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Der Völkerbund rafft seine letzten Lebensgeister zusammen, um die Erörterung der jüdischen Frage, die in diesem Jahre sein einziges wirkliches Thema bildete, mit einer großen Demonstration für die Gleichberechtigung der Inden abzuschließen. Diese Demonstration soll die Welt, so gut es eben geht, über den Mangel irgendwelcher ernsthaften Aktionsmöglichkeiten des internationalen Parlamentarismus hinwegtäuschen. Man hat an zwei bekannte Institutionen, den Minderheitenschutz und die Flüchtingsfürsorge, angeknüpft, nicht etwa um irgendeine nützliche Lösung dieser nicht auf Deutschland beschränkten Probleme zu suchen, sondern um der fortwährenden tendenziösen Einmischung in deutsche Angelegenheiten eine Art rechtlicher Grundlage zu geben. Unter engl. Einwirkung und wegen der Eilersucht der verschiedenen interessierten Länder hat man darauf verzichtet, das Palästina=Problem aufzurollen, was unter den gegenwärtigen Umständen für den Völkerbund eine dankenswerte Aufgabe gewesen wäre. Man hat andererseits auch davon absehen müssen, die Juden als nationale Minderheit zu definieren, weil sich dafür weder im positiven Recht noch in den allgemeinen Völkerbundsgrundsätzen Anhaltspunkte finden ließen. Die Annahme der französischen Entschließung im Unterausschuß, die im Hinblick auf die Juden„gewisse staatsbürgerliche Kategorien" in dem gleichen Maße wie bisher die Minderheiten vor Benachteiligung wegen ihrer Rasse. Sprache oder Religion schützen will, bedeutet zunächst einmal das Eingeständnis, daß die Juden keine Minderheit in irgendeinem rechtserbeblichen Sinne sind. Sie sollen vielmehr den Minderheiten durch diese Entschließung erst jetzt gleichgestellt werden. Auch wenn diese Entschließung von weniger aagkessivem Geilt gegenüber Deutschland getragen wäre, müßte sie von den deutschen Delegierten abgelehnt werden, weil sie den deutschen Verhältnissen in keiner Weise gerecht wird. Die Auseinandersetzung mit dem Judentum in in Deutschland ein historisches Problem. das durch den Abwehrkampf eines Volkes gegen die turannische Vorherrschalt fremder politischer sozialer und kultureller Einflüsse gekennzeichnet wird. Aus diesem Grunde würde auch die Einrichtung einer völkerbundsoffiziellen Fürsorge für die aus Deutschland abgewanderten Juden, die großenteils Deutschland von Anfang an nur als Durchgangsstation nach dem Westen betrachtet haben, einen Mißbrauch humanitärer Idcale darstellen. Deutschland kann nicht für die Einsetzung eines Oberkommissars stimmen, der zum Mittelpunkt der gesamten ausländischen Aaitation würde und dessen regelmäßige Berichterstattung an den Völkerbund. Aufrufe an die internationale Opferwilligkeit und ähnliche Kundgebungen fortwährend Anlässe zu überflüssigen und aufreizenden Debatten geben würde. Schon die Aussprache über das deutsch Nein, das in dieser Woche beide Anträge zu Fall bringen wird dürfte eine Probe der internationalen Demagogie bieten, der vor allem Frankreich innerhalb des Völkerbundes eine Stätte sichern möchte. Die neue spanische Regierung. Unter Martinez Barrios ohne die Sozialisten. Madrid. Das neue spanische Kabinett ist unter Führung von Martinez Barrios gebildet worden. Es weist folgende Zusammensetzung auf: Ministerpräsident Barrios; Außenminister Albornoz: Justizminister Asensi; Innenminister Avello; Finanzminister Lara; Kriegsminister Iranzo; Marineminister Romero; Unterrichtsminister Barnes: Arbeitsminister Suner; Ackerbauminister Cirilo del Rio; Minister für öffentliche Arbeiten Guerra del Rio; Industrieminister Ordas; Verkehrsminister Polomo. Die Regierung rechnet mit der Notwendigkeit, die Cortes durch Dekret aufzulösen. Die parteipolitische Zusammensetzung dieser Regierung ist fast dieselbe, wie die des gestürzten Kabinetts Lerroux: nur sind statt der bisherigen 6 diesmal nur 3 Radikale in ihr vertreten, darunter der Ministerpräsident. Die Sozialisten sind nicht beteiligt. Sieben Minister der alten Regierung sind in die neue übernommen worden. Das Kabinett bezeichnet sich als republikanische Konzentration. Der neue Minister für öffentliche Arbeiten erklärte, daß das Auflösungsdekret für die Cortes gegenwärtig aufgesetzt werde. Der Ministerrat für öffentliche Arbeiten erklärte, daß das Auflösungsdekret für die Cortes gegenwärtig aufgesetzt werde. Der Ministerrat werde es gutzuheißen haben, damit es heute nachmittag im Staatsanzeiger erscheinen könne. Die Regierung wird unter diesen Umständen sich nicht mehr den Cortes vorzustellen brauchen. Hoffen und Harren... Bundeskanzler Dr. Dollfuß über den Revolveranschlag. Wien. Bundeskanzler Dr. Dollfuß, der sich Samstaa auf einen Erholungsurlaub in seinen Heimatort Mank in Niederösterreich begeben batte, hielt dort anläßlich einer Kundgebung eine Rede, in der er, auf den Revolveranschlag verweisend, sagte, er könne verstehen, daß man setzt da und dort von Nache spreche. Dazu sage er aber„Nein“, wie er auch in den letzten Monaten, in denen, wie Dollfuß meinte, der Kampf gegen ihn mit versönlichen Angriffen geführt worden sei, nie mit den gleichen Mitteln geantwortet habe. Selbstverständlich werde er sich in seiner Pflicht, gogen Ruhestörer aller Art in rücksichtslosester Weise alle Mittel des Staates anzuwenden, nicht beirren lassen. Er hoffe aber, daß die Schüsse der letzten Woche auch die Irregeleiteten wieder zur Vernunft bringen und an ihre vaterländische Pilicht erinnern würden. Die Krise in Oesterreich. Doch ein Anschlag auf Starhemberg versucht? London. Der Wiener Berichterstatter des „Daily Expreß“ meldet, entgegen dem halbamtlichen österreichischen Dementi, daß ein Anschlag auf Starhemberg tatsächlich am Donnerstag auf einem der Güter Starhembergs bei Wien versucht worden sei. Starhemberg sei, wie der Berichterstatter von einem Freunde Starhembergs erfahren haben will, nach einer Jagd bei einbrechender Dämmerung in Begleitung zweior Jagdhüter zu seiner Jagdbütte zurückgekehrt, als plötzlich eine Gewehrsalve auf ihn und seine Begleiter abgegeben worden sei. Infolge der Dunkelheit hätten die Angreifer jedoch ihr Ziel versehlt, so daß weder Starhemberg noch einer seiner Freunde verwundet worden seien. Diese hätten sich sosort auf die Verfolgung der Angreiser gemacht, hätten sedoch nur zwölfleere Patronenhülsen am Boden gefunden. Starhemberg habe seine Freunde gebeten, den Ueberfall gebeim zu halten, da er fürchtete, man würde ihn beschuldigen, er habe die ganze Geschichte erfunden, um seine Volkstümlichkeit zu vergrößern. Einzigartige Ehrung. horst Wessel Die Feiern in Berlin. Reichsminister Dr. Goebbels im Sterbe zimmer des Kämpfers. Berlin. Heute, am 9. Oktober, wäre Horst Wessel, der Held und Sänger der nationalsozialistischen Revolution, 26 Jahre alt geworden, wenn ihn nicht vor drei Jahren bolschewistisches Untermenschentum seige ermordet hätte. Die Reichshauptstadt, das ganze Deutschland, gedenken beute in Liebe und Trauer des gefallenen Freiheitskämpfers. In Berlin veranstaltet heute das Bezirksamt „Horst=Wessel=Stadt“ eine einzigartige Ehrung des Kämpfers der nationalsozialistischen Revolution. Im Horst=Wessel=Krankenhaus findet eine Horst=Wessel=Gedenkfeier statt, bei welcher das Sterbezimmeralshistorische Stätte der nationalsozialistischen Bewegung der Oeffentlichkeit übergeben wird. Reichsminister Dr. Goebbels wird die Gedenkrede halten. Es sind alle höheren und örtlichen Parteistellen der NSDAP., die Spitzen der Reichs=, Staats= und Kommunalbehörden, sowie der SA., SS., HJ., BöM. mit größeren Abordnungen vertreten Zum Abschluß der Feier findet ein Fackelzug zum Grabe Horst Wessels statt. Die Feier selbst wird durch Lautsprecher in Berlin übertragen. Ferner findet im Horst=Wessel=Heim in Neubabelsberg die Weihe eines Ehrenmals durch den Gruppenführer Staatsrat Ernststatt, das neben dem Namen Horst Wessel auch die Namen seiner im Freiheitskampf gefallenen 38 Kameraden der SA., Gruppe Berlin=Brandenburg, tragen wird. An der Einweihung nehmen die Angehörigen der gefallenen Sturmsoldaten und die Fahnen der Stürme, denen die gefallenen Kameraden angehörten teil. verboten. Essen. Wie die„National=Zeitung“ aus Berlin erfährt, wird das Propagandaministerium die für heute, dem Geburtstag Horst Wessels, angesetzte Uraufführung des Horst=Wessel=Films verbindern und dafür Sorge tragen, daß der Film in seiner gegenwärtigen Form nicht in der Oefsentlichkeit erscheint. Das Ministerium ist der Auffassung, daß das Filmwerk der„Volksdeutschen Filmgesellschaft“ nicht die künstlerischen Qnalitäten besitzt, die von einer Darstellung unseres nationalsozialistischen Vorkämp= fers und der gewaltigen Ereianisse des deutschen Freiheitskämpfes verlangt werden müssen. Horst Wessel. Es scheint Gepflogenheit der Fackelträger der Demokratie in allen Ländern zu sein, ihre höchsten Weisheiten zwischen Suppe und Braten bei festlichen Anlässen, mit dem Weinglas in der Hand, zu servieren. Der demokratisch angehauchte Marxismus fand die Gepflogenheit entzückend und machte sie zu seiner eigenen. Dieser Tatsache verdanken wir die beredten Aufnahmen von Trägern des verflossenen Systems, man denkt an Philipp Scheidemann, Rudi Breitscheidt. Böß, Adenauer und andere, im Kreise fröhlicher Ge Daladier. niener, Aufnahmen, durch die die Notwendiakekt der nationalsozialistischen Revolution in Deutschland nicht unwesentlich illustriert wurde. Die französischen Radikalsozialisten schlossen gestern in Vichy ihren Parteitag mit einem Bankett ab. Man toastete sich zu, freudig erreat, weil die demokratisch-republikanischen Würdenträger in Frankreich tonangebend in der Regierung sitzen. Und inmitten dieser freudigen Erregung schlug Herr Ministerpräsident Daladier an sein Glas. Seine Zunge war beschwinat vom füffigen Bordeaur. Die Sätze flossen ihm, geflügelter als sonst, über die Lippen. Seine Beredsamkeit erinnerte an die des unvergeßlichen Briand. Sein Pathos war beinahe echt. Denn(saat selbst!) wo gebärdet sich ein echter Demokrat in solcher Stimmung und in solcher Umgebung nicht pathetisch? Die alte Erkenntnis enropäischer Politik ist enna neu: Der französische Staatsmann, gleich welcher Couleur. findet bei seinen Landsleuten immer Anerkennung, wenn er sich als Kultur= und Friedensträger aufspielt, dabei aber nicht veraißt, recht kräftig gegen Deutschland, das barbarische Deutschland, zu wettern. Herrn Daladier bun= gerte es, zwischen Suppe und Braten. nach Anerkennung. Und er gebärdete sich entsprechend. Wir Deutschen sollten uns an diese Erkenntnis längit gewöhnt haben, wie an ein mathematisches Gesetz. Wir sollten desbalb auch die gestrige Tischrede des französischen Ministerpräsidenten nicht tragisch nehmen. Aber es bleibt uns, leider. nicht erspart, ein wenig zur Ernüchterung der französischen Bankettiers beizutragen. weil, das ist die Auffassung der Richtung, die beute in Deutschländ den Ton angibt. europäische Politik nicht mehr an Festtafeln bei Sekt und Austern, sondern in einer viel, viel trockeneren Umgebung gemacht wird. Herr Daladier will den Frieden mit Deutsch= land. So betont er und tuoft mit der Serviette eine Sektverle aus dem koketten Schnurtbärtchen Ja, er will, man bewundere soviel Edelmut, nicht einmal Deutschlands Recht auf seine eigene nationale Eristenz bestreiten. Niemand denkt in Frankreich daran, plaudert Herr Daladier, Deutschland zu demütigen. Nein, gegen den Versailler Vertrag. der eine einzige große Demütigung des deutschen Volkes ist, hat der Herr Ministerpräsident nichts gesagt. Er hat auch vergessen. zu erwähnen, daß allein die Wünsche nach Kontrolle und Sanktionen, wie sie Paul=Boncour in seinem Auftrage in Genf erhebt. daß die Behandlung der deutschen Emigrantenfrage vor dem Völkerbund eine einzige große Unverschämtheit ist. die sich ein Volk mit nationalem Selbstbehauptungswillen unmöglich bieten lassen kann. Aber dem Herrn Daladier gefällt es nicht, daß in Deutschland von vaterländischen Verbänden Massenkundgebungen veranstaltet werden. Er gönnt uns großmütig eine eigen: Existenz, doch unsern Kampf gegen den Bolschewismus im eigenen Lande hält er anscheinend für eine ureigene französische Angelegenheit. In den Schulen Frankreichs wird die Jugend im Waffenhandwerk gedrillt. Die deutschen Hitlerjungen lernen vaterländische Lieder singen und schulen sich in der Handhabung von Klampfen, Trommeln und Querpfeifen. Es soll in allen Ländern Leute geben, die bei reichlicher Beteiligung an Festtafeln plötzlich weiße Mäuse sehen. Herr Daladier sieht die unbewehrte deutsche Jugend wahnsinnig gegen die unterirdische Festuna an der französischen Ostarenze, gegen Tanks und schwerste Artillerie anstürmen. Er sieht, wahrhaftig, wie die deutschen Barbaren in braunen Hemden gallische Bombengeschwader mit Flitzbogen aus der Luft holen. Und dabei beweist der Nachhall, den Daladiers Rede heute in der Pariser Presse findet, daß seine Gesichte noch verhältnismäßig harmloser Natur sind. Bei verschiedenen französischen Literaten hat der Verfall bereits wesentlich weitere Fortschritte gemacht. Das„Echo de Paris“ kündigt dem Ministerpräsidenten die Freundschaft, weil er nicht genng betont hat, daß die französische Armee der einzige und letzte Friedenshort sei! Ganz Frankreich sitzt, anscheinend, beim Bankett. Delirium tremens?—er. Französische Heuchelei. Eine Sonntagsrede Daladiers. Paris. Auf dem Schlußessen der radikalsozialistischen Tagung in Vichy am Sonntag hielt Ministerpräsident Daladier eine Rede. Wir denken nicht daran, so führte er aus, irgendein Volk zu bedrohen oder zu demütigen, welche Herrschaft es sich auch gibt. Wir sind entschlossen, keine weitere Herabsetzungunserer Streitkräfte außerhalb eines aufrichtigen Abrüstungsabkommens zuzulassen, das die etappenweise Abrüstung organisiert und durch eine ständige Kontrolle sichert, eines Abkommens, dessen Durchführung tatsächlich gerantiert sein muß. Das ist unsere Stellungnahme, von der wir nicht ab gehen. Vier Jahre, während deren die Kontrolle organisiert werden wird, während deren die verschiedenen Heeresarten sich in Armeen von kurzer Dienstzeit umwandeln, während de ren die Staaten, denen es gegenwärtig frei steht, aufzurüsten, sich dem Verbot der Herstellung neuen schweren Kriegsmaterials unterwerfen werden, ferner die Vernichtung des dann allen Staaten verbotenen Materials, das sind die wesentlichsten Forderungen des Abrüstungsplanes Deutschland und Frankreich, so sagke er, haben Jahrhunderte lang ihre Länder mit dem Blut ihrer Söhne getränkt. Bisher sind alle Versuche, zu einer dauerhaften Verständigung zwischen beiden Völkern zu gelangen, gescheitert. Niemand spreche Deutschland das Recht auf seine Existenz als 65=Millionen=Volk ab. Niemand denke daran Deutschland zu erniedrigen. Die deutsche Regierung betone öffentlich ihren Friedenswillen und bekräftige ihren Wunsch, an der Annäherung beider Völker mitzuarbeiten. Warum dann aber diese kampfgeschulte Jugend jenseits des Rheines? Warum diese wiederholten Massenkundgebungen? Warum die Ablehnung der ersten Etappe der Abrüstung? Warum wird heute das Recht gefordert, kostspieliges Kriegsmaterial zu bauen, das bald nach seiner Indienststellung ver nichtet werden müßte, wenn das Abrüstungsab kommen unterzeichnet wäre? Niemand wird Frankreich vorwerfen, wenn es ebenso entschlossen ist, seine Verteidigung zu organisieren, aber die nationale Verteidigung ist untrennbar von dem Ausgleich des Haushaltsplanes. Die Abrüstungsfrage. in Gens. Ab 16. Oktober Vollkonferenz. Die Verantwortung liegt bei England und Frankreich. Genf. Botschafter Nadolny, der Führer der deutschen Abordnung auf der Abrüstungskonferenz, ist am Sonntag in Begleitung von Vizeadmiral v. Freyberg und General Schönheina mit den übrigen Herren der deutschen Abordnung in Genf eingetroffen. Er begab sich kurz nach seiner Ankunft in das Generalsekretariat des Völkerbundes. In den Abendstunden fand eine Zusammenkunft zwischen Nadolny, Staatssekretär Eden, der gleichfalls am Sonntag in Genf eintraf, und Norman Davis statt. Das Präsidium der Abrüstungskonferenz eröffnet seine Tagung heute um 15,80 Uhr. Die Sitzung soll rein formalen Charakter tragen. Henderson beabsichtigt, dem Präsidium einen kurzen Bericht über den Stand der Verhandlungen zu erstatten. Die Wiederaufnahme der sachlichen Verhandlungen wird zur Zeit noch verzögert durch die bisher sehlende Einigkeit über eine grundsätzliche Regelung. Formell muß die zweite Lesung des Mac Donald-Planes in Angriff genommen werden. Da dieser Plan jedoch von der englischen und französischen Regierung aufasgeben worden ist, beabsichtigt man jetzt, möglichst wenig offizielle Sitzungen abzuhalten, um zunächst das Ergebnis der privaten Besprechungen abzuwarten. Die Vollkonferenz soll am 16. Oktober beginnen; jedoch hängen die Verhandlungen der Konferenz ausschließlich von dem Ergebnis der Besprechungen der Großmächte ab. Da der deutsche Standpunkt durch die letzten diplomatischen Mitteilungen der Reichsregierung eindeutig bekannt geworden ist, kann auf deutscher Seite in aller Ruhe die Stellungnahme der übrigen Großmächte zu den grundsätzlichen deutschen Forderungen abgewartet werden. Man nimmt hier an, daß für eine Reise des deutschen Außenministers nach Genf vorläufig keine Ver anlassung vorliegt, obwohl von englischer Seite immer wieder der Wunsch nach Teilnahme Neu raths an den Besprechungen geäußert wird. Das Schicksal der Abrüstungskonferens liegt vollständig in der Hand der englischen und französischen Regierung. Die Verantwortung für die jetzt beginnende vermutlich letzte Tagung der Abrüstungskonferenz liegt nicht bei Deutschland. Die Spannung im Fernen Osten. Neue scharfe russische Note an Japan. Moskan. Der russische Botschafter in Tokio hat dem sapanischen Außenminister eine Denkschrift überreicht, in der konkrete Angaben über die angeblichen Pläne des japanischen Oberkommandos auf Ausschaltung des russischen Einflusses bei der chinesischen Ostbahn gemacht werden. Genannt wird insbesondere die Besetzung des Verwaltungsrates der chinesischen Ostbahn. Japan wird vorgeworfen, daß es die vollkommene Enteianung der Bahn zugunsten Mandschukuos betreibe. Die russische Note verlangt in scharfer Form Aufklärung. Dr. Goebbels an Amerika. Deutschland und die Vereinigten Staaten. Gruß über den Ozean. Dem Gedächtnis der ersten deutschen Auswanderer. Berlin. Am Sonntag vormittag hatte ole Carl=Schurz= Gesellschaft Berlin zu einer Erinnerungsfeier an die Einwanderung der ersten Gruppe deutscher Siedler unter Franz Da= niel Pastorius in den Vereinigten Staaten zu Kroll eingeladen. Reichsminister Dr. Goebbels überbrachte im Namen der Reichsregierung die Grüße Deutschlands an das amerikanische Volk und an seinen verehrten Präsidenten Roosevelt. In seiner Rede führte Dr. Goebbels u. a. folgendes aus: „Wir Nationalsozialisten fühlen uns mit jedem einzelnen Volksgenossen, gleich, ob er im Reiche selbst oder senseits der Grenzen lebt und arbeitet, aufs engste verbunden. Deshalb wird das neue Deutschland auch mit viel größerer innerer Anteilnahme das Schicksal seiner Söhne und Löchter auf außerdeutschem Boden verfolgen. Wir wissen nur zu ant, wie sehnlich der Auswanderer eine stete Verbindung mit der Heimat wünscht und von welch großem Nutzen es andererseits für das Heimatland sein kann, wenn die Deutschen in Uebersee das politische und wirtschaftliche Geschehen ihrer alten Heimat verstehen und zu würdigen wissen. Sie, die alle Eigenarten ihres Volkes kennen und lieben, sind immun gegen tendenziöse Greuelmeldungen interessierter Kreise. In ihnen wird Deutschland die treuesten Versechter finden. Man sagt dem deutschen Auswanderer nach, daß er sich allzu rasch und allzu stark seinem Gastvolk assimiliere. So sehr dies von dem einen oder anderen behauptet werden kann, so ist es doch ein Beweis mehr, daß der Deutsche alles andere als asozial oder expansionslüstern sei. So wie Deutschland gemäß seiner ihm eigenen Art mithelfen will an der Wohlfahrt der Völker, so hat jeder einzelne, der Deutschland verließ, seiner neuen Heimat uneingeschränkt Gesundheit, Kraft und Können zur Verfügung gestellt.“ Zum Schluß gedachte Reichsminister Dr. Goebbels besonders der Deutschen, die sich um den Aufbau der Vereinigten Staaten große Verdienste erworben haben, unter ihnen Carl Schulz und Steuben. Namens des neuen Deutschland dankte der Minister allen Deutsch=Amerikanern für die umfangreiche Hilfstätigkeit, mit der sie während des Krieges und namentlich in den ersten schweren Jahren nach dem Kriege, in der Inflationszeit, die Not im alten Heimatlande lindern halfen. Als Sumbol für den Willen der jungen Generation beider Völker, die Vorurteile einer überwundenen Vergangenheit zu beseitigen und den Gedanken der Freundschaft der Völker zu pflegen, bezeichnete er die Tatsache, daß die HitlerIngend und die amerikanische Ingend bei dieser Jeier gemeinsam aufmarschiert seien. „Mögen Amerika und Deutschland, die beide im heroischen Friedenskampfe gegen die furchtbare Krise der Zeit ankämpfen, in Sympathie und Achtung voreinander die Not unserer Jahre überwinden. Sie werden sich damit den Dank und die Liebe ihrer Völker erringen, und die Welt wird davon großen Segen erfahren.“ Heute Umzug nach Berlin. Morgen verhandelt das Reichsgericht im Reichstag. Leipzig. Im Prozeß wegen des Reichstagsbrandes wurde am Samstag die Vernehmung der Angeklagten im ersten Teil zu Ende geführt. Die Beweisaufnahme wird am Dienstag vormittag 10 Uhr in Berlin wieder eröffnet, wo eine Reihe von Lokalterminen statfinden und zahlreiche Berliner Zeugen vernommen werden sollen. Nach etwa 14 Tagen wird der Senat zu den Schlußvorträgen nach Leipzia zurückkehren. Vereinigung beider Mecklenburg. Schwerin. Der Zusammenschluß der beiden Länder Mecklenburg=Schwerin und Mecklenburg=Strelitz steht unmittelbar bevor. Am Freitag, dem 18. Oktober, findet im Rathaus zu Rostock die zweite Vollsitzung des MecklenburgSchweriner Landtags und die fünfte Sitzung des Mecklenburg=Strelitzer Landtages statt. Auf der Tagesordnung der beiden Sitzungen steht die erste, zweite und dritte Lesung des Entwurfes eines Gesetzes über die Vereinigung von Mecklenburg=Strelitz und Mecklenburg=Schwerin. Die Schande von Brünn. Deutschenhaß diktierte ein Urteil. Der„Volkssport“=Prozeß. Wahnsinn wird zur Methode. (Von einem gelegentlichen Mitarbeiter.) Brünn. Im„Grauen Hause“ in Bvünn ist am Samstag in zweiter Instanz ein Urteil gegen jugendliche Sudetendeutsche im wesentlichen bestätigt worden, das im Vorjahre geradezu als Justizverbrechen aufgefaßt und entsprechend gewertet worden ist. Dieses neuerliche Urteil ist für einen Nichttschechen geradezu unverständlich, aber es kennzeichnet die Politik der Tschechen, alle anderen Nationalitäten im Gemengsel=Staat mit Stumpf und Stiel auszurotten und ihnen auch jene Rechte zu nehmen, deren angeblicher Schützer der Völkerbund zu sein behauptet. Schon der Name tschechoslowakische Republik ist eine Lüge, denn einen Tschechoslowaken gibt es in jenem Staate nicht. Es gibt, selbst nach amtlichen tschechischen Angaben, im Tschechenstaat 6 727 408 Tschechen, 3 123 568 Deutsche, 2 033 529 Slowaken, 745 431 Magyaren, 461 849 Russen, 180 855 Juden und 75 853 Polen. Davon leben seit vielen Jahrhunderten die Deutschen, die Slowaken und die Magyaren genau wie die Tschechen nach ihrer eigenen Art auf demsel ben Boden. Sie haben bis zur Errichtung der angeblichen Prager Demokratie in Wirtschaft und Kultur und Volkstum sich ausleben können. Sie sind also keine Minderheiten, die assimiliert werden können, sondern Nationalitäten, die nur durch eine verrückte Grenzziehung und durch die Errichtung des Prager GemengselStaates staatspolitisch zu diesem Staat gehören. Schaut man sich diese Zahlen an, dann wird man ermessen, welche verbrecherische Dummheit der Tschechen zu dem Versuch gehört, Nationalitäten zu unterdrücken oder wurzellos zu ma chen, die in ihrer Gesamtheit kopfstärker sind als die Tschechen selbst. Mit solchen Entnationalisierungsversuchen wird erfahrungsgemäß der Widerstand gegen die Bedrücker derart erbittert, daß die inneren Spannungen den Tschechenstaat als Gesamtheit außenpolitisch und wirtschaftlich moralisch und in den zwischenstaatlichen Beziehungen einfach kreditunfähig machen. Man hat gesagt, nicht nur die sieben Deutschen, die aus zunächst 200 beschuldigten Sudetendeutschen willkürlich herausgegriffen und von denen jetzt wenigstens drei von dem Vorwurf des Hochverrates freigesprochen wurden, sondern das gesamte Sudetendentschtum sei von den Tschechen auf die Anklagebank gesetzt worden. Die jungen Sudetendeutschen gehörten einer Volkssportorganisation an, die der NSDAP. nahestand. Sie waren angeklagt, einen deutschen Nationalstaat mit Einschluß der Sudetendeutschen, und zwar durch Gewaltmaßnahmen, heraufführen zu wollen. Und in der ersten Instanz hatten die tschechischen Richter als Gewaltmittel betrachtet, zwei Luftgewehre und einen uralten Trommelrevolver, einige braune Hemden und Sanitätspäckchen. Daraus war gefolgert worden, diese jugendlichen Sportler hätten eine„militärische Organisation" gebildet und man kann die Phantasie dieser Richter nur ebenso bewundern wie jene tschechischen Generalstäbler, die erst im Verlaufe der Verhandlung im Monat September 1932 entdeckten, die Sudetenjugend hätte„Steine geworfen, welche Handaranaten vorstellen sollten", und die NSDAP. habe in Prag ein Kellerlokal gehabt, das, wie der tschechische Staatsanwalt behauptete,„eine Festung tief unten" bilde und in der junge Sudetendeutsche das ungebeuerlich militaristische Lied sangen:„Burschen, heraus!" Man kann eigentlich die ganze Lächerlichkeit der Beschuldigungen nicht stärker aufblitzen lassen, als es durch derartige Argumente der tichechischen Ankläger selbst geschehen ist. Damit ist der alatte Unsinn der Antlagen wohl genügend gekennzeichnet. Aber die Bestätigung des ersten Brünner Urteils hat in ihrer ungeheuerlichen Leichtfertiakeit auch. abgesehen von ihrer Wirkung auf das Verhöltnis der Sudetendeutschen zu den Tschechen, einen aunenvolitischen Hinterarund und eine außenpolitische Bedeutung. Seit September 1932 ist der Nationalsozialismus in Deutschland zur Macht gelangt: Reichskanzler Hitler hat vor aller Welt erklärt. daß Deutschland den Frieden will, während die tschechischen Richter ganz im inne der französischen Hetze gegen uns nunmehr ein Urteil konstruiert haben, wonach gewissermasien gerichtsnotorisch sei, daß die Deutschen auch außerhalb unserer Grenzen die gesamtdeutschen Bestrebungen verträten durch Eroberungen, also durch eine Gewaltpolitik, alle Deutschen innerhalb und außerhalb der jevigen Reichsgrenzen zusammenzufassen. Das ist eine methodische Tollheit der Tschechen als Sekundanten Frankreichs, aber dieser Versemungsversuch gefährdet auf das ernsthafteste die Beziehungen zwischen dem Deutschen Reich und dem Tschechenstaat. Deutschland ist eine einheitliche Nation, während die tschechische Republik durch Tschechisierungsversuche gegenüber der Mehrheit der Bevölkerung des Staates die Gegensätze im eigenen Staate selbst steigert. Lehrertage in Dresden. Der bayrische Kultusminister Schemm spricht. Dresden. Seit Samstag stand die sächsische Landeshauptstadt, die in reichem Fahnenschmuck prangte, ganz im Zeichen der großen Gautagung des NSLB. Die Zahl der Tagungsteilnehmer dürfte mit etwa 20000 nicht zu hoch berechnet ein. Am Samstag fand nach der Eröffnung einer außerordentlich sehenswerten Ausstellung „Deutsche Erziehung“ ein großes Werbesingen unter dem Motto„Das deutsche Volkslied“ im grozen Ausstellungssaale statt. Daran schloß sich in den Abendstunden die Weihe des Hans=SchemmHauses, die in Gegenwart des sächsischen Reichstatthalters Sauckel stattfand und zu der Kirchenrat Leutheuser=Weimar die Weiherede hielt. Der Sonntag brachte am Morgen einen Empang von Abordnungen der sächsischen Lehrerschaft im Festsaal des Dresdener Rathauses durch Oberbürgermeister Zörner. Weiterhin hatte sich am Sonntag vormittag die sächsische Lehrerschaft im Zirkus Sarrasani und gleichzeitig in vier anderen großen Räumlichkeiten zu einem Festkongreß versammelt, den Gauobmann Göpfert eröffnete. Darauf sprach der Reichsleiter der nationalsozialistischen Lehrer, der bayrische Kultusminister Schemm, über die Aufgabe der heutigen Schule. Sie solle nicht Selbstzweck sein, sondern dem strömenden Leben dienen. Kämpfer solle der Lehrer erziehen, nicht Menschen mit sogenannter abgeschlossener Bildung. Er wandte sich weiter gegen die Vorstellung vom normalen Typus des guten Schülers. Der Lehrer solle sich davor hüten, im Kinde sogenannte Minderwertigkeitskomplexe zu erzeugen und sich selbst eine falsche Autorität durch Betonung des eigenen Wissens erschleichen, sondern in dem Kinde den Glauben an die eigene Kraft erwecken. Drei Haupttugenden forderte der Redner vom Lehrer: Güte und kameradschaftliche Anteilnahme am Seelenleben des Kindes, Lebensnähe und urteilsfähige Klugheit, freudige Heiterkeit, die Wärme und Sonne in die Schulstube bringt. Darauf sprach Ministerialdirektor Dr. ButtmannBerlin über die politische Erziehung im Dritten Reich. Die Erziehung solle einen zielbewußten Kämpfer schaffen. Im Unterricht solle die Jugend lernen, sich an den großen Männern der deutschn Geschichte zu begeistern. in Breslau. Stabschef Röhm begrüßt 83 000 schlesische Freiheitskämpfer. Breslau. Die Herbstparade der schlesischen SA. wurde am Samstag abend feierlich eingeleitet mit einem Appell der„alren Garde“, der alten SA.=Männer, die, ebenso wie ihr Obergruppenführer Heines, seit Jahren der Braunen Armee angehören. In Sechserreihen rückten die 5000 alten Kämpfer mit klingendem Spiel mit den 14 schlesischen Standarten und 50 Sturmfahnen vor die Jahrhunderthalle. Hier nahmen sie Paradeaufstellung zur Besichtigung durch den Stabschef Röhm. Dieser und Obergruppenführer Heines hielten Ansprachen. Breslau kam in der Nacht zum Sonntag kaum zur Ruhe. Die Straßen hallten wider von dem gleichmäßigen Marschtritt der endlosen braunen Kolonnen, die mit Musik und klingendem Spiel dahinzogen, unterwegs immer wieder von der spalierbildenden dichten Menschenmenge freudig begrüßt. Ganz Breslau ertrank in einem Meer von Fahnen. Bei prachtvollem Herbstwetter vollzog sich am frühen Morgen in mustergültiger Ordnung der Aufmarsch auf dem Gandauer Flughasengelände. Von den Tribünen, die mit Zehntausenden von Zuschauern gefüllt sind, bot sich ein wundervolles Bild. Schnurgerade ausgerichtet standen die 29 SA.=Standarten Schlesiens in Zwölferreihen gostaffelt. 83 600 Mann sind angetreten. Obergruppenführer Heines begrüßte die Kameraden. Nach dem gemeinsamen Gottesdienst begann eine erareisende Totenehrung. Obergruppenführer Heines verlas die Namen der 21 Gefallenen der schlesischen SA. und bei jedem Nomensaufruf erscholl aus 88000 Kehlen brausend über den weiten Platz der Ruf:„Hler!“ Um 9,30 Uhr erschien Stabschef Röhm. Nach der Besichtigung der SA. hielt der Stabschef eine kurze Ansprache: Die Anforderungen an den politischen Soldaten Adolf Hitler seien gegenüber der harten Kampfzeit vor Erringung des Sieges nicht geringer geworden. Aber mit gleichem Mut und gleicher Hingabe werde die SA. an ihre neuen Aufgaben herangeben. Von dem Flughafen Gandan bis zum Ring war der Weg eine einzige wogende Menschenmenge. Auf dem Blücherplatz und auf dem Ring waren mächtige Tribünen errichtet. auf denen die Ehrengäste Platz nahmen. Nach einer Begrüßzung durch Oberbürgermeister Dr. Rebitki und die Stadtverordneten nahm Stabschef Röhm vor dem Rathaus den Vorbeimarsch der SA. ab. Reichskanzler Hitler und der preußische Ministerpräsident Goerina, die beide an dem SA.=Aufmarsch in Breslau teilnehmen wollten, waren am Erscheinen verhindert. Hakenkreuz in Holland. Der Kongreß der holländischen Nationalsozialisten. Utrecht. Der Samstag abend hier in der Messehalle abgehaltene Kongretz der nationalsozialistischen Bewegung in Holland(NSB.), dem über 6000 Personen, darunter auch eine aus Hamburg erschienene Abordnung der in Deutschland lebenden Holländer beiwohnten, gestaltete sich zu einem großzügigen und eindrucksvollen Bekenntnis zur nationalsozialistischen Weltanschauung. Der Führer der Bewegung, Chefingenieur A. Mussert, Utrecht, legte in leiner Rede dar. daß die Bewegung trotz mehrerer gegen sie gerichteter Regierungsmaßnahmen, trotz des von marxistischer Seite geübten Terrors und auch trotz der Hetze eines Teiles der Presse in so überraschend starkem Wuchs begriffen sei, daß sich die Gegner bereits ernste Besorgnisse über die zukünftige politische Entwicklung in Holland machten. Die nationalsozialistische bzw. faschistische Weltanschauung sei in Europa auf dem Marsch. Sie habe in Holland eine Form angenommen und einen Inhalt erhalten, der dem politischen Charakter und den Interessen des Landes Rechnung trage. Ein schwerer Kampf stehe aber in Holland noch bevor, und die Nationalsozialisten würden noch größere Opfer zu bringen haben. Die Aufgabe, die jetzt zu lösen sei, bestehe darin, daß innerhalb Jahresfrist die Mitgliederzahlauf 50000 gebracht werde. Am Schluß seiner Ausführungen wurde Mussert von der begeisterten Menge lebhafter, langanhaltender Beifall gezollt. 2. Blatt Nr. 236. Die Frau im Dritten Reich. Berufstätige Frauen werden nicht aus Lohn und Brot verdrängt. Wie das VDZ.=Büro meldet, liegt jetzt eine Stellungnahme zu der sehr viel erörterten Frage der Position der Frau im Dritten Reich vor, die besondere Beachtung verdient. Für das Aufklärungsamt für Bevölkerungspolitik und Rassenpflege setzt sich nämlich die Referentin Frau Maria Wesner mit den Gerüchten auseinander, als ob nach der Machtergreifung durch den Nationalsozialismus die berufstätigen Frauen von heute auf morgen aus ihren Stellen verjagt werden sollten. Das sei natürlich Unsinn. Wenn man die Frau aus bestimmten akademischen Berufen herausziehe, um die freiwerdenden Stellen mit Männern zu besetzen, dann sei das zu begrüßen. Sicher aber werde das Heer der Lehrerinnen, Fürsorgerinnen, Verkäuferinnen, Stenotypistinnen, Sekretärinnen usw. bestehen bleiben, weil die Frau auf diesen Posten zweifellos kraft ihrer natürlichen Veranlage geeigneter sei als der Mann. Der Nationalsozialismus erhebe lediglich die Forderung, daß die Frau ihrer wirklichen Bestimmung als Hausfrau und Mutter so bald wie möglich zugeführt werden könne, d. h. daß die jungen Männer schon in den ersten Jahren ihres Berufslebens durch ein ausreichendes Gehalt in die Lage versetzt werden müßten, heiraten zu können. In der Vergangenheit sei es aber vielfach so gewesen, daß die Einkünfte des Mannes erst dann, wenn er die Mitte der dreißiger Jahre überschritt, zur Eheschließung ausreichten. Durch frühere Heiratsmöglichkeit würde naturgemäß ein großer Teil junger Mädchen aus dem Berufsleben ausscheiden. Die Reserentin wendet sich in diesem Zusammenhang gegen diejenigen Frauenkategorien, die unter dem Einfluß der Frauenrechtlerinnen ein vom Manne unabhängiges Leben durch die Schaffung einer selbständigen Existenz erstreben. Hinter diesen Auffassungen stecke nicht der Zwang zum Broterwerb, sondern das Luxusbedürfnis.*h * Eine bemerkenswerte Anordnung des Treuhänders der Arbeit für das Rheinland. Der Treuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Rheinland, Willi Börger, hat jetzt eine bemerkenswerte Bekanntmachung erlassen. Er weist darin unter anderem darauf hin, daß er einen Teil seiner Aufgaben als Treuhänder der Arbeit darin sehe, die Menschen in den Betrieben in gegenseitiger und gemeinsamer Verantwortung zusammenzubringen. Heute sei es aber noch so, daß zahlreiche Beschwerden aus den Betrieben an ihn gelangten, in denen persönliche oder betriebliche Klagen geführt würden, ohne daß vorher der ernstliche Versuch gemacht worden sei, die strittigen Fragen innerbetrieblich zu bereinigen. Der Treuhänder ordnet daher an, daß erst dann, wenn eine Einigung nicht zu erzielen ist, bei ihm Beschwerde vorgebracht werden kann. Beschwerden über Betriebe, seien es solche von der Betriebsführung oder der Betriebsgefolgschaft, die nur einseitig an ihn herangebracht werden, hätten für ihn keine Gültigkeit und würden nicht beantwortet. „Alle Beschwerden aus den Betrieben an mich", so heißt es weiter,„haben immer neben dem Namen des Klageführenden auch die Unterschrift dessen zu tragen, gegen den sie sich richten. Sollte eine Seite sich weigern, mitzuunterschreiben, so ist mir hiervon Kenntnis zu geben. Es ist selbstverständlich, daß keinem Volksgenossen bei der Durchführung dieser Anordnung persönliche Nachteile erwachsen dürsen.“ Zum Schluß wird betont, daß in den Betrieben seines Treuhänderbereiches, ebe überbaupt geschrieben wird, die Menschen sich vertrauensvoll mit dem Willen zur Verständigung ausspre chen sollen. 2h * Haltingen. Hausfrauen, Bezirk Heggerstraße. Dienstagnachmittag. 15 Uhr. beainnt die Kleider= und Brockensammlung. 2A. kündet durch Trompetensignal die Abholung der Sachen an. Gebt reichlich, damit die Aermiten der Armen nicht frieren. Helft! Helft! Helft! Sämtliche Frauen des Arbeitsausschusses treffen sich um 14,30 Uhr am Braunen Haus. * — Die Winterhilfs=Spende der Beamten und Behörden=Angestellten. Wie uns von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, sind für Beamte u. Behördenangestellte als monatliche Spende für das Winterhilfswerk folgende Prozentsätze festgesetzt worden: Bei einem(nach den bisherigen Gehaltskürzungen verbliebenen) Bruttoeinkommen bis zu 300 RM. 20 Prozent, von 300 bis 500 RM. 25 Prozent, über 500 RM. 30 Prozent der monatlichen Einkommenstener. Wer diese Abgabe leistet, wird für weitere Bargeldspenden für das Wie wird das Wetter? Wieder Wetterverschlechterung.— Mild. Für das mittlere Norddentschland: Wieder eintretende Wetterverschlechterung mit nachfolgenden Regenfällen. Temperaturen wenig verändert. Für das übrige Deutschland: Von West nach Ost fortschreitende neue Wetterverschlechterung, ziemlich mild. Frauen der Stadt Hattingen, wahrt eure Ehre! Ein ernstes Wort Von Emil Frei im Namen des NS. Winterhilfswerks. Morgen beginnen die Tage der Brockensammlung. Dann fährt zu irgend einer Stunde ein Lastauto bei euch vor ein Trompetensignal ertönt, und dann erscheinen Frauen vom Arbeitsausschuß des NS. Winterhilfswerks und bitten euch Hausfrauen um eure abgelegten Sachen, entbehrlichen Kleidungsstücke, Schuhe und anderen Gebrauchsgegenstände. Sie nehmen sie mit und verteilen sie an unsere ungezählten, schrecklich notleidenden Volksgenossen. Liebe Hattinger Hausfrau, das ist ein Tag der Ehre für dich. Oder auch ein Tag der Unehre, das kommt ganz auf dich und dein Verhalten an. Da ist eine brave Hausfrau, die durchsucht heute schon alle Schränke, Kästen und Ecken, trägt alles zusammen, was nur irgendwie entbehrlich ist, legt es zurecht und erwartet dann mit heimlicher Freude das Trompetensignal. Das ist eine Frau, die die Not unserer Tage und ihre Pflicht und Aufgabe versteht. Ihr sei Dank und Ehre! Aber es gibt vielleicht auch Frauen, die erschrecken, wenn das Signal ertönt.„O Himmel, das habe ich ganz vergessen!“ stöhnen sie, und dann geht das Rennen und Suchen los. Die armen Sammler stehen und veraeuden ihre kostbare Zeit. Und am Ende kommt bei der Hast und Verwirrung nichts Vernünftiges heraus. Eine andere Hausfrau gibt sich zwar hente schon ans Suchen. Aber dann steht sie vor einem Paar alter abgetakelter Schuhe. einem längst weggehängten Rock, überlegt lang und tief mit einer Träne im Augenwinkel:„Soll ich, soll ich nicht? Einmal könnte man's doch vielleicht wieder verwenden!“ Hoffentlich sind's dieser Frauen nicht viele, und hoffentlich haben diese bedenklichen Frauen einen eneraischen Mann, der mit kräftiger Hand und ohne viele Worte dazwischen fährt und allen Ueberlegungen schnell ein Ende macht. Sonst möchte ich das Ergebnis der Brockensamluna sehen. Und endlich wird es Frauen geben, die werden einsach erklären:„Wir haben nichts!“ Jawohl, es gibt viele Frauen, die wirklich nichts mehr herzugeben haben. Gerade für die soll ja gesammelt werden. Und nur irrtümlich könnte an eine solche Familie herangetreten werden. Ein solches Versehen wird schnell wieder gut gemacht sein. Aber wenn eine Frau einfach ablehnt, weil sie zu bequem ist, Haussuchung zu halten, oder weil sie einen inneren Widerstand fühlt gegen das„ewige" Sammeln, oder weil sie meint, schon lange genug „Ach, Lotte, da sitze ich nun in Venedig am Lido unter strahlendem. blauem Himmel und blase Trübsal, weil ich vor Hämorrhoidenschmerzen nicht mehr ein noch aus weif“ „Armes Kied, laß uns doch zur Apotheke fahren! Wir werden schon ein Mittel zur Linderung Deiner Schmerzen bekommen“ „Verzeihen Sie meine Damen, wenn ich mich ols Aerzun in Ihr Gespräch mische Verlangen Sie in der Apotheke Posterisan von Dr Kade, Berlin! Es ist das beste und einzig spezifisch wirkende Heilmittel und deswegen auch in Italier so gut eingeführt: In ellen Apotheken Posterisan-Salbe für RM 18 Posterisao-Zäpichee für RM 235 Winterhilfswerk nicht mehr in Anspruch genom men, mit Ausnahme der monatlichen Abgabe auf Grund des Eintopfgerichtes(25 Rpf. je Kopf). — Silberne Hochzeit Nordstraße. Moraen, am 10. Oktober, blicken die Eheleute Elektriker Karl Wegemann und Alma Wegemann, geb. Kleine=Herzbruch, Nordstraße 98, auf eine 25jährige gemeinsame Lebensreise zurück. Zusammen mit seinen Verwandten, Freunden und Bekannten grüßt auch die Heimatzeitung das Ehepaar an seinem Ehrentage und wünscht ihm weitere glückliche fünfundzwanzig Jahre. * Wiedersehensfeier ehemaliger Hattinger Geminaristen. Ein schöner Brauch ist es, der sie immer wieder in jedem Jahre einmal zusammenführt in treuer Kameradschaft und dem Gefühl der Zusammengehörigkeit, die alten Kameraden des Kriegskurses D am Hattinger Seminar. Jahrelang trifft sich gerade dieser Kursus, kaum ein Kamerad fehlt einmal, so stark ist ihr Zusammenhang. Andere mester haben einen ähnlichen Zusammenhang zu erhalten versucht, vergeblich war ihr Bemühen. Es fehlte ihnen allen ein gemeinsames großes Erleben, das ein Band über die Schule hinaus gewährleistete. Dieses Band, das gemeinsame Erleben des großen Krieges, hält die Kriegskursisten zusammen und hat sie auch vergangenen Samstag wieder in Hattingen zusammengeführt. Ihr kameradschaftliches Wiedersehen hat eine ganz besondere Note, ihre toten Kameraden und Mitschüler weilen in alter Lebendigkeit unter ihnen, da sie ihre Feier stets mit dem Heldengedenken am Ehrenmal getan zu haben, dann wird für sie die Brockensammlung ein Tag der Unehre sein, weil sie den Geist der Zeit, das große Hilfswerk dieses Notwinters, die gigantische Rettungstat unseres Volkskanzlers nicht erfaßt hat. Und wenn ihr später einmal die Erkenntnis kommt, dann wird sie in tiefer Scham und Reue an diesen Tag zurückdenken. Nach den langen Jahren der Mißwirtschaft gibt es nur einen Weg zur Rettung, zum endlichen Wiederaufstieg— der Weg des Opfers, des immerwährenden Opfers, bis der letzte unserer deutschen Blutsbrüder wieder in Arbeit und Brot steht. Dann aber werden wir alle Hand in Hand in glücklichere Zeiten gehen. Unser Volk muß hinweg über diesen Notwinter, und kein Deutscher soll hungern und frieren. So will es der Führer. Frauen von Hattingen, wir, die wir noch leben können, wenn auch arm und dürftig; wir, die noch geben können, wenn auch unter Schmerzen und Entbehrung, wir wollen freudig das harte Los unserer schwer darbenden deutschen Brüder mittragen helfen durch die Tage der Not. Ihr Frauen seid ja berufen zu dienen, zu helfen, zu lindern, zu beglücken. Klagen und Murren aber ist wider eure Natur, ist wider euer edles Selbst. Nein, nicht murren, nicht jammern! Das steht euch nicht zu Gesicht. Ich will euch zum guten Ende ein Wort ins Herz legen, das euch in diesen schweren Tagen Stütze und Stab sein kann. Das Wort eines kleinen Mädelchens, das sich dabei garnichts gedacht und Erhabenes gesagt hat. Mein lieber, junger Nachbar kam vor einigen Wochen auf einer Wanderfahrt durch ein bayrisches Dorf. Da stand vor der Treppe eines armen Häusleins ein Mädchen von acht bis neun Jahren. Es trug auf seinen Aermchen einen kleinen Jungen, der vielleicht halb so alt war und der wegen eines Gebrechens nicht gehen konnte. Mein Freund sagte zu dem Mädchen:„Da trägst du aber eine schwere Last!“ Das Kind guckte ihn höchst verwundert an, dachte ein wenig nach und erwiderte dann lächelnd:„Dös is ka Last! Dös is jo mei Bruder!“ Frauen von Hattingen, ist das nicht ein wunderbares Wort? Fühlt ihr nicht, wie euch das Herz leicht wird trotz aller Not der Zeit? Gewiß. wir müssen opsern. wir wollen opfern: Aber es ist ja keine Last. es ist ja für unsere dentschen Brüder. für die gefallenen Lehrer und Kameraden beain nen. Vorgestern in den Abendstunden beweate sich ein stiller Zua von alten Hattinger Seminaristen, die aus allen Himmelsrichtungen zusammengeeilt waren, hinauf zur Waldstraße. Vier SA.=Männer hatten sich zu beiden Seiten des Gedenksteins mit brennenden Fackeln postiert. Es war ein Augenblick von einer so seltenen Feierlichkeit, wie sie nur eine Gemeinschait von Krieaskameraden auszulösen vermag, als der SA.=Sturmführer S. Lindermann, der diesem Kursus ebenfalls angehörte, das Wort zu einer Gedenkrede an seine Kameraden richtete. Er führte dabei aus: Das Montag, 9. Oktbr. Achtung, Theater spielende Vereine. Der Herr Regierungspräsident hat verfügt, daß die Polizeistellen, die für die Genehmigung der Programme in Frage kommen, diese Programme zunächst den zuständigen Kreiskulturwarten zur Prüfung vorlegen. Es liegt im Interesse der theaterspielenden Vereine, daß sie die Programme so früh zur Prüfung eingeben, daß noch keinerlei Vorkosten entstanden sind. Theaterspielende Vereine, die sich nicht klar darüber sind, welche Stücke der Prüfung standhalten, können sich durch den zuständigen Kreiskulturwart an die Gauberatungsstelle der NSDAP. im Gau Westfalen=Süd wenden. Leiter dieser Stelle ist Gausachberater H. Wahle, Lehrer, Bochum, Dorstener Straße 162. Die vorbezeichnete Stelle berät kostenlos alle Vereine. Bei Anfragen ist Rückporto unerläßlich. Im Kampf gegen Kitsch und Schund müssen sich die Vereine unbedingt einreihen. * Der Beauftragte des Reichssportführers für den Ennepe=Ruhr=Kreis und der Bezirkskulturwart 1 der NSDAP. für das Gebiet des ehemaligen Kreises Hattingen, Studienreferendar Hans Janssen, teilt mit, daß er in beiden Angelegenheiten nur nachmittags zu sprechen oder telefonisch zu erreichen ist. Schriftlichen Anfragen ist stets Rückporto beizulegen. Fronterlebnis hätte das Band zwischen ihnen allen sehr eng werden lassen, da sie schon im Kriege die wahre Kameradschaft erfahren hätten. Als Jugenderzieher seien sie heute besonders befähigt, dieses Fronterlebnis der stets opferbereiten Kameradschaft der Jugend zu vermitteln und in ihr stets wach zu halten, sie durch das Fronterlebnis zu erziehen zu Volksgenossen der großen deutschen Schicksalsgemeinschaft im Sinne unseres Führers Adolf Hitler. Wenn das vollendet sein wird, dann wird auch das Opfer dieser Toten nicht umsonst gebracht sein. In uns allen muß der Spruch dieses Gedenksteines: Deutschland, stets gedenk ich Dein, Dein ist mein Leben, Dein soll es sein.“ kraftvoll lebendig sein. Nach diesen Worten leate er einen Kranz mit den Farben des neuen Deutschlands nieder. Das Lied vom guten Kameraden beschloß diese Weihestunde, die von einer Eindringlichkeit war, wie man sie selten findet. Einiae Stunden waren die Kameraden noch gemütlich beisammen um dann wieder bis zum nächsten Jahr sich in alle Gegenden Westfalens zu zerstreuen. Man sollte wünschen, daß die Pflege einer solchen Kameradschaft in alle Kreise des Volkes Einaana finden möge, um dadurch die wahre Gemeinschaft im Volke herzustellen. H. J. Pfundsammlung. In den hiesigen Lebensmittelgeschäften liegen Sammellisten ans. Jede Hausfran, die gewillt ist, beim Einkauf von Lebensmitteln, Butter oder sonstige Naturalien in kleineren Mengen der NS.Winterhilse zur Verfügung zu stellen, bezahlt die Ware, und der Händler übernimmt die Lieserung an uno. NS. Volkswohlfahi. 1908—1933. Abschiedsfeier für Pastor Arendt, Hattingen, im Evangelischen Gemeindehause. Pastor Radicke:„Wir gehen auseinander, aber wir trennen uns nicht!“ Nun saßen sie noch inmal beisammen, Pastor und Gemeinde, im großen Saale des Ev. Gemeindehauses, der sie so oit zusammensah im letz ten Vierteljahrhundert. Das gleiche Bild, aber anders als sonst wohl die Stimmung dieser Stunde. Hieß es doch. Abschiednehmen. Da drängt das Herz uns fait zu Wehmutsworten, von selbst verstummt nun Scherz und Fröhlichkeit. Man hat sich kennen, sich gegenseitig schätzen und leben gelernt, und nun wird's einem bange im Gemüte, als ob ein Freund auf immer von uns schiede. Aber in menschlicher Gemein schaft flieht dieser Gedanke, wenn in freier und offener Rede der Freundschaft und Liebe die Herzen sich erschließen. Man hat sich viel mitzuteilen, viel zu gestehen, und denkt am Ende an alles andere, als an das Scheiden und Auseinandergehen. Mit Philipp Spitta möchte man sagen: Wir fangen immerdar aufs neue die liebliche Erzählung an, wir reden von des Heren Treue und dem, was er an uns gelan; wie er zuerst das Herz gerühret. durch Freude oder Ungemach, und uns mit so viel Huld geführet seitdem und bis auf diesen Tag. Die Feierstunde im großen Gemeindehaussaal galt dem Abschiednehmen. Pastor Arendt verläßt nach 25jährigem seelsorgerischen Wirken Hatingen, um in den Ruhestand zu ereten. Nach einem Musikvortrage von Frl. Ursula Graese nahm Herr Hugo Niermann jr. das Wort zu einem interessanten Vortrage über die reiche Geschichte der Hattinger Gemeinde und insbesondere der 3. Pfarrstelle, die Pastor Arendt innehatte. Im Namen der Kirchengemeinde fand der zeitige Vorsitzende des Presbyteriums Pastor zur Nieden herzliche Worte des Dankes an den scheidenden Amtsbruder. Pastor Neuhaus, BochumLinden=Dahlhausen, letzter Superintendent der dreihundert Jahre alten Kreissynode Hattingen, sprach über die Wirksamkeit des Pfarrers im allgemeinen und die des scheidenden Amtsbruders Arendt im besonderen und rühmte desen Arbeitsfreudigkeit und Treue im Amte und die innige Verbundenheit mit seinen Kollegen in der Sonode. Wie der Vorredner, so wünschte auch er dem Scheidenden einen gesegneten Feierabend. Studienrat Dr. Gecks rühmte die Verdienne Pastor Arendts um den Evangelischen Bund. den er viele Jahre als Vorsitzender leitete. Als Vertreter der Lalenmitglieder des Presbuteriums sprach Rektor Schreiber. Anschließend an eine passende, inhaltlich vielsagende Deklamation von Frau Japlin über die deutsche Sprache erinnerte Rektor Schreiber an des Dichters Lobpreis der Muttersprache: „Sprache schön und wunderbau, ach. wie klingest du so klar,“ der ihm immer in den Sinn käme, wenn er ein Wort von besonderem Wohlklange höre. Ein solches Wort sei das Wort„Feieravend". Welch ein Wohllaut, welche Tiese! Dann sich an Pfarter Arendt wendend, fuhr der Redner sort. Meiern sollen Sie setzt, der wohlverdienten Ruhe pflegen nach des„Tages“ Arbeit und Mühel Abendl Abend ist es geworden in Ihrem Leben. Das Sehnen des Alters legt sich auf Ihr Haupt. Allerlei Beschwerden des Alters sagen es Ihnen nur zu deutlich: Es ist Abend. In unserer Bibel steht ein Wort, das heißt:„Um den Abend soll es licht werden“. Das ist unser Wunsch für Sie, daß Ihr Lebensabend sich licht und froh gestalten möge, daß Ihnen ein friedevoller, sonniger„Feierabend“ beschieden sein möge. Ihr Feierabend fällt in eine bewegte und große Zeit. Abend war es auch geworden im lieben Vaterlande. Immer länger wurden die Schatten— dunkle, bange Nacht breitete sich aus. Da — wurde es licht.— Düstere Schatten haben sich auch auf unsere teure evangelische Kirche gelegt Manche bangen um sie. Aber wir glauben, daß auch hier die Entwickelung lichtvorwärts führt.— Möge daher— wie ein Geschehen unserer Tage— Licht den Abend Ihres Lebens erhellen. Möge Ihnen in Ihrem persön lichen Leben wie im Leben Ihrer lieben Familie viel Freude und viel Sonne geschenkt werden. Möchten auch die Ereignisse im Vaterland, das Sie stets von ganzem Herzen liebten, wie auch die Entwicklung der Dinge in unserer lieben Kirche, der Ihres Lebens Arbeit galt, Ihnen stets neues Licht, neue Freude zutragen, damit es wahr werde: Um den Abend soll es licht werden, und möge so Ihr Lebensabendein froher und gesegneter Feierabend sein. Pastor Radicke seüte seiner Ansprache das Wort vorauf:„Wir gehen auseinander, aver wir trennen uns nicht". Es tut uns leid, daß du gehst, denn wir haben uns gut verstanden. Meinungsverschiedenheiten wurden nie Gegensätzlichkeiten. Uns einte nicht nur das Pfarramt, wir fühlten uns stets verbunden an den lebendigen Gott. Wir hatten zu= und gegeneinander Vertrauen. Wir drei Hattinger waren„in der Erscheinungsflucht der ruhende Pol.“ Welper, Stüter, Niederbonsfeld wechselten öfters. Es fehlte dir die Empfindlichkeit; du fühltest dich nie getroffen, wenn es nicht so gemeint war, wie es vielleicht klang. Bewahre uns deine Treue, deine Liebe, wie wir dir sie bewahren werden! Pastor Reuter kam in seinem Abschiedswort an den scheidenden Freund auf die letzten Superintendenten der alten Synode aus der Kirchengemeinde Hattingen zu sprechen. Fernickel war der Mann im Zilinder. Nonne, der ernste Mann, oft aufbrausend, aber der Mann von stark ausgebildetem Gerechtigkeitsgefühl. Als Dritter kam Meier=Peter, der hervorragende Kanzelredner. Alle drei glaubten unentbehrlich zu sein. Du, Bruder Arendt, fuhr Pastor Reuter fort, trittst ab, weil du fühlst, daß deine Zeit gekommen ist. Du warst ein guter Seelsorger, der seine Pfarrkinder nicht mit Strenge betreute, sondern mit einer großen Liebe, und darum hattest du Erfolg. Bei deiner Predigt lag dir das Problematische weniger, du wälzetest keine großen Themen auf der Kanzel, die doch die Gemeinde nicht verstand, aber deine Predigt war ein Schöpfen aus einem starken Glauben. Des Redners Schluß war ein Segenswort für den Scheidenden und seine Familie. Es liegt mir nicht, mich feiern zu lassen, so führte Pastor Arendt in seinem Danke aus. Ich hätte am liebsten in der Stille Abschied genommen. Doch danke ich dem Presbyterium für die Veranstaltung unserer Abschiedsfeier. Es tut einem wohl, einige anerkennende Worte zu hören. Als ich kam, sah es anders aus. Der einzige, der noch da ist von damals, ist der Kirchenälteste, Herr Hugo Niermann senior, und dann habe ich noch einen gesehen, Herr Wilhelm Müller. Das Zusammenarbeiten mit dem Presbyterium war stets ein sehr angenehmes.„Bis hieher hat mit Gott gebracht durch seine große Güte". Meine herzlichen Segenswünsche begleiten dich, du liebe Gemeinde Hattingen. Möge in dir ein starkes Geschlecht das Glaubenserbe der Väter hoch und heilig halten! Der Herr geleite euch und uns! Das walte Gott! Mit Gebet und Segen wurde die erhebende Feierstunde geschlossen. Hattingen. — Kurszettel der Hausfrau. Die Preise auf dem Samstag=Wochenmarkt waren wie folgt: Blumenlohl 30—45, Stangenbohnen 25, Weißkohl 6—7, Rotkohl 9—10, Wirsing 10, Wurzeln 8—9, weiße Rüben 6—7, Kohlrabi Stück 7—10, Rote Beete 8 bis 10, Kopfsalat 10—12, Endiviensalat 10, Rosenkohl 20—25, Sellerie 20—25, Zwiebeln 10, Porree 5 und 8, Suppenarün 10, Kartofseln 8—8½, zentnerweise billiger, Eßäpsel 15—25, Kochäpfel 8—12, Birnen 8—12, bessere Qualitäten 15—25, Fallobst 5, Pflaumen 15—20, Weintrauben 25—30, bessere Qualitäten 50—00, Pfirsiche 30—85, Bananen 25 bis M, Erdnüsse 20—20; hiesige frische Eier 11 bis 11½, eingeführte Eier 9—10½; Süßrahmbutter 150 bis 100, Bauernbutter 140—150, Quarkkäse 25, Nümmelkäse 30, Holländer Vollfettkäse 00—100, Tilsiter Vollfettkäse M—10; frisches Rindfleisch 70—80, Schweinefleisch M, frische Wurstwaren 50 bis 70; Bauernstuten mit Rosinen 80—90, ohne Nosinen 60—70, Kasseler Roagenbrot 6 Pfund 120; junge Hübnchen ausgeschlachtet 30—90, Schlachthühner 75—85 Pfennig.— Das Marktgeschäft war tuhia. Bredenscheid=Stüler. — Vor dem Evangelischen Konsistorium der Kirchenprovinz Westfalen in Münster bestanden die erste theologische Prülung die Herren Karl Degen aus Bochum=Dahlhausen, Sohn des Reichsbahnsekretärs Gustav Degen, und Fritz Eickhoff, Bredenscheid=Stüter, Sohn des Kötters Schuhmachermeisters Fr. Eickhoff. — NEV.=Winterhilfswerk. Die Ausgabe von Antraasformularen auf Kartoffeln für die Hilfsbedürftigen unserer Gemeinde findet am Dienstaa. dem 10. d. M. von 15—17 Uhr in der Schule am Bahnhof in Bredenscheid statt. Von der Ruhrhalbinsel. — N2DAP. Am Mittwoch, dem 11. 104 findet Sprechabend für die Amtswalter im SA.=Heim in Altendorf statt. Am Donnerstag, dem 12. 10., wird Mitgliederversammlung bei Nieding abgehalten. Eine öfsentliche Versammlung soll am 26. 10.(Donnerstag) bei Brauksiepe im Busch stattfinden. Die Zellenabende sind wie folgt festgeleat: Am 13. und 27. 10. in der Busch=Schule, am 7. 10. in der Burg=Schule und am 23. 10, bei Wolf in Nieder=Wenigern. Altendorf=Ruhr. Verhängnisvoller Verkehrsunfall. Aufder Stelle getötet. Heute früh gegen 7 Uhr ereignete sich hinter der Altendorfer Brücke, da, wo vor der alten Heide hinter der Straßenkurve der Weg steil bergan geht, ein schwerer Verkehrsnnfall, der leider ein Todesopfer gefordert hat. Auf dieser sehr abschüssigen Straße wurde der Fuhrunternehmer Hoppe, etwa 100 Meter von seiner Wohnung entfernt, von einem jüngeren Radfahrer aus Altendorf, der sich auf dem Wege zu seiner Arbeitsstätte befand, angefahren. Der Mann stürzte zu Boden und hat bei dem verhängnisvollen Unfall offenbar so schwere Verletzungen erlitten, daß sein Tod auf der Stelle eintrat. Die Mordkommission von Bochum, die herbeigerufen wurde, hat sofort die weiteren Ermittlungen aufgenommen.(*b. Verbrechen an einem 2jährigen Kinde? Wo ist Hildegard Schulz aus Essen?— Großangelegte Suchaktion erfolglos verlaufen.— Von einem Unhold verschleppt? Die Pressestelle des Polizeipräsidiums teilt mit: Noch immer nicht ermittelt ist das seit Mittwoch verschwundene Kind Hildegard Schulz, 2¼ Jahre alt, elterliche Wohnung Teichstraße 186. Eine Suchaktion, unternommen von 70 Kriminalbeamten und einem Kommando der Schutzpolizei mit Suchhunden, in dem von der(Kettwiger Str.) Adolf=Hitler=Straße, I. Dellbrügge, Bernestraße, Bachstraße und Bahnhofsplatz umgrenzten Häuserblock, einschließlich des Geländes an der Hollestraße(Kirmesplatz) ergab auch nicht den geringsten Anhaltspunkt über das Kind. Nunmehr muß damit gerechnet werden, daß an dem Kinde ein Verbrechen verübt oder es von einem Unhold verschleppt wurde. Für diesen Fall wird für die Aufklärung eine Belohnung von 500 R M. ausgesetzt, die nur Niederwenigern. — Schnitzeljagd auf der Ruhrhalbinsel. Verwundert hat am Sonntag mancher die vielen Radfahrer— braungekleidete Buben— betrachtet, die auf der Ruhrhalbinsel umherfuhren und dreieckige Papierschnitzel abwarfen. Diese Papierstücke trugen auf der einen Seite die Aufschrift:„Radfahrer=Fuchs= und Schnitzeljagd des Fähnleins Ruhrhalbinsel“ und auf der anderen:„Tretet ein ins Deutsche Jungvolk!“ Damit war die Aufklärung gegeben: die Buben waren Jungvolkjungen des Fähnleins„Ruhrhalbinsel“, die eine Radfahrer=Fuchs= u. Schnitzeljagd veranstalteten. Mit dieser Veranstaltung hatte man eine Werbung für das Deutsche Jungvolk in der Hitler=Jugend verbunden. Der Jungzug Altendorf stellte die Füchse, die durch ein weißes Taschentuch am Arm gekennzeichnet waren, und der Jungzug Niederwenigern hatte die Aufgabe, die„Füchse“ zu fangen.„Jagdgebiet“ war die ganze Ruhrhalbinsel mit folgenden Grenzen: Von der Lembeck in Hattingen die Hauptstrabe entlang nach Nierenhof, weiter nach Kupferdreh, Ueberruhr, Altendorf, bis zur Ruhr und ruhraufwärts bis zum Isenberg und weiter zur Lembeck. In diesem großen Gebiet konnten die Jungen alle Wege benutzen. Wie wir hören, wurde diese Radfahrer=Fuchs= und Schnitzeljagd vom Jungzug Niederwenigern mit 40:30 Punkten gewonnen.— Ein buntes Treiben herrschte zur gleichen Zeit an der Jugendherberge Niederwenigern. Dort trugen diejenigen Jungen der beiden Jungzüge Niederwenigern und Altendorf, die nicht an der Radfahrer=Schnitzeljagd teilnahmen, ebenfalls eine Schnitzeljagd aus. Das hierfür zur Verfügung stehende Gelände umfaßte die Ortschaften Altendorf, Dumberg und Niederwenigern. Diese Schnitzeljagd sah die Altendorfer Jungens mit 100:10 Punkten als Sieger. Das Gesamtergebnis der Schnitzeljagd stellt sich demnach auf 190:50 Punkten für den Jungzug Altendorf. ht Nierenhof. — Die Versammlung der Frauenhilfe Nierenhof findet nicht am Dienstag, sondern am Mittwoch um 15 Uhr bei Fänger statt. Linden-Dahlhausen. — Vierzehn Kohlenschürfer gesaßzt. Trotz aller Warnungen und zahlreicher, teils lebensgefährlicher Unfälle, die sich beim Kohlenschürfen in den letzten Jahren ereignet haben, gibt es immer noch Leute, die sich aus Not, vielfach aber auch, um ein Geschäft mit den gebuddelten Kohlen zu machen, zum Nohlenschürfen verleiten lassen. Die Polizet hat diesen Leuten schärfsten Kampf angesagt. Im Stadtteil Linden konnten in diesen Tagen wiederum 14 Personen wegen Kohlenschürfens festge stellt und überführt werden. für das Publikum bestimmt ist u. unter Ausschluß des Rechtsweges zur Auszahlung gelangt. Jeder, der das Kind am Mittwoch oder später noch gesehen oder irgendwelche verdächtige Wahrnehmungen gemacht hat, wird erbeten, der Mordkommission im Polizeipräsidium Essen, Zimmer 325, Tel. 44 551, Nebenanschluß 250 und 290' oder der nächsten Polizeidienststelle Mitteilung zu machen. Vertrauliche Behandlung der Angaben wird auf Wunsch zugesichert. Auf die ausgehängten Bekanntmachungen mit dem Bilde und der Beschreibung des vermißten Kindes wird hingewiesen. Beschreibung: Hellblondes, glattes Haar, bleiches, rundes Gesicht, braune Augen, vorstehende Unterlippe, lückenhafte Zähne, im Nacken rötlicher Fleck, an der rechten Hüfte Muttermal. Bekleidung: Hellblaukariertes Kleid, grauer Unterrock, rosa Schlupfhose, braungraudurchwirkte Strümpfe, hohe braune Schnürschuhe mit schwarWeitmar. Ein Todesopfer. In der Nacht vom Freitag zum Samstag, gegen 3 Uhr morgens, ereignete sich auf der Schützenstraße, und zwar in unmittelbarer Nähe der Eppendorfer Stadtgrenze ein schwerer Verkehrsunfall. Ein Personenkraftwagen eines Höntroper Autobesitzers streifte hier mit seinem Wagen einen an der rechten Straßenseite stehenden Baum. Der Wagen prallte zurück und wurde dabei gegen einen anderen Baum geschleudert. Durch diesen schweren Anprall wurden die drei Insassen herausgeschleudert und derart schwer verletzt, daß sie mit dem herbeigerufenen Krankenwagen in das Bergmannsheil geschafft werden mußten, wo einer der Insassen im Laufe des Samstags seinen erlittenen schweren inneren Verletzungen erlegen ist. Der Lenker des Wagen ist wie durch ein Wunder nur leicht verletzt worden. Bochum. — Revision angemeldet. Der vom Schwurgericht Bochum wegen Totschlages gegenüber dem SA.=Mann Koziolek zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilte Arbeiter Quandt aus WanneEickel hat gegen das Urteil Revision angemeldet. (*b. * Professor Georg Kulenkampff, der berühmte Geiger spielt im nächsten Städtischen Symphonie-Konzert am kommenden Donnerstaa, abends 20 Uhr. im Stadttheater das Violin=Konzert in D=Dur von Wolfgang Amadeus Mozart und eine Romanze von Ludwig van Beehoven. Weiter enthält das Programm eine Erstaufführung für Bochum, und zwar die Variationen und Fuge über das deutsche Volkslied„Morgenrot, Morgenrot“ für großes Orchester von Gottfried Müller. Zum Schluß gelangt die 5. Symphonie in C-Moll von Ludwia van Beethoven zur Aufführuna. Leituna: Professor Leopold Reichwein.— Preise 0,75—4 RM. Karten sind an der Konzertlasse im Stadttheater an Werktagen von 10 bis 11 Uhr, Sonntags von 11 bis 12,80 Uhr. sowie in den bekannten Vorverkaufsstellen zu haben. Karten ausgabe für Mitglieder der Deutschen Bühne in der Geschäftsstelle im Lueg=Haus, Kortumstraße 16. Es wird noch darauf aufmerksam gemacht, daß für die in Vormiete vorgesehenen Symphonie= und Chor=Konzerte Dauerkarten von 6—27 RM an der Konzertkasse erhältlich sind Die Vormicterpreise sind ca. 50 Prozent niedriger als die Tagespreise und in drei Raten zahlbar. Telesontsche Bestel lungen werden unter Nr. 68651 entgegengenom men.(S. Anzeiae.) straße, hieß er Damenunterwäsche mitgehen. Bei seinem„Besuch“ bei einer Familie in der Hufergasse, wo er überrascht worden ist, entschuldigte er sich, als die Frau ihren Mann geweckt hatte, damit, daß er sich verirrt hätte, und suchte schleunigst das Weite.(* — Tragischer Unglücksfall. Am 28. September 1933 wurde der Sturm 4/1/58 von einem schweren Unglück heimgesucht. Die„National=Zeitung“ berichtete darüber: Am genannten Tage hatte sich der gesamte Sturm zum Hermann=Goering=Schießplatz an der Pferdebahnstraße begeben. Truppführer Willi Bernitzki erhielt den Auftrag, die Gruppe zu überwachen. Auf einem Inspektionsgang geriet er in der Dunkelheit in einen Abwässergraben und stürzte etwa 3,20 Meter tief ab. Blutüberströmt wurde er von seinen SA.=Kameraden herausgeschafft und zum Huyssenstift übergeführt. Dort stellte der Arzt einen schweren Schädelbruch fest. Nach achttägigem schwerem Ringen ist er Freitag früh 3,45 Uhr seinen Verletzungen erlegen. Der Fall ist um so bedauerlicher, als Truppführer Willi Bernitzki der Haupternährer seiner Eltern ist. * Einbrecher auf der Flucht erschossen. Ein Polizeihauptwachtmeister beobachtete, wie ein junger Mann seine Hand durch die zertrümmerte Fensterscheibe eines Juweliergeschäftes steckte u. meh. Uhren hervorholte. Auf den Anruf des Beamten warf der Täter mehrere Uhren dem Beamten gegen den Kopf und floh. Er wurde nach zwei Schreckschüssen durch den dritten Schuß getötet.(bhl * Pflege der Kruppschen Werksgemeinschaft. Der 1. Nummer der Zeitschrift der Kruppschen Werksgemeinschaft gibt Herr Krupp von Bohlen und Halbach ein Geleit, in dem es u. a. heißt: In der Jetztzeit, in der unter der Führung Adolf Hitlers neue Hoffnung und Zuversicht alle Deutschen erfüllt und erfüllen darf, hat die Firma sich entschlossen, die frühere Veröffentlichungen in neuer, der jetzigen Bewegung u. Zeit angepaßter Form mit den bisherigen„Kruppschen Mitteilungen“ vereint, wieder aufleben zu lassen. Die Zeitschrift soll ein geistiges Band um alle Angehörigen unserer Werksgemeinschaft schlingen, um Kopf= und Handarbeiter in Büro und Werkstatt, im Bergbau und Hüttenbetrieb, im Maschinenbau und auf der Werft. Sie wird über die Arbeiten in den verschiedenen Kruppschen Werken zweimal monatlich in Schrift und Bild berichten und Zweck und Wert der Einzeltätigkeit im Rahmen der Gesamtarbeit zeigen. Sie soll den Geist echter Gemeinschaft, insbesondere auch im Kruppschen Kreis, vertiefen und dabei versuchen, neben der keimenden Saat der sich klar gestaltenden Gesundung Wertvolles aus der mehr als hundertjährigen Vergangenheit unseres Werkes für die Gegenwart und Zukunft nutzbar zu machen. Die Zeitschrift soll uns allen ein guter Kamerad werden und Künder unserer Arbeit und unseres Wollens sein. Aus dem Werk und für das Werk! So wollen wir mithelfen am Wieberaufbau unseres Vaterlandes auf allen Gebieten. Ich hoffe auf freudige Mitarbeit aller Werksangehörigen unter der neuen Losung: Gemeinnutz geht vor Eigennutz, wie unter dem alten Kruppschen Wort: Der Zweck der Arbeit soll das Gemeinwohl sein, dann bringt Arbeit Segen, dann ist Arbeit Gebet.*t Heiligenhaus. -- Schadenfener. Auf dem Gute Schriewershof Im benachbarten Hombera entstand ein Feuer, das bald großen Umfang annahm. Trotz größter Anstrengungen der Wehr sielen Stallungen und Schenne dem Brande zum Opfer. Getreide und ein Teil der Kartoffelernte wurden ein Raub der Flammen. Das Wohnhaus blieb vom Feuer verschont. Hilden. Die letzte Fahrt. In der vierten Nachmittagsstunde des veraangenen Samstags wurde Kreisbrandmeister GilIu aus Dahlhausen, der über drei Jahrzehnte in dieser Eigenschaft den Kreisverband Hattingen der Freiwilligen Feuerwehren hervorragend geleitet und zu seiner heutigen Höhe geführt hat, zur letzten Rube gebettet. Wie schmerzlich der Verlust dieses vortrefflichen Mannes in den Reihen dersenigen, denen er als der getreue Ekkehard in all den ahren seines Wirkens im Dienste des Nächsten ein leuchtendes Vorbild treuer Pflichterfüllung war, empfunden wurde, bewies die innige Teilnahme und das ehrenvolle Geleit auf seinem letz ten Wege. Während der Trauerfeier im Sterbehause, wo Superintendent Neuhaus den tieftrauernden Hinterbliebenen Worte des Trostes und der Hoffnung spendete, hatte sich indessen vor dem alten Amtshause der Trauerzug formiert. Wehmutsvoll ertönte die Trauerweise der Hattinger SS.=Kapelle, als der Sarg aus dem Hause getragen wurde. Die Feuersirene, die ihn so manches Mal im Leben gerufen, entbot ihren letzten Gruß. Fast unübersehbar war der Trauerzug, der sich dann die Dr.=C.=Otto=Straße abwärts zum Kommunalfriedhof bewegte. Voran schritten die Freiwilligen Feuerwehren des ehemaligen Kreises Hattingen, geschlossen selbstverständlich die Wehren von Linden und Dahlhausen in Begleitung ihrer Feuerwehrkapelle. Zahlreiche prominente Vertreter des Feuerwehrlöschwesens gaben ihm das Geleit. In Vertretung der Stadt Bochum und des Provinzialverbandes war Branddirektor Märker=Bochum erschienen, man bemerkte ferner als Vertreter des Ennepe=Ruhr=Kreises Kreisbranddirektor Wunsch=Wetter, die Angestelltenschaft der Firma Dr. C. Otto, bei der der Verstorbene über vier Jahrzehnte beruflich tätig war, den Evangelischen Arbeiterverein, der eins seiner treuesten und ältesten Mitglieder und seinen einstigen Führer verloren hat, und zahlreiche Vertreter der Behörden. Vor dem Feuerwehrdepot in Dahlhausen waren einige Kameraden der Wehr vor den tauerumflorten Feuerlöschgeräten zur Ehrenwache aufgezogen und die Fahnen auf Halbmast gesetzt. Auf dem Friedhof sprach Superintendent Neuhaus in tiefempfundenen Worten zu der Trauergemeinde. Dann senkten sich die Fahnen zum letzten Gruß und leise erklang die alte Weise: „Ich hatt' einen Kameraden...“ bh. Steele. — Vermißt wird seit 30 v. M. der Bäckergeselle Peter Kiwitt, geb. 81. 10. 1911, zulett Steele. Anappenstraße 17 wohnhast. Beschreibuna: Etwa 1.00 bis 1.64 m groß, breitschulterig, dunkelblondes. links gescheiteltes Haar, bleiches, rundes Gesicht. Wangengrübchen, blaue Augen, buschige Angenbrauen, dicke Nase, große abstehende Ohren, kleine, lückenhafte Zähne, kleine, gepflegte Hände, an der linken Stirnseite eine 1 em lange Narbe. Bekleidung: Helle Sportmütze, blaues Jackett. arane Stiefelhose, weißes Leinenhemd, helle Sport strümpfe, schwarze Halbschuhe. Essen. — Steigende Besucherzahl bei den städt. Bübnen. Auf Grund des statistischen Materials der Intendanz kann erfrenlicherweise mitgeteilt werden, daß sich in der Oper die Besuchs= und Einnahmeziffern gegenüber dem Vorjahr wesentlich erhöht haben; der tägliche Mehrbesuch beträgt 127 zahlende Besucher in jeder Vorstellung. — Fremder Mann als Eindringling. Drei Familien in Werden hatten, wie die„Werdener Zeitung“ berichtet, in der Nacht zum Freitag ein seltsames Erlebnis. Ein fremder Mann war unbemerkt in ihre Wohnungen eingedrungen. Gegen 1,80 Uhr hörte ein an der Viehauser Straße wohnender Polizeibeamter in der Küche seltsame Geräusche. Er vermutete, daß eins seiner Kinder dort sei. Als er aber längere Zeit die Tür nicht aufgehen hörte, wollte er den Dingen auf die Spur gehen, als er plötzlich ein Geräusch vor seinem Bett wahrnahm. Zu seinem Schreck sah er einen fremden Man vor dem Bett liegen, der sich unter dieses zwängen wollte. Er stürzte auf den Fremden zu, und es entspann sich ein Rinakampf zwischen beiden. Der Fremde muß über Bärenkräfte verfügt haben, denn es gelang nicht, ihn zu bezwingen, und der Fremde entfloh. Der Mann hatte keine Diebstahlsabsichten, sondern etwas anderes vor. Trotzdem nahm er aus einer Geldtasche 1,50 RM. mit; ebenso auch kleinere Beträge bei den anderen Familien, die er in der gleichen Nacht besucht hat. Nach den Beschreibungen handelt es sich in allen drei Fällen um ein und denselben Täter. Bei einer Familie, in der nur Frauen anwesenö waren, in der Grafen— Ueberfall. Kürzlich wurde bier auf eine Einwobnerin ein schwerer Ueberfall verübt. In den Nachtstunden solaten zwei Männer einer jungen Frau, die hiesige Verwandte besuchte. Die beiden überfielen die Frau und entrissen ihr eine Handlasche, in der sich 50 RM. befanden. Die Ueberfallene setzte sich kräftig zur Wehr und konnte den Räubern die Tasche wieder abnehmen. Es handelt sich um zwei junge Burschen im Alter von 22—25 Jahren. Mekkmann. — Beisetzung des Wachtmeisters Namlow. Der durch einen tragischen Unglücksfall ums Leben gekommene Polizeiwachtmeister Ramlow wurde am Freitag feierlich zu Grabe geleitet. Unter Vorantritt der Feuerwehrkapelle formierte sich ein grosier Zug, an dem sich die SA. und SS. Mettmanns und der umliegenden Orte sowie der Stahlhelm, die HJ. und der BdM. geschlossen beteiligten. In seiner Grabrede würdigte Pastor Hamer die grosien Verdienste des Verstorbenen. Beig. Ortsgr.=L. Otto Weidtmann sprach für die Ortsgruppe, Fachschaftsleiter Zorn für die Beamtenschaft der Stadtverwaltung. Postinspektor und Führer der NS. Beamtenabteilung Mettmanns sprach für die gesamte Beamtenschaft. Ferner würdigten SS.Sturmbannführer Benn=Wuppertal für die SS. und Obertruppführer Wimmershoff für die Mettmanner Standarte die Verdienste des Verstorbenen um den Kampf. Keine Erhöhung der Einkriktspreise in Lichtspieltheatern. Die Regierungspressestelle in Düsseldorf teilt mit: Der Regierungspräsident in Düsseldorf hat auf Grund der ihm übertragenen Befugnisse des Reichskommissars für die Preisüberwachung für den gesamten Regierungsbezirk jegliche Erhöhung der Eintrittspreise in Lichtspieltheatern und Lichtspielhäusern mit Bühnenschau bis auf weiteres untersagt, da die Bevölkerung des Industriebezirks angesichts der gedrückten Einkommensverhältnisse gegen jede Verteuerung des Lebensunterhalts geschützt werden muß. Die vorgenannten Unernehmungen müssen daher ihre Preise auf den Stand vom 1. 7. 1933 zurückführen. Schützt die Eigeuart der Heimat! Die 13. Hauptversammlung der Bezirksstelle für Naturschutzdenkmalpflege im Bezirk des Ruhrsiedlungsverbandes fand am Samstag und Sonntag in Haltern am See statt. Im„Römertheater“ hatte sich eine ungewöhnlich große Zahl von Natur= und Heimatfreunden zusammengefunden, darunter mehrere Leiter von Kommunalverwaltungen. Der Vorsitzende, Verbandspräsident Dr. Hüsker(Essen), betonte in seinen Begrüßungsworten: Die Pflege der Naturdenkmäler sei als Heimatpflege ein wesentlicher Bestandteil zur Weckung von Heimatliebe und Vaterlandsliebe; sie gehöre in den Rahmen der Bestrebungen dr neuen Regierung, die Verbundenheit von Blut und Boden zu fördern. Landrat Dr. Rieth(Recklinghausen) begrüßte als Leiter der Kreisstelle und als Hausherr die Versammelten. Mittelschullehrer Oberkirch(Essen) legte dann in einem instruktiven Lichtbildervortrag dar, wie notwendig der Schutz der Pflanzenwelt sei, besonders in unserem von der Industrie beherrschten Gebiet, wo einige Pflanzen nur noch ganz selten, vielfach nur noch an einem einzigen Standort vorkämen. Andere Pflanzen seien zwar noch reichlicher vertreten, aber doch schon schutzbedürftig. Der Redner zeigte ferner im Lichtbild einige hervorragende Vertreter der Baumwelt, die ohne weiteres als Naturdenkmäler angesehen und als solche geschützt werden sollten. Zum Schluß wies er darauf hin, daß durch die Industriealisierung manches wertvolle Naturstück vernichtet werde, auch dort, wo es nicht unbedingt erforderlich sei. Museumsleiter Dr. Stampfuß(Duisburg) hielt einen Vortrag über„Kulturdenkmäler der Vor= und Frühgeschichte, der Landschaft und ihre Beziehung zum Naturschutz“. Am zweiten Tage wurde unter sachverständiger Führung des Museumsleiters Dr. Conrads das Römisch=Germanische Museum in Haltern besucht, das die kostbaren Funde enthält, die bei den Ausgrabungen des Halterner Römer=Castells gefunden worden sind und ein anschauliches Bild von dem damaligen Leben der Bewohner geben. No. Westfälischer TaubstummenVerbandstag. Erste Tagung in Gelsenkirchen. In Gelsenkirchen fand in der Zeit vom 7. bis 9. Oktober der erste Verbandstag der Gehörlosen von Westfalen statt, der von den drei Bezirken Ruhrindustriegebiet, Sauerland und Westsalen=Nord=Ost(Münsterland und Ravensberg besucht war. Bereits am Samstag trafen die auswärtigen Gäste ein zu einer Vorfeier im„Nationaleck“ in Gelsenkirchen. Der Sonntag wurde eingeleitet durch gemeinsamen Kirchgang beider Konfessionen und im Anschluß daran sand im ApolloTheater die Aufführung des Gehörlosen=Films „Verkannte Menschen“ statt. An der Tagung nahmen teil der Gaubundesleiter der Gehörlosen, Schäfer(Darmstadt), und der Reichsbundesleiter Albreghs(Berlin). Letzterer sprach sich für den Zusammenschluß sämtlicher Gehörlosen aus nach dem Motto: Einigkeit macht stark! Kreisleiter Parteigenosse Hilker(Hagen) gab den Generalbericht des neugegründeten Westfälischen Taubstummenverbandes. Der vorgesehene Blumentag wird erst im März n. J. statifinden. In der Nachmittagstagung wurden den Amtswaltern die neuen Richtlinten und Bestimmungen des Reichsbundes durch den Reichsbundesleiter Albregbs(Berlin) erläutert und gleichzeitig der Zusammenschluß des NS.=Westfälischen Taubstummenverbandes mit der NS. Volkswohlfahrt Westfalen bekanntgegeben.— Dr. Schmidt(Gotha) hielt dann ein Referat über die Bedeutung des Vertrages mit dem Reichsverband der Gehörlosen, da früher die Taubsummen von sealicher Unfallversicherung ausgeschlossen waren, nunmehr aber durch die Gotha=Lebensbank gegen jeglichen Unfall versichert sind. Die eigentliche Gründungsfeier fand in der Stadthalle Gelsenkirchen statt. Große Westfalenkundgebung der Deutschen Christen. Reichsleiter Bischof Hossenfelder sprach in Soest. In der über 20 000 Personen fassenden Deutschland=Halle in Soest, einem der größten Versammlungsräume des Reiches, sprach am Samstag abend der Reichsleiter der Glaubensbewegung Deutsche Christen, Bischof von Brandenburg, Joachim Hossenselder. Die Rede war ein starkes Treuegelöbnis zum Führer und hatte programmatische Bedeutung. Bischof Hossenfelder begann mit einem Hinweis auf den Kampf der Bewegung in Vergangenheit und Zukunst um die ideellen, im November=Deutschland verschütteten Güter der Nation. Um Glaube oder Unglaube, Christus oder den Antichrist sei letzthin die Schlacht der 14 Jahre geschlagen worden. Die Kraft des Glaubens jedoch sei vom Volkstum nicht zu trennen. Sie sei erdgebunden und erwachse aus dem unzerrüttbaren Worte Gottes, das die Deutschen Christen gegenüber liberalistischer Willkür wieder in gänzlicher Unbedingtheit und Treue im Sinne Luthers aufrichten wollten. Das Reich Adolf Hitlers sei aus überzeitlicher Schau erwachsen als Land unserer Kinder, und diese Wirkung habe der Bewegung die äußerste Härte gegeben als eine Kampfschar, die dem Nachkommen ein besseres Vaterland bereiten wollte. Ein neuer Weltentaa Gottes sei angebrochen, wie er nur in Jahrhunderten komme, Gott habe den Führer gerufen und der Führer das Volk. Die Zeit des bürgerlichen Individualismus werde abgelöst von der Epoche volkhafter Gemeinschaft und der Gewinnung des schaffenden Menschen für Volk und Kirche. Der Krieg habe den Wahn bürgerlicher Sicherheit jäh zerbrochen. Im Schützengraben sei der neue Ruf„Gemeinnutz geyt vor Eigennutz“ geprägt und erlebt worden. Nach dem politischen Sieg müsse nun das sittliche Reich gegründet werden, das im Volk wieder die Gottes=Ordnung und in Rasse und Evangelium die objektiven Lebensmächte sehe. Der Arbeiter, der braune Mann als Willensträger, könnte die Kirche nicht vergessen, wenn sie in ihrer Form und Sprache zu ihnen rede. Jedes Volk frage anders nach seinem Gott, und so müsse die Kirche wieder Missionskirche werden und den Deutschen das Evangelium in deutscher Erlebnis=Innerlichkeit und Eigenart bringen. Durch Adolf Hitler habe uns Gott wieder zum Volke werden lassen, und deshalb sei der Führer der größte Mann nach Luther, weil er die Sehnsucht von vier Jahrhunderten verwirklichte. Nach dem äußeren Einigungswerk der Kirche setze nun als Aufgabe der Deutschen Christen die Rückführung der Volksgenossen in die kirchliche Gemeinschaft ein. Es gelte, die volkhafte Kirche zu gründen und den Reichsbischof in seinem schweren Werk zu unterstützen. Neben Bischof Hossenfelder sprachen der Gauleiter der Glaubensbewegung für Westfalen, Pfarrer Bruno Adler. Pfarrer Siebold(Bochum) und der örtliche Kreisleiter der Deutschen Christen, D. Schürmann(Soest). Von Soest, das als künftiger Bischofssitz von Westfalen genannt wird, fuhr der Reichsleiter nach München weiter. Der Beamte im neuen Staat. Aufmarsch der NS. Beamtenschaft Süd-Westfalen in Hagen. Das Gautreffen der Beamtenfachschaft des Gaues Westfalen=Süd wurde Samstag abend durch eine eindrucksvolle Kundgebung im Kuppelsaal der Stadthalle Hagen feierlich eröffnet. Nach der Begrüßungsansprache des Leiters und Organisators der„Woche des Beamten", Kreisabteilungsführer Riegert(Hagen) hieß Bürgermeister Dr. Pagenkopf die erschienenen Festteilnehmer im Namen der Stadt Hagen und der Kreisleitung der NSDAP. willkommen. Er schilderte in seiner beifällig aufgenommenen Ansprache die Entwicklung des deutschen Berufsbeamtentums seit der Zeit Friedrich des Großen bis zum Zusammenbruch 1918. Die Gauwalter der südwestfälischen Beamtenfachschaft, Pg. Bentlage, gedachte in seinem Schlußwort des Werdeganges und des Siegeszuges der nationalsozialistischen Idee und schilderte ihren Aufstieg zur großen nationalsozialistischen Volksbewegung. Am Nachmittag wurde in der Friedrichslust die historische Bamtenfachausstellung durch Pg. Bentlage eröffnet. Der Aufmarsch der Gesamtbeamtenschaft des Gaues Westfalen=Süd am Sonntagvormittag auf den Sportplätzen gestaltete sich zu einer erhebenden Feierlichkeit. Nach Gesangvorträgen durch 2000 Sänger und nach dem Auflassen von 3000 Brieftauben ergriffen Oberbürgermeister Malzbender(Dortmund), Bürgermeister Dr. Pagenkopf, Regierungsdirektor Gildemelster als Vertreter des Regierungspräsidenten von Arnsberg das Wort. Gauleiter Bentlage weihte sodann 50 neue Fahnen der Beamtenfachschaften südwestfälischer Städte und Gemeinden. Oberlandfäger Zebrowskn(Menden), der 1918 bei Compiegne auf deutscher Seite den Frieden eingeblasen hatte, blieb dieses Friedenssignal mit der damals von ihm benutzten Trompete vor den 50000 Beamten noch einmal. Ein Festzug durch die reich geschmückte Stadt und ein Vorbeimarsch vor dem Führer der südwestfälischen Beamten bildete den Abschluß des großen Aufmarsches. Leider ereignete sich bei der Kundgebung ein Todesfall. Ein Teilnehmer aus Dortmund brach plötzlich, vom Herzschlag getroffen, tot zusammen. Jagd auf wilde Buchmacher. Ueber 60 Personen zwangsgestellt. Am Sonntag wurog in Gelsenkirchen von der Kriminal= und Schutzpolizei eine GroßNazzia gegen wilde Buchmacher unternommen, in deren Verlauf über 60 Personen zwangsgestellt wurden, Montag, 9. Oktbr. ... die Reihen dicht geschlossen! Horst=Wessel=Tag in Bielefeld. Die Stadt Bielefeld, der Geburtsort des deutschen Freiheitskämpfers Horst Wessel, stand gestern im Zeichen eines Horst=Wessel=Tages. Es wurde am Geburtshause Horst Wessels eine Gedenktafel geweiht. Zu der Feier waren auch die Mutter und die Schwester Horst Wessels erschienen. Mittags erfolgte ein Vorbeimarsch am Rathaus, wo Frau Wessel und Tochter sich in das Goldene Buch der Stadt Bielefeld eintrugen. Am Nachmittag wurde auf der Horst= Wessel= Höhe, auf dem Kamm des Teutoburger Waldes, der Gedenkstein geweiht. Der Kreisleiter (Bürgermeister Budde) begrüßte die Gäste, u. a. den Oberpräsidenten Lutze. Nach dem HorstWessel=Lied stellte Oberpräsident Lutze das Mal unter den Ehrenschutz der SA. und übereignete es dem SA.=Gruppenführer von Westfalen, Polizeipräsident Schepmann. Er verlas einen SA.Appell, in dem der SA.=Gruppe Westfalen Treue, Diszilin und Opfersinn zur Pflicht gemacht wurden. Im Namen der SA.=Gruppe Westfalen übernahm dann SA.=Gruppenführer Polizeipräsident Schepmann den Stein als Wahrzeichen und stete Erinnerung an den Heldenmut des unvergeßlichen Horst Wessel. Die SA.=Gruppe Westfalen gelobe, die vom Ortsgruppenführer geforderten Eigenschaften bis in den Tod zu pflegen. Während der Weihe des Denkmals kreiste ein Flugzeug in der Luft. Der neue Führer der SA.=Brigade 165. Der neue Führer der SA.=Brigade 165, die ihren Sitz in Bielefeld hat und die Standartenbereiche Bielefeld. Paderborn und Höxter umfaßt, Oberführer Vogel aus Hattingen a. d. Ruhr hat seinen Dienst aufgenommen. In voller Fahrt gegen einen Baum! Am Samstag fuhr auf der Bärendorfer Straße in Wattenscheid ein mit vier Personen besetzter Kraftwagen in voller Fahrt gegen einen Baum. Der Kraftwagen wurde zertrümmert. Während der Kraftwagenführer, der nach dem Unfall sofort die Flucht ergriff, anscheinend nicht verletzt wurde, trugen die drei anderen Insassen des Wagens so schwere Verletzungen davon, daß sie dem Krankenhause Bergmannsheil in Bochum zugeführt werden mußten. SA.=Mann vermißt. Der SA.=Mann und erwerbslose Bergmann Heinrich Weiß aus Datteln wird seit dem 21. September d. J. vermißt. W. ist an diesem Tage gegen 8 Uhr nachts aus dem Hause fortgegangen in der Absicht, seine in Jägersburg im Saargebiet wohnenden Verwandten zu besuchen. Er ist aber dort nicht eingetroffen. Ein Verbrechen ist nach Lage des Falles nicht ausgeschlossen. Weiß ist am 20. Januar 1903 geboren. Er ist 1,70 Meter groß und führt ein Herrenfahrrad mit dunkelbrauner Aktentasche, in der sich ein farbiges Oxfordhend befindet, bei sich. zum Sieg! Gaukundgebung der NS. Hago in Düsseldorf. Zu vielen Tausenden marschierten am Sonntag vormittag in Düsseldorf die Angehörigen der nationalsozialistischen Handwerks=, Handels= und Gewerbeoraanisation(NS.=Hago) mit ihren Innunasbannern und 165 neu zu weihenden Sturmfahnen der Organisation unter den flotten Marschklängen der Musikkapellen im Rheinpark auf. Von der großen, mit frischem Grün geschmückten Rednertribüne wehten die Jahnen der Freiheitsbeweanna. In einem großen Viereck hatten die der Weihe harrenden Fahnen, getragen von braunen Kämpsern der Revolution. Aufstelluna aenommen. Als Ehrengäste Selig sind, die überwinden. waren außer Staatsrat Gauleiter Florian der Reichsführer der NS.=Hago und der GOG., Dr. Th. Adrian von Renteln, Oberbürgermeister Dr. Wagenführ und sonstige führende Persönlichkeiten der Freiheitsbewegung und der Behörden erschienen. Der kurzen Begrüßung durch Gauführer Pa. Evertz folgte eine Ansprache des Staatsrates Florlan, in der er die Ueberzeugung aus= sprach, daß auch der Mittelstand seine Kräfte, die in den letzten vierzehn Jahren zersplittert waren, zusammenfassen und mithelfen werde, die Revolution zu einem siegreichen Durchbruch und 19. Fortsetzung. Er machte eine Pause. Bohrte mit der Spitze seines Stockes im Waldboden herum und sah diesem Spiel scheinbar interessiert zu. Wartete er, daß nun auch Magnus etwas sagen würde? Aber dieser blieb stumm. Ganz im Bann eines äußerst unbehaglichen Gefühls, dessen Ursprung ihm nicht klar war. Noch war ihm überhaupt nichts klar— wo wollte Herr von Kresta hinaus? Da fühlte er des andern Blick plötzlich auf sich gerichtet, und während ein schwaches Rot langsam in Krestas glattrasiertes, kluges Gesicht stieg, sagte er ohne Umschweife:„Ich bin kein Diplomat, und wo es um ein Ganzes geht, ziemt Männern Offenheit. Ich frage Sie also klar und offen: Würden Sie sich entschließen können, auf Halmhof zu bleiben als eigener Herr und Irenes Gatte?“ Und auf eine erschrocken auffahrende Bewegung Magnus fuhr er hastig fort:„Mißverstehen Sie mich nicht, Herr Arland. Ich biete Ihnen meine Tochter keineswegs an. Das hat Irene nicht nötig, denn sie ist wertvoll und bedeutend genug— auch ohne den goldenen Hintergrund ihres Erbes—, um in weitem Kreis unter Männern wählen zu können. Das wissen Sie wohl selbst, wie ich weiß, daß Sie nicht der Mann sind, nach Geld zu wählen. Was ich tue, mag vielleicht auch Ihnen mindestens ungewöhnlich erscheinen— aber ich habe in dem Herzen meines Kindes gelesen und— ich möchte alles tun, um es glücklich zu machen. Nur glücklich— denn nur das macht ein Leben auch reich. Irene ahnt nichts von unserm heutigen Gespräch und soll nie etwas davon erfahren. Sie aber bitte ich, nicht vorschnell zu antworten. Ueberlegen Sie sich die Sache genau und beraten Sie sich ausschließlich nur mit Ihrem Herzen, denn dieses allein darf entscheiden! Morgen dann geben Sie mir Antwort.“ ... Roman von Erich Ebenstein Magnus fühlte peinlich erschüttert. Wie schrecklich, diesem edlen, selbstlosen Vater, der sein Kind über alles liebte— mit Nein antworten zu müssen! Und doch— er durfte keine Minute zögern, es zu tun.„Verzeihen Sie, Herr von Kresta, wenn ich dies schon jetzt tue," sagte er leise, als könne dadurch das den andern Demütigende der Antwort gemildert werden.„Eine Frist hätte keinen Zweck. wo keine Entscheidung mehr zu treffen ist. Ich bin seit zwei Monaten bereits mit meiner Kusine Ingrid verlobt, der mein Herz schon gehörte, ebe ich die Ehre hatte, Ihr Fränlein Tochter kennenzulernen. Diese Verlobung, welche wir aus rein familiären Gründen noch geheimgehalten, war auch der Grund meiner Kündigung.“ Herr von Kresta war blaß geworden, und einen Augenblick zuckte es schmerzlich über sein Gesicht. Dann aber drückte er Magnus kräftig die Hand und versuchte zu scherzen.„Zu spät gekommen alsol Nun, das geht einem öfter so im Leben; wir wollen es vergessen und nie mehr darüber reden. Ich hatte es so gut gemeint, aber das Schicksal hat es anders gewollt. Für Irene freilich...“ „Fräulein Irene wird gewiß bald einen ihr viel würdigeren Mann kennen und lieben lernen!“ sagte Magnus herzlich. „Einen— würdigeren? Nein, das glaube ich nicht. Aber ich tröste mich eben, ob ich will oder nicht, mit dem alten Erfahrungssatz: Kein Mensch ist unersetzlich! Freilich— eine Erfahrung, die gerade Liebende nie anerkennen wollen! Nun, mein Mädel wird sich drein finden müssen, und was ich tun kann, um ihr dabei zu helfen, soll geschehen!“ Am nächsten Morgen zugleich mit dem Frühstück wurde Magnus ein Brief überbracht. Er war von Herrn von Kresta und enthielt ein paar herzliche Abschiedsworte. Der Besitzer von Halmhof hatte um vier Uhr morgens mit seiner Tochter die Reise nach Italien im Anto angetreten.„Mein Sekretär in Wien ist angewiesen. Ihnen Ihr Gehalt auszuzahlen.“ stand noch in dem Brief.„und einen Nachfolger für Sie ausfindig zu machen. Wenn Sie die große Güte hätten, diesen dann noch in seine Tätigkeit ein wenig einzuführen, wäre ich Ihnen aufrichtig dankbar, lieber Freund— so darf ich Sie trotz allem noch nennen? Ich selbst werde wohl auf lange hinaus nicht Zeit finden, nach Halmhof zu kommen...“ Magnus atmete tief auf. Dankbar empfand er die Erleichterung, die darin laa. nach der letzten Unterredung mit Herrn von Kresta Vater und Tochter nicht mehr gegenübertreten zu müssen. Es wäre das für alle Teile doch nur peinlich gewesen. Auch Frau von Kresta blieb nicht mehr lange auf Halmhof. Mitte September, als die Kurgäste nach und nach Schwanfelde verließen, ließ auch sie packen und reiste in Begleitung der Gräfin und ihrer Dienerschaft ab, zunächst nach Wien, wie sie Magnus beim Abschied sagte. Nun war es plötzlich still auf dem Gutsbesitz, wie draußen auf den Feldern und im Wald, wo langsam der Herbst einzog. 19. Sabine Arland hatte sich anscheinend wieder ganz erholt. Sie sah viel besser aus, ihre rastlose Nervosität schien sich verloren zu haben, und sie fühlte sich wieder kräftiger werden, seit sie ordentlich aß und nachts— allerdings meist infolge von Schlafmitteln— wieder schlafen konnte. An schönen Tagen weilte sie viel im Freien, unternahm kleine Spaziergänge und saß stundenlang an der Sonne, wie es Dr. Merker befohlen. An Regentagen lag sie meist im Zimmer auf dem Sofa und las. Alle Gedanken, die sie hätten beunruhigen können, schob sie gewaltsam von sich. Auch den an Magnus. Sie dachte an ihn jetzt wie an einen, der eine weite Reise unternommen habe, aber zurückkehren werde. Sie wollte ja gesund werden, die alte Kraft wieder erringen, die sie doch gewiß bald notwendig brauchen würde. Nur eines beunruhigte Sabine: daß Frau Luitswarden noch immer keinen bestimmten Zeitpunkt für ihr Kommen festsetzte. Sie hatte einen kleinen Rückfall gehabt, dadurch hatte sich alles wieder verzögert. Aber dies Warten von Tag zu Tag auf endgültige Nachricht— Sabine fühlte es deutlich— beeinflußte ihr körverliches Befinden neuerlich wieder schlecht. Täglich die Unrast, ehe die Post kam— täglich die Enttäuschung darüber, daß sie wieder nichts gebracht— es mußte einen ja nervös machen! Zwar Briefe und Karten an Sabine kamen fast täglich, aber nicht aus Holland, sondern alle aus Italien von Lia. Glückstrahlende Briefe voll überschwänglichen Entzückens über all das Neue, Schöne, das man sah und erlebte. Das junge Paar wollte erst im März oder April wieder heimkehren. Manchmal spielte Sabine Arland mit dem Gedanken: Wenn hier erst mit Rotky alles in Ordnung gebracht sein würde, auch nach Italien zu gehen. Der Arzt empfahl es ja so dringend. Und warum sollte sie nicht? Sie hatte noch so wenig von der Welt gesehen. Wenn sie z. B. ihre Perlen verkaufte, ein Erbstück Tante Almas. Lia machte sich ja gar nichts aus Schmuck, und besonders Perlen haßte sie und hatte oft erklärt:„Perlen würde ich nie tragen, denn sie bedenten Tränen“— ja, wenn sie die Perlen verkaufte, ginge es ganz leicht, daß sie ein paar Monate in Palermo lebte. Und herrlich wäre es schon. Den Zauber der südlichen Vegetation um sich. Das Meer, das sie noch nie gesehen, wie leicht müßte es sich dort atmen in der milden, reinen Luft, während es hier so mühsam war. Sabine merkte gar nicht, daß der spielerische Gedanke allmählich zum Wunsch, ja zur stillen Sehnsucht in ihr wurde. Daß sie es oft mitten in andern trüben, finsteren Gedanken wie ein freudiges Aufleuchten durch sie hingehen fühlte: Dann damst unser Vaterland in eine bessere Zukunft zu führen. Dr. v. Renteln wies in seiner Rede darauf hin, daß die Geschichte nicht danach geht, was der Wunsch oder der Traum einzelner Menschen ist, sondern die Geschichte habe eherne Gesetze, deren Macht alle Völker unterliegen. Es ist das Verbrechen der vergangenen Zeiten gewesen, daß man es zuließ, daß einige Geister ihre deutschen Volksgenossen umnebelten und ihnen weißzumachen versuchten, daß sich das Volksschicksal, seine Freiheit und sein Wohlergehen durch die freien Bestimmungen eines jeden einzelnen ergäbe. Man hat dem deutschen Volk jahrelang einzuprägen versucht, ja, man hat sogar aus dieser Ansicht ein System gemacht, das den Grundsatz aufstellte, daß jeder sein eigenes Interesse hinauszustellen habe. Man hat ein Parlament aus diesem Geist heraus geschaffen und hat gesagt, die eine Partei vertritt das Recht des Arbeiters, die andere das des Handels, die dritte das des Bauern und eine andere das des Katholiken, wieder eine andere das des Evangelischen usw. Dadurch hat man das deutsche Volk zersplittert. Man hat uns Nationalsozialisten in vergangenen Jahren immer vorgehalten, daß das deutsche Volk arm sei und nicht in der Lage wäre, sich von den Folgen des Krieges zu befreien. Dieses hat sich als Irrtum erwiesen. Ein Volk zieht seine Kraft nicht aus materiellen Gütern, sondern aus seinem Charakter. Nur diejenigen Menschen erreichen ein hohes Ziel im Leben, die von früher Jugend an um ihr Dasein kämpfen und sich durchringen müssen. Auch die Träger des neuen Staates haben nur durch ihre Willenskraft den Sieg errungen. Es sei wohl möglich, die Not und die Sorgen des Mittelstandes zu beseitigen. Gerade jetzt sei der Anfang gemacht und Kredite an den Kleinkaufmann, Handwerker und Gewerbetreibenden gegeben worden. Die Aufwärtsentwicklung der NS. Hago in letzter Zeit zeigt, daß auch der Mittelstand sich seiner Aufgaben und Pflichten bewußt sei. Ziel der Organisation sei, eine bewußte Erziehungsarbeit und die Grundlage dafür zu schaffen, daß an Stelle einer großen Politik der Geist der nationalen Entwicklung trete. Erst wenn der deutsche Kaufmann, Handwerker und Gewerbetreibende zeigen, daß auch sie in vorderster Front an der Erhebung des deutschen Volkes mitkämpfen, werden sie ihren alten guten Ruf wieder erlangen. Ein dreisaches Sieg=Heil auf unser deutsches Vaterland und seinen Führer Adolf Hitler bildete den Schluß der Ausführungen des Redners. Brausend stieg das Deutschland= und Horst=WesselLied, von den zahlreichen Musikkapellen begleitet, zum Himmel empor. Die Organisationen formierten sich zu einem Zuge und marschierten an ihrem Führer von Renteln, der an der Kunsthalle mit den Ehrengästen Ausstelluna genommen hatte, im Paradeschritt vorbei. Eine Festvorstellung und ein riesiges Feuerwerk schlossen das Gautreffen der N.-Hago. Das ist ja allerhand! Das Schöffengericht Recklinghausen verurteilte den Stadtsparlassendirektor a. D. Deermann wegen Diebstahls zu vier Monaten Gefängnis ohne Strafaufschub. Der Verurteilte hatte kürzlich in der städtischen Sparkasse in Recklinghausen einem Kunden 60 MM. gestohlen. Aus der preußischen Bergverwaltung. Der Preußische Minister für Wirtschaft und Arbeit hat folgende Personalveränderungen im Bereich der Preußischen Bergverwaltung vorgenommen: Auf Grund der 88 2—4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums sind entlassen worden: Vergassessor Tichauer, Bergassessor Bruck, Bergassessor Schlesinger. Auf Grund des 8 6 des gleichen Gesetzes sind in den Ruhestand versetzt worden: Erster Berarat Reimerdes bei dem Bergrevier Namen, die Bergräte: Dahlmann bei dem Vergrevier in Namen, de Gallois bei dem Vergrevter Werden, Sichtermann bei dem Oberberaamt in Dortmund, Dr.=Ing. Berkhoff bei dem Bergrevier Dulsbura. Busse bei dem Berarevier Kreseld. — ja, dann, wenn mein Werk hier beendet ist— dann reise ich ins Land, wo die Zitronen blühen! Sie könnte die Kinder in Italien überraschen, wo sie sich gerade aufhielten. Dann weiterreisen nach Palermo. Es wäre ganz einfach. Oft spann sie an solchen Gedanken und sprach auch mit Suse darüber. Anfang Oktober. Magnus, der jetzt viel bei seiner Braut weilte, saß zwischen Ingrid und Tante Helene in deren Wohnzimmer und erzählte. daß sein Nachfolger ein älterer Herr namens Rolf Schwaiger gestern abend auf Halmhof eingetroffen sei. Er sei ehemaliger Offizier, habe früher ein eigenes großes Gut in Ungarn gehabt, das im Krieg nicht gehalten werden konnte. und scheine, soweit man aus seinen Reden schließen könne, sehr lüchtig. Jedenfalls mache er auch als Mensch den besten Eindruck. Dann sprach man von der Hochzeit. Tante Helene berichtete, daß alle Vorbereitungen dafür so ant wie erlediat seien. Sonntag, 1. November, sollten sie in Altberg zum erstenmal verkündet werden. Die Aussteuer sei auch bereits fertig, man habe ja eigentlich so nebenher schon seit Jahren daran gearbeitet. „Wenn man eine heranwachsende Tochter hat, ist das ja selbstverständlich eine Lieblingsbeschäftigung für jede Mutter. so nach und nach alles Schöne, was einem unterkommt, für das geliebte Kind zusammenzutragen! Man meiß doch: einmal wird der Tag kommen, wo all dies gebraucht wird...“ sagte Helene Arland, die sich wieder völlig von ihrem Nervenschock erholt hatte. chelnd und rosig wie einst saß sie neben ihren Kindern, ganz durchsonnt von glücklichen Zukunftsgedanken. All die bange, angstdurchzitterte Schwermut, die im Sommer ihr Wesen so verändert erscheinen ließ, war längst geschwunden. Der Schlag, den sie gefürchtet, war nicht gefallen. Der Zeitpunkt, den Sabine selbst bestimmt hatte als den„entscheidenden“, wo sie sprechen wollte, war zweimal verstrichen und nichts— gottlob gar Ein Additionsfehler als Versucher. Angestellte unterschlug 145 000 RM. Die Lohnbuchhalterin Traudchen Schulte, die bei einer Coesfelder Weberei beschäftigt war, genoß das unbeschränkte Vertrauen. Als sie im Jahre 1923 infolge Additionsfehlers zu viel Geld in ihrer Kasse hatte, benutzte sie diesen Betrag für sich, da sie sich gerade in einer Notlage befand. Auf dem nun einmal beschrittenen Wege gina es nun weiter, indem sie jede Woche in der gleichen Weise Beträge bis zu je 600 RM. an sich nahm. Obwohl sie ein auskömmliches Gehalt bezog, das bis auf 300 RM. monatlichk anstieg. unterschlug sie die Beträge laufend, so daß in der Zeit von 1923 bis Mai 1933 die Gesamtsumme sich auf 145 300 RM. belief. Die Angeklagte war geständig, konnte aber über den Verbleib der Gelder keine Auskunft geben. Nach ihrer Angabe hat sie Verwandte unterstützt, aber die in Frage kommenden Beträge bildeten nur einen Bruchteil der unterschlagenen Summe. Wo ist das Geld geblieben? Das war die Frage, die ihr immer wieder gestellt wurde, auf die sie aber keine Antwort geben konnte. Gefunden wurden in der Wohnung der Angeklaaen 6730 RM. in bar, sowie ein Sparkassenbuch auf Köln über 5900 RM., sowie zwei weitere Sparkassenbücher auf Coesfeld über 1429 RM. und 457 RM. Diese drei Bücher lauteten aber auf den Namen des gleichfalls Angeklagten polnischen Staatsangehörigen Salomon Schutan, der bei der Familie der Angeklagten wohnte und Hausierhandel mit Kolonialwaren betrieb. Dieser hat trotz geringen Einkommens mehrere Reisen nach Polen. Rußland und Palästina gemacht und die Familie Schulte vielfach beschenkt. Er war daher verdächtig, die unterschlagenen Gelder ins Ausland gebracht zu haben, da er neunmal Wert= und Einschreibebriefe nach Moskau, Warschau, Paris und London sandte. Eine große Rolle spielte eine Reihe Kassiber, die die beiden im Untersuchungsgefängnis austauschten und von denen Abschriften gemacht waren. Mitangeklagt war der Schwager der Schulte, der Kaufmann Buschhoff aus Köln, der Geldbeträge von der Angeklagten bekommen hat, wodurch er der Hehlerei verdächtig war. Das Urteil lautete gegen die Angeklagte Schulte wegen Betrug auf zwei Jahre Gefängnis und 5000 RM. Geldstrafe oder ersatzweise zwei Monate Haft; gegen Schutan. der als Anstifter bezeichnet wurde, wegen Hehlerei auf ein Jahr Gefängnis und 5000 RM. Geldstrafe oder ersatzweise zwei Monate Haft. Die erlittene Untersuchungshaft wird beiden angerechnet. Der Mitangeklagte Buschhoff wurde auf Kosten der Staatskasse freigesprochen. Ueberfahren und tödlich verletzt. Auf der Mallinckrodtstraße in Dortmund ereignete sich Samstag gegen 19,30 Uhr ein tödlicher Verkehrsunfall. Der 67jährige Maler Friedrich Kolbe aus der Mallinckrodtstraße Nr. 29 wollte den Fahrdamm der Mallinckrodtstraße überschreiten. Dabei wurde er von dem in östlicher Richtung fahrenden Personenauto IX 44330, dessen Führer ein Kaufmann aus der Balkenstraße in Dortmund war, überfahren und lebensgefährlich verletzt. Bereits auf dem Wege zum Brüderkrankenhause erlag K. seinen Verletzungen. Die Schuldfrage muß noch geklärt werden. Verbands=Auflösung. Unter dem Vorsitz des bisherigen Vorsitzenden des Reichsverbandes der deutschen Kreisbeamten, Provinzialverband Westfalen, Rumphorst(Recklinghausen), tagte diese Vereinigung am Sonntag morgen in Dortmund. Nach der Begrüßung wurde die Auflösung des Verbandes und die Eingliederung in den Reichsverband der Kreisbeamten und Angestellten, Provinzialverband Westfalen, durch Einzelmitgliedschaft einstimmig beschlossen. Diese Auflösung wurde auf eigene Anordnung vorgenommen. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde über interne Angelegenheiten, wie die Verwendung des Verbandsvermögens usw. verhandelt. rheinkreis vereinigt sieht, spricht Reichspropagandaminister Dr. Goebbels. Der Abmarsch der Hunderttausend wird sich festlich gestalten und mit einem Vorbeimarsch vor dem Minister am Kurhaus in Honnef seinen Abschluß finden. SA.-Führer tödlich verunglückt. Auf der Landstraße von Sasserath nach Odenkirchen stießen am Sonntag abend zwei Personenwagen zusammen, wobei die Insassen des einen Wagens, zwei Kölner Kaufleute, leicht verletzt wurden. Während man mit dem Abschleppen der Wagen beschäftigt war, verunglückte an derselben Stelle eine halbe Stunde später der 35 Jahre alte Kaufmann Oskar Bausch aus Odenkirchen tödlich. Der Verunglückte wollte seine Frau, die in M.=Gladbach einem Konzert beiwohnte, abholen, als der Wagen an der Unglücksstätte ins Schleudern geriet und rückwärts gegen einen Baum fuhr. Bausch wurde dabei so heftig gegen den Baum geschlagen, daß er sofort tot war. Der Verunglückte war Haupttruppführer der SA. Linksrheinische Presse dankt Dr. Goebbels. Der Bezirk linker Niederrhein im Verband der rheinisch=westfälischen Presse sandte an Reichsminister Dr. Goebbels das nachfolgende Telegramm: „Der in Kevelaer am Niederrhein versammelte Bezirk linker Niederrhein im Verband der rheinisch=westfälischen Presse entbietet Ihnen, dem glühenden Freunde der Presse und tatkräftigen Förderer des deutschen Schriftleiterstandes, aufrichtigen Dank für Ihre entscheidende Mitarbeit am neuen Schriftleitergesetz, dessen Segnungen die Schriftleiter am linken Niederrhein aufrichtig begrüßen. Wir geloben Ihnen in unserer Pressearbeit treueste Gefolgschaft im Sinne Ihrer Ausführungen im Haufe der deutschen Presse. Mit herzlichen Heimatgrüßen und Heil Hitler Bezirk linker Niederrhein, Sitz Krefeld. gez. Köcher, Vorsitzender.“ Eiserne Hochzeit. Unter Anteilnahme der gesamten Heimatgemeinde begingen der Altbürgermeister des bekannten Kurortes Selters(Westerwald), Schneider, und seine Ehefrau das Fest der eisernen Hochzeit. Glückwunschschreiben gingen vom Reichspräsidenten und preußischen Ministerpräsidenten ein. Bürgermeister Schneider hat 36 Jahre lang die Geschicke der Gemeinde in vorbildlicher Weise geleitet. Er kann im nächsten Monat seinen 80. Geburtstag begehen. Motorradfahrer tödlich verunglückt. Am Sonntag vormittag wollte auf der Landstraße von Paderborn nach Lichtenau der Architekt Wald aus Paderborn mit seinem Motorrade einem Personenkraftwagen ausweichen und streifte dabei einen Milchwagen derart, daß er vor den Kraftwagen zu liegen kam und so schwer verletzt wurde, daß er nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus verstarb. Schweres Unglück vor dem Buckinghampalast. Ein außergewöhnliches Straßenunglück bei dem zwei enalische Flieger getötet und sieben weitere Personen verwundet wurden ereignete sich am Samstag vormittaa beim Aufziehen der Wache vor dem Buckinghampalast in London. Ein Kraftwagen wurde insolae eines Jusammenstoßes mit einem anderen Wagen mit großer Gewalt in die Menge geschleudert, die der Ablösung der Wache beiwohnte wobei ein Laternenpsosten umgestoßen wurde. Ein Flieger aus der Zuschauermenge wurde auf der Stelle getötet. einem zweiten wurden beide Füße buchstäblich abgeschnitten. Der Flieger starb kurze Zeit sväter im Krankenhaus. Von den Verletzten befinden sich zwei in Lebensgefahr. Erloschener Vulkan wieder in Tätigkeit. Der etwa 400 Klm. von Antofagasta in Chile entsernte Vulkan Lacar, der als erloschen galt, ist plötzlich zum Ausbruch aekommen. Die in der Umgebung des Bulkans wohnende Bevölterung iit in panischen Schrecken geraten. Viele bereiten sich zur Flucht vor. Aus dem Krater brechen dauernd große Rauch= und Aschewolken hervor. Wahrt Verkehrsdisziplin! Strenge Maßnahmen gegen Verkehrssünder. Die Regierungspressestelle in Düsseldorf teilt mit: Die sich häufenden Verkehrsunfälle erfordern eine wesentliche Verbesserung der Verkehrsdisziplin. Bei groben Verstößen gegen die zur Sicherheit des Verkehrs erlassenen Bestimmungen wird in Zukunft unnachsichtlich eingegriffen werden. Zu diesem Zwecke werden demnachst schlagartia im ganzen Regierungsbezirk Düsseldorf Kontrollen der Zulassunaspapiere, der Beleuchtung, der Bremsvorrichtungen, der Beschilderung der Gewichtsbelastung, der Beachtung der Verkehrsregeln usw. stattfinden. Bei Feststellung grober Verstöße, z. B. beim Fehlen ordnungsmäßiger Zulassungspapiere, mangelhafte Beleuchtungsvorrichtungen usw. sind schärfste Maßnahmen zu erwarten. In verkehrsgefährdenden Fällen werden Krastwagen und Fahrräder unter polizeilicher Sicherstellung der Fahrzeuge an der Weiterfahrt zwangsweise gehindert werden. Es lieat im Interesse aller Beteiligten, dafür zu sorgen, daß bei den Kontrollen keinerlei Beanstandungen ersolgen können. In letzter Zeit haben bereits zwei der vorstehend angekündiaten Verkehrskontrollen stattaefunden. Hierbei hat sich die Notwendiakeit ergeben eine größere Anzahl von Fahrrädern sicherzustellen. Es liegt im eigenen Interesse der Bevölkerung, die Verkehrsvorschriften genanestens zu beachten Flieger über Wupperkal. Erster nationalsozialistischer Großflugtag in Wuppertal. Am Sonntag nachmittag fand auf dem Wup vertal=Langerselder Flugplatz der nationalsozialistische Großflugtag statt. Aus ganz Westdeutschland waren Flieger nach Wuppertal gekommen, um hier erste Proben ihres Könnens abzulegen. Neben Massenfallschirmabsprüngen, Geschicklichkeitsflügen usw. zeigten die Kunstflieger Frl. Hoffmann(Gelsenkirchen) und Seelbach Sturzflüge usw.— Den Schluß der Veranstaltung bildete ein Fliegerangriff auf für diesen Zweck hergestellte Baracken. Explosion in einer Blitzlichtfabrik. Ein Todesopfer. Am Samstag gegen 15,30 Uhr erplodierte mit weithin hörbarem Knall die in Richrath besindliche Blitzlichtfabrik Seuthe. Die Explosion, die im Maschinenraum entstanden war, forderte ein Todesopfer. Das Gebäude ist zerstört. Ueber die Entstehungsursache ist noch nichts bekannt. Mordanschlag auf Frau und Nichte. Selbstmordversuch des Täters. In der Nacht zum Sonntag schlug ein erwerbsloser Bergmann in seiner Wohnung in der Ilsenstraße seine Frau und Nichte mit einem Waschschwengel derart auf dem Kopf, daß sie blutüberströmt zusammenbrachen. Beide wurden in das Krankenhaus eingeliefert. Der Täter brachte sich danach mit einem Messer schwere Schnittverletzungen am Halse bei. Bei allen drei Verletzten besteht Lebensgefahr. Das Motiv der Tragödie ist noch nicht bekannt. Das Programm für Aegidienberg. 100 000 Teilnehmer werden erwartet. Das Programm der gemeinsamen rheinischen Erinnerungsseier bei Aegidienberg anf dem„Himmerich" bei Honnef aus Anlaß der Grundsteinlegung des Separatistenabwehr=Denkmals am Sonntag, dem 15. Oktober, liegt nunmehr in seinen Einzelheiten fest. Bisher liegen bei der Festleitung 100 000 Anmeldungen vor. Um 15 Uhr werden sieben Böllerschüsse vom Siebengebirge den Beginn der Feier weithin verkünden. Ein Fansarenmarsch und Vorträge des Kölner Männergesangvereins werden den Auftakt des Festaktes geben. Die Grüße der Grenzland=Dentschen überbringt Dr. Steinacher, der Reicheführer des VdA. Hierauf spricht Staatsrat Gauleiter Grohé. Nach einem Massenchor, der tansend Sänger aus Köln, Vonn und dem Mittelnichts hatte sich ereignet. Helene Arlands Herz schlug ruhig und kräftig wie in gesunden Tagen, seit sie wieder an ihren Glücksstern alaubte. Maanus betrachtete sie oft in heimlicher Bewunderung. Hatte Tante Helene wirklich alles vergessen? Fürchtet sie nichts mehr von der einsamen Fran da drüben auf der andern Talseite, die sie so bitter haßte, und deren Drohungen er wenigstens nicht einen Augenblick lang veraessen konnte, die immer wieder gespenstisch und verdüsternd über seinem Glück aufklangen? Oder gab es nichts mehr zu fürchten, weil indes die Zeit verstrichen war? Hatte es vielleicht überhaupt nie etwas von Belang gegeben? O, der ewigen Fragen, die nicht beantwortet, nun nie in ihm zur Ruhe kommen konnten! Aber vielleicht wurde alles besser. wenn Ingrid erst sein Weib geworden und sie zusammen nach dem stillen, versteckten Winkel am Gardasee reisten, wo sie ihre Flitterwochen verbringen wollten. Ja, dann würde wohl alles leichter werden. Ingrid sah die Wolken auf seiner Stirn gar wohl. Sie kamen immer dann, wenn von ihrer Hochzeit oder damit zusammenhängenden Dingen die Rede war. Dann wurde er still und schweigsam, und die Wolken türmten sich auf seiner Stirn. Sie wußte: das hängt nicht mit mir zusammen. Er liebt mich nach wie vor, ja noch viel mehr als frühet, und auch er sehnt den Tag unserer Vereinigung herbei. Und doch auch quält ihn der Ge danke daran unablässig. Was tun? Wie ihm helfen? sann sie bekümmert. Da stand Helene Arland auf und verließ das Zimmer, um Waldner einen vergessenen Befehl zu erteilen, der ihr eben wieder eingefallen war. Sofort benützte Ingrid die Gelegenheit, ihrem Verlobten näherzurücken und den Arm um seinen Nacken zu schlingen.„Magnus, ich kann dich nicht so traurig sehen— lieber Magnus, erlaube mir doch, zu deiner Mutter zu gehen!" Er fuhr auf:„Wie kommst du auf den Gedanken, daß ich an— sie.. „Du denkit fast immer an sie! Ich weiß es, ich fühle es. Ich müßte dich doch auch nicht lieben, wenn es anders wäre. Haben wir nicht immer alles gemeinsam, ohne Worte der Erklärungen, gefühlt, was uns bewegte?“ „Es ist wahr— immer war uns alles gemeinsam. Aber dies ist eine Sache, die mich allein angeht.“ „Mot es das zwischen Menschen, die sich lieben? O. lieber Maanus— du leidest und ich sollte.. „Es wird vorübergehen. Wenn ich dich erst ganz an meiner Seite habe.. „Nein, Magnus, es wird nicht vorübergehen— nie, solange der Bruch zwischen dir und deiner Mutter dauert. Und glaubst du denn, ich verstände das nicht sehr gut und leide nicht doppelt darunter, erstens für dich und zweitens für mich, die ich doch die Ursache von allem bin!" „Ingrid, das sollst du nie denken! Nicht du bist die Ursache, sondern Mutters Starrsinn!“ erwiderte Magnus. „So oder so, wir werden beide nicht eyer zur Ruhe kommen, als bis wir mit deiner Mutter versöhnt und in Frieden sind, das ist meine Ueberzeugung!" „Die Versöhnung ist aussichtslos. Ich habe es ja versucht, und das Ergebnis war der— völlige Bruch.“ „Laß es mich versuchen! Wir haben ja damals bei Mamas Erkrankung beschlossen, es immer wieder zu versuchen. Vielleicht finden Frauen einander gegenüber leichter den Weg zur Verständigung — den richtigen Ton.. „Nein— ich will nicht, daß du dich demütigen und beleidigen lassen mußt von ihr— und das würde sie sicher tun.“ „O, was liegt mir an einer Demütigung oder Beleidigung— für dich! Ich würde es gar nicht als solche empfinden— es ist doch deine Mutter!“ „Nein, nein, Ingrid! Ich könnte den Gedanken nicht ertragen, dich ihren Schmähungen ausgesetzt zu wissen und— ich weiß auch janz bestimmt, daß jeder Versuch zwecklos wäre.“ Der Wiedereintritt Helene Arlands beendete das Gespräch. Aber in Ingrids Kopf spann es sich noch lange fort, denn die Schatten aus Maanns Gesicht wollten nicht weichen, obwohl er sich schon Inarids wegen alle Mühe gab, heiter zu erscheinen. Das Ange wahrer Liebe läßt sich nicht täuschen und schärfer noch als das Auge arbeitet der Instinkt eines liebenden Herzens. Inarid begriff es nur zu gut, fühlte alles nach, als wäre sie bei dem Bruch zwischen Mutter und Sohn dabei gewesen. Zwei leidenschaftlich und heftig empfindende Menschen waren in hartem Anprall aneinander geraten Beiden ging es um Heiliges. Der Mutter um des Sohnes Liebe, die sich ihr plötzlich widersetzte, dem Sohn um des erwählten Weibes Liebe, die man ihm rauben wollte und die doch sein ganzes Wesen erfüllte. Nun war der Weg zwischen ihnen verschüttet, aber die Wunden bluteten weiter. Wie könnte auch ein Sohn es je verwinden, daß die Mutter sich in Zorn von ihm gewandt? Daß sie mit Haß verfolgte, was sein höchstes Glück war? In zornigen Worten scheidet man leicht, aber hinterher zeigt es sich, daß Herzen sich nicht voneinanderreißen lassen durch Worte, Herzen, die lange Jahre in Liebe, Sorge, Hingebung und tausend gemeinsamen Interessen verbunden gewesen. Und war es nicht ein wahres Wort: Der Eltern Segen baut den Kindern Häuser, aber der Mutter Fluch reißt sie nieder? Welcher Sohn könnte so viel Mut und Kraft in sich aufbringen, trotz allem leichten Herzens das Glück seines Lebens auf dem Untergrund haßerfüllter Zerwürfnisse mit der Mutter zu erbauen? Ein Mann wie Magnus gewiß nicht! Es war so natürlich, daß seine Seele darunter litt! Und es war ebenso natürlich, daß sie selbst ihm nun helfen mußte, da er keinen Ausweg mehr sah.— (Fortsetzung folgt.) 6V. Höntrop schoß den Vogel ab. Preußen Münster wurde mit einer 9: 2=Niederlage in Höntrop entlassen.- Das Bochumer Spiel fiel in's Wasser.- Fortuna Düsseldorf geschlagen. In der westfälischen Gauliga war am Sonntag die Ausbeute recht dürftig. Von den ursprünglich vorgesehenen fünf Meisterschaftsspielen blieben nur noch drei Punktespiele übrig, und von diesen drei Spielen mußte sogar ein Spiel noch wegen der schlechten Platzverhältnisse ausfallen. Das ursprünglich vorgesehene Spiel Arminia Bielefeld gegen Herten wurde auf den 29. Oktober verlegt und Schalke 04 konnte gegen Sportfreunde Dortmund wegen einer alten Verpflichtung in Saarbrücken nicht antreten. Das ausgefallene Spiel war das Treffen Germania Bochum gegen den DSC. Hagen, wo die Platzverhältnisse so schlecht waren, daß der Schiedsrichter ein Spiel nicht durchführen zu können glaubte. Die beiden Meisterschaftsspiele brachten Ergebnisse, mit denen man allgemein nicht gerechnet hatte. In Höntrop versagten die Preußen Münster auf der ganzen Linie. Der in Hochform spielende Höntroper SV. überfuhr die Preußen mit nicht weniger als 9:2. In Recklinghausen enttäuschten die Viktorianer ihren Anhang ganz gewaltig und ließen sich von kampfbegeisterten Südwestfalen aus Hüsten mit 3:1 schlagen. Recklinghausen spielt auf eigenem Platze regelmäßig schwächer als auswärts. Hüstens Mannschaft ist stark im Kommen. Neben diesen beiden Meisterschaftsspielen standen sich dann noch am Sonntagvormittag in Dortmund die Sportfreunde und SpVaa. Herten im Gesellschaftsspiel gegenüber. Den Dortmundern gelang die Revanche für die im ersten Meisterschaftsspiel erlittene Niederlage knapp mit 2:1.— Die Ergebnisse: SV. Höntrop— Preußen Münster 9:2 Viktoria Recklinghausen— SuS. Hüsten 1:3 Germania Bochum— DSC. Hagen(ausgef.) Gesellschaftsspiel: Sportfreunde Dortmund— SpVgg. Herten 2:1 Höher ging's nicht. SV. Höntrop— Preußen Münster 9:2(4:2). Die Preußen versagten auf der ganzen Linie. Das sonst so zuverlässige Schlußtrio war gegen früher nicht wiederzuerkennen. Selbst der gute Hüter ließ einige Bälle passieren, die jeder Durchschnittshüter hätte halten müssen. Höntrops Mannschaft spielte dagegen wie aus einem Gut. Höntrop auch mit zwei Ersatzleuten antrat, so lieferte die Mannschaft namentlich in der zweiten Halbzeit ein großes Spiel und es will immerhin doch etwas heißen, gegen die anerkannt aute Hintermannschaft der Münsteraner neun Tore zu schießen. In der ersten Halbzeit hielten lich die Preußen noch recht tapfer. Der Start der Preußen war sogar sehr verheißungsvoll, denn schon in der 3. Min. lenkt der in der Verteidigung svielende Koppel von Höntrop den Ball inseigene Netz. Höntrop kommt zwar in der 8. Min. zum Ans gleich, aber einen Eckstoß kann Münsters Mittelläufer Beins dann schon bald zum zweiten Treffer für Münster verwandeln. Jetzt gehen die Höntroper stark aus sich heraus. Höntrops Rechtsansen erzwingt den Ausgleich und kurz darauf mit 3:2 die Führung. Der Halbrechte Höntrops, wohl der beste Spieler des Feldes. stellte kurz vor der Pause auf 4:2. Nach der Pause beherrschte Höntrop unumschränkt die Lage, es spielte nur noch eine Mannschaft, und das war Höntrop. Die Münsteraner warken die Flintc allzurrüh ins Norn, lasien stark nach und in regelmäßiger Folge kommen die Höntroper noch zu fünf weiteren Toren, wogegen der hililose Sturm der Gäste ein einziges Tor mehr erzielen kann. In der Höntroper Mannschaft überragte der schußgewaltige Halbrechte: in der Mannschaft der Gäste war auch nicht ein einziger überragender Könner festzustellen. In der zweiten Halbzeit fiel die Elf vollkommen ab. Natürlich Schalke 041 Schalke 04— FV. Saarbrücken 4:1(2:0). Schalke 04 spielte am Sonntag in Saarbrücken gegen den FV. Saarbrücken und gewann 4:1(2:0). Infolge der ungünstigen Witterung waren nur 30W Zuschauer erschienen. Die Schalker imponierten mächtig und diktierten das Spiel immer. Man spielte nur zweimal 35 Minuten. Nattkamper und Kuzorra brachten die Königsblauen in der ersten Halbzeit 2:0 in Führung. Dann erhöhte nach der Pause Nattkämper auf 3:0, ehe der FV. Saarbrücken durch das Talent Conen zu einem Gegentreffer kam. Vor Schluß war es dann Szepan, der das vierte Tor für Schalke schoß. Gau Niederrhein. Fortuna Düsseldorf und Benrath geschlagen! Drüber und drunter ging es am zweiten Oktobersonntag in der Niederrhein=Gauliga, in der alle Mannschaften täkig waren. Die größte Sensation schaffte natürlich der Spitzenreiter, Fortuna Düsseldorf, durch seine klare 4:2=Niederlage in Duisburg gegen den dortigen FV. 08. Im geschlagenen Felde endete auch der VfL. Benrath, der auf eigenem Platze von Hamborn 07 mit 2:1 besiegt wurde. Dagegen hielten sich die Krefelder wieder ganz ausgezeichnet. Auf dem heißen Aachener Boden am Tivoli ertrotzte die Vereinigung gegen Alemannia ein bemerkenswertes Unentschieden gleich die Tabelle anführen. Mit dem gleichen Ergebnis mußte sich der Rheydter SV. in Essen zufriedengeben. In aufsteigender Form befindet sich SC. Borussia Gladbach, der über Duisburg 99 verdient mit 4:2 die Oberhand behielt. Hart wurde um die Punkte in Barmen zwischen den dortigen Schwarz=Weißen und den Gestreiften aus Essen gekämpft, die schließlich der Gast mit 3:2 an sich bringen konnte. Die Ergebnisse: Duisburger FV. 08— Fortuna Düsseldorf 4:2 Schwarz=W. Barmen— Schwarz=W. Essen 2:3 Alemannia Aachen— VfL. Preußen Krefeld 2:2 VfL. Benrath— Hamborn 07 1:2 BV. Preußen Essen— Rheydter SV. 2:2 SC. Borussia Gladbach— Duisburg 99 4:2 Die Sensation. Duisburger FV. 08— Fort. Düsseldorf 4:2(3:2). Erstmalig in dieser Meisterschaftssaison mußte Fortuna Düsseldorf sich als Verlierer bekennen. Die Niederlage ist in erster Linie auf das völlige Versagen der Ersatzverteidigung Wallat—Klein zurückzuführen, die Trautwein=Bornefeld jeden Augenblick vermissen ließen. So wurde dann die Läuferreihe überlastet. Pesch im Tor hat dagegen glänzend gearbeitet und eine höhere Niederlage verhindert. Im Sturm der Düsseldorfer war Kobierski der beste Spieler. Die Duisburger Mannschaft, die vorbildlich zusammenarbeitete, trug einen durchaus= verdienten Sieg davon. Es sah zunächst gar nicht nach einem Sieg der Duisburger aus, denn die Gäste leaten gleich mächtig los und konnten auch durch den rechten Läufer und Linksaußen Kobierski zwei Tor vorlegen. Dann trat aber der große Umschwung ein. Der Linksaußen hatte mit seinen Schüssen zweimal Erfola, stellte somit den Ausgleich her, und schließlich aing Duisbura noch vor dem Wechsel durch seinen Halblinken:n Führung. In der zweiten Halbzeit waren die Duisburger überlegen. Der Linksaußen stellte mit einem vierten Tor den Sieg endgültig sicher. Der erste Essener Sieg. Schwarz=Weiß Barmen— Schwarz=Weiß Essen 2:3(0:3). Die Essener hatten eine ganz große erste Halbzeit. Trotzdem die Barmer in punkto Technik gleichwertig waren, zeichneten sich die Essener Stürmer vor dem Tore durch bessere Schußkraft aus. In der 15. Min. stand die Begegnung 2:0 für Essen. Da der Barmer Mittelläufer in der ersten Halbzeit nicht recht in Schwung kam, war der Essener Innensturm immer sehr gefährlich. Der Halbrechte Tenbusch konnte bis zur Pause noch das dritte und letzte Tor für Essen erzwingen. Nach Wiederanstoß raffte sich die Barmer Mannschaft zusammen. Essen wurde leicht zurückgedrängt. 15 Minuten vor Schluß ging der Barmer Stürmer Treute mit dem Leder auf und davon und schoß den ersten Gegentreffer. Kaum war der Jubel der Barmer verklungen und derselbe Spieler korrigierte das Ergebnis durch einen famosen Schuß auf 3:2. Die restlichen Minuten verliefen hochdramatisch. Die Barmer versuchten unter Aufwand aller Kräfte den Ausgleich zu erzielen, während die Essener sich geschickt aus der Affäre zogen und den knappen Vorsprung bis zum Schlußpfiff halten konnten. Das war der erste Essener Siea. Gau Westfalen. Stand der Tabelle nach dem 8. Oktober 1935. Schalke 04 4 SV. Höntrop 5 Hüsten 09 5 Viktoria Recklinghausen 5 DSC. Hagen 3 Sp. Vgg. Herten 4 Preußen Münster 5 Arminia Bielefeld 3 Sportfr. Dortmund 4 Germania Bochum 4 0 0 0 1 0 0 0 0 1 0 8:0 8:2 0 17:1 1 20:8 2 10:10 6:4 2 9:9 5:5 1 3:7 4:2 2 11:10 4:4 3 5:14 4:6 2 9:5 2:4 3 1:12 1:7 4 7:16 0:8 Gau Niederrhein. Stand der Tabelle nach dem 8. Oktober 1935. Auch von Preußen Bochum geschlagen! Aber MBV. Linden! Keine einwandfreie Niederlage des SCl. Dahlhausen in Dorkmund. Nachdem die westfälische Bezirksklasse am vergangenen Sonntaa ihren Volkssporttag gehabt hatte, setzten am gestrigen Sonntage die Meisterschaftsspiele in allen fünf Gruppen wieder ein. In Gruppe 1 des Industriebezirkes standen sich am Sonntag sämtliche 12 Mannschaften im Punktekampf gegenüber. Der MBV. Linden bereitete seinen Anhängern wieder einmal eine große Enttänschung. Auf eigenem Platze vermochte Linden auch Preußen Bochum nicht zu schlagen. Unter recht unglücklichen Umstänven verlor der SC. Dahlhansen gegen den Spitzenreiter in Dortmund. Kurz vor Svielschluß wurde der Torwart verletzt. Der Schiedsrichter unterbrach das Spiel jedoch nicht. sondern erkannte sogar noch ein im Angenblick des Unglücksfalles erzieltes Tor an. Die Ergebnisse: GGruppe 1: MBV. Linden— Preußen Bochum 0:2: Alemannia Dortmund— SC. Dahlhausen 2:1. Wetter 1910— Borussia Dortmund 2:2; Arminia Marten— STV. Werne 4:0; Westfalia Bochum— Westfalia Wickede 6:s; VfL. Hörde— TuS. Bochum 2:2; Gruppe 2: Horst=Emscher 04— Falke Gelsenkirchen 7:0; Rotthausen 1912— Union Gelsenkirchen 1:3; Westfalia Herne— Erle W 3:2; BsB. Bottrop— Tb. Eickel(ausgefallen); Gelsenkirchen 07— Germania Herne 2:1; Castrop 02— Schwarz=Gelb Gladbeck 2:0. ist mit den Märkern los? MBV. Linden— Preußen Bochum 0:2(0:0). Wollte man Lindens Leistung gegen TuS. Vochum als Maßstab nehmen, dann hatte man das Empfinden, als sei die Elf wieder langsam„im Kommen“. Gegen die Vereinigten rechnete man nun, zumal diese Mannschaft über einen schwachen Angriff verfügt, mit dem ersten Siege. Aber es kam mal wieder anders. Linden trat mit Ersatz für Torwart, linken Verteidiger und Mittelläufer an, so daß die Hoffnungen stark sanken.— Immerhin glaubte man aber noch, daß es die Märker schaffen würden. Was man aber von den Platzleuten sah, war ein Spiel ohne Begeisterung. Die Lindener Mannschaft ist reformbedürftig. Die erste Halbzeit war ausgeglichen. Die Angriffe beiderseits zu zahm, besonders Lindens Sturm schoß in diesem Zeitraum sehr wenig.— Nach der Pause erarbeitete sich Linden eine leichte Ueberlegenheit waren dagegen die Gäste. Als bei einem Vorstoß die linke Seite durchaina, wurde die aut bereingebrachte Flanke vom Rechtsaußen zum Führungstor verwandelt. Linden versuchte nun, das Schicksal abzuwenden, aber der Jusammenhang gina mehr und mehr verloren. Drei Minuten vor Schluß erzielten die Preußen sogar ein zweites Tor, und damit war eine weitere Niederlage für die Märker fällig.— Leider aab es auf beiden Seiten einen Platzverweis. Aber der Schiedsrichter.! Alemannia Dortmund— SC. Dahlhausen 2:1(1:0). Das Meisterschaftsspiel der Neulinge hatte an nähernd 30 Zuschauer auf die Beine gebracht. die einen erbitterten Kampf mit einem schlechten Ende erlebten. Der Tabellenführer. Alemannia Dortmund, errang wohl einen Sieg. aber die Umstände, durch die er zustande kam, riefen den Unwillen des größten Teiles der Zuschauer hervor. Drei Minnten vor Schluß hieß das Resultat des Spieles noch 1:1. Erst dann erzielten die Dortmunder aus folgender Lage das zweite Tor: Der Dahlhauser Torwart war derart hart angegangen worden, daß er die Besinnung verlor. Anf das Einschreiten des Schiedsrichters wartete man aber vergeblich. Der Dortmunder Stürmer machte sich vielmehr die Situation zunutze und schoß das Leder schnell ins unbewachte Tor.— Die Dahlhauser machten dem Tabellenführer, der in seinen letzten Spielen so überzeugende Siege errana, viel zu schaffen. Ihre Elf war in bester Laune und zeigte zuweilen ein imponierendes Spiel. Dadurch vermochten sich die Alemannen nicht in ihrer sonstigen Weise zu entwickeln. Die Dahlhauser mußten sich mit einer Niederlage abfinden, die in der Hauptsache auf die klägliche Leistung des Schiedsrichters zurückzuführen ist. Stand der Tabelle nach dem 8. Oktober 193.. Détroyat mit 4,5 Punkten vor Fieseler. Der Kunstflugkampf in Paris zwischen dem Deutschen Kunstflieger Fieseler und dem Franzosen Détroyat sah den Franzosen mit 185,5 Punkten vor dem Deutschen mit 181 Punkten. Da der Bessere einen Unterschied von mindestens drei Prozent nicht erreicht hatte, war das Endergebnis des Zweikampfes unentschieden. Dem Wettbewerb, der auf dem Flugplatz Villacoublay bei Paris zum Austrag kam, nahm einen überaus spannenden Verlauf. Ungeheure Zuschauermassen waren Zeuge des Kampfes. Stundenlang dauerte Abmarsch und Anmarsch. Bekanntlich hatte Fieseler in Lyon einen Sieg über den Franzosen davongetragen, der ihn daraufhin nach Paris zur Revanche gefordert hatte. Fieseler setzte auch hier wieder alles in Erstaunen. Der Ausgang war aber anders als in Lyon. Das international zusammengesetzte Schiedsgericht, dem deutscherseits Beaulieu angehörte, stellte nur einen geringen Punktunterschied fest.— Das Pflichtprogramm wurde von beiden außerordentlich exakt durchgeführt, verschiedentlich erschienen die Figuren des Deutschen eleganter. Im Kürprogramm wartete Fieseler wieder mit vorzüglich zusammengestellter Auswahl auf, wobei er durchweg bekannte Fiauren floa. Höchst beachtenswert war aber auch das des Franzosen, der auf seiner Maschine, die übrigens um rund 100 PS. stärker als die seines Gegners war, einige ganz hervorragende Fiauren zeigte. Alles in allem entspricht das Unentschieden durchaus den gebotenen Leistungen. Im Berliner Tiergarten: Kunstturnen der Meister. Reichssportführer von Tschammer und Osten sah zu. Tausende füllten den Berliner Tiergarten bis auf den letzten Platz, um Zeuge der glänzenden Leistungen der deutschen Meister im Kunstturnen zu sein. Unter stürmischem Beifall wurde jeder einzelne Teilnehmer bei seinem Erscheinen begrüßt Mit größter Andacht verfolaten dann die Zuschauer, unter denen man Reichssportführer von Tschammer und Osten mit seinem Stabe und ferner zahlreiche Vertreter von Reich, Staat und Gemeinden bemerkte, das große Geschehen auf der Bühne. An den Ringen, am Seitenpferd und am Barren wurden ganzprächtige Leistungen aezeiat. Mit Bewunderung folate man den Kunstfreiübungen, und als zum Schluß am Reck das Gesetz von der Schwerkraft nicht mehr Geltung sand, tobte ein Sturm der Begeisterung durch das Haus. Der Kunst des Geräteturnens wurden somit unaczahlte neue Freunde und Anbänger augeführt. Damit wäre der eigentliche Zweck der Veranstaltung schon erreicht.— Sämtlichen Teilnehmern, von denen nur der Deutsche TurnfestSieaer. Kurt Krövsch(Leipzia), mit dem punktealeichen Zweiten vom Deutschen Turnfest, E. Winter(Frankfurt). Hans Sandrock(Imiarathl. der deutsche Polizeimeister, Freu(Stuktgartl. ferner Anton Beßler(Göggingen), Alfred Schwamm(Fürth), der Bremer W. Stefsens, der Leipziger Kleine und daneben vier Brandenburger genannt seien, wurde die Erinnerungsplakette überreicht. Deutschland= und HorstWessel=Lied schlossen die glänzend verlaufene Veranstaltung. von 2:2, wodurch die Krefelder mit Fortuna punkte= heraus, ohne zu Erfolgen zu kommen. Glücklicher Die unteren Klassen im Bochumer Bezirk. 1. Kreisklasse: Gruppe 1: SCl. Altenbochum— SV. Ehrenfeld 0:2; Langendreer 04— LFC. Laer 1:7; Westfalia Weitmar— ViV. Herne 4:1; SV. Harpen gegen Dahlhanien 1916 1:1; Siegfried Bochum— VfB. Gerthe 1:6; SoVag. Wattenscheid— Langendreer 07 1:5. Gruppe 2: SpVag. Röhlinghausen— Preußen Wanne 6:1; Phönir Bochum— Wanne 1911 6:0; SV. Sodingen— Rasensport Bochum 6:0; SV. Leithe— Union Günnigfeld(ausgef.); Wattenscheid M—VsB. Börnig 1:1; Teutonia Riemke gegen Saronia Grumme 7:1. Weitere Ergebnisse aus der 2. und 3. Kreisklasse und aus der Aufnahmeklasse: Polizei Bochum— SpnSp. Stiepel 4:3 Conc. Bochum— Germania Querenburg 1:0 SpnSp. Gerthe— Bochum=West 3:1 BV. Hiltrop— Westfalia Langendreer 8:7 Langendreerholz— Altenbochum 26 3:4 Tentonia Stiepel— Westfalia Günnigfeld 1:s Wattenscheid=Nenstadt— Schlägel=Eisen Langendreer 1:6 Borussia— Ingendsport 06 8:1 TnS. Wiemelhausen— Preußen 11 5:1 Rot=Weiß Bochum— Hitrop=Bergen 3:3 Schwarz=Weiß Bochum— Rasensport 09 2:1 Schwarz=Weiß Laer— SpFr. Linden=Dahlhansen 1:0 ... 1.1 tl Hohe Niederlage des SV. Altendorf. Mit fünf Meisterschaftsspielen setzte die 1. Kreisklasse des Kreises Hagen gestern ihre Meisterschaftsspiele fort. Im Mittelpunkt stand natürlich die lokale Auseinandersetzung in Hattingen, die mit einem Unentschieden endete. Die größte Ueberraschung brachte das Spiel in Altendorf, wo Witten 07 mit nicht weniger als 7:0 siegreich blieb. Die Altendorfer hatten einen recht schwarzen Tag. — Der VfL. Winz=Baak gab dem FC. Wengern 90 Minuten Fußballunterricht. Die Gäste kamen für einen Sieg natürlich keinen Augenblick in Frage.— Die SpVg. Welper traf die Herbeder in bester Verfassung an. Wie schon so oft in Herbede, so wurde Welper auch gestern geschlagen.— Der SV. Sprockhövel mußte die Reise nach Annen mit Ersatz antreten. So langte es nur zu einem Unentschieden. Bis auf den Hattinger Lokalkampf müssen wir uns wegen Stoffandrangs heute auf die Wiedergabe der Ergebnisse beschränken. Diese waren: VfTuB. Henrichshütte— Hattinger SV. 1:1. SV. Herbede— SpVg. Welper 2:0. VfL. Winz=Baak— FC. Wengern 6:1. VfB. Annen— SV. Sprockhövel 2:2. SV. Altendorf— Witten 07 0:7. 1:1. BfTuB. Henrichshütte— Hattinger SV. 1:1(1:0). Nach langer Zeit standen sich gestern wieder die beiden Hattinger Lokalrivalen im Meisterschaftsspiel gegenüber. Selbstverständlich, daß dieses Spiel viele Zuschauer auf die Beine gebracht hatte. Viel hätte nicht gefehlt, dann wäre an der Feldstraße wieder einmal eine der in Meisterschaftskämpfen der beiden Hattinger Rivalen wiederholt erlebten Ueberraschungen fällig gewesen. Wieder ging der Hattinger SV. nach seinem guten Abschneiden in den bisherigen Meisterschaftsspielen als klarer Favorit in diesen Meisterschaftskampf. Und wieder einmal kam es ganz anders. Trotzdem der Hattinger SV. recht gut auf Touren gekommen war, ließ die Mannschaft später nach. Es war wieder einmal so: Der Hattinger SV. führte ein dem Auge gefälligeres und flüssigeres Spiel vor und... Henrichshütte schoß. Als Henrichshütte in der 15. Minute überraschend in Führung gegangen war, kämpfte der Hattinger SV. lange Zeit verzweifelt um den Ausgleich, der ihm zunächst durch zwei Fehlentscheidungen des Schiedsrichters vorenthalten blieb. Erst gegen Schluß des Spiels atmeten des Sportvereins Anhänger auf, als„Ella“ Eisenhardt einen Elfmeter zum verdienten Ausgleich ins Tor der Henrichshütter jagte. So kam man wenigstens zu einem Unentscheden und man ließ die Ueberraschung nicht so groß werden, wie man sie in früheren Jahren an gleicher Stelle wiederholt miterlebt hat.— Die Leistungen waren auf beiden Seiten nicht besonders. Erwähnt zu werden verdient wohl nur die auf. —„Fußballunterricht“ in Winz-Baak. opfernde Arbeit der Läuferreihe der Henrichshütter und die wirklich ausgezeichnete Leistung Krohns im Tor der Henrichshütter. Beim Hattinger Sportverein verrichtete die Hintermannschaft zufriedenstellende Arbeit. Bester Mann des Sportvereins: Wagner in der Verteidigung. Aus dem Spielverlauf: Beide Mannschaften traten in der vorgesehenen Aufstellung an. Der Hattinger SV. ist gleich „im Bilde“. Die Hintermannschaft von Henrichshütte wird stark unter Druck gesetzt. Wiederholt hat Krohn eingreifen müssen bis die Henrichshütter das Spiel offener gestalten können. Mitten in einer Drangperiode der Sportvereinler fällt ein Tor für— Henrichshütte. Durchbruchartig ist der Hüttensturm nach vorn gekommen. Der Linksaußen knallt auf's Tor. Heinz wehrt ab, dem Nachschuß Köders ist er nicht gewachsen. Henrichshütte führt nach 15 Minuten 1:0. Henrichshütte kommt jetzt mehr auf, aber noch immer ist der HSV. leicht tonangebend. Wiederholt hat der HSV. Ausgleichschancen. Viele Gelegenheiten werden von den Stürmern ausgelassen. Ein sicheres Tor vor der Halbzeit versiebt Hohaus freistehend und der— Schiedsrichter, der im Eifer des Gefechts nicht gesehen hat, daß ein hoher Schuß Sauerbiers nicht vom Torpart, sondern von einem Henrichshütte Verteidiger mit der Hand abgewehrt worden ist.— Die zweite Halbzeit sieht den HSV. gleich wieder vor Henrichshüttes Tor. Wieder übersieht der Schiedsrichter im Strafraum Handspiel. Der Hattinger SV. erzielt einige Ecken, die aber ebenfalls den längst fälligen Ausgleich nicht bringen. Dann wird das Spiel wieder ausgeglichener. Auch Henrichshütte liegt verschiedentlich aussichtsreich vor dem Hattinger Tor. Hier sorat aber eine sichere Verteidigung für reinen Tisch. Endlich. in der 34. Minute, kommen die Hattinger zum Ausgleich. Einen wegen eines Fouls gegebenen Elfmeter verwandelt Eisenhardt. Mit diesem Unentschieden war das Spiel„entschieden“. Gesagt werden muß noch, daß das Spiel von beiden Seiten durchaus fair ausgetragen wurde. Vor dem Spiel hatte Hattingens Sportbeauftraater, Studienreferendar Janssen, einige Worte an die Spieler gerichtet. Stand der Tabelle nach dem 8. Oktober 1933. Eine recht unglückliche Niederlage. Unsere Fußballer 4:3 in Italien geschlagen. Durchbrüche verschaffen den Italienern den Sieg. In Rom war die deutsche Fußball=Nachwuchsmannschaft, die gegen die italienische Jungmannschaft antrat, sehr vom Pech versolgt. Unsere Mannschaft war fast die aanzen M Minuten überlegen, spielte einen auten und brauchbaren Fußball, verlor aber schließlich 8:4, da die Italiener in blitzschnellen Durchbrüchen sich vors deutsche Tor brachten, wo ihnen bestes Schußglück blühte. Zudem unterlief dem Schiedsrichter noch eine recht zweifelhafte Entscheiduna gegen Deutschland, so daß zumindest ein Unentschieden hätte herausspringen müssen. Das Resultat 8:4 trügt auf jeden Fall. Deutschlands Nachwuchs mußte dieses Spiel gewinnen. Der Kampf sand anläslich des 4. Jahrestages des jungfaschistischen Kampfbundes statt. Das Spiel wurde auf einem Militärplatz, der zum erstenmal für Fußball gebraucht wurde, ausgetragen. Auf der Tribüne sah man neben dem deutschen Mannschaftsführer Prof. Glöckler(Verlin) den deutschen Botschafter von Hasse und den faschistischen Parteisekretär Staraze, sowie andere hohe saschistische Parteifunktionäre. Schon in der vierten Minnte schoß Lachner ein. Dentschland war dann immer überlegen. In der 14. Min. fiel nach anter Kombination wiedet durch Lachner das zweite Tor. Die Deutschen drängten weiter, hatten das Spiel in der Hand. Plötzlich erfolgte ein italienischer Durchbruch. Buchloh wehrte ab. aber der Nachschutz führte dann zum ersten italienischen Tor. Ein deutscher Verteidiger hatte den Ball mit der Brust noch abgefangen und zwischen Brust und Pfosten für einen Augenblick eingeklemmt und dann weabefördert. Der Schiedsrichter gab aber Tor für Italien, obwohl der Ball noch nicht die Torlinie überschritten hatte. Bis zur Pause drängten die Deutschen. Die zweite Halbzeit brachte zunächst verteiltes Spiel. Bei einer Flanke des italienischen Linksaußens gab es ein Gedränge. Der Schiedsrichter entschied Freistoß, der verwandelt wurde. Buchloh mußte sich nach einigen Schüssen strecken, dann wurden die Deutschen wieder besser. Besonders der Linksaußen Heidemann und der rechte Flügel waren äußerst beweglich und gefährlich. In der 27. Min. raste aber der italienischen Mittelstürmer durch, schoß ein: 3:2 für Italien. Zwei Minuten äter stand es 3:3, denn Heidemann war durchgelaufen und hatte eingeschossen, doch gelang den Italienern noch ein Durchbruch: 4:3. Die Deutschen drängten mächtig; umsonst. Fricke schoß aus drei Metern dem italienisch Torwerin die Arme. So wurde das Unentschieden vergeben. In der deutschen Mannschaft war Kronenbitter etwas nervös. Lachner spielt ausgezeichnet, desgleichen Heidemann, den Rasselnberg gut bediente. Die deutsche Läuferreihe war besser als die italienische, nur Appel verstand sich nicht mit seinem Verteidiger. Buchloh war zum Schluß etwas nervös. Dänemark gewann den nordischen Fußballpokal. „n Kovenhagen wurde am Sonntag der Fußballänderkampf Dänemark—Finnland. der letzte in der Reibe der Spiele um den nordischen Fnbhallpokal ausgetragen. Das Wetter war sehr schlecht. Dänemark gewann sicher mit 2:0(1:0). Es war der 7. Länderkampf zwilchen den beiden Nationen seit 1925; jede Partei hat jetzt drei Zviele gewonnen, der erste Kampf endete unentschieden.— Dänemark sicherte sich mit diesem Erfolg auch den nordischen Fußballpokal mit 5 Punkten vor Schweden 4 Punkte. Norwegen 1 Punkte und Finnland 0 Punkte. Wieder Hilde Krahwinkel. Schluß in Meran. Das internationale Tennisturnier in Meran wurde am Sonntaa mit den Schlußspielen beendet. Im Kampf um den Lenz=Vokal standen sich die beiden rheinischen Damen Hilde Krahwinkel (Essen) und Cilly Anßem(Köln) gegenüber. Frl. Krahwinkel bewies klar. daß sie in diesem Jahre die beste deutsche Spielerin und Beste des europäischen Kontinents ist. Cilly Außem wurde von der Essenerin sehr leicht 6:3, 6:1 ausgepunktet. Roderich Menzel schlug im Finale um die Meisterschaft von Meran den Italiener de Stefani 1:6, 9:7. 6:2, da der Italiener nach dem dritten Satz wegen einer Verletzung zurückzog.— Im Damendoppel setzten sich Außem=Krahwinkel leider nicht durch. Adamoff=Henrotin, das französische Paare, siegte nach Kampf im ersten Satz 8:6, 6:2 über die beiden deutschen Vertreterinnen. Neuer Motorrad=Welkrekord. Der Italiener Bonazzi konnte bei Bologna auf einer 1ä=cem.=Maschine(MM. Spezial) einen neuen Weltrekord über einen Kilometer mit fliegendem Start erzielen. Bonazzi durchfuhr die Strecke in 21,71 bzw. 22,84 Sekunden und erreichte so ein Stundenmittel von 161,62 Kilometer, eine fast unwahrscheinlich anmutende Geschwindigkeit, wenn man bedenkt, daß es sich um ein so leichtes Rad handelt. 2 Auf einem Macchi=Fiat=Flugzeug stellte der italienische Oberst Casinelli auf einer geschlossenen Strecke(100 Alm.) Ancona— Pasaro— Ancona mit einem Durchschnitt von 625 Alm. einen neuen Schnelligkeits=Weltrekord auf. Der absolnte Schnelligkeitsweltrekord wird bekanntlich auch von Italien gehalten. dann fiel Lohmann zurüd. Belgische Ueberlegenheit beim„Kriterium der Asse" in Köln. In Köln gab es am Sonntag erstmal ein Straßen=Rennen dieser Art. Die Rennstrecke führte über 120 km in 40 Runden aufgeteilt, in die die Kampfbahn des Köln=Müngersdorfer Stadions einbezogen war. Jede zweite Runde erfolgte eine Wertung. Etwa 15 000 Zuschauer bekundeten ihr Interesse an dieser Veranstaltung. Im Stadion selbst befanden sich nur etwa 3 000 Zuschauer. Im Verlauf des Rennens fiel besonders der Bochumer Lohmann auf, der drei bis vier Wertungen hintereinander gewann. Man rechnete bereits mit seinem erfolgreichen Abschneiden, aber etwa gegen die Mitte des Rennens, als die Kanonen in Fahrt kamen, fiel Lohmann mehr und mehr zurück. Jetzt setzten sich die Belgier immer sicherer durch. Es gav zahlreiche Stürze, die aber alle glimpflich verliefen. Die Enttäuschung war Linari, der dauernd Reifenschaden hatte und schließlich aufgeven mußte. Nicht besser erging es dem Deutschen Sieronski. Auch er litt unter Reifendefekten und mußte schließlich die Weiterfahrt aufstecken. Dederichs (Köln) hatte das gleiche Pech, wie auch Steffels zur Aufgabe gezwungen war. Das Ergebnis: 1. Cocqueriaex(Belgien) 40 Punkte, 3:00,2 Std.; 2. Tommies(Belgien) 28,5 P.; 3. Caluwe(Belgien) 22 P.; 4. Le Drogo (Belgien) 20 P.; 5. Müller(Belgien) 18,5 P.; 6. Esser(Aachen) 17 P.; 7. Siegel(Deutschland) 8 8. Lohmann(Bochum) 30 P.: 9. Ippen(Köln) 33 P.; 10. Schön(Deutschland) 9 P. Eine Unfallzuschußkasse des DSB. Der Bundesführer des Deutschen FußballBundes, Felix Linnemann, hat eine Bekanntmachung erlassen, wonach eine Unfällzuschußkasse ab 1. Januar 1934 in Wirksamkeit tritt. Es werden keine besonderen Beiträge erhoben, so daß natürlich diese Kasse auch keine Leistungen übernehmen kann, wie sie sonst von den Unfallversicherungen gewährt werden. Der DFB. wird jedoch in Fällen besonderer Notlage, die genau zu prüfen sind, den von einem Sportunfall Betroffenen nach Maßgabe der vorhandenen Mittel unterstützen. Zwei neue Weltrekorde der Stella 80 Meter in 9,8 Sekunden.— 1000 Meter in 3:02,5 Minuten. Die Polin Stella Walasiewicz, die bekanntlich von Polen vor dem Olympia von Los Angeles aus Amerika zurückgeholt wurde, kehrt nunmehr wieder nach den Staaten zurück. In Kattowitz gab Stella Walsh eine Abschiedsvorstellung und lief dabei zwei neue Weltrekorde. Ueber 80 Meter ereichte Frl. Walsh 9,8 Sekunden und verbesserte damit klar die bisherige Bestleistung der Französin Radideau von 10 Sekunden. Ueber 1000 Meter zeigte dann Frl. Walsh, daß sie nicht allein sprinten kann, den sie lief die Zeit von 3:02,5 Minuten, womit sie nicht nur den bisherigen Weltrekord der Engländerin Lunn erheblich unterbot, sonderen auch die vor einigen Tagen aus Leningrad von einem gewissen Frl. Freisberg gemeldete Zeit von 3:03,6 Minuten alatt verbesserte. dem Handballager. Nur ein Unentschieden in Welper. Tura Hattingen und Vf° Winz-Baak trennten sich mit unentschiedenem Ergebnis: Aus acht wurden sechs Meisterschaftsspiele der Handball=Gauliga Westfalen am zweiten Oktobersonntag, da das Wetter in zwei Fällen dem Spielgelände so zusetzte, daß man es nicht mehr brauchen konnte. So fielen— in jeder Staffel eines— die Spiele Polizei Dortmund— VfL. Hagen und Preußen Paderborn— VfL. Münster aus. Immerhin tat sich noch mancherlei, und zwar spielten: Gruppe Süd: TuS. Hagen=Eilpe— Schalke 04 10:s Deutscher SC. Hagen— Tkl. Wanne=Eickel 10:2 Westfalia Welper— TV. Weidenan 3:3 Gruppe Nord: Jahn Minden— Viktoria Recklinghausen 6:6 Polizei Münster— Arminia Bielefeld 4:7 D. Eiche Künsebeck— Hindenburg Minden 4:8. Schalke 04 geschlagen, und zwar ganz klar, das ist die Ueberraschung der Gruppe Süd. Die Elf ist anscheinend total aus dem Leim. Jedenfalls kann man es sich nur so erklären, daß sie sich vom TuS. Hagen=Eilpe, der lange nicht die Empfehlungen in die Gauliga mitbrachte, wie Schalke, mit 10:8 schla gen ließ.— Der Deutsche SC. Hagen wird ein ernstes Wort in dieser Staffel mitsprechen, das ist schon setzt zu erkennen. Nach seinem Siege in Schalke schlug er am Sonntag auf eigener Scholle den Tkl. Wanne=Eickel mit nicht weniger als 10:2. Zeine Gäste wehrten sich zwar tapfer, aber gegen das kultivierte Spiel Hagens war nichts zu machen. Westsalia Welper sah ihre Kalkulation für das Spiel gegen den TV. Weidenan nicht in Ordnung gehen. Die Gäste aus dem Turnerlager erwiesen sich als eine sehr starke Einheit, die Welper ein unerwartetes 3:3 abtrotzte... Welper war nicht in Form. Westfalia Welper— TV. Weidenan 8:s(2:2). Genau eine Minute vor Schluß erzielte Welver durch Strafwurf den Gleichstand. Während am Vorsonntag die Westfalen mit viel Pech die beiden Punkte verloren, büßten sie gestern durch eigenes Verschulden den dritten Punkt ein. Es machte den Anschein, als wenn sie den Gegner, der am Vorsonntag aegen Polizel Dortmund versaat hatte, unterschätzten. Jedenkalls erreichten sie in der Gesamtleistung keinen Augenblick ihre Höchstform, und als sie zum Schluß mit aller Noutineans Ersola spielten, wäre es kast au spät gewesen. Bet Weidenan war es umackehrt. Die Mannschaft ließ nicht eine Minnte nach, spielte sich sehr gut ein und zeigte nach der Pause eine ganz vorzügliche Ballvertellung. Nach abwechselnden Angriffen bringt der Halbrechte Weidenan in der 8. Minnte in Führung. In der 10. Minute bringt ein schönes Tor Nierhauwes den Ausgleich. An spannenden Momenten fehlt es weiterhin nicht, bis in der 26. Minute Lehberger Welver in Führung bringt. Doch schon leich darauf kommt von der rechten Seite Weienaus der Ausgleich. Die Halbzeit war vollständig ausgeglichen, und man erwartet nach der Panse ein Hervortreten der Platzlente. Doch schon in der 3. Minute bringt der TV. wieder die Führung an sich und hält das Spiel lange Zeit in der Hand. Erst im Endspurt entwickeln die Westfalen wieder ihre bekannte Forsche, drängen aber lange vergeblich, bis eine Minute vor Schluß nach vielen Strafwürfen Nierhauwe einen verwandelt. Punkteteilung. Tura Hattingen— VfL. Winz=Baak 8:3(1:2). Der unentschiedene Ausgang entspricht in etwa den gezeigten Leistungen. Tura war gezwungen, für seinen Torwart Ersatz einzustellen.— Nach anfänglichem Drängen der Platzleute wird das Spiel ausgeglichen. Bei einem plötzlichen Vorstoß fällt in der 16. Min. der erste Treffer für die Gäste, die drei Minuten später zum zweiten Tor einwerfen. Die Hattinger lassen sich jedoch nicht entmutigen. In der 22. Minute fällte das erste Gegentor. Bis zum Schluß der ersten Halbzeit kommt keine Partei zu weiteren Erfolgen. Die zweite Halbzeit bringt einen Umschwung. Die Angriffe der Platzleute werden systemvoller. Gleich kommt Tura zum Ausgleich. Eine Flanke von rechts, der Mittelstürmer ist zur Stelle und schon zappelt der Ball im Netz. Eine brillante Leistung und das schönste Tor des Tages. Tura beherrscht jetzt das Feld, kann jedoch die Ueberlegenheit nicht ausnützen. Winz=Baak dagegen ist glücklicher. Ihnen gelingt in der 47. Minute wiederum das Führungstor. Es sind noch 6 Minuten zu spielen, als wiederum das Ausgleichstor fällt. * Einigkeit Hattingen— Henrichshütte 8:s. Hattinger SV.— Polizei Witten 8:4 Gesellschaftsspiel: MBV. Linden— Westfalia Bochum 6:8. Niederrheingau. Die Favoriten in Front. Am zweiten Oktobersonntag wurden die Handball=Pflichtspiele im Gau Niederrhein mit sieben Treffen fortgesetzt. Die achte Begegnung, TV. Stoppenberg gegen Tura Barmen, kam nicht zum Austrag, da der Platz kein einwandfreies Spiel zuließ. In beiden Gruppen konnten sich die Favoritenmannschaften durchsetzen. In der Gruppe 1 scierte TV. Krefeld=Oppum wieder einen hohen Sieg und die Turner führen nun die Tabelle mit 5:1 Punkten vor Rhenania Düsseldorf 4:0 an.— In der Gruppe 2 ist Tura Barmen der Favorit. Da die Barmer aber nicht gegen Stopvenbera anzutreten brauchten, wird die Tabellenspitze zusammen mit Kettwig und Rasensport Mülheim mit 4:0 Punkten gehalten. Die gestrigen Ergebnisse: Union Oberbarmen— TV. Krefeld=Oppum 5:17 Polizei Düsseldorf— B/V. Aachen 10:5 Allemannia Aachen— TV. Itter=Holthansen 9:7 1SG. Venrath— Rhenania Düsseldorf 5:12 Altendorf 09— TV. Rettwia 1:6 Aupferhütte Dulsburg— Essen=Oft 6:6 MIV. Benle— Rasensport Mülheim 6:10 Bauhofer war der Schnellste! Marienberger Dreiecks=Rennen. Das VII. Marienberger Dreiecks=Rennen hatte einen unerwartet guten Besuch gefunden. Die Nennen forderten verschiedene Ausfälle, doch die Stürze verliefen erfreulicherweise durchweg ohne Folgeerscheinungen. Der Münchener Banhofer fuhr auf seine DAW.=Maschine in der Klasse bis M cem mit einem Durchschnitt von 127,7 Stö.=km die beste Zeit des Tages. Der alte Rekord stand auf 120 Std.=km. Neben den Meisterfahrern war eine Konkurrenz für Ausweisfahrer und für Angehörige der nationalen Verbände ausgeschrieben. Der Engländer Feraus Anderson auf Imperia hatte Defekte und kam nicht zur Geltung.— Die beste Zeit bei den nationalen Verbänden erzielte der Münchener Ernst auf VMW. in der Klasse über 500 cem mit 29:29,8 Min. für eine Strecke von 34,6 km. Bel den Ausweisfahrern wurde die beste Zeit von Köstlicher(Neuendorf) auf Viktoria mit 52:51,4 Min. erreicht. Die Klasse bis i cem hatte die Strecke von 103,8 km zurückzulegen. Kleine Sportnachrichten. Bei einem Rotterdamer Schwimmfest schwamm die holländische Meisterin Willie den Onden über 300 m Freistil mit 3:58 neuen Weltrekord. Bisherige Rekordinhaberin war die Amerikanerin Helen Madison mit 3:59 Min. * Belgischer Weltergewichtsmister blieb bei den Berufsborkämpfen in Jolimont Anneet, der dem Herausforderer, Charlier, ein Unentschieden abzwang. * Bei einem 80=Klm.=Mannschaftsfahren in Antwerven konnten die teilnehmenden Deutschen Schön=Buschenhagen nur den vierten Platz herausfahren. Sieger wurden die Holländer Brasspenning=Jan van Kempen. des braunen Soldaten ehernes Denkmal 4. Fortsetzung.(Nachdruck verboten.) Die Gesellen Schirmers sprachen von neuen Anzügen, neuen Mädchen und neuen Tanzstätten. Sie verglichen ihre Krawatten und sprachen andeutungsweise von gewissen Orten, wo sie recht angenehme Stunden verbracht hatten. Tonne spitzte die Ohren und dachte, daß man ihn eigentlich auch schon für voll nehmen könnte. Wenn er dann aber ausgeschickt wurde, Kafsee zu holen, sank er wieder in das Dasein eines Stiftes und Laufburschen zurück. Das war schmerzlich. Aber er kaufte nun keine Leckereien mehr, sondern setzte seine Trinkgelder in Erbsen, Zucker und andere dauerhafte Lebensmittel um. Diese Tüten verwahrte er in einem Schrank. Eines Tages holte er alles hervor und verkaufte es der erstaunten Mutter. Und dann ging er los und erstand auf einen Hieb den hellen Hut mit dunklem Band und die bunte Krawatte, die ihm im Schaufenster eines Herrenartikelgeschäftes seit langem in die Augen gestochen hatten. Am nächsten Sonntag lief er damit nach Treptow hinaus in den Plänterwald, wo die hübschen Mädchen spazieren gingen. Tonne trug einen verschämten Stolz zur Schau. Er meinte, alle müßten ihn ansehen, daß er die modernste Krawatte und den elegantesten Hut trüge, aber er ahnte nicht, daß diese Prunkstücke in schmählichem Gegensatz zu seinem abgeschabten blauen Anzug standen, zu diesem armseligen blauen Anzug, der in den Aermeln zu kurz und am Hosenboden durchgesessen war, der noch von der Einsegnung stammte und schon etwas grau schimmerte.— Hin und wieder drehten sich Mädchen oder junge Männer lächelnd um. Tonne dachte, sie bewunderten ihn. Als er im warmen Schein der Vorfrühlingssonne durch die Gartenlokale ging, wurde er sich plötzlich der Tatsache bewußt, daß er nicht genügend Geld in der Tasche hatte, um etwas zu verzehren. Er schlenderte zwischen den Tischen umher. Fröhliches Lachen, das Geklapper des Kafseegeschirrs und das Klingen der Gläser drang an sein Ohr. Aber er achtete nicht auf das Treiben der Glücklichen, sondern durchquerte die Gärten mit starren Augen und lief auf die Uferpromenade hinaus. Eine dichte Hecke schloß den Kiesweg von der Böschung zur pree ab. Ueber das pralle, rotbraune Geäst der Bäume und Sträucher waren die Schleier ersten Grüns gebreitet, und der Fluß sah mit dunklen Wellenangen zum fahlblauen Himmel hinauf, der unendlich hoch erschien. Als hätte eine gewaltige Hand mit gigantischem Besen darüber hingesegt und die dünnen Wölkchen auseinandergespreitet, so sah dieser Himmel aus. Wie nach einem großen Reinemachen. An der Böschung lagen dicke Lastkähne. Von ihrem bemalten Bug waren feste Stahltrossen zum Ufer gespannt. Tonne blieb stehen und sog den kräftigen Teergeruch ein. Er svüte in ihm etwas von der Weite des Wassers, von der Schwerfälligkeit und Kraft der Schiffe, von barter Arbeit und langer Fahrt. Schifferarbeit wäre lohnende Arbeit, dachte Tonne— aber Schusterjunge sein? Nicht einmal Schusterjunge, Laufbursche nur! Pfut Spinne... Vom Eierhäuschen schallte der Frori v:rbel einer Schießbudenfigur herüber... Tonne hatte Glück. Diese Zeit weltmännischer Sehnsüchte inmitten des irren Trubels einer außer Rand und Band geratenen Menschheit nahm ein schnelles Ende. Eine starke Hand griff in das Schicksal des Jungen ein und zerrte ihn aus dieser Welt des Scheins heraus. Markgraf, der Vormund, war allerdings daran beteiligt; zeitweise ging es sogar sehr gegen seinen Willen. Eines Tages nämlich traf Tonne einen seiner Lehrer von der Volksschule wieder. Herr Mennig war ein junger Mann von etlichen zwanzig Jahren. 1918 war er noch eingezogen worden; aber schon nach wenigen Monaten hatte er braußen durch eine Handgranate seinen linken Unterarm verloren. Tonne grüßte und wollte vorübergehen. Mennig hielt den Jungen jedoch an und zog ihn ins Gespräch. Als er mit einem Seitenblick auf Tonnes Hut und Krawatte spöttisch lächelte, wurde Tonne ärgerlich und gab nur noch einsilbige Antworten. Aber da kam er bei Alfred Mennig schlecht an. Derb packte er den Jungen beim Arm und sagte lachend: „Tonne, sein kein Frosch! Wie dn rumlänfft, das ist ja einfach Unfng!“ Damit zog er ihm die Krawatte aus der Weste heraus und nahm ihm den neuen Hut ab. Den chwenkte er durch die Luft, als wäre er ein unnützes Ding. Tonne wurde rot bis über die Ohren. Im Weitergehen erzählte Alfred Mennig dann, daß er mit mehreren Jungen eine Wandervogelgruppe aufziehen wolle. Nun war es an Tonne, höhnisch zu lächeln. Er tat es ausgiebig und meinte geringschätzig, für solchen Lotscherbetrieb sei er nicht zu haben. Darauf hielt der Lehrer ihm vor, es sei doch ein Zeichen von Dummheil, über eine Sache zu urteilen, von der man nichts verstehe. Wer es freilich für bekömmlicher halte in dunstgeschwängerten Kneipen oder in stickigen Kinos zu sitzen, wer an barbarischen Schlipsen und putzigen Zündhütchen Gefallen fände, den könne man bestenfalls zu belehren versuchen. Wenn er aber einem freundschaftlichen Rate nicht zugänglich sei, dann müsse man ihn eben seinem verdienten Schicksal überlassen. Spießer habe es ja immer gegeben. Dieser versteckte Vorwurf traf Tonne schwer. Er protestierte zwar lebhaft— aber den Hut setzte er doch nicht wieder auf, sondern behielt ihn wie zufällig in der Hand. Mennig wurde nun ernst. „Paß auf, Tonne," sagte er,„du kommst jetzt zu mir und holst dir ein paar Bücher über den Wandervogel ab. Wenn du sie dann gelesen hast, sprechen wir noch mal über die Sache.“ Als Tonne versprach, in den nächsten Tagen mit ranzukommen, lachte Mennig nur und meinte, da könne er lange warten; nein, Tonne müsse gleich mitkommen.„Das geht nicht,“ sagte der Junge,„zu Hause lauern sie auf mich, da müßte ich erst Bescheid sagen.“— Mennig blieb also im Hauseingang stehen. Als Tonne wiederkam, hatte er zwar den Hut nicht mehr in der Hand, aber die Krawatte funkelte immer noch bunt und verwegen. Das Arbeitszimmer des Lehrers war eine Wunderwelt. Da standen lange Bücherschränke mit großen Glastüren. hinter denen die bunten Buchrücken lockten und schimmerten, und an den Wänden hingen Bilder in dunkelgebeizten Holzrahmen: Soldaten aus den Freiheitskriegen, ein Beethovenkopf, Landschaften und eine Gruppe von Wandervögeln. Neben dem Schreibtisch stand auch eine Schreibmaschine. Auf den weißen Scheibengardinen des Fensters hingen zwei ausgesägte Schattenrisse, die Szenen aus deutschen Märchen zeigten. Eine grüne Tischlampe gab gedämpftes Licht. Mennig drückte Tonne in einen tiefen Tuchsessel und gab ihm einige Bücher in die Hand.„Blättre das mal durch,“ sagte er,„und guck dir die Bilder an. Ich habe zunächst noch einiges zu schreiben, aber nachher sprechen wir noch darüber!“— Während die Schreibmaschine klapperte, begann Tonne zu lesen. Da schilderten Jungen ihre eigenen Erlebnisse auf Wanderfahrten; auch Bilder waren dabei, die sie selbst gezeichnet hatten. Zunächst blieb Tonne kritisch. Dann aber packte ihn die Schilderung eines nächtlichen Schmugglerspiels im Walde. Ein vierzehnjähriger Junge hatte das geschrieben, so recht und schlecht wie er eben sprach. Aber es war ein lebendiger Bericht. Tonne hörte die Bäume rauschen und die Käuzchen klagen, er sah das Lagerfeuer aufflammen und begleitete den Jungen auf einsamen Kundschaftergängen durch nächtliche Wiesen und Wälder. Er suchte ähnliche Berichte heraus und war schließlich so ins Lesen vertieft, daß er es gar nicht bemerkte, als die Schreibmaschine ihr Klappern einstellte.„So,“ sagte Alfred Mennig schließlich,„nun pack den ganzen Kram zusammen und nimm ihn mit nach Hause. Es ist zu spät geworden, um heute noch darüber zu reden. Aber sieh mal zu, ob du nicht übermorgen wieder mit rauskommen kannst!“ So kam Tonne unter die„Latscher". Markgraf sträubte sich allerdings zuerst mit Händen und Füßen dagegen. Es handle sich da um eine Einrichtung der bürgerlichen Gesellschaft, die im Absterben bearifsen sei, erklärte er. Und es sei Verrat am Proletariat, wenn sich Tonne von den Wandervögeln umgarnen ließe. Aber schon damals zeigte Tonne, daß er nicht an nachgeben dachte, wenn er sich für eine Sache entschieden hatte. Selbst als der Setzer stärkstes Geschütz auffuhr und erklärte, Tonne verrate die heilige Sache, für die sein Vater gefallen sei, drang er nicht durch. Der Junge wurde schweigsam und störrisch, ließ sich aber von seinem Vorsatz nicht abbringen. Die Wandervogel=Gruppe bestand aus einer Anzahl Jungen, die sich schon von früher her kannten. Sie hatten in einer Klasse gesessen, waren dann aber auseinandergeweht worden. Einige besuchten das Realgymnasium, die anderen waren in der Lehre oder arbeiteten im Geschäft ihrer Eltern. Waren sie dadurch einander entfrembet worden, so wurden sie nun durch den Wandervogel wieder zu Kameraden. Tonne als. Arbeiterjunge betrachtete die Gedankenwelt der Jugendbewegung, die sich da plötzlich vor ihm auftat, mit einem verbissenen Ernst— im Gegensatz zu den höheren Schülern, die vom Leben noch nicht gezaust worden waren, und die sich in der neuen Gemeinschaft mit einer gewissen spielerischen Behaglichkeit umtaten. Sie konnten sich ihrer pennälerhaften Gewohnheiten vorerst nur schlecht entwöhnen; sie unternahmen auch als Wandervögel noch Sauftouren und flirteten mit den Mädchen des Lzeums. Manche von ihnen kehrten der Gruppe denn auch bald den Rücken. Tonne jedoch verschlang alle Werke, die Alfred Mennig über die Jugendbewegung besaß. Für ihm war das gedruckte Wort noch eine Offenbarung, während die Gymnasiasten es schon als anfechtbar erkannt hatten. So wurde Tonne bald zu einem Fanatiker des Wandervogelgedankens. Auch im Dienst trug er jetzt stets die kurze Rippelsamthose und den Kittel aus derbem Leinen; er rauchte nicht mehr und trank keinen Alkohol. In seiner freien Zeit durchstöberte er die kleinen Buchhandlungen und kaufte sich billige Schriften zusammen, die nicht immer dazu angetan waren, Klarheit in seinem Jungenkopf zu bringen. Aber Alfred Mennig sorgte schließlich doch immer wieder dafür, daß alles, was Tonne aus diesen Büchern in sich aufgenommen hatte, im Gehirnkasten des Jungen an seinen rechten Platz kam. Tonne wurde kritisch. Die Jugendbewegung erhielt in dieser Zeit einen starken Auftrieb. Und es war die beste deutsche Jugend, die aus den Steinkästen der Städte in die Wälder hinauszog, um hier ein einfaches und derbes Leben zu führen. Nie zuvor waren die Gegensätze schärfer: Dort versumpften bei schrillem Niggersong Halbwüsige in schreiend bunt aufgemachten Lokalen— hier schlossen sich Jungen und Mädel von dieser verrotteten Welt ab, saßen an rauchenden Lagerfeuern, schliefen in dünnen Zelten und tippelten über die Landstraßen. Und in ihren Herzen erwuchs der Gedanke eines schöneren und besseren Lebens. Aber die„blaue Blume der Romantik“ lockte auf abseitige Wege, die über träumerische Versunkenheit zur Weltfremdheit führten. So konnte die bürgerliche Jugendbewegung ihre geschichtliche Sendung nicht erfüllen. * Ueberraschend wurde Tonne durch das harte Leben in neue Bahnen gedrängt. Eines Tages mußte der Schuster Schirmer seine amerikanische Schnellbesohlanstalt schließen. Trotz ihres schönen gelben Anstrichs und trotz ihrer pompösen Fahnen hatte sie den Stürmen der Inflation nicht widerstehen können. Schirmer war nicht schuldlos daran. Er hatte Beispiele vor Augen, wie man diese Inflation mit einigem Geschick dazu benutzen konnte, Geld zu„machen"; leider schlugen jedoch seine Spekulationen sehl. Und anstatt einem anderen das aufgesparte Vermögen vor der Nase wegzuzaubern, mußte er das seine brangeben. Verbittert schloß er seinen Laden zu und ging davon. Tonne aber stand wieder auf der Straße, ohne Arbeit und ohne Geld. Markgraf fragte ihn spöttisch, warum er sich nicht Schlechtes Wetter— aute Leistungen. Der Tag des deutschen Sportnachwuchses. Der Sonntag war der große Tag des deutschen Sportnachwuchses, der im OlympiaLehrgang in der vergangenen Woche im Berliner Sportsorum versammelt war. Leider brachte der 8. Oktober kein schönes Wetter und die Leistungen unserer jungen Sportler wie auch der Besuch der Veranstaltung litten durch dieses Mißgeschick sehr. Immerbin konnte man mit den gezeigten Kämpfen zufrieden sein. Der Hockey=Nachwuchs besser als erwartet. Der Hockey=Nachwuchs trat mit drei Mannschaften gegen Berliner Vereinsmannschaften an und zeigte Leistungen, wie man sie kaum von den Jungens erwartet hatte. Es steckt wirklich ausgezeichnetes Spielermaterial im Hockeynachwuchs. Die vorausgegangenen Hockey=Spezialkurse, nicht zuletzt der Berliner Kursus, haben den jungen Leuten schon sehr viel Schliff gegeben. Wird die Erziehungsarbeit in dieser Richtung fortgesetzt, dann müssen sich schon bald irgendwie positive Erscheinungen einstellen. Die C=Mannschaft spielte gegen den Berliner Sportklub. der nur mit 10 Spielern zur Stelle war; er verlor 0:2. Die B=Mannschaft konnte dem THC. 99 Friedenau ein 1:1=Unentschieden abtrotzen, während die A=Mannschaft gegen den Berliner Hockeymeister BSV. 92 spielte. Das Spiel mußte beim Stande von 1:0 für den BSV. kurz nach der Pause abgebrochen werden, da der Regen immer stärker wurde. Der Reichssportführer wohnte den Kämpfen bei. Handball und Leichtathletik im Funkturm=Stadion. Das Stadion am Funkturm an der Avus war am Nachmittag der Schauplatz der Kämpfe der Leichtathleten und Handballer. Der Regen des Vormittags hatte die ganze Laufbahn unter Wasser gesetzt, so daß das Programm zunächst einmal umgebaut werden mußte. Erst spielten die Handballer, dann erst kamen die Leichtathleten zur Geltung. Im Handballspiel der Nachwuchsmannschaft gegen die Berliner Stadtelf führten die Nachwuchsspieler bei der Halbzeit 5:4. Berlin kämpfte aber taktisch besser und konnte zum Schluß mit einem knappen Sieg von 6:5 abtreten. Beim Nachwuchs überragten der Dortmunder Stürmer Stewert und der Kasseler Torwart Jäcke.— Dann sah man sechs 100=Meter=Läufe, bei denen es Vorgaben für einzelne Starter aab. Die Malläufer konnten sich nur in zwei Fällen an die Spitze bringen. Als besonders großes Sprintertalent zeigte sich der Pirmasenser Hornberger der auch die beste Zeit lief. Im Kugelstoßen behauptete sich erwartungsgemäß Emil Hirschfeld mit der Leistung von 15,21 Meter. Im Speer=Mannschafts= werfen war der Siea natürlich der Mannschaft Weimann=Stöck=Steingroß(Oppeln) nicht zu nehmen. Diese Mannschaft lag mit Würfen von Weimann und Stöck, die etwa auf die 66=MeterMarke gingen(es wurde nicht genau gemessen) und einem 62=Meter=Wurf von Steingroß klar vor der zweiten Mannschaft, in der Stoschek mit etwa 60 Meter der weiteste Werfer war.— In der 3=mal=1000=Meter=Staffel startete leider der KTV. Wittenberg nicht. Sieger wurde die Mannschaft Rothbert(Stettin), Dessecker(Stuttgart), König (Hamburg) in 7:47,2 Min. vor der Mannschaft Gottschall=Görth=Schilgen 7:48 und edr Mannschaft Würker=Danz=Pochat 7:50,8. Rothbart lief als Startmann mit 2:32,3 Min, die beste Zeit. Dessecker wurde mit 2:34,3 Min. abgestoppt. Auch unsere Tennis=Nachwuchsspieler sollten am Sonntag noch Wettkämpfe austragen. Infolge des sehr schlechten Wetters mußten die Spiele aber abgesagt werden. an seinen Wandervogelbund wende. Als Tonne gereizt erwiderte, der Bund sei doch keine Versorgungsanstalt, fertigte ihn der Vormund mit der Bemerkung ab, der Wandervogel sei also eine Beschäftigung für Mußeßunden und versage, wenn es um Fragen des praktischen Lebens gehe. Auf dem nächsten Heimabend sprach Tonne mit Alfred Mennig über seine Notlage. Der Lehrer meinte, er solle sich keine unnützen Gedanken machen; solange er keine Beschäftigung habe, würde die Gruppe seinen Anteil am Fahrgeld und an der Verpflegung schon mit aufbringen. Tonne war von dieser Antwort ganz und gar nicht befriedigt. Er wollte von Mennig keine Ratschläge für Fahrterleichterung, sondern für seine Zukunft haben. Noch sah er über ihr die Ideale leuchten, von denen in der Jugendbewegung immer wieder die Rede war. Da wurde vom ständischen Aufbau des Staates, vom Handwerk als Kunst, und von vielen anderen schönen Dingen gesprochen. Mennig aber erklärte, die Beschaffung einer neuen Lehrstellé sei Sache des Vormundes; im übrigen möge Tonne nur recht bald wieder unter Dach und Fach zu kommen suchen, damit er die Gruppe finanziell nicht allzulange belaste. Als Tonne nach Hause kam, sprach er zunächst nicht über seine Enttäuschung. Seiner Mutter gegenüber war er überhaupt ziemlich verschlossen. Nicht, daß er sie nicht lieb gehabt hätte— aber er glaubte, daß Berufssachen und ähnliche Dinge nur unter Männern besprochen werden könnten. Gewiß, er hatte schon immer gesehen, daß die Mutter still ihre häusliche Arbeit tat, daß sie alles sauber und ordentlich hielt, und daß sie für Essen sorgte. Heute machte er sich zum erstenmal Gedanken darüber, wie sparsam sie mit ihrer kleinen Pension gewirtschaftet haben mußte, und wunderte sich, daß sie über den Ausfall seines kärglichen Lohnes kein Wort verlor. Die Mutter saß am Küchentisch und häkelte an einer kleinen Decke. Tonne saß auf dem Fensterbrett und sah ihr zu. Während er ihre abgearbeiteten Finger beim flinken Hin und Her der Nadel beobachtete, kam ihm plötzlich ihre Genügsamkeit zum Bewußtsein. Er stand auf und hob ihren Kopf in die Höhe.„Mutter," sagte er,„ich muß jetzt sehen, daß ich irgendwo etwas zum Verdienen finde. Wenn's keine neue Lehrstelle ist, dann werde ich mir eine andere Beschäftigung suchen. Von deiner Pension allein können wir doch nicht leben...“ Die Mutter hob erschrocken die Augen.„Junge, was machst du dir für Gedanken? Essen für dich habe ich immer!" Eine seltsame Verwunderung lag in ihrer Stimme. Tonne lächelte.„Du mußt dich schon damit abfinden, Mutter, daß ich nun kein Kind mehr bin. Ich muß mich jetzt auch darum kümmern, wo das Geld herkommt und wie wir am besten wirtschaften...“ Am späten Abend kam Markgraf noch einmal mit herauf. Er fand Tonne in aufgeräumter Stimmung.„Ach, sieh mal einer an," sagte er bissig,„der Wandervogel ist aus dem Nest gefallen und pfeift noch lustig. Bis ihn die Katze holt..." Der Junge ging aber auf diesen ironischen Ton nicht ein. Er saßte Markgraf um die Schulter wie einen vertrauten Freund und zog ihn in die Stube. Dabei kam dem Setzer zum erstenmal zum Bewußtsein, wie groß und kräftig Tonne nun schon geworden war. „Wir müssen vernünftig miteinander reden," sagte Tonne.„Ich werde mir jetzt irgendeine Arbeit suchen, wo ich etwas Geld verdienen kann. Von Mutters Pension allein können wir nicht leben. Fange aber nicht wieder vom Wandervogel an; der ist vorläufig abgetan für mich. Darüber können wir später mal sprechen. Was meinst Lu aber dazu, wenn ich als Radfahrer oder Bote irgendwo unterzukommen suche?" Markgraf war ebenso erstaunt wie die Murler. Er sagte, daß ihm jede Arbeit recht sei; Tonne solle nur zusehen, recht bald wieder etwas zu bekommen, damit er nicht auf der Straße zu liegen brauche.(Fortsetzung folgt.) Bei den Fußballern. Rot schlägt Weiß 4:s(2:o). Die besten 22 Fußballer aus dem OlympiaNachwuchslehrgang standen sich Samstagnachmittag auf dem Hertha=BSC.=Platz am Gesundbrunnen gegenüber. Die Spieler beider Mannschaften waren unter 21 Jahren. Eine Mannschaft trat im roten und die andere im weißzen Dreß an. Die Roten blieben knapp mit 4:8(2:0) erfolgreich. — Im Spiel selbst konnte man noch keine Talente entdecken. Vor allen Dingen waren beide Verteidigungen sehr schwach. Der beste Mann war noch der Mannheimer Keller. Die Torhüter Kersten(Görlitz) und Vieweg(Steinach) befriedigten. Der Schalker Stürmer Gellesch war vor dem Tor der gefährlichste Mann. Außerdem waren noch aut der Beuthener Wratzlowek und der Dresdner Schön, der allein für rie Roten drei Tore schoß. Von den Läufern sind der Stettiner Gahren und Gruber zu erwähnen. Der erst 16jährige Ulmer Schödler lenkte bei seinem Tor die Aufmerksamkeit auf sich. Die beiden ersten Tore erzielte Schön für die rote Partei in der 17. und 30. Minute. In der 15. Min. nach der Pause holte Wratzloweck zunächst ein Tor auf, aber Schödler erhöhte den Vorsprung auf 8:1. Während der Schalker Gellesch noch das zweite und drite Tor für Weiß anbringen konnte, war es für die Roten Schön der Torschütze des 4. Treffers. ens e elein en e eles n. PERSÖMI AUSGABEN U FONDSBILDUNG BAUTEN. U.S.W. 5ONST. AUSGABEN FINANZBEDAAF VON REICH.LANDERN U. GEMEINDEN Pariser Autosalon. Doppelhochzeit der„siamesischen" Zwillinge. Die bekannten„siamesischen“ Zwillinge Daisy und Violet Hilton gaben nach ihrer Rückkehr von ihrer Europareise am Freitag in Neuyork bekannt, daß sie sich gegen Weihnachten beide verheiraten würden. Daisy ist mit einem Orchesterdirigenten in Chikago verlobt, während Violet einen englischen Boxer heiraten will. Orkan-Katastrophe in Mexilo. Zaristischer General Judenitsch gestorben. In Nizza verstarb der frühere russische General Nikolas Judenitsch, der Oberstkommandierende der russischen Streitkräfte im Kaukasus während des Weltkrieges. Judenitsch hatte sich besonders bei der Einnahme von Erzerum und später durch seine Kämpfe gegen die roten Truppen einen Namen gemacht. Er stand im 71. Lebensjahre. Das erste Originalbild von der furchtbaren Orkan=Katastrophe an der Ostküste von Mexiko, der die Hafenstadt Tampico fast völlig vernichtete. Der Tornado drückte die See mit solcher Gewalt landeinwärts, daß das Wasser des Flusses Panuco gestaut wurde und über die Ufer trat. Dadurch wurden die Häusertrümmer von Tampico völlig unter Wasser gesetzt(siehe Bild). Das Unglück forderte bekanntlich Hunderte von Toten und Tausende von Verletzten. In der französischen Hauptstadt ist der große internationale Autosalon eröffnet worden, auf dem, wie auf unserem Bilde zu ersehen ist, auch deutsche Marken zahlreich vertreten sind, ein Beweis, daß deutsche Arbeit sich auch auf diesem Gebiet internationale Geltung verschaffte. Befriedidende Entwicklung der Reichsfinanzen STARKE SENKUNG DER AUSGABEN! IN MILLIARDEN RM Im vergangenen Jahre haben nach den setzt vorliegenden Zahlen die Reichsfinanzen eine durchaus günstige Entwicklung genommen. Während im Jahre 1929 der Finanzbedarf von Reich. Ländern und Gemeinden eine Rekordhöhe erreicht hatte, gelang es im vorigen Jahre, ihn wieder auf 14.5 Milliarden Reichsmark herabzudrücken, womit der Stand von 1925 wieder erreicht war. Einen hohen Anteil an der Drosse» ARBEITSLOSENFURSOAGE *4.0 SENKUNG STEIGERUNC DER AUSGABEN 4929-1932 lung der Ausgaben haben die Reduzierung von Gehältern und der Fortfall der Kriegstribute. Allerdings sind auch öffentliche Arbeiten stark eingeschränkt worden, was sich für die Wirtschaft ungünstig auswirken mußte. In diesem Jahre, dem ersten unter nationalsozialistischer Staatsführung, wird die Entwicklung nach den bisherigen Ergebnissen ein noch günstigeres Bild zeigen. Lindber Das Ehepaar Lindberah ist auf seinem Europa=Flug im Hafen von Sonthampton eingetroffen. Explosion im Unterseeboot. Ein Toter, 15 Verletzte. London. Eine schwere Explosion ereignete sich am Sonntag auf dem englischen Unterseeboot„L. 26“. Das Unterseeboot war am Samstag auf den Patterson=Felsen bei der Halbinsel Kintyre an der Westküste Schottlands aufgelaufen und am Sonntag früh wieder freigekommen. Es befand sich auf dem Weae nach Campbeltown in Begleitung von drei anderen Unterseebooten, als sich die Explosion ereignete. Die enalische Admiralität aibt in einer Verlautbarung die Verluste bei der Explosion auf dem Unterseeboot„L. 26“ auf einen Toten. 10 Schwerverletzte und 5 Leichtverletzte an und setzt hinzu, daß einer der Schwerverletzten sich in Lebensgefahr befindet. Die Ursache der Explosion, die sich in den Akkumulatorenbatterien ereignete, ist noch nicht bekannt. Sämtliche Verletzten sind in ein Krankenhaus nach Campbeltown gebracht worden. Zuchthausrevolte in Buenos=Aires. Bei einer schweren Zuchthausrevolte in Buenos=Aires wurden drei Sträflinge getötet und sieben Wärter verwundet. Die Sträflinge empörten sich plötzlich während des Mittagessens, rissen einiaen Wärtern die Wafsen wea und eröffneten das Feuer auf die Aufseher, die ihrerseits mit einer Gewehrsalve drei Sträflinge töteten. Nach kurzer Zeit traf Militär ein und schlug die Revolte mit Tränenaasbomben nieder. Unter den toten Sträflingen befinden sich Mitglieder der be rüchtigten Giovanni=Verbrecherbande. Führer der irischen Faschisten General O'Dukfy, der Führer der irischen Faschisten, wurde in Tralee auf dem Wege zu einer Versammlung von der Menge überfallen und erheblich verletzt. Erst ein Militäraufgebot vermochte ihn zu befreien. Das Ende der Filmstadt Hollgwood Neuyork und Florida sind billiger.— Das Starviertel im Ausverkauf. Beverly Hills— das war jahrelang die Traumstadt aller Filmbesessenen Amerikas, die Fata Morgana, um die alle Wünsche von Backfischen, jungen Abentenern, angehenden Bühnensternen und ehrgeizigen Revuegirls kreisten. Beverly Hills, das vornehmste Viertel der Filmstadt Hollywood, war die eigentliche Heimatstadt aller hochbezahlten und weltberühmten Sterne des Tonfilms. Hier waren sie unter sich, hier durften sie für sündteures Geld zwischen maurischen Säulengängen, sorasam gepflegten Gärten. Springbrunnen und künstlichen Felsen wandeln. Jeder dieser kleinen Paläste war ein Königreich für sich und die feierliche Stille, die von den Palmen und Blumengärten auf die weißen Kieswege herüberwehte, trug dazu bei, um ihre Bewohner mit dem Nimbus der Unnapbarkeit zu umgehen. Und all das soll jetzt ein Ende nehmen, wie der ganze Riesenbetrieb der Filmmetropole Hollywood, dem man ein baldiges Sterben prophezeit. Die prunkvollen Landhäuser und Schlösser der Filmsterne sind seit Monaten entvölkert. Die herrlichen Parks verwildern, seitdem die Schar der Gärtner fehlt, die sie heaten und pflegten. Es waren ja nur einfache Gärtner gewesen, aber auch sie kamen täglich in ihren eigenen Antos vorgefahren, die nicht von schlechten Eltern waren... Eine dicke Staubschicht lieat über den Räumen, die einst der Schauplatz rauschender Feste gewesen waren. Jetzt ist die grausame Ernüchterung da, der Filmrummel von Hollywood geht allmählich zu Ende. Der größte Teil der Häuser und Besitzungen in Beverly Hills ist zu verkaufen. Die Stars der sprechenden Leinwand, unter ihnen auch einige der berühmtesten, sind in Hollywooder Hotels übersiedelt, wo sie sich oft mit einem einzigen bescheidenen Zimmer begnügen. Aber auch Hollywoods Tage als Filmstadt sind gezählt. Der Betrieb ist den großen Gesellschaften und Filmerzeugern zu teuer, man will ihn nach und nach in die Nähe von Neuyork oder sogar nach Neuyork selbst verlegen, weil man damit riesige Summen zu sparen hofft. Der ewig blaue Himmel und die unentwegt strahlende Sonne Hollywoods sind kein unentbehrliches Requisit mehr, seitdem man den Tonfilm in hermetisch abgeschlossenen Aufnahmeräumen dreht. Im Notfall kann auch der sonnenbeschienene Meeresstrand als Ersatz dienen, den man in Florida ebenso aut finden kann. Und Florida liegt um vieles näher als Hollywood. Kein Zweifel: die größte Filmstadt der Welt scheint zum Sterben verurteilt. Der Fall von Beverly Hills ist ein sprechendes Zeugnis dafür.... Todesurteil in Braunschweig. Das Braunschweiger Sondergericht verurteilte nach mehrstündiger Verhandlung den Arbeiter Heinrich Wolf zum Tode, den Arbeiter Erich Hagemann wegen Landfriedensbruchs zu sechs Jahren Zuchtshaus und drei weitere Angeklaate zu je fünf Jahren Gefängnis. Der zum Tode verurteilte Wolf hatte im Februar 1933 mit der Waffe in der Hand an einem Ueberfall auf SA.=Männer teilgenommen, die anderen sich ebenfalls daran beteiligt. Kommunistische Untat. Wie der„NS.=Kurier“ berichtet, wurde der Hitler=Junge Marquardt aus StuttgartWangen auf dem Nachhausewege von rückwärts von einem Komunisten überfallen. Mit dem Ruse: „Das ist die Rache für van der Lubbe!“ versetzte der Verbrecher dem Hitler=Jungen einen derartigen Stoß in die Nierengegend, daß der Junge zusammenbrach und bewußtlos liegen blieb. Er mußte sofort in ärztliche Behandlung gebracht werden. Tag der Deutschen Kunst. Der Entwurf für Münchens Festgewand am Tage der Deutschen Kunst, dem 15. Oktober. Oben die geplante Festtrioune am Platz der Grundsteinlegung für das neue Haus der Deutschen Kunst. Unten Blick vom Karolinenplatz auf den Königsplatz in der Nähe des Braunen Hanses. Angedeutet sind das SS.=Spalier und die historischen Fahnen. Ein gründlicher Selbstmörder. Ein 40jähriger lediger Mann aus einem Vorort von Luxemburg hat auf entsetzliche Weise seinem Leben ein Ende bereitet. Nachdem er vorher sämtliche Räume seines Hauses mit Benzin übergossen und Feuer angelegt hatte, steckte der Mann sich eine Sprengkapsel in den Mund und brachte sie zur Entzündung., Die verstümmelte Leiche des Lebensmüden wurde später unter den Trümmern des abgebrannten Hauses gefunden. In einem vorher an die Polizei gesandten Brief hatte der Mann mitgeteilt, daß er den Tod seines kürzlich verstorbenen Vaters nicht überleben wolle. Sein Vermögen hinterlasse er dem Kinderwerk der luxemburgischen Waisen. Chinesischer Dampfer gesunken. Nach einer Meldung aus Tschifu sank in der Nacht zum 7. Oktober der chinesische Dampfer „Tischan“ in der Nähe von Tschifu, wobei 28 Personen ertranken. Nur 11 Personen konn= ten gerettet werden. Eigenartiger Unfall während einer Grenzlandkundgebung in Lörrach. Lörrach. Während einer gestern hier veranstalteten großartigen Grenzlandkundgebung ereignete sich ein eigenartiger Unfall. Beim Durchmarsch des großen Festzuges wurden beim Hansahaus die mit Wellblech provisorisch abgedeckten Dachhauben des ausgebrannten Hansahauses durch einen plötzlich einsetzenden Windstoß emporgehoben und die Wellbleche, sowie einige halbverkohlte Sparren und Mauerwerk stürzten auf die Straße, wo eine dichtgestaute Menge den vorbeiziehenden Festzug ansah. Dabei wurden acht Personen verletzt, die ins Krankenhaus geschafft werden mußten. Vier der Verletzten konnten nach Anlegung von Notverbänden entlassen werden, während die übrigen vier in Krankenhausbehandlung verbleiben müssen. Zwei von ihnen haben Verletzungen besonders schwerer Art. Die Durchführung des Festzuges erfuhr durch den eigenartigen Unfall keine Unterbrechung. Der preußische Justizminister hat angeordnet, daß künftig alle Beamten seiner Verwaltung, auch die in Uniform, sich des deutschen Grußes zu bedienen haben, ohne Rücksicht darauf, ob sie Kopfbedeckung tragen oder nicht. Der Reichspräsident hat die Schirmherrschaft über die Werbeveranstaltung des Reichsstandes des deutschen Handwerks vom 15. bis 21. Oktober übernommen. Am Sonntag wurde in Jastrow(Grenzmark) das erste Hitler=Denkmal der Grenzmark Posen=Westpreußen unter großer Beteiligung der Bevölkerung feierlich geweiht. Die in Stettin erscheinende„Pommersche Tagespost“ ist mit sofortiger Wirkung bis zum 6. November einschl. verboten worden. Tsymurtasch, der einst nächst dem Schah der mächtigste Mann Persiens war, ist plötzlich in seinem Gefängnis in Teheran an einem Herzschlag gestorben. „Schwimmende Insel wieder unter Dampf. Flugstützpunkt„Westfalen" nach dem Atlantik ausgelaufen. Nachdem das der Deutschen Lufthansa gehörige, als Flugstützpunkt umgebaute Schiff „Westfalen“ vom Mai bis September die ihr bestimmten Aufgaben als schwimmende Station im Atlantischen Ozean zur Zufriedenheit durchgeführt hat, kehrte es vor einigen Wochen nach Deutschland zuwück. Einige technische Vervollkommnungen wurden durchgeführt, und nunmehr hat die„Westfalen“ zum zweiten Male ihre Ausreise angetreten. Der Weg des Schiffes führt über Cadiz, Las Palmas und Bathurst an der afvikanischen Westküste an die ihm bestimmte Stelle im Atlantischen Ozean, wo es erneut Station machen wird. Mit zäher Energie und gewissenhafter Gründlichkeit arbeitet die Deutsche Lufthansa an der Löschung höchst bedeutsamer Aufgaben, die für den internationalen Uebersee=Flugverkehr allergrößte Wichtigkeit haben werden. An den Versuchen, die im Sommer dieses Jahres im Atlantik stattgefunden haben, waren die beiden Dornier=Flugboote„Monsun“ und„Passat“ beteiligt; jetzt sollen außerdem noch ein dritter Dornier=Wal, der„Taifun“(welcher der befreundeten brasilianischen Condor=Gesellschaft gehört) sowie zwei Flugboote der Lufthansa beteiligt werden. Die große Idee, um deren Verwirklichung mit Hilfe der„schwimmenden Insel" gerungen wird, bedeutet nicht mehr und nicht weniger als die Schaffung eines sicheren und reibungslosen funktionierenden Flug= wesens über den Ozean zwischen Afrika und Südamerika. Eine Strecke von 3200 km ist zu überwinden. Zwei Möglichkeiten für diesen so überaus wichtigen Postluftverkehr zwischen zwei Erdteilen werden zur Zeit erprobt: Einmal ein Pendelverkehr; das von der afrikanischen Küste abfliegende Flugboot landet auf der„Westfalen“ und gibt eine Sendung dann einem anderen Flugzeug weiter, das die Strecke vom Stützpunkt der „Westfalen" bis nach Pernambuco zu fliegen hätte; die andere Möglichkeit besteht darin, daß das betreffende Flugboot auf der schwimmenden Station nur kurz landet und danach sosort weiterfliegt, damit also die gesamte Strecke zu erledigen hätte. Ganz Deutschland darf diese Versuche mit Stolz und Anteilnahme verfolgen, die— woran kaum zu zweiseln i't— einen neuen Beweis für den hohen Stand fliegerischen Könnens unserer Verkehrsluftfahrt erbringen werden. Die„Wunderliste“. Origineller Betrug mit chemisch präparierten Bahnpaketen. Wenn der 21fährige Hilfsarbeiter Franz Lebinger nicht gestern als gewöhnlicher Schwindler verhaltet worden wäre, so hätte man ihn vielleicht als Zukunftsgenie bezeichnen können. Denn die ser funge Mann hal eine Methode erfunden, um das Giemicht von Postsendungen unterwegs nach Belieben zu„reaulieren“. Ein Paket, das bei der Aufgabe 50 Kilo schwer war, wog nach der Ankunft kaum noch die Hälfte. Daß Franz Lebinger aber dieses Zauberkunnstück nicht etwa aus Liebhaberei, sondern zum Schaden zweier Versicherungsgesellschaften vollführte, hat ihm letzten Endes die Freiheit gekostet. Vor einigen Wochen hale Lebinger bei einem Wiener Bahnpostamt ein 50 Kilogramm schweres Paket aufgegeben, das er auf 1500 Schilling versichern ließ. Einige Tage später erschien er im Postamt und erklärte, er müsse sich das Paket wieder zurückschicken lassen, da es unbestellbar sei. Das Paket kam zurück, wurde neuerlich abgewogen und siehe da— aus dem 50 Kilogramm Gewicht waren knappe dreißig geworden! Lebinger schrie Zeter und Mordio. Das Paket habe seine ganzen Habseligkeiten enthalten und sei sicherlich unterwegs beraubt worden. Der Versicherungsgesellschaft blieb nichts übrig, als einen entsprechenden Anteil der Versicherungssumme auszuhalten. Einige Zeit später wiederholte er dasselbe Manöver bei einem anderen Postamt. Das Paket wurde nach Salzburg abgesandt und kam um die Hälfte erleichtert wieder zurück. Natürlich machte er wieder Eesatzansprüche geltend. Aber diesmal schöpfte die Versicherungsgesellschaft doch Verdacht und ein findiger Polizeichemiker konnte auch bald eine Erklärung für die wunderbare Abmagerungskur des Pakets liefern. Lebinger hatte in beiden Fällen alte Kleider in eine Holzkiste gepackt und außerdem in der Kiste einen Behälter untergebracht, der so geschickt gemacht war, daß man selbst bei der Oeffnung des Pakets keinen Verdacht schöpfen konnte. Und dieser Behälter war bei der Aufgabe mit einer von Lebinger erfundenen chemischen Sustanz gefüllt, die sich in wenigen Tagen spurlos verflüchtigte. Natürlich kam das Paket dann entsprechend erleichtert zurück und Lebinger konnte die Versicherung für das verschwundene Gewicht kassieren. Jetzt sitzt das„Erfindergenie“ Lebinger hinter Schloß und Riegel. Vermutlich denkt er darüber nach, wie er sich selbst aus dem Untersuchungsgefängnis verflüchtigen könnte. Er brauchte Patienten... Der Bauerndoktor von Tyrnau. Vor etwa zwei Jahren erschien in der Gegend von Tyrnau in der Tschechoslowakei ein gewisser Wladimir Rezil und ließ sich dort als praktischer Arzt nieder. Unter seinen ersten Patienten befand sich eine ältere Bäuerin, die schon seit langer Zeit krank gewesen war und ohne Erfolg von Arzt zu Arzt gegangen war. Dem neuen Arzt Wladimir Rezil gelang nach langer und sorgfältiger Behandlung, die mit allem möglichen geheimnisvollen Hokuspokus verbunden war, die fast völlige Heilung der schon ganz mutlos gewordenen Patientin. Kein Wunder, daß sich der Fall rasch herumsprach in der ganzen Gegend und daß mehr und mehr die Kranken der umliegenden Ortschaften zu dem neuen Wunderdoktor gelauken kamen. Jeder Patient wurde von dem Arzt einer langen und genauen Untersuchung unterworfen und dann der Behandlung zugeführt, die natürlich von Fall zu Fall verschieden war, bei der es aber stets an Geisterbeschwörungen und Gesundbeterei nicht mangelte. Nicht nur die Geister der Luft wurden um Hilfe angerufen, sondern die Kobolde der Hölle beschworen, Kräuter aller Art mußten sich die Patienten besorgen und selbst kochen, und häufig genug verschrieb der Arzt auch Katzenfelle, die sich die Kranken um das kranke Organ legen sollten, angeblich, um dadurch den Teufel auszutreiben. Im übrigen verlangte der Doktor für seine Ordination nicht unbedingt Geld, sondern gab sich je nach den Umständen auch mit Naturallieserungen, mit Hühnern, Butter und Eiern oder einem Sack Mehl zufrieden. Die Bauern der Gegend waren zufrieden. Nicht aber die Kollegen des Wladimir Rezil, deren Sprechzimmer allmählich völlig verödet dalagen. Sie liefen daher zur Polizei und klagten den Rezil als Kurpfuscher an. Als ein Polizeibeamter jedoch zur Verhaftung schreiten wollte, wies ihm dieser sein Arztdiplom vor, das in der Tat in keiner Weise zu beanstanden war. Dem Beamten hat der Arzt Rezil dann auch ganz klaren Wein eingeschenkt, indem er ihm erklärte, daß er den ganzen Hokuspokus jeweils nur aus kluger Berechnung betreibe, denn die ganze Welt wisse ja um das Vorurteil der Bauern gegen gewöhnliche Aerzte, daß er aber im übrigen genau so ordiniere, wie es der bekannteste Professor an der Universität Prag auch nicht anders tun könnte. Flugzeugbauer Blériot wird Italiener. Der Entschluß eines Verbitterten. Herr Louis Blériot, der weltbekannte franzosische Flleger und Flugzeugindustrielle, der als erster im Jahre 1909 seinen epochalen Flug über den Aermelkanal durchgeführt hat, beabsichtigt, sein Tätigkeitsfeld als Fluazengkonstrukteur endgültig nach Ita lien zu verlegen. Wie bereits vor einigen Wochen bekannt geworden ist, ist Blériot mangels Subvention durch den französischen Staat gezwungen gewesen, seine Werke zu schließen und sein Unternehmen zu liquidieren. In einem Artikel, den er dieser Tage in dem neuen Pariser Boulevardblatt„Ce Jour“ unter dem Titel„Im Dienste der Fliegerel" veröffentlicht hat, weist Blériot mit Stolz und einer gewissen persönlichen Genugtnung darauf hin, daß er breißig Jahre lang führend an der Entwicklung der Fliegerei beteiligt gewesen ist. Seine letzte Leistung sei der Entwursund die Konstruktion der Maschine gewesen, in der erst vor wenigen Wochen von den beiden französischen Piloten Codos und Rossi der Langstrecken=Weltrekord aufgestellt worden ist. In dem gleichen Artikel nimmt er Bezug auf seinen kürzlichen Besuch in Italien und stellt ausdrücklich fest, daß der von ihm hochverehrte Marschall Balbo ihn eingeladen habe, so bald wie möglich nach Rom zu kommen, um mit ihm verschiedene wichtige und entscheidende Probleme der Fliegerei zu besprechen. Wie Blériot schreibt, hat er die feste Absicht, diese Einladung anzunehmen, und schließt seinen Artikel mit nachstehenden Worten: „Nicht ohne eine gewisse Bitterkeit habe ich in Italien erfahren müssen, daß man mir dort die Sympathie entgegenbringt, die mir meine eigene Heimat vorenthalten hat. In Italien hat man sich auch sofort bereit erklärt, mir in jeder Beziehung zu helfen und meine Bemühungen weitestgehend zu unterstützen. Wie oft bin ich dagegen in Frankreich genötigt gewesen, große Projekte und Pläne fallen zu lassen, nur deshalb, weil man nicht einmal das nötige Verständnis dafür aufgebracht hat. Mit überheblicher Kritik allein sind große Dinge noch nie geschaffen oder vorwärtsgebracht worden.“ HANDEL UND JNDUSTRIE Dollar weiter ansteigend. Berliner Börse. Anfangsstimmungsbild von heute. Berlin, 9. Oktober. Der heutige Frühverkehr lag wieder ruhig, aber nicht unfreundlich. Es fehlte an neuen Anregungen. Geschäfte konnten sich zunächst nicht entwickeln und auch Kurstaxen waren noch nicht zu hören. Im internationalen Devisenverkehr machte die Erholung des Dollars weitere ortschritte. Nachdem er gegen das englische fund Anfangs mit 4,68¾ zur Notiz gekommen war, wurde er später mit 4,66¼ genannt. Dabei ist zu berücksichtigen, daß auch das Pfund etwas gebessert ist, und zwar nannte man es aus Amsterdamm mit 70, 69½, Zürich 60,06½, nach anfänglich 16,03½. Zur Befestigung dieser beiden wichtigen Valuten mögen auch die Besprechungen im Verwaltungsrat der BJZ. über die Stabilisierung dieser Währungen beigetragen haben, in denen über die Möglichkeiten einer solchen gesprochen wurde. Die Golddevisen zeigten verhältnismäßig geringe Veränderungen während die nordischen Valuten die Pfundbewegung in gewohnter Weise mitmachen. Die Reichsmark notierte unverändert. Das Hauptinteresse der heutigen Börse konzentrierte sich auf den festverzinslichen Markt. Die Zustimmung der BJZ. zur Aenderung des deutschen Reichsgesetzes regte an und ließ die Umsatztätigkeit in diesen Werten weiter zunehmen. Reichsschuldbuchforderungen zogen hierbei auf 85¾ bis ½ an. Die Neubesitzanleihe lag ca. 11½ und die Altbesitzanleihe, für die bekanntlich heute Ziehungstermin ist, wurde im Freiverkehr mit 77 Geld genannt. Aktien lagen demgegenüber vernachlässigt und teilweise sogar leicht angeboten. Es überwogen Kursabbröckelungen um Bruchteile eines Prozents, doch wird die Umsatztätigkeit wieder äußerst gering. Auch eine gemeldete stärkere Befestigung des Dollars und eine weitere Erleichterung am Geldmarkt (Tagesgeld war vereinzelt schon mit 4¼ Prozent erhältlich) konnten hieran nichts ändern. Mit besonderen Abweichungen zur letzten Notiz sind Schultheiß mit plus 2½ Prozent, Feldmühle mit plus 1½ Prozent, Dortmunder Union mit minus 2 Prozent und BMW. und Dessauer Gas mit je 1½ Prozent minus zu erwähnen. Im Verlaufe änderte sich an der eingangs geschilderten Gesamtsituation nichts. Aktien lagen weiter sehr ruhig und drängten eher freundlicher. * Elektrolykupfer wurde heute mittag mit 50,1 notiert. Dividenden. Maschinen= und Kranban=AG., Düsseldorf. Keine Dividende. Kabelwerk Rheydt AG., Rheydt. 8 Prozent Dividende auf Stammaktien, Vorzugsaktien 6 Prozent. im Vorjahr 5 Prozent Dividende. Bericht über die Börsenwoche. Die Vereinigung der freien Maklerschaft und das im Verlaufe dieser Aktion eingetretene Ausscheiden von 160 Maklern blieb an der Berliner Börse nicht ohne Rückwirkungen. Personen, die glaubten, mit einem Ausscheiden rechnen zu müssen, schritten zu Realisationen und Glattstellungen, die zum Teil recht erheblich auf das Kursniveau drückten. Doch sind die einaetretenen Verluste der einzelnen Papiere auf die immer noch vorhandene Marktenge zurückzuführen.— Bemerkenswert war demgegenüber das Aufwärtsstreben festverzinslicher Anlagewerte. Dies hängt zusammen einmal mit der einaetretenen Beruhigung der Wirtschaft, daneben war aber auch zu beobachten, daß vielfach Tauschoperationen vom Aktienmarkt zu den festverzinslichen Werten vorgenommen wurden, wobei naturaemäß eine Schwächung der Aktienwerte nicht ausbleiben konnte. Von der guten Verfassung der Börse zeugt es jedoch, daß diese Abschwächungen sich in durchaus normalem Rahmen hielten. Größere Kursrückgänge waren lediglich bei Siemens mit 10½ Prozent zu verzeichnen. Zurückzuführen ist dies auf bedentende Interessenkäufe, die hier getätigt worden waren, mit deren Aufhören die mitgegangene Kulisse zu stärkeren Glattstellungen schritt. Die stürmische Aufwärtsbewegung am Markt der festverzinslichen Papiere, die nach den bekannten Regierungsmaßnahmen einsetzte, ist einer ruhigeren Entwicklung gewichen. Am Geldmarkt ließ die zum Ultimo eingetretene Versteifung auf 5 Prozent und darüber nach dessen Ueberwindung nur zögernd nach. Japan— die Gefahr für die Weltwirtschaft. Inflationskonjunktur und Exportdumping. Aehnlich wie Amerika und England betreibt auch Javan eine Inflationspolitik. die sich zu einer man kann sagen, wirtschaftlichen Gefahr für die europäischen Länder und die USA. auszuwirken beginnt. Abgesehen von der gesunkenen Valuta, sind für den billigen Herstellungspreis der javanischen Waren die kollossal niedrigen Lohnsätze entscheidend Unter rücksichtsloser Ausnutzung dieser Vorteile ist die savanische Erportindustrie aan'nstematisch auf fast alle überseeischen Märkter ausgedehnt worden und wird ständig weiter vorgetrieben. Für die euroväische und amerikanische Wirtschaft bildet dieses japanische Valutadumving eine um so größere Gefahr, als die Ervortindustrien, insbesondere aber die Tertilindustrie, trotz der Dumvinapreise, die durchweg ganz erheblich unter den Welthandelspreisen liegen, noch mit Gewinnen abschließen kann. Es wird später nach Ueberwindung der Weltkrise für die euroväischen Industrieländer sehr schwieria sein, den japanischen Konkurrenzvorsprung wieder aufzuholen. In welcher glänzenden Lage die fapanische Industrie zur Zeit ist, geht aus einer Aufstellung hervor, die 156 in Aktienform betriebene große Konzerne, mit einem Aktienkopital von 270 Mill. Yen umfaßt. In der ersten Hälfte dieses Jahres konnten diese Konzerne einen Reingewinn von 116 Mill. Den herauswirtschaften, was einem burchschnittlichen Jahresgewinn von 8,7 Prozent entsprechen würde. Welche Ausdehnung der japanische Export seit Jahren genommen hat, ist am besten aus einem Vergleich mit Vorjahreszahlen ersichtlich. Nach einer Veröffentlichung des japanischen Finanzministeriums beziffert sich die Ausfuhr im Monat September auf 181,7 Mill.(im gleichen Monat des Vorjahres auf 140,7 Mill.); die Einfuhr auf 1354 Mill,(gegenüber 95,7 Mill. im Vorjahr). Es ergibt sich also ein Ausfuhrüberschuß von 46,3 Mill. Altenessener Schweinemarkt. Essen, 7. Oktober. Auftrieb: 1744 Stück. Es kosteten im Großhandel(Ferkel Durchschnittsgewicht): Ferkel unter 6 Wochen 7 RM.; 6 bis 8 Wochen alte 7—11 RM.; 8 bis 12 Wochen alte 11 bis 16 RM.; Läuferschweine: 3 bis 4 Monate alte 16—25 RM.; 3 bis 6 Monate alte 25 bis 40 RM.; größere entsprechend höher. Marktverlauf: mittel. Sie müssen wissen: Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Darré, hat den Reichskommissar z. b. V. bei der deutschen Getreidegesellschaft möß. und der Getreideindustrie= und Kommissions=AG. Daßler, MdR., mit Wirkung vom 1. Oktober 1933 zu seinem Beauftragten bei der Reichsstelle für Getreide, Futtermittel und sonstige landwirschaftliche Erzeugnisse— Geschäftsabteilung— ernannt. Der Gesamtabsatz des rhein.=westf. Kohlensyndikats hat sich im Monat September gegenüber dem Vormonat behauptet. Arbeitstäglich ist sogar eine kleine Steigerung von 166 000 Tonnen auf 170000 Tonnen zu verzeichnen(im Vorjahr 159 000 Tonnen). Nach der amtlichen Schätzung der Hackfruchternte wird voraussichtlich mit einem Ertrag von rund 40,61 Mill. Tonnen Spätkartoffeln zu rechnen sein. Der Schiedsrichter der Transatlantik=Passagiere=Linien, Emil Lederer, hat dem Norddeutschen Lloyd 113000 Dollar Buße und der Hapag 69000 Dollar auferleat wegen Annahme von Registermark bei der Fahrscheineinzahlung im letzten Sommer. Die Buße wird auf ungefähr 4000 Fälle solcher Einzahlungen veranlagt. Erste Berliner Effekten von heute. Zwei Innsbrucker tödlich abgestürzt. Bei dem Versuch, die Auckenthaler Wand in dem Grubreißenturm der Innsbrucker Nordkette zu durchklettern, sind am Sonntag nachmittag die beiden Brüder Benne und Hermann Leubner aus Innsbruck ungefähr 150 Meter tief abgestürzt und tot liegen geblieben. 22 Tote bei einer indischen Hochzeit. Bei einer Hochzeitsfeier in dem Dorfe Modi im Bezirk von Amritsar(Indien) kam es zu einem blutigen Streite, der nicht weniger als 22 Todesopfer forderte, darunter den Vater des Bräutigams. Eine polizeiliche Untersuchung ist im Gange. ERFOLG UMSATZ GEWINN wo dies groß geschrieben wird. Ist man auch von der Werbekraft der ZeitungsAnzelge überzeugt. Statt jeder besonderen Anzeige. Nach Gottes heiligem Willen entschlief heute mittag nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden mein herzensguter Mann, unser treuer Vater, Schwiegervater und Großvater, unser lieber Schwager und Onkel Betriebsführer i. R. Wilhelm Korthaus im Alter von 69 Jahren. In tiefer Trauer: Frau Emma Korthaus, geb. Brämer Studienrat Gustav Korthaus u. Frau Lilly geb. Große-Munkenbeck Emmy Korthaus Elfriede Korthaus und 2 Enkelkinder. Hammerthal bei Blankenstein-Ruhr, Hamm i. W., Eppendorf, Hattingen u. Gelsenkirchen, den 7. Okt. 1933. Die Beerdigung findet am 11. Okt., nachmittags 4½ Uhr vom Trauerhause aus statt. Trauerfeier eine halbe Stunde vorher. Von Beileidsbesuchen bitten wir Abstand zu nehmen. Weinet nicht an meinem Grabe, Gönnet mir die ew’ge Ruh', Denkt, was ich gelitten habe, Eh' ich schloß die Augen zu. Gott dem Allmächtigen hat es in seinem unerforschlichen Ratschlusse getallen, heute mittag gegen 1 Uhr meinen lieben Mann, unsern herzensguten Vater, Schwiegervater, meinen guten Sohn, ruder, Schwager und Onkel Gustav Gerewitz im Alter von 56 Jahren, nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden zu sich in die Ewigkeit abzuruten. In tieter Trauer: Witwe Friederike Gerewitz Frieda Sude Luise Sude und Anverwandte. Hattingen, den 7. Oktober 1933. Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 10. Oktober, nachmittags 3½ Uhr von der Leichenhalle des ev. Krankenhauses aus statt. Trauerfeier daselbst eine halbe Stunde vorher. Nachruf. Am Samstag morgen verschied nach langem, schwerem Leiden unser Vereinswirt Herr Emil Kremer im Alter von 64 Jahren. Der Verstorbene war uns ständig ein treuer Führer und Berater. Bis zur letzten Stunde war ihm das Wohl unseres Vereins ans Herz gewachsen. Trotz seines schweren Leidens frischte ihn die Stimme eines Liedes wieder auf. Unermüdlich war er tätig für den Aufbau unseres Vereins. Darum sind nach seinem Ableben für uns die Worte zu beherzigen„Er starb für uns noch viel zu früh, wer ihn gekannt vergißt ihn nie“. Wir werden dem Verstorbenen auch über das Grab hinaus ein ehrendes Andenken bewahren. Quartettverein Frohsinn, Nierenhof. Zur Teilnahme an der Beerdigung versammeln sich die Mitglieder am Dienstag, dem 10. Okt., nachm. 2.45 Uhr im Restaurant Bachmann. Kleinrentner und Hilfsbedürftige von Steele die nicht durch Arbeitsamt od. Wohlfahrtsamt erfaßt werden, wollen sich zur Eingliederung in das Winterhilfswerk im Büro der NS=Volkswohlfahrt Steele, Bachstr. 49. melden. Zwangs=Versteigerung Am Dienstag, dem 10. d. M., 10 Uhr. versteigere ich in OberElfringhausen, an Ort und Stelle(Sammelpunkt der Käufer Wirtsch. v. Scheven): 1 Dipl.=Schreibtisch. 1 Gasberd, 1Bücherschrank, 1Sland= uhr. 1 Klavier. 1 Tisch. 6 Lederstühle, 1 Plüschsofa, 1 Standsplegel, am Mittwoch, dem 11. ds. Mts., 10 Uhr. in Welper. Versteigerungslokal Diergardt: 1 Schreibtisch. 1 Püsett, 1 Kredent. 1 Ausziedtisch, 1 Einsatzosen, 1 Chaiselongne nil Deche. 1 Standudr öffentl. meistb. geg. bar Schnettler. O.=Gerichtspollz. theater BOCHUM Montaa. 9. Oktbr., 20—22.15 Uhr. „Deutsche Bühne", Serie B: Die große Chance Dienstag. 10. Oktbr., 20—23 Uhr B 3 Die Regimentstochter Komische Oper von Donizeiti. Hierauf: Die Rürnberger Komische Oper von Adam. Theoretische Fachausbildung vermittelt die Landwirtschaftsschule Hattingen=Ruhr Beginn des Unterrichts am 3. Nov. 1933. Anmeldungrn schriftlich oder mündlich nimmt entgegen der Direktor Gennit. Hattingen=Ruhr, Am Beul 13. Tel. 2336. Oeffentliche Mahnung. Diejenigen Arbeitgeber und Selbstzahler(freiwillig Weiterversicherte), die mit der Zahlung der bis zum 8. ds. Mts. fällig gewordenen Beiträge zur Kranken= u. Arbeitslosenversicherung sowie der Abgabe zur Arbeitslosenhilfe im Rückstande sind, werden hierdurch aufgefordert, die Rückstände binnen 3 Tagen an die unterzeichnete Kasse portound kostenfrei zu entrichten. Vom folgenden Tage ab werden die Rückstände im Wege der Pfändung kostenpflichtig eingezogen. Für die in Verzug geratenen Beträge werden Verzugszinsen in Höhe der in Hattingen üblichen Bankzinsen für Leihgelder berechnet. Hattingen, den 9. Oktober 1933. Allgemeine Ortskrankenkasse für den früheren Kreis Hattingen zu Hattingen=Ruhr. Der Vollstreckungsbeamte. Sitzung der Gemeindevertretung N.-Sprockhövel am Dienstag, dem 10. Oktober 1933, nachm. 5¼ Uhr, in der Turnhalle hiers. Tagesordnung: 1. Einführung der von der Staatsaufsichtsbehörde berufenen Mitglieder der Gemeindevertretung, nämlich des Drehers Wilhelm Vorberg und des Kaufmanns August Nieland. Beschlußfassung über die Erhebung der Bürgersteuer für das Kalenderjahr 1934. Niedersprockhövel, den 6. Oktober 1933. Der k. Gemeindevorsteher: Muthmann. Aenderung des Gebührentarifs für die Benutzung der Schlacht=u=Viehhöfe der Stadt Essen vom 17. 7. 1931. Mit Wirkung vom 1. Oktober 1933 ab werden für die Schlachthöfe, den Schlachtviehmarkt und den Fleischgroßmarkt folgende Einheitsgebühren erhoben: 1. Einheitsgebühr für die Schlachthöfe (umfassend die Schlachtgebühr, Untersuchungsgebühr und Trichinenschaugebühr, sowie die Wiegegebühr für die erste und einmalige Verwiegung unmittelbar nach der Schlachtung): a) für 1 Stück Rindvieh über 400 kg Lebendgewicht 9,00 RM. b) für 1 Stück Rindvieh von 301—400 kg Lebendgewicht 7.20 RM. c) für 1 Stück Rindvieh von 151-300 kg Lebendgewicht 4.50 RM. d) für 1 Jungrind od. Kalb von 101-150 kg Lebendgewicht 3,15 RM. e) für1 Kalb bis 100kg Lebendgew. od. für 1 Schaf od. 1 Ziege 1.55 RM. *) für 1 Schwein über 150 kg Lebendgewicht 5.45 RM. g) für 1 Schwein von 76—150 kg Lebendgewicht 3.90 RM. h) für 1 Schwein von 26—75 kg Lebendgewicht 3.00 RM. ) für 1 Spanferkel bis 25kg Ldgew. 1.55 RM. k) für 1 Heidschnucke od. Lamm 0.90 RM. 1) für 1 Pferd oder Maultier 7.65 RM. m) für 1 Fohlen oder Esel 5,00 RM. 2. Einheitsgebühr für den Schlachtviehmarkt(umfassend die Auftriebs= und Wiegegebühr): a) für 1 Stck. Rindv. üb. 300kg Ldg. 2.45 RM. d) für 1 Jungrind bis 300 kg Ldg. 2.00 RM. c) für 1 Schwein....... 0.80 RM. 6) für 1 Kalb. 0.65 RM. e) für 1 Schaf oder 1 Ziege.. 0.50 RM. t) für 1 Heidschnucke...... 0.35 RM. g) für 1 Lamm oder 1 Spanferkel 0.25 RM. 3. Einheitsgebühr für den Fleischgroßmarkt: Die Hallen= u. Verkaufsgebühren für Frischfleisch betragen a) für Frischfleisch aus Essener Schlachtungen.... 0.005 RM. je kg b) für Frischfleisch aus auswärtigen Schlachtungen.... 0.02 RM. je kg c) für Fleisch= und Fettwaren. sowie für Speck u. Eingew. RM. 0,02 je kg Die Gebühren für einen Tischstand von monatlich 50.— RM. sowie die Gebühr für die Benutzung einer Waage von monatlich 8.RM bleiben bestehen. Essen, 7. 10 1933. Der Oberbürgerneister. ArtillerieVerein Hattingen Städtisches Orchester, Bochum Leitung: Professor Leopold Reichwein. Der berühmte Gelger Professor Georg Kulenkampit spielt im zweiten Symphonie- Konzert Donnerstag, dem 12. Okt., abends 8 Uhr im Stadttheater das Violin-Konzert in d-dur v. W.A. Mozart und eine Romanze mit Orchesterbegleitung von L. van Beethoven. Weiteres Programm; G. Müller: Variationen über „Morgenrot, Morgenrot“— Erstaufführung. L. van Beethoven: Symphonte Nr. 5 In c-moll. Preise: 76 Rpf. bie 4.- RM. Tageskarten sind an der Konzertkasse im Stadttheater und in den bekannten Vorverkaufsstellen zu haben. Kartenausgabe für Mitglieder der Deutschen Bühne, Kortumstr. 16. Schülerkarten nur an der Konzertkasse. Dauer kerten für die Symphonie- und Chor-Konzerte zum Preise von 6,- bis 27, RM.— ca. 50% niedriger als die Tagespreise— stehen noch an der Konzertkasse zur Verfügung. Telefonische Bestellungen unter Nr. 68651. Zur Teilnahme an der Beerdigung unseres verstorbenen Kameraden Gust. Gerewitz treten die Kameraden am Dienstag, dem 10. Oktober, nachmittags Punkt 3 Uhr an. Vollzähliges Erscheinen ist Ehrenpflicht. Der Führer. Bund Königin Luise Ortsgr. Hattingen Morgen, Dienstag, abends 8 Uhr im Restaurant Böttcher, Bahnhofstraße Pflichtabend. Zwangsversteigerung. Am 10. 10. 33, 15 Uhr. verst. ich in Altendorf. Zusammenkunft beim Wirt Brauksiepe 1 National=Registrier=Kasse, Am 12. 10. 33, 11 Uhr. verst. ich in Herbede, Zusammenk. b. Wirt Frielings: 1 Liegestuhl, 1 Korbgarnitur, 2 Sessel, 1 Rollkasse, 1 Ladentheke, 1 Plüschsofa, um 15 Uhr in Durchholz. Zusammenk. b. Wirt Sonnenschein: 2 Schweine, 1 Sosa, 1 Küchenschrank, 1 Schreibtisch, 1 Bücherschrank, 1 Chaise, 1 Plüschgarnitur, 1 Ausziehtisch, 1 Büsett. öffentlich meistbietend gegen bar. Hattingen, 9. 10. 1933. Hirschfeld, O.=Gerichtsvollz. Nur vom Fachmann Farben u. Lacke Billigste Preise! Beste Qualitäten! Kaufmann, Winz, Hattg. Str. 14-16. 2 gobr. Stutz- Flügel preiswert abzugeben. Verlangen Sie Angebot von Piano- Fabrik Roth& Junlus Hagen I. W. 116 Bahnholstrabe 29. Hochfeines Salon-Piano wenig gebr., geben mit voller Garantie billig ab Pianobans Ed. Hilger GmbH., Essen. im Börsenhans, a. Hauptbdf. EinkellerKartoffeln Industrie(gesunde Ware) hat abzugeb. Landwirt Höhmann, Altendorf=Ruhr. — Korbmöbel— ab Fabrik, Teilzahlung bis 10 Monate.- Franko Lieferg. Katalog gratis Korbmöbelfabrik Böhm, Oberlangenstadt 601 Obfr. Bekanntmachung. In der Strafsache jegen 1. den Brennereibesitzer Thodor Vögelsang aus Niederwenigern, Hombergsegge Nr. 8, geboren am 21. März 1883. daselbst. 2. den Brennereibesitzer Heinrich Vogelsang aus Niederwenigern, Hombergsegge Nr. 8, geboren am 1. Dezember 1888, daselbst, beide z. Zt. im hiesigen Gerichtsgefängnis, wegen Vergehens gegen das Branntweinmonopolgesetz, wird auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft in Essen folgendes veröffentlicht: Die III. große Strafkammer des Landgerichts in Essen hat am 13. Juli 1933 für Recht erkannt: Die Angeklagten werden wegen Branntweinsteuerhinterziehung ein jeder zu einer Geldstrafe von 1758 577,44 RM., ersatzweise für je 10000 RM. zu einem Tag Gefängnis, und ein jeder zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr, ferner gesamtschuldnerisch zu 383 229.60 RM. Wertersatz, ersatzweise für je 20 000 RM. zu einem Tag Gefängnis. kostenpflichtig verurteilt. 2383,8 Liter Branntwein sowie die Brennereigeräte und Vorrichtungen, welche zur Hinterziehung benutzt worden oder bestimmt sind, werden eingezogen. Die öffentliche Bekanntgabe des Urteils auf Kosten der Angeklagten wird angeordnet. Die Untersuchungshaft wird auf die verhängte Gefängnisstrafe angerechnet. Die vorstehende Abschrift der Urteilsformel wird beglaubigt. Das Urtteil ist vollstreckbar. Essen, den 24. August 1933. Restaurant Becker-Kersting Essen-Steele Während der Kirmestage KONZERT ns deuische heim gehöͤrt ein deutscher Teppich! Geim, die Pflegestälie der Jomisie, mil Kulter ond Geschmack zu gestalten, ist gule deulsche Artl Hierbei unseren Kunden zu heisen mit gulem Ral und reicher Auswahl gulet deulicher Teydiche, ist vaser Bestreben! Schröder& Baum Bochum lortumstraße 30, gegenüber der Reichebant Tapeten, Linoleum, Teppiche, X Läufer, Stoffe Fahrräder u. 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