Hattinger Zeutung 85. Jahrgang Bezugspreis: Durch Boten frei Haus halbmonatlich 1,08 Mk., davon 20 Pfg. für Beförderung und Botenlohn. Postbezugspreis monatlich 2.00 Mk., davon 48 Pfg. Postzeitungsgebühr ausschl. Zustellgeld. Erscheint täglich, außer Sonn= u. Feiertags. Anzeigenpreis: Für 1 mm Höhe und 33 mm Breite 10 Pfg. Kleine einspaltige Gelegenheitsinserate nichtgewerblicher Art jede Petit=Zeile 10 Pfg. Für Anzeigen im Textteil 1 mm Höhe und 75 mm Breite 35 Pfg.— Bet Wiederholung Rabatt, der jedoch bei gerichtlicher Beitreibung und im Konkursfalle fortfällt. Annahmeschluß von Inseraten ist abends 7 U für die am nächsten Tage erscheinende Ausgabe. Geschäftostelle: Obermarkt/ Kl. Weilstraße ny. Nr. 2941, 2942, 2943 Anzeiger Postscheckkonto: Dortmund Nr. 11103 Telegramm=Adresse: Kreioblatt Hattingenruhr Verlagsleitung: Rudolf Hundt. Verantwortlich für Politik und Handel: Ernst Dittmer; für den gesamten übrigen Inhalt: Adolf Beineke./ Druck und Verlag: C. Hundt sel. Wwe., Vereinigte Ruhrtal=Zeitungen, Hattingen=Ruhr, Kleine Weilstraße=Obermarkt/ Sprechstunden der Redaktion von 4 bis 6 Uhr nachmittags. Fernsprech=Anschluß: Nr. 2941—2943. Telegramm=Adresse: Kreisblatt Hattingenruhr. Für die Aufbewahrung aller der Redaktion unverlangt eingesandten Manuskripte wird keine Gewähr übernommen. Die Zurücksendung erfolgt nur, wenn Rückporto beigefügt ist. Alle redaktionellen Einsendungen sind stets an den Verlag zu richten. General=Anzeiger für den Ennepe=Ruhrkreis Kreisblatt für den Ennepe-Ruhrkreis Größte u. meistgelesene Zeitung in Stadt und Kreis Mittwoch, den 20. September Jeder Bezieher erhalt laut unseren Bedingungen 300 Mark Unterstützung 1933/ Nr. 220 Frankreich will nicht abrüsten. Heute eine Zwischenkonferenz in London. Prozeß gegen Reichstagsbrandstifter beginnt.— Sitze der NSDAP.-Gauleiter werden Regierungsstädte! Der Führer spricht zum Generalrat der Wirtschaft. Leipzig. Die Juristen des nationalsozialistischen Staates haben den ausgezeichneten altgermanischen Grundsatz, daß der Verbrecher möglichst rasch seine Schuld zu sühnen habe, wieder zur Richtschnur des deutschen Rechtslebens erhoben. Außerdem bekannten sich die neuen Wahrer des Rechtes im Reich zu dem Gedanken, daß Monstreprozesse, wie wir sie im marxistisch=liberalistischen Staate zu Dutzenden erlebten, tunlich zu vermeiden sind. Im Grunde genommen kosteten nämlich die monatelangen Verhandlungen gegen Schieber, jüdischpolitische Geschäftemacher und ungetreue Staatsdiener nur dem Staate Geld. Das Volk hat gar kein Interesse daran, die Schachzüge von großverdienenden Advokaten aus seiner Tasche zu zahlen. Wenn jetzt im Dritten Reich in Leipzig der Prozeß gegen den Reichstagsbrandstifter van der Lubbe begonnen hat, wenn die Presse meldet, daß man sich auf wochenlange Verhandlungen gesaßt machen müsse, dann wird schon rein äußerlich die Bedeutung des Prozesses hervorgehoben. Zunächst einmal ist diese Verhandlung ein Prozeß, der der Vergangenheit gemacht wird. Die Tat der Lubbe, Torgler und bulgarischen Kommunisten sollte am Anfang eines Neuen stehen; in Wirklichkeit aber wurzelten in geistiger Beziehung die Täter und die von ihnen angewandten Methoden zur Durchsetzung ihrer Ziele im glücklicherweise nun vergangenen Denken der liberalistischen Epoche. Das war der große Irrtum, darin licat die riesige Schuld. Ein weiterer Grund, der Verleidigung und der Staatsanwaltschaft in dem Prozeß weitesten Spielraum zu gewähren, war, das irregeführte Ausland von der absoluten Sauberkeit der deutschen Verbandlungs= und Untersuchungsweise, von der peinlichen Akkuratesse der deutschen Erekutivorgane, von der Obsektivität der Reichsregierung und des höchsten deutschen Gerichtshofes in dieser die ganze Nation bis in ihre Grundtiefen aufwühlende Affäre zu überzengen. Der Reichstagsbrand hat für die widerlichste Deutschenbete im Ausland herhalten müssen. Man hat die Führer des deutschen Volkes in der schauerlichsten Weise verdächtigt. Ja, man hat es gewaat, in London eine„ernst gemeinte“ Gerichtskomödie zu inszenieren, um dem Leipziger Gericht „zuvorzukommen“. Nun wird während der Verhandlungen die Wahrheit über eine der furchtbarsten Taten dieses wahrhaftig an Herostratenruhm nicht armen Jahrhunderts ans Tageslicht kommen. Jetzt werden die im Ausland lebenden Hetzer gegen die deutsche Freiheitsregierung, werden die armseligen Provokateure gegen die Unantastbarkeit der deutschen Justiz an den Pranger kommen. Jetzt wird der Welt der Unterschied klar werden zwischen dem, was man ihr seit dem Tag. wo das Volkshaus am Königsplatz in Flammen anfaing, vorgelogen hat. und dem, was wirklich war. Nicht nur der Wallotbau, nein, alle größeren öffentlichen Gebäude und lebenswichtigen Betriebe des Reiches sollten in Flammen aufgehen oder in die Luft gesprengt werden. Die bolschewistische Revolntion sollte von Deutschland Besitz erareifen. Das leninistische Erperiment sollte in einem hochzivilisierten und überwiegend industriellen Staate wiederholt werden. Und glauben die Damen und Herren, die im Ausland auf die kommnnistischmarristisch=jüdische Hetze bereingefallen sind, Alauben diese Leute, daß im Falle eines Gelingens der roten Umsturzpläne ihr Land davon unberührt geblieben wäre? So naiv kann man doch weder in Warschan(!), noch in Paris, noch in Brüssel, noch in London sein. Dieser Monstreprozeß hat seine Berechtigung und seinen tiefen Sinn Motorrad fährt in 6A.-Kolonne. Ein Toter, mehrere Verletzte. Harburg=Wilhelmsburg. Auf der Stadter Straße fuhr gestern abend ein Motorradfahrer in eine in Richtung Harburg marschierende SA.=Kolonne. Sechs SA.=Männer wurden verletzt, davon drei so schwer, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Der SA.=Anwärter Kurt Stuenkel ist seinen Verletzungen erlegen. Der Motorradfahrer, der gleichfalls mit Verletzungen dem Krankenhaus zugeführt wurde, erklärte, daß er nicht wilse, wie das Unglück geschehen sei. Großzügiges Aufbauwerk der Reichsregierung wird vorbereitet. Berlin. Der vom Reichskanzler Adolf Hitler einverufene Generalrat der Wirtschaft trat heute vormittag 10 Uhr zu seiner ersten aroßen Sitzung zusammen. Den Vorsitz führte vormittags der Reichswirtschaftsminister Schmidt, der auch das große Referat über die wirtschaftspolitischen Maßnahmen für die Winterarbeit der Reichsregierung hielt. In die Verhandlungen, die sich über den ganzen Taa erstrecken werden, wird auch der Reichskanzler am späten Nachmittaa persönlich einareisen. Außer den 17 Mitgliedern des Generalrates nehmen an den Verhandlungen teil: Reichsfinanzminister Schwerin=Krosiak. Reichsarbeitsminister Verschärfung der Gegensätze. Der britische Außenminister bricht seinen Besuch beim König ab. London. Durch die unprogrammäßige Rückkehr Edens nach London ist der Schwerpunkt der Vorbesprechungen in der Abrüstungsfrage wieder nach Downingstreet verschoben worben. Daß der heutigen außerordentlichen Sitzung des britischen Kabinetts eine besondere BeDer Aufbau der Nation. Bedeutsame Erklärungen des bayrischen Kultusministers. München. Auf einer Mitgliederversammlung der Bayrenther Ortsgruppe der NEDAP. machte der bayrische Kultusminister Schemm Ausführungen von großer Bedeutung. Er traf die Feststellung, daß nach dem Willen des Führers es künftig in Deutschland keine Länder, keine Landesgrenzen und keine Stammesgrenzen mehr geben soll, sondern daß die Einheit des Reiches in seiner staatlichen Gliederung die 97 Gane ausmachen werden, wodurch also den Städten, worin Ganleitungen ihren Seldte, Reichsverkehrsminister von ElzRübenach, Reichsernährungsminister Darré, Reichspropagandaminister Dr. Goebbels, Reichsjustizminister Gürtner, der preußische Finanzminister Popitz, die Staatssekretäre Lammers, Funk, Feder, Posse und Reinhard, Reichsbankpräsident Dr. Schacht und sein Vertreter Dr. Dreyse, sowie Ministerialdirektor Ritter. Die Verhandlungen sind vertraulich, doch ist zu erwarten, daß in einem amtlichen Kommuniqué die erörterten Hauptfragen der Oeffentlichkeit bekannt gegeben werden. Das Reichskabinett hat gestern die Vorlagen, die heute vom Generalrat der Wirtschaft beraten werden, vorbereitet. Es handelt sich dabei um einen aus verschiedenen finanziellen und wirtschaftlichen Maßnahmen zusammengesetzten Plan, der in seiner Einheit neue Arbeitsmöglichkeiten erschließt und deutung beigemessen wird, ergibt sich auch aus der unerwarteten Herbeitusung Sir ohn Simons aus Balmoral, die insofern von Interesse ist, als der Außenminister sich durch seine Reise zum englischen König ausdrücklich zunächst von der gesamten Diskussion distanzierte. Darüber, daß die Besprechungen zwischen England und Frankreich an einem kritischen Punkt angelangt sind, können auch die beiderseits des Kanals lautwerdenden Pressestimmen nicht hinweatäuschen, die von einem allerdings Zitz haben, künftig die Bedentuna von Reaterungssitzen zukommen wird. Die zweite wichtige Feststellung, die der Minister machte, war die, daß Bayreuth mit der Inangriffnahme des bereits beschlossenen„Hauses derdeutschen Erzlehung“ nicht nur einen in die Jukunft weisenden monumentalen Bau erhalten, sondern daß Bayreuth auch infolge der für diesen Bau benötigten Arbeitskräfte völlig frei von Arbeitslosen sein werde. Von besonderem Interesse war schließlich auch die Mitteilung, daß im baurischen Wald zur Behebung der Arbeitslosigkeit und Not der dortigen Grenzbewohner eine Industrie geplant ist. in dem aus Abfällen des Holzes aus dem waldreichen Gebiet nach dem Bergius=Verfahren Sprit und Zucker für Futterzwecke hergestellt werden sollen. eine Gesundung des Kapitalmarktes, eine oraanische Nrussentung und eine Sanierung der Gemeindefinanzen zum Ziele hat. Gerüchte, die von einer bevorstehenden generellen Steuersenkung sprechen, sind unzutreffend. Wahrscheinlich ist aber mit einem Umbau des Steuersystems zu rechnen. Festnahmen in Harburg. Harburg=Wilhelmsburg. Von der Staatspolizei wurden mit Hilfe der SS. 18 kommunistische Funktionäre festgenommen, die sich, wie festgestellt wurde, in der letzten Zeit rege im staatsfeindlichen Sinne betätigt haben. Weiter wurden bei Durchsuchung mehrerer Wohnungen eine größere Anzahl Seitengewehre, ein Karabiner und eine Pistole gefunden und beschlagnahmt. gedämpften Optimismus aetraaen sind. In der „Times“ heißt es zwar, der Abstand zwischen den Ansichten beider Regierungen sei nicht mehr so groß wie früher, aber das Blatt schränkt seine Auffassung, daß die britische Regierung den französischen Anregungen günstiger gegenüberstehe, durch den Zusatz ein, Frankreich musse sich bereits jetzt fest vervflichten, nach Ablauf einer sestgesetzten Periode effektive Rüstungsverminderungen vorzunehmen. Der wahre Gegensatz zwischen England und Frankreich bleibt also nach wie vor bestehen. England kämpft auch weiterhin um die Anerkennung des Macdonald=Planes, d. b. um das Prinalv der Abrüstung selbst. Frankreich dageaen ist, weniger denn se, geneigt, die ihm durch den Sinn und klaren Wortlaut der Verträge auferleate Pflicht zur effektiven qualitativen Abrüitung zu erfüllen. Dabei wird in Paris auch der Versuch gemacht, die Haltung der amerikanischen Regierung gegen England auszuspielen. Für ein solches Unternehmen bietet aber die Erklärung, die Norman Davis gestern in Paris überreicht hat, offenbar keine wirkliche Grundlage. In ihr wird, im Gegenteil, der bekannte amerikanische Standpunkt erneut dargelegt. wonach ein Abrüstungsabkommen nur durch die Initiative der eurovälschen Staaten herbei geführt werden kann. Der amerikanische Vertreter hat die Darlegung der Franzosen zur Kontrollfrage zwar angehört, dazu aber selbst nicht Stellung genommen. Vielmehr hat er ausdrücklich eine Beteiligung Amerikas an irgend welchen Sanktionen abgelehnt. Diese wie auch die übrigen, gestern in Paris geführten Besprechungen können nickt darüber hinwegtäuschen, daß für den weiteren Verlauf der Sie haben sich ab morgen wegen Brandstiftung im Reichstag zu verantworten. van der Lubbe. Torgler. Tanefk. Dimitroff. Popoff. Es geht nicht ohne Deutschland! Amerika lehnt Ganktionen grundsätzlich ab. Die Ländergrenzen fallen! 37 Gaue im Deutschen Reich. Dkskussion jetzt das Ergebnis der Zwischenkonferenz in London entscheidend ist, allerdings nur im Rahmen der englischfranzösischen Vorbesprechungen, denn die Sache der Abrüstung ist, wie sich sowohl aus der Fünfmächte=Erklärung vom 11. Dezember 1932 als auch aus dem Viermächtepakt ergibt, eine Angelegenheit, die nicht ohne Deutschland erledigt werden kann. Was auch immer das Ergebnis der derzeitigen Erörterungen von London und Paris sein wird, erst in Genf wird darüber entschieden werden, ob die notwendige Lösung der Abrüstungsfrage entsprechend dem klaren und berechtigten Anspruch Deutschlands zustande kommt, oder ob sie in der Tat an dem immer deutlicher werdenden Widerwillen Frankreichs, dem ihm obliegenden Teil der Abrüstungsverpflichtungen nachzurommen, scheitert. Die„Lebensversicherung“. Washington. Der stellvertretende Marinesekretär erklärte gestern abend in einer Rundfunkrede, die Besorgnisse, daß das jetzige Flottenbauprogramm der Vereinigten Staaten, dessen Gesamtkosten während öreier Jahre ungefähr 235 Millionen Dollar ausmachen würden, Anlaß zu einem neuen Wettrüsten geben könnte, seien unberechtigt. Eine angemessene Kriegsflotte sei eine Art wirtschaftliche Lebensversicherung für die Vereinigten Staaten. Im Zeichen der„Abrüstung.“ Türkischer Antrag auf Erhöhung der Militärstreitkräfte. Paris. Nach einer im„Matin“ veröffentlichten Agenturmeldung soll die türkische Völkerbundsdelegation die Absicht haben, die Genehmigung zur Erhöhung der türkischen Militärstreitkräfte nach dem österreichischen Beispiel zu beantragen. Die Vertreter der Türkei würden zur Unterstützung ihes Antrages darauf hinweisen, daß die jetzigen türkischen Streitkräfte nicht ausreichten, um gegen den Kommunismus zu kämpfen, der gegenwärtig in der ganzen Türkei große Fortschritte zu verzeichnen habe. Drangsal in Wien. Blutbad in Wolfsegg. Drei Nationalsozialisten erschossen. Wien. Nach hier vorliegenden Berichten kam es im Ort Wolfsegg, dem Mittelpunkt des Wolfsegg=Trauntaler Kohlenreviers, bzw. in dem Nachbarorte Kohlgrube am Sonntag und in der Nacht zum Dienstag zu schweren Zusammenstötzen zwischen Heimwehrleuten und Nationalsozialisten, die mit einem bewaffneten Eingreifen der Gendarmerie endeten. Drei Nationalsozialisten wurden erschossen, acht weitere Personen schwer verletzt. Im Wolfsegg=Trauntaler Kohlenrevier handelte es sich um die Frage eines Sympathiestreikes für die steierischen Bergarbeiter. Es kam zu erregten Auseinandersetzungen, da die freigewerkschaftlich Organisierten der von den Nationalsozialisten vorgeschlagenen Parole keine Folge leisten wollten. Die allgemeine Erregung wurde noch durch den Musterungen für das„Assistenzkorps“ gesteigert. Am Sonntag abend kam es zu einer Rauferei, bei der die Heimwehrleute schließlich den Kürzeren zogen. Die Gendarmerie griff ein und verhaftete vier Nationalsozialisten. In der Nacht zum Dienstag wurden zwei Heimwehrleute angegriffen. Sie flüchteten in ein Gasthaus, wohin ihnen die Nationalsozialisten folgten. Inzwischen hatten jedoch die Heimwehrleute durch die Hintertüre das Weite gesucht. Die Nationalsozialisten zogen vor ein anderes Gasthaus. Unterdessen traf Gendarmerie ein, die die Nationalsozialisten verhaften wollten. Diese wehrten sich mit Biergläsern, wobei drei Gendarmen Kopfverletzungen erlitten. Die Gendarmen gaben darauf eine Salve von Schreckschüssen av, die jedoch vollkommen erfolglos war und den Angriff nur noch verstärkte. Daraufschossen die Gendarmen scharf. Nach den vorliegenden Berichten wurde der SA.=Führer Franz Seiringer auf der Stelle getötet. Sein Bruder erhielt einen Beinschuß und die SA.Lente Rndolf Eichinger und Rndolf Huber trugen gleichfalls tödliche Verletzungen davon. Die Schwerverletzten wurden in das Krankenhans in Wels gebracht. Einstweilen scheint für sie keine Lebensgefahr zu bestehen. Die zuständige Bezirkshauptmannschaft entsandte nach Wolfseag einen Regierungskommissar. Es wurde eine grone Zahl von Nationalsozialisten verhaftet. Die Behörden stehen selbstverständlich auf dem Standpunkt, daß die Gendarmerie mit Recht von der Waffe Gebranch gemacht nave. * m Nahmen der großen Aktion gegen die Nationalsozialisten finden Haussuchungen in allen Bezirken Wiens statt. Auch in den Bundesländern scheinen umfangreiche Erbebungen eingesetzt haben. Angeblich handelt es sich um irgendeine als chemisch=technische Versuchsanstalt aufgezogene Stelle, in deren Ränmen Korrespondenzmaterial gesunden worden sein soll, das zum Teil aus dem Reich stamme, zum Teil aber aus Durchschlägen von Briefen und Berichten bestanden habe, die in das Reich gesandt worden waren und angeblich das Material darstellten, das für die Runöfunkreden benutzt wurde. Außerdem soll eine vollständige Mitgliederkartothek besonders der SA.= und SS.=Formationen gefunden worden sein. Wie aus einer Polizeiverlautbarung bervorgeht, handelt es sich bei der bereits seit Montag im Gange befindlichen Polizeiaktion um ein Vorgehen gegen den bisher nicht verbotenen„Bund Oberland“. Verhaftet wurden einstweilen Ingenieure Stiegler, Höbarth und der aktive Polizeirat Dr. Das ist Desterreich! Ein Sozialdemokrat stellt das nationalsozialistische Uebergewicht fest. Wien. In der Dienstagsitzung des Bundesrates, die wiederum von den Christlich=Sozialen nicht beschickt war, brachten die Sozialdemokraten eine öringende Anfrage an die Bundesregierung ein. Sie fragen, was diese zu tun gedenke, um die Verteidigung des Landes gegen die „vom Auslande drohenden Gefahren“ sicherzustellen. Sehr bemerkenswert ist, was der sozialdemokratische Bundesrat Dr. Schärf in seiner Rede zur Begründung der Anfrage über das wahre Stärkeverhältnis der Nationalsoslalisten und der Anhängerschaft der Regierung zu sagen weiß, gerade da die Beobachtungen alle vom sozialdemokratischen Standpunkte aus gesehen sind. Dr. Schärf sagte, die i schießt scharf. Vernichtung, ja auch nur ein Stillstand des Nationalsozialismus in Oesterreich sei der Regierung nicht gelungen. Im Leben auf der Straße und in den öffentlichen Lokalen sei das, was hinter der vaterländischen Front angeblich stehen solle, nicht sichtbar, wenn man von einzelnen eamten und dem Personalbestand der Klöster und Pfarrhöfe absehe. Wer in ein Tiroler Dorf gehe, sehe, daß abends vor den Fenstern jedes Rundfunkhörers ein Hilfspolizist horche, ob ein deutscher Sender eingeschaltet sei. Vor den Gasthäusern lauschten Hilfspolizisten und Gendarmen, ob ein nationalsozialistisches Lied gesungen oder gesvielt werde. Bei der gegenwärtigen Laae werde es sich die Regierung wohl überlegen müssen, ob sie den Zweifrontenkrieg(gegen Nationalsozialisten und Sozialdemokraten) aushalte. Von Woche zu Woche werde der Boden, auf dem die Regierung stehe, schmäler. Alle wutzten: ihre Verluste gehen zugunsten der Nationalsozialisten! Akte, etwa wie die Besetzung des Wiener Rathauses, die Einsetzung eines Reaierungskommissars, das Verbot der Betätigung der Sozialdemokratischen Partei, Maßregeln. die die Aktion der Gewerkschaften beschränken sollen, würden unweigerlich die Gegenaktion der Arbeiterschaft auslösen. Werde die Politik weitergeführt wie bisher, die Politik der Nachgiebigkeit gegen die Heimwehren, die Politik der Nachgiebigkeit gegen den grünen Faschismus, mache man nicht Schluß mit dieser Politik, die zu Eidbruch und Lumperei führe, dann werde Oesterreich in einen Zustand gestürzt, in dem von staatlicher Ordnung, von innerer Ruhe keine Rede sein lonne. Zur Nachahmung empfohlen. Berlin. Wie der„Preußische Pressedienst der NSDAN.“ meldet, sieht es der Vorstand der Hamburaischen Aerztekammer als unvereinbar mit dem Gedanken der Volksgemeinschaft an, wenn von seiten der Aerzteschaft irgendwelche Unterschiede bei den Patienten nach dem Gesichtsvunkt Wohlfahrts=, Kassen= und Privatpatienten gemacht werden. Er verbietet daher mit sofortiger Wirkung die Ankündigung und Abhaltung gesonderter Sprechstunden für Privatpatienten, sowie die Einrichtung und Unterhaltung besonderer Wartezimmer für solche. Die erste Reichsautobahn. Am Samstag Baubeginn.— Der Führer vollzieht den ersten Spatenstich. Berlin. Am Samstag, dem 2. September, wird in Frankfurt=Main die feierliche Baneröffnung der ersten Reichsautobahn vor sich gehen. Es werden ungefähr 700 Arbeiter eingestellt. Die Zahl der in den nächsten Wochen Beschäftigten wird etwa 4000 betragen. Das Programm ist wie solat sestaeleat: 7 Uhr vormittags: Antreten der neueingestellten Arbeiter beim Arbeitsamt Frankfurt a. M. und Entlassung der Arbeiter aus der Obhut des Arbeitsamtes. Anschließend Marsch zum Börsenplatz. 7.30 Uhr: Kundgebung auf dem Börsenplatz mit einer Ansprache des Reichsstatthalters Gauleiter Sprenger. 7,45 Uhr: Ansprache des Generalinspekteurs für das deutsche Straßenwesen, Dr. Tobt. 8.20 Uhr: Abmarsch zur Arbeitsstätte. 10,15 Uhr: Eintrefsen des Führers. Begrüßung durch Reichsstatthalter Sprenger. Der Generalinspektent meldet dann dem Führer die Arbeitsbereitschaft. Der Vorsitzende des Vorstandes der Reichsautobahn, Generaldirektor Dorpmüller, übergibt dem Führer einen Spaten zur Baueröffnung. Der Führer hält eine Ansprache und gibt den Besehl zum Arbeitsbeginn. Sämtliche Angehörigen der Arbeiter sind zu dem Eröffnungsakte eingeladen. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, ist zu erwarten, daß im Laufe der nächsten sechs bis acht Wochen mit dem Bau der Autobahnstrecke München—Salzburg ebenfalls begonnen wird, und daß im Laufe des Herbstes noch zwei weitere Strecken in Angriff genommen werden können, so daß im nächsten Frühjahr etwa 400 Kilometer Autobahnstrecke im Ban sind. Im nächsten Frühjahr würde dann noch eine größere Zahl in Bau genommen werden. Morgen in gegen die Reichsjustizkommissar Dr. Frank äußert sich über die Untersuchungskomödie in London. Berlin. Reichsjustizkommissar Dr. Frank äußerte sich in einer Unterredung mit einem Redaktionsmitglied des„Völkischen Beobachters“ zum Beginn des Leipziger Prozesses. „Wie denken Sie, Herr Reichsjustizkommissar, über die Untersuchungskomödie in London?“ Ich sehe darin einen unerhörten Eingriff in die an sich kaum erträgliche Atmosphäre. Denn es ist eigenartig für das staatliche Bewußtsein eines Volkes wie des deutschen, aus dem Kommunismus heraus plötzlich ein eigenes theatralisches Gericht aufgebaut zu sehen. Ich beurteile die Gerichtskomödie selbst allerdings als ein für uns hocherfreuliches Ereignis, denn der Londoner Gerichtsvorgang ist ein wesentlicher Schuldbeweis für den Weltkommunismus. Ich kann nur annehmen, daß die englische Regierung, offenbar selbst aus dem Gefühl heraus, daß es sich hier um eine reine Komödie handelt, keine offiziellen Schritte dagegen unternommen hat. „Was sagen Sie, Herr Minister, zu dem Gerede, daß die Nationalsozialisten den Reichstag selbst angesteckt hätten?“ Es ist das Geschrei des ertappten Diebes, der brüllt:„Haltet den Dieb!“ Wir haben die Kommunisten gerade in ihrer stärksten Epoche niedergeschlagen. Anscheinend ist ihnen das Eintreten Adolf Hitlers in die Regierung überraschend schnell gekommen, und so haben sie noch einmal alles versucht, um die alte Position durch aufflackernde Brände gewaltsam wiederzuerobern. Ich verweise ganz besonders auf das kommunistische Manifest, in dem wörtlich ausgedrückt ist, daß die Hoffnung des Weltkommunismus der Bürgerkrieg in Deutschland ist. Brände und Zerstörungen sind das Kampfmittel der kommunistischen Weltrevolution. Daß die Nationalsozialisten in dem Augenblick den Reichstag anzünden, in dem sie unter dem begeisterten Jubel des deutschen Volkes in dieses Haus als Sieger einziehen konnten, hätte geheißen, einen Aktder Selbstzerstörung begehen. Die Vertreter des deutschen Volkes waren ja nur mehr die Nationalsoziälisten Adolf Hitlers. Wir hätten so oder so bald die überwiegende Majorität erhalten, so wie wir auch heute die einzige Partei Deutschlands sind. Ich sehe in dieser Behauptung nur die schmutzige Offenbarung einer völlig verlumpten Gesinnung auf der anderen Seite. „Welche Anhaltspunkte bestehen überhaupt zu der Annahme, daß in Leipzig das Recht gebengt werden könnte?“ Dafür gibt es keinerlei Anhaltspunkte. Es ist jetzt schon klar ersichtlich, daß das Recht in Leipzig seine unberührte Anwendung finden wird. Keine amtliche Stelle hat sich in die Vorbereitung des Verfahrens weder indirekt noch direkt eingemischt. Die Angeklagten hatten voll und ganz das Recht, im Rahmen der Strafprozeßordnung ihre Verteidiger selbst zu wählen. Sie hatten sogar jetzt das Recht, ihre Verteidiger zu diesem Gerichtstheater nach London zu senden, ein Recht, von dem der Kommunist Torgler durch seinen Wahlverteidiger Rechtsanwalt Dr. Sack, Berlin, Gebrauch gemacht hat. Schon daraus ist ersichtlich, daß die deutsche Regierung der Verteidigung keine Hindernisse in den Weg gelegt hat, ebenso wie sie ihr weiter keine Schwierigkeiten machen wird. Es wäre der Regierung ein leichtes gewesen, die Reise des Verteidigers unter beliebigen Vorwänden zu unterbinden. Sie hat sie nicht gehindert. Auch der Senat trifft seine Entscheidung völlig unbeeinflußt. Ich muß schon sagen, daß, wenn jemand den Vorwurf der Beeinflussung des höchsten deutschen Gerichtes erhebt, es darüber hinaus überhaupt keinen Vorwurf mehr gibt. Eine Regierung, die aus politischer Parteilichkeit das Recht beugen wollte, würde jeden Anspruch auf die Führung des Volkes verlieren. Torglers Anwalt über London. Kein„Zeuge“ wußte etwas über den Reichstagsbrand. Berlin. In einer Unterredung mit einem Mitarbeiter der„Deutschen Zeitung“ bestätigt der Verteidiger Torglers, Rechtsanwalt Dr. Sack, daß er auf schriftliches Ersuchen des Angeklagten und dann auf persönliche Bitte der Frau des Angeklagten die Verteidigung freiwillig übernommen habe, und daß Untersuchungsrichter Oberreichsanwalt und Reichsgericht ihm nicht nur keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt hätten, sondern ihm im Gegenteil weitest entgegengekommen seien. Rechtsanwalt Sack sagt weiter, er habe es im Interesse seines Mandanten für seine Pflicht gehalten, das ganze zu seiner Entlastung dienende Material herbeizuschaffen und habe sich deshalb nach London begeben. Ueber den Reichstagsbrand habe aber keiner der dort vernommenen„Zeugen“ etwas aussagen können. Schriftliches Material sei ihm nicht übergeben oder auch nur gezeigt worden. Rechtsanwalt Sack teilt weiter mit, daß er eine Reihe der in London vertretenen Rechtsanwälte, so Branting, Giafferi, den Engländer Pritt und den Amerikaner Hays eingeladen habe, sich persönlich von der Objektivität und Unabhängigkeit des Leipziger Gerichts zu überzeugen Gerechte Preise statt Subventionen. Der Aufbau des Reichsnährstandes. Reichsminister Darré über die Verwirklichung des Ständestaates. Berlin. Ueber den Aufbau des Reichsnährstandes und über die Maßnahmen zur Markt= und Preisreaulierung für landwirtschaftliche Erzeugnisse sprach auf der Reichspressekonserenz Reichsminister Darré. In seiner Rede, die von allen deutschen Sendern übernommen wurde, führte er etwa aus: Am 12. September hat die Reichsregierung Beschlüsse gefaßzt, die für das Schicksal des dentschen Bauerntums und der Ernährungswirtschaft von weittragender Bedeutung sind. Bereits am 15. Juli gab mir die Reichsregierung die Ermächtiaung, die seit Jahren von mir eingeleiteten Vorarbeiten zur Durchführung des ständlgen Ausbaues in der Landwirtschaft in meiner Eigenschaft als Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft durchzuführen, obwohl für die ganze übrige Wirtschaft die ständische Neugliederung zurückgestellt wurde. Diese Vorarbeiten sind im wesentlichen abge schlossen. Ich brauche jetzt nur das durch die Vorarbeiten geschaffene Ergebnis durch einen auf dem neuen Gesetz berubenden Alt zu stabilisieren. Jur Vorbereitung der zur Durchführung des Reichsgesetzes vom 13. September 1933 über den vorläufigen Aufbau des Reichsnährstandes und Maßnahmen zur Markt= und Preisregelung für landwirtschaftliche Erzeugnisse zu erlassenden Verordnungen bestimme ich auf Grund des 8 10 Abs. 1 des genannten Gesetzes hiermit: Ich bestätige die vom Reichsbauernführer bisher auf der Grundlage der freien Selbstverwallung getroffenen Einrichtungen, und zwar: 1. die Einrichtung eines Reichsbauernführers: 2. die Einrichtung eines Stabsamtes des Reichsbauernführers zur Bearbeitung aller die Führung des Gesamtstandes betreffenden Aufgaben; 3. die Einrichtung eines Reichsbauernrates als Beirat des Reichsbauernführers. Ich behalte mir aber die Bestätigung der derzeitigen Mitglieder vor; 4. die Einrichtung eines Verwaltungskörpers der Selbstverwaltung unter der Leitung eines Reichsobmannes der bäuerlichen Selbstverwaltung und die Untergliederung dieser Verwaltungseinrichtung in vier Hauptabteilungen, jede unter einem Hauptabteilungsleiter. Ich bestätige die von der Selbstverwaltung getroffene Einrichtung, daß die unter 1. bezeichneten vier Hauptabteilungsleiter sich mit einem Beirat von zehn Stabsräten ihres Arbeitsgebietes umgeben, die auf Vorschlag des Hauptabteilungsleiters vom Reichsobmann mit Genehmigung des Reichsbauernführers bestätigt und eingesetzt werden. Ich bestätige die von der Selbstverwaltung eingesetzten Leiter der oben unter 1. genannten Einrichtungen. Ich bestätige die von der Selbstverwaltung getroffene Einrichtung eines Reichsbanerntaaes. Ich bestätige die von der Selbstverwaltung getroffene Einrichtung der Landesbauernschaften. Ich bestätige die von der Selbstverwaltung getroffene Einrichtung eines Landesbauernrates als Beirat des Landesbauernführers, behalte mir aber die Bestätigung der derzeitigen Mitalieder vor. Ich bestätige die von der Selbstverwaltung getroffene Einrichtung eines Landesbauerntages, behalte mir aber die Bestätigung der derzeitigen Mitglieder vor. Die Bestätigung bzw. Neueinsetzung der Landesbauernführer. Landesobmänner und Hauptabteilungsleiter in den Landesbauernschaften ersolat in den nächsten Tagen. Ich ordne hiermit die weitere Untergliederung der Landesbauernschaften in Kreisbanernschaften an. Diese Untergliederung erfolgt gleichsinnig zu den im Reich und den Landesbauernschaften getroffenen Einrichtungen. Die Einsetzung der Kreisbauernführer, Kreisobmänner und deren Hauptabteilungsleiter behalte ich mir vor. Die Wahrnehmung der Aufgaben des Reichsnährstandes erfolgt von jetzt aber ausschließlich durch die vorbezeichneten, von mir bestätigten Stellen. Das Gesetz über den Reichsnährstand räumt mit der irrtümlichen Annahme des liberalistischen Zeitalters auf, daß der Landwirt ein Unternehmer im geschäftlichen Sinne sei. Wir brauchen, so fuhr Reichsminister Darré fort, den Bauern als die Blutquelle des deutschen Volkes, und wir brauchen ihn als den Ernährer. Es kommt nicht so sehr darauf an, daß der Bauer für seine Erzeugnisse einen möglichst hohen Preis erzielt, damit sein Betrieb eine möglichst hohe Rente abwirft, sondern darauf, daß der Bauer mit seinem Grund und Boden fest verDemmler-Kleidung führend in Geschmack, Qualitat und Paßform. Jahrzehntelange Erfahrungen kommen meiner Kundschaft zugute. DEMMLER, Hattingen, Gr. Weilstr. 10-12 das Haus der Riesen-Auswahl 2. Blatt Nr. 220. Mittwoch, 20. Septbr. Von Staatsminister a. D. Dr. Otto Boelitz. Aus Anlaß des Werbefestes des VDA. am Samstag, dem 23. September, 20 Uhr, im Evangel. Gemeindehaus Hattingen. Das neue Abzeichen der N6. Hago. Reichsführer Dr. von Renteln hat für die Mitglieder der nationalsozialistischen Handels=, Handwerks= und Gewerbeorganisationen dieses Organisations=Abzeichen angeordnet. * Instandsetzungszuschüsse auch für Handwerker, die nicht in der Handwerksrolle stehen. Der Reichsarbeitsminister hat im Einvernehmen mit dem Reichsfinanzminister die bisherigen Bestimmungen über Reichszuschüsse für Instandsetzungen und Neubauten dahin erweitert, daß künftig auch Rechnungen solcher Gewerbetreibenden anerkannt werden, die nicht zur Anmeldung für die Handwerksrolle verpflichtet sind. Allerdings müssen diese Gewerbetreibenden ihren Betrieb ordnungsgemäß nach den Bestimmungen der Gewerbeordnung bei der zuständigen Behörde angemeldet haben.*h * Achtung, Spionagegefahr! Seit einiger Zeit mehren sich die Fälle, in denen Kinderluftballone, die mit einer Karte und der Bitte um Rücksendung nach Ausfüllung verschiedener Fragen versehen sind, aufgefunden werden. Die Ballone stammen in den meisten Fällen aus Belgien, Frankreich oder England, was die angefügten Karten erkennen lassen. Auffallenderweise wünschen die Absender mit Hilfe der anhängenden Karte stets genaue Angaben der Landungsstelle und der Landungszeit. Es ist für jeden, der einen aus dem Auslande stammenden Ballon findet, eine ganz selbstverständliche vaterländische Pflicht, diesen mit der anhängenden Karte bei der nächsten Polizei=Dienststelle abzuliefern.*b Noch bis März Kündigung zur Vereinsachung der Verwaltung. Der Preußische Innenminister weist im Einvernehmen mit dem Reichsfinanzminister und dem Preußischen Finanzminister darauf hin, daß die Frist für die Zustellung von Kündigungen zur Vereinfachung der Verwaltung oder Betriebsführung bis zum 31. März 1934 verlängert worden ist.*h * Sonntagsrückfahrkarken aus besonderem Anlaß. Die Reichsbahn hat angeordnet. daß aus Anlaß der nachstehenden Veranstaltungen Sonntagskarten ausgegeben werden: 1. Am 8. und 9. Oktober veranstaltet der Reaimentsverband ehemaliger 193er— Sitz Duisburg— in Duisburg eine Kundgebung, verbunden mit einer Denkmals=Enthüllung auf dem Kaiserbera für die gefallenen Kameraden des Regiments. Aus diesem Anlaß werden von allen Bahnhöfen im Umkreis von 75 km um Duisburg Sonntagsrückfahrkarten(Blanko= Sonntagskarten) nach Duisburg ausgegeben, die wie folgt gelten: a) zur Hinsahrt vom 7. Oktober 0 Uhr bis 8. Oktober 24 Uhr(Beendigung der Hinreise); b) zur Rückfahrt vom 7. Oktober 12 Uhr bis 9. Oktober 24 Uhr(Antritt der Rückreise). 2. In der Zeit vom 30. September bis 8. Oktober 1933 findet in Münster i. W. die 1. Münstersche Oktober=Messe statt. Aus diesem Anlaß werden von allen Bahnhöfen im Umkreise von 50 km um Münster Sonntagsrückfahrkarten(Blanko=Sonntagskarten) nach Münster i. W. ausgegeben, die wie folgt gelten: a) vom 2. 10. bis 6. 10, an jedem Tage von 0 bis 24 Uhr; b) zur Hinsahrt vom 30. September 0 Uhr bis 1. Oktober 24 Uhr und vom 7. Oktober 0 Uhr bis 8. Oktober 24 Uhr: c) zur Rückfahrt vom 30. September 12 Uhr bis 2. Oktober 12 Uhr und vom 7. Oktober 12 Uhr bis 9. Oktober 12 Uhr.(*h. * Enklassung der Scheuerfrauen bei der preußischen Polizei. Der preußische Innenminister hat angeordnet daß die Polizeiwachtmeister der Bereitschaften die Wie wird das Wekter? Etwas wärmer, weiter regnerisch. Für das mittlere Norddentschland: Stark bewölkt, Regenfälle, kühl. Für das übrige Deutschland: Ueberall trübe, zu Regenfällen neigendes Wetter. Im Östen kühl, im Westen etwas wärmer. In einer Zeit, in der wir endlich wieder den Mut und die Kraft gewonnen haben, unser Lebensrecht als Volk vor der ganzen Welt zu fordern, tritt der Volksbund für das Deutschtum im Auslano an jeden Deutschen heran und wirbt um ihn, durch Einsatz seiner ganzen Kraft mitzuhelfen, das große Ziel zu erreichen, daß wir endlich wieder ein Volk werden: ein Volk, das sich zusammenschließt nicht nur innerhalb der durch ein unbarmherziges Diktat gesetzten Grenzen unseres verstümmelten Reiches, sondern mit allen Deutschen auch jenseits der Grenzen, weil es weiß, daß deutsches Volk überall da ist, wo immer Deutsche auf altem deutschen Volks= und Kulturboden leben und wo deutscher Fleiß und deutsche Tatkraft in fremder Umwelt neuen deutschen Boden geschaffen haben, der sie trägt und der sie ernährt, ein Volk, das auf ewig zusammengehört, in allen seinen Gliedern durchflutet von demselben Strom seines Blutes, der auch den entferntesten Gliedern die Wärme seiner lebensspenden Kraft zuführen soll. Der VDA. wirbt um die Seele jedes einzelnen in unserem Volke— hier in der Heimat und draußen jenseits der Grenzen unseres Staates—, daß er sich zu seiner Idee und zu seinem Wollen bekenne; er tut das in einer schweren Zeit, die Opfer fordert, in der aber auch das Opfer vielleicht wie noch nie zuvor geadelt ist. Wenn nicht jeder einzelne wirklich„opfert“, geht's nicht bergauf. Die große Stunde, die angebrochen ist, verlangt von uns allen Opfern an Hingabe, an persönlichem Sicheinsetzen, auch an Geld. Aber das Opfer, das wir bringen, ist ein Opfer für die große Idee einer endlich werdenden deutschen Volkheit. Wer seit Jahrzehnten mit in der Reihe des Kampfes für deutsches Volkstum gestanden hat, wer draußen im Ausland der Idee deutscher Volkswerdung gedient hat, ist innerlich ergriffen von der elementaren Kraft, die heute unser Volk erfüllt, das sich auf sich selbst besinnt. Aber es hängt von einem jeden unter uns av, ob die große Volkstumsidee, die heute in uns allen lebt, auch wirklich Gestalt gewinnt, ob wir das einge große Reich des Hundert=Millionen=Volkes des deutschen Geistes werden, in dem wir alle eins sind im Bewußtsein engster nationaler Zusammengehörigkeit: wir daheim, die wir endlich erkannt haben, daß sich die Grenzen unseres Luftfahrt ist das Gebot der Stunde. Niemand darf abseits stehen. Deutscher Luftsportverband, Stützpunkt Hattingen. zu ihren Wohnräumen führenden Treppen und Flure künftig selbst zu reinigen haben. Die hierdurch frei werdenden Reinigungskräfte sind zu entlassen, sofern volle Kräfte in Frage kommen, andernfalls ist die Beschäftigungszeit entsprechend zu kürzen. Der Minister macht jedoch ausdrücklich darauf aufmerksam, daß die Behörden bemüht sein müssen, für die Unterbringung der dadurch entbehrlich werdenden Arbeitskräfte zu sorgen. * Hattingen. — Haltet auf bessere Straßendisziplin! Wer die Gerichtsverhandlungen der letzten Zeit verfolgt hat, wird gefunden haben, daß viele Fälle auf Undisziplin im Straßenverkehr zurückzuführen waren.„Der alte Schlendrians, um das Wort eines leitenden Mannes der Verkehrspolizei zu gebrauchen,„kreibt stets neue Blüten.“ Auf dem Wege durch unsere Straßen kann man täglich beobachten, daß die Passanten an den Straßenecken in den meisten Fällen vom sicheren Bürgersteig auf den Fahrdamm gehen, da gerade an der Stelle, ja selbst mitten auf dem Bürgersteig, einige Mitbürger sich etwas „Wichtiges“ zu erzählen haben. Der Fußgänger wird also unnötig gezwungen, sich den Verkehrsgefahren auszusetzen. Außerdem verliert er Zeit. Eine Auseinandersetzung mit den„Eckenstehern“ über ihr unzweckmäßiges Verhalten führt meistens zu Unannehmlichkeiten und würde noch mehr Zeit und gute Lanne kosten. Auf den Bürgersteigen schiebt und drängt alles wahllos durcheinander. Der Fußgänger geht vorwiegend links; besonders weibliche Personen belieben sich links an den Häuserwänden vorbeizuschieben. Die Regel:„Rechts ausweichen— links überholen!“ wird nur von ganz wenigen beachtet. Dadurch werden natürlich die richtig entgegenkommenden Sußgänger angerempelt und in ihrem Vorwärtskommen stark behindert. Kinderwagen werben nach Möglichkeit ohne die geringste Rücksicht auf die Enge der Bürgersteige quer gestellt oder in die Mitte der Gehbahn gefahren, anstatt scharf rechts zu halten. Selten sieht man auch, daß die Straße von dem Fußgänger richtig, d. h. auf dem kürzesten Wege überquert wird. Selbst die im Verkehrsleben mehr erfahrenen Kraftfahrzeugführer lassen alle Disziplin in dieser Hinsicht vermissen. Trotz der Enge der Straßen fahren sie mit erhöhter Geschwindigkeit, wobei die Hupe die Bremse ersetzen muß. Der Motorradler bemüht sich eifrigst, durch lautes Geknatter Volkstums nicht decken mit den Grenzen unseres Staates, alle jene draußen, die heute mehr wissen den je, daß sie Blut sind von unserem Blut, daß sie mit uns zusammenwachsen müssen zu der großen deutschen Schicksalsgemeinschaft des deutschen Volkes. Sie gehören alle zu uns und wir zu ihnen, die sich Deutsche nennen in der Welt, die unsere Sprache sprechen, die unsere Lieder singen und die sich damit zum deutschen Volkstum bekennen, das ihre Kraft ist auf dem harten Weg der Selbstbehauptung ihres Menschentums. Mögen sie dicht an den Grenzen wohnen, die sie von uns trennen, über die sie hinwegschauen in das Land ihrer Väter, dem all ihr Sehnen gilt; mögen sie draußen wohnen in Ländern und Zonen, die räumlich weit von uns getrennt sind. Die deutschen Siedler und Bauern in den endlosen Wäldern und in den gewaltigen Prärien jenseits der Meere fühlen es ganz stark, daß sie rettungslos versinken in fremdem Volkstum, wenn sie und ihre Kinder und alle, die sich mit ihnen zusammenschließen zur deutschen Gemeinschaft, nicht mehr die Sorge um die deutsche Schule und die deutsche Kirche als die Zentralfrage ihres Lebens ansehen, der deutscher Arbeiter, Handwerker, Techniker, Angestellte und Kaufmann, die mitten hineingesprengt sind in fremdes Volkstum, wissen, daß das, was sie leisten, zuletzt und immer unlöslich verbunden ist mit ihrer innersten Haltung zum deutschen Volkstum; und der Lehrer, der Arzt und Pfarrer, die Führer der Deutschen in aller Welt sind, sehen, daß Erfüllung ihrer Arbeit nur beschieden ist, wenn sie die Seele des deutschen Menschen draußen in der Welt immer stärker und fester binden an das, was sie selbst als Deutsche tief im innersten erkannt und erlebt haben. Es hat noch nie eine Zeit in unserer Geschichte gegeben, in der die Erkenntnis um das, was deutsch ist, stärker in uns lebt als heute und in der die Verantwortung gegenüber der Gesamtheit des Deutschtums in der Welt uns fester zusammengeschmiedet hätte als zur Stunde. Die Zeit der Erfüllung kommt: Wir werden wieder ein Volk, wenn wir es wollen, wir hier in den engen Grenzen eines durch äußere Willkür verstümmelten Reiches mit jenen draußen in der Welt, die sich gerade in der Stunde der Not doppelt freudig zu ihrem Deutschtum bekennen. Das Feuer brennt; es darf nicht verglimmen. Sorgen wir dafür, daß es hell zum Himmel emporlodert! und rasende Fahrt die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und seine Mitmenschen zu belästigen und zu stören. Durch dieses Durcheinander sagt der Nadfahrer, ohne auch nur die geringste Rücksicht auf den übrigen Verkehr zu nehmen. Die Fuhrwerkslenker, wir folgen hier den Beobachtungen von Straßenaufsichtsbeamten, lassen die guten Eigenschaften des Fuhrmannes vergan gener Tage vollkommen vermissen. Meistens wird Straßenbahnschiene und Straßenmitte benutzt und dadurch die Flüssigkeit des Verkehrs stark gehemmt. Mit Vorliebe benutzen die Kinder die Straßen als Spielplätze, unbekümmert um die ihnen hierbei drohenden Gefahren. Alles in allem ein wenia schönes Bild! Jeder muß an der Aenderung der heutigen Verkehrsverhältnisse mitarbeiten und dafür sorgen, daß dieser nicht in die beuDas Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda hat bekanntlich vor einiger Zeit in den verschiedensten deutschen Landesteilen Landesfilmstellen eingesetzt, die die Aufgabe haben, das Filmwesen neu zu ordnen und den Film propagandistisch im Sinne der nationalsozialistischen Idee zu verwerten. Für Rheinland und Westfalen, also umfassend die Gaue Köln=Aachen, Koblenz=Trier. Düsseldorf, Essen, Westfalen=Süd und Westfalen=Nord, befindet sich die Landesfilmstelle in Köln. Sie trägt die offizielle Bezeichnung„Landesfilmstelle West der NSDAP.“(Parteiamtliche Dienststelle der Reichspropagandaleitung). Für das Rheinland ist die Neuordnung und der Aufbau der Organisation unter der tatkräftigen Führung des als Fachmann auf dem Gebiet des Filmes weithin bekannten Pa. Karl Neumann und seines technischen Mitarbeiters Pa. Lehnen bereits durchgeführt. Nunmehr soll auch für Westfalen diese Neuordnung auf dem Filmgebiet begonnen werden. Zu diesem Zweck hatte der Leiter der Landesfilmstelle West einige auf dem Gebiete des Schulfilms seit längerer Zeit tätige Herren nach Bochum gerufen, um die Gesichtspunkte hervorzuheben nach denen künftig gearbeitet werden muß. Kein Film, der nicht besonders von der Landesfilmstelle West freigegeben ist, darf vorgeführt werden, auch dann nicht, wenn diese Vorführung in geschlossenem Kreise geschieht. Die erste Arbeit der Landesfilmstelle West auf schulfilmischem Gebiet besteht im Aufbau einer Organisation zur Durchführung der FilmproDer neue Führer der Frauenfront. Der stellvertretende Führer Pg. Heß hat den Landrat Dr. Krummacher zum Leiter der NS.Frauenschaft und damit zum Führer der Deutschen Frauenfront ernannt. tige Zeit passende Zustand schnellstens beseitigt wird. Wer Polizeiakten einsieht und Gerichtsverhandlungen verfolgt, wird uns darin beistimmen, daß die größte Zahl der Straßenunfälle vermieden werden kann, wenn jeder einzelne im Verkehr die Rücksichten übt, die er im gleichen Falle von anderen Wegebenutzern für seine Person beansprucht, und sich stets bewußt bleibt, daß unrichtiges Verhalten gleichbedeutend mit Gefahr für Leib und Leben und einer Erschwerung des Verkehrs ist. Verkehrspolizeibeamten aber sollte es niemals verübelt werden, wenn sie„Eckenstehern“ an stets stark belebten Ecken winken:„Bitte, weiter, ihr stört den Verkehr!“ —„Mußte erst auf seine Pflicht hingewiesen werden." So beginnt ein Schreiben an die Redaktion, das einen Vorfall aus letzter Zeit behandelt. „Ein auswärtiger Autofahrer," heißt es darin,„fährt an einem Straßenknick einen Radler an, der infolgedessen vom Rade im Bogen über den Vordersitz des Autos fliegt und regungslos auf dem Bürgersteig liegen bleibt. Die Bestürzung des Autolenkers im ersten Augenblick kann ich mir vorstellen und habe Verständnis dafür. Aber nicht zu verstehen war seine Absicht, unbekümmert um den daliegenden jungen Radler weiter zu fahren. Er unterließ es erst, als ein uniformierter SA.=Mann ihn an seine Menschenpflicht erinnerte; ganz energisch, wie sichs gehörte. Daß der Angefahrene längere Zeit gekränkelt hat, erfuhr ich erst aus einem gerichtlichen Verhandlungsbericht. Kommen dem Fahrer diese Zeilen zu Gesicht, so wird er hoffentlich in sich gehen und in einem ähnlichen Fall ohne Aufforderung anders handeln." — Wenn es herbstelt! Jede Jahreszeit bringt ihre Freuden für unsere Jugend. Zur Zeit sind es die leckeren Birnen, die rotbäckigen, saftigen Aepfel und die süßen Pflaumen, nach denen ihre Augen verlangend schauen. An den Roßkastanien beginnen die braunen Kerne in den Früchten die stachelige Hülle zu sprengen. Sie sind zwar nicht zum Essen, aber zum Spielen von den Kindern sehr begehrt. Es sieht zu niedlich aus, wenn die vom Baume fallenden Früchte am Boden zerschellen und die sauber polierten Kerne, unsanft aus ihrem weichen Bett geworfen, daherbüpfen. vaganda der NSDAP. in den Schulen und Jugendbünden. Die Organisation für Westfalen hat in Bochum nun folgendes Gesicht bekommen. Leiter der Landesfilmstelle West ist Pa. Nenmann. Als Schulreferent sungiert Dr. Hawel (Köln). Zum Pressereferenten für Schulfilmpropaganda wurde der Direktor des städtischen Presseamtes Dortmund, Pg. Dr. Gerhard Wagner, ernannt. Das westfälische Gebiet wurde sodann in vier Bezirke eingeteilt, die sich im großen und ganzen mit den Grenzen der Regierungsbezirke decken. Lediglich die Regierungsbezirke Arnsberg und Münster werden insofern verkleinert, als von ihnen das Industriegebiet abgetrennt und zu einem selbständigen Bezirke gemacht wird. Ueber den vier Bezirken steht ein Landesobmann, zu dem der bisherige Leiter der städtischen Lichtbildstelle in Bochum, Robert Dellmann, ernannt wurde. Jedem Bezirk steht sodann ein Bezirksobmann vor. Den Bezirk Industriegebiet wird der Landesobmann selbst verwalten. Die Leitung des Bezirks Arnsberg wurde dem Leiter der staatlichen Lichtbildstelle in Dortmund, Konrektor Genau, übertragen. Die vier Bezirksobmänner werden in den nächsten Tagen für ihren Bezirk Ortssilmwarte einsetzen, die wiederum in den jeweiligen Orten für jede Schule einen Lehrer als Schulfilmwart zu ernennen haben.— Der Aufbau der gesamten Organisation wird in 14 Tagen für Westfalen beendet sein, dann beginnt die eigentliche Arbeit an der Jugend. 56 Neuordnung des Schulfilmwesens. Die Organisation der Landesfilmstelle West für Westfalen. Landesobmann: Robert Dellmann in Bochum.— Einsetzung von Orks= und Schulfilmwarten. Die Einschränkung der Nebenbezüge der Beamten. Die durch das Gesetz am 30. Juni 1933 neugeschaffenen Bestimmungen über die Nebentätigkeit der Reichsbeamten gelten auch für die Beamten der Länder. Nach diesen Bestimmungen wird eine Vergütung für eine Nebentätigkeit im Staatsdienst nicht bezahlt und jede Vergtung für eine außerhalb des Staatsdienstes aber im Zusammenhang mit dem Hauptamt ausgeübte Tätigkeit ist an die Staatskasse abzuliefern. Ausnahmen von dieser Regelung sind allerdings zulässig. Wie das VDZ.=Büro meldet, müssen aber solche Ausnahmen nach einem Runderlaß des preußischen Innenministers auf die Fälle beschränken, in denen der Beamte eine Nebentätigkeit auf Vorschlag oder Veranlassung seiner vorgesetzten Behörde ausübt und seine Arbeitskraft erheblich über das gewöhnliche Maß hinaus in Anspruch genommen wird. In erster Linie muß aber auch in diesen Fällen geprüft werden, ob der Beamte nicht bei seiner Haupttätigkeit entlastet werden kann, so daß die Voraussetzung zum Bezuge einer Vergütung fortfällt. Wo der Baum die Früchte nicht freiwillig hergeben will, wird ein wenig nachgeholfen. Da wundert sich dann der Spaziergänger, wenn ihm plötzlich von irgendwoher ein Stein an den Kopf oder ein Knüppel an die Beine fliegt. Und das ist das Bedenkliche an diesem Spiel. Tatsächlich ist hier dieser Tage bereits ein älterer Mann auf solche Weise verletzt worden. Man soll aber den Brunnen nicht erst zudecken, wenn jemand hineingefallen ist. Da es jedoch nicht angängig ist, überall dort, wo Aehnliches zu befürchten ist, einen Sicherheitsbeamten zu postieren, ergeht an die Eltern, Jugenderzieher und=leiter die Bitte, die Kinder entsprechend zu belehren. Das Werfen mit Steinen usw. auf öffentlichen Wegen und Plätzen ist eine Unsitte, die unter allen Umständen auf das nachdrücklichste bekämpft werden muß. — Reichsbund der Kinderreichen. Die erste Monatsversammlung der Ortsgruppe Hattingen im Reichsbund der Kinderreichen zum Schutze der Familie e. V. am 16. 9. 1933 im„Märkischen Hof“ war sehr gut besucht. Als Vorstandsmitglieder wurden bestimmt: Stellv. Vorsitzender und Schriftführer Herr Arnulf Hößler, hier, Öststraße 8; stellv. Schriftführer Herr Josef Weste, hier, Welper Straße 43; Kassierer Herr Berthold Sinzel, hier, Hüttenstraße 6; stellv. Kassierer Ehefrau Fran, Schmidt, hier, Hüttenstraße 20. 14 Mitglieder schlossen sich der Ortsgruppe nen an. Beschlossen wurde, den Monatsbeitrag auf 50 Pfg. festzusetzen. Ab 1. Dezember sollen als Beitrittsgeld 20 Pfg. erhoben werden. Aus der Versammlung wurden manche beachtenswerte Anregungen gegeben, so daß wohl gesagt werden kann, daß die erste Versammlung einen sehr guten Verlauf genommen hat. Die nächste Versammlung wurde auf Samstag, den 7. Oktober 1933, und zwar mit Rücksicht auf die auswärts wohnenden Mitglieder schon um 19 Uhr, festgesetzt. Gegen 10.40 Uhr wurde die Versammlung geschlossen. — Der Volkobund deutsche Kriegsgräberfürsorge e. B., Provinzialverband Westsalen=Ruhrgebiet bittet uns, mitzuteilen, daß die für den 1. Oktober vorgesehene Straßensammlung auf Sonntag, den 15. Oktober, verlegt ist. — Ehemalige Angehörige des 1. Armeekorps und ostpreußischer Regimenter werden gebeten, ihre Anschrift einzureichen an die Gastwirtschaft „Aur Glocke“(Inhaber: Jakob Rech), bier, Johannisstraße. Man beachte hierzu die Anzeige in dieser Zeitung. — Die große Reise des Krenzers„Köln“. Unsere Leser finden beute im dritten Blatt wieder eine Fortsetzung des hochinteressanten Reiseberichts von Wilbelm Holte aus Hattingen. — Haitinger Schachverein 1939. Heute(Mittwoch) abend ist der Schachverein Welver Gast beim Hattinger Schachverein 10M. Der Klubkampf, der bereits nach der neuen Mannschaftsstärke= 15 Bretter zum Austrag kommt. wird beweisen, welche Mannschaft den besten Durchschnitt besitzt. Da bereits Ansang Oktober mit den Kämpfen um die Kreis=Meisterschaft begonnen wird, wird dieer Klubkampf eine Vorprüfung für die Meisterchaftsspiele sein. Der Kampf beainnt um 20 Uhr im Vereinslokal H. Küper. Lindenhof, Heagerstraße. Den Hattinger Schachspielern wird es zur Ppflichtgemacht, an diesem Abend restloszuerscheinen. Welper. — Letzte Meldefrist. Die ehemaligen Mitglieder der Kyffbäusergemeinschaft der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen können sich noch bis zum 30. September bei der Nationalsozialistischen Kriegsopfer=Versorgung(NSNOV.), Stützpunkt Welper=Blankenstein, anmelden. Nach diesem Termin können Anmeldungen nur noch als Neuaufnaymen vorgenommen werden. — Evangelische Gemeinde. Hente um 20 Uhr ist Bibelstunde.— Die Franenhilfe beschloß in ihrer letzten Versammlung, am Donnerstag, dem B. September, einen Ausflug nach Haus Friede zu unternehmen. Abmarsch um 14 Uhr vom PaulGerhardt=Haus. Die Bezirksfrauen haben die Teilnehmerzahl sofort festzustellen und der Vereinsführerin das Ergebnis mitzuteilen. Kaffee kostet 40 — Drei Faltboote wurden hier aus einem Bootsschuppen gestohlen. Eines wurde von den Einbrechern am Ruhrufer zurückgelassen, mit den beiden anderen sind sie vermutlich stromabwärts gefahren. Bei einem der gestohlenen Boote handelt es sich um ein Langeiner(Kielboot), 5,20 m lang und 63 cm breit, mit hochgezogenem Vorderdeck. Die Bootshaut hat grüne Farbe, der Deckstoff ist gelb. Das zweite Boot kann noch nicht beschrieben werden, weil der Eigentümer noch nicht am Tat ort war. Kürzlich wurde die Bährstraße im Stadtteil Weitmar in Holtingstraße umbenannte. Damit wird eine uralte heimische Einrichtung, das Holting= oder Holzgericht, in Erinnerung gehalten. Was war damit? Das hügelige Gelände im südöstlichen Weitmar, die Weitmarmark, mit Niederwald bestanden, war seit undenklichen Zeiten Gemeinschaftsbesitz der alten Weitmarer Eingesessenen. Diese Mark war ungefähr 400 Morgen groß. Die Anteile an Holz, die jeder Markengenosse alljährlich für Brand, Frachtung oder Zäune und sonstwie abfahren durfte, hießen Scharen oder Gaben. Jede Gabe rechnete ungefähr 8 Fuder. Bei der Ablösung der Markenverhältnisse por mehr als 100 Jahren wurden im Ganzen 23 Gaben verrechnet. Dem Hause Weitmar standen 3, den Erben Hohmann 2½, Grümer 1½ Gaben zu. Je 1 Gabe zugemessen war Heesing, Ternedden, Oberheitman, Niederheitmann, Bisping, Wegmann und dem evangelischen Pastorat in Weitmar. Zu einer halben Gabe waren berechtigt: Schlett, Koester, Holtbrügge, Knoop, Pinkerneil, Froehling, Röttger und Diederich. Ferner stand den Bochumer Armen eine Gabe zu. Durch Verkauf oder Uebertragung waren im Laufe der Zeit Gabenanrechte auch an Auswärtige gekommen. So besaßen Werths und de Boy in Bochum je ½ Gabe, die Witwe Homberg 1¼, Postmeister Ecker und Cremer in Bochum und Leithe in Wiemelhausen je ½. Kost in Havkenscheid 1 Gabe. Das Recht zur Schafhude hatte das Haus Weitmar. Mit diesem Besitz des Hauses Weitmar war das Amt eines Holzrichters verbunden. Der Holzrichter hatte die oberste Aufsicht über die Mark. Er ernannte den Holzknecht oder Holzfrohnen, der die Holzung beaufsichtigte. Der Holzrichter bewahrte das Scharbeil, mit dem alljährlich das zu schlagende Holz angeschart oder bezeichnet wurde. Die Angelegenheiten der gemeinsamen Mark regelte der Holzrichter im Holting mit den drei Vertretern der Markengenossen. Diese Beanstragten nannte man Scheeren oder aber meist Scherner. U. a. hatten sie auch die Brüchten oder Strafen Holthausen. — Evang. Frauenhilfe. Morgen, Donnerstag, 15 Uhr: Versammlung im Gemeindehause. Buchholz. — Drei Obstdiebe aus Bochum wurden hier von einer Polizeistreife abgefaßt. Sie hatten sich nächtlicherweile einen Zentner Obst„besorgt“. Herbede. — Dreinndachtzig. Die Witwe Wilhelm Lipphaus, Wilhelmine geb. Aufermann, Burgstraße 5 wohnhaft, vollendet heute, am 20. d. M., ihr 83. Lebensjahr. Möge dem Großmütterchen im Kreise seiner Kinder und Enkelkinder noch manches Lebensjahr beschieden sein, das sei unser Glückwunsch. — Schwarzarbeit wird nicht mehr geduldet. Ein hiesiger Hausbesitzer ließ in seinem Wohnhause nach erfolatem Umbaue die gesamten Anstreicherarbeiten durch einen erwerbslosen Facharbeiter ausführen. Hinsichtlich der Arbeitsbeschaffung ist diese Tatsache nur zu bearüßen. Die Angelegenheit hat jedoch den einen Haken, daß der Facharbeiter. dem auf diese Art eine ausreichende Arbeits= und Verdienütmöglichkeit gegeben war, „veraaß" seinen Nebenerwerb dem zuständigen Wohlfahrtsamte, das ihn auch während der Arbeitszeit laufend unterstützte, zu melden. Ein Betrugsverfahren ist die Folge einer derartigen Handlungsweise, während dem Auftraggeber noch der Prozeß wegen Beaunstigung gemacht werden wird. — Macht die Dachböden frei! In vielen Häuern dient der Dawooden noch zur Lagerung alten Gerümpels, das nicht nur nutzlos umberliegt, sondern auch eine ernstzunehmende Feuersgefahr bildet. In vielen Fällen kann dagegen durch Verschenken derartiaer Sachen noch manche Not gelindert werden. An alle Hausbesitzer ergeht daher der Ruf:„Macht die Dachböden frei von aufgespeicherten Sachen aus Großmutters Zeiten!" Der Feuerverhütung und Feuerbekämpfung wird dadurch ein großer Dienst erwiesen. Manche Sachen, Kisten, Kasten, Aleidungsstücke usw. werden in der kommenden Winterzeit außerdem für Notleidende und Bedürftige von großem Werte und sehr wohl geeignet sein die Not zu lindern bzw. die Kälte zu mildern Deshalb verschenkt die Sachen, die ihr nicht selbst verwenden könnt. Linden=Dahlhausen. — Und wenn es köstlich gewesen... Eine altbekannte Mitbürgerin, Witwe Anna Homey in Dahlhausen am Horkensteinwea 29 wohnhaft, beging gestern ihren 75. Geburtstag. Wir sprechen der Hochbetagten, die rüstig auf die Achtzig zuchreitet, noch nachträglich unsere besten Glückwünsche aus. Weitmar. Kraftrad fuhr einen Handwagen an. Montag. jegen 22,45 Uhr, fuhr ein Motorradfahrer mit einem Kraftrade auf der Blumenfeldstraße einen in gleicher Richtung fahrenden Handwagen an. Der Motorradfahrer kam mit seinem Motorrade zu Fall und zog sich Hautabschürfungen an den Oberarmen zu, konnte jedoch seinen Weg fortetzen. Bochum. 13 Verletzte des Solinger Unglücks nach Bochnmübergeführt. Heute mittag sind 13 der bei dem Solinger Kraftwagenunglück verletzten Bochumer SA.Männer in Begleitung von drei Aerzten und mehreren Sanitätern nach Bochum ins Bergmannsheil übergeführt worden. Die Verletzten trafen gezu bestätigen, die der Holzrichter auf die Anzeige des Holzknechtes hin verhängte. 1664 am 14. Mai z. B. hielt der Herr von Hasenkamp auf Haus Weitmar das Holtgedynk oder Holzgericht in Gegenwart der Scherner Kost, Wegmann und Oberheitmann. Zunächst befragte er den Holzknecht, was für Schade der Mark geschehen sei. Der Holzfrohne hatte u. a. den Gerd im Bongard(im Baumgarten) erwischt, der zugab, sich„etzliches Haus widerrechtlich gehauen zu haben“. Das brachte ½ Taler Strafe. Auch sein Schwiegersohn Johann von Wattenscheid hatte sich etzliche Bandstöcke geschlagen, was die gleiche Strafe eintrug. Henrich Freisen aus Bochum gab zu, daß er in der Mark der Weitmarer gewesen sei und der Holzknecht„die Biehle“ genommen habe; dafür durfte er ½ Taler zahlen. Aber nicht alle Holzfrevler waren geständig. Ein Hermann Stodt stritt ab, sich an fremdem Holze vergriffen zu haben. Allein nach der Befragung des Homann, der anders wußte, wurde er für Frevel und Leugnen zu einem Taler Strafe verurteilt. Ein Wiemelhauser gab zu, daß sein Bruder„etwas“ gehauen habe, wollte aber Fürbitte tun und freiwillia 2 Taler zahlen. Der Köller oder Holzkohlenbrenner des Östermann daselbst hatte auch fremd gehauen: 1 Taler. Einer gab zu, daß er„bloß dabei gewesen sei"; das Zugucken kostète jedoch einen ganzen Taler. Ein anderer Wiemelhauser hatte seine Kühe Weitmarer Markengras fressen lassen, was der Holzrichter mit einem Taler ahndete. Natürlich hatte das Holting nicht nur mit Brüchten zu tun. Da war auch z. B. die Regelung des Eintreibens der Schweine zur Mastzeit. Ein andermal war auszumachen, wie es mit dem Hüten der Ziegen in der Mark gehalten werden sollte; sie wurden gar nicht gerne in der Holzung gesehen. Wichtig war ferner die Frage des Nachwuchses. Wie stand es mit dem„Potthof“, wo die nachzupflanzenden Bäumchen gezogen wurden? Auf den bloßen Ausschlag konnte man sich doch nicht verlassen. Wie war es mit der Einhaltung der Grundsätze, die die Väter in der Verfassung für die Mark, im Markenweistum niedergelegt hatten? Begreiflich, wenn ein Holting nie im Handumrehen zu Ende war. Kleff.(bh gen 11,45 Uhr in acht Sanitätsautos im Bergmannsheil ein. Alle haben die Fahrt gut überstanden. 4 Zum Staatsbegräbnis für den verstorbenen SA.=Mann Kann, das unter Teilnahme der gesamten 3. SA.=Brigade gleichfalls wie das der 10 SA.=Kameraden auf dem Bochumer Ehrenfriedhof vorgesehen ist, treten die SA.= und alle übrigen Formationen um 13 Uhr auf dem Denkmalsplatz in Riemke an, von wo aus um 14 Uhr der Abmarsch erfolgt. Die Trauerfeier sindet um 13 Uhr in Anwesenheit höchster Vertreter der Behörden und der politischen Leitung im Lutherhause zu Riemke statt. Außer Oberbürgermeister Dr. Piclum wird Pfarrer Mühge von der Evangel. Kirchengemeinde Riemke sprechen. Die Feier wird umrahmt von Musikstücken des Städtischen Orchesters und von Chorälen des Kirchenchores. Anschließend erfolgt der Vorbeimarsch am Ehrenmal. Der Trauerzug wird sich durch die Herner, Horst=Wessel=Straße, über den Schwanenmarkt und dann über die Blumenstraße zum Ehrenfriedhof bewegen. * Tragödie eines jungen Mädchens. Vor dem Schwurgericht in Bochum spielte sich in der ersten Verhandlung der Schwurgerichtsverlode des Landgerichtes die Tragödie eines sun gen blühenden Mädchens ab, die das Mitleid aller im Saale hervorrief, während auf der Anklagebank, aus der Untersuchungshaft vorgeführt, eine 63 Jahre alte Frau im Greisenhaar, die Witwe Anna Lange aus Witten=Annen, Platz nehmen mußte, die unter der schweren Anklage der gewerbsmanigen Lohnabtreibung im wiederholten Rückiall und der fahrlässigen Tötung stand. Wegen Gefährdung der Sittlichkeit war für die ganze Dauer der Verhandlung die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Die Angeklagte bewohnte zu Witten Annen ein Zimmer. Sie erbielt lebhaften Juspruch als Kartenlegerin. Ihre Vorstrafenliite kennzeichnet sie auch als eine gewerbsmäßige Lohnabtreiberin, denn sie ist seit dem Jahre 100 von den Schwurgerichten Bochum und Essen nicht weniger als viermal wegen Lobnabtreibuna zu längeren Zuchthausstrafen verurteilt worden. Bei dieser Frau erschien Ende April ein junges Mädchen, bei dem die Angeklagte einen Einariff vornahm. Einige Wochen später stellten sich schwere Folgen bei dem Mädchen ein, welches dann nach zweitägiger Krankenhausbehandlung verstarb. Der Verhandlung wohnten zwei ärztliche Sachverständige bei, nach deren Gutachten der Tod des Mädchens mit Mprozentiger Wahrscheinlichkeit als Folge der Maßnahmen der Angeklagten anzusehen ist. Der Staatsanwalt beantragte im Sinne der Anklage gegen die Frau unter Hinweis auf ihre vielfachen einschlägigen Vorstrafen eine Gesamtzuchthausstrafe von acht Jahren. Das Gericht verurteilte die Angeklagte wegen gewerbsmäßiger Lohnabtreibung im Rückfall zu vier Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Von der Anklage der fahrlässigen Tötung wurde sie wegen nicht hinreichender Beweise freigesprochen.(*b. * Kleinkraftrad fährt Eisenbahnschranke ein und wird vom Zug mitgeschleift. Der Führer eines Kleinkraftrades fuhr gegen die geschlossene Schranke der Bahnüberführung auf der Allecstraße am Portal 5 des Bochumer Vereins und drückte die Schranke gegen den fahrenden Eisenbahnzug. Die Schranke wurde von einem Eisenbahnwagen erfaßt und zerbrochen. Die gebrochene Schranke prallte zurück und traf einen auf dem Bürgersteig stehenden Bergmann, der zu Boden geschlendert und am rechten Knie, rechten Handgelenk und Unterkiefer leicht verletzt wurde. Er konnte auf der Sanitätsstelle des Bochnmer Vereins verbunden werden. Das Kleinkraftrad wurde ebenfalls von einem Eisenbahnwagen erfaßt und 5 Meter mitgeschleift. Es wurde schwer beschädigt und mußte abgeschleppt werden.*b Steele. Soll das so bleiben? Seit 1929 liegt die alte Zeche Deimelsberg, die einst über 1000 Bergleuten Arbeit und Brot brachte, still. Es verlohnt sich nicht mehr, die Gründe anzuführen, die zum Darniederliegen geführt haben. Eines aber ist sicher: heute würde die Zeche nicht mehr stillgelegt! Die Zechengebäude wurden dann an eine holländische Firma Simons zum Abbruch verkauft Diese holte zunächst das Eisen fort und dann die brauchbaren Ziegelsteine. Die schweren Betongebäude des Schachtes und der Wäsche blieben stehen, weil die Abbruchskosten sich nicht lohnten. So stehen denn diese Ruinen nun über vier Jahre. Daß sie nicht gerade eine Zierde der Landschaft sind, braucht nicht gesagt zu werden. Wie man weiß, haben sich der Verkehrsverein und die Stadt redlich Mühe gegeben, die Gewerkschaft Gelsenberg, die Eigentümerin ist, zu veranlassen, die Ruinen zu sprengen. aber ohne Erfolg. Man kann es nicht verstehen, daß die städtische Baupolizei nicht in der Lage ist, eine Aktiengesellschaft zu zwingen, hier Ordnung zu schaffen. Hätte ein Privatmann dergleichen Ruinen eines Hauses stehen, man würde ihn derart mit Protokollen bedenken, daß er schleunigst für Abruch sorate. Oder die Stadt würde den Abbruch selbst übernehmen und die Kosten auf irgend eine Weise dem Besitzer aufladen. Aber hier ist auch die Stadt machtlos. Es können unter Umständen noch Jahre vergehen, bis die Ruinen fallen. Sie werden auch weiterhin für den Reisenden, der die Strecke zwischen Essen und Steele und weiter nach Bochum hinaus befährt, das trauriae Bild vom Zechensterben an der Ruhr einprägen und dem Fußgänger, der die Essener Straße begeht. ein Bild der Zerstörung bieten. Für den Ortsteil Steele aber sind die Ruinen dauernd ein Mahnzeichen an eine aute Zeit, wo noch Arbeit und Verkehr herrschte, die wiederzuerlangen, sich die neue Reaieruna zur Hanptansaabe aesett hat. Essen. — Warnung vor betrügerischen Buchreisenden. Vor kurzem erschien bei einer hiesigen Familie ein Buchreisender und bot die Zeitschrift„Häuslicher Ratgeber“ zum Kauf an. Da der Reisende einen vertrauenerweckenden Eindruck machte, bestellte eine Hausfrau die Zeitschrift auf 3 Monate und bezahlte hierfür 5 RM. Eine Quittung erhielt sie mit der Unterschrift des Reisenden auf den Namen „Kalten" oder„Balten." Die bestellte Zeitschrift erschien sedoch nicht. Bei dem betreffenden Verlag wurde festgestellt, daß dort der Auftrag nicht eingegangen und ein Reisender unter diesem Namen bei ihm nicht tätig sei. Dem Schwindler kommt es nur daranf an, die Anzahlung zu erhalten. Die Folkwangschule eine Schule der Arbeit, nicht des Dünkels. Die Jolkwangschule für Handwerk und angewandte Kunst. Essen, hat sich auf ihre ureigene Anfaabe besonnen, deren Boden sie durch die Entwicklung der Nachkriegsjahre verlassen hatte. Sie will nicht mehr der Abklatsch einer Kunstakademie sein und junge Lente zu Künstlern heranbilden oder beschäftigungslose Bürgertöchter zu Dilettantinnen. Die unklare Linie des unfruchbaren KunitIndividnalismus hat weder erzieherischen Wert. noch gibt sie dem Schüler eine berufliche Grundlage. Sie zu verlassen, ist die erste Notwendigkeit. um auf den Weg der berufsständischen Handwerkerschule zurückzukehren. Die neugestaltete Jolkwangschule für Handwerk und angewandte Kuntt wird von der Pflege des handwerklichen Könnens ausgehen in strenger und sachgerechter Schulung, die den Schüler ohne alle Kunstphantastereien den Weg über solide, sorgfältige Facharbeit zur verfeinerten Wertarbeit führt. Erst auf der Stufe des tüchtigen Handwerkers angelangt, wird ihm bei entsprechender Begabung der Wea zur künstlerischen Betätigung und Ausbildung freigegeben. Det auf der Folkwangschule ausgebildete Kunsthandwerker soll, auch wenn er zum rein künstlerischen Beruf gelangen sollte, nie die Achtung vor der Arbeit und vor dem Arbeiter verlieren. Diesen Zielen entsprechen sowohl die Lehrpläne als auch die Lehrpersonen der Schule, so daß diese nunmehr nicht mehr eine Schule des Dünkels, sondern eine Schule der Arbeit ist.(*t. Kray. — Diebe statteten nachts dem Hofraum Rotthausener Straße 112 einen Besuch ab und entwendeten von einer Handkarre vier Räder. Der Bestohlene hat eine Belohnung von 10 RM für die Namhaftmachung der Täter ausgesetzt. Filmbühne. Adler=Palast Welper.—„Hent kommt's drauf an!“" Eine lustige Begebenheit von Musik, Liebe und schönen Frauen. Ein Film mit auserwählten Darstellern, an der Spitze Hans Albers. Wo gibt's an Unterhaltung mehr für wenig Geld?! Der Film läuft nur noch bis einschl. Donnerstag. Erwerbslose zahlen die verbilligten Eintrittspreise. 3. Blatt Nr. 220. Noch eine vormarzliche Sumpfblüte. Syndikus unterschlägt über 12 000 RM. Der ehemalige Syndikus des Innungsausschusses Recklinghausen, Severin, wurde auf Anordnung der Staatsanwaltschaft in Haft genommen. Die polizeiliche Untersuchung hat ergeben, daß Severin sich unbefugterweise insgesamt 12 900 RM. zuviel Gehalt angewiesen und den Betrag unterschlagen hat. Weiterhin hat er sich der Urkundenfälschung schuldig gemacht, indem er Beschlüsse des Innungsausschusses durch Rasuren fälschte. Auch eine jährliche Büroleiterzulage von 800 RM. hat Severin ohne Wissen des Innungsausschusses der Kasse entnommen und für sich verwandt. Mit Sprengkapseln gespielt. Am 18. 9. 1933, gegen 15 Uhr, ereignete sich in Wanne=Eickel in der Ulmenstraße ein Unglück, das durch Spielen mit Sprengkapseln verursacht worden ist. Zwei Schüler wurden verletzt, davon einer schwer und der andere leicht. Beide Verletzten befinden sich im St.=Anna=Krankenhaus in Wanne=Eickel. Die Sprengkapseln wollen die Kinder gefunden haben. Sich selbst gerichtet. Der Strafgefangene Fritz Buthen erhängte sich am Dienstag morgen in seiner Gefängniszelle im Bottroper Gerichtsgefängnis mit einem Handtuch. Buthen sollte am anderen Morgen wegen schwerer Einbruchsdiebstähle abgeurteilt werden. Bereits vor vier Wochen hatte er wegen schwerer Viehdiebstähle im Vest Recklinghausen zwei Jahre, sechs Monate Gefängnis erhalten. Zwei Personenzugwagen entgleist. Im Bahnhof Unna entgleisten am Montag von einem von Dortmund kommenden um 18.58 Uhr nach Soest weiterfahrenden Personenzug zwei Personenwagen. Personen wurden nicht verletzt. Das Gleis war für einige Stunden gesperrt. Ueber die Ursache des Unfalls ist noch nichts bekannt. Universität Münster spendet 1000 RM. für die Winterhilfe. Die Westfälische Wilhelms=Universität in Münster stellte aus Anlaß des Westfalentages zur Linderung der Wintersnot einen Betrag von 1000 RM. zur Verfügung. Dr. von Rentelen wird die Branne Messe in Wuppertal eröffnen. Dr. von Rentelen trifft am Freitaa in Wupvertal=Barmen ein und wird an der Vollversammlung der Industrie= und Handelskammer teilnehmen. Er wird dann am Samstaa die Braune Messe eröffnen. Dr. von Rentelen hat ebenfalls sein Erscheinen bei der großen Kundgebuna der Nationalsozialistischen Handwerks-, Handwerker= u. Gewerbetreibenden=Organisation (NS. Hago) zugesaat die abends am Bismarckturm in Wuppertal stattfindet. Nebenberufliche Landsiedlung im Rheinland. Die Rheinische Heimstätten=GmbH., provinzielle Treuhandstelle für Wohnungs- und Kleinsiedlungswesen, veranstaltet zur Werbung für das Siedlungswerk der nationalen Regierung eine Wanderausstellung, die durch alle Städte gehen soll und am Dienstag in Düsseldorf eröffnet wurde. Die Ausstellung bezweckt, die Bevölkerung mit dem nationalsozialistischen Siedlungsprogramm bekanntzumachen. Bäuerliche Siedlungen sind im Rheinland nicht möglich, wohl aber Kurzarbeitersiedlungen für Arbeiter und Angestellte. Die ausgestellten Zeichnungen und Modelle zeigen, wie sich die Rheinischen Heimstätten und die heimische Architektenschaft schon mit der nebenberuflichen Landsiedlung beschäftigt haben. Schwindlerkrick. Ziebzehn Krankenhäuser beschwindelt In Düsseldorf würde der Artist Huac Geldmacher wegen fortgesetzten Krankenhausbetruges festgenommen. Er hatte sich seit März vorigen Jahres in 17 verschiedenen Krankenhäusern unterbringen lassen, um für einige Zeit versorgt 6A. Mann Kanns letzte Fahrt. Trauerfeier in der Solinger Stadthalle.— SA.-Kameraden geben dem Toten das Ehrengeleit.— Die Heimat empfängt ihren Sohn. Solingen stand am Dienstag im Zeichen der Trauerfeier für den in den städtischen Krankenanstalten verstorbenen Bochumer SA.=Mann Fritz Kann. In feierlichem Zuge wurde vormittags die Leiche von der Kapelle der Krankenanstalten zur Solinger Stadthalle gebracht. In dem mit Tannengrün, Blumen und zahlreichen Fahnen mit den nationalen Symbolen reich geschmückten großen Saal fand die Aufbahrung statt. Eine zahlreiche Menschenmenge hatte sich versammelt, um den Trauerzug zu erwarten, der sich unter den Klängen der Solinger Kirchenglocken zur Stadthalle bewegte. Allenthalben sah man Fahnen auf Halbmast; die Gaslaternen waren schwarz umflort. In dem großen Saal der Stadthalle, in dem vor acht Tagen die Trauerfeier für die zehn ersten Toten des Unglücks stattfand, hatten sich mehrere Abordnungen der SA., SS., des Stahlhelm eingefunden. SA.Männer hielten die Totenwacht. Man sah Angehörige des Toten, die Spitzen der Behörden sowie zahlreiche andere Trauergäste. Superintendent Pfarrer Thieme(Wald) hielt die Trauerrede. Bis zur Stadtarenze gab ein Sturmbann der Solinger SA., eine Abteilung der Schutzpolizei, Abordnungen des Stahlhelm. der SS., Hitler= und Stahlhelm=Jugend dem Toten das Ehrengeleit. In der Heimat. Gegen 16 Uhr traf der Wagen mit einer Abordnung der Solinger Standarte der SA. an der Bochumer Stadtgrenze in Laer ein, wo unter den wehmütigen Weisen einer Musikkapelle die Umbahrung des Sarges auf den bereitstehenden, mit Blumen geschmückten Wagen erfolgte. Sodann setzte sich das Trauergefolge in Bewegung, voran die SA.=Kapelle, das Banner der Standarte 17 und die Fahnen derselben, die SA.=Formationen in Stärke von fast 2000 Mann unter Führung des Standartenführer Hünina, die Ehrenbereitschaft der Schutzpolizei, die Gruppe mit den Kranzspenden gefolgt von dem Wagen mit dem Toten, zu beiden Seiten Abordnungen der SA. mit brennenden Fackeln. Die Hitler=Jugend. starke Abordnungen des Stahlhelms und eine Bereitschaft der SS. beschlossen den Zug. Die Häuser der Straßen, durch welche sich der Trauerzug bewegte, hatten halbmast geflaggt. Die Ampeln der brennenden Lichtleitungen trugen Trauerflor. Um 17,30 Uhr war der Zug im Stadtinnern eingetroffen. Er bewegte sich dann durch die Arndtstraße, über den Schwanenmarkt nach Bochum=Riemke zum Lutherhaus, wo weitere Abordnungen der SA. den Trauerzug in Empfana nahmen. Im Saale des Lutherhauses, der reichlichen Trauerschmuck und umflorte Hakenkreuzfahnen zeigte, wurde unter besonderen Ehren der Sarg des Toten mit der Hakenkreuzfahne und der SA.=Kopfbedeckung aufgebahrt. Der Vorbeimarsch des Zuges, welcher zu beiden Seiten der Straße von einer ungeheuren Menschenmenge erwartet wurde, nahm 2½ Stunden in Anspruch. Während des Zuges ertönte von allen Kirchen der Stadt Trauergeläute. Nach einer kurzen Trauerfeier findet am Donnerstaa die Beisetzung auf dem Ehrenfriedhof statt. zu sein. Seine Einlieferung machte er dadurch möglich, daß er epilept. Anfälle vortäuscht, um von einem Krankenauto fortgeschafft zu werden. Den Aerzten schwindelte er vor, infolge einer Kriegsverletzung erblindet zu sein. Sobald er merkte, daß man seinen Angaben keinen Glauben schenkte und Ermittlungen anstellte, verschwand er. Schiffsunfall im Duisburger Ein Lastkahn gesunken. Am Dienstag morgen gegen 11 Uhr drang im Duisburger Hasen beim Aufdrehen des Schiffes„H. L. III“ durch das Bugsierboot„Thyssen III“ im Thyssenhafen Schwelgern infolge des hohen Wellenganges Wasser in das offene Vorderschiff des„H. L. III“, das bald darauf den ganzen Schiffsraum füllte, so daß der Kahn innerhalb kurzer Zeit mit seiner 300=Tonnen=Ladung Schlacke versank. Die aus zwei Mann bestehende Schiffsbesatzung konnte sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Die Einfahrt zum Hasen ist durch das gesunkene Schiff stark behindert. Polizeipräsident Knickmanns Amtseinführung in Duisburg-Hamborn. Der neue Polizeipräsident von DuisburaHamborn, SA.=Brigadeführer Kniamann, der an Stelle des zum Regierungspräsidenten von Anrich beförderten bisherigen Polizeipräsidenten Refbard vom Ministerpräsidenten Goering ernant worden ist, wurde am Dienstag in feierlicher Weise durch Regierungspräsident Schmidt in sein Amt eingeführt. Der Regierungspräsident bearüßte ihn als alten Frontkämpfer und langlährigen Repräsentanten des SA=Geistes. Er übernehme die Leitung eines der schwierigsten und grösilen Bezirke, in dem wirtschaftlich wichtige In teressen vereinigt seien. Da er jedoch seit langen Jahren mit der Seele der Bevölkerung anf das engste verbunden sei, wisse er sie auch pspchologisch zu behandeln. Er sei der rechte Mann am rechten Platz. Im Namen der Beamtenschaft entbot Oberregierungsrat Wegeler dem neuen Präsidenten ein herzliches Willkommen. Dieser betonte in seiner Ansprache an die Beamtenschaft, daß er sein Amt als alter SA=Mann übernehme, um es im Sinne Adolf Hitlers zu führen. In großem Rahmen fand im Anschluß daran eine Feierlichkeit vor dem Stadttheater statt, wo Hunderte von SA=Männern der Standarte 138 Aufstellung genommen hatten, um ihren alten Führer zu begrüßen. SS., Stahlhelm und die Bereitschaften der Polizei schlossen einen vielfachen Kordon um die Fahnengruppen und hinter diesen Reihen harrte die Bevölkerung in dichtgedrängter Menge. Hier nahm der neue Polizeipräsident Abschied von seinen SA=Männern mit dem Gelöbnis, auch im neuen Amt den alten SA=Geist hochzuhalten. Brigabeführer Gutenberger rief ihm in diesem Sinne ein kräftiges Sieg=Heil zu, das in einem Gruß an den Führer, bekräftigt vom Horst=Wessel= und Dentschland=Lied, ansklang. Mittwoch, 20. Septbr. Die Ruhestätte der eigenen Frau geschändet. Gegen einen Invaliden in Bocholt ist ein Strafverfahren durch die Staatsanwaltschaft in Oberhausen eingeleitet worden, weil er das Grab seiner eigenen Frau geschändet hatte. Der Mann hatte früher mit seiner Frau in Streit gelebt und war schließlich nach Bocholt verzogen. Als die Frau starb, setzte ihr der Schwiegersohn einen Grabstein. Dem rabiaten Manne paßte das nicht. Er schlich sich auf den Oberhausener Friedhof, entfernte das Grabmal und zertrümmerte es. Radfahrer überfahren und getötet. Auf der Landstraße Steme=Hachenberg wurde der Schmied Fricke aus Krähenbrink(Sauerland) von einem Auto überfahren und auf der Stelle getötet. Fricke stürzte mit seinem Rade, als unmittelbar hinter ihm ein schwerer Personenkraftwagen angefahren kam, der ihn überfuhr und so schwer verletzte, daß der Tod unmittelbar darauf eintrat. Raubüberfall auf ein Stationsgebäude. Als der diensttuende Beamte das Stationsgebände in Lauenförde, aus dem er verdächtige Geräusche vernommen hatte, am Sonntagabend betrat, wurde er plötzlich von einem Einbrecher beschossen. Auf den herbeieilenden Bahnhofswirt feuerte der Einbrecher ebenfalls mehrere Schüsse ab und ergriff dann die Flucht. Von den ihn verfolgenden SA.= und Stahlhelmmännern, auf die gleichfalls von dem Einbrecher geschossen wurde, ohne glücklicherweise zu treffen, konnte der Verbrecher festgenommen und der Landjägerei übergeben werden. Bei dem Burschen wurden zahlreiche Nachschlüssel, Dietriche und eine Metallsäge gefunden. Während der Bahnhofswirt durch die Kugeln nur leichtere Verletzungen erlitt, mußte der Stationsbeamte mit einem Arm= und einem Gesichtssteckschuß in ein Krankenhaus gebracht werden. Revision im Mordprozeß Becker verworfen. In Uebereinstimmung mit dem Antrage des Reichsanwalts bestätigte das Reichsgericht am Dienstag das vom Schwurgericht Halle a. d. Saale am 31. März d. I. im Mordprozeß Becker gefällte Urteil. Damit ist der Handlungsgehilfe Richard Becker endgültig und rechtskräftig wegen Totschlags in zwei Fällen zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Prozeß erregte seiner Zeit besonderes Aufsehen, weil der Angeklagte vor Jahresfrist auf offener Straße seine Frau erschoß, von der er sich dauernd betrogen fühlte. Er wurde daraufhin zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, von denen ihm schließlich neun Monate wegen tadelloser Führung erlassen wurden. Nach Verbüßung seiner Strafe erschoß Becker im September vorigen Jahres in Halle der Arzt Dr. Boes in seinem Sprechzimmer. Dann fuhr er nach Duisburg und erschoß dort den Goldschmied Buchholz. Vor dem Urteil im Bottroper Kommunistenprozeß. Anklagevertreter beantragt zwei Todesurteile. Ein planmäßig vorbereitetes kommunistisches Unternehmen. Im Bottrover Kommunistenmordprozeß beantragte die Staatsanwaltschaft am Dienstag gegen die Angeklagten Kubek und Sieafried Schlossarek die Todesstrafe, gegen den Angeklagten Kozielski acht Jahre Zuchthaus und gegen den Angeklagten Paul Schlossarek ein Jahr Gesängnis.— Das Urteil wird heute(Mittwoch) mittag 12 Uhr verkündet. In der Verhandlung am Dienstag wurde zunächst die Zeugenvernehmung abgeschlossen, die wesentlich Neues nichts ergab. Im Anschluß an die Vernehmung der beiden letzten Zeugen wurden sämtliche in dem Prozeß aufgetretenen Zengen bis auf die beiden Zeugen Cziemek und Lassak vereidigt. Sodann hielt Staatsanwaltschaftsrat Landmesser sein Plädoyer, wobei er zunächst die zur Zeit der Tat herrschenden Zustände schilderte. Damals, vor dem Siege des Nationalsozialismus, habe man in einem laten. ten Bürgerkrieg gelebt, in einer Zeit täglicher kommunistischer Ueberfälle auf Nationalsozialisten. Er wies die Geschworenen auf die Schwere ihrer Aufgabe und Verantwortung hin und betonte, daß die harten aber gerechten Urteile Selig sind, die überwinden 2 Fortsetzung. „Das ist ja sicher. Aber wenn ön die Blicke der ehrsamen Spießbürger von Schwanfelde gesehen hättest, dann würdest ön dich nicht wundern, wenn sie morgen erzählten, ich sei mit Fränlein von Kresta verlobt!“ „Ach mögen sie doch..." Die Mutter hätte gern hinzugesetzt:„Ich könnte mir ja nichts Wünschenswerteres denken, mein Junge, als es würde dies eines Tages Wahrheit.... aber sie unterdrückte den Nachsatz klugerweise. Irene und Lia, die bereits Freundschaft geschlossen zu haben schienen, kehrten in das Empfangszimmer zurück. Ueber dem Sofa hingen in ovalen Goldrahmen vier Pastellbilder, Szenen aus dem Märchen„Schneewittchen“ darstellend. Frau Sabine machte Irene lächelnd auf die Bilder aufmerksam.„Sehen Sie doch mal Ihr Porträt an, Fräulein von Kresta! Es ist, als habe Ihr Bild dem Maler vorgeschwebt— so sehr gleicht sein Schneewittchen Ihnen! Wir werden Sie fortan„Prinzessin Schneewittchen“ nennen! Hab ich nicht recht, Magnus? Gleichen die Bilder Fräulein von Kresta nicht ganz fabelhaft?“ „Allerdings— jetzt, wo du uns darauf aufmerksam machst, Mutter, muß ich eine ganz merkwürdige Aehnlichkeit von Bild und— Original feststellen." Irene lächelte.„Prinzessin Schneewittchen! Gut, der Titel klingt schön, und ich nehme ihn gern an!“ Auf der Heimfahrt kam Magnus plötzlich eine, wie ihm schien, glänzende Idee: er wollte Irene von Kresta auch mit seinen Verwandten auf Schloß Rotky bekannt machen Wenn sie und Ingrid Freundinnen wurden, konnte auch er Ingrid oft, ... Roman von Erich Ebenstein und ohne daß es auffiel, sehen. Auf dem Schloß oder in Halmhof, bei gemeinsamen Ausflügen und andern Gelegenheiten, die er schon erfinderisch berbeiführen würde. Man konnte dann stets Lia und einen der Volontäre zuziehen, so daß er selbst sich mehr Ingrid widmen konnte, dafür würde er dann schon sorgen. Ganz erfüllt von diesem Gedanken und rasch handelnd, wie er war, begann Magnus sofort mit der Ausführung seines Planes. Er erzählte Irene von den Arlands anf Rotku, rühmte sie als besonders wertvolle Menschen, und schlug endlich vor, Fräulein von Kresta mit ihnen bekannt zu machen. Aber wie ein kaltes Sturzbad traf ihn dann Irenes kühl ablehnende Antwort.„Nein, danke, Herr Verwalter. Ich habe wirklich gar kein Verlangen nach Damenbekanntschaften— besonders, wenn sie aus Schwanfelde stammen. Mit Ihrer Schwester ist es natürlich etwas anderes. Die wollte ich kennenlernen, und sie gefällt mir so gut, daß ich denke, wir werden rasch vertraute Freundinnen werden. Fräulein Lia, die ja in Wien aufwuchs, hat auch gar nichts Kleinstädtisches...“ „Aber das hat auch meine Kusine Ingrid nicht! Sie ist nicht einmal in Schwanfelde geboren, und als mein Onkel noch lebte, waren die Verwandten viele Jahre lang auf Reisen. Sie haben die halbe Welt gesehen und eben dadurch einen größeren geistigen Horizont gewonnen, als die meisten andern Frauen, die ich kenne. Ich bin überzeugt, daß Sie sich ausgezeichnet verstehen würden mit den Damen!" „Möglich, aber ich habe nun einmal keine Sehnsucht, es überhaupt zu versuchen. Bitte, sprechen wir nicht mehr darüber.“ Es war in so kalt ablehnendem, geringschätzigem Ton gesprochen, daß Magnns einen dumpfen Groll gegen das schöne Mädchen in sich aufsteigen fühlte. Ein Groll, der blieb und sich mit Trotz mischte. Als Irene am Nachmittag einen gemeinsamen Spaziergang vorschlug, entschuldigte er sich, diesmal nicht dabet sein zu können, da er einer Einladung nach Schloß Rotky folgen müsse. Als Ersatz schlug er den Volontär Herrn von Ortlieb vor. Irene starrte ihn einen Augenblick verblüfft an, warf dann den Kopf in den Nacken und sagte hochmütig:„Danke. Meine Gesellschaft wähle ich mir am liebsten selbst.“ Ohne Gruß verließ sie die Halle, in der sich beide befunden hatten. Magnus aber fühlte sich ordentlich erleichtert durch den Entschluß, den beabsichtigten Besuch bei Tante Helene nun endlich machen zu können. „Schließlich bin ich hier doch als Verwalter und nicht als Sklave angestellt,“ dachte er troßig.„Und wenn dies Schneewittchen mit der Sphinxseele einmal erkennen muß, daß auch andere Menschen ihre Freiheit hochhalten, so kann ihr das gewiß nicht schaden..." Viertes Kapitel. In Schloß Rotky, einem alten Barockbau mit weiten, hallenartigen Räumen und Gängen, gewundenen Treppen und Treppchen, saßen die Damen gerade beim Nachmittagstee im Wohnzimmer der Herrin, als Magnus anlangte. Ein alter, weißhaariger Diener nahm seine Karte in Empfang und trug sie hinauf in das erste Stockwerk, um ihn anzumelden. Magnus hatte inzwischen Zeit, seine Umgebung zu betrachten. Wohin er blickte, alles gediegener Geschmack und Reichtum. Die waffengeschmückte Halle, von einem kostbaren Riesenteppich bedeckt, wies alte, geschnitzte Schränke und Truhen auf, außerdem eine lederne Klubgarnitur, die im Verein mit Blattgewächsen, einer schmiedeeisernen großen Laterne als Deckenbeleuchtung und einem Kamin aus grünem Porphyr eine stimmungsvolle Eckgruppe bildete. Zwischen den Waffengruppen hingen Jagdbilder von Gauermann. Rechts und links von der Halle zweigten helle, breite Gänge ab, die Rundbogenfenster an der Vorderseite und an der Rückwand eine Gemäldesammlung aufwiesen. Der Eingangstür gegenüber befanden sich zwei wunderlich gewundene Freitreppen aus braunem Holz mit Säulengeländer, die oben im ersten tockwerk auf eine geschnitzte Galerie mündeten. Der alte Diener kehrte zurück.„Die Damen lassen bitten.“ Magnus folgte dem Voranschreitenden nach dem ersten Stockwerk und durch eine Reihe altertümlich möblierter Zimmer bis an ein hell und freundlich gehaltenes Erkerzimmer. Hier kam ihm Helene Arland mit ausgestreckten Händen und freudigem Lächeln entgegen. „Willkommen, mein Junge, im Haus deiner Väter! Wir erwarten dich schon seit Tagen und Ingrid freut sich mit mir, daß du dein Versprechen nicht vergessen hast. Es ist ja zu nett, daß uns das Schicksal endlich den Wunsch erfüllte, dich und Lia kennenzulernen!“ Hinter der Tante stand Ingrid, hoch, schlank, eine Lichtgestalt mit strahlendem Lächeln, das schöne Haupt mit dem feingeschnittenen Antlitz, umwoben von dem Goldschimmer des üppigen Blondhaares. Auch sie reichte dem Vetter die Hand und hieß ihn millkommen. Und wieder ging dabei das helle, klare Leuchten ihres Blickes über ihn hin. Dieses wundersame Leuchten aus verborgenen Tiefen, das ihn schon das erstemal seltsam ergriffen hatte. Man setzte sich an den Teetisch, Ingrid hatte eine dritte Tasse geholt und für Magnus gefüllt, während ihre Mutter ihm Brötchen und andere Zutaten zuschob. Während das Gespräch sich zunächst um gleichgültige Dinge drehte, hatte Magnus Gelegenheit, seine Verwandten eingehender der letzten Zeit der notwendigen Herstellung des inneren Friedens dienten, Staatsanwaltsschaftsrat Pippert ging auf das Ergebnis der Beweisaufnahme ein. Es stehe fest, daß Kubek und Siegfried Schlossarek die Schüsse abgegeben hätten und daß beide mit Vorsatz und Ueberlegung gehandelt hätten. während Kozielski die Waffen zu der Tat geliefert und Paul Schlossarek sie verborgen gehalten habe. „Bei der Tat handele es sich um ein planmäßig vorbereitetes kommunistisches Unternehmen. Der Vertreter der Anklage beantragte schließlich gegen Kubek und Siegfried Schlossarek wegen Mordes die Todesstrafe, gegen Kozielski wegen Beihilfe zum Mord acht Jahre Zuchthaus und gegen Paul Schlossarek wegen Begünstigung ein Jahr Gefängnis. Am Donnerstag Urteilsverkündung im Bernsau-Prozeß. Nach siebentägiger Verhandlung wurden am Dienstag im Hagener Prozeß wegen der Ermordung des SA=Mannes Bernsau in Iserlohn die Plädoyers der fünf Verteidiger zu Ende geführt. Im letzten Augenblick hatte der Hauptangeklagte noch einen Beweisantrag dafür gestellt, daß er die Tat unter dem Einfluß von starkem Alkoholgenuß ausgeführt habe. Die benannten Zeugen wurden vernommen, sagten aber aus, daß Schidzik an dem betreffenden Abend nur zwei Glas Weißwein getrunken habe, so daß auch der letzte Einwand, daß er nicht mit Ueberlegung die Mordtat ausgeführt habe, hinfällig wurde. Die Urteilsverkündung wurde auf Donnerstag 15 Uhr festgesetzt. Abenteuer eines japanischen Kanonenbootes. Etwa zur gleichen Zeit des großen Erdbebens in China hatte ein japanisches Kanonenboot im Stillen Ozean ein merkwürdiges Erlebnis. Nach einem Bericht, der bei der japanischen Admiralität von Bord des Kriegsschiffes vorliegt, wurde das Kanonenboot, als es südöstlich von den Carolinen in einer Lagune einer Korallen=Insel vor Anker lag. plötzlich von einer ungeheuren Flutwelle erfaßt und losgerissen. Als das Schiff, nachdem es von der Welle mehr als 30 Meter in die Höhe geschleudert worden war, wieder herunterkam, wäre es beinahe gekentert. Es gelang aber noch mit Volldampf die hohe See zu erreichen. Später konnte das Kriegsschiff feststellen, daß die ganze Insel, vor der es geankert hatte, vollständig verschwunden war. Die See war meilenweit mit toten Fischen, Tana und Holmen bedeckt. jüngster Sensations=Prozeß. Geheimnis um Hauptmann Costello. Mord mit Zyankali. Die schöne Jessie und ihr Verräter. Neuyork. Wochenlang hielt der Prozeß, der jetzt vor den Geschworenen des Städtchens Salem(Massachussets) zu Ende geführt wurde, Amerikas Oeffentlichkeit in Aufregung. Ist die schöne Jessie Costello eine Mörderin? Hat sie ihren Gatten, Kapitän Bill Costello, die tödliche Dosis Cyankali eingegeben, die ihm in wenigen Augenblicken das Leben raubte, oder war der Tod auf einen unglücklichen Zufall zurückzuführen? Volle 36 Stunden berieten die Geschworenen von Salem, bis sie sich über diese schicksalsschweren Fragen schlüssig wurden, und dann das Verdikt fällten: Jessie Costello ist nicht schuldig! Und als dieser Wahrspruch vom atemlos lauschenden Auditorium vernommen wurde, brauste ein Beifallssturm durch den Saal, wie man ihn vor einem amerikanischen Gericht vielleicht noch niemals erlebt hatte. So sehr waren alle Gemüter durch diesen seltsamen Prozeß in Erregung versetzt worden. Hauptmann Costellos geheimnisvoller Tod. Es war auch ein Fall, wie ihn selbst ein erfindungsreicher Kriminalschriftsteller nicht kolportagehafter und geheimnisvoller hätte gestalten können. Zehn Jahre hindurch hatte Bill Costello, Kommandant der Ortsfeuerwehr von Salem, mit seiner Gattin, in scheinbar harmonischer Ehe gelebt. Drei Kinder waren dieser Ehe entsprossen und bis zum vergangenen Jahr kannte die Familie auch keinerlei Geldsorgen. Da brach die Krise, die das Zeitalter der Prosperity weggeschwemmt hatte, mit voller Wucht auch über das friedliche Städtchen herein. Die Stadtverwaltung konnte ihren Angestellten nicht mehr die Gehälter auszahlen. Beamte wurden entlassen und schlienlich bekam auch Hauptmann Costello seinen Abschied. Costello, der in der letzten Zeit gesundbeitlich nicht mehr auf der Höhe war, konnte sich noch eine Zeitlana über Wasser halten; dann waren seine letzten Ersparnisse aufgezehrt und die Famille stand vor dem Nichts. Bevor es aber soweit kam, hatte sich der entlassene Feuerwehr=Kommandeur mit einem inngen Ehepaar angefreundet: dem Polizisten Edward J. Mac Mahon und seiner Frau. Zwischen den beiden Familien entwickelte sich ein reger gesellschaftlicher Verkehr, der jedoch mit der Zeit eigenartige Formen annahm. In der Nachbarschaft wurde darüber viel geklatscht, denn es war bald anfgefallen, daß Mac Mahon mit Vorliebe allein kam, und zwar meistens dann, wenn Bill Costello vom Hause abwesend war. Anfang dieses Jahres fand man Bill Costello an einem Morgen tot auf. Er war auf dem Treppenabsatz zusammengebrochen und seine Gatzu beobachten, als es neulich in Gesellschaft fremder Menschen möglich gewesen war. Sie erschienen ihm jetzt in ihrem Heim, in den einfachen Hauskleidern, umgeben von den Dingen, die ihre engere Welt ausmachten, erst so recht im richtigen Rahmen und noch viel anziehender als das erstemal. Alles hier trug den Hauch ihres Wesens, war hell, klar, heiter und harmonisch. Keine überflüssigen, zwecklosen Ziergegenstände füllten den in hellen Farben gehaltenen Raum, der die Ecke des Gebändes zu bilden schien. Außer zwei großen Fenstern nach verschiedenen Richtungen gab es noch fünf schmale im Erker, der voll blühender Gewächse stand und die eine Ecke des Gemachs bildete. Ihm gegenüber stand ein großer, weißer Kamin mit Messingeinfassung. Die dritte Ecke nahm eine kleine Polstergarnitur aus rosengemusterter, hellgrüner Seide ein, während die vierte ein altertümlicher Eckschrank mit Büchern ausfüllte. Ein Vertiko und ein paar andere Möbelstücke, alle aus dunklem Holz, dazu mit hübschem Schnitzwerk versehen, zwei große Landschaftsbilder in Goldrahmen und verschiedene Fotografien und Familienbilder vervollständigten die Einrichtung, dem Raum so trotz der hellen Tapeten, dem lichten Teppich, den vielen Blumen und den starken Lichtfluten aus sieben Fenstern doch auch einen ernsten Charakter verleihend. Tante Helene, aus deren Gesicht mehr unendlich warme Güte als gerade besonders ausgeprägter Geist sprach, wußte sehr angeneym zu plaudern. Sie hatte auf Reisen und bei lang ausgedehnten Aufenthalten in Rom, Paris und im Haag viel gesehen und wußte es fesselnd wiederzugeben. Ingrid, die äußerlich nicht die leiseste Aehnlichkeit mit der Mutter besaß, innerlich aber im denkbar innigsten Verhältnis zu ihr stand, so daß ein Blick, eine Miene, eine leise Bewegung sofort vollstes gegenseitiges Verstehen bekundete, warf nur hier und da ein ergänzendes Wort in die Rede der Mutter. Ihre Stimme, die weich und klangvoll war, klang wie Musik. Magnus hätte nur ihr immer nachlauschen mögen. (Fortsetzung folgt.) tin rief selbst einen Arzt zu Hilfe. Der Arzt stellte schon bei der ersten Untersuchung fest, daß Hauptmann Costello alle äußeren Symptome einer Cyankali=Vergiftung aufwies. Mord, Selbstmord oder Unfall? Die gerichtsärztliche Untersuchung bestätigte dieses Ergebnis vollauf. Im Körper des Toten wurden einwandfrei Spuren des mörderischen Giftes festgestellt. Aber Jessie hatte bereits eine plausible Erklärung zur Hand. Sie zeigte der Gerichtskommission ein riesiges Zinkbecken, das sich in ihrer Waschküche befand, und erklärte, daß sie sich zur Reinigung dieses Beckens einer Lösung bediene, in der auch Cyankali enthalten sei. Entweder habe sich also ihr Mann vergriffen und anstatt seiner Medizinflasche, die mit der aiftigen Lösung benutzt oder er habe in selbstmörderischer Absicht von dem Gift getrunken. Sie selbst sei jedenfalls an seinem Tode unschuldig. Die Untersuchung häufte jedoch Indizien auf Indizien gegen die junge Frau. Sie hatte in der letzten Zeit mit ihrem Mann wiederholt Zerwürfnisse gehabt. Die Medizin, die Bill Costello zu sich nahm, wurde stets von seiner Frau zubereitet und in einem besonderen Fach verschlossen. Und dann kam das schwere Belastungsmoment. Die Aussagen des Polizisten Mac Mahon, die dem Fall eine völlig neue Wendung gaben. Drohungen gegen die Geschworenen. Mac Mahon war, ebenso wie andere Personen, aus dem Bekanntenkreise der Costellos, in der Untersuchung vernommen worden und begann gleich die intimsten Einzelbeiten seiner Freundschaft mit Jessie auszupacken. Seine Aussage war so schwerwiegend, daß die Staatsanwaltschaft aegen Jessie die Anklage wegen Gattenmordes erhob, da es festzustehen schien, daß die leibenschaftliche und hemmunaslose Frau sich von dem kranken Ehemann befreien wollte. Die Bekundungen Mac Mahons wurden bald in der Oeisentlichkeit bekannt und ein Sturm der Empörung erhob sich geaen den indiskreten Liebhaber, dem man vorwarf, daß er ohne zwingenden Grund seine Geliebte an den Pranger gestellt habe. Die Stadt spaltete sich in zwei Lager, die einander mit größter Heftigkeit befehdeten und teils für. teils gegen die Angeklagte waren. Die weitaus größere Partei war allerdings auf Jessies Seite und insbesondere die mächtigen Frauenvereine setzten sich mit aller Leidenschaft für sie ein. Es kam soweit, daß Mac Mahon sich nicht mehr öffentlich zeigen konnte, während die berühmtesten Advokaten der Staaten sich kostenlos der Angeklaaten zur Verfügung stellten. Aus allen Teilen von USA. kamen Zuhörer, die diesem Prozeß versönlich beiwohnen wollten Zieuerstreik gegen den Kronzeugen. Volle vier Wochen dauerte die Verhandlung. Sie peitschte die Erregung in dem Städtchen derartia hoch, daß die Geschworenen von den Frauen sogar mit dem geschäftlichen Bonkott bedroht wurden für den Fall, daß sie einen Schuldspruch fällen sollten. Ein Stenerstreik wurde vropagiert, um Mac Mahons Entlassung ans dem Polizeidienst durchzusetzen... Die Angeklaate selbst leuanete jede Schuld und bestritt auch mit allem Nachdruck andere als rein gesellschaftliche Beziehungen zu Mac Mahon unterhalten zu haben. Die Sachverständigen fanden, daß Bill Costello beim Waschen des Zinkbeckens von den alstigen Dämpfen getötet worden sein konnte. Jessie Costello wurde freigesprochen. Sie wird jetzt mit Varieté= und Filmangeboten überhäuft und soll demnächst nach Hollywood gehen. Ein happy=end, an dem allerdings vielleicht nur Amerika Geschmack finden wird. eibeamter erschießt einen ittlichkeitsverbrecher. In Jena wurde der 54jährige Transportarbeiter Ernst Berger beobachtet, wie er das 6½jährige Mädchen eines Arbeiters an sich lockte und mit in sein Gartenhäuschen nahm. Der Vater des Kindes wurde benachrichtigt und rief einen Polizeibeamten herbei. Als der Beamte den Berger verhaften wollte, leistete dieser energischen Widerstand, so daß das Ueberfallkommando herbeigerufen werden mußte. Diesen Augenblick benutzte Berger. um sich mit einem Beil auf den Beamten zu stürzen. Zwischen beiden kam es zu einem Kampf, wobei der Beamte schließlich in der Notwehr von der Schußwaffe Gebrauch machen mußte. Durch den ersten Schuß wurde Berger in die Hand getroffen, doch holte er erneut mit dem Beil aus, worauf ihn zwei weitere Schüsse unschädlich machten. Das Ueberfallkommando brachte den Schwerverletzten in ein Krankenhaus, wo er bald verstarb. Tragödie der Einsamen. Das Geheimnis um Martha Toth. Ein Mädchen wird zum Mann. Selbst die Mutter wußte nichts. Budapest. Im gerichtsmedizinischen Institut von Budapest spielte sich vor wenigen Tagen eine eigenartige Szene ab. Der Sachverständige Dozent Dr. Wittrich ließ die Leiche der an Erstickungsanfällen verstorbenen 50jährigen Arbeiterin Martha Toth in den Sezierraum bringen. Kaum hatte man den Körper auf den Marmortisch gelegt, als der Arzt unwillig die Diener anfuhr: „Passen Sie doch auf! Sie haben mir ja eine Männerleiche auf den Tisch geleat!“ Einer der Diener, ein alter, im Dienst ergrauter Mann protestierte:„Die Leiche ist richtig, Herr Doktor. Eine Verwechslung ist ausgeschlossen. Es ist die Leiche der Martha Toth.“ Einige Stunden später war das Phänomen der männlich=weiblichen Leiche aufgeklärt und damit auch die Zusammenhänge einer stillen Tragödie enthüllt, unter der ein einsamer Mensch mehr als zwei Jahrzehnte hindurch aelitten hatte. Ein kleines, blondes Mädel... Eines steht fest: Martha Toth war vor fünfzig Jahren als Mädchen geboren worden. Im ganzen Ort kannte man das auffallend schöne Kind, das mit seinen blauen Augen und langen blonden Locken wie ein kleiner Engel anzusehen war. Den Eltern ging es wirtschaftlich nicht gerade gut, so daß die kleine Martha schon mit dreizehn Jahren zum Unterhalt der Familie beisteuern mußte. Sie wurde Arbeiterin in einem benachbarten Vorort der Hauptstadt. Mit 17 Jahren verließ Martha Toth das Elternhaus, in dem es ewig Zank und Streit gab. Kurz darauf wurde die junge Arbeiterin von einer schweren Typhuserkrankung betroffen. Sie genas, erkrankte aber einige Zeit später wieder schwer, und zwar diesmal an Kopftyphus. Martha wurde ins Krankenhaus eingeliefert und damals konnten die Aerzte noch einwandfrei feststellen, daß die Patientin ein Mädchen war. Martha Toth zählte damals 23 Jahre. Als sie endlich geheilt das Spital verließ, hatte sie ihr schönes, blondes Haar fast aanz verloren. Ihre Gesichtszüge waren spitz und unschön geworden und auch sonst schien mit ihr eine seltsame körperliche Veränderung vorzugehen. Sie zog sich von allen ihren Bekannten zurück, arbeitete weiter in der Fabrik, führte aber sonst das Leben eines Sonderlings. Die Nachtwächterin ist ein— Nachtwächter. Im Laufe der Jahre erwarb sich Martha Toth das größte Vertrauen der Fabrikleitung, so daß sie mit dem Transport von Lohngeldern aus der Bank betraut und schließlich als Nachtwächterin angestellt wurde. Ihre Lebensweise hatte inzwischen ebenso wie ihre Tätigkeit einen stark mannlichen Einschlag bekommen. Sie sprach mit tiefer Stimme, rauchte eine Pfeife und leate bei den schwersten Arbeiten mit Hand an. Die jungen Arbeiter pflegten sie scherzhaft„Onkel Martha“ zu nennen, allerdings nur hinter ihrem Rücken, denn jede Anspielung auf ihren männlichen Habitus konnte sie in rasende Wut versetzen. Am Sonntag nachmittag starb Martha Toth, und erst auf dem Seziertisch wurde die merkwürdige Entdeckung gemacht, daß diese Frau eigentlich ein Mann war. Selbst ihre greise Mutter hatte keine Ahnung von der Veränderung, die mit dem Mädchen vor sich gegangen war und die wahrscheinlich nach ihrer letzten schweren Erkrankung begonnen hatte. Das bedauernswerte Geschöpf dürfte unter dieser Verwandlung schwer gelitten haben, aber Scham und Anast vor der Außenwelt hielten Martha davon ab. ihr Geheimnis irgendwie zu verraten. So blieb sie ein einsamer, scheuer und verbitterter Mensch, dem sein eigener Körper zu einem schrecklichen und unlösbaren Rätsel wurde... Die groste Reise des Nreügers„Köln." Von Wilhelm Holte, Ob. Mech. Gefr.(A), Krenzer„Köln“. Das„Hamburg des Östens".— Kobe.— Ein Ausflug nach Kioto.— Durch die Inlandsee. Guam liegt hinter uns. Mit der Steuerbordseite passieren wir die lange Inselgruppe der ehemals deutschen Marianen und halten an den Bonin=Inseln vorbei auf den heiligen Vulkan der Japaner, dem Fujiyama, zu. Der Morgen des 28. Juni ist ein nebeliger, und es ist darum nicht möglich, der Küste so nahe zu kommen, daß die Besatzung das Symbol des„Deutschlands des Osten", Japan, zu sehen bekommt. Mit halbstock gesetzter Flagge, heute ist der Tag der Unterzeichnung des Schanddiktates von Versailles, fährt die„Köln" an der Südostküste Japans entlang. Kobe. dem„Hamburg des Ostens“ entgegen. Vor dem Bug taucht am 20. Juni 1933 aus dem leichten Morgennebel diese Großstadt, gelegen im äußersten Winkel der sapanischen See. auf. Hunderte von Dschunken, die in der Morgenfrühe dem Fischfang nachgehen oder aber Güter nach den kleinen bewohnten Inseln bringen, begegnen uns. Ein frohes farbenprächtiges Bild, diese primitiven Boote mit ihren gerippten, quadratischen Segeln auf dem blauen, leicht bewegten Wasser: im Hintergrunde hohe, von Wolken umspielte Berge im goldenen Schein der aufgebenden Sonne. Geschäftig rattern Motorboote dazwischen. heulen die Sirenen der uns passierenden Dampser.— Die Einfahrten zu diesem Hafen— es sind deren drei- sind durch hohe Leuchtkürme, die uns schon von weitem grüßten, gekennzeichnet. Ein langer Wellenbrecher birat hinter sich den modernsten Hafen auf der Insel Hondo. Ein Wald von Schornsteinen ragt aen Himmel: die zu den Schiffen gehörigen Masten tragen bunte Sianalflaggen. Iwischen ihnen jagen unzählige kleine Motorboote und segelnde Kutter. Frachtkähne und Schuten werden durch qualmende chlepper an die modernen Betonpiers gezogen. Deutsche Schiffahrtslinien haben einen händigen Verkehr mit Japan, der Hapaadampfer„Nordmark“ löscht im Hafen und setzt, als die„Köln“ in den Hafen einläuft ein Begrüknnas. signal. Die an den Piers und Bosen liegenden Japaner und andere Schiffe der internationalen Flotte dippen ihre Flagge zum Gruß. Mit dem Bug macht der Kreuzer an einer Voje seit. Backbord die sapanische See und Steuerbord die unter einer ewigen Qnalmwolke liegende Stadt, die sich an die Berge anlehnt. Jobe=Hiogo hat etma 790 000 Einwohner. unter ihnen 5000 Chinesen und über 2000 Fremde, davon etwa 430 Reichsdentsche. Kobe ist die Regierungsstadt der Provinz Hiogo. Ursprünglich eine Doppelstadt, das Fremdenviertel Kobe und die Japanerstadt Hiogo waren durch den Minato=Fluß getrennt, ist sie nach dem Zuschütten des Minatogawa zum einem Ganzen verwachsen. Kobe mutet mit seinen gepflegten Straßen, mit seinen durch die japanische Gartenkunft besonders schönen Gärten und mit seinen großen Handels= und Warenhäusern eurnpäisch an, während Hiogo mit der Gleichförmigkeit seiner niedrigen Häuser, die in regelmäßigen Straßen eng aneinandergereiht sind, seinen japanischen Charakter bewahrt hat. Der Umschlaghafen Kobes ist erst jüngeren Datums und als Ersatz für den Hafen der Zweieinhalbmillionenstadt Osaka gedacht, da die Bucht vor Osaka für tiefgehende Seeschiffe zu seicht ist. Als Beispiel für die Wichtigkeit Kobes als Hafen sei angeführt. daß 1927 viertausend Dampfer 13,5 Mill. Tonnen Waren aus= und einführten. Die Werften bauen Kriegsschiffe und die Schwimmdocks— zwei davon sind deutschen Ursprungs— haben reichlich zu tun, um die Bodenanstriche der Schiffe zu erneuern. Auch die„Köln“ bekommt in dreitätiger Dockliegezeit die Miesmuscheln, die sich auf der halbjährigen Reise angesetzt haben und ein Fahrthindernis bilden, abgekratzt und einen teilweisen neuen Anstrich. Das Leben Japans unterscheidet sich wesentlich von dem der Länder, die wir zu sehen Gelegenheit gehabt haben. Auf Brettchen, an deren Unterseite zwei hohe Leisten befestigt sind und die die Fußbekleidung des zierlichen und arbeitsamen Volkes ausmachen, trippeln klappernd die schwarzhaarigen, zarten Frauen im malerisch bunten Kimono, der durch einen breiten, seidenbestickten Gürtel gehalten wird und tiefe Taschen an den Aermeln hat, durch die mit vielfarbigen Reklameschildern verunzierten, aber dadurch javanisch anmutenden Straßen. Seidene Sonnenschirme schützen die empfindliche Haut, sowie das Jüngste, das man hier, auf dem Rücken gebunden, trägt, vor Sonnenbrand. Mit dem unvermeidlichen Fächer. ohne den man sich eigentlich keinen Japaner vorstellen kann, sächeln sie sich graziös Luft zu und scheinen den ganzen Tag nur zu lächeln, genau wie die Sonne, die ihre Strahlen auf dieses Fleckcken Erde wirft. Keine Uebertreibung ist es, wenn der Japaner seine Frauen so zart, so bunt und seingliedrig malt und zeichnet. Verhältnismäßta selten sieht man bei den sapanischen Frauen Kobes, Osakas und Kiotos europäische Trachlen und wenn schon, so verraten schon von weitem die in europäisches Schubwerk gezwängten Füße am Gang, daß man sich an diese Tracht schlecht gewöhnen kann. Das männliche Geschlecht dagegen kleidet sich abendländisch: typisch dabel ist die „Kreissäge" oder„Butterblume". jene euroväische Kopsbedeckung. Die Geschäftsstraßen bieten vor allem in den Abendstunden ein interessantes Bild. Da reihen sich Verkaufsstände zu einem Bazar zusammen und bieten, nicht in der aufdringlichen Art der Araber und Jnder, die herrlichsten Sachen feil. Da Kobe das Einfalltor für den Fremdenverkehr nach Japan bildet, sinden wir hier alle echt japanischen Erzeugnisse: Rohseide, Zeidenstickereien, Brokat, echte Perlen. Schildpatt. Damaszener Arbeiten. kleine Kunstgegenstände ans Elfenbein und Bronze, Lackwaren und Porzellan zu den für uns niedrigen Preisen. Der Yen hat nach deutschem Gelde 0.92 RM. Wert. gegenüber 2.20 RM. in früheren Jahren, doch ist die Kaufkraft des Geldes in Javan dieselbe geblieben, so daß für uns eine besonders gute Einkaufsgelegenheit vorhanden ist. Das sapanische Porzellan und das teure Satsuma=Steingut mit herrlichen Handmalereien rufen das Entzücken der Seeleute hervor, die handelnd ein jedes Geschäft durchstöbern. Die in der ganzen Welt berühmten Teehäuser finden ebenfalls Anklang. weniger wegen des grünen, sehr auten Tees. als wegen des Ausziehens der Schuhe. Ein solches Haus darf nur auf Strümpfen betreten werden, damit die hochglanzpolierte Fläche des Fußbodens nicht beschädigt wird. An der Menge der vor dem Eingang stehenden Schuhpaare ist leicht zu ermessen, wie das Haus besetzt ist. Der dentsche Zirkus Karl Hagenbeck, der sich im ersten Drittel dieses Jahres nach Japan eingeschifft hat, hat seine Zelte zwischen Osaka und Kobe aufgebaut und die Besatzung der „Köln“ zum unentgeltl. Eintritt eingeladen. Die Zirkusleute kommen an Bord und staunen, welch ein Unterschied zwischen einem Kriegsschiff und einem Zirkustransportdampfer herrscht; auch interessieren sich die Besatzungen der unter der Hakenkreusflagge eingelaufenen Dampfer „sar“,„Rheinland“(den wir hier zum zweitenmale getroffen haben) und„Burgenland“ lebhaft für den schmucken Kreuzer. Die Besatzung des französischen„Avisos“, der hier eine Werftliegezeit macht, läßt sich nicht sehen, was wir nur begrüßen. (Fortsetzung folat.) damals eststellen, . Als sie e sie ihr en. 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Die meisten der deutschen Leichtathleten trafen am Montag bereits von Paris kommend in Saarbrücken ein und beteiligten sich am Dienstag am großen leichtathletischen Sportfest Trotz des Alltags hatten sich nicht weniger als 10000 Zuschauer eingefunden, die auch glänzende Leistungen zu sehen bekamen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der 1000=m=Lauf, den der alte Kämpe Dr. Peltzer in 2:30,8 Min vor König, Kaufmann und dem Stuttgarter Paul gewann. Bei der 750=m=Marke setzte Dr. Peltzer zum Zwischenspurt an und ließ die junge Garde glatt hinter sich. Der Abstand zwischen ihm und König betrug etwa 6 Meter.— Im 5000=m=Lauf gab es ein Duell zwischen Syring und Schilgen, das Syring knapp für sich entscheiden konnte. Der Bochumer Borchmeyer holte sich den ersten 100=m=Lauf und auch den 200=m=Lauf, während im zweiten 100=m=Lauf der Pirmasenser Hornberger den Krefelder Hendrix schlagen konnte. Das Hochspringen gewann der Münsteraner Weinkötz durch Stechen gegen Stoeck. Beide sprangen 1,89 m hoch. Hans Sievert war wieder nicht besonders auf der Höhe. Er betätigte sich nur im Diskuswerfen, das er auch mit 45,88 m vor Hirschfeld gewann. Die Ergebnisse: 1. 100=m=Lauf: 1. Borchmeyer 10,9; 2. Mährlein 10,9, 3. Buthe=Pieper 11 Sekunden; 2. 100=m=Lauf: 1. Hornberger(Pirmasens) 10,9; 2. Hendrix 10,9 (Brustbreite); 3. Schein 11 Sekünden. 400 m: 1. Nehb(Rastatt) 51 Sekunden. 1000 m: 1. Dr, Peltzer 2:30,8; 2. König(Hamburg) 2:32,2; 3. Kaufmann 2:32,5; 4. Paul(Stuttgart). Speerwersen: 1. Weimann 68,59 m; 2. Stoeck 66,07 m; 3. Weyland(Trier) 59,20 Meter. 4=mal=100=m=Staffel: 1. Nationalmannschaft: Hendrix, Borchmeyer, Buthe=Pieper, Schein 42 Sek.; 2. Eintracht Franksurt 43,4; 3. DSC. Saarbrücken 44,4 Sek. Stabhoch: 1. Wegener 3,85 m. 200 m: 1. Borchmeyer 21,9; 2. Schein 22,8; 8. Hornberger 22,5. 5000 m: 1. Syring 15:28; 2. Schilgen 15:29,2; 3. Gebhardt 15:36,5. Schwedenstaffel: 1. Nationalmannschaft mit Voigt, Metzner, Hendrix, ButhePieper 1:58,2; 2. Eintracht Frankfurt mit Dr. Peltzer als 400-m=Mann 2:00,4; 2. DSC. Saarbrücken 2:04,9. Weitsprung: 1. Biebach 7,87 m; 2. Long 7,18 m. Hochsprung: 1. Weinkötz 1,89 m; 2. Stoeck 1,89 m. Diskus: 1. Sievert 45,88 m; 2. Hirschfeld 45,20; 3. Stoeck 41,20 m. Kugel: 1. Hirschseld 15,10 m; 2. Debus 18,80 m. Steinstoßen: 1. Debus 10,90 m. 10=mal=100=m=Staffel: 1. DSC. Saarbrücken 1:53,1. Was sagt uns-Paris? Deutschlands großer Gegner in Europa ist und bleibt Finnland. Nach dem Siea im Länderkampf gegen Frankreich taucht natürlich wieder die Frage auf, wer überhaupt in Europa gegen Deutschland bestehen könnte. Italien ist es nicht, denn nach den Ergebnissen von Paris und denen des Länderkampfes Italien— England(85:62 für Italien) bätte Deutschland mit 89:58 Punkten die Italiener schla gen müssen. Dabei ist die 4 mal 400 m, die bei diesem Länderkampf fehlte, und von Deutschland bestimmt gewonnen worden wäre, nicht einkalkuliert. Auch gegen Schweden hätte Deutschland mit den Pariser Leistungen den Länderkampf glatt gewonnen. Dabei waren unsere Athleten in Paris durchweg nicht in bester Form.— Deutschlands großer Gegner ist und bleibt— Finnland Daß die Verhandlungen mit den Finnen zum Abschluß eines Länderkampfes nicht richtig gedeihen wollen, zeigt, daß die Finnen sich ihrer Vormachtstellung auch nicht sicher sind. * Waitzer und Barrelet ausgezeichnet. Der französische Leichtathletik=Verband hat auf dem Bankett nach dem Länderkampf den deutschen Reichssportlehrer Waitzer und den deutschen Mannschaftsführer, den Hamburger Barrelet, durch Ueberreichung der goldenen französischen Sportmedaille geehrt. Der französische Vertreter betonte dabei, daß er wünsche, die Olympischen Spiele 1936 in Berlin würden in dem sportlichen Hochsinn dieses Länderkampfes ausgetragen. * Wir erfahren zu dem Nichtstarten von Wel scher und Wegener im 110=m=Hürdenlauf, daß Welscher von Turin her noch verletzt war und Wegener wegen undisziplinierten Verhaltens auf der Fahrt von Turin nach Paris gemaß, regelt wurde und schon am Samstag wieder abreisen mußte. Für Wegener konn diese Maß regelung böse Folgen haben; man wird sich überlegen, ob man ihn für die Zukunft noch bei Länderkämpfen berücksichtigen wird. ** Sievert soll in diesem Monat noch in Göteborg an den Start gehen und dort auf den guten lettischen Mehrkämpfer Dimeza und die Schweden Dahlgren und W. Jansson treffen. Ob Sievert der Einladung Folge leisten wird, steht noch nicht fest. * Glänzende schwedische Athletik=Leistungen. Bei einem Sportfest in Malmö gab es überragende Leistungen. Liungberg sprang 4,11 m stabhoch, Warald Andersson warf den Diskus 49,08 m weit und Wennberg lief 8:59,1 Min. über 1500 m. Ueber 400 m brauchten Wachenfeld und Stroemberg je 49,8 Sek. Schweden hat keine Angst vor dem Länderkampf gegen Ungarn am kommenden Wochenende. Europa=Schwimmeisterschaften in Magdeburg. Ein neues Schwimmstadion wird gebaut. Dem Magdeburger SC. von 1891 ist es nunmehr nach langen Verhandlungen gelungen, als Veranstalter der Europa=Schwimm=Meisterschaften 1984 seine Vorbereitungen zu einem gewissen Abschluß zu bringen. Endlich ist ein geeignetes Gelände gefunden worden, auf dem mit dem Bau einer neuen Kampfbahn begonnen werden soll. In wenigen Tagen wird im Beisein der Behörden auf dem dazu ausersehenen Gelände des Stadions Neue Welt“ der erste Spatenstich erfolgen. Etwa 200 Mann werden für Monate dabei Lohn und Brot finden. Deutschland und England. Die Internationale Motorrad=SechstageIn dem kleinen Waliser Kurort LlandrindodWells wurde die diesfährige Internationale Motorrad=Sechslagefahrt, die die letzte große internationale motorsportliche Veranstaltung der Saison in jedem Jahre ist, gestaret. Dentschland liegt mit 14 Maschinen im Wettbewerb und schnitt am ersten Tage ganz ansgezeichnet ab. In der Ländermannschaftswertung um die internationale Trophäe laa Dentschland mit den Münchenern Henne und Stelzer(beide 750 cem BMW.=Solo) sowie Mauermeyer(750 ccm BMW.=Seitenwagen) nur noch mit England allein im Wettbewerb. Das italienische und dad tschechische Team, die noch am Start waren, schieden auf der 295 Klm. langen ersten Etappe schon aus. Bei den Tschechen fiel die ausschreibungsgemäß mitfahrende Seitenwagenmaschine mit Kaiser aus, da die Maschine zertrümmert wurde. Bei den Italienern mußte der Solofahrer Pignonini aufgeben. Die Fahrroute des ersten Tages war sehr schwierig; die Beschaffenheit der Straßen ließ manches zu wünschen übrig.— Von den drei deutschen Teams(NSU, DKW, Zündapp), die sich um die„Silberne Vase“ bemühen, hatten DKW. und Zündapp schon je 12 Strafpunkte erhalten, während NSU. noch strafpunktefrei war. Als Einzelfahrer befanden sich für Deutschland noch im Wettbewerb: Bohn(Stuttgart) und Zencominiersky Mülheim), beide auf Puch. Deutscher Mannschaftsführer ist der ADAC.=Sportpräsident Ewald Kroth. Der 2. Tag. Als Dienstagmorgen die Mannschaften der Sechstagefahrt im idyllischen Waliser Kurort Llandrindod=Wells zur zweiten Etappe um 5 Uhr starteten, lag noch dichter Nebel über der Landschaft. Durch den Tau waren die Straßen recht schlüpfrig; an die Fahrer wurden wieder große Anforderungen gestellt. Die Strecke betrug 318,6 Klm. Trotz der vielen Querrinnen konnten die Zeiten pünktlich eingehalten werden. Der zweite Tag verlief übrigens im allgemeinen für sämtliche Teilnehmer besser als der erste. Lediglich der Einzelfahrer Zencominierski auf seiner Puch=Maschine verfuhr sich. Der Chemnitzer KirchMit Sharkey gehr's bergab. King Levinski schlug den Ex=Weltmeister. Im Soldiersfield=Stadion zu Chikago wurde am Montagabend der Schwergewichtskampf zwischen dem Amerikaner Jac Sharlen, dem früheren Schwergewichtsweltmeister, und dessen Landsmann King Levinski ausgetragen. Der Kampf sollte schon am Freitag vergangener Woche ausgetragen werden, mußte aber wegen Regens verschoben werden. Man kämpfte über 10 Runden. King Levinski schlug Sharkey glatt nach Punkten. Sharkey dürfte damit kaum am 27. September schon gegen Tommy Longhran antreten. Er erhielt für die Begegnung gegen Levinski 25 000 Dollar. berg von der zweiten Silbervasen=Mannschaft erhielt wieder sieben Strafpunkte, so daß die 2. Mannschaft insgesamt 19 Strafpunkte aufzuweisen hat. Die deutsche Nationalmannschaft schlug sich wieder ganz ausgezeichnet und fiel durch ihre Gleichmäßigkeit auf. Das Team erreichte das Ziel wieder ohne Strafpunkte. Auch die englische Mannschaft kehrte strafpunktefrei zurück. Allgemein verlief diese Etappe weniger ereignisreich.— Acht Mannschaften sind noch strafpunktefrei. Der zweite deutsche Einzelfahrer Bon(Stuttgart) auf Puch hat aufgegeben. Völlige Einigung im deutschen Schachleben. Im Auftrage des Großdeutschen Schachbundes verhandelten der Landesleiter des Westfälischen Schachbundes, Jahn(Dortmund). und der Leiter des Niederrheinischen Schachbundes Weyding(Remscheid). mit dem Reichsleiter der Schachgruppe des Katholischen Jungmännerverbandes, Pater Horstmann(Düsseldorf), und des Katholischen Gesellenverbandes, Winkler (Köln), um die Ueberleitung dieser Verbände in den Großdeutschen Schachbund in die Wege leiten. Diese Verhandlungen führten zu einer völligen Einigung. Die Schachgruppen dieser beiden Verbände werden danach korporativ in den Großdeutschen Schachbund eingegliedert und sind bei und großen Turnieren spielberechtigt. Die besonderen Belange der katholischen Jugendpflege werden dabei völlig gewahrt. Das deutsche Schachleven untersteht damit der einheitlichen Leitung des Großdeutschen Schachbundes. Den beiden Verbandsleitern wurde zum Abschluß dieser erfolgreichen Verhandlungen vom Großdeutschen Schachbund besondere Anerkennung ausgesprochen. Rudolf Ismayr startete in Düsseldorf. Der Düsseldorfer Kraftsportverein 1920 veranstaltete am Dienstag im Kaisersaal der Tonhalle einen nationalen Kampfabend, der nur von 500 Personen besucht war. Olympiasieger Rudolf Ismayr, der wegen einer Magenverstimmung nicht besonders in Form war, erzielte im Fünfkampf 950 Pfund, und zwar im einarmigen Reißen links 150, rechts 150, beidarmig Drücken 190, Reißen 210 und Stoßen 260 Pfund. Bei den Europameisterschaften erreichte Ismayr 984 Pfund. — Die relativ beste Leistung vollbrachte Libsch im Federgewicht, der es auf 825 Pfd. brachte. Der Düsseldorfer Schwergewichtler Wahl kam auf 1035 Pfund. * Verdiente Kraftsportler ausgezeichnet. Anläßlich der Gewichtheber=Europameisterschaften wurden Fritz Eickeltrath, der verdienstvolle Verbandssportwart, sowie der frühere Kreisvorsitzende Hans Kreß mit dem goldenen Verbands=Ehrenzeichen des Deutschen Athletik=Sportverbandes ausgezeichnet. Kleine Sportnachrichten. Die bekannte Polin Stella Walsh stellte in Portland zwei neue Leichtathletik=Weltrekorde auf. Ueber 60 m gewann sie in 7,4 Sekunden und über 100 m verbesserte sie ihren eigenen Rekord von 11,9 auf 11,8 Sekunden. Deutschlands bekanntester Torwart Heiner Stuhlfauth wird den Fußballehrgang des VMBV. vom 2. bis 7. Oktober leiten, da der Bundestrainer Otto Nerz zur gleichen Zeit den Olympia=Kursus in Berlin beaufsichtigt. Der bekannte internationale Läufer Knöpfle ist jetzt vom DFB. als Fußballehrer verpflichtet worden. Der Süddeutsche wird in erster Linie die rechte Hand von Reichstrainer Otto Nerz sein, førner wird er sich auch noch als Wanderlehrer betätigen. Fortung Düsseldorf teilt mit, daß man am 1. Oktober nicht in Schalke spielen werde. Es sei kein Spiel vereinbart worden; zudem habe Fortuna zuviel verletzte Spieler. Als neuer Jugendführer im Deutschen Schwimmverband wurde jetzt an Stelle von Harro Hagen der Jenaer Dr. Herbert Kestner ernannt. Der getreue Eckart der deutschen Sprache. Zum 70. Todestag von Jacob Grimm am 20. September. Die Bedeutung historischer Persönlichkeiten sinkt nur zu oft mit dem größeren Abstand, der die Geschlechter des Volkes im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte trennt. Darin gerade zeigt sich schließlich, wie groß die Gewalt ihres Eindrucks auf das Leben ihrer zeitgenössischen, wie der nachfolgenden Generationen gewesen ist. Man ermißt, welche Werte sie hinterlassen haben. Aus der Reihe der Großen eines Zeitalters treten dann die Persönlichkeiten die den Jahrhunderten angehören, hervor: die großen Männer des Volkes überhaupt! Die Gestalt Jacob Grimms, wie seines mit ihm gleichstrebenden Bruders wächst noch immer. Er ist, das zeigt sich deutlicher in jedem neuen Jahrzehnt, einer der Großen des deutschen Volkes. Wollte man diesen Mann vergleichen mit irgend einer anderen Persönlichkeit — man ist sofort hingewiesen auf Männer wie Ernst Moritz Arndt und den Turnvater Jahn, die ja auch, bewußt=unbewußt, dem gleichen Ziel wie die Brüder Grimm zustrebten. Welch geweimnisvolles Walten über der Schöpfung dieser Männer! Fast zur gleichen Zeit, da Friedrich Ludwia Jahn das deutsche„Volkstum" findet, entdeckt und zu einer der großen Ideen der Deutschen zu machen beginnt, bringen die Brüder Grimm, Jacob und sein um ein Jahr jüngerer Bruder Wilhelm. dem deutschen Volk das Geschenk des alten deutschen Märchens. Es ist die Zeit der Befreiunaskriege. Die beiden Bände der„Kinder= und Hausmärchen" kommen 1813/14 heraus. In den beiden nächsten Jahren folgen die„Deutschen Sagen". Eine aroße tiefe Liebe zu allem, was aus dem Schoße des Volkes unmittelbar bervorgegangen ist: das ist das Wesen Jacob Grimms, wie auch seines von ihm ja nicht au trennenden Bruders, also der Gebrüder Grimm. Ja. bei Jacob GGrimm ist es zuweilen ein Verliebtsein, wie es zärtlicher aus der Feder eines ernsten, sorschenden und vergleichenden Gelehrten nicht oft geflossen ist und zu uns soricht. Einen muß man noch daneben nennen, den Dichter Ludwia Tieck, der auch wie sie alle, diese Volksmänner des beainnenden neunzehnten Jahrbunderts, aus kleinen Verhältnissen in Armut und Enge aufgewachsen, aber die Verbindung mit dem Volk niemals verloren hat. Auch die Brüder Grimm haben keine leichte Ingend gehabt. Der Vater Ktarb frühzeitig. Sie mußten sich daranhalten, daß sie das Kasseler Gomnasium und die Landesuniversität in Marbura binter sich brachten. Jacob GGrimm war dann eine Zeitlang Krieassekreta= riatsakzesiist, ein juristischer Beamter, aber schon früh mit aroßen obilologischen Interessen, wie man daraus ersehen kann, daß er 1908 zum Privatbibliothekar des Königs„Morgen wieder lustik", des westfälischen Napoleoniden Jérôme in Kassel, ernannt wurde. Romantik und historische Forschung stehen in diesem seltsamen und doch so nnanflöslichen Bund, der bei näherer Zusicht eigentlich ganz selbstverständlich ist, um die Vergangenheit wach zu machen, muß man sich in sie bineintränmen, nachdem man sie in fleißiger Forschung sich vertraut gemacht hat. Aber wie Ranke aus dieser Verstrickung heraus den Weg zur metbodischen Geschichtswissenschaft, zur strengen Forschung des Historikers fand, so schon vor ihm Jacob Grimm den Weg aus der Heidelberger Romantik zur exakten Sprachwissenschaft. Er wurde dadurch der Begründer der germanischen Philologie... Und noch mehr... Denn durch seine unermüdliche Arbeit als Forscher, als vergleichender wissenschaftlicher Herausgebr der alten Sprachschätze des Volkes wurde er zum frühesten eigentlichen Chronisten derdeutschen Sprache. Es würde hier zu weit führen, alle die bedeutenden Feststellungen des Gelehrten Jacob Grimm. der die bereits von dem Dänen Rask geahnten Lautverschiebungsgesetze in den germanischen Sprachen wie in den deutschen Mundarten sicher erkannte, aufzuführen. Er als erster wußte um den Ursprung der deutschen Sprache, um ihr Alter. zeigte die Entstehung und die Gefahr des Pedantischen in ihr: man lese es nach in seinen Reden von der Preußischen Akademie, zu der ihn der große Romantiker auf dem Thron um 1841 berufen hatte. Er hat die erste berühmte„Deutche Grammatik“ 1819 erscheinen lassen und damit der im 18. Jahrundert noch so zügellosen Sprache der Deutschen die Regeln gegeben die in dem gewaltigen Schrifttum Deutschlands von uneren Dichtern intuitiv geschaffen worden waren. Jacob Grimm wurde der getreue Eckart der deutschen Sprache. Immer wieder zog es ihn hin zu den Quellen der Sprache, zur Rede und zum Laut aus Volksmund. Das zeigt seine Sammlung der„Deutschen Rechtsaltertümer“(1828), worin er bereits seiner päteren Sammlung der„Weistümer“ vorgriff seine große Vorliebe für das bäuerliche Gewohnheitsrecht zum Ausdruck kommen läßt. Wie das Volk in seinen breiten Schichten immer freudig nach den Grimmschen Märchenbüchern greifen wird, weil darin seine eigene Sprache aufgezeichnet und von dem feinen, einfühlsamen Sprachgeist Wilhelm Grimms sorgsam und behutsam nachgezeichnet ist, so der Sprachlehrer, wissenschaftlich Arbeitende immer wieder nach Jacob Grimms„Deutschem Wörterbuch“, worin er mit seinem Bruder in den ersten vier Bänden den neuhochdeutschen Sprachschatz zu sammeln unternahm. Es ware zu wünschen, daß immer noch mehr Hände sich ausstreckten nach der„Geschichte der deutschen Sprache". auf daß das Bewußtsein deutscher Art und deutschen Wesens sich immer tieser in die Seelen senkt und daraus ein so hohes Selbstbewußtsein hervorgehen lassen möge, wie es dieses große, unsterbliche Volk haben dart und haben muß. Jacob Grimm ist der Mann, es uns zu weisen! Wilhelm Schaver. Spiritisten-Kongreß in Kopenhagen. 1000 Spiritisten geben sich ein Stelldichein. Jourualisten als Berichterstatter unerwünscht. Vor einigen Wochen konnte man registrieren, daß die dänische Polizei in einem bisher unbekannten Maße gegen die Spiritisten, vor allem aber gegen die schwindelhaften Medien, zu Felde zog. Man verhaftete und überführte, verurteilte in den Gerichten, schloß„Tempel" und Versammlungsräume, machte kurzum jenem Unsug ein Ende, der sich allmählich zu einer Seuche auszuwachsen drohte. Denn jeder zweite Kopenhagener Bürger war Spiritist und ließ sich bemogeln, daß sich die Balken bogen. Leider ist es nach dem guten Ansang wieder anders geworden. Man hat den„Tempel Daniel" wieder eröffnen lassen, sogar den„Geisterpastor" Nielsen hat man auf freien Fuß gesetzt, der einer Frau für seinen Tempel 150000 Kronen auf dem Wege über die Geister abnahm. Und nun haben die Spiritisten Dänemarks sogar einen Konareß veranstaltet. Was noch zu diesem Riesenskandal Nielsen zu sagen wäre, der nun sang= und klanglos zu Ende zu gehen scheint, ist folgendes: Das Gericht hat die Angeklagten freigelassen, weil nicht erwiesen werden konnte, daß die Trance, in der das Medium des„Pastors" Nielsen die Frau Landgerichtsrat zur Herausgabe des Geldes veranlaßte. nicht echt und weil man sich der Konsequenz bewußt war, daß man dann gerichtlich jeden Spirierklärte, wenn man würde. Und das brachten Kopenhagen nicht übers Herz. Stolz, und in dem Bewußtsein, einen großen Sieg binter sich zu haben, trafen sich die Spiritisten im Gemeinde= und Handelskontor in Kovenhagen und sprachen keineswegs über Geisterseherel, sondern wählten mit viel Lärm einen Vorstand, verhandelten eine Stunde darüber, wer eigentlich Stimmrecht habe und ob man seine Anhänger mitzählen dürfe, denn schließlich waren hauptsächlich führende Spiritisten nach Kopenhagen gekommen. Endlich beschloß man, in jedem Jahr einen„Tag des Spiritismus“ zu veranstalten. Ferner konnte man sich absolnt nicht über einen neuen Namen einigen. Zum Schluß nahm man davon Kenntnis, daß böse Journalisten sich avfälllg über die Tagung geäußert und darüber gespottet hätten, daß nicht alles mit Geisterstille zugehe. Doch als man endlich einen Beschluß gefaßt hatte, durch den alle anwesenden Journalisten aus dem Hause ausgewiesen werden sollten, mußten die Spiritisten feststellen, daß die Berichterstatter sich schon stillschweigend entfernt hatten.— Alles übrige erledigte sich mithin unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Nur eines steht fest: über Geister haben die Spiritisten auf dem Kongreß in Kopenhagen nicht gesprochen. Toller Aberglaube. Einem tollen Aberglauben sind in einer Ortschaft der Dobrutscha 2000 Schafe zum Opfer gefallen. Ein Schaf war an Milzbrand zugrunde gegangen, worauf der Hirt seine ganze Herde von mehreren hunderte Schafen mit dem Blut des toten Tieres geimpft hatte, um sie vor der Seuche zu schützen. Diesem Beispiel folgten auch die anderen Bauern, stachen Messer in das Blut und impften durch Stiche die gesunden Tiere mit dem Ergebnis. daß innerhalb von 48 Stunden 2000 Schafe verendeten. Die Wut der Bauern richtete sich nunmehr gegen den abergläubischen Hirten, der flüchten mußte. wust war. dan man vann ae tismus für Schwindel hier zuscharf vorgeben wür die Richter von Kopenhagen Don Quichotterien des Herrn Dollfuß. Arbeitsfreiwillige beim Herrichten des riesigen Aufmarschgeländes. seug aus Eeise. Das Prunkstück der zur Zeit in Berlin stattfindenden Reichsseifenmesse ist ein Flugzeug von 7 Meter Breite und 4½ Meter Länge, das ganz aus Seife besteht. Hundert Zentner Seife sind dazu verarbeitet worden. „Graf Zeppelin" in Pernambuco gelandet. Die Deutsche Seewarte teilt mit, daß sich „Graf Zeppelin“ am Dienstag 19,30 Uhr(MEZ.) über Pernambuco befand. Um 20,45 Uhr(MEZ.) war die Landung vollzogen. Die Fahrtdauer von Friedrichshafen nach Pernambuco betrug 72 Stunden. Der vielbeschäftigte österreichische Gendarm. Auf der Zistelalpe am Gaisberg bei Salzburg hatte sich dieser Tage eine Kuh auf der Weide verlaufen. Die Bäuerin suchte lange nach der Ausreißerin. Dabei sah sie einen Gendarmen, dem sie Meldung machte über den Verlust. Der Gendarm erwiderte kurz, daß er mit Politik so viel zu tun hätte und sich nicht mit einer verlaufenen Kuh befassen könne. Darauf erwiderte die Bäuerin schlagfertig:„Woll, woll, wenn die Kuh an Hakenkreuz am Hintern ghabt hätt, dann hätts Ihrs scho gfundn“. Großfeuer im Hafen von Halifax. In Halifax in Neuschottland brach im Regierungspier aus unbekannter Ursache ein Großfeuer aus, das einen Sachschaden in Höhe von einer halben Million Dollar verursachte. Die gesamte Feuerwehr wurde aufgeboten, um die angrenzenden Getreidespeicher zu schützen. Die am Pier liegenden Dampfer konnten rechtzeitig in See gehen. Deutschlands erste Stahlstraße. In Düsseldorf wurde mit dem Bau einer eisernen Straße begonnen, der ersten ihrer Art in Deutschland. Es gelangt ein zickzackförmiger Stahlrost zur Verwendung, der in eine Teermischung eingebettet wird. Vor der größten Bauernkundgebung der Welt. Die Vorarbeiten für die gewaltige Bauernkundgebung am 1. Oktober, dem Erntedankfest auf dem Bückeberg bei Hameln, sind in vollem Gange. Es wird die größte und bedeutendste Bauernkundgebung der Welt werden. Staaten von Amerika tätig. Seit dem 1. September gehörte er dem Leipziger SymphonieOrchester probeweise an und sollte zum 1. Oktober fest angestellt werden. Er war mit einer DeutschAmerikanerin verheiratet, die zur Zeit noch in den Vereinigten Staaten weilt und nach seiner festen Anstelluna herüberkommen sollte. Das zweite Opfer des Autounglücks bei Forst. Der anläßlich des Todessturzes des Sturmbannführers Unger aus Forst(Lausitz) schwerverletzte Truppführer Bayer ist gestern seinen Verletzungen erleaen. Die Leiche des ums Leben gekommenen Sturmbannführers Unger wurde in der Stadtkirche feierlich beigesetzt. 600 Todesopfer der Pest in der Nord=Mandschurei. Die Bubonen= und Lungenpest, die gegenwärtig die Bezirke von Supingkai und Aoan in der nördlichen Mandschurei heimsucht, hat im Verlauf der letzten 14 Tage mehr als 600 Todesopfer gefordert. Die Behörden haben den Handel mit Pelzwerk in den betroffenen Gegenden verboten und rufen zur Vernichtung der Ratten auf. Scharfe sanitäre Maßnahmen sind ergriffen worden, um die Ausdehnung der Pest auf die Südmandschurei zu hindern. Verlobung Ghazi I., des Königs vom Der neue König des Irakstaates, Ghazi I. hat sich mit der Prinzessin Alijah, der Tochter des früheren Königs des Hedschas=Staates Ali, der ein Bruder des verstorbenen Königs Feisal ist, verlobt. Mildes Urteil gegen die Mörder Inukais. Der Oberste Gerichtshof in Tokio verurteilte am Dienstag die Mörder des ehemaligen japanischen Ministerpräsidenten Inukai zu der milden Strafe von je vier Jahren Gefängnis und Verbannung. Das Urteil wurde in den nationalen Kreisen Japans mit großer Befriedigung aufgenommen. Man erwartet die Beanadigung der Verurteilten. Soaenannte Putzscharen an der Arbeit in Hütteldorf bei Mariabrunn. Wenn irgendwo in Oesterreich eine nationalsozialistische Aufschrift gefunden wird, dann lassen bekanntlich die Bebörden einige Nationalsozialisten in ihrer Stadt festnehmen, die die Aufschrift unter Anfsicht wieder entsernen müssen.— Auf unserem Bilde werden die Worte„Heil Hitler“ von einer Mauer abgewaschen. Schloß Hämelchenberg(links), das dem Führer und den anderen hochstehenden Persönlichkeiten als Wohnung dienen wird. Rechts die Domäne Obsen, in der der Organisationsstab sein Qnartier aufgeschlagen hat. Tag des deutschen Tanzes“ in Leipzig. „Die Zone des Schweigens." Das Grab Dante Aligheris wird Nationalheiligtum. In Gegenwart der Mitglieder des Nationalverbandes für Kunst und Wissenschaft ist mit der Niederreißung der Häuser rings um das Grab des größten italienischen Dichters, Dante Allgheri, der in Ravenna begraben liegt, begonnen worden. Hierdurch wurde der Anfang gemacht zur „Zone des Schweigens“ um das Mausoleum des großen Italieners. Der Plan hierzu stammt ron Mussolini persönlich, der seinen Landsleuten in dieser Form ein Nationalheiligtum zu errichten gedenkt. Die ganze Zone soll den doppelten Umfang der jetzigen Piazza Byron in Rauenna erhalten und soll durch Auffüllung mit Erdmassen so erhöht werden, daß das Mansoleum mit der Asche Dantes von allen Seiten der Stadt aus sichtbar sei. Und der Palast, in dem einst Lord Byron lebte, soll erhalten bleiben, während die Nebengebäude abgerislen werden.— Nach diesem feierlichen Einweihungsakt begab sich die Festversammlung in die Kirche zum Heiligen Franziskus, in der, von bekannten Schauspielern gesprochen, ausgewählte Abschnitte aus Dantes„Göttlicher Komödie“ zum Vortrag kamen. Selbstmord des Solo=Cellisten Bernd Huppertz. Der Solo=Cellist des Leipziger SymphonieOrchesters, Bernd Huppertz hat sich im Alter von 28 Jahren infolge eines Nervenzusammenbruchs am Mittwoch erhängt. Huppertz stammte aus Krefeld, wo seine Mutter noch lebt. Bis zum Mai dieses Jahres war er in den Vereinigten Als Werbung für die gesamte deutsche Volkstanzbewegung veranstalteten die vereinigten Tanzkreise Leipzigs gegen den internationalen Modetanz einen„Tag des deutschen Tanzes", bei dem auf öffentlichen Plätzen Tanzvorführungen stattfanden. Hier wird im Bilde der„Marienbrunner“ getanzt ein neuer lebhafter Paartanz. Das deutsche Gold. Auf der Leipziger Herbstmesse war der Bernstein, das deutsche Gold, auffallend stark gefragt. Man darf daraus schließen, daß der Bernstein, nach langer Zeit der Mißachtung und Verkennung, in diesem Winter zu neuem Ansehen gelangen, vielleicht sogar die große Mode sein wird. November 1933 Dezember 1933 Januar 1934 Februar 1934 März 1934 April 1934 Juni 1934 wurzelt wird und für seine Arbeit ans kömmliche gerechte Preise erhält. Wir kommen in der Landwirtschaft nur dann zu gerechten Preisen für landwirtschaftliche Er zeugnisse, wenn der Bauer den Konzernen, Trusts, Syndikaten, Innungen usw. seinerseits eine Organisation der Verteilung und Verarbeitung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse entgegenstellt. Das neue Gesetz über den Reichsnährstand gibt nun grundsätzlich die Möglichkeit, zu einem System der gerechten Preise für den Bauern überzugehen. Die generelle Verordnung hierfür ist im zweiten Teil des Gesetzes über den ständischen Aufbau des Bauernstandes und unter der Bezeichnung „Maßnahmen zur Markt= und Preisregulierung für landwirtschaftliche Erzeugnisse“ zusammengefaßt worden. Für die Getreidewirtschaft hat dieser Gedanke in dem Gesetz über den Zusammenschluß von Mühlen, das der Oeffentlichkeit bereits bekannt ist, und in dem Gesetz zur Sicherung der Getreidepreise, das in den nächsten Tagen veröffentlicht werden wird, seinen Nieder schlag gefunden. Das Mühlengesetz gibt dem Reichsernährungsminister die Ermächtigung, alle Mühlen, die Roggen oder Weizen verarbeiten, zu sammenzuschließen. Das zweite Gesetz ermächtigt den Reichsernährungsminister grundsätzlich, feste Preise für das Getreide festzusetzen. Dieses Gesetz macht damit schon abgeschlossene private Preisvereinbarungen nichtig. Wer gegen diese gesetzlichen Bestimmungen verstößt, wird mit schweren Strafen(Geldstrafen bis zu 100 000 RM. und Zuchthaus) zu rechnen haben. Damit sind zunächst für Weizen und Rog gen Festpreise geschaffen, während für Gerste und Hafer zunächst noch keine Regelung zu er folgen braucht, da diese nur in geringen Mengen umgesetzt werden. Reichsminister Darré gab sodann die Staffelungen der Weizen= und Roggenfestpreise für das laufende Getreidewirtschaftsjahr bekannt. Ab märkischer Station wird die Preisentwicklung danach folgendermaßen lauten: Monat Roggen: Weizen: Oktober 1933 147.— RM. 182.— RM. 148.—„ 183.—„ 150.—„ 184.—„ 153.—„ 186.—„ 155.—„ 187.50„ 157.—„ 189.—„ 162.—„ 198.—„ 165.—„ 195.—„ Nach diesem Preisschema werden sich die Preise im Osten, Westen und Süden des Reiches unter Berücksichtigung des Gefälleprinzips ausrichten. Diese Staffelungen sind festgesetzt unter Berücksichtigung der besonders reichen Ernte und der Einkommenskraft der Bevölkerung. Sie sind darum gerecht für den Landwirt und sozial vom Standpunkt der Verbraucherschaft. Während in früheren Jahren der Staat durch mißglückte Stützungsaktionen versuchte, den Getreidepreis zu halten, ist nunmehr der Reichsnährstand im Zusammenwirken mit der Autorität des Staates zum Garanten der Preisbildung gemacht worden. Damit ist ein entscheidender Schritt zur Befreiung des Bauern von der Marktabhänaigkeit und zur Herauslösung der Bauernwirtschaft aus der kapitalistischen Wirtschaft erfolgt. Dem Spekulantentum ist damit ein= für allemal das Handwerk gelegt. Das Gebot der Stunde ist es nun, die bäuerliche Produkt on dem tatsächlichen Bedarf anzupassen. Dazu ist notwendia, daß kein Bauer in diesem Herbst mehr Getreide anbaut, als im Herbst 1932. Der Weizenanban ist zu vermindern. Es solle jedoch niemandem bei der Durchführung von Beschränkungen im Anbau Nachteile erwachsen. Aber anderseits werden Mittel und Wege gesunden werden den Landwirt entsprechend zu bestrafen, der gegen diese Bestimmungen durch weitere Anbausteigerungen verstößt und damit seine Standesgenossen zu übervorteilen sucht. Dienstbefreiung für die Stahlhelmtagung. Berlin. Zugleich im Namen des preußischen Ministerpräsidenten und sämtlicher Staatsminister hat der preußische Finanzminister einen Runderlaß über Dienstbefreiung für die Teilnehmer an der Reichsführertagung des Stahlhelms herausgegeben. Darin heißt es: Am W. und 21. September 1933 veranstaltet der Stahlhelm in Hannover eine Reichsführertagung. Zur Beteiligung hieran kann den Beamten, Angestellten und Arbeitern vom Sonnabend, dem 23. September bis einschließlich Montag, dem 25. September, Dienstbefreinna ohne Anrechnung auf den Erholungsurlaub und unter Fortzahlung der Bezüge gewährt werden, soweit dienstliche Interessen nicht entgegenstehen. Die Gemeinden(Gemeindeverbände) sowie die sonstigen öffentlichen Körperschaften des öffentlichen Rechts werden ersucht, entsprechende Anordnungen zu erlassen an die nachgeordneten Behörden aller Zweige der preußischen Staatsverwaltung. Verwaltungsrat der Reichsbahn. Weitere Belebung des Verkehrs.— Personelle Veränderungen. Berlin. Der Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbahn tagte gestern und vorgestern in Berlin. An der Sitzung nahmen zum erstenmal die neuernannten Mitglieder teil. Der Verwaltungsrat beriet zuerst die Finanzlage. Die Einnahmen aus dem Personenverkehr sind nicht merklich gestiegen; im Güterverkehr dagegen hat sich die Besserung der letzten Monatefortgesetzt. Die Auftragserteilung auf Grund des Arbeitsbeschaffungsprogramms ist weiter fortgeschritten und hat die Summe von 300 Millionen RM. erreicht. Mit besonderer Befriedigung nahm der Verwaltungsrat davon Kenntnis, daß es, freilich unter weiteren finanziellen Opfern, gelingen wird, 62000 Zeitarbeiter, die im Herbst d. I. hätten entlassen werden müssen, den Winter über bei Arbeit und Brot zu belassen. Es handelt sich hierbei um Zeitarbeiter, die zu 85 Proz. SA., SS.= und Stahlhelm=Formationen angehören. Im Zuge der Maßnahmen zur Verfün gung des Personals war eine Reihe von leitenden Stellungen neu zu besetzen. Der Reichsbahndirektor und Abteilungsleiter der Bau=Abteilung in der Hauptverwaltung, Geheimer Oberbaurar Krüefft, die Reichsbahndirektionspräsidenten Schumacher, Münster, Dr Seydel, Hannover, List, München, Koch, Regensburg, treten auf ihren Antrag mit Wirkung vom 1. Januar 1934 in den Ruhestand. Ihre Entbindung von den Amtsgeschäften ist bereits für den 1. Oktober 1933 vorgesehen. Zu Reichsbahndirektionspräsidenten wurden ernannt für Hannover: Direktor bei der Reichsbahn Bürger, Münster; für München Reichsbahnoberrat Gollwitzer, Nürnberg; für Münster: Direktor bei der Reichsbahn Uttech, Erfurt; für Regensburg: Reichsbahnoberrat Dr. Wehrmann, München. Der Direktor bei der Reichsbahn Lamertz, Köln, wurde unter Ernennung zum Reichsbahndirektionspräsidenten mit der Leitung der Reichsbahndirektion Erfurt kommissarisch betraut. SA. und Fachschaften. München. Der Chef des Stabes der SA. und SS. hat eine Verfügung erlassen, nach der es den Angehörigen der SA. und SS. freigestellt wird, in die NS BO. oder die Fachschaften einzutreten, ohne daß eine Verpflichtung da zu besteht. Bei Veranstaltungen der NSBO. oder der Fachschaften ist die Kleidung dieser Organisa tionen zu tragen. Ist Genf eine Gefahr? Rundfunkvortrag des Generalleutnants a. D. von Berlin. Im Anschluß an die„Stunde der Nation“ hielt gestern abend Generalleutnant a. D von Metzsch im Rundfunk einen Vortrag über das Thema:„Ist Genf eine Gefahr?“ Der Vortragende betonte, daß der Völkerbund und die Abrüstungskonferenz vom ersten Tage ihres Bestehens an die Hände schützend über eine Aufrüstung unserer Umwelt gehalten habe, die alle Vorkriegsrüstungen tief in den Schatten stellt. Die sogenannte Abrüstungskonserenz habe sich als eine virtuose Ablenkungskonferenz glän zend bewährt. Wir nehmen, fuhr der Redner fort, bedauernd zur Kenntnis, daß die hochgerüstete Welt eine allgemeine Rüstungsverminderung teils nicht will, teils nicht zu verwirklichen vermag. Wir sind damit am Ende des einen Weges angelangt, auf dem wir endlich zu der verwirklichten Gleichberechtigung und Sicherheit gelangen konnten. Der andere Weg heißt Anpassung an die bedrohlichen Rüstungen unserer Umwelt im Rahmen der nötigsten Notwehr. Die geplante Herbsttagung der Konferenz kann wählen, welchen Weg sie gehen will. Deutschland wird jedem Wege zustimmen, der seine Gleichberechtiauna nicht antastet und seine Sicherheit wirksam anbahnt. Wir sind weder fähig, noch gewillt, uns in das Wettrüsten einzuschalten, das jetzt unter den hochgerüsteten Mächten wieder einsetzt. Aber wir sind entschlossen, der vertragswidrigen Unsicherheit endlich ein Ende zu machen, zu der uns das frankophile Europa und seine gerüsteten Freunde verdammen wollen. Thronrede in Holland. Den Haag. Unter Entfaltung des üblichen Zeremoniells wurde Dienstag nachmittag im Rittersaal durch Königin Wilhelmine die neue Zitzungsperiode der Generalstaaten eröffnet, nachdem der alte Tagungsabschnitt am Sonnabend sein Ende gesunden batte. In ihrer Thronrede wies die Königin zunächst auf die schwierige Lage der niederländischen Wirtschaft hin. Sodann wendet sich die Rede den zu Beainn d. J. in einem Teil der Marine aufgetretenen Schwierigkeiten zu. Weitgehende Maßnahmen seien actroffen worden, um unter allen Umständen auf Treue gegenüber der Obrigkeit und Gehorsam gegenüber der Staatsantorität rechnen zu können. Mit Genugtnung wird festgestellt, daß das freundschaftliche Verhältnis der Niederlande zu den anderen Mächten das gleiche geblieben sel. Der Bürgerkrieg in Kuba. Havanna. Der bekannte kubanische Aufständischenführer Captain Hemandes besetzte mit etwa 300 seiner Anhänger in der Nacht zum Dienstag die Stadt Moron in der Provinz Camagnen. Die gegenwärtige kubanische Regierung Grau entsandte sofort ein größeres Truppenaufgebot gegen den Aufständischenführer. Den Regierungstruppen gelang es, den Aufstand zu unterdrücken und die Stadt Moron wieder zurückzuerobern. Zur Linderung der Not der durch das Brandunglück bei Oeschelbronn Geschädigten hat der Reichskanzler 5000 RM zur Verfügung gestellt. Reichsminister und Ganleiter Dr. Goebbels spricht am 22. September auf einer vom Gau Groß=Berlin der NSDAP. einberufenen Versammlung im Sportpalast über das Thema „Unsere Aufgabe für den Winter“. Am Dienstag abend fand im Ufa=Palast am Zoo die Berliner Uraufführung des „oitlersungen Quex“ statt, det auch der Führer, Ministerpräsidenten Goering, Reichsminister Goebbels u. a. m. beiwohnten. Unter den neuerlich in der Liste der Rechtsanwälte auf eigenen Antrag oder aus anderen Gründen gelöschten Anwälten befindet sich auch der frühere Reichsminister und Staatsparteiler Koch=Weser, der behanntlich in Berlin seine Praxis ausübte. Der bayerische Ministerrat hat einem Arbeitsbeschaffungs=Programm zugestimmt, durch das der Finanzminister ermächtigt wird, den Betrag von 60 Millionen RM im Wege des Kredits zu beschaffen. Der Papst hat dem österreichischen Bundespräsidenten Miklas den Christusorden(den höchsten päpstlichen Orden) und dem Bundeskanzler Dollfuß den Orden vom„Goldenen Sporn“ verliehen. HANDEL UND JNDUSTRIEE Stimmung wieder zuversichtlich. Berliner Bö Anfangsstimmungsbild von heute. Berlin, 20. Sept. Nachdem schon gestern abend in Frankfurt weitere Kursbesserungen eingetreten waren, taxierte man auch im heutigen Frühverkehr eine freundliche Tendenz. Man rechnete mit kleinen Publikumskäufen, doch schien das Interesse der Kundschaft sich in erster Linie weiter auf Renten zu erstrecken. Neubesitz wurden früh mit 10,10 und Farben mit 115½ genannt. Die in der Abwärtsbewegung der Dollarund Pfunddevise eingetretene Beruhigung war nur von kurzer Dauer. Beide Valuten haben erneut beträchtlich nachgegeben. Das englische Pfund wurde in Amsterdam anfangs mit 7,68½, in Zürich mit 16,05 und in Paris mit 39,10 notiert, während der Dollar aus London mit 4,85¾, Amsterdam mit 16,16, aus Zürich mit 3,31 und aus Paris mit 16,30 gemeldet wurde. Der gestern stark gebesserte holländische Gulden blieb heute unverändert. Die Reichsmark liegt unverändert fest und konnte gegen Amsterdam weiter anziehen. Die in Erwartung der Beschlüsse des Generalrats der Wirtschaft zu beobachtende zuversichtliche Stimmung übertrug sich auch auf den Börsenverkehr. Seitens der Kundschaft trafen neue Kauforders ein, die auf fast allen Marktgebieten zu Kursbesserungen von 1 bis 2 Prozent führten. In erster Linie fanden aber wieder festverzinsliche Werte Beachtung, da die beabsichtigte Sanierung der Gemeindefinanzen und die geplante organische Zinssenkung eine Anregung boten. Die Altbesitzanleihe konnte ½ Prozent, die Neubesitzanleihe ca. ¼ Prozent gewinnen. Am Aktienmarkt hatten Kali=Aschersleben eine 3 Prozent höhere Anfangsnotiz, Siemens gewannen 1¾ und Farben 1% Prozent. Andererseits fielen Rüttgerswerke durch einen Kursrückgang von 7 und Feldmühle mit einem Verlust von 1½ Prozent auf. Am Geldmartt war die Situation noch unübersichtlich. Privatdiskonten blieben eher angeboten. Für Reichswechsel läuft ab heute ein neuer Rückzahlungstermin per 20,12. Im Verlaufe wurde die Kursgestaltung auf den Aktienmärkten etwas uneinheitlich. Es überwogen aber weiter die Kursbesserungen. * Elektrolytkupsernotta von heute vor= mittag 10 Uhr: 50.2. Berliner Produkten. Berlin, 20. Sept. An der Produktenbörse lauteten gestern die amtlichen Notierungen ab märkischer Station für Weizen 177—179, Roagen 142 bis 144, Sommergerste 148-156. Wintergerste veizeilig 149—157, vierzeilig 141—146, Hafer 183 s 140, Weizenmebl 24,5—31,5. Roggenmehl 20,4 bis 21,5, Victoria=Erbsen 36—40, Futtererbsen 17 bis 20, Kartoffelflocken 12,60—13. Butter in Köln. Köln, 19. Sept.(Großeinkaufspreis für 100 Pfd. in Reichsmark ab Versandstation einschl. Faß): Deutsche Markenbutter 138-186, deutsche Molkereibutter 1. Qnal. 182, dto. 2. Qnal. 127.— Tendenz: stetia. Kölner Produkten. Köln, 19. Sept.(Notierungen in Reichsmark für 100 kg, Frachtlage Köln(Dienstaas und Freitags). Weizen rhein., neue Ernte 76 kg 18.70, Weizen ausl. 22,50—24, Roagen rhein. 72 kg 15,50, Hafer hiesiger, neu 18,50—18,75, Wintergerste inl. nen 16, Sommergerste inl. 17—18. Mais grober 17,75, dto. kleiner 18,75. Weizenmehl 70 Prozent inl. 24,75, Rhein. Weizenbäckermehl(mit Auslandsweizen) 26,75, Rhein. Weizenauszugmehl mit Auslandsweizen 30,75, Roggenmehl 70 Proz. 21.75—22,25, Roggenschrot inl. 18—18.50, Weizenkleie") 8,75—9,25, Roggenklele") 8—8.25. Leinkuchenmehl 38 Proz.“) 16,75—16,85. Erdnußkuchenmehl 50 Proz.*) 16,75—16, dto. 51 Proz.*) 16,30 bis 16,50, Sovaschrot(extrahiert) 46 Proz.“) 14,75 bis 15,25, Palmkernkuchen lose 21 Proz. 14.70—15, Trockenschnitzel lose 8,26—8,75, Zuckerschnitzel lose 9,30—10,10, Rohmelasse 7—7,26, Wiesenhen inl., lose, neu 5,30—5,60, Rotklee 6—6,40. Luzernheu 6,50—6,80, Roggenstroh gepr.**) 1—1,15, Weizenstroh gepr.**) 0,90—1, Haferstroh gepr.**) 0,90 bis 1,—.*) brutto mit Sack.**) ab rheinische Station. Stimmungsbericht: Infolge der grundlegenden Umänderungen, die die neuen Agrarmaßnahmen für den Handel von Weizen und Roagen mit sich bringen, herrschte abwartende Haltung. Wuih in Futtermitteln und Rauhfutter war das Geschäft leicht. Geschäft klein. Altenessener Schweinemarkt. Essen, 19. Sept. Auftrieb: 866. Es kosteten im Großhandel(Reichsmark für 50 Klg.): Ferkel unter 6 Wochen bis 7, 6—8 Wochen alte 7—10.50, 8—12 Wochen alte 10,50—15, Läuferschweine: 3—4 Monate alte 15—22, 3—6 Wochen alte 22—40, größere entsprechend höher. Marktverlauf: Ferkel langsam, Läuferschweine sehr lanasam. Sie müssen wissen: Wie wir hören, ist vom preußischen Ministerium für Arbeit und Wirtschaft ein Verbot handelsrechtlicher Lieferungsgeschäfte für Getreide ergangen. Die Reichsbahn gewährt für alle landwirtschaftlichen und vorstädtischen Siedlungsvorhaben im Rahmen des Arbeitsprogramms sowie für alle öffentlichen Notstandsarbeiten eine 20prozentige Frachtermäßigung. Die Radiofirma H. Mende u. Co. GmbH. stellte in der Zeit vom 1. August bis 14. September 1933 mehr als 1000 Personen ein. In den nächsten Wochen ist noch eine weitere Einstellung von mehreren 100 Personen vorgesehen. Die Radioindustrie belebt sich! Bei den Vereinigten Stahlwerken in Düsseldorf konnte seit dem 1. Oktober vorigen Jahres die Belegschaft um 14 000 Werksangehörige erhöht werden. Auf die Hüttenund Verfeinerungsbetriebe entfallen davon allein annähernd 11000 Mann. Erste Berliner Effekten von heute. Hlank I. Brau-Induetr Reichehank A0.I.Verkehrswesen Allg. Lokalb. u. Kraft. IM. Reicheb. Vorzüge Hamb-Amer. Pakett. Hansa Damptschift V orageuucherLoya 71 141.23 40.73 7207 227 11.37 19 12.25 ro 129 9212 1097 12 Er machte von sich reden... . Ein neuer Streich des„Goldfüllfederkönigs". Dresden. Vor kurzer Zeit erregte die Auffindung eines Koffers mit einer„Höllenmaschine“ in einem Grundstück der Ringstraße in Dresden größeres Aufsehen. In dem Koffer war deutlich das Ticken einer Uhr vernehmbar, nach einer angehängten Postkarte sollte der Koffer eine„Höllenmaschine“ enthalten. Vorsichtshalber wurde deshalb die Sprengung des Koffers behördlich angeordnet und durchgeführt, wobei es sich ergab, daß der Inhalt des Koffers nur aus einem Wecker und aus einer Kiste Obst bestand. Es handelt ch also nur um einen groben Unfug, der jetzt ine restlose Aufklärung gefunden hat. Vom Leiter der Dresdener Mordkommission wurde in Erwägung gezogen, ob nicht der bekannte Goldfüllfederkönig“ Ernst Winkler, der die Welt schon öfter durch allerlei Sensationen in Aufregung versetzt hat, die Hand im Spiele haben könnte. Bei der Nachprüfung ergab sich, daß dieser Ernst Winkler zur Tatzeit tatsächlich einige Tage in einem Dresdener Hotel gewohnt hatte. Bei den durch Vermittelung der Wiener Polizei angestellten weiteren Erörterungen gab Winkler die Niederlegung des Koffers u. In einem längeren Schreiben gibt er als brund an, daß er damit die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf sich habe lenken wollen, weil er im Jahre 1911 angeblich zu schwer gerichtlich bestraft worden sei. Winkler hatte sich damals in Begleitung eines Dieners(seines Bruders) als Graf Henckel von Donnersmarck ausgemit Obstfüllung. geben und in der Ringstraße einen kostbaren Schmuck an sich zu bringen versucht. Er wurde damals wegen Urkundenfälschung und Betruges zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Angeblich wollte er sich jetzt den Leuten, die an dem Prozeß als Zeugen beteiligt waren, zwecks Wiederaufnahme des Verfahrens in Erinnerung bringen. Winkler ist derselbe, der im Jahre 1929 anf dem Königssee den Selbstmord eines Mannes, der angeblich mit den damaligen Bombenanschlägen in Deutschland in Verbindung stehen söllte, vortäuschte, und zwei Jahre später auf der Spreebrücke in Berlin ein Rosenholzkästchen mit dem Abschiedsbrief eines Selbstmörders und dessen Anweisung, daß seine Hinterlassenschaft von 50000 RM., die bei einem Dresdner Notar beponiert sei, unter 12 Jungfrauen verteilt werden sollte, niederlegte. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Oesterreich hat Winkler die Behörden durch ähnliche Streiche wiederholt beschäftigt. Mafalda Salvatini heiratete. Die standesamtliche Trauung des litauischen Gesandten Dr. Jurgis Saulys mit der berühmten italienischen Sängerin Mafalda Salvatint fand gestern in Berlin=Charlottenburg statt. Großfeuer in einer kongreßpolnischen Ortschaft. Fast die gesamte Ortschaft Lubocz in Konreß=Polen fiel einer Feuersbrunst zum Opfer. Etwa 100 Gebude, darunter allein 40 Wohnhäuser und 85 Viehställe sind in Asche gelegt. * Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen. Öffb. Joh. 21, Vers 4. Heute vormittag 11 Uhr nahm der Herr meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Tochter, Schwiegertochter, Schwester, Schwägerin und Tante Ehefrau Ernst Lange Hilde, geb. Berndt nach langem, schwerem Krankenlager im Alter von 38 Jahren zu sich heim in sein Friedensreich. In tiefer Trauer Ernst Lange im Namen der Hinterbliebenen. Winz-Baak, Rummelsburg(Pommern), Lebus(Oder), 19. September 1933. Die Beerdigung findet statt am Freitag, dem 22. Sept., nac hmittags 4 Uhr vom Trauerhause, Hattinger Straße 28, aus. Trauerfeier eine halbe Stunde vorher. Allen, denen aus Versehen keine besondere Nachricht zuging, diene diese als solche. die neue groble M. 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