Sorockhöveler Zeitung Haßlinghauser Zeitung:Amtlicher Anzeiger für das Amt Sprockhövel: Blankenstein=Herbeder Zeitung Anzeiger für die Gemeinden des Ennepe=Ruhr-Kreises Wer bildet das neue Kabinett? Verhandlungen Hitlers nach zwei Richtungen- Verschobene Reichstagssitzung Die verweigerte Auflösungsorder Eine amtliche Meldung aus Berlin, 28. Januar, lautet: Reichskanzler von Schleicher erstattete heute dem Herrn Reichspräsidenten Bericht über die Lage und erklärte, daß die gegenwärtige Reichsregierung, ihrem Charakter als Präsidialregierung entsprechend, im Reichstage ihr Programm und ihre Auffassung nur dann zu vertreten in der Lage wäre, wenn der Herr Reichspräsident ihr die Auflösungsord'er zur Verfügung stelle. Reichspräsident von Hindenburg erklärte, diesem Vorschlage bei der zur Zeit gegebenen Lage nicht entsprechen zu können. Reichskanzler von Schleicher erklärte hierauf den Gesamtrücktritt der Reichsregierung, den der Herr Reichspräsident unter Beauftragung des Kabinetts mit der einstweiligen Fortführung der Geschäfte entgegennahm. Der Herr Reichspräsident sprach dem Reichskanzler wie den Mitgliedern der Reichsregierung seinen Dank für die dem Vaterlande in schwerer Zeit geleisteten treuen Dienste aus. Von unterrichteter Seite erfahren wir, daß der Reichskanzler in der Unterredung mit dem Reichspräsidenten drei Möglichkeiten zur Lösung der Krise genannt hat. Die eine Möglichkeit sei die Bildung einer parlamentarischen Mehrheitsregierung. Diese Möglichkeit bestehe nur, wenn Hitler die Führung eines derartigen Kabinetts erhalte. Zweitens sei die Bildung einer auf eine starke Volksströmung gestützten Minderheitsregierung möglich, die wohl ebenfalls nur unter Führung Hitlers, aber mit Unterstützung der übrigen Gruppen der Rechten zu erreichen wäre. Wenn der Reichspräsident seinen Widerstand, den er bisher gegen eine solche Lösung gehabt habe, aufgeben würde, so hätte auch diese Lösung Aussichten auf Erfolg. Die dritte Möglichkeit sei die Bildung eines Präsidialkabinetts, das, wie das jetzige, vollkommen über den Parteien stehend und mit keiner verbunden, die Staatsautorität als Sachwalter des gesamten Volkes zu wahren hätte. Einem solchen Präsidialkabinett müßten dann aber auch die nötigen Vollmachten gegeben werden, wenn es keine Mehrheit im Reichstage fände. Der Reichskanzler hat vor einer Lösung geglaubt warnen zu müssen, nämlich vor der, daß unter dem Namen eines Präsidialkabinetts etwa eine Regierung gebildet würde, die tatsächlich nur die Regierung einer einseitigen Partei darstellen würde und dann den Angriffen der überwiegenden Mehrzahl des gesamten Volkes ausgesetzt wäre. Der Sondierungsauftrag Papens Hindenbur 121 ih ura berief Reichskanzler a. D. von Reichspräsident von Samstag mittag den Papen und beauftragte ihn, durch Verhandlungen mit den Parteien die politische Lage zu klären und die vorhandenen Möglichkeiten festzustellen. * Reichskanzler a. D. von Papen hat am Samstagabend und am Sonntagvormittag die Verhandlungen fortgeführt, mit denen der Reichspräsident ihn beauftragt hat. Bisher sind sie noch nicht zu einem Abschluß gekommen, und die in manchen Kreisen gehegte Hoffnung, daß sich bereits bis Sonntag mittag ein Ueberblick gewinnen lassen werde, hat sich also nicht erfüllt. Die Dinge sind aber immerhin bis zu dem Zwischenbericht von Papens beim Reichspräsidenten gediehen. Klarheit wird sich erst im Laufe des Montags gewinnen lassen. Von Papen hat seine Verhandlungen bisher vor allen Dingen auf die Nationalsozialisten und die Deutschnationalen erstreckt. Aber auch mit dem Zentrum ist, allerdings auf indirektem Wege, Fühlung genommen worden. Diese Verhandlungen dürfen jedoch nicht verwechselt werden mit parallelgehenden Bemühungen, die vom Zentrum und der Bayerischen Volkspartei ausgehen und offenbar das Ziel haben, eine direkte Verständigung dieser beiden Parteien mit den Nationalsozialisten herbeizuführen. Hitler verhandelt demnach also nach zwei Richtungen, und es wird sich zeigen müssen, welcher dieser beiden Besprechungskomplexe im Laufe der Entwicklung schließlich die Oberhand gewinnt. Im Vorder grunde steht aber weiter der Auftrag von Papens. Der Hauptteil des Sonntags war wohl gen innerhalb der nationalsozialistischen Führerschaft ausgefüllt. Den Nationalsozialisten liegen ganz bestimmte Vorschläge vor, die auch die Billigung der Deutschnationalen gefunden haben und zü denen Hitler sich zunächst äußern muß. In un terrichteten Kreisen hofft man, daß diese Antwort erfolge, daß dann im Laufe des Montags in weiteren Besprechungen die erhoffte Klärung erzielt werden könnte. Vorläufig überwiegt von aber in parlamentarischen Kreisen doch noch eine tark zurückhaltende Beurteilung gegenüber allen optimistischen Erwartungen einer schnellen posi tiven Lösung. Gegenüber den zahlreichen Gerüchten, die über die Verhandlungen und auch die Haltung des Reichspräsidenten im Umlauf sind, kann man nach einer Contimeldung nur feststellen, daß es dem Reichspräsidenten darauf ankommt, die deutsche Politik, wenn irgend möglich, aus dem Stadium der Verfassungsexperimente herauszubringen. Deshalb hat er die neuen Verhandlungen mit Adolf Hitler in Gang gebracht. Adolf Hitler hatte es im November abgelehnt, persönlich den Versuch einer Mehrheitsbildung zu machen. Der Reichspräsident hat jetzt von Papen mit dieser Aufgabe betraut, wobei das Ziel dasselbe ge blieben ist. Die ganzen gegenwärtigen Verhandlungen drehen sich um die Frage, ob ein Koalitionskabinett unter Hitlers Führung und Mitarbeit oder Tolerierung des Zentrums zu erreichen ist. Diese Frage muß zunächst geklärt werden, und solange treten auch alle anderen Möglichkeiten und Vermutungen ganz naturgemäß in den Hintergrund. Dienstag kein Reichstag Wie das Hauptbüro des Reichstages mitteilt fällt die Reichstagssitzung, die für Dienstag vorgesehen war, aus. Der Ael testenrat ist für Dienstag nachmittag 3 Uhr einberufen worden. Sozialdemokratischer und kommu Protest gegen Verschiebung Gegen die Absage der Reichstagssitzung har der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstags fraktion in einem Briefe an den Reichstagsprä sidenten Goering aufs entschiedenste Protest er hoben. In dem Brief wird darauf hingewiesen daß in der letzten Sitzung des Aeltestenrates ausdrücklich ein Wiederzusammentreten des Aeltestenrates vereinbart worden sei, wenn bis Dienstag irgendwelche besonderen politischen Ereignisse einträten. Diese Abmachung habe den Sinn gehabt, daß in einer neuen Sitzung des Aeltestenrates Beschlüsse über die Plenarsitzung und eine etwaige Aenderung der Tagesordnung gefaßt würden. Unter diesen Umständen hätte nur der Aeltestenrat das Recht gehabt, eventl. die Plenarsitzung vom Dienstag abzuagen. Die Sozialdemokraten sind daher der Auffassung, daß der Präsident seine Befugnisse überschritten habe und beantragen, eine Sitzung des Aeltestenrates spätestens für den Vormittag des 30. Januar einzuberufen. Die kommunistische Reichstagsfraktion hat an den Reichstagspräsidenten ein Schreiben gerichtet, in dem sie, ebenso wie die Sozialdemokraten, schärfsten Protest gegen die willkürliche Abetzung der Plenarsitzung einlegen und erneut die Einberufung des Aeltestenrates für Montag vormittag fordern. Arbeitsstoff für den Reichstag Wie das Nachrichtenbüro des VDZ. meldet, hat die Reichsregierung dem Reichstage noch eine Reihe bedeutsamer Gesetzentwürfe unterbreitet, deren baldige Verabschiedung zum Teil international geboten erscheint. So hat der Reichsverkehrsminister und das Auswärtige Amt den Gesetzentwurf über den Vertrag Deutschlands mit Oesterreich betreffend die Regelung der Anschluß- und Uebergangsverhältnisse im Eisenbähnverkehr unterbreitet. Der Reichsinnenminister und das Auswärtige Amt haben den Gesetzentwurf über das inter nationale Abkommen vom 13. Juli 1931 vorgelegt, der Maßnahmen zur Beschränkung der Her tellung und zur Regelung der Verteilung von Betäubungsmitteln enthält. Dieser Entwurf will vor allem den Mißbrauch von Opium und anderen Narkotika wie Kokain usw. international bekämpfen. Vom Reichsjustizminister sind dem Hause zwei bedeutsame Gesetzentwürfe unterbreitet worden, und zwar eine Novelle zur Rechtsanwaltsordnung, die vor allem zum Ausdruck bringt, daß einem Anwalt die Ausübung seiner Geschäfte verboten werden kann, wenn gegen ihn im ehrengerichtlichen Verfahren die öffentliche Klage erhoben wird. Interessanter noch ist der andere Gesetzentwurf, der die Einsetzung einer ReichsRechtsanwaltskammer verfügen will. Die Kam mer soll u. a. verpflichtet sein, Gutachten zu erstatten, die von einer der an der Gesetzgebung des Reiches beteiligten Körperschaften oder ihren Ausschüssen sowie von einer obersten Reichsbehörde oder von einem Ehrengerichtshof gefordert werden. Die Reichs=Rechtsanwaltskammer soll ihren Sitz in Berlin haben. Schließlich ist dem Reichstage der Bericht des Rechnungshofes zugegangen über die Prüfung der Bilanz und des Geschäftsbetriebes der Ver wertungsstelle der Reichsmonopolverwaltung für Branntwein für das 12. Geschäftsjahr 1930=31 Kundgebung der 509. und Eisernen Front im Berliner Lustgarten Die Sozialdemokratie von Groß=Berlin veranstaltete mit Unterstützung der Eisernen Front im Lustgarten in Berlin eine Massendemonstra tion unter dem Motto„Gegen die Provokationen der Nationalsozialisten und gegen die Millionen geschenke an die Junker, für Demokratie und Sozialismus". Von zwölf Sammelplätzen innerhalb Groß Berlins marschierten die Massen in geschlossenen Zügen unter Mitführung roter Fahnen und vie ler Transparente nach dem Lustgarten, wo um ½3 Uhr die Kundgebung begann. Der Führer der Ortsgruppe Berlin der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Reichstagsabgeordneter Künstler, bezeichnete den Aufmarsch der Natio nalsozialisten auf dem Bülowplatz als Provoka tion und erklärte, daß Berlin rot sei.„Berlin ist rot", das werde auch die Parole der SPD für 1933 sein. Die Regierungsführungen seit dem Sommer 1932 unterzog er, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht, einer scharfen Kritik. Die Vorgänge in der Wilhelmstraße seien Alarm für die Eiserne Front, für die Gewerkschaften und die republikanischen Verbände. Es gehe, behauptete er, um die Staatsbürgerrechte und die sozialen Errungenschaften, die das Volk mit allen Mitteln verteidigen werde. Im Kampf um Sein oder Nichtsein werde die Einheitsfront des Proletariats geboren. In einem Appell an die Kommunisten erinnerte der Redner daran, ihre Klassenpflicht zu erkennen. Zum Schluß meinte Künstler, es könne der Tag kommen, an dem Berlin für ganz Deutschland entscheide. Dieser Tag müsse die Arbeiterschaft einig finden Regierung Paul=Boncour gestürzt Aus Paris, 28. Januar, wird gemeldet: Die Regierung Paul-Boneour ist heute früh in der Kammer bei Beratung des Regierungsantrages, die diretten Steuern um 5 Prozent zu erhöhen, mit 390 gegen 193 Stimmen gestürzt worden. Dieses Abstimmungsergebnis wurde dadurch herbeigeführt, daß die Soziolisten sich weigerten, bei dem Regierungsantrag mit den Radikolen und Sozialrepublikanern zu gehen. Ueber den Regierungsantrag war im Finanzausschuß der Kammer nicht entschieden worden. Der Finanzausschuß hatte die Abtrennung, d. h. Zurückstellung des betreffenden Paragraphen, verlangt. Gegen diese Zurückstellung hatte Ministerpräsident Paul=Boncour in der Kammer die Vertrauensfrage gestellt. Die Sitzung der Kammer, in der das Kabinett gestürzt wurde, dauerte von Freitag früh 9 Uhr mit kurzen Unterbrechungen bis Sonnabend früh 6 Uhr. Die Sieger der Kammerwahlen vom Mai v. J. büßen für die Sünden der früheren rechtsgerichteten Regierungen. Die Steuergesetze, die vorgeschlagen werden mußten, haben in Frankreich einen Zustand geschaffen, der wohl noch selten beobachtet wurde: Die Beamten, die von einer Gehaltsherabsetzung bedroht waren, die Kriegsverletzten, die ihre Pensionsansprüche geschmälert sahen, der gesamte Kleinhandel hatten dem Kabinett Boncour den Krieg erklärt. Noch nie seit langem stand eine Regierung unter einem solchen Druck der Straße wie die Regierung Paul=Boncour. Dazu kam, daß Finanzminister Cheron sich die Abneigung der Mittelparteien und der Rechtsparteien dadurch zugezogen hat, daß er ihnen in dem Augenblick den Rücken kehrte, als Tardien ihn nicht zum zweiten Male in eines seiner Kabinette aufgenommen hatte. Dabei war Cheron die geeigneteste Persönlichkeit, die PaulBoncour als Finanzminister finden konnte. Nachdem Finanzminister Cheron am Donnerstag drei Milliarden neue Einkünfte preisgegeben hatte, konnte man der Ansicht sein, daß die Gefahr vorläufig beseitigt sei. Aber Paul=Boncour hatte in seiner Regierungserklärung der arbeitenden Bevölkerung und dem Kleinrentnertum Versprechungen über Erhöhung der direkten Steuern gegeben, die er halten mußte. So ist nun in einem außerordentlich heiklen Augenblick eine Ministerkrise entstanden— heikel, weil unbedingt bis zum 31. Januar um Mitternacht ein neues Budgetzwölftel bewilligt sein muß. Nach den Regeln des parlamentarischen Systems müßte der Präsident der Republik jemanden mit der Neubildung des Ministeriums betrauen, der aus der Mehrheit genommen ist, die das Kabinett Paul-Boncour stürzte. Diese Mehrheit setzt sich zusammen aus den Mittel- und Rechtsparteien und aus den Sozialisten. Es wird dem Präsidenten der Republik kaum anderes übrig bleiben, als wiederum einen linksstehenden Politiker zu berufen, der auf der gleichen Grundlage wie Paul-Boncour aufbauen kann. Vor allem wird Daladier als Kandidat genannt. Was Parteiführungen sagen Die RSDAP Der Völkische Beobachter befaßt sich in einem mir" R. gezeichneten Artikel mit der durch die Kabinettsdemission geschaffenen Lage. Darin wird die Forderung nach der Betrauung Adolf Hitlers mit der Kanzlerschaft erneuert.„Nun helfen keinerlei Zwischenlösungen mehr," so wird gesagt,„nun hilft nur die Führung des Mannes...., von dem zwölf Millionen erwarten, daß er die Führung übernimmt. Und dieses kämpfende Deutschland." so heißt es weiter,„erwartet auch vom Reichspräsidenten, daß er alles hinter sich läßt, was ihn bisher noch gehindert haben möge.— Damit ist unsere Stellung zu der Betrauung des Herrn von Papen zur vorläufigen Fühlungnahme bereits umrissen. Wir würden einen neuen Kanzler von Papen genau so ablehnen wie den alten. Und dann würde Herr von Hindenburg bald vor dem gleichen Entweder— Oder stehen wie früher. Die Nation kann das fortdauernde Herumversuchen nicht mehr ertragen. Sie fordert klare Entscheidungen, klare Fronten, eine auf das nationale Deutschland gestützte Regierung unter Führung des unstreitig stärksten Führers: Adolf Hitler. An dieser Voraussetzung hat sich nichts geändert, weil sie das Minimum darstellt, was die deutsche Freiheitsbewegung zu fordern berechtigt ist, falls sie eine Verantwortung übernehmen soll.“ Die DVP Die Pressestelle der deutschen Volkspartei teilt mit: Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei nayn.„ar politischen Lage Stellung. Es kam die große Erregung darüber lebhaft zum Ausdruck, daß durch politische Wühlereien eine neue Krise entstanden ist. Durch solche Methoden der fortgesetzten Beunruhigung unseres öffentlichen Lebens, die jede Staatsführung unmöglich machen, wird die Hoffnung auf wirtschaftlichen Wiederaufstieg, sozialen Frieden und staatlichen Aufbau in unserem Volke zerstört. Besonders ist zu verurteilen, daß eine Regierung zum Sturz gebracht worden ist, ohne daß irgendein klarer Weg für die weitere politische Entwicklung erkennbar ist. Die Fraktion der Deutschen Volkspartei lehnt die Verantwortung für die aus der neuen Regierungskrise sich ergebenden wirtschaftlichen und politischen Folgen nachdrücklichst ab. Die Reichsführung der Deutschen Staatspartei gibt eine Erklärung heraus, in der es u. a. heißt: Reichspräsident und Reichstag, die beide vom Volk gewählt sind, haben jetzt die unveräußerliche Verantwortung, eine Regierung der demokratischen Autorität zu schaffen und durchzusetzen. Es gibt kein Vertrauen fenseits der Verfassung. Wenn der Staat bei heilloser Verschärfung aller Gegensätze erst einmal zum Spielball der Revolution wird, dann geht die Freiheit der Nation rerloren. Das Zentrum will abwarten Die Zentrumsfraktion des Reichstages befaßte sich in einer allerdings nur spärlich besuchten Sitzung mit den neuesten politischen Ergebnissen. Beschlüsse wurden dabei nicht gefaßt. Die Hallung des Zentrums wird, das ging schon aus diesen vorläufigen Besprechungen hervor, zunächst durchaus abwartender Natur sein. Widerspruch gegen Staatsnolstand Wie das VOZ.=Büro meldet, hat der preußische Ministerpräsident Dr. Braun namens der preußischen Staatsregierung an den Reichskanzler zugleich in seiner Eigenschaft als Reichskommissar für Preußen ein Schreiben gerichtet, worin er u. a. ausführt, in einem Teil der Presse werde öffentlich zum Hochverrat aufgefordert, ohne daß, soweit ihm bekannt, die zuständigen Stellen gegen diese durch§ 85 des Strafgesetzbuches mit Zuchthaus bis zu 10 Jahren bedrohte Handlung einschritten. Der preußischen Staatsregierung sei durch die geltenden Ausnahmevorschriften die Möglichkeit genommen, die erforderlichen Maßnahmen zu treffen Sie weise daher die Reichsregierung und den Reichskommissar dringend auf diese Notwendigkeit hin. Nach§ 81 des Strafgesetzbuches werde wegen Hochverrates bestraft, wer es unternehme, die Verfassung des Reiches oder eines deutschen Landes gewaltsam zu ändern. Durch diese Vorschrift seien nach der Gerichtspraxis gegen gewaltsame Eingriffe geschützt die Rechte der gewählten Organe der Willensäußerung, insbesondere der Reichstag. In Artikel 23 der Reichsverfassung seien die Fristen genau festgelegt innerhalb deren der Reichstag im Falle einer Auflösung wieder zusammentritt. Nach der zuständigen Rechtssprechung des Reichsgerichtes könne der Reichspräsident auch auf Grund des Art. 48 über derartige Vorschriften der Reichsverfassung nicht hinweggehen. Die Berufung auf einen Staatsnotstand sei rechtlich nicht zulässig. Wenn öffentlich dazu aufgefordert werde, der Reichspräsident möge den Reichstag nach Hause schicken und vorläufig nicht wieder zusammentreten lassen, sei also das eine Aufforderung zum Hochverrat. Solche Aufforderungen müssen mit den zulässigen polizeilichen und strafrechtlichen Mitteln unterdrückt werden, wenn nicht neue Verwirrungen im Rechtsbewußtsein des Volkes die schwierigsten Folgen herbeiführen sallte. Englands Abrüstungsprogramm Deutschlands Stellung zu den neuen Vorschlägen Eine erste Prüfung des englischen Arbeitsprogramms für die Abrüstungskonferenz hinterläßt den Eindruck, daß es sich hier um ein typisches Vermittlungspanier jandelt, das sowohl den Simon=Plan wie den ranzösischen Plan, die Hoover=Vorschläge und die Resolution der Großmächte vom 11. Dezember vorigen Jahres über die Gleichberechtigungsrage berücksichtigt. Jede Delegation steht diesem Programm in völliger Freiheit gegenüber. Es ist anzunehmen, daß die Engländer zunächst in privaten Besprechungen versuchen werden, eine möglichst weitgehende Zustimmung zu ihrem Programm zu erreichen, ehe es im Büro der Abrüstungskonferenz zur Verhandlung kommt. Die Tatsache, daß die Engländer jetzt mit diesem Programm hervorgetreten sind, wird allgemein so gedeutet, daß sie unbedingt vermeiden wollen, daß der französische Plan die Richtung für die Einzelarbeit der Konferenz bestimmen soll. In dieser Richtung stimmt die deutsche Auffasung durchaus mit der englischen überein. Mit Genugtuung ist auch festzustellen, daß botene Kriegsmaterial von den anderen zerstört werden muß. Auch was über die qualitative Abrüstung sonst gesagt wird, geht nach deutscher Auffassung nicht weit genug. Auf dem Gebiete der quantitativen Abrüstung wird der englische Vorschlag zweifellos auf großen Widerstand Frankreichs stoßen, denn in Anlehnung an den Hoover=Plan wird fetzt vorgeschlagen, das Verteidigungselement in den Effektivstärken um ein Drittel herabzusetzen. Deutscherseits wird zu diesem Punkt gefordert werden müssen, daß das Prinzip der Relativität Anwendung finde, und daß die deutschen Heeresstärken in entscheidender Weise danach bemessen werden, wie die Nachbarstaaten Deutschlands abrüsten. Bemerkenswert ist, daß die französischen Internationalisierungspläne auf dem Gebiete der Luftfahrt keine Berücksichtigung gefunden haben und daß nach englischer Auffassung statt der Internationalisierung der Zivilluftfahrt nunmehr eine der Grundsatz der Gleichberechtigung gemäß der Großmächte=Resolution vom 11. Dezember in dem englischen Vorschlag enthalten ist. Die verklauselierte Formulierung über praktische Verwirklichung der qualitativen Gleichberechtigung evtl. auf dem Wege über genau festzulegende Etappen widerspricht unserer stets mit Nachdruck vertretenen Auffassung, daß das Deutschland ver„Kontrolle" der Zivilluftfahrt ins Auge gefaßt werden soll. Zusammenfassend ist festzustellen, daß der englische Plan in wichtigen Einzelheiten deutscherseits nicht gebilligt werden kann, in seiner Grundtendena, die auf beschleunigte Konferenzarbeit hinausläuft, wird der Plan dentscherseits begrüßt. Telegramme an den Reichspräsidenten Gemeinsame Kundgebung der Gewerkschaften Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund der Allgemeine Freie Angestelltenbund, der Gesamtverband der Christlichen Gewerkschaften, der Gewerkschaftsring deutscher Arbeiter=, Angestellten- und Beamtenverbände und der Allgemeine Deutsche B.amtenbund haben an den Reichspräsidenten gemeinsam folgendes Telegramm gerichtet: „Hochverehrter Herr Reichspräsident! In tieer Sorge über die unser Volk beunruhigenden und bedrohenden politischen Gefahren sind die Gewerkschaften aller Richtungen zur Beratung der überaus ernsten Lage zusammengetreten. Sie halten sich in dieser entscheidenden Stunde für verpflichtet, darauf hinzuweisen, daß die Beruung einer sozialreaktionären und arbeiterfeindlichen Regierung von der gesamten deutschen Arbeiterschaft als eine Herausforderung empsunden werden würde. Die Gewerkschaften erwarten, daß Sie, Herr Reichspräsident, allen unterirdischen Bestrebungen, die auf einen Staatsstreich hinzielen, Ihren entschiedenen Widerstand entgegensetzen und auf einer verfassungsmäßigen Lösung der Krise bestehen." Die gewerkschaftlichen Spitzenverbände haben gleichzeitig um einen Empfang beim Reichspräsidenten nachgesucht. Die geistlichen Führer der katholischen Arbeiterbewegung sandten, wie die K. V. meldet, an den Reichspräsidenten folgendes Telegramm:„Die unterzeichneten geistlichen Führer der katholischen Arbeiterbewegung Westdeutschlands sehen mit großer Besorgnis wachsende Beunruhigung in der Arbeiterschaft angesichts der Forderung bestimmter Kreise, einen Staatsnotstand zu konstruieren und wichtige Teile der Verfassung außer Kraft setzen zu lassen. Die Unterzeichneten haben das Vertrauen, daß Ew. Exzellenz sich auch jetzt wiederum als unentwegter Hüter der verfassungsmäßigen Rechtsgrundlage unseres Staatswesens erweisen und unverantwortliche Anschläge verhindern werden. Msgr. Dr. Müller=Köln, Generalsekretär Gickler=Köln, Dr. Konermann=Münster, Domvikar Marx=Paderborn“ Die christlichen Gewerkschaften Westdeutschlands sandten ein Telegramm an den Reichspräsidenten, das folgenden Wortlaut hat: „Politische Krisengerüchte beunruhigen Arbeiterschaft der westdeutschen Industrie. Wir vertrauen darauf, daß der Herr Reichspräsident diesem Wirrwarr machtvoll ein Ende bereitet. Angebahnte Beruhigung des Volkes darf durch Herrschaftsansprüche arbeiterfeindlicher Kräfe nicht aufs neue gefährdet werden Folge wäre Radikalisierung auch der besonnenen Arbeiterschaft. Deutschland kann nur an einer Zusammenfassung des ganzen Volkes gesunden. Der 13. Kanzler und das 22. Reichskabinekt General von Schleicher hat nur 56 Tage seine Kanzlerschaft innegehabt, und seit der Reichsgründung hat eine noch kürzere Regierungsdauer. und zwar mit 36 Tagen, Prinz Max von Baden als Kanzler aufzuweisen. Stresemanns Kanzlerschaft dauerte zweieinhalb Monate. Seit der Regierung Scheidemann entfällt auf jedes Jahr fast ein neuer Kanzler und die Zahl der Regierungen ist noch weit größer, denn bekanntlich haben z. B. Stresemann, Hermann Müller und Brüning mehrere Kabinette überdauert. Das Kabinett von Schleicher war das 21. Reichskabinett, und der 13. Kanzler der Nachkriegszeit ist bis jetzt noch nicht bekannt. Bezüglich der Regierungsdauer der Nachkriegskanzler kann festgestellt werden, daß von Papen knapp ein hales Jahr regiert hat, während z. B. Marx und Brüning— beide haben mehrere Regierungen geführt— eine Kanzlerzeit von über zwei Jahren aufzuweisen haben. Somit hatten diese beiden Kanzler die längste Regierungszeit. Zufälligerweise trifft es sich, daß auch in Franrreich am selben Tage der Ministerpräsident PaulBoncour wie General von Schleicher zurückgetreten ist, und auch er hat eine so kurze Regierungsdauer wie Schleicher erlebt. Der Verbrauch an politischen Persönlichkeiten an der Regierungsspitze in Frankreich ist bestimmt nicht geringer als in Deutschland. England macht eine Ausnahme, denn seine Staatsmänner wechseln nicht so oft. Dabei ware bezüglich Frankreichs zu berücksichtigen, daß in diesem Lande die Auswahl der Kanzlerkandidaten weit größer ist als in Deutschland, denn es ist bekannt, daß gerade in Frankreich jeder Rechtsanwalt für den Kanzlerposten in Frage kommen kann. In Deutschland dagegen stellen die Parteien im allgemeinen nur eine Persönlichkeit heraus, die die nötige Autorität für die Führung der Reichsregierung in sich trägt. Die Demonstrationsauffahrt der Wiener Autotaxis Die Demonstrationsauffahrt der Autotaxis wegen der Benzinsteuer in Wien, die Freitag nachmittag begann, ist um 20 Uhr zu Ende gegangen. Bis dahin waren die wichtigsten Verkehrsviertel der inneren Stadt völlig blockiert. Die Regierung hatte, um Kundgebungen vor dem Parlament und dem Rathaus zu verhindern, die Straßenzüge dieses Teiles der Stadt durch Lastautos des Bundesheeres abgesperrt. In den Abendstunden wurden dann mit Unterstützung des Heeres die Plätze der inneren Stadt für den normalen Verkehr wieder frei gemacht. In den späten Abendstunden wurden die Militärkraftwagen zurückgezogen und auch die in die öffentlichen Gebäude gelegten Militärwachen kehrten in ihre Kasernen zurück. Die Stadt hat wieder ihr normales Aussehen. Während der Auffahrt selbst mußten insgesamt 35 Personen festgenommen werden. Lärm im österreichischen Nationalrat Im österreichischen Nationalrat kam es zu einer heftigen Lärmszene. Die sozialdemokratische Fraktion hatte in einer dringenden Anfrage Auskunft über den augenblicklichen Stand der Creditanstaltsverhandlungen verlangt. Ihr Redner, der Abgeordnete Dr. Koreff, griff insbesondere den Unterrichtsminister Rintelen, der die Verhandlungen in London geführt hatte, aufs heftigste an, das Uebereinkommen nannte er„Preisgabe österreichischer Interessen bis zur Würdelosigkeit und einen Ausverkauf des ganzen österreichischen Volkes und Staates an das Ausland.“ Finanzminister Dr. Weidenhofer erklärte, das am 11. Januar paraphierte Abkommen müsse erst die Zustimmung der ausländischen Gläubiger finden, worauf es von der Regierung sofort dem Hauptausschuß des Nationalrates vorgelegt wird. Dies dürfte seiner Meinung nach erst in der nächsten Zeit geschehen. Der Mnisterrat werde erst nach Zustimmung des Hauptausschusses über die Ratifizierung beschließen. Eine fortlaufende Veröffentlichung über noch schwebende Verhandlungen lehnte er ab. Dr. Bauer beantragte naFrlands Als in den frühen Morgenstunden des 3. Jan. die überraschende Nachricht von der Auflösung des Dail Eireann bekannt wurde, waren sich Freund und Feind darüber einig, daß die Neuwahlen eine grundsätzliche schicksalhafte Bedeutung für Irland haben würden. Die englische Presse sprach von einem letzten verzweifelten Manöver, bei dem de Valera alles aufs Spiel setzte. Jede Stimme für Fianna Fail, so schrieben z. B. die sehr gemäßigten„Times", bedeute eine Stimme für eine unabhängige Republ'k, die zu einem dauernden Wirtschaftskrieg mit England und einem kümmerlichen Dasein als kartoffelbauendes Land verurteilt sein werde. Demgegenüber genoß Cosgrave, obwohl auch er einer der führenden Teilnehmer des Aufstandes von 1916 war, mit seiner Partei, die für den Ausgleich mit England und das Verbleiben im Reichsverband eintritt, die volle Sympathie und Unterstützung aller maßgebenden Kreise Englands. Aber die nunmehr von England verhaltene industrielle und landwirtschaftliche Entwicklung des Jahrhundertelang vernachlässigten und benachteiligten Landes hat auf die Volksstimmung keinen Eindruck gemacht und hat die politischen Ideen nicht hinter materielle Erwägungen zurücktreten lassen. Die bisherigen Wahlergebnisse lassen einen Stimmenzuwachs de Valeras erkennen, der unter einem anderen als dem Proportionalsystem einen ausgesprochenen„Erdrutsch“ bedeuten würde. Es ist so gut wie sicher, daß der Hauptzweck der vorzeitigen Parlamentsauflösung, die Erringung der absoluten Mehrheit, an der de Valera bisher sieben Stimmen fehlten, erreicht ist. Diese neue starke Vertrauenskundgebung des irischen Volkes für seinen seit 20 Jahren in der vordersten Front des wechselvollen Unabhängigkeitskampfes stehenden Führer wird diesem die Möglichkeit zur gradlinigen kompromißlosen Fortsetzung seiner bisherigen Politik geben, die im letzten Jahre durch die Abschaffung des Treueides, die Aufhebung der Landannuitäten, die Verdrängung des englischen Generalgouverneurs und die Durchführung des Zollkrieges mit England gekennzeichnet wurde. Die nächste Etappe dürfte die Abschaffung des durch seine Obstruktion unbeliebt gewordenen Senates und eine Wahlreform sein. de Valeras im Wahlkampf verkündetes letztes Ziel ist die„völlige politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit für ein einiges Irland". Darin liegt das Verlangen nach weiterer Revision des englisch-irischen Abkommens von 1921 in konstitutioneller und in territorialer Hinsicht: Aufhebung des Dominioncharakters des irischen Freistaates und Einbeziehung Nordirlands in die zu schaffende unabhängige Republik. Da besonders gegen die letzte Forderung bei dem völlig anglisierten und überwiegend protestantischen Nordirländer die alten Widerstände zu erwarten sind, stehen der Grünen Insel neue Schwierigkeiten und Konflikte bevor, ehe das Ideal der Sinn Feiner verwirklicht sein wird: Nicht Irland gegen England, aber Irland ohne England. Das endgültige Ergebnis der Wahlen zum irischen Landtage liegt nunmehr vor. Es haben erhalten: die Partei de Valera 77 Mandate, die Partei Cosgrave 48, die Unabhängigen 8, die Mittelpartei 11, die Arbeiterpartei 8 und die Unabhängige Arbeiterpartei 1 Mandat. mens der Sozialdemokratie die sofortige Veröffentlichung des Uebereinkommens. Minister Dr. Rintelen führte aus, die Sozialdemokraten hätten sich im Jahre 1931 an die Regierung herangedrängt mit dem Verlangen, sie möge die Creditanstalt retten. Sie hätten damals die Mitverantwortung für die Handlungen der Regierung tragen wollen. Diese Worte gaben den Anstoß zu stürmischen Lärmszenen. Dr. Bauer erwiderte mit Enthüllungen aus der Zeit der Creditanstaltskrise. Er stellte nachdrücklichst fest, daß der damalige Finanzminister Dr. Juch die Haftung für die alten Schulden der Creditanstalt auf eigene Verantwortung gegen das Gesetz und gegen die Warnungen der Sozialdemokratie übernommen habe. Den Christlich=Sozialen, so sagte er, werde es nicht gelingen, die Aufmerksamkeit von den jetzt neuerdings Geplanten durch dergleichen„Verleumdungen" abzulenken. Man müsse sich hüten, mit den Christlich=Sozialen eine Verantwortung zu übernehmen, solange in ihren Reihen„ein Mann von den moralischen Qualitäten Dr. Rintelens" sei. Die heftigen Angriffe des Redners wurden von den Christlich=Sozialen mit stürmischen Pfui=Rufen beantwortet. Niedeiger Kheinwasserstand wie seit Jahren nicht Ständige Besucher der Rheinwerft in Koblenz haben festgestellt, daß die Koblenzer Pegeluhr schon seit Tagen nicht mehr mit dem wirklichen Rheinwasserstand übereinstimmen konnte. Jedesmal, wenn sie einen Blick auf die Uhr warfen, leuchtete ihnen eine Höhe von 1,04 Meter entgegen. Inzwischen hat man festgestellt, daß die Pegeluhr tatsächlich eingefroren ist, was auf die Grundeisbildung zurückzuführen ist. Um einen Ersatz zu schaffen, haben mehrere Leute einen Lattenpegel so weit durch eine tiefe Rinne mit dem freien Wasser verbunden, daß eine ziemlich genaue Wasserhöhe ermittelt werden kann. Zum allgemeinen Erstaunen mußte man feststellen, daß der tatsächliche Stand nur 60 Zentimeter beträgt, eine Tiefe, wie sie seit einer Reihe von Jahren nicht mehr zu verzeichnen war. Eraf Apponyl über die„Krisis des Völkerbundes“ Der 86jährige Graf Albert Apponyi der sich auf der Durchreise nach Genf in der österreichischen Hauptstadt aufhält, hielt auf Einladung der österreichischen Völkerbundsliga und der Außenpolitischen Gesellschaft einen Vortrag über die„Krisis des Völkerbundes". Mitglieder der Regierung, des diplomatischen Korps und zahlreiche politisch interessierte Persönlichkeiten wohnten dem Vortrage bei. Der Vertreter Ungarns beim Völkerbund und in der Entwaffnungskonferenz stellte einleitend fest, es sei in das allgemeine Bewußtsein übergegangen, daß der Völkerbund eine schwere Krisis durchmache. In drei großen Fragen trete die Unzulänglichkeit des Völkerbundes zutage, nämlich im ostasiatischen Konflikt, der weltwirtschaftlichen Notlage und dem Problem der Abrüstung. Der ostasiatische Konflikt lasse allerdings keine unbedingte Schlußfolgerung gegen den Wert des Völkerbundes zu, weil im Fernen Osten sozusagen kosmische Kräfte aneinanderstießen. Das gleiche gelte von der Rolle des Völkerbundes in der wirtschaftlichen Weltnot. Ganz anderer Natur sei allerdings das Verhältnis des Völkerbundes zur Abrüstungsfrage. In diesem Problem sei Erfolg oder Mißerfolg für ihn eine Angelegenheit des Seins oder Nichtseins. Es gereiche immerhin zur Befriedigung, feststellen zu können, daß sich die Chancen des Gelingens durch den Beschluß der fünf Großmächte, der die Grundthese der juristischen Gleichheit aller Staaten anerkenne, wesentlich gebessert hätten. Freilich müsse man der Tatsache ins Auge schauen, daß der Völkerbund in seiner heutigen Wirklichkeit vorzugsweise noch ein machtpolitisches Instrument der Mächtigsten unter den Mächtigen sei. Man dürfe hoffen, daß der patriotische Gedanke als solcher eine Wandlung durchmache, die ihm durch die Tatsachen der Weltentwicklung vorgeschrieben sei. Heute könne sich keine Nation mehr bereichern, indem sie eine andere zu Grunde richte. Die wirtschaftliche Weltkrise habe dies für alle klar gemacht. An Stelle des imperialistischen Patriotismus werde daher allmählich ein vernunftgemäßer Patriotismus treten, der die Völ ker dahin bringen werde, die Grundlage ihres Fortschritts in einer Politik zu suchen, die die Bedingungen friedlichen Zusammenlebens mit anderen Nationen sicherstelle. Von einer der artigen Entwicklung des patriotischen Gedankens hänge die Zukunft des Völkerbundes ab. Das periodische Zusammentreffen der Vertreter aller Nationen und die Mitwirkung der Oeffentlichkeit seien wichtige Faktoren einer solchen Entwick lung. Z. B. sei das Wort Revision, das man vor wenigen Jahren noch nicht habe aussprechen dürfen, heute auf aller Lippen. Diese Tatsache bilde einen entschiedenen Erfolg des Völkerbundes. Gerade für die schwachen Völker wäre es gänzlich verfehlt, aus dem Unbehagen am Völkerbunde Feindseligkeit gegen die Völkerbundidee zu schöpfen. Der Permanente Internationale Gerichtshof im Haag und jene— allerdings nicht allgemein angenommene— Generalakte, die die Erledigung nichtjuristischer Streitfragen auf dem Wege der Vermittlung festgelegt habe, seien im Rahmen des Völkerbundes entstanden. Die allgemeine Annahme des Kellogpaktes sei nur dem Völkerbunde zu danken. Niemand könne behaupten, daß alle diese Tatsachen nicht schon der Sache des Friedens große Dienste geleistet hätten. Gelinge es nun, eine gerechte Lösung der Abrüstungsfrage zu finden, dann könn man wohl feststellen, daß das Aktivum des Völkerbundes sein Passivum übersteige. Keinesfalls dürfe man auf Grund einzelner Eindrücke an der Zukunft des Völkerbundes verzweifeln. Er persönlich, so schloß der Redner, glaube an den Völkerbund, nicht wie er im Augenblick sei, sondern wie er in Zukunft sein werde. Letzte Drahtnachrichten Ein Kabinett Hitler im Vordergrunde der Erörterungen Am späten Abend des Sonntags stellte sich die innerpolitische Lage etwa folgendermaßen dar: Die Verhandlungen von Papens mit den Deutschnationalen und den Nationalsozialisten und die Verhandlungen zwischen diesen beiden Gruppen sind den Nachmittag über weitergegangen. Sie sind aber noch nicht zum Abschluß gekommen, und man glaubt, daß sich eine Klärung erst im Laufe des Montagvormittags ergeben werde. Von Papen hat deshalb dem Reichspräsidenten in seinem Zwischenbericht am Sonntagnachmittag auch nur ein Bild dessen entwickeln können, was er mit den Gruppen der Harzburger Front bisher besprochen hat, ohne dabei schon mitteilen zu können, wie sich Hitler zu den Vorschlägen stellt. In den beteiligten Kreisen glaubt man, daß von Papen am Montagvormittag erneut zum Reichspräsidenten gehen werde, wenn konkrete Unterlagen über die Weiterführung seiner M.sion vorliegen. Weiter wird in beteiligten Kreisen entschieden bestritten, daß bei dem gegenwärtigen Stand der Verhandlungen mit einer negativen Antwort der Nationalsozialisten zu rechnen sei, wie man auf manchen Seiten Sonntag abend erwartete. Es wird hinzugefügt, daß die Verhandlungen natürlich so delikat seien, daß sich nähere Mitteilungen im Augenblick von selbst verbieten. Auf allen Seiten bestehe aber der Wunsch, zu einer möglichst schnellen Klärung zu gelangen, und deshalb könne man für den Montag, spätestens für Dienstag mit der Entscheidung rechnen. Angesichts dieser Lage hat es auch keinen Sinn, sich mit den Kabinettslisten zu beschäftigen, die in politischen Kreisen bereits kolportiert werden. Man kann sich damit begnügen, zu registrieren, daß bei all diesen Erörterungen immer noch ein Kabinett Hitler im Vordergrund steht. Uebrigens haben zwischen dem Zentrum und den Nationalsozialisten am Sonntag keine Verhandlungen mehr stattgefunden, so daß augenblicklich die Verhandlungen, die mit der Mission von Papens zusammenhängen, weiter im Vordergrunde des Interesses stehen. * Der frühere Reichstagspräsident Löbe sprach in Köln bei einer Kundgebung der Eiser nen Front. Zur Regierungskrise meinte der Redner, ob die neue Regierung Papen oder Hitler heiße, bleibe sich gleich. Beide würden eine autoritäre, eine diktatorische Regierung herbeiführen wollen. Löbe polemisierte dann gegen die beiden letzten Kabinette und erklärte, daß es zu diesen Regierungen habe kommen können, daran sei das Abgleiten der bürgerlichen Kreise nach rechts und links schuld. Diese Erscheinung sei aber nur durch die Arbeitslosigkeit hervorgerufen. Den Schluß der Rede bildeten scharfe Angriffe gegen den Kapitalismus. Die Gesamtheit des deutschen Volkes müsse die Oberhoheit über die Produktionsmittel übernehmen. Die Oberschicht werde immer dünner und suche sich im Nationalsozialismus eine Schutztruppe. Was man uns nicht freiwillig zugestehe, fuhr Löbe fort, das werden wir uns eines Tages zu ertrotzen wissen. herangezogen werden darf, nicht aber, wie bisher, auch Devisen. Aufdeckung einer Spionageorganisatton in Rumänien In der Nacht zum Samstag ist, wie die Agentur Orient Radio aus Bukarest meldet, eine weitverzweigte Spionageorganisation aufgedeckt worden. Die Polizei nahm eine Durchsuchung des Hauptpostamtes vor, die zur Verhaftung von etwa 20 unteren Angestellten führte. Sie werden beschuldigt, amtliche Schriftstücke entwendet und in Abschrift dem Auslande übermittelt zu haben. Auch in der Provinz wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Die Spione sollen zugunsten kor arvoi kommunistischer Organisationen itet haben. geDer Eisgang auf dem Rhein Nach Mitteilung der Rheinstrombauverwaltung am 29. Januar reicht die Eisdecke jetzt von der Eisversetzung be: der Lorelei bis oberhalb Lorch. Durch die Zusammenschiebungen ist der Rhein vor Caub auf etwa 600 Meter in voller Strombreite eisfrei. Die vom Wasserbauamt Koblenz geleiteten Eisbrecherarbeiten der beiden fiskalischen Motorfahrzeuge sind in voller Fahrwasserbreite gut vorangegangen. Die Eisbrecherboote sind dem eingeschlossenen Güterdampfer um weitere 75 Meter nähergekommen und jetzt noch etwa 90 Meter von ihm entfernt. Das Eistreiben auf dem Oberrhein und unterhalb der Eisversetzung hat nachgelassen. Auf den Nebenflüssen sind die Eisverhältnisse im wesentlichen unverändert. Drei Kaubmörder zum Tode verurkeilt In Magdeburg wurden die Arbeiter Träger, Meißner und Bartels vom Schwurgericht wegen Raubmordes zum Tode und zu dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Träger erhielt außerdem wegen Raubes und Körperverletzung eine Zucht hausstrafe von 12 Jahren. Die Angeklagten hatten im November vorigen Jahres die Stadt Genthin durch ihre Taten in große Aufregung versetzt. Sie hatten es auf alte alleinstehende Frauen abgesehen. In einem Fall wurde die 70 Jahre alte Witwe Mäser auf bestialische Weise durch Erwürgen ermordet und beraubt. In einem anderen Falle wurde die 81jährige Frau Han überfallen, gewürgt und ihrer geringen Barschaft beraubt. Die Oldenburger Postgeldräuber verhaftel Der Raubüberfall auf den Oldenburger Bahnhof am letzten Dienstag, bei dem den Tätern zwei Geldkassetten mit 8 200 RM. Postgeldern in die Hände gefallen waren, hat seine Aufklärung gefunden. Die Kriminalpolizei verhaftete als Täter den 49jährigen ehemaligen Bäcker Dembke und den 29jährigen ehemaligen Postaushelfer Wandscher. In der Wohnung Dembkes wurden noch 4 500 RM. gefunden; bei Wandscher, der von der Postverwaltung im November v. J. wegen Unzuverlässigkeit entlassen wurde, fand man kein Geld, sieht aber in ihn trotz seines Leugnens den Anstifter des Ueberfalls. Auch die Ehefrauen der beiden Verhafteten wurden festgenommen. den Parkeien Keine Fühlungnahme zwischen Hitler und Straßer Die Reichspressestelle der NSDAP erklärt zu einer Meldung, wonach Adolf Hitler Gregor Straßer vergeblich um eine Aussprache ersucht haben soll, daß diese Meldung in allen Einzel heiten unzutreffend sei. Kurzer Erholungsurlaub des Führers der SPO Der Führer der Sozialdemokratischen Partei, Otto Wels, hat auf ärztliche Anordnung dieser Tage einen Erholungsurlaub angetreten. Er wird jedoch bald zurückkehren, um die Leitung der Partei wieder zu übernehmen. Die blutigen Vorgänge in Dresden Zu den blutigen Vorgängen im Keglerheim in Dresden am 25. Januar wird ergänzend ge meldet, daß auf Antrag der Staatsanwaltschaft am 27. und 28. d. M durch das Amtsgericht Dresden eine Leichenöffnung der Opfer vorge nommen worden ist. Diese hat folgendes er geben: Von den neun Toten sind drei durch Schüsse getötet worden, und zwar einer durch Brustschuß, einer durch Kopfschuß und einer durch einen Steckschuß in die Nierengegend. Von den übrigen sechs Toten sind drei erstickt, einer an Herzschlag und zwei an Schädelbruch gestorben. Schußverletzungen weisen diese Opfer nicht auf. Von den Verletzten haben vier Schußverletzungen und sechs Quetschungen erlitten. Lebensgefahr besteht in keinem Falle. Zwei Personen sind bereits aus dem Krankenhaus entlassen worden. Bewegung zur Sammlung der bürgerlichen Mitte In einer Versammlung in Leipzig, die von der „Deutschen Bürgerlichen Mitte in Mitteldeutschland" in Verbindung mit dem„Deutschen Nationalverein Berlin“ einberufen war, wurde nach Referaten des Vorsitzenden der bürgerlichen Mitte, Bohnagen=Leipzig, und des Vorsitzenden des Deutschen Nationalvereins, WildermuthBerlin, beschlossen, die beiden Gruppen zu verschmelzen und die von der bürgerlichen Mitte begonnene Arbeit unter dem Namen des Deutschen Nationalvereins fortzusetzen. Es wurde eine Entschließung angenommen, die u. a. besagt: Die gemeinsame Bewegung wird sich vor allem darauf richten, dem Bürgertum durch Ueberbrückung der heutigen Zersplitterung von neuem Einfluß zu verschaffen, und zwar nicht durch Gründung einer neuen Partei neben den alten, sondern durch Schaffung einer zusammenfassenden Bewegung. breitesten Schichten unseres Volkes durchzieht, und das, da es keine andere Befriedigung finden kann, sich auf diesem Wege Bahn bricht. Es ist das Streben unseres Volkes, heraus aus den Steinmauern der Großstädte zurück zur Natur! Deutschland habe, so führte der Minister weiter aus, etwa 1,1 Millionen Kleingärten. Diese Be wegung werde vom Reich mit neuen Mitteln un terstützt. Zur Bedeutung der Geflügelzucht wies er darauf hin, daß allein der Wert der Eierpro duktion sich normalerweise in Deutschland auf etwa 300 Millionen Mark belaufe und daß wir jährlich noch immer eine Einfuhr von 230 M'II RM. zu verzeichnen hätten. Diese Eier könnten in Deutschland erzeugt werden. Die Grüne Sport- und Tierzucht-Woche in Berlin Die„Grüne Sport= und Tierzuchtwoche Berlin 1933“ wurde Samstag vormittag eröffnet. Oberbürgermeister Dr. Sahm sagte in seiner Begrüßungsansprache, daß die Grüne Sport= und Tierzuchtwoche die traditionelle Fortsetzung der „Grünen Woche“ sei. Die diesjährige Ausstellung unterscheide sich von ihren Vorgängerinnen dadurch, daß die speziellen land- und forstwirtschaftlichen Darstellungen fortgelassen worden seien. Dafür seien aber die großen Tierschauen um so stärker ausgebaut und das Internationale Reit= und Fahrturnier weise eine Besetzung wie nie zuvor auf. Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Freiherr von Braun sagte in der Eröffnungsansprache: Schon ein kurzer Ueberblick über die Ausstellung zeige, daß in diesem Jahre vor allen Dingen der Kleingärtner, Kleinsiedler und der tierliebende Städter Interesse an der Ausstellung finden werde. Es sei kein Zufall, daß diese Gebiete der„Grünen Sport= und Tierzuchtwoche" so viel Beachtung in der Bevölkerung känden Ich sehe hierin den Ausdruck eines tiefen Sehnens, sagte der Reichsminister, das die Kleine volit. Nachrichter Die Werwolf=Hilfe e. V. beschließt Gründung einer Kampfgewerkschaft Die siebente Generalversammlung der Werwolf=Hilfe e. V., Sitz Halle, beschloß die Gründung einer eigenen deutschen Kampfgewerkschaft. Der Antrag wurde u. a. damit begründet, daß die Gewerkschaften in ihrer reformistischen Haltung und ihrer Abhängigkeit von der SPD nicht mehr die Führung der deutschen Arbeiterschaft im Kampfe um die Freiheit übernehmen könnten. Man müsse daher eine eigene Arbeitergewerkschaft bilden, die den nationalen Lebenswillen des deutschen Volkes bejahe und die Neu gründung der deutschen Wirtschaft verfolge. Die Stadt Brätz wird ehrenamtlich verwaltet Die Brätzer Stadtverordneten haben mit 7:5 Stimmen beschlossen, von dem durch die preu zische Notverordnung gegebenen Recht, wonach Städte unter 3000 Einwohnern durch ehrenamtliche Bürgermeister verwaltet werden können Gebrauch zu machen. Mit dem gleichen Stim menverhältnis wurde ein Ortsstatut angenom men, wonach ab 1. Mai d. J. die ehrenamtliche Verwaltung in der Stadt Brätz eingeführt wird. Der Magistrat wurde gleichzeitig beauftragt, die Stelle des ehrenamtlichen Bürgermeisters aus zuschreiben. Mehr als 300 000 ausländische Arbeiter aus Frankreich heimgeschict In einer Sitzung, die der französische natio nale Arbeitsausschuß im Arbeitsministerium abhielt, wurde bekanntgegeben, daß im Laufe des Jahres 1932 mehr als 300 000 ausländische Arbeiter in ihre Heimat zurückgeschickt worden sind Banknotendeckung in Volen nur noch durch Gold Die am 9. Februar zusammentretende Gene ralversammlung der Bank von Polen wird über eine Statutenänderung zu beschließen haben der zufolge nur noch Gold zur Banknotendeckung Beilegung des Streikfalles bei Fordwerken? Reuter meldet aus Detroit: Wie es heißt, soll die Beilegung der Streitigkeiten zwischen der Briggs u. Co., die Karosserien für die FordWerke herstellt, und ihren Arbeitern unmittelbar bevorstehen. Eine von der Werksleitung am Freitagnachmittag ausgegebene Erklärung besagt, daß die Vorschrift, die die Arbeiter zur Niederlegung der Arbeit veranlaßt habe, zurückgezogen worden sei. * Wie Newyork Times aus Detroit melden, erklärte ein Sekretär Henry Fords, daß die in dem Interview Henry Fords im Evening Standard enthaltenen Aeußerungen, wonach gewisse Bankiers für den Streik in Detroit verantwortlich seien, nicht getan worden seien. Das Ende des Streiks wird erwartet, doch wurden noch weitere Fordwerke im Östen und in Kanada auf unbetimmte Zeit geschlossen. In Newyorker Bankkreisen legt man dem erwähnten Londoner Interview wenig Bedeutung bei. Kuriosikäken Einen ungewohnt freundlichen Empfang fanden Kriminalbeamte bei einer Familie Osten Berlins. Als sie an die Tür klopften, wurde ihnen sofort geöffnet, und mit den Worten:„Kommen Sie nur rein, Meister", geleitete man sie sogar in die gute Stube, wo die Familienmitglieder, sowie der von ihnen gesuchte Untermieter in Decken gehüllt einträchtig um den Tisch beisammen saßen. Die eigentümliche Szene fand schnell ihre Aufklärung. In der Stube war nämlich der Ofen geplatzt, und man hatte den Töpfermeister bestellt. Als die Familie die Schritte auf der Treppe hörte, hielt man die beiden Beamten für den bei der bitteren Kälte sehnsüchtig erwarteten Meister und seinen Gesellen. Bevor der Einbrecher, der sonst bei jedem verdächtigen Geräusch durch einen Hinterausgang zu verschwinden pflegte, den verhängnisvollen Irrtum erkannte, war es allerdings zur Flucht zu spät, und mit Handschellen verließ er die in doppeltem Sinne ungastliche Stätte. Auch ein Gesundheitsbarometer In Catania ist dieser Tage ein verdienstvoller Bürger der Stadt im Patriarchenalter von 88 Jahren sanft ins Jenseits hinübergeschlummert. Von seinem letzten Lebenstage erzählt man sich folgende amüsante Anekdote: Als sich plötzlich ein bedenklicher Kräfteverfall bei ihm zeigte, zogen die Angehörigen sofort einen Arzt zu Rate der nach eingehender Untersuchung erklärte, der zähe Organismus des Patienten schließe eine nahe Katastrophe völlig aus. Der Kranke jedoch, weit entfernt sich über diese günstige Diagnose zu freuen, protestierte lebhaft.„Herr Doktor, wie können Sie so etwas sagen! Ja, früher da habe ich jährlich rund meine 700 bis 800 Liter Wein hinter die Binde gegossen, während meine Angehörigen sämtlich Abstinenzler sind. Aber letztes Jahr habe ich es nur noch auf 200 Liter gebracht. Seitdem weiß ich, daß es mit mir aus ist." Wenige Stunden später hatte sich seine Prophezeiung bewahrheitet. Er will sich von seiner verstorbenen Frau scheiden lassen Die Gerichte in Szegedin werden sich demnächst mit einem Prozeß zu befassen haben, der wohl in der Rechtsprechung einzig dastehen dürfte. Ein 72jähriger Grundbesitzer hat ein Gesuch eingereicht, daß die Ehe mit seiner vor kurzem verstorbenen Frau nachträglich für ungültig erklärt werde. Als Grund dieser eigentümlichen Bitte gibt er an, daß sich im Nachlaß seiner Frau, mit der er 40 Jahre in glücklichster Gemeinschaft gelebt hatte, Briefe gefunden hätten, die hinreichend Grund gewesen wären, seine Ehe schon vor dreißig Jahren zu scheiden, wenn er früher von dem Inhalt der Truhe, in der sie fein gebündelt aufbewahrt worden waren, Kenntnis gehabt hätte. Aus Westdeufschland Vom Mittel- und Oberrhein Eine ganze Familie gasvergiftet Bereits zwei Tote In einem Hause im Kölner Stadtteil Deutz fand man eine 29 Jahre alte Frau, deren 6 Jahre alte Tochter und einen 35 Jahre alten Mann in der Wohnung der Frau gasvergiftet auf. Im Krankenhause wurde festgestellt, daß der Mann bereits tot war. Inzwischen ist auch das Kind gestorben. Ob Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt, ist noch nicht geklärt. Köln. Der Postraub am Mauspfad. Zur Aufklärung des am 20. Januar auf dem Mauspfad in Köln=Rath verübten Postraubes, wo mehrere uniformierte Räuber ein Postauto anhielten und Geld und Freimarken raubten, wird als wichtiger Zeuge der Kraftfahrer gesucht, der zur Zeit der Tat mit einer Viersitzer=Fordlimousine den Tatort passiert hat. Der betreffende Kraftfahrer, etwa 35 Jahre alt, wurde von dem Führer des Postkraftwagens angehalten mit den Worten:„Halten Sie einen Augenblick, ich bin verhaftet worden und weiß nicht, was los ist!“ Der eine der uniformierten Räuber hat darauf den Führer des Privatwagens unter Bedrohung mit einer Pistole zum Weiterfahren gezwungen, worauf in aller Ruhe der Postwagen beraubt wurde. Die Kriminalpolizet bittet jetzt den Privatkraftfahrer, sich bei ihr zu melden. Köln. Schmeling„en miniature". Ein Lehrling eines industriellen Werkes hatte Boxunterricht genommen und schien auf seiner Arbeitsstätte das Bedürfnis zu haben, einmal zu zeigen, was er gelernt hatte. Gelegentlich einer geringfügigen Auseinandersetzung mit seinem Vorarbeiter versetzte er diesem„in zwei Runden“ je 8—10 wohlgezielte Boxhiebe auf die Augenpartie und die Nase, so daß der Vorarbeiter nichts mehr sehen konnte und aus der Nase blutete. Mehrere Monteure bemühten sich, den„Schmeling en miniature" von seinem Opfer abzuhalten. Hierauf wurde das Lehrverhältnis von dem Fabrikinhaber gelöst. Eine Klage am Arbeitsgericht auf Fortsetzung des Lehrverhältnisses endete mit einem Vergleich. Der beklagte Fabrikherr schenkte dem Lehrling die noch fehlenden vier Lehrmonate und stellte hm ein ordnungsmäßiges Zeugnis über die abgeschlossene Lehrzeit aus. Schleiden. Die Aemterzusammenlegung vor dem Abschluß. Staatskommissar Landrat Huttrop(Köln), der sich zurzeit auf einer Informationsreise durch die westlichen Landkreise befindet, besuchte den Kreis Schleiden, nachdem er zuvor in Monschau geweilt hatte. In seiner Begleitung befanden sich Regierungspräsident Stieler(Aachen) und Regierungsassessor Seulen, der Kommunaldezernert des Regierungsbezirks Aachen. In Schleiden fand im Beisein des Landrats Graf von Spee eine Besprechung statt, in der die den Kreis Schleiden betreffenden Fragen der Aemterzusam. menlegung eingehend erörtert wurden. Wie wir erfahren, soll die endgültige Regelung der Aemterzusammenlegung in den westlichen Landkreisen unmittelbar bevorstehen. Neunkirchen(Saar). In der Grube tödlich verunglückt. Auf der Grube„König“ stürzte der Bergmann Kleemann aus Limbach bei der Arbeit so unglücklich, daß er mit schweren Verletzungen in bewußtlosem Zustand ins Krankenhaus gebracht werden mußte, wo er nach kurzer Zeit starb. Mannheim. Mißglückter Raketenstart. Auf dem Mannheimer Flugplatz wollte der Ingenieur Lapareff in Gegenwart von Vertretern der Polizei und von Sachverständigen eine aus Weißblech gebaute Rakete von einem halben Meter Höhe mit 250 Gramm Schwarzpulver 500 Meter in die Höhe treiben. Als das Pulver zur Explosion kam, ging die Rakete aber nicht in die Höhe, sondern wurde in tausend Stücke gerissen. Aus niederrheinischen Landen Kampf mit einem Zugräuber Halsbrecherische Flucht Zu einem aufregenden Vorfall kam es am Vormittag auf der Strecke Köln—Aachen. In Köln hatte sich ein Mann auf den D=Zug Köln—Aachen — Paris geschwungen. Er kletterte auf das Dach eines Wagens und hielt es bis Buir bei Düren in dieser ungemütlichen Lage aus. Zwischen Buir und Düren kletterte er, nachdem er sich das Gesicht geschwärzt hatte, in den Packwagen und warf ein Paket aus dem Zug. Beim Erscheinen des Zugführers griff der Bursche diesen an, floh aber beim Hinzukommen eines Schaffners, kletterte an dem fahrenden D=Zug vorbei und versuchte, in den Postwagen zu kommen. Auf dem Bahnhof Stolberg nahm er aber Reißaus und floh in den an den Bahnhof angrenzenden Wald. Er verlor auf der Flucht eine Bahnzeitkarte, die sein Bild enthielt. In Duisburg, bis wohin er in wilder Jagd verfolgt wurde, stellte er sich der Polizei. Es handelt sich um einen bekannten Schmuggler, der im Verdacht steht, vor einiger Zeit einen Raubüberfall auf eine Lebensmittelfiliale ausgeführt zu haben. Wieder Voruntersuchung gegen Butz wegen Mordverdachts Wie die Pressestelle des Polizeipräsidiums Krefeld mitteilt, hat die Staatsanwaltschaft erneut die Eröffnung der Voruntersuchung gegen Butz beantragt, der in der Mordsache des Wächters Karl Klinkhammer, der in der Nacht zum 8. November 1930 erschossen aufgefunden wurde, schon damals als der Tat dringend verdächtig ermittelt und dem Gericht vorgeführt worden war. Die Verdachtsgründe waren jedoch nicht so weitreichend, daß Anklage mit Aussicht auf Erfolg erho ben werden konnte. Butz mußte daher aus der Untersuchungshaft entlassen werden. Nunmehr hat die Kriminalpolizei weitere wichtige Zeugen ermittelt. Butz befindet sich augenblicklich zur Verbüßung einer Strafe im Gefängnis. Einer, der nicht arbeiten darf Der kaum glaubliche Fall, daß das Arbeits amt einen arbeitswilligen jungen Mann zum Nichtstun zwingt, hat sich in Leverkusen ereig net. Ein Technikerlehrling hatte auf dem Bür germeisteramt seine Lehrzeit beendet. Der Bür germeister sah sich zu seinem Bedauern gezwun gen, den jungen Mann zu entlassen, da im städtischen Etat keine Technikerstelle vorgesehen war. Die Mutter des jungen Mannes, eine ehrbare Witwe, befürchtete, daß ihr hoffnungsvoller Sohn, zum Nichtstun verdammt, auf schlechte Wege geraten könnte, und bat den Bürgermei ster, ihren Sohn auch ohne jede Vergütung wei terzubeschäftigen. Der Bürgermeister tat dies denn auch. Damit der junge Mann wenigstens etwas zum Leben hatte, meldete er sich erwerbslos und erhielt auch Arbeitslosenunterstützung. Als das Arbeitsamt erfuhr, daß er weiter auf dem Bürgermeisteramt tätig war, wurde ihm auch die Arbeitslosenunterstützung mit der Begründung entzogen, daß ein Beschäftigungsverhältnis vorliege. Daraus, daß der junge Mann kein Entgelt für seine Tätigkeit erhalte, könne kein Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung hergeleitet werden. Um nicht zu hungern, muß also der strebsame junge Techniker seine Beschäftigung aufgeben. Düsseldorf. Gefängnis für einen ungetreuen Sparkassenrendanten. Der frühere Sparkassenrendant und Leiter der Büdericher Gemeindesparkasse, Adolf Schmitz, wurde wegen Amtsunterschlagung und Registerfälschung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Schmitz hatte in den letzten drei Jahren 12 000 RM. unterschlagen und gab zu, diese Summe für sich verbraucht zu haben. Aachen. Feuer in einem Hotel. In einem nur von Angestellten des Hotels„Großer Monarch“ bewohnten Hintergebäude brach am Nachmittag Feuer aus, das die Einrichtung mehrerer Zimmer und den Dachstuhl beschädigte. Als Ursache wird ein Kaminschaden vermutet. Beim Uebergreifen des Brandes auf den Dachstuhl wurde Großfeuersignal gegeben, doch war jede Gefahr nach einer halben Stunde beseitigt. Neuß. Spaltung in einer Kriegsbeschädigtenorganisation. Infolge des Beschlusses des„Zentralverbandes der Kriegsbeschädigten", sich mit dem Reichsverband der Kriegsbeschädigten zusammenzuschließen, sind Unstimmigkeiten im Landesverband Rheinland des Zentralverbandes entstanden. Der„Bezirksverband Erft=Niers“ im Zentralverband wurde im Verlauf dieser Unstimmigkeiten von der Verbandsleitung in Berlin aufgelöst. Nunmehr haben sich die Neußer und einige andere Ortsgruppen dem„Kyffhäuserverband Deutscher Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen“ angeschlossen. Hessen-Nassau Der Frankfurter Kukschermord Neue Spuren Die Ermittlungen des Untersuchungsrichters in Frankfurt a. M. zu dem Mord an einem Kutscher einer Offenbacher Brotfabrik haben zur Aufhebung der gegen die angeschuldigten Fa brikarbeiter Adam Jäger, Arbeiter Joseph Ham mel und Hausburschen Adolph Besser bestehen den Haftbefehle geführt. Der Artist Joseph Förster bleibt nach wie vor in Untersuchungs haft. Die Vernehmung der entlassenen Ange schuldigten hat in Verbindung mit den weiter unternommenen Ermittlungen auf Spuren hin gewiesen, die zurzeit verfolgt werden. Schnur nach Frankfurt übergeführt 61 000 RM. unterschlagen Der in Dresden verhaftete 41 Jahre alte Buchhalter Paul Schnur, der nach großen in Frankfurt begangenen Unterschlagungen geflüchtet war, ist nach Frankfurt übergeführt worden. Schnur war in der Frankfurter Zweigniederlassung einer Kölner Textilfirma tätig und verschwand anfangs Januar, weil er vermutete, daß durch die demnächst erfolgende Revision seine Falschbuchungen aufgedeckt und seine schon teilweise 1930 begangenen Veruntreuungen bemerkt würden. Schnur gibt an, insgesamt 61 000 RM. unterschlagen zu haben. Das Geld hat er bis auf wenige hundert Mark ausgegeben Oberursel. Diskussionen ohne Worte. Die Oberurseler Junghandwerker, eine sehr akEisnotzeit auf der Ostsee Das Aachener Stadttheater bleibt erhalten Die Stadtverordnetenversammlung in Aachen hat beschlossen, das Aachener Stadttheater in der bisherigen Weise fortzuführen. Damit ist die achtmonatige Spielzeit gesichert. In den Sommermonaten werden die Künstler zum Teil in beschränktem Umfange auf Grund freier Vereinbarungen im Kurtheater weiter beschäftigt. In der Aussprache wurde von allen Fraktionen, mit Ausnahme der Kommunisten, betont, daß die kulturelle Höhe des Aachener Stadttheaters im Interesse des Deutschtums an der Westgrenze erhalten bleiben müsse. In geheimer Sitzung stimmte die Versammlung dem Verwaltungsvorschlag zu, Francesco Sioli, der schon vor otwas mehr als zehn Jahren einmal Intendant in Aachen war, diesem wieder as Amt zu übertragen. . . Die Teilrückzahlung der Schatzanweisungen gesichert In Frankfurt und Köln Die zweite Versammlung der Inhaber Frankfurter Schatzanweisungen hatte bekanntlich einen Vorschlag des Gläubigervertreters angenommen, nach dem eine Teilrückzahlung von 10 Prozent der umlaufenden Schatzanweisungen bis zum 1. Februar 1932 erfolgen sollte. Die Verhandlungen über die Beschaffung der hierfür notwendigen ca. 2,8 Millionen RM. sind nunmehr mit Erfolg abgeschlossen worden, und zwar stellen der preußische Staat(dieser mit Rücksicht auf die Breslauer Schuld an Frankfurt) und das Emissionskonsortium den Betrag je etwa zur Hälfte zur Verfügung. Während es sich beim Staat um ein bis zum Ablauf der Stundungsfrist am 30. September 1934 gewährtes Darlehen handelt, ist der von den Banken gewährte Kredit in vierteljährlichen Etappen innerhalb der Laufzeit der Stundung rückzahlbar. Die 10prozentige Teilrückzahlung am 1. Februar ist demnach als gesichert anzusehen. Wie wir erfahren, ist die in der Gläubigerversammlung der Inhaber von 6(8)prozentigen Kölner Schatzanweisungen beschlossene zehnprozentige Teilrückzahlung zum 1. Februar gesichert. Die für die Rückzahlung erforderlichen vier Millionen RM. werden der Stadt Köln vom Staat und von einer Bankengruppe zur Verfügung gestellt. tive und lebendige Organisation des Handwerkernachwuchses, treten mit einem neuen Plan an die Oeffentlichkeit. Den ganzen Winter hindurch wird in jeder Woche ein Diskussionsabend abgehalten, aber ohne Reden und Vorträge, vielmehr bilden alle eine Arbeitsgemeinschaft, von der ein Haus gebaut wird, aber nur auf dem Papier. An diesem Scheinhaus werden alle Handwerker zu tun haben. Man wird zunächst das Grundstück erwerben, die Finanzierung sichern, man wird die Pläne durchsprechen, man wird Angebote einreichen, die kritisiert und begutachtet werden. Es wird sich ein regelrechter interner Schriftwechsel ergeben, der gesammelt wird. Verschiedene Organisationen haben sich schon eingehend für diese neuaxtige Diskussionsmethode interessiert, die sich aus dem Kreise der Junghandwerker selbst herausgebildet hat. Münsterland, Ostwestfalen Ein Lufthansa=Flugzeug bringt Schiffen, die in der Ostsee eingefroren sind, Lebensmittel und Medikamente Der Hilfsdienst, den das Reichsverkehrsministerium gemeinsam mit der Lufthansa und anderen Luftverkehrsunternehmen organisiert hat, konnte bereits in zahlreichen Fällen seine segensreiche Tätigkeit entfalten. Weite Strecken der Ostsee sind gänzlich zugefroren und selbst größere Dampfer sitzen im Eis fest. Da bringt dann das Flugzeug die ersehnte Hilfe, indem es auf der Eisdecke nahe den Schiffen landet und seine wertvolle Ladung in Gestalt von Lebensmitteln, Medikamenten und Postsachen übermittelt. Aus der Hauptsitzung der Westf. Landwirtschaftskammer Anschließend an die Rede des Freiherrn von Lüninck ergriff Oberpräsident Gronowski auf der Hauptsitzung der Westfälischen Landwirtschaftskammer das Wort. Er hob namens der Behördenvertreter hervor, daß die Zusammenarbeit zwischen der Landwirtschaft und den Behörden in den letzten 10 Jahren durchweg freundschaftlich gewesen sei. Dies solle und möge auch weiterhin so bleiben. Er bestreite keinen Augenblick, daß die Landwirtschaft Not leide und daß sie große Lasten tragen müsse. Ihre Geduld sei auf eine harte Probe gestellt. Größer aber noch sei die Not vieler Millionen, die außerstande seien, sich die tägliche Nahrung zu beschaffen. Noch nie seien wirtschaftspolitische Fragen zur restlosen Zufriedenheit eines Standes gelöst worden, auch hier sei man auf Verständigung und Entgegenkommen der Stände angewiesen. Das Rechnungsergebnis für 1931 wurde in der Einnahme mit 3540 308 RM. und in der Ausgabe mit 3122 388 RM. festgestellt, so daß ein Bestand von 417 919 RM. sich ergibt. Es wurde beschlossen, den Pachtvertrag mit der Stadt Herford, der Ende 1940 abläuft, zu lösen und die Obst= und Gartenbaulehranstalt in Herford aufzulösen. Der Haushaltsplan, der in Einnahme und Ausgabe mit 2 699 919 RM. abschließt, bewegt sich eine halbe Million unter dem vorigen Etat. Für die ungedeckten Ausgaben ist ein Betrag von 832000 RM. erforderlich, ein Betrag, der gegenüber dem Vorjahre um 72 000 RM. geringer ist. Mit 63 gegen 19 Stimmen wurde der Etat en bloc angenommen und gleichzeitig eine Umlage von 62 Pfg. je 1000 RM. Einheitswert nach den für den Hauptfeststellungszeitraum 1932 festgesetzten Werten beschlossen. Einstimmig wurde dann Gutsbesitzer SchulzeLimbeck neu in den Vorstand gewählt und schließlich eine vom Kammerpräsidenten vorgeschlagene Entschließung angenommen, die den Vorstand ersucht und ermächtigt, alles in seiner Macht Stehende zu unternehmen, damit eine Zusammenlegung des Deutschen Landwirtschaftsrates mit der Preußischen Hauptlandwirtschaftskammer erfolgt, insbesondere auch, um die übertrieben hoch erscheinenden Kosten dieser Körperschaften damit zu senken. Hagen. Ein Todesopfer der Kesselexplosion. Der bei der Kesselexplosion im Wasserwerk Seelbecke schwerverletzte Pumpenwärter Riesinger ist seinen Verletzungen erlegen. Aud Westdentschlands Fullallbeldern Auf den westdeutschen Fußballfeldern herrschte am letzten Januarsonntag wieder Hochbetrieb. Mehrfach setzte es kräftige Ueberraschungen ab, so vor allem im Bergisch=Märkischen Bezirk, wo der bisher ungeschlagene VfL. Benrath die erste Niederlage in dieser Saison einstecken mußte, die ihm Schwarz=Weiß Barmen beibrachte, eine Elf, die anscheinend wieder stark im Kommen ist. Der Kuhrbezirk Rheinbezirk wartete mit einem ganz bedeutenden Programm am Sonntag auf. Sowohl für die Tabellenführer, wie für die in Abstiegsgefahr befindlichen Vereine hatten die Kämpfe größte Bedeutung, und so kam es, daß allenthalben mit einer seltenen Energie gekämpft wurde. Und daß bei dieser Situation Ueberraschungen nicht ausblieben, versteht sich fast von selbst. Zunächst einmal die Spiele der Favoriten. In Linden waren die Essener Schwarz=Weißen zu Gast. Nach einem großen Kampf blieben die Gäste mit etwas Glück knapp 1:0 erfolgreich. Das Endergebnis stand schon bei Halbzeit fest. TuS Bochum spielte gegen den Tabellenführer, den SV. Höntrop. überraschenderweise 2:2. Weitere Ueberraschungen: Der SV. Rotthausen strauchelte in Horst mit 2:6 und Union Gelsenkirchen in Werne mit 0:1. Mit diesem Siege konnten sich die Werner etwas von ihren Abstiegssorgen befreien. Ebenso erging es dem Essener Sportverein, der nach einem schönen Kampf über Westfalia Herne mit 2:1 triumphierte.— Im Pokal=Vorfinale standen sich der BV. Stoppenberg und Westfalia Bochum gegenüber. Die Mannschaften waren sich durchaus ebenbürtig und der Kampf endete nach zweimaliger Verlängerung 3:2 zugunsten der Stoppenberger. Die Ergebnisse: Gruppe A: MBV. Linden— Schwarz=Weiß Essen 0:1: TuS Bochum— SV. Höntrop 2:2; STV. Werne— Union Gelsenkirchen 1:0: BV. Altenessen— Castrop 02 7:1; Germania Herne— EssenWest 81 4:1. Gruppe B: Schalke 04— VfL. Sportfreunde Essen 6:0: VfL. Hörde— Schwarz=Gelb Gladbeck 3:1: Horst=Emscher— SV. Rotthausen 6:2; Essen 99— Westfalia Herne 2:1. Pokalspiel: BV. Stoppenberg— Westfalia Bochum 3:2 n. Verl. Ueberraschungen in Berg-Mark VfL. Benrath geschlagen Der letzte Januarsonntag war für die BergischMärkischen Favoritenmannschaften wirklich ein schwarzer Tag. Die größte Ueberraschung gab es auf dem Schwarz=Weiß Platz in Barmen, wo der VfL. Benrath erkennen mußte, daß sein Können nicht ausreichte, um die in bester Form spielende Elf von Schwarz=Weiß Barmen zu schlagen. Mit 3:1 triumphierten die Bergischen über ihren Gegner, der ebenso wie Barmen komplett antrat, aber vor allem im Angriff schmählich enttäuschte. Stark nachgelassen hat die Spielvereinigung Barmen, die auf heimischem Boden eine Niederlage durch den FC. Schwelm einstecken mußte, der damit bestätigte, daß sein gutes Abschneiden gegen Fortuna kein Zufall war. In Düsseldorf mußte Schwarz=Weiß Düsseldorf vor dem VfB. Hilden die Segel streichen. Fortuna Düsseldorf sollte gegen den SSV. Elberfeld antreten, doch mußten die Gäste absagen, da fast sämtliche Spieler ihrer ersten Mannschaft an Grippe erkrankt waren. Für die Wuppertaler sprang Eintracht Düsseldorf ein, die mit 2:7 unterlag. Die Ergebnisse: Gruppe 1: Ratingen 04— BP. 08 Lüttringhausen 8:0: Düsseldorf 99— Eller 04 3:3; SchwarzWeiß Barmen— VfL. Benrath 3:1; Schwarz=Weiß Düsseldorf— Hilden 03 2:4. Gruppe 2: Turu Düsseldorf— BV. 04 Düsseldorf 0:0; Fortuna Düsseldorf— SSV. Elberfeld ausgefallen: SSVgg. Barmen— FC. Schwelm 0:1; SC. Sonnborn 07— VfR. Öhligs 2:7; BC. 05 Düsseldorf— SSV. Oberkassel 0:4. Gesellschaftsspiele: Germania Elberfeld— Germania Bochum 3:1; Fortuna Düsseldorf— Eintracht Düsseldorf 7:2. Am Niederrhein... Da in Duisburg am Sonntag vier Meisterschaftstreffen angesetzt waren, hat man in letzter Stunde mit Rücksicht auf das Publikum die Begegnung Duisburg 99— Duisburg 1900 ausfallen lassen. Die 99er, die bisher die Tabellenspitze in der Gruppe A innehatten, sind nun auf den dritten Platz zurückgedrängt worden. Sie stehen allerdings mit dem Homberger SV., der die Preußen aus Krefeld 5:1 geschlagen nach Hause schickte, sowie mit dem Duisburger FV. 08, der seine Partie gegen Union Krefeld 1:0 gewann, bei gleicher Spielzahl punktegleich. Dem besseren Torverhältnis verdankt es nunmehr der Homberger SV., daß er an erster Stelle erscheint. Der Duisburger Spielverein hatte einen harten Strauß mit dem SV. Kaldenkirchen auszufechten. Die Grenzler unterlagen dem Spielverein nur knapp mit 0:1. In der Gruppe B fand eine höchst interessante Begegnung zwischen den beiden Spitzenführern statt, nämlich Hamborn 07 und Meidericher SV. Die Partie ging mit einem 0:0 zu Ende, so daß die Hamborner weiterhin mit 4 Punkten Vorsprung führen. Die Ergebnisse: Gruppe A: Duisburger SV.— SV. Kaldenkir chen 1:0: Duisburg 99— Duisburg 1900 ausgefallen; Homberger SV.— Preußen Krefeld 5:1; SV. Düssern— Sportfreunde Krefeld 1:1; Duisburger FV. 08— Union Krefeld 1:0. Gruppe B: Hamborn 07— Meidericher SV. 0:0; VfvB. Ruhrort— Sp. Vgg. Sterkrade 0:1; VfB. Speldorf— Rasensport Oberhausen 2:1; SV. Österfeld— Meiderich 06 1:2; Sp. Vgg. Oberhausen VfB. Bottrop 2:0. Im Rheinbezirk hat der VfR. Köln die Spielvereinigung Sülz wieder überflügelt, aber nur nach Punkten, denn relativ stehen die Sülzer, die gestern im Pokalspiel gegen Köln 06 leicht die Oberhand behielten, mit ihrem Rivalen immer noch gleich. Viktoria Rheydt ist abgefallen und wird wohl beiden Mannschaften nicht mehr gefährlich werden. In der Gruppe 2 ist die Situation unverändert, wenn es auch als große Ueberraschung gebucht werden muß, daß der Spitzenreiter dieser Gruppe. Alemannia Aachen, von Schwarz=Weiß Köln im Pokal= spiel mit 3:2 geschlagen wurde. Die Ergebnisse: Gruppe 1: Kölner CfR.— Kölner BC. 3:2: VfR. Köln— Viktoria Rheydt 4:1; Blau-Weiß Lindenthal— Grün=Weiß Viersen 7:1; Jugend Bergheim — SV. Düren 0:2; Rhenania Würselen— Bonner FV. 3:1. Gruppe 2: Mülheimer SV.— Troisdorf 4:2: Vingst 05— Dürener SC. 03 6:3: Sp. Vgg. Baesweiler— Kölner SC. 99 4:1; Tura Bonn— Borussia Gladbach 1:1. Pokalspiele: Sülz 07— VfB. 06 Köln 5:0: Eintracht Gladbach— Rhenania Köln 3:2; SchwarzWeiß Köln— Alemannia Aachen 3:2; SV. Rheydt — Odenkirchen 3:2. Mittelrhein Am Mittelrhein fanden nur zwei Punktespiele statt, die erwartungsgemäß endeten. Die anderen zwei Treffen fielen aus. Die Ergebnisse: Koblenz 1900=02— FV. Neuendorf 4:2; Rheinland Mayen— TV. Mayen 2:2; VfR. Limburg— SV. Elz ausgesallen: SC. Neuenahr— FC. Kottenheim ausgefallen. Weskfalenbezirk Im Bezirk Westfalen fielen einige Spiele aus, während das Bielefelder Lokaltreffen VfB. gegen Arminia beim Stande von 1:1 abgebrochen wurde. Ahlen hat also hier nach wie vor noch eine knappe Führung. In der Westgruppe ist Westfalia Scherlebeck durch seinen 1:0=Sieg über Gronau überraschend an die Spitze gelangt, da der bisherige Tabellenführer Herten auf eigenem Platze von Viktoria Recklinghausen unerwartet mit 3:0 geschlagen wurde. Die Ergebnisse: Gruppe Ost: VfB. Bielefeld— Arminia Bielefeld 1:1 abgebr.; VfJ. 08 Paderborn— Bielefeld 06=07 ausgefallen; Westfalia Ahlen— Union Herford ausgefallen. Gruppe West: SC. 08 Münster— Borussia Rheine 2:2: SuS 13 Recklinghausen— Preußen Münster ausgefallen: Sp. Vag. Herten— Viktoria Reckling= hausen 0:3: VfL. Osnabrück— Union Recklinghausen 3:2: Gronau 09— Westfalia Scherlebeck 0:1. Südwestfalen-Bezirk Im Südwestfalenbezirk mußte sich Hüsten 09 mit einem Unentschieden gegen die Sportfreunde Siegen begnügen, hat aber den Meistertitel schon sicher in der Tasche. Die Ergebnisse lauten: VfB. Weidenau— SC. Brachbach 09 2:0; Germania Mudersbach— SC. Lichtenplatz ausgefallen: Sportfreunde Siegen— Hüsten 09 2:2; SC. Hagen 05— Sp. V. Wetter 10 1:2; Sp. V. Milspe— Jahn Werdohl 4:0. Hessen-Hannover Im Bezirk Hessen=Hannover ist der voraussichtliche Bezirksmeister Borussia Fulda nun auch Pokalmeister geworden, da er im Endspiel die Sp. Vag. Göttingen mit 6:0 hereinlegte. In Kassel trennten sich Kurhessen und Tura mit einem Unentschieden, während der Sportklub 03 von den Hermannen eine Niederlage bezog. Göttingen 05 unterlag in Marburg glatt mit 3:0. Die Ergebnisse: Tura Kassel— Kurhessen Kassel 1:1; Hermannia Kassel— SC. Kassel 03 5:2; VfB. Kurhessen Marburg— Göttingen 05 3:0. Pokal-Endspiel: Borussia Fulda— Sp. Vgg. Göttingen 6:0. Die Hallentennis-Icisterschaften G. v. Cramm und Frl. Payot siegen Vor vollbesetzten Tribünen spielten sich am Samstag in der Bremer Tennishalle die Vorentscheidungen um die Deutschen Hallenmeisterschaften ab. Programmgemäß wurden in allen fünf Konkurrenzen die Vorschlußrunden erledigt. Im Herreneinzel erreichten Gottfried von Cramm und der Vorjahressieger Landry=Paris die Schlußrunde. Der Deutsche begann gegen den Franzosen Lesueur wie immer unsicher und gab den ersten Satz leicht ab. Dann aber verschärfte von Cramm das Tempo und gewann schließlich mit 4:6, 6:2, 6:3, 6:2. Landry hatte mit dem Deutschspanier Maier nicht allzu viel Mühe; wenn er auch einen Satz verlor, so war er im entscheidenden Moment immer Herr der Situation und behielt mit 6:3, 3:6, 6:3, 6:3 die Oberhand. Bei den Damen hatte die deutsche und schweizerische Meisterin Payot in Frau Stuck=Reznicek nicht viel zu schlagen. Ehe die Deutsche sich versah, hatte Frl. Payot das Spiel mit 6:0, 6:3 gewonnen. Marieluise Horn überrannte Frau Schneider=Peitz ebenfalls. Beim Stande von 6:0, 2:0 zog Frau Schneider=Peitz zurück. * Zu den Entscheidungen der Deutschen Hallentennismeisterschaften hatte sich am Sonntag in der Bremer Halle wieder ein, recht zahlreiches Publikum eingefunden. Leider kamen die Zuschauer in den beiden Herrenwettbewerben um die erwarteten harten Kämpfe, denn der Titelverteidiger Landry=Paris trat im Finale des Einzels gegen Gottfried von Cramm mit einer leichten Grippe an und mußte nach dem Gewinn des zweiten Satzes, in dem er seine Kraftreserven aufgebraucht hatte, die Segel streichen und wurde 6:1, 7:9, 6:1, 6:2 geschlagen. Die Krankheit des sympathischen Franzosen verschlimmerte sich noch im Laufe des Tages, so daß Landry zum Endspiel im Doppel nicht antreten konnte. Dadurch kamen von Cramm=Maier kampflos zu Meisterehren. Die Schweizerin Lolott Payot holte sich ebenso wie von Cramm neben dem Titel der internationalen Deutschen Meisterin auch den der Hallenmeisterin durch einen 6:3=, 2:6=, 6:2=Sieg über Frl. Horn=Wiesbaden. Die talentierte Süddeutsche hielt sich überaus achtbar, hatte aber nach dem Gewinn des zweiten Satzes im folgenden reichlich Pech mit ihren Bällen, so daß Frl. Payot durch ihre unheimlich harten Vorhandschläge die zum Gewinn notwendigen Punkte machen konnte. Einen französischen Sieg gab es im Gemischten Doppel durch Frl. Adamoff=Lesueur. Im ersten Satz lieferten Frau Stuck=Maier eine gleichwertige Partie. Der Franzose Lesueur war dann aber im zweiten Satz am Netz überragend und sammelt hier Punkt auf Punkt. Mit 8:6, 6:3 fiel zum ersten Male die Meisterschaft an ein französisches Paar. Den dritten deutschen Meisterschaftssieg gab es im Damendoppel durch Frau Stuck=Frl. Horn. Der Kampf gegen die Französinnen Frl. Adamoff Frau Goldschmidt war wenig interessant. Das bessere Netzspiel der deutschen Damen gab meistens den Ausschlag für den Endsieg mit 2:6, 7:5, 6:4. Zum Schluß lieferte das neue Meisterpaar von Cramm=Maier einen Schaukampf gegen LesueurDr. Dessart als Ersatz für das ausgefallene Finale im Herrendoppel. Die Titelträger gewannen 6:3, 4:6, 6:4. Polizei Dortmund Kuhrbezirksmeister im Handball Schalke 04 in der k.-o.=Runde Die beiden Endspiele um die RuhrbezirksHandball=Meisterschaft, die in Bochum zum Austrag kamen, brachten die restlose Entscheidung. Im ersten Spiel auf dem Germania=Platz trat MBV. Linden gegen Schalke 04 an und mußte sich hoch mit 2:9 geschlagen bekennen. Ueberraschend kommt das Ergebnis des zweiten Spieles zwischen Polizei Dortmund und Essen=West 81. Mit nicht weniger als 15:1 wurden die Essener überfahren, überfahren im wahrsten Sinne des Wortes. Es muß allerdings berükksichtigt werden, daß die Essener durch Krankheit ihrer besten Leute genötigt waren, Ersatz einzustellen. Es fehlte der gesamte Innensturm und der linke Verteidiger. So wurde Polizei Dortmund wieder Ruhrbezirksmeister und Schalke 04 nimmt durch seinen Sieg über Linden an den weiteren Spielen in der k.-o.=Runde teil. Die Ergebnisse: Polizei Dortmund— Essen=West 81 15:1 Schalke 04— M. B. V. Linden 9:2. Entscheidungsspiele am Niederrhein Duisburger Kupferhütte— RSV. Mülheim 2:7 Meidericher SV.— SVgg. Sterkrade 2:2 Berlin zur Berufsspielerfrage Der Berliner Bezirkstag des Verbandes Brandenburgischer Ballspielvereine beschäftigte sich in erster Linie mit der Stellungnahme zur Berufsspielerfrage. Der Vorsitzende Paul Faber gab für den Vorstand die Erklärung ab, daß man zu gegebener Zeit die Einführung des Berufsspielertums grundsätzlich nicht ablehnen würde. Nach längeren Verhandlungen wurde von der Versammlung diese Haltung gebilligt und gleichzeitig dem Verbandsvorstand für die späteren Verhandlungen freie Hand gelassen. Angenommen wurde ein Antrag, in diesem Jahre einen vierten Teilnehmer für die Meisterschaftsendspiele zu ermitteln. da Hertha BSC. neben der Abteilungsmeisterschaft auch noch der Pokalsieg zugefallen ist. Der vierte Teilnehmer wird auf dem Wege einer k. o.=Runde zwischen den beiden Zweiten der Berliner Abteilungen, dem Zweiten der Pommernmeisterschaft und dem Unterlegenen im Pokalendspiel(Berliner SV. 92) festgestellt. Alemannia Aachen Rheinmeister Die Handballmeisterschaft im Rheinbezirk ist entschieden, 5000 Zuschauer sahen im Aachener Waldstadion das entscheidende Spiel zwischen Alemannia Aachen und dem VfB. Aachen. Schon bei der Pause führte Alemannia mit 3:2 und blieb schließlich auch mit diesem Ergebnis siegreich, da die technisch besseren Bewegungsspieler zahlreiche gute Torgelegenheiten nicht ausnutzen konnten. Eine Minute vor Schluß konnte der Internationale Klein selbst einen DreizehnmeterWurf nicht auswerten. Bayerische Handballmeisterschaft 1860 München— Sp. Bgg. Fürth 2:5(1:1) Das erste Spiel der Gruppenmeister um die bayerische Handballmeisterschaft der Sportler auf Münchener Boden brachte einen klaren und verdienten 5:2-Sieg der Fürther. Einige Tausend Zuschauer sahen bei ausgezeichnetem Schneeboden einen interessanten Kampf, bei dem die größere Wurfsicherheit der Nordbayern sowie das famose Spiel des Mittelläufers Gebhardt zu den ersten Punkten verhalfen. Das Dortmunder Hallensportfest In der Dortmunder Westfalenhalle wurde am Samstagabend vom Stadtverband für Leibesübungen Dortmund, dem 135 Vereine angeschlossen sind, ein Hallensportfest durchgeführt, das mit 8000 Zuschauern einen überraschend starken Besuch gefunden hatte. Auch die Darbietungen übertrafen die allgemeinen Erwartungen. Im Programm kamen Turner, Boxer, Ringer, Radfahrer, Fechter und auch Rollschuhläufer zu Wort. In bunter Folge wechselte das Programm nach einem Einmarsch der Vertreter von insgesamt 11 Verbänden. Aus dem sportlichen Programm verdienen der 50=Meter=Lauf, den Wenker=Eintr. Dortmund in 6 Sek. vor Völmke und Killing gewann, der 60=MeterHürdenlauf, den der WSVer Weller in 9,2 Sek. siegreich beendete und die Pendelstaffel 10 mal 50 Meter, die den WSV. vor der DT. und DIK. in Front sah, hervorgehoben zu werden. Im Fliegerkampf über drei Läufe zeigte sich Ungethüm mit 9 Pkt., Clausmeier(8), Groß(7) und Lindemann(6) überlegen. Das Punktefahren über 35 Runden wurde eine Beute des Dortmunders Thiele(13) vor Tillmann(12) und Schäfer(10). Im Boxen bot Schmedes=Dortmund gegen Dixkes 2, Hamm, einen schönen Kampf und schlug diesen schon nach 45 Sek. k. o. Das abschließende Handballspiel schließlich wurde von der besser eingespielten DIK.=Vertretung mit 6:2(3:1) gegen eine Mannschaft des WSV. gewonnen. Radsport am Wochenende Kausch-Hürtgen siegen in Berlin Die Premiere im Berliner Sportpalast am Sonnabend hatte beim Publikum wenig Anklang gefunden. Das 100=Klm.=Mannschaftsrennen stand zunächst im Zeichen von FundaKnudsen. In der zweiten Hälfte des Rennens wurde Knudsen jedoch so schwach, daß beide es vorzogen, kurz vor Schluß aufzugeben. Nachdem sich eine aus drei Paaren bestehende Spitzengruppe gebildet hatte, ergriffen die Kölner Rausch=Hürtgen die Initiative und sicherten sich die alleinige Führung, die sie auch trotz heftiger Angriffe von Ehmer=Rieger behaupteten. Vorher hatte es ein Mannschaftsomnium Deutschland— Ausland gegeben, das die deutschen Vertreter mit 24:20 Punkten gewannen. Ergebnis des 100-Klm.-Mannschaftsrennens: 1. RauschHürtgen 2:13,03, 23 Punkte; eine Runde zur.: 2. Ehmer=Rieger 41, 3. Jan van Kempen=Büysse 33, 4. Tietz=Maczingski 23, 5. Wissel=Lehmann 11; drei Runden zur.: 6. Schön=Buschenhagen 26, 7. Wolke=Resiger 17; sechs Runden zur.: 8. Ahlers=Becker 13 Punkte. Radrennen in Basel Der deutsch-schweizerische Radländerkampf auf der Baseler Winterbahn, zu dem sich 4000 Zuschauer eingefunden hatten, endete unentschieden 1:1. Im Wettbewerb der Steher konnten die Deutschen Metze und Sawall mit knappem Vorsprung siegreich bleiben und ihre Gegner Gilgen und Ruegg um 280 Meter in der Gesamtleistung schlagen: dagegen versagten bei den Fliegern Steffes, Engel und Richter, der in der Einzelwertung des Omniums Erster wurde, konnte aber den Ausfall seiner Landsleute nicht wettmachen. Unter seiner sonstigen Form fuhr auch Sawall, dagegen holte sich Matze zwei von den drei Stehertennen. Rund un den Lenerkatt Meisterschaftsendspiele im Süden SpVgg. Fürth— Bayern München 1:1(0:1); 1860 Müncen— Phönix Ludwigshafen 3:0 (1:0); FK. Pirmasens— 1. FC. Nürnberg 1:1 (0:0; SV. Waldhof— FC. Kaiserslautern 5:0. Karlsruher FV.— Phönix Karlsruhe 1:0; FSV. Mainz 05— FSV. Frankfurt 1:4(0:1); Kickers Stuttgart— Union Böckingen 4:2(2:2); Eintracht Frankfurt— Wormatia Worms 4:2. Aus Norddeukschland seien nachstehende Ergebnisse erwähnt: Hamburg: Altona 93— Hamburger SV. 2:4; Piktoria— FC. St. Pauli 8:1; Wacker— St. Georg 1:3; Polizei— Union 4:4. Nordbezirk: Holstein Kiel— Borussia Kiel 8:1; Union-Teutonia Kiel— Kilia Kiel 5:1; Rendsburger BV.— Neumünster 1910 4:2. Verlins Fußballgäste gefallen Die Absage sämtlicher Verbandsspiele in Berlin erwies sich als etwas übereilt. Nutznießer des Ausfalls der Punktekämpfe waren die beiden Vereine, die sich für diesen Tag auswärtige Mannschaften verpflichtet hatten. Jahn Regensburg mit dem internationalen Torhüter Jakob erzielte vor 5000 Zuschauern gegen Viktoria 89 ein verdientes 1:1. Die Bayern hatten vornehmlich in der ersten Hälfte mehr vom Kampf und schossen auch in der 30. Minute das Führungstor. Nach dem Wechsel lag Viktoria stärker im Angriff, konnte aber nur das Remis erzwingen.— Die Meisterelf des Baltenverbandes, die Reichswehrmannschaft von Hindenburg Allenstein, unterlag gegen den Berliner SV. 92 nur knapp 2:3. Austria Wien siegt in Lelpzig Die Wiener Berufsfußballelf von Austria konnte ihre neue Gastspielreise am Samstag in Leipzig gegen die dortige Spielvereinigung mit einem Siege beginnen. Vor 8000 Zuschauern lieferten sich die Mannschaften einen spannenden Kampf. Ein von Molzer vorgelegtes Tor konnte trotz zeitweiser Ueberlegenheit der Leipziger nicht aufgeholt werden. Nach der Pause folgte einem von Sindelar vorgelegten Kopftor das verdiente Ehrentor der Einheimischen durch den Mittelstürmer Jacob. Zum Schluß waren die Wiener dann noch ein drittes Mal durch Sindelar erfolgreich. Vienna spielte nur 1:1 in England Bei Sonnenschein, aber sehr großer Kälte, trug am Samstag Vienna Wien ihr erstes Spiel in England gegen den zweitklassigen Verein Plymouth Argyle aus. Beide Mannschaften spielten auf dem hartgefrorenen Boden sehr vorsichtig, und die 15 000 Zuschauer bekamen wenig interessante Kampfaktionen zu sehen. Kurz vor dem Wechsel übernahm Vienna durch Worthmann die Führung. Nach der Pause hielten die Wiener den knappen Vorsprung fast bis zum Spielende, doch zwei Minuten vor dem Abpfiff stellte Melaniphy das Schlußergebnis auf 1:1. Kapid Wien schlägt Leicester City 3:1 Im letzten Spiel auf ihrer Englandreise kam die Mannschaft des österreichischen Altmeisters Rapid Wien zu dem schon längst verdienten Erfolge. Die Wiener traten vor 15 000 Zuschauern gegen den Tabellenletzten der Ersten Bezirksliga. Leicester City. an und gewannen sicher mit 3:1(0:0). Plätze für Bauer u. Co. Der Süddeutsche Berufsspieler=Verband findet bei den Stadtverwaltungen mehr und mehr Entgegenkommen. In München will man bekanntlich die Plätze zur Verfügung stellen. Nun hat auch die Stadtverwaltung von Saarbrücken sich bereit erklärt, dem wilden Berufsspieler=Unternehmen durch Platzgestellung entgegenzukommen Vom Spoet der weisten Zeit Norwegens Triumph im Eisschnellaufen Eisschnellauf-Länderkampf in Oslo Am Samstag begann in Oslo der mit größter Spannung erwartete Länderkampf im Eisschnellaufen zwischen Norwegen und Amerika. Rund 10000 Zuschauer, darunter auch der König und der Kronprinz, wohnten am 1. Tage den Kämpfen bei. Mit den Wettbewerben über 500 und 5000 Meter wurde das Ländertreffen eingeleitet und bereits in diesen Strecken zeigten sich die Norweger ihren amerikanischen Gegnern glatt überlegen. Allerdings wurden die Rennen in Zweierläufen ausgetragen. Ueber die kurze 500=Meter=Strecke gingen allein fünf Norweger vor den Yankees durchs Ziel. Im Gesamtergebnig führten die Norweger nach dem ersten Tage mit 26 Punkten gegen 46 der Amerikaner. Norwegen schlägt Amerika 57,5: 86,5 Die Kraftprobe im Eisschnellaufen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Norwegen ist erwartungsgemäß zugunsten der Skandinavier ausgefallen, die sich in der Durchführung der Rennen mit Zweierstart überlegen zeigten und im Gesamtklassement mit 57,5:86,5 siegreich zeigten. Am Sonntag waren wiederum über 5000 Zuschauer im Stadion in Oslo anwesend. In der Ehrenloge hatten der König, der Kronprinz und das schwedische Kronprinzenpaar Platz genommen. Als bester Läufer der Yankees bestätigte sich abermals Schröder, der sich auch im 10 000=Meter=Lauf seinem vortägigen Gegner Ballangrud überlegen zeigte. Ueber 1500 Meter kam der neue Weltrekordmann Engnestängen in 22:23,2 Min. als schnellster Läufer durchs Ziel. Der Amerikaner Schröder war in 2:24,3 Min. Bester der Gäste. Internationaler Sprunglauf in Oberhof Bei herrlichem Winterwetter hatte die erste größere Veranstaltung des Thüringer Wintersportverbandes am Sonntag in Oberhof einen vollen Erfolg. Zu dem internationalen Skispringen auf der Hindenburgschanze traten 46 Läufer an, darunter drei Deutschböhmen als Vertreter des Auslandes. Die weitestgestandenen Sprünge erzielte der Sieger der Hauptklasse Hein=Gablonz(HDW.) und der Jungmann DietlMünchen mit je 55 Meter. 2 Bei den Thüringer Viererbobmeisterschaften in Oberhof ereignete sich am Sonntag ein folgenschwerer Unfall. Der Bob„Leipzig" sauste in der Kronprinzenkurve in voller Fahrt über die Böschung und wurde zertrümmert. Sämtliche Insassen erlitten erhebliche Verletzungen und mußten in ein Krankenhaus gebracht werden. Der Führer Otto Schuchardt=Leipzig trug einen Armbruch davon, während der Bremser Karl Gerloff den Oberschenkel brach. Am schlimmsten kam der Mitfahrer Rudolf Gerloff davon, der mit einem schweren Schädelbruch, einem Oberarm= und Oberschenkelbruch bewußtlos fortgetragen werden mußte. Berliner Bob Tiroler Meister Bei ausgezeichnetem Besuch wurde am Samstag die Garmischer Bobwoche mit den Viererbobmeisterschaften von Tirol auf der Rießerseer Bobbahn beendet. Das dreifache Meisterpaar Kilian=Huber wurde diesmal von den Berlinern Grau=Brehme auf Bob„Berolina“ übertroffen, die auch mit 1:22,2 Min. die beste Zeit des Tages für eine Fahrt herausfuhren. Schliktschuhklub verlor in Paris Die ersatzgeschwächte Eishockeymannschaft des Berliner Schlittschuhklubs weilte am Sonnabend wieder in Paris und mußte von einer französischen Auswahlmannschaft mit 6:3 eine überraschend hohe Niederlage einstecken. Das Fehlen von Rudi Ball und Gustav Jaenecke machte ziemlich stark bemerkbar. Jugendarbeit des S. K. 5. Der 9. Jugend=Skitag des SKS. in Siedlingshausen und der 1. Abfahrtslauf der Jugendgruppen des Flachlandes in Meinerzhagen werden verschoben auf den ersten Schneesonntag nach der Meisterschaft vom Sauerland und dem Verbands-Staffellauf. Verschiebetermin nicht begrenzt. Der Verbands=Abfahrtslauf hat auf die Verschiebung der Jugendläufe keinen Einfluß. Es kann demnach vorkommen, daß 9. Jugend-Skitag in Siedlingshausen, Abfahrtslauf in Meinerzhagen und Verbandsabfahrtslauf in Willingen auf den gleichen Sonntag fallen. Am Sprunglauf der Jugend in Siedlingshausen können auch Jungmannen teilnehmen. 11. Jahnschwimmen der 9T. in Halle februar das ustrag. Die In Halle kommt am 18. und 19. F. 11. Jahnschwimmen der DT. zum Au furt, Bielefeld usw. vor. Um die westdeutsche Hochschulmeisterschaft Universität Köln besiegt Technische Hochschule Aachen im Hockey 4:0 Auf dem Rot=Weiß=Platz in Köln wurde am Sonntag die Vorrunde zur westdeutschen Hochschulmeisterschaft ausgetragen. Nach einem schönen Spiel siegte die favorisierte Mannschaft der Universität Köln mit 4:0 Toren gegen die Technische Hochschule Aachen. Im Final trifft Köln nun auf den Sieger des Kampses Universität Münster— Bonn. Am kommenden Sonntag finden in Aachen die westdeutschen Hochschulmeisterschaften im Geräteturnen statt. Gleichzeitig hält der Gesamtausschuß für Leibesübungen an den westdeutschen Hochschuten eine Sitzung ab, auf der die Termine für die Endspiele festgesetzt werden. Aus dem Deutschen Hockeybund Der Deutsche Hockeybund beschloß auf seiner Vorstandstagung in Berlin, zur Hebung der Spielstärke innerhalb der einzelnen Unterverbände Trainingskämpfe für Nachwuchsspieler abzuhalten, um neue Talente zu entdecken. Im Jahre 1934 sollen dann die als geeignet erkannten Spieler zu einem Spezialkursus zusammengezogen werden. Für den einzigen Länderkampf der Spielzeit am 26. März in Berlin gegen Frankreich steht die Zusage der Franzosen noch aus. Der Männerländerkampf gegen Holland wurde vom Deutschen Hockeybund abgesagt. Pariser Kadrennen Das reichhaltige Radsportprogramm am Sonntag im Pariser Sportpalast verzeichnete als Hauplnummer ein von 15 Paaren bestrittenes 100-Klm.=Mannschaftsrennen, das sich die Berliner Sechstagesieger Broccardo=Guimbretiere vor den Holländern Pijnenburg=Wals holten. Von den Rahmenwettbewerben gewann BlancGarin ein 25=Klm.=Rennen hinter kleinen Motoren und in zwei 5=Klm.=Punktefahren waren Linari und Dayen siegreich. Internaklonales Kadrennen in Köln Dusika(Oesterreich) gewinnt den Internationalen Fliegerpreis Die Internationalen Radrennen om Sonntag in der Kölner Rheinlandhalle hatten mit rund 3000 Zuschauern einen recht ansprechenden Besuch gefunden. Gesamtergebnis des Internationalen Flicgerpreises: 1. Dusika(Oesterreich) 25,5 Punkte, 2. Godefroid(Belgien) 19.5 Punkte. 3. Chaillot(Frankreich) 17 Punkte. 4. Merkens(Köln) 16 Punkte. 5. Ungethüm(Dortmund) 13 Punkte. 6. und 7. Wollschläger und Klöckner(beide Köln) 12.5 Punkte. Preis der„kommenden Männer“(Fliegerrennen): 1. Kleinsorg. 2. Hemmersbach. 3. Kölvenbach. Auch Abmachungen im Brüsseler Sechstagerennen? Nicht nur in Gent, sondern auch beim Brüsseler Sechstagerennen sollen Unregelmäßigteiten vorgekommen sein. Die Leitung der Brüsseler Six days hat jetzt dem Belgischen Verband Material überreicht, wonach zwischen den ersten sechs plazierten Mannschaften Abmachungen getroffen wurden, die das Endergebnis schon im voraus festgelegt haben sollen. Der nach Pijnenburg, P v. Kempen beste holländische Sechstagesahrer Braspenning wird für längere Zeit der Rennbahn fernbleiben müssen, da er sich beim Brüsseler Sechstagerennen einen Rippenbruch zuzog, dessen Heilung mehrere Wochen in Anspruch nimmt. Aus dem Deutschen Kanuverband Das Parlament der deutschen Kanufahrer wird nach einer zweijährigen Pause am 18. und 19. Februar in Köln eine Tagung abhalten. Die satzungsgemäß ausscheidenden Vorstandsmitglieder sind neu zu wählen, außerdem bedürfen die Wettkampfbestimmungen einer Reform. Vor allem sollen die internationalen Beziehungen ausgebaut werden. Zurzeit ist man bemüht, bet den Olympischen Spielen 1936 in Berlin auch den Kanusport einzureihen. Die deutschen Kurzstreckenmeisterschaften im Kajak und Kanadier werden am 6. August in Berlin ausgetragen. Die Langstreckenmeisterschaften im Faltboot folgen am 13. August auf der Ostsee bei Travemünde. In Prag gibt es am 20. August nach langer Pause wieder Europameisterschaften. Das Berliner Reittuenier Restlos ausverkauft war die Abendveranstaltung des Berliner Reitturniers am Samstag. Das Programm brachte die Fortsetzung des Preises vom Erlenhof. Von den 70 Teilnehmern blieben auf dem schweren Kurs nur vier fehlerlos, und zwar der Tscheche Capt. Statecny auf Elliot, Major von Waldenfels auf Chef. Herr Körfer auf Baron III und der ganz zuletzt gestartete G. Lange auf Molla von Steveling. Diese vier Pferde traten dann zum Stechen um den Sieg über erhöhte Hindernisse an. Der Sieg fiel an Molla von Steveling, die zwar einmal verweigert hatte, dann aber alles fehlerlos sprang Als Schaunummern wurden die„Hohe Schule vor Friedrich dem Großen" und„Das Denkmal der deutschen Artillerie“ gezeigt. Der Sonntag brachte den Höhepunkt des Berliner Reitturniers. Die Halle war bis auf den letzten Platz gefüllt, und sportlich gelangte mit dem Großen Preis der Republik das wertvollste Ereignis zum Austrag. Auch hier mußte infolge der großen Zohl von Nennungen das Jagdspringen geteilt werden, während die Eignungs= und Dressurprüfung in einer Abteilung erledigt werden konnten. Vor Beginn des Springens erlebten die Zuschauer noch das glanzvolle Bild des Aufmarsches der Nationen. Zuerst erschienen Bouer uid Schweratleleten Deutsche Boxniederlage in Polen Die Voxstaffel von Heros Berlin hatte auf ihrer Rundreise durch Polen einen schlechten Start. Ihr erster Gegner in Warschau war eine kombinierte Mannschaft von Gwiadsa und IKP, die im Gesamtergebnis mit 10:6 Punkten erfolgreich war. Gipsy Daniels wurde in Liverpool von dem Italiener Ruggirello in der 11. Runde entscheidend geschlagen, nachdem er schon vorher verschiedentlich zu Boden gegangen war. Jupp Besselmann wird am 3. Februar in Zürich boxen. Sein Gegner ist der Franzose Thouvenin. Emile Degand, der belgische Fliegengewichtsmeister, hat die Berechtigung zu einem Europameisterschaftskampf mit Praylle Gyde erhalten, der bis zum 26. Mai ausgetragen sein muß. Der Italiener Baigurra konnte jetzt in Newyork den bekannten Karkay schon nach einer Minute entscheidend schlagen. Der für den 31. Januar in Aussicht genommene Kampsabend des Berliner Sportpalastes mußte jetzt zum viertenmal verlegt werden. ein Müllers Gegner für den Hauptkampf, der refelder Schönralh, ist plötzlich an Grippe erkrankt und kann daher nicht antreten. Aus diesem Grunde entschloß sich der Veranstalter, den ganzen Kampftag zu verschieben. Englands Bantamgewichtsmeister Tom Watson traf bei seinem ersten Kampf in den Vereinig. ten Staaten gleich mit dem ausgezeichneten F.del la Barba zusammen, und schlug diesen überraschend glatt in 12 Runden nach Punkten. Die zurzeit im Münchener Amateurboxlager bestehenden Unstimmigkeiten haben. neuerdings zu einer neuen Vereinsgründung geführt, und zwar entstand unter dem Vorsitz von Graf Wilhelm Moy ein„Boxklub Münchener Faustkämpfer 1933“, dem bereits zahlreiche erstklassige Boxer beigetreten sind, und zwar so bekannte Leute wie Ausböck, Haymann, Nefzger, Baumann u. a. Deutscher Rekord im Gewichtheben Anläßlich eines Kraflsportabends im Münchener Gayergarten unternahm der Bantamgewichtler Schuster=München Rekordversuche, die von Erfolg begleitet waren. Schuster verbesserte seinen eigenen deutschen Rekord im beidarmien Drücken von 165 auf 170 Pfund. Sein andsmann Bäuml, der ebenfalls Rekordversuche in der Halbschwergewichtsklasse angemeldet hatte, mußle wegen Grippeerkrankung fernbleiben. Die schwedischen Kinger siegen in Bonn Zwei Mitglieder der schwedischen Ringer=Nationalmannschaft. Lindeloef und Larsen, gingen am Samstag in Bonn an den Start. Die Nordländer bestritten mehrere Kämpfe über je 12 Minuten, die sie mit einer Ausnahme alle zu ihren Gunsten entscheiden konnten. Im Federgewicht siegte Lindeloef gegen Jaulus=Köln knapp nach Punkten, gegen Becker=Bonn nach 4½ Minuten durch Hüftzug, ge gen Harius=Bonn nach zwei Minuten durch Arm schulterschwung. In der Leichtgewichtsklasse bezwang Larsen Schlangen=Köln nach Punkten. Collin=Bonn nach Punkten und mit dem gleichen Ergebnis war er gegen Schneider=Kessenich erfolgreich, dafür ver lor der Schwede aber gegen Sonntag=Duisdorf. die Dreier=Mannschaften von Holland. Irland und Norwegen, dann die sechs Tschechen und zum Schluß die aus 12 Reitern bestehende deutsche Eauine. Von den 66 Bewerbern sprangen nur drei gänzlich fehlerlos. Zunächst war es Stallmeister Lang auf Lady Pride, dann erledigte der Ire Capt. Ahern auf Blarney Castle sein Pensum ohne Fehler und ganz zum Schluß auch Irmgard von Opel auf ihrem Nanuk. der besonders vorsichtig über die Bahn gebracht wurde. Diese drei Pferde haben sich somit für das Stechen am Abend mit den fehlerlosen Pferden der zweiten Abteilung qualifiziert. Die Jagdpferde=Eignungsprüfung, die ebenfalls zum„Großen Preis“ gehört, brachte 33 Pferde an den Start. Bei dem ausgesucht guten Material standen die Richter vor einer schwierigen Aufgabe und sprachen schließlich dem hervorragenden Trakehner Plakat unter Frau Franke den Sieg zu vor Tegethoff und Faust. Famose Pferde der ostpreußischen Zucht wurden in der Materialprüfung um den Preis von Ostpreußen in die Arena gebracht. Maifeuer unter Major von Willich erhielt die goldene Schleife. Als Schaunummer wurde wieder das„Denkmal der deutschen Artillerie“ und„Die hohe Schule vor Friedrich dem Großen“ gezeigt. Die Ergebnisse: Großer Preis der Republik(Jagdspringen): 1. G. Langes Lady Pride(Bes.), 2. Blarney Castle(Capt. Ahern=Irland) 0 Fehler 77.,2 Sek., 3. Nanuk(Fr. von Opel) 0 Fehler 89,2 Sek., 4. Der Mohr(Lt. Hasse) 4 Fehler 66.6 Sek. Jagdpferde=Eignungsprüfung: 1. Frau Frankes Plakat(Bes.), 2. Tegethoff(Lt. Brand). 3. Faust (Rother). Preis von Ostpreußen(Materialprüfung für Reitpferde): 1. J. Reisch' Maifeuer(Rother).— Vier Teilnehmer. Die Kennen in St. Moritz Die St. Moritzer Rennwoche nahm für die deutschen Ställe keinen sehr guten Anfang. Lediglich im Trabrennen trug der Schneespezialist Colonel Dillon(C. Weidmüller) die deutschen Farben zum Siege. Das Flachrennen gewann der Vorjahressieger Wisa Gloria(früher Chamberlin) unter J. Vinzenz gegen den von Grabsch gesteuerten UnionSieger Agathon. Der Stall Buhofer holte sich mit Blu=Blu=Gloria noch ein weiteres Rennen. Die deutschen Herrenreiter Oberleutnant Horn und Leutnant von Both stiegen mehrfach in den Sattel, mußten sich aber mit Plätzen begnügen. Kennen zu Nizza 1. Prix des Pins, Verkaufsjagdrennen, 3700 Meter: 1. A. Manbys Fatalitas(Davaze), 2. Conquerant 3. 3. Nanouck. Toto: Sieg 23:10, Platz 13. 14:10. 2. Militär=Jagdrennen. 3. Prix de Saint Raphael, Hürdenrennen, 3100 Reter: 1. Lieux Fatasio 4(E. Haes), 2. Selestat, . ausrre), ):10, Meter: 3. Corneliade. Toto: Sieg 17:10, Platz 17, 34:10. 4. Grand Prix du Conseil General, Jagdausgleich, 3400 Meter: 1. Gillis Clocheton 3(Carre) 2. Saccarosia, 3, Kami. Toto: Sieg 29:1 Platz 15, 43, 17:10. 5. Prix du Golf Juon, Hürdenausgleich, 2500 Meter: 1. Lieux Flambo(Kalley), 2. Marcinelle, 3. Veneration. Toto: Sieg 24:10, Platz 18, 26:10. Das Sauerland- das Land der Talsperren „Alle Talsperren sind Kinder der Not, der Not am Wasser.“ Die fortschreitende Entwicklung der Industrie hatte natusjemäß auch eine Zusammenballung von Menschen zur Folge. Durch die Konzentrierung der großen Menschenmengen auf einen verhältnismäßig engen Raum erstand das Problem der Trinkwasserversorgung und durch die immer noch steigende Häufung der Industrien die Frage nach billiger Kraft. Das sind letzten Endes die Motive, die zu jenen, in großzügiger Weise angelegten Talsperrenbauten führten. Gerade die Talsperren sind heute für die Landschaft des Sauerlandes so charakteristisch. Der Talsperrenbau im Ruhrgebiet setzte 1890 ein; der Aufschwung des Talsperrenbaues geht in erster Linie auf den genialen Dr.=Jng. Otto Jntze zurück(geb. 1843 zu Laage in Mecklenburg-Schwerin, 1870 Prof. in Aachen, gest. 1904). Intze ist außerdem noch durch seine Gas- und Wasser(Intze=)Behälter bekannt geworden. Die Remscheider Talsperre(1890 erbaut) ist sein Meisterwerk. Intze hat dann bis zu seinem Tode den deutschen Talsperrenbau so vollständig beherrscht, daß fast alle größeren Ausführungen jener Zeit in Preußen und Böhmen von seiner Hand stammen. Wupper= und Ruhrgebiet sind jene Industriezentren in Nordwestdeutschland, die einen ungeahnten Aufschwung erlebt haben. Es ist klar, daß der Wasserbedarf bei der Verdichtung der Bevölkerung und bei dem Bergbau überhaupt, sei es als Kraftquelle, sei es als wichtiges Hilfsmittel bei der Erzaufbereitung oder bei der Kohlenwäsche, nur mit Hilfe eines Gebietes gedeckt werden kann, das erheblich über die eigentliche Bergbaulandschaft hinausgreift. Im Ruhrgebiet werden für die Tonne geförderter Kohle durchschnittlich 2,5 ebm Wasser gebraucht, was bei einer arbeitstäglichen Förderung von etwa 39 340 Tonnen(1927) einen Wasserverbrauch von 98 350 cbm ausmacht. Und dieser Verbrauch entsteht inmitten eines Gebietes, wo, angelockt durch den Bergbau. viele andere Industrien und Millionen von Menschen sich angesiedelt haben. Bei einem derartigen täglichen Wasserverbrauch nur bei der Kohlenförderung ist erklärlich, daß weder Grundwasser noch die Flüsse wie Emscher, Ruhr und Lippe auch schon früher nicht ausreichten, daß man also notgedrungen Talsperren anlegen mußte. Im Ruhrgebiet liegen allein 11 Sperren: Möhnetalsperre, erbaut 1909—12, Regelung der Wasserverhältnisse an der unteren Ruhr, Elektrizitätswerk zur Kraftgewinnung. Listertalsperre, erbaut 1909—12. Regelung der Wasserverhältnisse an der unteren Ruhr, Kraftgewinnung. Oestertalsperre, erbaut 1903—07, Regelung der Wasserverhältnisse für die Betriebe der Kleineisenindustrie bei Plettenberg. Versetalsperre, erbaut 1902—04, Trinkwasser für die Stadt Lüdenscheid und Regelung der Triebwasser für die Kleineisenindustrie. Füllbeckertalsperre, erbaut 1894—96, Trinkwasser für Altena und Regelung der Triebwasser für die Kleineisenindustrie. Hennetalsperre, erbaut 1901—05, Regelung der Wasserverhältnisse an der unteren Ruhr. Inbachtalsperre, erbaut 1904—06, Regelung der Triebwasser für die Kleineisenindustrie des Volmetales. Glörtalsperre, erbaut 1903—04, Regelung der Triebwasser für die Kleineisenindustrie des Volmetales. Ennepetalsperre, erbaut 1902—05, erweitert 1912, Trinkwasserversorgung des Kreises Schwelm. Regelung des Wasserstandes an der unteren Ruhr. Heilenbeckertalsperre, erbaut 1894—96, Trinkwasser für Gevelsberg. Hasperbachtalsperre, erbaut 1901—04, Trinkwasser für Haspe und Hagen. Die Talsperren dienen also in erster Linie der Trinkwasserversorgung, der Lieferung von Be triebwasser und der Erhöhung des Wasserstandes an der unteren Nuhr. Ein Talsperrenbau stellt aber auch bestimmte Bedingungen an die Natur des betreffenden Landes. Im folgenden soll nun gezeigt werden, wie gerade das Sauerland den diesbezüglichen Anfordeungen nicht nur eben ge recht wird, sondern für Talsperren geradezu ge schaffen ist. Der Untergrund der Täler, bestehend aus Grauwacke und Schiefer, liefert eine Gewähr für ausreichende Tragfähigkeit und Wasserdich tigkeit. Das ist nicht nur wichtig für die großen Wassermassen, sondern auch für die gewaltigen Brücken und Sverrmauern. Neben den Untergrundverhältnissen müssen auch noch die Talgestaltung und die Böschungs verhältnisse mit berücksichtigt werden. Breite Täler sind deswegen nicht geeianet, weil dann di Sverrmauer zu lang, also auch zu teuer werden würde. Gelände mit flachen Tälern und weniger steil ansteigenden Höhen sind deswegen nicht ge eignet, wei der Abkluß gering ist. Je steiler die Böschungsverbältnisse und die Gebirgszüge sind desto rascher fließen die Niederschläge ab, sie drin gen also nicht in den Boden ein wie bei flachen Böschungsverhältnissen. Alle diese Bedingungen sind im Sauerland ohne meiteres gegeben. Hinzu kommen auch noch die auten bydrogra phischen Verhältnisse, die für die Anlage von Talsperren von größter Wichtigkeit sind. Dank der exponierten Lage des Sauerlandes hinsichtlich der regenbringenden Westwinde haben wir hier eine jährliche Niederschlagsmenge von 1300 bis 1400 Millimeter(Münsterland 700—900 Millimeter). Als weiteres Moment kommen für das Sauerland die günstigen Abflußverhältnisse hinzu. Abfluß ist gleich Niederschlagsmenge abzüglich Verdunstung. Die Verdunstung wird gefördert durch Sonnenbestrahlung und Winde. Aber auch der Wald hat auf die Abflußverhältnisse einen großen Einfluß. Die Bedeutung des Waldes für den Wasserhaushalt charakterisiert der Vonner Geograph Prof. Philippson folgendermaßen: Viel größer und unbestritten ist seine Wirkung wird ein Gasthaus genannt, das besonders für Aan Ohéla.ß Naa Maaanmasfava das Auach dan die Pilger, die nach Aachen wollten, bestimmt war. So war man im Mittelalter bestrebt, Not und Elend zu lindern. Der Weg, den man dabei beschritt, war zumeist der der Stiftung. Man schenkte größere Vermögen für einen bestimmten Zweck und die Erträgnisse, Renten oder Zinsen dieses Vermögens bestimmte man urkundlich für eine festgelegte Aufgabe. Solche Stiftungen kamen den vielen Kirchen(Vikarien), den Spitälern, den Klöstern, den Bruderschaften zugute. Daß man dabei auch sein eigenes Seelenheil durch die Stiftung von Memorien(Seelengedächtnis) sicherstellte, war bei dem mittelalterlichen Menschen, der mehr jenseitig gerichtet war, nicht verwunderlich. auf den Abfluß des Regenwassers, der durch den Wald gehemmt und reguliert wird, indem der Waldboden und die Pflanzen große Mengen Wassers aufsaugen und nur zögernd wieder abgeben. So werden durch den Wald die Hochfluten verringert, in Trockenzeiten die Quellen und Flüsse gespeist. Darin liegt die große morphologische und wirtschaftliche Bedeutung des Waldes begründet." Der Waldreichtum des Sauerlandes ist also auch hinsichtlich der für den Talsperrenbau geforderten hydrographischen Verhältnisse von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Infolge dieser von der Natur in überreichem Maße dargebotenen günstigen Verhältnisse ist gerade das Sauerland von vornherein, wie durch die Entwicklung der Industrie am Nordrand die Wasserfrage brennend wurde, als das Land der Talsperren ausersehen worden. Und man kann heute mit Recht das Sauerland als die Hochburg der Talsperren ansprechen. Dr. E. Sämer. Das Nahrungsmittel Milch Bei einer Veranstaltung im Herrenhaus in Verlin, einberufen durch die milchwirtschaftlichen Verbände Deutschlands im Einvernehmen mit den führenden Organisationen der Verbraucherchaft, des Handels und der Landwirtschaft, sprach Reichsminister a. D. Prof. Dr. Fehr, Direktor des Milchwirtschaftlichen Instituts Weihenstephan (Obb.), über: Eine Lebensfrage der deutschen Milchwirtschaft. Der Redner verstand es, in besonders anschaulicher Weise die ungeheueren Massen der täglich in Deutschland erzeugten Milch dem Vorstellungsvermögen der Zuhörer begreiflich zu machen und childerte ausführlich, von welcher Bedeutung eine rentable Verwendung der ungeheueren Ueberschüsse an entrahmter Milch sowohl für den Erzeuger wie für den Verbraucher sei. Neben anderen Verwendungsarten habe man jetzt den technischen Weg zu dieser Verwendung in hygienisch hervorragender Weise durch die Herstellung des als Närmil-Vollkost auf den Markt gebrachten Milcherzeugnisses gefunden. Närmil ist demnach kein Ersatz, sondern ein nachgewiesenermaßen hochwertiges Volksnahrungsmittel. Prof. Dr. Atzler, Direktor des Kaiser=WilhelmInstitutes für Arbeitsphysiologie, Dortmund, prach über: Ernährungskrise— ein Eiweißproblem? Im Gegensatz zur Hungerkrise des Weltkrieges ind heute zwar Nahrungsmittel genug vorhanden. Trotzdem ist infolge Einkommensschrumpung auch jetzt wieder eine Eiweißunterernährung größerer Bevölkerungskreise festzustellen, die auf die körperliche Leistungsfähigkeit ungüntigste Rückwirkungen hat. Die Ernährungswissenschaft und Arbeitsphysiologie kennt heute als Mittel zur Leistungssteigerung und Besserung des Ernährungszustandes das Lecithin. Daher ist es besonders bedeutsam, daß in der neuen Närmil-Vollkost nicht nur das ernährungsphysio'ogisch wertvolle Milcheiweiß, sondern auch Lecithin enthalten ist, und zwar erstmals in einem Volksnahrungsmittel. Frau Hildegard Margis, stellvertr. Vorsitzende der Zentrale der Hausfrauenvereine Groß=Verin, Mitalied des geschäftsführenden Vorstandes des Reichsverbandes deutscher Hausfrauenvereine, sprach über: Was erwarten wir von einem Volksnahrungsmittel? Die Rednerin erörterte die verschiedenartigsten Anforderungen, die man an ein der Kaufkraft des Volkes angepaßtes Volksnahrungsmittel unter den gegebenen Verhältnissen stellen muß. Sie kam zu dem Ergebnis, daß die Närmil-Vollkost als Verwertungsmöglichkeit für die entrahmte Milch allen diesen Ansprüchen vollauf genüge. Der Reichsverband deutscher Hausfrauenvereine habe die Närmil-Suppen erprobt und betrachte dieses neue Erzeugnis der heimatlichen Erde als ein Volksnahrungsmittel, da es geeignet sei, unseren größten Reichtum, die Volksgesundheit, zu erhalten. Direktor Dr. Chr. Otto Fischer, Mitglied des Vorstandes der Reichs=Kredit=Gesellschaft A.=G., sprach über: Wandlung im landwirtschaftlichen Kreditwesen. Der Redner beleuchtete vom Standpunkte des Kreditgebers die Umstände, die zu der Verschuldung und Kreditnot der deutschen Landwirtschaft geführt haben. Auch trotz Östhilfe und Senkung des Zinsfußes wird ein starkes Kreditbedürfnis der Landwirtschaft bestehen bleiben, so daß jede Möglichkeit zu begrüßen sei, die Rentabilität der Betriebe zu steigern. Da bei vorsichtiger Berechnung der Mehrertrag pro Kuh durch Verwertung der entrahmten Milch zu Närmil=Vollkost auf 72 Mark im Jahre veranschlagt werden könne, so sei auch vom Standpunkte der Kreditgeber die gemeinschaftlich gefundene Lösung des großen Problems der Magermilchverwertung durch das neue Volksnahrungsmittel auf das wärmste zu begrüßen. Der Redner wünschte für Fortschritt und Verbesserung auf anderen Gebieten der Landwirtschaft ein aufrichtiges„vivant sequentes". Direktor Hellmuth Werner Maurer, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Zentral=Kreditgenossenschaft deutscher Molkereien, e. G. m. b. H., sprach über: Stadt und Land, in einer Aufgabe vereint. Der Redner würdigte die Verwertung der entrahmten Milch zur Närmil=Herstellung als eine Gemeinschaftsaktion von Stadt und Land, wobei ihre Verwendung für die Landwirtschaft die gleiche Bedeutung habe wie die der Nebenprodukte der Kohlenindustrie. Die Nutzbarmachung der Magermilch müsse als Nahrungsfaktor unseres Volkes gewertet werden, da es eine soziale Notwendigkeit sei, die Eiweißnot zu überwinden und die Werte des Landes dem Volke zu erschließen. Stadt und Land vereint bedeute Entpolitisierung auf wirtschaftlichem Gebiet und„bahnfrei“ für verantwortungsbewußte schöpferische Zusammenarbeit. Liebestätigkeit im mittelalterlichen Westfalen Auch in Westfalen hat die religiöse Bewegung, gefaßt. Die erste Niederlassung der Franziskaner auf roter Erde erfolgte 1235 in Paderborn. Dann folgten Niederlassungen 1254 in Arnsbera. 1270 in Münster, um dieselbe Zeit in Dortmund, Soest, Osnabrück. Wenn wir auch den Franziskanern die berühmtesten Kanzelredner der Zeit verdanken, so stand doch im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit die Armenfürsorge und die Barmherzigkeitsübung. Zwischen Westfalen und der heiligen Elisabeth bestanden enge Beziehungen. Beweis dafür ist u. a. das„Rosenwunder von Attendorn“, das im dortigen Heimatmuseum zu sehen ist. Zahlreiche Spitäler erhielten den Namen der heiligen Elisabeth. Die Bewegung der„Brüder des gemeinsamen Lebens“ die um die Wende des 14. Jahrhunderts hervortrat und ebenfalls die praktische Herzensfrömmigkeit betonte, fand wiederum in Westfalen den fruchtbarsten Boden. Es kam dieser Bewegung vor allem darauf an, Frömmigkeit und praktische Liebestätigkeit in Laienkreisen zu wecken und zu stärken. Wir müssen hier vor allen Dingen zwei Westfalen nennen, das Freundespaar H. von Ahaus in Münster und H. Loder, Prior in Frenswegen. Die verinnerlichte und praktisch ausgeübte Frömmigkeit hat zweifellos in Westfalen tiese Wurzeln geschlagen. Der rheinische Städtetag 1256 zu Würzburg nimmt Westfalen für die praktische Liebestätigkeit zum Muster. In Westfalen fanden die Bruderschaften die größte Verbreitung, die sich gegenseitig helfen und fördern wollten. Es ist kein Zufall, daß in Westfalen die Kalandsbruderschaften großen Anklang fanden. Auch die gewerblichen Gilden, die Handwerkszünfte usw. nehmen ganz den Charakter der frommen Bruderschaften an. Als infolge des Aufschwungs von Handel und Verkehr die Zahl der Wanderer größer wurde, nahm man sich auch der heimatlosen und hilflosen Wanderer an. Besonders groß wurde die Not der Aussätgen, der Leprosen. Um diesem Elend zu begegnen, wurden Siechenhäuser, und um die Armen und Kranken billig beherbergen zu kön nen, wurden Gast= und Pilgrimhäuser gegründet. In Dortmund haben wir vor 1269 das alte Gasthaus, 1263 wird schon ein Leprosenheim er wähnt, 1378 wird das neue Gasthaus gegründet. Bochum hat 1438 Hospital und gemeines Gasthaus für Arme und Kranke. In Unna haben wir ein Leprosenhaus, in Werl ein Spital= und Siechenhaus, in Lippstadt ein Heiliggeist=Spital, ein Leprosenhaus, ein Gasthaus. In Paderborn wird uns das Hospital zum Abdinghof 1015 und das Sicchenhaus 1333 bezeugt. Wir sehen schon an diesen Namen, wie die Stätten christlicher Liebestätigkeit, besonders an der großen Heerstraße längs des Hellweges errichtet wurden. An dieser Straße war die wich tigste Stadt Soest. Hier wurde schon 1178 das Heiliggeist=Spital von Erzbischof Philipp von Heinsberg in Schutz genommen. 1250 wird hier in Soest das Leprosenhaus erwähnt. Das Pilger haus, im 14. Jahrhundert vor dem Jakobitor er richtet, wurde 1447 in die Stadt verlegt. 1430 Benglerorden und Kosenkranzbruderschaft in Westfalen Geschlechter und Zünfte waren es vornehmlich, denen im ausgehenden Mittelalter die Pflege des Gemeinwohls oblag, deren Gegensätzlichkeit zur Bildung und Erstarkung des Mittelstandes beitrug, von dem es schon in alter Zeit heißt: „Der Mittelstand nur ist der wahre Bürgerstand, für Zucht und Ordnung wachend, die das Volk gebot." Zum Schutze gegen die Uebergriffe der Adeligen entstanden Städtebündnisse mancherlei Art; auch die Hanse gehörte in gewisser Beziehung dazu. Die Geschlechter und Ritter schlossen sich zusammen durch Bündnisse und Verträge und handhabten das Fehderecht zur Befriedigung ihrer Raub= und Rauflust.„Ganz Deutschland", schrieb Aeneas Sylvius, der spätere Papst Pius II.,„ist eine Räuberhöhle und unter den Adeligen der am angesehensten, der am meisten raubt." Markgraf Albrecht Achilles von Brandenburg rühmte sich sogar, er habe in seinem Leben 170 Dörfer verbrannt und fügte höhnisch hinzu:„Der Brand ziert den Krieg, wie das Magnificat die Vesper.“ Von einer westfälischen Rittergenossenschaft erzählt Gustav Freytag in seinen Bildern aus der deutschen Vergangenheit. Im Jahre 1353 wurde eine zum Kampfe gegen die heidnischen Preußen von dem englischen Grafen Derby vorausgeandte Kreuzfahrerschar von 400 Rossen durch westfälische Edle auf der Lippspringer Heide überfallen. Es kam zu einem harten Speerkampf. Die Kreuzfahrer wurden gefangengenommen, ein großer Schatz ihnen abgenommen, und die Räuber waren bald reiche Leute. Einer von ihnen kaufte von dem Lösegelde die Burg Lohne bei Soest und die ganze dazu gehörige Herrschaft. Besitzer der Burg aber waren damals die Plettenbergs. Im Jahre 1379 überläßt Hunold von Plettenberg sein freies eigenes Haus zu Lohne mit allem Zubehör und seinen Befestigungen dem Erzbischof von Köln, um es als kurkölnisches Lehen wieder zurück zu empfangen. Aus dieser Rittergenossenschaft ist der Benglerbund entstanden, der von dem Ritter Friedrich von Padberg im Jahre 1391 gegründet wurde. Er hatte seinen Namen von einem silbernen Keulenprügel(„Bengel"), den seine Mitglieder als sprechendes Sinnbild ihrer ritterlichen Tätigkeit in der Zeit des sog. Fehderechts der Freien(1392—1466) auf der Brust trugen. Wegen der Burg Dringenberg kam Friedrich von Padberg in einen Streit mit dem Bischof Rupert von Paderborn. Mit seinen Helfern: Wolf, Scharteberg, Hinderhaus, Spiegel, Falkenberg und anderen vom Adel brach Friedrich in das Bistum ein und richtete hier großen Schaden an. Der Bischof zog ihm entgegen und belagerte ihn in der Burg Fürstenbera im heutigen Kreise Büren. Als Rache dafür zerstreuten sich die nicht miteingeschlossenen Bengler plündernd über das ganze Land, beraubten auch am 18. Juni 1391 die Kirche zu Verne bei Salzkotten. Als sie nun die Beute nach Padberg in Sicherheit bringen wollten, stießen sie bei Büren auf eine Abteilung der bischöflichen Leute, von denen sie in die Flucht geschlagen wurden. Die Burg Fürstenberg ergab sich darauf den Bischöflichen. Diese vergalten Gleiches mit Gleichem. Im Jahre 1392 fielen sie in das feindliche Land ein, plünderten und brannten dort in 16 Höfen und legten in Emmerde(Emmerode) die am Kirchhofe gelegenen Häuser in Asche. Die Raubzüge der Bengler dauerten auch noch an, nachdem 1392 in Hamm der westfälische Landfriede geschlossen worden war und die westfälischen Herren unter sich die Rosenkranzbruderschaft errichtet hatten, zu der sich die Fürsten und Ritter bekannten, die den Landfrieden abgeschlossen hatten. Statt sich weiter zu befehden, wollten sie jetzt täglich den Rosenkranz füreinander beten und zum äußerlichen Zeichen ihrer friedfertigen, christlichen Gesinnung einen goldenen oder silbernen Rosenkranz am Halse tragen. Zu dieser Bruderschaft gehörten u. a. der Kurfürst von Köln, die Fürstbischöfe von Münster und Paderborn, der Herzog Adolf von Kleve und von der Mark, Friedrich, Graf von Moers. In demselben Jahre(1393) kam noch ein weiteres Bündnis zustande zwischen den Kurfürsten von Mainz und Köln, dem Fürstbischof von Paderborn, dem Herzoge von Braunschweig, den Landgrafen von Thüringen und Hessen und dem Markarafen von Meißen. das in Dortmund auf 12 Jahre abgeschlossen wurde und auch Strafen für Friedensbrecher festsetzte. Dennoch dauerten die blutigen und wüsten Orts=, Bezirksund Privathändel, selbst Fehden, noch lange fort. K. Lamprecht. Die Slucht des Matthias Benteup ROMAN VON KARL-HEINZ VOIGT „Den Posten können Sie voraussichtlich nur kurze Zeit innehaben, da der jetzige Gläserspüler erkrankt ist.“ Matthias Bentrup verspürte ein freudiges Gefühl. Dieser Mann schien Mitleid mit ihm zu haben. „Wir bieten Ihnen einen Wochenlohn von 20 Mark und freie Kost. Wenn Sie einverstanden snd, können Sie morgen die Stellung antreten.“ Eine tiefe Dankbarkeit zu diesem einfachen Menschen, der ihm Brot geben wollte, durchströmte Matthias. „Ihre Tätigkeit beginnt früh um 7 Uhr und endet nachts 11 Uhr. An jedem Mittwoch sind Sie arbeitsfrei.“ „Ich nehme den Posten selbstverständlich gern an." Matthias fühlte sich versucht, die Hände des Personalchefs zu ergreifen und zu küssen. „Ich brauche noch einige Notizen, Herr Lehmann." Bentrups Herzschlag setzte sekundenlang aus. „Jetzt kommt die gefürchtete Frage", dachte er und wappnete sich mit Gefaßtheit. „Wo wohnen Sie?" „Vorläufig noch in der Mulackstraße.“ „Sie haben mich von einer Veränderung Ihrer Adresse unverzüglich zu unterrichten. Das ware alles." „Ich bin Ihnen zu Danke verpflichtet, Herr Kunterbunt.“ Matthias verneigte sich. Er wandte sich zur Tür. „Halt! Noch einen Augenblick!“ rief Kunterbunt. Matthias kehrte sich um. „Ich muß Sie noch instruieren, daß Sie in der Küche den Anordnungen des Herrn Seiler unterstehen. Er ist dort Ihr direkter Vorgesetzter.“ „Jawohl, Herr Kunterbunt.“ Matthias Bentrup verließ das Büro.— Eine Zentnerlast schien von seinen Schultern genommen. Jetzt hatte er wenigstens Arbeit. Arbeit ist das köstlichste Ding auf der Welt, die heilsamste Arznei!— Er hatte Brot, wenn auch ein kümmerliches Brot, aber er konnte doch leben. Am nächsten Morgen pünktlich um 7 Uhr betrat er seine Arveitsstätte. Das Küchenpersonal beäugte den Neuen eingehend. Herr Clemens Seiler, der Koch, zeigte ihm sogleich seine Arbeitsstätte. Der dicke Mensch mit dem ewig roten Vollmondgesicht erklärte dem Neuling seine Tätigkeit. Die Gläser wurden in kaltem und warmem Wasser gespült und hierauf in den HeißluftTrockenapparat gestellt.— Das war alles. Matthias erkannte, daß diese Arbeit dazu angetan war, ein intelligentes Gehirn langsam zur Verblödung zu bringen.— Nach wenigen Stunden war das Gläserspülen eine rein mechanische Tätigkeit geworden, die keinerlei Aufmerksamkeit erforderte. Das übrige Personal, das in der Küche herumwimmelte, kümmerte sich weniger um„Lehmann", wie er kurzerhand genannt wurde. Nur ein junger Mann war da, der Kochgehilfe Oswald Pigalla, mit dem Matthias Bentrup nähere Bekanntschaft schloß. Oswald Pigalla war sehr gesprächig und versuchte in den Mittagspausen öfters, den schweigsamen Lehmann zum Reden zu bringen. „Du bist woll noch nich lange hier in Berlin, wat?“ fragte der Urberliner den neben ihm sitzenden Bentrup. „Wieso wissen Sie das?“ fragte Matthias Bentrup aus einem unerklärlichen Unbehagen heraus. „Weil du so doof bist.— Mensch, wir Berliner sein annersch. Und überhaupt, det Siesagen is hier bei uns nich Sitte, vastehste.“ Matthias empfand, daß er mit den Wölfen heulen müsse und erwiderte:„Entschuldige, Pigalla, ich wollte wirklich nicht unkameradschaftlich sein." „Na also, denn is ja jut!— Aber weeste, det du een furchtbares Jrünhorn bist, det sieht man dir gleich an.—— Du bist woll aus Posemuckel, wat?" Bentrup versuchte, sich ein Lächeln abzuquälen und antwortete: „Ich bin allerdings immer auf dem Lande gewesen." „Junge, Junge, dir bringen wir's ooch noch bei!— Vier Wochen in Berlin, und du sagst selber:„knorke!"— Ick schwöre uff Berlin.— Wolln wir mal ausjehn zusammen?— In die Apollo=Säle oder nach Tempelhof zum Scherbeln. Eenfach schnafte, vastehste.— Du schwoofst doch ooch, wat?" „Ja, so ein bißchen", antwortete Matthias. Die urwüchsige Vertraulichkeit dieses Berliner Jungen tat ihm wohl.—„Man könnte vielleicht vieles vergessen, wenn man sich von Oswald Pigalla durch die Lokale der Großstadt schleifen ließ", überlegte er und war fest entschlossen, Prgallas Aufforderung Folge zu leisten. „Haste ee Mächen?" fragte Pigalla mit vertraulichem Augenzwinkern. Als Matthias verneinte, wurde der andere ganz aufgeregt:„Wie is det nu möglich?— Mußte dir anschaffen.— Meine Braut heißt Mieke. Du. die hat'ne Freundin, da staunste. Da biste weg, vastehste. Det wär wat für dich. Mittwoch bin ick frei.“ „Ich auch.“ „Jut!— Jehen wir nach Tempelhof.— Je macht?" „Abgemacht!" Die Mittagspause war vorüber. Die hirnerweichende Tätigkeit des Gläserspülens begann aufs neue. 7. Matthias wohnte jetzt bei einer einsamen Witwe auf der Kesselstraße, in einem lichten, hellen Zimmer. Der Verkehr mit dem Kochgehilfen Oswald Pigalla hatte sich weiter entwickelt. Matthias war dem jungen Menschen dankbar, daß er sich seiner annahm. Einmal war er mit ihm in einem Vorstadtlokal zum Tanz gewesen. Diese laute und derbe Lustbarkeit war nichts weiter als eine Betäubung für Matthias gewesen. Für den heutigen dienstfreien Tag hatte er sich mit Oswald Pigalla nach einem Lokal in Karlshorst verabredet. Als Matthias nach langer Fahrt das Lokal betrat, das Nischen und lauschige Plätzchen für verliebte Pärchen besaß, winkte ihm Pigalla schon zu. Er saß zwischen zwei jungen Mädchen und machte Bentrup sogleich mit seinen Damen. bekannt. Bentrup wußte auf den derben Ton der drei nicht einzugehen. Er fühlte sich unbehaglich in der lauten Gesellschaft und stürzte sehr rasch ein paar Liköre hinunter. Die Braut Oswald Pigallas besaß einen schwarzen, gepflegten Bubikopf. Ihre Augen waren tiefdunkel von einer unergründlichen Farbe, während ihre Freundin Ida sanfte, rehfarbene Augen hatte und eine zarte Haut, die mit d. onden Haar gut harmonierte. Pigalla trank sehr viel, er animierte auch die Mädchen dazu, die sehr bald in eine verzweifelt lustige Stimmung gerieten. Der Kochgehilfe erzählte Geschichten aus seinem Leben, wahre oder unwahre, wer konnte das wissen, aber Mieke und Ida glaubten daran. Er fuhr zuweilen mit der Hand über Miekes Wangen, ein Streicheln markierend und warf wichtigtuerisch siegesgewisse Blicke nach der blonden Ida. „Du hast woll noch nischt erlebt, wat?“ fragte Pigalla Matthias und brachte sein rotes Gesicht nahe dem seinen.„Du siehst aus, als könntste keen Wässerchen trüben.“ Matthias wußte hierauf nichts zu antworten. Er lächelte still vor sich hin, quälte sich schließlich einige wenig überzeugende Scherzworte ab. Er empfand mit leisem Mißbehagen, daß Pigallas Braut, die dunkeläugige Mieke, ihn unverhohlen mit Interesse betrachtete und mit ihm zu kokettieren versuchte. Den in Liebesdingen durchaus unerfahrenen Bentrup verwirrte diese Beobachtung derart, daß er sich wünschte, dieser Abend möge baldigst ein Ende nehmen. „Kinder, Ihr seid heute doof“, stellte Pigalla est.„Ihr habt keene Mauke. Hier is ooch nix los!“ Plötzlich machte er ein pfiffiges Gesicht. „Wißt Ihr wat?— Wir jehn zu Mutter Auer.“ Ida blies den Rauch ihrer Zigarette in elegantem, dünnem Strahl von sich, verzog das Mäulchen und meinte, dort sei es furchtbar langweilig, sie habe viel mehr Lust zum Tanzen. „Sachte, sachte, Idachen!— Immer eens nach dem anderen“, sagte Pigalla,„die Nacht is noch lang. Ick kenne Lokale, die sich'n Dreck um die Polizeistunde scheren. Jetzt jehts erst mal zu Mutter Auern.“ „Was ist das für ein Lokal?" fragte Matthias beunruhigt. „Da wird jespielt, Mensch", flüsterte Pigalla. „Haste ee paar Mark einstecken, kannste viel vadienen.— Also los!" Matthias ekelte diese Gesellschaft an. Er wünschte sich nichts sehnlicher, als jetzt in seiner einsamen Stube zu sein und nichts zu hören und zu sehen von dem Sumpf der Großstadt. An einem miesen alten Haus drückte Pigalla auf einen Klingelknopf. Ein unsympathisches Altmännergesicht wurde in einem Spalt der Tür sichtbar. „Zu Mutter Auer!“ raunte Pigalla, und der Alte öffnete ehrfurchtsvoll die Türe. Man mußte durch einen dunklen Gang schreiten. Dann kam eine brüchige Holztreppe, die verteufelt an eine Hühnerstiege erinnerte und schließlich war da wieder eine geheimnisvolle Tür. Der Begleiter der vier klopfte in einem bestimmten Takt an. Der Kopf einer Frau, der verzweifelt mit allen Mitteln moderner Kosmetik zurechtgemacht war und dennoch der ewigen Tragödie des Alterns nicht standhalten konnte, wurde sichtbar. „Vier Mann", raunte der Alte. Das Weib öffnete und ließ die Gäste eintreten. „Is reene Luft, Iwan?" fragte die Geschminkte. „Alles in Ordnung!“ flüsterte der Mann und verschwand wieder in der Dunkelheit. Matthias fand sich in einem schlecht beleuchteten Zimmer wieder. Es roch nach schalem Bier und gemeinem Parfüm Um einen runden Tisch saßen Männer und Frauen übelster Sorte um ein Roulettespiel gruppiert. Ein grell bemaltes Mädchen mit entmutigend häßlichen Gesichtszügen schrie plötzlich schrill auf. Sie unterdrückte ihren Schrei sogleich und strampelte wild mit den Beinen.„Zehn Mark", kreischte sie, sich vergeblich bemühend, den lauten Klang ihres ordinären Organs zu dämpfen.„Justav!!— Heute mußte blechen.“ Sie liebkoste den neben ihr sitzenden Gustav, einen Kraftwagenführer, mit ihren mageren Händen und schob das erhaltene Geld in ihren Busenausschnitt. Bentrup, der diese Szene beobachtet hatte, fühlte schalen Ekel hochsteigen. In welche Gesellschaft war er hier geraten! Plötzlich jagte ein fiebernder Gedanke durch sein Hirn:„Es ist ein Wahnsinn gewesen, sich in diese Verbrecherkaschemme zu begeben. Dieses verbotene Lokal hier war eine drohende Gefahr für ihn. Konnte nicht sogleich Polizei durch jene geheimnisvolle Tür eintreten?— Razzia! Dann mußte er seine Papiere vorweisen. Oswald Pigalla mußte erleben, daß sie auf Matthias Bentrup lauteten. Dann wurde der ganze Schwindel aufgedeckt. Die Polizei fragte in Bergau an...“. Matthias wagte nicht, weiter zu denken. Kalter Schweiß perlte auf seiner Stirn. Wie quälende Skorpione waren die Minuten, die unsagbar langsam in der Ewigkeit versickerten. „Mensch, Lehmann'— Du schläfst woll?“ rief Oswald Pigalla und gab Bentrup einen kameradschaftlichen Puff. Matthias raffte sich zusammen.„Ich bin müde, Pigalla.— Was wollen wir eigentlich hier?" „Quatsch nich, jetzt wollen wir mal pinkern!“ Er ging zu dem Tisch, und Matthias konnte beobachten, wie er die Geldtasche zog und einen Schein auf den Tisch warf. Die Mädchen belegten Matthias jetzt vollständig mit Beschlag. Die temperamentvolle Mieke rückte ihm so nahe zu Leibe, daß er Unwillen verspürte. Sie spielte mit seinen Fingern, und Matthias Bentrup bemerkte, daß ihre Haut sehr heiß war und das verzehrende Feuer aus ihren Augen zu ihm hinüberzuspringen schien. Als Pigalla an den Tisch der drei zurückkehrte, war sein Gesicht grau. „Du hast verspielt, Waldi“, sagte seine Braut zärtlich und hatte traurige Augen. „Ja", antwortete Pigalla kleinlaut, setzte sich neben das Mädchen und begann es, wie um hier Entschädigung für seinen Verlust zu finden, mit Hingebung zu küssen. „Wieviel?" fragte sie. „Egal!" „Wieviel, Waldi?“ „Zwanzig Mark!“ „Einen halben Wochenlohn, Waldi!" Ihre Stimme klang vorwurfsvoll. „Wir wollen jeh'n!" schlug Pigalla plötzlich ernüchtert vor. Die vier traten den Rückweg durch den geheimnisvollen, dunklen Gang an. Sie gelangten, in der Finsternis tappend, zu dem Tor, vor dem der alte Iwan immer noch Schmiere stand.——— Spät in der Nacht kehrte Matthias heim. Dieser Pfuhl von Schmutz, den er heute geschaut, hatte eine tiefe Abscheu in ihm erweckt. Die Seele des Jünglings aber streifte die Eindrücke dieses Abends mit einem Ekelgefühl endgültig ab. Als er sich seiner Kleidung entledigen wollte, fuhr seine Hand unwillkürlich in die Rocktasche. Er fühlte etwas Fremdes darin und brachte ein kleines Stückchen Karton zum Vorschein. Dort stand mit Bleistift gekritzelt, unorthographisch und halb verwischt: „Ich liebe Dich!— Treffpunkt Mittwoch abend 8. Normaluhr Alexanderplatz. Mieke." Matthias Bentrup konnte sich eines Lächelns nicht erwehren. Aus dem Lächeln aber wurde ein tiefernster Gesichtsausdruck.„Ich liebe Dich!" — Eine kleine Berliner Verkäuferin, dumm und nichtssagend, bekannte ihre Liebe zu ihm, dem Mörder. Eine Zärtlichkeit, die sofort wieder entfloh, streifte das Herz des Einsamen. Es klang beinahe rührend:„Ich liebe Dich!“ Aergerlich zerriß er den Zettel. Seit diesem Abend schränkte Matthias seinen Verkehr mit Oswald Pigalla ein. Es schien ihm selbst, als habe der Kochgehilfe nicht mehr das lebhafte Interesse für„Lehmann“ wie am Anfang. Ja, Matthias glaubte sogar zu bemerken, daß der Ton Pigallas, den er jetzt gegen ihn anschlug, ein unfreundlicher war. Er fühlte sich im geheimen von den Blicken des Berliners bedroht. Zuweilen trat ein böses Funkeln in die Augen Pigallas, wenn er mit Matthias sprach. Ganz selten nur noch gingen sie zusammen aus, und dann waren nie die Mädchen dabei. Diese Tatsache ließ bei Matthias den Gedanken aufkeimen, Oswald Pigalla habe etwas von der Zuneigung Miekes zu Matthias bemerkt.— Nun. Oswald Pigalla konnte beruhigt sein, Miekes Liebe zu Bentrup war hoffnungslos. Eines Tages sagte Pigalla zu Bentrup:„Mieke läßt dich jrüßen, Lehmann." „Danke, Pigalla, wie geht es deiner Braut?" „Schlecht!“ „Fehlt ihr etwas?“ fragte Bentrup völlig uninteressiert. „Ja, du!" „Wie?" Der Kochgehilfe trat drohend auf Matthias zu. „Mensch, nu tu bloß nich so doof, vastehste. Det Mächen is ja verrückt uff dich. Det sieht ja'n Blinder.“ „Mein lieber Pigalla, du phantasierst!" „Quatsch keene Opern!— Ick weeß, wat los is. Aber ick sage dir, wenn ick euch zusammen erwische, mache ich Hackepeter aus dir.— Mir kann keener!— Ich kann„Iiu-Iitsu"(er sprach es„Schiu=Schitzu" aus).“ Die drohende Faust Pigallas tanzte vor Bentrups Nase auf und ab. „Mit mir is nich jut Kirschenessen, alter Freund. Mit mir kannste nich antreten, vastehste. Da kannste dir jleich'nen Sarg bestellen." Matthias war bleich bis in die Lippen geworden.„Mein lieber Pigalla, ich schwöre dir, daß ich seit jenem Abend bei Mutter Auer weder deine Braut noch deren Freundin mehr gesehen habe." „Red' keen Blech, Mensch!— Die Mieke will von mir nichts mehr wissen, ich bin ihr nicht mehr ein jenug." Er lachte sarkastisch auf. Matthias verwunderte dies Lachen. „Es tut mir leid, Pigalla, daß ich schuld sein oll an eurer Mißstimmung. Ich kann nichts dafür." Pigallas Zorn hatte sich etwas besänftigt. Er trat achselzuckend von Bentrup zurück. Damit war dies Gespräch beendet. Eine wortlose, unerträgliche Spannung blieb zwischen den beiden. Matthias hatte das ständige Gefühl, daß Oswald Pigalla auf Rache sinne. Wochen und Monate versanken ins Nichts— Matthias war immer darauf vorbereitet gewesen, daß der Gläserspüler, den er zu vertreten hatte, zurückkehren würde und er der alten Kraft weichen müssen. Unter dem Küchenpersonal hieß es, Herr Liebtraut sei noch immer hoffnungslos krank und werde wohl seine Tätigkeit hier überhaupt nie wieder aufnehmen können. So war es auch zu erklären, daß„Lehmann", ohne daß man nach seinen Papieren fragte, nun schon so lange seinen Posten bekleidete. Es war Winter geworden. Ein trostloser Weihnachtsabend in der Verbannung rief dem Einsamen wieder all sein Elend grausam deutlich vor die Seele. Man ging durch nächtliche, verschneite Straßen. Man blickte in zufriedene Gesichter. Menschen, die bereit waren, einander Freude zu spenden, eilten vorüber. Matthias allein war ausgestoßen. Kein lieber Blick wurde ihm vergönnt. Der Gedanke an das weihnachtlich verschneite Bergau zerviß ihm das Herz.— Läuteten nicht jetzt dort die Glocken?— Saß in der vertrauten Kirche in der ersten Reihe nicht eine müde, alte Frau in schwarzem Trauergewand— seine Mutter?— Betete nicht daneben vielleicht eine andere Frau, gleichfalls in Schwarz, nur jünger: Antonial? Still!— Still!— Matthias verscheuchte die Gedanken, die ihn heimtückisch überfallen wollten. — Alle Brücken waren abgebrochen.— Jeder Mörder mußte die Brücken hinter sich abbrechen. Wenige Wochen nach Neujahr ließ ihn Herr Kunterbunt, der Personalchef, in sein Büro rufen. Nichts Gutes ahnend blickte Matthias Herrn Kunterbunt entgegen, der, scheinbar übellaunig, in seinem Privatbüro auf und ab ging. Kunterbunt hielt in seiner Wanderung inne. Er blieb vor Matthias stehen.„Ich habe Ihnen eine unerfreuliche Mitteilung zu machen, Herr Lehmann. Unser Personaletat muß eingeschränkt werden. Es tut mir um Ihretwillen leid, Herr Lehmann, aber es geht nicht anders." Kunterbunt zog die Schultern hoch und wiegte den Kopf bedauernd hin und her. „Die Redensart von der Einschränkung des Personals ist eine glatte Lüge", dachte Matthias Bentrup erbittert und wußte sofort, daß er Pigalla diese Kündigung zu verdanken hatte. „Dann bin ich wohl heute bereits entlassen?" Kunterbunt sah überflüssigerweise nach dem Kalender, der den Monatsletzten anzeigte und wiederholte sehr rücksichtsvoll:„Es tut mir um Ihretwillen wirklich leid, Herr Lehmann!“ „Das nützt mir leider nicht viel, Herr Kunterbunt", entgegnete Matthias resigniert lächelnd. Dann stand er draußen. „Man muß diplomatischer sein im Leben", sagte sich Matthias. Er, der gerade Charakter, dem alles Kriechen fremd war, hatte nie daran gedacht, sich seinen Vorgesetzten Kunterbunt durch Geld, Zigarren und gute Worte milde zu stimmen, wie das wahrscheinlich Oswald Pigalla vortrefflich verstanden hatte. „Wie ungerecht doch die Menschen sind!" dachte Matthias, als er Abschied genommen hatte von seiner Wirkungsstätte. Seine Augen waren matt und traurig. (Fortsetzunig folgt.