Hattinger Zeitong Bezugspreis: Frei Haus halbmonatl. 1.20 Mk. Erscheint täglich, außer Sonn= u. Feiertags mit stunden",„Das bunte Leben",„Sport-Rundschau der Frau",„Technik der Zeit",„Heitere Welt" und„Westdeutscher Rundfunk“. eigenpreis: Für 1 mm Höhe und 33 mm Breite 10 Pfg. Für Anzeigen im eil 1 mm Höhe, 75 mm Breite 35 Pfg.- Bei Wiederholung Rabatt, der jebei gerichtlicher Beitreibung und im Konkursfalle fortfällt. Annahmeschluß Inseraten ist abends 7 Uhr für die am nächsten Tage erscheinende Ausgabe. „Leben i. Bild",„Aus dem Reich von Obermartt/ Ml. Nr. 2941, 2942, 2943 Beoereiger Dunot. weranwortl. lokalen Teil: Walther=Wilhelm Dittm Werner Broschwitz./ Eigene Berkiner C. Hundt sel. Wwe./ Sprechstunden der Nedaktion 4—6 Uhr Für Aufbewahrung aller der Redaktion unverlangt eingesandten Manuskripte wird keine Gewähr übernommen. Zurücksendung erfolgt nur, wenn Rückporto beiliegt. Alle redaktionellen Einsendungen sind nur an den Verlag zu richten für den Enneve=Ruhrkreis Kreisblatt für den Ennepe=Ruhrkreis Größte u. meistgelesene Zeitung in Stadt und Kreis Dienstag, den 27. Mai Jeder Bezieher erhält laut unseren Bedin bei tödlichem Unfall. ugen 250 Mark Unterstützung 1930/ Nr. 123 Volnösche Schübfe auf deutschemn Boden. Das Neueste vom Tage. Der Reichspräsident empfing gestern den neuen rumänischen Gesandten zur Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens. * Der Reichsinnenminister Wirth hat die Entscheidung des Staatsgerichtshofes in de der Verfassungsmäßigkeit der Schulgebete angerufen. der Frage Thüringer Dem Reichsaußenminister Dr. Curtius wurde im Haushaltungsausschuß von verschiedenen Seiten vorgeworfen, daß sein Personaletat zu groß sei. Linksstehende Kreise ließen auch Besorgnisse über Bevorzugung des Adels in Gesandten= und Botschafterstellen durchblicken. * Die neue Deckungsvorlage der Reichsregierung sieht neben einer Erhöhung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung eine Erhöhung der Umsatzstener und ein Notopfer der Festbesoldeten vor. * Der Reichstag nahm das Ermächtigungsgesetz zur Durchführung steuerlicher Erleichterungen an und überwies die Anträge zur Aufhebung der erhöhten Umsatzstener dem Steuerausschuß. 4 Zu dem Zwischenfall an der deutsch-polnischen Grenze wird weiter gemeldet, daß auf deutschem Boden polnische Patronenhülsen gefun den worden sind. Der Düsseldorfer Mörder ist überführt. * Nach den gestrigen Düsseldorfer Verhandlungen ist in dem Schiedsspruch im Preisund Lohnabban die Severingklausel aufgehoben, nach welcher die Arbeitgeber die Akkorde, wie sie im Augenblick der Entscheidung durch Severing bestanden, nicht abbauen dürfen. tr Mussolini ist wieder in Rom eingetroffen. * Die sozialistischen Metallarbeiter in Gent in Belgien haben mit 802 gegen 243 Stimmen ihrer Obmänner beschlossen am 2. Juni in den Streit zu treten, falls die Arbeitgeber die Löhne von diesem Tage ab herabsetzen. * Nach den letzten Schätzungen wurden bei den gestrigen Zusammenstößen in Rangoon in Indien 26 Personen getötet und 276 so schwer verletzt, daß sie im Krankenhaus Aufnahme finden mußten. 400 Personen wurden weniger schwer verletzt. 2 „Graf Zeppelin“ wird heute nach Havanna weiterfahren. Allerlei aus dem Reiche. Zurückgenommener Strafantrag des Reichswehrministeriums gegen die Rote Fahne. Im letzten Jahr wurde die Reichswehr von einigen Zeitungen, hauptsächlich von der Roten Fahne, mit den Bombenattentaten in Norddeutschland in Verbindung gebracht. Das Reichswehrministerium hat darauf Strafantrag gegen die Rote Fahne wegen Beleidigung gestellt. Es kam auch zu einer Verhandlung, die aber nicht zu Ende geführt wurde. Die Rote Fahne hat nun dieser Tage eine Erklärung veröffentlicht, in der sie auf ihre Ausführungen von damals verweist und sagt, daß sie die Mitteilungen nicht aufrechterhalte und sie zurücknehme. Daraufhin hat, wie wir von unterrichteter Seite erfahren, der Reichswehrminister den Strafantrag gegen die Rote Fahne zurückgezogen. Disziplinarverfahren gegen Stadtschulrat Nydahl. Der Berliner Bürgermeister Scholz hat nach Uebernahme der Geschäfte mit seinem Stellvertreter, Herrn Stadtrat Wutzky, die Beschuldigungen gegen den Stadtschulrat Nydahl besprochen und dahin entschieden, daß sofort ein Anfrag auf Einleitung des förmlichen Disziplinarverfahrens gegen den Stadtschulrat Nydahl zur Klärung der gesamten Angelegenheit beim Oberpräsidenten eingereicht werden soll. Mit den Gefangenen durchs Fenster. Ueber den Grenzzwischenfall bei Neuhöfen im Kreise Marienwerder teilt eine unterrichtete Seite folgendes mit: Am 24. Mai abends 9 Uhr sind zwei polnische Grenzbeamte, ein Öffizier und ein Unteroffizier, die unbefugt die deutsch-polnische Grenze überschritten hatten, in das etwa 25 Meter von der Grenze entfernt stehende, um diese Zeit unbesetzte deutsches Paßhäuschen bei Neuhöfen im Kreise Marienwerder eingedrungen. Als ein deutscher Beamter in das deutsche Paßhäuschen hinein wollte, und die Tür öffnete, erhielt er sofort einen Revolverschuß, der ihn an der linken Hand leicht verletzte. Der deutsche Beamte machte jetzt auch von seiner Schußwaffe Gebrauch und brachte dem polnischen Unteroffizier einen Bauchschuß bei. Der angeschossene deutsche Beamte erhielt darauf noch drei weitere Revolverschüsse, die ihn aber nur leicht verletzten. Inzwischen drangen weitere deutsche Beamte in das Paßhäuschen ein und entwaffneten die beiden Polen. Die Tür des Paßhäuschen wurde von der Seite her durch weitere polnische Beamte, die ebenfalls die Grenze unbefugt überschritten hatten, unter Feuer gehalten, so daß die deutschen Beamten gezwungen waren, mit den beiden Festgenommenen den Rückzug zum Polizeigebäude in Neuhöfen durch ein Fenster anzutreten, das der polnischen Grenze und damit der Schußrichtung abgewandt war. Auf dem Rückzugsweg sind die deutschen Beamten weiterhin von den polnischen Beamten beschossen worden. Der verletzte polnische Unteroffizier ist inzwischen gestorben. Es ist ausdrücklich festzustellen, daß keiner der deutschen Beamten die deutsch=polnische Grenze überschritten hat; im Gegenteil ist keiner von ihnen näher als 25 Meter an die Grenze herangekommen. Polnische Patronenhülsen wurden auf deutschem Boden gefunden. (Näheres Umseite.) Gerüchte über die Beteiligung weiterer Stadtverordnetenkreise. Der Untersuchungsausschu ß des Preußischen Landtags zur Prüfung der Mißwirtschaft in der Berliner Stadtverwaltung setzte am Montag seine Beratungen fort. In einem Schreiben an den Ausschuß erklärte die TreuhandA.=G., daß die Behauptung, ihre Beamten hätten sich bei der Aufstellung des Treuhandberichtes bestechen lassen, völlig aus der Luft gegriffen seien. Der Inhaber eines Korrespondenzbüros, Redakteur Wolter, sagte aus, er habe wegen des Grundstücks Bellevuestraße aus beruflichem Interesse Besprechungen mit Vertretern aller Parteien gehabt. Die Kommunisten hatten erklärt, sie seien gegen den Ankauf des Grundstücks, während Stadtrat Busch sagte, die Sache gehe glatt. Auf die Frage des Zeugen, wie er das denn machen wolle, habe Busch erwidert: „Die Kommunisten habe ich in der Tasche“. Der Zeuge hat von diesen Besprechungen auch dem Oberbürgermeister Boeß Mitteilung gemacht. Eines Tages sei zu ihm ein Kollege Karus, dessen wahrer Name sich später als Günther herausstellte, gekommen und ihm eine 300 Seiten lange Denkschrift angeboten, durch die der Magistrat über fünf Millionen Mark hereinholen könnte, wofür er aber 500 000 Mark Provision verlangte. Da er dem Zeugen erklärte, auch er, der Zeuge, könne dabei etwas erübrigen, wies ihn der Zeuge mit dem Hinweis darauf ab, daß er solche Geschäfte nicht mache. Günther hat dann weiter noch Stadtverordnete und Magistratsmitglieder bezichtigt, über die er, der Zeuge, in öffentlicher Sitzung jedoch nichts aussagen werde. Auch ein Bankbeamter Linde habe ihm Material gegen Busch und Katz gegen Entgelt angeboten. Ein Gutsdirektor aus Potsdam behauptete ebenfalls, wertvolles Material gegen Busch zu haben. Dem Magistrat sollte ein Gut für drei Millionen Mark angeboten werden, wovon Hiller eine Million Mark Provision erhalten sollte. Der Zeuge habe diese Angaben sofort dem Magistrat zu Protokoll gegeben. Der Vorsitzende Schwenk(Komm.) verlangte hierauf unter Hinweis auf seinen Eid, die Namen der Stadtverordneten zu nennen. Nach einigem Zögern erklärte der Zeuge, daß der Name des Stadtbaurats Hahn und des Stadtrats Panschow genannt worden seien, die beide Provisionsscheine in der Tasche haben sollten. Gegen diese Art der Vernehmung protestierte erregt Dr. Deerburg(Dnatl.). In nicht öffentlicher Sitzung wurde hierauf festgestellt, daß die Gerüchte über die Beteiligung weiterer Stadtverordnetenkreise als unbewiesen gelten. Der nächste Zeuge, Redakteur Kurt Sochaczewski, der von den Herren Falz und Degener von der Schweigepflicht entbunden wurde, erklärte, die erste Mitteilung, daß Kommunisten Geld erhalten haben sollen, habe er von Dr. Falz erhalten. Schlesinger habe ihm erklärt, nicht er, sondern Mens habe das Geld bekommen.— Der Sozius von Sochaczewski, Levy genannt Lenhardt, erklärte, die Nachricht, daß gegen Katz Beschuldigungen erhoben seien, habe er von Dr. Falz und nicht von den Kommunisten erhalten. Herr Degener habe ihn im Büro angerufen und mitgeteilt, daß nicht er, sondern Mens Geld bekommen habe. Nach einer Stunde rief auch Gäbel an und erklärte, er komm nicht in Betracht, es solle sich um Geld handeln aber er glaube persönlich nicht, daß Mens Geld erhalten habe. Zeuge Dr. Falz sagte aus, Herr Levy habe ihm mitgeteilt, daß die Beschuldigungen sich bestätigten. Er, der Zeuge, habe aber niemals behauptet, daß das Geld in Gegenwart von Frau Mens gezahlt worden sei. In der weiteren Vernehmung beziehen sich die Zeugen auf das Redaktionsgeheimnis, und es wird beschlossen, darüber weiter in nichtöffentlicher Sitzung zu beraten. Der nächste Jeuge, Stadtrat Degener, erklärt zu der Frage, daß er 40000 Mk. für die Kommunistische Partei erhalten habe. Er habe sofort nach dieser Meldung beim Büro Sochaczewski angerufen und zum Ausdruck gebracht, daß er keine Lust habe, sich unberechtigterweise durch die Presse schleifen zu lassen. Auf den Vorhalt, er habe zum Zeugen Sochaczewski gesagt: Nicht ich habe das Geld erhalten, sondern Herr Mens, erklärt der Zeuge, wenn Sochaczewski das ausgesagt habe, dann habe er einen Meineid geleistet. Der Zeuge Sochaczewski bittet erregt den Ausschuß, ihn gegen derartige Anpöbelungen in Schutz zu nehmen; im übrigen halte er seine Aussage aufrecht. Der frühere kommunistische Stadtrat Mens sagt aus, es sei ihm niemals von irgend einer Seite ein Betrag angeboten worden, auch hätte er niemals Geld erhalten um seine Fraktion zu beeinflussen. Auch der Stadtverordnete Roth(Komm.) bestreitet energisch, daß ihm irgendwelche Mittel zur Verfügung gestellt worden seien.— Zu dem Schreiben der Treuhand=A.=G. erklärt Bankier Rosenheim: Die Gesellschaft selbst sei als solche nicht verantwortlich. Die Beamten seien aber sehr wohl schuldig. Zeuge Oberbürgermeister Boeß erklärte noch, daß er bei dem Grundstücksgeschäft den Standpunkt vertreten habe, daß es auch im Interesse der Verkehrsverhältnisse am Potsdamer Platz besser wäre, wenn Wertheim berücksichtigt würde und nicht die Firma Lafayette. Der Zeuge bestätigt im übrigen, daß er nach Abschluß des Geschäftes für seinen Fonds 20000 Mk. von dem Makler Sachs im Auftrage der Kanada=Land=A.=G. erhalten habe. Hierauf vertagte der Ausschuß die Weiterberatung auf Dienstag. 50 Jahre V. D. A. Der Verein für das Deutschtum im Ausland, die Organisation, die sich um die Förderung des deutschen Volkstums jenseits der Grenzen außerordentliche Verdienste erworben hat, blickt in diesen Tagen auf ein 50jähriges Bestehen zurück. Aus diesem Anlaß versammelten sich in Potsdam zahlreiche Abordnungen der Vereinsortsgruppen und der Deutschen im Ausland, letztere in ihren malerischen Trachten, zu einer großen Festkundgebung, auf die unser Bild einen Blick Steuerliche Maßnahmen zur Kreditversorgung der deutschen Wirtschaft. Scharfe Rügen gegen Moldenhauer. Der Reichstag beschäftigte sich am Montag mit dem Ermächtigungsgesetz zur Krediterleichterung, mit der Vorlage zur Liquidation der Bank für Industrieovligationen und mit den Anträgen zur Aufhebung der Sonderumsatzsteuer. Er beschäftigte sich außerdem mit der zwar nicht auf der Tagesordnung stehenden, aber in der„Kölnischen Zeitung“ wiedergegebenen Rede des Reichsfinanzministers vor der Kölner Ortsgruppe der Deutschen Volkspartei. (Vergl. unsere Montagsausgabe). An dieser Rede nahm nicht nur der sozialdemokratische Oppositionsredner Abg. Dr. Hilferding Anstoß, sondern auch der bayerische Volksparteiler Dr. Pfleger und der Demokrat Dr. Reinhold erklärten, sie würden es sehr bedauern, wenn die Darstellung der Presse von dieser Rede zutreffend wäre. Dr. Reinhold fügte hinzu, es sei überhaupt nicht erfreulich, wenn der Reichsfinanzminister im Lande herumreise und eine starke Regierung fordere, während der Reichstag gern der Regierung folgen würde, wenn sie nur mit Taten die Führung bei der Stabilisierung unserer Finanzen übernehmen würde. Daran fehle es aber, wie die unwidersprochen durch die Presse gegangenen und nach Dr. Reinholds Meinung unzutreffenden Gerüchte über ein Riesendefizit bewiesen hätten. Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer entzog den Angriffen gegen seine Rede dadurch den Boden, daß er erklärte, seine Rede sei in der „Kölnischen Zeitung“ nicht richtig wiedergegeben worden. Er habe sich für die parlamentarische Erledigung des Regierungsprogramms ausgesprochen und nur erklärt, daß die Regierung durch Neuwahlen an das Volk appellieren wolle, wenn ihr der Reichstag die Gefolgschaft versage. Der Minister widersprach im übrigen den verfassungsrechtlichen Ausführungen des Abg. Dr. Hilferding, der den Standpunkt vertreten hatte, das Ermächtigungsgesetz zur Krediterleichterung bedürfe einer verfassungsändernden Mehrheit. Die von den Demokraten und der Bayerischen Volkspartei gewünschte Aufhebung der Kapitalertragssteuer für festverzinsliche Wertpapiere schon am 1. Oktober sei mit Rücksicht auf die Finanzlage unmöglich, die Aufhebung könne erst am 1. Januar 1931 erfolgen. Die finanzielle Lage verbiete auch die Aufhebung irgendeiner im Deckungsprogramm enthaltenen Steuer. Diese Bemerkung des Ministers richtete sich gegen die Antrage des Zentrums und der Sozialdemokraten um Aufhebung der Sonderumsatzstener(Warenhausstener), gegen den demokratischen Antrag auf Aussetzung der Erhebung dieser Steuer und gegen einen neu hinzugekommenen Antrag der Wirtschaftspartei, der ganz allgemein in der Deckungsvorlage enthaltene Erhöhung der Umsatzsteuer rückgängig machen und außerdem die Mineralwassersteuer aufheben will. Alle diese Anträge wurden dem Steuerausschuß überwiesen. Das Ermächtigungsgesetz zur Krediterkeichteruns wurde in zweiter und dritter Beratung mit der von den Demokraten beantragten Ergänzung angenommen, daß die Aufhebung der Kapitalertragssteuer sich auch auf die Reichsbahnobligatiönen erstrecken soll. Präsident Loebe stellte ausdrücklich fest, daß die Abstimmung mit einfacher Mehrheit erfolgt sei. Diese Feststellung könnte von Bedeutung sein, wenn die Sozialdemokraten ihre Ankündigung wahr machen und beim Staatsgerichtshof die Rechtsgültigkeit des Beschlusses mit der Begründung anfechten, daß dafür die verfassungsändernde Zweidrittelmehrheit erforderlich gewesen wäre. Angenommen wurde auch in zweiter und dritter Beratung die Vorlage über die Liquidation der Bank für Industrieobligationen. Der Zwischenfall an der preußischpolnischen Grenze. Reichsaußenminister Curtius ließ sich gestern über den deutsch=polnischen Grenzzwischenfall Bericht erstatten. Das Auswärtige Amt, das in dauernder Verbindung mit der preußischen Regierung steht, wird zusammen mit ihr alles veranlassen, um den Fall nach seiner tatsächlichen und völkerrechtlichen Bedeutung klarzustellen und weiter zu behandeln. Auf deutscher Seite handelt es sich um preußische Grenzpolizeibeamte. Die Verletzungen des deutschen Beamten, der viermal getroffen wurde, sind ungefährlich. Der eine festgenommene polnische Beamte hat einen Bauchschuß erhalten. Dieser schweren Verletzung ist er in Marienwerder, wohin man ihn gebracht hatte, erlegen. Die Sache wird im einzelnen noch von Reichswegen geprüft. Die tatsächlichen Feststellungen müssen aber von Preußen durchgeführt werden, da das Reich keine Amtsstelle am Ort des Zwischenfalls hat. Wie wir weiter hören, handelt es sich nicht, wie in der polnischen Presse behauptet wird, um polnische Offiziere, sondern um einfache Grenzsoldaten, die dem Grenzkorps angehören. Sie sind militärisch organisiert und tragen militärische Waffen. Im Gegensatz hierzu sind die deutschen Grenzbeamten Kriminalpolizei und daher weder uniformiert, noch bewaffnet. Sie tragen lediglich zu ihrer Selbstverteidigung einen Dienstrevolver. Ueber den Grund der Grenzverletzung ist noch nichts in Erfahrung gebracht worden. Ersteechte Gesamtwirtschaftskrise seit 1912 Sie ist ernst und ihre Lösung schwer. Einverstanden! 80 000 Stimmen für einen Reichstagsabgeordneten? Im Reichsfinanzministerium ein vorläufiger Referentenentwurf für das Ausgabensenkungsgesetz fertiggestellt. Der Entwurf wird in der nächsten Zeit vom Kabinett beraten werden. Er sieht sehr einschneidende Maßnahmen im Hinblick auf den Behördenabbau und auf beamtenrechtlichen Gebiet vor. Weiter wird in dem Gesetz auch der Vorschlag gemacht, die Zahl der Reichstagsabgeordneten zu vermindern, und zwar soll das geschehen durch eine Aenderung des Wahlgesetzes. Das bisherige Wahlgesetz bestimmt, daß auf rund 60 000 Stimmen ein Abgeordneter entfällt. Nach dem Vorschlage des Reichsfinanzministeriums soll erst auf 80 000 Stimmen ein Abgeordneter entfallen. Das würde bedeuten, das nach den Ziffern der Reichstagswahl vom 20. Mai 1928 der Reichstag nicht 490, sondern wenn die zersplitterten Parteien mitgerechnet werden, nur 348 Abgeordnete zählen würde. Es würde also eine Ersparnis von mehr als 100 Abgeordneten bringen. (Einverstanden!) Urteil gegen die Gebrüder Saß. Das Schöffengericht Berlin Mitte verurteilte die beiden Angeklagten Gebrüder Franz und Erich Saß wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruches und gemeinschaftlicher Sachbeschädigung zu je einem Monat Gefängnis. Die Untersuchungshaft wurde ihnen angerechnet und der Haftbefehl aufgehoben.— Der Staatsanwalt hatte je sechs Monate Gefängnis beantragt. Im Verlauf der Verhandlung fand am Montag ein Lokaltermin im Hause Flemmingstr. 1 statt, in dem die Angeklagten nach dem Eröffnungsbeschluß am 29. April einen Einbruch versucht haben sollen. Kurz vor 1 Uhr erschien das Polizeiauto mit den Angeklagten vor dem Hause, vor dem sich eine ungeheuere Menschenmenge angesammelt hatte. Sie wurden in den Keller geführt, der durch eine Küchenlampe erhellt war. Die Einbruchsstelle in der Mauer befindet sich über der Luftklappe. Franz Saß erklärte, daß sie die Absicht hatten, einen Stein aus der hinteren Wand des Luftschachtes herauszunehmen, wodurch das Loch entstehen sollte. Auf die Frage ihres Verteidigers, wie sie es gemacht hätten, wenn sie hätten in den Keller gelangen wollen, erwiderte Franz Saß, daß sie dann in erster Linie die Kellertür mit dem Stemmeisen hochgehoben und ausgehoben hätten. Auf Anord nung des Vorsitzenden sollte Franz Saß nun das Experiment mit dem Stemmeisen machen. Er hob aber die Tür gleich mit der Hand an und riß sie auf, obwohl sie zweimal verschlossen war. Höhnisch sagte er zu den Kriminalbeamten:„Da seid ihr Herren Sachverständigen wieder einmal gründlich reingefallen.“ Es wurde dann noch der Keller besichtigt, in dem sich Geräte einer Radioanlage befinden, die die Angeklagten nach Ansicht der Kriminalpolizei möglicherweise für Alarmvorrichtungen gehalten haben. Reichskanzler Dr. Brüning behandelte gestern in einer Sitzung der Zentrumsfraktion des Reichstages die brennenden Finanz= und Wirtschaftsfragen der Gegenwart. Wenn wir den gegenwärtigen Notstand in Deutschland richtig verstehen wollen, dann müssen wir uns klar darüber sein, daß wir die deutsche Wirtschaftskrise nicht isoliert betrachten dürfen. Wir stehen vielmehr in der ersten echten Gesamtwirtschaftskrise, die seit 1912 bestanden hat. Daß diese Kreise mit den schwierigsten wirtschaftlichen und sozialen Problemen zusammenfällt, macht sie für uns so ernst, macht aber auch die Lösung so schwer. Die finanzielle Lage wurde eingehend erörtert, wobei der Reichskanzler die Auffassung vertrat, daß die große Reform, die im Herbst parlamentarisch erledigt werden muß, nach einem großzügigen und einheitlichen Plan durchgeführt werden muß. Man wird wohl nicht fehlgehen in der Annahme, wenn man mit einem Fünf=JahreProgramm zur Beordnung dieser Dinge rechnet. Englands Kirchenfürst gestorben. Vollmachten, die verlangt werden, müssen sich auf eine unerbittliche Senkung aller Ausgaben erstrecken, um eine absolute Stabilisierung der Finanzen nicht nur im Reich, sondern auch in den Ländern und in den Gemeinden herbeizuführen. Ein besonders wichtiges Problem stellt der Baumarkt dar, bei dem eine Preissenkung um so vordringlicher wird, als sonst Gefahr besteht, daß zahlreiche neuerstellte Wohnungen überhaupt nicht ihrem Zweck zugeführt werden können, weil ganz einfach die Preise dafür nicht mehr aufzubringen sind. Das Ziel dieser Reform, über die wie gesagt, im Augenblick Einzelheiten gar nicht zur Debatte gestellt werden können, muß sein: alle Ausgaben der öffentlichen Verwaltungen auf die Basis der wirklichen Leistungsfähigkeit zu stellen und sie in einer auf einen längeren Zeitraum berechneten Spanne mit nie nachlassen der Entschiedenheit zur Verwirklichung zu bringen. Neäeste Nachrichten. Finanzminister Baum über weitere Sparmaßnahmen. Kommt die Auflösung des thüringischen Wirtschaftsministeriums? Weimar, 27. Mai.(Eigener Funkdienst.) In seiner Rede anläßlich des Greizer Bauerntages machte Finanzminister Baum Ausführungen über die Zusammenlegung der einzelnen Zweige der thüringischen Verwaltung. Er erklärte, daß die Beamtenbesetzung in den einzelnen Ministerien noch nicht zum Abschluß gekommen sei, und daß an manchen Stellen noch gespart werden könne, während an anderen wieder fehlende Beamtenstellen ergänzt werden müßten. Das Wirtschaftsministerium, bessen Aufgabenkreis verhältnismäßig gering sei, könne unter Umständen auf das Innen= und das Finanzministerium aufgeteilt werden. Eine Spionage-Affäre in Kischneff. Paris, 27. Mai.(Eigener Funkdienst.)„Information“ meldet aus Bukarest, der Leiter der rumänischen Sicherheitspolizei, Clarasu, habe auf Grund der von dem ehemaligen Sowjetgeschäftsträger in Paris, Bessedowski, veröffentlichten Enthüllungen, in denen auch von der Entwendung des rumänischen Geheimschlüssels für Chiffriertelegramme die Rede war, in Kischneff eine Spionage=Affäre aufgedeckt, in die eine Anzahl Polizeibeamte verwickelt sein soll. Es soll eine Verhaftung bereits erfolgt sein. Weitere Verhaftungen sollen bevorstehen. „Journal" zu den Verhandlungen über die Vounganleihe. Paris, 27. Mai.(Eigener Funkdienst.) „Journal“ glaubt zu den Versandlungen über die Bedingungen der Emission der Young=Anleihe u. a. berichten zu können, man habe in Aussicht genommen, daß die Tilgung der Anleihe sowohl durch Auslosung der rückzahlbaren Stücke, als auch durch Rückkauf an der Börse, wenn der Kurs der Papiere unter Pari liege, erfolgen könne. Eine vorzeitige Rückzahlungsmöglichkeit zu Pari sei nach Ablauf von 5 Jahren vorgesehen. Die Banken, die die Zeichnung in den einzelnen Ländern vermitteln, sollen dem Blatt zufolge je nach Lage der betreffenden Börsenplätze eine Kommission von 2 bis 3 Proz. erhalten. Der Ausgabekurs, der erst im letzten Augenblick festgesetzt werde, dürfe für den dentschen Markt 92 bis 93 Proz. und für den französischen Markt 98 Proz. betragen. Die Zusammenstöße in Rangoon. Rangoon, 27. Mai.(Eigener Funkdienst.) Die Lage ist hier noch immer höchst unruhig. Nachdem es gestern, wie bereits gemeldet, zu Kämpfen zwischen Birmanen und Andhras gekommen war, die nicht weniger als 26 Tote und rund 700 Verwundete ergaben, ereigneten sich hente früh neuerliche ernste Zusammenstöße, diesmal zwischen Birmanen und Indern. Die Militärpolizei sah sich zum Eingreifen genötigt und mußte von der Schußwaffe Gebrauch machen. Mehrere Inder wurden dabei verletzt, so daß sie in die Krankenhäuser gebracht werden mußten. Das vorläufige Gesundheitsprogramm eine neue schwere Belastung der Wirtschaft, Arbeiter und Angestellten,— die der Erwerbslosen=Versicherung unterstehen. Der ehemalige Erzbischof von Canterbury, Lord Davidson(unser Bild) ist nach längerer Krankheit an Herz= und Altersschwäche im 83. Lebensjahre gestorben. Davidson war einer der größten Kirchendiplomaten, die außerhalb der römisch=katholischen Kirche zu internationaler Geltung gelangt sind. Zugleich war er ein begeisterter englischer Imperialist. Zusammen mit dem Schweden Söderblöm und einigen deutschen Hochschullehrern gehörte er zu den eifrigsten Verfechtern der Idee einer Kirchen=Union. Rundschan im Ausland. Bei den polnischen Senatsnachwahlen in Wolhynien fielen sämtliche sechs Mandate an die Ukrainer. Bei den Nachwahlen zum Sejm in dem nordostpolnischen Kreis Lida fielen vier Mandate der Bauernpartei Domski zu, zwei den weißrussischen Kommunisten, ein Mandat den christlichen Demokraten. Der Regierungsblock hatte es vorgezogen, in beiden Wahlkreisen keine Kandidatenliste aufzustellen. Er verlor hierdurch vier Sitze im Seim und vier im SSenat. Die Wahlbeteiligung sowohl in Wolhynien als auch im Kreise Lida war gering. Italiens begehrliche Blicke... Der Unterrichtsminister von Malta, Bartolo, der zurzeit in London weilt, hat den Vertreter des Reuterbüros zu einer Unterredung empfangen, in der er u. a. erklärt: Es steht außer Zweifel, daß Italien begehrliche Blicke auf Malta richtet. In ganz Italien herrscht die Ansicht, daß Malta zur italienischen Irredenta gehört. Die friedliche Durchdringung von Triest durch Italien sollte denen die Augen öffnen, deren Pflicht es ist, die große Festung des britischen Reiches im Herzen des britischen Hervtverkehrswegs zu schützen. Das Reichskabinett wird heute über die Deckung des neuentstandenen Fehlbetrages im Haushaltsplan beraten. Zu decken ist, wie gemeldet, nach den Berechnungen des Finanzministeriums insgesamt ein Betrag von 737 Millionen. Im Vordergrund stehen folgende Deckungsvorschläge: 210 Millionen als Dreivierteljahresertrag aus einer einprozentigen Beitragserhöhung in der Arbeitslosenversicherung, 90 Millionen aus den in der Arbeitslosenversicherung geplanten Ersparnissen im Laufe von drei Vierteljahren, 90 Millionen durch die Verlängerung des Kontingents bei der Zigarettenstener auf fünf Jahre, etwa 100 Millionen durch die Erhöhung der Umsatzsteuer um ein Viertel v. H., etwa 100 Millionen durch ein Notopfer der Festbesoldeten. Durch diese Vorschläge würde ein Betrag von etwa 590 Millionen aufgebracht werden können. Da man die Aufbringung des Restbetrages kaum durch eine weitere Belastung der Wirtschaft versuchen kann, soll eventuell ein Verkauf von Vorzugsaktien der Reichsbahngesellschaft im Betrage von etwa 150 Millionen stattfinden.— Das Notopfer der Festbesoldeten ist geplant in Form eines 10prozentigen Zuschlags zur Lohnsteuer unter Freilassung aller Lohnsteuerpflichtigen die der Arbeitslosenversicherung unterliegen, Erwogen wird eine weitere Beschränkung insofern, als Familien mit Kindern der Steuer ebenfalls nicht unterworfen werden, so daß es sich also damit um eine Art„Ledigenstener“ handeln würde. Ueber diese letztere Beschränkung besteht aber noch keine Einigkeit. Um die manchmal recht merkwürdigen Pläne zu kennzeichnen, die in diesem Zusammenhange aufgetaucht sind, sei nur erwähnt, daß man sogar mit dem Gedanken umgegangen ist, eine Mieterhöhung von 4 Prozent einzuführen und sie dem Reich nutzbar zu machen. Das ist also das vorläufige„Gesundungsprogramm“, gegen das sehr viel eingewendet werden kann und eingewendet werden wird, da es praktisch auf nichts anderes hinausläuft, als auf eine neue schwere Belastung nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Arbeiter und Angestellten, die der Erwerbslosenversicherung unterstehen, und zudem noch der Festangestellten, die wirklich unter den heutigen Umständen schon nicht mehr viel zuzusetzen haben. Der Näumungsplan für das besetzte Gebiet. Bei dem französischen Oberkommando in Mainz liegt folgender Plan für die Räumung der besetzten Gebiete bis 30. Juni vor: In der ersten Etappe vom 20.—30. Mai findet eine Verminderung der Garnisonen Landau, Trier, Neustadt und Mainz statt. Geräumt wurden in dieser Zeit die Orte Bingen, Worms, Germersheim und Speyer. In der zweiten Etappe vom 1.—20. Juni soll das noch im besetzten Gebiet verbliebene Gros der französischen Truppen in Kehl, Landau, Mainz und Trier zurückgezogen werden. Kaiserslautern wird in dieser Zeit völlig geräumt. In der letzten Etappe vom 20.—30. Juni werden der Rest der Truppen und die Abwickelungsstellen zurückgeführt. Worms. Die letzten französischen Truppen haben Montagabend Worms verlassen. In der Stadt halten sich nur noch etwa 20—30 Mann einschließlich Gendarmerie auf, die das Abwickelungskommando bilden. Der letzte Abtransport vollzog sich ebenfalls ohne Zwischenfall. Um 10 Uhr vormittags wurde von der Straßenbrücke die Trikolore eingeholt und im Lause des Tages auch die Fahnen von den sonstigen militärisch besetzten Gebäuden. Die Kaserne und das Garnisonlazarett sind geschlossen worden. Das zurückbleibende Kommando wird am 31. Mai abrücken, so daß an diesem Tage Worms endgültig geräumt ist. Zweibrücken. In der vergangenen Nacht ist der Rest der hiesigen französischen Garnison bis auf ein Abwickelungskommando der Gendarmerie in Stärke von etwa 30 Mann abgerückt. Montagnachmittag war der Oberbefehlshaber der Rheinarmee General Guillaumat in Begleitung eines höheren französischen Offiziers aus Landau eingetroffen, um eine letzte Besichtigung vorzunehmen. 2. Blatt Nr. 123. Dienstag, 27. Mai. Zeitgemäßes für das südliche Industrierevier. Das untenstehende Gedicht ist schon einmal im Jahre 1876 erschienen. Die Verhältnisse dürften demnach ähnlich trostlos gelegen haben wie heute. (Frei nach Goethe). Kennt Ihr das Land. wo die Kartoffeln blüh'n? Im hellen Grün die Großebohnen glühn? Ein grauer Dampf vom Zechenschornstein weht, Die Aktie tief, manch' Werke stille steht. Kennt Ihr es wohl? ach ja! ach ja! Da wird man schlechte Zeiten wohl gewahr! Kennt Ihr das Haus! auf Hypotheken ruht sein Dach! Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach. Und Gläub'ger stehn davor und sehn sich fragend an, Wann geht denn endlich das Bezahlen an? Kennt ihr es wohl? von dort, von dort, Zög mancher gern mit seiner Habe fort! Kennt Ihr den Berg und seine Produktion? Der Bergmann sucht umsonst heut' besseren Lohn. Hier baut man ab, dort legt man still den Pütt; Und viele Existenzen geh'n verschütt. Wir kennen's wohl! dort kracht's in allen Enden! Wann wird sich endlich dieses Schicksal wenden? G. C. Wie wird das Wetter? Veränderlich. Aussichten bis Donnerstag: Veränderlich, zeitweise mit Gewitterneigung und im allgemeinen etwas wärmer. Temperatur 18 Grad. * Das ozeanische Tiefdruckgebiet hat sich über die Nordsee ausgebreitet. Flache Teiltiefe liegen über dem Kanaleingang und Südfrankreich. Auch über Schlesien und Ungarn ist ein Tiefdruckgebiet vorgedrungen. In Deutschland war es heute früh meist bewölkt und stellenweise regnerisch, bei 10—18 Grad Wärme. Der Kahle Asten hatte schwachen Südwestwind, bedeckten Himmel und 10 Grad. Hattingen/ Welper. Rund um die neuen Umgemeindungsbestrebungen. Es hat nur kurze Zeit gedauert, bis sich die Erkenntnis durchsetzte, daß die im vorigen Jahre geschaffene Umgemeindung im Industriegebiet alles andere als„endgültig“ ist. Die jetzt vorliegenden bzw. zur Erledigung kommenden Haushaltsberatungen geben überall Veranlassung, sich wiederum mit diesen Fragen zu beschäftigen. Bochums Oberbürgermeister hat in seiner Etatsrede erklärt, daß für die Mitte des Industriegebiets durch das Umgemeindungsgesetz endgültige Verhältnisse bekanntlich nicht geschaffen worden seien. Es werde der weiteren Entwicklung überlassen bleiben müssen, wann eine straffere Zusammenfassung der Kräfte hier durchführbar erscheine. Herr Ruer fügt allerdings hinzu, daß Bochum keinerlei Veranlassung habe, von sich aus weitere Anregungen in dieser Richtung zu geben. Für uns von größerem Interesse sind die Bestrebungen, über die die Hattinger Zeitung seinerzeit berichtete und die darauf hinauslaufen, den im Vorjahr gebildeten Enneve= Ruhr= Kreis durch Bildung einer kreisfreien Mittelstadt Schwelm — Gevelsberg— Milspe— Voerde wieder aufzulösen. Die Bemühungen in dieser Richtung werden fortgeführt, und es hat den Anschein, als ob die Kommunalabteilung des preußischen Innenministeriums sich bereits, unabhängig von der erwähnten Denkschrift, in der Ausarbeitung befindlichen, mit ähnlichen Fragen befaßt hat. Immerhin dürfte bis zur Lösung dieser Frage noch längere Zeit vergehen. Nebenher gehen die Umgemeindungsbestrebungen innerhalb der neu geschaffenen Landkreise. Der benachbarte Landkreis Düsseldorf=Mettmann hat vor kurzem endgültige Verhältnisse geschaffen und der Mehrzahl seiner Aemter neue Grenzen gegeben. Im Ennepe=Ruhr=Kreis ist die Angelegenheit nach einer Erklärung des Landrats bis nach Fertigstellung der Haushaltspläne vertagt worden. Hattingen meldet die seit längerer Zeit bereits erhobenen Ansprüche auf Eingemeindung von elper und Teilen von Winz bei der Vorlage seines Haushaltsplans und in dem von uns veröffentlichten Schreiben an den Regierungspräsidenten erneut an. Besonders die Gemeinde Welper spielt in der ganzen Frage die Rolle einer vielumworbenen Braut oder— anders ausgedrückt— diese Eingemeindungsbestrebungen begegnen nach wie vor mancherlei Widerständen. Von besonderem Interesse erscheint in diesem Zusammenhang ein Vergleich mit Haltern, wo ähnliche Wünsche und ähnliche Widerstände vorlagen. Dort hat jetzt der Regierungspräsident in Münster eine neue Lösung vorgeschlagen, die Aussicht auf Verwirklichung hat und sowohl dem Prinzip der Selbstverwaltung wie dem der Sparsamkeit in der Verwaltung Rechnung zu tragen scheint. Stadt und Amt sollen in einer Personalunion zusammengefaßt werden. Mit der Personalunion soll nicht nur der Zusammenschluß der Verwaltungskörper in Stadt und Amt Haltern, sondern auch eine enge Gemeinschaftsarbeit auf den verschiedenen Gebieten der Verwaltung, gegebenenfalls in Zweckverbänden, verbunden sein. Das Gesamtgebiet werde, so hofft man, auf diese Weise zu einer Einheit zusammenwachsen, so daß sich Grenzverschiebungen erübrigten. An dem Vorschlag der Gemeinschaftsarbeit wird auf jeden Fall festgehalten werden, auch wenn sich die Personalunion nicht verwirklichen läßt. In diesem Falle soll im Wege eines Zwedkverbandes eine planmäßige Arbeit und ein direkter Lastenausgleich erzielt werden. Soviel zu den Halterner Plänen, die vielleicht in irgend einer Form als Anregung zu einer Lösung der Hattinger Eingemeindungsbestrebungen dienen können, ohne daß die benachbarten Gebiete dadurch arbeitsunfähig gemacht werden.— Zur Frage Welper=Hattingen macht der Verwaltungsbericht der Stadt Hattingen nähere Die deutschen Zeitungsverleger in Bochum. Als Auftakt zu der am heutigen Dienstag be ginnenden Hauptversammlung des Vereins deutscher Zeitungsverleger wurden am Montag abend die aus allen Teilen des Deutschen Reiches in Bochum zusammengekommenen deutschen Zeitungsverleger von der Stadt Bochum festlich empfangen. An eine Festvorstellung von Kreneks neuer Oper„Leben des Orest“ im Bochumer Stadttheater schloß sich ein Empfang im Parkhotel Haus Rechen. Oberbürgermeister Dr. Ruer begrüßte den Verein deutscher Zeitungsverleger namens der Stadtverwaltung: Das Industriegebiet habe nicht den Ruf, eine Stätte des Luxus und Vohllebens zu sein. Eher denke man an eine von Ruß und Staub bedeckte Kohlenwüste. Es sei amerikanisch gewachsenes Land, das widerhallt von harter Arbeit, das, so lange die Sonne unseres Erdstrichs die natürliche Wärme nicht spendet, uns die künstliche Wärme in Gestalt von Kohle aus der Erde holt. Es sei ein Gebiet, das alle Schwankungen und Zuckungen des Wirtschaftsprozesses unmittelbar widerspiegelt, das schlimmste Erschütterungen hinter sich hat und gerade im Augenblick wieder eine schwere Krise durchlebt. Dennoch könne das Leben im Industriegebiet nicht ohne geistigen Inhalt verlaufen. Gerade hier habe die Erkenntnis Wurzel geschlagen, daß der hochentwikkelte Produktionsprozeß für die in ihm Tätigen sorgfältigste Schulung und Vorbereitung erfordert. So werde hier das Geistige zu einer Forderung des Tages. So gesehen, seien Wirtschaft, Techni. und Rationalisierung nicht allein entscheidend, seien Wissen und Bildung gerade hier kein Luxus. Solchen Gedankengängen enkspreche auch die Pflege der Kunst, des Theaters. Dabei entstehe allerdings die Frage, wie lange die Städte des Industriegebiets noch in der Lage seien, solche Einrichtungen dürchzuhalten. Der Oberbürgermeister wandte sich weiter der augenblicklichen Wirtschaftskrise zu und dem Problem der Wohlfahrtserwerbslosen, die die Städte außerordentlich schwer belasten. Hier müsse das Reich eingreifen. Auch dem Reich könne nicht damit gedient sein, daß es nur seine eigene Wirtschaft in Ordnung bringt. Es könne ihm und den Ländern nichts nutzen, wenn gleichzeitig die öffentliche Wirtschaft’der Gemeinden zerstört werde. Es nütze nichts, heute die Sünden einzelner Städte der Gesamtheit der Gemeindean vorzuhalten. Es handele sich um ein allgemeines Problem: die Gemeinden in ihrer Zusammenfassung bilden das Reich. Man kann sie nicht zum Erliegen bringen, wenn man will, daß es der Gesamtheit wohl ergehe. Zum Schluß gab Oberbürgermeister Ruer der Hoffnung Ausdruck, daß die Tage in Bochum den Gästen in angenehmer Erinnerung bleiben und daß sie die Eindrücke nicht vergessen, die sich hier aufdrängen. Das könne bedeutsam werden, wenn es sich darum handele, Stellung zu nehmen zu Fragen, die den industriellen Westen betreffen. Hierauf dankte der Vorsitzende des Vereins deutscher Zeitungsverleger, Dr. Krumbhaar, dem Oberbürgermeister im Namen des Vereins für die liebenswürdige Einladung nach Bochum und vor allem für den wundervollen Abend im Stadttheater.„Wir haben in Heidelberg,“ so führte Kommerzienrat Krumbhaar etwa aus,„das romantische Antlitz von Deutschland gesehen. Hier in Bochum sehen wir das andere Antlitz Deutschlands, das der Arbeit. Wir alle wissen, daß diese Arbeit mit der Eristenz des ganzen deutschen Volkes untrennbar verbunden ist. Für die meisten von uns ist das Ruhrland Neuland, und wir sind mit großen Erwartungen hergekommen. Aber ich darf sagen, daß diese Erwartungen übertroffen worden sind. Es liegt mir gänzlich fern, hier heute von Kommunalpolitik zu reden.„Politisch Lied ein garstig Lied!“ Ich will nicht darüber sprechen, daß die meisten von uns aus Städten kommen, denen es noch viel schlechter geht. In der heutigen Notzeit heißt es zusammenzustehen. Die Krise, unter der das ganze deutsche Volk gegenwärtig leidet, wirkt sich überall aus. Hoffen wir, daß es sich bald zum Guten wendet.“ Ein geselliges Beisammensein schloß den Abend ab. Angaben über die bekannte Tatsache, daß unter dem geltenden Finanzausgleich eine Eingemeindung Welpers einen beträchtlichen Ausfall an Ueberweisungssteuern bedeuten würde. Es heißt da u. a.: „Die Notwendigkeit der Zusammenlegung zur Herbeiführung eines Ausgleichs ergibt sich unzweideutig aus der unterschiedlichen Steuerkraft der Gemeinden Hattingen und Welper. Nach der bekannten Denkschrift des Ministers des Innern vom 10. April 1929 über die Möglichkeiten eines neuen Lastenausgleichs erhält die Gemeinde Welper mit 5957 Einwohnern an Reichssteuerüberweisungen jährlich einen Betrag von 582 242 Rm., die Stadt Hattingen mit 14402 Einwohnern dagegen nur 324200 Rm. Auf den Kopf der Bevölkerung umgerechnet, ergibt sich für Welper ein Betrag von 97,74 Rm., für Hattingen nur ein Kopfbetrag von 22,51 Rm. Die bevorzugte Berücksichtigung der Gemeinde Welper gegenüber der Stadt Hattingen hat ihre Ursache in dem geltenden Finanzausgleich, der als Grundlage der Berechnung den Kopfbetrag an Gemeinde=Einkommensteuer aus der Vorkriegszeit anwendet und nach Paragrapb 11 Abs. 3 des preuzischen Ausführungsgesetzes zum Finanzausgleichsgesetz bei einem Bevölkerungszuwachs über 25 Proz. wie ihn die Gemeinde Welper aufzuweisen hat, erhebliche Vergünstigungen vorsieht. Hattingen hat im Laufe des Berichtsjahres zu klären versucht, wie sich eine Zusammenlegung der Stadt Hattingen mit der Gemeinde Welper auch bei Fortbestehen des alten Finanzausgleichs auf die Reichssteuerüberweisungen auswirken wird und ist nach eingehenden Feststellungen zu dem Ergebnis gekommen, daß eine Zusammenlegung beider Gemeinden zurzeit leider einen erheblichen Ausfall an Reichsüberweisungssteuern zur Folge haben würde, da nach der Zusammenlegung der Bevölkerungszuwachs nur 22,40 Prozent betragen und die Vergünstigung des Abs. 3 des Paragraphen 11 des preußischen Ausführungsgesetzes keine Anwendung mehr fände. Der Ausfall betrüge etwa 166 000 Rm. jährlich. Ein weiterer Ausfall von etwa 51000 Rm. entstände durch die Neuberechnung der landesrechtlichen Rechnungsanteile. Für den Fall, daß der Be rechnung des Vorkriegskopfbetrages für beide Gemeinden das Aufkommen aus dem gleichen Vorkriegsrechnungsjahre zugrunde gelegt werden müßte, ergäbe sich wahrscheinlich ein weiterer Ausfall. Die Zusammenlegung brächte unter diesen Umständen nicht die erwarteten wesentlichen finanziellen Vorteile, wenngleich auch jetzt schon der Kopfbetrag für die Reichsüberweisungssteuern in der Gesamtgemeinde höher sein würde, als jetzt in der Stadt Hattingen und die Einbeziehung der Henrichshütte in den Hattinger Bezirk eine wirtschaftliche Stärkung für die Stadt bedeuten würde. Die Beibehaltung der gesamten bisherigen landesrechtlichen Rechnungsanteile für die Gesamtgemeinde durch eine gesetzliche Sonderstellung zu erreichen, wie es bei der Zusammenlegung der Städte Buer und Gelsenkirchen sowie der Landgemeinde Horst=Emscher im Jahre 1928 in einem Einzelfalle geschehen ist, ist heute raum noch möglich. Nicht zuletzt sind es die städtischen höheren Schulen und die Berufsschulen, die eine vollständige oder teilweise Eingemeindung der an ihrem Bestehen start interessierten Außengemeinden erfordern. Sie werden zum großen Teil, das Gymnasium fast zu 50 Prozent, das Oberlyzeum noch darüber hinaus von Schülern aus den Nachbargemeinden besucht. Die Finanzierung der höheren Schulen bereitet der Stadt erhebliche Schwierigkeiten, die auch durch die mit den Außengemeinden vertraglich vereinbarten Zuschüsse nur unbedeutend gemildert werden. Auch ein genereller Lastenausgleich für das höhere Schulwesen wird wahrscheinlich keine vollständige Entschädigung bringen, so daß nur von einer Eingemeindung ein gerechter Lastenausgleich zu erwarten ist. Nach Paragraph 1 Abs. 2 des Gesetzes über die Regelung verschiedener Punkte des Gemeindeverfassungsrechtes bedarf es zur Durchführung unserer Eingemeindungsbestrebungen eines Beschlusses des Staatsministeriums. Ein Gesetz ist nicht erforderlich. Sofern das Staatsministerium nicht schon voryer zu entscheidenden Beschlüssen zu beween sein sollte, steht zu erwarten, daß der von Reichs= und Staatsregierung zugesagte allgemeine Finanz= und Lastenausgleich die Eingemeindungsfrage der Lösung näher bringen wird. Eine Gruppe von Teilnehmern an der Tagung: in der vorderen Reihe von links nach rechts: Dr Knittel(Karlsruhe), Professor Wollf(Dresben), Kommerzienrat Dr. Krumbhaar(Liegnitz), Dr. Carbe(Berlin), Kommerzienrat Kloß(Nürnberg), O. Dierichs(Bochum). Pfingstreise mit Sonntagsrüchkfahrkarte. Wer zu Pfingsten einen mehrtägigen Ausflug mit der billigen Sonntagsrückfahrkarte(ein Drittel Fahrpreisermäßigung) unternehmen will, kann drei volle und einen halben Tag unterwegs bleiben, da die Gültigkeitsdauer auf die Tage vom Freitag vor Pfingsten bis zum Diensag nach Pfingsten erweitert ist. Zu Pfingsten gelten die Sonntagsrückfahrkarten zur Hinfahrt am Freitag, dem 6. Juni, ab 12 Uhr mittags, am Sonnabend, dem 7. Juni und an den beiden Feiertagen, 8. und 9. Juni, während des ganzen Tages; die Rückfahrt kann angetreten werden an den beiden Feiertagen zu jeder Stunde und am Dienstag nach Pfingsten, Haarwäsche ohne Wasser mit Schwarzkopf=Trockenchaumpon. Das Gegebene, wenn Sie ganz rasch lockeres, duftiges Haar haben wollen. Der Puder wird sofort vom Haar ausgenommen, saugt im gleichen Augenblick Schmutz und Fettidteile auf mit denen zusammen er durch kräftiges Ausbürsten wieder aus dem Haar entfernt wird. Dieses glänzt nun wie frisch gewaschen. Die grüne Achteckdose mit dem praktischen Puderbeutel— Sorte„hell" für Blondinen, Sorte„dunkel" für Brünette und Schwarze, kostet nur RM. 1.— und hält lange Zeit vor. Am Sonntag vor Pfingsten sind die Geschäfte geöffnet. dem 10. Juni, bis 9 Uhr vormittags. Von einer Zwischenstation aus kann die Rückfahrt am 10. Juni auch später angetreten werden, wenn der zu benutzende Zug die Zielstation der Sonntagsrückfahrkarte bis 9 Uhr verläßt. Am Pfingstsonnabend ist die Rückfahrt ausgeschlossen.* Der Verlauf der FeuerDie von der Arbeits= und Interessengemeinschaft deutscher Feuerwehrorgane vom 27. April bis 4. Mai veranstaltete Feuerschutzwoche hat, wie bereits jetzt zu überblicken ist, überall, wo sich die Feuerwehren gemeinsam mit allen sonstigen an der Feuerverhütung und Feuerbekämpfung interessierten Stellen in den Dienst der Sache gestellt haben, einen erfolgreichen Verlauf genommen. Neben den Feuerwehren gebührt besonderer Dank hierfür den Reichs= und Länderbehörden, den großen Berufs= und insbesondere Wohlfahrtsorganisationen und vor allem auch der deutschen Presse. In dem größten Teil der Großstädte und wohl fast in allen Mittel= und Kleinstädten und ganz besonders in den Dörfern auf dem flachen Lande wurde die Bevölkerung in der Woche vom 27. April bis 4. Mai durch von den Feuerwehren veranstaltete Umzüge, praktische Vorführungen, wie Löschproben, Rettungsaktionen, durch Abhalten von Vorträgen— zum großen Teil mit Lichtbildern oder Filmen—, durch die in großer Zahl in den örtlichen Zeitungen erschienenen Notizen, belehrende Aufsätze und sonstigen Artikel zur Feuerschutzwoche, sowie durch Verbreitung der offiziellen Aufklärungsbroschüre zur Feuerschutzwoche „Feuerverhütung? Das Büchlein für alle“ in Millionen von Exemplaren auf Zweck und Sinn der Veranstaltung und auf die Notwendigkeit und Möglichkeit der Feuerverhütung aufmerksam gemacht. Ganz besonderes Interesse wurde den Veranstaltungen seitens der Schulen entgegengebracht; im Unterricht wurde in zahlreichen Fächern auf die Feuersgefahren und deren Verhütung hingewiesen. Es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß diese erfolgreiche Durchführung einer großangelegten und großzügig durchgeführten Werbung für den Feuerverhütungsgedanken, die gleichzeitig in allen Teilen des Deutschen Reiches bei allen Kreisen der Bevölkerung einsetzte, für die Zukunft praktische Erfolge dadurch zeitigen wird, daß die Zahl der Brände, die in den letzten Jahren ständig im Wachsen war, und damit die Höhe der jährlich entstehenden Verluste an Menschenleben und Volksvermögen allmählich herabgemindert wird. Dieses kann man um so eher erhoffen, als ähnliche in früheren Jahren durchgeführte Veranstaltungen, wie die Reichs=Gesundheits=Woche und die Reichs=Unfallverhütungs=Woche, zum Teil ganz erhebliche nachweisbaren Erfolge gezeitigt haben. Neue Beitragsmarken in der Angestelltenversicherung. Mit Wirkung vom 1. Juli 1930 ab werden neue zweifarbige Beitragsmarken der Angestelltenversicherung ausgegeben. Die Gültigkeitsdauer der bisherigen Beitragsmarken läuft mit dem 30. Juni 1930 ab. Sie dürfen also zur Beitragsentrichtung für die Zeit nach dem 30. Juni 1630 nicht mehr verwendet werden. Die bisherigen Beitragsmarken werden von der Post nur bis einschließlich 30. Juni 1930 abgegeben. Wer nach diesem Zeitpunkte noch Beiträge für die Zeit vor dem 1. Juli 1930 zu entrichten hat, erhält nur noch die neuen Marken. Es ist ratsam, etwaige Beitragsrückstände noch vor dem 1. Juli 1930 zu beseitigen. Unbeschädigte Stücke der bisherigen Beitragsmarken können, soweit zur Beitragsentrichtung für die Zeit vor dem 1. Juli eine Verwendungsmöglichkeit nicht mehr vorhanden ist, bei der Post bis zum 30. September 1930 gegen neue Beitragsmarken der Angestelltenversicherung um getauscht werden. Schweinezwischenzählung. Am 2. Juni ds. Is. soll die zweite vierteljähr liche Schweinezwischenzählung durchgeführt werden. Bei dieser Zählung wird noch die gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche (Acker=, Weiden= und Wiesenland) erfragt. Die Ermittelung dieser Flächen ist für die Erkenntnis der Produktivverhältnisse der Schweinezucht wichtig. Damit nun die Schweinehalter den Zählern eine befriedigende Auskunft über die Größe der Flächen geben können, wird darauf hingewiesen daß sie sich schon jetzt über die Größe der Flächen in Hektar vergewissern. Die Zählung wird wie immer unter der Leitung der Ortspolizeibehörde vorgenommen. Die Ergebnisse dienen nicht zu Steuerzwecken, sondern sie sollen Aufschluß geben über den Stand und die Entwicklung der Viehzucht. Wer vorsätzlich die Anzeige des Viehbestandes nicht erstattet, oder wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Gefängnis bis zu 6 Monaten bzw. Geldstrafe bis zu 10 000 RM. bestraft. Auch kann Vieh, dessen Vorhandensein verschwiegen worden ist, im Urteil als dem Staat verfallen erklärt werden. der Kreise Bochum-Gelsenkirchen-Hattingen. Der vorgenannte Verband hielt am Sonntag, den 25. Mai, seine diesjährige Frühjahrsversammlung, die wieder von dem altbewährten Verbandsvorsitzenden. Ingenieur Schemmann, Königsteele geleitet wurde, wieder im Restaurant„Germania“ Bochum. Marienplatz 8 ab. Die ziemlich gut besuchte Versammlung verlief für die anwesenden Imker äußerst interessant und mußte wegen einer ehr lebhaften Aussprache lange ausgedehnt werden. Dem Verbande sind z. Zt. 8 Vereine mit etwa 750 Bienenvölkern angeschlossen. Die Mitgliederund Völkerzahl hat sich erfreulicherweise vermehrt. Auch in ganz Deutschland hat die letzte Zählung der Bienenstöcke eine Vermehrung von 99000 Stück = 6,1% ergeben, nämlich von 1928= 1,317 Mill. auf 1929= 1,720 Mill. Dasselbe gilt auch für Westfalen. Hier wurden gezählt 1925= 54067, 1928= 63125 und 1929= 70827 Bienenstöcke. Damit ist ein guter Aufstieg zu verzeichnen, wenn auch die Höchstzahl vor dem Kriege 94800 noch nicht erreicht ist. Für die Bienenzucht weiterhin sehr wichtig und erfreulich sei die Erhöhung des Zolles von 40 auf 65 Mark Dz für den meist minderwertigen Auslandshonig. Dessen Einfuhr von z. B. 1925= 45000 Dz sei auf 98515 Dz 1929 gestiegen gegenüber einer geschätzten Gesamterzeugung von deutschem Honig= 150000 Dz. Diese Bedeutende Einfuhr meist minderwertigen Honigs habe dem Absatz des deutschen reinen Bienenhonigs sehr geschadet und werde hoffentlich noch mit Zutritt des Dekorationszwangs der deutschen Bienenzucht gewiß sehr nützen.— Der westfälische Hauptverein für Bienenzucht hielt seine Frühjahrsversammlung am 6. 4. 1930 in Hagen ab. Die Nr. 4 und 5 der Westfälischen Bienenzeitung hat darüber und über die umfangreiche Tätigkeit der Lehr= und Versuchsanstallt für Bienenzucht der Landwirtschaftskammer Münster Weiteres berichtet. Erwähnt sei hier die Einführung von Leistungsprüfungen für Königinnen, wofür für 1930 die Anmeldungen am 15. geschlossen worden sind.— Tisken jr., Bochum, berichtete sodann in sehr anerkennenswerter und reichhaltiger Weise über seine Teilnahme an dem Lehrgang für Bienenzucht am 24., 26. April an der Anstalt in Münster. Das führte zu einer längeren Ausprache und brachte für die Praxis des Imkers viel Wertvolles. Im Anschluß daran wurde von ihm das dort gelernte Löten einer Kunstwabe an ein verdrahtetes Rähmchen mit Elektrizität vorgeführt, das viel Interesse erweckte und als empfohlen zu werden anerkannt wurde. —Hierauf hielt der frühere Geschäftsführer des Westfälischen Hauptvereins für Bienenzucht. Lehrer i. N. Osenberg, Lehrbienenstand Grünenbaum im Volmetal, einen Vortrag in zwei Abteilungen. Nr. 1 behandelte das Schwärmen, welches Tisken bereits erwähnt hatte, und Nr. 2 den Bienenstaat als Muster für den Volksstaat. Beides rief eine lebhafte Aussprache hervor, an welcher sich insbesondere die langjährigen und erfahrenen Imker, Rektor Kleb. früher in Laer, jetzt in Witten, Amtsgerichtsrat Driesen. Bochum, der Verbandsvorsitzende und einige Anwesende beteiligten. Es würde hier zu weit führen, das viele für den praktischen Imker Wichtige mitzuteilen, zumal ja dazu Fachkenntnisse notwendig sind. Es zeigte dies wieder, wie interessant die Bienenzucht ist, und das erklärt ja auch, daß die Bienenväter trotz Ungunst der Verhältnisse doch treu dabei bleiben. Das„Safwarmen“ wurde als notwendiger, naturgemäßer Vorgang betrachtet und seine Verhinderung als naturwidrig verworfen, aber eine kurze Hinausschiebung unter Umständen empfohlen.— Die„Drohnenschlacht" sei gar keine Schlacht, sondern ebenso, wie alles im Bienenvolke, ein naturgemäßer Vorgang, kein Töten der Drohnen, sondern ein Abstreben derselben als überflüssiger Teil des Vienenvolkes.——— Weiteres: Für 1930 sind bewilligt für jedes Stammvolk 15 Pfund steuerfreier„.ucker“ zur Fütterung und zwar 5 Pfund im Frühjahr und 10 Pfd. im Herbst. Für Nachschwärme wolle man sich baldigst melden.— Auf Wunsch erklärte sich der Vortragende Osenberg mit der Unterstützung von Kleb=Witten bereit, zur Abhaltung eines„Kursus für Anfänger" Ende Juli und zwar in Bochum beim Vorsitzenden des Bochumer Vereins, Amtsgerichtsrat Driesen. Näheres darüber folgt.— Der Verband beschloß sodann einstimmig sein bisheriges Weiterbestehen ohne Rücksicht auf die Umgemeindung. Dagegen sollen sich die Vereine des jetzigen Stadtkreises Bochum, ähnlich wie das die Vereine des ehemaligen Kreises Hattingen getan haben, zu einer Arbeits= oder Interessengemeinschaft für Verhandlungen mit ihrer Kreisverwaltung zusammenschließen. Hierauf wurde die Versammlung zu allseitiger Befriedigung der Anwesenden und nochmaligen Dank an die Vortragenden geschlossen.—bh Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge. Zwei Groß=Militärkonzerte finden am 2. und 3. August d. Is. in Gelsenkirchen zugunsten des Volksbundes deutsche Kriegsgräberfürsorge statt. 220 Musiker, die aus den Reichswehrkapellen des Wehrkreiskommandos VI und zwei Marinekapellen, sowie den Spielleuten von drei Bataillonen zusammengesetzt sind, werden an diesen beiden Tagen konzertieren. Der Reinertrag ist für die von den Ortsgruppen im Ruhrgebiet und der Provinz Westfalen in Patenschaft genommenen deutschen Kriegerfriedhöfe Maissemy und Vonziers in Frankreich bestimmt. Die Unkosten belaufen sich nicht sehr hoch, da für die Militärkapellen nur Verpflegung gegeben zu werden braucht. Wir machen die Mitglieder des Volksbundes und alle Freunde guter Militärmusik schon heute auf diese Veranstaltung aufmerksam. Hattingen. — Die Beitragsliste der Westfälischen landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft hat in der Zeit vom 12.—27. Mai im Rathaus, Zimmer 7, zur Einsicht der Beteiligten ausgelegen. Nunmehr kanninnerhalb 2 Wochen beim Genossenschaftsvorstande in Münster Einspruch eryoben werden. Die Merkmale für die Versicherungsfreiheit sind folgende: 1. Das Grundstück muß weniger als 1 Morgen (25 Ar) umfassen, 92. es muß räumlich und wirtschaftlich zu einem bestimmten Hausgrundstück gehören, 3. es muß überwiegend ohne besondere Arbeitskräfte bewirtschaftet werden, 4. die Erzeugnisse des Gartens müssen hauptsächlich dem eigenen Haushalt dienen. —Ehrung des Hattinger Handball=Kreismeisters. Der Hattinger Handball=Kreismeister Turnverein Einigkeit war am Samstag und Sonntag das Objekt verdienter und sinnvoller Ehrungen.—Die Samstagsfeier im Lokale„Zur Glocke“ wurde durch die gut gefallende Musik eröffnet; dann hieß der 1. Vorsitzende Hermann Kampmann alle Anwesende willkommen und gab einen kurzen Rückblick auf die Geschichte des Vereins in den letzten zwei Jahren. Er konnte mit Genugtuung feststellen, daß der Verein ein gutes Stück vorangekommen ist, teils durch die Erfolge auf sportlichem Gebiete, teils durch die har monische Zusammenarbeit innerhalb des Vereins. Besonders das Jahr 1929 war für den Vereinsbetrieb von besonderer Bedeutung, denn es gelang ihm, sich anläßlich der Hattinger Sportwoche den Stadtmeistertitel im Faust= und auch im Handballspiel zu holen. Der größte Erfolg dieses Jahres war die Erringung der Handball=Kreismeisterschaft. Nach dem gemeinsamen Essen wurde das Bundeslied gesungen, anschließend unterhielt die Hauskapelle die Anwesenden aufs beste. Bevor man zu dem gemütlichen Abend überging, fühlte sich auch der 1. Turnwart Franz Bahn bewogen, einige Worte der Anerkennung für die Meistermannschaft zu sagen. Er gab seiner Freude besonders über das treue Zusammenhalten u. den Mannschaftsgeist der Handballelf Ausdruck.— Am Sonntag fand in Hagen im Lokale Röse eine Tagung des Kreisspielausschusses statt, in deren Mittelpunkt die Ueberreichung des Diploms an der Kreismeistermannschaft stand. Als Vertreter der Hattinger Meistermannschaft war der 1. Vorsitzende, Dermann Kampmann, anwesend, der das Diplom im Auftrage und Namen der Mannschaft entgegennahm. Es wurde besonders betont, daß die Hattinger Mannschaft überall sich Sympa thien erworben hat, denn sie spiele einen vornehmen, fairen Handball, der überall einen guten Eindruck hinterließ. Der Vorsitzende dankte im Namen der Meistermannschaft und versprach, daß die Mannschaft auch wie bisher immer in erster Linie ein sportliches Benehmen an den Tag legen werde, auch dann, wenn sie mal ein Spiel verlieren würde. — Die Sprechtage des Westfälischen Bauernvereins, Bezirksverband Industriegebiet, sind in der Zeit vom 1. bis 15. Juni folgende: Bochum: An jedem Mittwoch nachmittag, von 3 bis 6 Uhr, Wirtschaft Steffen, Hellweg. Bochum=Dahlhausen: Am Donnerstag, dem 5. Juni, von 9,30 bis 11 Uhr, Wirtschaft Schützenhof, Besitzer Josef Wibeke, daran anschließend in Altendorf(Ruhr) von 11,30 bis 2 Uhr, Wirtschaft Auffermann. — Silberhochzeit. Die Eheleute Aug. Hesper und Frau Berta, geb. Hüttemann Baak, Winzerberg, feiern morgen ihre silberne Hochzeit. Wir wünschen den langjährigen Lesern unserer Zeitung zu ihrem Jubeltage alles Gute. — Allgem. Turnverein(DT.) und Verein für Leibesübungen. Himmelfahrt: Götzwanderung. Abmarsch 6,15 Uhr vorm. ab Ruhrbrücke, Rückkehr gegen 12 Uhr. Wanderweg: Schulenberg, Rotes Haus, Elfringhausen, Stüter=Bredenscheid. Niederwenigern. — Fahrrad=Marder. In der vergangenen Woche wurde dem Wirt Wilh. Heufken(Gasthof zum Deutschen) aus seinem Autoschuppen ein Fahrrad gestohlen. Personen, die den Vorgang bemerkt haben oder Angaben machen können, werden gebeten, dies dem Wirt oder der Polizei in Winz mitzuteilen. Welper. — Junge Leute glaubten den Sonntag mit einer Schlägerei beenden zu müssen. Der Erfolg waren blutige Köpfe. — Der evangel. Volksdienst hatte seine Mitglieder am vergangenen Samstag bei Hagebusch in Blankenstein eingeladen. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Wackernagel sprach Stadtrat Beckers, Bochum, über die Grundsätze. Geschichte und praktische Politik des Volksdienstes. Er widerlegte den oft von Gegnern ausgesprochenen Satz:„Politik und Religion gehören nicht zusammen“. Beweist nicht gerade das Unvermögen der Parteien, die die Politik ohne Religion treiben, wie die beiden unbedingt zusammengehören? Die Wirtschaft darf sich auch nicht mehr auf die Eigengesetzlichkeit berufen, die soziale Frage wäre mit einem Schlage gelöst, wenn das Wort Christi:„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst und Gott über alle Dinge“, in unserer Zeit Wahrheit würde. Anfreizend sind die Unterschiede in der Besoldung. Aber gerade die Leute mit den großen Gehältern reden von der großen Not und verlangen von dem Manne mit dem kleinen Verdienst Sparsamkeit und Einschränkung. Alledem gegenüber stellt der Volksdienst seine Forderung:„Christen, an die Front, in Politik und auf allen Gebieten!“ Zu Vätern des Volksdienstes und der christlich-sozialen Sache rechnete der Redner Männer wie Wichern, Bodelschwingh, Stöcker und Abraham Kuipper. Mit Freude blickt der Volksdienst in die deutschen Lande und sieht überall treue Mannen im Kampf um die deutsche Seele. In erster Linie ruft der Volksdienst die politisch Heimatlosen in seine Reihen, die, angeekelt vom bisherigen Parteigetriebe, abseits standen. Er will die Politik der Offenheit und Klarheit, Wenn evangelische Christen es für sich für richtig halten, weiter in anderen Parteien zu arbeiten, so mögen sie es ruhig tun, den Volksdienst aber in Ruhe lassen. Er will keine Standes= und Klassenpolitik treiben aber da, wo die größte Not ist, zuerst helfen. Gerade in heutiger Notzeit will der Volksdienst auf dem Plane stehen. Am Schluß der Versammlung bezeugte der Druck schwieliger Männerhände dem Redner den Dank für seinen Dienst. — Aus der evangel, Gemeinde. Der Kindergottesdienstausflug zum Königsstein nahm einen guten Verlauf. Mehrere hundert Kinder zogen mit ihren Eltern durch Hattingen und benutzten die Hattinger Eisenbahnbrücke, um so schneller ans Ziel zu gelangen. Der große Saal faßte die Teilnehmer kaum. Nach der ersten leiblichen Erquickung wechselten Spiele und fröhliche Unterhaltungen miteinander. Auch hier zeigte es sich wieder, wie gerade in Welper die evangelische Gemeinde eng miteinander verbunden ist. Der Königsstein eignet sich mit seinen Spielplatzanlagen und Kinderbelustigungen zu solchen Ausflügen sehr. Gegen 8 Uhr zog eine frohe Schar junger und alter Menschen nach Welper zurück. Mk. Die Mitglieder dürfen selbstverständlich auch ihre Männer mitbringen. Sprockhövel. — Amtsvertretung und Amtshaushaltsplan. Die Amtsvertretung Sprockhövel ist zum kommenden Freitag, nachm. 5,15 Uhr, in das Sitzungszimmer der Turnhalle zu Niedersprockhövel einberufen worden. Die Tagesordnung enthält neben der Abnahme der Sparkassenrechnung und der Feststellung des Haushaltsplanes der Amtsmittelschule die Feststellung des Amtshaushaltsplanes für 1930. Anschließend folgt eine geheime Sitzung. Herbede. — Der Sportverein Herbede e. V. beging am Samstag sein diesjähriges Stiftungsfest. Saal und Terrasse des Vereinslokals„Zur Hermannshöhe“ waren bis auf den letzten Platz besetzt. Nach einigen Musikvorträgen begrüßte der Vereinsvorsitzende, Herr Heide, die Festteilnehmer. Er streifte den Werdegang des Vereins und gab einen kurzen Rückblick auf die ernste und doch freudig=frohe Arbeit für die Heranbildung der Jugend während des vergangenen Jahres. Das Gelöbnis, auch fernerhin opferwillig und kameradschaftlich dem Verein und seiner Jugend zu dienen, bekräftigten die sich erhebenden Anwesenden mit einem donnernden Hipp Hipp Hurra! Anschließend erklang aus aller Munde das Vereinslied. Die sportlichen Darbietungen wurden eingeleitet durch Freiübungen der Jugendabteilung, die unter Herrn Willi Schneiders Leitung auch beachtenswerte Leistungen im Barrenturnen zeigte. Reicher Beifall wurde den Jungen zuteil. Die Damenabteilung hinterließ mit ihren Stabübungen ebenfalls einen ausgezeichneten Eindruck. Nach einer Verlosung, die manch schönen Gewinn erbrachte, kam der Humor auf der Sportbühne zu seinem Recht. Besonders die Humoreske „Pannemann spielt Fußball“ gestaltete sich zu einem großen Erfolg für die mitwirkenden Damen (Hohmann, Gawehn), und Herren(Dannert, Schneider, Kirch), deren Spiel wahre Heiterkeitsausbrüche unter den Zuhörern entfesselte. Der Festfolge einen heiteren Abschluß zu geben, verstanden in nicht zu übertreffender Weise fünf Sportlerinnen mit einer reizenden Groteske. Sie vermochten sich dem stürmisch geäußerten Verlangen nach einer Wiederholung nicht zu entziehen. Die übrigen Stunden flogen beim Festball zu schnell dahin. Hier zeigten besonders die Sprockhöveler und Herbeder„Alten Herren“, die sich als Auftakt zum Stiftungsfest auf dem Gemeindesportplatz ein Füßball=Freundschaftsspiel geliefert hatten, daß alle Lebensmühsal an diesem Abend vergessen war. Und wenn die Heidesche Kapelle zum Tanz aufspielt, kommt niemand aus dem Takt. Der aufopfernden Arbeit des Festausschusses, insbesondere seines Obmannes Herrn Kuhlmann, ist es zu danken, daß die Feier nicht nur einen äußerst zufriedenstellenden Verlauf nahm, sondern auch einen netten Reinerlös ergab, der zum Ausbau des Sportplatzes verwandt wird. Wetter. — 400 Mann gekündigt. Das Schöntaler Stahlund Eisenwerk hat wegen Arbeitsmangel am Samstag der gesamten Belegschaft, etwa 400 Mann, gekündigt. Für das hiesige Wirtschaftsleben eröffnen sich damit weiterhin betrübende Aussichten. Stiepel. — Bösartige Schlägerei. Auf der Straße„Im Haarmannsbusch“ kam es in der Nacht von Sonntag auf Montag zu einer schweren Schlägerei zwischen angetrunkenen Wirtshausbesuchern. Die Sache dürfte ein gerichtliches Nachspiel haben. — Gewitterschäden. Bei dem Kötter Wittkämper schlug der Blitz ein und tötete eine Ziege und ein Huhn. Filmbühne. Holthausen. — Evgl. Frauenhilfe. Am Freitag, 30. Mai, machen wir unsern Ausflug zu Diergardt am Rafflenberge. Treffpunkt 2,30 Uhr an der Schulenburg. Kaffee kostet 60 Pfg., mit Zubrot 1,25 „Die Dame aus Moskau“ betitelt sich ein neuer großer Paramount=Film mit Pola Negri in der Hauptrolle, der ab heute bis Donnerstag im hiesigen Central=Theater zur Vorführung gelangt. Der Film beruht auf dem vielgespielten Bühnenstück„Fedora“ von Viktor Sardou und erzählt das dramatische Schicksal der russischen Prinzessin Fedora, die dem unbekannten Mörder ihres Verlobten Rache geschworen hat und schließlich erkennen muß, daß sie diesen Mann liebt und ohne ihn nicht leben kann. Die Regie lag in den Händen von Ludwig Berger, der als einer der besten deutschen Regisseure bekannt ist. Pola Negri hat in dieser Rolle wieder einmal Gelegenheit, ihre vielseitige dramatische Kunst zu zeigen. Ihre Partner sind Norman Kerry und Paul Lukas. Das zweite Filmwerk„Venus“ ist sehr interessant. Die Hauptrolle spielt Constance Talmadge die schöne Schwester der berühmten Norma. Siehe das heutige Inserat.—h. Evangelische Gottesdienste. Himmelfahrt. Hattingen. St. Johannis=Kirche: 8.30 Uhr Frühgottesdienst, P. Arendt; Kollekte für die kirchl. Bedürfnisse der eigenen Gemeinde. St.=Georgs=Kirche: 10 Uhr Hauptgottesdienst, P. Graefe; Kollekte für die Rhein. Missionsgesellschaft in Barmen. Krankenhaus: 9 Uhr Gottesdienst, P. Graefe. Winz. 10 Uhr Gottesdienst, P. Radicke. Ober=Bredenscheid. 9.30 Uhr Gottesdienst, Past. Blesken. Welper. Freitag 8 Uhr ist Bibelbesprechstunde im Jünglingsverein. Voranzeige! Sonntag, den 1. Juni, hält der Evangelische Arbeiterverein im Anschluß an den Gottesdienst eine Versammlung im kleinen Saal ab. Herbede. 10.15 Uhr Gottesdienst, unter Mitwirkung des Schülerchors, P. Richter; Mittwoch, den 28. Mai, 8 Uhr, Chorprobe der jungen Mädchen im Gemeindehause. Nierenhof. 9.30 Uhr Waldgottesdienst auf dem Kressenberg. Bei schlechtem Wetter findet der Gottesdienst in der Schule Winzermark statt. Welper. Himmelfahrt hält der Christl. Verein junger Männer Bochum einen CVIM.=Tag in unserer Gemeinde. Aus seiner Jungschar, Schülerabteilung, Jungvolk und Jungmännerkreis erwarten wir etwa 200 Gäste. 10 Uhr ist Gottesdienst, Past. Boeddinghaus; 12 Uhr gemeinsames Mittagessen aus der Lagerküche; 2 Uhr(auf dem Althof=Platz an der Horstschule): Spiel und Sport; 5.30 Uhr im Gemeindewald: Waldandacht(Mitwirkung des Posaunenchors); 6.30 Uhr Rückmarsch. Die heutige Nummer umfaßt 16 Seiten! t. kSe2a saE. . . tskstkees tE E 2 —a26 DES 2. t. . kk E 0 tge5e eta. * de 8 E. . EoS. e O O — 2-. . k k sneas a . ee E0 st 20 2. S . u 2e 2. : 28 8 2nn o ene.s2-. 2 22 S2.2. 5o:o-. 82— tka8. 0e . . E . oas. k0 a: E . st takst 5t 2u. 2 s 8 ä2. 22500 * . EAo 129.0: . 2. 2 . . -o9 2 . a E2..n kTALEEAA as:po t. kkks SER 2aws. es tts So 2a.92: 2 2 A0 8A E 2eE80 92. c8 Sooe 0 . a. S:2 2 m . op. . C1.2 25 20 . 2 2E tr22oa.: ka s.5 — . 2 tt. 2: . 22.0.0 e 82 -: tt.8.. . 2E kttttton20 t8 E. k ta.E. stEE t4 2t 2 42 2 B 2 . w5, E0 Ea stt o. 21522520 kk2o 2 20 . 50 E.Eo eEe 8 92 kt 58. 60 s 90 993. 8 . v. 96 ttkS. oe8. koo o2. E . : Sos.. kona k. t. 2 ene 8 2 t2 A. 8t SAS9.0 SS.. 8o * t2 3 : . S . . 2. 2o 2.2S07 ktsk. 52002 nEntk89329. kk. k2—4 G8. . I — — msk -. 22 2o 22 o a 2 . . . E: c0 SE. ett8 ss tt. st. 883 o otom: nam m o:so24 kAsToE t -e2.e SE: —10 Se8t.. 2 2:.20e ss skg. . 22 2820 ttstttako--.3.... S.... —.—sooassuwsa.auo TE2 k2Tasna a n st asaaaa2 o tskt. . oa 8a2e 70 . 30SAS 9ktks2a82ns o. on-2-2 . So* . s . 2 ma m 2 o. a2.* kke &u . 28 e g g * . o . . . . -o 2 2 . k s 2.2. S 8 e 22.o st. c 0 tk k . s. 03 : a2. Eo 2. 2-2 e= . 50 2.-2.83 -e . o—2— . 22 k 2 e2. o EE. So ans . mae at —:e-n 2 2. S.92 2 2 *E-. o . ""Sn o tt. 2e "* ... S! aca: a . o: Eor — 22ä 2 e o 2.2 E -S ea e OO22 ee2. t. at o .. 2 e.20:5 : 3: k -. 6a 8: mo2. mee 22. . o2. . N =* S: 2. 6 . 6 85 (7o! . 329. 2.2 2: s. . skao 2 12. . . So o . 2 —. e 2 +2:*2: & k.. "* aa . cE a —7—— :E: 2:E — .8 oRH a. a s.-0 . . e.. 2 S1 .63 2 . : E.—: 2: 2. a.—: : . o: . (0 86 22.o4, 2 5 +— co 2 6—2 9 e2 —. 2:. sa. o3ee S . .22.0 o S 9 12 a -n e . — * . . . . e. o . 2.+ „"*. . o 2. * 7 : . . . Eo s2 t 8e k2: Ag. Preis=und Lohnabbau in der Eisenindustrie In den Schlichterverhandlungen für den Be zirk der Nordwestgruppe des Vereins deutscher Eisen= und Stahlindustrieller wurde Montag eine Erklärung der Arbeitgebergruppe abgegeben, in der auf das bedrohliche Ausmaß der Arbeitslosigkeit und auf den dauernden Auftragsmangel und die daraus resultierende Notwendigkeit einer Preissenkung hingewiesen wird. Um zu diesem Ziel zu gelangen, sei es notwendig, eine Verkürzung der übertariflichen Verdienste der Arbeiter sowie sämtlicher Gehaltsempfänger vorzunehmen, und zwar zu einem Umfang, daß eine Ersparnis bis zu 10 Prozent der Gesamtlohn- und Gehaltsumme eintritt. Die Tarifgehälter und Tariflöhne sowie der tariflich festgelegte Akkordrichtsatz von 15 Proz. über Tariflohn sollen dabei unverührt bleiben. Gleichzeitig wird zugesagt, den auf 60, 61, 62 und 63 Pfg. aufgebauten Akkordrichtsatz des Hilfsarbeiters auf 64 Pfg.+ 15 Proz. und den mit 66 und 67 Pfg. je Stunde im Zeitlohn entlohnten 21jährigen Arbeiter auf 68 Pfg. trotz des noch laufenden Lohntarifs zu erhöhen. Die Minderung der Verdienste soll jedoch nur eintreten: 1. Wenn die Eisenindustrie den Preisabbau einen Monat vorher durchführt; 2. und zwar in einem Umfange, der mindestens dem Ausmaß der zu ersparenden Lohn= und Gehaltsummen entspricht. Zu dieser Vorleistung ist die Eisenindustrie im Interesse der Wiederbelebung der Wirtschaft bereit, obwohl ihre Selbstkostensteigerungen seit der Stabilisierung— vor allem aber im Verlauf der letzten zwei Jahre— einen entsprechenden Ausgleich in den Preisen nicht gefunden haben, wie der heutige Eisenindex von nur 128 zeigt. Wir sind uns des Opfers, das unsere Belegchaften in dieser Zeit wirtschaftlicher Not brinDie Vernehmung des Düsseldorfer Mörders Die Gegenüberstellung mit Ueberfallenen wird fortgesetzt. Düsseldorf, 27. Mai.(Eigener Funkdienst.) Die Gegenüberstellungen der von dem Düsseldorfer Mörder Ueberfallenen mit dem Täter, die gestern begonnen haben, wurden fortgesetzt. Die Zeugin Frl. Goldhausen, die zu den Ueberfallenen gehört, vermochte über den Täter nichts zu sagen, da der Ueberfall sich allzuplötzlich und schnell ereignete, so daß sie den Täter nichterkennen konnte. Die Zeugin Frau Mansfeld und der Kaufmann Kornblum erkannten in Kürten den Täter an der Figur wieder. Eine Zeugin namens Heerstraß, die von Kürten in die Düssel gestoßen worden war, erkannte ihn gleichfalls wieder, ebenso die Mutter eines kleinen Mädchens, das von Kürten angesprochen worden war, was die Fran beobachtet hatte. Dagegen vermochte der Kellner von Stindermühle, wo Kürten mit der ermordeten Hahn gewesen war, ihn nicht wiederzuerkennen, desgleichen eine Fran, die von einem Manne im Hofgarten, allerdings rücklings, überfallen worden war. Pernambuco, 26. Mai. Das Luftschiff „Graf Zeppelin“ ist auf der Rückfahrt von Rio de Janeiro heute früh um 8,25 Uhr Ortszeit hier wieder eingetroffen. Nach seinem 2500=Meilen=Flug nach Rio de Janeiro und zurück erschien der„Graf Zeppelin“ um 8,25 Uhr örtlicher Zeit über Pernambuco. Zwei Flugzeuge der Aero=Postal=Co. umkreisten das Luftschiff, während es dem Landungselde zusteuerte, 20 Minuten später wurden die Ankertaue abgeworfen. Die um 8,53 Uhr begonnene Verankerung beanspruchte nur 17 Minuten. Eine begeisterte Riesenmenschenmenge umsäumte das Flugfeld. Der Rückflug von Rio de Janeiro erfolgte bei besserem Wetter als der Hinflug. Vor dem großen Flug. Neuyork, 27. Mai.(Eigener Funkdienst.) Times meldet aus Pernambuco: Durch einen plötzlichen Windstoß wurde die Motorgondel des„Grafen Zeppelin" so hart auf den Boden aufgestoßen, daß die Gondelstützen brachen, ähnlich wie im letzten Jahr in Tokio. Die Stützen konnten jedoch rasch wieder ausgebessert werden. Der Bericht der Times hebt das große Interesse hervor, das die Bevölkerung auch bei der gestrigen Ankunft zeigte, sowie die starke Inanspruchnahme des„Grafen Zeppelin“ zu Postzwecken. Die zur Beförderung anverder Berliner Feuerwehr. Großfeuer in Stralau-Rummelsburg. In der früheren, jetzt an Privatfirmen ver mieteten Eisenbahnbetriebswerkstätte Rummelsburg entstand Montag mittag aus bisher unbekannter Ursache Feuer, das sich mit ungeheurer Schnelligkeit ausbreitete. Die Löschung des Brandes, dessen Flammenschein weithin sichtbar war, wurde von 15 Zügen der Berliner Feuerwehr unter Leitung des Oberbranddirektors Gempp in Angriff genommen. Auch die auf der Oberspree stationierten Feuerlöschboote wurden eingesetzt Das Riesenfeuer, das erst in den Nachmittagsstunden völlig zum Stillstand gebracht werden konnte, nachdem alle von den Flammen ergriffe nen Gebäude, mehrere Flachbauten und zwei zweigeschossige Häuser völlig ausgebrannt waren ist einer der größten Brändde gewesen, die Berlin in den letzten Jahren erlebt hat. Ein Massenaufgebot von mehreren hundert Feuerwehrleuten unter Führung ihrer Ingenieure hatten Stunden um Stunden in Flammen und Rauch zu arbeiten, um des Feuers Herr zu werden Oberbranddirektor Gempp. der die Löscharbeiten leitete, ließ behelfsmäßige Telephonleitungen legen, um einigermaßen eine Verständigung mit den einzelnen Leitern der Löschtrupps herzustellen, da beißender Qualm, der sich auf die ganze Umgegend verbreitete, jede Sicht und direkte Ver ständigung unmöglich machte. Gegen 3,45 Uhr wurden die völlig abgekämpften Mannschaften von fünf neuen Löschzügen abgelöst, die als Brandwache zurückblieben und die Aufräumungsarbeiten vornahmen. Bei den Löscharbeiten stürzte ein Brandmeister vom Dach eines Schuppens. Er mußte, ebenso wie ein anderer Brandmeister, der am Knie verletzt wurde, ins Krankenhaus gebracht werden. Eine Reihe weiterer Beamter trug leichtere Brandwunden und Rauchvergiftungen davon. Der Schaden des Riesenbrandes dürfte Millionen betragen, da in einer Ansdehnung von etwa 10 000 qm die Gebäude mit allem Inventar niedergebrannt sind. Die durch das Gelände gehenden Eisenbahngleise haben durch die Hitze so gelitten, daß sie stellenweise völlig verbogen sind. Das Feuer kam um 11,30 Uhr, wahrscheinlich infolge der Explosion eines Oelschalters, in einem Schuppen aus, in dem sich Lagerräume eines Holzmehlwerkes und einer Holzwollefirma befanden, und auch Stahlplatten und Benzintanks eingespeichert waren. Der Brand erfaßte alsbald ein Terrain von über 10 000 qm. Glücklicherweise hatte der donnerähnliche Knall, mit dem das Feuer plötzlich zum Ausbruch kam, die Arbeiter auf dem ganzen Gelände rechtzeitig alarmiert, so daß sie unversehrt davonkamen. Auf dem Gelände stehen außer dem genannten Schuppen und Werkstätten vier Dienstgebäude, von denen eins die Verwaltungs= und Amtsräume des Eisenbahnwerkstättenamtes Berlin A und B, die andern Wohnräume enthalten. gen, voll und ganz bewußt. Wir glauben aber, daß die geplante Lohn= und Gehaltssenkung gegenüber der Einkommensminderung, die sich durch die in immer stärkerem Umfange drohenden Feierschichten und Entlassungen zwangsläufig ergibt, auch für die Arbeitnehmer vorteilhaster ist, wenn es gelingt, durch Preisabban eine Wiederbelebung des Geschäftsganges herbeizuführen. Wir hoffen daher, bei unseren Belegschaften Verständnis für den geplanten Schritt zu finden. Gleichzeitig glauben wir, damit den einzigen Weg zu gehen, der gegenwärtig zu einer Wiederbelebung der deutschen Wirtschaft und so zu einer Verringerung der Arbeitslosigkeit führen kann. Zeppelins“ Flug nach Havana. Rückfahrt von Rio und Landung in Pernambuco. traute Post aus den verschiedensten Staaten Südamerikas hat ein Gesamtgewicht von über eine Tonne, was einem Markenverkauf von etwa 125 000 Dollar entspricht. „Graf Zeppelin“ wird heute, Dienstag, zum Weiterflug nach Havana starten. Die genaue Stunde des Abfluges wurde noch nicht bekannt gegeben. Das Luftschiff wird in Havana nur kursen Aufenthalt zum Zwecke der Proviantaufnahme nehmen. Von Havana aus wird der„Graf Zeppelin“ über die Bahamas nach Lakehurst fliegen. Eckener gedenkt am 9. Juni wieder in Deutschland zu sein. Landungsvorbereitungen in Havana und Lakehurst. Neuyork, 27. Mai.(Eigener Funkdienst.) Wie man aus Havana meldet, wird das LandesObservatorium den„Grafen Zeppelin" während seines Kubafluges mit Wettermeldungen versehen. Auf dem Flugplatz finden unter Zuhilfenahme eines etwa drei Meter langen Zeppelinmodells Landungsübungen statt. Wie aus Lakehurst(Neu=Jersey) berichtet wird, soll bei der für Sonntag erwarteten Zeppelinlandung der in der letzten Zeit ausprobierte bewegliche Ankermast verwendet werden, der die Einbringung des Luftschiffes in die Halle mit erheblich verminderter Landungsmannschaft ermöglicht. Dr. Schiele zur Eröffnungder 9LG.=Ausstellung in Köln. Köln. 27. Mai.(Eigener Funkdienst.) Bei der Eröffnung der von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft veranstalteten Ausstellung hielt der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Dr. Schiele, eine Rede, in der er u. a. ausführte: Wir müssen systematisch und zielbewußt, um der ungeheuren Verlustwirtschaft Herr zu werden, jeden einzelnen Betriebszweig der Landwirtschaft neu aufbauen. Die Roggenfrage, die Kernfrage des deutschen Östens, ist nur zu lösen, wenn man sie in den großen Zusammenhang der nationalen und internationalen Futtermittelfragen hineinstellt, andernfalls bleibt uns nur die Radikallösung: Drosselung jeglicher Weizeneinfuhr. Aufs Ganze gesehen, bedeutet die gegenwärtige Roggenpolitik der Regierung für die Landwirtschaft auf besseren Böden des Westens und für die ganze deutsche Schweinemast die dringend notwendige Krisenversicherung für die Zukunft. Mit besonders schwerer Sorge muß uns die Lage der Milchwirtschaft erfüllen, die in Deutschland bei dem unzulänglichen Zollschutz unter dem stärksten Drucke einer allgemeinen internationalen Ueberproduktion steht. Die Regelung der milchwirtschaftlichen Zölle wird deshalb von der Regierung vordringlich und mit allem Nachdruck betrieben. Besonders schwierig wird es sein, dem schwer leidenden Wein=, Obst= und Gemüsebau die notwendige schnelle Hilfe zu bringen. Hier in Westdeutschland, wo neben einer hochentwickelten Landwirtschaft der Mittelpunkt der dentschen Industrie liegt, darf ich besonderes Verständnis dafür voraussetzen, daß die Agrar=Krisis nicht nur als eine rein berufsständische Angelegenheit der Landwirtschaft gewertet wird. der Rede des Staatsministers Steiger. Um die Absatzgebiete, ihre Erhaltung und Eroberung geht der Kampf der Landwirtschaft in der ganzen Welt. Die Einfuhr aus dem Auslande ist die erste Ursache des Niederganges unserer heimischen Landwirtschaft. Einstellung der Produktion auf die Bedürfnisse des deutschen Marktes, das ist der Leitsatz, unter dem die Umstellung auf allen Gebieten der landwirtschaftlichen Produktion vor sich gehen muß. Daneben müssen wir weiter an der planmäßigen Absatzgestaltung arbeiten. Die 36. Wanderausstellung in Köln wird in ihrer Gesamtheit wieder zeigen, mit welcher Zähigkeit die deutsche Landwirtschaft dem Ziele zusteuert: Höchstleistungen auf allen Gebieten. Die Gesundung muß auf den verschiedensten Gebieten von innen kommen. Berliner Anfangs-Börsenstimmungsbild von heute. Tendenz: Geschäftslos. (Eigener Funkdienst). Unter Berücksichtigung des Reports eröffnete die heutige Börse nur knapp behauptet. Ordermangel ließ im allgemeinen kein größeres Geschäft aufkommen. Die Festigkeit einiger Spezialwerte bot der Tendenz aber eine gewisse Stütze. Erdöl, Reichsbahn=Vorzugsaktien höher, Schiffe gefragt, dagegen Reichsbank und Kunstseide eher schwächer. Geld leicht, Tagesgeld 2¼ bis 4½. Monatsgeld 5 bis 6, Warenwechsel 4¼ Proz. ca. Nach den ersten Kursen überwiegend freundlicher. Volkswirtschaftlicher des Reichstages. (Eigener Funkdienst). Der volkswirtschaftliche Ausschuß des Reichstages verlängerte heute die Geltungsdauer der Verordnung über den Vermahlungszwang von Inlandsweizen um einen Monat. Die Verordnung, wonach beim Weizenmehl mindestens 50 Prozent Inlandsweizen vermahlen werden müssen, gilt nunmehr also bis Ende Juni. Von A—3 erfunden. Gegenüber der Meldung eines ausländischen Blattes, die Reichsbahn habe neben dem Reich die Garantie für die Younganleihe übernommen, wird von zuständiger Stelle mitgeteilt, daß diese Nachricht von A bis Z erfunden ist. Es kommt selbstverständlich nicht in Frage, daß die Reichsbahn noch eine Garantie neben dem Reich übernimmt. Eine Landvolkversammlung aufgelöst. Dahlenburg bei Lüneburg fand eine Versammlung des Landvolkbundes statt, in der Hofbesitzer Becker=Rottoff sprach. Als der Redner auf die sogenannten Fememordprozesse zu sprechen kam, verfügte der anwesende Kriminalkommissar die Auflösung der Versammlung. Die Teilnehmer gingen ruhig auseinander. Automobil vom Zug überfahren. Sechs Todesopfer. Ottawa, 27. Mai.(Eigener Funkdienst.) Bei Coburg(Ontario) raste ein Eisenbahnzug in ein Antomobil. Die Insassen des Antomobils, sechs Mitglieder einer Familie, wurden getötet. Schneefälle in Südtirol. (Eigener Funkdienst.) Das annormale Wetter hält in Italien immer noch an. Aus Südtirol werden stärkere Schneefälle auf den Bergen gemeldet. Ans Porte dei Marmi, in der Nähe von Viareggio, wird berichtet, daß durch eine Wasserhose faßt sämtliche Badeanstalten beschädigt, zum Teil sogar zerstört worden sind. Ein brennender Bach. Einen eigenartigen Unfall erlitt ein Gastwirt in dem englischen Dorfe Longthon(Essex) undicht gewordener Benzintank auf dem in der Nähe des Ortes gelegenen Flugplatz hatte das Wasser eines durch das Dorf fließenden Baches vernnreinigt. Während eines Gewitters schlug am Montag der Blitz in den Bach und setzte das Benzin in Brand. Der Gastwirt, der sich gerade auf einer Holzbrücke über dem Wasser befand, sah sich plötzlich von allen Seiten von Flammen umgeben. Er konnte sich zwar retten und seine brennenden Kleider lösch, erlitt aber erhebliche Brandwunden im Gesicht und an den Händen. Der Grenzzwischenfall bei Neuhöfen. Sühne für ein Sittlichkeitsverbrechen. Das mahnende Gewissen. Das Schwurgericht in Dresden verurteilte den 27 Jahre alten Bäckergehilfen Franz Karl Strauß wegen eines an einem Schulmädchen begangenen Sittlichkeitsverbrechens mit Todeserfolg zu 10 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrenrechtsverlust. Strauß hat das Verbrechen im Jahre 1925 begangen und sich im vergangenen Jahre freiwillig der Polizei gestellt, nachdem er vorher mehrere Selbstmordversuche unternommen hatte. Aufhebung einer Falschmünzerwerkstätte. Der Graphiker Ernst Witte wurde in Braunschweig wegen Falschmünzerei festgenommen. Er hatte anfangs dieses Jahres in seiner Braunschweiger Wohnung mehrere falsche Fünfmarkstücke hergestellt und einige davon auch in den Verkehr gebracht. Die zur Herstellung verwendeten Formen und einige falsche Fünfmarkstücke wurden in seiner Wohnung vorgefunden und sichergestellt. Familie nach dem Genuß von Schweineschinken gestorben. Eine Frau gestorben. In Essenrode im Harz stellten sich bald nach dem Genuß eines Schweineschinkens im Haushalt des Schmiedemeisters Drage bei seiner Ehefrau, bei der Schwägerin Drages, bei den Gesellen und Lehrlingen schwere Vergiftungserscheinungen ein. Die Schwägerin ist gestorben; Drage selbst und seine Tochter, die auch von dem Schinken gegessen hatten, sind gesund geblieben. Der Schinken wurde zur Untersuchung an die Universität Göttingen Marienwerder, 27. Mai.(Eigener Funkdienst). Die weiteren Ermittelungen über den Grenzzwischenfall bei Neuhöfen, Kreis Marienwerder haben, wie von maßgebender Seite mitgeteilt wird, ergeben, daß kein deutscher Beamter polnisches Gebiet oder auch nur über die Grenze Schüsse abgegeben hat.— Den entstellenden Meldungen der polnischen Presse gegenüber muß festgestellt werden, das polnische Beamte die Grenze unbefugt überschritten haben. Zwei dieser Beamten, die im Besitz von Pistolen und Handgranaten waren, und die aus bisher noch unbekannten Gründen in die etwa 25 Meter von der Grenze entfernt stehende deutsche Paßkontrollbaracke eingedrungen waren, wurden bekanntlich festgenommen. Sie haben den ersten deutschen Beamten, der sie dort überraschte, sofort mit Schüssen empfangen, und ihm die linke Hand durchschossen, sodaß er zu seiner Verteidigung ebenfalls die Waffe gebrauchen mußte. Außerdem haben, wie von mehreren unbeteiligten Zeugen beobachtet worden ist, mehrere polnische Uniformierte nud bewaffnete Beamte die Grenze unbefugt bis zu 25 Meter in deutsches Gebiet hinein überschritten, und von der Höhe des Deiches aus den mit den beiden festgenommenen Polen abziehenden deutschen Beamten zahlreiche Schüsse aus Karabinern und Pistolen nachgesandt. Der Deich verläuft an der fraglichen Stelle ganz auf deutschem Gebiet, und zwar etwa 20 Meter von der Grenze entfernt. In einer Entfernung von 8 bis 10 Meter von der Grenze auf deutschem Boden wurde eine Anzahl Hülsen von Karabinermunition gefunden. Diese können schon deshalb nicht von deutschen Beamten stammen, weil die deutschen Beamten nur mit Pistolen bewaffnet sind. Neues Blutvergießen in Indien. Die englische Arbeiterregierung läßt der Sache ihren Lauf. Indien ist es gestern wieder an verschiedenen Orten zu Blutvergießen gekommen. In Dacha wurden als Opfer der Zusammenstöße dreißig Hindus und Mohammedaner ins Krankenhaus gebracht, sechs von ihnen sind dort gestorben. Eine Anzahl von Läden wurde geplündert und in Brand gesteckt. Es sind Polizeiverstärkungen angefordert worden, da noch dauernd Fälle von Plünderungen und Messerstechereien zwischen Hindus und Mohammedanern vorkommen. Panzerwagen patrouillieren die Straßen ab. Die Unruhen in Bombay wurden, wie es heißt, dadurch veranlaßt, daß ein Mohammedaner mit Steinen nach dem Hund eines patrouillierenden Polizeibeamten warf.(Sieht beinahe als„bestellte Arbeit“ ausl) Als der Polizist den Täter verhaften wollGlauweitere te, kamen andere Mohammedaner ihrem bensgenossen zu Hilfe, was wiederum Schutzleute an Ort und Stelle brachte. Da die Menge schließlich auf 6000 Personen angestiegen war, sah sich die Polizei genötigt, Revolverschüsse abzugeben, wodurch es Tote und Verwundete gab. Ferner wird berichtet: Das Untadi=Lager der Freiwilligen bei dem Salzlager von Dharasana wurde von der Polizei zerstört. Als die Polizisten mit ihren Autos davonfuhren, setzten sich die Freiwilligen in Reihen zu Dreien und Vieren in den Weg und mußten gewaltsam beiseite geschleppt werden, bevor die Bahn frei war. Und die Arbeiter= Regierung in London läßt die betrogenen Inder weiter niederknüppeln. . . schwi a A tigen beschä legra