Hattinger Zeitung 82. Jahrgang chau", „Aus dem Reich der Frau",„Heitere Welt" und„Westdeutscher Rundfunk". Anzeigenpreis: Für 1 mm Höhe und 33 mm Breite 10 Pfg. Für Anzeigen im Textteil 1mm Höbe, 75 mm Breite 35 Pfg.— Bei Wiederholung Rabatt, der jedoch bei gerichtlicher Beitreibung und im Konkursfalle fortfällt. Annahmeschluß von Inseraten ist abends 7 Uhr für die am nächsten Tage erscheinende Ausgabe. Obermarkt/ Kl. Weilstraße Nr. 2941, 2942, 2943 Anzeiger Postscheckkonto Dortmund Nr. 111 03 Telegramm=Adresse: Kreisblatt Hatlingenruhe Verlagsleitung: Rudolf Hundt. Verantwortl. für Politik u. Handel: Carl Zänker: für Westdeutschland, Feuilleton und den übrigen Inhalt: Adolf Beineke: für den lokalen Teil: Walther=Wilhelm Dittmar; für Sport und Frauenbeilagen: Werner Broschwitz./ Eigene Berliner Vertretung./ Druck und Verlag: C. Hundt sel. Wwe./ Sprechstunden der Redaktion 4—6 Uhr nachmittags. Für Aufbewahrung aller der Redaktion unverlangt eingesandten Manuskripte wird keine Gewähr übernommen. Zurücksendung erfolgt nur, wenn Rückporto beiliegt. Alle redaktionellen Einsendungen sind nur an den Verlag zu richten. Allgemeiner Anzeiger für den Ennepe=Ruhrkreis für den Ennepe=Ruhrkreis Donnerstag, den 13. November Jeder Bezieher erhält laut unseren Bedingungen 250 Mark Unterstützung bei tödlichem Unfall. Größte u. meistgelesene Zeitung in Stadt und Kreis Nr. 267 Gehaltskürzungstermin 1. April 1931. 375 Millionen Winterbeihilfe für die Notleidenden.- Schiedsspruch über die Arbeitszeit im Bergbau.— Die Indien=Konferenz in London. Vorsitzender der indischen Delegation sollen im Preise ermaßigt werden. für die Round=Table=Konferenz ist Aga Khan, ein ausgesprochen englandfreundlich gesinnter indischer Fürst, der ständig in England lebt und vor einiger Zeit erst durch seine Heirat mit einem französischen Mannequin Aufsehen erregt hat. Das Neueste vom Tage. Der Berliner Metallerbeiterverband bezeichnet in einer neuen scharfen Entschließung den Schiedsspruch als„offenen Betrug“ und„Provokation". * Der Preußische Landtag nahm das vom Hauptausschuß vorgelegte Hilfsprogramm zur Linderung der Hochwasserschäden an. * An der Berliner Universität kam es gestern zu Zusammenstößen zwischen nationalsozialistischen und sozialistischen Studenten, bei denen die Polizei mit dem Gummiknüppel eingriff. Im rheinisch=westfälischen Bergbau soll nach dem gestrigen Essener Schiedsspruch die Achtstundenschicht bis 30. September 1931 fortdanern. * Die Indien=Konserenz ist gestern im englischen Oberhaus von König Georg eröffnet worden. * Als in der Indien=Konferenz im englischen Oberhause einer der eingeladenen Gäste ein Opernalas ans Auge setzte, um die Pracht der indischen Fürsten genaner zu betrachten. trat ein Diener mahnend auf ihn zu:„Nicht in diesem Hause!“ Im Saale hängen von der Decke herab acht goldene Lantsprecher. Allerlei aus dem Reiche. Eine kritische Lage ergab sich gestern im Reichstagshaushaltsausschuß bei der Beratung des kommunistischen Antraas, den Erwerbslosen eine Winterbeihilfe zu gewähren. Es bestand die Gefahr, daß der Antrag mil den Stimmen der Nationalsozialisten, Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen würde. Die Möglichkeit, daß diese drei Parteien sich zu bestimmten Beschlüssen vereinigen, besteht ohnehin dauernd, und die übrigen Parteien haben demgegenüber die Minderheit. Das Zentrum und die anderen hinter der Regierung stehenden Parteien beantragten, vor der Abstimmung über den kommunistischen Agitationsantrag eine Stellungnahme der Regierung zur Deckungsfrage herbeizuführen. Wie wir hören, würde der Antrag zur Durchführung etwa 335 Millionen erfordern. Dieser Antrag wurde angenommen. Der Ausschuß vertagte sich auf Donnerstag, um dann eine Reihe von Anträgen zur Gefrierfleischfrage zu behandeln. So vernimmt man es aus den MittwochsBeratungen der Reichsratsausschüsse über die Sanierungsgesetze. Anträge zur Vorverlegung des Gehaltskürzungstermins wurden nicht gestellt. Die Ausschüsse beließen es daher beim 1. April für den Beginn der Gehaltskürzung. Es folgte die Beratung des Gesetzentwurfs über die Senkung des Personalaufwandes im Reich, den Ländern und den Gemeinden. Die Ausschüsse nahmen in Aussicht, ihre Beratungen bis Mitternacht fortzusetzen, da der bayerische Ministerpräsident Held und eine Reihe von Finanzministern der Länder, die so bald wie möglich Berlin wieder verlassen wollen, auf Abschluß der finanzpolitischen Beratungen drängen. Für die Bestrebungen zur Senkung des Preisniveaus hat das Reichskabinett einen besonderen Ausschuß unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning eingesetzt. Der wirtschaftspolitische Aktionsauschuß des Reichskabinetts, dem übrigens auch — wie ursprünglich von amtlicher Seite nicht mitgeteilt wurde— Reichsbankpräsident Dr. Luther angehört, wird heute zum ersten Male zusammentreten. Zu dem Arbeitsbereich dieses Ausschusses gehören alle akuten Wirtschaftsfragen, auch das preußische„Arbeitsbeschaffungsprogramm“, obwohl es die Frage der Finanzierung bekanntlich offengelassen hat. Das Reichsernährungsministerium will, wie wir ankündigten, seine Bemühungen, die Lebensmittelpreise zu senken, mit allem Nachdruck fortsetzen. Da man keinen gesetzliche Weg beschreiten will oder kann, muß man die Verständigung mit den Spitzenverbänden zu erweitern suchen. Natürlich muß sich die Regierung dabei darauf verlassen können, daß nach Treu und Glauben gehandelt wird. Sie erhebt gegen die Brotfabriken den Vorwurf, diesen Grundsatz nicht befolgt zu haben. Mittwochvormittag hat die Vertretung des Berliner Bäckergewerbes die ausdrückliche Versicherung abgegeben, daß die über 4000 Bäcker in Groß=Berkin restlos entschlossen seien, sich den Vereinbarungen mit ihren Soitzenverbänden anzupassen, den Brotpre"s also entsprechend herabzusetzen oder das Brotgewicht zu erhöhen. Die gleiche Bereitschaft, sich der Gesamtaktion einzufügen, ist nochmals vom Fleischerverband ausgesprochen worden. Mittwoch nachmittag wurde eine Senkung des Berliner Kartoffelpreises vereinbart, die darauf hinausläuft, daß 10 Pfund weiße Kartoffeln 23 Pfennig, rote und blaue Kartoffeln 25 Pfennig, gelbe Kartoffeln 30 Pfennig kosten sollen. Am Nachmittag fand weiter eine Besprechung über die Preisbildung für Obst und Gemüse statt. Die Verbände des Handels, der Warenund Kaufhäuser sowie die Konsumvereine erklärten ihre Bereitwilligkeit, die Preise für Obst und Gemüse zu senken. Sie wollen unverzüglich auf ihre Unterverbände und Mitglieder entsprechend einwirken, damit besonders die Handelsspanne herabgesetzt werden kann. Hierfür ist eine gemeinsame Prüfung unter Hinzuziehung der Reichsforschungsstelle für landwirtschaftliches Marktwesen beschlossen worden. Ferner fanden neue Besprechungen mit den Milchhändlern im Reichsernährungsministerium statt. Auch die Glühlampenindustrie hat eine Herabsetzung ihrer Verkaufspreise vorgenommen. Nachdem bereits am 1. November 1929 die Listenpreise für die heute gebräuchlichsten Typen(15 bis 100 Watt) um 10 bis 20 Pfennig gesenkt worden waren, tritt jetzt ein weiterer Abbau von 5 bis 10 Pfennig ein. Damit sind im Laufe eines Jahres die normalen Glühlampen um etwa 12,5 Prozent verbilligt worden. Der Stabschef der roten Wirtschaft. Kuybyschew ist als Nachfolger von Krzyanowski zum Vorsitzenden des Planamtes in Moskau, der höchsten Stelle für Wirtschaftsplanung, ernannt worden. Der Generalstab für den Preisabbau. Der von der Reichsregierung eingesetzte besondere Ausschuß, der gleichsam als Wirtschafts=Generalstab die weiteren Maßnahmen gegen die hohen Preise einheitlich dirigieren soll. Oben von links nach rechts: Reichskanzler Brüning, der Staatssekretär im Reichswirtschaftsministerium Dr. Trendelenburg, der preußische Handelsminister Dr. Schreiber und Reichsbankpräsident Dr. Luther. Unten von links nach rechts: Vizekanzler Dr. Dietrich, Reichsernährungsminister Schiele und Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald. Um die pädagogischen Akademien. Im preußischen Landtag wird bei den Fraktionen gegenwärtig die Frage lebhaft erörtert, ob sich zur Zeit die Einrichtung weiterer pädagogischer Akademien empfiehlt. Bekanntlich ist beabsichtigt, eine katholische Akademie in Berlin, eine evangelische in Spandau und eine weltliche in Köpenick zu errichten. Außerdem handelt es sich um die Bewilligung einer ersten Baurate für Königsberg. Bei den Regierungsparteien scheint die Ansicht an Boden gewonnen zu haben, daß es sich nicht empfiehlt, diese Pläne jetzt durchzuführen. Der Durchführung stehen offenbar Sparsamkeitsrücksichten und die Besorgnist entgegen, daß die Gefahr der Heranbildung einer zu großen, über den Bedarf hinausgehenden Anzahl junger Lehrkräfte besteht. im Ruhrbergbau. Die in Essen tagende Schlichterkammer fällte unter dem Vorsitz von Regierungsrat Professor Brahm einen Schiedsspruch, durch den das bisherige Arbeitszeitabkommen unverändert bis zum 30. September 1931 wieder in Kraft gesetzt wird. Das Abkommen ist erstmalig am 1. August 1931 zum 30. September 1931 kündbar. Ueber die Schichtzeit auf den heißen Zechen, insbesondere über die Durchführung der Siebeneinhalbstundenschicht auf diesen Zechen sollen besondere Schlichtungsverhandlungen in einiger Zeit stattfinden. Die Nachverhandlungen wegen der Verbindlichkeitserklärung werden voraussichtlich in der letzten Novemberwoche in Berlin stattfinden. Es bleibt also bei der Arbeitszeit von acht Stunden unter Tage. Für die Bergwerke, in denen mehr als 50 Prozent der Arbeiter in Hitzegraden von über 28 Grad Celsius arbeiten, wird die Arbeitszeit in einem neuen Verfahren festgelegt. Die Parteien haben sich bis Montag über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruchs zu erklären. Von gewerkschaftlicher Seite wird uns zu den Verhandlungen geschrieben: Die Unternehmervertreter hielten erneut an ihrem ablehnenden Standpunkt fest. Statt der Beseitigung der Mehrarbeit zuzustimmen, verlangten sie das Recht auf Verfahren von Ueberschichten, um angeblich in der Zeit einer günstigen Konjunktur mehr Spielraum zu haben. Ihre Stellungnahme begründeten die Unternehmer mit dem Hinweis auf die Notwendiakeit einer Selbstkostensenkung, die in Verbindung mit der geplanten Kohlenpreissenkung besonders dringlich sei. Eine Verkürzung der bergbaulichen Arbeitszeit um eine Stunde, die durch den Fortfall der Mehrarbeit automatisch in Kraft tritt, würde aber, so führten die Zechenvertreter weiter aus, eine erhebliche Steigerung der Selbstkosten bringen. Die gesteigerten Selbstkosten würden jedoch nach ihrer Meinung eine Preissenkung verhindern, den Absatz weiter einschränken und die Arbeitslosigkeit vergrößern. Entgegen dieser Auffassung vertraten die Gewerkschaftsvertreter die Ansicht, daß die Beseitigung der Mehrarbeit im Ruhrbergbau wirtschaftlich durchaus tragbar sei. Der gestiegene Förderanteil, in Verbindung mit den gesun Das thüringische Staatsministerium, unterzeichnet Baum, hatte in seiner Erklärung ihm im reichen Umfange von den verschiedenüber Reichsbanner= Spitzelwesen in sten Seiten zugegangene Nachrichtenmaterial dem Thüringen gemeint, „es liegt auf der Hand, daß der Herr Reichsinnenminister sein zum allergrößten Teil durchaus gefälschtes Material vom Reichsbanner durch Vermittlung von ihm nahestehenden Beamten erhalten hat. Ob er den Auftrag zur Beschaffung solchen Materials erteilt hat, wird sich freilich nie feststellen lassen. Es wäre allerdings erwünscht, daß der Herr Reichsinnenminister selbst darüber alsbald Auskunft gibt. Das thüringische Staatsministerinm aibt der Oeffentlichkeit Kenntnis davon und erhebt gleichzeitig feierlichen Protest gegen solche Methoden, die sich allein schon durch ihre Unmoral richten." Die Erklärung des Reichsinnenministeriums hat nicht lange auf sich warten lassen; es heißt darin: „Der Reichsminister des Innern hat dem Reichsbanner Schwarz=Rot=Gold keinen Auftrag erteilt, ihm Material über die Verhältnisse bei der thüringischen Polizei zu beschaffen. Selbstverständlich hat er die Verhältnisse in Thüringen nach wie vor aufmerksam verfolgt und das kenen Löhnen und Materialkosten, ergebe auch heute noch eine beachtliche Spanne zwischen Selbstkosten und Erlösen. Aber selbst wenn die Behauptung der Zechenvertreter richtig wäre, daß sie gegenwärtig ohne angemessenen Gewinn arbeiteten, so sei dieser Einwand nicht stichhaltig, da unter dem Druck der außergewöhnlichen Not, unter der gegenwärtig die breiten Volksmassen zu leiden haben, privatwirtschaftliches Gewinnstreben nicht angebracht sei. Im Vordergrund der ganzen Erwägungen habe die Milderung der außergewöhnlichen Arbeitslosigkeit zu stehen. Zur Milderung dieser Arbeitslosennot könne aber nur eine Verkürzung der Arbeitszeit führen. Die Gewerkschaften würden jedenfalls keine andere Möglichkeit sehen, da allein in diesem Jahre im Ruhrbergbau 72 000 Bergarbeiter entlassen worden sind, und die Gesamtzahl der Arbeitslosen in Deutschland zurzeit 3,2 Mill. betrage. Abgesehen von diesen wirtschaftlichen und sozialpolitischen Erwägungen haben die Ruhrbergarbeiter, so betonten die Gewerkschaftsvertreter weiter, ein Anrecht auf die Wiedereinführung der Siebenstundensch'cht, nachdem man diese in dem anormalen Wirtschaftsjahr 1923 beseitigt habe, mit der ansdrücklichen Zusicherung, nach Erlangung der Friedensleistung wieder zu einer kürzeren Arbeitszeit zu kommen. Die Friedensleistung sei aber nicht nur erreicht, sondern weit überschritten. Da eine Annäherung der Parteien nicht erzielt werden konnte, wurde schließlich eine aus je sechs Vertretern bestehende Kommission von Arbeitgebern und Arbeitnehmern unter dem Vorsitz des Schlichters gebildet, die dann den eingangs genannten Schiedsspruch fällte. Staatsgerichtshof unterbreitet. Der Staatsgerichtshof ist zurzeit damit befaßt, über das Material Beweis zu erheben. Der Reichsminister des Innern lehnt es ab, dem Beispiel des Vorsitzenden des thüringischen Staatsministeriums zu folgen und Teileraebnisse der bisherigen Beweisaufnahme zu einem Zeitpunkt, in dem die Beweisaufnahme sich noch in vollem Gange befindet, einseitig und vorzeitig auszuwerten und so vor der Entscheidung des mit der Sache befaßten Obersten Gerichtshofes in der Oeffentlichkeit Stimmung zu machen.“ In Weimar besteht nach einer Mitteilung des B. Lok.=Anz. der Verdacht, daß das angekündigte weitere umfangreiche Material gegen die thüringische Landespolizei erst beschafft werden sollte und daß dazu die Beweisaufnahme vor dem Staatsgerichtshof verschleppt werden sollte. Das hervorstechendste Merkmal dieses Rückblickes auf die Preisentwicklung in den letzten 6 Jahren ist die ständig wachsende Spanne zwischen den Lebenshaltungskosten und den Großhandelspreisen, die gegenwärtig ihren höchsten Stand erreicht hat. In dieser weit über das normale Maß hinausgehenden Spanne liegt das Preisproblem, dem jetzt die Regierung durch ihre allerdings sehr bescheidene Senkungsaktion beizukommen sucht. gegen den Schiedsspruch. Der Erweiterte Beirat des Deutschen Metallarbeiterverbandes wendet sich in einer neuen Entschließung scharf gegen den neuen Schiedsspruch vom 8. November, der von den beteiligten Gewerkschaftsfunktionären und Arbeitern als offener Betrug und von der gesamten Arbeiterschaft als Provokation empfunden werden müsse, umsomehr, als der bisherige Verlauf der Preissenkungsaktion einer Verhöhnung der Arbeiterschaft gleichkomme. Der vom Verbande benannte Unparteiische, Professor Dr. Sinzheimer, habe durch seine Zustimmung zu dem Schiedsspruch die Verantwortung für diesen Schiedsspruch mit übernommen. Der Deutsche Metallarbeiterverband werde allen Angriffen gegen die Lohn= und Arbeitsbedingungen wie bisher den größtmöglichsten Widerstand entgegensetzen. Weiter wird erklärt, daß diese„reaktionären Attentate gegen die Berliner Arbeiterschaft“ nur infolge der die Arbeiterbewegung zersetzenden Tätigkeit der Kommunisten möglich seien. „Auf dem Felde der Unehre gefallen“. Vertrauen zu Dr. Gumbel? Der Rektor der Universität Heidelberg, Prof. Dr. Meister, hatte vor ein paar Tagen in seiner Immatrikulationsrede allgemeine Ausführungen darüber gemacht, daß die politischen Kämpfe auch den Frieden der Universität bedrohten, und hatte die durchaus berechtigte Mahnung an die Studierenden ausgesprochen, ihr Vertrauen zum Lehrer nicht davon abhängig zu machen, ob dieser in allen politischen Fragen genau so denke wie der Student. In der Linkspresse war diese Immatrikulationsrede dahin ausgelegt worden, daß der Rektor mit diesen Worten dem außerordentlichen Professor Dr. Gumbel, dem bisherigen Privatdozenten an der Universität, dessen Wort über die„auf dem Felde der Unehre“ gefallenen deutschen Soldaten unvergessen ist, sein Vertrauen hätte bezeugen wollen. Im Hinblick auf diese Pressekommentare erläßt jetzt der Rektor der Universität die Erklärung, daß er„mit diesen Worten auf den außerordentlichen Professor Dr. Gumbel in keiner Weise Bezug genommen habe“. Dem Frieden an der Universität dürfte durch diese Erklärung nur gedient sein. Anklage gegen drei Redakteure der„Roten Fahne“ wegen öffentliche Beleidigung. Nachdem vor einigen Tagen die„Rote Fahne“ wegen eines Artikels, in dem der tätliche Angriff auf Zörgiebel begrüßt wurde, auf eine Woche verboten worden ist, hat die Staatsanwaltschaft im Landgericht 1 gegen drei Redakteure der„Roten Fahne“ Anklage wegen öffentlicher Beleidigung und Vergehens gegen das Republikschutzgesetz erhoben. Die Sache ist doch anders..... Die Landeskirchenversammlung in Frankfurt=M. sollte bekanntlich dem Entwurf eines Vertrages der evangelischen Landeskirche mit dem preußischen Staat zugestimmt und den Landeskirchenrat mit der Unterzeichnung beauftragt haben. Heute erfahren war jedoch, daß diese Meldung unzutreffend ist. Die Landeskirchenversammlung in Frankfurt a. M. hat lediglich nach dem Vorgang der altpreußischen Generalsynode der Kirchleitung Vollmacht gegeben, die Verhandlungen weiterzuführen und gegebenenfalls den Vertrag zu vollziehen. Dabei ist aber vorausgesetzt, daß die zur Zeit noch vorhandenen schwerwiegenden Bedenken in den bevorstehenden gemeinsamen, mit den anderen beteiligten Landeskirchen zu führenden weiteren Verhandlungen mit dem Staate behoben werden. Von einer abschließenden Stellungnahme der Franksurter Kirche zu dem Vertragswerk kann hiernach keine Rede sein. Noch nie an einem Orte und um einen Tisch König Georg eröffnete die Indien=Konferenz im Oberhause in London mit einer Ansprache, in der er darauf hinwies, daß sich britische und indische Staatsmänner und indische Staatsoberhäupter noch nie an einem Ort und um einen Tisch versammelt hätten, um über ein Regierungssystem für Indien zu beraten und sich über ein Verfahren zu einigen, das seinem Parlament als Richtlinie dienen soll. Ich brauche nicht den Charakter der überaus wichtigen Aufgabe zu betonen, die Sie zu meistern haben, fuhr der König fort. Jeder von Ihnen wird sicher das tiefe Bewußtsein von der Bedeutung des Ergebnisses Ihrer Besprechungen für das britische Reich haben. Besonders erwähnte er den Bericht des Simon=Ausschusses, der mit andern Beiträgen zu dieser Frage den Konferenzmitgliedern vorliege. Zu diesen andern Beiträgen wird an erster Stelle der Bericht des Vizekönigs gehören, der am Freitag veröffentlicht wird und der über die Vorschläge des SimonBerichts in manchen Punkten erheblich hinausgeht. Nachdem der König den Saal verlassen hatte, wurde MacDonald zum Vorsitzenden der Konferenz gewählt. Er legte sich in keiner Weise durch seine Rede fest, sondern betonte, daß jede Entwicklung langsam vor sich gehen müsse. Auch an Mitglieder seiner Partei waren die Worte MacDonalds gerichtet, daß er niemals sich habe stören lassen von Leuten, die sagten, er habe sein Versprechen nicht erfüllt. Die Leute, die mit ihm zusammenarbeiteten, meinte er, seien die Pioniere des Fortschritts. Bürgerliche Unruhen seien nur das Werk der Reaktion. Besonders hob MacDonald die Beteiligung der Fürsten an den gemeinsamen Besprechungen hervor, die zum ersten Male erfolgten und symbolisch seien für den langsamen Zusammenschluß Indiens zu einer Einheit. Bemerkenswert waren die Ausführungen der Vertreter der Fürstenstaaten, die ihre Abhängigkeit von der britischen Krone zum Ausdruck brachten, dabei aber deutlich hervorhoben, daß sie mit der britischen Krone vertraglich verbunden und innerhalb ihrer Gebiete unabhängige Herrscher seien, wobei sie die Politik der indischen Fürsten klar umrissen. Sie wollen sich unter keinen Umständen ihre vertraglichen Rechte nehmen lassen, die durch den angestrebten Ausbau Indiens zu einem Bundesstaat bis zu einem gewissen Grad gefährdet sind. Der Maharadscha von Kaschmir drückte zwar die Versicherung der Fürsten aus, daß die Konferenz nicht an ihnen scheitern werde, erklärte aber auch, daß die Fürsten sich nicht eingefunden hätten, den Frieden zu diktieren oder entgegenzunehmen. Die Konferenz wirö voraussichtlich morgen mit einer dritten und letzten Plenarsitzung ihr Ende finden. Heute vormittag sollen die wirtschaftlichen Erörterungen möglich beendet werden; am Nachmittag werden die Führer der Delegationen die Erörterung der auswärtigen Angelegenheiten, die am Dienstag begonnen hatte, fortsetzen. Times sagt, die Premierminister der Dominien hätten zwar erwartet, daß die britische Regierung einer Ausdehnung des Systems der Vorzugstarife nicht beistimmen werde. Die offizielle Bekanntgabe dieser Tatsache habe aber doch sehr enttäuscht. Orientalischer Anstrich, aber demokratische Luft. So kennzeichnet der Sonderberichterstatter der Köln. Ztg das eigenartige Konferenzbild in Londan. Der Nisam von Heidarabad, dem größten indischen Fürstenstatt, ist nicht persönlich erschienen, sondern läßt sich durch ein Mitglied Französisch-südslawische Feier in Belgrad. Am Waffenstillstandstag wurde in Belgrad in Anwesenheit der königlichen Familie und der Regierungsmitglieder ein „Dankesmonument für Frankreich“ enthüllt. Der als Vertreter seiner Regierung zu dieser Feier nach Belgrad entsandte französische Pensionsminister Chaumpetier de Ribes betonte in seiner Ansprache den Willen Frankreichs im Frieden die fruchtbare Zusammenarbeit mit Südslawien fortzusetzen. Die Organisation des Friedens erfordere von den Staaten große Geduld und viel Klugheit. Das enalische Unterhaus bewilligt die Mittel für das neue Schulgesetz. Heraufsetzung der Schulpflicht. Zu dem vor einigen Tagen in zweiter Lesung verabschiedeten Gesetz über die Heraufsetzung der Schulpflicht bis zum vollendeten 15. Lebensjahr nahm das Unterhaus gestern mit 271 gegen 242 Stimmen eine Entschließung über die mit der Ausführung des Gesetzes verbundenen Ausgaben an. Nach dieser Entschließung sollen Eltern von 14= bis 15=jährigen Schulkindern auf ihren Antrag hin Unterstützungen gezahlt werden, wenn ihr Einkommen unter einer bestimmten Grenze bleibt. Die Liberalen hatten Stimmenthaltung beschlossen. Ministerpräsident Veniselos Kriegsminister. Innerhalb des griechischen Kabinetts sind in den nächsten Tagen wichtige Veränderungen zu erwarten. Ministerpräsident Veniselos hat sich entschlossen, das Kriegsministerium selbst zu übernehmen. Die Umbildung der Regierung dürfte in Zusammenhang mit der kürzlich aufgedeckten Verschwörung einer Anzahl von Offizieren zusammenhängen, die mit Unterstützung monarchistischer Kreise und oppositioneller Politiker den Sturz des Kabinetts herbeiführen wollten. Ein amerikanisches Urteil über die deutsche Wirtschaftslage Das Handelsamt in Washington gibt den Bericht des stellvertretenden Handelsattaches in Berlin, Donglas Miller, über die Lage in Deutschland bekannt. Miller erklärt, die politische und wirtschaftliche Lage Deutschlands im kommenden Winter werde schwierig, aber keinesfalls hoffnungslos sein. Das neue Finanz= und Arbeitslosenprogramm der Regierung habe im allgemeinen einen günstigen Eindruck in der Oeffentlichkeit gemacht. Die Lage des deutschen Bankwesens wird als gesund bezeichnet. seines Stadtrates vertreten. Aber es nehmen doch sehr hervorragende Fürsten an der Konferenz teil, wie der Maharadscha von Kaschmir und der Maharadscha von Bikanir, der den Rang des Generalleutnants bekleidet und eine ausgesprochene soldatische Erscheinung ist. Durch seine schlanke sportliche Gestalt fiel der Maharadschar von Alwar auf, der wirklichen orientalischen Glanz zeigte. Einen seltsamen Gegensatz bildete er zu dem Aga Khan, dem geistlichen Haupt der Ismail=Mohammedaner und Führer der Vertreter Britisch=Indiens, der im schwarzen Morgenrock erschienen war. Zwei Frauen sind unter den Vertretern Britisch=Indiens, die in Oxford erzogene Frau des Ersten Ministers der Proninz Madras und eine Mohammedanerin aus dem Pandschab, die viel für das Erziehungswesen in diesem Gebiet getan hat. Eine Persönlichkeit, die sich weder äußerlich noch innerlich von einem Europäer unterscheidet, ist der mohammedanische Jinnah. Er ist schlank und glatt rasiert und sieht, obwohl er 54 Jahre alt ist, ganz jugenblich aus. Beim Lesen trägt er ein Einglas. Sobald er ein paar Sätze gesagt hat, merkt man, daß ein gewiegter Anwalt spricht. Punkt 1 Uhr deutsche Zeit betrat der König, der einen schwarzen Gehrock trug, den Saal. Tiefes Schweigen herrschte. Langsam ging er auf den Thron zu, während er nach rechts und links die stumme Begrüßung der Anwesenden erwiderte. Vor dem Thron stehend, las er die Eröffnungsrede ab, die durch den Rundfunk auch in Deutschland verbreitet wurde. 2000 Angeklagte. Die Machthaber in Moskau fühlen sich nicht mehr sicher und ziehen daher weite wissenschaftliche Kreise als vermeintliche Gegner vor Gericht. Aus dem Anklageakt gegen die sogenannte „Inonstriepartei“ ist ergänzend noch folgendes mitzuteilen: Nach der Aussage des Angeklagten Ramsin habe die Industriepartei, die auch„Ingenieurzentrale“ oder„Konferenz der vereinigten Ingenieur=Organisationen“ hieß, in Moskau etwa 50 Mitglieder ,in der Sowjetunion 500, unter Einschluß der fernerstehenden Hilfskräfte 2000, Anhänger gezählt. Als aktivste Kräfte werden aus 19 verschiedenen Industriezweigen (darunter die chemische, die volz-, die Zement, die Naphtha= die Kohlen= und die Kriegsindustrie, das Transportwesen usw.) etwa 70 leitende Techniker, namentlich aufgeführt. Laut dem Anklageakt hatten die Angeklagten schon die Ministerliste der künftigen gegenrevolutionären Regierung(das ist ja schrecklich!) fertiggestellt und für sich selbst, aber auch für Emigranten, wie Miljukow, General Lukomski u. a. Posten vorgesehen. Ein gewisser Paltschinski sollte Diktaturvollmachten erhalten. Er ist bereits von der GPU. erschossen worden. Der Interventionsplan sehe folgendes vor: Rumänien provoziert einen Grenzkonflikt(?). Darauf greift Polen ein(?). Die Randstaaaten folgen. Frankreich führt die militärische Oberleitung. Die engl. Flotte erscheint im Schwarzen Meer. Die Wrangelarmee wird neu formiert. Krasnows Kosaken erscheinen am Don. General Lukomski führt die Emigranten. In der Ukraine bricht ein Aufstand aus. Aus Deutschland nehmen Stahlhelmer(!) teil. Freilich sei die offizielle deutsche Politik eine Gegnerin der Intervention, ebenso Litauen. Durchsichtig spricht der Anklageakt von einer gewissen französischen Behörde in Moskau, welche zwischen der Industriepartei und dem Pariser Emigrantenkomitee vermittelt habe. Poincaré bezeichnete dem Vertreter der United Preß gegenüber, die ganze Angelegenheit als eine„absolut idiotische Erfindung“ und bestritt jede Beteiligung Frankreichs an irgendwelchen antisowjetistischen Verschwörungen 2. Blatt Nr. 267. Donnerstag, 13. Nov. Ennepe=Ruhrkreis spart. Bau des Tuberkulose=Krankenhauses eingestellt Es wird kalt. Kältesinn und Kältepunkte des Menschen.— Gänsehaut und Kälteschauer.— Wie tief die Kälte in den Körper eindringt.— Warum Gesicht und Hände weniger frieren. In den kalten Herbsttagen friert man oft mehr, als mitten im Winter, weil man noch nicht winterlich gekleidet ist, und auch die Zimmer noch nicht geheizt werden. Beim Frieren und Frösteln merkt man aber bald, daß nicht alle Körperteile gleich empfindlich gegen die Kälte sind. Wir frieren z. B. am behaarten Kopf so gut wie gar nicht, empfinden es aber als unbehaglich, wenn Brust oder Arme der Kalte ausgesetzt werden. Die wechselnde Kältewahrnehmung des Körpers beruht vor allem oarauf, daß die Kälte einen Teil der Haut trifft, die für ihre Einwirkung besonders empfindlich ist. Die Haut ist nämlich mit einem ausgesprochenen Kältesinn ausgestattet, d. h. mit sog.„Kältepuntten", Stellen, an denen allein die Haut die Kälte empfindet. Nach einer Berechnung schwankt die Zahl dieser Kältepunkte auf einem Quadratzentimeter Haut zwischen 6 und 23; als Durchschnittszahl können 12 bis 16 Kältepunkte gelten, woraus folgt, daß die Haut des gesamten Körpers ungefähr 250000 Kältepunkte besitzt. Die größte Zahl der Kältepunkte findet sich in der Haut der. Körpermitte, ferner an der Brust und den Kniekehlen sowie an der Stirn und den äußeren Handflächen. Werden aso diese Körperteile von der Kälte berührt, so empfinden wir es stärker, als wenn andere Teile des Körpers von einer Kälteeinwirkung betroffen würden. Die Kälteempfindung hängt natürlich auch mit der Größe der von der Kälte getroffenen Hautfläche zusammen, so daß beispielsweise, wenn man nur den Finger in kühles Wasser steckt, das Kältegefühl viel geringer ist, als wenn die ganze Hand ins Wasser gesteckt wird, das um zwei Grad wärmer ist. Sobald ein größerer Teil der Haut von der Kälte berührt wird, reagiert die Haut in einer sehr charakteristischen Weise darauf, indem sich die Muskeln, die mit den die Haut bedeckenden feinen Härchen in Verbindung stehen, zusammenziehen, wodurch die bekannte Gänsehaut entsteht. Zu diesem unbehaglichen Gefühl, das jeder kennt und an dem die Aerzte der alten Griechen sogar drei verschiedene Stadien unterschieden, kommt dann oft noch ein mehr oder weniger starkes Zittern, bis schließlich ein richtiger Kälteschauer daraus wird. Wie weit die Kälte in die Körpermuskeln selbst eintritt, haben Versuche erwiesen, in denen festgestellt wurde, daß eine Kältequelle, die um 21 bis 23,5 Grade Celsius niedriger ist, als die normale Hautwärme, die Wärme der Muskeln in einer Tiefe von 1,1 bis 1,5 Zentimeter um 3,9 bis 4,7 Grad sinken läßt. Die Haut besitzt aber auch die Fähigkeit, sich veränderten Temperaturverhältnissen bis zu einem gewissen Grade anzupassen, und das ist denn auch die Ursache, daß wir an Körperteilchen, die wir entweder ganz oder oft unbekleidet der Kälte aussetzen, wie zum Beispiel das Gesicht oder die Hände, auch bei Temperaturen, gegen die der übrige Körper schon sehr empfindlich wäre, nur wenig oder gar nicht frieren. Auch die Blutzirkulation ist in diesem Fall für die Kälteempfindung maßgebend, weshalb Menschen mit Zirkulationsstörungen oft auch mehr unter der Kälte leiden und sich leichter Gesicht und Hände erfrieren. Sobald jedoch die unbekleiteten Körperteile stärlerer Kälte ausgesetzt bleiben, kann sich die Haut dieser Veränderung nicht mehr länger anpassen, und es kommt insolgedessen auch zu einem Kältegefühl im Gesicht wie auch in den Händen. * Kreis-Nachtragsumlage untragbar. Gestern wurde uns an dieser Stelle eine Erklärung veröffentlicht, daß die Erhebung der geplanten Nachtragsumlage des Ennepe=Ruhrkreises gar keinen Zweck habe, weil die Gemeinden des Kreises nicht in der Lage sind, höhere Steuern aufzubringen, als es jetzt schon der Fall ist. Wir werden im Anschluß an diese Veröffentlichung darauf aufmerksam gemacht, daß es sich um eine von sämtlichen Bürgermeistern des Ennepe=Ruhrkreises gefaßte Erklärung hanWie uns die Kreisverwaltung auf Anfrage bestätigt, hat der Kreisausschuß in seiner letzten Sitzung beschlossen, die Arbeiten am Kreistuberkulose- Krankenhaus einzustellen. Maßgebend für diesen Entschluß war die finanzielle Lage des Ennepe=Ruhrkreises, die eine Fortführung des Baues unter keinen Umständen zuläßt. Der Bau ist soweit fertiggestellt, daß schlechte Witterungsverhältnisse an den einzelnen Gebäuden keinen Schaden anrichten können. Bereits vergebene und noch notwendige Arbeiten sollen zu Ende geführt werden. Dem Vernehmen nach, soll geplant sein, mit anderen Kommunalverbänden oder sozialen Organisationen in Verbindung zu treten, um nach Möglichkeit eine Beteiligung oder einen Verkauf der Anlage zu erreichen. Zur Entwicklung der Kreisumlage schreibt der Landkreistag:„Bei der Geringfügigkeit eigener Steuerquellen müssen die Landkreise ganz gegen die Absicht des Gesetzgebers die Kreisumlage, die nur Spitzendeckung sein soll, außerordentlich anspannen. Sie beträgt fast die Hälfte sämtlicher Steuereinnahmen der Landkreise und zwar 145 Millionen 1928. 118 Millionen 1929 und ohne die nocy zu erwaretnden Nachtragsumlagen 161 Millionen im Rechnungsjahr 1930. Kundgebung des Wirtschaftsverbandes. Ueber die gestern abend im Weiltorsaal stattgefundene Steuer= Protestkundgebung des Wirtschaftsverbandes für Handel u. Gewerbe Hattingen=R. finden unsere Leser einen ausführlichen Bericht an anderer Stelle des Blattes. Auf die mit der Umschaltung des elektrischen Stromes und dem Ersatz der auszutauschenden Birnen und Apparate zusammenhängenden Ausführungen kommen wir in den nächsten Tagen zurück.(h Preissenkung. Das rhein.=westfälische Metzgergewerbe zur Schweinefleischpreissenkung. Eine sehr stark besuchte Versammlung der Obermeister aller Fleischerinnungen des Bezirks Rheinland=Westfalen innerhalb des deutschen Fleischerverbandes die in der Essener Erholung abgehalten wurde, nahm Stellung zu der vom Fleischerverband beschlossenen Herabsetzung des Schweinefleischpreises um 5 Pfennig das Pfund. Der Bezirksvorsitzende MulthaupEssen und mehrere Redner darunter der Reichstagsabgeordnete Schneidewind wiesen nachdrücklich darauf hin, daß ein Preisabbau für Fleischwaren in Rheinland und Westfalen längst erfolgt sei. In Essen z. B. habe der Kleinverkaufspreis für Schweinefleisch am 4 August 1930 127 Pfg. das Pfund betragen am 10. November 1930 jedoch nur 105 Pfennig. Die Sprecher äußerten starke Entrüstung über die Hetze, die auf Grund völlig irriger Behauptungen, die fahrlässigerweise auch von Behörden verbreitet würden, gegen das Fleischergewerbe betrieben werde. Die Lage des Fleischergewerbes sei nie so ungünstig gewesen als heute. Die Versammlung nahm folgende Entschließung an:„Der Bezirksverein Rheinland=Westfalen im deutschen Fleischerverband erkennt an, daß durch die Notlage großer Kreise der Bevölkerung eine Preissenkung erforderlich ist Er hat von der Aktion des Verbandes Kenntnis genommen und betont, daß innerhalb des Bezirksvereins eine Preissenkung bereits erfolgt ist. Das rhein.=westfälische Fleischergewerbe ist weiterhin bereit, bei sinkenden Viehpreisen die Fleischpreise zu senken, verlangt andererseits aber auch, daß die Regierung und die Gemeindeverwaltungen die Gebühren senken.* Die Tätigkeit der Talsperren im Ruhrgebiet. Dabei sind infolge der allgemeinen schlechten Wirtschaftlage die der Kreissteuer zu Grunde liegenden Grundbeträge(Realsteuersoll und Ueberweisungen) von 338 Millionen im Jahre 1928 auf 310 Millionen Mark im Rechnungsjahr 1930 zurückgegangen. Die Erhöhung der Kreisumlagen ist bedingt durch die steigenden Wohlfahrtslasten, die die Landkreise als Bezirksfürsorgeverbände mit 70 v. H. zu tragen haben. Im Durchschnitt sämtlicher preußischen Landkreise beträgt die Kreisumlage 1930 je Kopf der Bevölkerung 7,94 Mark gegen 6,45 Mark im Rechnungsjahr 1928. Dabei weisen die einzelnen Landesteile gemäß ihrem wirtschaftlichen Gefüge erhebliche Unterschiede auf. So beträgt der Kopfbetrag 1930 z. V. in Ostpreußen 9,10 Mark, in Brandenburg 7,69 Mark, in Hannover 10,54 Mark, in Westfalen 7,85 Mark,*), in der Rheinprovinz 5.43 Mark. Die höchste Steigerung gegen 1928 ist in Westfalen mit 180 v. H. und in der Rheinprovinz mit 150 v. H. zu verzeichnen. Das liegt einmal daran, daß in den anderen Provinzen die Kreisumlage zum Teil schon in den früheren Jahren die Grenze der Leistungsfähigkeit ereicht hatte und daran, daß in den industriell eingestellten Kreisen des Westens die Wohlfahrtsausgaben ganz besonders gestiegen sind. *) im Ennepe=Ruhrkreis ergibt sich im Rechnungsjahr 1930(167 000 Einwohner, Kreisumlage + vorläufige Nachtragsumlage rd. 4,7 Millionen) ein Kopfbetrag von Mark 29.35. Rote Hande oder brennend rotes Gesicht wirken unsein. Ein wirksames Mittel dagegen ist d'e kühlende, reizmildernde und schneeig=weiße Creme Leodor, auch als herrlich duftende Puderunterlage vorzüglich geeignet. Ueberraschender Erfolg, Tube 1 Mk., wirksam unterstützt durch Leodor=Edelseife. Stück 50 Pf. In allen Chlorodont=Verkaufsstellen zu haben. Vorkriegspreise! die Talsperren im Ruhrgebiet und ihr Fassungsvermögen wieder: Bezeichnung der Stauinhalt in Mill. cbm am am am bei gefülltem * Stauinhalt bei überlaufendem Becken. Hattingen. Der„Klüngel“=Wagen. Andere Städte haben ihre typischen, feststehenden Einrichtungen verschiedener Art. Wir haben auch etwas, was zu einer vertrauten Einrichtung geworden ist— den„Klüngelwagen“ oder den „Klüngelkerl". Ist das eine Einrichtung? werden manche fragen. Der Klüngelkerl war eben immer da, schon von altersher, ohne amtliches Siegel und verbrieftes Recht, nur mit dem Recht des Altgewohnten. Unter„Einrichtung“ bemüht man sich immer etwas zu verstehen, was durch Polizeigewalt und Staatssiegel angeordnet und oft dem Empfinden und dem Willen der Bevölkerung aufgedrungen ist.—— Nicht so mit dem Klüngelkerl. Der geht— ob Sommer, ob Winter— schier träumerisch neben seinem Wagen her, auf dem die bunten Papiermühlen wie ein farbiger Blumenstrauß lustig im Winde sich drehen, wie ein Rattenfänger von Hameln und entlockt seiner typischen„Klüngelker!“Flöte die schnörklichsten Melodien— je nach Temperament lustiger oder melancholischer Art. Jede Hausfrau kennt an dem Flötenspiel „ihren“ Klüngelkerl. Und wie zwei Liebende im Mittelalter sich auf diese musikalische Weise verständigten, so auch die Hausfrau mit dem„Klüngelmann“, nur daß es hier nicht um Liebe und derlei poetische Dinge geht, sondern um ganz prosaische, wie der Abfall im Haushalt, eben die „Klüngeln“. Langsam fährt der„Klüngelwagen“ durch die Straßen und sein mit mehr oder weniger Geschick geblasenes Flötenspiel dringt in die hintersten Winkel der Wohnung und erreicht das Ohr der Hausfrau. Leider nicht nur dieses, sondern auch die Ohren des angestrengt arbeitenden Herrn der Schöpfung, der dieses melodische Ständchen, das seiner Frau gilt, nicht immer gebührend bewertet, sondern mit einem„verfl....“ nachdrücklich den Fensterschluß fester eindrückt(trotzdem das Fenster schon fest verschlossen war).— Doch unbekümmert trillert der„Klüngelmann“ seine Schnörkelmelodie weiter... E. W.(h * — Straßenausbau. Nachdem die Neubauten der Spar= und Baugenossenschaft an der Oststraße soweit gediehen sind, daß mit ihrem baldigen Bezuge zu rechnen ist, mußten auch die anliegenden Straßenteile den neuen Häusern angepaßt werden. Der zur Schulstraße fallende Teil ist bereits ausgeschachtet worden. Im Anschluß hieran erfolgt der Ausbau der oberen Schulstraße von der„Kirchlichen Gemeinschaft“ bis Blankensteinere Straße durch die Firma Gerhard Keuser. Hier sind große Erdbewegungen erforderlich, da der jetzige schmale einspurige Weg zu hoch liegt. Die Gartenbesitzer sind abgefunden worden. Der jetzt auszubauende Teil der Schulstraße war früher bekannt unter dem Namen„Handtsgasse“ oder auch„Am Vielplätzchen“. Durch den Ausbau erfährt die obere Heggerstraße eine große Entlastung, da eine Verbindung zwischen der bisherigen ausgebauten Schulstraße von der Wirtschaft Meuser zur Blankensteiner Straße geschaffen wird, die namentlich den Autoführern den Fahrweg erheblich abkürzt. — Der Westfälisch=Lippische Handwerkerbund (Landesverband der handw. Organisationen) e. V. veranstaltet am Dienstag, dem 25. Novemb. 1930, nachm. 3 Uhr, im großen Saale der Handwerkskammer zu Dortmund, Reinoldistr. 15, eine öffentliche Kundgebung in der zu dem Wirtschafts= und Finanzprogramm sowie in einem zweiten Referat zum Wohnungs= und Bauprogramm der Reichsregierung Stellung genommen werden und die Auffassung des westfälischlippischen Handwerks zum Programm der Reichsregierung eingehend dargelegt werden soll.(bh — Preußisch=Süddeutsche Staatslotterie. Die Erneuerung der Lose 2. Klasse muß bei Verlust des Anrechts bis spätestens Freitag, den 14. November, abends 6 Uhr, unter Vorlegung des Vorklassenloses und Entrichtung des Einsatzes erfolgt sein.* — Die Veteranen von 1870 71. Zur Gewährung von Beihilfen an hilfsbedürftige Kriegsteilnehmer aus dem Kriege 1870/71 und aus früheren Feldzügen hat das Reich bisher auf Grund der bestehenden Gesetze in jedem Jahr Summen zur Verfügung gestellt. Im vorigen Jahre betrug die Zahl der Empfänger noch rund 40 000. Sie ist für das Jahr 1931 auf 32800 gesunken. Demgemäß tritt für das Reich eine Ersparnis um mehr als zwei Millionen ein. Insgesamt werden für die alten Veteranen im Haushalt für 1931 noch 9,8 Millionen Mark angefordert.* — Viehzählung am 1. Dezember. Amtlich wird mitgeteilt: Die nächste Viehzählung im Reich findet auf Anordnung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft im Einvernehmen mit dem Statistischen Reichsamt und den statistischen Landesämtern im 1. Dezember statt. — Akademische Kurse und Volkshochschule Essen. Heute, Donnerstag, den 13. November, beginnt die öffentliche Vorlesungsreihe von Landwirtschaftsrat Dr. Siemon:„Probleme der deutschen Agrarpolitik"(20,15 Uhr im Helmholtz=Realgymnasium). Ferner heute: Gesamtführung durch das Folkwang=Museum unter Leitung von Frl. Dr. Agnes Waldstein. Beginn 20,15 Uhr.(* — Wiederholung der Theater=Aufführung des Evangelischen Gesellenvereins. Der Evangelische Gesellenverein hat sich entschlossen, die TheaterAufführung vom vergangenen Sonntag(„Herzen von Stein“, Volksschauspiel in fünf Aufzügen, von Friedrich Schare) am nächsten Sonntag, dem 16. November, zu wiederholen. Die Nachfrage nach Eintrittskarten hat bereits so rege eingesetzt, daß auch für die zweite Aufführung mit einem vollbesetzten Saal zu rechnen ist. Eintrittskarten sind im Vorverkauf wieder an den bekannten Stellen zu haben.—h— Winz-Baak. Wildgewordenes Auto. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Als ich heute morgen mit der Elektrischen durch Bochum fuhr, war dort auf der Hochstraße ein großer Menschenauflauf, so daß die Elektrische nur langsam und unter stetem Klingeln als Warnungszeichen durchfahren konnte. Zuerst glaubte ich, es würde dort aus irgend delt.—h— Wie wird das Wetter? Zeitweilig aufheiterne. Aussichten für Freitag: Stellenweise Dunst und Nebel, noch einzelne Regenfalle, zeitweilig aufheiternd, ziemlich mild. Temperatur 8 Grad. Aussichten für Samstag: Bewölkt, zeitweilig auch heiter bei wenig geänderten Temperaturen. Während der starke Hochdruck sich nur etwas südostwärts unter geringerer Abschwächung nach Mittelfrankreich und Südwestdeutschland verlagert hat, ist das isländische Tief nach Nordskandinavien vorgedrungen und macht sich besonders im Östseegebiet bemerkbar. Hier herrschen bei dem starken Luftdruckgefälle vielfach stürmische Winde. In Deutschland war es heute morgen meist bewölkt. Die Temperaturen lagen zwischen 2 und 10 Grad. Der Kahle Asten hatte frischen Westwind, Nebel und 0 Grad. Welche ungeheuren Niederschläge in dem regenreichen Jahre 1930 niedergegangen sind, spiegelt sich am deutlichsten in den gewiß nicht wenigen Talsperren des Ruhrgebiets wider, von denen einige so gefüllt sind, daß sie überlaufen bzw. vor dem Ueberlaufen stehen. Wie enorm die von den Sperren aufgefangenen Niederschläge sind, geht daraus hervor, daß allein in den letzten acht Tagen von den Sperren des Ruhrgebiets nicht weniger als 14 Mill. com Wasser gestaut wurden. Die Wirkung dieser Wassermengen wäre erst dann in vollem Umfange zum Ausdruck gekommen, wenn diese nur von den Flüssen hätten aufgenommen werden müssen Große Ueberschwemmungen wären die unausbleibliche Folge gewesen, die einen unermeßlichen Schaden angerichtet hätten. Hieraus ist schon zu ersehen, daß die Baukosten der Sperren nach dieser Richtung hin sich amortisieren, ganz abgesehen von den anderen Erfolgen, die durch die Stauung des Wassers hervorgerufen werden(Elektrizitätserzeugung usw.). Da man mit den bereits vorhandenen Talsperren noch nicht auskam, hat man sich entschlossen noch weitere Sperren hinzuzunehmen. Mit dem Bau der Lüdenscheider Talsperre, die einen Stauinhalt von 35 Mill. ebm hat, ist bereits begonnen worden. Nachfolgend gibt eine Uebersicht Vortragsgemeinschaft Die 3. Veranstaltung der Vortragsgemeinschaft findet am Sonnabend, dem 15. d. Mts., abends 8,15 Uhr, im Gemeindehaussaal statt. Programmmäßig ist der Abend für das erste Gastspiel des westf. ostfr. Landestheater Herford vorgesehen. Zur Aufführung gelangen das Lustspiel„Der zerbrochene Krug“, von Heinr. v. Kleist, und die Groteske„Der gemütliche Kommissar, von Georges Courteline. Das westf. ostfr. Landestheater setzt sich in den theaterlosen Städten der Provinzen Westfalen und Hannover immer mehr durch. Die bisherigen Aufführungen dieses Theaters(„Die andere Seite“, von Sheriff,„Das Kamel geht durch das Nadelöhr“, von Langer,„Ein Volksfeind", von Ibsen) haben auch in den größeren Städten des Industriegebietes, wie Herne, Gelsenkirchen, Witten etc. volle Anerkennung durch Publikum und Presse gefunden. Eine recht interessante Abwechselung im Spielplan stellen die beiden vorgenannten Inszenierungen dar. Diese beiden Einakter werden an einem Theaterabend nacheinander gespielt werden. Kleists„Der zerbrochene Krug“ ist wohl unbestritten eins der besten deutschen Lustspiele. Es erübrigt sich, auf dieses elementar witzige und humorvolle Werk des großen Klassikers näher einzugehen, da es Allgemeingut des Volkes geworden ist. Seine durchschlagende Wirkung auf das Zwerchfell der Theaterbesucher dürfte seit hundert Jahren garantiert sein. Es war schwierig, zu diesem künstlerisch vollendeten Lustspiel, dessen Aufführung ungefähr eine Stunde dauert, ein Werk zur Füllung des Theaterabends zu finden, das ihm einigermaßen standhält. Courtelines„Der gemütliche Kommissar“, im Thema mit dem Kleistschen Meisterwerk verwandt, ist nun eine geistvolle Groteske, geeignet, vor„Der zerbrochene Krug“ gespielt zu werden. Courteline(ein echter Nachfolger Molières) darf ruhig als einer der stärksten Humoristen der Weltliteratur angesprochen werden. Seine berühmten Einakter wurden deshalb auch in den vergangenen Jahren vom Staatstheater und von der Volksbühne in Berlin in den Spielplan aufgenommen.— Es ist wohl zu erwarten, daß dieser Abend klassischen Humors im Gemeindehaussaal einen starken Anklang finden wird. Zugelassen sind die Inhaber der großen und kleinen Vortragsfolge. Einzelkarten an der Abendkasse und in den Vorverkaufsstellen: Hundt, Overbeck und Rathaus, Zimmer 24. Daselbst sind auch noch Dauerkarten zu haben.(h einem Grunde demonstriert, dann aber entdeckte ich auf der Alsberg gegenüber liegenden Seite auf dem Bürgersteig vor einem Geschäftshaus, ein kleines, rotes Dreiradauto in schräger Lage, als wenn es einen Bruch erlitten hätte. Anscheinend war es„wild“ geworden und hatte im Augenblick nicht gewußt, ob es durch die Tür oder durch ein Schaufenster in den Laden dringen wollte. So war ihm keines recht gelungen. Man sah also auch hier wieder, daß Unentschlossenheit niemals zum Ziele führt. Blankenstein. — Evangel. Kirchengemeinde. Die für heute abend angesetzte Bibelstunde fällt aus. Näheres über den Neuansetzungstermin wird noch bekannt gegeben.—h— Herbede. — Sein 82.„Lebensjahr vollendet am morgigen Freitag Herr Ludwig Frahne, Hauptstr. 46, in voller körperlicher und geistiger Frische. Möge es dem alten Herrn vergönnt sein, noch viele Jahre im Kreise seiner Lieben verweilen zu dürfen. Haßlinghausen. — Motorrad fährt auf ein unbeleuchtetes Auto auf. In der Nacht von Montag auf Dienstag, gegen 11 Uhr, fuhr in der Straßenkurve der Stephansbecke ein aus der Richtung Haßlinghausen kommendes Motorrad mit Seitenwagen auf einen dort haltenden unbeleuchteten Hanomagwagen auf. Das Motorrad überschlug sich dabei und die Fahrer stürzten zu Boden, kamen aber glücklicherweise mit geringfügigen Verletzungen davon. Der Hanomagwagen wurde bei dem Zusammenstoß vollständig zur Seite gedrückt, das Motorrad derart stark beschädigt, daß es seine Fahrt nicht fortsetzen konnte. Stiepel. — Er war nicht tollwütig. Wir berichteten vor einigen Tagen, daß ein Stiepeler Fuhrunternehmer von seinem eigenen Hund angefallen und übel zugerichtet worden sei. Die Untersuchung des Verletzten sowie die Beobachtung des bissigen Hundes haben das Vorliegen einer Tollwut zum Glück nicht bestätigt. In dem Befinden des Fuhrunternehmers ist eine wesentliche Besserung eingetreten. Somit ist die allein übrig bleibende Erklärung des Vorfalles, daß der Hund seinen eigenen Herrn in der Dunkelheit nicht erkannt hat. — Belästigung eines Reichswehrsoldaten. Ein auf Urlaub weilender Reichswehrsoldat wurde von mehreren streitsüchtigen Burschen in einer hiesigen Wirtschaft gehänselt und später vor dem Wirtshause tätlich angegriffen. Der junge Soldat wehrte sich aber tapfer. Durch das Dazwischentreten besonnener Leute konnte schließlich der unwürdige Streit beigelegt werden.—bh— Wiemelhausen. — Unter ein Fuhrwerk geraten. Als mehrere Kinder am Mittwoch vormittag auf„Rollern“ die von der Hundscheid= zur Hattinger Straße steilabfallende Böschung am Bergmannsheil hinunterfuhren, geriet ein 10jähriger Junge unter ein in Richtung Bochum fahrendes Pferdefuhrwerk. Der Bedauernswerte wurde von den scheuenden Pferden überrannt und trug schwere Verletzungen am Kopfe und an der Brust davon. Er wurde von hilfsbereiten Passanten der elterlichen Wohnung zugeführt. Bochum. — Unfallchronik. Auf der Ecke Allee= und Metzstraße wurde ein Lieferwagen von einem Personenkraftwagen angefahren.— Auf der Alleestraße stieß ein Personenkraftwagen mit einem Straßenbahnwagen zusammen und ein gleicher Unfall ereignete sich auf der Kortum= Ecke Bongardstraße. In sämtlichen Fällen ist nur Sachschaden entstanden. Feststimmung herrschte gestern im kleinen Bergstädtchen. Es war keines der rauschenden Feste, die für uns im armen Deutschland immer unzeitgemäßer geworden sind, sondern eines jener stillen, die eine heitere Stille und eine beglückende Wärme atmen. Das Jahresfest des Vaterländischen Frauenvereins! Der Saal des Amtsgasthauses„Zum Irrgarten“ war bis auf den letzten Platz gefüllt und außer den sehr zahlreich erschienenen Mitgliedern (auch Buchholz war stark vertreten), konnte man erfreulicher Weise auch viele auswärtige Gäste sehen, die der Einladung gern gefolgt waren. An Bergen von leckeren Kuchen(von den Damen des Vereins gestiftet) mußte man sich erst vorbeischlängeln, ehe man ein Plätzchen an den festlichschönen Kaffeetafeln fand. Blumen, Kristall und weißer Damast gaben dem Saal ein festliches Gepräge. Kaffeeduft zog lieblich in die Nase und die Klänge einer vollendet schönen Musik erhöhten die Feststimmung. Ein langer Tisch mit den Gewinnen der Verlosung verlockte zum Kaufen recht vieler Lose. Junge Mädchen hatten alle Hände voll zu tun mit Einschenken von Kaffee, der sich durch seine Güte auszeichnete, mit Verkaufen von Losen und überhaupt mit allerlei Handreichungen und Hilfsleistungen, die bei einer solchen Veranstaltung nötig sind. Aber sie entledigten sich ihrer Aufgabe mit graziösem Geschick und viel Freundlichkeit, wie man es bei jungen Mädchen gern hat. Nachdem solchermaßen alle Gäste bedient und zufriedengestellt, und der erste Kaffe=Appetit gestillt war, ergriff Bürgermeister Thiel als Beauftragter des Vorstandes des Frauenvereins, dessen Vorsitz Frau Bürgermeister Thiel führt, das Wort zu einer Begrüßungsrede. Er führte aus: Die Erfolge des Vaterländischen Frauenvereins im letzten Jahre ermutigen mich zum heutigen Erscheinen. Wir stehen allesamt unter einem Zweck und Ziel. Der Willkommensgruß richtet sich vor allem an die Gäste von auswärts, und auch an die Damen und Herren, die sich bereitwillig zur Verfügung gestellt haben, das Fest durch Darbietungen verschiedener Art zu verschönen. Auch die vielen Stiftungen, die jedes erwartete Maß überstiegen haben, zeigen, daß man an der Menschenliebe doch noch nicht zu verzweifeln braucht. Es sind doch noch in unserer Zeit Schwingungen da, die die Not des andern mitfühlen lassen. Der Redner gedachte dann in tiefempfundenen Worten dankbaren Erinnerns der im letzten Jahre verstorbene Vorsitzenden des Vereins, Fräulein Rheinen, deren Pflicht und Arbeitseifer und ihre unvergleichliche Menschenliebe sie unvergeßlich machten. Der Verein könne ihr kein treueres Andenken bewahren, als wenn er in ihrem Sinne weiter arbeite. Bürgermeister Thiel fuhr fort:„Wir alle wissen ganz genau, wie heute das ganze Leben darniederliegt. Hemmungen äußerer und aber auch nnerer Art müssen überwunden werden. Das Schwierigste in der heutigen Zeit erkenne ich in der innerlichen starken Depression, die sich unser bemächtigt hat. Es gibt heute nicht viele Menschen, die in ihrem Dasein noch einen höheren Sinn zu finden vermögen. Wir wissen, welche zersetzenden Kräfte im letzten Jahrhundert in unser Volk eingedrungen sind. Der Materialismus hat unserer Volsseele außerordentlich weh getan. Krieg und Inflation haben dazu beigetragen, uns innerlich nicht stark werden zu lassen. Wir wissen heute kaum noch, was Wahrheit und Glück ist. Wir werden alle von einer triebhaften Sehnsucht getragen und wissen selber nicht, welches Ziel diese Sehnsucht haben soll. Wenn wir eine Rückschau auf die letzten 1000 Jahre halten, dann können wir feststellen, wie eine innere und äußere Spaltung eingetreten ist, die den Partikularismus von heute gezeitigt hat der sich ausgedehnt hat auf alles wirtschaftliche und soziale Leben. Treitschke sagt: Der Partikularismus hat in Deutschland die beiden gemeinsten Leidenschaften entfesselt, das sind die Angst und der Neid. Diese beiden niedrigen Leidenschaften drücken sich auch heute wieder im deutschen Vaterlande aus, aber wir werden trotz allem wieder ein deutsches Vaterland finden. Lagarde sagt: Ein Volk werden kann man nur dann, wenn wir eine gemeinsame Not haben. Wir haben diese gemeinfame Not, wir wollen jetzt auch wieder die Liebe zu den Menschen finden.— Die großen sozialen Versicherungsgesetze sind von vortrefflichem Wert, aber sie haben die Beziehungen von Mensch zu Mensch gestört und das ist das Gefährlichste für das deutsche Volk. Wenn wir die Liebe unseren Mitmenschen nicht mehr entgegen zu bringen vermögen, dann tritt eine Härte ins Gemüt. Das vaterländische Gefühl zu pflegen und das Bedürfnis, dem Mitmenschen wieder persönlich nähertreten zu wollen, das ist die Aufgabe der vaterländischen Frauenvereine; und die vaterländischen Frauenvereine können uns hierin als Vorbild dienen. Die Frau ist auf diesem Gebiet stärker als der Mann.— Der Redner schloß mit den Worten: Behalten Sie auch weiter die Menschen lieb, dann wird auch der Vaterländische Frauenverein in Blankenstein gesunde Früchte zeitigen. Nach der mit Beifall aufgenommen Begrüßungsrede setzte dann das eigentliche Unterhaltungsprogramm ein, das in origineller Zusammensetzung und rascher Reihenfolge die Stunden wie im Fluge vergehen ließ. Frl. Wingels, eine junge, hoffnungsvolle Solosängerin, sang unter verständnisinniger Klavierbegleitung von Fräulein Wünnenberg Beethovens„Ich liebe Dich“ und die beiden Brahmslieder„Guten Abend, gute Nacht“, und„Schwesterlein, wann gehen wir nach Haus.“ Als Zugabe folgte das innige Wiegenlied„Schlafe, mein Kindchen, schlaf ein.“ Es lief dann der Blankensteiner Fil'm von der 700 Jahrfeier, der jedesmal aufs neue begeistert aufgenommen wird. Eine Tanzruppe(Hanna Postehr, Friedel Gehrke und lärbel Keller) machten die Zuschauer mit der Schönheit des stilisierten Tanzes bekannt. Ein zweiter Tanz, eine eigene Erfindung von Frl. Postehr, betitelt„Prinzessin und Narr“(getanzt von Frl. Postehr und Frl. Gehrke) mutete wie ein schönes Kindermärchen an. Es folgte dann der Kreisfilm. der sich besonders durch die scharfe Klarheit seiner Bilder auszeichnete und vor allem auch deshalb mit größter Ateilnahme aufgenommen wurde weil man all die alten, liebvertrauten Stätten sah, die man schon unzähligemale gesehen, durchwandert hat und die einem nun doppelt schön erschienen, da man sie als fremdes Zauberland wiedersah. Man lernt durch diesen Film die Heimat mit anderen Augen ansehen, fühlt ihre Schönheit vertiefter, inniger. Danach trat wieder die Tanzgruppe auf den Plan, die sich um eine Tänzerin, Frl. Rawetzki, vermehrt hatte. In kühn geschwungenen Hüten, halb Spanierin, halb Apachin, produzierten sie einen Temperamentvollen Tanz, der ihnen viel wohlverdienten Beifall einbrachte.— Frl. Wingels, deren Stimme, nachdem sie sich„eingesungen" hatte, immer schöner, voller wurde, sang zwei Lieder von Schumann;„Die Soldatenbraut" und„An den Sonnenschein," die sie beide sowohl in Vortrag wie in Klangfarbe vollendet wiedergab. Ehrlicher Beifall erzwang dann noch verschiedene Zugaben. Nach ihr trat nochmals die Tanzgruppe zu einem humoristischen Tanz auf. Die Kostümierung und die groteske Tanzart entfesselten Stürme von Heiterkeit und nicht endenwollender Beifall veranlaßte die jungen Künstlerinnen zu einer Wiederholung. Den Schluß bildete die Verlosung, die ebenfalls öfter zu Heiterkeitsausbrüchen Anlaß gab. wenn z. B. ein junger Mann seidene Damenwäsche als Gewinn heimtragen durfte.— Es muß jedoch erwähnt werden, daß alle verlosten Gegenstände Gebrauchsgegenstände waren, über deren Gewinn man sich ehrlich freute. Der„Clou" war ein lebender Enterich, der als Gewinn an Frau Wilke gelangte. Sämtliche Gegenstände für die Verlosung waren gestiftet, teils von Mitgliedern, teils von Geschäftsleuten(auch Hattinger Geschäftsleute hatten sich hieran beteiligt). Die künstlerische Musik, von der besonders die vollendet vorgetragene Romanze von Beethoven Erwähnung verdient, wurde von der Kapelle Erich Heil ebenfalls unentgeltlich, zum Wohle der guten Sache, geliefert. Der Reinertrag soll sehr befriedigend gewesen sein. So klang dieses Fest in voller Harmonie aus, zur Befriedigung der Gäste und der Veranstalterinnen. E. W. Biß ins Ohr. Blutige Schlägerei. In einem Hause der Ringstraße kam es am Dienstag mittag zwischen den Ehelenten E. und dem Bergmanne Kl. nach voraufgegangenem Wortwechsel zu einer blutigen Schlägerei. Im Verlaufe des Streites biß der Ehemann E. dem Bergmann Kl. in die linke Ohrmuschel und bedrohte ihn mit einer geladenen Pistole. Die Ehefrau E. entriß ihrem Mann die Pistole und legte sie auf den Vater des Kl. an, der seinem Sohne zu Hilfe eilte. Zum Glück versagte beim Abdrücken die Pistole, auch konnte der Bedrohte seine Angreiferin durch Schläge mit einem Knüppel abwehren, so daß größeres Unheil verhütet wurde. Die Frau erlitt durch die Schläge eine klaffende Wunde i. Seit einigen Wochen prangt über der Haustür oder dem Scheunentor fast eines jøden Stiepeler Bauerngehöftes der Erntekranz. Die Geschichte mit dem Erntekranz ist alt, uralt. Der aus den verschiedensten Feld= und Gartenfrüchten zusammengestellte Kranz ist ein schönes und zugleich frommes Symbol der Dankbarkeit, die uns vor des Schöpfers Weisheit und Wunderkraft erfüllen muß.— Nun geht es unserer Landwirtschaft zur Zeit zwar herzlich schlecht. Wo man steht und wohin man geht, immer wieder muß man das Klagen und Schimpfen über die Steuerlast hören, die unsern Bauernstand tatsächlich kaputt zu machen droht. Gewiß, in dieser Notzeit muß jeder opfern; aber kann die öffentliche Hand nicht etwas sparsamer wirtschaften, damit die Bauern und der Mittelstand wenigstens einigermaßen existenzfähig bleiben? 1 Ein Schinkenbutterbrot ist ein Schinkenbutterbrot, aber ein Stiepeler Schinkenbutterbrot ist soviel wie zwei gewöhnliche. Wenn man so rechnet, hat gestern in einer Stiepeler Wirtschaft ein Ausflügler allein für seinen Magen 10 Stiepeler oder 20 gewöhnliche Butterbrote verzehrt. Koam Kopfe. Nach Eintreffen der herbeigerufenen Polizeibeamten flüchtete die E. zu einem Händler in der Ringstraße und warf hier die Pistole fort, die der Händler später der Polizeiwache aushändigte. Sämtliche Beteiligten wurden dem Revier vorgeführt, nach Feststellung der Personalien aber wieder entlassen. Immer wieder der Paragraph 218. Das Essener Schwurgericht beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung mit Verfehlungen, die nach dem§ 218 des Str. G. B. geahndet werden. An sich gehören derlei Strafen zur Zuständigkeit der Schöffengerichte. Nur wenn die erschwerenden Umstände hinzukommen, wenn nämlich die Straftaten aus schnöder Gewinnsucht, also gewerbsmäßig, begangen werden, werden sie vom Schwurgericht abgeurteilt. Ein solcher Fall lag der gestrigen Schwurgerichtssitzung zugrunde, wenigstens nach der Auffassung der Anklagebehörde. Die Verhandlung, die unter Ausschluß der Oesfentlichkeit vonstatten ging, ergab folgenden Sachverhalt: Die Angeklagte war die Ehefrau Hedwig Dahlmann aus Linden=Dahlyausen, eine Person im Alter von 41 Jahren. Sie wurde aus der Untersuchungshaft vorgeführt. In dem Hause, in dem die Angeklagte wohnt, herrschen nicht gerade freundnachbarliche Verhältnisse. Namentlich ist eine Familie vorhanden, die auf Grund unerquicklicher Vorkommnisse, die allerdings längere Zeit zurückliegen, auf die Angeklagte schlecht zu sprechen ist. Diese Tatsache veranlaßte sie, ein wachsames Auge zu werfen auf den Verkehr, den die Angeklagte unterhielt, und dieser Verkehr war recht lebhaft. Es gingen dort Leute ein und aus, von denen die Nachbarin anahm, daß sie die Hilfe der Angeklagten zu strafbaren Zwecken in Anspruch nahmen. Und dann wurde eines Tages ruchbar, daß etwas Derartiges tatsächlich vorgekommen war. Nunmehr wurde Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet. In der gestrigen Verhandlung stellte sich heraus, daß die Angeklagte wegen eines derartigen verwerflichen Treibens schon zweimal vor dem Strafrichter gestanden hat. In dem ersten Prozeß war sie zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Dann nahm sie ihr unsauberes Gewerbe wieder auf, und in diesem Fall erhielt sie anderthalb Jahre Zuchthaus. Das gemeingefährliche Treiben hatte damals sogar den Tod eines Mädchens zur Folge gehabt. In der gestrigen Verhandlung versagten restlos alle Zeuginnen, durch die nachgewiesen werden sollten, daß die Angeklagte wieder des schnöden Geldes wegen sich strafbar gemacht hatte. Es konnte vielmehr nur ein einziger Fall nachgewiesen werden, und in diesem Falle hatte sie mehr aus Gefälligkeit gehandelt. Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr 3 Monaten, indem er der Angeklagten die mildernden Umstände zubilligte. Das Gericht sah die Sache noch milder ar und erkannte auf 8 Monate Gefängnis.—tb stenpunkt Sa. 6 Mark, und der Kavalier zahlte, schwieg und ging. Wenn ich nicht selbst dabei gewesen wäre, würde ich sagen: Das Volk läuft und lügt. * Als Stiepel vor anderthalb Jahren(bitte, vor der Eingemeindung!) die Straßenveleuchtung bekam, war die Freude hierüber allgemein. Heute stellt diese Einrichtung ein Aergernis dar, weil Bochum unter anderem auch beim Licht zu sparen begonnen hat. Mit der Leuchtkraftverminderung der einzelnen Brennstellen fing es an, um dann über die Nachlässigkeit in der Anlage=Unterhaltung bei einer wesentlichen Verkürzung der Beleuchtungszeit jetzt zu enden; gar nicht zu reden von einem Ausbau der Einrichtung, der dringend nötig wäre. Ich bin jedoch gewiß, daß die Stiepeler, wie in so vieles, auch hierin sich schicken werden, und sei es auch mit dem Fluc....(doch der ist einfach nicht wiederzugeben). * Auf der Kemnaderstraße bis auf vier Verkehrsunfälle im letzten Monat nichts Neues. Euer Freund vom Henkenberg.—bh— Verfrühter Sprengschuß auf Regent“. Wenn ein Sprengschuß im Bergwerk zu früh los geht u. hierdurch Personen zu Schaden kommen, so kann es leicht vorkommen, daß der Schuldige sich vor Gericht wiederfindet und sich wegen fahrlässiger Körperverletzung zu verantworten hat. Diese Erfahrung mußte auch der 48 Jahre alte Schießmeister Georg Eickelbeck aus Bochum=Stiepel machen, durch dessen Unvorsichtigkeit am 17. Juni d. J. auf der Zeche Prinz Regent ein Lehrhauer Versetzungen am Auge und am Kopfe davongetragen hatte. Sein Verschulden bestand vor allem darin, daß er teilweise Arbeiten, die ihm oblagen, durch einen Hauer ausführen ließ. Die frühzeitige Entladung oes Schusses erfolgte durch von außen wirkende elektrische Ströme, die von der schadhaften Zuleitung aufgefangen worden waren. Das Erweiterte Schöffengericht ließ es bei einer Geldstrafe von 30 Mark bewenden. In der Urteilsbegründung wurde hervorgehoben, daß B. ALX PanflavinPASTILLEN— es unterlassen hatte, die Zündleitung auf von der Isolierung bloßgelegte Stellen zu untersuchen. Steele. — Das„Triftenviertel“. Die Wegearbeiten auf der Dahlhauser Straße nehmen einen erfreulichen Fortschritt. Es wäre sehr zu wünschen, daß sie baldigst beendet würden. Hinter den zahlreichen Erd= und Steinmassen, die an der Straße liegen, können sich sehr leicht„Raubritter“ verschanzen. Für Damen ist ohnedies ein Beschreiten der Straße von der Horster Siedlung an ostwärts während der Dunkelheit mit Lebensgefahr verbunden, da sie bis auf wenige„Arbeitsstellenlichter“ ganz unbeleuchtet ist. Sicherlich wird die beabsichtigte Baumanpflanzung an dem bezeichneten Teil der Straße das Gesamtbild der Großstadt erfreulicher gestalten und den um den Straßenteil liegenden Horster und Eiberger Bereich als„Triftenviertel“ Essens sehr aufgesucht machen. Essen. — Brillantschmuck gestohlen wurde aus einer Wohnung in der Sachsenstraße von einem Einsteigedieb, und zwar ein Brillantkollier, 2 Tropfen darstellend, und ein Brillantring, runde Form mit 3 nebeneinanderliegenden größeren Steinen, die von kleineren Steinchen umgeben sind, im Werte von etwa 400 RM. — Vom Zuge überfahren. Dienstag abend wurde der 36 Jahre alte Ingenieur Karl B. aus Essen auf der Eisenbahnstrecke Essen=RüttenscheidHeißen, zwischen Humbold= und Wickenburgstr., vom Zuge überfahren, tot aufgefunden. Vermutlich liegt Selbstmord vor. Motorradfahrer rast in eine Fußgängergruppe. Gestern nachmittag gegen 16 Uhr fuhr ein Motorradfahrer im Ruhrtal, in der Nähe des Schlosses Baldeney, in eine Fußgängergruppe. Hierbei trug der Motorradfahrer einen doppelten Schädelbruch und einer der Fußgänger mehrere Rippenbrüche davon. Beide Verletzte wurden dem kathol. Krankenhaus in Werden zugeführt. Der Motorradfahrer schwebt in Lebensgefahr.(tl Die heutige Nummer umfaßt 16 Seiten! 80S-Ruf der Hattinger Wirtschaft. Protest gegen die untragbaren Steuerlasten.- Revision der Außenpolitik.- Finanz= und Steuerreform.- Uebernahme der Kreislasten auf den Staat und Auflösung des Eunepe=Ruhrtreises. Die Protestversammlung, die der Wirtschaftsverband für Handel und Gewerbe gestern abend im Weiltorsaal in Hattingen zusammenberufen hatte, hatte einen selbst in dieser Notzeit unerwartet starken Widerhall gefunden. Der große Weiltorsaal war von einer über tausendköpfigen Menge aus dem ganzen Gebiet des früheren Kreises Hattingen gefüllt, die den Darlegungen mit entschlossener Zustimmung folgte und sich rege an der Aussprache beteiligte. Nach nahezu dreistündiger Dauer fand die Kundgebung ihren Niederschlag in nachstehender, mit übergroßer Mehrheit angenommener sinde er selten Verständnis, höchstens ein bedauerliches Achselzucken. Daher sei es notig. Selbsthilfe zu beweisen und sich diese Ausbeutung nicht mehr länger gefallen zu lassen. Wenn es nicht anders gehe, müsse der Mittelstand auf die Straße gehen, um für die Erhaltung der lebensnotwendigen Existenz zu demonstrieren. Die Versammlung solle der Anfang sein um zu zeigen, daß endlich Schluß gemacht werden müsse mit der einseitigen Belastung. Nach den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen ergriff der Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes, Dr Hinsel. das Wort zu seinen Hauptreserat: Die am Mittwoch, dem 12. November 1930 im Restaurant Weiltor in Hattingen stattfindende von rund 1000 Mitgliedern des Wirtschaftsverbandes für Handel und Gewerbe zu Hattingen mit Familienangehörigen besuchte Versammlung protestiert in aller Schärfe gegen die dem Wortlante und Geiste der Reichsverfassung hohnsprechende Vernichtung des gewerblichen Mittelstandes. Steuern und Soziallasten haben das tragbare Maß längst überschritten. Zahlreiche Handwerker, Kauflente und Wirte sind unter dem ungeheuerlichen Druck der Lasten zu sammengebrochen. Die Zahl der Konkurse, Vergleiche und Moratorien spricht eine beredte Sprache. Der Pleitegeier schwebt ständig über uns allen und fordert täglich neue Opfer. Der gewerbliche Mittelstand soll mit legalen Waffen niedergeknüppelt und gänzlich beseitigt werden. Seit Jahren wird an dem kranken Wirtschaftskörper in unverantwortlicher Weise herumexperimentiert, unerbittlich dem Ziel der Sozialisierung und Kommunalisierung zu. Handel und Handwerk sind stets die stärksten und zuverlässigsten Stützen des Staates und der Gemeinden gewesen. Die Erhaltung des gewerblichen Mittelstandes ist für Staat und Wirtschaft eine Lebensnotwendigkeit. Wenn nicht ein Chaos entstehen soll, das nicht nur den gewerblichen Mittelstand, sondern mit ihm das ganze deutsche Volk dem Untergange weiht, ist die sofortige Verwirklichung nachstehender Forderungen eine unbedingte Notwendigkeit: 1. Sofortige Revision der außenpolitischen Lasten, die in keinem Verhältnis zu unserer Leistungsfähigkeit stehen. 2. Neuordnung des Finanzausgleichs zwischen Reich, Ländern und Gemeinden mit dem Endzweck einer starken Senkung der Ansgaben unter Beseitigung aller Sonderstenern und Wiedereinführung des Einkommenstenerzuschlages. 3. Sofortige Durchführung der Finanz=und Steuerreform, Abbau aller unprodnk„tiven Steuern, Veredelung des bisherigen Steuersystems, gleichmäßige Verteilung der Lasten auf alle Schultern, damit endlich die für Deutschland so notwendige Kapitalneubildung möglich wird, 4. Gransamste Sparsamkeit in allen Verwaltungen. 5. Ausschaltung der öffentlichen Hand in der Privatwirtschaft bis auf die Gas=, Wasser= und Elektrizitätsversorgung. 6. Radikaler Abban unwirtschaftlicher Aufgabenkomplexe z. B. der Wohnungszwangswirtschaft. 7. Wirtschaftliche Lösung des Arbeitslosenproblems. 8. Beseitigung unfähiger und nicht lebensfähiger Kommunalgebilde. Wir fordern ferner Uebernahme der ungeheuerlich angewachsenen Kreislasten des EnnepeRuhrkreises auf den Staat, da uns dieser den Ennepe=Ruhrkreis beschert hat, und der heimische gewerbliche Mittelstand zur Uebernahme weiterer Lasten nicht mehr in der Lage ist. Wir fordern schließlich Auflösung des Ennepe=Ruhrkreises und Neubildung des Kreises Hattingen. Die Versammlung wurde von dem Vorsitzenden des Wirtschaftsverbandes, Obermeister W. Schmidt, eröffnet, der zunächst für das zahlreiche Erscheinen dankte. Wenn der Wirtschaftsverband eine solche Auforderung an seine Mitglieder erlassen habe, so seien wichtige Gründe und äußerste Not die Veranlassung, der unter der ungeheuren Steuerlast drohende Zusammenbruch des wirtschaftlichen Mittelstandes. Die Zusammenbrüche, Zahlungsschwierigkeiten, Konkurse usw. hätten selbst unter alten und früher solventen Firmen ein Ausmaß erreicht wie nie zuvor. Man glaube heute, dem Mittelstand auch das Letzte nehmen zu dürsen, ohne zu bedenken, daß sein Ruin gleichbedeutend ist mit dem Ruin des Staates. Für alle seine Klagen „Es war einmal", so wird später die Erzählung von dem Mittelstand beginnen, der infolge der auf ihm ruhenden untragbaren Lasten dem Untergange geweiht ist, wenn nicht das deutsche Volk zu der besseren Einsicht kommt, daß die Erhaltung dieses so wichtigen Standes im Interesse des Volksganzen notwendig ist. Heute aber ist der gewerbliche Mittelstand am Ende seiner Kraft, und er ruft allen Führern des Volkes, all denen, in deren Händen Deutschlands Schicksal liegt, mit warnender Stimme zu: „Bis hierher und nicht weiter!“ Bis heute haben wir uns als Packesel für alle Lasten benutzen lassen, aber selbst der friedlichste Esel wird einmal störrisch und lehnt die weitere Dienstleistung ab, bevor er unter der Last zusammenbricht. Zusammenbrüche mittelständischer Betriebe, Ausverkäufe und Pfändungen sind an der Tagesordnung. Fast alltäglich erscheint in den Tageszeitungen die Bekanntmachung: Im Auftrage der Finanzkasse, oder im Auftrage der Stadtkasse, oder im Auftrage der Gemeindekasse, oder im Auftrage der Krankenkasse versteigere ich usw. All das zeugt davon, daß weite Kreise des gewerblichen Mittelstandes dem Untergange geweiht sind. Unstreitig ist die derzeitig katastrophale Lage des gewerblichen Mittelstandes mit verursacht durch die untragbaren Reparationslasten. In richtiger Erkenntnis haben deshalb unsere Spitzenverbände von jeher die Revision des Versailler Vertrages gefordert und vertreten auch heute noch nachdrücklichst den Standpunkt, daß der Neue Plan schnellstens einer Revision unterworfen werden muß, wenn nicht die gesamte Wirtschaft Deutschlands zum Erliegen kommen soll. Ein Land aber, das unter so ungeheuren Reparationslasten leidet wie Deutschland, muß sich in seiner sonstigen Ausgabenwirtschaft eine besondere Beschränkung auferlegen, aber in Reich, Ländern und Gemeinden ist nicht begriffen worden, daß die Armut eines Volkes und die Lasten, die ihm aufgebürdet worden sind, andere Maßstäbe für Ausgaben und Besteuerung bedingen, als sie bei uns üblich geworden sind. Zur selben Zeit, als in England eine Ermäßigung der Frachten und Tarife eingeführt wurde, kam in Deutschland eine nicht unerhebliche Erhöhung der Frachtsätze. Gerade Reichsbahn und Post sind Schrittmacher gewesen in der Tarifpolitik und tragen so nicht unwesentlich mit schuld an der augenblicklichen Finanzkrisis. Enaland hat im letzten Jahre durch die Ermäßigung der Loralsteuern um 4 seiner Wirtschaft eine Steuerermäßigung von 26 Millionen Pfund= 520 Millionen Reichsmark gebracht. Die französische Kammer bescherte ihrer Wirtschaft zu Anfang dieses Jahres eine Steuererleichterung in Höhe von 1147 Millionen Franken. Zu gleicher Zeit beschloß die belgische Kammer eine Gesamtsteuersenkung bis zu 25 Proz. Und was geschah in Deutschland? Unsere Finanzkrisis stammt nicht von heute und gestern, sie stammt nicht von der einen oder der anderen Regierung, nicht von der einen oder der anderen parlamentarischen Mehrheit, sondern sie stammt von sämtlichen Finanzministern, die wir seit dem Jahre 1926 hatten. Die gefüllten Kassen von 1924 und 1925 haben die Politik der Großzügigkeit und Großmannssucht eingeleitet, die seitdem von den Städten, von den Ländern und vom Reich in sträflichem Maße betrieben wurde. Staatssekretär Popitz, der Vater sämtlicher Steuergesetze von Reinhold bis Hilferding, hat kürzlich in einem Aufsatz geschrieben:„Unsere Finanznot des Jahres 1930 ist dadurch entstanden, daß in den vergangenen Jahren die rechnungsmäßige Deckung nicht echt gewesen ist."— So ist es denn gekommen, daß schließlich am 31. Dezember 1929 im Reich unsere schwebende Schuld auf 1,65 Milliarden und am 30. Juni 1930 auf 1,9 Milliarden angewachsen war. Seit dem Jahre 1926 haben wir verminderte Einnahmen und steigende Ausgaben. Finanzbedarf von Reich, Ländern und Gemeinden 1913 1930 7,2 Milliarden Mark 20,2 Milliarden Mark Aber noch bedeutungsvoller ist folgender Vergleich: 1913 betrug das gesamte Steueraufkommen 4 Milliarden RM.= 146,25 RM. pr. Einw. 1925 10,5 Milliarden RM.= 282,65 RM. pr. Einw. 1927 13,7 Milliarden RM.= 367,31 RM. pr. Einw. Eine erschreckliche Steigerung zeigt der ganze Haushalt der Sozialversicherung: 1913 1,5 Milliarden Mark 1925 2,7 Milliarden Mark 1929 5,1 Milliarden Mark, und heute 1930 voraussichtlich mehr als 7 Milliarden Mark. Mit anderen Worten: der Haushalt unserer Sozialversicherungsträger beträgt im Jahre 1930 mehr als der gesamte Finanzbedarf von Reich, Ländern und Gemeinden. Man kann sozial gesinnt sein wie nur irgendeiner, aber trotzdem kommen wir auf diesem Wege nicht weiter; wir müssen zurück. Auch wenn die Wirtschaft von dieser Großzügigkeit im Plan und Geldausgeben von Reich, Ländern und Gemeinden zum Teil gelebt hat, wir müssen davon zurück, denn dieser Zustand ist krankhaft und bringt schnelles Siechtum. Es muß einmal der Grundsatz nicht nur ausgesprochen, sondern durchgeführt werden: Wir leben von der Wirtschaft und vom Lohn und nicht von der Wohlfahrtspflege und der Unterstützung. Es handelt sich nicht um die Beseitigung der Sozialversicherung, es handelt sich nur um die Uebereinstimmung der Leistung der Sozialpolitik mit der Leistungsfähigkeit der Wirtschaft. Wir sind übersteuert, übersteuert, weil wir an einer Ueberorganisation in der Verwaltung kranken. Die Finanzverwaltung verursacht allein 500 Millionen Mark Kosten, das sind 5 Proz. des Aufkommens an sämtlichen Steuern und Zöllen. Die gesamten Verwaltungsunkosten übersteigen die gesamte Einkommensteuerkraft unseres Volkes um 27 Proz. Die Besoldung der Beamten und Angestellten der Länder bedingt 50 Proz. unseres gesamten Einkommensteuer= Aufkommens. Einschließlich Pensionsaufwand beläuft sich der gesamte Behördenaufwand auf 80 Proz. des Einkommens aus der Einkommens= und Körperschaftssteuer. Die gesamten Staatsausgaben machen das 3½ fache der gesamten Einkommens= und Körperschaftssteuer aus. Wir sind überstenert, weil die Schulden der öffentlichen Hand in einem derartigen Maße gestiegen sind, daß die Zinsentilgung bereits einen großen Teil der aufkommenden Steuerbeträge verschlingt. Nach den Ergebnissen der Reichsfinanzstatistik betrug die Reichsschuld Ende März d. Is. 9,63 Milliarden Reichsmark und ist inzwischen weiter bis zum 30. Juni auf 11,1 Milliarden Reichsmark gestiegen. Dazu kommt noch die Gesamtverschuldung der Länder mit 2,1 Milliarden Reichsmark und der der Kommunen mit 8,5 Milliarden Reichsmark, so daß die Gesamtverschuldung der öffentlichen Hand heute 21—22 Milliarden Reichsmark ausmacht, wofür nur rund 6 Milliarden auf die Verschuldung vor 1924 entfallen. Allein die Hälfte der Neuverschuldung entfällt auf die Gemeinden. Jede Steuer ist nur bis zu einer gewissen Höhe tragbar, jedes Mehr an Steuer bedeutet ein Minder im Ertrag der Steuer. Trotz der Erhöhung der Tabaksteuer im Jahre 1929 war eine Minderung der Steuereinnahmen von 159 Millionen Reichsmark zu verzeichnen und das Steuerergebnis von 1930 wird hinter dem Ergebnis von 1929 ganz erheblich zurückbleiben. Wir sind übersteuert! Die Wirtschaft kann nicht mehr, und das Nichtkönnen ist härter als das Nichtwollen. Auch die Finanzwirtschaft der Gemeinden hat zu einer Finanzkrisis der Gemeinden geführt, wie wir sie heute in den verschiedensten Städten in furchtbarer Auswirkung sehen. Ich habe bereits soeben darauf hingewiesen, daß von der Gesamtverschuldung der öffentlichen Hand von 21—22 Milliarden Reichsmark allein die Hälfte auf die Gemeinden entfällt. Der ehemalige Reichsbankpräsident Schacht hat hierbei festgestellt, daß von diesen Beträgen mindestens die Hälfte unproduktiv angelegt wurde und so eine noch bedeutendere Zinsbelastung der Steuerpflichtigen bedeutet. Die Realsteuern in den einzelnen Kommunen haben eine Höhe erreicht, die für das mittelständische Gewerbe untragbar geworden sind. Die Summe der Steuerrückstände und die Zahl der Pfändungen, die augenblicklich auch hier vorliegen, reden eine deutliche Sprache, sind aber auch zugleich ein Menetekel für die Verwaltungen unseres Bezirks. Wir sind überstenert, und so nicht mehr gewillt, die Lasten weiter zu tragen, weil sie einen allmählichen, aber furchtbaren Untergang eines ganzen Berufsstandes beventen. Beispiele: Daß die Realsteuern nicht mehr getragen werden können, dürfte jedem ohne weiteres einleuchten. Hinzu kommt aber, daß der Ennepe=Ruhrkreis mit seinem 10=Millionen=Etat eine Etatsüberschreitung von 1,6 Millionen Reichsmark meldet, was einer Erhöhung der Kreislasten um 50 Proz. gleichkommt. Hierdurch wird die Verpflichtung z. B. der Stadt Hattingen gegenüber dem Kreise von 278000 auf 420 000 Reichsmark wachsen. Nicht zuletzt sind diese Neuausgaben verursacht durch die über die gesetzliche Grenze hinausgehende Unterstützung der Wohlfahrtsberechtigten in verschiedenen Gemeinden des Kreises. Nur zu gern verschanzen sich die Gemeinden hinter der Zwangsläufigkeit der Ausgaben. Begründet wird die Zwangsläufigkeit in der Regel mit den bestehenden Gesetzen, die den öffentlichen Körperschaften Aufgaben stellen und sie damit zu Ausgaben verpflichten. Wenn hier schon eingewandt werden muß, daß Sachkenner auch außerhalb der Ausgaben, die sich aus gesetzlicher Verpflichtung ergeben. Einsparungen für möglich halten, so ergibt sich die Frage, welches Gesetz denn die Zwangsläufigkeit der Gesetze ausstellt. Gibt es denn bei Gott in Deutschland nicht einsichtige Politiker und Verwaltungsfachleute, die diese Zwangsläufigkeit unterbinden, oder muß erst die Not zur Aufhebung der Zwangsläufigkeit zwingen? Wo die Mittel fehlen, muß die Ausgabenwirtschaft aufhören. Wir fordern deshalb in Reich, Staat und Gemeinden brutalste Sparsamkeit. Alle nicht zwingend notwendigen Ausgaben müssen vermieden werden. Wir fordern größte Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltungen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich nur kurz auf die in letzter Zeit vielfach besprochene „Beamtenhetze“ zurückkommen, da auch den mittelständischen Organisationen der Wirtschaft ungerechterweise Vorwürfe in dieser Frage gemacht werden. Der gewerbliche Mittelstand bekennt sich nach wie vor zum Berufsbeamtentum und fordert für dieses eine angemessene Besoldung, da das Berufsbeamtentum stets eine starke Stütze des Staates war. Wenn hier und da aber der Unwille und die Verärgerung manches Gewerbetreibenden gegen einzelne Beamten zum Ausdruck kommt, so findet dieses seinen Ursprung leider Gottes in der Tatsache, daß vielfach die Beamten gegenüber den kleinen Gewerbetreibenden, der durch die heutige wirtschaftliche Lage vollständig niedergeschlagen und zermürbt ist, nicht den richtigen Ton finden. Die Ergebnisse der steuerlichen Buchund Betriebsprüfungen nach der Bekanntmachung des Reichsfinanzministers zeigen, daß die Summe der bei den Prüfungen herausgeholten Mehrsteuern manche Mark des kleinen Gewerbetreibenden enthalten, die gerechterweise nicht gefordert werden konnten. Der Kampf der mittelständischen Organisationen gilt nicht der Beamtenschaft, sondern dem System, dem Bürokratismus, der der Wirtschaft fremd gegenübersteht, der, anstatt der Wirtschaft verständnisvoll unter die Arme zu greifen, ihr immer neue Steine in den Weg legt. Unser Kampf gilt der Ueberspannung und des Uebermaßes in der Verwaltung. Wir verlangen Abban überflüssiger Funktionen, damit Funktionäre überflüssig werden; wir verlangen, daß auch die Verwaltungen des deutschen Volkes nach den auch für die Bürokratie geltenden volkswirtschaftlichen Grundsätzen arbeitet: Geringster Aufwand, höchste Leistung. Wir kämpfen auch gegen den Unsug neuer Titulaturen, mit denen insbesondere bei den Gemeinden das Recht auf höhere Besoldung verbunden ist. Wer in dieser Einstellung eine„Hetze“ gegen das Beamtentum erblickt, mag dieses tun: der vernünftig denkende Beamte wird aber die Forderung der Wirtschaft als eine gerechte und zwangsläufige ansehen. Denn da, wo die Wirtschaft nicht mehr funktioniert, muß die Verwaltung ihre Tätigkeit einstellen. Diese Erkenntnis hat sich auch bei den Arbeitern durchgesetzt. Wir sind übersteuert! Wirtschaftskrise und Finanzkrise bedrohen den Bestand des deutschen Volkes. Die Wirtschaftskrise wird überwunden, wenn die Finanzkrise überwunden wird, und die Finanzkrise wird überwunden, wenn alles das, was die gesunde Entwicklung des Gemeinwesens hemmt, beseitigt, die Ausgaben bis zum Letzten gedrosselt und die Steuern dadurch auf ein erträgliches Maß herabgedrückt werden. S. O. S.— Dieser Rettungsruf, den der Vorsitzende der Kundgebung vorausschickte, er kann nicht ungehört verhallen. Nicht Uebermut hat uns zu dieser Kundgebung zusammengeführt, sondern bittere Not und der Wille zum Leben. Seit 1924 hat die Verschuldung des gewerblichen Mittelstandes in rasendem Tempo zugenommen. Schuldenfreie Besitzungen nach der Inflation, Hypotheken bis zum letzten Ziegel hente. Die Warenvorräte sind zusammengeschmolzen, die Kassen leer; Wechselprolongationen sind nur noch die einzige Möglichkeit, von einem Tag zum anderen zu kommen. Ja, die Not unseres Standes ist so groß, daß zahlreiche Mitglieder unseres Verbandes die freiwillige Krankenversicherung ihrer Familie infolge ihrer Armut nicht mehr bestreiten können. Und eins spricht eine deutliche Sprache, die Selbstmordstatistik. Rund 25 Proz. der Selbstmorde kommen auf den gewerblichen Mittelstand; Grund: wirtschaftliche Sorge. So erschreckend hoch diese Zahl ist, sie würde nach Lage der Dinge noch erheblich größer sein, wenn nicht Sitte und Glaube im Mittelstand noch feste Wurzeln hätten. Furchtbar ist die Not im gewerblichen Mittelstande, und deshalb die Erneuerung Deutschlands so schwer. Wir rufen deshalb allen denen, in deren Händen das Schicksal des deutschen Volkes liegt, aus geschlagener Seele zu: Rettet den gewerbliche Mittelstand und rettet Deutschland. Ihr aber, die Ihr dem Mittelstand selbst angehört, die Ihr ein freies Gut auf freier Scholle ererbt habt, habt heiligste Pflicht, dies Gut Euren Kindern unversehrt zu vermachen. Nicht der Bettelstab sei deren Erbe. Verzagt nicht in der Stunde der Not. Seid eingedenk, daß ein Stand, der im heiligen Zorn die Bande der Freundschaft untereinander fester knüpfte, nicht untergehen kann. Kämpft mit uns in unserm Verbande für das köstlichste Gut, das wir für Volkstum und Wirtschaft zu wahren haben: Die Unabhängigkeit und Selbständigkeit freier Menschen in freier Wirtschaft! Lebhafte Zustimmung der Versammlung unterstrich die Ausführungen. Dann nahm nach einer längeren Pause Herr Witte, der zweite Geschäftsführer des Verbandes, das Wort, um auf die Reformbedürftigkeit des derzeitigen Steuersystems hinzuweisen. Auf der einen Seite sei das Existenzminimum der Einkommensteuer zu gering, auf der anderen Seite liege die Höchstgrenze um 10—15 Prozent höher als bei den übrigen Kulturnationen und sei daher ein Anreiz zur Kapitalflucht. Die Steuerrechtsprechung des höchsten Gerichtshofs zeige eine wenig gerade Linie. Die von der Regierung zurzeit ausgearbeitete Finanzreform bringe keine Verwaltungsvereinfachung. Die Finanzamtsbezirke müßten in ihrer Größe stärker ausgeglichen werden. Ein besonderes Kuriosum unseres Steuerrechts sei es, daß es zwar eine Steuerverjährung vorsehe, aber auf der anderen Seite eine Neuveranlagung vorsehe, wenn sog.„neue Tatsachen" festgestellt würden. Je ungünstiger die Wirtschafts lage sei, umso schärfer sei trotz allen„Wohlwollens" das Vorgehen der Behörden. Es sei eine Selbsthilse an der Zeit, die darin liegen müsse, daß man mit Stundungs= und Ermäßigungsanträgen an die Behörden herantrete und nicht Kredite bei den Banken und Lieferanten aufnehme, damit der Steuerfiskus die Groschen schlucke.— Der Redner wies besonders auf die statistische Tätigkeit der Fachverbände hin. Wenn eine vernünftige Steuerreform mit dem nötigen wirtschaftlichen Verständnis und eine tatkräftige Selbsthilfe Platz greife, so brauche der Wirtschaft nicht zu bangen. Anschließend kam die eingangs wiedergegebene, mit stürmischem Beifall aufgenommene Resolution zur Verlesung. In der Aussprache forderte zunächst Obermeister Vollmer einen Zusatz zu der Resolution in der Form, daß der Ennepe=Ruhrkreis aufgelöst und der alte Kreis Hattingen wiederhergestellt werde, denn Hattingen sei durchaus lebensfähig gewesen, wenn die Verwaltung entsprechend geändert werde.— Die große Zahl der Anwesenden zeige, daß es endlich in den Köpfen des Mittelstandes „icht werde“. Freilich müßte das Licht schon lange über den Mittelstand gekommen sein. Die Wandlung sei eingetreten seit dem 14. September. — Der Redner wandte sich besonders dagegen, daß keine Vertreter der Stadt und der Behörden anwesend seien, was später vom Vorstand aus dahin richtiggestellt wurde, daß absichtlich keine Einladungen ergangen seien, weil man unter sich sein wolle. Obermeister Vollmer schloß mit einer Polemik gegen die Warenhäuser und der Bitte an die Bürgerschaft, bei der Deckung ihres Bedarfs das heimische Gewerbe und die heimische Wirtschaft zu unterstützen, eine Forderung, die aus der Versammlung durch stürmischen Beifall unterstützt wurde. Herr Padtberg=Bredenscheid bemängelte im weiteren Verlauf der Aussprache, daß man nichts davon gehört habe, daß die Sozialdemokratie der größte Feind des Mittelstandes sei.(Zurufe: Sehr richtig!) Die Demokratie unterstützt die Warenhäuser und die Sozialdemokratie die Konsumanstalten. Die Wirtschaftspartei sei mit der Sozialdemokratie durch dick und dünn gegangen; ehe man das mitmache, könne man geradesogut Konkurs anmelden.(Auf Versuche, dem Diskussionsredner das Wort zu entziehen, verlangte die Versammlung stürmisch: Weiterreden!) Wer am 14. September die Erfüllungsparteien nicht gewählt habe, dem werde es in Zukunft besser gehen. Die Versammlung sei nicht zusammengekommen, um schöne Reden anzuhören; daß der Mittelstand nicht bezahlen könne, wisse er sowieso. Oben lache man ja über solche Resolutionen(Beifall). Architekt Werner=Hattingen ging von Bismarcks Wort aus, das dieser dem Mittelstand sagte:„Gehen Sie nach Hause, werden Sie eine Macht und dann fordern Sie!“ Anstatt eine Macht zu werden, gönne der eine Mittelständler dem anderen nichts und der Stand reibe sich in gegenseitiger Konkurrenz auf. Die Ursache des mittelständlerischen Zusammenbruchs liege immer im Konkurrenzneid. Wir hätten zweierlei Steuerzahler: einen Teil des Volkes halte man scheinbar nicht für ehrlich genug, Steuern zu zahlen, denn man ziehe sie ihm ab; den Mittelstand betrachte man als ehrlich, denn man benutze ihn als Steuerbüttel der hörden. Der Einwand, daß die Steuern auf Waren und Produkte umgelegt würden, sei ehrlich. Darum, müsse in der Resolution Steuersystem gefordert werden und zwar m jeder nach seinem Einkommen Steuern zah Unsere Vorkriegs=Einkommensteuer sei die zialste Steuer gewesen, die es überhaupt Dagegen müsse der Unternehmer heute Lohnsum mensteuer zahlen, auch wenn er mit Verlust beite. So werde von den Gewerkschaftsbor jeder Unternehmergeist unterdrückt. Arch Werner wandte sich weiter gegen die Kre stelern und aeaen die warenhäuser. I Mittelständler, der im Warenhause oder im§ sum kaufe, sei sein eigener Feind. Wenns Frau ins Warenhaus gehen wolle, so wäre Jas fur ihn ein Scheidungsgrund(Heiterkeit) Herr Hamacher ging auf die Forderung auf Auflösung des Ennepe=Ruhrkreises und Neualten Kreises Hattingen ein. Die Wirtschaft des früheren Kreises Hattingen sei stets gegen die Bildung des Ennepe=Ruhrkreises gewesen. Sein dreivierteljähriges Bestehen zeige, daß er nicht lebensfähig sei. Die Lasten, die er erfordere, seien niemals zu tragen. Der Etat der tinge weise bereits Mark 40000 vom Mittelstand nicht einzutreibende Steuern aus, die Lage beleuchte. Die jetzt im Mittelpunkt des Interesses stehende e Menkungsaktion sei zum Lachen. Der blahe die Unkosten auf, Bahn und Post er„yti die Tarife, die Kommunen verpflichteten den Mittelstand, die Waren zu verteuern. Die Preissenkungsaktion sei in Wirklichkeit längst durchgeführt, und zwar seit dem vergangenen eer Lebensmittelbranche um 10—20 Prozent, in der Textilbranche noch weiter. Diese Senkung sei eingetreten auf Grund der verbilligten Rohstoffe und daß sie durchgeführt werde, dafür sorge die Konkurrenz, die sich gegenseitig auf die Finger sehe. Es sei eine Vorspiegelung falscher Tatsachen, wenn man das Volk aufwiegele durch die sog. Preissenkungsaktion. Wenn die Großindustrie durch ihre Konsumanstalten jetzt unter dem Einkaufsverkaufe, so sei das ein wohlüberlegtes Mittel. Es sei höchste Zeit, daß auch gegen diesen plumpen Schwindel Stellung genommen werde. Nach einer teilweise ziemlich lebhaften Debatte, in der der Vorstand sich auf den Standpunkt stellte, daß er unpolitisch und sich niemals politisch betätigt habe, daher nur seine Mitglieder zu Worte kommen lassen könne, während ein Teil der Versammlung stürmisch verlangte, daß dem Stadtverordneten W. Schepmann das Wort erteilt werde, besonders nachdem dieser erklärt hatte, daß er sich streng sachlich halten werde, wurde die Versammlung des Wirtschaftsverbandes geschlossen und Stadtv. Schepmann nahm das Wort, während die Versammlung vollzählig zusammenblieb und auch der Vorstand seine Plätze inne behielt.. Stadtv. W. Schepmann erklärte eingangs, er habe in erster Linie sprechen wollen, um dem Gerede entgegenzutreten, er sei mittelstandsfeindlich eingestellt. Wenn ihm solch ein Vorwurf gemacht werde, habe er das Recht, dagegen Stellung zu nehmen. Wenn der Vorstand auf einem anderen Standpunkt stehe, dann solle er aus der Versammlung lernen. Nicht jede Revolution sei ungesund; die Revolution, die sich heute im Saale angebahnt habe, sei bestimmt nicht ungesund. Der Mittelstand lebe auch nur, wenn das ganze Volk lebe. Man komme hier zu Trugschlüssen. Wirtschaft könne nur durch Politik getrieben werden. Endlich„erwache“ auch der Mittelstand; aber es habe keinen Zweck, nur einen guten Willen zu zeigen, sondern man müsse auch den Mut haben, sich ein Ziel zu stecken, durch das es besser wird. Es gehe dem einzelnen Beruf nur besser, wenn es dem ganzen Volke besser geht(Beifall). Vor dreiviertel Jahren habe man ihm erklärt, wenn er die Steuern ablehne, sei er ein Feind des Staates. Heute kämen auch der Wirtschaftsverband und selbst verantwortliche Leiter der Verwaltungen zu derselben Einsicht. Seit der Etatberatung sei in der Stadt Hattingen keine einzige Ausgabe bewilligt worden. Die Etatsablehnung sei erfolgt, um der Regierung zu zeigen, daß es so nicht weiter geht. Die Steuern könnten nicht abgewälzt werden, denn das Nachlassen der Kaufkraft bedinge eine Verschlechterung für alle Berufe und Stände. Ein einzelner Berufsstand könne sich nicht aus dem drohenden allgemeinen Zusammenbruch retten. So lange der Staat sich nicht auf seine innere Kraft besinne, so lange werde es dem Volke nicht besser gehen und so lange würden die Steuern sich immer weiter steigern. Die Preissenkungsaktion der Regie rung arte zur Diktatur gegen den Mittelstand aus.(Sehr richtig!) Die Mehrzahl der Versamm lung sei dem Rufe gefolgt, weil das neue Warenhaus sie bedrücke.(Lebhafter Beifall). Die Durchführung der Steuern, die den Mittelstand einseitig belasten, sei eine rein politische Maßnahme. Was an Steuern in der nächsten Zeit komme, geschehe auf Grund des 48. Dagegen helfe kein papierner Protest, solange man nicht dafür sorge, daß die politische Macht in die Hände kommt, die allein den Ausschlag gebe. Immer habe nur der gesundeste Staat die gesundeste Wirtschaft. Das erste sei immer der Staat und die Wirtschaft nur die Dienerin des Staates. Es gehe in Deutschland nicht vorwärts, wenn das Volk sich in einzelnen Berufen zusammenschließe, sondern wenn das Volk in seiner Gesamtheit weiß, daß alle aufeinander angewiesen sind. Diese Volksgemeinschaft müsse oberstes Gesetz werden. Wenn es gelinge, dem deutschen Handarbeiter wieder ein Vaterland zu geben, dann fange es langsam an, besser in Deutschland zu werden.— Es sei nicht wahr, wenn der Wirtschaftsverband heute abend erklärt habe, er sei politisch neutral. Wenn man glaube, mit papiernen Protesten rechnen. zu können, dann habe man sich verrechnet. Man kämpfe nur mit der Macht eines Volkes„Kleben Sie nicht an Kleinigkeiten, sondern behalten Sie sich über die Kleiniakeiten hinaus einen Blick vor, der in die Zukunft geht. Wirtschaft und Kommunalvolitik und Politik sind nicht voneinander zu trennen. Der Weg zum Blühen der Wirtschaft und jedes Berufes geht über das Volk.“ Mit diesen, mit anhaltendem Beifall des größten Teils der Versammlung aufgenommenen Worten klang der Abend aus. Der Mord an dem Wächter Klinkhammer. Wie sich der Mord vermutlich abgespielt hat. inzwischen festgedie in der Nacht 4.10 Uhr auf den gesehen worden Zum Mord an dem Wächter Klinkhammer auf der Dürer Straße in Krefeld wird von der Pressestelle des Polizeipräsidiums noch folgendes mitgeteilt: Die Kriminalpolizei hat stellt, daß die drei Personen. zum 8. d. M. gegen 4.02 bzw. Spödentalweg von Passanten sind, als Täter nicht in Frage kommen. Die Obduktion der Leiche des erschossenen Klinkhammer hatte folgendes Ergebnis: Das Geschoß ist oberhalb der linken Brustwarze in den Körper eingedrungen, hat auf seinem Lauf Lunge und Herz durchbohrt, das Rückgrat rechtseitig verletzt und ist unterhalb der rechten Schulter im Fleisch steckengeblieben. Es handelt sich um ein Geschoß 7,65 mm mit Kupfermantel, er war nicht deformiert. Die Bahn des Geschosses hat sich im Körper des Getöteten von seinem Eintritt bis zu seinem Stecksitz um 5 em gesenkt. Hieraus könnte möglicherweise geschlossen werden, daß der Mörder großer als Klinkhammer ist, vermutlich 1.73 bis 1.78 cm. Der ermordete Klinkhammer hatte außerdem Verletzungen an der Stirn und an der Nase, die einen inneren Bluterguß verursachten. Dies könnte zu der Annahme führen, daß der Vorfall sich vielleicht folgendermaßen abgespielt hat: Klinkhammer hat zunächst vom Täter einen Schlag erhalten und hierauf die Signalpfeise gezogen um Hilfe herbeizurufen. Der Mörder hat dann mit der von ihm bereitgehaltenen Pistole den Wächter niedergeschossen. Für die Annahme besteht insofern auch ein Anhalt als ein auswärts wohnender Zeuge, der den Erschossenen zuerst fand, und der auch der Feuerwehr zunächst Mitteilung machte, bekundet, daß Klinkhammer auf dem Gesicht gelegen hat, mit der Signalpfeife in der Hand. Aus der Bürgerschaft sind dankenswerterweise sehr viele Mitteilungen bei der Polizei eingegangen, die Spuren sind verfolgt worden, haben aber bisher zu keinem Ergebnis geführt. Inzwischen sind Personen festgenommen worden, die einem Oberlandjäger in Hüls Widerstand leisteten und hierbei eine Schußwaffe gebrauchten. (Wir haben am Mittwoch darüber berichtet. Red.) Die Täter wurden nach Krefeld übergeführt zwecks Prüsung, ob sie für die auf der Dürer Straße ausgeführte Mordtat in Frage kommen. Bisher liegen bestimmte Anhaltspunkte noch nicht vor. Berliner Anfangs-Börsenstimmungsbild von heute. Tendenz: Ruhig. (Eigener Funkdienst). Da doch zu den ersten Kursen wieder Ware herauskam, konnten sich die höheren Vorbörsentaxen nicht behaupten, so daß gegenüber dem gestrigen Schlußniveau keine größeren Abweichungen mehr festzustellen waren. Nur Kupferwerte fanden einige Beachtung auf die erwartete weitere Heraufsetzung der Kupferpreise. Ottavi 35½ nach 33½. Auch Linoleum auf Dekkungen etwas erholt. Geld unverändert leicht, Tagesgeld 3½ bis 5½ Proz. Monatsgeld 6 bis 7½ Proz., Warenwechsel ca. 5½ Proz. Reichsschuldbuchforderungen schwächer. Nach den ersten Kursen bei weiter nachlassendem Geschäft zur Schwäche neigend. Angeblich ist wieder das Ansland(Amerika und Wien) als Abgeber aufgetreten. Zwei Jahre Festung wegen Mensur mit Todeserfolg. Das Strafgericht München verurteilte den Studenten Koch aus Remscheid wegen Tötung im Zweikampf zu zwei Jahren Festung. Koch hat am 21. Februar dieses Jahres einem Angehörigen einer Burschenschaft in einer Bestimmungsmensur eine Stirnverletzung beigebracht. Der Verletzte starb nach einigen Tagen an einer Stirnhöhlen= Vereiterung. In der Verhandlung erklärte einer der medizinischen Sachverständigen, die Verletzung als solche habe nicht unmittelbar den Tod zur Folge gehabt, sondern es lag eine innere Insektionsquelle vor, während der zweite Sachverständige eine Insizierung durch die Wunde für wahrscheinlich hält. Obwohl der Verteidiger darauf hinwies, daß das Große Schöffengericht in Berlin und das Schöffengericht Köln zu der Entscheidung gekommen seien, daß Studentenmensuren nicht als Zweikampf mit tödlichen Waffen, sondern als Sport anzusehen seien, schloß sich das Gericht einer reichsgerichtlichen Entscheidung von 1883 an, wonach Studentenmensuren als Zweikampf mit tödlichen Waffen zu betrachten seien. Im übrigen glaubte das Gericht die Frage nach dem ursächlichen Zusammenhang zwischen der Verwundung und dem Tode im vorliegenden Falle bejahen zu müssen. Polizei gegen RauschDas Problem des Ozean=-Luftverkehrs. Bedeutung der Wasserung der Do K auf dem Meer. Flug des Prinz von Wales mit der„Do X“. Der Prinz von Wales unternahm Mittwoch nachmittag einen Flug mit dem deutschen Flugboot Do X. Nach einem halbstündigen Flug landete der Do X wieder an seinem Ankerplatz. Der Kapitän des Do X, Christiansen, sagte, er sei sich der Schwierigkeiten voll bewußt, die eine Wasserung auf dem Ozean zur Auffüllung der Vorräte mit sich bringen müsse. Das bisherige Verhalten des Flugschiffes berechtigte jedoch dazu, diese Frage mit Gleichmut zu betrachten. Man dürfe natürlich die Atlantikwellen nicht unterschätzen, jedoch habe die Do X bewiesen, daß sie den Stoß beim Wassern mit einer Geschwindigkeit von 75—80 Seemeilen gut aushalten könne. Die zukünftige Entwickelung müsse dahin gehen, weniger, aber noch kräftigere Maschinen an Bord zu haben. Die Do X sei nur der Uebergang zu einem neuen Abschnitt in der Geschichte der Flugkunst. Kapitän Christiansen erklärte ferner, daß das Großluftschiff und das Großflugschiff Seite an Seite eine bedeutungsvolle Zukunft hätten, und zwar jedes in seiner Art. Diese geplante Wasserung der Do X mitten auf dem Ozean ist von weit größerer Bedeutung, als man beim Lesen der Nachricht zunächst annimmt. Die Hauptgefahr liegt natürlich in dem Seeaang, der auf dem Meere bei stürmischem Wetter bekanntlich ganz enorme Ausmaße annimmt, wenn auch die übliche Meinung von den „haushohen“ Wellen nicht stimmt. Es kommt für die Do X also darauf an, im Falle einer plötzlichen technischen Störung, Benzinmangels oder schweren Wetters jederzeit auf dem Meere niedergehen zu können. Wenn die Voraussetzungen, die sich aus dem Gelingen der geplanten Wasserung von Do X auf dem Meere ergeben würden, zur Ausführung kommen, wäre das Problem des Ozeanluftverkehrs nach den heutigen Ansprüchen der Verkehrssicherheit gelöst. Nach den gesamten Absichten, die die Schiffsleitung der Do X bzw. der Konstrukteur Dr. Dornier auf der begonnenen Etappenfahrt ausführte bzw. noch ausführen will, kommt man zu dem Eindruck, daß wir im Großflugverkehr einer ganz neuen Epoche entgegengehen. Vorbereitungen für die Landung in Lissabon. (Eigener Funkdienst.) Nach einer Meldung der Chikago Tribune aus Lissabon ist Maurice Dornier dort eingetroffen, um die Vorbereitungen für die Ankunft des Do X zu überwachen. Dornier habe den bekannten portugiesischen Fliegeradmiral Gago Coutinho aufgefordert, als Passagier den Flug Lissabon— Neuyork an Bord des Do X mitzumachen, es sei jedoch noch nicht bekannt, ob der Admiral dieses Angebot angenommen habe. G. 38 bei Bordeaux gelandet. Das deutsche Riesenflugzeug G 38, das am Mittwoch um 11 Uhr vormittags auf dem Flugplatz Vitoria in Spanien aufgestiegen war, ist nachmittags um 1.15 Uhr in Merignac bei Vordeaux gelandet. Es hatte aaußer dem Flugleiter Bohn und dem Chespiloten Zimmermann zwölf Passagiere an Bord. Seit seinem Abfluge aus Deutschland hat G 38 bisher bereits 7500 Klm. zurückgelegt. Eine etwa 30köpfige RauschgifthändlerOrganisation in Neuyork verhaftet. (Eigener Funkdienst.) In der vergangenen Nacht hat die Neuyorker Polizei in den Stadtteilen Manhattan und Brooklyn, sowie auf dem gegenüberliegenden Ufer des Hudson eine der größten Organisationen von Rauschgifthändlern gesprengt. In Manhattan allein wurden 25 Männer und Frauen verhaftet. Die Organisation bezog ihre Rauschgifte aus Südeuropa und benutzte chinesische Wäschereien, große Restaurants und ausländische Läden als Verkaufsstellen. Unter den Verhafteten befinden sich drei Frauen und zwanzig griechische Seeleute, die das Rauschgift an Land gebracht haben sollen, und eine halbes Dutzend Orientalen. Viehmärkte. Leerer Zucht= und Nutzviehmarkt am 12. Novbr. Auftrieb: Großvieh 503 Stück, Kleinvieh 126 Stück. Handel: Auswärtige Käufer zahlreich vertreten, hochtragende und frischmelkende Kühe 1. Sorte gut, 2. und 3. Sorte mittelmäßig, hoch= und niedertragende Rinder 1. Sorte gut, 2. Sorte mittelmäßig, 3. Sorte langsam. Mansen mittelmäßig, jährige Zuchtbullen 1. und 2. Sorte mittel, 3. Sorte langsam, ½jährige Kun= und Bullkälber langsam, 1—2jährige güste Rinder langsam. Gesamt=Tendenz: Großvieh mittelmäßig, Kleinvieh schlecht. Hochtragende und frischmelkende Kühe 1. Sorte 675—750. 2. Sorte 550—650, 3. Sorte 400—500. Hoch= und niedertragende Rinder 1. Sorte 500— 600, 2. Sorte 400—475, 3. Sorte 300—375. Mansen 300—500. Jährige Zuchtbullen 1. Sorte 600—700, 2. Sorte 400—500, 3. Sorte 200—325, ½jährige Kuhkälber 125—250, ½jährige Bullkälber 100—250, 1—2jährige güste Rinder 200—350, Zuchtkälber 2 Wochen alt 40—60, Ferkel bis 6 Wochen alt 13—16, 6—8 Wochen alt 16—19, Läufer 20—40, Schafe 28 bis 45, Ziegen 15—25, Lämmer 28—45. Der nächste Markt findet am Donnerstag, 20. d. Mts. stalt. Husumer Fettviehmarkt am 12. November. Austrieb: Öchsen 920, Bullen 9, Kühe 354, Färsen 305, Fresser 16; zusammen 1604 Stück. Handel schlecht. Ochsen 1. Qualität 49—52; 2. Qualität 41 bis 47; 3. Qualität 38—42; Bullen 1. Qualität 45 bis 47; Kühe 1. Qualität 46—48; 2. Qualität 40— 45; 3. Qualität 37—40; 4. Qualität 20—30; Färsen 1. Qualität 47—50; 2. Qualität 42—46; 3. Qualität 36—40; Fresser 30—40. Essen, 13. Nov. Die Bergarbeiterverbände, und zwar sowohl der christliche wie der freie Bergarbeiterverband, werden dem gestern gefällten Schiedsspruch über die Arbeitzeit im Ruhrbergbau ablehnen. „Die Universität ist kein Parlamentsgebäude und untersteht, wie jedes andere Haus, der Polizeigewalt.“ Berlin, 13. November Nationalsozialistisch eingestellte Berliner Studenten beabsichtigen einen Ballabend zu veranstalten. Linksgerichteten Studentengruppen paßt das nicht. Sie suchen das Vorhaben daher zu hintertreiben und protestieren dagegen lant und deutlich; auch in Flugblättern. Darüber ist es zu Insammenstößen unter den Studenten gekommen. Ohne daß der Rekt. Prof. D. Deißmann, noch einer der Universitätsbeamten die Polizei herbeigerufen hat, ist diese in den Universitätshof eingedrungen und ist hier und auch in den Korridoren und in der Vorhalle selbst mit dem Gummiknüppel gegen Studenten vorgegangen, die aus den Vorlesungen kamen. Gegen dieses Vorgehen hatten die Studenten im Hofe der Universität eine Protestkundgebung veranstaltet. Auch diesmal erschien die Polizei und wollte wieder einschreiten Der Rektor verbat sich das mit aller Entschiedenheit. Er wies die Polizei darauf hin, daß sie durch keine antorisierte Stelle zum Eingreifen auf dem Universitätsgelände herbeigerufen worden sei. Polizeioberst Heimannsberg,(der aus Neviges stammt,) berief sich darauf, daß„die Universität kein Parlamentsgebände sei und wie jedes andere Haus der Polizeigewalt unterstehe," verließ dann aber mit seinen Leuten das Universitätsgelände. Unter dem Gesange des Liedes„Mußi denn, muß i denn zum Städele hinaus", verließ die Polizei das Gebäude, nachdem vorher sieben Studenten verhaftet worden waren. „Das stimmt nicht!“ Berlin, 13, November. Vor Eintritt in die Tagesordnung der heutigen Landtagssitzung gibt Abgeordneter Borck(Dtn.) zu den Studentenunruhen in Berlin folgende Erklärung ab: Die Pressestelle des Berliner Polizeipräsidiums hat gestern amtlich mitgeteilt, daß mehrere hundert Studenten in dem Universitätshof Lieder gesungen haben, durch die die Regierung beschimpft wurde. Dieses Singen von Liedern hat die Polizei veranlaßt, ohne von den Universitätsbehörden aufgefordert zu sein, ja sogar gegen deren Willen, den Hof der Universität räumen lassen. Rufe links: Das stimmt nicht!(Redaktionsschluß.) Gilberfürsten und Abenteurer. Die Entthronung des mexikanischen Dollars.— Der Mann, der seinem Lande ein Schlachtschiff schenken konnte.— Ein Maultiertreiber spielt mit goldenen Puppen. Meriko ist seit seiner Eroberung durch die Derlin, 13. Novbr.(Eigener Funkdienst). Der Hanshaltsausschuß des Reichstages verhandelte zunächst über die Bereitstellung außerplanmäßiger Mittel zur Verbilligung von Frischfleisch an Stelle des in Fortfall gekommenen zollfreien Gefrierfleisches.— Reichsernährungsminister Schiele führte aus, daß sich die Frischfleischbelieferung nur auf diejenigen Gemeinden erstrecken soll, die bisher mit zollfreiem Gefrierfleisch beliefert worden sind, da es sich doch um einen Ersatz handele. Für die Durchführung des Gutscheinsystems ist die Feststellung des Kreises der tatsächlich Minderbemittelten durch die Gemeinden der Gebiete, die bisher mit zollfreiem Gefrierfleisch beliefert worden sind, erforderlich. Die Gemeinden erhalten erstmalig anse Spanier das Hauptsilberland der Erde gewesen. Aus seinen Bergwerken kamen innerhalb der letzten vier Jahrhunderte drei Fünftel der gesamten Welterzeugung. Bis vor zwei Jahren stand das Silber nach dem Erdöl an zweiter Stelle in der Liste der mexikanischen Ausfuhrartikel. Indien und vor allem China wurden fast ausschließlich von Mexiko mit Münzmetall versorgt. Im Reiche der Mitte war der mexikanische Silberdollar jahrzehntelang die amtliche Währung. Vor zwei Jahren trat auf diesem Gebiete eine vollständige und plötzliche Wandlung ein. China schaffte die Siberwährung offiziell ab. Wenn es den verschiedenen Regierungen, die sich dort befehdeten, auch nicht möglich war, die Goldwährung praktisch einzuführen, so hörte doch die Nachfrage nach Silber sofort auf. Deshalb fiel das weiße Metall innerhalb zweier Jahre von 60 Cents die Unze auf 34 Cents, womit aber der Tiefstand allem Anschein nach noch nicht erreicht ist. Durch den Sturz des Silberpreises werden nicht die Mexikaner allein, sondern auch die Nordamerikäner, die im Verlaufe der letzten Jahrzehnte den Silberbergbau an sich zu reißen verstanden hatten, betroffen. Deshalb ist es durchaus verständlich, wenn amerikanische Fachleute im Verein mit den Mexikanern eine Organisation geschaffen haben, um auf wissenschaftlichem Wege neue Verwendungsmöglichkeiten für das wohlfeil gewordene Edelmetall zu finden. Die Soldaten, die unter Cortez' Führung Mexiko für die spanische Krone eroberten, waren die ersten Silbergräber. Freilich verstanden sie davon wenig und beschränkten sich darauf, die Minen auszubeuten, die schon von den Azteken betrieben worden waren. Trotzdem überstieg die Ausbeute alle Erwartungen. Einen neuen Abschnitt in der Geschichte des mexikanischen Silberbergbaus bildete die Entdeckung des Amalga mationsverfahrens. Es dauerte nicht lange, bis spekulative Köpfe zu der Erkenntnis kamen, daß es nun viel nutzbringender war, das Silber graben durch andere Leute vornehmen zu lassen und sich auf die Gewinnung des Edelmetalls aus den Erzen zu beschränken. So wuchsen um die Silberminen große Haciendas empor, deren Besitzer den Gräbern die Preise für das Erz vorschreiben konnten und Millionenverdienste aus der Amalgamation zogen. Manche verstanden es, die ursprünglichen Besitzer durch Preisdrückerei zu ruinieren, die Minen an sich zu bringen und dann in ihrem Bezirk eine Art Monopol auszuüben Zu diesen Silberfürsten gehörte Don Pedro Tereros, der im Jahre 1774 aus der ihm gehörenden Mine einen Verdienst von 25 Millionen Mark zog. Er glaubte nun wohl, die Allgemeinheit an seinem märchenhaften Glück ein wenig teilnehmen lassen zu müssen, weshalb er Spanien eine 120=Kanonen=Fregatte schenkte, die damals als ein der stärksten Schlachtschiffe der Erde galt. Für ein weiteres Geschenk, dieses Mal eine bare Million Dollar, wurde ihm der Grafentitel verliehen. Doch Don Pedro war im Vergleich zu einem anderen Silberfürsten, Don Antonio Abregon, ein armer Schlucker. Abregon hatte das Glück, als ganz mittelloser Silbergräber auf eine reiche Ader zu stoßen. Seine Entdeckung machte ihn zum reichsten Mann der damaligen Welt. Im Verlaufe dreier Jahrzehnte verschaffte ihm seine Wundermine einen Verdienst von rund 250 Millionen Dollar, ein Vermögen, das in Anbetracht der wesentlich veränderten Werte heute größer sein würde als das des reichsten amerikanischen Milliardärs. Unter diesen Umständen spielte es für ihn keine Rolle, wenn auch er seinen Grafentitel mit Millionen erkaufen mußte. Don Antonio warf das Geld mit vollen Händen zum Fenster hinaus, machte jeden seiner vielen armen Verwandten, die sich nun bei ihm meldeten, zum Millionär und hinterließ doch noch ein so großes Vermögen, daß drei Generationen erforderlich waren, um es endlich aufzuzehren. Als Bettler endete dagegen José Sardanetas, der in einer verlassenen Mine eine der reichsten Silberadern Mexikos fand. Er ahnte freilich nichts von ihrer Ergiebigkeit und verhungerte, bevor er auch nur einen Teil seines Schatzes hatte heben können. Er hinterließ das Besitzrecht an der Mine seinem Sohn Miguel, der bei einem Landsmann Hilfe fand und innerhalb weniger Jahre nach damaligem Werte für zwölf Millionen Dollar Silber daraus gewann. Miguel, dem der Titel eines Marquis de Rayas verliehen wurde, wollte nun alles nachholen, was das Leben seinem Vater und bisher auch ihm vorenthalten hatte. Er baute sich am Eingang zu seiner Mine eine phantastische Burg, die mehr als fünf Millionen damaliger Dollar kostete und von einem aus massivem Golde bestehenden Erzengel Michael in Lebensgröße gekrönt war. Der mexikanische Befreiungskrieg zertörte das Märchenschloß bis auf die Grundmauern. Hatten die bisher genannten Silberfürsten gesellschaftlichen Eyrgeiz besessen, so übertraf in dieser Beziehung der frühere Maultiertreiber Zunia alle. Er fand in seinen alten Tagen noch eine reiche Silberader, die ihm Millionen, dazu den Adelsbrief und den Zugang zur Gesellschaft eintrug. Er wollte aber noch höher steigen und der Freund des Vizekönigs werden. Daran lag diesem freilich wenig, da der alte Maultiertreiber am Hofe keine besondere gute Figur zu machen verstand. Schließ lich fand sich aber ein Ausweg: Zunia begnügte sich damit, der„liebe Onkel" der vizeköniglichen Kinder zu werden. Er erhielt— was seinem Ehrgeiz unendlich schmeichelte— freien Zutritt zum Palast, besuchte täglich seine jungen Freunde, und jung und alt spielte nun gemeinsam mit den Puppen, die Zunida von indianischen Künstlern aus reinem Gold hatte herstellen lassen. Romantisch war auch die Geschichte des fran zösischen Silbergräbers La Borde. Dieser stieß in den mexikanischen Bergen auf reiches Silber vorkommen, so daß er bald darauf schon für eine halbe Million Dollar eine Kirche bauen lassen konnte. Im Jahre 1743 vergeudete er in kurzer Zeit sein ganzes Vermögen in Minenunter nehmungen, die ihm nichts eintrugen. In seiner Not wandte er sich an die Geistlichkeit seiner Kirche und bat flehentlich um Rückgabe eines Diamanten im Werte von mehr als 100000 damaliger Dollar, der das Sakramentshäuschen krönte. Er wollte geträumt haben, daß er mit dem Erlös aus dem Edelstein zum reichen Mann werden würde. Die Geistlichkeit entschloß sich nach langem Zögern, La Bordes Bitte zu erfüllen. Der Franzose baute nun mit der ihm nur geliehenen Summe eine neue Mine aus, und diese lieferte ihm tatsächlich eine Ausbeute von mehreren Millionen. Es versteht sich von selbst, daß die Kirche außer manchen Ge schenken als Ersatz für ihren Diamanten einen weit besseren erhielt. Der Freiheitskrieg der Mexikaner gegen Spanien brachte den alten Silberbergwerken die fast völlige Zerstörung. Die Aufständischen vernichteten alle Tagebauten und ließen die Minen selbst ersaufen, um den Feinden die Mittel zur Fortführung des Krieges zu nehmen. Jahrzehntelang konnte von einem Silberbergbau nicht mehr die Rede sein, bis ausländische Unternehmer die alten Minen mit verbesserten Verfahren auszubeuten begannen und die Silbergewinnung zu einer der wichtigsten Industrien des Landes ausbauten. H. H. Die thüringische Polizeispitzelzentrale. Weimar, 13. Nov.(Eigener Funkdienst). Das thüringische Staatsministerium teilt im Nachtrag zu seiner Presseverlautbarung vom 11. November 1930 mit: Die im Disziplinarverfahren gegen den Verwaltungsobersekretär Müller bei der Wirtschaftsstelle der Polizei in Sondershausen angeordnete Untersuchungen und Beschlagnahmungen gegen mehrere Angehörige der thüringischen Polizei und in den Geschäftsräumen des Gaues Thüringen des Reichsbanners, sowie in den Privaträumen des Geschäftsführers des Reichsbanners Dr. Dietzel in Weimar haben weitere erdrückende Beweise für das Bestehen einer Spitzelzentrale bei der thüringischen Polizei erbracht. Sie hat offenbar die Aufgabe gehabt, dem Reichsminister des Inneren Material für das Verfahren vor dem Staatsgerichtshof wegen der Polizeikostenzuschüsse zu liefern. Das beschlagnahmte Material ist derartig belastend für mehrere Polizeibeamte, daß das Ministerium des Inneren sich veranlaßt gesehen hat, sofort gegen einige Beamte einzuschreiten. Sie haben in gröblichster Weise ihre Amtsverschwiegenheit verletzt durch Erstattung von noch dazu durchaus unrichtigen Berichten über Vorkommnisse bei der Polizei dem Land= Thüringen, dessen Beamte sie waren, dem Lande„aben sie dadurch schwersten Schaden zugefügt und damit dem auch den von ihnen geleisteten Beamtcneid gebrochen. Das Ministerium des Inneren hat den Polizeihauptmann Schüler in Gotha heute fristlos und ohne Zuerkennung von Versorgungsgebührnissen entlassen, sowie gegen die Polizeihauptwachtmeister Lenk und Engel und gegen den am 31. August 1930 aus der Landespolizei ausgeschiedenen früheren Polizeioberleutnant Bathke, sowie gegen den städtischen Polizei=Oberwachtmeister Undeutsch in Jena das Strafverfahren eröffnet. Die Beamten haben das Material an den Leiter des Gaues 6 des Reichsbanners in Gotha abgegeben. Dann werden noch Einzelheiten aufgezählt. fangs Dezember von der Reichsdruckerei die auf sie entfallenden Fleischmarken. Vom Bezuge und Fleischmarken sind ausgenommen sämtliche anderen Waren, wie Speck, Würste, Flomen, Liesen, Talg, Schmalz, Margarine und dergleichen. Die Fleischmarken sind monatlich an die Minderbemittelten zu verteilen. Die Reichshauptkasse wird angewiesen, jeweils bis zum 15. des der Verteilung voraufgehenden Monats den auf das einzelne Land entfallende monatliche Gesamtbetrag der Landesbank zu überweisen. Für den Druck und die Verwendung der Gutscheine durch das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft sind hierfür mit 75000 Mark veranschlagt. Zur Durchführung der Verbilligung von Frischfleisch auf dem Wege des Gutscheins wird die Reichsregierung nach ihren Berechnungen für die zweite Hälfte des Rechnungsjahres 1930 den Betrag von 10 075 000 Mark benötigen. Wenn die Aktion erst vom 1. 12. 1930 an durchgeführt werden soll, so senkt sich der erforderliche Reichsetat auf 6716 666 Mark. 15 000 spanische Metallarbeiter im Ausstand. Paris, 12. Nov.(Eigener Funkdienst.) Von dem Metallarbeiterstreik in Madrid und Umgebung werden, wie Havas berichtet, insgesamt 15 000 Arbeiter betroffen. Eine Demonstration von Ukrainern fand heute in Detroit(Amerika) vor dem polnischen Konsulat statt, wobei Frauen in Nationaltracht Aufrufe verteilten, in denen gegen das Vorgehen Polens in Östgalizien Protest erhoben wurde. Auch auf den Plakaten, die die Demonstranten mit sich führten, wurde das Vorgehen der Polen gegen ihre Landsleute scharf verurteilt. Ein Bild von der Nachwirkung der Fürsorgeerziehung gibt die im Sommer 1928 angestellte Erhebung über die Lebensverhältnisse der 1922 entlassenen Fürsorgezöglinge. Als Grundlagen dienten die von den Fürsorgeerziehungsbehörden ausgesandten Fragebogen über insgesamt 8126 Zöglinge. Die ermittelten Fälle(etwa 70 Prozent) wurden in drei Gruppen geteilt: Gruppe 1: voller Erfolg oder wesentlich gebessert, Gruppe 2: zweifelhafter Erfolg, Gruppe 3: erfolglos. Von den 5684 ermittelten Personen gehörten zur ersten Gruppe 4187(73,7 Prozent), zur zweiten 738(13 Prozent), zur dritten 759(13,3 Prozent). Der Erziehungserfolg ist im Durchschnitt bei den Frauen größer als bei den Männern. Die Feststellungen über die Beschäftigung der ehemaligen Zöglinge ergaben, daß 2604(45,8 Prozent) in Industrie, Handel und Verkehr tätig waren, 668(11.8 Prozent), in der Landwirtschaft, meist als Knechte oder Mägde oder Lohnarbeiter, 382(6,7 Prozent) als Hausangestellte. Nur 363 Personen(6,4 Prozent) sind im Handwerk beschäftigt, 943 Frauen(16,6 Prozent allexr ermittelten und 45,6 Prozent der unermittelten Frauen) waren verheiratet und besorgten ihren Hausstand. 74 Mädchen(3,6 Prozent der zermittelten Frauen) trieben Gewerbsunzucht. Der Anteil der nach der Entlassung Bestraften betrug bei den 5684 Ermittelten 33,8 Prozent, bei 1595 Nichtermittelten 45.8 Prozent.* Der Kunstschütze Garboni. Skizze von W. Emil Schröder. Das Prasseln beifallklatschender Hände verebbte, gehemmte Redseligkeit rauschte im Zuschauerraum auf, bis der Conférencier an die Rampe trat:„Fast kniefällig zu verehrende Damen, nicht minder willkommene Herren! Abgesehen von den Damen, ist niemand unfehlbar. Nur mit einem Herrn möchte ich eine Ausnahme machen: mit dem Kunstschützen Garbont. Seine sichere Hand fehlt nie, weder beim Unterzeichnen horrender Gagenforderungen noch beim Schuß auf Kreuz=Neun, von der er nichts übrig läßt als ein papiernes Kaffeesieb. Nicht einmal den Zug hat er verfehlt, sonst stände er jetzt nicht auf der Bühne—“ Garboni erschien auf der geräumigen Bühne im knappen schwarzen Trikot, verbeugte sich lässig, indes sein Assistent einen schmalen Kasten mit Pistolen und kurzläufigen Büchsen auf blitzendem Gestell hereintrug. Ein Clown stolperte herbei, kleine weiße Federbälle knollerten auf den Boden— bald wirbelten alle neun Bälle in der Luft herum. Garboni stand wie gemeißelt, hob die Pistole mit der Rechten. Blitzschnell krachten neun Schüsse. Neun zerfetzte Bälle fielen auf die Erde, indes sich der Clown laut plärrend entfernte. Rasender Beifull. „Hier ein Kartenblatt, die Kreuz=Neun! Ich befestige es an dieser schwarzen Tafel. Hinter jedem Kreuz liegt ein Metallplättchen, das einen Kontakt schließt. Jeder Treffer läßt auf dieser zweiten Tafel eine farbige Lampe aufleuchten“. In schneller Aufeinanderfolge leuchteten die Lämpchen auf. Es war fabelhaft! Das Publikum raste, überschrie sich bei jeder neuen Glanzleistung. „Und zum Schluß, verehrte Herrschaften: Ein Herr oder eine Dame aus dem Publikum kann sich einhundert Mark verdienen. Auf die einfachste Weise! Zwischen Daumen und Zeigefinger ist diese winzige Münze zu halten— sie besteht aus Pappe, damit die Kugel nicht abprallt—, und ich werde mit abgekehrtem Gesicht unter dem linken Arm hinweg die Münze zerschießen.“ Hundert Mark! Lebhaftes Raunen. Vier Herren drängten sich auf die Bühne. Garboni musterte sie, einen nach dem anderen. Der zweite da— der Artist verlor jede Farbe. Unbedingt wäre seine plötzliche Blässe aufgefallen, hätte ihn nicht das grelle Rampenlicht gedeckt. Seine Hände zitterten, aber nur eine Sekunde:„Der zweite Herr bitte! Stellen Sie sich in jenen mit Kreide gezogenen Kreis, die Pappmünze zwischen Daumen und Zeigefinger— gewiß, Sie können auch den Mittelfinger nehmen.“ Garboni stellte sich mit dem Rücken zum anderen vor einem mannshohen Spiegel auf, hob den linken Arm, zielte sorgfältig mit der Pistole in der Rechten unter dem Arm hinweg Ein kaum hörbarer Knall— der Herr sank lautlos zusammen. Bestürzung in allen Gesichtern. Der grüne Sammetvorhang rauschte hastig zusammen. Der diensthabende Arzt war zur Stelle:„Tot! Herzschuß!“ Garboni nickte nur mechanisch, steckte die Pistole mit kalter Ruhe in die Brusttasche.„Ich stelle mich sofort der Polizei.“— „Habe ich die Ehre mit Herrn Kommissar Tenbrink? Mein Name ist Garboni“ „Ah— ist mir soeben gemeldet worden. Ein äußerst bedauerlicher Unglücksfall, Herr Garboni. Natürlich— für die Folgen—“. Kommissar Ten brink machte eine hilflose Bewegung mit beiden Händen. Garboni nahm dankend auf dem angebotenen Stuhl Platz.„Es ist kein Unglücksfall, Herr Kommissar. Garboni verfehlt sein Ziel nie.“ Ungläubig sah Tenbrink ihn an:„So ist es—“ „Mord? Wie Sie wollen. Vielleicht könnte man bei einigem Geschick Tat im Affekt vorschützen — wozu? Wissen Sie, wer der Erschossene ist?“ „Ja, gewiß. Ein Kaufmann Bertram Bernoulli." Garboni lächelte etwas spöttisch.„Möglich, daß der Mann jetzt so heißt. Als ich ihn vor neun Jahren kennen lernte, hieß er noch Lasar Adamescu und war Rauschgifthändler, der in Bern seine Stammkundschaft hatte.“ „Und— ich verstehe— Sie haben ihn erschossen, weil er Sie auch fast ruiniert hätte?“ Nicht mich, aber Mignonne Garbonis Stimme bekam wärmeren Klang.„Mignonne— das war vor neun Jahren ein Stern, ein leuchtendes Kindergesicht, umflammt von goldblonden Locken, ein Elfentraum von fünfzehn Jahren. Das verwaiste Kind entlief grausamen Pflegeeltern in einem einsamen Bergdorf, fand bei unserem Zirkus Aufnahme und wurde bald aller Liebling. Tanz war ihr als schönstes Patengeschenk in die Wiege gelegt. Unser damaliger Direktor Martino, ein herzensguter Kerl, erkannte ihr Talent, und Mignonne tanzte bald, als wäre sie nie zu anderem geboren. Ein argloses Kind, mitleidig, allen gut. Ich wich nicht von ihrer Seite. Ich schwor ihr ewige Freundschaft. Später erst, als ich Mignonne verlor, wußte ich, daß es ewige Liebe war. Und dann— an einem Herbstabend in Bern— lud uns ein gewisser Adamescu zu einer Abendvorstellung in seiner geräumigen Villa ein. Ersparen Sie mir, den bitteren Kelch noch einmal zu durchkosten. Genug, am nächsten Morgen war Mignonnes Koje leer. Das Mädchen kam auch am Abend nicht. Zum ersten Male fehlte meine sichere Hand mehrmals ihr Ziel. Ich suchte Mignonne in der Villa bei Adamescu. Er zuckte die Achseln: Mignonne sei gegen Mittag fortgegangen. Ich schrie ihn an:„Und wo war sie während der Nacht?“ Garbonis Fäuste krampften sich zusammen: „Herr Kommissar, dieses satanische Lächeln sehe ich noch jetzt vor mir... Ich habe Mignonne wiedergesehen. Vor drei Jahren. In einem verrufenen Marseiller Lokal. Sie hat auch mich erkannt und mir gebeichtet. Am nächsten Morgen war sie tot. Sie hatte aus Versehen den Gashahn in ihrem erbärmlichen Zimmer geöffnet. Jenem Adamescu verdankte sie die Bekanntschaft mit dem weißen Gift Kokain, das ihren jungen Körper zerrüttete, sie mordete. Das Schicksal gab ihn heute in meine Hand. Unter Millionen hätte ich ihn erkannt! Und diese rechte Hand, über die sich die verweinten Augen einer hilflosen Mignonne gebeugt, die sie am Abend vor ihrem Tod mit müden Küssen bedeckt — sie war nur Werkzeug.“ „Gewiß— ich verstehe— vom menschlichen Standpunkt— gewiß. Aber das Gesetz—“, räusperte sich Kommissar Tenbrink. „Sehen Sie jenen Lichtfunken am Fenster?“ Kommissar Tenbrink drehte suchend den Kopf. Hastig sprang er auf. Ein leiser Knall— Garboni sank im Stuhl zusammen. „Tot! Herzschuß!" murmelte Tenbrink, als er sich über ihn beugte.„Es war am besten so..." Tretet hin zu meinem Grabe. Stört mich nicht in meiner Ruh', Denkt, was ich gelitten habe, Eh' ich schloß die Augen zu. 9 Dienstag morgen 4½ Uhr entschlief nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden meine innigstgeliebte Frau, unsere gute Tochter, Schwiegertochter, Schwester, Schwägerin und Tante, die Selma, geb. Hogräve im besten Alter von 39 Jahren. Um stille Teilnahme bitten die trauernden Hinterbliebenen. Hattingen, Althammer(Schl.), Bredenscheid-Stüter, Essen, Schweinfurt(Bayern), Recklinghausen, Hüttenau. den 13, November 1930. Die Beerdigung findet Samstag, den 15. November. nachm. 4 Uhr, vom Trauerhause, Hattingen, Hüttenstraße 26, aus statt. Allen, denen aus Versehen keine besondere Nachricht zuging, diene diese als solche. Essener Straßenbahnen. Linie 10. Segeroth-Essen Hbf.-Feldhaushof Gültig vom Tage der Betriebseröffnung ab. rau Entfernung 9,21 km Fahrzeit 35 Minuten Segeroth. Limbecker Platz Essen Hbf. Wasserturm. Feldhaushof. Kray. Krav Feldhaushof Wasserturm Essen Hbf. Limbecker Platz Segeroth. W 453 457 505 509 W 509 513 522 W W W 532 553 557 604 609 W W 556/608 617 621 629 633 W W 620 657 729 733 743 659 709 713 709/721 713725 722/734 9 2335 2345 2349 2357 001 010 2359 009 013 021 925 101113 Achtung! Bin unter Nr. 2018 an das Fernsprechamt Hattingen angeschlossen Paul Hempelmann, Elektrotechniker, Blankenstein. 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Eintrittspreise 1,— bis 5.— RM Karten sind an der Konzertkasse im Stadttheater vormittags von 10 bis 2 Uhr sowie in den bekannten Vorverkaufsstellen und 1 Stunde vor Beginn der Veranstaltung an der Abendkasse Im Schützenhof zu haben. Schüler erhalten gegen Vorlegung eines entsprechenden Ausweises an der Konzert- und Abendkasse eine Preisermäßigung von 50%. Telephonische Bestellungen unter Nr. 68651. 6. 93 Flaschen 33 Büchsen 5 Sonnabend, den 15. November d. J., abends 8¼ Uhr im Gemeindehaussaal Der zerbrochene Rrug. Lustspiel von Heinrich von Kleist. Der gemütliche Rommissar. Groteske von Georges Courteline. Gastspiel des westf. ostfriesischen Landestheaters Herford. Zugelassen sind die Inhaber der großen und kleinen Vortragsfolge. Einzelkarten an der Abendkasse und in den Vorverkaufsstellen: Hundt, Overbeck und Rathaus, Zimmer 24. Daselbst sind auch noch Dauerkarten zu haben Linden. Dahlhausen. Elastik-Reifen 770X200, 770X185, 670X200 außerordentlich billig abzugeben. Fricke& Co., Essen, Rüttenscheider Str.140. Tel. 40903. Haaraustall Schuppen beseitigt Dr. Erfle’s echter Mk. Brennessel- Geist 240 Hochprozentig! Hattingen: Adler-Drogerie O. Wemper, Linden: Schwanendrogerie A. Feuerstein. Zwangs=Versteigerung Am Samstag, dem 15. d. 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Mis., nachm. 3 Uhr, versteigere ich in Hattingen, Versteigerungslokal Reichenbach, nachfolgende Gegenstände meistbietend gegen bar: 1. 1 Klavier, 2. 1 Chaiselongue m. Decke, 1 Schreibtisch, 3. 1 Schreibtisch, 1 Flurgarderobe. 4. 1 Schreibmaschine(Orga), 2 Kaminösen, 1 Ladentheke, 1 Kartoffelschrank, 1 Schreibtisch, 1 Ladenregal, 5. 1 Schreibtisch, 1 Schreibmaschine, 6. 1 Radioapparat mit Lautsprecher, 1 Büfett, 1 Tisch, 2 Korbsessel, 1 Chaiselongue m. Decke, 1 Bild m. Goldrahmen, 1 Ledersofa, 1 Geldschrank, 8. 1 1 1 Sofa, 1 Decke, 1 Pertiko, 1 1 Sessel, Wir vergeben an jedermann leichte Beschäftigung von der Wohnung aus usw., auch als Nebenerwerb, nach unseren Arbeitsunterlagen. Monatsverdienst bis 600 Beginn und Verdienst sofort. Kapital nicht erforderlich. Neos=Versand=Gesellschaft m. b. H. Münster i. W., Nr. 849. Ingenieurschule für Elektrotechnik und Maschinenbau. Sonderstudienpläne für Automobilund Flugtechnik und Betriebswissenschaft. Technikerschule. Progr. kostenlos v. 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