Alliniger Zeitung Bezugspreis: Frei Haus halbmonatl. 1.20 Mk. Postbezugspreis monatl. 2.86 Mk. Erscheint täglich, außer Sonn= u. Felertags mit den jeweiligen Beilagen:„Feierstunden",„Das bunte Leben",„Sport=Rundschau“,„Leben i. Bild",„Aus dem Reich der Frau",„Technik der Zeit",„Heitere Welt" und„Westdeutscher Rundfunk“. Anzeigenpreis: Für 1 mm Höhe und 33 mm Breite 10 Pfg. Für Anzeigen im Texttell 1 mm Höhe, 75 mm Breite 35 Pfg.— Bei Wiederholung Rabatt, der jedoch bei gerichtlicher Beitreibung und im Konkursfalle fortfällt. Annahmeschluß von Inseraten ist abends 7 Uhr für die am nächsten Tage erscheinende Ausgabe. Amtlicher Geschäftostelle: Obermarkt/ Kl. Weilstraße Jernsprach=Auschluß Ne. 294., 294., 2943 Anzeiger Postscheckkonto: Dortmund Nr. 11103 Telegramm=Adresse: Brcioltoctt Hoiliogeoroie Verlagsleitung: Rudolf Hundt. Verantwortl. für Politik u. Handel: Carl Zänker; für Westdeutschland, Feuilleton und den übrigen Inhalt: Adolf Beineke; für den lokalen Teil: Walther=Wilhelm Dittmar; für Sport und Frauenbeilagen: Werner Broschwitz./ Eigene Berliner Vertretung./ Druck und Verlag: C. Hundt sel. Wwe./ Sprechstunden der Redaktion 4—6 Uhr nachmittags. Für Aufbewahrung aller der Redaktion unverlangt eingesandten Manuskripte wird keine Gewähr übernommen. Zurücksendung erfolgt nur, wenn Rückporto beiliegt. Alle redaktionellen Einsendungen sind nur an den Verlag zu richten. für den Ennepe-Ruhekreis Kreisblatt für den Ennepe=Ruhrkreis ung in Stadi und Kreis Mittwoch. den 20. August Jeder Bezieher erhält laut unseren Bedingungen 250 Mark Unterstützung bei tödlichem Unfall. 1930/ Nr. 194 Eteögeeng deutschen Aenderung des Reichswahlrechts durch Kabinettsbeschluß. Das Neueste vom Tage. Für den Wahltag hat die preußische Staatsregierung ein Branntweinverbot erlassen. * Das Reichskabinett einigte sich über den neuen Entwurf des Reichswahlrechts. * Treviranus, Scholz, Sachsenberg haben sich geeinigt. * In Braunschweig ist ein geschlossenes bürgerliches Vorgehen gegen den Marxismus gesichert. * Die Verhandlungen in der Berliner Metallindustrie wegen der Abbanaktion sind ergebnislos verlaufen. * Die Diamco, A.=G. für Glühlicht(8 Prozent Dividende), teilt mit, daß die Glühstrumpferzeugung in Deutschland von 140—180 Mill. Stück vor dem Kriege auf 30 Mill. heute zurückgegangen ist. * Der Absatz an Thomasmehl in Deutschland war im Monat Juli um 55 000 To. höher als im gleichen Monat des Vorjahres. * Das japanische Prinzenpaar besuchte gestern das Reichsarbeitsministerium. * Berlin ist durch ein Versehen im Polizeipräsidium ohne Polizeistundenvorschrift. * Im bayrischen Landtag werden heute wichtige Entscheidungen erwartet. Es ist sogar von einem Rücktritt der Regierung die Rede. Der Fürst von Liechtenstein und der Deutsche Ritterorden haben einen großen Teil ihrer Besitzungen in der Tschechoslowakei dem Staate abtreten müssen. * Das englische Luftministerium hat ein Blaubuch herausgegeben über den Plan eines regelmäßigen Flugdienstes mit„R 100“ unö „R 101“ zwischen Cardington, Montreal und Nenyork. * Aus der Stadt des Vatikans wird gemeldet, daß das gesundheitliche Befinden des Papstes nichts zu wünschen übrig lasse. * In Bomban soll eine Vereinbarung getroffen worden sein, den Boykott gegen die von Europaern geleiteten Spinnereien aufzuheben. Die jetzt genannten Zahlen werden nur dann dem endgültigen Ernteergebnis entsprechen, wenn die Witterungsverhältnisse seit Anfang August nicht abermals starke Veränderungen hervorrufen. Beim Winterweizen ist der ha=Ertrag von 20,6 Doppelzentner von Mitte Juli auf 20,2 Doppelzentner anfangs August gesunken, trotzdem bleibt gegenüber der endgültigen Ernte von 1929 noch ein Mehrertrag von 96 800 Tonnen festzustellen. Für Winterroggen wird der ha wieder auf 15,8 Doppelzentner geschätzt, und die Gesamternte wiederum auf 5,56 Millionen Tonnen, was rund ½ Millionen Tonnen weniger als 1929 sind. Für Wintergerste beträgt die ha=Schätzung 221,8 gegen 21,9 Doppelzentner, bei Hafer beträgt die ha=Schätzung 15,9 gegen 16,1 Doppelzentner. Bei Frühkartoffeln wird mit einem ha=Ertrag von 95,8 gegen 123,6 Doppelzentner im Vorjahr gerechnet, und einer Gesamternte von 1586 gegen 2048 Millionen Tonnen im Vorjahre. Die deutsch-dänischen Verhandlungen über die Sperrmaßnahmen gegen die Maul= und Klanenseuche werden heute beginnen. Von deutscher Seite werden heute als zuständige Ressorts das Reichsinnenministerium, des Reichsgesundheitsamts und das preußische Landwirtschaftsministerium vertreten sein Aus Dänemark treffen drei Veterinare vom dänischen Landwirtschaftsministerium als Sachverständige ein. 110000 Sektar Liechtensteinboden follen an die Tschechoslowakei. Vergleich in Olmütz. Zwischen dem tschechoslowakischen Bodenamt und dem Fürsten Liechtenstein, einem der größten Grundbesitzer der Tschechoslowakei, ist es in Olmütz zu einem Vergleich gekommen, der nicht zuletzt auf eine Intervention der englischen Regierung zurückzuführen ist, die ihren Prager Gesandten für den Fürsten eintreten ließ. Danach wird die Herrschaft Liechtenstein dem tschechoslowakischen Staat auf Grund der Bodenreform neben den bisher abgetretenen 70 000 Hektar noch 40 000 Hektar überlassen. Der Fürst wird bei dieser Regelung, die, wenn sie auch auf gütlichem Wege erfolgte, doch nur unter dem stärksten Druck der tschechoslowakischen Machthaber zustandekam, von seinem ganzen Besitz von 170 000 Hektar noch 50 000 Hektar für sich behalten. Um welchen riesigen Wert es sich dabei handelt, geht daraus hervor, daß der abgetretene Grund= und Waldbesitz einen schätzungsweisen Wert von 220—250 Millionen RM. hat. Gleichfalls kam auch eine Einigung zwischen dem tschechoslowakischen Staat und dem Deutschen Ritterorden zustande, der im tschechoslowakischen Schlesien große Ländereien und vor allem riesigen Waldbesitz sein eigen nennt. Nach der Vereinbarung hat er von seinen 21 000 Hektaren dem Staat 9000 Hektar abzutreten, die einen Wert von 80 Millionen Tschechenkronen haben. Die vom Staat geleistete Vergütung beträgt bei beiden Herrschaften nur einen Bruchteil des wirklichen Wertes. Der Tschechisierungsverein„Narodny Jednota“ Daß die Abmachungen nationalpolitisch von großer Bedeutung sind, ergibt sich von selbst. Leider ist es nicht gelungen, in dieser Hinsicht den tschechischen Absichten zu begegnen; denn der größte Teil des enteigneten Besitzes wurde nicht den benachbarten deutschen Gemeinden und Städten zugeteilt, obgleich sie sich darum bewarben, sondern tschechischen Gemeinden. war bezeichenderweise bei allen Verhandlungen inoffiziell beteiligt und hatte dem staatlichen Bodenamt ein Maximalprogramm vorgelegt. Unter diesen Umständen ist es begreiflich, daß die deutsche Bevölkerung der Randgemeinden die neuen Transaktionen mit der größten Sorge betrachtet. Branntweinverbot am Die größte volitische Torheit nach Kahl. Gescheiterte Sammlung der Mitte.— Einigungsverhandlungen auf der Rechten. In einer längeren Zuschrift an die Nationalliberale Korrespondenz äußert sich der Senior der Deutschen Volkspartei, Geheimrat Kahl, über die Sammlungsbewegung der Mitte, Prof. Kahl betont, daß er gegen die Staatspartei als solche nicht einen Feldzug eröffnen wolle, und auch volles Verständnis für das Wahlbündnis in Württemberg und Baden habe. Dagegen komme es ihm auf das klare Bekenntnis an, daß er nach Verlauf und Ergebnis der Verhandlungen auch seinerseits der von Scholz getroffenen letzten Entscheidung nur aus vollster Ueberzeugung beitreten könne. Der Vorschlag Höpker=Aschoffs und Dietrichs, beide Parteien auf gleichberechtigter Grundlage unter seiner, Kahls, Führung zusammenzuschließen, sei gewiß für ihn sehr ehrenvoll. Aber er hätte aus sachlichen Gründen die ihm zugedachten Aufgaben niemals zu lösen vermocht, denn es fehlte die Grundvoraussetzung eines wirklichen Zusammenschlusses und die vorangegangene programmatische Verständigung, wenigstens über die Hauptlinien der erstrebten gemeinsamen Politik. Kahl verweist vor allem auf die Zwiespältigkeit im Verhältnis zur Sozialdemokratie. Er kenne kaum eine größere politische Torheit als den Satz, daß nur ohne oder gegen die Sozialdemokratie regiert werden könne. Von unterrichteter konservativer Seite wird die Information der Berliner Börsenzeitung über die Einigungsverhandlungen zwischen den Konservativen, der Deutschen Volkspartei und der Wirtschaftspartei bestätigt. An der jüngsten Besprechung nahmen für die Konservative Volkspartei Reichsminister Treviranus, für die Deutsche Volkspartei Dr. Scholz und für die Wirtschaftspartei der Abgeordnete Sachsenberg teil. Allerdings wird betont, daß diese Besprechung noch keineswegs bindenden Charakter gehabt hat. Namentlich der Vertreter der Wirtschaftspartei legt Wert darauf, sich noch einmal mi seinen Parteifreunden zu besprechen. In beteiligten Kreisen beurteilt man die Aussichten aber immerhin optimistischer als in den früheren Stadien dieser Einigungsversuche. Das hat seinen Grund mit darin, daß diesmal nicht über so weitgehende Bindungen verhandelt wird wie anfangs. So unterscheidet sich der jetzige Plan von dem früheren insofern, als man die engere Verbindung nach den Wahlen lediglich in der Bildung eines interfraktionellen Ausschusses sucht, dagegen also den Gedanken der direkten Fraktionsgemeinschaft zurückstellt. Damit ist wohl erreicht worden, daß die Widerstände innerhalb der Wirtschaftspartei beseitigt sind. Der Plan eines gemeinsamen Wahlaufrufes ist dagegen geblieben. In dem Wahlaufruf soll das enge Zusammengehen der drei Parteien in den sozialpolitischen Fragen und auch hinsichtlich der Innen= und Außenpolitik überhaupt zum Ausdruck gebracht werden. Ferner erstrecken sich die Verhandlungen auf die Vereinbarung Enes Burgfriedens während des Wahlkampfes. Die Unterhändler, so heißt es im vorl. Bericht, hätten nur für ihre eigene Person ihr Einverständnis erklären können. Nach Fühlungnahme mit ihren Parteifreunden sollte gestern der Wahlaufruf unterzeichnet werden. Unter Umständen auch frühere Polizeistunde. In der nächsten Nummer der Preußischen Gesetzsammlung wird eine vom preußischen Minister des Innern erlassene Bekanntmachung veröffentlicht werden, durch die für den Bereich des Landes Preußen anläßlich der Wahlen zum Reichstag der Ausschank von Branntwein und der Kleinhandel mit Trinkbranntwein für Sonntag, 14. September 1930, verboten wird, das Verbot des Kleinhandels mit Trinkbranntwein trifft auch den Fall, daß dieser in verschlossenen oder versiegelten Flaschen abgegeben wird. Sofern an einzelnen Orten Tatsachen die Annahme rechtfertigen, daß durch den Ausschank von sonstigen geistigen Getränken am Sonntag, 14. Sept. 1930, in den Abendstunden eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung eintritt, bleibt es den Ortspolizeibehörden unbenommen, einen früheren Beginn der Polizeistunde festzusetzen. Allerlei aus dem Reiche. Reichsarbeitsminister Stegerwald erklärte zum sogen. Lohnkonflikt im Ruhrgebiet, daß die Meldung, er habe mit den Zechenbesitzern bereits Verhandlungen geführt und dabei erklärt, er würde sie bei dem Versuch des generellen Lohnabbaues unterstützen, aus der Luft gegriffen sei. bleibt die Freiheit der Beamten? Absetzung eines Bürgermeisters, der Art. 130 auslegte. Der Bürgermeister von Bassum bei Bremen, Ehrich, ist von seinem Amt suspendiert worden. Außerdem hat der Regierungspräsident von Hannover gegen Ehrich ein Disziplinarverfahren mit dem Ziel der Dienstentlassung eingeleitet. Wie Bürgermeister Ehrich hierzu mitteilt, hat er auf Grund der Meldungen der Bremer Nachrichten über das Verbot des Preußischen Staatsministeriums wegen der Zugehörigkeit von Beamten zur Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei und zur Kommunistischen Partei einen Artikel für die Bassumer Zeitung geschrieben, in dem er, gestützt auf Artikel 130 der Reichsverfassung, gegen diese Verbote des Staatsministeriums Verwahrung einlegte. Seiner Ansicht nach seien diese Verbote gesetzlich unhaltbar. Bürgermeister Ehrich hat sich ferner auf den Brief des Reichspräsidenten an den preußischen Ministerpräsidenten Braun bezogen, in dem Hindenburg das Verbot des Stahlhelms in Rheinland=Westfalen als unzulässig kritisierte und Der Verkauf der OstchinaBahn. Verhandlungen in Berlin. In Vertretung der Interessen der Bank, ist Ge=, Abkommens verzögert worden. neral Kolosowski owski aus Paris in Berlin eingetroffen. Die Berliner„Germania“ macht hierzu folgende Ausführungen: Vor wenigen Monaten hätten die Chinesen den Versuch gemacht, Sowietrußland gewalisam aus der Mandschurei zu verdrängen. Sie hätten unter dem Vorwande, daß aus dem russischen Verwaltungsgebäude Konzessionen an der ostchinesischen Bahn und kommunistische Propaganda in China geleistet würden, Haussuchungen in den russischen Konsulaten vorgenommen, die Beamten verhaftet, in Konzentrationslager verbannt und unter Außerachtlassung der russischen Besitztitel selbst die alleinige Verwaltung der Bahn übernommen. Die Chinesen unterlagen im bewaffneten Konflikt und mußten sich in einem Vorvertrage dazu verpflichten, die Sowjetrussen wieder in all ihre Rechte an der ostchinesischen Bahn einzusetzen. Die chinesische Zentralregierung in Nanking beanstandete den Vorvertrag. In Moskau sollten neue Verhandlungen eröffnet werden. Ein Bevollmächtigter der Nankingregierung traf auch in Moskau ein, aber bis zum heutigen Tage ist unter allerlei Vorwänden die Unterschrift eines endgültigen Die in Berlin geführten Verhandlungen über den Verkauf des russischen Anteiles am Besitze der Bahn geben jetzt der Frage eine neue und unerwartete Wendung. Der Bahnbau wurde mit französischem Kapital, das das Bankhaus Rothschild vorschoß, im Jahre 1897 beendet. Die Chinesen behielten sich das Recht vor, den Bahnkörper im Jahre 1933 wieder zurückzukaufen. Da die Chinesen aber kaum die Mittel aufbringen können, um alle die mit der Bahn verbundenen Auslagen zu bezahlen, so ist es sehr leicht möglich, daß sie die Hilfe nordamerikanischer Finanzkreise beanspruchen werden. Es darf nicht übersehen werden, daß die Hauptbedeutung der Bahn nicht eine finanzielle ist, sondern eine politische. Die Ausschaltung der Bolschewisten aus der Verwaltung und der Rückzug aus der Mandschurei müßten die russischen Positionen im Fernen Osten schwächen und würden fast einem Verzicht auf Wladiwostock und auf die Amur=Mündung gleichkommen. seinen Rheinlandbesuch absagte. Der Gemaßregelte betont, daß er seine Stellungnahme für geboten gehalten habe, obgleich er keiner der beiden Parteien angehöre. Die Verhandlungen in der Berliner Metallindustrie sind gescheitert. Der Vorschlag des Reichsarbeitsministers, im Anschluß daran in den Einzelbetrieben zu verhandeln, ist damit gegenstandslos geworden. Es ist nun noch ganz unbestimmt, wie die Abbauaktion weitergehen wird. Gescheiterte Einigungsverhandlungen. Die in Kiel geführten Verhandlungen zwischen der Deutschen Volkspartei und der Deutschen Staatspartei über die Bildung einer gemeinsamen Front der bürgerlichen Parteien Schleswig=Holsteins sind abgebrochen worden, ohne zu einem Ergebnis geführt zu haben, da, wie verlautet, die Deutsche Staatspartei erklärte, daß ihr eine Zusammenarbeit mit den rechts von der Deutschen Volkspartei stehenden Parteien unmöglich sei. Berlin ohne Polizeistundenvorschrift. Ein Zufall hat den merkwürdigen Zustand zutage treten lassen, daß Berlin eigentlich seit dem 1. Juli ds. Is. ohne Polizeistunde ist. An' diesem Termin ist nämlich das neue Schankstättengesetz in Krast getreten, in dem die Bestimmung enthalten ist, daß die Festsetzung der Polizeistunde von den Landesbehörden, in Berlin vom Polizeipräsidenten, im Wege einer besonderen Verordnung zu erfolgen hat. Im Berliner Polizeipräsidium hat man anscheinend übersehen, daß durch diese neue gesetzliche Regelung die alten Bestimmungen über die Polizeistunde automatisch erloschen sind und hat bisher die Neuregelung nicht vorgenommen. Einige wenige Lokalbesitzer haben sich auch dieses rechtlose Interregnum auf diesem Gebiete zunutze gemacht und ihre Lokale die Nacht über offen gelassen, ohne allerdings, daß der Grund dafür allgemein bekannt wurde. Nun soll heute eine neue Polizeistundenverordnung veröffentlicht und damit der polizeistundenlosen Zeit ein baldiges Ende bereitet werden. Polnische Kundgebung auf der Westerplatte. Zur Erinnerung an die siegreiche Abwehr des bolschewistischen Heeres vor Warschau fand auch in Danzig eine für Polens Militarismus auf der Westerplatte durchgeführte anmaßende Kundgebung statt, die von der gesamten deutschen Bevölkerung als unerhörte Herausforderung angesehen wird. Die Polen gewährte Vergünstigung, auf der Westerplatte seine Waffenund Munitionstransporte umschlagen zu dürfen ist in weitestem Maße mißbraucht worden, indem der Zivilbevölkerung der geringen polnischen Minderheit Gelegenheit zu großen nationalpolnischen Demonstrationen gegeben wurde, an denen auch amtliche polnische Kreise in Dan zig teilnahmen. Durch diese Feier ist die Danziger Bevölkerung auf das unerhörteste herausgefordert worden. Das japanische Prinzenpaar Tukamaksu besichtigte gestern die ständige Ausstellung„Die Arbeitsgebiete des Reichsarbeitsministeriums" im Ministerialgebäude. Die Besucher wurden von Dr. Stegerwald und Dr/ Geib empfangen. Die Gäste zeigten, wie es in einer Zeitungsnotiz heißt, großes Interesse für die sozialen Einrichtungen Deutschlands, über die die Ausstellung bekanntlich eine klare Uebersicht gibt. An die Besichtigung schloß sich ein Tee an, zu dem der Reichsarbeits minister eingeladen hatte. 70000 Stimmen für einen Abgeordneten. Berlin, 20. August.(Eigener Funkdienst.) Bis in die frühen Morgenstunden beriet das Reichskabinett den Entwurf eines neuen Reichswahlgesetzes. Das wahlfähige Alter ist zwar auf 20 Jahre geblieben, um den Vorschriften der Verfassung zu genügen, der Entwurf sieht aber im übrigen einige sehr weitgehende Aenderungen im bisherigen System vor. Die 35 Wahlkreise, die heute bestehen, werden in 162 zerlegt, der einzelne Wahlkreis wird also außerordentlich klein, damit aber die Sicherheit dafür geschaffen, daß wieder die Persönlichkeit im Vordergrund des Wahlkampfes steht und nicht die Partei oder ihre Liste. Die Abgeordnetenzahl wird vermindert, und zwar um 45 bis 50, dadurch, daß nicht wie bisher auf 60000, sondern erst auf 70 000 Stimmen ein Mandat fällt. Amtliche Stimmzettel fallen fort. Es soll zulässig sein, daß mehrere Mitglieder einer Partei, aber keineswegs mehr als drei, sich zu einer Bewerbergruppe zusammenschließen. Im übrigen steht im Vordergrund der Kandidat; also die Person, nicht mehr einzelne Listen. Die Reststimmen in einem Wahlkreis werden dem Verband— es sind 32 Kreisverbände vorgesehen— so verrechnet, daß sie dem Kandidaten einer Bewerbergruppe zugute kommen, der die höchste Stimmenzahl erreicht hat. Die dann noch verbleibenden Reststimmen werden nach dem gleichen Grundsatz innerhalb der vorgesehenen 12 Ländergruppen aufgestellt. Splittergruppen werden so gut wie ausgeschaltet. Eine solche Gruppe zu bilden wird schon dadurch erschwert, daß in Zukunft nicht mehr der Staat die Sorge für einen erheblichen Teil der Wahlkosten übernimmt, sondern die betreffende Partei selbst dafür aufkommen muß. Kürzung das Boamsengehölber in Wird die Staatsregierung heute zurücktreten? Drei Minuten Landtag. liste ist aufgestellt, die heute veröffentlicht wird. Der gemeinsame Wahlaufruf, der zum Kampf gegen den Marxismus auffordert, ist von folgenden Parteien unterzeichnet worden: Christliche nat. Bauernpartei, Deutschnationale Volkspartei, Deutsche Volkspartei, Zentrumsvartei, Braunschweigischer Landbund, Bürgerbund, Vereinigter Mittelstand, Braunschweigischer Landesverband, Landwirtschaftlicher Verein e. V., Landesverband braunschweigischer Hausfrauenvereine. Zuviel erhobene Steuern Eine wichtige Entscheidung des Hamburger Oberverwaltungsgerichts. Der Staatsbürger, der seine Steuern zu spät bezahlt, hat Verzugszinsen zu leisten. Die Steuerbehörde, die zuviel Steuern einzieht und den überhobenen Betrag zurückzahlen muß, glaubte zum Zinsendienst nicht verpflichtet zu sein. Um zu den sozialdemokratischen Anträgen auf Aufhebung der Schlachtsteuernotverordnung Stellung zu nehmen, trat das Plenum des Landtages gestern nachmittag zusammen. Zu den Anträgen war ein weiterer sozialdemokratischer Antrag eingegangen, der den Ausfall eines Betrages von etwa acht Millionen Mark, den die Schlachtsteuernotverordnung erbringen sollte, dadurch gedeckt sehen will, daß auf dem Wege von Verhandlungen mit den Religionsgesellschaften die Leistungen des Staates für die Religionsgesellschaften gekürzt werden sollen. Bei außerordentl. stark besetzten Tribünen gab der Präsident bekannt, daß die Staatsregierung die Vorberatung sämtlicher Gegenstände der Tagesordnung außer dem neuen sozialdemokratischen Antrag wünsche. Nach drei Minuten schloß die Sitzung. Unmittelbar darauf trat der Haushaltsausschuß zusammen. Die Schlachtsteuernotverordnung wurde von der Regierung abgelehnt. Abstimmungen über die neuen Deckungsvorschläge der Parteien zeitigten zum Teil überraschende Ergebnisse. So wurde ein Bauernbundantrag auf Kürzung Diesem Glauben sind jetzt die hamburgischen Verwaltungsgerichte entgegengetreten. Eine Hamburger Firma hatte einige Grundstücke veräußert und wurde von der Finanzdeputation mit 31 823 Reichsmark veranlagt. Die angefochtenen Steuerbescheide wurden rechtskräftig aufgehoben. Es erfolgte neue Veranlagung, deren Steuerbescheid rechtskräftig wurde. Nach diesem Bescheid hatte die Finanzdeputation der veranlagten Firma 26 620 Reichsmark zurückzuvergüten. Das ist geschehen. Die Firma forderte nun aver Verzinsung dieses Betrages mit 7 Prozent in Höhe von 1276 Reichsmark für den Zeitraum, währenddessen die Finanzdeputation das Kapital in Händen hatte. Die Finanzdeputation lehnte den Anspruch ab. Verwaltungsgericht und Oberverwaltungsgericht verurteilten die Finanzdeputation entsprechend dem Klageantrage. Nach umfangreichen rechtlichen Vetrachtungen kam das Oberverwaltungsgericht, nach dem Hamb. Fremdenblatt, zu dieser Entscheidung aus dem Gesichtspunkte der ungerechtfertigten Bereicherung. Die Nutzungen des Kapitals seien ein Stück der Bereicherung selbst. Sie wären den wahren Berechtigten zugefallen, hätte er das ihm entzogene Vermögen in Händen gehabt. Beim Kapital sind die Zinsen Nutzungen des Kapitals. Es ergibt sich also ohne weiteres, daß der Staat, wenn er ein Kapital herausgeben muß, um das er ungerechtfertigt bereichert ist, auch diejenigen Zinsen herausgeben muß, die er während der Zeit der ungerechtfertigten Innehaltung des Kapitals tatsächlich gezogen hat. der Beamtengehälter mit vier Stimmen des Bauernbundes bei Stimmenthaltung sämtlicher übrigen Parteien angenommen, obwohl die Regierung erklärt hatte, daß eine solche Kürzung verfassungsrechtlich unzulässig ist, solange das Reich nicht selbst eine Kürzung der Beamtengehälter beschlossen hat. Ein weiterer Antrag des Bauernbundes, die Ministerialzulagen der bayrischen Beamten ab 1. September aufzuheben, wurde bei Stimmenthaltung der übrigen Parteien mit den Stimmen der Sozialdemokraten und des Bauernbundes ebenfalls angenommen. Weiter nahm der Ausschuß, der über vier Stunden tagte, einen Antrag der Bayerischen Volksnartei an, die Regierung zu ermächtigen, sofortige Mahnahmen zur Vereinsachung der Staatsverwaltung zu treffen. Ein sozialdemokratischer Antrag auf Abbau der freiwilligen Leistungen des Staates an de Kirchengesellschaften wurde abgelehnt. Schließlich wurde noch ein Antrag der Deutschnationalen, die Aufwandsentschädigungen der Landtagsabgeordneten um 25 Prozent zu kürzen, für eine weitere Sitzung des Ausschusses auf heute zurückgestellt. Die Entscheidung über einen etwaigen Rücktritt der Regierung oder eine andere Entwicklung der polktischen Lage kann erst heute im Plenum fallen, das um 10 Uhr vormittags zusammentreten sollte. Königinmutter Maria soll zwischen König Carol und Prinzessin Helene vermitteln. Ganz unerwartet ist die rumänische Königinmutter Maria aus Veldes, wo sie einen Monat zu verbleiben gedachte, nach Bukarest abgereist. Wie aus rumänischen Hofkreisen verlautet, werde die unerwartete Abreise in Verbindung mit dem verschärften Konflikt zwischen König Carol und der Regierung einerseits und der Prinzessin Helene andererseits gebracht. König Carol habe der Regierung mitgeteilt, daß er sich so schnell wie möglich krönen lassen wolle, ohne Rücksicht darauf, ob es zu einer Versöhnung mit der Prinzessin komme oder nicht. Während Prinzessin Helene darauf beharrte, daß die Scheidung in Geltung bleibe, sei Ministerpräsident Manin dagegen aufgetreten und habe erklärt, daß die gesamte Regierung sofort zurücktreten werde, falls der König bei seinem Entschluß bleiben und die Krönun; ohne die Königin Helene stattfinden sollte. Jetzt hätten Hof= und Regierungskreise die Königinmutter gebeten, sofort nach Bukarest zu kommen, um eine Versöhnung herbeizuführen. Falls dieser letzte Versöhnungsversuch keinen Erfolg haben sollte, werde die Krönung des Königs auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Braunschweig, 20. Aug. Die Bestrebungen zur Bildung eines Bürgerblocks zur bevorstehenden Landtagswahl in Braunschweig sind zum Abschluß gekommen. Eine bürgerliche EinheitsMehr als 70000 Streikende in Frankreich. Der Arbeitsminister Lavag hat gestern den Vertretern der Arbeitgeber einen Vermittlungsvorschlag überreicht, der sich auf den Vorschlägen der Arbeitnehmer=Vertreter aufbauen soll. Danach ist die sofortige Wiederaufnahme der Arbeit vorgesehen, salls die Arbeitgeber sich formell verpflichten, zum 1. Oktober die Lebenshaltungsinderziffer herabzusetzen. Dies ist jedoch nicht besonders günstig aufgenommen worden. Ein Mitglied der Delegation erklärte: Wir können angesichts der schwierigen Lage unserer Industrie keine Lohnerhöhung bewilligen. Die Arbeiter wollen das stets aus Unverständnis natürlich nicht zugeben. Andererseits erklärte ein Vertreter der Arbeitnehmer: Unser Eindruck ist, daß die Arbeitgeber eine bedauerliche Intransigenz gezeigt haben. Inzwischen kommt aus Armentières eine günstiger lautende Nachricht. Dort hat der Arbeitgeberverband den Streikenden den Vorschlag gemacht, einer rückwirkenden Angleichung der Löhne zuzustimmen, falls die Indexziffer am 1. Oktober höher als 7,16 ist. Die Delegierten der Streikenden haben diesen Vorschlag entgegengenommen und man rechnet damit, daß er als Grundlage auch für die Verständigung zwischen den ArbeitNeutork. Ein Blaubuch des englischen den Azoren und Plymouth in Abständen von je et wa 300 Seemeilen verankert werden sollen. Das englische Luftministerium veröffentlicht ein Blaubuch über den geplanten regelmäßigen Luftdienst zwischen England, Kanada und Neuyork. Sobald bei den Probefahrten genügende Erfahrungen angesammelt seien, soll mit den englischen Luftschiffen R. 100 und R. 101 ein regelmäßiger Dienst zwischen Cardington, Montreal und Neuyork eingerichtet werden. Dieser Dienst soll unabhängig von den Jahreszeiten das ganze Jahr hindurch laufen und für Hin= und Rückweg je zwei Tage in Anspruch nehmen. Lediglich die Route soll mit den Jahreszeiten geändert werden. Das Luftministerium erwähnt in seinem Bericht die amerikanische Erfindung der schwimmenden Lufthäfen, die zwischen Amerika und den Azoren und zwischen worden, die vor mehreren Wochen in England tagte. Für den U bringen wir in unübersehbarer Auswahl neue Mänfel in feschen Formenu. aparfen Farbfönen Hattingen-R., Gr. Weilstr. 10-12 Anerkannt das Haus der größten Auswah Der blaue Manf e große Mode! Der beliebte Trench-Coaf! Selbst Schneider- Fachmann seit mehr als 30 Jahren. Es ist reichlich unverständlich, wie sich der Bericht des Luftministeriums auf dieser gänzlich unerprobten Halluzination des Amerikaners Armstrons aufbauen kann. Die folgenden drei Luftwege gibt das Luftministerium an: 1. nördliche Route über Kap Farewell, den südlichen Punkt Grönlands; 2. direkte Route über Neufundland; 3. südliche Route über die Azoren. Eine andere Route befindet sich im Stadium der Untersuchung, nämlich über die Färöer, Island, Grönland und die Hudsonstraße nach Vancouver. Der Bericht ist an die Kolonialkonferenz erstattet Preisabbau im Einzelhandel. Der„Generalanzeiger für Lebensmittel“ veröffentlicht einen längeren Artikel über„Preisbildung und Preisentwicklung im Lebensmittel=Einzelhandel, in dem es u. a. heißt: „Wie schwer es ist, der Bevölkerung hinter der Theke die Ursachen der Preissteigerung zu erläutern, kennt nur derjenige, der Tag um Tag die Kundschaft bedienen muß. Nur stabile Verhältnisse können unser Geschäft überhaupt fördern. Wir bebeobachten dabei, daß sowohl der Großhandel, insbesondere aber der Einzelhandel nur ungern und sehr langsam einer Steigerung der Erzeugerpreise folgt. Niemand will aber den ersten Schritt tun, weil er sonst Gefahr läuft, daß seine Kundschaft in die Geschäfte abwandert, die noch zum billigen Preise verkaufen. Gehen dagegen die Erzeugerpreise herunter, so folgt der Einzelhandel sehr schnell. Jeder will der erste sein, für seine Kundschaft etwas Beonderes zu tun, um sie zu erhalten und neue Kunden zu werben. So sahen wir in letzter Zeit Plakate in Schaufenstern, Anzeigen in den Zeitungen, die verkündeten, daß die Zuckersteuer ermäßigt und damit der Zucker ab 1. August billiger sei, daß der Kafsee im Preise herunter gehe u. a.. Das direkte Anpassen des Einzelhandels an die Erzeugerpreise erleben wir täglich im Buttergeschäft, wie überhaupt bei allen Waren, die durch Jahreszeit und Witterung Preisschwankungen unterliegen. Bei der Anpassung an das Sinken der Preise im Lebensmitteleinzelhandel darf vor allem nicht übersehen werden, daß naturgemäß die Preissentung nicht in Gegenüberstellung mit dem Urprodukt allein vorgenommen werden darf. Denn die Verarbeitung in Fabriken und Mühlen, der Transport, die Arbeitslöhne, oie Gehälter und Frachten müssen eingeschaltet werden, deren Höhe von einem Zurückgehen des Urproduktes selbst nicht beeinflußt wird. Der Anteil der Ware am Preise beträgt z. B. bei Butter 80 Prozent, bei Kartoffeln 50 Proz., bei Zucker ohne Steuer 65 Proz. Der Gesamtanteil der Gruppe Ernährung ist 60 Proz. Sinken also die Preise der Rohstoffe beim Erzeuger um 10 Prozent, so fallen sie im Einzelhandel um 6 Prozent. Damit ist also der Einzelhandel voll und ganz einem 10prozentigen Rückgang der Rohstoffe gefolgt. Der Einzelhandelsverband von Groß=Essen hat einen Inder für eine vierköpfige Familie errechnet. Er betrug bei einer Arbeiterfamilie am 1. Januar 1925 gleich 13,50 Mk., am 15. Juni 1929 gleich 12,80 Mt., am 1. März 1930 gleich 13 Ml., am 15. Juni 1630 gleich 12,09 Mk. Die Preise sanken bei 21 aufgeführten Artikeln(billigere Qualitäten) seit dem 1. Januar 1930 um 6¾ Prozent; bei einer vierköpfigen Beamtenfamilie ergibt sich am 1. Januar 1925 gleich 17,20 Mark, am 15. Juni 1929 gleich 15,77 Mk., am 1. Januar 1930 gleich 16,50 Mk., am 15. Juni 1930 gleich 14,99 Mk, im letzten Halbjahr also ein Rückgang um 10 Prozent. Es ist für uns immerhin wichtig, die Feststellung treffen zu können, daß die Preise seit dem vorigen Jahre zurückgegangen sind. Bei der Preisgegenüberstellung von 25 Hauptartikeln von Juni 29 bis Juni 30 ergibt sich ein durchschnittlicher Preisabschlag von 17¼ Prozent. Es sanken die Preise für: Holl. Schmalz 82 auf 72, amerikan. Schmalz 85 auf 75, Blasenschmalz 2,20 auf 1,85, Kokossett 58 auf 55, Salatöl 1,00 auf 0,95, dicker Speck, geräuchert 1,25 auf 1,00, dicker Speck 1,10 auf 0,95, Butter 2,20 auf 1,85, deutsche Bäuche 1,50 auf 1,30, holl. Käse 40 Proz. 1,15 auf 0,90, dto. 45 Proz. 1,30 auf 1,15, dto. Brotform 1,15 auf 0,95, Limburger 70 auf 50, Schweizerkäse 2,20 auf 2,10, dto.2 1,70 auf 1,50, Kartoffelmehl 30 auf 22, Eier 12 auf 10. Bratheringe 80 auf 75, Bismarckhäringe 90 auf 80, Geleeheringe 85 auf 80, Sauerkrau 12 auf 10. Hierzu muß ergänzt werden, daß amerikan. Schmalz in den meisten Geschäften sogar heute 65 bis 68, Kokosfett 50, Salatöl 80 und Vutter 1,80 kostet. Wir haben bei der Beurteilung drei Warengattungen zu scheiden: 1. Landwirtschaftliche Produkte, 2. monopolgebundene Waren, 3. Markenartikel. Bei den landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist die Handelsspanne durchschnittlich 10 Proz., also unzureichend im Hinblick auf die Unkosten. Wir kaufen Weizenmehl 000 ab Mühle für den Großhandel brutto für netto 42¼ bis 43, Ladenpreis 44. Zucker kostet 56¼, Verkauf 60, Spanne 0—5 Prozent, Landbutter Einkauf 1,45, Verkauf 1,60, Spanne 1,45, Molkereibutter 1,62½ zu 1,80, Spanne 10 Prozent, Margarine 42 zu 50, Spanne 16 Proz., Kokosfett 42 zu 50, Spanne 16 Proz., Erbsen 32 zu 40, Spanne 20 Proz., Haferflocken 41 zu 48, Spanne 14½ Proz., Malzkaffee 42 zu 52, Spanne 19 Proz. Bei Fleischwaren im Lebensmitteleinzelhandel ist die Spanne 10 bis 15 Proz. Diese Spannen zwischen Einkauf und Verkauf von 0—20 Prozent, durchschnittlich also 10 Prozent, stellt, wohl beachtet, die Großhandels= und Kleinhandelsspanne dar. Dabei versteht sich der Einkauf für den Großhandel ohne Rabatt, während auf die Ladenpreise größtenteils noch 4—5 Proz. Rabatt gewährt wird. Es ist daher unverständlich, wenn wir in Zeitungen lesen: Als die einer Tonne Weizen entsprechende Mehlmenge im Großhandel Rm. 202 kostete, betrug der entsprechende Kleinhandelspreis Rm. 386. In Wirklichkeit kostete das Mehl aber ab Mühle 100 Kilo 43 und wird im Laden mit 44 avzüglich 4 bis 5 Proz. verkauft, so daß sogar ein Verlust für den Kaufmann besteht. Die ausländischen Kolonialwaren handelt der Einzelhandel durchschnittlich mit einer Spanne von 20 Proz. Er ist jederzeit bereit, vorzugsweise inländische landw. Erzeugnisse zu vermitteln. Als die Landwirtschaft im Winter 29=30 genug, gut und preiswert anbieten konnte, haben wir nur deutsche Waren verkauft, ein Beweis dafür, daß auch die Landwirtschaft sich so einstellen Angebot zur öffentlichen Sparsamkeit. Eine ebenso interessante wie lehrreiche Illustration zur Frage„kaufmännischer Betrieb oder öffentliche Verwaltung“ gibt das Vorgehen der Gewerbetreibenden der Stadt Gladbach=Rheydt. Die Gewerbetreibenden haben der Stadtverwaltung das Anerbieten gemacht, die Arbeiten und Aufwendungen des städtischen Lohnbüros, für die im Haushalt 83 500 RM. vorgesehen sind, für 45000 RM. unter städtischer Kontrolle zu leisten. Die Kosten für diese Kontrolle sind in diesen 45 000 RM. bereits enthalten. Sie haben sich weiter bereit erklärt, auf ihre eigenen Kosten der Stadt eine erste Kraft zur Rationalisierung der städtischen Betriebe zur Verfügung zu stellen. Die Antragsteller sind davon überzeugt, daß diese Kraft so hohe Ersparnismöglichkeiten nachweisen wird, daß an Stelle der jetzt geplanten Steuererhöhung sogar Steuersenkungen möglich sein werden. Um der Stadtverwaltung noch weitere gute Beispiele zu geben, will ein führender Fabrikant die Garantie dafür übernehmen, daß von dem rund 400 000 RM. betragenden Haushalt des Städtischen Fuhrparks 100 000 RM. eingespart werden können. Außerdem sind der Stadtverwaltung noch weitere rechtsverbindliche Angebote dafür gemacht worden, daß in den verschiedensten Punkten ihres Haushalts Ersparnisse von 10 bis 50 Prozent erzielt werden können. Das Beispiel scheint beachtlich. Schlagkräftiger kann wohl keiner öffentlich=rechtlichen Verwaltung bewiesen werden, wie teuer sie arbeitet, als dadurch, daß sich Privatunternehmer erbieten, dieselben Arbeiten zu wesentlich geringeren Preisen auszuführen. Fraglich ist nur, ob die Stadtverwaltung von den Angeboten Gebrauch machen wird. Gehen die Einnahmen eines Kaufmanns zurück, so schränkt er seine Ausgaben ein. Hat jedoch die Kommune oder der Staat größere Ausgaben, so sehen sie zu, durch Erhöhung der Steuern ihre Einkünfte zu vergrößern. Obwohl berücksichtigt werden muß, daß viele kommunale Ausgaben zwangsläufige Erhöhungen erfahren, erscheint die Einführung einer Wirtschaftsführung nach rein kaufmännischen Grundsätzen doch in manchen Fällen für die kommunale Verwaltung vorteilhaft.* Unfälle auf Reisen. Dem Amtl. Preuß. Pressedienst wird von dem Landesausschuß für hygienische Volksbelehrung geschrieben: „Glückliche Reise", diesen Wunsch pflegen wir Verwandten, Freunden und Bekannten zuzurufen, wenn der Zug die Bahnhofshalle verläßt. Wir denken dabei im allgemeinen nur an die Möglichkeit, daß ein Unfall dem Zuge selbst und damit seinen Insassen zustoßen könnte, indessen die Betriebssicherheit auf der Eisenbahn ist heutzutage glücklicherweise so groß geworden, daß EisenbahnZusammenstöße, Entgleisungen und sonstige ähnliche Zugunfälle mit ihren fürchterlichen Folgen sehr selten geworden sind. Viel häufiger sind leider jene Unfälle auf Reisen, die uns durch eigenen Leichtsinn oder eigene Unachtsamkeit zustoßen. Hierher gehört zunächst der Sturz aus dem fahrenden Zuge, ein Ereignis, das sich leider in den letzten Tagen wieder mehrfach zugetragen hat. Ganz besonders Kinder sollte man auf Eisenbahnfahrten ängstlich von den Wagentüren fernhalten, aber auch Erwachsene müssen sorglich vermeiden, dem Türschloß während der Fahrt zu nahe zu kommen oder gar die Türe zu öffnen, etwa um frische Luft zu schöpfen. Eine Unsitte, die manchen schmerzhaften Unfall nach sich zieht, ist das Zuschlagen der Türen. Nur zu leicht wird dabei eine Hand oder ein Finger eingequetscht. Ist das Unglück einmal geschehen, dann gilt es vor allem, sich zweckmäßig zu verhalten. Man drücke und quetsche an solchen Wunden nicht herum und versuche nicht, sie unter dem nächst erreichbaren Wasserhahn avzuspülen. Auf diese Weise werden nämlich nur Schmutz und Krankheitskeime hereingebracht und die Gefahr einer Eiterung, wenn nicht gar einer Blutvergiftung, unnötig heraufbeschworen. Auch der Versuch, kleine offene Wunden mit Heftpflaster zu verschließen, ist gefährlich, denn auch hierbei werden leicht der Oberfläche anhaftende Keime in die Tiefe gepreßt. Eine offene Wunde lasse man vielmehr zunächst ruhig ein wenig bluten und verschließe sie dann mit einem reinen, frisch gebügelten Taschentuch, bis die Möglichkeit für einen keimfreien Verschluß durch Auflegen eines Verbandpäckchens oder mittels steriler Gase und Binde gegeben ist. Deshalb sollte jeder, der auf Reisen geht, und zumal, wenn er mit Kindern reist, etwas sauberen Verbandsstoff, am besten einen in jeder Apotheke oder Drogerie für wenige Pfennige läuflichen Schnellverband, mit sich führen. Selbstverständlich bedürfen größere Wunden oder solche, bei denen sich Schmerzen, Klopfen usw. einstellen, sofortiger ärztlicher Behandlung. Der häufigste, wenn auch meist harmlose Unfall auf Reisen ist das Hineinfliegen eines Kohlenstäubchens ins Auge. Anlaß hierzu Wie wird das Wetter? Trocken, heiter und warm. Aussichten bis Freitag: Vorwiegend trocken und vielfach heiter, sowie tagsüber wärmer. Temperatur 18 Grad. * Nachdem das gestrige Tiefdruckgebiet über der Nordsee abgezogen ist, hat sich das südwestliche Hochdruckgebiet über Mitteleuropa ausgebreitet. Das bei Island heranziehende Tiefdruckgebiet wird uns nicht wesentlich beeinflussen. Heute früh war es in Deutschland, im Osten und Süden noch wolkig und teilweise regnerisch, im Westen meist heiter. Die heutigen Morgentemperaturen lagen zwischen 11 und 18 Grad. Der Kahle Asten batte schwachen Westwind, heiteres Wetter und 10 Grad. gibt der Wunsch, während der Fahrt den Kopf aus dem Fenster zu stecken, um möglichst viel von der vorbeifliegenden Landschaft sehen zu können. Leider versuchen viele Menschen, sich durch Reiben des Auges dabei zu helfen. Damit wird aber das Ganze höchstens schlimmer gemacht. Entweder versuche man, durch häufiges Auf= und Zumachen des Augenlides den Fremdkörper herauszuschwemmen, oder aber, wenn das Kohlenstäubchen im Unterlid sitzt, durch Abziehen des letzteren das Körnchen mit der Spitze eines sauberen Taschentuches oder, noch besser, mit etwas sauberer Watte herauszufischen. Ist das Staubkorn ins Oberlid geraten, so gelingt seine Entfernung manchmal auch der geübten Hand eines Laien. Man fasse dazu das Oberlid bei den Wimpern, lasse nach unten sehen und versuche, das Oberlid eventuell unter Auflegen eines Streichhölzchens umzuklappen; dann wird auf der Innenfläche der Fremdkörper meist sichtbar und kann wie beim Unterlid mit einer sauberen Taschentuchecke entfernt werden. Wenn das nicht gelingt oder der Fremdkörper gar in die Hornhaut resp. in das Innere des Auges eingedrungen ist, dann ist Gefahr im Verzüge und schleunige ärztlich- Hilfe dringend vonnöten. Brief eines deutschen Steigers aus dem Sowjetparadies. Im Hinblick auf die zurzeit von Rußland betriebenen Anwerbungen deutscher Bergarbeiter und Angestellter dürfte nachstehender Briefauszug von besonderem Interesse sein. „Wie Ihnen bekannt ist, bin ich seit nahezu 3 Jahren hier in Rußland tätig. Obwohl die vergangene Zeit nie einwandfrei war in Bezug auf die Lebenshaltung, ist es doch noch nie so arg gewesen, wie in den letzten 2 Monaten. Nur ein kleines Beispiel möchte ich anführen. Der freie Handel ist hier vollkommen lahmgelegt, so daß man nur auf den Korperativ(Konsum) angewiesen ist. Es wird nichts ohne Kartensystem verkauft. Das wäre allerdings nicht das schlimmste. Man selbst hat nämlich die Karten, aber die Korporative haben keine Waren. Dieses ist nicht nur örtlich, sondern die Zustände herrschen auch in Moskau, Tulz und im ganzen Land. Frisches Fleisch oder Wurst, Butter, Seife, Kaffee, Tee u. a. m. gibt's überhaupt nicht. Jeden 3. Tag für mich und meine Frau 400 Gramm gesalzenes Rindfleisch, aber es kommt vor, daß auch das nicht zu haben ist, dann gibt es dafür einen gesalzenen Fisch von ungefähr 2 Pfund. Jegliche Fettigkeiten fehlen. Wie man im allgemeinen hört, und wie man sich auch dieses selbst denken kann, treten eher noch schlechtere als bessere Zustände ein. Minderwertiges Schwarzbrot wird auf Karten verkauft, so wird dasselbe gegessen, ohne irgendwelche Zutaten. Trotz dieser Zustände spricht man allerdings nicht von einer Hungersnot, denn die russische arbeitende Bevölkerung hat sich je kaum mehr leisten können, weil deren Löhne auch danach beschnitten sind. Auch Genußmittel, wie Schokolade, Zigarren und Zigaretten sind im weiten Umkreis nicht aufzutreiben. Man könnte noch vieles mehr schreiben. Mein 3jähriger Kontrakt ist im Herbst ds. Is. zu Ende, und bei diesen Zuständen ist es mir unmöglich, trotz der angebotenen Gehaltserhöhung auf das Angebot des hiesigen Trustes, meinen Kontrakt zu verlängern, einzugehen. Nach einer kurzen Zeit würden wir total unterernährt sein. Es ist auch mit den größten Schwierigkeiten nur möglich, ein Paket aus der Heimat zu bekommen. Meinen Verwandten ist das bisher noch nicht gelungen. Das Wenige, welches ich mir nach meinem Urlaub aus der Heimat mitnehmen konnte, geht auch allmählich zur Nege. Wie wird das Reich die Wohlfahrtserwerbslosenfrage lösen? Es ist allgemach eine Binsenwahrheit, daß es im Winter zu schweren sozialen Kämpfen kommen kann, wenn nicht den Städten die Mittel für die Durchführung der Unterstützung der Wohlfahrtserwerbslosen an die Hand gegeben werden. Im Reichsarbeitsministerium erwägt man nun allen Ernstes, die Aufgabe auf eine bürokratisch angenehme und für das Reich völlig kostenfreie Art zu lösen: Man will einen„Sastenausgleich zwischen den Städten herbeiführen. Gegen diese Patentlösung sind aber schwerwiegenöste Bedenken geltend zu machen. Die Wohlfahrtserwerbslosennöte gehen alle Städte gleich an. Was praktisch dabei herauskommen soll, wenn die Last ausgeglichen werden soll zwischen Städten, die allesamt nichts haben, ist nicht einzusehen. Jedenfalls wird Geld für die Gemeinden dabei nicht geschaffen. Hier kann— und zwar rechtzeitig!— nur die Ausdehnung der Krisenfürsorge auf unbegrenzte Zeit helfen. An der Krisenfürsorge tragen die Gemeinden ein Fünftel der Kosten mit. Wird sie ausgedehnt, wird es Wohlfahrtserwerbslose in den Gemeinden kaum mehr geben, die Kosten dafür also bei den Gemeinden wegfallen, die dafür zur Krisenunterstützung beitragen müssen. Ob man sie an der Tragung der Lasten der Krisenfürsorge dann stärker beteiligt, wird eine Frage muß, daß den Bedürfnissen des Käufers in jeder Beziehung Rechnung getragen wird. Bei den monopolgebundenen Waren haben wir eine Handelsspanne von 10 bis 15 Prozent. Bei den Markenartikeln haben wir 2 Gruppen zu scheiden: die Gruppe A, die kosmetische und pharmazeutische Artikel, die Gruppe B, die Waren des taglichen Bedarfs umfaßt. Bei den Markenartikeln der Gruppe B beträgt die Einzelhandelsspanne durchweg 20 Proz. des Verkaufspreises. Beispiele: Großhandelspr. Einzelhandelspr. Verkaufspr. leistungen der betr. Warengattungen handelt, ist zu ersehen, daß der Handelsaufschlag auf diese Waren vollkommen gerechtfertigt ist, stellt man die notwendigen Unkosten bei der Verteilungsarbeit gegenüber. Durch die Handelsenquete, die neutrale Untersuchungsstelle des Reichswirtschaftsrates, ist festgestellt worden, daß der Kolonialwaren= und Lebensmitteleinzelhandel 7,8 bis 15,9 Prozent an Unkosten aufweist, steigend innerhalb dieser Grenze mit der Größe des Betriebes. Unabhängig davon hat im vorig. Jahre der Westlandverband an 20 Plätzen von Rheinland und Westfalen Erhebungen über die Unkosten gemacht mit dem Ergebnis, daß sich diese durchschnittlich auf 11—13 Prozent belaufen. Nicht berücksichtigt ist dabei, daß fast allenthalben ein Rabatt von 4 bis 5 Prozent bei Barzahlung gewährt wird. Wenn die Markenartikel durch die neuerlichen Bestrebungen im Preise herunter gehen, so sind wir im Lebensmitteleinzelhandel ohne weiteres damit einverstanden. Wir müssen aber die Forderung geltend machen, auf die wir unbedingten Wert legen, daß der Preisschutz als solcher unter allen Umständen bestehen bleibt. Auch wir haben Anspruch darauf, daß wenigstens bei einigen Artikeln ein Entgelt unserer Arbeitskraft gewährleistet wird, zumal wir bei vielen Waren eine unzureichende Handelsspanne von der Oeffentlichkeit eingeräumt erhalten. Wir kommen somit zu dem Ergebnis, daß der Einzelhandel der Preissentung gefolgt ist, daß seine Handelspanne in jeder Beziehung vertretbar und gerechtfertigt erscheint. Die Frage des Preisabbaues ist daher kein Problem der Handelsspanne, sondern ein Problem der Erzeugungskosten. Der Lebensmitteleinzelhandel hat dem Volke gegenüber seine Pflicht getan; er ist gerne bereit, für seine Organisation mit der Industrie und den Erzeugern zu verhandeln, wenn dies bei oer Preisbildung notwendig wird. Unermüdlich wird der Lebensmitteleinzelhandel weiter für das Volk und mit dem Volke arbeiten. Er wird für die Gesundung der Bevölkerung und für die Hebung der Lebenshaltung seine ganze Kraft einsetzen. Die Oeffentlichkeit aber, Regierung, Behörden, unsere gesamte Bevölkerung, mögen sich bei ihren Maßnahmen von der Erkenntnis leiten lassen, daß auch des Kaufmannes Arbeit voll und ganz ihres Lohnes wert ist. sein, über die die Gemeinden sicher mit sich reden lassen werden. Es ist jedenfalls Zeit, daß überhaupt etwas geschieht. bevor der Winter mit seiner erhöhten Arbeitslosigkeit da ist. Hier handelt es sich um eine soziale Aufgabe, die ohne jede parteipolitische Voreingenommenheit gelöst werden muß, weil sie eine beträchtliche politische Frage werden kann, wenn es dazu kommen sollte, daß die Städte keine Unterstützung mehr zahlen können.* Hattingen. — Die Ruhr hat sich nach der künstlichen„Aufgeblasenheit“ der letzten Tage wieder dahin zurückgezogen, wohin sie gehört und bietet— abgesehen von der stärkeren Strömung— wieder das gewohnte friedliche und landschaftlich schöne Bild in strahlender Sonne. Auch die Badeanstalt ist soeben dabei, sich vom Trockenen— wo sie ja garnichts zu suchen hat— wieder in ihr Element zurückzuziehen und dürfte bereits heute nachmittag ihre Pforten wieder öffnen und auf badelustige Besucher warten. Nur vereinzelte Schlammrückstände an den Ufern erinnern noch daran, daß vor wenigen Tagen nicht alles so war, wie es sich gehörte. — Die Kreisverwaltung des Ennepe=Ruhrkreises hat sich immer noch nicht zu den zweckmäßigen und allein richtigen Methoden der Veröffentlichung wichtiger Bekanntmachungen durchgerungen. Entgegen der vor mehreren Monaten erfolgten Zusage, daß die Verteilung der Bekanntmachungen an die kreiseingesessenen und im Kreise am stärksten verbreiteten Zeitungen„demnächst“ geregelt werden solle, teilt sie auch jetzt wieder das Inkrafttreten der neuen Kreissteuerordnungen der Presse mit und stellt die Veröffentlichung anheim unter der Voraussetzung, daß dem Kreise„eine Kosten entstehen dürfen". Eine Veröffentlichung der Steuerordnungen selbst erfolgt nicht, als Ersatz wird den Betroffenen anheimgegeben, sie auf dem Kreishaus in Schwelm oder bei der örtlichen Verwaltung einzusehen. Man appelliert also an die Wohltätigkeit der Presse, die sich im Interesse ihrer Leserschaft schon bereit erklärt hat, einen Teil der Veröffentlichungen(Fürsorgetermine usw.) kostenlos vorzunehmen. Wie wir bereits wiederholt ausführten, hat die Verwaltung die Pflicht, für eine ausreichende und zweckmäßige Veröffentlichung ihrer Bekanntmachungen zu sorgen. Es sei darauf hingewiesen, daß erst kürzlich wieder Urteile ergangen sind, in denen Unkenntnis infolge ungenügender Bekanntmachung als Grund zur Freisprechung angesehen wurde. — Neuregelung der Meldepflicht der Erwerbslosen. Das Arbeitsamt Hattingen bereitet eine Neuregelung der Stempeltermine vor, die teilweise bereits in Kraft getreten ist und zahlreich ge Erwerbslosen bisher täglich„stempeln“ gehen mußten— eine Maßnahme, die noch aus den Anfängen der Erwerbslosenfürsorge stammt— genügt jetzt in den dichtbesiedelten Teilen des Arbeitsamtsbezirks Hattingen und Welper eine wöchentlich dreimalige, in den ländlichen Gebieten eine zweimalige Kontrolle, wobei der eine Kontrolltag der Auszahltag ist. Die dadurch freigewordenen Kräfte sind im Außendienst angesetzt worden mit dem Erfolg, daß bereits mehrere Schwarzarbeiter überführt werden konnten. Die Einschränkung der regelmäßigen Kontrolle, die ja auch niemals die Schwarzarbeit unterbinden kann, zugunsten eines verstärkten Außendienstes scheint sich also ebenfalls zu bewähren.— Wir werden in den nächsten Tagen auf Einzelheiten der Neuregelung, die auch den Verwaltungsausschuß noch beschäftigen wird, nochmals zurückkommen. — Von der Arnsberger Regierung zum Regierungs= und Schulrat bei der Regierung in Arnsberg wurde ernannt der Prorektor Wilhelm Doetsch aus Berlin.—bh * — Am Isenberg abgestürzt und schwer verletzt. Mit mehreren gleichalterigen Jungenh begab sich der sechsjährige Pflegesohn der Familie Sch. von der Holthauser Straße am Montag nachmittag zum Isenberg, um dort Brombeeren zu suchen. Während des Suchens an den steilen Hängen stürzte der Sechsjährige plötzlich in die Tiefe und in ein schachtähnliches Loch, wo er mit schweren Verletzungen liegen blieb. Die übrigen Jungens hatten den Vorfall nicht sofort beobachtet, sondern fanden den Schwerverletzten erst nach einigen Stunden. Mit Hilfe erwachsener Personen konnte der Junge geborgen und zum Hattinger Krankenhause gebracht werden, wo er erst am folgenden Morgen das Bewußtsein wiedererlangte. — Zusammenstoß. In den gestrigen Mittagsstunden stießen in der Bahnhofsstraße ein Motorradfahrer und eine Radlerin zusammen. Die Radlerin erlitt eine kleine Armverstauchung, während der Motorradfahrer ohne Verletzung davon kam. Das Fahrrad wurde schwer beschädigt. Die Schuld soll die Radfahrerin treffen, da sie auf der falschen Seite gefahren ist. — Verbot der Vorbesichtigung an Sonn= und Festtagen. Die Vorschriften für Versteigerer haben durch einen Erlaß des preußischen Handelsministers einen Zusatz erhalten, demzufolge es den Versteige rern allgemein verboten wurde, Vorbesichtigungen der zu versteigernden Gegenstände an den Sonn= und Festtagen sowie an den Werktagen zu einer Zeit, in der die offenen Verkaufsstellen geschlossen sein müssen, zu veranstalten. In dem Erlaß war jedoch gesagt, daß die Ortspolizeibehörde Vorbesichtigungen von Gegenständen, die einen wissenschaftlichen oder künstlerischen Wert haben, ausnahmsweise zulassen könne. Die Handhabung dieser Befugnis durch die Ortspolizeibehörden hat zu lebhaften Beschwerden von Kunsthandelsvereinigungen und anderen be troffenen Handels= und Handwerkszweigen Anlaß gegeben. Es hat sich gezeigt, daß eine Abgrenzung der Versteigerungen von Gegenständen, die einen wissenschaftlichen oder künstlerischen Wert haben gegenüber anderen Versteigerungen vielfach praktisch nicht durchführbar ist. Auch kann bei Abwägung der widerstreitenden Interessen ein zwingendes Bedürfnis zu Sonntagsbesichtigungen nicht anerkannt werden. Der Handelsminister hat deshalb angeordnet, daß die Ortspolizeibehörden von der Befugnis, Ausnahmen von dem grundsätzlichen Verbot der Vorbesichtigungen an Sonn= und Festtagen und außerhalb der Verkaufszeit offener Verkaufsstellen zuzulassen, keinen Gebrauch mehr machen. Die Vorschriften für Versteigerer werden dementsprechend abgeändert werden. — Geschäfte mit der Religion? Der Evangl Pressedienst für Westfalen teilt mit: In christlichen Kreisen wird zur Zeit ein Blatt vertrieben, das sich„Kirchen=Bezirksblatt“ nennt. Es geyt vom Verlag Arthur Herrmann in Berlin aus. Mit kirchlichen Stellen hat es keinerlei Verbindung. Das Blatt wirbt auch für Anzeigen (deren Wirksamkeit recht fragwürdig sein dürfte Nach einer vorliegenden Nummer zu urteilen scheint es im wesentlichen Bibelsprüche aus dem Alten Testament abzudrucken und keine eigene literarische Arbeit zu leisten. Von kirchlichen Stellen wird Zurückhaltung empsohlen. bb — Motorflugführerlehrgang in Bochum. In der Zeit vom 15. September bis 11. Oktober 1930 veranstalten die Deutschen Landkraft=Führerschulen, Zeesen,(Deulakraft) in Verbindung in den Monaten Juni und Juli 1930 weiter verschlechtert. Der fortschreitende Beschäftigungsrückgang nischen Angestellten macht die Zunahme rund der westfälischen Wirtschaft, insbesondere des Ruhrkohlenbergbaues sowie der Hütten=, Eisenund Metallindustrie, hat in den Monaten Juni und Juli eine weitere Verschlechterung der Arbeitsmarktlage für Angestellte bewirkt. Auch der unverändert ungünstige Beschäftigungsgrad in den Außenberufen hat hierzu wesentlich beigetragen. Zudem ist durch die starke allgemeine Arbeitslosigkeit im Landesarbeitsamtsbezirk Westfalen, die, gemessen an der Zahl der Hauptunterstützungsempfänger, um rd. 250 v. H. höher als im gleichen Zeitpunkt des Vorjahres liegt, sowie die ausgedehnte Kurzarbeit, die Kaufkraft der Beyölkerung so stark gechwächt, daß auch der Esinzelhandel aufs empfindlichste in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Der steigende Bewerberandrang und die Zunahme der Gesamtzahl der arbeitsuchenden kaufmännischen und technischen Angestellten kennzeichnet recht klar die gegenwärtige Lage. Nach den Berichten der Angestelltenabteilungen bei den Arbeitsämtern Bochum, Dortmund, Hagen, Münster und Bielefeld stellte sich die Geamtzahl der arbeitsuchenden Angestellten Ende Juli 1930 auf 12027, davon 7656 männlich und 1371 weiblich, ggenüber 10 683, davon 6752 männlich und 3931 weiblich Ende Mai 1930. Die Zunahme beträgt also insgesamt 1344 Personen= 12.58 v. H. Bei den männlichen Angestellten stieg die Ziffer um 904= 13.38 v. H., bei den weiblichen Angestellten um 440= 11.19 v. H. Bei den techBochumer Vereins zugesprochen.(Siehe auch Sportbericht.) — Der Reiterverein Hattingen und Umgegend hält am Sonnabend, dem 23. August, abds. 8 Uhr, im Lokale H. Küper, Hattingen, Heggerstr., seine Monatsversammlung ab, auf die wir auch an dieser Stelle hinweisen.(Siehe Anzeige.)—h— — Der Verein für Turn= und Rasensport, Hattingen, macht an dieser Stelle auf die am morgigen Donnerstag, abends 8,15 Uhr, im Westfälischen Hof(Reichle) stattfindende Vorstandssitzung aufmerksam. Es wird um zahlreiches uno pünktliches Erscheinen gebeten.(Siehe heutige Anzeige.) Welper. — Turngemeinde Welper. Anläßlich der Feier des 10. Stiftungsfestes am 30. und 31. Aug. findet auf dem Sportplatz an der Horstschule das 9. Bezirksfest der Deutschen Turnerschaft statt. Die Turngemeinde trifft umfangreiche Vorbereitungen, um den Turnern und Turnerinnen aus dem Emscher=Ruhrgau nicht nur einen würdigen Empfang zu bereiten, sondern den Aufenthalt in unserer Gemeinde so bequem und gemütlich zu gestalten, daß sie gerne an Welper zurückdenten. Die Geräteund volkstümlichen Wettkämpfe werden am Sonntag, dem 31. August, ausgetragen. Der Festzug soll um 2 Uhr seinen Anfang nehmen. Anschließend finden auf dem Sportplatz allgemeine Freiübungen, Vereinsvorführungen, Staffelläufe, Faust= und Schlagballspiele und als Sensation ein Städtehandballspiel Bochum— Hattingen statt. Die Gauriege wird am 30. August auf der eigentlichen Vereinsfeier im Adlersaal ihre Darbietungen geben. Umrahmt wird der turnerische Teil von den Chorgesängen der Sängervereinigung Henrichshütte. Das Streichorchester des Lehrlingssportvereins wirkt ebenfalls mit. Für den Sonntag ist die Feuerwehrkapelle Blankenstein verpflichtet worden. — Evang. Gemeinde. Heute(Mittwoch) abend 8 Uhr ist Bibelstunde im Paul=Gerhardt=Haus. — Eine Freizeit für evangelische Arbeiter beherbergt das Paul=Gerhardt=Haus in der Zeit vom 23.—30. August. Etwa 40 Arbeiter aus der engeren und weiteren Heimat erhalten kostenlose Unterkunft, um in ihrer Urlaubszeit leibliche und seelische Erholung zu finden. Die Mahlzeiten werden gemeinsam im Paul=Gerhardt=Haus eingenommen. Niederwenigern. yme rund 16 v. H. aus. Die niedrigste Zahl an arbeitsuchenden Angestellten im Jahre 1929 wurde Ende September mit 6455 Personen registriert. Seitdem ist eine Vermehrung um 5572 Personen— 86.32 v. H. eingetreten. Dieser steigenden Zahl der Stellensuchenden steht jedoch eine völlig unzulängliche Nachfrage gegenüber. Auffallend groß ist die Zahl des arbeitslosen Verkaufspersonals. Ende Juli ds. Is. wurden insgesamt 2779 arbeitslose Verkäuferinnen und 1332 arbeitslose Verkäufer im Bezirk des Landesarbeitsamtes Westfalen gezählt. Von den Verkäuferinnen entfallen nahezu 50 v. H. auf die Altersklasse bis zu 20 Jahren. Angesichts dieses starken Ueberangebotes an jugendlichen Verkäuferinnen ist der dauernde wahllose Zustrom Schulentlassener zum Verkäuferinnenberuf bedenklich, zumal auch bei einer Besserung der Wirtschaftslage kaum Aussicht besteht, die gegenwärtig den Angestelltenmarkt belastenden Kräfte in einem größeren Umsange dem Angestelltenberuf wieder zuzuführen. Es ist daher dringend anzuraten, vor der Berufswahl die öffenltiche Berufsberatung in Anspruch zu nehmen. Das Neuangebot an Bewerbern kam in der Hauptsache aus dem Kleinhandel und der Industrie. Während auf den Kleinhandel 2525 Personen= 43,50 v. H. aller Neuzugänge entfallen, ist die Industrie— eine Folge des starken Abbaues von Kräften zum Quartalsschluß — mit 1328 Personen, d. s. 22.88 v. H. beteiligt.—bh mit der Landwirtschaftskammer für die Provinz!.— Gartendiebstähle und kein Ende. Seit eimit der Landwirtschaftskammer für die Proving niger Zeit neymen die Gartendiebstähle überhand, Westfalen einen Motorflugführerlehrgang in Bochum. Die Unterweisung erfolgt theoretisch und praktisch durch einen eingearbeiteten Stab von Ausbildungspersonal der Deulakraft an allen führenden Schleppersystemen. Die Teilnehmergebühr beträgt RM. 80. Gleichzeitig ist Gelegenheit gegeben, den Führerschein für Kraftwagen für sämtliche Klassen zu erwerben. Die Teilnahme an dem Lehrgang bietet auch für Führer von Schleppern in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben die Möglichkeit zur gründlichen Durchbildung. Anmeldungen sind an die Landwirtschaftsschule in Bochum, Malteserstr 14, zu richten. — Die Turn= und Sportabteilung des Ev. Gesellenvereins Hattingen=Ruhr weilte am vergangenen Sonntag im Stadion„an der Landwehr“ in Bochum=Weitmar, wo das 3. Gesellenportfest des Verbandes Evang. Gesellenvereine Deutschlands, Gau Westfalen=Rheinland, veranstaltet wurde. Der Tag war wie geschaffen zur freudigen Betätigung auf dem Sportplatz, hatte sich doch das Wetter aufgeklärt. Zirka 550 Sportler haben ihre Kräfte gemessen bei sehr scharfer Konkurrenz. Es wurden durchweg sehr gute Leistungen in allen Kämpfen erzielt. Auch die Turn= und Sportabteilung des Hattinger Vereins konnte eine ganze Reihe schöner Erfolge buchen, und zwar: Für Turner: 100=Meterlauf 3, 200=Meterlauf 1, 3000=Meterlauf 3. Vierkampf 1., 3. und 12., Dreikampf 1. und 12., Dreisprung 2., Weitsprung 1., Kugelstoßen 1., Speerwerfen 2., Staffel 3 mal 1000 Meter 2., Staffel 10 mal eine halbe Platzrunde 2. Preis. Für Jugendliche: Weitsprung 2., Dreikampf 3. und 4. Preis. Die Abteilung hatte ferner den Verbandspokal, den sie im vorigen Jahre errungen hatte, zu verteidigen. Die 4 mal 100=Meter=Staffel, die für diesen Kampf in Frage kam, wurde in sehr guter Zeit gelaufen. Hattingen lief mit 3 Meter Vorsprung vor Bochum und Buer=Erle durchs Ziel. Unser Sieg wurde jedoch nicht anerkannt, da angeblich einer unserer Läufer — dazu noch ein alter Sportler— in eine andere Bahn getreten haben soll. Unsere Mannschaft wurde trotz scharsen Protestes disqualifiziert und der Pokal der Turn= und Sportabteilung des so daß die Bewohnur mit Recht wünschen, sie könn ten den frechen Burschen einmal bei seiner verruchten Tat abfassen, damit ihm die gebührende ungebrannte Asche zuteil würde. Es wird wohl nicht fehl gegriffen sein, wenn man den oder die Täter im eigenen Dorfe sucht. Altendorf. Ein Flieger ehrt seinen toten Freund. Am Sonntag morgen gegen 11 Uhr kreiste der Pilot Hülsmann aus Ueberruhr=Altendorf wiederholt um den Kirchturm, um dann einige schöne Schleifen in 10 Meter Höhe über den Kirchhof zu beschreiben. Wie wir hören, wollte er einen Kranz auf das Grab seines Freundes Willi Klaphecke abwerfen, der am vergangenen Sonntag einer doppelten Lungen= und Rippenfellentzündung erlegen war. Der Abwurf glückte aus irgendwelchen Gründen nicht. Der Verstorbene war ein weit über Altendorf hinaus bekannter und beliebter Sportsmann, besonders im Fußball, der seinen Freunden und Mitspielern unvergeßlich bleiben wird. Sprockhövel — Hohes Alter. Frau Wwe. Leckebusch, Karoline geb. Aeckersberg in O.=Sprockhövel feierte ihren 85. Geburtstag in seltener geistiger und körperlicher Gesundheit. Frau Leckebusch verrichtet noch heute trotz ihres hohen Alters ihre Hausarbeiten. Wir gratulieren der Altersjubilarin und wünschen ihr einen sonnigen Lebensabend. — Vom Anto beiseite geschleubert wurde auf der Hauptstraße in der Nähe der Krankenkasse ein 15jähriger Radfahrer. Glücklicherweise kam er mit dem Schrecken davon; das Fahrrad wurde dabei demoliert. Linden-Dahlhausen. — Ein 16jähriger Junger vermißt. Der Polizeibericht meldet: Vermißt wird seit dem 12. 8. 30 der Mechanikerlehrling Werner Barwig, geb. am 18. 8. 1914 in Landsberg a. d. Warthe, zuletzt in Bochum=Linden=Dahlhausen, Kassenberger straße.156 wohnhaft. Beschreibung: 1.65 Meter groß, breitschulterig, dunkelblondes Haar, gebräuntes Gesicht, braune Augen, vollständige Zähne. Bekleidung: Dunkelblaue Schirm mütze, graue Windjacke, dunkelbraunkarierter An zug, weißes Sporthemd, grün=graukarierte Stut zen, schwarze Arbeitsschuhe. Personen, die über den Aufenthalt des Vermißten sachdienliche Angaben machen können, werden gebeten, diese der Kriminaldirektion in Bochum, Uhlandstraße 35, Zimmer 240, mitzuteilen. der Vereinigten Preß= und Hammerwerke. Die Vereinigten Preß= und Hammerwerke, die auf eine wechselvolle Vergangenheit zurückblicken konnten und seit dem Uebergang in den Besitz der Vereinigten Stahlwerke im vorigen Jahre still gelegt worden sind, sollen demnächst abge brochen werden. Wie es heißt, hat sich für den Kauf der Gebäude kein Interessent gefunden, so daß man sich zu einem Abbruch des gesamten Werkes entschlossen hat. Eine öde, unansehnliche Trümmerstätte wird bleiben, wo einst dröhnende Dampfhämmer das Lied der Arbeit erklingen ließen. — Roher Ehestreit. Zu einem wüsten Auftritt kam es in der Nacht zum Montag im Obdachlosenasyl an der Höntroper Straße. Ein Bewohner geriet mit seiner Ehefrau in einen heftigen Streit. Dabei erhielt die Frau von ihrem Mann einen wuchtigen Fußtritt gegen den Unterleib, so daß sie aus der Wohnung flüchtete und zur Polizeiwache lief, wo sie zusammenbrach. Da sie anscheinend schwere innere Verletzungen davongetragen hatte, wurde sie mittels eines her beigerufenen Krankenwagens in ein Krankenhaus eingeliefert. Gegen den brutalen Ehemann wurde Anzeige erstattet. — Glück im Unglück. In eine gefährliche Situation geriet ein Telegraphenarbeiter, der am Dienstag vormittag an der Hattinger Straße Reparaturen auszuführen hatte. Mittels Steig eisen hatte er einen Leitungsmast bestiegen. Aus irgendeinem Grunde löste sich plötzlich der Ka rabinerhaken, der Mann verlor den Halt und stürzte kopfabwärts vom Mast, wobei sich die Steigeisen im Holze festhakten, so daß der Fall aufgehalten wurde. Jedoch blieb der Gestürzte mit dem Kopfe nach unten am Maste hängen und konnte sich nur mit Hilfe herbeigeeilter Passan ten aus seiner gefährlichen Lage befreien. Bochum. — Geht es im Bergbau wieder bergauf? Ge stern wurden auf der Zeche„Mansfeld“ im Stadtteil Langendreer wieder 200 Bergleute ein gestellt. Wie man weiter hierzu erfährt, trägt sich die Zechenverwaltung außerdem mit der Absicht den in Bochum=Querenburg gelegenen Schacht 5 wieder auf volle Förderung zu bringen. Ange sichtsder großen Erwerbslosigkeit und der allge mein schlechten wirtschaftlichen Lage wird dies Maßnahme namentlich in der Geschäftswelt freu dig begrüßt. — Ewige Ruhe gefunden. In einem Bochn mer Krankenhause verstarb ein Kaufmann an Vergiftungserscheinungen. Die sofort angestellte Ermittelungen ergaben, daß der Verstorben Luminaltabletten in größeren Mengen al Schlaf= und Schmerzlinderungsmittel zu sich ge nommen hatte. — Nächtliche Schlägerei? Gestern früh gege 2.40 Uhr wurde ein Invalide am Werner Hell weg im Stadtteil Werne schwer verletzt aufgefunden. Er fand im Elisabeth=Hospital Aufnahme. Ob der Verletzte an einer Schlägerei teilgenommen hat, ließ sich noch nicht feststellen. — Aus dem Fenster gestürzt. Beim Oeffnen eines Fensters verlor eine#skar=Hoffmannstraße wohnende Frau das Gleichgewicht und stürzte aus der zweiten Etage in den Hof, wo sie bewußtlos liegen blieb. Da sie bedeutende Verletzungen davongetragen hatte, mußte sie in ein Krankenhaus gebracht werden. Bestandteil der Steuerung, wodurch die Lenkerin die Gewalt über das Auto verlor. Der Wagen sauste gegen einen Chausseebaum und wurde umgeworfen. Die Lenkerin trua schwere innere Verletzungen und einen Schlüsselbeinbruch davon, die Mutter und übrigen Geschwister erlitten mehr oder weniger erhebliche Schnittwunden durch die umherfliegenden Glassplitter. Auch der Kaufmann wurde nicht unerblich in Mitleidenschaft gezogen. Erfolgreiche Berufung. Bekanntlich werden die meisten Falscheide in den Alimentationsprozessen geschworen. So hatte auch das erweiterte Schöffengericht in Recklingausen den Bergmann Wilhelm Auferkamp us Erckenschwick wegen Verleitung zum Meineid u einer Zuchthausstrafe von 1 Jahr und 3 Monaten sowie 3 Jahren Ehrverlust verurteilt. Der Angeklagte sollte in einem Unterhaltungsprozeß verschiedene Zeugen zur Abgabe einer falschen eidesstattichen Versicherung verleitet haben. A. hatte in dem ersten Prozeß die Unvorsichtigeit begangen, im Glauben an seine Unschuld eine albe Stunde vor Beginn der Verhandlung seinem lechtsbeistand die Verteidigung zu entziehen und war, mit der Technik der Gerichtsmaschinerie nicht mehr vertraut, in diesem Prozeß der Beweisführung des Staatsanwaltes unterlegen. Der Verurteilte nahm jedoch die Strafe nicht an, so daß sich am Dienstag die große Vochumer Ferienstrafkammer noch einmal mit der Angelegenheit befassen mußte. Die mit aller Sorgfalt geführte Beweisaufnahme brachte denn auch für den Angeklagten ein wesentlich anderes Ergebnis. Es wurde festgestellt, daß es verschiedenen Zeugen, die von A. beeinflußt sein sollten, in Wirklichkeit nur darauf angekommen war, von dem Angeklagten traktiert zu werden und daß sie sich selbst an A. herangemacht hatten. Aus diesem Grunde erkannte denn auch das Gericht auf Freisprechung des Angeklagten und Uebernahme der Kosten auf die Staatskasse. In der Urteilsbegründung wurde hervorgehoben, daß A. in gutem Glauben gehandelt hatte, wenn er die Aussagen der Zeugen als wahr hinnahm. Der Haftbefehl wurde infolgedessen sofort aufgehoben. einer Die Steuerung gebrochen.— Die ganze Familie verletzt. Die Familie eines Vochumer Kaufmanns hatte einen Autoausflug nach Münster unternommen und befand sich nachts bereits wieder in Wanne=Eickel, als ihr ein folgenschweres Unglück zustieß. Auf der Dorstener Straße lenkte eine Tochter den Wagen. Nachdem sie mehreren Fahrzeugen ausgewichen war, brach plötzlich ein Steele. — Autozusammenstoß. Auf der oberen Vochumer Straße stießen am Samstag in schneller Fahrt ein Personenauto und ein Lastanto zuammen. Das Personenauto wurde gegen einen Straßenbaum geschleudert und mußte ebenso wie der Lastkraftwagen, der am Motor beschäftigt wurde, abgeschleppt werden. Der Chauffeur des Personenwagens, dessen Scheiben bei dem Zusammenstoß zertrümmert wurden, mußte in teele ärztliche Hilse in Anspruch nehmen. Essen. — Eine Leiche im Weizenfeld. Gestern vormittag kurz nach 10 Uhr wurde von Landarbeitern in einem Weizenfeld an der Gelsenkirchener Straße in Karnap eine unbekannte männliche Person erschossen aufgefunden. Die sofort benachrichtigte Mordkommission stellte Selbstmord fest. Die Leiche ist bis zur Unkenntlichkeit verwest, sodaß ihre Identifizierung schwer sein dürfte. — Es konnte gefährlicher werden. Am Montag abend gingen die Pferde des Mühlenbesitzers effen in der Dachstraße mit einem beladenen Fuhrwerk durch. Sie rannten die Dachstraße hinunter und gerieten auf den Bahnkörper VorbeckAltenessen, wo sie zum Stehen gebracht werden konnten. Hierbei wurde ein Pferd leicht verletzt, und der Wagen zertrümmert. Personen kamen nicht zu Schaden. — Schüler beim Paddeln ertrunken. Am Dienstag abend gegen 18 Uhr befuhr der 17 Jahre alte Schüler Oskar Schuster aus Essen=West mit seinem Paddelboot die infolge des Hochwassers sehr bewegte Ruhr. Unterhalb der Brem=Brücke kenterte das Boot plötzlich infolge der starken Strömung. Der Schüler wurde, trotzdem er des Schwimmens kundig war, abgetrieben und ertrank. Seine Leiche konnte noch nicht geborgen werden. — Vermißt wird seit 11. ds. Mts. die Lehrköchin Emmy Ridzewski, geb. 31. 5. 1922, zuletzt Agathastraße 56. Kruppsches Erholungshaus wohnhaft. — Dauernd Fahrraddiebstähle! Fahrräder sind stets begehrte Objekte der Langfingerzunft, der durch leichtsinniges Abstellen der Räder ihre Arbeit ost sehr erleichtert wird. Nach dem neuesten Polizeibericht wurden wiederum drei Herrenfahrräder gestohlen: vor einer Wirtschaft in der Altendorser Straße ein Herrenfahrrad, Marke„Presto“, vom Hof einer Wirtschaft in der Diergardstraße ein Herrenfahrrad Marke„Bastert“, aus einem Fahrradraum der Badeanstalt Altenessen ein Herrensahrrad, Marke„Hähnel“, Nr. 173019. — Gestohlen wurden: Von einem Hof in der Eickenscheiderfuhr eine große, rot=weiß=gestreifte Wagendecke im Werte von 80 RM.; am Nordbahnhof vom parkenden Anto 2 neue Ersatzreifen im Werte von 400 RM.; aus einer Wohnung in der Helmholzstraße verschiedene Kleidungsstücke, ferner ein Personalausweis und mehrere Zeugnisse, lautend auf„Erich Meyer“; aus einem Gasthaus in der Rottstraße ein mausgrauer Uebergangsmantel mit schwarzem Futter. — Ein Obstdieb hatte wenig Glück, als er Montag abend auf der Besitzung des Restaurateurs Th. H. in der Bredeneyer Straße die noch nicht reifen Birnen vorzeitig ernten wollte. Er wurde auf frischer Tat ertappt. Zum Attentat in Memel. Memel, 20. August.(Eigener Funkdienst.) Wie das Memeler Tageblatt zu dem Attentat auf den litanischen Kriminalkommissar berichtet, ist Oberst Rusteika durch drei Dolchstiche lebensgefährlich verletzt worden. Die beiden Studenten wurden auf der Flucht verhaftet. Eine weitere Verhaftung erfolgte im Laufe des Nachmittags. Einer von ihnen, ein gewisser Vaitkevicius, war von Rusteika bei der Räumung der Wohnung des früheren Ministerpräsidenten Woldemaras als Zeuge hinzugezogen worden. Die Studenten sollen bei ihrer Vernehmung ausgesagt haben, daß im ganzen 12 Personen ermordet werden sollten, darunter zwei Minister, namhafte Führer des Tautininkai, einige Beamte und Offiziere. BEILAGE TUR TURNEN SPIEL SPORT WANDERN Berlin vor Tokio. Den Leichtathletik=Städtekampf gegen die Mannschaft aus dem Fernen Osten gewann die Berliner Vertretung sicher mit 65½ zu 48¼. In dem kalten regnerischen Wetter wuchs den Einheimischen ein nicht zu unterschätzender Helfer. Darauf ist es auch zurückzuführen, daß die Leistungen der Gäste ein wenig hinter dem zurückblieben, was man an ihnen zu sehen gewohnt war.— Unser Bild zeigt links den Japaner Oda, der den Weitsprung mit 6,93 Meter gewann, rechts den Hochspringer Kimura, der ebenso wie der Deutsche Betz 1,86 sprang, sodaß die Punkte geteilt wurden. Deutsche Turnerschaft Krahwinkel=Peitz siegen. Vom Verliner Blan=Weiß=Turnier. Die ersten Entscheidungen beim Berliner BlauWeiß=Turnier konnten bereits dank der schönen Witterung am Montag in den Einzelkonkurrenzen gemeldet werden. Bei den Herren war es wieder Christian Boussus und bei den Damen die Essenerin Hilde Krahwinkel. Am Dienstag vormittag wurden dann auch die Spiele in den noch ausstehenden Doppelkonkurrenzen fortgesetzt. Im Herren=Vierer triumphierten die Australier Hopmann=Willard über die deutsche Kombination Kuhlmann=Uthmöller mit 6:1, 6:2 6:0, 6:3 siegten Hammer=Fisher über Fran Mortscheck=Kopp, mußten sich aber im zweiten Spiel von dem sehr gut spielenden Paar Löwenthal=Hopman mit 6:2, 6:4 geschlagen bekennen. Die rheinische Kombination Hilde KrahwinkelAenne Peitz schaltete das Paar Kallmeyer=Hammer überlegen 6:1, 6:3 aus Am späten Nachmittag wurden noch die Finals der Doppelspiele ausgetragen. Bei den Herren siegten erwartungsgemäß die Ausstralier Hopmann=Willard über die Verliner Kombination Lorenz=Hartz 6:4, 6:2, 2:6, 6:3. Das Spiel der Ausländer war flüssig und elegant, sie beherrichten vor allem die Flugbälle. Bei den Deutschen war Lorenz der bessere Spieler, da Hartz zu viel Stellungsfehler unterliefen. Im Damendoppel gab es die interessante Spielpaarung Krahwinkel=Peitz gegen die Ausländerinnen Sandison=Jedrezenowska. Das gute deutsche Paar siegte 2:6, 7:5, 6:3. Während im ersten Satz die Ausländerinnen dominierten, kamen die Deutschen im harten Kampf des zweiten Ganges nach vorn. Hier gefiel wieder Hilde Krahwinkel mit ihrer wirkungsvollen Netzarbeit, während Frl. Peitz auf der Grundlinie sehr achtsam spielte. Der dritte Satz und der Sieg fielen dann sicher an die Rheinländerinnen. Im Gemischten Doppel konnten SandisonLorenz das Paar Hopman=Löwenthal 6:2, 6:4 schlagen. Die Kursisten schlagen T. B. 6:3. Am Dienstag stieg vor 4000 Zuschauern in Berlin das erste Spiel der DFB.=Nachwuchskursisten gegen Tennis=Borussia Berlin. Die Kursisten traten in folgender Aufstellung an: Buchloh(Speldorf); Huber(Karlsruhe), Burkjardt(Brötzingen); Wendel(München), Kauer(Berlin), Böninger(München); Herwig(Koblenz), Lachmann (München), Hohmann(Benrath), Fischer(Pforzder Mannschaft waren Hohmann und Kauer. Zur heim), Zimmerberg(Berlin). Die besten Spieler der Mannschaft waren Hohmann und Kauer, Zur Pause führten die Kursisten gegen die nur ohne Emmernich spielenden T.=B.ler 3:2 und lagen zum Spielende mit 6:3 sicher vorn. „Teutonia Bochum=Riemke— SV. Sprockhövel 1:2. Dieses Spiel um den Gaugruppenmeister=Titel, das der SV. Sprockhövel verdient für sich entscheiden konnte, fand auf dem Sportplatz am Pappelbusch in Altenbochum statt. Die Sprockhöveler Mannschaft war gleichmäßig besetzt. Der Torwart Oppermann ist sehr fangsicher. Die Verteidigung leistete sich einige Kisten, die bei einem entschlossener handelnden Gegner leicht hätten verhängnisvoll werden können. Der Lauf zeigte sowohl in der Abwehr als auch im Aufbau der Angriffe recht ansprechende Leistungen. Auch hier hatte der Mittelläufer seinen Nebenleuten etwas voraus.— Riemke trat mit einigen Ersatzleuten an, die jedoch nicht aus dem Rahmen fielen. Im Torwart hatte Riemke eine sehr tüchtige Kraft und auch die Verteidigung erschien sicherer als die des Gegners. In der Läuferreihe gefiel der Mittelläufer durch gute Ballabgabe, während die Nebenleute sich mehr auf die Verteidigung beschränkten. Der Sturm erreichte nicht die Form, die er in den Meisterschaftsspielen zeigte. Linksaußen spielte etwas hart, und die übrigen Stürmer ließen im entscheidenden Moment die Durchschlagskraft vermissen. Am besten gefallen konnte noch der Mittelstürmer. Arbeiter Torn= und Sporlbund. Auftakt der Sport=Werbewoche in BredenscheidStüter. Am Sonntag nahm die von der Freien Sportvereinigung veranstaltete Werbewoche in Bredenscheid=Stüter auf dem Platze bei Zur Nieden ihren Auftakt, Morgens um 10 Uhr eröffnete die Jugendmannschaft des Veranstalters den Reigen der Spiele mit einem Treffen gegen Grün=Weiß Witten. Sie wurde mit 1:3 Toren geschlagen.— Die Schülermannschaft verlor gegen Grün=Weiß Witten 0:2.— Die 2. Mannschaft hatte im Spiel gegen Grün=Weiß mit 0:6 das Nachsehen. Auch die 1. Elf der Freien Sportvereinigung kam an einer sicheren Niederlage nicht vorbei. Mit 3:7 zogen die Platzleute den Kürzeren.— Bei dem Propaganda=Handballspiel zwischen Hattingen und Grün=Weiß Witten mußten die Hattinger sich mit einer 7:1=Niederlage zufrieden geben. Der zweite Tag der Werbewoche sah einen Umzug durch die Ortsteile Bredenscheid=Holthausen, an dem etwa 70—75 Turner, Turnerinnen, Schüler und Schülerinnen teilnahmen. Der Umzug dauerte über 2 Stunden. Am Dienstag abend fand ein Umzug durch den Ortsteil Stüter statt. Fußball=Ergebnisse: Welper— Stiepel 3:0 Sportkl. Linden—Langendreer 08 0:1 Baukau— Winz=Baak 1:2 Obersprockhövel— Tus Sprockh. 6:0 Obersprockh. 2.— Tus Sprockh. 2. 4:2 Turngemeinde Herbede. Bei gutem Wetter kamen in Querenburg die Vereinswettkämpfe zur Durchführung. Die Laufbahn ließ zu wünschen übrig, da sie durch den Regen zu ausgeweicht war. In der GesamtPunktzahl siegten der Turnverein„Jahn“ Querenburg mit 170 Punkten, Bochum 87 mit 152 Pkt., Turngemeinde Herbede mit 150 Pkt. Turnverein Gerthe brach den Kampf bei 56 Punkten aussichtslos ab. Beim Mannschafts=Kugelstoßen hatten wir das Pech, daß der letzte Mann übertrat. So kamen wir um 12 Punkte, die für den 2. Platz genügt hätten. In den Staffeln bekamen die Zuschauer spannende Kämpfe zu sehen. In der 3mal 1000=m=Staffel(Emde, Pfitzner, Horn) wurden wir mit 50 m Vorsprung 1. Sieger. Bei der 4mal 100=m=Staffel belegten wir den 3. Platz. Den Hochsprung entschied Wiele, das Steinstoßen Horn, Große=Venno wurde Dritter. Im 400=m=Lauf wurde Steveling 2 zweiter Sieger. Im Diskus siegten Wiele und Steveling 1. Mit der 4mal 400=m=Staffel, die wir knapp vor Querenburg und Bochum gewinnen konnten, nahm die Veranstaltung ein Ende. Nach einigen gemütlich verlebten Stunden im Vereinslokal ging es bei hellem Mondenschein über dem Kalwes wieder nach Hause. Schwimmeisterschaften der D.T. Gntes Meldeergebnis für Darmstadt. Am 23. und 24. August kommen in Darmstadt die Schwimm=Meisterschaften der Deutschen Turnerschaft zum Austrag, Insgesamt wurden 369 Einzelmeldungen abgegeben, außerdem wurden 248 Staffelteilnehmer gemeldet, also eine Gesamtbeteiligung von 617 Wettkämpfern und Wettkämpferinnen. Zusammen mit den Schwimm=Meisterschaften wird auch die Meisterschaft der DT. im Wasserball ausgetragen. Hier stehen sich die Meister der vier Kreisgruppen gegenüber. Es vertreten den Westen SV Iserlohn, den Norden Turnklub Hannover, den Süden Turnverein Speyer, den Osten Staßfurt=Leopoldshall. Die Hannoveraner gelten als Favoriten.— Die Meisterschaftskämpfe werden durch eine Anzahl von Schauvorführungen umrahmt. Anläßlich der DT.=Schwimm=Meisterschaften findet am Sonntag in Darmstadt ein WasserballPropagandaspiel zwischen einer DSV= und einer DT.=Mannschaft statt. Kein Meister bei den Balten. Das Turnier der baltischen Fußball=Länder Litauen Lettland und Estland in Kowno endete mit einem Unentschieden. Nachdem die Litauer die Esten schon 2:1(0:0) geschlagen hatten, verloren die Estländer gegen Lettland 2:3(2:2). Im Finale spielte Litauen und Lettland unentschieden 3:3 (1:1). Kölner Hockey=Klub. Die bisherige Hockeyabteilung des Kölner SC. 1899 ist jetzt geschlossen aus dem KSC. 99 ausgetreten und hat unter der Bezeichnung„Kölner Hockey=Klub“ einen neuen Verein von fünf führenden Hockeyspielern, den die Hockeyabteilung als unberechtigt betrachtete. Bekanntlich schied die Hockeyabteilung des KSC. 99 schon im vergangenen Jahr einmal aus dem Stammverein aus, kehrte aber nach Beilegung des Konfliktes wieder zurück, Nun scheint das neue Freundschaftsband doch nicht gehalten zu haben. Franz Boja boxt in Amerika unentschieden. Der Dortmunder Mittelgewichtsboxer Franz Boja trug in Amerika seinen ersten Kampf aus und erzielte ein ehrenvolles Unentschieden. Im Conney=Island=Stadion traf er auf den Amerikaner Willi Kohut; der Kampf ging über zehn Runden. Der Dortmunder war in den letzten Runden tonangebend. Ein knapper Sieg für Voja hätte dem Kampfverlauf eher entsprochen. Ungemütliche Sachsen. Mitteldentschland— Tschechoslowakei.— Die Tschechen gewinnen 2:0. In Leipzig wurde am Dienstag vor 10 000 Zuschauern der zweite Länderkampf zwischen Mitteldeutschland und der Tschechoslowakei ausgetragen. Die Mitteldeutschen spielten ohne Richard Hofmann und unterlagen mit 2:0(1:0). Im Feldspiel waren die Mitteldeutschen ganz ausgezeichnet und hielten den Tschechen bestimmt die Waage. Sie versagten aber vor dem Tore; hier waren die Prager besser orientiert. Der Belgier Braine schoß für sie die beiden Erfolge. 25 Minuten nach Beginn erzielte er den ersten Erfolg und kurz nach dem Wechsel konnte er eine linke Flanke eindrücken. Daß die Sachsen nicht gerade durchaus gemütlich sind, erfuhr der Berliner Schiedsrichter Birlam. dem das Publikum in ziemlich grober Weise Parteilichkeit für die Tschechen vorwarf. Birlam mußte nach dem Spiel von einem kleinen Polizei= Aufgebot eingeschlossen werden, so angriffslustig waren verschiedene Zuschauer. Ohne Körnig. pannover 78 schlägt den SCC. Die Kasseler Vereine Tgmd. Kassel, HessenPreußen und Kurhessen Kassel führten am Dienstag in Kassel ein Abendsportfest durch, das einen sehr beweglichen und spannenden Verlauf nahm. Die Veranstaltung war von 5000 Zuschauern besucht. Im Mittelpunkt stand der Kampf der beiden deutschen Sprinterstaffeln, der des SC Charlottenburg gegen Hannover 78. Die Charlottenburger traten ohne Körnig an und nahmen damit dieser Begegnung die besondere und entscheidende Gültigkeit. Hannover 78 gewann dann auch gegen die Charlottenburger in 41,2 Sek. gegen 42,9 Sek. überlegen. Die Hannoveraner meldeten sofort nach diesem Lauf einen neuen Rekordversuch an, der ihnen aber nicht ganz glückte. Immerhin erreichten sie mit glatt 41 Sekunden die beste Zeit des Jahres und wir halten es für fraglich, ob der SCC auch mit Körnig die Hannoveraner in Kassel geschlagen hätte. Aus dem Rekordlauf über 2000 m wurde nichts. Krause gewann in 5:42,8 vor dem Berliner Wichmann. Dafür aber schuf der frühere Kasselaner Danz eine vorzügliche Leistung, als er die 800 m in 1,54 Minuten durchlief. Jonath gewann die 100 m vor Borchmeyer und Eldracher; über 200 m holte sich Gillmeister vor Borchmeyer den Sieg. In der Schwedenstaffel siegte der SCC sicher. Wegener war wieder in guter Sprunglaune. Er übersprang glatt 3,95 Meter und zog bei einem Sprung von 4,05 Meter die Latte unglücklich mit der Hand ab. Im Diskuswerfen kam Pauls auf 42,96 Meter und Borchmeyer sprang 7,19 Meter weit. Boyer Deutscher Golfmeister. Percy Alliß geschlagen. Die Offene Døutsche Golfmeisterschaft wurde am Sonntag in Baden=Baden zu Ende geführt. Ueberraschend konnte sich diesmal der Titelverteidiger Percy Alliß=England nicht durchsetzen. Der Franzose Boyer(Nizza) siegte mit 226 Schlägen durch fabelhaftes Spiel in der vierten Runde. Percy Alliß endete mit dem Engländer Colton mit 269 Schlägen zusammen auf dem zweiten Platz. Dritter wurde Murray=Lübeck. Erster Amateur wurde der frühere deutsche Titelhalter Dr v. Limburger=Leipzig. Um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Ringen. Vorschlußrunde: Heros=Dortmund— AC Pirmasens 17:16 Igkr. Zella=Mehlis— SVgg Ost=Berlin 10:8 Sportfest der Evangelischen Gesellenvereine. von Rheinland und Westfalen in Bochum. Die Veranstaltung, die nach den voraufgegangenen vielen Regentagen ganz wider Erwarten vom schönsten Wetter begünstigt war, begann mit einem Stillauf aller Teilnehmer und nachfolgendem Feldgottesdienst, gehalten vom ersten Verbandsvorsitzenden Pastor Goldberg. Die Beteiligung an den Wettkämpfen war sehr gut. Wir lassen hier die Siegerliste folgen: Dreiklasse(Altersklasse): 1. Görgens(Bochum) 57 Punkte; 2. Landwehr, Dorsten, 49 Punkte; Vogt, Gelsenkirchen=Rotthausen, 49 Pkt.; 3. Bekker, Bochum, 47 Pkt. Dreikampf(Jugend 14=16): 1. Glittenberg, Dahlhausen, 65 Pkt.; 2. Platte, Bochum, 64 Pkt. Dreikampf(Jugend 12=13): 1. Kumpmann, Hattingen, 78 Pkt.; 2. Wagner, Gelsenkirchen, 75 Pkt.; 3. Kalisch, Gelsenkirchen, 67 Pkt.; 4. Renn, Dahlhausen, 65 Pkt. Kugelstoßen: 1. Brandt, Hattingen, 9.92 Meter; 2. Zenke, Essen, 9.68 Meter; 3. Pichler, Buer=Erle. 100=Meter=Lauf: 1. Graeff, Bochum, 11.7 Sek.; 2. Pruß, Buer=Erle; 3. Gahle, Hattingen. 800=Meter Lauf: 1. Lakies, Bochum, 2.14.8 Min.; 2. Grumm, Dahlhausen; 3. Luley, Bochum. 3000=Meter=Lauf: 1. Kindermann, Bochum, 10.03.4; 2. Bartels, Dorsten; 3. Höhbusch, Dahlhausen. 400=Meter=Lanf: 1. Daßler, Bochum, 53.5 Sek.; 2. Zenke, Essen, 58.5 Sek.; 3. Wockel, Elberfeld. 4mal100=Meter=Staffel; 1. Bochum 1 47.8 Sek.; 2. Buer=Erle 48 Sek.; 3. Hattingen distanziert. 1500=Meter=Lauf; 1. Lohrmann, Bochum, 4.11 Min.(!); 2. Kindermann, Bochum, 4.13 Min.; 3. Krause, Duisburg. 200=Meter=Lauf: 1. Opfer, Hattingen, 24.3 Sek.; 2. Daßler, Bochum, 24.3 Sek., Handbreite zurück; 3. Pruß, Buer=Erle, 24.5 Sek. Speerwurf: 1. Lauterbach, Bochum, 42.60 Meter: 2. Brandt, Hattingen, 38.80 Meter; 3. Boeth, Bochum. 4mal75=Meter=Staffel(Jahrgang 14=15): 1. Dortmund 40.1 Sek.; 2. Bochum 41.1 Sek. 4mal100=Meter=Staffel(Jahrgang 12=13): 1. Dahlhausen 1 51.2 Sek.; 2. Elberfeld 51.4 Sek.; 3. G. Rotthansen 52 Sek. 3mal1000=Meter=Staffel: 1. Bochum 1; 2. Bochum 2. Weitsprung: 1. Opfer, Hattingen, 6.15 Meter; 2. Kümpel, Hattingen; 3. Wagner, Gelsenkirchen. 10mal ½=Runden=Staffel: 1. Bochum 4.20.1 Min.; 2. Hattingen 4.32.4 Minuten. Dreisprung: 1. Koch, Dahlhausen, 11.50 Mtr.; 2. Gahle, Hattingen; 3. Kalisch. Gelsenkirchen. Vierkampf=Turnerklasse: 1. Sieger Brandt, Hattingen, 92 Pkt.; 2. Sieger Böth, H., Bochum, 83 Pkt.; 3. Sieger Gahle, Hattingen, 81 Punkte. Ein Handballspiel zwischen Rotthausen= Duisburg kombiniert und Bochum sah die Bochumer mit 16:1 als Sieger. Allgemeiner Deutscher Turnerbund. Turnverein Winz=Baak 1.— Turnverein Dahlbecksbaum Velbert 1. 7:4(4:1). Am Sonntag standen sich die beiden 1. Msch. im Gesellschaftsspiel auf dem Sportplatz an ber Gewehrfabrik gegenüber. Mit dem Anwurf der Gäste entwickelte sich gleich ein flotter Kampf. Er sieht die Platzleute schon vor dem Tor der Gäste, wo aus einem Gedränge heraus der Linksaußen zum ersten Tor einsenden kann, welches vom Schiedsrichter nicht anerkannt wird. Die Platzleute lassen aber nicht locker, sie stürmen immer wieder dem gegnerischen Tore zu. Da ist es wieder der Linksaußen, der aus guter Position zum ersten Tor einsenden kann. Jetzt kommen auch die Gäste etwas auf. Sie können aber bei der guten Arbeit der Hintermannschaft sowie des Torwarts vorläufig nichts Zählbares erreichen. Bis zur Halbzeit können die Platzleute noch dreimal erfolgreich sein, während der Gast kurz vor der Pause ein Tor aufholen kann. Halbzeit 4:1. Nach der Pause werden die Gäste zusehends besser. Sie können nach einigem Hin und Her das zweite Tor einsenden. Das ist den Platzleuten doch zuviel, und schon hängt Nr. 5 im gegnerischen Tor. Bis zum Schlußpfiff können die Gäste noch zweimal erfolgreich sein. Die Platzleute gehen aber auch nicht leer aus, sie können das Resultat auf 7:4 erhöhen. Bei den Gästen war der beste Mann der Torwart der eine höhere Niederlage verhütete. Auch der andere Mannschaftsteil war gut, er spielte nur etwas zerfahren Beim Platzverein war der Sturm diesmal in guter Verfassung, jeder gab sein Bestes her. Auch die Hintermannschaft führte ein gutes Spiel vor. Die Tore fielen durch den Linksaußen(3), Mittelstürmer(2) und Halblinken(2). Der Schiedsrichter leitete einwandfrei. Vorher trafen sich die beiden zweiten Mannschaften. Aus diesem Spiel gingen die WinzBaaker als 4:0=Sieger hervor.— Die Jugend konnte die gleiche von Dahlbecksbaum mit 5:0 Toren schlagen. A. 4 Besselmann bleibt vorerst Amateur. Wie uns der SC. Colonia=Köln mitteilt, wird Europameister Besselmann entgegen der Meldung vor einigen Tagen vorerst Amateur bleiben, Besselmann wird am 7. September in Neuwied, am 14. September in Helsingfors kämpfen. Aus dem größten Diesel=Kraftwerk der Welt. Ein uraltes Volksfest hat sich in Memmingen bis in unsere Tage hinein behauptet. Es ist der sogenannte Fischertag, der bereits im 16. Jahrhundert als altherkömmlich bezeichnet wurde. Seit dem 19. Jahrhundert hat er ein stetig großeres festliches Gepräge erhalten.— Unser Bild zeigt das lustige Aussischen des Baches. In Henningsdorf bei Berlin ist vor einiger Zeit ein Kraftwerk in Betrieb genommen worden, in dem ausschließlich Dieselmotoren laufen, und das das größte seiner Art in der ganzen Welt bildet. Die Motoren, von denen einen unser Bild zeigt, entwickeln 12000 PS.; sie haben eine Länge von etwa 14 Meter und eine Höhe von mehr als 6 Meter. Die ganze Anlage ist so durchkonstruiert, daß vier Mann genügen, um die beiden Motoren zu beaufsichtigen. am 22Augus siweo 80 Zuyte, bun einer unserer besten Dichter, Nikolaus Niembsch von Strehlenau, gewöhnlich jedoch mit seinem Dichternamen Lenau genannt verstarb., Ein tragisches Schicksal hatte damit seinen Abschluß gefunden. Lenau wurde am 15. August 1802 zu Czatad in Ungarn geboren, studierte zunächst Rechtswissenschaft und wandte sich später der Medizin zu, ohne jedoch zur Ausübung eines eigentlichen Berufes zu gelangen. Von früh auf eine eigentümliche, zu gleicher Zeit feurige und melancholische Natur, deren innerste poetische Ideale mit der umgebenden Wirklichkeit in Konflikt gerieten, leidenschaftlich und doch wieder von krankhafter Weichheit der Empfindung, sprach Lenau die wechselnden Stimmungen seines Innerns in lyrischen und lyrisch=epischen Dichtungen aus, die zu den Schönsten gehören, was wir hiervor besitzen. Neben der tiefen Innigkeit des Gefühls, dem melodischen Reiz seines lyrischen Ausdrucks, wirkte bei seinen Gedichten auch die Eigentümlichkeit des Kolorits. Auffallend an fast allen von ihnen ist es, daß sie fröhlich beginnen und sters einen traurigen Ausklang nehmen, wie etwa der„Postillon“. Fast kann man darin einen Vorboten des tragischen Geschicks erblicken, das ihn 1844 ereilte. Lenau verfiel in Geisteskrankheit, die sich als völlig unheilbar erwies und aus der ihn erst sechs Jahre später der Tod erlöste. Im Passo di San Giacomo Pescatore, in den italienischen Alpen, ist ein ausgedienter Speisewagen der italienischen Eisenbahn auf Fundamente gesetzt worden, und sorgt nun für das leibliche Wohl der zahlreichen Touristen in diesem Gebiete. Das Bornholmer Flugungluck kommt vor die ordentl. Gerichte. Das Flugzeugunglück bei Bornholm, das vor wenigen Tagen das Seeamt in Stettin beschäftigte, soll nun auch noch wahrscheinlich durch die ordentlichen Gerichte nachgeprüft werden. Die Angehörigen des bei der Katastrophe ertrunkenen Kaufmanns Brakelsberg haben sich an die Staatsanwaltschaft in Hagen gewandt und dort um Einleitung eines Verfahrens wegen fahrlässiger Tötung nachgesucht. Die Familie Brakelsberg stützt sich darauf, daß der Flugzeugführer Kuring seine Passagiere nicht rechtzeitig an den Dampfer„Theodor Griebel“ übergeben hat. Das Seeamt Stettin vertrat dagegen die Auffassung, daß der Pilot zu dieser Maßnahme nicht verpflichtet gewesen sei, da in seinen Dienstvorschriften eine genaue Anweisung, wie er sich in solchen Fällen zu verhalten hätte, nicht zu finden sei. Da auch die Angehörigen der anderen Verunglückten sich dem Vorgehen der Familie Brakelsberg anschließen wollen, dürften zunächst einmal die Akten des Seeamts Stettin angefordert werden, ebenso wie die Sachverständigengutachten, die im Verlauf des Verfahrens gegen Kuring von der Seebehörde eine erhebliche Rolle gespielt haben. Gott zur Ehr', dem Nächsten zur Wehr. Der Preußische Landesfeuerwehrverband hielt nach 47jährigem Bestehen jetzt zum ersten Male einen Verbandstag ab, der vom 15. bis 18. August in Münster(Westfalen) stattfand. Unsere Bilder zeigen die beiden ältesten FeuerDer 81jährige Rentner Karl Junge, Ehrenführer der Bad Warmbrunner Feuerwehr. Der 87jährige Wagenfabrikant Bernhard Kruip, ehemaliger Branddirektor in Münster. Die Halle wirb zurzeit in Löwenthal bei Friedrichshafen gebaut. Im Hintergrunde unseres Bildes sieht man die Aufstellung von Kranen, mit deren Hilfe die Konstruktion der Halle aufgerichtet werden soll. Im Vordergrunde rechts eine Baggermaschine zur Planierung des Geländes, die unermüdlich von früh bis spät arbeitet. In der ungarischen Landeshanptstadt wurde aus Anlaß der St. Emmerich=900=Jahrfeier im Beisein des päpstlichen Legaten Sincero, des ungarischen Fürstbischofs Seredi und des Erzbischofs von Westminster, Bourne, diese Statue des Heiligen enthüllt, die von dem berühmten ungarischen Bildhauer Stroble geschaffen wurde wehrleute, die im Mittelpunkt besonderer Ehrun gen standen: Mifolaus Lenau. Eine neue Zeypelinhalle. St. Emmerich=Feier in Budapest. gebern und Arbeitnehmern von Lille gekten und zur baldigen Beendigung des Streiks führen wird. Die Streiklage selbst ist gegenwärtig nach dem Journal folgende: In Roubaix streiken noch 25 050 Arbeiter, in Tourcoina 19 900, in Halluin 7885, in Vattrelos 5370, in Wervicz 2300, in Commines 2120, in Croix 1756, in Lannoy 1715, in Leers 1370, in Lys 1120, in Bousbecque 1005 und in den übrigen Gemeinden 2769. Die angebliche Zarentochter Anastasia spurlos verschwunden. Rundschau im Anslan Milikärflughafen in der Zips? Tschechischen Blätleemeldungen zufolge beabsichtigt das Kriegsministertum in der Westslowakei, and swar in der dentschen Sprach=Insel Zips, einen Militärflugbasen zu errichten. Der Ankauf der Grundstücke sei bereits erfolgt, so daß der Bau schon in der nächsten Zeit in Angriff genommen werden könge. Italienisch-französischer Der Oberkommissar bei dem Grenzpolten an der französisch=itallenischen Grenze hat eine Unterfuchung angestellt über eine Schießerei italienischer Grenssoldaten auf französische Spaziergänger. Der Leiter des italienischen Grenzpostens erklärte, daß er nur in die Luft habe schiesen lassen, weil die Franzosen trotz wiederholten Anrufens ihren Weg fortgesetzt hätten. Der italienische Konsul hat die Präfektur von Coni mit der Angelegenheit befaßt. Die Gouverneur-Diklatur in Memel. Der memelländische Landtag wird am 26. August zusammentreten, um sich mit der durch die Uebernahme der Geschäfte durch das litauische Landesdirektorium Reisgys entstandenen Lage zu beschäftigen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Landtag dem Direktorium das Mißtrauen aussprechen wird, nicht nur, weil die Mitglieder des neuen Direktoriums ihrer Vorbildung nach gar nicht in der Lage sind, die höchsten Verwaltungsposten des Gebietes zu bekleiden, sondern weil die Einsetzung einer rein litauischen Landesregierung durch den litauischen Gouverneur eine unerhörte Herausforderung der deutschen Mehrheit des memelländischen Landtages und eine grobe Mißachtung der memelländischen Autonomie darstellt. Die Stimmung im Memelgebiet über den neuesten Vorstoß des litauischen Gouverneurs gegen die Autonomie ist außerordentlich erregt, da die Mitglieder der neuen Landesregierung dem Gonverneur lediglich als Strohmänner dienen, hinter denen er seine Entdeutschungspläne um so ungestörter durchzuführen hofft. In Memel hält man das Eingreifen Deutschlands für unausbleiblich. Das Posener Tageblatt beschlagnahmt. Auf Antrag der Staaisanwaltschaft hat das Amtsgericht Posen die Sonntagsausgabe des Posener Tageblattes, das die Interessen der Deutschen in Polen vertritt, wegen eines unter der Ueberschrift„Das Grundübel“ erschienenen Leitartikels, in dem dem übertriebenen Haß der Nationaldemokraten entgegengetreten wurde, beschlagnahmen lassen. Die Beschlagnahme des Posener Tageblattes erfolgte mit der Begründung, daß in dem Artikel Staatseinrichtungen und Anordnungen der Obrigkeit durch unwahre und ent stellte Tatsachen verächtlich gemacht worden seien. soll zurücktreten. Scharfe Rede des Seimmarschalls. Bei der Einweihung eines Arbeiterheims in einer kleinpolnischen Stadt hielt Seimmarschall Daszynski eine politische Rede, in der er sich scharf gegen Pilsudski und dessen Regime wandte. Polen, so erklärte er, werde immer mehr zum= Polizeistaat. Pilsudski könne sich jetzt noch rechtzeitig von der Regierung zurückzichen. Diese Rede des Seimmarschalls wurde von der polnischen Pressezensur beschlagnahmt. Der Tiefstand der spanischen Valula. Die Regierung will durchgreifen. In einer Unterredung erklärte Ministerpräsident Berenguer, daß der neue Tiefstand der spanischen Valuta künstlich herbeigeführt worden wäre. Er betonte:„Jede Summe, die mehr als 39 Peseten für ein Pfund Sterling bezahlt worden ist, muß auf das Konto der Spekulation gesetzt werden. Die Drohungen der Spekulanten sind zwar geheimnisvoll, aber die Regierung wird bald alles ans Tageslicht bringen. Schon die Tatsache, daß am letzten Samstag der Pesetenkurs in Spanien niedriger war als im Auslande, zeigt, daß es sich hierbei um eine rein innere Angelegenheit handelt. Die Regierung ist sest entschlossen, energisch dagegen vorzugehen.“ Finanzminister Arguelles ist zurückgetreten. Persien lehnt gemeinsames Vorgehen mit der Türkei ab. Bezüglich der Lage an der türkisch=persischen Grenze auf Grund des kurdischen Aufstandes hat der per sische Geschäftsträger den türkischen Außenmini ster eine Note überreicht, in der gesagt wird, die persische Regierung könne unter keinen Umständen sich zu einem gemeinsamen militärischen Vorgehen gegen die Kurden auf persischem Gebiet bereiter klären. Telefunkengesellschaft hat am Dienstag drahtlose Fernsehversuche auf der Strecke Neuen—Geltow durchgeführt. Es wurde in einer Entfernung von rund 40 km vom Sender in Nauen mit Kurzwellen, und zwar mit 70=mWellen, ein Filmstreifen mit zwei Damen, die sich miteinander unterhielten, nach Geltow übertragen und recht deutlich sichtbar vorgeführt. Durch intensive Laboratoriumsarbeit ist es gelungen, die Kosten für die Fabrikation von Fernsehempfangsapparaten außerordentlich herab zudrücken. Es wird aber noch geraume Zeit dauern, bis das Fernsehen im Rundsunk eingeführt werden kann. Deshalb stellt die Telefunkengesellschaft auf der diesjährigen Funkausstellung keine Fernsehgeräte aus, da sie der Meinung ist, daß nur solche Apparate auf die Funkausstellung gehören, die technisch absolut vervollkommnet sind und preiswert gekauft werden können. Zurzeit wird an allen größeren Plätzen Amerikas auf Anastasia Tschaikowsky gefahndet, die seinerzeit in ganz Europa dadurch von sich reden machte, daß sie behauptete, die Großfürstin Anastasia von Rußland und die Tochter des Zaren Nikolaus II. zu sein. Ihre Aufenthaltsfrist in Amerika war am 8. August abgelaufen. An diesem Datum war aber Anastafia nachweisbar noch immer in den Vereinigten Staaten. Sie ist jedoch nach dem 8. August spurlos verschwunden und wird vergebens von der Einwanderungspolizei gesucht, die die Aufgabe hat, unerwünschte Elemente aus Amerika zu deportieren. Der jekt gegen sie erlassene Steckbrief lautet auf den Namen Mrs. Anderson; denn unter diesem Namen lebte sie zuletzt sehr zurückgezogen in Neuyork. Aus ihrem Bekanntenkreis hat die Polizei erfahren, daß Anastasia in den letzten Tagen vor ihrem Verschwinden an Schwermutsanfällällen litt, so daß man dort befürchtet, daß sie vielleicht Selbstmord beging. Jedoch auch die Nachfrage in den Leichenschauhäusern Neuyorks ist ergebnislos verlaufen. Eine andere Möglichkeit ist die, daß sie unter einem neuen falschen Namen Amerika verlassen hat und sich auf der Reise nach Paris befindet. Nadiotelegranbische Anfragen bei den auf See befindlichen Schiffen waren jedoch ohne Erfolg. Vom Sohn erschlagen. In Neuhaferwiese(Neumark) entstand zwischen em Besitzer Gundermann und seinen zwei Söhnen, die dem Vater Vorwürfe darüber machten, daß er die Wirtschaft vernachlässige, ein Streit, aus dem ich eine Schlägerei entwickelte. Einer der beiden öhne schlug den Vater mit einem harten Gegenstand an den Kopf, so daß er tot zusammenbrach. Die Söhne stellten sich der Polizei. Rätselhaster Doppelselbstmord. In der mechanischen Werkstätte der Maxhütte n Saalfeld haben die beiden Arbeiter Herbert Wenzel und Louis Kandel Selbstmord durch Erschießen begangen. Kandel hatte schon seit Monaten selbstmörderische Absichten geäußert, ohne von seinen Arbeitskollegen ernst genommen zu werden, während bei Wenzel, der kurz vor einer Verheiratung stand, das Motiv vollkommen im Dunkeln liegt. Er hatte auch erst n den letzten Stunden irre Reden geführt. Lübecker Säuglingssterben. Wie das Lübecker Gesundheitsamt mitteilt, hat ich die Zahl der mit Tuberkulosekulturen vergifteten äuglinge um zwei Todesopfer auf 67 erhöht. Zurzeit sind noch 53 Säuglinge krank. Dänischer Seemann bei nächtlicher Schlägerei schwer verletzt. In dem Rostocker altstädtischen Lokal„Skandinavien“ kam es am Sonntag abend zu einer wüsten Schlägerei, in die auch sechs dänische Seeleute verwickelt waren. Von Kriminalbeamten wurden die Streitenden schließlich mit Gewalt aus dem Lokal entfernt. Auf der Straße setzte sich die chlägerei jedoch sort, und die Kriminalbeamten wurden von den Raufbolden arg bedrängt. Ein Beamter wurde zu Boden geworfen und mißhandelt, ein anderer, der seinem Kollegen zu Hilfe eilte, ebenfalls angegriffen. Als er nunmehr in Notwehr zur Pistole griff, faßte man ihn von hinten, um ihm die Waffe zu entreißen. Dadurch löste sich der Schuß und traf den Seemann Olesen von dem dänischen Dampfer„Nordhild“(Kapitän Petersen). Olesen wurde so schwer verletzt, daß er auf der Flucht zusammenbrach und ins Krankenhaus gebracht werden mußte, wo man eine schwere Bauchverletzung feststellte. Beim Paddeln auf der Östsee ertrunken. In der Nähe der Halbinsel Wustrow wurden am Dienstag morgen die Leichen des katholischen Pfarrers Becker, der auf der Insel Poel zur Kur weilte, und des Studenten Peters, der in einer benachbarten Ingendherberge wohnte, gefunden. Die beiden Ertrunkenen hatten vor einigen Tagen bei stürmischem Wetter eine Paddelbootfahrt auf der Ostsee unternommen. Das Paddelboot war bereits am Montag abend an Land getrieben. Zwei weitere Todesupfer des Kreutzwalder Eisenbahnunglücks. (Eigener Funkdienst.) Die Zahl der Todesopfer der Katastrophe von Krentzwald(Lothringen) hat sich insolge des Ablebens zweier weiterer verletzter Personen auf sieben erhöht. Vierzehn Leichtverletzte haben inzwischen das Krankenhaus verlassen können, weitere vierzehn müssen noch behandelt werden. Sechs Todesopfer eines Vulkanausbruches. (Eigener Funkdienst.) Beim Besteigen des Vulkans Asama(Japan) wurden sechs jaxanische Touristen, darunter zwei Frauen, das Opfer eines plötzlichen Lava=Ausbruches. Der Ausbruch war von einem starken Erdbeben in der ganzen Umgebung des Berges begleitet. 66 9 Warten Sie nur Kamf mit einem Tobsüchtigen. Aus Stade wird gemeldet: Die Wassermengen, die sich bei den enormen Regengüssen in den Mooren und auf der Geest angesammelt haben, beginnen jetzt nach der Elbe abzufließen. Im südlichen Kehdiner Møor ist die Lage schon bedenklich geworden. Einige Schleusenverbandsgebiete gleichen riesigen Seen. Im Stader Moor gehen die Fluten bereits über die Schutzdeiche. Fuhrwerke schaffen dauernd Sendsäcke heran. Das Bieh wird in die Ställe gebracht. Der Abfluß steht in keinem Verhältnis zu dem Zufluß aus den Mooren. Von Stade aus bis zum Horizont in Norden sieht man eine einzige Wasserfläche. Zwei über die Grenzen Tirols hinaus bekannte Bergsteiger, der Besitzer der Ackerl=Hütte im Östkaiser, Andreas Hormair, und der 26 Jahre alte Max Walter aus Kitzbühel. sind bei einer Klettertour am Dülferiß zwischen Fleischbank Südostwand und Christaturm tödlich abgestürzt. Die Leichen konnten geborgen werden und wurden noch am gleichen Tage nach Kitzbühel gebracht. Damit hat der Wilde Kaiser in diesem Jahre schon 10 Todesopfer gefordert. Vier deutsche Touristen in den Tiroler Bergen vermißt. Die 22jährige Studentin der Medizin, Gerda Ihrke, aus Berlin=Schöneberg wird nach einer Meldung aus dem Oetztal vermißt. Ferner kam aus Ebensee die Meldung, daß drei Berliner Touristen namens Peschke, Franke und Denk vermißt werden. Die spinale Kinderlähmung im Präfektur, des Departements Unterrhein Die gibt bekannt, daß bis zum 18. August insgesamt 314 Fälle von spinaler Kinderlähmung gemeldet waren. Am stärksten betroffen ist die Gegend nordöstlich von Straßburg. Die Fälle verteilen sich auf 88 Gemeinden, Seit Ausbruch der Epidemie Anfang Juli wurden zunächst täglich im Durchschnitt acht neue Fälle gemeldet, gegen Mitte Juli sieben und Ende Juli sechs, so daß von einem allmählichen Rückgang der Seuche gesprochen werden kann. England plant einen regelmäßigen Luftschiffverkehr nach Amerika. Londoner Blätter veröffentlichen ein vom Luftfahrtsministerium herausgegebenes Blaubuch, in dem es heißt, wenn durch die Versuchsfahrten der beiden britischen Luftschiffe R. 100 und N. 101 genügende Erfahrungen gesammelt seien, besteht die Absicht, einen regelmäßigen Luftschiffverkehr nach Cardington, Montreal und Neuyork einzurichten. Autobusunglück in Spanien. Zwischen Alcoy und Cocentaina in Spanien ist ein Autobus infolge falscher Steuerung umgeschlagen. 22 Reisende wurden verletzt, 13 mußten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Volksjustiz in Carolina. In Tarboro(Nordcarolina) machten 200 maskierte bewaffnete Männer einen Angriff auf das Gefängnis und bemächtigten sich eines jungen Negers, der beschuldigt war, sich an zwei weißen Mädchen vergangen zu haben. Sie banden ihn an einen Baum am Wege und schossen ihn tot. Ein aufregender Vorfall spielte sich Dienstag mittag in der Reinickendorfer Straße in Berlin ab. Der Arbeiter Richard Janecke aus der Schulstraße 49 erlitt plötzlich auf der Straße einen Tobsuchtsansall. Er zog einen Revol ver aus der Tasche und bedrohte damit Straßenpassanten. Auch auf die Fenster einer Arztwohnung gab er Schüsse ab. Schließlich konn te der Geisteskranke festgenommen werden. In der Reinickendorfer Straße, unweit des Nauener Platzes, war schon den ganzen Vor mittag den Passanten ein Mann aufgefallen, der in auffälliger Weise Leute ansprach und wirre Reden führte. Während er wieder mit einem fremden Manne sprach, erlitt er plötzlich einen Tobsuchtsanfall. Er schrie fortgesetzt:„Ich werde mich bemerkbar machen!", schlug auf Passanten, die ihn festhalten wollten, ein und zog plötzlich einen Browning aus der Tasche und hielt sich damit eine Menschenmenge von etwa 500 Personen, die sich inzwischen angesammelt hatte, vom Leibe. Man telephonierte schnell nach der Polizei. Inzwischen war der Tobsüchtige zum Nauener Platz gelaufen, hatte mit den Fäusten die Fensterscheiben der Telephonzelle eingeschlagen und den Telephonapparat gewaltsam herausgerissen. Als mehrere Leute wiederum versuchten, ihn festzuhalten, zog er noch einen zweiten Revolver und bedrohte nun mit Browning und Trommelrevolver die zurückweichende Menge. Plötzlich deutete der Geisteskranke auf die im ersten Stock des Hauses Reinickendorfer Straße 73 gelegene Wohnung des Arztes Dr. Peter Wolffheim und rief aus:„Warten Sie nur, Herr Doktor, ich werde mich schon bei Ihnen bemerkbar machen!“ Dann lief er zu dem Haus hinüber und zog die Nachtglocke des Arztes. Als niemand aus dem Fenster sah, geriet er in sinnlose Wut. Er eilte auf die andere Straßenseite und schoß dreimal hintereinander auf die Fenster der Wohnung, ohne diese zu treffen. Die Kugeln prallten vom Mauerwerk ab. Nun richtete der Tobsüchtige den Trommelrevolver gegen eine Gruppe von Leuten, die in seiner unmittelbaren Nähe standen. Zum Glück versagte die Waffe diesmal. Ehe der Geisteskranke den Browning abdrücken konnte, wurde er hinterrücks von mehreren starken Männern überwältigt, die den Tobenden so lange festhielten, bis Polizeibeamte kamen und ihn fesselten. Dann brachte man ihn auf das 46. Polizeirevier. Von dort wird er einer Irrenanstalt überwiesen werden. Janecke, der in der elektrotechnischen Branche beschäftigt war, hatte in der letzten Zeit wiederholt Anfälle geistiger Depression gezeigt. Er soll in der letzten Zeit Differenzen mit dem Wohlfahrtsamt wegen seiner Rente gehabt haben und sich darüber sehr aufgeregt haben. Wahrscheinlich war dies auch der äußere Anlaß zu seinem Tobsuchtsanfall. Sacharinschmuggel an der ungarischen Grenze. Wie aus Debreczen(Ungarn) gemeldet wird, beschlagnahmte die dortige Zollwache einen Waggon mit Sacharin im Werte von etwa 2¼ Millionen Pengö, der als eine von Magdeburg nach Nagykaroly in Siebenbürgen bestimmte Superphosphat=Sendung deklariert war. Es stellte sich heraus, daß nur die zu äußerst gelegenen Fässer mit Superphosphat gefüllt waren, während die übrigen, mit Doppelböden versehenen Fässer Sacharin enthielten. Die Polizei hat umfangreiche Recherchen eingeleitet, da begründeter Verdacht besteht, daß es sich um eine weitverzweigte, umsangreiche Schmugglerorganisation handelt. Der Ziegenbock als Gärtner. Unterschlagungen im Marienbader Postamt. Seit einer Reihe von Jahren gingen im Marienbader Hauptpostamt, insbesondere von reichsdeutschen Kurgästen, Beschwerden über verlorengegangene Briefsendungen ein, die Geld enthielten Alle Reklamationen blieben erfolglos, da sie überhaupt nicht erledigt wurden. Endlich entschlossen sich die Angestellten des Postamtes, selbst den Dieb ausfindig zu machen, indem sie ihm eine Falle stellten. Das Ergebnis war, daß der Leiter des Postamtes, der Postdirektor Sinka, als Täter entlarvt wurde. Die Prager Postdirektion, die verständigt wurde, entsandte sofort einen höheren Beamten nach Marienbad, der die Angelegenheit untersuchte. Das führte dazu, daß Sinka schon am nächsten Tage nach Prag berufen wurde, und sofort seinen Urlaub antreten mußte. Der Schaden, der durch diese Diebstähle verursacht wurde, beträgt mehrere Hunderttausend Kronen. Sinka, der Tscheche ist, war vor neun Jahren an Stelle des früheren deutschen Postdirektors nach Marienbad berufen worden. Der Kownoer Polizeichef Oberst Rusteika hatte am Dienstag nachmittag gegen 5 Uhr in einem Zimmer des Hotels Continental eine vertrauliche Unterredung mit einem gewissen Julius Vaitkevicius. Bald nach Beginn der Unterredung betrat eine zweite Person das Zimmer und beide stürzten sich auf den Polizeichef, knebelten ihn und brachten ihm vier Dolchstiche bei. Es handelt sich um einen politischen Racheakt. Der Verletzte befindet sich nicht in Lebensgefahr. Die beiden Täter sind verhaftet worden. Börsen-Stimmungsbild. (Eigener Funkdienst.) Tendenz: Gut behauptet. Trotz verschiedener ungünstiger Nachrichten ans der Wirtschaft eröffnete die heutige Börse größtenteils über dem gestrigen Schluß. Die hohen Notierungen der Frankfurter Abendbörse konnten sich allerdings nicht ganz behaupten. Reichsbankanteile, auch Salzdettfurth hatten wieder größeres Geschäft. Geld leichter. Tagesgeld 2,5 bis 4,5, Monatsgeld 4,5 bis 5,5, Warenwechsel ca. 3% Prozent. Auch nach den ersten Kursen war die Stimmung freundlich, bei kleinen Umsätzen ergaben sich überwiegend leichte Besserungen. Zur Tarifkündigung im Ruhrbergbau. Essen, 20. Aug.(Eigener Funkdienst). Wie wir erfahren, hat der Schlichter Brahn die Parteien auf kommenden Montag nachmittag Schlichtungsverhandlungen eingeladen, verhandlungen finden um 2.30 Uhr Tage statt. Fernflug Berlin Königsberg, 20. August. dienst). Der japanische Flieger 3.30 Die am Uhr zu Parteigleichen Tokio. (Eigener FunkSeiji Poshihara, der heute früh um 5.44 Uhr auf dem Flugplatz Tempelhof zu einem Flug Berlin—Tokio gestartet war, ist auf seiner ersten Etappe in Königsberg um 9.15 Uhr auf dem Flugplatz Devau eingetroffen und um 11.30 Uhr zum Weiterflug gestartet. Die Budapester St. Emmerich=Feiern. Budapest, 18. Aug. Der Bischof von Aachen, Dr. Josef Sträter, ist in Budapest eingetroffen und hat die St. Emmerich=Reliquien mitgebracht, die König Ludwig der Große von Ungarn im 14. Jahrhundert der ungarischen Kapelle der Aachener Kathedrale geschenkt hatte und die aus Anlaß der 900=Jahrfeier St. Emmerichs nunmehr zurückgeschenkt wurden. Die Reliquien werden mehrere Tage zur Schau gestellt. Aufstand in Schiras? Paris, 19. Aug. Wie der„Matin“ berichtet, ist nach Nachrichten aus Teheran ein Aufruhr in Schiras(Persien) ausgebrochen. Mehrere Offiziere und 120 Mann Regierungstruppen sollen getötet woiden sein. Preissenkung auf der ganzen Linie! Kolonialwaren Tellerlinsen..... Pfd. 19 Pfg. Graupen.„ 28 Riesen-Erbsen.„ 30 Haferflocken„ 27 Rosinen„ 54 Diamant-Mehl....... 5-Pfd.-Beutel„ 145 Diamanf-Mehl........ 2-Pfd.-Beutel„ 62 Eier 10 Stück 88 Täglich Zufuhren von Frischtleisch, wie: Koteleits, Rippen, Eisheine und Kleinfleisch. Auf alle Marken-Artikel, die mir nicht zur freien Kalkulation überlassen sind, gewähre ich an der Kasse Buffer und Käse Wellenbutter, stets frisch.. Süßrahmbutter Süßrahmbutter auch in Paketen Margarine, meine Spezial-Wannenware... Pfd.-.54 . 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September stattfindende Wahl zum Reichstag liegen vom 24. August bis einschließlich 31. August 1930 im Amtshause, Zimmer Nr. 9, zur Einsichtnahme offen und zwar an den Wochentagen während der Dienststunden und an Sonntagen von 10—12 Uhr. Wer die Stimmliste für unrichtig oder unvollständig hält, kann dies bis zum Ablauf der Auslegungsfrist schriftlich anzeigen oder zur Niederschrift auf dem Amtsbüro, Zimmer9, geben. Soweit die Richtigkeit seiner Behauptungen nicht offenkundig ist, sind die Beweismittel beizubringen. Herbede, den 19. August 1930. Der Bürgermeister. I. V. Der Beigeordnete: Borkenstein Der Gemeindevorsteher: Horst. Gartenrest.„Waldesruh“ Heinrich Borgböhmer, Bochum-Weitmar. Telephon: Amt Hattingen 2386. Jeden Sonntag: KONZERT. Spezialität: Kaffee mit Bauernstuten. Gesellschaftsräume. Halte mich den Vereinen best. empfohlen. Echte Ystfriesen. Ein großer Transport hochtragender u. frischmelker Küheu. Rinder heute wieder eingetroffen. Nehme Schlachtkühe. Pferde u. 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Weilstr. 27. Reichstagswahl. Die Frist für die Auslegung der Stimmlisten für die Reichstagswahl am 14. September 1930 ist auf die Zeit von Sonntag, den 24. August, bis einschl. Sonntag, den 31. August 1930, estgesetzt worden. Die Stimmkartei für die Stadt HattingenRuhr liegt in dieser Zeit im Rathaus, Zimmer 21, während der gewöhnlichen Diensttunden zu jedermanns Einsicht aus. An den beiden Sonntagen ist das Wahlbüro zur Einsichtnahme der Stimmkartei vormittags von 10 bis 12½ Uhr geöffnet. Jeder Wahlberechtigte, der die Stimmkartei für unrichtig oder unvollständig hält, kann dieses bis zum Ablauf der Auslegunasrist bei dem unterzeichneten Magistrat schriftlich anzeigen, oder zur Niederschrift geben. Soweit die Richtigkeit seiner Behauptungen nicht offenkundig ist, hat er für sie Beweismittel beizubringen. Hattingen=Ruhr, den 19. August 1930. Der Magistrat: Keller. Amtliche Bekanntmachung. Die Stimmlisten für die am 14. September 1930 stattfindende Reichstagswahl werden in der Stadt Essen von Sonntag, den 24. August, bis Sonntag. den 31. August einschl. zu jedermanns Einsicht ausgelegt. Die Offenlage erfolgt für E.=Steele(Bez. 396-415) im Rathaus E.Steele, Zimmer 12, E.=Ueberruhr(Bez. 416-417) im Rathaus E.=Ueberruhr, Zimmer 3, E.=Kray(Bez. 384—395) im Rathaus E.=Kray, Zimmer 21, E.=Kupferdreh(Bez. 421-429) im Rathaus E.=Kupferdreh, Zimmer 8. Die Einsichtnahme kann an Werktagen in der Zeit von 7,30—12,30 Uhr, von 15—20 Uhr an Sonntagen von 10—13 Uhr und von 15—18 Uhr erfolgen. Die Wahlberechtigten werden durch Karten über ihre Eintragung in die Stimmlisten benachrichtigt. Wer die Stimmlisten für unrichtig und unvollständig hält, kann das innerhalb der Auslegungsfrist unter Beibringung der etwa erforderlichen Beweisnittel bei den vorgenannten Offenlegungstellen schriftlich oder mündlich vortragen. Die Entscheidung wird den Beteiligten bekannt gegeben, Essen, 19. August 1930. Der Oberbürgermeister. In unser Handelsregister B ist heute unter Nr. 71 die Firma Artmann, Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Oberhausen, mit dem Sitz in Essen=Kray, eingetragen worden. Gegenstand des Unternehmens ist der Vertrieb von Möbeln und anderer Waren aller Art. Das Stammkapital beträgt 20000 Mk. Geschäftsführer ist der Kaufmann Josef Burgmer in Essen. Der Gesellschaftsvertrag ist am 13. April 1928 errichtet und am 30. Mai 1928, 14. April 1930 und 1. Juli 1930 abgeändert. Durch Beschluß der Gesellschafterversammlung vom 1. Juli 1930, der am 9. Juli 1930 in das Handelsregister B des Amtsgerichts Oberhausen unter Nr. 293 eingetragen und veröffentlicht ist, ist der Sitz der Gesellschaft nach Essen=Kray verlegt. Essen=Steele, den 14. August 1930. Das Amtsgericht. Erhalte Donnerstag einen Transport liche Versammlungi im Lokale Brockhaus,(Friedenseiche). Am Donnerstag, dem 21. August spricht Pg. Schatz, Thüringen, über„Die anderen am Ende, Hiller am Anfang“ Freie Aussprache. Eintritt 30 Pfg. Erwerbslose 10 Pfg. Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter=Partei. TEEEAZn: K. Margarine=Vertretung h Führendes Werk der Margarinebranche sucht zum Besuch der Kolonialwarengeschäfte und Bäckereien einen gut eingeführten, tüchtigen für Hattingen, Linden=Dahlhausen(Ruhr) und Umgegend. Bewerber, die mit dem Verkauf des Artikels Margarine bereits vertraut sind, werden bevorzugt. Angebote mit Angabe von Neferenzen an die Geschäftsst d. Ztg. in Hattingen, Kleine Weilstr. 27 unter K. b. U. 4428 erbeten. Dieselben stehen in den Stallungen des Herrn Max Levringhaus in Sprockhövel, Ecke Mühlenstraße und Hauptstraße, zum Verkauf. Nehme auch Schlachtkühe sowie manse Kühe in Tausch. Meinhold Grünebaum, Viehhandlung, Sprockhövel und Herbede. Telefon 3325 Hattingen und 3871 Witten. Zwangs=Versteigerung. Am Donnerstag, d. 21. ds. 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Hattingen, 20.8. 1930. Schnettler, Ob.=Gerichtsvollzieher Bekanntmachung. Am Freitag, dem 22. Aug. 1930, werden folgende gepfändete Gegenstände öffentlich versteigert werden: 1. nachmittags 3 Uhr in Sprockhövel in der Wirtschaft Bosselmann 1 Kamin, 2. nachmittags 3 Uhr in Welper in der Wirtschaft Diergardt 1 Klavier, 1 Nähmaschine. Hattingen, 20.8. 1930. Die Vollstreckungsstelle des Finanzamts. Damenschirm verloren gegangen. Der ehrliche Finder wird gebeten, denseiben gegen Belohnung in Welper, Schulstraße 30, abzugeben. Reiterverein Hattingen und Umgegend. Zu der am Sonnabend, dem 23. August, abends 8 Uhr im Lokale H. Küper, Hattingen, Heggerstraße, stattfindenden laden wir hiermit unsere Mitglieder höfl. ein. Da vor der Fuchsjagd eine Versammlung nicht mehr stattfindet, ist unbedingtes Erscheinen erforderlich. Der Vorstand. Rosenbaum Die Kunden, die Rosenbaum besuchen, erhalten grafis Raffee u. Ruchen. Berliner Str. 39/41 Steele Berliner Str. 39/41 Verein für Turnu. Rasensport e. V. 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