nuvolari war in seiner vierten Runde mit 10:03,3 gleich 136 kmstd. Tagesschnellster und hat sich damit als gefährlichster Gegner der Untertürkheimer erwiesen. Hans Stuck(10:25), Rudolf Hasse(10:25,4) und H. P. Müller(10:42,2) werden sich noch steigern müssen. Von den Italienern war Dr. Farina auf Alfa Romeo mit 10:34,1 der schnellste Mann, während der Weltrekordmotorradfahrer Taruffi erst seine ersten Runden fuhr. Der ungarische Graf M. Festetics hatte tolles Glück, als er kurz vor Breidscheid infolge eines Bruches aus der Bahn kam und der Wagen am Abhang einen Kopfstand machte. Der Fahrer wurde wie durch ein Wunder nicht verletzt, während die Maschine arg mitgenommen wurde. Man spricht von einem Irrtum Europa=Titelkampf Tenet— van Klaveren In holländischen Kreisen spricht man davon, daß das Urteil in dem Kampf um die Europameisterschaft im Mittelgewicht zwischen Bob van Klaveren und dem Titelhalter Tenet von der JBU. geändert werden müsse. Der belgische Ringrichter M. Borre hat dem Manager des Holländers angeblich geschrieben, daß ihm ein Irrtum unterlaufen sei, als er nach den belgischen Bestimmungen geurteilt hätte, die bei einem Titelkampf für den Herausforderer ein Plus von mindestens drei Punkten verlangen, um ihm den Punktsieg geben zu können. Nach den Bestimmungen der IBU, würde der eine Punkt Vorsprung, den van Klaveren tatsächlich gehabt hat, genügen, um ihm Sieg und Titel zuzuerkennen. Auf die Entscheidung der IBU. darf man gespannt sein. Falls van Klaveren tatsächlich Sieg und Titel auf Grund der Punktzettel zuerkannt werden, will er am 2. Oktober gegen den Griechen Christoforidis den Titel verteidigen. Dietrich 22 Punkte voraus Der Internationale Italien=Rundflug Mit einer den zweimotorigen Maschinen vorbehaltenen Sicherheitsprüfung wurden am Freitag die für Rimini vorgesehenen Wettbewerbe des 3. Internationalen Italien=Rundfluges abgeschlossen. An dieser Probe beteiligten sich lediglich der Deutsche Christian Dietrich auf„Siebel“ und der Italiener Cadel auf „Ghibli", da sich für diese Sonderprüfung die übrigen„Chibli"=Maschinen nicht eigneten, während die von Cadel dank ihrem verstellbaren Propeller den hierfür gestellten Forderungen gewachsen war. Verlangt wurde ein fünf Minuten langer Horizontalflug mit einem einzigen Motor in einer Höhe von 500 m. Dietrich und Cadel erfüllten die Bedingungen und bewiesen durch- zusätzliche wohlgelungene Vorführungen erneut ihre Meisterschaft. Der Deutsche konnte durch die hierbei zu gewinnenden fünf Punkte in der Gesamtwertung seinen Vorsprung auf über 20 Punkte ausdehnen, während Cadel vom vierten auf den dritten Platz vorrückte. Somit führt Dietrich vor Beginn des reinen Schnelligkeitswettbewerbs, der am Sonntagnachmittag auf einer zehnmal zu durchfliegenden 57,2 km langen Strecke bei Venedig den entscheidenden Abschluß bildet, mit über 20 Punkten vor fünf Italienern und dreien seiner Landsleute, die dank ihrer überlegenen Schnelligkeit die Möglichkeit haben, sich noch etwas günstiger zu placieren. Die genaue Klassifizierung, die zugleich die Startfolge für Venedig darstellt, wobei jeder Teilnehmer so viele Minuten nach seinem Vordermann starten wird, als ihn Punkte von ihm trennen, lautet: 1. Dietrich(Deutschland) 138,2 Punkte, 2. Bonzi(Italien) 116,5, 3. Cadel(Italien) 114,2, 4. de Bernardi(Italien) 110,6, 5. Pancera(Italien) 107,4, 6. Leo(Italien) 100,2, 7. Riechers(Deutschland) 99,6, 8. Mayer(Deutschland) 97,2, 9. Friedrich(Deutschland) 96,9, 12. Alefeld(Deutschland) 93,4 und 16. Jacobs(Deutschland) 75,4 Punkte. Freitagabend erfolgt die Preisverteilung für die bereits abgeschlossenen Prüfungen. Amerikasiege in Stockholm Mißglückter Rekordversuch Der Schlußtag des Stockholmer LeichtathletikMeetings sah zwar wieder 7000 Zuschauer auf den Rängen des Olympischen Stadions von 1912, doch waren die Leistungen nicht mehr so gut wie an den Vortagen. Auch der Rekordversuch des jungen Amerikaners Fenske über 1000 Meter mißglgückte, der von dem Franzosen Ladoumegue seit acht Jahren mit 2:23,6 gehalten wird. Der Amerikaner brachte es nur auf 2:24,9.— Fred Walcott(USA) war zum drittenmal im Hürdenlauf siegreich, und zwar am Freitag über 200 m in 24,8 Sek. May Malott(USA) gewann die 300 m in 33,4 Sek., während der Holländer Karl Baumgarten mit 38,8 Sek. einen neuen Landesrekord aufstellte.— Die Ergebnisse: 300 m: 1. Malott(USA) 33,4 Sek.; 2. K. Baumgarten(Holland) 33,8(neuer Landesrekord); 3. Elfeld(Schweden) 34,7.— 800 m: 1. Andersson (Schweden) 1:52,8; 2. Borek(USA) 1:53,3.— 1000 m: 1. Fenske(USA) 2:24,9(1000 Yards 2:12,2); 5000 m: 1. Szilahi(Ungarn) 14:58,6.— 4X100-m. Staffel: 1. USA 42,1 Sek.; 2. Mode Stockholm 43. — 200=m=Hürden: 1. Walcott(USA) 24,8; 2. Kovacz(Ungarn) 25,2.— Stabhoch: 1. Varoff(USA) 4,10 m; 2. Johansson(Schweden) 3,60 m.— Hochsprung: 1. Lunqvist(Schweden) 1,93 m; 2. Cruter (USA) 1,93 m.— Weitsprung: 1. Lunqvist(Schweden) 7,01 m.— Speerwerfen: Vorczelli(Ungarn 65,20 m. Kurze Sportnotizen Deutsche Rettererfolge gab es am zweiten Tag des Internationalen Turniers in Gdingen, SSHauptsturmführer Günther Temme gewann auf Nordland ein mittelschweres Jagdspringen unter 65 Bewerbern. Nordland erzielte unter elf fehlerlosen Pferden die schnellste Zeit. Mit fehlerlosen Ritten konnten sich ferner Oblt. Prinz zu Salm auf Arras und Oblt. Koch auf Igel auf den 10. bzw. 11. Platz einreihen. ASV Köln und DSD Düsseldorf legen am kommenden Samstag und Sonntag eine neue Prüfung zur Deutschen Vereinsmeisterschaft der Leichtathleten in Köln ab Da Gehmert, Dahmann, Rasky und Nöller verletzt sind, stützen sich die Kölner hauptsächlich auf Weinkötz, Helm, Vogelsang, Berg, Debus, Nittinger und Allgeier. Die Düsseldorfer bringen u. a. den guten Hürdenläufer Pollmanns und den hervorragenden Mittelstreckler Schumacher mit. Raymond Sommer ist nach seinem Sturz bei den Versuchsfahrten mit dem neuen Alfa Romeo nun doch nicht in der Lage, beim Großen Autopreis von Deutschland auf dem Nürburgring zu starten. Sommer hat das Handgelenk gebrochen und wird erst wieder beim Acerbo=Pokalrennen am 14. August startfertig sein. Hessens Fußballelf wurde dank ihrer hervorragenden Leistungen beim Kampf gegen Sachsen zum Trostturnier des Deutschen Turn= und Sportfestes zugelassen. NUTZEN SIE DIE GELEGENHEIT IM Sommer-Schluß-Derkauf THONE Beainn: Montaa, den 25. Jull für vorteilhaften Einkauf von KLEIDUNG und TEXTILWAREN Hattingen, gegenüber der Post General Russo in Düsseldorf Der festliche Abschluß im Schloß Benrath Düsseldorf. An dem festlichen Abendempfang, den Gauleiter Florian zu Ehren des Generalstabschefs der faschistischen Miliz, Exz. Russo, im Schloß Benrath gab, nahmen außer den italienischen und deutschen Gästen, die an der Fahrt durch das Gaugebiet teilgenommen hatten, auch führende Persönlichkeiten der Partei, des Staates und der Wehrmacht teil. General Russo wurde auf der Fahrt zum Schloß Benrath wiederum von der Bevölkerung herzlich begrüßt. Am Schloß ließ General Russo den zu seinen Ehren veranstalteten Fackelzug von über 10000 SA=Männern an sich vorüberziehen. Im Laufe des Abends wurden zwischen Gauleiter Florian und General Russo Trinksprüche gewechselt. Gauleiter Florian betonte, daß es der Wunsch aller sei, daß sich von den mannigfaltigen Erlebnissen und Eindrücken der Deutschlandreise der dominierend herausheben möge, daß sich das ganze deutsche Volk mit innerer Leidenschaft zu einer großen Freundschaft mit dem italienischen Volke bekenne. Diese beiden großen und stolzen Völker verbinde das unvergleichliche Freiheitserleben, geboren aus völkischen Revolutionen. General Russo möge die Gewißheit mit in seine schöne Heimat nehmen, daß das deutsche Volk aus schicksalhafter Verbundenheit heraus den lebendigen Wunsch hege, daß das stolze Imperium Mussolinis von ewigem Bestand sein möge. Der Gauleiter machte sich zum Dolmetsch dieser Freundschaftsgefühle, erhob sein Glas und trank auf das Wohl. Seiner Majestät des Königs von Italien und Kaisers von Aethiopien, auf das Wohl des größten Sohnes des italienischen Volkes, Benito Mussolini, auf das Wohl des italienischen Volkes und auf das Wohl von Exz. Russo. In seiner Erwiderung brachte General Russo noch einmal zum Ausdruck, daß er die Fahrt ins Rheinland als den Höhepunkt seiner Deutschlandreise betrachte. Er sei entzückt von der rheinischen Landschaft und freue sich über die Freundschaftsgefühle, die ihm immer wieder auf der Fahrt in begeisterten Kundgebungen entgegengeschlagen seien. Noch einmal auf die enge Freundschaft zwischen SA. und Miliz hinweisend, bedankte sich General Russo für die gastfreundliche Aufnahme allerorts im Deutschen Reich. Er sei der festen Ueberzeugung, daß die Freundschaft zwischen SA. und Miliz auch eine praktische Auswirkung haben werde. General Russo trank auf das Wohl des großen Führers Adolf Hitler und des deutschen Volkes.— Der Abend klang aus bei Tanz und Musik in den Räumen des Schlosses und im illuminierten Schloßpark. Das Arbeitsamt belehrt Erst lesen, was man unterschreibt. Köln. In einem Kölner Großbetrieb war am Freitag und Samstag vor Östern nicht gearbeitet worden. Um der Gefolgschaft eine Verdienstschmälerung zu ersparen, wurde seinerzeit darauf hingewiesen, daß die Gefolgschaftsmitglieder auf Wunsch diese beiden Ruhetage auf ihren fälligen oder zu erwartenden Urlaub anrechnen lassen könnten. Damit wurde ihnen also die Möglichkeit gegeben, trotz der zwei Ruhetage den vollen Lohn zu erhalten. Ein Arbeiter, der hierauf eingegangen war, aber vor Ablauf des ersten Beschäftigungsjahres wieder ausgetreten war, erhielt bei der letzten Lohnzahlung den Betrag für die beiden Ruhetage abgehalten. In dem Betriebe wird nämlich erst nach einjähriger Tätigkeit ein Urlaub von sechs Tagen gewährt. Bei früherem freiwilligen Austritt gilt der Urlaub als verwirkt. Der Arbeiter klagte nun bei dem Arbeitsgericht den Betrag ein. Der Gerichtsvorsitzende bemerkte nach Darlegung des Sachverhaltes, daß das Kölner Arbeitsgericht bisher stets den Standpunkt vertreten habe, daß die Gewährung des Urlaubs vor Fälligkeit als eine freiwillige Leistung anzusehen sei, die nicht mehr zurückgenommen werden könne. In dem vorliegenden Falle allerdings habe der Kläger durch seine Unterschrift beim Ausscheiden bekundet, daß er keinerlei Forderungen mehr an die Firma habe. Somit könne er heute nicht mehr mit einer Forderung ankommen. Man müsse erst lesen, was man unterschreibe! Nach dieser Belehrung, die bestimmt weiteste Kreise interessieren wird, zog der Kläger seine Klage wegen Aussichtslosigkeit zurück. Funde aus der Römerzeit an der Bonner Umgehungsstraße Bonn. Vom Auslauf des Kaiser=KarlRinges bis zum Rosenthal am Schänzchen wird zurzeit am Rheinufer eifrig an der Auto=Umgehungsstraße gearbeitet. Wahrscheinlich war hier die Nordseite des Römerlagers im Jahre 40 v. Chr., als Cäsar bei Bonn seine Legionen über den Rhein nach„Gallien“, dem heutigen Belgien, führte. An dieser Stelle hat man nun bei den Ausschachtungsarbeiten wertvolle Funde gemacht. Es wurden schwere steinerne Kanonenkugeln freigelegt, die als Wurfgeschosse einer römischen Wurfmaschine dienten.„Onager“ hieß ein solches Geschoß. Eine Legion besaß zehn dieser schweren Schleudermaschinen. Es ist wohl möglich, daß an der Fundstelle früher die„schwere Artillerie“ der Römer zur Verteidigung aufgestellt war. Man fand außerdem Bruchstücke römischer Töpferwaren, die rot glasiert und deren Bildschmuck, Personen und Tiere darstellend, außerordentlich gut erhalten sind. Die Arbeiten werden auf Grund dieser Funde mit besonderer Sorgfalt fortgeführt, da mit weiteren Funden gerechnet wird. Faltbooterpedition nach Spitzbergen unterbrochen. Münster. Vor einigen Wochen berichteten wir über die Spitzbergen=Expedition des jungen münsterischen Forschers W. Dege, der mit seiner Frau im Faltboot auf Spitzbergen drei Monate dauernde Forschungen durchzuführen beabsichtigt. Wie wir jetzt erfahren, erlitt der norwegische Eisbrecher„Lyngen", der das Forscherpaar von Tromsö nach Spitzbergen bringen sollte, vor einer Woche in der Nähe des Nordkaps eine schwere Maschinenhavarie. Da der Unfall bei vollständig ruhiger See geschah, konnte das Schiff mit eigener Kraft eine nahegelegene Bucht anlaufen und dort vor Notanker gehen. Später wurde der Eisbrecher von einem Bergungsdampfer nach Tromsö abgeschleppt. Die an Bord befindliche Dege=Spitzbergen=Expedition mußte die Rückreise nach Tromsö antreten, die Mannschaft befindet sich aber wohlauf. Am 25. Juli soll mit dem ausgebesserten Eisbrecher ein neuer Start nach Spitzbergen angetreten werden. Unsinnige Kurpfuscherei Gefängnis für einen Wunderdoktor. Bielefeld. Der 71 Jahre alte August Hupe aus Hausberge will vor einer Reihe von Jahren bemerkt haben, daß er„magnetische Kräfte“ besaß. Mit dem Wunsche, diese„Fähigkeiten" zu Geld zu machen, bot er kranken Leuten seine mehr als zweifelhafte Hilfe an. Aus den Fingernägeln und Augen wurden die Krankheiten abgelesen, und dann wurden in der Regel Kräuterkuren verschrieben, die vielleicht nichts schadeten, aber auch nicht zur Heilung führten. Jetzt hatte sich dieser „Wunderdoktor aus Hausberge“, wie er wohl genannt wurde, vor der Bielefelder Strafkammer zu verantworten. Der Staatsanwalt forderte drei Jahre Gefängnis und betonte, daß solche verbrecherischen Kurpfuscher empfindlich bestraft werden müßten. Das Gericht erkannte auf ein Jahr Gefängnis wegen fortgesetzten Betruges. Fahrendes Auto beschossen Geistesgestörter schießt einem Mann ein Ruge aus Hoogstede(Kreis Bentheim). Ein unerhörter Vorfall ereignete sich abends auf der Landstraße nach Emlichheim. Der Inhaber einer Nordhorner Baufirma war mit mehreren Automechanikern auf dem Wege nach Emlichheim, um dort eine dringende Reparatur an einem betriebsunfähig gewordenen Omnibus vornehmen lassen zu können. Auf der Landstraße in Hoogstede stellte sich plötzlich ein mit einem Jagdgewehr bewaffneter Mann mit dem Ruf„Halt, oder ich schieße“ in den Weg. Der Wegelagerer sprang zur Seite, um dem mit ziemlicher Geschwindigkeit fahrenden Wagen auszuweichen, zielte dann aber von hinten auf den fahrenden Wagen und durchschoß mit einer Schrotladung die Wagenscheibe im Wagenverdeck. Während die anderen Wageninsassen mit dem Schrecken davonkamen, wurde der etwa 26 Jahre alte verheiratete Mechaniker Johann Niehoff, der sich umgedreht hatte, um Ausschau zu halten, von der mit Glassplittern vermischten Schrotladung ins Gesicht getroffen. Der Schwerverletzte, dem ein Auge ausgeschossen war, wurde nach Gronan in die Augenklinik gebracht. Bei dem Täter handelt es sich um einen Menschen aus Hoogstede, der schon längere Zeit als geistesgestört galt. Bauern stellten den Täter und fesselten ihn. Totschlag fand seine Sühne Paderborn. Das Paderborner Schwurgericht verurteilte den 23 Jahre alten Georg Wrede aus Dorfbauernschaft bei Delbrück wegen Totschlags und Totschlagsversuchs in je einem Falle zu fünf Jahren und einem Monat Zuchthaus. Der Angeklagte hatte bei einem Wirtshausstreit einen 27jährigen völlig unbeteiligten Gast erstochen und einen anderen zu erstechen versucht. Polizeiliche Suchmeldung Einbrecher aus dem Krankenhaus geflohen Münster. Am Freitagmorgen um 4 Uhr entfloh aus dem Clemenshospital in Münster der 29 Juhre alte Einbrecher Johann Stüwe, der in dem Krankenhaus mit einem Beckenschuß untergebracht worden war. Stüwe, ein gebürtiger Bochumer, hatte die Schußverletzung am 14. Juli in Buldern erhalten, als er in einem Goldwarengeschäft einen Einbruch verüben wollte. Sollte Stüwe irgendwo gesehen werden, dann wird um Benachrichtigung der Polizei gebeten. Ein Stockwerk ausgebrannt Großfeuer in einem Kölner Geschäftshaus Köln. Im dritten Stock eines großen Kölner Geschäftshauses brach am Freitagabend ein Feuer aus, das mit großer Geschwindigkeit um sich griff. An den Fußböden und Stellagen fanden die Flammen reiche Nahrung. Bedroht war auch das vierte Stockwerk, in dem sich das Lager und die Verwaltungsräume befinden. Von drei Seiten bekämpften vier Löschzüge mit sieben Schlauchleitungen das Feuer. Starker Rauch und eine große Hitze erschwerten die Arbeit der Feuerwehr. Nach dreiviertelstündiger Löscharbeit war die Hauptgefahr beseitigt. Verbrannt sind in der Hauptsache Haushaltungsgegenstände. Aber auch in den vom Brande nicht heimgesuchten Stockwerken wurde von den Wassermassen großer Schaden angerichtet. Sechs Monate Gefängnis für einen Tierquäler Kleve. Wegen Tierquälerei hatte sich vor dem Klever Gericht der Wilhelm van Elst aus Labbeck zu verantworten. Mit der Mistgabel hatte er einen wertvollen Wallach zweimal in der gemeinsten Weise mißhandelt. Das Tier ging infolge der Verletzungen ein, da die Fesseln völlig durchstochen waren. Das Gericht verurteilte den Tierquäler gemäß Antrag der Staatsanwaltschaft zu sechs Monaten Gefängnis. Aockewanzel Ein Volksstück von H. Chr. Kärgel a uf dem Wattenscheider Freilichttheater Ein stahlblauer Himmel spannte sich gestern abend über dem Lande der tausend Feuer. Wolkenlos bot sich der Sommerhimmel den vielen Besuchern der Wattenscheider Freilichtbühne, die gestern mit einem neuen Stück an die Oeffentlichkeit trat. Das Theater im Wattenscheider Stadtpark hat sich seit seinem Bestehen schon einen achtbaren Platz im Rund der Freilichttheater erworben. Seine Leistungen sind allgemein anerkannt, und man gibt sich redliche Mühe, die künstlerischen Leistungen von Jahr zu Jahr zu vertiefen. Wohlgemerkt, es handelt sich hier nicht um ein Laienspieltheater, sondern um eine Bühne, die von Berufsschauspielern bespielt wird. Die entzückende Lage des Theaters tut das ihre, um ihm einen regen Besuch zu sichern. Die Schönheit der Landschaft— in einem rings von hohen Bäumen umschlossenen grünen Talkessel liegt die Bühne— ist die prächtige Ergänzung des schönen Spiels. Man kann auf einer Freilichtbühne nicht gut empfindsame Stücke spielen, die an Szenerie und Geschliffenheit des Wortes erhöhte Anforderungen stellen. Aber derbe Volksstücke, Shakespeares Lustspiele und Werke mit chorischem Aufbau eignen sich vorzüglich zum Spiel im Freien. Gestern stand das Volksstück„Hockewanzel“ zur Debatte, dessen Inhalt hier kurz erzählt sei. Der Erzdechant zu Politz, im Volksmund der„Hockewanzel“ genannt, sieht einen alten Traum seiner verstorbenen, bäuerlichen Mutter in Erfüllung gehen. Er soll nun Bischof werden. Indessen verlangen die vom Bischof zur Visitation entsandten Domherren von Hockewanzel, daß er die Wallfahrtskirche der Heiligen Mutter von Politz nunmehr auch den Böhmen mit der Erlaubnis öffne, böhmisch predigen und beten zu dürfen. Das lehnt Hockewanzel energisch ab, weil er von der drohenden Ueberfremdung, von der schwachen Politik des österreichischen Kaisers weiß.„Unsere heilige Mutter legt keene Krone ab, die bleibt deutsch in alle Ewigkeit! Amen!“ Mit diesen Worten bekennt er sich stur zu seiner Gemeinde, zu seinen deutschen Bauern, und mit diesem Begriff von der deutschen Kirche kämpft er seinen Kampf gegen den Kanzler des Bischofs, der ihn vom Dekanat beurlaubt und ihn als Vikari(etwa Weihbischof) in böhmisches Gebiet versetzen will, um ihn loszuwerden. Dieser tschechische Kanzler, der einst mit Hockewanzel die Schulbank drückte, will unter allen Umständen der tschechischen Minderheit das Recht ihrer Sprache in der deutschen Kirche verschaffen. Aber was er auch anstellt— Intrigen, Disziplinarrecht und Grobheiten—, Hockewanzel steht fest auf der Erde und weicht nicht. Als es ihm schließlich zu bunt wird, wirft er den Kanzler die Treppe hinunter, denn er kann nur der inneren Stimme— da spürt er seinen Gott— gehorchen und sein Deutschtum nicht um die Würde des Bischofstabes verkaufen. Er bleibt bei den Seinen und zieht mit Westdeutsche Unglückschronik Vom Floß gestürzt und ertrunken Süchteln. Ein 17½jähriger Schlosserlehrling war, obwohl er des Schwimmens unkundig war, mit einem Kameraden auf einem Floß auf den Nettesee hinausgerudert, als der junge Mann in der Nähe des Sprungturmes auf ein zweites Floß zu springen versuchte, wobei er ins Wasser stürzte. Auch sein Freund rutschte vom Floß ab, konnte aber von einem Mann, der den Vorfall beobachtet hatte, gerettet werden. Der Lehrling ertrank. Seine Leiche konnte inzwischen geborgen werden. Bei einem Kraftwagenunglück ums Leben gekommen Euskirchen. Wie berichtet, verunglückte am Dienstagabend bei Münstereifel der Kraftwagen eines Euskirchener Kaufmanns, in dem sich dieser mit seinem Bruder, seiner Frau und seinem Kinde auf der Heimfahrt befand. Nachdem der Fahrer und Besitzer des Wagens bereits in der auf den Unfall folgenden Nacht verstarb, ist jetzt auch der Bruder an den Folgen der schweren Verletzungen gestorben. Motorrad vom Zug erfaßt Lübbecke. In Rahden wollte der 26jährige Landwirtschaftsgehilfe Willy Spreen mit seinem Motorrad noch vor einem herannahenden Personenzug einen Bahnübergang überqueren. Das Motorrad wurde aber von der Lokomotive erfaßt und etwa 30 Meter mitgeschleift. Spreen konnte nur noch als Leiche geborgen werden. Der Bahnübergang, an dem sich das Unglück ereignete, ist zwar ungeschützt, aber derart gut übersichtlich, daß sich das Unglück bei einiger Aufmerksamkeit des Motorradfahrers hätte vermeiden lassen können. Zuschlagender Waschmaschinendeckel tötete Kind Ahlen. Der fünfjährige Sohn der Familie Schnieder machte sich in einem unbewachten Augenblick an der Waschmaschine zu schaffen. Hierbei wurde der Junge von dem zuschlagenden Deckel so unglücklich getroffen, daß er an den Folgen der schweren Verletzungen starb. Noch ein Todesopfer des Haarener Omnibusunglücks. Aachen. Das Omnibusunglück, das am Dienstag voriger Woche in Haaren bei Aachen eine Reisegruppe von ehemaligen Kriegsteilnehmern und Angehörigen Gefallener aus Hannover und und Umgegend betroffen hatte, hat nunmehr ein weiteres Todesopfer gefordert. Am Donnerstag ist einer der Schwerverletzten, Kreisleiter Kurt Niens aus Peine, den Folgen der erlittenen schweren Kopfverletzungen erlegen. Die Zahl der Todesopfer hat sich damit auf sieben erhöht. Die übrigen Schwerverletzten befinden sich zum größten Teil auf dem Wege der Besserung, doch ist bei einigen der Zustand immer noch besorgniserregend. Opfer der Arbeit Verstümmelt— verschüttet— verbrannt. Gladbeck. Im unterirdischen Betrieb der Zeche Scholven wurde der Lokomotivführer Johann Langer gräßlich verstümmelt tot aufgefunden. Langer ist offenbar von der Grubenlokomotive gefallen und dann von den nachfolgenden Grubenwagen überfahren worden. Auf der Kraftanlage des RWE in Horst kam am Donnerstag der Schalterbeamte Albrecht Schmitz aus Essen beim Reinigen der Anlage der Starkstromleitung zu nahe und wurde getötet. Auf der Grube Eupel bei Wissen wurde ein 18jähriger Bergmann von hereinbrechenden Gesteinsmassen verschüttet. Der Bedauernswerte und Schwerverletzte, der erst seine dritte Schicht verfahren hatte, starb kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus. ihnen— als die Erhebung Andreas Hofers beginnt— gegen Napoleon in den Krieg. Das weite Rund der Zuschauerränge war von der deutschen Jugend jeden Alters voll besetzt. Das temperamentvolle Spiel der Darsteller und der manchmal recht derbe Stoff des Werkes und seine kraftvolle Tendenz, die in unseren Tagen erhöhte Bedeutung hat, rissen die Zuschauer zu starkem Beifall hin. Das Bühnenbild von August Schumacher hob sich wirkungsvoll vom natürlchien Hintergrunde ab und paßte sich geschickt in die Landschaft ein. Die Hauptrolle lag bet Hans Helmuth Koch in guten Händen. Er ist ein guter Sprecher und ein sehr geschickter Spielleiter, der die handelnden Personen ausgezeichnet zum EinFünf Jahre ns.-Volhewohl= sahet- Fünf Jahre Dienst am Leben! satz brachte. Er stellte diesen kerndeutschen Priester, der sich um keinen noch so hohen Preis von seinem Deutschtum abbringen läßt, blutvoll und sehr wirkungsvoll dar. Die erheblich schwierigere und undankbarere Aufgabe fiel Lutz Hügel zu, der den Kanzler des Bischofs spielte. Er meisterte seine Aufgabe in Sprache und Geste aber mit großem Einsatz. Karl Heinz Luxem gab den Bischof mit Würde und Hubert Meuter und Josef W. Ditzen zeichneten sich als Amtmann und Schöffe aus. Walter Friedrich erfreute durch seine gespreizte Darstellung des Faktotums Seff. Kurt Sauerland als böhmischer Gemeindeschulze von Seichau hatte starke Augenblicke. Hans Hollender. Herren- und DamenSalamander-Schuhe Schuhhaus AOVVO Rattingen Fernenl: 333 Seinhagen 19 Reichspropagandaminister Dr. Goebbels besucht die Östmark. Die Hauptstadt Tirols, Innsbruck, hat sich festlich zu seinem Empfang geschmückt.(Atlantic.) bekommt die 250000 Kronen? Alte Schallplatten zu verkaufen Es gibt wenige alte Schallplatten, die einen großen Wert haben, aber trotzdem lohnt sich manchesmal das Sammeln der Erstaufnahmen bekannter nicht mehr lebender Künstler. Natürlich sind alle Schallplatten von Caruso, die immer noch vervielfältigt werden können, keine Raritäten. Die wertvollsten, jedenfalls in Amerika, wo Caruso seine letzten Jahre seines Lebens gelebt und gesungen hat, kosten ungefähr 80 Mk. Viele Aufnahmen älteren Datums, die heute von den Fabriken nicht mehr geliefert werden können, sind im Besitz von Privatsammlern oder Verkäufern. In Amerika heißt der Altschallplatten=Sammler und=Händler Jack Caidin. Er hat eine Sammlung von 40000 Schallplatten, deren Wert er aber selbst nur auf 50000 Dollar schätzt, also durchschnittlich eineinviertel Dollar pro Schallplatte. Die schwedische Regierung hat einen Preis von ungefähr 250 000 Mark ausgesetzt für denjenigen, der irgendeine Schallplatte auftreibt, auf welcher die berühmte schwedische Sängerin Jenny Lind gesungen hat. Aber wahrscheinlich gibt es gar keine. Im Handumdrehen Abiturient Fabrik für Reifezengnisse. In Polen kam man dieser Tage fast gleichzeitig in verschiedenen Städten zahlreichen Fälschungen von Reifezeugnissen höherer Lehranstalten auf die Spur. Ehe der Fälscher aber von der Polizei, dingfest gemacht werden konnte, war er jedesmal bereits wieder von der Bildfläche der Stadt verschwunden, um unter anderem Namen wo anders aufzutauchen, da solch ein Abiturientenzeugnis nicht unter 500 bis 800 Zloty abgegeben wurde, müssen die Einnahmen des Zeugnisfälschers beträchtlich gewesen sein, denn es fanden sich überall erstaunlich viele Menschen, denen das Zeugnis wichtiger als das Wissen selbst erschien, und die darum gern bereit waren, die geforderte Summe auf den Tisch des Fälschers zu legen, um sich mit dem falschen Zeugnis den Weg in eine einträglichere Zukunft zu bahnen Schließlich gelang es aber doch, den„dicksten“ der Fälscher zu stellen. Er erwies sich als ein Betrüger von internationalem Ruf. Man fand bei ihm etwa 150 Druckvorlagen für Zeugnisse der verschiedensten Lehranstalten des Landes, dazu eine reiche Auswahl von Stempeln wissenschaftlicher Institute, mit denen er gewiß mehr Abiturienten fabriziert hat, als der fleißigste Oberlehrer im Verlauf seiner gesamten Lebensarbeit. Nunmehr gilt es, die falschen Zeugnisse zu sammeln, was aber sehr schwer sein dürfte, da sie sehr gewissenhaft angefertigt sind. „Tag der Iugend“ in Breslau. Zwei fröhliche Burschen aus der Trachtengruppe in den Straßen Breslans, das sich auf das Deutsche Turn= und Sportfest vorbereitet. (Schirner) Zum Gedenken an den vierten Jahrestag der nationalsozialistischen Erhebung in Oesterreich. Der Kampf um das Sendegebände der Ravag in der Johannesgasse. Mit Maschinengewehren, Handgranaten und Panzerwagen griff die Exekutive die kleine Gruppe von 15 Mann an, die gegen eine schwerbewaffnete und erdrückende Mehrheit fast zwei Stunden lang einen heldenhaften Widerstand leistete.(Bild rechts.) Links: Der Abtransport der Toten aus dem Ravaggebäude.(Presse=Hoffmann.) Wer übertrumpft die Ostmark? Das Breslauer Fußballturnier beginnt— Westfalen in Neiße Alle Sparten der deutschen Leibesübungen, die das erste Deutsche Turn= und Sportfest in Breslau gestalten helfen, wetteifern miteinander, um dieser ersten geschlossenen Kundgebung des Reichsbundes den höchsten Grad von Volkstümlichteit zu geben. Das Fachamt Fußball kann dabei etwas Besonderes bieten. Zwischen den üblichen Punktekämpfen der Vereinsmannschaften soll, zum erstenmal unter Einschluß von Deutschösterreich, die spielstärkste Gauvertretung in einem Großkampf der Fußballgaue ermittelt werden. Von den Kämpfen um den Reichsbundpokal unterscheidet sich dieser Wettbewerb dadurch, daß er nicht über die lange Frist von mehreren Monaten läuft, sondern in wenigen Tagen entschieden wird. Die schnelle Aufeinanderfolge rückt natürlich die körperliche Frische der Spieler mehr in den VorderBreslau gerüstet Ununterbrochen rollen die Sonderzüge mit den Teilnehmern am Deutschen Turn= und Sportfest ist Breslan ein. Ueberall werden die letzten Vorbereitungen getroffen, Links: Generalreinigung im HI=Zeltlager.(Weltbild).— Rechts: Festschmuck in Breslau. Anläßlich des Deutschen Turn= und Sportfestes schmücken sich die Straßen Breslaus mit Fahnen.— Unser Bild zeigt einen der geschmückten Straßenzüge mit der Maria=Magdalenen=Kirche im Hintergrund. (Presse=Bird=Zentrale.) grund und scheidet Zufälligkeiten aus, die durch schwankende Form manchesmal überraschende Ergebnisse in früheren Gaukämpfen zeitigten. Die Mannschaft, die an dem Tag eine große Leistungsstärke aufbringt und über das erforderliche Stehvermögen verfügt, braucht also auch Gegner mit großem technischen Können nicht zu fürchten. Die 17 Gaumannschaften haben sich mit tunlichster Sorgfalt auf diesen Pokalkampf vorbereitet, wozu ihnen die Sommerpause der Punktspiele ja Gelegenheit gab. In einem Qualifikationsspiel ist der Gau Hessen gegen den Gau Sachsen bereits ausgeschieden. Die Vorrunde der verbliebenen 16 Mannschaften wird nun am kommenden Sonntag in acht schlesischen Städten nach folgendem Plann abgewickelt: in Ratibor: Oesterreich— Mittelrhein, in Schweidnitz: Niederrhein— Baden in Neiße: Westfalen— Württemberg in Waldenburg: Südwest— Bayern in Frankfurt/O.: Brandenburg— Ostpreußen in Beuthen: Schlesien— Pommern in Görlitz: Nordmark— Mitte in Liegnitz: Niedersachsen— Sachsen. Man sieht also, daß schon die Vorrunde höchst interessante Paarungen bringt. Die Sieger haben schon zwei Tage später in Breslau zur Zwischenrunde anzutreten, am 28. Juli steigt die Vorschlußrund und am 30, Juli das Endspiel im Rahmen des Turn= und Sportfestes. Die bisherige Ungewißheit in deutschen Pokalkämpfen der Gaumannschaften, die seit 1933 ständig wechselnde Sieger ergaben, erscheint dadurch gestört, daß diesmal Oesterreich mit dabei ist. Der Gau Östmark bietet auch wirklich eine Mannschaft auf, die sich von der ruhmreichen, ehemaligen österreichischen Nationalmannschaft nicht unterscheidet. Auf der anderen Seite kennen wir aber die Stärke ausgesprochener Pokalkämpfer wie den letzten Sieger Nordmark, Niederrhein, Sachsen und Bayern. Die Wiener werden es auf jeden Fall schwer haben, mit ihnen fertig zu werden. Den westdeutschen Mannschaften ist bereits in der Vorrunde nichts geschenkt. Niederrhein hat gegen die Siffling=Elf von Baden anzutreten, da ist ohne Frage eine harte Nuß zu knacken. Obwohl die Rheinländer ohne Janes antreten, bringen sie eine schlagkräftige Mannschaft mit nach Schweidnitz, die ihre Aufgabe nach Kampf lösen sollte. Mittelrhein wird als erster Gau die Östmärker auf die Probe stellen. Gerade in schweren Spielen wuchs immer schon das Können der mittelrheinischen Gaumannschaft, das werden die Wiener auch zu spüren bekommen. Gegen die zähen Württemberger wird auch Westfalen alle Kräfte anspannen müssen, um ein vorzeitiges Aus scheiden zu vermeiden. Der neue Alfa=Romeo trainiert für das Nürburgring=Rennen. Belmondo, Italien, besteigt den Wagen, um einige Proberunden zu fahren.(Weltbild.) Europameisterschaft im Weltergewicht Gustav Eder— Wouters am 26. August in Berlin Nach langen Verhandlungen ist nun doch der dritte Europameisterschaftskampf zwischen den beiden besten europäischen Weltergewichtlern Gustav Eder und Wouters(Brüssel) in einem deutschen Ring zum Abschluß gekommen. Nachdem der erste Kampf vor fast drei Jahren von Gustav Eder in der neunten Runde durch k. o. gewonnen wurde, dann aber der Revanchekampf vor etwa 6 Monaten in Brüssel knapp und nicht ganz verloren ging, soll nunmehr am 20. August (Freitag) im Berliner Sportpalast entscheiden, wer der bessere Boxer und würdigere Träger des Europameistertitels ist.— Eder wird sich für diesen Kampf sehr gut vorbereiten.— Im Rahmenprogramm wird auch sein engerer Landsmann Jean Kreitz im Halbschwergewicht kämpfen. Schwedens Fünfkämpfer werden für die Olympischen Spiele 1940 in einem Kurs vorbereitet, der mit staatlichen Mitteln eingerichtet wird. Die Schweden wollen auf diese Weise ihre Spitzenstellung im Modernen Fünfkampf zurückerobern. Stockholm sollen jährlich zwei Vierwochenkurse für je 35 Offiziere abgehalten werden. Phantastische Leistungen der amerikanischen Sportler. Bei den Amerikaspielen im Stockholmer Stadion sprang der Stabhochspringer Varoff(USA.) bei seinem ersten Start 4,27 Meter. Die enormen Leistungen der amerikanischen Leichtathleten lassen mit Spannung auf die Begegnung mit den deutschen Sportlern am 13. August warten. (Schirner) Auch eine„Uniform". Während des Besuches des englischen Königspaares erschienen die französischen Kameraleute, Bildberichterstatter und Filmoperateure zum ersten Male in ihrer neuen Kleibung, die einheitlich aus Cut und Zylinder besteht.(Associated=Preß.) Roman von Ernst Grau 10 (Nachdruck verboten.) In weitem Bogen umflog die I. L. 1 die himmelanstrebenden Türme des Kölner Domes und richtete ohne Aufenthalt die Nase wieder heimwärts. Helge flog denselben Weg. den sie eben gekommen waren. Er hielt sich auf dem Rückflug in größerer Höhe. winzig und landkartenhaft flog die Landschaft under ihnen dahin. Wolkenwanderer, dachte Ilgenstein und glaubte das Bild vor sich zu sehen, von dem ihm Sabine erzählt hatte Erfüllte Sehnsucht der erdgebundenen Menschheit, die frei und ungebunden durch den Aether vorwärtsstürmte. Doch Augenblicke später hatte sie die Wolkenwand verlassen Die Sonne war ihnen entgegengekommen. Hell und licht standen ihre Strahlen in der Führerkabine und spiegelten sich in den glitzernden Instrumenten Und Freude und Stolz leuchtete auch aus den Augen der Männer, die so unbeiert ihren Wea gegangen waren und sich nun am Ziel sahen. Hamburg kam wieder in Sicht drüben lag der Heimathafen Helge drosselte die Motoren auf halbe Kraft. Kaum eine knappe Stunde nur hatte die I. L. 1 gebraucht, um die etwa vierhundert Kilometer lange Strecke hin und zurück zu fliegen. Achthundert Stundenkilometer.. eine unerhörte Leistung, aber es war genau das, was man nach den Berechnungen von dieser Maschine erwartet hatte. Würde sich nun auchdie Landung in der gleich kurzen Zeit bewerkstelligen lassen, wie der Abflug, dann konnten sie über alle Erwartungen hinaus zufrieden sein. Langsamer glitt die Maschine dahin. Ueber die „schwarzen Berge“, über Harburg, die Elbe mit ihren vielen Armen, Billwärder. Die wenigen, zerstreut liegenden Häuser Billstedts wurden überflogen, und nun glänzten dort drüben in der Sonne die goldenen Buchstaben auf dem Dach des Hauptgebäudes der Phönixwerke auf. Helge zog den Hebel des Zentralschließers herunter. Die Motoren schwiegen nun vollends und die J. L. 1 setzte zum Gleitflug an. Nach dem jäh verstummten Lärm der knatternden Maschinen herrschte ein seltsam beklemmendes Schweigen in der Kabine, in der die beiden Männer mit freudig erregten Gesichtern hinuntersahen auf die Flugbahn, wo noch immer die Leute standen und jetzt mit weißen Tüchern zu ihnen heraufwinkten. Helge dachte an den alten Freund, der auch dort unten stand, der sich seit langem auf diesen Flug gefreut hatte... armer Peter... lieber Alter... das holen wir nach... Aber mitten in diesen Gedanken schreckte er bestürzt zusammen. In dem kleinen Spiegel neben dem Kabinenfenster sah er fast wie einen Spuk den Kopf eines Mannes auftauchen und rasch wieder verschwinden. Als er sich blitzschnell umwandte, war das Glasfenster in der Kabinentür leer. Doch der Schreck über diese so unerwartete Begegnung war selbst für einen Mann wie Helge Lossenthin so heftig und tief gewesen, daß seine Hände sekundenlang den Dienst versagten. „Herbert!!!“ Der andere hörte den Schrei, fühlte die Maschine unter seinen Füßen schwanken und glaubte nichts anderes, als daß die Steuerung versagt habe und die Maschine absackte. Entsetzt sah er in Helges schreckentstellte Züge, die diese Vermutung zu bestätigen schienen. Das Flugzeug flatterte wie ein angeschossener Vogel über den Platz. Hastig griff Ilgenstein in das Steuer, auch Helge hatte sich in diesem Augenblick wieder in der Gewalt und erkannte die Gefahr, die ihnen drohte. Es gelang ihnen auch wieder, das Flugzeug abzufangen und ins Gleichgewicht zu bringen. Doch es war zu spät. Sie waren schon zu nahe über dem Boden. Krachend brach das Fahrgestell unter ihnen weg, und mit ihrer ganzen Schwere wühlte sich die I. L. 1 in das lockere Erdreich ein. Helge hörte neben sich noch einen leisen Aufschrei, er sah den Gefährten vornüber stürzen, während selbst gegen die Vorderwand geschleudert wurde. Dann ein scheinbar endloses Schweigen. Das alles hatte sich in Sekundenschnelle abgespielt. Nach einer Stunde glücklichen Gelingens, schon den sicheren Hafen vor Augen, hatten einem tückischen Schicksal wenige Augenblicke genügt, den stolzen Erfolg in eine verhängnisvolle Katastrophe zu verwandeln, deren Ausmaße sich noch nicht übersehen ließen. Helge konte sich bald wieder aufrichten. Alle Glieder schmerzten ihm, und über die linke Hand rann warmes Blut. Doch zu seiner Freude konnte er nur eine harmlose Abschürfung feststellen. Den Mann an seiner Seite schien es härter gepackt zu haben. Helge beugte sich über Ilgenstein, der neben seinem Sitz lag und kein Lebenszeichen meyr zu geben schien. Sekundenlang stand er erschüttert. War nun doch eingetroffen, was er vorhin befürchtet hatte. Aber da hörte er auch schon die Leute, die sich draußen mühten, in das Innere der Maschine zu gelangen. Mit vereinten Kräften, von außen und innen wurde nun die Tür bearbeitet. Doch das Schloß hatte sich durch den harten Aufschlag verklemmt und gab nicht nach. Helge stürzte an das nächste Kabinenfenster und riß die Scheibe herunter. „Eine Bahre... schnell... der Chef ist verletzt“, schrie er atemlos den Leuten zu.„Alles andere paßt scharf auf, es hat sich jemand hier eingeschmuggelt... er darf auf keinen Fall entkommen!" Es dauerte nur Minuten, daß man mit Werkzeug zur Hand war. Die Tür wurde gewaltsam gesprengt. Draußen stand inzwischen auch schon die Bahre bereit, und man trug den Verunglückten hinüber ins Gemeinschaftsheim, wo auch der Werkarzt und die Schwester stationiert waren. Helge ging alles viel zu langsam. Er hätte am liebsten alles selbst getan. Beeilt euch... ich komme sofort nach... erst muß ich hier noch... Damit war er wieder im Innern des Flugzeuges verschwunden. Peter und ein paar andere folgten ihm durch die zertrümmerte Tür. Ihren verständnislosen Gesichtern war anzusehen, daß sie noch immer nicht recht begriffen, was hier vorging. Auch in dem Gang zwischen den Kabinen mußte wieder kostbare Zeit darauf verschwendet werden, die verklemmten Türen zu öffnen. Helge tat jeder Axthieb weh, der das sauber polierte Holz traf. Aber die einzelnen Kabinen waren leer. Erst im letzten, hintersten Abteil des Passagierraumes standen die Männer vor einem Bild, das sie in ihrem Leben nie wieder vergessen sollten. Zwischen den hellen gepolsterten Sitzen, quer über einen der Ballastsäcke lang hingestreckt, lag die Gestalt eines Mannes, über dessen schmales, raubvogelartiges Gesicht nur noch schwache Lebenszeichen geisterten. Ein breites rotes Band sickerte feuchtglänzend von seinem Halse herab, die Augen waren halb geschlossen und die schlaff herabhängende Hand krampfte sich um den stählernen Schaft einer Pistole. Offensichtlich war der Mann durch die Wucht des Aufschlages, die auch die anderen von ihren Sitzen geschleudert hatte, so unglücklich gefallen, daß sich die Waffe in seiner Hand von selbst entladen und das Geschoß die Schlagader zerrissen hatte. Doch es hieß, keine Zeit zu verlieren. Der Mann brauchte Hilfe. „Los... angefaßt!“ rief Helge und beugte sich über den Verletzten.„Wir müssen ihn auf jeden Fall am Leben zu erhalten suchen, sonst erfahren wir niemals, was sich hier abgespielt hat... oder abspielen sollte“. Während sie den Bewußtlosen behutsam aufgehoben und durch den schmalen Gang hinaustrugen, war einer der Männer schon in die Garage hinübergelaufen. Ein Lastwagen des Werkes kam heran und nahm den Kranken auf. Peter und Helge begleiteten den Transport. Langsam rollte der schwere Wagen über den Platz. Die Heimkehr sah anders aus als der siegreiche Start vorhin. Peter wollte ablenkend den Freund zu seinem Erfolge beglückwünschen. Doch der wehrte ab, drückte ihm nur stumm die Hand. Seine Augen hingen an dem Unbekannten. „Nachher, Alter Damit sprang er von dem eben haltenden Wagen. Sie standen vor der Tür des Arztes. Doch jeder sah, daß es zu spät war. Der Unbekannte hatte den Transport nicht überstanden, er war verblutet. Helge tastete nach den Taschen seines einzigen Klei dungsstückes, einem schwarzen Trainingsanzug, aber es fand sich nichts, kein Papier, nicht der geringste Hinweis auf die Person des Toten. Und von den Männern des Werkes, die hier im Hause wohnten und nun sofort in hellen Scharen herumstanden, kannte ihn niemand. Helge ging ins Haus. Die Neugierigen wichen scheu zurück vor dem ernsten Mann, der in diesen Minuten gebeugt, wie um Jahrzehnte gealtert, dahinschritt. Vor der Tür, die ihm der Hausmeister wies, und hinter der Ilgenstein lag, blieb er zögernd stehen Er fühlte mit einem Schlage eine sonst ungekannte Ermattung über sich kommen, daß er sich erschöpft gegen den Türpfosten lehnen mußte. Ja... so war es auch damals gewesen, in Flandern, bei seinem ersten Luftkampf, als der bezwungene Gegner in einer hell auflohenden Flammengarbe unter ihm abstürzte. Oder einige Jahre später, an jenem Abend unten in der Heimat. Als er sich von diesem leichtsinnigen Klaus Nigel hatte beschwatzen lassen, in der Nacht auf den einsamen Fluß hinauszurudern, als der andere ihm dann zu Leibe wollte und er ihn zurückgestoßen hatte, daß jener kopfüber in den Strom gestürzt war, um nie wieder aufzutauchen. Eine schwere, schuldhafte Stunde war es gewesen, die nun in diesem Schmiedel einen Mitwisser hatte. Helge fuhr sich aufatmend über die Stirn. Die Szene mit dem Gefährten draußen auf dem Platz vor dem Abflug, die noch nicht viel länger als eine Stunde zurücklag, stand wieder vor ihm. Warum hatte er vorhin auch nicht die rechten Worte gefunden, um Ilgenstein von seinem Vorhaben zurückzuhalten... nun lag er am Boden. Helge wagte nicht, die Tür zu öffnen, er fürchtete sich vor der Gewißheit, fürchtete sich, auch hier vielleicht wieder vor dem Nichts stehen zu müssen. Wie abwesend sah er sich um. Ein kahler, nüchterner Vorraum, dem nur die einfallenden Sonnenstrahlen etwas von seiner Kargheit nahmen. An der Längswand ein einfacher Tisch mit gescheuerter Platte, Wasserkaraffe und Trinkglas, daneben zwei derbe Stühle, und den ganzen Raum ausfüllend ein Geruch, der ihn lebhaft an die Tage im Lazarett während des Krieges erinnerte. Mit schweren Füßen ging er die wenigen Schritte, setzte sich an den Tisch und vergrub den Kopf in den Händen. Es war vielleicht besser, wenn er hier sitzenblieb und auf den Arzt wartete. Ein Unglück erfuhr man immer noch früh genug. Bis dahin wenigstens durfte man hoffen. Helge zwang sich, an den Fremden zu denken, der dort draußen tot auf der Bahre lag. In wessen Auftrage mochte er gekommen sein? Und wie war es ihm gelungen, sich in das Werk einzuschmuggeln? Wie war er unbemerkt in die Halle 3 und in das Flugzeug gelangt? Woher wußte er, daß man heute starten würde? Alles Fragen, für die es nur schwer eine Erklärung gab. Hatten sich die Leute hier schon zu sicher gefühlt, daß gerade in der letzten Nacht ihre Wachsamkeit nachgelassen hatte? Oder hatte er gar Helfershelfer unter den eigenen Leuten? Aber Helge vermochte nicht, sich einen der ausgewählten Mitarbeiter in dieser erbärmlichen Rolle vorzustellen. Nun war der Mann tot, alle diese Fragen würden unbeantwortet bleiben, denn niemand würde nach ihm forschen, und, was ebenso schlimm war, man konnte nicht schweigend darüber hinweggehen, man mußte den Fall der Polizei melden. Wer sollte diese Dinge in die Hand nehmen, wenn der Mann dort drinnen...? Immer wieder kehrten die Gedanken zu dem Gefährten zurück. Wenn das Gefürchtete wirklich eintraf... wer sollte an Ilgensteins Stelle treten? Eine müßige Frage vielleicht doch sie hatte ihn schon vor dem Abflug überfallen und konnte, wenn das Schicksal es so wollte, schon in der nächsten Minute gebieterisch Antwort verlangen... Doch alle diese Gedanken zerstoben als sich jetzt die Tür öffnete und der Arzt heraustrat. Helge sprang auf. Er brauchte nicht zu fragen. „Wir können beruhigt sein, Herr Lossenthin. Lebensgefahr besteht nicht“. „Darf ich zu ihm?“ Der Arzt, ein kleiner, zierlicher Mann, mit klugen Gelehrtenaugen, schüttelte ernst den Kopf. „Das hätte im Augenblick keinen Wert.. „Also ist es doch..." „Eine leichte Gehirnerschütterung... in einigen Tagen wird er darüber hinweg sein. Schlimmer ist das andere..." „Noch etwas...?“ „Leider. Ein komplizierter Bruch des rechten Unterschenkels. Herr Ilgenstein muß sehr unglücklich gefallen sein. Die Sache kann sich unter Umständen lange hinziehen“. Helge nickte schweigend. Auch der andere hatte nichts mehr zu sagen. Stimmengewirr im Flur ließ die beiden nach einer Weile aufhorchen. „Kommen Sie, Doktor“, sagte Helge und ging zur Tür,„wir sind noch nicht zu Ende". Wieviel einfacher und leichter wäre alles, wenn ich an seiner Stelle dort drinnen läge, dachte er im Gehen. Er schritt dem Arzt voran in den Flur, wo man eben den Körper des Unbekannten aufgebahrt hatte. „Wer ist das?“ fragte der Arzt überrascht und trat an das Lager des Toten. Sachlich hob er die graue Plane, mit der man ihn zugedeckt hatte. „Tot" Ein fragender Blick traf Helge. Der zuckte nur die Schultern „Vermutlich ein Spion. Er hielt sich im Flugzeug versteckt. Sein plötzliches Auftauchen während des Gleitfluges ist an dem ganzen Unglück schuld. Aber immerhin... auf seine Art vielleicht ein Held, der sein Leben für seine Sache in die Schanze schlug." „.. und es dabei verlor“, schloß der Arzt versonnen und bedeckte den Toten wieder. Helge nickte. „Ja... doch mit Sentimentalitäten werden wir nicht weiterkommen, Doktor. Eine dumme Geschichte ... wir müssen den Vorfall der Polizei melden... übrigens..“, er wandte sich, einem plötzlichen Gedanken folgend, an den Hausmeister, der die neugierigen Zuschauer zurückgedrängt hatte und sich nun im Hintergrunde des Flures hielt,„ist Wolfgang Ilgenstein in seiner Stube oben?“ Der Mann kam etwas betreten näher und schüttelte den Kopf. Die Frage kam ihm sichtlich nicht sehr gelegen, und er entschloß sich nur zögernd zu einer Antwort. „Der junge Herr ist gestern nachmittag nach Berlin gefahren“, sagte er endlich in einem Tone, als müsse er ein Unrecht eingestehen. Helge fuhr auf. Er glaubte nicht recht verstanden zu haben. „Verreist? Nach Berlin? Ja, wissen Sie denn auch, was Sie da sagen, Sie Unglücksmensch?“ Verzweifelt sah er um sich. Sollte denn heute alles in die Quere gehen? Wollte dieser Tag der Ueberraschungen kein Ende nehmen...? „Ja..“, gestand der andere beklemmt,„wie er sagte, hat ihn Meister Bewersdorff angeblich auf vier, fünf Tage beurlaubt. Aber es sollte ganz unter uns bleiben. Er sprach von einem Bild und von der Eröffnung einer Ausstellung, bei der er unbedingt dabei sein wollte... weiter weiß ich auch nichts, Herr Lossenthin...“ Helge wandte sich an den Arzt, der von alledem wenig verstand. „Eine Frage, Herr Doktor. Wann wird Herbert Ilgenstein wieder bei vollem Bewußtsein sein?“ „Wenn nichts dazukommt... vierundzwanzig Stunden müssen Sie ihm unbedingt Ruhe gönnen. Weiß er übrigens?“ Der Arzt deutete auf die Bahre. Nein. Sagen Sie ihm auch vorläufig nichts, was ihn beunruhigen könnte“. Selbstverständlich nicht". „Gut. Ich gehe jetzt zur Polizei. Inzwischen soll hier alles unverändert bleiben“. Draußen fuhr eben das kleine, blitzende Kabriolett Marita Blancas vor. Aber am Steuer saß Sabine. In der Haustür traf sie auf Helge. „Sabine...“, er streckte ihr lebhaft die Hand entgegen.„Sie kommen mir mit dem Wagen wie gerufen... ich muß sofort in die Stadt“. Ihre ernsten Augen blickten fast drohend, und sie schien wenig geneigt, ihm zu willfahren. „Was geht hier vor, Helge?" fragte sie statt jeder Antwort und wies auf die in lebhaften Gruppen herumstehenden Leute. Doch Helge drängte sie Wagen zurück. Fortsetzung kolst. Wo ist das Kalb? Von Paul HARTNECK In der Heide meint es die Sonne im Sommer manchmal ganz besonders gut, und wer da unterwegs ist, geht so leicht nicht am Wirtshause vorbei, selbst wenn der Weg so kurz ist, wie der des Scholzeschusters. Er hatte ein Paar Stiefel besohlt und wollte sie seinem Kunden, der just am anderen Ende des Dörfleins wohnte, abliefern. Aber unter der alten Linde im Hofe des Kretschams saß der Wirt auf der beschatteten Bank, hatte die Ellenbogen auf den beschatteten Tisch davor gestützt und gedachte ein wenig von der Anstrengung des Essens in der maukigen und fliegenbevölkerten Stube auszuruhen. Da konnte der Schuster nicht anders: er setzte sich dazu. Er war willkommen, war er doch ein Schelm und Narrhaus durch und durch, der mit der einfältigsten Miene der Welt schon manchen arg auf den Leim geführt hatte, und er wußte immer Kurzweiliges zu erzählen. Der Wirt holte den bestellten Schoppen Bier und brachte sich selbst gleich einen mit. In diesem Augenblick bog um die Ecke Fleischer Kühn aus dem Nachbardorfe auf seinem leichten Wagen. Weich glitten die Räder über die sandige Einfahrt. Hinten im Wagen blökte ein Kalb. Der beleibte Meister stieg stöhnend vom Bock herunter, wischte sich das knallrot gebrannte Gesicht, tat ein paar Schritte und sank auf die Bank nieder zwischen die beiden Männer. Wortlos ergriff er das Glas des Wirtes und goß den kühlen Trank hinunter, dann das des Schusters und leerte es auch in einem Zuge. Dann strich er sich den Schaum aus dem Schnauzbart, schlug die beiden Nachbarn knallend auf die Schulter und schimpfte lästerlich auf die Hitze. Dann bestellte er drei neue Schoppen, und nun kam allgemach das Gespräch in geordnete Bahnen. „Da bin ich durch drei Dörfer gefahren und hab' noch schön bitten müssen, daß man mir das bissel Kalb dort gelassen hat.“ Kläglich blökte es dazwischen.„Wenn das Fleisch nicht schon bestellt wäre, hätte ich das Pferd heute nicht aus dem Stalle geholt. Ich werde jetzt bloß noch mal rum zu Müller Paul gehen, ich brauche nächste Woche ein Schwein und ich glaube, er hat eins." Da meinte der Schuster:„Kretschmer, ich wette mit Dir, daß ich unterwegs das Kalb vom Wagen stehle. Was gibst Du aus?“ Der Wirt lachte, und meinte:„Schuster, Du bist nicht recht gescheut, das merkt der doch. Aber wenn Du's fertig bringst, kommt mir's auf einen halben Kasten Bier nicht an.“ Der Schuster nahm schleunigst seine Stiefel, die er hinter die Linde gelegt hatte, unter den Arm und verschwand. Inzwischen kam der Fleischer zurück, war ärgerlich, weil er niemand angetroffen hatte, zahlte, stieg auf seinen Wagen und jockelte los. Gleich hinter dem Dorfe mußte er durch einen Kiefernwald. Langsam mahlten die Räder durch den Sand. Da lag dort vorn auf dem Weg ein Stiefel. Dazu frisch besohlt.„Ah, was, ein Stiefel ist ein Stiefel!“ brummte der Mann und fuhr weiter. Nach fünf Minuten lag wieder einer auf dem Wege, unzweifelhaft der Bruder des ersten. Da hielt der Meister nun doch an, überlegte eine Weile, stieg vom Wagen herunter, lenkte ihn etwas zur Seite und band das Pferd an einen Baum. Nun stampfte er durch den glutheißen Sand zurück, bis zu der Stelle, wo der erste Stiefel lag, und ging mit ihm zu seinem Gespann zurück.„Die müssen doch jemand gehören", dachte er, als er das geborgene Paar unter den Bock steckte, und wollte eben das Pferd abbinden. Da blieb er mit offenem Munde erstarrt stehen, denn das Kalb war aus dem Wagen verschwunden. Es dauerte eine ganze Weile, bis er sich faßte, auf den Bock stieg und wieder zurückfuhr in das Dorf, das er vor einer halben Stunde verlassen hatte. Das Kalb stand inzwischen wohlbehalten im Stalle des Wirtshauses, und der Schuster stärkte sich gebührend, denn wenn er auch ein kräftiger Kerl war, so hatte ihn doch das Tragen des Kalbes in Schweiß gebracht. Und nun saß er würdig mit seinem Spießgesellen auf der Lindenbank. Es dauerte nicht lange, da bog des Fleischers Wagen wieder um die Ecke. Diesmal sprang aber der Meister schnell herunter und schrie: „So eine Schweinerei. Die haben mir das Kalb vom Wagen gestohlen." „Ei, wär's doch gar!“ rief der Wirt, indes der Schuster den maßlos Erstaunten spielte.„Red' nicht erst lange“, war die Antwort des aufgebrachten Mannes.„Ich muß ein Kalb haben, s'ist ganz egal, was es kostet. Hast Du nicht eins?“ „Ja, ich hätte schon eins," meinte gedehnt der Wirt,„aber s'ist noch nicht viel dran und ich will's anbinden.“ Der Fleischer hörte gar nicht erst hin, schob den Wirt vor sich her in den Stall und sagte:„Her damit!“ Dabei zog er auch schon die Brieftasche. „Na," meinte jener,„Du sollst nicht zu viel Schaden haben, gib mir soviel, wie Du für das andere gezahlt hast. Aber gern gebe ich es nicht. Bloß weil Du's bist, sollst Du's haben.“ Während der Fleischer das Kalb aus dem Stall zog, ging der Wirt ins Haus, um Geld zu wechseln und die Kaufsumme„richtig“ zu machen. Da flüsterte ihm der Schuster zu:„Du, Kretschmer, ich stehl's noch'mal“, und war verschwunden. Abermals fuhr der Meister los, nun aber fest entschlossen, auf das teure Tier aufzupassen. Der Weg krümmte sich in einem weiten Bogen um den Wald. Und an einer Stelle, an der viel Unterholz wuchs und der Hochwald in eine dichte Schonung überging, hörte der geplagte Mann auf einmal anhaltend ein Kalb blöken, das sich anscheinend immer weiter entfernte. Herunter vom Wagen hinein ins Holz.„Dort drüben war's doch, warte nur, ich werde Dich schon kriegen, Du Vieh“; aber er bekam es nicht, obwohl er eine gute Weile suchte, und ergeben ging er zum Wagen zurück. Dort glaubte er, der Schlag solle ihn rühren, benn auch das zweite Kalb war fort. Tiefsinnig schüttelte er den Kopf, bestieg den Wagen und fuhr wieder zurück zum Gastwirt. Der mußte Rat schaffen, denn in seinem eigenen Dorfe war bestimmt kein Kalb zu haben. Als der Wagen zum dritten Male um die Ecke bog, stellte sich der Schuster, als wollte er gerade gehen. Der Fleischer hielt an, deutete über seine Schulter in den Wagen und sagte gar nichts. Da konnten sich die beiden Schelme nicht mehr halten und lachten laut heraus. Sie halfen dem Unglücksmenschen, der ganz erschöpft und verdattert war, herunter und erzählten ihm alle Einzelheiten ihres Streiches. Der Fleischer wußte zuerst nicht recht, ob er fluchen oder lachen sollte, tat dann beides, und da er auch Sinn für einen derben Scherz hatte, vergaß er bei einem guten Trunk unter dreien alles Ungemach. Als der Vollmond über die Kiefern und Nebel über das rührend schöne rote Klei Heide zogen, wurde das Kalb, das im Stalle keine Not gelitten hatte, gemeinsam aufge Der Fleischer fuhr in den kühlgewordenen A hinaus, seinem Dorfe zu. Der Schuster trug Stiefel noch an ihren Bestimmungsort, und Wirt konnte lange Zeit nicht einschlafen, weil ihm immer wieder das Lachen kam, wenn er an die Kälbergeschichte dachte. REICHSSENDER KÖLN und DEUTSCHLANDSE Programm vom 24. bis 27. Juli 1938 E 24. Juli REICHSSENDER KÖLN 6.00: Hafenkonzert. 8.00: Wetter, Wasserstand. 8.05: Evangelische Morgenfeier. 8.30: Hinaus in die Ferne. 9.15: Musik am Sonntagmorgen. 10.00: Militärkonzert. Dazwischen:„Großer Preis von Deutschland auf dem Nürburgring. Start der Motorräder in den verschiedenen Klassen. Zielberichte vom Rennen der Motorräder. 11.30: Solistenparade. 12.00: Konzert. Dazwischen:„Großer Preis von Deutschland auf dem Nürburgring. Start der Rennwagen u. erste Runden. 14.00: Nachrichten; Glückwünsche. 14.10: Deutsches Turn= u. Sportfest Breslau 1938. Der deutsche Rundfunk sendet aus Breslau. 1. Uebertragung des Großen Automobilpreises von Deutschland auf dem Nürburgring: 2. Deutsche Kanumeisterschaften auf dem Baldeneysee, Essen; 3. Die Entscheidung des Davis=Pokalspiels Deutschland— Frankreich in Berlin; 4. Deutschlands erstes Luftrennen. Bericht vom Großflugtag in Breslau. 18.00: Spaß muß sein! Eine heitere Stunde mit kleinen Szenen und lustiger Musik. 19.00: Kleine Abendmusik. 19.35: Der Sonntag im Rundfunkbericht und Sportvorbericht. 20.00: Nachrichten. 20.10: Kleine Kostbarkeiten aus dem Schallplattenschrank. 20.55: Schaltpause. 21.00: Volk in Leibesübungen.— Der Auftakt des deutschen Rundfunks zu den Uebertragungen vom Deutschen Turn= und Sportfest Breslau 1938. 22.00: Nachrichten. 22.30: Zu Unterhaltung u. Tanz. 24.00 bis 3.00: Nachtmusik. 1. Klänge zur Unterhaltung: 2. Frische Brise; 3. Unterhaltungsmusik der Tanzkapelle. DEUTSCHLANDSENDER 6.00: Frühkonzert. 8.00: Wetterbericht. Anschließend Zwischenmusik. 8.10: Konzert. Dazwischen:„Großer Preis von Deutschland auf dem Nürburgring. Start und Ziel des Rennens der Sportwagen. 9.30: Sonntagmorgen ohne Sorgen. 10.00: Militärkonzert. Dazwischen:„Großer Preis von Deutschland auf dem Nürburgring. Start der Motorräder in den verschiedenen Klassen: Zielberichte vom Rennen d. Motorräder. 11.00: Schlesische Feierstunde. 12.00: Deutscher Seewetterbericht. 12.15: Konzert. Dazwischen:„Großer Preis von Deutschland auf dem Nürburgring. Start der Rennwagen u. erste Runden. 12.55: Zeitzeichen der Deutschen Seewarte. 14.00: Der deutsche Sportrundfunk sendet aus Breslau 18.00: Schöne Melodien. 19.00: Galavorstellung des Zirkus Welle 1571. Ein RundfunkZirkus. 20.00: Kernspruch: Kurznachrichten und Wetterbericht. 21.00: Volk in Leibesübungen.— Der Auftakt des deutschen Rundfunks zu den Uebertragungen vom Deutschen Turn= u. Sportfest Breslau 1938. 22.00: Tages=, nachrichten. Anschließend Deuts 22.30: Zu Tanz und Unterhaltung. Dazu Fantasien auf der Wurlitzer Orgel. 22.45: Deutscher Seewetterbericht. 0.55: Zeitzeichen der Deutschen Seewarte. 1.06 bis 2.00: Unterbaltungsmusik. Gleichbleibende Tageseintellunn 6.00: 7.00: 8.00: 8.10: 9.45: 12.00: 13.00: Choral, anschließ. Leibesübungen. Frübkonzert. Nachrichten. Kalenderblatt, anschl. Zeit, Wetter, Wasserstandsmeldungen. Frauenturnen. Zeit, Nachrichten, Wasserstandsmeldungen. Musik am Mittag. Mittagsmeldungen 1 Glückwünsche. 13.15: Fortsetzung des Mittagskonzerts. 14.00: Mittagsmeldungen. 14.15: Melodei'n a. Köln a. Rh. (außer So., Mo.). 15.45: Wirtschaftsmeldungen. 16.00: Musik am Nachmittag. 18.50: Momentaufnahme. 19.10: Musik am Feierabend. 20.00: Erste Abendmeldungen. 22.00: Zeit, Wetter, Nachrichten. 22.30: Nachtmusik und Tanz. Wetter= u. Sport25. Juli REICHSSENDER KÖLN 6.00: Morgenlied; Wetterbericht für den Bauer. 6.10: Knie—e beugt! 3.30: Freut euch des Lebens! 6.55: Morgenlied— Morgenruf. 7.00: Nachrichten. 7.10: Frühkonzert. 8.00: Wetter— Wasserstand— Kalenderblatt. 8.10: Frauenturnen. 8.30: Unterhaltungsmusik. 9.30: Ratschläge für den Küchenzettel der Woche. 9.45: Nachrichten. 10.00: Von wunderlichen Schiffen und anderen Seeungeheuern. 10.30: Sendepause. 11.55: Wettermeldungen für den Bauer. 12.00: Schloßkonzert. 13.00: Nachrichten: Glückwünsche. 13.15: Fortsetzung des Schloßkonzerts. 14.00: Nachrichten. 14.10: Melodein aus Köln am Rhein. 15.00: Für große und kleine Kinder: Was sich unsere Kinder wünschen. 15.30: Das gute Buch. 15.50: Wirtschaftsmeldungen. 16.00: Nachmittagskonzert. 17.00 bis 17.10: Wir suchen und sammeln... Lieder der Arbeit: m Mähen, Sensendengeln u. a. 18.00: Der Träger des Mozartpreises 1938. Zweimal Glück. Eine Erzählung aus dem Leben. 18.20: Volkslieder und Tänze aus den Nordlanden. 18.45: Und was meinen Sie? 18.55: Schaltpause. 19.00: Deutsches Turn= u. Sportfest Breslau 1938. Rund um die Schlefierkampfbahn. 19.30: Die Woche fängt gut an. 20.00: Nachrichten. 20.10: Kleines Abendkonzert. 21.00: Blasmusik. 22.00: Nachrichten. 22.15: Zwischenmusik. 22.30: Musik aus dem Schlüterhof. 24.00 bis 3.00: Nachtmusik. DEUTSCHLANDSENDER 5.00: Glockenspiel; Wetterbericht. 5.05: Der Tag beginnt.— Frühmusik. 6.00: Morgenruf— Nachrichten des Drahtlosen Dienstes. 6.10: Aufnahmen. 6.30: Frühkonzert. Dazwischen um 7 Uhr: Nachrichten des Drahtlosen Dienstes. 8.00: Sendepause. 9.00: Sperrzeit. 9.40: Kleine Turnstunde. 10.00: Sendepause. 11.15: Deutscher Seewetterbericht. 11.30: Dreißig bunte Minuten. Anschließend Wetterbericht. 12.00: Musik zum Mittag. 12.55: Zeitzeichen der Deutschen Seewarte. 13.00: Glückwünsche. 13.45: Neueste Nachrichten. 14.00: Eine kleine Melodie. 14.15: Musikalische Kurzweil. 15.00: Wetter=, Markt= u. Börsenberichte. 15.15: Volksmelodien. 15.40: Wenn Besuch da ist...— Mütter unterhalten sich über ihre Kinder. Anschließ. Programmhinweise. 16.00: Musik am Nachmittag. In der Pause von 17.00—17.10: Aus dem Zeitgeschehen. 18.00: Junge Dichtung.„Der neue Tag hebt an...“ 18.30: Jaro Michalek spielt.. 19.00: Deutsches Turn= u. Sportfest 1938. Rund um die Schlesier19. 20.00: Kernspruch: Kurznachrichten und Wetterbericht. 20.10: Blasmusik. 21.00: Zum 5. Jahrestag der österreichischen Erhebung.— Das Großdeutsche Reich. 22.00: Tages=, Wetter= u. Sportnachrichten. Anschließend Deutschlandecho. 22.30: Eine kleine Nachtmusik. 22.45: Deutscher Seewetterbericht. 23.00: Unterhaltungsmusik. 24.00 bis 2.00: Nachtmusik. 0.55 bis 1.06: Zeitzeichen der Deutschen Seewarte. kampfbahn. .30: Jaro Michalek spielt.. 26. Juli REICHSSENDER KÖLN 6.00: Morgenlied: Wetterbericht für den Bauer. 6.10: Knie—e beugt! 6.30: Freut euch des Lebens! 6.55: Morgenlied— Morgenruf. 7.00: Nachrichten. 7.10: Frühkonzert. 8.00: Wetter— Wasserstand— Kalenderblatt. 8.10: Frauenturnen. 8.30: Morgenmusik. 9.30: Vom Wirken und Schaffen Helene Langes.— Was sie uns Heutigen zu sagen bat. 9.45: Nachrichten. 10.00: Sendepause. 10.30: Kindergarten. 11.00: Sendepause. 11.55: Wettermeldungen für den Bauer. 12.00: Mittagskonzert. 13.00: Nachrichten; Glückwünsche. 13.15: Fortsetzung des Mittagskonzerts, 14.00: Nachrichten. 14.10: Melodein aus Köln am Rhein. 15.00: Heitere Unterhaltung. Darin: Der lustige Rätselfunk. 15.50: Wirtschaftsmeldungen. 16.00: Nachmittagskonzert. 17.00 bis 17.30.„... und morjen geht's ins Lager!“— Drei Pimpfe und ihre Erlebnisse,— Eine heitere Begebenbeit. 18.00: Vom Stephansturm zum Großglockner. Eine frohe Fahrt durch österreichisches Land. 18.20: Schöne Stimmen. 18.40: Englische Unterhaltung. 18.55: Schaltpause. 19.00: Deutsches Turn= u. Sportfest Breslau 1938. Die Fußballvorrunde begann. 19.30: Komponistenbildnis: Tschaikowsky. 20.00: Nachrichten. 20.10: Zwei Männer in der Nacht. Eine lustige Szene. 20.30: Alles tanzt mit! Ein bunter Tanzabend für jung und alt. Darin 22.00: Nachrichten. 24.00 bis 3.00: Nachtmusik. DEUTSCHLANDSENDER 5.00: Glockenspiel; Wetterbericht. 5.05: Musik für Frühaufsteher. 6.00: Morgenruf— Nachrichten des Drahtlosen Dienstes. 6.10: Aufnahmen. 6.30: Frühkonzert. Dazwischen um 7 Uhr: Nachrichten des Drahtlosen Dienstes. 8.00: Sendepause. 9.00: Sperrzeit. 10.00: Sendepause. 10.30: Fröhlicher Kindergarten. 11.00: Sendepause. 11.15: Deutscher Seewetterbericht. 11.30: Dreißig bunte Minuten. Anschließend Wetterbericht. 12.00: Musik zum Mittag. 12.55: Zeitzeichen der Deutschen Seewarte. 13.00: Glückwünsche. 13.45: Neueste Nachrichten. 14.00: Eine kleine Melodie. 14.15: Musikalische Kurzweil. 15.00: Wetter=, Markt= u. Börsenberichte. 15.15: Operettenmelodien. 15.40: Die Stadt auf dem goldenen Thron. Skizzen von einer Reise in die Cyrenaika. Anschließ. Programmhinweise. 16.00: Musik am Nachmittag. 18.00:„Die Donau.“ Lieder und Sagen von der Quelle bis zur Mündung. 18.30: Klaviermusik. 19.00: Deutsches Turn= u. Sportfest 1938. 19.30: Musikalische Kurzweil. 20.00: Kernspruch: Kurznachrichten und Wetterbericht. 20.10: Unterhaltungskonzert. 21.00: Politische Zeitungsschau. 22.00: Tages=, Wetter= u. Sportnachrichten. 22.20: Reiseerlebnisse in Bulgarien. 22.35: Eine kleine Nachtmusik. 22.45: Deutscher Seewetterbericht. 23.00: Blasmusik. 24.00: Nachtkonzert. 0.55: Zeitzeichen der Deutschen Seewarte. 1.06 bis 2.00: Volksmusik. 27. Juli REICHSSENDER KÖLN 6.00: Morgenlied; Wetterbericht für den Bauer. 6.10: Knie—e beugt! 6.30: Freut euch des Lebens! 7.00: Nachrichten. 7.10: Frühkonzert. 8.00: Wetter— Wasserstand— Kalenderblatt. 8.10: Frauenturnen. 8.30: Unterhaltungsmusik für die Arbeitskameraden in den Betrieben. 9.30: Vom gesunden Leben. 9.45: Nachrichten. 10.00: Sendepause. 11.55: Wettermeldungen für den Bauer. 12.00: Lieder u. Tänze aus neuen Tonfilmen. 12.35: Schaltpause. 12.40: Deutsches Turn= u. Sportfest Breslau 1938. Rückblick auf die Vormittagskämpfe. 13.00: Nachrichten; Glückwünsche. 13.15: Lieder u. Tänze aus neuen Tonfilmen(Fortsetzung). 14.00: Nachrichten. aus Köln am 14.10: Melodein Rhein. 15.00: Für große und kleine Kinder: Petersilie, Suppenkraut wächst in unserm Garten... Ein Spiel. 15.25: Wir treiben Familienforschung. Ratschläge, Anleitungen und Antworten. 15.50: Wirtschaftsmeldungen. 15.55: Schaltpause. 16.00: Deutsches Turn= u. Sportfest Breslau 1938. Eröffnungskundgebung in der Schlesierkampfbahn zu Breslau. 18.00: Griff ins Leben.— Ausschnitte aus dem Zeitgeschehen. 18.30: Musik für Bläser. 18.55: Schaltpause. 19.00: Tag der Jugend. Ein Rückblick auf den ersten Hauptfesttag. 20.00: Nachrichten und zehntägige Wettervorhersage. 20.10: Neue deutsche Unterbaltungsmusik. 22.00: Nachrichten und zehntägige Wettervorhersage. 22.15: Zwischenmusik. 22.30: Musik aus Wien. 24.00 bis 3.00: Nachtkonzert. DEUTSCHLANDSENDER 5.00: Glockenspiel: Wetterbericht. 5.05: Der Tag beginnt.— Frühmusik. 6.00: Morgenruf— Nachrichten des Drahtlosen Dienstes. 6.10: Aufnahmen. 6.30: Frühkonzert. Dazwischen um 7 Uhr: Nachrichten des Drahtlosen Dienstes. 8.00: Sendepause. 9.00: Sperrzeit. 9.40: Kleine Turnstunde. 10.00: Sendepause. 10.30: Fröhlicher Kindergarten. 11.00: Sendepause. 11.15: Deutscher Seewetterbericht. 11.30: Dreißig bunte Minuten. Anschließend Wetterbericht. 12.00: Musik zum Mittag. 12.55: Zeitzeichen der Deutschen Seewarte. 13.00: Glückwünsche. 13.45: Neueste Nachrichten. 14.00: Eine kleine Melodie. 14.15: Musikalische Kurzweil. 15.00: Wetter=, Markt= u. Börsenberichte. 15.15: Heiter und bunt. 16.00: Deutsches Turn= u. Sportfest 1938. 18.00: Zeitgenössische Lieder. 18.30: Musikalische Kurzweil. 19.00: Deutsches Turn= u. Sportfest Breslau 1938. 20.00: Kernspruch; Kurznachrichten und Wetterbericht. 20.10: Musikalische Kleinigkeiten. 21.00: Deutschlandecho. 21.15: Leichte Musik aus Watschau. 22.00: Tages= u. Wetternachrichten; anschließend Witterungsvorhersage für die Zeit vom 28. Juli bis 6. August 1938. 22.15: Deutsches Turn= u. Sportfest Breslau 1938.— Tagesrückblick. 22.45: Deutscher Seewetterbericht. 23.00: Abendkonzert. 24.00 bis 2.00: Nachtkonzert. 0.55 bis 1.06: Zeitzeichen der Deutschen Seewarte. Der Millionär im Keller Der geheimnisvollste Mann New Vorks In einem feuchten Keller unterhalb dem Pflaster von Allen Street, New York, lebte ein alter Mann, Mr. Edward Allen Ridley. Es war ein sehr alter Mann, der das würdevolle Aussehen eines Weihnachtsmannes hatte. Sein langer weißer Bart floß über einen alten schäbigen Rock hinunter und bedeckte seine eingefallene Brust. Gebeugt an einem Stock humpelnd, so sahen ihn oft die anderen Mieter des Hauses. Meistens aber sahen sie einen eleganten jüngeren Mann, der sich als Sekretär des Achtzigjährigen ausgab. Mr. Weinstein. so hieß dieser, besaß ein Auto und einen schönen Brillantring. Er war es auch, der die vielen Besucher empfing, die sich täglich nach der verrufenen Allen Street bemühten und der die manchesmal sehr distinguierten Persönlichkeiten die Treppe in die dunklen, nur von einer Petroleumfunzel beleuchteten, Keller hinabgeleitete. Natürlich zerbrachen sich die Nachbarn oft den Kopf darüber, wer wohl dieser schäbige Alte war, der einen so flotten jungen Mann als Sekretär besaß, was mochte sein Gewerbe sein? Irgendetwas stimmte da sicherlich nicht, vermuteten die Nachbarn. Besonders seit der Zeit vor zwey Jahren, als der frühere Sekretär des Alten, Mre Mönch, irgendwo im Bronx ermordet worden war und die Kriminalpolizei dem Keller erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt hatte. Dann stellte es sich heraus, daß Mr. Ridley Geld auslieh, gegen hohe, sehr hohe Zinsen. Und da die Nachbarn genug mit ihrem eigenen traurigen Leben zu tun hatten, so kümmerten sie sich jetzt, wo ihre Neugierde befriedigt war, nicht mehr sonderlich um Mr. Ridley. Zweifacher Mord. Bis vor einigen Tagen die Besucher Ridleys Schlange vor dem Keller standen und nicht hineinkamen und ein Polizist geholt wurde, der die Tür zum Keller aufbrach. Ein schreckliches Bild bot sich den Eintretenden. Der würdige Mr. Ridley und sein Sekretär lagen in ihrem Blut auf dem Steinboden des Kellerraumes, während der verkohlende Petroleumdocht das Zimmer in schwarzen Qualm getaucht hatte. Ein zweifacher Mord! Besonders schauerlich, weil schon einmal ein Mensch, der 60jährige Mr. Mönch, der in nahen Beziehungen zu Mr. Ridley stand, auf brutgle Weise ermordet worden war, ohne daß es gelang, den Täter zu fassen. Aber auch dieser Mord hätte New York nicht sehr lange aufgeregt, denn hier gehören ja einige Morde zum Tagesprogramm. Etwas ganz anderes hat die Aufmerksamkeit nicht nur der New Yorker, sondern aller sensationslüsternen Amerikaner auf den kleinen dumpfen Keller in der Allen Street gelenkt. Und zwar die Tatsache, daß man durch Bankausweise festgestellt hat, daß dieser alte schäbige Mr. Ridley der Besitzer eines Vermögens von zwanzig Millionen Mark war. 20 Millionen suchen einen Erben. Jetzt hat die Gestalt des schäbigen alten Mannes die Phantasie aller Amerikaner vollständig gefesselt. Ein moderner„Syrooge“, ein unerbittlicher Wucherer, der Cent auf Cent hamsterte und sparte, der große Summen auslieh und riesige Zinsen nahm, der nicht einen Cent überflüssigerweise für sich ausgab, sondern alles anlegte, in Grundstücken und Häusern oder als bares Geld auf sein Konto in der Central Hanover Bank. Für wen hat der alte Mann sein riesiges Vermögen gespart? Verwandte haben sich nicht gemeldet. Anscheinend ist er ein einsamer Geizhals gewesen, der nur eine einzige Leidenschaft besaß, Geld zu hamstern. Die Polizei steht vor einer schwierigen Aufgabe. Wer von den Tausenden, denen Mr. Ridley Geld geborgt und die er ruiniert hat, wenn sie ihm nicht pünktlich Kapital und Zinsen zurückgaben, ist der Täter? Zur Zeit sind die Detektive dabei, 200 Leute, die auf den Listen des alten Wucherers stehen, zu vernehmen. Dann gilt es, in dem Leben der beiden ermordeten Sekretäre nachzuforschen. Denn diese beiden Männer, die hauptsächlich die Grundstücke des Wucherers verwalteten, galten in ihren Kreisen als reich, sie gaben viel Geld aus. Die Polizei hat aber festgestellt, daß sie nicht mehr als 50 Dollar Wochenlohn von ihrem geizigen Auftraggeber erhielten. Wo haben sie das übrige Geld hergenommen? In dem Keller befanden sich zwei Tonnen Papier, Quittungen und Schuldscheine. Zweihundert vollgeschriebene Kontobücher wurden von der Polizei gefunden. Und dieses Material muß alles gesichtet und nachgegangen werden, wenn man den Mörder finden will. Denn die Polizei glaubt, daß ein einziger Mann alle drei Personen ermordet hat, ein Mann, der dem Wucherer und seinen Gehilfen Rache geschworen hatte, dem es nicht darauf ankam, Geld zu stehlen, denn in dem Keller befand sich kein Geld, sondern dessen Motiv die Befriedigung seiner Rache war. Die Frauen der beiden ermordeten Sekretäre haben beim Gericht einen Antrag gestellt, an dem Nachlaß des Wucherers beteiligt zu werden, da ihre Männer ja dazu beigetragen haben, diesen Reichtum anzusammeln. Warum bist Du noch nicht Mitglied der ns.-Volhowohlsahet! Sommer- Schluß-Verkauf Sommer-Schluß-Verkauf Sommer-Schluß-Verkauf Sommer-Schluß-Verkauf Sommer-Schluß-Verkauf Sommer-Schluß-Verkauf Beginn Montag 8.30 Uhr Bochum, Bongardstraße Landgasthäuser im Grünen- Hier gibl's die grollen Kaffeeportionen! Hordthaus Langenberg, nheber mi Dob Rul 497 Restaurant„Wodantal“, Nierenhfe Langbg. Gaststätte W. Haarmann, B.-Stienel Haltestelle Ki ekhaus, Sonntag ab 6 Uhr Tanz. 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Auch brächte der Frühsommer reichen Segen an duftenden Erdbeeren, und später hingen die saftigen Pfirsiche vor dem Fenster, wo sie bequem vom Ast zu pflücken seien. Und wie gut würde es ihrem Mann tun, der bei der Behörde angestellt war und den ganzen Tag Aktenstaub schlucken mußte, wenn er abends vor der Tür sitzen und seine Lungen ausputzen konnte! Wie kleine Fürsten würde man leben können, und hätte es dann auch nicht mehr nötig, für lumpige zwanzig Mark im Monat den frechen Studenten zu beherbergen, der jetzt das schöne große Hinterzimmer bewohne und außerdem noch bedient werden müsse. Zwar wohnte der stud. med. Schulze schon seit einem Jahr bei Wünschelmanns und machte ihnen keine große Last, er war mit allem zufrieden, zahlte pünktlich und studierte fleißig, doch immerhin, Frau Wünschelmann mußte, trotzdem HerrSchulze fast zur Familie gehörte, täglich das Zimmer des jungen Studenten in Ordnung bringen, und das war ihr unbequem. Mit Staubtuch und Schrubber hatte sie nicht gern zu tun. Ihr stattlicher Umfang neigte mehr zu behaglichem Verweilen im weichen Lehnstuhl. Und wenn gar der Tag der großen Wäsche herannahte, stellten sich ernste Krankheitsanzeichen bei Frau Wünschelmann ein. Die Kopfschmerzen, die sie dann bekam, waren meist so heftig, daß der gute Gatte es nicht verantworten konnte, seiner lieben Frau diese aufreibende Tätigkeit zuzumuten, und er verfügte besorgt, daß die Wäsche zur Waschanstalt gegeben werden müsse. Dann wurde die Kranke schnell wieder gesund. Herr Schulze aber war sich im klaren, daß die gute Dame ein erhebliches Maß von Faulheit aufzuweisen hatte. Daß Herr Schulze nach Meinung der guten Frau Wünschelmann ein„frecher Student“ war, kam daher, weil er es liebte, frei von der Leber weg zu reden. So konnte er sich nicht enthalten, häufiger an Frau Wünschelmann unbequeme Fragen zu richten, zum Beispiel, ob sie Erde umgraben und Unkraut jäten könne, und ob sie auch wisse, daß das Stallausmisten eine ungewohnte Arbeit für eine Lady sei. Sie antwortete dann spitz, er möge sich um sein Medizinstudium kümmern; bei ihr würde die Sache schon in Ordnung kommen, ihr Mann sei bereits um 17 Uhr dienstfrei, und er wolle sich ja auch nützlich machen. Als zu Pfingsten der große Hausputz vor der Tür stand, hatte Frau Wünschelmann wieder„wahnsinnige Kopfschmerzen“ Herr Schulze blickte sie bedauernd an und fragte, ob er ihr den Puls fühlen dürfe. Sein Mitgefühl tat der armen Frau wohl, und sie reichte dem jungen Mediziner vertrauensvoll das Patschhändchen. Herr Schulze fand den Puls in Ordnung, aber er schüttelte dennoch bedächtig das Haupt und murmelte:„Merkwürdig— höchst merkwürdig— das gibt mir zu denken—— Der angehende Doktor wollte wissen, seit wieviel Jahren sie diese eigenartigen Anfälle hätte.— Öh, die hatte Frau Wünschelmann fast schon so lange, seit sie verheiratet war. „Dann steht fest, daß die Sache bei Ihnen chronisch ist“, sagte der Student. „Um Gottes willen, Herr Schulze, was ist denn chronisch bei mir?“ bebte Frau Wünschelmann. „Die Pigritia, liebe Frau Wünschelmann, ein typischer Fall von Pigritia communis, einer häßlichen Krankheit, der man häufiger begegnet-—.“ „Ochottochott, Herr Schulze,— ist denn diese Prigizia gefährlich?“ Beinahe hätte Frau Wünschelmann angefangen zu heulen. Aber Herr Schulze beruhigte sie. Lebensgefährlich sei die Pigritia nicht, aber sie sei Foto Mauritius M Die zu Haus' Gebliebenen eberall lacht die gleiche Sonne Vom Himmel zu uns hernieder. Ueberall stärken die warmen Strahlen Den müden Leib und die Glieder. Ueberall blühen und duften die Blumen, Ueberall kann man wandern. Ueberall kann man in Gärten sitzen, In fröhlicher Rede mit andern. Und wer nicht weit auf rollenden Rädern In die ferne Welt konnte reisen— Der wird die friedliche Ruhe und Die Trinkkur zu Hause preisen. nunm ein schleichendes Uebel, das mit übermäßigem Schlafbedürfnis, Kopfschmerzen an arbeitsreichen Tagen und anderen störenden Begleiterscheinungen, besonders Fettsucht, verbunden sei. Da Frau Wünschelmann immer noch an ihre schlanke Taille glaubte, wollte sie wissen, was sie tun solle. Das durfte der stud. med. Schulze ihr aber natürlich nicht sagen, weil er noch kein approbierter Arzt war, doch er gab ihr den Rat, den Amtsarzt, der die Untersuchung der Siedlungslustigen vorzunehmen hatte, auf ihr Leiden aufmerksam zu machen. Der würde schon die richtige Entscheidung treffen. „Schreiben Sie mir doch den Namen von der neuen Krankheit auf, Herr Schulze, damit ich ihn nicht vergesse“, bat Frau Wünschelmann, und der hinterhältige Herr Schulze schrieb auf einen Zettel:„Nach meiner Diagnose leidet Frau W. an chronischer Pigritia communis! H. Schulze, stud. med."— Die Untersuchung verlief ungünstig für Frau Wünschelmann. Zwar konnte der Amtsarzt keine organischen Fehler feststellen, doch als sie ihm den Zettel gab, machte der Doktor zuerst ein verdutztes Gesicht, dann aber blickte er die Kranke durchdringend an. „Der junge Kollege scheint ein scharfer Beobachter zu sein und wird sicher mal ein guter Psychologe werden, verehrte Frau“, hatte er dann gesagt,„ich hätte Ihre Krankheit beinahe gar nicht bemerkt; Sie müssen Herrn Schulze dankbar sein, daß er Sie vor Enttäuschungen bewahrt hat, denn Sie können mit der Pigritia, an der Sie leiden, unmöglich siedeln!“ Mit diesem Bescheid fand sich die Familie, wenn auch schweren Herzens, ab, bis Frau Wünschelmann eines Tages ein lateinisches Wörterbuch auf dem Schreibtisch des angehenden Mediziners entdeckte, in dem sie das Wort„Pigritia“ fand. Darauf kündigte Frau Wünschelmann Herrn Schulze fuchsteufelswild das Zimmer und setzte den frechen Studenten kurzerhand an die frische Luft. In dem Wörterbuch stand unter P: „pigtitia= die Trägheit.“— Sommer über der heide Gedenken an Hermann Löns Von Fritz Alfred Zimmer Mir dachten, die herrliche Droste, der alte liebe Theodor Storm und der köstliche Detlev von Liliencron hätten uns die Wunder der Heide ausgesungen. Doch da bist du gekommen im schlichten Lodenrock und Wetterhut, mit einem Sträußchen Rittersporn und Ehrenpreis und ein verträumtes Volkslied auf den Lippen— und wieder blühte die Heide, die rotfroh schimmernde Heide in Unendlichkeit. Am Grünwasser goldet der Ginster, und aus dem Junglaub im Erlengestrüpp und Weidenbusch flötet die Goldammer. Frau Einsamkeit sitzt am Feldrain an der kleinen Böschung bei den zwei Ebereschen und singt ihr sehnsuchtsvolles Lied bis in die Abendfarben. Und aus dem Knick= und Kiefernschlag am Galgenberg, bei den Kreuz= und Jammersteinen, um die der Nordwind pfeift, klingt Habichtsruf, und aus der Uhlenflucht und dem Eulenloch schreien der Waldkauz und die Nebelkrähe. Dann schleichst du, herrlicher Heidedichter, in Jägerleidenschaft den Finger am Hahn, und doch allem Erdenwesen verschwistert zugesellt und den freien Waldtieren verwandt, mit dem Grauhund durch Bruch und Moorrauch, durch Verhack und Stangenholz, in beglücktem Staunen vor jedem Täuber und Eichelhäher und in Andacht und Ehrfurcht vor jedem Rohrsänger und Feldsperling. Deine Freude sind die Moorbauern, die Tümpelfischer und Heidbauern, und du unbekümmerter Naturbursche und Geestkerl sagst, daß die weniger, als die vornehmen Leute drinnen in der großen Stadt, Alltagsmenschen sind. Und was für Geschichten du weißt von all deiner heiligen Jagd und den Mümmelmanns und anderm köstlichen Getier! Oh, wie du aufhorchen ließest wieder die eiteln, landfremd gewordenen Menschen, aufhorchen vor Schöpferwonne in deinem Märchenwald auf dem Eichsfeld, am Radauner See und in der Lüneburger Heide! Aufhorchen ein ganzes Volk vom Flugsand der Düne bis zur dunklen Bergwaldwildnis, du Wittekindsblut mit den visionären Augen, über deinen Dorfgeschichten und dem großen Schicksalsbilde vom Wehrwolf. Aber: auf der Moorwiese, in der Sommerheide am Binsen= und Wasserrosenteich gehen Irrlichter. Auch dein Irrlicht, du Dichter der Heide! Du sahst, du Sehnsuchtsmensch, das zweite Gesicht. Zuerst in Märchenheimlichkeit. Aber es hat dich, tiefstes Heimatherz, wie deinen Helmolt Hagenrieder wurzellocker gemacht und zu einem Hermann Heimlos, der eigenwillig, ohne Habe, ohne Weib und Kind, ohne Geld und ohne Freund und Bruder im Straßenstaube fremder Länder ging, unruhvoll in Oesterreich und Holland und der Schweiz, und warst in deinem fernen Deutschland doch sein sehr berühmter Dichter Hermann Löns! Und hast, Gott Dank, doch aus dem Lande Nirgendwo zuletzt auch wieder heimgefunden und hast noch einmal, jäh emporgerissen in Krieg und Jagd, dem alten Lande der Löns=Geschlechter ganz tief und rot dein wild=versehntes Herzblut gegeben, als eine Franzosenkugel vor Reims dich traf. Du ruhtest im Lande Nimmernot. Und bist nun wieder auch heimgebracht in deine Heide! Und wenn sie jedes Jahr von neuem blüht, dann wallfahrten die Deutschen zum Löns=Grabe im Wacholderpark zu Tietlingen, und das Jungvolk liest in den Schulen mit leuchtenden Augen deine wunderbaren Tiergeschichten; dann singen die Wandervögel, Burschen und Mädel, zur Laute in Sehnsucht deine lieben Lieder, — eine versehnte Künstlerseele erschauert über deinem„Schmerz= und Notbuch“ des zweiten Gesichts, und herbe deutsche Männer schöpfen Kraft aus deinem Letzten Hansbur und dem schicksalgroßen Wehrwolf! O glücklos-glücklicher Dichter Hermann Löns! Angerstein lächelte ein wenig, als er die Zeitung zusammenfaltete und in die Tasche steckte. Wie anders hätte dieser Artikel in der„Times“ wohl ausgesehen, so dachte der alte Herr, wenn der Oeffentlichkeit die wahren Hintergründe der Affäre in Whitehall bekannt gewesen wären! Und der Syndikatschef empfand eine gewisse Erleichterung bei dem Gedanken, daß Lord Stacy von einer höheren Macht gerichtet worden war. Im großen Börsensaal herrschte ausgerechnet an diesem Montag bis in die Abendstunden hinein Hochbetrieb Zahlreiche Schiffseigentümer hatten sich auf Grund der Siegesmeldung vom vergangenen Freitag entschlossen, ihre gesamten Kauffahrteischiffe in dieser Woche wieder auslaufen zu lassen. Versicherungen waren daher stark gefragt, und die Syndikate arbeiteten fieberhaft. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge prüfte und unterzeichnete Angerstein die zahlreichen, ihm von Watson herübergereichten Verträge. Der alte Herr war müde und zerschlagen. „Ein toller Tag heute!“ murmelte Angerstein vor sich hin und setzte mit zittriger Hand wieder einmal seinen Namen unter eine Police. Der Generalsekretär nickte schweigend, obwohl er nur einen Bruchteil der Ereignisse kannte, die seinem Chef zu diesem Seufzer Veranlassung gaben. In diesem Augenblick wurde nun draußen im großen Saal die Glocke in erregte Schwingungen versetzt. Schreckensbleich sprang der Syndikatsführer auf, um gleich darauf wie vernichtet in seinen Sessel zurückzufallen.„Mein Gott“, murmelte er, und kalter Schweiß perlte auf seiner Stirn, „nun ist alles aus!" Draußen raste die Glocke, zahlreiche Personen hasteten an der Tür vorbei. Watson bemühte sich um seinen Chef, der einer Ohnmacht nahe zu sein schien. Diesmal war es der Generalsekretär, der die Ruhe behielt und Angerstein Mut zusprach. „Kommen Sie, Sir!“ Er ergriff die Hand des Syndikatsführers.„Vielleicht läutet sie wieder einmal gute Kunde ein.“ Aber Angerstein schüttelte müde das greise Haupt, und immer wieder kam es von seinen Lippen: „Nun ist alles aus, alles aus!!“ Kopfschüttelnd und ratlos stand der Generalsekretär vor dem alten Herrn Plötzlich gab sich der Chef einen Ruck, er erhob sich mühsam und murmelte: „Watson, es ist das letzte Mal!“ Dann wankte er, gefolgt von seinem Generalsekretär, hinaus in den Saal und schritt unter dem dröhnenden Geläut der Glocke durch die zahlreichen Menschengruppen, die, wie stets in solchen erregenden Augenblicken, in nervöser Gesprächigkeit und voll unverhohlen angstvoller Spannung auf die Worte des Sprechers warteten. Der Kellner stand nun auf dem Podium, die Glocke schlug noch zwei-, dreimal an und verstummte. „Meine Herren“, schnitten die Worte des Sprechers in die Totenstille,„soeben erreicht uns auf sonnen- und blinktelegraphischem Wege die folgende Nachricht: Nelson schlug französisch-spanische Flotte bei Kap Trafalgar vernichtend. Der Admiral ist seiner schweren Verwundung erlegen.“ Das Mienenspiel der Anwesenden verwandelte sich während dieser Bekanntgabe vom glücklichen Augenleuchten jäh zu größter Bestürzung. Kein Wort, keine Kundgebung irgendwelcher Art wurde im weiten Saal vernehmbar Minutenlang verharrten alle Männer unbeweglich auf ihren Plätzen, dann löste sich die Erstarrung, und schweigend gingen die im Saal Befindlichen in ihre Büros zurück oder verließen das Haus. Einige Minuten später ging die Fahne auf dem stolzen Gebäude von Lloyds auf Halbmast und gab so der Bevölkerung die erste Kunde von dem Tode eines großen Mannes. Watson und ein Kellner führten den alten Angerstein in sein Büro zurück. Der greise Syndikatschef zitterte an allen Gliedern. Als man ihn vorsichtig in seinen Schreibtischsessel setzte, sah er so mitgenommen aus, daß der Generalsekretär das Schlimmste befürchtete. Lange Zeit saß Angerstein reglos und starrte geistesabwesend vor sich hin Dann seufzte er tief und murmelte kaum hörbar:„Noch einen solchen Tag wie den heutigen, Watson, und ihr könnt mich gleichfalls in die kühle Erde betten!“ * Als Dr. Rockingham an das Krankenbett des schwerverwundeten Jonathan geeilt war und den Bewußtlosen einer ersten Untersuchung unterzogen hatte, machte er ein sehr bedenkliches Gesicht. Lady Elisabeth, selbst einer Ohnmacht nahe, drang mit zitternder Stimme in den angesehenen Arzt: „Wird er leben, Doktor?“ Rockingham zog die Achseln hoch, seufzte tief und schüttelte, von lebhaftem Zweifel erfüllt langsam seinen schönen Gelehrtenkopf„Mylady“, sagte er ernst,„viel Hoffnung darf ich Ihnen leider nicht machen. Die ziemlich großkalibrige Kugel ist in die rechte obere Brust eingedrungen, hat die dritte Rippe zerschmettert und ist dann vermutlich in der Lunge steckengeblieben.“ Die Frau war mit einem Ausruf des Entsetzens zusammengesunken. „Gelingt es mir, die Kugel herauszuholen, und übersteht der Kranke die Operation gut, dann wäre es immerhin denkbar, daß—. Andererseits der starke Blutverlust—“ Der Arzt glaubte selbst nicht, den Schwerverletzten am Leben erhalten zu können. Jonathan wurde am Nachmittag bereits unter allen erforderlichen Vorsichtsmaßnahmen in die Klinik Rockinghams geschafft, erwies sich aber zunächst noch nicht als operationsfähig Mit unbeweglicher Miene hatte wenig später die Gattin des Lords von dem tödlichen Unfall Everetts Kenntnis genommen; sie gab die notwendigsten Anweisungen und ließ den Verstorbenen bald darauf in aller Stille in der Stacyschen Erbgruft beisetzen Stundenlang brachte sie täglich im Wartezimmer der Klinik zu, um ständig über das Befinden des Geliebten unterrichtet zu sein. Eines Abends— es war schon spät und Lady Elisabeth schickte sich eben an, sich zur Ruhe zu begeben— meldete die Zofe, daß ein junges Mädchen noch um eine dringende Unterredung bäte Ueberrascht begab sich Elisabeth in den Empfangssalon und wurde dortselbst mit artigem Knicksen von einer jungen Dame begrüßt. „Guten Abend, Mylady", sagte sie bescheiden,„ich bin die Polly von Lloyds Kaffeehaus Bitte, seien Sie mir nicht böse, daß ich Sie so spät noch störe, aber— ich konnte nicht früher kommen“ „Sie machen sich gewiß auch rechte Sorgen um Mr Blake, Kleine?“ Polly nickte heftig und kämpfte tapfer gegen ihre Tränen an. Elisabeth bemerkte es nicht ohne Rührung. „Ja, Polly", seufzte sie,„wir müssen viel Geduld haben, es geht auf Leben und Tod!“ „Mr Potts kommt täglich zu Mr Angerstein und erstattet Bericht, und ich darf auch dabei sein, aber— aber ich möchte so gern selber einmal zu Mr. Blake“, sagte Polly. Lady Elisabeth lächelte:„Ja, Kleines, das möchte ich auch!“ Polly blickte ihr Gegenüber erstaunt an: „Aber ich denke, Mylady sind jeden Tag bei ihm“, rief sie „Im Wartezimmer der Klinik“, warf Elisabeth ein„An sein Bett darf ich ebensowenig wie Sie oder irgendein anderer, denn die Operation hat den Kranken so angegriffen, daß er größtenteils ohne Besinnung ist“ „Oh, Mylady, hoffentlich wird der arme Mr Blake recht bald ganz gesund, dann kann er doch endlich ganz glücklich werden.“ „Ja, war er das denn früher nicht, Polly?“ forschte die Lady, ein wenig neugierig auf des Mädchens Antwort Die Verkäuferin von Lloyds schlug die Augen nieder und schüttelte den Kopf. „Und weshalb nicht?“ „Wo er doch so viele Jahre gewartet hat — und nun doch——.“ Das Mädchen getraute sich nicht, seine Gedanken auszusprechen und schwieg verschämt Elisabeth strich der Kleinen über die Wange „Ich meine nur— weil der Lord doch tot ist—“, beendete die kleine Verkäuferin ihren Satz und wurde rot dabei. Lady Elisabeth schwieg. Vor einigen Monaten hatte sie stets bei Jonathans Plaudereien so ein ganz klein wenig Eifersucht empfunden auf die vielgerühmte Freundin. Jetzt bat sie der Kleinen in Gedanken alle unfreundlichen Gedanken ab, die sie einmal gegen sie gehegt hatte. Als die beiden Frauen sich über eine Stunde danach trennten, schieden sie— ungeachtet ihrer gesellschaftlichen Distanz— als Freundinnen. * „Doktor, lassen Sie mich zu Hause sterben!“ hatte Blake eines Morgens mit schwacher Stimme gebeten, als Rockingham an sein Bett getreten war. Der Arzt runzelte die Stirn, unterdrückte jedoch ein hartes Wort So ging eine Woche nach der anderen ins Land, und der Kranke lag schwach und apathisch, oder von Fieberdelirien geschüttelt, in seinem Bett, von dem der Sensenmann nicht weichen wollte. Da wollte Dr. Rockingham einen letzten, entscheidenden Versuch wagen, den inneren Widerstand des Kranken zu brechen: eines Vormittags ließ er nach vorheriger eingehender Rücksprache mit Elisabeth und Potts den Kranken in seine Wohnung zurücktransportieren. Als Jonathan nach erquickendem Schlaf zum ersten Male wieder in seinem häuslichen Schlafzimmer erwachte, fiel heller Wintersonnenschein durch die hohen Fenster. Geblendet schloß er die Augen. Da hörte er, wie dicht über ihn gebeugt eine sanfte Frauenstimme zu ihm sprach: „Jonathan, willst du dich nicht endlich ins Leben zurückfinden?! Jonathan, du mußt leben— du mußt!“ Der Kranke schlug die Augen auf und sah in das weiche Antlitz Elisabeths, die voll inniger Zärtlichkeit auf den Geliebten blickte. „Du mußt!“ wiederholte Elisabeth nochmals ihren eindringlichen Appell an den Lebenswillen Blakes Und nun vermochte auch Polly nicht länger an sich zu halten und rief, so gedämpft ihr Temperament dies eben noch zuließ, ihm zu: „Jawohl, Mr. Blake, Sie müssen, um dieser Frau willen!“ und sie deutete auf Elisabeth, die voller Rührung murmelte: „Gott segne Sie dafür, Polly!“ Von der Straße her erklang ferner Hörnerklang. Elisabeth ging leise ans Fenster und blickte hinaus, Polly folgte der Lady. Unten standen in dichten Reihen Menschen und schauten mit gereckten Hälsen ins Weite Langsam näherte sich die Musik, man unterschied nun den Klang von Hörnern und gedämpften Trommeln. Auch Jonathan schien jetzt in seinem Bett das mählich herannahende Spiel zu vernehmen. Er hob den Kopf ein wenig und fragte: „Was ist das?“ Elisabeth näherte sich dem Krankenlager und schwieg einen Augenblick Als sich jedoch das Interesse des Freundes weiterhin in gespanntem Lauschen offenbarte, beugte sie sich über ihn. Der Kranke sah ihr ernst und nachdenklich in die Augen „Jonathan, Liebster!“ hauchte Elisabeth voll unendlicher Zartheit Blake aber richtete seine Augen zur Decke und lauschte angestrengt Mit einem Male fragte er leise:„Eine Feierlichkeit?" „Ja“, bestätigte die Freundin und bemühte sich abermals, die Aufmerksamkeit des Kranken auf sich zu lenken. Da wurde die Tür vorsichtig aufgetan und herein trat Angerstein Auf Fußspitzen näherte sich der alte Herr dem Bett des Kranken und drückte der Lady die Hand Ein Seufzer der Erleichterung entrang sich der schönen, bekümmerten Frau, sie flüsterte dem Ankömmling zu:„Mr. Angerstein, bitte, wollen Sie's ihm nicht sagen?!“ „Weiß er noch nichts?“ forschte der Alte. Sie schüttelte den Kopf und trat mit Angerstein an das Bett. Jonathan wandte seinen Blick dem Kommenden zu, und wie eine Welle des Erinnerns flog ein leises, zaghaftes Lächeln über sein Antlitz „Mr. Angerstein!“ sagte Blake leise und nahm die Hand des alten Herrn, die sich ihm entgegenstreckte. Draußen kam die feierliche Musik immer näher heran Elisabeth warf dem greisen Syndikatschef einen flehentlichen Blick zu Angerstein nickte und beugte sich über den Kranken „Jonathan“, begann er liebevoll,„ein großer Sieg ist errungen— Nelson bei Trafalgar“ Mit einem Male belebten sich die Züge Blakes„Ein Sieg?“ rief er. „Genau so, wie du ihn dir vorgestellt hattest“, nickte Angerstein. Blake richtete sich hastig auf. Elisabeth schob ihm die Kissen in den Rücken. „Denken Sie doch, Mr. Angerstein“, rief In der nächsten Ausgabe unserer Unterhaltungsbeilage beginnen wir mit dem Roman »Das Haus an der Himmelslelter« von Eise Krafft Die Autorin hat sich bereits durch ihre Hörspiele und Kurzgeschichten viele Freunde erworben. Durch das»Haus an der Himmelsleiters wird sie auch unseren Lesern Freude machen. Jonathan eifrig.„Nelson hatte mir einen Brief geschrieben. Ich habe Ihnen damals gar nichts davon erzählt. Inmitten seiner Sorgen und Vorbereitungen zur Schlacht hat er an mich gedacht!“ rief der Kranke begeistert, um gleich darauf jubelnd fortzusetzen:„Und nun wird er heimkommen, und ich werde ihn wiedersehen— endlich!“ In diesem Augenblick hallten in der Ferne Kanonenschüsse. Bestürzt blickten Elisabeth, Angerstein und die noch immer am Fenster stehende Polly einander an. Blake aber rief betroffen:„Kanonenschüsse!“ Potts war leise ins Zimmer getreten und zeigte bedenkliche Mienen Der Kranke aber blickte forschend von einem zum anderen und harrte offenbar einer Erklärung. Dann richtete er sich vollends auf Elisabeth war ihm behilflich, voller Besorgnis wollte sie ihn jedoch daran hindern, das Bett zu verlassen; aber Jonathan drängte sie zart zur Seite und setzte sich auf die Bettkante. Die Musik auf der Straße näherte sich dem Hause Blakes, der nun mit aller Energie Anstalten machte, sich im Raume zu ergehen. Der treue Diener streifte seinem Herrn leichte Schuhe über, und Jonathan erhob sich, um sich langsam, jede Unterstützung mit den Händen abwehrend, dem Fenster zuzuwenden. Der Kranke drückte gerade seinen Kopf an die Scheiben, als das Hörner= und Trommlerkorps sein Haus erreicht hatte. Angstvoll blickten die im Zimmer Weilenden auf Jonathan, der mit weit aufgerissenen Augen hinabsah auf den prunkvollen Aufzug zu seinen Füßen. Dem Musikkorps folgte im nämlichen gemessenen Schritt eine Ehrenkompanie und dieser wiederum eine Abteilung von achtundvierzig Matrosen von H.M.S„Victory.“ Mit wachsendem Erstaunen verfolgten Blakes Augen den riesigen Trauerkondukt. Unten nahte der lange Zug der Leidtragenden. Jonathan erkannte den Prince of Wales, Lord Drayton und zahlreiche andere Admirale, und stutzte. Aufs höchste betroffen, warf er einen Blick zu Elisabeth und Angerstein, die ihrer Erregung kaum mehr Herr zu werden vermochten. Als jedoch nun auf der Straße langsam der riesengroße, prächtig geschmückte Leichenwagen heranrollte, der inmitten kunstvoller Nachbildungen von Bug und Heck der „Victory“ auf einem in Schwarz und Gold gehaltenen Katafalk den Sarg trug, zuckte ein jähes, unendlich schmerzhaftes Begreifen in den blassen Zügen des kranken Jonathan auf; er blickte über seine Schulter von einem zum anderen der im Zimmer Weilenden, die nun ihren Tränen gar nicht mehr Einhalt zu gebieten wußten. „Er ist heimgekommen, Jonathan!“ sagte Angerstein leise. Jonathan Blake nickte und blickte wieder auf die Straße, wo, einem endlosen schwarzen Band gleich, in breitem Strom die trauernde Bevölkerung dem Sarg ihres toten Helden folgte. Aber der Kranke sah ein anderes Bild. Vor seinem geistigen Auge erstand ein nebliger Herbstabend in Burnham=Thorpe Der zwölfjährige Horatio stand mit zornigem Antlitz vor ihm und rief:„Aber Pakt ist Pakt!— Komm, hau mir eine runter!“ Er selber schüttelte den Kopf. Da ertönte aus dem Pfarrhaus die Stimme von Horatios Vater.„otatio, wo steckst du? — Komm herein!“ Aber der Freund kehrte sich nicht daran, er bestand auf seiner Forderung:„Du mußt, Jonathan.“ Der ballte nur die Faust, um sie langsam, wie liebkosend über die Wange Horatios gleiten zu lassen. „Feigling!“ zischte der Pfarrerssohn. Dann reichte der künftige Seekadett dem zerlumpten Waisenknaben zum letztenmal die Hand:„Leb wohl, Jonathan!“ Und der junge Blake nahm mit festem Händedruck Abschied von Freund und Kindheit:„Leb wohl, Horatio!"—— Langsam verblaßten die Bilder jenes längst entschwundenen Tages, aber dem Kranken war's, als hätte die Seele des toten Jugendkameraden im Augenblick, als seine sterbliche Hülle vorbeigefahren wurde, vor diesem Fenster geschwebt und unendlich leise gerufen: „Leb wohl, Jonathan!“ Des Kranken Haupt fiel auf die Brust, und als Elisabeth sich zart an ihn herandrängte und ihre beiden Arme um den Geliebten schlang, hob er langsam den Kopf und blickte in ein Paar tränenfeuchter Augen, die ihm voll unsagbarer Innigkeit zugewandt waren. Leise kam über Jonathans Lippen die Frage: „Und Stacy?“ „Ist tot!“ hauchte Elisabeth. Da hob zu doppelter Umschlingung auch Jonathan die Arme und legte sie um den Nacken der Frau:„Dann sei mein Weib, Elisabeth!“ Sie nickte stumm und glücklich. Gleich darauf löste sie die zärtliche Umklammerung, ergriff mit der Rechten Pollys Hand, mit der Linken die des alten Herrn Angerstein und sagte zu Jonathan: „Und diese sollen unsere besten Freunde sein!“ Blake küßte die Frau, die nun endlich die Seine geworden. Die Erde hatte ihn wieder. Ende. Brief in die Ferien Von Theodor Zenker orst Ludwig kam von einem sommerlichen Abendspaziergang gegen Mitternacht nach Hause. Er setzte sich an seinen Arbeitstisch und schrieb einen Brief.— Er begann ihn ohne die oft zur sinnlosen Gewohnheit gewordene, übliche Anrede, denn sie würde, je umfassender gestellt, eine desto vollkommenere und tiefere Lüge gewesen sein. Und er schloß ihn auch ohne die geläufige letzte Zeichnung, weil sie ihm überflüssig und töricht erschien.— Es war kein alltäglicher Brief! Er schrieb in großen, scharfen Zügen: „Dank für Deine Karte! Sie kam, als Du genau zwei Wochen fort warst.— Nun gehst Du durch die lichten Straßen Deiner kleinen Heimatstadt mit den vielen Denkmälern und rinnenden Brunnen, badest und schwimmst im Halmsee bei der Stadt, siehst auf die Höhen und Berge gegenüber vom Sprungturm; und Du legst Hand an bei der Arbeit im Garten, gießt die Gemüsebeete links vom Weg und die Blumen auf der anderen Seite, und mittwochs und freitags fährst Du wieder mit dem Rad nach Ingfeld. Und dann hast du einmal an mich gedacht und eine Karte geschrieben. Dies alles steht nicht darauf, aber ich weiß, daß es so sein muß.— Als Du Ferien=Abschied nahmst, meintest Du, es sei ja doch nur auf sechs Wochen, und ich solle Deinetwegen nicht einsam und womöglich traurig sein. Keine Sehnsucht sollte ich haben nach Dir!— Als ob das überflüssig und zu ändern wäre. Du begreifst nicht, daß dies weder in Deinem noch in meinem Willen liegt, sondern einzig in der Macht, die uns zusammengeführt und zusammenhält, die unwiderruflich zwischen uns steht. Muß jede solche unausweichliche Macht Liebe sein? Es gibt vielfältige menschliche Bindungen, die keinen Namen haben und doch Kraft zwischen zwei Menschen sind, wie die Liebe: Kraft des Unbegreiflichen, die man nur in ihrer Unfaßbarkeit begreifen kann,— eine Bindung aus Traum und Sehnsucht, die unlösbar ist und nur unter tiefsten Schmerzen und nicht ohne Gefahr für ihre Träger zerbrochen werden kann; selbst dann, wenn sie nur von der einen Menschenseite aus geknüpft und auf der anderen Seite kein fester Ankergrund für sie ist. Aber der andere Mensch wurzelt schnell in diese Macht und Kraft der Bindung!— Es ist eine der rätselhaftesten, höchsten Erfaßbarkeiten, vielleicht der letzte Rest unverfälschter, ursprünglichster Natur im Menschen: — dieses schicksalhafte Sich=Begegnen und Nicht= wieder=voneinander- lassen- können, dieses für immer irgendwie Verbundensein.— Das begreifen die meisten Menschen nicht! Warum das so ist, wissen wir Menschen nicht. Aber daß es so ist, das fühle ich— und Du fühlst es nicht. Du hast noch nicht die Gnaden und die Wunder am Menschen erfahren. Das ist der Unterschied zwischen Dir und mir. Daß mein Weg zu Dir nicht auch Dein Weg zu mir ist: das ist das, was uns entzweit, ohne daß es eine Lösung, eine Trennung geben kann; das ist unerforschliche Gegebenheit, deren Quellen in der Schöpfung der Herzen liegen, und die uns unsere Erfüllung vorenthält. Es ist Menschenschicksal— und kann zum Drama werden! Die unerfüllte Menschenbindung ist die größte und vielleicht stärkste, sie ist erfüllte Sehnsucht,— und unerfüllte Liebe ist immer die heiligste in einem Leben. Keiner kann sie ausreißen oder sie töten in seinem Herzen— sonst war es keine Liebe! Der unerwidert Liebende weiß am besten, daß jede Liebe, auch die seine, den geliebten Menschen erhöht, wie nichts sonst einen Menschen erhöhen kann. Du kannst es nun Liebe nennen oder Liebhaben— was ist Liebhaben anderes als Liebe aus dem Herzen und der Seele-. kannst es als Kameradschaft oder Freundschaft empfinden, Du kannst auch sagen, daß es noch namenlos sei—. Es gibt ja so vieles Namenlose in der Welt, nur weil man es nicht sieht, nicht begreifen und oft nicht einmal fühlen kann!— Du kannst es aber auch gleichgültig als das Einfachste und Bürgerlichste, als das Unzulänglichste zwischen Menschen ansehen: als Bekanntschaft— es ist doch eine Macht, eine Kraft, — zwischen uns—, gegen die wir machtund kraftlos sind. Ich, weil sie von mir ausgeht, weil ich ihr Werkzeug und Mittel bin,— und Du, weil sie Dich erhöht Aber nicht nur wir: alle tiefer gegründeten Menschenpaare! Darum sind sechs Wochen eine lange Zeit, darum muß ich jetzt einsam sein und Sehnsucht haben— und darum mußtest Du mir die Karte schreiben.— Darum werden so viele Ansichtskarten auf der Welt geschrieben, vor allem in unserem Vaterlande, wo es so viele innerliche Menschenpaare gibt. Die meisten wissen es nur nicht, worauf sie gegründet sind, und sie haben an der Zweiheit genug. Aber man muß ... und immer war's der Bruder! Kleine Zwillingskomödie, dem Leben nacherzählt 3 Fotos Bilderdienst Kleßlich(Heins) M Wer dirigiert? „Ja, wer dirigiert?“ Das ist die große Frage, die fast niemand imstande ist, zu lösen, wenn einer der„Kapellmeister=Zwillinge“ Wolf und Willi Heins am Dirigentenpult sitzt. Da geraten selbst die erfahrensten Mitglieder des Orchesters in Zweifel, ob nun wirklich ihr Meister den Taktstock schwingt, oder vielleicht, wie das schon öfter vorkam, der auf Besuch weilende Zwillingsbrudersich den Schabernack erlaubt, die zwillingsbrüderliche Hälfte am Pult zu vertreten. Ueber seine„Erlebnisse als Zwillingsbruder“ schreibt hier Wolf Heins: Die belohnte Tat Was unsere Zwillingsstreiche auf der Schule anbetrifft, möchte ich ja eigentlich nicht aus der Schule plaudern, denn es liegt mir fern, zum Nachteil der jüngeren Zwillingsgeneration die Herren Pädagogen auf zwillingsbrüderliche Schliche aufmerksam zu machen. Etwas aber sollen sie doch erfahren! Die Geschichte mit unserem Religionslehrer. Dieser gewissenhafte Mann füllte die Stunden der Apologetik mit den kräftigsten Beweisen für die Echtheit seines Glaubens aus. Für solche aber, die sich hinterher bei der häuslichen Arbeit zu wenig mit der Glaubensmaterie beschäftigten, hatte der Mann seine eigene Strafmethode. Er bestellte diese pflichtvergessenen Schüler in seine Wohnung, wo er sich von ihnen das vernachlässigte Pensum noch einmal vortragen ließ. Selbstverständlich gehörte mein Zwillingsbruder Will und ich nicht zu denen, die eine rühmliche Ausnahme darin machten; im Gegenteil, wir zählten oft zu den„ungern“ gesehenen Gästen im Hause des geistlichen Herrn Einmal an einem schönen Nachmittag war mein Bruder Will wiederum„in Sachen des Glaubens“ in die Wohnung bestellt. Da er aber eine sportliche Verpflichtung übernommen hatte, bat er mich, für ihn dorthin zu gehen Gesagt, getan So stand ich denn zur abgemachten Stunde vor dem Seelsorger und sprach meinen Katechismus, genau so, wie ich ihn einen Tag vorher schon im Klassenzimmer vorgetragen hatte. Nur einmal, als mein Vortrag das achte Gebot„Du sollst nicht lügen“ streifte, flog eine leise Röte über mein Antlitz, die Gott sei Dank nicht bedrohlich wurde. Im Gegenteil! Der Mann hat sich gefreut über den Fleiß„meines reuigen Bruders“! Nur eins habe ich übelgenommen, daß er mir beim Abschied den guten Rat mitgab, „mich vor meinem Bruder zu schämen“. Man stelle sich das vor! Ich soll mich für meine Gutmütigkeit vor mir selbst schämen! Damals hätten mich seine Worte beinahe dazu verleitet, einen Schwur zu tun, nie mehr zwillingsbrüderliche Gefälligkeiten zu übernehmen, wenn die gutmütige Haushälterin des Religionslehrers mich nicht in meinem Vorsatz wankend gemacht hätte. Sie muß eine große Kinderfreundin gewesen sein und viel Mitleid mit den in die Wohnung bestellten Sündern empfunden haben; denn nur so konnte ich mir erklären, weshalb sie mir beim Verlassen der Wohnung ein Tellerchen süß gezuckerter Himbeeren in die Hand drückte. Ich ließ sie mir vortrefflich munden, erzählte aber wohlweislich Will nichts von dem leckeren Schmaus; denn ich wollte ihn nicht in die Versuchung bringen, den Katechismus in Zukunft noch weniger zu präparieren. Ein riskanter Gang Eine ähnliche Geschichte erlebten wir mit unserem Ordinarius Dieser ordnungsliebende Mann war einmal sehr ungehalten darüber, daß Will schon einige Tage(um nicht den häßlichen Ausdruck„schwänzen“ zu gebrauchen) in der Klasse fehlte, und ein diesbezügliches Entschuldigungsschreiben noch nicht in seinen Händen war. Er bat mich deshalb, ihm ein solches in die Wohnung zu bringen. Für mich bedeutete dieses sonderbare Ansinnen den Verlust eines freien Nachmittags, der eigentlich der Ausführung eines mit dringend am Herzen gelegenen Planes galt, geschweige denn, daß der Klassenhäuptling noch sehr weit ante portas wohnte, und der Weg zu ihm über die staubige, unbeschattete Landstraße bei der drückenden sommerlichen Hitze keinesfalls verlockend schien Ein solches Opfer wollte der gute Will in seiner zwillingsbrüderlichen Liebe nicht von mir verlangen, zumal die Angelegenheit infolge unserer Aehnlichkeit ja auch auf anderem Wege geregelt werden konnte. Also begibt sich Will, den Wandspruch des Klassenzimmers»Fortes fortuna adjuvate beherzigend, persönlich in die Höhle des Löwen und überreicht diesem eigenhändig das Schreiben, in dem noch mit besonderem Nachdruck darauf hingewiesen wird, daß der arme Junge unbedingt das Bett hüten muß. Und was tut ein so gütiger Professor, sichtlich erfreut über „meine" Gewissenhaftigkeit? Er schüttelt Will kräftig die Hand und läßt mir, dem„gesunden“ durch den kranken Bruder„gute Besserung“ wünschen. Ein mysteriöser Dirigent In unserem Beruf als Theaterkapellmeister spürten wir oft die waltende Güte. Sie ließ uns stets an ein und demselben Theater wirken. Doch wollte sich einmal, als ich allein ein Engagement als Erster Kapellmeister an das Stadttheater in B. hatte, das Schicksal etwas störrisch zeigen und uns auseinanderreißen. Aber man muß ihm die Zähne zeigen! Dann wird es gefügig. So ging mein engagementsloser Zwillingsbruder einfach mit in die neue Stellung, um, im Hintergrund lauernd, bereit zu stehen für eine eventuelle Vakanz. In seinem Hoffen wurde er auch nicht enttäuscht. Gleich bei meinem Engagementsantritt machte mir der Direktor, der natürlich keine Ahnung hatte, daß ich einen dirigierenden Zwillingsbruder mitgebracht hatte, die traurige Eröffnung, daß der zweite Kapellmeister abgeschrieben habe und die Last der musikalischen Einstudierung bis zum Eintreffen eines neuen Dirigenten nunmehr allein auf meinen Schultern läge. Ich konnte dem Chef daher mit gutem Gewissen die Erklärung abgeben, daß mich seine Mitteilung absolut nicht unangenehm berühre, und, da ich nicht mit der Tür ins Haus fallen wollte(bei Theaterdirektoren ist ein diplomatisches Vorgehen sehr angebracht) bat ich ihn, vorläufig ruhig von einer weiteren Verpflichtung eines neuen Dirigenten Abstand zu nehmen Der Theaterprinzipal war natürlich ob solchen Kraftmeiertums maßlos erstaunt und dachte an den guten Griff, den er mit mirgemacht zu haben glaubte. Um so mehr aber war er baff, als er zwei Tage später einmal eine Inspektionsreise durch die Räume des Theaters antritt und mich im Foyer eine Chorprobe abhalten sieht, während ich zur selben Zeit eine Orchesterprobe auf der Bühne leite. Welcher Theaterdirektor, selbst wenn er noch so spröde wäre, hätte sich nach diesem ergötzlichen Vorfall wohl geweigert, meinem Zwillingsbruder einen Vertrag auszustellen? Wohl keiner! tiefer graben und Not des Herzens und Leid der Seele tragen, um das Göttliche darin zu spüren. In allem atmet es, noch in der tiefsten Schuld, aber um es zu schauen und zu leben, muß man etwas anderes dafür hingeben oder hinnehmen können: Es ist beides Zoll und Opfer, ohne die keine Zweiheit sich zu neuer Einheit wandelt.— Gott schuf das Leid als Weg zu sich und seinen Offenbarungen, weil ihn die Menschen am leichtesten finden können, ihn aber am widerwilligsten gehen und meist auch nur, wenn es der einzige Weg ist und sie das Schicksal dazu zwingt. Kein Schicksal haben ist auch ein Schicksal,— ein ganz furchtbares allerdings! Du hast noch nicht gelernt, den Weg des Leids zu gehen. Wie wenig Menschen lernen das! Darum kannst Du nicht wahrhaft erfüllt und glücklich sein und das Göttliche erleben, das zwischen Dir und mir als Macht und Kraft, als ein Wunder steht und die Heiligkeit des Lebens schöpft. — Ich kann Dich nicht verraten und verlassen, weil ich verleugnen müßte, was Du nicht verleugnen kannst: die tiefgründige Zweiheit, die zur Erfüllung strebt, und weil ich Dich erniedrigen und mich, mein Leben, arm und leer und elend machen würde. Des Lebens hoher Sinn aber ist nicht solche Erniedrigung und solche Armut, sondern sein tiefster und letzter Wert ist sinnvolle Erhöhung, die oft im Leid,— und Heiligung, die meist durch Innerlichkeit und wahre Schicksalserkenntnis,— ist solcher innere, unsichtbare Reichtum, der nur in Verzicht und Entsagung zu finden ist! Noch nie aber habe ich die Zweinatur allen Lebens und Seins so deutlich geschaut und gefühlt. Ich liebe diese Zweiheit aller Dinge, weil sie schöpferisch und fruchtbar ist. Auch zwischen uns! Sie läßt das wahre Leben atmen und seinen einzigen Sinn: Viele Menschen erfühlen das wahre Leben, wenn es zu spät ist— wenige erleiden es zu früh!— Schreibe, wann Du wiederkommst. Und glaube nicht, daß ich nicht mehr fröhlich sein und lachen kann. Frohsinn ist der Bruder der Traurigkeit, die meist nichts anderes als Tiefsinn und Innerlichkeit ist: Sie lieben sich nicht— aber sie vertragen sich recht gut! Dank für Deine Karte!“ Horst Ludwig faltete die Bogen unüberlesen und warf den Brief in den Kasten am Alten Tor. Im Osten kämpfte schon das erste Licht. Er atmete voll Andacht das kühle Wehen und fühlte erlösend und beseligend, daß er tief im Leben stehe. Er hatte geschrieben, was nie über seine Lippen gekommen wäre. Und er wußte nun klar, um was er gerungen aber zuvor noch nicht gewußt, das aber jeder erfühlen und wissen muß, den das schicksalvolle Leben an einen Platz stellt, der nur wenigen von ihm egeben und auch dann nie geschenkt werden nn.— Jugens"neuen Pimpfe erzählen: Um vier Dauerwürste Es geschah im Sommer des vergangenen Jahres. Die Jungenschaft Wackermann marschierte durch die Lausitz und kam eines Abends zu später Stunde recht müde und vor allem mächtig hungrig in Neukirch an. Wo die Jugendherberge sei? fragten die Pimpfe, und die Neukircher Leute gaben gern die gewünschte Auskunft. Aber so verlockend waren die Aussichten im Augenblick noch nicht, denn das Heim lag weit außerhalb des Ortes jenseits der ausgedehnten Wiesen am Waldesrand. Also mußten die Jungen noch einmal losmarschieren— was bei der augenblicklichen Müdigkeit und bei dem waltenden Kohlendampf besonders schwer fiel— und langten erst nach fast einer halben Stunde in der Jugendherberge am Valtenberg an. Dort wurden die„Affen“ holterdipolter abgeschnallt, ging es heidi in die Waschräume, saß die Jungenschaft zehn Minuten später am langen Tisch vor den Eßnäpfen, in denen eine herrliche Erbsensuppe verlockend dampfte. Dann wurden die Löffel gezückt, rückten die Pimpfe dem„SchlaraffenlandEssen“ tüchtig zu Leibe. Es dauerte auch nicht lange, so waren die Näpfe leer, holte sich ein Wackermann=Pimpf nach dem anderen eine neue„Wucht“ Erbsensuppe, die desgleichen und mit gutem Appetit in den hungrigen Pimpfenmägen verschwand. Wehrwolf, der Beste im Kugelstoßen und Lanzenwerfen und der älteste Pimpf der Jungenschaft Wackermann hatte auch mit der zweiten Wucht noch nicht genug. Er stand auf, um sich noch eine Portion Erbsensuppe zu holen, kam aber mit langem Gesicht zurück. Er hatte nur noch eine Kelle voll erhalten können, worauf seine Kameraden in Lachen ausbrachen und ihn wegen seines guten Appetits zu necken begannen. Sie kannten ja seinen stets gewaltigen Hunger und wußten, daß er nicht nur im Das Glücklichsein, sich innerlich glücklich fühlen, ist eine Gabe des Schicksals und kommt nicht von außen. Man muß es sich, wenn es dauernd sein soll, immer selbst erkämpfen. Das ist aber auch tröstend, denn man kann es auch immer erkämpfen. Humboldt m ordentliches leisten, Donnerwetter nochmal!“ lachte der Handwerksbursche und fuhr dann zu sprechen fort:„Ich habe drüben an meinem/ Tisch noch Erbsensuppe im Topf Kannst sie haben, wenn du willst, und ein Stück Wurst gebe ich dir auch.“ Wehrwolf willigte sofort ein, und so ging es denn geschlossen an den Tisch des Handwerksburschen hinüber Hier nahm das Solo=Essen seinen frischfröhlichen Fortgang, bis Wehrwolf auch noch ein Viertel Wurst und die übriggebliebene Suppe des Handwerksburschen verdrückt hatte. Wehrwolf legte den Löffel beiseite und sagte: „So, nun ist's aber genug!“ „Wollte ich auch meinen!“ polterte der Handwerksbursche,„denn genug ist genug, und nun bist du satt, nicht wahr?“ „Och, wenn es drauf ankäme——?“ „Jetzt prahlst du! Jetzt gibst du an!“ schimpfte der Handwerksbursche Wehrwolf aber wies eine derartige Handlungsweise weit von sich, und so kam es denn zu einer richtiggehenden Wette. Wenn Wehrwolf auch noch den Rest der Mettwurst schaffen würde, müßte ihm der Handwerksbursche vier Dauerwürste als Gewinn herunterholen Er, der Geselle, sei aus dem Fleischergewerbe und habe die Wurst von seinem letzten Meister erhalten. Er befinde sich auf der Wanderschaft und Auf Anregung des Führers: habe schon viel erlebt, ein derartiges Freßwunder wie Wehrwolf sei ihm aber doch noch nicht über den Weg gelaufen Also wurde die Wette mit Handschlag für rechtsgültig erklärt nahm Wehrwolf die drei Vierte! Mettwurst und begann in Seelenruhe weiterzuessen Er biß ein Stück nach dem anderen ab, kaute bedächtig und ließ sich durch nichts in seiner Beschäftigung stören Dann aber, wie er zum Erstaunen des Handwerksburschen und zum Ergötzen seiner Kameraden auch den letzten Wurstzipfel in den Magen befördert hatte, sagte er stöhnend:„So, nun ist es aber genug mit dem grausamen Spiel, nun schaffe mir die vier Dauerwürste her. Morgen früh, Meister Handwerksbursche, sind auch Sie zum Festessen eingeladen, verstanden!“ Am anderen Morgen behaupteten einige Kameraden daß Wehrwolf in der Nacht des öfteren gestöhnt hätte und daß er wohl tüchtige Bauchschmerzen gehabt haben müßte Wehrwolf bestritt es aufs entschiedenste Was aber einigen Kameraden dennoch zu denken gab, war die Tatsache, daß er sich nicht an dem„Festessen“ beteiligte und daß er seinen Hauptanteil an den vier Dauerwürsten dem Handwerksburschen überließ, der derart wenigstens zu einer doppelten Portion aus dem Bestand seines einstigen Besitzes kam. Geschichte des Dritten Reiches im Lesebuch holen!“ lachte Franz, und Wolfgang meinte mit listigem Augenzwinkern:„Sieh nur, der Handwerksbursche da drüben vertreibt sich die Zeit, indem er eine besonders treffliche Mettwurst ohne Brot verzehrt Möchtest du da nicht mithalten, Wehrwolf?“ Wehrwolf nickte.„Kannst mir ja die Wurst holen, Wolfgang"“, sagte er, worauf der Handwerksbursche, als hätte er die Worte gehört, aufstand und herüberkam. „Hast wohl immer noch Hunger?“ fragte der junge Mann, indem er Wehrwolf die Hand gab.„Du kannst ja im Essen was In dieser Jugendherberge wurde zwischen Wehrwolf und dem Handwerksburschen eine Wette um vier Dauerwürste abgeschlossen Photo Reichsverband für deutsche Jugendherbergen M Geschichtsunterricht einst und jetzt und in ukunft— verlohnt es sich wirklich, darber zu schreiben? Ist er sich nicht gleich geblieben? Oder hat sich dieser Unterricht von Grund auf gewandelt? Wir wollen einmal Rückschau halten, wie es noch vor zehn, zwölf Jahren war und wollen dann die heutigen Geschichtsstunden betrachten. Das Feuerwerk der Jahreszahlen Als ich 1925 in der Obertertia saß, war die Hauptattraktion unseres Geschichtslehrers ein wahres Feuerwerk an Jahreszahlen. Für volle fünfzehn Minuten ging es zwischen uns Schülern hin und her: „Friedrich der Große geboren?“-„1712.“ „Schlacht bei Cannä?“—„216 vor Christi, Hannibal siegte über die Römer.“„Lord Nelson gestorben?“—„1805, bei Trafalgar gefallen.“„Schlacht bei Fehrbellin?“ —„1675, Sieg des Großen Kurfürsten über die Schweden.“ So ging es fort, und wenn wir auch nicht immer Antwort wußten, so hatten wir es doch zu einer gewissen Fertigkeit in dieser Geschichtshetze gebracht. Es waren Zahlen ohne Zusammenhang, es war ein Geschichtsunterricht ohne innere Bindung und ohne tieferen Sinn— es war ein stumpfsinniges Einpauken, das uns damals zu Musterschülern stempelte, das uns aber heute wieder alles hat vergessen lassen. Weniger Jahreszahlen und mehr Zusammenhänge, mehr Entwicklung und innerer Aufbau in dem Werden und Vergehen geschichtlicher Bedeutung, das wäre uns nutzbringender gewesen, hätte uns bis heute und auch in die Zukunft hinein Gewinn gebracht So aber waren wir einst Musterschüler und sind wir heute Menschen, die von Geschichte nur noch wenig Ahnung haben Der Weltkrieg, ein unbekanntes Kapitel Es darf auch nicht unerwähnt bleiben, daß unser damaliger Geschichtsunterricht zumeist mit den Jahren 1864, 1866 und 1870/71 oder mit der Zeit Bismarcks ein Ende fand. Ganz selten dagegen kam es vor, daß eine Schule ein Geschichtsbuch einführte, das die Jahre des Imperialismus und des Weltkrieges zum Thema hatte Wozu denn auch die Gegenwart und die nähere Vergangenheit aufrühren, wenn man in der Ferne herumschweifen durfte?, so dachte und handelte man, und man schien nicht einmal zu ahnen, wie sehr man an der derzeitigen deutschen Jugend sündigte Wer über Cannä Bescheid wußte, war ein Musterschüler, sich in den Geschehnissen des Weltkrieges auszufinden, war ein Privatvergnügen. Innerer Zusammenhang Mit den fortschrittlichen nationalsozialistischen Bestrebungen hat sich auch der Schul= und nicht zuletzt der Geschäftsunterricht gewandelt. Ein Jahreszahlen=Feuerwerk zum Beispiel gibt es nicht mehr Cannä in einem Atemzug mit Friedrich dem Großen zu nennen, ist Sünde. Der heutige Unterricht bringt den Zusammenhang der Geschehnisse, zu denen die Jahreszahlen nur eine notwendige Begleiterscheinung bilden. Parallelen und GegenHinein!! sätze zwischen einst und heute, Bindungen, Vergleiche, der tiefere Sinn und vieles derartiges mehr machen den einst schematisierten und daher toten Geschichtsunterricht lebendig. Kampf um Deutschland Was aber alles bisherige in den Schatten stellt, ist ein Lesebuch für die deutsche Jugend, das kürzlich im Zentralverlag erschien. Es bringt einleitend einen kurzen Abriß der Geschichte des Zweiten Reiches; schildert die dauernde Unterminierung Deutschlands durch Partikularismus, Liberalismus und Marxismus, geht in eindringlichen Sätzen das heldenhafte deutsche Ringen während des Weltkrieges ein und endet schließlich mit der Beschreibung jener deutschen Schmach und Erniedrigung, die uns Liberalismus und Marxismus gebracht hatten. Dann aber führt das Buch in die Neuzeit hinüber, kündet vom Werden des Nationalsozialismus und von der Uebernahme der Staatsführung durch Adolf Hitler. Es geht wieder bergauf mit Deutschland. Baustein reiht sich an Baustein. Alles was Bedeutung für den Wiederaufstieg des Reiches hat, ist angeführt und erläutert All das wird geschildert, was noch in unserer Erinnerung lebt, aber auch all das, was wir unter der Fülle bedeutsamer Geschehnisse schon wieder vergessen haben Es ist erhebend, von diesen gewaltigen Zeugnissen deutscher Kraft zu lesen. Aufgaben der Zukunft Aber dieses Buch begnügt sich nicht nur mit der Schilderung jüngst vergangenen Clemens Brentano: Von der Untat der Katzenfamilie Am 28 Juli 1842 starb Clemens Brentano in Aschaffenburg Brentano, ein bedeutender romantischer Dichter, war der Bruder der Bettina von Arnim Er schuf Märchen und Romanzen und gab gemeinsam mit seinem Schwager Arnim die Sammlung deutscher Volkslieder„Des Knaben Wunderhorn“ heraus Wir bringen im folgenden jenes Lied aus dem Märchen von Gockel, Hinkel und Gackeleia, das das Rotkehlchen über die bösen Katzen sang Auf des höchsten Giebels Spitze Sang im ersten Morgenblitze Ich mein Morgenliedlein fromm, Pries den lieben Tag willkomm'; Bei mir saß, gar freundlich lächelnd, Sich im Morgenlüftchen fächelnd, Der erwachte Sonnenstrahl; Unten lag die Nacht im Tal; Unten zwischen finstern Mauern Sah ich Katzenaugen lauern, Und ich dankte Gott vertraut, Daß ich hoch mein Nest gebaut. Nun sah ich die Katze schleichen, Mit den Kätzchen unten streichen In den Stall, und hört' Geschrei, Wußt' bald, was geschehen sei; Denn sie und die Jungen alle Sprangen blutig aus dem Stalle, Trugen Hühnchen in dem Maul, Und zerrissen sie nicht faul Ach, da war ich sehr erschrecket, Hab' die Flügel ausgestrecket, Flog ins Nest und deckt' in Ruh Meine lieben Jungen zu. Ja, ich muß es eingestehen, Hab' den bösen Mord gesehen, Und mein kleines Mutterherz Brach mir schier vor Leid und Schmerz. Man warf Bismarck einen Vor 40 Jahren, am 30 Juli 1898, starb der Staatsmann Otto Fürst von Bismarck in Friedrichsruh Wir bringen anläßlich dieses Gedenktages eine Anekdote, die von der ungewöhnlichen Schlagfertigkeit Bismarcks erzählt. Bismarck hatte als Staatsmann sehr häufig Reden zu halten, die oft von politischen Gegnern gestört wurden. Bismarck verstand es aber trotzdem fast immer, die unliebsamen Störenfriede durch seine ungewöhnliche Schlagfertigkeit zu treffen, derart, daß er die Lacher auf seiner Seite hatte und daß er als Sieger aus solchen Plänkeleien hervorging. Besonders erheiternd ist die folgende Begebenheit. Auf einer großen öffentlichen Versammlung warf man ihm, um ihn lächerlich zu machen und um sein Ansehen zu schädigen, einen Kohlkopf auf das Pult. Seine Gegner klatschten Beifall und brüllten vor Lachen, seine Anhänger dagegen nahmen eine drohende Haltung ein. Es schien zu einer erregten Auseinandersetzung kommen zu wollen die die Fortführung der Bismarckschen Rede unmöglich gemacht hätte, doch Bismarck wußte sich wie schon so oft auch in diesem Falle zu helfen Er rief:„Einen Augenblick Gehör, meine Herren!“ und fügte dann, die augenblickliche Stille nützend, lachend hinzu:„Es scheint mir, als habe einer meiner Zuhörer bereits seinen Kopf verloren!“ Ein langanhaltendes und schallendes Gelächter folgte diesen Worten, worauf Bismarck ungestört weiterreden konnte und nie zuvor aufmerksamere Zuhörer gehabt haben sollte. Zeitgeschehens, nein, es wendet sich endlich auch an die deutsche Jugend mit dem Hinweis, daß nichts umsonst geschehen ist, weder der Weltkrieg noch die nationalsozialistische Revolution, daß im Gegenteil diese unvergleichlich schweren und heldenmütigen Kämpfe eine Forderung an die Jugend stellen, jene Forderung, das Werk des Nationalsozialismus in die Zukunft und in immer schönere Siege hinein weiterzuführen. Der Herausgeber dieses Buches— des wertvollsten Rüstzeuges für die heutige deutsche Jugend— ist Reichsleiter Philipp Bouhler Er schrieb gleich zu Beginn seiner Ausführungen, daß unser Führer Adolf Hitler selbst die Anregung zu dieser Schrift gab und daß es ihm, dem Herausgeber, eine heilige Aufgabe war, den Wunsch des Führers zu erfüllen. Reichsbildstelle der HJ M Der Freiwerber/ Yralle Sommersonne lag über dem geräumigen Gutshofe, der in sonntäglicher Ruhe feierte. Am Frühnachmittag waren die Männer zu einer Versammlung ins Dorf gegangen; nur der alte Viehfütterer, der sich nicht mehr um die Händel dieser Welt kümmerte, saß auf dem Hauklotz, den er sich in den Schatten der Scheune geschoben hatte, und schnitzte an einem Besenstiel. Maria kam die Stufen der Veranda herab, beschattete die Augen mit der Hand und schaute umher. Aufgeregt gackernd stürzte ihr, der Spenderin täglichen Futters, das Hühnervolk entgegen, lachend wies sie ihre leeren Hände und rettete sich in den Garten. Hier war sommerliche Pracht; schon zeigten die Obstbäume starken Ansatz künftigen Segens, die Beerensträucher hingen voller Trauben und Büschel, die sich zu röten begannen, auf den Beeten wucherten Salat und Petersilie, und zwischen ihnen prangten im Schmuck ihrer Blüten breitästige Sommerrosen; Nutz und Schönheit verträglich in einer Erde. Das Mädchen schritt die Wege entlang, blieb zuweilen betrachtend stehen, las hier ein Räuplein ab, stützte dort einen besonders schweren Ast und half einem Käfer, der auf dem Rücken liegend alle Viere zum Himmel streckte, wieder auf die Beine zu kommen. Von der Hundehütte her klagten kleine Töne zärtlicher Ungeduld, mit heller Stimme verwies sie Treff, ihren Verzug, diese Unart. Wie liebte sie dieses Haus und dieses schwere, gesegnete Leben, sie, die aus dem Steingewirr der Stadt gekommen war, die ihr keinen Arbeitsplatz gegönnt hatte! Dort war sie keinem lieb und nützlich gewesen, hier gab es Arbeit in Fülle, hier brauchte man sie, hier war sie unentbehrlich. Da kommen feste Schritte die Auffahrt entlang, das Tor knarrt. Maria bleibt stehen und lauscht und kann es nicht hindern, daß ihr leichte Röte ins Gesicht steigt, sie kennt dieses kraftvolle Schreiten. Der Hausherr bleibt mitten auf den Hofe stehen, ruft den Alten an, der mit dem Daumen rückwärts zeigt, und—„da sind Sie ja!“ sagt er nähertretend, und geht an Maria vorbei in den Garten, dessen Tür er sorgsam einklinkt. Befremdet schaut sie zu ihm auf und folgt zögernd seiner stummen Aufforderung, sich ihm anzuschließen Plötzlich kommt ihr ein Gedanke, der ihr das Blut zu Herzen treibt. Er sucht eine Aussprache. Wozu? Will er ihr die Stelle kündigen? Es entspricht seiner menschenfreundlichen Art, unangenehme Notwendigkeiten so taktvoll wie möglich zu erledigen Sie weiß, daß sie in diesem Hause mehr als ihre Pflicht tut, unzufrieden kann der Herr nicht sein; also stehen dem Hause Veränderungen bevor. Natürlich, das mußte einmal kommen, daß sie daran nicht gedacht hat! Drei heiratsfähige Männer und keine Hausfrau! Sie seufzt unhörbar und sieht sehr blaß aus. „Ich bin schnell einmal nach Hause gekommen“, beginnt der Mann und nimmt den Hut vom Kopf, um sich den Schweiß zu wischen,„weil ich gern etwas mit Ihnen unter vier Augen besprechen möchte. Alltags ist man nie allein.“ Er sieht sie nicht an und kann eine kleine Verlegenheit kaum verbergen.„Wie lange sind Sie jetzt bei uns, Fräulein Maria?“ „Im Herbst werden es vier Jahre“, sagt sie leise; ihre Kehle ist trocken, die wenigen Worte machen ihr Mühe. „Richtig, Sie haben ja meine Frau noch in den letzten Wochen vor ihrem Tode gepflegt.“ Sie nickt. Es entsteht eine Pause. Sie schreiten weiter, die Köpfe gesenkt „Sagen Sie“, fährt der Mann fort, und auch seine Stimme ist unsicher,„haben Sie schon einmal daran gedacht, daß hier später einmal eine Hausfrau einziehen wird?“ Einen Augenblick schließt sie die Augen, dann sagt sie tapfer:„Nein, daran habe ich wirklich nicht gedacht; man hat so viel Arbeit, daß man nicht zum Nachdenken kommt. Aber freilich, es ist schon richtig.“ Er sieht sinnend auf sie herab, die merkwürdig blaß und ernst an seiner Seite geht.„Wir, das heißt meine Söhne und ich“, fährt er dann fort,„sind Ihnen zu großem Dank verpflichtet. Glauben Sie nicht, daß wir übersehen, was Sie hier leisten, wenn wir auch nicht viel Worte machen.“ Sie macht eine kleine, ablehnende Bewegung.„Man kann es sich kaum vorstellen, daß hier einmal eine andere Frau wirtschaften soll.“ Sie schaut vor sich nieder und weiß nicht, was sie von diesem Geständnis halten soll. Dann leiht sie ihrer Angst Worte und fragt mit kurzem Atem:„Sie wollen heiraten?“ „Ich?“ fragt er gedehnt,„ich? Nein, aber einer meiner Söhne.“ Ein befreiender kleiner Seufzer hebt ihre Brust Sollen sie heiraten, denkt sie, das ist nicht das Schlimmste Nur dieser hier. der an meiner Seite geht— das hätte wehgetan „Ich habe da eine sonderbare Aufgabe übernommen“, fährt der Mann verlegen lächelnd fort; man kann ihm die Unbehaglichkeit richtig ansehen„Ich komme nämlich als Freiwerber Maria, und zwar in zwiefacher Auflage Was sagen Sie dazu?“ Sie sieht ihn verständnislos an, sieht das leise Lächeln in seinen dunklen Augen und lächelt unwillkürlich mit„Also, um es kurz zu machen meine beiden Söhne lieben Sie— st!“ mahnt er, als sie ihn unterbrechen will,„hören Sie erst zu Da ist der Aeltere; er ist ganz die Mutter“ Es soll wie ein Lob klingen wirkt aber gegenteilig, wenn man die Frau gekannt hat. „Ordentlich und sparsam ist er und—!!“ Was rede ich da?, denkt er unwillkürlich Ordentlich? Sparsam? Nein Geizig ist er und engherzig, wie seine Mutter es war. die weder sich noch einem andern den kleinsten Ueberschwang, ein Quentchen Freude gönnte Die mir die Luft zum Atmen mißgönnt hätte, wenn sie um Geld zu kaufen wäre Laut sagt er:„Vielleicht ist er ein wenig karg in seinem Wesen— ein wenig kantig— aber unsere Zeit formt harte Menschen.“ In ihren Augen ist ein Licht erblüht, sie sieht den merkwürdigen Freier von der Seite an und spürt unwillkürlich frauliche Ueberlegenheit„Der Herr Fritz könnte für mich bis über beide Ohren in Gold stecken — ich wollte ihn nicht haben. Nein, wirklich nicht“, wiederholt sie, als er sie fragend ansieht. „Wenn Fritz heiratet, übernimmt er nach dem Willen seiner Mutter das Gut“, gibt er zu bedenken „Und wenn. Was kümmert's mich?“ „Nun denn zum andern“, sagt er leise und sieht zur Seite, um nicht ihr zustimmendes Lächeln aufzufangen„Der ist von anderer Art. Freilich. Bauernblut hat er nicht in den Adern— doch jeder kann nicht Bauer sein. Aber er ist ein feiner Kerl, das muß ich sagen, wenn ich auch sein Vater bin. Die Konkurrenz Deter Hagenbach, im Kreise seiner Kameraden als Witzbold bekannt, war seit einigen Wochen nicht mehr der alte. Er ging mit verdüstertem Gesicht umher, auf seiner jugendlichen Stirn erschienen tiefe, sorgenvolle Falten, auch ärgerte er sich— was ein bedenkliches Zeichen war— nicht mehr über seine Wirtin und die dieser Dame eigene verwerfliche Angewohnheit, in seiner Abwesenheit die Couch seines Zimmers zum Nachmittagsschläfchen zu benutzen, und der Fußballklub„Die elf Draufgänger“ hatte berechtigten Grund, seinem Mittelstürmer vorzuwerfen, daß es ihm an dem nötigen Eifer und der gewohnten Elastizität mangele. „Menschenskind, was ist bloß los mit dir?“ fragte Fritz Körner, genannt der „blonde Pils“, weil die Farbe seines Haares bedenklich der des guten Pilsener Bieres ähnelte Es war an einem Sonntagnachmittag, und Peter hatte wieder einmal— wie in letzter Zeit so oft— das Klubspiel„geschmissen“. Nun saß er blaß und gedankenvoll mit dem„blonden Pils“ in einem kleinen Waldrestaurant und rührte mit dem traurigen Eifer eines Melancholikers in seiner Zitronenlimonade „Liebeskummer?“ fragte der„blonde Pils“ sehr zart und genierte sich schrecklich ob solcher Indiskretion „Unsinn", blies Peter verächtlich zurück, „geb mich doch mit sowas nicht ab!“ Und nach einer Weile, während der er Löcher in den dunkelblauen seidigen Sommerhimmel gestarrt hatte, mit einer Stimme, aus der das Schicksal selbst zu sprechen schien:„Konkurrenz!“ Nun war es dem„blonden Pils“ zwar bekannt, daß Peter ein bis dahin erfolgreicher Reisender in der Wäschefirma Pütz & Söhne war, doch wußte er, ein dem Geschäftsleben fernstehender Lehramtskandidat, nicht sogleich, wo die von Peter so stark beklagte Konkurrenz der Herren Pütz, Vater und Söhne, zu suchen sei. Und er Und er hat ein gutes Herz—“ und da sie noch immer schweigt, will er den Jungen nicht weiter ausprahlen und sagt:„und wenn er noch ein bissel unklar, ein bissel unsicher ist, das macht die Jugend-—“ „Ja, er ist vier Jahre jünger als ich“, sagt Maria und lacht über das ganze blühende Gesicht„Aber auch der kann es nicht sein Ja, wenn Sie noch einen dritten hätten, der so wäre wie Sie— so tüchtig, und warmherzig— und so gütig—, den würde ich nehmen, und wenn er bettelarm wäre." Der Mann sieht sie an und versteht, daß das Wesenlose, das sehnsüchtig in seinem Herzen blühte. Gestalt annimmt. „Ich bin in wenigen Jahren alt“, sagt er schwer„ich könnte Ihr Vater sein Ich weiß nicht, ob das gut tut. Maria“ „Die dummen Jahre“, sagt sie leichtherzig,„soll man das Glück mit der Elle messen? Sind zwanzig, dreißig gleichgültige oder gar schlimme Jahre mehr als ein Jahr der Erfüllung? Sie sind jünger als Ihre Söhne——“ „Wie Ihr fungen Menschen das Leben packt! Ich quäle mich mit diesen Jahren, die mir das Herz verriegeln, den Mund verschließen, du, Mädel, schiebst sie mit einer Handbewegung beiseite. Und hast vielleicht recht.“ Er zieht sie an sich, und dieser Griff ist der des Besitzers. „Vielleicht will das Schicksal gut machen, womit es mich betrogen hat“, denkt er. „Immer war mir der Himmel verhangen, tu ich unrecht, mir den Abendsonnenschein einzufangen?“ „Aber weißt du auch, daß ich vom Hofe gehe, wenn ich nochmals heirate?“ fragt er ernst werdend, und hebt ihr Gesicht zu sich empor. „Es ist doch gleich, wo man arbeitet“, sagt sie sorglos,„du findest überall ein Fleckchen Erde, das dich braucht. Und ich will dir helfen Mein Gott, wieviel schöner wird jetzt erst die Arbeit werden!?“ „Und was sagen wir meinen— nein, unsern Söhnen?“ „Was du willst. Was kümmert's mich? Ihretwegen will ich nicht unglücklich werden. Im übrigen hoffe ich, daß sie sich trösten werden.“ „Offen gestanden, das hoffe ich auch“, lacht er glücklich„denn sonst hätten sie mich nicht in voller Eintracht gleichzeitig mit dieser Mission betraut“ „Die du großartig erfüllt hast!“ spottet sie und lehnt ihren Kopf im Frohbesitz seiner Liebe an seine Schulter. Heitere Stizze von Gerda Wachsmuth estand diesen von ihm selbst mit Mißilligung empfundenen Mangel an Wissen freimütig ein. Trotz seines offensichtlichen Kummers ließ sich Peter herab, den Freund, der ja in kaufmännischen Dingen„unschuldig wie ein Säugling“ war, zu belehren, daß die Firma Pütz als solche von dieser Konkurrenz, die übrigens in den Händen eines gewissen Alfons Widerhake liege, nicht bedroht werden könne. Denn dieser Widerhake sei—„unter uns, blonder Pils“— ein ganz kleiner Mann, mit wenig Moos — soweit er, Peter, das habe feststellen können, und sein Scharfblick habe ihn bekanntlich noch nie betrogen! Aber dieser Mann namens Widerhake, diese„verächtliche Existenz“, habe eine fabelhafte Verkäuferin, Stadtreisende, und hier eben beginne für ihn, Peter Hagenbach, die Konkurrenz, ja, mehr noch, die restlose Verbitterung seines Daseins. Denn sei es für einen erfahrenen Geschäftsreisenden und noch dazu für einen Mann nicht beschämend, eingestehen zu müssen, daß dieses—(Peter verschluckte mit einer Fliege in der Zitronenlimonade zugleich einen vollsaftigen Fluch) nun ja, daß diese„Dame“ in seinem eigenen Revier Kunden für diesen Widerhake geworben habe? Freilich handele es sich hier nicht um die alten treuen Geschäfte, sondern nur um gelegentliche Bezieher, unsichere Kandidaten, die mal hier, mal dort einkauften. Aber immerhin— und Peter versank wieder in tiefes Nachdenken. „Es wird schon besser werden“ tröstete der„blonde Pils“ in schönem Mitgefühl und bestellte, um den kummervollen Mittelstürmer der„elf Draufgänger“ auf andere Gedanken zu bringen, statt der Zitronenlimonade eine aromatisch duftende Erdbeerbowle. Prophezeiungen und Trostsprüche, mögen sie noch so gut gemeint sein, pflegen selten in Erfüllung zu gehen Und wenn Peter Hagenbach auch nur die geringste Hoffnung in den trostreichen Zuspruch seines Freundes kleine Freude Die Stirn voll Sorgenfalten, so saß ich jüngst zu Haus, da kam die kleine Freude, die Freude. und schalt mich tüchtig aus! Ich wollte aufbegehren in Trotz und Unverstand, da nahm die kleine Freude, die Freude, mich leise bei der Hand!— Und draußen auf der Wiese mit Blumen kunterbunt, da küßte mich die Freude, die Freude, wohl mitten auf den Mund! Bert Brennecke mmmmmmmn gesetzt hätte, so wäre er in der Folgezeit schwer enttäuscht worden. Denn die Pechsträhne, die das Auftauchen der leidigen Konkurrenz heraufbeschworen hatte, wollte und wollte nicht abreißen. Und als eines Tages gar seine treueste Kundin, Frau Kuwalke, Inhaberin der kleinen Weißwarenhandlung neben dem Gasthaus„Zum roten Ochsen“. auf seine Frage nach neuen Bestellungen zögernd eingestehen mußte, daß sie schon einer Dame einen Auftrag —„Jotte doch, Herr Hagenbach, et war ja man bloß'ne Kleinigkeit. Is doch nich leicht for so'n junget Ding, nich?“— gegeben habe, da war es mit seiner Fassung vorbei. Er tobte, daheim angelangt, wie ein Rachegott und schwur bei allem ihm Erreichbaren, diese Konkurrenz, wenn er sie je einmal zu fassen kriegte— oh, und dieser Tag würde kommen dafür war er Peter Hagenbach, dem noch nie ein noch so hartnäckiger Schuldner entschlüpft war!—, gründlich ihr eigenes Geschrei hören zu lassen! Ungestillter Rachedurst zehrt an der Gesundheit. Peters Gesichtsfarbe nahm die Blässe eines weißen Käschens an, er magerte zusehends ab und ließ mit dem traurig=eingefrorenen Lächeln eines edlen Dulders die Knöpfe seines Anzuges versetzen Wie gesagt: Peter war nur noch der Schatten seiner selbst, und dieser Schatten stand eines Sonnabends vor Herrn Pütz, hörte dessen besorgte Frage nach seinem Wohlergehen und hielt plötzlich eine Teilnehmerkarte zu einer KdF.=Fahrt ins Blaue in der Hand. „Damit Sie mal wieder'n bißchen Farbe kriegen“, ermunterte Herr Putz und schlug seinem melancholischen Reisenden wohlwollend auf die spitz gewordene Schulter. „Nette Sache, so ne kleine Fahrt, hübsche Mädchen, Musik, Lampions, bißchen Tanz. Na. mal los, junger Mann! Meine besten Wünsche begleiten Sie!“ Und in der Tat schienen die Wünsche des biederen Herrn Pütz wirksame Kraft zu besitzen. Denn Peter Hagenbach fand sich, als er den geräumigen, mit roten Ledersesseln ausgestatteten Autobus zur Fahrt ins Blaue bestiegen hatte, plötzlich, ganz ohne sein Zutun, wie von einer unsichtbaren Hand gelenkt, neben einem hübschen jungen Mädel, das ihm fröhlich zunickte, so fröhlich, daß Peter schleunigst die griesgrämige Maske abnahm und nun seinerseits dem netten Mädel ein lachendes und unbekümmertes Jungensgesicht zeigte. Ja, ganz blanke Augen bekam der Peter, und diese Augen sahen mit Wohlgefallen, daß das Mädel wunderschönes kastanienbraunes Haar mit einem ganz leisen Schimmer ins Rötliche hatte und daß sie ein reizendes buntgemustertes Sportkleid trug, das sich trotz der einfachen Machart ganz vorzüglich ausnahm. Es ist nicht Sache des Chronisten, im einzelnen darzulegen, wie dieser Abend zwischen Peter und dem netten Mädel— sie hörte überdies auf den, nach Peters Meinung, einzigartig schönen Namen Kordula— verlief. Es genügt, zu berichten, daß, kaum war eine Woche seit der denkwürdigen„Fahrt ins Blaue“ vergangen, Peter und Kordula Arm in Arm im Stadtpark spazierengingen. „Du hast mir eigentlich noch gar nicht erzählt, was du so treibst, Kordel“, unterbrach Peter eine vielsagende Stille, die auf einen Kuß gefolgt war. „Ach“, machte das Mädel, und es war ihrer Stimme anzuhören, daß diese Frage sie im Augenblick durchaus nicht interessierte,„ich muß viel rumlaufen. Ich bin doch Stadtreisende für die Firma Alfons Widerhake“ Hier wäre für einen Dramatiker der Ansatzpunkt zu einer Tragödie gewesen. Peter Hagenbach war kein Dramatiker, er war nur ein sehr verliebter junger Mann, der zum erstenmal erfuhr daß eine große Liebe alle Grundsätze und alle Rachepläne über den Haufen werfen kann. Und so kam es, daß Kordula am nächsten Abend in ihrem bescheidenen Stübchen einen Brief fand, in dem Peter sie um Aufgabe ihres Berufes bat, denn es ginge doch wohl nicht an, daß er sich mit seiner und seiner Firma Konkurrenz verlobe! Gewölk und Sonnenlicht Du sollst den Tag nicht vor dem Abend loben: So hell der Morgen und so schön der Tag, Oft hat noch spät sich schwül Gewölk erhoben. Der Abend schloß mit Sturm und Wetterschlag Du sollst den Tag nicht vor dem Abend schelten Nach Regengüssen und nach Sturmesnot Oft sahst du, wie die Wolken sich erhellten Der Tag verglomm im gold'nen Abendrot Am schönen Morgen lobe du den Morgen Am heißen Tag tu redlich deine Pflicht. Und für den Abend laß den Himmel sorgen, Der beides schickt, Gewölk und Sonnenlicht. Karl Gerok mnmm Gedanken über das Kind In des Kindes Seele leuchten kristallene Testamente der Menschheit. Ein Kind ist darum wie eine Miniaturausgabe einer vollendeten Legende von allem Gewesenem und Gewordenem. Sein eines Händchen hält die Blume der Vergangenheit, das andere langt nach der Zukunft. * Wen die Kindersehnsucht das erwachte Bewußtsein überflutet wie die See den Damm: der wird ein Genie Genie sein heißt: Sehnsuchten der Kindheit wahrmachen. * Wir können vielleicht vom Kinde ebensoviel lernen, wie so ein kleiner Schelm von uns. In mehr als einem Sinne wird niemand wieder so klug, wie er als Kind war. Das Kind hat vor allem den Mut des Egoismus ohne Schuld, das ist: des Glückes ohne Reue. * Kindlich sein bedeutet, alle Werte umwerten können. Dem Kinde nur kann ein Stuhl zur Straßenbahn, ein alter Hut zur Krone werden. Es sind ihre kleinen Phantasieflammen, die das kalte Leben so warm machen. Carl Ludwig Schleich Frauen-Freundschaften Sie sind höchst selten, diese Freundschaften zwischen Frauen. Kinder uno junge Mädchen freunden sich leicht an und die Freundschaften haben auch viele Jahre hindurch Bestand Zwischen Frauen kommt höchst selten eine Freundschaft zustande, es sei denn, daß beide alleinstehend, ohne Familie sind und sich aufeinander angewiesen fühlen. Wie kommt das wohl? Das ist leicht zu erklären. Frauen mit Familie geben ihre ganze Liebe und ihre ganzen Gefühle Mann und Kindern, und trotz des Reichtums an Gefühlen, über den eine Frau verfügt, verwendet sie ihn fast restlos für ihre Familie. Die Freundinnen oder die Freundin kommt dann meist zu kurz. Sie sind wohl häufig zusammen, verplaudern sich, vertrauen sich größere und kleinere Geheimnisse an, sprechen von ihren Freuden und Sorgen, machen Handarbeiten, Nähereien gemeinsam, besprechen miteinander Kleiderfragen und gehen wohl auch zusammen in Konditoreien, ins Kino. Wenn aber die äußeren Umstände zeitlich nicht günstig sind, trennen sie sich ohne großen Kummer endgültig voneinander, ohne daß eine fühlbare Lücke entsteht. Jede Frau hat eben ihre eigenen Aufgaben und Pflichten. Und die Freundschaft mit einer anderen Frau wird nicht so wichtig genommen, auch wenn der eine Teil darunter leidet. Frauen, die ausgefüllt sind, sollten eine enge Freundschaft mit einer anderen Frau darum nicht eingehen. Es wird den anderen, die weniger gütig vom Geschick bedacht sind, viel Kummer erspart. Sie bleibt dann einsam, trotzdem sie dem Namen nach eine Freundin besitzt. Freundschaften zwischen Frauen haben auch etwas für den Charakter Gefährliches an sich. Während ein Mann einem Freund gegenüber neidlos ist und sich über seine Erfolge freuen kann, neigt die Frau— wir wollen ganz ehrlich sein— zu Neid und Mißgunst und Eifersucht. Ist die eine Frau schöner als die andere, verübelt man dies der„Freundin“. Und wenn die eine von ihrem Mann durch Geschenke und Aufmerksamkeiten verwöhnt wird, neidet ihr das die andere. Das will sie natürlich nicht zugestehen und sie fühlt sich dann gezwungen, der bevorzugteren Frau Unwahrheiten über die Ehe, über die Geschenke, die sie angeblich fortgesetzt erhält, zu erzählen. Es ist meist ein Uebertrumpfen und Uebersteigern das der andere Teil dann bald merkt Oder sie überbieten sich in Erzählungen über die Begabung der Kinder, über die Verdienste des Mannes. Meist endet solche Freundschaft zwischen Verheirateten mit einer großen Enttäuschung auf beiden Seiten. Aus diesem Grunde sollen Frauen=Freundschaften nur von charakterfesten Frauen, die trotz Ausgefülltseins in der Ehe noch Zeit und Liebe und Gefühle für eine andere Frau aufbringen können, eingegangen werden. Man muß eine solche Freundschaft in den Alltag einordnen können, ohne daß jemand benachteiligt wird Dann können solche Freundschaften sehr schön und für beide Teile anregend und gewinnbringend sein. Beobachtet die Zähne der Kinder! Viele Mütter sind noch nicht zu der Erkenntnis gelangt, daß die Zähne mit die wichtigsten Funktionen des Körpers auszuüben haben. Es ist falsch, bei den Milchzähnen nicht die gleiche Sorgfalt aufzuwenden, wie bei den zweiten, den bleibenden Zähnen„Sie fallen ja doch aus“, sagen sich manche Mütter und lassen es durchgehen, wenn das Kind sich trotzig weigert, die Zähne zu putzen. Mütter müssen sich darüber klar werden, daß schlechte Milchzähne auch keine guten Nachkommen haben können. Da der schlechte Milchzahn oft Ursprung und Veranlassung für viele Krankheiten ist, wie beispielsweise Hals=, Magen= und Darmkrankheiten, ist es wichtig, daß die Zähne gut gepflegt und genau beobachtet werden Auch ohne daß das Kind Schmerzen empfindet, kann ein Zahn schlecht sein Man sieht es zumeist an der Färbung, und es ist wichtig, daß man auch mit dem Kleinkinde zum Zahnarzt geht, wenn die Zähne irgendwie verdächtig erscheinen Bei den schulpflichtigen Kindern sorgt die moderne Schulwissenschaft ja nicht nur für den Geist der jungen Menschenkinder, sondern auch für den Körper und läßt die Schulkinder regelmäßig vom Zahnarzt untersuchen Aber bis zum Schulbeginn hat die Mutter die Pflicht, die Zähne zu beobachten und sie vom Zahnarzt untersuchen zu lassen. Nun haben manche Mütter die Eigenschaft, den Zahnarzt als bösen Mann hinzustellen, der dem Kind Schmerzen bereitet. Die Angst wird dem Kinde dadurch anerzogen. Aber es wäre auch falsch, dem Kinde zu erzählen, daß einen Zahn herauszunehmen keinerlei Schmerzen bringt. Verursacht die Behandlung dann doch Schmerzen, ist das Vertrauen zum Zahnarzt auf ewige Zeiten erschüttert. Das Kind läßt sich dann zum zweiten Male nur mit Gewalt zum Zahnarzt bringen. Es öffnet dann nicht den Mund und der Arzt hat einen schweren Standpunkt, manchmal wird es ihm nicht gelingen, das Kind zu behandeln. Wird man aber frühzeitig schon ein Kind an den Zahnarzt gewöhnen und mit ihm, wenn es notwendig erscheint, ohne Nervosität hingehen, kann man seinem Kinde zu gesunden Zähnen verhelfen. In dem Augenblick, wenn man mit dem Kinde das Zimmer des Zahnarztes betritt, ist man selbst Nebenperson. Der Arzt versteht es dann viel besser, dem Kinde zuzureden, als eine nervöse Mutter. Der Rumtopf, eine alte Ueberlieferung Wie ein Heiligtum wurde es in Zeiten unserer Großmütter gehütet, und Kind und Kindeskinder werden ihn wohl immer wieder, wenn der Sommer in reichem Maße die Früchte reifen läßt,„ansetzen“. Der Rumtopf wird„angesetzt“, d.h. ein großes Gefäß, entweder ein hoher enger Steintopf oder ein mehrere Liter fassendes Einmacheglas sind hierzu nötig, um Früchte und Rum darin aufzubewahren Eine Flasche Rum oder Arrak wird in den Topf gegossen. Dann gießt man ein in einem Liter Wasser aufgekochtes Kilo Zucker hinzu und vermischt es mit dem Alkohol Nun kommen die ersten Früchte an die Reihe, die für den Rumtopf geeignet sind Erdbeeren, frisch gepflückt und leicht abgewischt, werden als unterste Schicht in den Topf gelegt, dann kommen Kirschen an die Reihe. Nach jeder Schicht Obst gibt man von der Rumlösung, die man zurückbehalten hat und die man im Bedarfsfalle wieder neu zubereiten muß, darüber. Nach Kirschen kommen Himbeeren die gut verlesen sein müssen. Das weiche Obst wird ungekocht in den Rumtopf gelegt. während Früchte wie Birnen, Aprikosen, Aepfel, Pfirsiche leicht überdünstet sein müssen. Die Früchte geben viel Flüssigkeit ab, so daß man meist mit ein bis zwei Flaschen Rum auskommt. Es richtet sich nach der Größe des Gefäßes Nach jedesmaligem Neuhinzulegen von Früchten ist der Topf sorgfältig zu verbinden Beim Rumtopf ist zu beachten, daß das Obst vollkommen reif ist und daß größere Früchte geschält und zerschnitten verwendet werden Man kann mit Ausnahme von Blaubeeren jedes Obst verwenden Quitten, Apfelsinen und grüne Nüsse geben eine geschmackvolle Ergänzung. Ist der Topf endgültig gefüllt, wird er mit Pergament= oder Zellophanpapier verbunden und etwa 14 Tage dem Sonnenlicht ausgesetzt Dann bewahrt man ihn mit anderen Einmachgläsern in der"ihlen Speisekammer oder im Keller auf. Erprobtes für den Alltag Kunstseidener Wäsche kann man den Glanz erhalten, wenn man sie, nachdem man sie mit lauwarmem Seifenwasser gewaschen hat, kalt nachspült und dem letzten Spülwasser einen Schuß Essig zusetzt. * Um Leder wasserdicht zu machen reibt man die Unterseite mit warmem Leinöl, Bilderdienst Kleßlich M Große Blumen, kleine Blumen! Gibt es eine schönere Zeichnung für unsere hauchzarten Sommerstoffe als Blumen und Blüten in leuchtenden oder abgetönten Farben? Gewißt nicht. Die Frauen wissen das und machen im Sommer ausgiebig Gebrauch von den liebenswürdigen Geschenken unserer Industrie. Das elegante Nachmittagskleid aus schwarzem Sommerkrepp zeigt gelbe Margueriten in verschiedener Größenordnung. Der Anzug wird durch einen kleinen schwarzen Strohhut mit leichtem Schleier und eine großperlige gelbe Kette vervollständigt. Interessant wirken die Halslinie und der ellenbogenlange Aermel, die beide die nachmittägliche Absicht unterstreichen. Für strahlende Sonnentage ist der JackenKasak aus weißtem Chiffon mit grosten Feldblumensträußen gedacht. Er wird auf einem Rock aus blanker weißter Seide getragen, von dem sich die stumpfe Zartheit des Stoffes kontrastreich abhebt. Große Revers, dick gepuffte, aparte Aermel, die an den Handgelenken zu einer noch größleren Puffe zusammengenommen sind, ergeben eine außerordentliche Eleganz. die obere Seite mit warmem Rizinusöl ein Hartgewordenes Leder wäscht man mit warmem Wasser ab. Silberdraht oder Filigran werden wieder wie neu, wenn man solche Gegenstände in Salmiakgeist taucht und sie dann in reinem Wasser spült. Hernach trocknet man sie in Sägespäne. Winke für die Küche Zur Zubereitung von gebackenem Kalbshirn, muß man das Hirn gut wässern und alle Blutäderchen und alle Häutchen entfernen, es in kochendem Salzwasser aufwellen in kaltem abkühlen und abtropfen lassen Man paniert das Hirn dann in Ei und geriebener Semmel und backt es in gebräunter Butter auf beiden Seiten goldbraun. * Backwerk, in Fett gebacken, z. B Pfannkuchen oder Rädergebackenes, zieht das Fett nicht an, wenn dem Fett beim Schmelzen gleich ein Löffel Rum oder ein walnußgroßes Stück Ingwer beigegeben wird. Geburtstagskuchen Zum Fest gehört selbstgebackener Kuchen. Es gibt deren so vielartige, daß man sich zunächst darüber einig werden muß, ob man Hefebackwerk, Torten oder das sogenannte feine Backwerk für das Geburtstagsfest bevorzugen will Hefe=Backwerk Hier muß man streng darauf achten, daß die Hefe stets in warmer Flüssigkeit, Wasser oder Milch, mindestens 30 Grad, aufgelöst wird. Alle Zutaten müssen eine gleiche Temperatur haben Zugluft muß beim Teigbereiten vermieden werden Um das ermüdende Kneten des Teiges zu verhindern, hat man nur nötig, das Mehl ein= bis zweimal durch ein Sieb gehen zu lassen Dadurch kommt mehr Luft. die das Aufgehen befördert in den Teig, als durch wiederholtes Kneten und das Gebäck wird locker und leichter verdaulich Nachdem man die Hefe in der betreffenden Flüssigkeit gehörig ausgerührt hat fügt man Salz dazu und schüttet das Mehl auf einmal hinein Man klopft den Teig nun solange bis der Löffel nicht mehr an ihm klebt streut etwas Mehl darauf und stellt den Teig mit einer erwärmten Serviette bedeckt, zum Aufgehen an einen warmen Ort Die Schüssel darf nur halb mit Teig gefüllt sein damit Raum zum Aufgehen verbleibt Während er aufgeht rührt man die zum Teig bestimmte Butter zu Schaum, fügt Zucker. Eier usw dazu und vermischt diese gut durchgerührte Masse mit dem aufgegangenen Hefeteig Nachdem man ihn fünf bis zehn Minuten geklopft hat, stellt man ihn wieder zum Aufgehen klopft ihn wenn er zum zweiten Male aufgegangen ist, gehörig durch, knetet ihn mit Mehl durch und formt ihn Die Menge der einzelnen Zutaten richtet sich natürlich nach der Anzahl der Kuchen Zu 25 Gramm Hefe rechnet man im Durchschnitt 500 Gramm Mehl Streuselkuchen Der Hefeteig wird auf einem mit Mehl bestäubten Blech dünn ausgerollt und die Masse mit Butter bestrichen Die Streusel bereitet man folgendermaßen: Man zerläßt Butter und vermischt sie noch heiß mit Mehl Zucker und etwas gestoßenem Zimt, zerhackt diese Masse mit einem Messer und streut sie aanz dicht auf den ausgebreiteten Kuchenteig Man bäckt den Kuchen erst bei mäßiger und dann bei scharfer Hitze. Apfelkuchen ist in ähnlicher Weise herzustellen Man schält Aepfel, schneidet sie in kleine Stücke vermischt sie mit Zucker, nach Geschmack auch mit geschnittenen Mandeln und Rosinen belegt damit den Hefenteig verteilt obenauf Butterstückchen und bäckt den Kuchen ½ bis ¾ Stunde Torten werden gewöhnlich in einer blechernen Form gebacken Diejenigen, die das Stürzen nicht vertragen bäckt man in einer Springform. Sehr wichtig ist daß die Form zum Tortenbacken mit recht frischer Butter sorgfältig mit einem Pinsel ausgestrichen und mit geriebenem, durchsiebtem Weißbrot bestreut wird Man rechnet für eine mittelgroße Form ¼ Löffel Butter und zwei Löffel Reibbrot. Die Formen dürfen nur halb gefüllt werden, da der Teig zu Torten zumeist viele Eier enthält und daher ziemlich hoch steigt Alle Torten, zu denen viel Butter verwandt wird bedürfen mehr Hitze als die trockenen Kuchen Um zu untersuchen ob das Gebäck fertig ist muß man ein dünnes langes Stückchen Holz oder einen Strohhalm in den Kuchen stecken Klebt kein Teig mehr an ihm an, ist das Gebäck fertig. Ist zu starke Oberhitze im Ofen und wird der Kuchen von oben zu braun, muß ein Stück Papier aufgedeckt werden Bekommt die Form von unten zu viel Hitze, muß man sie sorasam auf einen Herdring stellen Bevor man die Torte umstürzt, muß sie abkühlen. Schokoladentorte Man rührt 250 Gramm Zucker mit vier Eigelb etwa eine halbe Stunde Dann leat man etwa 100 Gramm in der Schale gestoßene Mandeln. 65 Gramm tm Ofen weichgemachte feine Schokolade und den Schnee der vier Eier dazu und bäckt den Teig in einer vorbereiteten Form hellbraun Wenn er erkaltet ist. übergießt man ihn mit folgendem Guß: Eine 100 Gramm schwere Tafel Schokolade(gute Qualität) wird in drei Löffel Wasser aufgelöst, vier Löffel Zucker, in zwei Löffel Wasser aufgelöst, und ein Teelöffel Butter werden unter fortwährendem Rühren gekocht bis die Masse syrupdick ist. Dann bestreicht man die Torte damit. IE§ LAURATE Eine Anekdote wird von Otto von Bismarck erzählt, da er auf einer Gesellschaft mit Richard Wagner zusammentraf Richard Wagner, der dazumal noch sehr umstritten war, sprach in Gegenwart höhergestellter Persönlichkeiten zumeist in recht überheblichen Worten. Er spielte nun während des Gesprächs mit Bismard auf den Wunsch vieler Berliner an, die eine Uebersiedlung Richard Wagners nach dort anstrebten Er wünschte sich wohl einen gleichermaßen schmeichelnden Vorschlag aus dem Munde des Fürsten zu hören und sagte deshalb: „Es erregt mein Bedauern, daß es mir leider nicht vergönnt ist, in ein und derselben Stadt mit dem bedeutendsten Staatsmann des Jahrhunderts zusammenleben zu dürfen.“ Bismarck merkte sogleich, worauf Wagner hinauswollte Er hielt das Verhalten des Komponisten für Eigenliebe und für eine Herausforderung zu einer AnerkennungsAeußerung, fühlte sich abgestoßen und antwortete kurz und schlagfertig:„Dieser Mißstand erregt auch mein Bedauern in hohem Maße, doch wird wohl über kurz oder lang keine Abhilfe zu schaffen sein Ich wenigstens sehe keinerlei Aussichten, daß man mich nach Bayreuth versetzt.“ X Der Schauspieler Vogel gastierte in Königsberg und soll dem Publiko daselbst sehr gefallen haben, mit den Kritikern aber und mit der Direktion hatte er viel zu schaffen. Man erzählt, daß ihm die Direktion verbot, zu improvisieren Vogel, der jede Widerspenstigkeit haßte, fügte sich in diesen Befehl: als aber einem Pferde, das man bei der Darstellung eines Stücks auf die Bühne gebracht hatte zur großen Bestürzung des Publikums auf offener Szene etwas Menschliches passierte, wandte er sich plötzlich, indem er die Rede unterbrach, zu dem Pferde und sprach:„Hat dir die Direktion nicht verboten, zu improvisieren?“— Worüber selbst die Direktion gelacht haben soll. N Edison hatte einen Assistenten, der ihm einmal half, eine elektrische Miniaturanlage zu bauen Der Mann war von der Rolle, die er bei dieser Arbeit gespielt hatte, so begeistert, daß er stolz lächelnd zu Edison sagte: „Mr. Edison, nachdem ich so mit Ihnen gearbeitet habe, glaube ich daß ich allein eine elektrische Anlage bauen kann.“ „Glauben Sie?“ sagte Edison ruhig. „Ja, ich glaube, ich könnte es“, antwortete der junge Mensch„Da ist nur eine Sache, die mir Kopfzerbrechen macht“ „Und was ist das?“ fragte Edison „Ich begreife nicht ganz, wie Sie das Schmieröl die Drähte entlang bekommen.“ X Familie Krätzitzsch, waschechte„Dräsdner“, ist auf der Zugspitze angelangt Meint der Papa ärgerlich zu seiner Familie: „Wars doch immer mei Draum, ä mol uff de Zugspitze zu frühschdüggen Un nu, wo mer oben sinn, hab ich doch wahrlich de Butterbemmen vergessen!“ * Pinnebergs standen eines Abends auf dem Balkon des Strandhotels, wo sie in der Sommerfrische weilten, und mußten mit anhören, was ein funges Paar unten im Garten miteinander sprach Schließlich flüsterte Frau Pinneberg ihrem Manne zu: „Ich glaube Emil er will ihr einen Heiratsantrag machen— pfeife doch mal, damit er gewarnt ist!“ „Wieso käme ich dazu?“ knurrte der Gatte,„bei mir hat auch keiner gepfiffen!“ * Zu Lessing kam einst ein junger Schriftsteller, gab sehr selbstbewußte Ansichten über ein gerade erschienenes Buch zum besten und fragte schließlich:„Soll ich, um Ihnen Ihre kostbare Zeit nicht zu schmälern meine Ausführungen etwas beschränken?“ „Ich finde. Sie sind schon beschränkt genug“, antwortete Lessing und ging davon. * Das schlechte Beispiel. Maro Aurelio M Handlungsreisender Engelmann saß in dem kleinen Provinzhotel und genoß seinen Morgenkaffee „Ober!“ rief er plötzlich ärgerlich.„Was sind denn das hier für schwarze Punkte in der Milch?“ „Ich weiß es nicht, mein Herr“, antwortete der Kellner zögernd,„sollten das etwa solche Vitamine sein, von denen die Aerzte immer sprechen?“ * „Es gibt drei Dinge in dieser Welt, auf die die meisten Menschen nicht vorbereitet sind!“ „Was mögen das wohl für drei Dinge sein?“ „Drillinge!“ * „Sagen Sie, Doktor, Ihre Schwester und Sie sind doch wohl Zwillinge?“ „Waren es— als Kinder. Heute ist sie fünf Jahre jünger als ich-—.“ Wachtmeister Müller und Wachtmeister Schulze unterhalten sich über ihre Pistolen. „Meine hat eine ganz ungeheure Durchschlagskraft“, sagt Müller. „Aber meine erst“, prahlt Schulze,„als ich noch in Stettin war, habe ich einmal aus Versehen in den Erdboden geschossen. Was soll ich dir sagen,— vierzehn Tage später las ich in einer New Yorker Zeitung, daß der Schuß dort auf der Straße einen Hund verletzt hat.“ „Hilde sagt, sie ist kolossal in ihr neues Auto verliebt!“ „So, also wieder ein Fall, wo ein Mann durch die Maschine ersetzt wird!“ * „Papa, wenn ich hier drehe, was kriege ich da?“ „Königswusterhausen.“ „Und hier?“ „Oslo, mein Junge.“ „Und hier?“ „Wien.“ „Und hier?“ „Ein paar hinter die Ohren.“ ) „Zurück“, rief der Feuerwehrmann, „weiter dürfen Sie nicht heran“ „Aber ich bin doch Berichterstatter.“ „Schon gut! Das können Sie ebensogut alles morgen in der Zeitung lesen.“ * „Ellen, hast du je einen Mann vor mir geliebt?“ „Nein, Tom! Ich habe oftmals Männer geschätzt wegen ihres Mutes, ihrer Stärke, ihrer Schönheit, ihrer Intelligenz und ihrer Tüchtigkeit, aber bei dir ist es nur Liebe, Tom, nichts als Liebe!“ Der Dichter und sein Werk Waagerecht: 1. ein Werk des unter 22 waagerecht gesuchten Dichters, 10. Körperorgan, 11. Knecht, 12. militärischer Ehrengruß durch Schüsse, 13. Schmelz, 15. Insel an der Westküste Afrikas, 18. Einbringen der Frucht, 22. ein bekannter deutscher Dichter, Romantiker. Es hängt alles von dir selber ab Aus den Silben: al— ar— ba— be— ben— ber— ber dei— des— di— e— en— erd— hard heim— i— i— ne— ni— nim— re ren— sar— sent— so— tan— tre— wi sind zehn Wörter zu bilden, deren erste und dritte Buchstaben, beide von oben nach unten gelesen, ein Sprichwort ergeben. Die Bedeutung der Wörter ist: 1. Wildrind 2. Wetterkartenlinien Senkrecht: 1. Blütenstand, 2. Inselgruppe in der Südsee, 3. Drahtstift, 4. Gutschein, 5. ostfriesische Insel, 6. Artikel, 7. Sumpfhuhn, 8. Himmelsrichtung, 9. Körperorgan, 14 weibl. Vorname, 16 kleinstes Teilchen, 17 Stadt an der Düna. 19. Teil des Gedichts, 20 Zahl, 21. Stadt am Rhein. 9. Söller, Vorbau 10. Weinrückstand Die Erinnerung im Leben bo eid tize huca geigennfloh, eid rinne'grun weteich ein; sal nie richtel roggenbene hetts fau brüten klowen eis. Jede Buchstabengruppe, richtig geordnet, ergibt ein Wort, das Ganze, nacheinander gelesen, ein Sprichwort. 3. Naturerscheinung 4. pfälzische Weinstadt an der Haardt 5. weiblicher Vorname 6. männlicher Vorname 7. Insel im Mittelländischen Meer 8. deutscher Dichter Der Weg des Helden Wenn die Kästchen richtig aneinandergereiht werden, ergeben sie, nacheinander gelesen, ein Sprichwort. Zwei Lösungen Das Schlüsselwort lautet: 1 2 3 4 5 6 7= Raubtier I. 1 2 3= männlicher Vorname 2 6 1= Märchenwesen 3 7 2= Gedichtart 4 3 1= Ort der Erde 5 1 2= englisches Bier 6 5 7= Teil des Wagens 7 2 6= Artikel II. 1 3 6 7= englischer Adelstitel 2 6 7 2= Planet 3 7 2 6= deutscher Fluß 4 3 6 2= Hautöffnung 5 1 3 2= Heilpflanze 6 2 5 1= soviel wie wirklich, tatsächlich 7 3 6 5= weiblicher Vorname Ist das Rätsel richtig geraten, ergeben die Anfangsbuchstaben, jedesmal von oben nach unten gelesen, das zu erratende Raubtier. Etwas Gegenteiliges A. B. Die Buchstaben: a— a- b- d— e- e- e- g— 1 1— m— n— 0— r— 1— r— t— t u— 3 sind zweimal in die Figur des Doppelrätsels einzuordnen. Es ergeben sich zwei Lösungen: A. 1. Entfernungsbegriff 2. Edelmetall 3. Teilzahlungsbetrag 4. weiblicher Vorname 5. Stadt in der Schweiz B. 1. Entfernungsbegriff 2. männlicher Vorname 3. deutscher Fluß 4. Festung an der Mosel 5. Vogel Auflösungen aus voriger Nummer Der Maler und sein Werk Waagerecht: 1. Adolf von Menzel, 7. Flö(oe)tenkonzert, 8. Rum, 9. Ast. 10. Hai, 11. Uri. 14 Frosch. 15. Donner. Senkrecht: 1. Aufruhr. 2. Ozon, 3. Fetisch, 4 Einhard, 5. Ziel, 6. Laterne 12. Ase, 13. Inn. Auch das Kleinste ist von Bedeutung! 1. Australien, 2 Ukelei, 3 Chile, 4 Han nibal, 5. Ebene, 6. Innung. 7 Nashorn, 8. Hochofen. 9 Achse. 10. Alabaster, 11. Ratibor. 12 Hotel. 13 Adele, 14. Tonne.— Das Sprichwort lautet: Auch ein Haar hat seinen Schatten. Im alten Rom GENUA L ARBER D IRENE A TURIN O RIESA Norwegische Inselgruppe in der Mitte gekreuzt S AKROPOLIS K 1 E R SATIN M OA Z A M S PITZBERGEN I E B R L NARBE I IGN SEMMERING N Ueber die Liebe Das Sprichwort lautet: Die Liebe nur allein ist Leben! Kannst du dein Herz der Liebe weihn, So hat dir Gott genug gegeben— Heil dir! Die ganze Welt ist dein. Belohnte Tugend Das Sprichwort lautet: Die Ehre ist der Lohn der Tugend. Die geheimnisvolle Visitenkarte Karl Armin Kimmisso ist Kriminalkommissar. Zu Bismarcks 40. Todestag, dem 30. Juli 1898 an macht sich heute kaum noch eine /Vorstellung von dem machtvollen Ansehen, das der Eiserne Kanzler v. Bismarck, der Schmied des„Deutschen Reiches“, nach dem deutsch=französischen Krieg in der Welt genossen hat. Es ist nicht Uebertreibung, wenn man behauptet, daß ohne seine Zustimmung kein Grenzstein in Europa von seiner Stelle gerückt werden durfte. Entstand irgendwo ein Konflikt Bismarck als Student nach einer alten Silhouette Zeichnung Kießlich M zwischen den Völkern, richteten sich die Blicke nach Berlin, zu dem Heros der Staatskunst, in der zuversichtlichen Hoffnung, daß er einen Ausweg finden werde. Es ist daher kein Zufall, daß die bedeutsamsten Weltkonferenzen der 80er und 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts unter Bismarcks klug behutsamer Leitung in Berlin zusammengetreten sind: Der Berliner Kongreß vom 13. Juni bis 13. Juli 1878, also vor nunmehr 60 Jahren, und die Kongo=Konferenz vom 15. November 1884 bis 26. Februar 1885. Bei beiden Zusammenkünften der ersten Vertreter der Weltmächte und der sonstbeteiligten Staaten waren schwierigste Fragen zu lösen, gewichtigste auseinanderstrebende Interessen miteinander in Einklang zu bringen. Auf dem Berliner Kongreß ist das Staatenbild von Östeuropa geschaffen worden, wie es in großen Umrissen heute noch Bestand hat. Auf dem Balkan und im Donauraum waren vor einem Menschenalter die Türken noch immer die Herren. Fünfhundert Jahre hatten sie die frühere Selbständigkeit der Serben, Kroaten, Montenegriner, Bulgaren, Rumänen unter den Halbmond gezwungen, Aufstandsbewegungen blutig unterdrückt. Da kam den Geknechteten 1876 Rußland zu Hilfe, das aus seinem Binnenland=Gefängnis ausbrechen und über die Eroberung von Konstantinopel den Anschluß an die Weltmeere erreichen wollte. Die Bulgaren und Rumänen haben in den russischen Reihen gekämpft, und die Paschas des Sultans waren trotz tapferer Gegenwehr am Schipkapaß und bei Plewna überwunden worden. Schon tauchten vor den Augen der Kosaken die goldenen Kuppeln von Konstantinopel auf, schon hatte Rußland die Erfüllung seines jahrhundertealten Traumes in greifbarer Nähe, als— England mit einer Flottendemonstration im Marmarameer Einspruch erhob. Es wünschte ein Eindringen der Russen ins Mittelmeer nicht. Der„kranke Mann“ in Konstantinopel war ihm ein angenehmerer Pförtner am Schwarzen Meer als der eroberungslustige Panslawismus. Mit vor Wut knirschenden Zähnen mußte der Zar sich fügen. Seine Truppen waren durch den verlustreichen Krieg gegen die Türkei zu sehr geschwächt, um noch einen Krieg gegen England auf sich nehmen zu können, zumal nun auch Oesterreich=Ungarn seinen Einspruch erhob. Lord Salisbury schlug einen europäischen Kongreß vor, und er empfahl, ihn in Berlin unter Bismarcks Fürsorge zu stellen. Es ist immer eine mißliche Aufgabe, unter Streitenden zu schlichten, und Bismarck hat für sein Bemühen, der„ehrliche Makler“ zu sein, zu Unrecht manchen Undank geerntet. Der Kongreß im Reichskanzlerpalais in Berlin— Anton von Werner hat ihn mit seinen Teilnehmern in einem berühmten Gemälde der Nachwelt überliefert— hat als Hauptergebnis zunächst die türkischen Ketten zerbrochen, an die die europäischen Völker Südosteuropas noch immer geschmiedet waren. Bulgarien und Rumänien wurden selbständig, Serbien und Montenegro in ihrer Freiheit bestätigt und vergrößert. Griechenland erhielt einen bedeutenden Gebietszuwachs. Oesterreich=Ungarn wurde ermächtigt, Bosnien, die Herzegowina und das Sandschak Novipazar zu besetzen. Auf dem Berliner Konferenztisch wurden also an alle Gehorsam versprechenden Kinder reiche Gaben verteilt. Sie waren zumeist der Türkei abgenommen. Diese konnte hierfür aus den Händen der Russen Erzerum(Armenien) entgegennehmen. Die Russen ihrerseits wurden auf Kosten Rumäniens wiederum mit Bessarabien entschädigt(das Rumänien mit Deutschlands Hilfe im Weltkrieg zurückerhielt). Im Ganzen gesehen, bedeutete der Berliner Kongreß für Rußland eine schwere Enttäuschung, denn es wurde ihm der Siegespreis, Konstantinopel, entrissen, die freie Ausfahrt aus dem Schwarzen Meer wieder gesperrt. England hat seinen Willen durchgesetzt und dem genießerischen Sultan bliken wie Frankreich, die durch sie vertreten waren, entscheidende Stimmen. Manchen waren die Räume vertraut. Sie hatten hier schon vor sechs Jahren an dem Berliner Kongreß teilgenommen, auf dem der wachsame, geachtete und vielfach gefürchtete Eiserne Kanzler inmitten der führenden Männer Europas dem Balkan im friedlichen Ausgleich seine neuzeitliche Gestalt gegeben hat, um einen Krieg zu verhüten. Er steht im Mittelpunkt der Gespräche. Ein Gerücht will wissen, daß er kränkele und sich im Vorsitz der Konferenz zumeist vom Grafen von Hatzfeldt vertreten lasse. 69 Jahre lasten auf seinen Schultern, 87 auf denen seines kaiserlichen Herrn, der mit unverdrossener Liebenswürdigkeit Empfänge und Festmahle gibt, morgens fleißig arbeitet, nachmittags im Tiergarten spazierenfährt und abends in der Oper zu sehen ist. Deutschlands junges Reich ist noch in der Obhut menschenkundiger Erfahrung. Aber der Kronprinz ist unheilbar halskrank, der junge Prinz Der Kanzler verhandelt in Versailles mit Thiers und Favre Abdul Hamid seinen prächtigen Wohnsitz am Marmarameer erhalten. Deutschland war unbeteiligt an diesem Handel. Es hat für sich selbst nichts begehrt. Es hat nur einen englisch-russischen Krieg verhüten und den Balkanvölkern die errungene Freiheit sichern wollen. Zu recht grollten die russischen Staatsmänner dem deutschen„Makler“, der Rußland einen im Ergebnis höchst unsicheren und von Rußland selbst nicht gewünschten Krieg erspart hat. Bismarck mußte die Prügel dafür beziehen, daß Rußland aus Scheu vor der Fortführung des Krieges sein Kriegsziel preisgab. Seine gütliche Vermittlung hat unmöglich die Macht eines siegreichen Schwertes ersetzen können Aber die Geschichte ist seinen großen Verdiensten um die damalige Erhaltung des Friedens gerecht geworden. Und die Kongo=Konferenz: Um die Mittagszeit des 15. November 1884 drängten sich im Wintergarten und in den anschließenden Räumen des Reichskanzlerpalais in der Wilhelmstraße zu Berlin wiederum Bevollmächtigte und Gesandte aller europäischen Staaten Unter den buntfarbenen Uniformen mit den glitzernden Ordenssternen tauchten die Gestalten im Frack mit den ungeschmückten Männerbrüsten fast unter, und doch hatten RepuWilhelm krank vor Ehrgeiz, unberechenbar—. Beruhigt folgen die Blicke der hochgereckten Gestalt, die soeben die Räume betreten hat und mit den forschenden, zwingenden Augen seines wuchtigen Kopfes reihum die Delegierten begrüßt.— Vor dem Kamin haben sich einige Gesandte versammelt. Sie betrachten den riesigen geschnitzten Elefantenzahn, den der Kaiser von China dem Lehrmeister der Politik unlängst verehrt hat.„Auf diesen Stoßzahn wird uns der Alte nehmen“, flüstert einer einem anderen ins Ohr. Dieser lacht „Ja, ja, es ist schon besser, man verträgt sich mit ihm, als daß man ihn zum Angriff reizt.“— Die Luft schmeckt noch fremd auf der Zunge Man beobachtet sich gegenseitig. Man sucht die Mienen zu deuten. Jeder erwartet, von dem anderen etwas zu erfahren. Zwei Vertraute schreiten mit gelangweilten Gesichtern an den wandhohen Oelgemälden entlang. auf denen Wilhelm I., Alexander III. und Franz Joseph I. ihre kaiserliche Majestät darbieten. „Ein zweifelhaftes Vergnügen, in Preußisch=Berlin den Winter zu verbringen——„Das wird auch gar nicht in Frage kommen. Der Kanzler hat der Konferenz drei Aufgaben gestellt: 1. Freie Schiffahrt mit Handelsfreiheit auf dem Kongo; 2. Freie Schiffahrt auf dem Niger und 3. Feststellung der Formalitäten, die künftig in Afrika zur Erzielung einer rechtsgültigen Annexion zu beobachten sind.— Das ist alles.“ „Da kennen Exzellenz den schlauen Fuchs nicht. In Punkt 3 steckt ein Knäuel von Fragen und Schwierigkeiten.— Hier hat er sich verschanzt.“ „Wieso?" „Es heißt da„Feststellung der Formalitäten". Hinter diesem unscheinbaren Paravent lauert sprungbereit der Machtwille des jungen Reiches, künftighin mitzusprechen bei der Aufteilung der afrikanischen Erde, eigene Rechte geltend zu machen, Englands hochmütigen Anspruch auf Alleinbesitz der Erde in Schranken zu weisen.— Ich fürchte, es wird harte und langwierige Kämpfe geben.“——— Und es hat langwierige Kämpfe gegeben. Bismarck hat das von Stanley erkundete Kongogebiet der Streitlust der Großmächte entwunden und dieses Mittelland Afrikas als unabhängigen neutralen Staat dem rührigen König Leopold II. von Belgien in die Hände gegeben. Er hat gleichzeitig die vertragsgemäße Vereinbarung unter den Kolonialstaaten herbeigeführt, daß Kriege in Europa die auf dieser Konferenz vorgenommene Teilung des Afrikabesitzes nicht berühren dürften. Die Mitunterzeichner dieses Vertrages, Frankreich und England, haben also 1919 bei der Wegnahme der deutschen AfrikaKolonien ihr damals besiegeltes Wort gebrochen, Unrecht zu Unrecht gefügt!—— Niemals wird das deutsche Volk vergessen, was der Alte im Sachsenwald einst für die Welt, vor allem aber für uns Deutsche bedeutet hat! Dr. Dammert Das Mausoleum im Park von Friedrichsruh, in dem Bismarck begraben liegt 3 Fotos Löhrich Friedensstifter der Welt