Haltinger Zeitung 81. Jahrgang Bezugspreis: Frei Haus halbmonatl. 1.20 Mk. Postbezugspreis monatl. 2.86 Mk. Erscheint täglich, außer Sonn= u. Feiertags mit den jeweiligen Beilagen:„Feierstunden",„Das bunte Leben",„Sport=Rundschau“,„Leben i. Bild“,„Aus dem Reich der Frau",„Technik der Zeit",„Heitere Welt" und„Westdeutscher Rundfunk“. Anzeigenpreis: Für 1 mm Höhe und 33 mm Breite 10 Pfg. Für Anzeigen im Textteil 1 mm Höhe, 75 mm Breite 35 Pfg.— Bei Wiederholung Rabatt, der jedoch bei gerichtlicher Beitreibung und im Konkursfalle fortfällt. Annahmeschluß von Inseraten ist abends 7 Uhr für die am nächsten Tage erscheinende Ausgabe. Obermarkt/ Kl. Weilstraße Jernsprech=Anschluß: Ne. 2941, 2942, 2943 Anzeiger Postscheckonto: Doetmund Nr. 11105 Telegramm=Adresse: Kreisblatt Hattingenruhr Banbel: Carl Zan für Westdeutschland, Feuilleton und den übrigen Inhalt: Adolf Beineke; für den lokalen Teil: Otto Richard Wanninger; für Sport und Frauenbeilagen: Werner Broschwitz./ Eigene Berliner Vertretung./ Druck und Verlag: C. Hundt sel. Wwe./ Sprechstunden der Redaktion 4—6 Uhr nachmittags. Für Aufbewahrung aller der Redaktion unverlangt eingesandten Manuskripte wird keine Gewähr übernommen. Zurücksendung erfolgt nur, wenn Rückporto beiliegt. Alle redaktionellen Einsendungen sind nur an den Verlag zu richten. Allgemeiner Anzeiger für den Ennene=Ruhrkreis Montag, den 2. Dezember für den EnnepeGrößte u. meistgelesene Zeitung in Stadt und Kreis Jeder Bezieher erhält laut unseren Bedingungen 250 Mark Unterstützung bei tödlichem Unfall. 1929/ Nr. 282 „Wir trugen das Joch in Trauer und Treue Das Neueste vom Tage. Der vorläufige Reichswirtschaftsrat hat dem Entwurf eines Zündwaren=Monopolgesetzes zugestimmt. Der Reichstag lehnte das aus dem Volksbegehren hervorgegangene Gesetz in allen seinen Teilen gegen Deutschnationale, Nationalsozialisten und Christl. Nat. Bauernpartei ab, so daß es nunmehr zum Volksentscheid darüber kommt, der am 22. Dezember stattfindet. * Hauptmann Marcks, der Pressereserent im Reichswehrministerium, ist zum Major befördert worden. * Der Reichsarbeitsminister hat es abgelehnt, den Schiedsspruch für den Mitteldeutschen Braunkohlenbergbau für verbindlich zu erklären. * Der deutschnationale Parteivorstand ist auf morgen nach Berlin einberufen worden. 4 Im Falle Lampel und Genossen hat sich jetzt heransgestellt, daß es zwei Fritz Köhler gibt, die beide auch Öffiziersstellvertreter waren. * Am Grabe Stresemanns ließen die befreiten Städte Koblenz und Aachen am Samstag je einen Erinnerungskranz niederlegen. * In Koblenz wurde der Einzug von Schupobeamten gerade so herzlich begrüßt als früher das Militär bei der Heimkehr ans dem Manöver. Singend zog die Mannschaft unter dem Geleit von Tausenden durch die Straßen der festlich geschmückten Stadt, in denen auch, zum erstenmal seit 10 Jahrer, Reichswehrangehörige in Uniform bemerkt wurden. * Die französische Flagge auf dem Ehrenbreitstein wurde Samstagabend 11,15 Uhr feierlich niedergeholt. Eine Ehrenkompagnie leistete die Ehrenbezeugungen. Der Oberbesehlshaber der französischen Truppen auf Madagaskar, General Jacquet, ist an Bord des Dampfers, der ihn nach Frankreich zurückbringen sollte, einem Herzschlag erlegen. * Das englische Ministerium regte die Verabschiedung eines Gesetzes an, durch daß die Ministergehälter zeitgemaß erhöht werden. * Die japanische Delegation für die Londoner Fünfmachtekonferenz ist in See gegangen. Die Marine hatte eine eindrucksvolle Abschiedskundgebung vorbereitet: vier Zerstörer, vier UBoote und 18 Flugzenge begleiteten das Schiff mit den Delegierten von der Tokio=Bucht aus. Die Befreiungsfeier in Aachen und Koblenz. Elf Jahre der Fremdherrschaft haben ihr Ende gefunden. Mitternachtsstunde von auf Sonntag beging die Um die Samstag Stadt Aachen ihre Befreiung von fremder Besatzung mit einer Feier, an der die samte Einwohnerschaft teilnahm. Der große Platz vor dem altehrwürdigen Rathause war von gedrängten Menschenmassen gefüllt. Die umliegenden Häuser waren festlich erleuchtet, über den Lichtern wehten die Fahnen des Reiches, Preußens und der alten Kaiserstadt. Vor dem Rashause brannten in riesigen Schalen die Dankfeuer. Die Vereine waren mit Pechfackeln und bunten Lampions aufmarschiert. Kopf an Kopf bis tief in die Seitenstraßen hinein standen die Menschen. Alle Fenster waren dicht besetzt; auf den Dächern sogar drängte man sich, um in dieser historischen Stunde dabei zu sein. Aber der breite Platz reichte nicht aus. Durch Lautsprecher mußten die Reden zu anderen Plätzen übertragen werden. Oberbürgermeister Dr. Rombach führte in seiner Rede aus: Mit lodernden Flammen umdrängen Tausende dieses ehrwürdige Rathaus. Die Glocken des altersgrauen Münsters dröhnen jubelnd über die Dächer der Stadt, und aus jedem Auge leuchtet, aus jedem Herzen steigt es: Aachen ist frei! Der erste Gedanke auf freier Heimaterde gilt denjenigen aus unseren Reihen, die nicht mehr heimkehren durften aus dem schweren Weltenringen. In Italien und die Abrüstung zur See. „Die Auffassungen und Tatsachen müssen geklärt werden.“ Giornale d'Italia beschäftigt sich mit der Seeabrüstung und erklärt, bisher sei von der französischen Regierung die versprochene Antwort für die einleitenden Vorbesprechungen nicht eingegangen. Das Blatt sagt dazu, man habe in Paris schlecht begonnen und fahre noch schlimmer fort. Die verantwortliche Regierung habe es bisher vermieden, die Besprechungen mit Italien in Fluß zu bringen, während die direkt inspirierten französischen Blätter ihre Antwort vorwegzunehmen bemüht seien und Argumente und Polemiken veröffentlichten, die eine allgemeine Verwirrung hervorrusen, aber nicht einen produktiven und aufrichtigen Entwicklung der Dinge dienen könnten. Das Blatt gibt schließlich der Hoffnung Ausdruck, daß diese Haltung der Pariser Presse sich nicht mit der der französisch. Regierung decke, und bezeichnete es als absolut dringend, daß die Auffassungen und Tatsachen geklärt werden. das ehrfurchtsvoller Trauer und stolzer Dankbarkeit neigen wir uns vor der Größe der Liebe, die sie durchglühte und zum Höchsten emporriß. Dann gedachte der Oberbürgermeister der Opfer der Novembertage 1923, an denen gegen verräterische Gewaltherrschaft, die die Trennung von Rhein und Reich anstrebte, das Volk sich erhob und den Separatistenaufstand hinwegfegte. In diesem Augenblick setzte die Musik mit dem Liede vom guten Kameraden ein, dem die Menge andachtsvoll schweigend lauschte. Als das Lied verklungen war, fuhr Dr. Rombach fort: Aachen ist frei. 11 Jahre der Fremdherrschaft haben ihr Ende gefunden. Wir trugen es in Trauer und Treue. Nun sind diese Jahre versunken und höher schlagen die Herzen aller. Mit Wehmut grüßen wir jene deutschen Brüder und Schwestern am Rhein und an der Saar, die noch weiterhin dem Druck der Fremdherrschaft ausgesetzt sind. Mit ihnen bleiben wir in engster Schicksalsgemeinschaft verbunden. In Trauer und Treue gedenken wir auch der Volksgenossen, die einst mit unserem Bezirk politisch und wirtschaftlich verbunden waren und heute von uns getrennt sind. Wir kennen die Gefühle, die in dieser Stunde ihre Herzen durchzittern. Wir wissen, welche Hoffnung diese Mitternacht auch heute in ihnen weckt, und wir glauben, mit ihnen an die Macht des Rechts, das immer noch als siegreich sich erwiesen hat. Das Rathaus der Stadt Aachen, zu den schönsten des Rheinlandes zählt. Aachen ist frei. Wir wollen in dieser Stunde das Gefühl der Einigkeit in uns stärken und festigen. Durch ernste gemeinsame Arbeit am Volk, vor allem an unserer Jugend, wollen wir den Geist der Einigkeit zurückgewinnen, der des Deutschen Reiches ruhmvolle Geschichte geschrieben hat. Erneuern wir hier auf ehrwürdigem und denkwürdigem urdeutschen Boden das Gelöbnis der Treue zu unserer engeren Heimat und zu unserem großen Vaterlande mit dem Ruf: Die alte Kaiserstadt unser geliebtes Aachen, unser heißgeliebtes Vaterland, sie leben hoch! Entblößten Hauptes sang die Menge das Deutschlandlied. Im Feuer der Fackeln blitzten die Schläger der studentischen Vertretungen. Dann sprach Reichsminister Dr. Wirth. Noch schlägt die Stunde der Freiheit nicht der ganzen Nation, sagt er. An der Mosell und am Rhein steht noch der feindliche Machthaber, und gerade die nächsten Monate werden noch Tage höchster Spannung bringen. Wir überwinden auch das letzte Hindernis, wenn in unserem Volke der Gedanke lebendig ist, daß wir nur in der Gemeinschaft und in treuer Arbeit am Ganzen die Freiheit wieder erwerben können. Darum rufe ich über den weiten Platz: Steht zusammen in der Gemeinde wie im Staate! Ohne Freiheit, keine Wohlfahrt, ohne Dienst an der Gemeinheit kein Aufstieg! Mit zusammenschlagenden Herzen erleben wird in dem Jahresbericht des verstorbenen Kriegssekretärs Good für den 30. Juni d. Is. wie folgt angegeben: Gesamtmannschaftsbestand der regulären Armee 130 987, davon Infanterie 41 368, Kavallerie 8348, Feldartillerie 14 971, Küstenartillerie 12168, Fliegerkorps 10 890. Die Effektivstärke der Nationalgarde beläuft sich auf 176 988, davon sind 164 453 Mannschaften. Der Bestand des Reserveoffizierkorps ist mit 112757 angegeben, der des Reserveoffizier=Ausbildungskorps mit 112 424. Die Ermittlungen im Falle Lampel und Genossen daß, wie ziemlich bestimmt feststeht, in der lichen Zeit, also im Juni=Juli 1921, dem Freikorps Oberland zwei Offiziersstellvertreter namens Fritz Köhler Stärke der amerikanischen Armes von gleicher Größe und Gestalt angehörten, und Die Starne der amerikanischen Armee daß ein Teil der vernommenen Zeugen den zweiten Fritz Köhler meinte, über dessen Verbleib bisher nichts ermittelt werden konnte. Auch von dem zweiten Fritz Köhler und seinen erschweren sich dadurch, fragLeuten befinden sich Lichtbilder im Besitz des Untersuchungsrichters. Die Gruppe, zu der der zweite Fritz Köhler gehörte, sollte der Kompagnie des Leutnants Kandt angegliedert werden. Der frühere Leutnant Kandt konnte wegen technischer Schwierigkeiten noch nicht vernommen werden. Nach den Angaben einiger Zeugen scheint aber der von Kandt erwähnte Köhler nicht der Getötete zu sein, sondern der zweite Köhler, der mit Kandt in Streitigkeiten geriet, als die Gruppe Köhler in die Kompagnie des Kandt eingereiht werden sollte. Dieser zweite Köhler wird sonst von seinen Leuten als ein anständiger Vorgesetzter bezeichnet, während der getötete Köhler ein roher Mensch gewesen sein soll, der gern mit der Reitpeitsche schlug. Der zweite Köhler sollte wegen Gegensätzlichkeiten verhaftet werden, entfloh aber, ohne daß sein Verbleib festgestellt werden konnte. Zur Aufklärung der Rolle des getöteten Köhler und um die Belastung des Verfahrens mit den Aussagen, die sich auf den zweiten Köhler beziehen, zu verhüten, soll in den nächsten Tagen in der preußischen und bayerischen Presse ein Bild des getöteten Köhler veröffentlicht werden. wir heute die Gemeinschaft und erleben das in der deutschen Republik geeinte deutsche Volk. Mit Gott vorwärts und aufwärts!“ Zum Schluß begrüßte. Staatsminister Dr. Hirtsiefer die befreite Stadt im Namen der preußischen Staatsregierung und dankte ihr für die Treue und Unerschrockenheit, mit der sie Drohung und Verbrechen, Gewalt und Lockung widerstanden hat. Auch er sprach die Hoffnung aus, daß die Volksgenossen, die noch unter der Besatzung zu leiden haben, bald wieder die goldene Freiheit genießen mögen. In das Hoch auf Deutschland stimmte die Menge freudig ein und sang dann begeistert noch einmal die erste Strophe des Deutschlandliedes. Wieder jubelten die Fanfaren über dem weiten Platz und, unterstützt von der Musikkapelle, klang zum ersten Male aus vielen Tausenden von Kehlen das eigens zur Befreiung geschriebene Lied nach der Weise des Niederländischen Dankgebetes: „Aachen ist frei!“ Die Feier in Koblenz. Samstagabend 8 Uhr rückten von Köln aus 100 Schupoleute ein, freudig von der Bevölkerung begrüßt. Oberregierungsrat Dr. Koch hatte sie im Auftrage des Regierungspräsidenten begrüßt, während Oberbürgermeister Dr. Russell, dem einstweilen auch die staatliche Polizei unterstellt ist, die Einrückenden im Namen der Stadt willkommen hieß. Gegen 10 Uhr setzte ein gewaltiger Zustrom der Bevölkerung nach dem Deutschen Eck ein, der Regen hatte inzwischen aufgehört. Nirgends wurde lärmende Lustigkeit laut. Als um Mitternacht eine Signalrakete au fdem Neuendorfer Ufer und das Aufleuchten der großen Feuer an Rhein und Mosel, begleitet von dem feierlichen Geläut der zahlreichen Kirchenglocken, den Beginn der Befreiungsstunde verkündeten, entblößten sich alle Häupter. Lautlose Stille trat ein, und in tiefem, drei Minuten dauerndem Schweigen dur wanderten die Gedanken der Versammelten nod mals die schwere Zeit des Krieges und die nicht minder schweren Jahre der Besetzung. Wuchtig und eindrucksvoll wie ein Dankgebet drang die erste Strophe des Liedes„Großer Gott, wir loben dich“ zum nächtlichen Himmel empor, und wieder trat tiefes Schweigen ein, als Oberbürgermeister Dr. Russell das Wort zu seiner Befreiungsansprache nahm, in der er u. a. ausführte, Koblenz habe zwar heute seine Freiheit wieder erhalten, aber die Brüder vom Oberrhein, Mosel und Saar seien immer noch nicht in die Einheit des früheren deutschen Vaterlandes zurückgekehrt. Wie der trutzige Ehrenbreitstein das Selbstbewußtsein deutschen Willens nach außen verkörpert, so rufen Rhein und Mosel, die sich hier zum gewaltigen deutschen Wirtschaftsstrom zusammenfügen, uns das ernste, mahnende Wort zu, avzulassen von Hader und Zwist uno zusammenzustehen zum kraftvollen Ausbau unseres Reiches. Wir wollen zueinander Vertrauen fassen und gemeinsam unsere Schuldigkeit tun: Denn nimmer wird das Reich zerstört, wenn ihr einig seid und treu! Und nun erklinge es wie einst nach dem Befreiungskriege: Flamme empor! Steige mit loderndem Schein von den Gebirgen am Rhein glühend empor!“ Bei diese1 Worten des Oberbürgermeisters erschien die Feste Ehrenbreitstein plötzlich in einem wahren Feuermeer. Scheinwerfer erhellten überdies den historischen Augenblick, wo die deutsche Reichsflagge zum Zeichen der wiedererrungenen Vereinigung mit dem Vaterland auf der Festung gehißt wurde. Freudenschüsse erfüllten die Feierstunde, und die riesige Menschenmenge stimmte jubelnd ein in begeisterte Hochrufe auf das deutsche Vaterland. Darauf ergriff Reichsminister von Gnérard das Wort zu folgender Ansprache: Festfeuer spiegeln sich nach alter deutscher Sitte im vaterländihen Strom. Die Glocken läuten, und droben auf dem alten Wahrzeichen des Zusammenflusses von Rhein und Mosel ist gestiegen des Reiches Symbol, der Deutschen Republik Standarte. Droben, wo wir einst, Schmerz im Herzen, steigen sahen fremde Fahnen, das Sternenbanner, dann die Trikolore, weht die Ge ist weht die deutsche Fahne, ein Zeien der Freiheit von fremder Besatzung. Niemals . die unlösliche nationale Verbundenheit des rheinischen Volkes mit dem großen deutschen Vaterland so erhebend in die Erscheinung getreten, wie in den schwersten Stunden einer hinter uns liegenden Vergangenheit. Der Glaube an des un gekeilten Deutschlands Iurunft wurzelt in unser aller Herz. Für dieses Deutschland zu wirken in Freiheit ist unsere stolze Aufgabe. Wir wissen, daß diese Freiheit noch keine schrankenlose ist, aber wir werden erstreben, daß auf dem Weg der Verständigung Recht geschaffen wird, das getragen ist von dem Gedanken ehrlicher Rechtsgleichheit. Wir wissen auch, daß erst nach der Sonnenwende des nächsten Jahres unsere Brüder und Schwestern der dritten Zone uns in Freiheit die Hände reichen können. Aber der Tag steht fest. Wir wissen, daß um die deutsche Saar noch gerungen wird. Den Volksgenossen der noch besetzten Gebiete, den Volksgenossen an der Saar gilt unser Gruß, gilt der Gruß der deutschen Reichsregierung. Des Reiches helfende Hand muß eingreifen in West und in Ost. Daß ich dafür einstehen werde, dafür bürgt Ihnen meine Vergangenheit, meine Gegenwart heute in Ihrer Mitte. Lassen Sie mich schließen mit dem grüßenden Wunsch: Gott grüße rheinisches Land! Nach der eindrucksvollen Feier am Deutschen Eck war der Sonntag dem Dank an diejenigen gewidmet, die zur Ueberwindung der schweren Jahre der Besetzung in erster Linie beigetragen haben. Besonders eindrucksvoll verlief der Festakt im großen Saal der Stadthalle. Hier verstand es Oberbürgermeister Dr. Russell meisterhaft, dem tiefen Empfinden seiner Mitbürger gerecht zu werden. Er umriß noch einmal die Leidenszeit, die Koblenz in den vergangenen elf Jahren durchgemacht hat, gab aber ebenso der festen Zuversicht Ausdruck, daß das getreue Zusammenstehen aller Bevölkerungskreise den früheren Wohlstand der Stadt wieder begründen werde. Lebhaften Beifall fand seine Erwähnung des schweren Ruhrkampfes und der siegreich abgewehrten Separatistenbewegung sowie des Huldigungstelegramms an den Reichspräsidenten und die Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Stadt Koblenz an den verdienten Oberpräsidenten der Rheinprovinz Dr. Fuchs. Auch Kultusminister Dr. Becker, der Gruß und Glückwünsche der Reichsregierung und der preußischen Staatsregierung überbrachte, wurde von der Versammlung freudigst begrüßt. Er führte aus: Bei aller berechtigten Freude über das Erreichte sollten wir die realen Tatbestände unserer vaterländischen Not nie aus dem Auge verlieren. Das Haus der deutschen Freiheit wird nur langsam wieder errichtet. Die Klassen, Stände und Parteien dürfen nicht die Fehler wiederholen, Freidie Woche brachte. Eine Amn= und Ausschan die wir den Fürsten von ehedem vorwerfen. Solche Feiern wie heute lehren uns die große Verpflichtung gegen uns selbst, gegen unser Volk. Von innen heraus wird unser heitshaus gebaut werden. Wir alle haben daran seit Jahren ehrlich und mutig mitgearbeitet. Ich grüße alle Mitarbeiter an diesem herrlichen Werk. Ich grüße Koblenz, ich grüße die befreite zweite Zone, ich grüße das ganze Deutschland. Zum Schluß sprach Oberpräsident Dr. Fuchs setnen tief gefühlten Dank für die Verleihung der Ehrenbürgerschaft von Koblenz aus, die er zugleich als eine Ehrung aller derjenigen betrachtete, die in den schweren Jahren der Besatzung mitlitten und stritten. Einen würdigen Abschluß der Feier bildete am Abend eine Festvorstellung im Koblenzer Stadttheater, in der„Wilhelm Tell“ aufgeführt wurde. In Düren waren die Hauptstraßen in ein farbiges Flaggenmeer verwandelt. Auf Einladung des Oberbürgermeisters Dr Overhues versammelten sich die alten und neuen Stadtverordneten, die Vertreter von Handel und Wirtschaft sowie die Presse zu einem Empfang im reichgeschmückten Rathaussaal. Unerwartet erschien Minister Dr. Hirtsiefer, begleitet von Ministerialdirektor Brand vom preußischen Innenministerium, Regierungsrat Busch vom preußischen Wohlfahrtsministerium u. Regierungspräsident Stieler(Aachen). Nach dem Willkommensgruß des Oberbürgermeisters dankte Minister Hirtsiefer im Namen der Staatsregierung allen Dürenern und damit auch allen Rheinländern für die Treue, welche sie dem preußischen Staat und der deutschen Reichsregierung in elf harten Jahren gehalten haben. Anschließend fand die große Kundgebuna auf dem Marktplatz statt. Tausende von Menschen der näheven und weiteren Umaebung drängten sich auf den Straßen und Plätzen. Noch vor Mitternacht sang ein Massenchor. Dann sprach das Stadtoberhaupt markige Worte an die Bürgerschaft. Die Ansprache wurde in der ganzen Innenstadt durch Lautsprecher verbreitet. Als die Glocken der Annakirche zum Mitternachtsschlage ausholten, erklang das Niederländische Dankgebet.— Sonntag abend fand die Feier mit einem Fackelzug und anschließendem Feuerwerk ihr Ende. In Euskirchen. Reicher Flaggenschmuck und strahlende Beleuchtung bilden das Festgewand, das die Stadt gestern abend anlegte. Die Bevölkerung nahm an den Befreiungsfeiern regen Anteil. Gestern nachmittag überbrachte der Kölner Regierungspräsident Elfgen persönlich dem Bürgermeister die Grüße und Glückwünsche der Staatsregierung. Um Mitternacht ertönte Glockengeläute von allen Kirchen und Salutschüsse. Nach Festgottesdiensten in allen Kirchen begann heute mittag 11.30 Uhr die festliche Befreiungsstunde auf dem neuen Markt, der von einer dichtgedrängten Menge umsäumt war. Befreiungsstaffeln der hiesigen Sportvereine überbrachten dem Bürgermeister deutsche Freiheitsgrüße. Punkt 12 Uhr erschien das Flugzeug D 1677, zog mehrere Schleifen über dem Markt und warf unter brausendem Beifall der Bevölkerung einen Lorbeerkranz ab. In einer Festansprache wies Bürgermeister Disse auf die Bedeutung des Tages hin. Den Dank der Staatsregierung sprach Regierungsdirektor Aßmann von der Kölner Staatsregierung aus. Das Deutschlandlied schloß die erhebende Feier. Grabe Stresemanns ließen die befreiten Städte Koblenz und Aachen zwei große Lorbeerkränze niederlegen. Der Kranz der Stadt Koblemz ist mit Schleifen in den Farben des Reiches und der Stadt Rot=Weiß geschmückt, die die Inschrift„Stadt Koblenz“ tragen; die Schleife des Kranzes der Stadt Aachen weist die schwarz=gelben Farben dieser Stadt mit der Inschrift„Zur Erinnerung an die Befreiung der Stadt Aachen“ auf. Seit der Einverleibung des Saargebietes in das französische Zollgebiet gibt es keine einwandfreie saarländisch=französische Handelsstatistik mehr; man ist auf mehr oder weniger willkürliche Schätzungen angewiesen. Auf französischer Seite behauptete man, daß jährlich für zwei Milliarden französischer Ware ins Saargebiet gingen, eine Zahl, die weit übertrieben ist. Die Handelskammer Saarbrücken hat daraufhin an die Regierungskommission das Ersuchen gerichtet, für einige Monate einmal zwischen Saargebiet und Frankreich eine statistische Zwischenzollgrenze einzurichten, um ein genaues Bild über den wirklichen Stand des saarländisch=französischen Warenverkehrs zu erlangen. Von dieser Eingabe hat man aber nie wieder etwas gehört, ein Beweis dafür, daß die Regierungskommission kein Interesse an der Klarstellung hat, und daß es den französischen Stellen lieber ist, wenn man bei den Saarverhandlungen mit oberflächlichen Schätzungen arbeiten kann. Diese baut man in der Hauptsache auf der Eisenbahnverkehrsstatistik auf; daß das zu ganz erheblichen Fehlern führen muß, ist selbstverständlich, denn dort erscheint jeder Durchgangsverkehr ohne weiteres als Bezug aus Frankreich, so daß dadurch die Bezugszahlen aus Frankreich natürlich stark anschwellen. So betrug zum Beispiel nach den französischen Unterlagen der Erzbezug des Saargebietes aus Luxemburg im Jahre 1927 nur 8450 Tonnen, während in Wirklichkeit nicht weniger als 345 159 Tonnen Erze in dieser Zeit aus Luxemburg ins Saargebiet eingeführt wurden! Der Widerspruch klärt sich dadurch auf, daß die Erzlieferungen aus Luxemburg über französische Bahnen gegangen sind und unbedenklich dann als französische Ware geführt wurden. Genau so geht es mit dem ganzen Bezug des Saargebietes aus Uebersee. Dieses Beispiel zeigt mit aller Deutlichkeit, daß die aus der Eisenbahnverkehrsstatistik gewonnenen Zahlen bei den Saarverhandlungen unter keinen Umständen als beweiskräftig hingenommen werden dürfen. Der Verfassungsausschuß des Preußischen Landtages befaßte sich mit einem Antrag der Deutschen Fraktion, wonach die Ernennung von Landräten durch die Kreistage mit Mehrheitsbeschluß erfolgen und dem Staatsministerium ausschließlich ein Bestätigungsrecht zustehen soll, sowie mit einem weiteren Antrag, der die Wahl der Landräte der wahlberechtigten Bevölkerung der Kreise übertragen will. Die Anträge wurden mit Mehrheit abgelehnt, ebenso ein deutschnationaler Antrag auf Ergänzung der preußischen Verfassung dahin, daß in die Verfassung Bestimmungen aufgenommen werden sollen, die besonders festlegen, daß auch die Richter unabhängig und nur dem Gesetz unterworfen sind, und daß Eingriffe der Verwaltungsbehörden in die Rechtspflege, insbesondere in die Aufgaben der Untersuchungsrichter, unzulässig sein sollen. In der Begründung des Antrages wird auf den Standpunkt verwiesen, den die Staatsanwaltschaft in dem Berufungsverfahren vor dem Obersten Disziplinarsenat beim Kammergericht gegen Landgerichtsdirektor Hoffmann und Landgerichtsrat Kölling eingenommen hat. Letzthin berichteten wir von den starken Grenzbefestigungen Frankreichs gegen Deutschland. Wenn alles das zutrifft, was da erzählt wird, dann gleicht die Gegend an der Saar und gleicht ganz Elsaß=Lothringen einer einzigen Festungsanlage gegen uns. Manches ist noch nicht fertig; aber in vier Jahren soll die Sache doch so sein, daß auf dem Marschwege kein noch so starker Feind nach Frankreich gelangen kann. Aus der letzten Sitzung des Heeresausschusses sei als Ergänzung des gestrigen Artikels noch mitgeteilt, was der Kriegsminister Maginot erzählt. Danach sieht der Befestigungsplan für die vorderste Linie eine Art Vorpostennetz(Unterstände für Maschinengewehre und Artillerie) vor, dahinter unterirdische Befestigungsanlagen mit Unterständen für Material und Reserven. Abwehrpunkte, versehen mit allen notwendigen Materialien, sollen in der zweiten Linie geschaffen und derart ausgerüstet werden, daß Gasangriffe, Luftangriffe und Angriffe schwerer Artillerie daran abprallen. Endlich sollen mobile Befestigungsparks, die zur Verstärkung der ersten Maschinengewehrlinie bestimmt sind, möglichst nahe herangeführt werden. Zur Ausnutzung der bereits bestehenden Verteidigungsorganisation sieht der Reorganisationsplan eine bessere Nutzbarmachung der Sperrforts vor. General Debeney tritt für die Konzentrierung einer möglichst großen Zahl verfügbarer Divisionen an der Grenze ein, um einem plötzlichen Angriff begegnen zu können. Die Kosten für die Verteidigungsanlagen werden nach Maginot 3 400 000 000 Francs betragen. Die Arbeitszeit wird auf vier Jahre veranschlagt. Die Organisation der in der ersten Linie liegenden betonierten Vorposten soll jedoch noch vor der Räumung der dritten Zone beendet sein. Aus der an die Rede des Kriegsministers sich anschließenden Debatte ist hervorzuheben, daß der sozialistische Abgeordnete Renaudel die sofortige Schaffung einer Luftangriffsflotte forderte, um für alle Fälle zu Beginn der Mobilmachung gerüstet zu sein. Zwei andere Abgeordnete betonten die Notwendigkeit, die strategischen Linien im Südosten zu vollenden. Die Frage der Rheinlandräumung und des beschlagnahmten Privateigentums beschäftigte den Ausschuß der französischen Kammer für auswärtige Angelegenheiten. Die Ausschußmitglieder, die hinsichtlich der Rheinlandräumung Einwendungen erhoben, betonten, daß die Besetzung eine Sicherheitsgarantie für Frankreich gewesen sei. Man würde also ihrer Ansicht nach die Räumung ohne gewisse Garantien nicht vornehmen können. Um eine entsprechende Prüfung zu ermöglichen, sei ein Unterausschuß eingesetzt worden, der an Ort und Stelle eine Untersuchung vornehmen soll. Es sei vereinbart worden, daß dieser Unterausschuß seine Schlußfolgerungen noch vor dem 4. Januar, also vor Eröffnung der 2. Haager Konferenz, im Kammerausschuß für auswärtige Angelegenheiten vorbringen soll. Wie die Agentur Havas weiter berichtet, habe sich der Ausschuß auch mit der Frage der Zurückerstattung des beschlagnahmten deutschen Besitzes beschäftigt, und es seien mehrere Einzelfälle erwähnt worden, so die Fälle der Bergwerke von Röchling und der Gebrüder Mannesmann. Man habe in dieser Beziehung an die von dem englischen Schatzkanzler Snowden eingenommene Haltung erinnert. Der Ausschuß sei anscheinend, ohne einen Beschluß gefaßt zu haben, der Ansicht gewesen, sich entsprechend auch in Frankreich zu verhalten. Der Abgeordnete Dubois sei beauftraglt worden, die notwendigen Informationen einzuholen und demnächst einen ausführlichen Bericht vorzulegen. Snowden, der englische Schatzkanzler, war als Privatmann bekanntlich für die Zurückerstattung, aber jetzt, wo er als Minister sein früheres Wort einlösen könnte, kommt er mit faulen Ausreden, um die Zurückerstattung entweder überhaupt zu vereiteln oder aber sie doch vorläufig zu verhindern. Im polnischen Landtaa in Warschau haben seit Tagen bedeutsame Beratungen von Vertretern sämtlicher ukrainischer, weißrussischer und litanischer Parteien in Polen stattgefunden. Nur die Kommunisten haben sich den Beratungen ferngehalten. Nach erschöpfender Erörterung der Lage dieser drei Nationalitäten innerhalb der polnischen Grenzen wurde festgestellt, daß im Zusammenhang mit der beabsichtigten Aenderung der polnischen Verfassung das Bestreben herrsche, die Rechte dieser Minderheiten gänzlich einzuschränken. Angesichts dessen hat die von den drei Minderheiten beschickte Konferenz beschlossen, in engster Zusammenarbeit den Kampf um die Rechte der Nationalitäten zu führen und zu diesem Zwecke einen ständigen Verständiaunasausschuß ins Leben zu rufen. Die nationaldemokratische„Gazeta Warszwaska" hält es nicht für ausgeschlossen, daß sich die Verständigungsaktion auch noch auf Deutsche und Juden erstrecken wird. Wie einig wir in dem Wunsche nach Rückgabe der Saargruben an Preußen sind, hat die Landtagssitzung am Freitag ergeben. Die Neichsregierung, die augenblicklich noch in den ersten Schwierigkeiten der Saarverhandlungen steht, wird das feste preußische Bekenntnis zur Saar und den Willen des preußischen Staates, für dieses deutsche Gebiet nach seiner Rückgliederung besondere Sorge zu tragen, als wertvolle Unterstützung in den diplomatischen Verhandlungen begrüßen. Es ist zu hoffen, daß die sast einmütige Stellungnahme der Parteien des Preußischen Landtages in der Saarbevölkerung auf ein freudiges Echo stößt. Am Wochenanfang hat Frankreichs zähester und aufrechtester Mann im Kriege, Clemenceau, die Augen zum letzten Schlaf geschlossen. Auch sein Testament zeigt den ganzen Kerl: Beisetzung ohne allen Ueberschwang im Heimatstädtchen neben dem längst heimgegangenen Vater. Der besondere Artikel aus Clemenceaus Erinnerungen in der letzten Nummer dsr. 3tg. macht jede weitere Zeile über den„Tiger“ heute überflüssig. Grüße aus Berlin. Der Oberpräsident der Rheinprovinz sandte gestern nachmittag folgendes Telegramm an den Reichspräsidenten: Berichte gehorsamst, französische Flagge vom Ehrenbreitstein um 11 Uhr 15 niedergeholt. Letzte Truppen rücken ab. Zweite Zone frei. Der Reichspräsident erwiderte dem Oberpräsidenten mit folgendem Telegramm: In der Stunde, da die Räumung der zweiten Zone beendet und diesem Gebiet die Freiheit wiedergegeben ist, gedenke ich in Dankbarkeit der treuen rheinischen Bevölkerung. Sie hat in den elf Jahren fremder Besetzung schweres Schicksal erduldet, aber die Treue zum Vaterland in harten Tagen erprobt. Das soll ihr unvergessen bleiben! Allen denen, die im Klange der Freihntsglocken sich zur Erneuerung ihres Bekenntnisses zum Vaterland in dem nun befreiten rheinischen Gebiet versammeln, entbiete ich in enger Verbundenheit herzlichste Grüße. Ich verknüpfe damit die Hoffnung, daß auch dem noch besetzten Teil deutschen Landes bald die Stunde der Freiheit schlagen möge. Auch der Reichskanzler und der preußische Ministerpräsident Dr. Braun gratulierten auf dem Drahtwege. Das Wahlrecht der griechischen Frauen zu den Gemeindewahlen ist nunmehr gesichert. In einigen Tagen wird eine entsprechende Verordnung veröffentlicht, und im Januar werden die Listen der neuen Wählerinnen für die Gemeindewahlen aufgestellt. Salamis— Kreuzer„Salamis". Durch die amerikanische Presse ging eine Notiz, wonach England bereit sei, Cypern gegen die Insel Salamis auszutauschen und auf Salamis eine Flottenbasis einrichten wollte. Es handelt sich hierbei gar nicht um die Insel Salamis, sondern um eine Bucht der Insel Cypern, die ebenfalls Salamis heißt. England hat schon seit Jahren die Absicht, in dieser Bucht eine Flottenstation anzulegen. Ministerpräsident Veniselos hatte eine Besprechung mit dem Außenminister wegen des Kreuzers „Salamis“, um Griechenlands Stellung gegenüber den Ansprüchen der Stettiner Vulkanwerke wegen der Nichtabnahme der„Salamis“ festzustellen. Die indirekt um die Entschädigung befragte Vulkan werft hat wissen lassen, daß sie eine Entschädigung von 30 Millionen beanspruche. Die griechische Regierung, heißt es, sei bereit, eine Entschädigung zu zahlen, doch dürfe diese nicht 20 Millionen überschreiten, in die die seinerzeit geleistete Anzahlung von 550 00° engl. Pfund einzubeziehen sei. Falls sich die Meinungsverschiedenheit nicht direkt zwischen Vulkanwerft und griechischer Regierung beilegen lasse, so soll hierüber das griechischdeutsche Schiedsgericht in Paris entscheiden. Der Reichstag lehnt das Freiheitsgesetz ab Bei§ 4 fehlen 30„Ja"-Stimmen.— Bei Beginn der Samstags=Sitzung des Reichstags, um 10 Uhr, war das Haus schon stattlich besucht. Zur zweiten Lesung des„Freiheitsgesetzes“ fand über den Paragraphen 1 noch einmal eine allgemeine Aussprache statt. Abg. Frau Lehmann=Berlin(Dntl.) wies darauf hin, daß noch kein politisches Thema seit dem Abschluß des Versailler Vertrages solche Anteilnahme des Volkes hervorgerufen habe wie das Volksbegehren. Zahlenmäßig sei der Umsang der Bewegung noch nicht zu erfassen. Man stehe am Anfang der Bewegung. Beim Versailler Vertrag handele es sich nicht um Allein= oder Mitschuld, sondern um ein erpreßtes Schuldbekenntnis. Auf diesem Schuldbekenntnis wären die ungeheuerlichen Forde#igen der Entente aufgebaut. Besser und klüger wäre es gewesen, wenn man das Recht des Reichspräsidenten, völkerrechtlich bindende Erklärungen abzugeben, schon bei der Tannenbergrede anerkannt hätte, und nicht erst bei der Kritik am§ 4 des Volksbegehrens. Vergeblich habe man in diesem Jahre auf eine Ablehnung des deutschen Schuldbekenntnisses gewartet. Die Dnt. V.=P. fordere, daß die deutsche Regierung den Kampf aufnehme, sonst werde der Sinn für Freiheit und Ehre im deutschen Volke erstickt. Für die Deutsche Volkspartei sprach Abg. v. Kardorff. Er beklagte, daß sich das Volksbegehren in erster Linie gegen Dr Stresemann und in zweiter Linie gegen die Deutsche Volkspartei gerichtet habe. Er bezweifelte die Zweckmäßigkeit eines Volksbegehrens an sich. Er sagte: Ein Volksbegehren über so einfache Fragen wie Republik oder Monarchie mag noch berechtigt sein, aber wer von denen, die das Volksbegehren unterzeichnet haben, hat denn überhaupt den Young=Plan gelesen, geschweige denn verstanden? (Große Unruhe rechts.) Der Redner bedauerte, daß man Hugenberg nicht gehört habe. Er fragte, ob Hugenberg etwa ein so schlechter Redner sei wie Bismarck(Heiterkeit). Bismarck habe trotzdem oft gesprochen. Er habe allerdings dem Parlament etwas zu sagen gehabt. v. Kardorff warf den Deutschnationalen vor, ein Volksbegehren eingeleitet zu haben, dessen Ziel sie selbst als unerreichbar erkannten, nur um der Verwirrung und Verhetzung willen, dadurch sei die Regierung in eine äußerst schwierige Lage gebracht worden. (Nationalsozialistische Zurufe: Das wollten wir ja gerade! Stürmische Rufe bei der Mehrheit: Aha!) Der Redner fuhr fort: Sie haben also Regierung und Parteien bewußt auf eine schiefe Ebene gebracht. Sie haben uns gezwungen, das Volksbegehren zu bekämpfen Hugenberg beruft den Parkeivorstand. und dadurch im Auslande den Eindruck erweckt, als könnten wir es gar nicht abwarten, den Young=Plan anzunehmen. Je mehr die Kriegsschuldlüge zur Parteifrage gemacht wird, um so weniger werden Sie ihre Lösung vorwärtstreiben. Wenn man die nächsten zwei Generationen belastet, um die gegenwärtige zu entlasten, so ist das durchaus zu verantworten(Lebhaftes Hört! hört! bei den Nationalsozialisten), denn diese Generation hat den Krieg durchgemacht und ein Schicksal erlebt, wie noch nie eine Generation. Infolge der Hugenbergschen Politik werde man vielleicht im nächsten Reichstage keine Möglichkeit für eine bürgerliche Mehrheitsbildung mehr haben. Dann müßte die Sozialdemokratie aus Dankbarkeit für ein Denkmal zu Ehren Hugenbergs sammeln(Schallende Heiterkeit). Für die Denkmalsenthüllung stellté sich Kardorff als Festredner zur Verfügung(Heiterk.). Der Redner kritisierte die amtliche Gegenpropaganda beim Volksbegehren, beispielsweise die vielen Ministerreden im Rundfunk und die Nichtzulassung Hugenbergs. Er bedauert auch das Verbot des Stahlhelms im Rheinland und Westfalen und verurteilte die Maßnahmen Severings gegen die Beamten. Er sagte: Wir werden ein solches Vorgehen nicht noch einmal dulden. Auch auf unsere Interessen wird in der Regierung etwas mehr Rücksicht genommen werden müssen als bisher. Zum Schluß bat der volksparteiliche Redner die Reichsregierung dringend, das große Reformprogramm für Finanzen und Wirtschaft endlich vorzulegen. Sie dürfe nicht noch einmal ohne dieses Programm nach dem Haag gehen. Die Volkspartei werde dafür mit aller Energie kämpfen(Beifall bei der Volkspartei). Reichsinnenminister Severing: Die ganze Aktion des Volksbegehrens nicht außenpolitischen Zwecken sondern sie war gerichtet gegen das demokratische System, gegen die Weimarer Verfassung. Von dem Größenwahn der National=Sozialisten wurden bald auch die Deutsch=Nationalen angesteckt. In der Agitation für das Volksbegehren und in dem§ 4 des Volksbegehrens selbst werden die Minister, die Parlamentsbeschlüsse ausführen, als„Landesverräter gebrandmarkt und mit Zuchthaus bedroht. Beamte, die sich ausdrücklich mit dem Inhalt des§ 4 identifizierten, haben im Dienste der Republik keinen Platz. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Die Reichsregierung ist nicht in der Lage, Beamte, die gegen verfassungsmäßige Vorschriften handeln, vor einem disziplinarischen Einschreiten zu schützen. Für diese Erklärung stehe ich heute ein.(Hört Zweites Blatt Nummer 282. Dezember. Noch ist die Spätherbstsonne, die uns der vergangene Monat so häufig und einzig schön aus dem Nebelgewebe aufglühen ließ, nicht ganz hinter dem Winterhorizont versunken, da leuchtet auch schon ein neuer Strahlenschimmer gleich in den ersten Tag des Christmonats hinein: Der Advent hat ein Lichtlein auf seinem Kranze angezündet und dieser warme, hoffnungsfrohe Glanz verläßt uns auch nicht mehr. Von Sonntag zu Sonntag nimmt die Lichtfülle zu, bis sie am Heiligen Abend den Christbaum entflammt hat und alle geheimnisvollen Vorbereitungen und sorgsam gehüteten Geschenke sich vor uns ausbreiten. Dieses Gespanntsein auf das, was uns der Monat bringen wird, verläßt uns durch alle seine Tage nicht. Wer noch etwas an den schönen alten Sitten hängt, ohne dabei sich zu sehr dem Aberglauben hinzugeben, wird am Barbaratage(4. Dez.) Obstbaumzweige ins Wasser stellen und sich dabei etwas wünschen. Vielleicht geht ein Teil davon schon in Erfüllung, wenn am 6. Dez. St. Nikolaus als Vorbote Knecht Ruprechts kommt und Nüsse und allerlei kleine Geschenke auf den Tisch schüttet. Der 17. Dez.(Lazarus) sollte uns daran erinnern, daß wir gerade in diesem Monat der Armen gedenken und jeder nach seinem Können dazu beiträgt, daß auch sie wenigstens etwas Freude erleben. Dann kommt endlich das Christkind am Heiligen Abend und nun geht es mit den großen Geheimniskrämereien erst richtig an. Die 12 heiligen Nächte im Anschluß an das Weihnachtsfest zeigen uns im Traum das hauptsächlichste Erleben des kommenden Jahres, und zwar jede Nacht für einen Monat. Wer nichts träumt, ist vielleicht am besten daran. Er braucht nichts zu fürchten, nichts zu hoffen und kann ohne Beeinflussung durch ein guMontag, den 2. Dezember 1929. Kaufleute und Käufer zum Narren gehalten! „Wie auch immer die„Könige“ rasen, die Griechen müssen es büßen...“ Die„Könige“ sind in diesem Falle nicht Achill und Agamemnon, sondern die Herren Regierungspräsidenten in Düsseldorf, Münster und Arnsberg, und die Griechen sind das Volk. von dessen Gnaden die Herren ihre Regierungsgewalt ausüben. Man sollte deshalb annehmen, daß sie nicht— angeblich wie im kaiserlich=königlichen Zeitalter— auf das Volk pfeifen, sondern sich seiner Not und seiner Interessen in jeder Weise annehmen. Der gestrige 1. Dezember beweist, daß die Auffassungen der Herren in Düsseldorf, Münster und Arnsberg in punkto der Staatsraison hier sehr weit auseinandergehen, so weit, daß der preußische Handelsminister darüber öffentlich die Erklärung abgab, daß er diese Art des Regierens für alles andere als geschickt ansehe. Trotz dieser Auffassung ihres Vorgesetzten kam keine Einigung unter den Regierungspräsidenten zustande und auch Herr König ließ sich nicht erweichen, den 1. Dezembersonntag für seinen Regierungsbezirk freizugeben. So kam es, daß am gestrigen Sonntag die Geschäfte im Reg.=Bez. Düsseldorf und Münster geöffnet waren, während sie im Bezirk Arnsberg geschlossen gehalten werden mußten. Ueber die unerhörten Schwierigkeiten, die dadurch entstanden, und die Art und Weise, mit der Kaufleute wie Käufer zum Narren gehalten wurden, gibt die Vereinigte Kaufmannschaft Bochums folgende Darstellung, die auch auf andere benachteiligte Orte zutrifft: duich ein gu„Seit Jahren haben sich die Regierungspräsien sich ganz seiner Arbeit denten von Münster, Arnsberg, Düsseldorf und Köln und aem Eeden widmen. Es verhilft uns ja auch dahin geeeinigt, hinsichtlich der Freigabe der Schiff zu Verkaufssonntage vor Weihnachten einheitlich kei, oder kein Krontein zur Herrschermacht. vorzugehen. So war es auch in diesem Jahre. Es dem e er Wintersonnenwende am sollten zwei Sonntage freigegeben werden, und zwar Deg. bereits wieder aufwärts und das sollte der 15. und der 22. Dezember. Mit dieser Regelung des debras sei. fur den gesamten letzten Monat hatte man sich allgemein abgefunden. Da erreichten cahres lein.* in Krefeld des Jahres sein. * An die Eltern. Mit dem Eintritt der kalten Jahreszeit haben, wie gewöhnlich in der Stadt, die Fälle von Halsentzündungen und von Diphtherie etwas zugenommen. Da es nun oft nicht möglich ist, daß die Eltern unterscheiden, ob es sich bei einem Kinde um eine einfache Halsentzündung oder um die viel gefährlichere Diphtherie handelt, so wird nochmals an das Gewissen der Eltern appelliert, m jedem Falle von Halsentzündung oder von Belägen auf den Mandeln sofort einen Arzt zuzuzieyen. Die Feststellung, ob Diphtherie vorliegt oder nicht, kann nur von einem erfahrenen Arzt getroffen werden. Auch dieser muß sich bisweilen noch der Entnahme von Abstrichen aus dem Rachen bedienen und diesen Abstrich im bakteriologischen Institut untersuchen lassen. Die rechtzeitige Feststellung ist namentlich deshalb besonders wichtig, weil die Wirkung des Diphtherieheilserums in erster Linie von seiner rechtzeitigen Anwendung abhängt. Wir wissen, daß das Diphtherieheilserum am ersten Tage der Erkrankung angewandt, alle oder fast alle Fölle von Diphtherie in 24 Stunden der Genesung entgegenführt. Wir wissen auch, daß es, später angewandt, nicht mehr diese großartige Wirkung besitzt. Deshalb ist mit der Anwendung von Hausmitteln und mit Selbstbehandlung keine Zeit zu verlieren. Das Diphtherieheilserum hat in Millionen von Krankheitsfallen lebensrettend und heilend gewirkt. Bisher sind nie nachteilige Wirkungen von seiner Anwendung gesehen. Dieser letzte Punkt möge ganz besonders betont werden, denn es ist leider nicht ganz selten, daß die Eltern sich hierüber falsche Vorstellungen machen. Man hat sogar manchmal den Eindruck, als ob diese falschen Vorstellungen von unverantwortlicher Seite genährt werden. Deshalb sei nochmals gesagt, das beste, zuverlässigste unt am schnellsten wirkende Heilmittel gegen die Diphtberie ist rechtzeitige Einspritzung einer genügenden Menge Diphtherieheilserum. Von dieser Einspritzung sind bisher noch nie schädliche Folgen für die Kinder bekannt geworden. * Dreister Raubüberfall am hellen Tage! Am Samstag nachmittag gegen 3 Uhr wurde eine Kontoristin der Firma Friedrich von Hof, die sich auf dem Wege zum Baaker Wasserwerk befand, in der Baaker Mulde bei der Wirtschaft Dellmann plötzlich von einem jungen Manne überfallen, der sie schlug und zu Boden warf. Er entriß ihr die Lohngelder in Höhe von 1500 RM., die den an der dortigen Baustelle beschäftigten Arbeitern ansgehändigt werden follten. Mit dem geraubten Gelde suchte er dann das Weite. Die Kontoristin alarmierte die Bauarbeiter, welche die Verfolgung sofort aufnahmen. Nach verhältnismäßig kurzer aufregender Jagd gelang es ihnen, den Räuber sowie einen Komplicen zu fassen und ihn zwei inzwischen herbeigerufenen Landjägern zu übergeben. Das Geld befand sich noch unversehrt im Besitz des Täters.—bh— Wetterbericht. Noch keine Aenderung der Wetterlage, windig. Das gestrige Tiefdruckgebiet über der Nordsee ist unter weiterer Verflachung nach Südschweden abgezogen, während ein neuer kräftiger Sturmwirbel nordwestlich von Großbritannien herannaht, der sich schnell über Mitteleuropa ausbreiten wird. In Deutschland dauert heute früh das milde und veränderliche sowie vielfach regnerische Wetter fort. Die heutigen Morgentemperaturen lagen im allgemeinen zwischen 7 und 9 Grad. Der Kahle Asten hatte mäßigen Südwestdie Geschäftsleute durch eine Abmachung mit den Gewerkschaften, daß dort der 1. Dezember freigegeben wurde. Der Regierungspräsident von Düsseldorf entschloß sich nunmehr zu einer Freigabe dieses Sonntags für den ganzen Regierungsbezirk Düsseldorf, um nicht eine einzelne Stadt zu bevorzugen. Hierdurch ergab sich eine neue Sitnation für die an den Regierungsbezirk Düsseldorf angrenzenden Städte. Die Vereinigte Kaufmannschaft in Dortmund, Vochum, Hattingen usw. versuchte nun in Arnsberg die Freigabe des 1. Dezember auch für ihre Städte zu erreichen unter Hinweis darauf, daß ja der gemeinsame Boden durch die Unterbrechung des Abkommens seitens des Regierungspräsidenten in Düsseldorf fortgefallen sei. Gewichtige wirtschaftliche Gründe ließen es gerechtfertigt erscheinen, auch für den Regierungsbezirk Arnsberg nunmehr den 1. Dezember freizugeben. Der Düsseldorfer Regierungspräsident hatte seine Verfügung Freitag morgen 11 Uhr erlassen. Gleich darauf begaben sich der Geschäftsführer der Bocumer Vereinigten Kaufmannschaft, Marr, und der Geschäftsführer der Dortmunder Kaufmannschaft, Dr. Scholand, persönlich nach Arnsberg, um bei dem Regierungspräsidenten vorstellig zu werden. Der Regierungspräsident lehnte jede persönliche Fühlungnahme ab(!!) und verwies die Herren an seinen Vertreter. Diesem setzten die beiden Herren die schwerwiegenden Gründe auseinander, die für eine Freigabe des Sonntags sprachen. Der Vertreter des Regierungspräsidenten lehnte jedes Entgegenkommen ab mit den Worten:„Wir müssen den anderen die Nibelungen=Treue halten.“ Als darauf von den beiden Vertretern auf das Verhalten des Düsseldorfer Regierungspräsidenten verwiesen und nahegelegt wurde, diesen nun anzurufen, damit er, der aus der Reibe getanzt sei, die Freigabe des 1. Dezember für Düsseldorf wieder rückgängig mache, erwiderte der Regierungsdirektor, das müsse er ablehnen. Regierungspräsident König habe ihm verboten, Düsseldorf anzurufen. Am Samstag morgen fiel nun auch der Regierungspräsident von Münster um und gab den 1. Dezember für diesen Bezirk frei. Während dieser Verhandlungen in Arnsberg pflog die Bochumer Vereinigte Kaufmannschaft Verhandlungen mit der Stadtpolizeiverwaltung. Diese verschloß sich nicht den wirtschaftlichen Gründen und verfügte auf Grund des Paragraphen 105 b, Absatz 2, der Gewerbeordnung die Freigabe des 1. Dezember. Noch am Freitag abend fuhren Geschäftsführer Marx und der Vorsitzende der Vereinigten Kaufmannschaft Dr. Winkelmann nach Berlin und hatten dort eine Unterredung mit dem Handelsminister Dr. Schreiber. Dieser erklärte, daß er zwar nicht eingreifen und Anweisungen an die Regierungspräsidenten geben könne; er habe aber volles Verständnis dafür und würde es billigen, wenn der Regierungspräsident in Arnsberg nun auch dem Beispiel der Regierungspräsidenten von Münster und Düsseldorf folgen und den 1. Dezember freigeben würde. In diesem Sinne wurde in Gegenwart der beiden Bochumer Vertreter durch den Referenten des preußischen Handelsministers dem Regierungspräsidenten in Arnsberg Mitteilung gemacht. Der Handelsminister ermächtigte beide Herren, öffentlich zu erklären, daß er diese Art des Regierens für alles andere als geschickt ansehe. Was tat nun der Regierungspräsident in Arnsberg? Während am Freitag nachmittag um 5.20 Uhr die Stadtpolizeiverwaltung die Freigabe des 6. Dezember angeordnet hatte, teilte der Regierungspräsident um 9.30 Uhr abends durch Funkspruch mit, daß er diese Verfügung der Stadtpolizei aufhebe und die staatliche Polizei beauftragt habe, für strikte Befolgung seiner Anordnung zu sorgen. Noch am Samstag abend wies der Regierungspräsident erneut die staatliche Polizei in Bochum an, notfalls die Geschäfte zu schließen, wenn seine Anordnung nicht befolgt würde. Soweit es bei der vorgerückten Zeit noch möglich war, ließ die Vereinigte Kaufmannschaft die Geschäfte benachrichtigen. Es ist verständlich, daß in der Geschäftswelt eine starke Erregung herrscht. Die Geschäfte hatten sich alle auf den verkaufsfreien Sonntag eingestellt und ihre Werbetätigkeit danach gerichtet. Durch die Nichtfreigabe des Sonntags ist ihnen ein erheblicher Ausfall erwachsen. Der Regierungspräsident hat nun in Aussicht gestellt, den 8. Dezember freizugeben, wenn am Heiligen Abend um 5 Uhr nachmittags geschlossen würde. In einer Protestversammlung der Vereinigten Kaufmannschaft, die am Dienstag abend stattfindet, wird man noch Stellung zu diesen Vorgängen nehmen.“ Der Regierungspräsident in Münster gab den 1. Sonntag für den Verlauf frei, wobei er sich von dem Gedanken leiten ließ, daß, wenn der Sonntag, der 1. Dezember, im Regierungsbezirk Münster, nicht freigegeben. aber im Regierungsbezirk Düsseldorf geschäftsfreier Sonntag sein würde, ein zu großer Nachteil für Handel, Gewerbe und Wirtschaft im Regierungsbezirk Münster eintreten würde. Besonders nachteilig würde sich das für die Geschäfte in Gelsenkirchen, wie auch im ganzen Vest Recklinghausen, auswirken, da z. B. im benachbarten Essen die Geschäfte geöffnet seien, würde natürlich die Möglichkeit bestehen, daß viele Leute nach Essen fahren, um dort einzukaufen. Man versteht es einfach nicht, daß sich der Regierungspräsident von Arnsberg diesen gesunden und unabweisbar richtigen Standpunkt nicht auch zu eigen gemacht hat. Das letzte Wort in dieser Angelegenheit dürfte jedoch noch nicht gesprochen sein.—bhDie Ostmärker in Fattingen und Dohlhausen. Den Auftakt zu der Östbund=Kundgebung, zu welcher die Ortsgruppe Hattingen aufgerufen hatte, bildete am Samstag abend ein Begrüßungsabend in Dahlhausen. Zahlreiche Mitglieder der Ortsgruppen des Landesverbandes Rheinland und Westfalen hatten sich zu dieser Vorfeier, die im sinnvoll geschmückten Saale des Hotels„Westfälischer Hof“ unter freundlicher Mitwirkung des Gesangquartetts des Landesverbandes und der Orchesterabteilung der Esener Ortsgruppe stattfand, eingefunden. Musikalische Darbietungen des Streichorchesters und einige Liedchen des Gesangquartetts, die lebhaften Anklang und starken Beifall fanden, leiteten die Feier ein. Nach einem sinnvoll vorgetragenen Prolog, aus dem der tiefe Schmerz über das bittere Schicksal der Östlanddeutschen sprach und der einen Wermutstropfen in den Freudenbecher der Feierstunde goß, nahm der Vorsitzende der Hattinger Ortsgruppe, Herr Wilhelm Schülke, das Wort zur Begrüßung der Mitglieder und Gäste. Er gedachte der Landsleute im Östen und derer, die hier im Westen eine neue Heimat gefunden, und sprach seinen Dank aus, den anwesenden Vertretern der jetzigen und früheren Behörden, des Landesverbandes und der vertretenen Landsmannschaften. Insbesondere aber begrüßte er alle, die in der schicksalsschweren Zeit des letzten Jahrzehnts dem Östbund die Treue bewahrt und sich für ihn mit ganzer Kraft eingesetzt haben. Ein Gedenken galt den Landsleuten in der Heimat und ein kurzes Trauersitentium den im Weltkriege gefallenen Helden, zu deren Ehren sich die Anwesenden von den Plätzen erhoben. In seinen weiteren Ausführungen mahnte der Redner daran, daß man, wie man früher Schulter an Schulter gekämpft habe, auch einig in dem Ziel sein müsse, mit den Waffen des Geistes den deutschen Östen zurückzugewinnen. Abschließend sangen dann die Anwesenden die letzte Strophe des Deutschlandliedes. Der ernsten Stunde gemahnend, brocht das Quartett das Lied:„Hab' acht, was immer mag geschehen, wir wollen treu zusammenstehen“ zum Vortrag. Der Vorsitzende des Landesverbandes. Herr Topp, entbot alsdann herzlichste Willkommensgrüße. Dank sagte er der rührigen Ortsgruppe Hattingen=Dahlhausen, die ein Ruhmesblatt in der Geschichte des Landesverbandes einnehme, angesichts dessen, was sie mit Unterstützung der früheren und heutigen Behörden auf dem Gebiete der Neusiedlungen zuwege gebracht habe. An die heutige Befreiungsstunde der zweiten Zone des Rheinlandes knünfte er den innigen Wunsch. daß nunmehr auch bald den Ostmärkern die Erlösungsstunde schlagen möge. Aus der Treue zur Heimat habe der Östbund heute eiMittwoch: Fortgesetzt verän Huldigungstelegramm an den Reichspräsiderlich, zeitweise Regen und milder bei stark auf denten v. Hindenburg frischenden südwestlichen Winden. Thermometer= gerichtet, das folgenden Wortlaut hat:„Die in stand 11 Uhr: 10 Grad. Dahlhausen=Ruhr im Westfälischen Hof zu einer Östkundgebung versammelten Östmärker entbieten ihrem Protektor ehrerbietigsten Gruß und geloben Treue zur Ost= und Westmark“. In seinem Schlußwort rief der Landesverbandsvorsitzende zur Mitarbeit auf, daß es dem deutschen Volke in gemeinamer Arbeit leichter werde, das ihm auferlegte harte Los zu tragen. Als Vertreter der Stadtverwaltung Bochum nahm Herr Assessor Dr. Arens Veranlassung, die Mitglieder des Deutschen Östbundes als Neu=Bochumer Bürger herzlichst zu begrüßen, und versicherte, daß das gute Einvernehmen der Ortsgruppe zu der früheren Behörde auch künftig gewahrt bleiben solle. Er hob die Verdienste der Ortsgruppe um die Versorgung der Östmärker mit guten und billigen Wohnungen hervor und gab dem Wunsche und der Hoffnung Ausdruck, daß sich noch recht viele in der neuen Heimat im Westen zum Deutschen Östbund bekennen möchten. In einem längeren Referat behandelte der Vorsitzende der Genossenschaft„Wiederaufbau“, Herr Günther, die Aufgaben des Ostbundes und der Genossenschaft im besonderen auf kulturellem und sozialem Gebiete, indem er zugleich der früheren Gemeinde Linden=Dahlhausen, der eigentlichen Geburtswiege der Baugenossenschaft aufrichtigen Dank aussprach für das Verständnis, das sie den Bestrebungen des Östbundes entgegengebracht habe. In Anbetracht der auf Dienstag anberaumten Verhandlungen mit der Stadt Bochum in bezug auf die Siedlungstätigkeit des Östbundes bat der Redner Herrn Dr. Arens von der Stadtverwaltung, Herrn Oberbürgermeister Dr. Ruer die Grüße des Östbundes zu übermitteln. Herr Günther verweilte dann in schmerzlichem Gedenken bei den aus Rußland vertriebenen Flüchtlingen. Zum Schluß verlieh der Redner seiner Ueberzeugung dahingehend Ausdruck, daß dereinst ein neuer Geist im deutschen Volke, allem Parteihader entsagend, aufgehen werde, und die Stunde nicht mehr fern sei, daß man wieder sagen könne: Am deutschen Wesen soll die ganze Welt genesen! Von der alten Gemeinde Linden=Dahlhausen bekundete der frühere Gemeindevorsteher, Herr Hofmann, seine Freude über die der früheren Gemeinde gezollten anerkennenden Worte und sprach sich zuversichtlich darüber aus, daß auch die Stadt Bochum dem Ostbund in seinen Bestrebungen gleiche Unterstützung werde angedeihen lassen. Zum Schluß des offiziellen Teils des Abends entboten die anwesenden Vertreter der Ortsgruppen der verschiedenen Landsmannschaften dem Östbund herzlichste Grüße zu dem heutigen Abend und dem bevorstehenden Tag der Fahnenweihe. Gesangliche und musikalische Darbietungen des Quartetts und des Streicherchesters leiteten zu dem gemütlichen, inoffiziellen Teil über, der Mitalieder und Gäste noch einige Stunden beisammen hielt. In Hattingen fand Sonntag vormittag eine geschlossene Vertreterversammlung des Landesverbandes Rheinland=Westfalen im Weiltor statt. Von 11 Uhr ab wurde die Hattinger Siedlung der Genossenschaft„Wiederaufbau“ des Deutschen Östbundes besichtigt. Treffpunkt war der Hattinger Hof. Um ½3 Uhr nachmittags wurde auf dem freien Platze am Hattinger Hof zum Festzug angetreten, der als wirklich stattlich bezeichnet werden darf. Ehrendamen trugen die zu weihende Fahne der Ortsgruppe Hattingen in einer Art Sänfte zum Rathause, vor dem die Fahnenweihe stattfand. Musik, Gesang und ein Vorspruch leiteten den festlichen Akt ein. Herr Wilhelm Schülke, der wackere Vorsitzende der Ortsgruppe Hattingen, begrüßte alle Erschienenen und insbesondere die Vertreter des Magistrats mit dem Bürgermeister an der Spitze. In packenden Worten schilderte er die Not der Volksgenossen im Östen nach dem Kriege, da ihnen Hab und Gut und die Heimat dazu genommen wurde. Aber mit der Not wuchs die innere Kraft zum Aushalten und Durchringen und die Zuversicht auf einen erlösenden Ausgang. Deutscher Sinn, deutsche Treue u. Einigkeit, wie sie leider nicht immer im Vaterlande anzutreffen ist, waren die Pfeiler dieser Zuversicht, die alles getragen haben, auch das schwerste, was einem geschlagenen Volke zugemutet und auferlegt werden kann. Nun habe sich im Westen eine neue Heimat aufgetan, und gerade die Stadt Hattingen habe kräftig dazu beigetragen, den Vertriebenen diese neue Heimat lieb zu machen durch weitgehendes Entgegenkommen gegenüber der Genossenschaft„Wiederaufbau“ des Deutschen Östbundes. Nun hätten sie schon einiges wieder aufgebaut und seien darüber hocherfreut. Der gute Anfang mache ihnen aber auch Mut, das Begonnene fortzusetzen und zu vollenden. Herr Schülke schloß mit der erneuten Mahnung zur Einigkeit. Herr Bürgermeister Keiler dankte für die freundliche Begrüßung und verband damit das Bedauern, stadtseitig nicht noch mehr tun zu können. Die Verhältnisse wären eben stärker als der gute Wille. Mit Interesse habe die städtische Verwaltung das Wachsen der Genossenschaft„Wiederaufbau“ verfolgt und festgestellt, daß festes Zusammenhalten und zähe Ausdauer einen freudig zu begrüßenden Erfolg erzielt hätten. Namens der Stadt begrüße er die Volksgenossen aus dem Östen. Er freue sich, daß ihnen hier eine neue Heimat habe geboten werden können, und daß ihr Bekenntnis zum Vaterlande den echtdeutschen Sinn der Östmärker ins schönste Licht rücke. Möchten doch alle nach schweren Leidenszeiten viele frohe Tage erleben und sich wohlfühlen in der alten Stadt an der Ruhr. Nach dem Vortrage von Kreutzers„Das ist der Tag des Herrn“ bestieg der Landesverbandsgeschäftsführer Herr Wilh. Kaschik=Essen den Rednerstand und erörterte kurz Zweck und Ziel des Deutschen Östbundes: Wohnungsbau für alle Volksgenossen die guten Willens sind, und anhaltender Protest gegen die Vergewaltigung im Osten, auf daß die ostmärkische Erde wieder frei werde. Nun möge die Fahne sich enthüllen und unter ihr der erste Gedanke aller an dieser Stelle den Gefallenen der Östmark im Weltkriege gelten. Ihr Herzblut hätten sie für die Heimatscholle vergossen. Während der Redner schwieg, intonierte die Kapelle die erste Strophe vom„Guten Kameraden".„Und nun geselle dich," so schloß Herr Kaschik,„zu deinen Schwestern, halte treu zu ihnen, auf daß erfüllet werde ihre Inschrift: „Was wir verloren haben, darf nicht verloren sein!“ Des Redners Hoch galt dem Vaterlande. Die Menge sang unter Musikbegleitung die erste Strophe des Deutschlandliedes. Der Redner kam dann nochmals kurz auf die Leiden des Östens zu sprechen und freute sich, daß Hattingen manchem ÖOstmärker eine neue Heimat geboten hat. So wollten die Östmärker Schulter an Schulter mit den Westmärkern für die Erhaltung des Deutschtums kämpfen. Nach dem Gesang der dritten Strophe des Deutschlandliedes:„Einigkeit und Recht und Freiheit“, schloß Herr Kaschik seine zündende Ansprache mit der Versicherung, immerfort für die Freiheit der Östmark zu wirken. Fahnenträger und Fahnenbegleiter unterstrichen diese Versicherung mit den Worten:„Treu der Fahne, treu dem Östen, treu dem Vaterlande!“ Damit war der feierliche Weiheakt beendet und die große Schar, der acht Fahnen voraufgetragen wurden, formierte sich zum Festzug durch einige Straßen der Stadt zum Festlokal„Weiltor“, dessen großer Saal bald gefüllt war. Von einheiwischer Ein Besuch im Atelier des Bildhauers Gustav Müller- Blankenstein. Ein Kreis-Verkehrsverein. Zwecks Gründung eines Kreis=Verkehrsvereins Ennepe=Ruhr fand Samstag nachmittag im Sitzungssaale des Kreishauses in Schwelm eine Besprechung statt, an welcher Vertreter aus allen Gemeinden und Städten des Ennepe=Ruhr=Kreises teilnahmen. Nach einer lebhaften Aussprache wurde allgemein der Gründung dieser größeren Dachorganisation zugestimmt; jedoch kann ein endgültiger Beschluß erst nach Zustimmung der örtlichen Verkehrsvereine erfolgen. Ein Ausschuß von 9 Personen wurde beauftragt, die Satzungen für den Kreisverkehrsverein auszuarbeiten und einer neuen Versammlung vorzulegen.—h— Hattingen. Hattingen, 2. Dez. Die neue Stadtverordneten=Versammlung. Die neugewählten Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung treten nach Ablauf der 14tägigen Einspruchsfrist gegen ihre Wahl, voraussichtlich am Dienstag, dem 10. Dez. 1929, erstmalig zu einer Sitzung zusammen. Die Einladung zu dieser ersten Sitzung ergeht vom Bürgermeister aus. Ebenfalls erfolgt die Einführung der Stadtverordneten in dieser 1. Sitzung durch den Herrn Bürgermeister. Erst nach der Einführung übernimmt den Vorsitz der Alterspräsident, in diesem Falle Herr Rektor i. R. Wilke. Unter seinem Vorsitz wird dann die Wahl des neuen Stadtverordneten=Vorstehers, des Schriftführers, sowie deren Stellvertreter vorgenommen. Ebenfalls werden in der 1. StadtverordnetenVersammlung die unbesoldeten Magistratsmitglieder, ein Beigeordneter und sechs Stadträte, zu wählen sein. Zur Vorbereitung der Kommissionswahlen wird in der 1. Sitzung eine Wahlkommission ernannt werden. Letztere wird bis zur 2. Stadtverordnetenversammlung die erforderlichen Vorschläge für die einzelnen Kommissionen vorbereiten. Hattingen, 2. Dez. Neuer Telefonanschluß. Die Kohlenhandlung I. Böhlhoff, Grabenstraße 60, ist unter Nr. 3352 an das Fernsprechamt Hattingen angeschlossen worden. Fernsprechamt Hattingen —h— Hattingen, 2. Dezbr. Vortragsgemeinschaft Hattingen. Die dritte diesjährige Veranstaltung brachte am Samstag abend ein Gastspiel des Marionettenkabaretts Ivo Ruhonny, Baden=Baden (künstlerische Leitung Ernst Ehlert). Am Nachmittag wurde eine Sondervorführung für Kinder eingelegt. Die Leistungen des Baden=Badener Marionettentheaters gehören technisch zweifellos zu dem Vollendetsten, was es auf diesem Gebiet zu sehen gibt, und wer sie gesehen hat, begreift vollkommen, daß dem Theater nicht nur im Inlande, sondern auch im Auslande große Erfolge beschieden sind. Die Leistungen der Puppendarsteller sind geradezu fabelhaft, und der Laie steht fast vor einem Rätsel, wie es möglich ist, sie in dieser vollendet naturgetreuen Weise zu bewegen. Aber nicht nur die unübertreffliche Technik verdient rühmend hervorgehoben zu werden, sondern auch die Art und vor allem die Vielseitigkeit der Vorführungen. Der kleine, tadellose Conferencier, der durch sein gewandtes, verbindliches Auftreten und durch seine einleitenden Ausführungen die Sympathien seines Auditoriums gewann, konnte mit einer großen Zahl von Attraktinoen aufwarten, die sich sämtlich außerordentlich zugkräftig erwiesen und dem„Ensemble“ einen Bombenerfolg sicherten. Was sich da alles im einzelnen produzierte, angefangen von der indischen Tempeltänzerin bis den bezopften „Söhnen des Himmels“, ist im einzelnen kaum anzuführen, erwähnen wollen wir aber noch besonders neben dem phänomenal gewandten kleinen Xylophonspieler den Hans Sachsschen Schwank „Der fahrende Schüler im Paradeis“ und den Christian Morgentschen Sketsch„Egon u. Emilie“. Es klappte alles— wie am Schnürchen, und kein Auge blieb trocken, wie man zu sagen pflegt. Mit Freude wird man auch diesen, heiteren Abend der Vortraasgemeinschaft als einen Erfolg buchen. Zum ersten Male wurde an diesem Abend bei der Platzzuweisung das sogenannte Rollsystem angewandt, das diesmal den Inhabern der grünen Karten die vorderen Plätzen zuwies, während ber der nächsten gemeinsamen Veranstaltung Inhaber der gelben Karten die Bevorzugten sein werden. Es scheint, daß man mit dieser Anordnung au dem rechten Wege ist, denn am Samstag wickelte sich alles reibungslos und, soweit festgestellt werden konnte, zu aller Zufriedenheit ab.—h— Hattingen, 2. Dezember. Der WerkmeisterOrtsverein Linden=Dahlhausen hatte sich am gestrigen Sonntag mit 30 Herren zu einer Besichtigung des Elektrischen Gemeinschaftswerkes in Hattingen zusammengefunden. Die etwa zweistündige Besichtigung erfolgte unter freundlicher Leitung des Betriebsleiters, Herrn Hoffmann, der alle Phasen des inneres Betriebes zur Gewinnung der Elektrizität in allgemeinverständlicher Weise erläuterte und auch von den Besuchern gestellte Fragen wunschgemäß beantwortete. In Herrn Hoffmann hatte man einen Führer gefundem jeder gern folgte. Alle, welche an der nenommen haben, waren von der Es ist eine eigene Sache um den Besuch eines Künstlerateliers, vorausgesetzt, daß der Künstler nicht bloß einiges technisches Talent besitzt, welches in Muße auszubilden der große Geldbeutel des Vaters ihm erlaubt, sondern zur Kunst einen inneren Beruf hat, zu dessen Erfüllung nur ein entsagungsvoller Mut und ein starker, idealer Wille führt. Es ist eine eigene Sache um einen olchen Besuch, weil man dabei neben dem Fertigen auch die flüchtige Skizze, den ersten Entwurf, sieht; die Vorstudien zu den Werken, die der Künstler glücklich vollenden dürfte, ebenso wie die Versuche und Ideen, die noch heranreifen sollen, denn der Künstler sie eines Tages nicht im Unmut zerstört, weil neue Ideen seinen Geist beschäftigen.(Man gewinnt so einen Einblick in die schaffende Seele des Künstlers, die mit dem Stoff ringt, um Geist und Leben daraus hervorzulocken. Besucht man das Atelier eines jungen Künstlers, so gehört dazu die Achtung vor dem Werdenden, der Größeres verspricht. Die Gemeinde Welper hat sich sehr verdient dadurch gemacht, daß sie dem talentvollen jungen Künstler einen größeren Raum des Kellergeschosses in der Horstschule zur Verfügung gestellt hat. Gleich beim Eintritt grüßt den Besucher die überlebensgroße eindrucksvolle Porträtstatue von Bürgermeister Thiel. Die idealistische Auffassung dieses Porträts, eine Bronze von wunderschöner, dunkelbrauner Patina, zeugt von der Verehrung des jungen Künstlers für den kulturell stark interessierten verdienstvollen Leiter des Amtes Blankenstein. Ein anderes Porträt in rotem Gips, von schlichterer Auffassung, die mütterliche Freundin des jungen Künstlers, Fräulein Rheinen nachbilLdend, harrt noch der Uebertragung in weißem Marmor. Stärker ist das Porträt der Pianistin Hete Wiefel=Meierpeter, das erst jüngst fertiggestellt wurde. Der in den großen Formen und der Haartracht fast männliche Kopf der Pianistin trägt die geistigen Züge stark musikalischer Konzentration. Das naturtreue Modell eines zarten, toten Kindleins, dessen Bild die Liebe der Eltern festzuhalten wünschte, wartet noch auf die künstlerische Umgestaltung in den freundlichen Frieden des Schlasenden. Nach diesen Proben darf man dem Künstler eine starke Begabung für das Porträt zusprechen. Er hebt das Wesentliche und Charakteristische heraus, ohne in übertriebenem Subjektivismus zu stark zu abstrahieren. Individualität, mehr Typus ist die Aufgabe der Porträtkunst. Man darf mit Spannung erwarten, wie Müller den Marmor bewältigt. Seine Gestaltung des harFülle des Gesehenen befriedigt und haben es nicht bereut, trotz des Regenwetters den Weg nach Hattingen gemacht zu haben.—bh— Herbede. Herbede, 2. Dez. Personalie. Dem Schulamtsbewerber Herrn Wilhelm Lammert in Herbede ist auf Widerruf die Erlaubnis zur Leitung der mit dem St. Josefshause in Herbede verbundenen Privatschule erteilt. Herbede=Vormholz, 2. Dez. Auf die Neunzig zu. Die Witwe Mathilde Dellmann von hier, wird am 7. Dezember 89 Jahre alt. Am 7. Dezember 1840 geboren, ist sie zurzeit die älteste Bewohnerin des Amtsbezirks Herbede. Geistig und körperlich ist sie noch sehr rüstig. Mit großem Interesse liest sie noch täglich die Zeitung und nimmt an allen Geschehnissen lebhaften Anteil. Gott der Herr möge der von allen geliebten und geachteten Greisin einen weiteren gesegneten Lebensabend schenken.—h— Schwelm. Schwelm, 2. Dez. Der Bau des TuberkuloseKrankenhauses ist in den letzten Tagen das Ziel vieler Spaziergänger gewesen, die mit Aufmerksamkeit den Verlauf der Baufolge in Augenschein nahmen. Das Hauptgebäude ist längst unter Dach gebracht, und man hat inzwischen mit den Installationsarbeiten, wie Legen der Heizungsrohre, der Lichtleitungen usw., begonnen. Die Fensteröffnungen sind zum größten Teil vernagelt worden. Im Laufe des Winters wird namentlich der Innenausbau gefördert werden. Linden-Dahlhausen. Linden=Dahlhausen, 2. Dez. Hohes Alter! FrauWwe. Margarete Zahlten, Jägerstraße 25a, vollendet am heutigen Tage in körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische ihr 76. Lebensjahr. Wir wünschen der Hochbetagten noch viele Jahre bester Gesundheit. Linden=Dahlhausen, 2. Dez. Der KanarienZuchtverein„Gut Zucht“ veranstaltet am kommenden Samstag und Sonntag im Lokale des Wirtes Kumpmann eine Schaustellung, mit der eine Prämiierung und abschließend ein gemütliches Beisammensein nebst Verlosung verbunden sein wird. Linden=Dahlhausen, 2. Dez. 30 Jahre im Dienst! Am 1. Dezember konnte Herr Stadtoberinspektor Richard Eggemann auf eine 30jährige Tätigkeit im Dienste der Gemeinde zurückblicken. Unsern Jubiläumswunsch! Stiepel. Stiepel, 2. Dez. Neubantätigkeit. Der Geschäftshausneubau Schilling an der Kirchstraße wurde vor einigen Tagen bezogen. Das in dem Neubau eingerichtete Sattlergeschäft soll möglichenfalls noch vor Weihnachten eröffnet werden.— Fertiggestellt ist ferner der Wohnhausneubau des Herrn Hinz an der Hagenstraße.— Herr Rentier Wibbeke aus Witten=Annen plant in Stiepel=Voßkuhl den Bau eines kleineren Landhauses. Das hierzu erforderliche Gelände ist seitens des Genannten bereits erworben.— Den Bau eines Landhauses an der Kirchstraße plant weiter ein pensionierter Studienrat aus Bochum=Stadt. Wie wir hören, ist aber in diesem Falle der erforderliche Grundstückskauf noch nicht zum Abschluß gebracht worden. Stiepel, 2. Dez. Von der Jagd. Im kommenden Frühjahr ist die 6jährige Pachtzeit für den jetzigen Anpächter der Stiepeler Jagd abgelaufen. Stiepel, 2. Dez.„Rasch tritt der Tod den Menschen an...." Die Witwe Harnick aus Buer, die ten Ruhrsandsteins in der Roswithagruppe, dem Karl=Thiel=Brunnen und verschiedenen Grabdenkmälern berechtigt zu schönen Hoffnungen. Ein großes Modell der Roswithagruppe schmückt das Atelier, während das Modell des flötenspielenden Hirtenknaben, der auf dem Karl=Thiel=Brunnen träumt, im Atelier nicht mehr Platz gefunden hat. Eine kleinere Studie zu der Noswithagruppe beweist den überraschenden Fortschritt zu stärkerer Gestaltung. Wie es möglich war, im Stein noch mehr herauszuheben, wie im fertigen Modell, da doch jeder Hieb sitzen muß, das ist das Geheimnis der schweren Kunst des Bildhauers. Es erübrigt sich, über die beiden letzten Werke, die den Eingang von Blankenstein und den Bebelplatz zieren, Worte zu verlieren. Sie sind den Lesern bekannt. In ihnen zeigt Müller eine sinnige, volkstümliche Kunst, die romantische Züge trägt. Schlicht und wahr ist er auch in den beiden Grabdenkmälern.„Der Mutter Heimgang“, das auf dem evangelischen Friedhof in Sprockhövel steht und den„beiden Schwestern“, das kurz vor dem Totenfest auf dem Blankensteiner evangelischen Friedhof auf der Grabstätte der Familie vom Stein aufgestellt worden ist. Die beiden Schwestern erinnern an die biblischen Gestalten der Maria und Martha. Die eine Frauengestalt, nach Haltung und Gebärde in Wehmut und Trauer zerfließend, wird von der andern, die gläubig zum Himmel emporweist, gehalten und getröstet. Ein drittes Grabmal, eine vom Grabe sich erhebende Auferstehung:„Ihr werdet sein wie die Träumenden", ist erst in der Zeichnung entworfen. Gustav Müller ist von der Holzschnitzkunst ausgegangen, die er schon übte, als er noch als Schulbube seines Vaters Ziegen hütete. In dieser Kunst zeigt sein Atelier Proben eines überraschenden Aufstiegs. Ein Wandspruch, ein Schmuckkästchen mit der Rune Wollen und Wirken, ein Kinderreigen, ein Lampenständer mit drei Buben, die einen Apfelbaum berauben, ein harfenspielendes Kind mit einem niedlichen Stumpfnäschen, das so verständig das Ohr neigt, um seinem eigenen Spiel zu lauschen, und schließlich ein„Aufschrei". Der zur Verfügung stehende Raum erlaubt es nur dem letzten und besten Werk, das in Eichenholz geschnitzt ist, größere Aufmerksamkeit zu schenken. Der Aufschrei ist ein in der Kunst der Gegenwart viel behandeltes Motiv, das hier eine sehr originelle Lösung in Gestalt einer Gruppe gefunden hat. Ein Jüngling ringt in Verzweiflung nicht nur die erhobenen Hände, der ganze Körper ringt. Diese bei ihrem verheirateten Sohn an der früheren Oberen=Marktstraße seit Mittwoch voriger Woche zu Besuch weilte, wurde am vorgestrigen Samstag plötzlich von einem Herzschlag betroffen, an dessen Folgen sie rasch verschied. Stiepel, 2. Dez. Besichtigungsfahrt des Evgl. Frauenvereins Haar. Der Evgl. Frauenverein Stiepel=Haar unternahm eine Fahrt nach BochumRiemke, um das dort kürzlich fertiggestellte Gemeindehaus zu besichtigen. Das Interesse an dem Riemker Gemeindehaus=Neubau wird dadurch doppelt verständlich, als bekanntlich auch in Stiepel der Bau eines solchen bzw. ähnlichen Hauses geplant ist. Die Besichtigungsreise verlief im übrigen recht vergnüglich. Stiepel, 2. Dez. Einführung. Im Anschluß an den Gottesdienst in der evangel. Kirche in StiepelDorf wurde gestern vormittag der in das Presbyterium berufene Bergmann Wilhelm Rumberg von Herrn Pastor Lohmeyer in sein Amt als Kirchenältester eingeführt. Der neue Presbyter wohnt im Pfarrbezirk 2(Haar). Stiepel, 2. Dez. Sie gehen an die höchste Stelle. Die Unzulänglichkeit der örtlichen Postverhältnisse hat nunmehr mehreren Stiepeler Bürgern Veranlassung gegeben, mit einer längeren Eingabe an den Reichspostminister heranzutreten. Wir wollen hoffen, daß dieser Schritt von Erfolg gekrönt wird. Stiepel, 2. Dez. Eine öffentliche Uhr, die man in der Dunkelheit nicht sieht. Es ist in den letzten Tagen wiederholt aufgefallen, daß die Uhr am Stiepeler Gemeindehaus nicht beleuchtet war. Eine öffentliche Uhr sollte doch, und namentlich im Winter, auch während der Dunkelheit Dienst tun. Vielleicht wird hier einmal nach dem rechten gesehen. Stiepel, 2. Dez. Wieder mal eine Schlägerei in der Nacht. Zwischen heimkehrenden Trunkenbolden kam es in der vergangenen Nacht auf der Finkenstraße zu einer wüsten Schlägerei. Ueberhaupt hat das Lärmen zur Nachtzeit in BochumStiepel Formen angenommen, denen einmal energisch zu Leibe gerückt werden muß. Stiepel, 2. Dez. Aufgegriffen wurde am vorgestrigen Samstag in Stiepel=Dorf ein achtjähriger Knabe, der, wie er auf Befragen selbst zugab, seinen in Herbede(Durchholz) wohnenden Eltern aus Furcht vor Strafe davongelaufen war. Der junge Abenteurer konnte noch am selbigen Tage seinen Eltern zurückgegeben werden. Bochum. Warnung vor einem Schwindler. Er gibt sich als Kontrolleur des Rundfunks aus. Vor einigen Tagen erschien in einer Wohnung in Bochum ein Mann, der sich der öffnenden Hausangestellten als„Kontrolleur“ des Westdeutschen Rundfunks vorstellte und angab, die Anlagen revibieren zu müssen. Die vorsichtige Hausangestellte hat die Person nicht hereingelassen. Wie die getroffenen Feststellungen ergeben haben, handelt es sich um einen Schwindler. Der Mann wird wie folgt beschrieben: Ca. 30 Jahre alt, volles, rundes Gesicht. Er trug einen Ueberzieher mit Samtkragen und vermutlich grauen Hut.— Dieser Vorfall gibt Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß mit der Kontrolle der Rundfunkanlagen nur Angestellte bzw. beamtete Personen der Reichspost beauftragt sind, die entsprechende Ausweise bei sich führen. Sofern andere Personen derartige oder ähnliche Kontrollen vornehmen wollen, wird gebeten, den nächsten Polizeibeamten auf die BetrefBochum, 2. Dez. Wieder ein Kind tödlich überfahren. An der Ecke Dorstener und von=der=Reckestraße geriet ein Kind im Alter von fünf bis sechs Jahren unter ein städtisches Lastanto. Der Führer bremste sehr scharf, konnte das Kind jedoch vor dem Ueberfahrenwerden nicht mehr retten. Das Mittelfigur wird von zwei knienden Seitenfiguren gestützt, einem älteren Mann und einer älteren Frau, die, mittrauernd, gesenkten Hauptes, den Jüngling umfassen. Der Vorzug des Werkes gegenüber vielen Lösungen in einer einzelnen Figur besteht darin, daß der Affekt der Verzweiflung aufflammt aus der tiefinnerlichen seelischen Trauer, die in den Seitenfiguren zum Ausdruck kommt: eine recht deutsche Auffassung. Müller hofft, das Motiv später in größerer Ausführung noch eindrucksvoller zu gestalten. Ein Gegenspiel zu dem leidenschaftlichen Ausschrei eines jugendlichen Herzens— dieser Aufschrei ist erlebt, bildet eine kleine Vronzefigur, eine„Andacht". Eine feine, schlanke chengestalt mit langen Zöpfen, betet kniend gefalteten Händen. Dieses feine Künstlerwert almet Reinheit, Friede und ehrfurchtsvolle Sammlung, wie es schöner und schlichter nicht gestaltet werden kann. Die größte Aufgabe, die dem schaffenden Künstler in der Nachkriegszeit gestellt worden ist, ist die Ehrung der Gefallenen des Weltkrieges. Herrn Müllers Atelier birgt eine große Zahl von mehr oder minder ausgeführten Entwürfen. Sartophage, einzelne Krieger= und Frauengestalten oder Gruppen von solchen und Brunnen. Hervorgehoben seien hier nur zwei: Eine um die gefallenen Söhne trauernde, gramgebeugte deutsche Mutter, die an einem Kranz der Erinnerung flicht, und ein auf einem Sarkophage ruhender sterbender Krieger, eine nackte Figur. Der Sterbende, auf einen Arm gestützt, umklammert mit letzter Kraft ein Schwert. Die edle, stark beseelte Haltung des mit dem Tode ringenden Kriegers ist eine hervorragende Leistung. Bewundernswert ist die Vielseitigkeit des jungen Künstlers. Obwohl er auch für Scherz und Freude Ausdruck findet, ist doch der Grundzug seines Wesens ein sittlicher Ernst, wie man ihn in so jungen Jahren selten findet. Gerade darum berechtigt er zu großen Hoffnungen. Es ist ein Verdienst der Stadt Blankenstein und der Gemeinde Welper, daß man dem Künstler Gelegenheit gegeben hat, sich an größeren Aufgaben zu betätigen. Wünschenswert wäre freilich, daß seine fleißige Arbeit ihm auch die Mittel einbrächten, um später durch Reisen zu den großen Kunststädten sich weiter zu bilden. Dr. Etterich. —bh— Kind wurde ins Krankenhaus eingeliefert, war aber wenige Minuten später schon tot. Das Auto fuhr mit dem Vorderrad über den Leib des Kindes. Den Führer trifft keine Schuld. Weitmar. Weitmar, 2. Dez. Alte Frau überfallen. Eine 69 Jahre alte Frau aus Bochum will am Freitag voriger Woche in der zwischen der Hattinger= und Kohlenstraße in Bochum gelegenen Bahnunterführung überfallen worden sein. Der angebliche Täter, ein 26 Jahre alter Arbeiter, wurde vorläufig festgenommen. Die Ermittelungen sind noch nicht abgeschlossen. Essen. Essen, 2. Dez. Gasrohrbruch am Weberplatz. Zu dem Explosionsunglück am Weberplatz wird mitgeteilt, daß festgestellt wurde, daß das freigelegte Hauptrohr in der Kirchstraße gerade vor der Mitte des zerstörten Ladenbaues gebrochen ist. Ob das Vorkommnis mit der Entstehungsursache in Verbindung gebracht werden kann, muß erst noch von den Sachverständigen geprüft werden. Essen, 2. Dez. Haussuchung im kommunistischen Parteibüro. Um die Mittagsstunde des 29. 11. 1929 fand in den Büros der kommunistischen Partei in Essen, Rottstraße 16, im Zusammenhang mit einem beim Oberreichsanwalt in Leipzig anhängigen Ermittelungsverfahren wegen Vorbereitung zum Hochverrat eine eingehende Haussuchung statt, die vom zuständigen Amtsgericht in Essen angeordnet war. In diese Durchsuchung wurden die Arbeitsräume der Abgeordneten, insbesondere das Zimmer des Landtagsabgeordneten Woytkowski, auftragsgemäß ebenfalls einbezogen. Eine größere Menge von Druck= und Schriftmaterial wurde beschlagnahmt, ein Rotaprint=Apperat wurde sichergestellt. Essen, 2. Dez. Nicht so, aber anders. Von der Pressestelle des Polizei=Präsidiums wird zu dem Vorfall am 5. 11. 29, gegen 19 Uhr, im sogenannten Lunapark in Vorbeck mitgeteilt, daß das betroffene Mädchen um folgende Berichtigung gebeten hat:„Es ist nicht richtig, daß ich von einer Dame in einer peinlichen Situation plötzlich überrascht und angeredet wurde. Ferner ist es unrichtig, daß sich der Vorfall hinter der Mauer ereignet hat; er hat vielmehr vor der Mauer stattgefunden, also auf dem öffentlichen Wege.“ Die anfangs gemachten Feststellungen, die den zuerst geschilderten Sachverhalt ergaben, sind später durch Aussagen der Zeugen nicht bestätigt worden. Neueste Nachrichten. Tödlicher Unfall beim Spielen mit einem Granatzünder. Erfurt. 1. Dez. Am Samstag nach nittag spielten zwei Kinder auf dem früheren Munitionslager an der Schwerborner Landstraße mit einem aufgefundenen Zünder und schlugen ihn dabei gegen einen Stein. Es erfolgte eine Explosion, durch die einer der Knaben im Alter von sechs Jahren sofort getötet wurde, während sein 3½jähriger Spielkamerad schwere Verletzungen davontrug. Die heutige Nummer umfaßt 16 Seiten! Beilage. Unserer heutigen Ausgabe liegt ein Prospekt der Firma Lehmann u. Aßmy, Spremberg, bei, auf den wir unsere Leser aufmerksam machen.—h— NAT Damenwäsche mmmimmmmmmmmmm 950 125 150 165 175 Damen-Trägerhemden mit Hohlsaum oder Spitze, Stück Damen-Trägerhemden mit Spitze und Motiv.. Stûck Damen-Trägerhemden mit hübscher Festongarnitur und Hohlsaumträgern Stück Damen-Trägerhemden rundum festoniert und mit hübscher Stickerei oder mit echter Klöppelspitze.. 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Duchesse gefûttert 3400 4200 Handtücher i 915 Stück 4900 Vorteilhafte Stoffe nmmmm in Geschenkpackungen mmmmmmmmm Mantelstoff Mantelstoff prima reinwollenerOttomane, vorzügliche, tragfähigeWare, E englisch gemustert, mit karierter Abseite, ca. 140cm br 45 = mit angerauhter Abseite, ma= rine. ca. 140 cm breit 2 2½ Meter in hübschem Karton 2½ Meter in hübsch. Karton 1250 Woll-Crêpe de chine = solide Qualitât, ca. 130 cm breit, = in modernen Farben, 8 Woll-Veloutie : weichfl. Ware aus reinerWolle für vorn. Nachmittagskleider 2½ Meter in hübsch. Karton 1315 Jacquard-Schotten 2 für praktische Hauskleide., ca. 2 100 cm breite Ware, in frischen = Mustern, 3 Meter in schön. Karton 405 Tweed : f. vorn. Westen- u. Pulloverkleid. gute, reinwollene Ware, ca.70cm breit, 4 Meter in schönem Karton 9 Das elegante Abendkleid:Das gute Nachmittagskleid Prima reinseid, Crèpe Satin Veloutine aus Wolle mi Wischtücher ca. 48/49 cm, kariert Wischtücher Halbleinen, weiß/rot kariert, gesäumt und gebändert ca. 55/75 cm... Stûck 0.50 ca 50/50 cm...... Stûck Wischtücher Reinleinen, ca. 55/55 cm, weißrot kariert, gesäumt u. gebändert Stück Handtücher grau/weiß Drell, gesäumt und gebändert Stück Handtücher extra schwere Gerstenkornware mit rotem Rand, ca. 45/100 cm, gesäumt und gebändert. Stück Handtücher nalbleinen Jacquard, schlesische Ware, ca. 48/100 cm, gesäumt und gebändert... Stück 0.90 Frottierhandtücher solide Qualitäten. in reicher2 Auswahl Stück 0.95, 0.75, 0.65, 0.55 Handarbeiten —mmm Gezeichnete Decken == auf gutem Haustuch, moderne Zeichnungen 2= für Kreuz- und Spannstich = Quadrate Decke oval oval = ca. 27/27 30/30 60/60 40/70 40/80 cm Stck. 010 0.14 015 045 060 0.15 Decke Decke Tischdecke Tischdecke 2= ca. 80/80 100/100 130/130 130/160 cm Stck. 1.35 225 3.50 2.40 3.00 4.20 in allen lichten Farben Meter in feinem Karton : Seide. in groß. Farbenausw. 3½ Meter in hübsch. Karton 1365 Spitzen-Decken Schoner eckige oval Läufer Bedruckter Velvet 2 sehr vorteiln. Ware. in vielen schönen Farbstell., ca.70 cm = breit. f. Nachmittagskleider 24 Meter in hübsch. Karton 1300 Das vornehme Nachmittagskleid :Peau de soie, bedruckt : in sehr aparterAusmusterung 3½ Meter in feinem Karton 2215 —n— Teppiche* Läuferstoffe = Haargarn-Läufer = solide Strapazierware. in vielen hübschen Mustern00 = Meter 6.80, 6.30, 5.00, 4.20, 3.40 Velour-Läufer prima Qualitäten. in vornehmer OE Musterauswahl Meter 15.75, 12.50, 11.00, 9.75 Stck. O.10 0 20 045 0.50 0.40 0.45 0 36 045 Spitzen-Garnituren 2= mit breitem Durchsatz und Spitze == Schoner Decke Decke oval Läufer 2= ca. 35/35 60/60 75/75 40/75 30/115 Stek. 021 055 095 055 0.75 Gardinen MmLandhausgardinen in ganz besond. reicher Auswahl, Meter 125, 95, 75, 65, 30, 20 Spannstoffe ca. 125/130 cm breit. solide Qual., in außerordentl. reicher Musterauswahl, sehr billig Meter 2.40 2.00, 1.50, 1.35, 1.20, 0.45 Besonders billig Halbstores aus sandfarbig. Etamine oder Gitterstoff, m. breit. HandfiletStreifen ou. Ansatz, Stück 13.50 15 9.50, 7.50, 7.00, 5.50, 5.00, 3.90 Kunstseid. Jacquardstoffe = ca. 120/130 cm breit, in sehr = mod. Ausmusterung. besonders D90 = preiswert. Meter 6.00. 4.50. 3.50 bezwang auch den Südpol. . eae . die Nerven. Der Mut und die Ausdauer der Eingeborenen erregten unsere Bewunderung. Die gesangene Herde wird gewöhnlich einige Tage sich selbst überlassen, bis sie sich beruhigt hat. Dann treten die„Koonkies“ oder zahmen Elefanten in Tätigkeit, die von je einem Mahout in die Umzäunung geritten werden. Um den Körper tragen die Tiere Taue. Zwei„Koonkies“ nehmen einen wilden Elefanten in die Mitte, und die Mahouts befestigen eilends an ihm die losen Stricke. Zuweilen kommt es zu einem heftigen Kampf, einzelne Tiere werden bösartig, andere werfen sich in ihrer Wut zu Boden. Sind sie etwas zahmer geworden, so werden sie zu einem Sammelplatz geführt, dort sicher an Bäume gebunden und durch häufiges Anfassen und Streicheln an Menschen gewöhnt. Später erfolgt der Verkauf an Eingeborene, die sie zähmen oder für die verschiedensten Zwecke weiter veräußern. Johann Peter Eckermann. Der bekannte amerikanische Flieger Byrd, der als erster den Nordpol überflog geglückten Ozeanflug durchführte, hat— wie wir schon am Samstag mitteilen konnten— jetzt nach mehrjähriger Vorbereitung auch den Südpol überflogen. Byrd startete von seiner Expe ditionsbasis Little Ameriika und legte den Flug ohne Zwischenfall zurück, obwohl es Gebirgszüge von nicht weniger als 4000 Meter Höhe zu überwinden hatte und zeitweise in einer Höhe von 45 Meter über dem Erdboden fliegen mußte. In den gesamten Vereinigten Staaten ist der Jubel außerordentlich groß. Dem Fluge Byrds kommt insofern politische Bedeutung zu, als seit Jahren zwischen England und den Vereinigten Staaten ein lebhafter Notenkampf um die Oberhoheit über den Südpol tobt, der nun neue Nahrung erhalten dürfte. Unser Bild zeigt das dreimotorige Fordflugzeug, mit dem Byrd seinen Südpolarflug ausführte, über dem Expeditionslager Little Amerika. Ein moderner Ritter Blaubart. Der Schwedter Zahnarzt Dr. Fritz Guttmann, der in dem dringenden Verdacht steht, seine zweite Frau— und vielleicht auch seine erste— ermordet zu haben.(Wie an anderer Stelle dieser Zeitung ausführlicher mitgeteilt wird, hat Dr. Guttmann inzwischen den Mord an seiner zweiten Frau eingestanden.) Abenteuer auf der Elefantenjagd. Fang wilder Elefanten im indischen Dschungel. Von Major E. W. Collins, Mitglied der Zoologischew Gesellschaft, ehem. tierärztl. Berater bei der indischen Regierung. Viele erfahrene Großwildjäger halten den Elefanten für eines der gefährlichsten aller wilden Tiere. Bei den Sudanessen pflegte man einst zu sagen, daß ein Elefantenjäger selten in seinem Bette stirbt. Diesem größten aller jagdbaren Tiere wird aus zwei verschiedenen Gründen nachgestellt. In Afrika sind es Abenteuerlust, Sport und der Wert des Elfenbeins. Dagegen fängt man den asiatischen Elefanten lebendig, um seine verschiedenen Eigenschaften für menschliche Zwecke dienstbar zu machen. In allen Fällen ist die Jagd auf wilde Elefanten ein sehr aufregendes Abenteuer. Elefanten kommen in verschiedenen Teilen Indiens und Birmas bis hinauf zur chinesischen Grenze vor. Für ihren Fang gibt es mehrere Verfahren, die, wie aus alten Urkunden und Ueberlieferungen hervorgeht, sich im Laufe der Jahrhunderte nicht wesentlich geändert zu haben scheinen. Eine der ältesten Methoden ist das Auswerfen von Gruben, die durch darüber gelegte Zweige und Blätter das Aussehen festen Bodens erhalben. Die in sie hineingefallenen Tiere lassen sich dann leicht fangen. Zuweilen erfolgt die Jagd auch mit Lassos. Eigens dazu abgerichtete zahme Elefanten arbeiten dabei paarweise zusammen, indem sie den wilden in die Mitte nehmen, während ihre Reiter die Schlingen werfen. Heute bedient man sich indessen vorzugsweise der„Kheddah“ oder Palisadenzäune, in welche kleine Elefantenherden gelockt oder getrieben werden. Noch vor wenigen Jahren gab es bei der indischen Regierung eine besondere Abteilung hierfür, und die Teilnahme an einem solchen Unternehmen galt als ein ungewöhnliches und gefährliches Abenteuer. Heute wird diese Jagd nur von Privatleuten betrieben. Für an Elefanten reiche Gegemden werden Konzessionen oder Lizenzen an geeignete Persönlichkeiten vergeben, welche die gefangenen Tiere verkaufen oder versteigern. Diese kommen dann entweder an die Höfe indischer Fürsten und Großgrundbesitzer oder werden an große Holzgesellschaften verkauft, um Stämme zu schleppen. Vor einigen Jahren erhielt ich in einem Jagdlager den Besuch Hussein Khans, eines mir bereits bekannten erfahrenen Elefantenhändlers. Er überbrachte mir eine Einladung nach seinem zehn Kilometer entfernten Jagdgebiet, um einer in Kürze zu veranstaltenden Jagd beizuwohnen. Natürlich sagte ich gern zu. Am folgenden Tage wurden mein Begleiter und ich sehr nachdrücklich daran erinnert, daß wir uns in einer von Elefanten bewohnten Gegend befanden. Denn als wir von einem Jagdausflug in unser Zeltlager zurückkehrten, kamen uns unsere Diener voller Aufregung mit der Nachricht entgegen, daß ein„Rogue“, ein allein lebender, bösartiger Elefant, die Zelte zerstört und auch sonst allerlei Unheil angerichtet habe. Bei unserm Näherkommen fanden wir ihn im Besitze des Schlachtfeldes. Wir hatten unsere Büchsen nicht bei uns, daher versuchten wir, ihn durch Schrotschüsse zu vertreiben. Die Schrotkörner müssen ihn doch tüchtig gekitzelt haben, denn der Elefant machte kehrt und griff an. Trotz seines plumpen Körpers kann das Tier doch sehr schnell sein. Wir hatten glücklicherweise gerade noch Zeit, zur Seite zu springen und uns wie Schuljungens zu ducken, sonst wären wir zertrampelt oder auf die Stoßzähne genommen worden. Der alte Verbrecher trollte sich dann ruhig in den Dschungel. Bevor der Elefantenjäger seine Operationen beginnt, muß er die Gegend genau kennen lernen und sich darüber klar werden, von wo die Herde vermutlich kommen wird. Zu bestimmten Jahreszeiten erscheint sie gewöhnlich aus den nahen Bergen, um Wasser, Futter oder Salzlecken aufzusuchen. Hat der Jäger einen passenden Platz gefunden, so baut er seine Kheddah, in welche die Tiere später getrieben werden sollen. Sie besteht aus Baumstämmen von etwa 30 Zentimeter Umfang, die anderthalb Meter tief in die Erde versenkt werden, während etwa vier Meter heraus ragen. Diese Psosten stehen in Abständen von dreißig Zentimetern, die Zwischenräume werden mit kleineren Pfählen ausgefüllt, die an der Außenseite der Hauptpfähle durch kreuzweise Verschnürungen befestigt werden. Das Ganze erhält durch riesige Pfosten an der Außenseite noch eine besondere Verstärkung. Im Innern der Umzäunung wird ein V=förmiger, oben drei Meter breiter, zwei Meter tiefer Graben ausgehoben, der die riesigen Tiere von den Palisaden fernhält. Vom Eingang aus bildet der Zaun eine Art Trichter. Nach zwei Tagen kam die Meldung, daß die Jagd am andern Morgen beginnen solle, und wir trafen auf einem von Hussein Khan gesandten Elefanten rechtzeitig ein. Bald hörten wir das Trampeln der Herde und die Rufe und den Lärm der Treiber. Jetzt wurde es aufregend. Beim Eintritt in den trichterförmigen Zugang versuchten einige Tiere kehrt zu machen und zu entkommen, was auch einem oder zweien gelang Als der letzte Elefant sich im Innern befand, wurden die Taue an den Türflügeln gekappt, so daß sich diese schlossen. Dann wurden draußen Feuer entzündet und die wütenden Tiere durch zugespitzte Bambusstangen von der Umzäunung fern gehalten, da mit sie sich in ihrer Aufregung nicht gegen diese stürzten. Die paar ersteren Stunden gingen auf . Von Toon Ruygrok. Berechtigte Uebersetzung von W. Blochert. Viermal, schnell hintereinander, ertönte drauzen die Autohupe. Ike wußte sofort, daß dies Zeichen ihr galt. Rasch warf sie noch einen Blick in den Spiegel, knöpfte ihren linken Handschuh zu, stülpte den Teewärmer über die Teekanne, damit ihr Mann noch warmen Tee vorfand, sobald er aus dem Bureau kam, und verließ eilig die Wohnung, um ihre ungeduldige Freundin nicht länger warten zu lassen. „Ich dachte schon, daß du unsere Verabredung vergessen hattest,“ empfing sie Kunje Wattenburg, die am Steuer ihres schönen Sechszylinderwagens saß. Ike gab ihr lächelnd die Hand und nahm neben ihr Platz. „Ich hatte noch soviel für den Haushalt zu tun und das Abendessen vorzubereiten“, erklärte sie. Kunje mußte ihre Aufmerksamkeit auf die passierenden und nachfolgenden Autos konzentrieren und beschränkte sich deshalb auf die Behauptung, daß die Freundin sich mit dem Haushalt viel zu viel Arbeit mache. Ike fand, daß Kunje sich seit ihrer Verheiratung mit dem Fabrikanten Wattenburg doch sehr verändert habe. Aus sehr einfachen Verhältnissen stammend, hatte sie vor noch gar nicht so langer Zeit ihre Möbel selbst abgestaubt und für den Haushalt gesorgt. War ihre Freundin damals, fragte sich Ike, während sie ihre Geschicklichkeit beim Chauffieren bewunderte, nicht innerlich fröhlicher und herzlicher im Umgang gewesen? Sie persönlich hatte zwar keinen Grund, sich über Kunje zu beklagen; für sie war sie dieselbe geblieben. Kunje empfand sicherlich selbst, daß ihr Geschmack und Urteil sich mit dem von Ike nicht messen konnte, und schloß sich darum gern an die Freundin an, die in ihrer Jugend soviel bessere Chancen gehabt hatte. Durch Geburt, Er ziehung und Gaben schien Ike dazu vorbestimmt, einmal neben einem Mann in hoher Position zu glänzen, aber als sie vor fünf Jahren Reinder Koning, den einfachen Bureauangestellten, kennen lernte, hatte sie keinen Augenblick gezögert, dem Trieb ihres Herzens zu folgen und alle Wider stände von seiten der Familie beiseite zu schieben. Und sie hatte ihren Entschluß bisher noch keinen Augenblick bereut, denn die Jahre, die sie an der Seite ihres Mannes verlebt hatte, schienen ihr ein langer, nicht enden wollender Traum des Glücks... trotz mancherlei Entbehrungen, die sie auf sich neymen mußte. Oft war es recht hart für sie gewesen zu verzichten. Gestern nachmittag wäre es, zum erstenmal, beinahe zu einer Szene gekommen. Sie hatte ihrem Mann erzählt, daß sie eine günstige Gelegenheit ausfindig gemacht hätte, einen Pelzmantel zu erstehen, den sie sich schon sehr lange gewünscht hatte, und daß sich diese nicht so bald wieder bieten würde. Reinder aber hatte ihr in seiner ruhigen Art auseinandergesetzt, daß er sich diese Ausgabe im Moment nicht gestatten dürfe und sie bis zum nächsten Jahre vertröstet. Nervös und gereizt hatte sie widersprochen, und er war nicht böse geworden, nicht einmal ungeduldig, sonDie Zigaretten werden teurer. Im Reichsfinanzministerium ist zurzeit ein Gesetzentwurf in Vorbereitung, der die bereits seit langem in Aussicht genommene stärkere steuerliche Belastung der Raucherwelt in die Wirklichkeit umsetzt. Durch Erhöhung der Banderolen= und Materialsteuern hofft man einen Mehrertrag von 200 Millionen Mark im Jahre zu erzielen, wovon 150 Millionen Mark allein auf die Zigaretten entfallen, während der Rest von den übrigen Tabakwaren aufgebracht werden soll. Gleichzeitig damit soll die Zigarettenfabrikation kontingentiert und ein gesetzlicher Schutz der Kleinverkaufspreise vorgenommen werden. Unsere Zeichnung gewährt einen Ueberblick darüber, wie sich die deutsche Zigaretten=Industrie über das Reichsgebiet verteilt. Ihr wichtigstes Zentrum ist Dresden, dem dichtauf Berlin und Köln folgen. Goethes getreuer Freund und Privatsekretär, ist am 3. Dezember 75 Jahre tot. Eckermann wurde am 21. September 1792 in Winsen(Hannover) geboren und 1823 von Goethe zu seinem Privatsekretär gemacht. Später wurde Eckermann zum sächsisch=weimarischen Hofrat befördert. Durch seine„Gespräche mit Goethe“ hat er sich ein bleibendes Andenken erworben. dern hatte nur entschieden auf seinem Entschluß bestanden. Sie kannte ihren Mann; so war er nun einmal, und trotz ihrer Enttäuschung hatte sie ihn darum nur um so lieber. Sie hatte das zarte Lächeln um seinen Mund gesehen und bemerkt, wie er versucht hatte, ihr die bittere Pille zu versüßen, aber dennoch war ihr ein gequälter Ausdruck in seinen Augen nicht verborgen geblieben. Sie hatte Mitleid mit ihm gefühlt, sie hätte ihn am liebsten auf Mund und Augen geküßt und ihm gesagt, daß sie sich nichts mehr wünsche... Aber das hatte sie nicht getan. Dazu war sie zu sehr Frau. Scheinbar enttäuscht hatte sie das Zimmer verlassen und war auf das Gespräch nicht mehr zurückgekommen. Reinder selbst auch nicht. Ike sah ihre Freundin an. Einen Moment lang durchzuckte sie der Neid. Wohl war Wattenburg, der Fabrikant, ein brutaler Kerl, und vielleicht traf es zu, daß er, wie allgemein erzählt wurde, seine Frau hinterging..„ aber er war freigebig und umgab seine Frau mit allem erdenklichen Luxus. Gab es da jemals Wünsche, die er ihr nicht erfüllte? Plötzlich bremste Kunje, und der Wagen stand still. Sie schien verstört. Was hatte sie? Forciertlustig erhob sie sich vom Steuersitz und sagte zu Ike: „Komm, wir lassen den Wagen hier stehen und kaufen die Geschäfte leer. Vom Ausverkauf muß man profitieren.“ Mit einemmal sah Ike, was Kunje so erregt hatte: gegenüber, auf dem Bürgersteig, ging Wattenburg, aber er war nicht allein. Und während sie hinter Kunje das Modehaus betrat, dachte sie krampfhaft darüber nach, wie sie die Freundin beruhigen könnte. Aber Kunje hatte sich bald wieder gefaßt und kaufte... kaufte immer mehr, ragte kaum nach dem Preis und bezahlte sofort. Jeder Neid in Ikes Herzen war verschwunden. Sie wußte nun, um welchen Preis Kunjes Glück erkauft war. „Und nun“, sagte Kunje schließlich,„mußt du noch mitkommen zu Hollema, denn dort habe ich einen Pelzmantel gesehen, den ich wunderbar und gar nicht teuer finde... wenn er mir paßt, nehme ich ihn gleich mit.“ Ike biß sich auf die Lippen, aber selbst als Kunje bei Hollema ihren Pelzmantel kaufte, den Mantel, über den es beinahe zu einer Szene zwischen ihr und Reinder gekommen wäre, selbst da beneidete sie ihre Freundin nicht mehr. * Reinder hatte sich seinen Plan so gut überlegt, und nun war er doch zu Wasser geworden. Direkt vom Bureau war er, die Gratifikation in der Tasche, zu Hollema gefahren, um sich den Pelzmantel für Ike zu sichern. Er hatte es doch nicht übers Herz bringen können, ihr den Wunsch abzuschlagen, ja, er empfand nach der Aussprache mit ihr geradezu das Bedürfnis, ihr eine große Freude zu machen und ihr damit zugleich einen Dank abzustatten für die liebevolle Bescheidenheit, die sie in den verflossenen Jahren an den Tag gelegt hatte. Nun war die Enttäuschung groß. Denn vor noch nicht zehn Minuten waren zwei Damen dagewesen, die den schönen Mantel erstanden hatten. Was sollte er tun? Etwas anderes getraute er sich nicht allein auszusuchen, und so mußte er unverrichteter Sache fortgehen. Zu Hause trat ihm Ike fröhlich entgegen. „Wo“, fragte sie ihn feierlich wie ein Richter, „bist du die ganze Zeit gewesen? Was hast du getan? Wie kommt es, daß ich dich hier nicht beim Tee antreffe?“ Er lachte schon wieder, er vergaß seine Enttäuschung, und fast munter erzählte er ihr von seinem vergeblichen Ausgang. „Du siehst“, sagte er,„es war reiner Zufall. Ein gemeiner Zufall. Wer weiß, was für ein Monstrum jetzt den Pelz trägt.“ Nun mußte auch Ike ihr Herz erleichtern. In einem Augenblick saß sie bei ihm im Sessel und erzählte ihm alles... wie sie noch wenige Minuten vor dem Kauf Kunje beneidet hatte und wie ihr dann beim Anblick Wattenburgs klar geworden war, daß es im menschlichen Leben noch Dinge gibt, die nicht gekauft werden können, deren Wert nicht zu bestimmen ist und deren Besitz durch nichts aufgewogen werden kann. So wäre es ihr nur recht gewesen, daß nicht sie, sondern Kunje den Mantel bekam. „Ich möchte nicht mit ihr tauschen“, fügte Ike leise hinzu.„Denn ich weiß ja, daß ich in der Saison gekauft habe..., daß ich den vollen Anteil meines Glückes erhalten habe. Nur die Reste kommen in den Ausverkauf. Kunje hat Anrecht auf einen Rest des Glückes..„ aber wie konnte ich sie darum auch nur einen Augenblick beneiden?" Es war still im Zimmer. Die beiden Gatten fanden minutenlang keine Worte mehr. Es war die Stille, die sich um Menschen webt, die eben das eigene Glück begriffen haben. Hört! rechts.) Die einzelnen Fälle liegen so verschieden, daß eine generelle Stellungnahme zu der Frage nicht erfolgen kann. Es muß in jedem einselnen Falle das Disziplinargericht eintreten. Herr Hugenberg übt sein Amt als Parteischatzmeister nach dem Wahlspruch aus: „Und willst du nicht mein Bruder sein, dann stelle ich die Zahlung ein!“ (Heiterkeit.) Der Minister verteidigt dann die Festsetzung des Abstimmungstermins auf den 22. Dezember und erklärt zum Schluß: Namens der Reichsregierung bitte ich das deutsche Volk aufs dringendste, am 22. Dezember 1929 zu Hause zu bleiben und so die Abrechnung mit Hugenberg vorzunehmen. Abg. Dr. Breitscheid(Soz.) betont, daß keine Zweifel darüber bestehen können, daß das Volksbegehren ganz unabhängig von dem Gutachten der Reichsregierung verfassungsändernd ist. Wenn heute am Rhein Befreiungsfeiern stattfänden, so verdanke man das der Außenpolitik, die im Hugenbergschen Volksbegehren als Landesverrat bezeichnet werde. Abg. Graf Reventlow(Nat.=Soz.) erinnert an die Kommunalwahlen, die bewiesen hätten, daß die National=Sozialisten im stärksten Vormarsch begriffen seien. Abg. Stöcker(Komm.) erklärt, in Wahrheit seien sich Regierungsparteien und Deutschnationale über die Grundlagen der Außenpolitik einig. Den Youngplan lehnt der Redner ab, ebenso aber den vorliegenden Gesetz entwurf. Abg. Ehlermann(Dem.) begrüßt es, daß heute die Trikolore von der Festung Ehrenbreitstein heruntergeholt und die schwarz=rot-goldene Reichsflagge gehißt werde. Die Befreiung könne nur im Kampf ge gen die Gegner der Republik errungen werden. Die Ideenlosigkeit und Geistlosigkeit seien das Kennzeichen der Verfechter dieses Volksbegehrens Abg. Dr. Everling(Dntl.) erklärt, die Art, wie der Kampf gegen Hugenberg hier geführt werde, zeige, daß es sich um die Abwehrbewegung eines faulen Systems gegen einen Mann handle, der ihm mal die Wahrheit sage. Sechs Millionen Stimmen seien dem Volksbegehren durch den amtlichen Terror verloren gegangen.(Heiterkeit bei der Mehrheit.) Damit schließt die Aussprache. Die Abstimmung. Paragraph 1, der den unverzüglichen feierlichen Widerruf des Kriegsschuldbekenntnisses verlangt, wird in namentlicher Abstimmung mit 318 gegen 82 Stimmen der Deutschnationalen, NationalSozialisten und Christlich=Nationalen Bauernparteien bei vier Enthaltungen abgelehnt. Beim Paragraph 2, der die förmliche Außerkraftsetzung einiger Artikel des Versailler Vertrages und die bedingungslose Ränmung des Rheinlandes verlangt, findet ein nationalsozialistischer Antrag auf namentliche Abstimmung trotz Unterstützung durch die Deutschnationalen nicht die erforderliche Unterstützung von 50 Abgeordneten. Paragraph 2 wird darauf in einfacher Abstimmung abgelehnt. Paragraph 3, der die Ablehnung des Youngplanes fordert, wird in namentlicher Abstimmung mit 312 gegen 80 Stimmen bei vier Enthaltungen abgelehnt. Abg. Dr. Everling(Dntl.) gibt darauf eine Erklärung ab, wonach ihm inzwischen mitgeteilt worden sei, daß der Reichspräsident dem Reichskanzler tatsächlich die Genehmigung erteilt habe, von seiner Erklärung zum § 4 der Oeffentlichkeit Kenntnis zu geben. Diese Tatsache sei ihm unbekannt gewesen. Aus Gründen der Loyalität und des politischen Anstandes ziehe er daher seine vorherige anderslautende Erklärung zurück. Es folgt die namentliche Abstimmung über den § 4, wonach Reichskanzler, Reichsminister und deren Bevollmächtigte, die entgegen den Vorschriften dieses Gesetzes Verträge mit auswärtigen Mächten zeichnen, den in§ 92 des Strafgesetzbuches vorgesehenen Strafen unterliegen. Der§ 4 wird mit 312 gegen 60 Stimmen abgelehnt. Paragraph 5, der lediglich besagt, daß das Gesetz mit seiner Verkündung in Kraft tritt, wird in einfacher Abstimmung abgelehnt, dagegen muß über Einleitung und Ueberschrift des Gesetzes auf dentschnationalem Antrag wiederum namentlich abgestimmt werden. Sie werden mit 307 gegen 78 Stimmen bei 4 Enthaltungen abgelehnt. Präsident Löbe stellt fest, daß das Gesetz in zweiter Lesung erledigt sei, weil sämtliche Bestimmungen keine Mehrheit gefunden haben. Er reiche es der Regierung zurück, damit diese die Volksabstimmung darüber in die Wege leite. Die Anfrage der Nationalsozialisten und der Deutschnationalen, die eine Verschiebung der Volksabstimmung in den Januar zum Ziele haben, werden abgelehnt. Das Haus vertagt sich auf Montag. Der Goslarer Schulfall wurde am Samstag von dem Unterrichtsausschuß des Preußischen Landtags behandelt. Der Berichterstatter Abg. Dr. Schuster (D.Vpt) stellte eine Reihe von Fragen, deren Beantwortung vom Minister gewünscht werde. 1. Billigt der Minister das Verhalten des Stadtsyndikus, der den Flaggenwechsel in letzter Stunde ohne Kenntnis der Schule vorgenommen hat? 2. Hält der Minister auch heute noch seine Behauptung aufrecht, daß das Vorgehen der Schüler vor den Augen der Lehrer staatgefunden hat? 3. Hält das Ministerium nicht die Bestrafungen der Schüler, die im Einverständnis mit dem Provinzialschulkollegium ausgesprochen worden sind, für ausreichend? 4. Sind die Maßnahmen in Goslar nur auf die Initiative des Kultusministeriums zurückzuführen? 5. Hat das Ministerium des Recht, Leiter und Lehrer an höheren kommunalen Schulen zu versetzen? Ministerialdirektor Jahnke erwiderte, auf die Entscheidung des Stadtsyndikus habe das Ministerium keinen Einfluß.„Vor den Augen des Lehrers“ heißt, daß die Schüler wissen mußten, daß sie von einzelnen Lehrern gesehen werden konnte. Wenn die Goslarer Bürger die Reichsfarben nicht zeigen, so sei das bedauerlich, darauf habe das Ministerium keinen Einfluß. Wohl aber müßten die Schüler wissen, daß es sich nicht um Farben des Reichsbanners, sondern um Farben des Reiches handelte. Aufgabe des Geschichtsunterrichtes sei es, hier belehrend zu wirken. Die beschlossenen Schulstrafen seien ohne jede Aenderung genehmigt worden. Die Androhung der Verweisung sei keine Strafe. Die Lehrer hätten bei den amtlichen Vernehmungen Aeußerungen getan, die stark zu mißbilligen seien. Die Maßnahmen seien allein auf die Initiative des Ministeriums zurückzuführen. Politische Einflüsse haben nicht mitgewirkt. Ministerialrat Lande äußerte sich zu der Rechtsfrage. Die Einziehung des Prüfungsrechtes sei rechtlich begründet, da die Anerkennung einer höheren Schule ein staatlicher Verwaltungsakt sei. Man hätte der Goslarer Schule sogar die Anerkennung überhaupt entziehen können. Die Versetzungsbefugnis der städtischen Lehrer sei anzuerkennen. Die Unterhaltungsträger seien nach den gesetzlichen Vorschriften gehört worden. Abg. Grebe(Zentr.) hielt die scharfe Ahndung der Vorgänge für notwendig, schon die Entfernung der Farben sei eine Beschimpfung. Ministerialrat Richard erklärte, daß auf Grund der sehr eingehenden Revisionen der Schule das Recht zur Abhaltung der Reifeprüsung erst wieder zuerkannt werden könnte, wenn der Rektor und einige Lehrer versetzt worden seien, die nicht die Gewähr böten, daß sie den staatsbürgerlichen Unterricht im Sinne der Erziehung zur Republik geben könnten. Beim zeum genüge angesichts der besseren Einsicht des Rektors und des Kollegiums nur eine ernste Mahnung Nach den amtlichen listen des haben bei der Abstimmung des§ 1 des Freiheitsgesetzes folgende deutschnationale Abgeordnete, die zum größten Teil wegen Krankheit oder anderer Behinderung entschuldigt sind, gefehlt: Bachmann, Dr. Bazille, Dr. Haßlacher, Dr. Klönne, Dr. Philipps, Dr. Reichert, Schmidt=Stettin, Vogt=Württemberg und Wallraf, insgesamt 9 deutschnationale Abgeordnete. Von den Nationalsozialsten fehlten die Abgeordneten Dreher, Feder=Sachsen, Strasser und Wagner, also 4 Abgeordnete. Von der Christl.= Nat. Bauernpartei fehlten die beiden Abgeordneten Julier und Dr. Wendhausen. Der Stimme ethalten haben sich zwei DeutschHannoveraner: Arteldt u. Meyer=Hannover, ferner zwei Volksrechtler: Dr. Best und Dr. Lobe. Bei der Abstimmung über§ 3 fehlten außerdem noch die beiden deutschnationalen Abgeordneten Dr. Everling und Schlange=Schöningen, sowie der Christlich=Nationale Bauer Neddenriep. Bei der Abstimmung über§ 4 fehlten über die schon beim§ 1 genannten Abgeordneten hinaus folgende 14 deutschnationale Abgeordnete: Fromm, Hartwig, Dr. Hoetzsch, Hülser, von Keudell, Lambach, Dr Lejeune=Jung, von WindeinerWildau, Mentzel, Mönke, Dr. Rademacher, Schiele, Schlange=Schöningen und Treviranus. Der Abg. Dr. Everling dagegen war wieder anwesend und stimmte mit ja. Von der Chriml.= Nat. Bauernpartei beteiligte sich kein Abgeordneter an der Abstimmung Von den National-Sozialisten fehlte außer den beim§ 1 Genannten noch der Abg. Göring. Die Deutich= Hannoveraner und die Mitglieder der Volksrechtpartei stimmten gegen den§ 4. Einberufung des deutschnationalen Parteivorstandes. Aus Anlaß der Veröffentlichung der Abgeordneten Hartwig, Hülser und Lambach hat der Parteivorsitzende den Vorstand der Deutschnationalen Volkspartei auf Dienstag, den 3. Dezember, einberufen. Allerlei aus dem Reiche. Die deutschnationalen Reichstagsabgeordneten Hartwig, Hülser u. Lambach veröffentlichen folgende Erklärung: „Die unterzeichneten Abgeordneten haben sich in der Abstimmung zum§ 4 des Volksbegehrensgesetzes auf seiten des Ministers Schiele gestellt. Sie werden sich am Dienstag gelegentlich der Behandlung des Ausschlußantrages des Parteivorsitzenden gegen ihren Kollegen Treviranns in der Fraktion solidarisch an dessen Seite stellen, sie halten fruchtbare politische Arbeit nicht für möglich, wenn freimütige und sogar private politische Meinungsäußerungen unterdrückt werden sollen.“ Strafunterbrechung und-Aussetzung im Falle Pannier. Der Preußische Justizminister hat durch Verfügung vom 27. November d. Is. angeordnet, daß die gegen Johann Stein, Walter Schirmann, Theodor Benn und Alfred Aschenkampf wegen Ermordung des Schützen Pannier verhängten Freiheitsstrafen im Falle weiterer guter Führung in der Strafhaft am 14. 12. d. Is. unterbrochen werden und der Strafrest mit Bewährungsfrist bis zum 31. 12. 1982 ausgesetzt wird. In den Büros der kommunistischen Partei in Essen, Rottstraße Nr. 16, fand im Zusammenhang mit einem beim Oberreichsanwalt in Leipzig anhängigen Ermittelungsverfahren wegen Vorbereitung zum Hochverrat eine eingehende Haussuchung statt. In diese Durchsuchung, die vom zuständigen Amtsgericht in Essen angeordnet war, wurden die Arbeitsräume der Abgeordneten, insbesondere das Zimmer des Reichstagsabgeordneten Woutkowski, auftragsgemäß einbezogen. Eine größere Menge von Druck= und Schriftmaterial wurde beschlagnahmt ein Rotaprint=Apparat wurde sichergestellt. Die Diensthandlung, die drei Stunden dauerte, verlief störungslos. 250 Frankfurter Stahlhelmer festgenommen. Bei der Abfahrt des etwa 250 Mann starken Frankfurter Stahlhelmtrupps, der an dem in Darmstadt stattgefundenen Stahlhelmtage teilgenommen hatte, kam es Sonntag abend auf dem Darmstädter Hauptbahnhof zu Schlägereien zwischen Zivilisten und Stahlhelmlenten. Da die Schutzpolizei, die den Trupp zum Bahnhof begleitet hatte, bereits wieder abmarschiert war, versuchten anwesende Beamte der Kriminalpolizei, den Streit zu schlichten. Dabei wurde der Kriminalbeamte Reibold durch Stockschläge übel zugerichtet. Aus dem schon abfahrenden Zuge erhielt der Leiter der hessischen Kriminalzentrale, Regierungsrat Bach, mit einem scharfen Gegenstand einen Schlag ins Gesicht, der eine klaffende Wunde unter dem rechten Auge verursachte. Bach mußte sich ins Krankenhaus begeben. Auf telephonische Verständigung der Frankfurter Schutzpolizei wurden die Stahlhelmer auf dem Frankfurter Hauptbahnhof von der Polizei in Empfang genommen und nach Waffen durchsucht. Es wurde nichts gefunden. Sämtliche Teilnehmer wurden festgenommen. Bereits in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag war es an verschiedenen Stellen in Darmstadt wiederholt zu Reibereien gekommen, die auch in Tätlichkeiten ausarteten, jedoch keinen größeren Umfang annahmen. Der erste Transport deutschstämmiger Bauern aus Rußland traf Sonntag nacht in Eydtkuhnen ein. Er bestand aus 244 Erwachsenen und 157 Kindern. Nach der Desinfizierung wurden die Flüchtlinge in die Schlafsäle geführt. Die Auswanderer besitzen außer der Kleidung, die sie tragen, nur noch Betten und Decken. Einer der Flüchtlinge gab der Freude Ausdruck, auf deutschem Boden angelangt zu sein. Der erste Weitertransport nach Hammerstein via Marienburg verläßt Eydtkuhnen bereits am Montag abend und trifft Dienstag früh in Hammerstein ein. Rundschau im Ausland. Revision der Ministergehälter in England. Der Beschluß des Premierministers, einen Ausschuß zur Erwägung der Frage der Ministergehälter zu ernennen, wird in parlamentarischen und politischen Kreisen ohne Parteiunterschied lebhaft begrüßt. Allgemein herrscht die Ansicht, daß eine Revision der bestehenden Gehaltsskala seit langem überfällig ist. Die Empfehlungen des Komitees vom Jahre 1920 sahen vor, daß der Premierminister ein Gehalt von 8000 Pfund Sterling statt der bisherigen 5000 bezieht und alle anderen Kabinettsmitglieder ohne Rücksicht auf das von ihnen verwaltete Amt 5000 Pfund erhalten. Der Lordkanzler erhält augenblicklich 10 000 Pfund. Der Parteitag der englischen Kommunisten wurde am letzten Freitag in Leeds von Pollitt eröffnet. Er führte in seiner Ansprache u. a. aus, der Zustand der Parteiorganisation sei eine Schande für eine revolutionäre Partei. Im Verhalten der Führer wie in der Propaganda habe sich ein allzusehr um Entschuldigung bittender Ton eingeschlichen. Die ganze Partei sei viel zu defensiv eingestellt. Innerhalb der Partei sei eine Revolte im Gang. Es sei müßig dies zu leugnen, ja man müsse es begrüßen, sei es doch ein Zeichen dafür, daß noch Leben in der Partei sei, und daß eine gesunde Grundlage für eine künftige kommunistische Massenpartei vorhanden sei. Neriss aus aller Welt 348 Depotmappen geplündert Der Prokurist Walter Feindt der unter schwersten kriminellen Begleiterscheinungen zusammengebrochenen Kasseler Privatbank André u. Herzog ist in der Nacht zum Samstag auf Anweisung der Staatsanwaltschaft zum zweiten Male festgenommen worden. Feindt war Depotverwalter der in Konkurs geratenen Privatbank, deren 350 Depotmappen, wie der Konkursverwalter mitteilte, bis auf zwei geplündert worden sind. Vier Kinder verbrannt. Auf dem Gute Flersten im Kreise Goldap brach im Insthaus des Hirten Piankam Feuer aus. Der Hirt und seine Frau, die abseits vom Hause Vieh fütterten, bemerkten es aber zunächst nicht. Als dann die Frau des Hirten nach Hause lief, schlugen ihr aus der geöffneten Tür Flammen und Rauch entgegen. Nachdem die anderen Instleute des Gutes das Feuer gelöscht hatten, mußte man fest stellen, daß die vier Kinder des Hirten im Alter von eineinhalb bis fünf Jahren lebendig verbrannt waren. Offenbar haben sie beim Spielen das Feuer selbst verursacht. Der Mord an der Hilde Wie verlautet, wird voraussichtlich schon in den nächsten Tagen von der Berliner Staatsanwaltschaft gegen den 40 Jahre alten Bauwächter Richard Schulz die Voruntersuchung wegen des Verdachtes der Ermordung der 11 Jahre alten Schülerin Hilde Zäpernik eingeleitet werden. Nachdem Schulz das Verbrechen der Blutschande an seiner eigenen Tochter nachgewiesen werden konnte, und er auch geständig ist, sah sich die Staatsanwaltschaft veranlaßt das bisherige Ermittlungsverfahren in die Voruntersuchung überzuleiten. Die Anklage wegen Blutschande ist deshalb noch nicht erhoben worden, weil Bauwächter Schulz zurzeit auf seinen Geisteszustand untersucht wird. Zahnarzt Dr. Guttmann geständig Wie er seine Frau mordete. Der Zahnarzt Dr. Guttwann, dessen Gattin, wie gemeldet, vor einigen Tagen unter verdächtigen Umständen tot im Badezimmer der Wohnung aufgefunden wurde, hat Samstag avend gestanden, daß er seine Frau, für die er kurz vorher eine Lebensversicherung eingegangen war, mit einem Handtuch erdrosselt hat. Guttmann hatte bis jetzt in allen Verhören hartnäckig bestritten, daß seine Frau eines gewaltsamen Todes gestorben sei, und hatte erklärt, sie müsse im Badezimmer von der Leiter gestürzt sein. Guttmann hat den Leichnam erst nach der Tat vom Schlafzimmer nach der Badestube geschleppt. Er ist dabei mit der Leiche über die dort stehende Leiter zu Fall gekommen, wodurch die Verletzungen am Kopf der Ermordeten hervorgerufen wurden. Nach dem Geständnis ist Guttmann vollständig zusammengebrochen, so daß seine weiteren Vernehmung ausgesetzt werden mußte. Die Ermittlungen über den Tod seiner ersten Frau, der vor zwei Jahren erfolgte, werden voraussichtlich in dieser Woche fortgesetzt. Furchtbares Einsturzunglück in Marseille. Rund zwanzig Menschen unter Trümmern begraben.— Elf Tote und eine große Anzahl Schwerverletzte. In den Morgenstunde des Samstag stürzten in Marseille in der Rue d'Endoume zwei dreistöckige Mietshäuser, die von etwa vierzig Personen bewohnt waren, plötzlich zusammen. Laute Schrekkens= und Hilferufe drangen aus den Trümmern, unter denen schätzungsweise zwanzig Menschen verschüttet waren und zwar zumeist Frauen und Kinder, da sich die Männer bereits an ihre Arbeitsstätten begeben hatten. Polizei, Feuerwehr und Militär nahm sofort die Rettungsarbeiten anf. Um 10 Uhr vormittags war es bereits gelungen, zwei Tote und sechs Verwundete freizulegen. Dann mußte trotz der fürchterlichen Hilferufe die Rettungsarbeit unterbrochen werden, um die noch stehenden Mauerreste zu tützen. Die erste Leiche, die geborgen wurde, war die einer 60jährigen Frau, deren Mann sich unter den Schwerverletzten befindet. Der Schädel der Frau war völlig zertrümmert. In ihrer erstarrten Hand hielt sie noch eine Zahnbürste fest umklammert. Die drohende Gefahr war von einem Hausbewohner bemerkt worden, als er auf seinem Wege zur Arbeit die Treppe hinunterging und lautes Krachen vernahm. Er schlug sofort Alarm, doch glaubte niemand an die nahe Katastrophe. Der Bewohner hatte gerade noch Zeit, seine Frau in Sicherheit zu bringen, als der Einsturz erfolgte. Schon vor drei Tagen hatten die Mieter der beiden Häuser gemeinsam Klage über den schlechten Zutand der Häuser erhoben. Die Vorwürfe der Oefentlichkeit richten sich sowohl gegen die Hausbeitzer, wie gegen das leichtsinnige Verhalten der Gemeindeverwaltung. Nach den letzten Meldungen sind bei dem Einsturzunglück elf Personen getotet worden. Die Zahl der Verletzten steht noch nicht fest. Eine furchtbare Brandkatastrophe wütete am Freitag in Nantaspet Beach, einem Vergnügungsort bei Boston. Auf einem Vergnügungsdampfer entstand aus bisher ungeklärte Weise Feuer, das auf die am Kai liegenden Dampfer übersprang. Das Feuer griff, vom Sturmwind, der zeitweise 80 Kilometer Stundengeschwindigkeit erreichte, getrieben, auf einen Hänserblock im Hafenviertel über und legte 12 Gebände in Asche. Der Hafendamm wurde ebenfalls schwer in Mitleidenschaft gezogen. Der Sachschaden wird auf 1,5 Millionen Dollar geschätzt. Nach den bisherigen Feststellungen sind dem Feuer keine Menschen zum Opfer gefallen. Sämtliche Feuerwehren von Boston und Umgebung erschienen an der Brandstätte, waren aber wegen des stürmischen Windes zunächst machtlos. Samstag morgen brach in einem Bostoner Privathotel ein Brand aus. Fünf Personen fanden den Weg ins Freie versperrt und kamen in den Flammen um. Unter den Opfern befindet sich ein Feuerwehrhauptmann. Explosion auf einem Forschungsdampfer. Wie Associated Preß aus Apia auf Samo berichtet, fand auf der Jacht„Carnegie“, die sich im Auftrage des Carnegie=Instituts in Washington auf einer ozeanographischen Reise befand, eine Explosion statt. Der Dampfer geriet in Brand, und wurde vollständig zerstört. Der Kapitän kam in den Flammen um; viele Mitglieder der Mannschaft trugen Brandwunden davon. Fünf Schiffe, die sich in der Nähe der„Carnegie“ befanden, gerieten gleichfalls in Brand. Amerikanischer Ausflüglerzug verunglückt. Acht Tote, siebzehn Schwerverletzte. Nach Berichten aus Onley in Virginia ist ein Ausflüglerzug der Pennsylvania=Eisenbahn in der Richtung nach Neuyork bei Onley entgleist. Dabei kamen, wie bisher feststeht, acht Personen ums Leben, während siebzehn schwer verletzt wurden. Fünf Wagen des Zuges sprangen, wie man annimmt, infolge Beschädigung der Schienen aus den Gleisen, zwei Wagen überschlugen sich. Die Arbeiten der sofort entsandten Rettungskolonnen wurden durch die außerordentlich schlechten Wetterverhältnisse beeinträchtigt. Mehrere Stunden nach dem Unglück waren die Schienen noch nicht wieder frei gemacht. Die Verwaltung der Pennsylvania=Eisenbahn teilt mit, daß wahrscheinlich unterbrochene Telegraphenlinien die Ursache des Unglücks sind. Petroleumzug in Flammen. Wie aus Moskau gemeldet wird, ist in der Nähe von Noworossiisk ein Petroleumzug in Brand geraten. Es wurden siebzehn Petroleumbehälter in Brand gesetzt. Im Augenblick des Ausbruchs des Brandes befand sich der Zug auf einer Holzbrücke, die von den Flammen ergriffen wurde und schließlich zusammenbrach, so daß der Rest des Zuges in die Fluten stürzte. Nach einer amtlichen Meldung über das Unglück sind diesem auch mehrere Menschenleben zum Opfer gefallen, darunter auch der Leiter der Eisenbahntruppen der GPU., Grigorjew, der sich zufällig in dem Zuge befand. 1 29e e . . 3 n Alle Geschenkkleider werden auf Wunsch in besonders schönen Geschenkkartons verpackt ammmmmmmmmmmmmmmmmn Ein außergewöhnliches Angebot Ich kaufte einen sehr großen Posten Woll-Georgette 130 em breit für elegante Kleider, aus prima reinwollenem.25 = gezwirnten Material, in schwarz, marine, rot. mode, schwefel, bleu. erdbeer. nil usw. Mtr. Ein schönes u. preiswertes Weihnachtsgeschenk 2½ m in elegantem Karton 10.60. 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