BolGa Botoo Bezugspreis: Frei Haus halbmonatl. 1.20 M. Postbezugspreis monatl. 2.70 M. Erscheint täglich außer an Sonn= u. Feiertagen. Beilagen:„Sport=Rundschau" täglich.„Feierstunden" am Dienstag Donnerstag und Samstag.„Aus dem Reich der Frau" am Mittwoch u.„Leben im Bild" am Freitag Fernsprecher Nr. 2941(Sammelnummer für 3 Anschlüsse)— Postscheckkonto: Dortmund Nr. 11103 Zweiggeschäftsstelle: Linden=Ruhr. Königstraße 90. Fernsprech=Anschluß 2328 Amt Hattingen Anzeigenpreis: Für 1 mm Höhe, 33 mm Breite 10 Pfennig. Für Anzeigen unterm Strich 1 mm Höhe, 75 mm Breite 35 Pfennig.— Bei Wiederholung Rabatt, der jedoch bei gerichtlicher Beitreibung, im Falle einer Geschäftsaufsicht oder eines Konkurses in Fortfall kommt. Telegramm=Adresse: Kreisblatt, Hattingenruhr. Erfüllungsort und Gerichtsstand: Hattingen. Für die Richtigkeit telephonisch aufgenommener Anzeigen wird keine Gewähr übernommen. Druck: C. Hundt sel. Wwe. Kreisblatt für den Kreis Hattingen Jolegog Naubmörder Johann Heidger schwer verletzt festgenommen. Das Ergebnis der Länderkonferenz. Einsetzung von Unterausschüssen mit festgelegten Richtlinien. Der Ausschuß für Verfassungs= und Verwaltungsreform hat in den letzten drei Tagen das Problem des Verhältnisses von Reich und Ländern in einer eingehenden Aussprache behandelt und die Hauptfragen der Reform zu klären versucht. Er hat beschlossen, zur weiteren Behandlung der Fragen und zur Erzielung von bestimmten Vorschlägen für Lösung der einzelnen Probleme zwei Unterausschüsse einzusetzen, denen die nachfolgenden Richtlinien überwiesen worden sind: „Der Ausschuß nimmt von der Erklärung der Reichsregierung Kenntnis und setzt zwei Unterausschüsse ein“. Ziffer 1: Der erste Unterausschuß hat die Aufgabe, unter der Aufrechterhaltung und der Bildung von leistungsfähigen Ländern über die Frage der territorialen Umgliederung des Reiches Vorschläge zu machen. Dies gilt vornehmlich für solche Gebiete, die durch Gemengelage einzelner Gebietsteile eine besonders erschwerte und kostspielige Verwaltung haben. Ziffer 2: Der zweite Ausschuß hat zu untersuchen, wie eine klare Abgrenzung der Zuständigkeiten zwischen Reich und Ländern hergestellt und dauernd gesichert und in welcher Weise der Dualismus zwischen Reich und Preußen behoben werden kann. Dabei ist davon auszugehen, daß dieser Dualismus nicht isoliert, sondern im Rahmen einer Gesamtlösung zu beseitigen ist. Aufgaben, bei denen Lebensfragen des Reiches nicht berührt werden, sind der eigenen Verwaltung der Länder zu belassen oder zu übertragen. Derselbe Ausschuß hat weiter festzustellen, ob und wie neben der landeseigenen Verwaltung eine Auftragsverwaltung in dem Sinne geschaffen werden kann, daß das Reich die Landesregiernngen mit der Führung von Angelegenheiten der Reichsverwaltung beauftragt.“ Die Entschließung wurde in Ziffer 1 einstimmig vom Ausschuß gebilligt. Zu Satz 3 der Ziffer 2 hatte Bayern folgenden Aenderungsantrag eingebracht: „Ausgaben, die zurzeit tatsächliche Reichsaufgaben sind, bei denen aber Lebensfragen des Reiches nicht berührt werden, sind der Eigenverwaltung der Länder zu übertragen.“ Dieser Antrag wurde gegen die Stimmen von Bayern, Württemberg und des Reichsministers Dr. Schätzl abgelehnt, worauf Ziffer 2 gegen die Stimmen der Genannten angenommen wurde. Die beiden Unterausschüsse unter dem Voritz des Reichsministers des Innern setzen sich zusammen aus je drei Mitgliedern des Reichskabinetts, sechs Vertretern der Länder und zwei nichtbeamteten Sachverständigen. Und zwar sind im ersten Unterausschuß vertreten Preußen, Bayern, Württemberg, Hessen, Hamburg und Anhalt, im zweiten Unterausschuß Preußen, Bayern, Sachsen, Baden, Thüringen und Mecklenburg. Die Unterausschüsse werden in der ersten November=Woche durch den Reichsminister des Innern zur Konstituierung einberufen werden. Als Hauptergebnis der Länderkonferenz, die gestern abend ihre Beratungen abgeschlossen hat, wird in beteiligten Kreisen mit Befriedigung unterstrichen, daß mit der Einsetzung der Ausschülse nunmehr an die praktische Arbeit herangegangen werden kann. Damit ist das von der Reichsregierung zunächst erstrebte Ziel erreicht und die weitere Verfolgung dieser großen Aufgabe in die Hände autoritativer Stellen gelegt worden, während sich bisher auch private Organisationen mit diesen Dingen sehr stark beschäftigt haben. Zweifellos hat diese Vorarbeit auch nach der Auffassung der amtlich interessierten Kreise dem Problem sehr genützt. Es mußte aber die Gefahr vermieden werden, daß durch weitere theoretische Befassung privater Stellen Verwirrung entstand. Mit Befriedigung wird auch verzeichnet, daß die in der Entschlietzung der Reichsregierung enthaltenen wesentlichen Punkte in die Schlußresolution der Konferenz hineingenommen worden sind. Die Entschließung der Reichsregierung selbst wurde mit den anderen Anträgen den Ausschüssen als Material überwiesen. In der gestrigen Schlußsitzung hatte Bayern seinen Abänderungsantrag gestellt, um zu vermeiden, daß sich aus der Auftragsverwaltung Eingriffe in die Soheitsverwaltung der Länder entwickelten. Es ist anzunehmen, daß der bayerische Ministerpräsident den Gedanken seines Antrages bei der Arbeit der Ausschüsse erneut vorbringen wird. Aber auch auf bayerischer Seite ist man von dem Verlauf der Verhandlungen durchaus befriedigt und unterstreicht, daß eine eigene Entschließung der Konferenz die Grundlage der kommenden Arbeit bilden wird. Bayerische Stimmen. Die Bayerische Staatszeitung“ schreibt u. a.: Alle Vorschläge, die darauf hinauslaufen, den staatlichen Charakter der Länder zu vernichten, sind für Bayern nicht diskutierbar. Wir lassen uns unter keinen Umständen das, was wir an eigenen Rechten als Staat haben, nehmen. Nur unter diesem Vorbehalt kann sich Bayern über den neu aufgeworfenen Begriff der Auftragsverwaltung praktisch unterhalten. Es müssen Sicherungen geschaffen werden, daß auf dem Wege über eine solche Auftragsverwaltung die bestehende Staatshoheitsverwaltung nicht aufgelöst werde. In München ist man mit dem Schritt des bayerischen Ministerpräsidenten, der gestern einen „kleinen Waffenstillstand“ durch seine Absage an die Entschließung der Reichsregierung eingeleitet hat, durchaus einverstanden. In den unter Punkt 6 und 7 aufgelegten Sätzen der Entschließung liegt eine unitaristische Tendenz in Reinkultur vor. Erfreulicherweise haben diese und ähnliche Deduktionen aus dieser Entschließung eine ganze Reihe von Ländern, vor allem die süddeutschen, zu eine Fühlungnahme über ihre Meinung zu der Entschließung der Reichsregierung zusammengeführt. Die„München= Augsburger Abendzeitung“ schreibt u. a.: Die Forderung der Einrichtung der„Auftragsverwaltung“ in der Entschließung der Reichsregierung ist ganz klar. Sie ist das Ende der einzelstaatlichen Hoheitsrechte. Sie bedeutet eine grundstürzende Aenderung der Weimarer Verfassung im Sinne des Unitarismus, sie setzt die Reichsregierung und den Reichstag als Auftraggeber der Länder ein, bedeutet also nicht nur einen entscheidenden Schritt zur Unitarisierung, sondern auch eine bis ins Unerträgliche ausgebante Parlamentarisierung. Der Vorschlag der Reichsregierung bedeutet in seiner letzten Konsequenz das Ende der Länder, er ist für uns damit auch das Ende der Weimarer Verfassung. Das Neueste vom Tage. Der Reichswahlleiter gibt bekannt, daß nur 1217 501 Eintragungen f..r das kommunistische Volksbegehren erfolgt sind, d. h., daß sich nur 2,94 Prozent beteiligt haben. * Der Landtag von Mecklenburg-Schwerin hat ein Gesetz verabschiedet, das die Wahlbeschränkung der kleineren Parteien aufhebt. * Der Ausschuß für Verfassungs- und Verwaltungsreform hat die Einsetzung von zwei Ausschüssen beschlossen, von denen der eine Vorschläge für die territoriale Umgliederung des Reiches und der andere für die Abgrenzung der Zuständigkeiten zwischen Reich und Ländern machen soll. * Zwischen Vertretern des Zentrums und der Sozialdemokraten fand gestern die erste Fühlungnahme wegen Bildung der Großen Koalition im Reiche statt. * Beim Zusammentritt der französischen Generalräte kam es gestern in Colmar, wo sechs Autonomisten gewählt worden sind, zu stürmischen Auseinandersetzungen. Durch Eintreten des sehr einflußreichen Führers der fortschrittlichen Republikaner für den amerikanischen demokratischen Präsidentschaftskandidaten Smith sind dessen Aussichten stark gestiegen. * Der amerikanische Tankdampfer„David Reed“, der 45 Personen an Bord hatte, ist mit der gesamten Besatzung untergegangen. * Der Reparationsagent Parker Gilbert ist gestern wieder in Berlin eingetroffen, wo er heute mit der Reichsregierung eine Aussprache über die Ergebnisse seiner Reisen nach London, Paris und Brüssel haben wird. Allerlei aus dem Reiche. Rede Mahrauns in Hagen. Imgroßen dichtgefüllten Saal der Hagener Stadthalle sprach der Begründer und Führer des Jungdeutschen Ordens. Er entwickelte an Hand seines Themas den Ideeninhalt des Ordensprogramms und wandte sich scharf gegen die jetzige Form der Demokratie, die an die Stelle der Willkür absolutistischer Fürsten die Willkür des Geldes gesetzt hätte. Den Ideen der großen Führer dieser Demokratie von Stein bis Eugen Richter, dem Einswerden von Volk und Staat, stehe aber die Plutokratie des internationalen Kapitals im Wege. Zwar könnte man die Internationalisierung der großen Geldzentren und der internationalen Konzernund Trustbildung nicht gewaltsam hindern, um so mehr aber erwüchse die Pflicht, dahin zu wirken, daß der Staat nicht den Geldmächten untergeordnet werde. Das Schicksal der Nationen musse getrennt werden vom Schicksal der Truste. Die Deutschnationale Volkspartei sei jetzt im Besitz Hugenbergs, also einer materiellen Macht, und damit den Canossagang der Plutokratie gegangen. Sie beuge sich vor der materiellen Diktatur. Damit trete sie dem Ideal des Volksstaates, wie es der Jungdeutsche Orden vertrete, immer stärker entgegen; denn das System einer wahren Volksgemeinschaft müsse durch Organisation der Staatsbürgerschaft nach den Grundsätzen nachbarlicher Verbundenheit geschaffen werden. Mit einem eindringlichen Appell, in diesem Sinne zu arbeiten, schloß Mahraun, dem man mit großem Beifall dankte. Denkschrift Dr. Beckers über das Konkordat. Wie verlautet, beabsichtigt der preußische Kultusminister Dr. Becker, dem preußischen Staatsministerium eine Denkschrift über das Konkordat mit der Kurie vorzulegen. Ein klägliches Ergebnis! Nach dem nun vorliegenden vorläufigen Gesamtergebnis beträgt die Zahl der zum kommunistischen Volksbegehren in der Panzerkreuzerfrage abgegebenen gültigen Stimmen 1216 501. Da im ganzen Reichsgebiet 41347 994 Personen stimmberechtigt und ein Zehntel dieser Stimmen erforderlich sind, um dem Parlament den Gesetzentwurf vorlegen zu können, der den Bau des Panzerkreuzers verbietet, beträgt der Prozentsatz der Eintragungen 2,94 Prozent. Es fehlen den Kommunisten also 7,06 Prozent. Das endgültige Gesamtergebnis wird voraussichtlich am 9. November(1 bekanntgegeben. Das Volksbegehren des Stahlhelms. Die Germania war in der Lage, gestern früh ein Rundschreiben 91 des Stahlhelmführers Seldte zum Volksbegehren zu veröffentlichen. Es gehe nicht, so heißt es in dem Schreiben, daß durch ein Ueber=das=Ziel=Hinausschießen einiger Kameraden dem Stahlhelm von vornherein alle die Stimmen„vermasselt“ werden, die für die Aenderung von„nur“ zwei Paragraphen der Verfassung sicher zu gewinnen wären. Wir können viele bekommen, viele aber auch vor den Kopf stoßen. Denn„die Gegner arbeiten mit klugen und gerissenen Mitteln. Die demokratische Presse ist zwar erschrekkend arm an Ideologie, vor allen Dingen aber erschreckend geistreich und ausgesprochen klug“. Der Stahlhelm müsse daher aufpassen, daß ihm die Zielsetzung nicht in der Oeffentlichkeit „versaut und vermurkst“ werde, bevor er überhaupt mit dem Volksbegehren herauskomme. Deshalb erhebt der Bundesführer die Forderung, daß von jetzt an alle Stahlhelmreden in der Oeffentlichkeit, die von Stahlhelmführern gehalten werden, der politischen Leitung des Bundes und dem Bundesführer vorher vorgelegt werden. In Sachen des Volksbegehrens können nur die Bundesspitze und die Bundesführung mit ihren politischen Abteilungen zusammen führen. Wenn diese Bundesdisziplin durchgehalten werde, werden dem Stahlhelm Erfolg und Sieg beschieden sein. Fühlungnahme zwischen Zentrum und Sozialdemokraten. Gestern war im Reichstag eine erste Aussprache zwischen Mitgliedern des Fraktionsvorstandes des Zentrums und der Sozialdemokraten über die gegenwartige politische Lage. Die Aussprache diente lediglich der gegenseitigen Fühlungnahme. An ihr nahmen teil von der Sozialdemokratie die Abgeordneten Dr. Breitscheid, Dittmann, Dr Herz und Wels, vom Zentrum die Abgeordneten Dr. Bell, Esser, Lammers und Dr. Stegerwald.— In parlamentarischen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß es sich nur um eine erste Fühlungnahme gehandelt hat, die von den Beteiligten im übrigen verabredungsgemäß vertraulich behandelt werden sollte. In Zentrumskreisen sei man selbstverständlich dem Gedanken der Großen Koalition an sich nicht abgeneigt, wünsche aber, die Klärung bestimmter Fragen(Panzerkreuzer= und Steuerfragen) zunächst herbeigeführt zu sehen, da vor einer endgültigen Bereinigung dieser Fragen mit einer Dauer der Großen Koalition nicht zu rechnen sei. 1000 Seiten Urteilsbegründung im Fall Barmat. Wie eine Berliner Gerichtskorrespondenz hört, ist die Fertigstellung der schriftlichen Begründung des Urteils, das Anfang des Jahres gegen Barmat und Genossen erging, Ende des Jahres 1928 zu erwarten. Die schriftliche Begründung des Urteils wird sehr eingehend das Ergebnis der Beweisaufnahme würdigen, die bekanntlich über ein ganzes Jahr dauerte, und wird voraussichtlich über eintausend Schreibmaschinenseiten umfassen. Der Berichterstatter des Barmatgerichtes, Landgerichtsrat Dr. Rosemann, der neben dem Vorsitzenden Landgerichtsdirektor Dr. Neumann den Hauptanteil an der Abfassung der Urteilsgründe hat, ist zur Erledigung seiner Aufgabe von der Erfüllung seiner sonstigen Amtsgeschäfte beurlaubt worden. Maßnahmen gegen kommunistische Agitation. Von zuständiger Hamburger Seite wird mitgeteilt: Die Hamburger Volkszeitung hat in den letzten Tagen in Wort und Bild zu bewaffnetem Aufstand nach dem Vorbild der Oktoberkämpfe von 1923 aufgefordert und damit die Grenze der verfassungsmäßigen Pressefreiheit weit überschritten. Der Senat sah sich deshalb genötigt, in seiner heutigen Sitzung das Verbot der Hamburger Volkszeitung des weiteren etwaiger Ersatzblätter auf Grund des Artikels 48 Absatz 4 der Reichsverfassung zu beschließen. Das Verhalten der Hamburger Volkszeitung ist im Zusammenhang mit den Gewalttätigkeiten zu beurteilen, durch die zurzeit Angehörige der kommunistischen Partei eine wilde Streikbewegung im Hamburger Hafen auszubreiten versuchen. Der Senat hat die Polizeibehörden angewiesen, mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln die Ruhe im Hafen aufrecht zu erhalten und allen terroristischen Akten entgegenzuwirken. Rundschau im Auslande. Der Reparationsagent Parker Gilbert ist gestern früh, von Brüssel kommend, wieder in Berlin eingetroffen. Wahrscheinlich im Laufe des heutigen Tages wird sich Gilbert mit den in Frage kommenden Behörden des Reiches in Verbindung setzen und über das Ergebnis seiner Londoner, Pariser und Brüsselr Besprechungen Mitteilung machen. Die deutsche Regierung wird dann prüfen, ob sich ihre Wünsche hinsichtlich der Zusammensetzung der Sachverständigenkommission bzw. des Tagungsortes mit den in den alliierten Hauptstädten geäußerten Vorschlägen in Einklang bringen lassen. Während man in London voraussichtlich einer mehr nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zusammengestellten Kommission das Wort geredet haben dürfte, wird, falls die aus Paris vorliegenden Meldungen zutreffen sollten, die französische Regierung die Delegierung auch von beamteten Persönlichkeiten bei Parker Gilbert in Vorschlag gebracht haben. Auflösung eines deutschen Töchterheims in Pommerellen. Dieser Tage ist die Leiterin des bekannten Töchterheims Scherpingen(Pommerellen), Fräulein Eva Förster, eine Danziger Staatsangehörige, wegen angeblicher staatsfeindlicher Gesinnung aus Polen ausgewiesen worden, nachdem das Heim selbst vor vier Wochen von der Behörde geschlossen worden ist. In der Angelegenheit ist der Senat bei der polnischen diplomatischen Vertretung in Danzig vorstellig geworden und hat die erforderlichen Schritte eingeleitet: Wie verlautet, ist bereits im Juli dieses Jahres vom Schulkuratorium in Posen die Auflösung des Töchterheims gefordert worden. Spionageverfahren gegen die Pariser Helfer Horans. Das französische Justizministerium gibt bekannt, daß nach einem Meinungsaustausch zwischen dem Außenminister und dem Justizminister ein Gerichtsverfahren in der Angelegenheit des von der Hearstpresse veröffentlichten Dokuments zum englisch=französischen Flottenkompromiß angeordnet worden sei. Daraufhin ist gegen den Beamten des Quai d'Orsay, de Noblet, gegen den französischen Journalisten Delevlanque und alle sonstigen Mitschuldigen eine Untersuchung eingeleitet worden, die sich auf das Spionagegesetz vom Jahre 1886 stützt, das Gefängnisstrafen von drei bis fünf Jahren und Geldstrafen von 1000 bis 5000 Franken vorsieht. 8 Bei beiden Angeklagten, die vorläufig auf freiem Fuß belassen worden sind, wurden gestern Haussuchungen vorgenommen. Der Soir will wissen, daß dabei keinerlei belastende Dokumente entdeckt worden sind. Am Nachmittag begann der Untersuchungsrichter mit dem Verhör der beiden Angeklagten. Schwere Studentenausschreitungen in Debreczin. Aus Debreczin(Ungarn) werden neue schwere Ausschreitungen der dortigen Studenten und Führer der landwirtschaftlichen Akademie gemeldet. Die Polizei mußte von einer benachbarten kleinen Stadt Verstärkung erbitten. Nachmittags 6 Uhr zog eine große Menge Studenten auf den Korso und nahm vor dem Gebäude der liberalen unabhängigen Zeitung Aufstellung. Mit Ziegelsteinen wurden die Transparente an der Hausfront zertrümmert. Als ein Detektiv zwei Studenten verhasten wollte, wurde er mit Stockhieben und Revolvern bedroht. Die Polizei zog vom Leder und teilte Flachhiebe aus. Bis ½8 Uhr gelang es einem verstärkten Polizeiaufgebot, die Studenten in den Hof des reformierten Kollegiums zurückzudrängen, wo sie noch in später Nachtstunde eingeschlossen sind, da sie der Aufforderung der Polizei, sich zu legitimieren und sich einzeln zu entfernen, nicht nachkommen wollten. Lloyd George über das Weißbuch. Dem„Daily Chronicle“ zufolge erklärte Lloyd George auf die Frage nach seiner Ansicht über das Weißbuch: Das Dokument bestätigt, was sich in Yarmouth gesagt habe. Die Preisgabe unseres Standpunkts in der Frage der ausgebildeten Reserven bedeutet, daß jede Abrüstungskonferenz eine Komödie sein wird. Es ist ein vollständiger Verrat an der Sache des Weltfriedens. Nach dieser von uns unterstützten Vereinbarung kann Frankreich ein Heer von fünf Millionen Mann aufrechterhalten, Polen ein Heer von zwei Millionen, die Tschechoslowakei ein Heer von anderthalb Millionen und Italien und andere enropäische Länder Heere von fünf Millionen Mann. Der Kellogg=Pakt ist unter diesen Umständen nicht einmal das Fahrgeld Lord Chusenduns für seine Reise nach Paris zur Unterzeichnung des Paktes wert. Zwei britische Schiffsoffiziere in Japan verhaftet. „Daily Mail" meldet aus Tokio, daß der 2. und 3. Offizier des britischen Dampfers„Macedonia" in Schimonoseki von den japanischen Behörden verhaftet worden seien unter der Anschuldigung, innerhalb der Befestigungsanlagen photographische Aufnahmen gemacht zu haben. Die japanische Polizei erklärte, daß von ihrer Freilassung zurzeit keine Rede sein könne. Die Untersuchung gegen die Offiziere soll noch in dieser Woche abgeschlossen werden. Die briti schen Offiziere erklärten, daß sie nicht gewuß Stürmischer Auftritt im Generaleat des Departements Oberrhein. Bei der Eröffnung des Generalrats des Departements Oberrhein kam es, wie aus Paris gemeldet wird, gestern zu außerordentlich lärmenden Kundgebungen. Bekanntlich hat der Präfekt die Wahl der Abgeordneten Ricklin und Altkirch für ungültig erklärt mit der Begründung, daß Ricklin nicht wahlbar sei. Der an seiner Stelle als gewählt proklamierte Centlivre teilte in einem Briefe mit, daß er das Mandat nicht antreten werde, weil man seine Wahl angetastet habe. Auch die Wahl des Abgeordneten Rossé wird vom Präfekten angezweifelt. Zu Beginn der Sitzung wurde jedoch mitgeteilt, daß Ricklin und Rossé Zutritt zum Sitzungssaal forderten. Der Zutritt wurde ihnen verweigert, doch gestattete man ihnen, im Zuschauerraum Platz zu nehmen. Von dort aus, wo auch noch die gewählten Generalräte Stürmer und der Abgeordnete Brogly Platz genommen hatten, richteten sie Zwischenruse an den Präsidenten und die Versammlung. Von einem Generalratsmitgliede wurde darauf die Aufhebung der Sitzung verlangt, was aber abgelehnt wurde. Brogly und Abbé Haegy protestierten und verlangten die Zulassung von Rossé. Dieser rief aus dem Zuschauerraum:„Wir sind vom Volke gewählt, wir sind durch den Willen des Volkes hier! Was geschieht, ist ein Anschlag gegen die elsässische Freiheit!“ Als der Präfekt auf die Pflichten des Abgeordneten hinwies, der zur Achtung der Justiz mit gutem Beispiel vorangehen müsse, erwiderte Brogly nach dem„Temps":„Was hier geschieht, ist nicht Justiz, sondern eine Canaillerie!“ Als der Präfekt wieder den juristischen Standpunkt betonte, riefen Abbé Haegy und Brogly, ebenfalls nach dem„Temps“: „Sie werden vielleicht derjenige sein, der an allem schuldig ist.“ Haegy habe darauf diese Szene mit denen aus dem letzten Colmarer Prozeß verglichen. Schließlich habe Brogly eingeräumt, daß Ricklin nicht zugelassen werden könne, bevor der Staatsgerichtshof über seinen Fall entschieden habe. Einige nationalistische Abgeordnete wandten sich gegen die Argumente der Autonomisten und schließlich wurde die Weiterberatung auf nachmittags vertagt. Nach dem„Temps“ solle Ricklin vom Zuschauerraum gerufen haben: „Heute sind es zehn Jahre her, daß ich im Reichstage die Trennung von Elsaß=Lothringen vom Deutschen Reiche proklamiert habe“, und hinzugefügt haben, es sei deshalb schmachvoll, daß man ihm jetzt den Eintritt in den Generalrat verweigere. Ohne Stimmrecht zugelassen. Wie weiter aus Paris gemeldet wird, hat nach einer Geheimberatung der Generalrat des Departements Oberrhein, dessen gestrige Vormittagssitzung wegen der Anwesenheit Dr. Ricklins, Rossés und anderer Autonomisten stürmisch verlief, Dr. Ricklin und Rossé zu den Beratungen zugelassen, jedoch unter der Bedingung, daß sie sich nicht aktiv daran beteiligen und auch kein Stimmrecht beanspruchen, so lange der Staatsrat nicht über ihre Wählbarkeit entschieden habe. * Havas meldet aus Metz, daß bei der Eröffnungssitzung des Generalrates der durch Stimmenmehrheit gewählte Autonomist Antoni, dessen Wahl von den Behörden nicht bestätigt worden war, erst nach zweimaliger Aufforderung durch den Vorsitzenden und nach Unterbrechung der Sitzung den Sitzungssaal verließ. Der Generalrat hat erst dann seine Arbeiten begonnen. Der Generalrat von Marseille hat auf kommunistischen Antrag, der von den Sozialisten unterstützt wurde, für die strei kenden Seeleute des dortigen Hafens eine Unterstützung von 1 Million Francs bewilligt. Zu den Plänen um die Dawesrevision Die britische Botschaft in Tokio hat im Auße ministerium Schritte unternommen, die jedoch e gebnislos verlaufen sind. Fünf Millionen Stimmenzuwachs für Aus Neuyork wird gemeldet: Senator Morris, der der Republikanisch=Progressistischen Partei angehört, hat sich für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Smith ausgesprochen. Morris gilt als sehr einflußreich in den landwirtschaftlichen Staaten des mittleren Westens, so daß seine Stellungnahme eine wertvolle Unterstützung für Smith bedeutet. In demokratischen Kreisen hofft man, daß Smith infolgedessen 5 Millionen Wählerstimmen zugebracht werden, mit denen er bisher nicht rechnen konnte. Morris wird am Samstag in einer großen Rede die für seine Haltung maßgebenden Gründe darlegen.— Um die Todesstrafe. Die Abstimmung ausgesetzt. Im Strafrechtsausschuß des Reichstages ist am Mittwoch die Aussprache über die Todesstrafe zu Ende geführt worden. Gemäß dem Vorschlag des Vorsitzenden Dr. Kahl(DVp.) beschloß der Ausschuß, die Abstimmung über die Frage der Abschaffung oder Beibehaltung der Todesstrafe zunächst auszusetzen, bis der Abschnitt über die Sicherungsverwahrung erledigt ist. Das wird frühestens in der nächsten Woche der Fall sein. Aus der Aussprache sind noch folgende Ausführungen hervorzuheben: Abg. Dr. Alexander(Kom.) betont, daß auch die Kommunisten die menschliche Gesellschaft gegen Mörder schützen wolle, aber nicht, indem sie sie in Zuchthäusern einsperre, sondern nur durch soziale Maßnahmen und durch den Kampf, den die Kommunisten gegen die Todesstrafe zusammen mit dem Kampf gegen die kapitalistische Gesellschaft führe. Es werde behauptet, die Sowjet=Union kenne noch die Todesstrafe im Rahmen ihres Gesetzbuches. Der Redner erklärte die Sowjet=Union kenne den Begriff der Strafe überhaupt nicht. Sie kenne auch nicht das Verbrechen im Sinne des bürgerlichen Rechts. Sie kenne nur eine sozial gefährdendes Verhalten. Die Sowjet=Union ist ein Staat, in dem die herrschende Klasse nur ein anderes Vorzeichen hat als in Deutschland. Sie könne auf ihre Selbstverteidigung nicht verzichten.(!) Abg. Dr. Rosenfeld(Soz.) bemerkte, daß eine etwaige knappe Mehrheit für die Beibehaltung der Todesstrafe die Autorität des Strafgesetzbuches nicht erhöhen werde. Abg. Emminger(Bayr. Vp.) erläutert seinen Antrag:„An Tätern, die bei Begehung der Tat noch nicht 21 Jahre alt sind. darf die Todesstrafe nicht vollstreckt werden." Der Redner suchte aus der österreichischen Statistik zu be weisen, daß die Abschaffung der Todesstrafe in Oesterreich sich nicht bewährt und die Kriminalistik erhöht habe. Er könne die Verantwortung nicht auf sich nehmen, nur wegen der Rechtsangleichung mit Oesterreich für die Abschaffung der Todesstrafe zu stimmen. Nach längerer Geschäftsordnungsaussprache wird uns geschrieben: Die Frage der Uebertragung des im jetzt laufenden Reparationsjahr mehr aufzubringenden Betrages von 750 Mill. Mk. an das Ausland(Transfer) ist nicht weniger schwierig als die der Aufbringung im Inland. Zur Erläuterung diene die folgende Aufstellung in Millionen Goldmark: Der Goldmarktransfer umfaßt hauptsächlich die Kosten für Besetzung, interalliierte Kommissionen usw. sowie die Sachlieferungen, die den weitaus größten Posten ausmachen. Während im Reparationsjahr 1924/25 die Sachlieferungen nur auf rund 420 Mill. Mark sich beliefen, waren sie im Reparationsjahr 1927/28 auf rund 725 Mill. Mark gestiegen, wobei besonders beachtlich ist die Tatsache, daß seit dem Reparationsjahr 1925/26 mit seinen Sachleistungen von rund 650 Mill. Mark ein Ansteigen kaum zu verzeichnen war. Der„Transfer“ in ausländischer Währung setzt sich in den wichtigsten Posten zusammen aus der 26prozentigen Zollabgabe, die im letzten Reparationsjahr den Betrag von 350 Mill. Mark erbrachte, und aus den Barübertragungen (460 Mill. Mark im letzten Jahr). Die Mehrleistungen von 750 Mill. Mark können praktisch nur vorgenommen werden in Gestalt von Sachlieferungen oder in Form von Barübertragungen. Nun haben alle in den letzten Jahren unternommenen Bemühungen auf Steigerung des Sachleistungsverkehrs trotz eines sehr komplizierten Systems von Prämien, Rückvergütungen, Preisnachlässen usw. zu keinem Ergebnis geführt; Steigerungen erheblicheren Umfanges sind auch unwahrscheinlich; Frankreich hat z. B. im letzten Jahre schon für rund 500 Mill. Mark deutsche Sachleistungen bezogen bei einer Gesamtfertigeinfuhr von 1000 Mill. Mark; im übrigen ist Deutschlands Interesse an einer Verzierung der Sachleistungen nur gering, da in diesem Falle der für Deutschland lebensnotwendige freie Außenhandel immer geringfügiger wird. An gesichts des mit Sicherheit zu erwartenden Versagens der Sachleistungen wäre also zu versuchen, die 750 Mill. Mark Mehraufbringung durch Bartransfer zu übertragen. Nun hat aber schon die im letzten Reparationsjahr vorgenommene Uebertragung von nur 460 Mill. Mark zu den größten Schwierigkeiten geführt, trotzdem der in Deutschland herrschende hohe Zinsfuß und die an Deutschland gewährten umfangreichen Auslandsanleihen diesen Versuch sehr erleichterten. Die Wiederholung eines solchen Versuches bei einer Steigerung der in Frage kommenden Summe um mehr als das 1½fache scheint deshalb von vornherein zum Scheitern verurteilt. Barübertragungen bedeuten Entblößung des deutschen Geld= und Kapitalmarktes von Gold und Devisen. Da nach dem Bankgesetz der deutsche Notenumlauf zu rund 40 Proz. gedeckt sein muß, ist eine dem Umfang der Ueberweisungen entsprechende Verringerung des Notenumlaufes unvermeidbar; diese bedeutet aber Konkurse und Arbeitslosigkeit. Der Dawesplan sollte Deutschland zur Schuldenabtragung verhelfen, tatsächlich ist die Neuverschuldung größer geworden als die bisher gezahlten Reparationsbeträge; deswegen hätte schon bisher eigentlich kein Bartransfer vorgenommen werden dürfen. Die Tatsache, daß die jährliche Kapitalneubildung in Deutschland in einem geradezu grotesken Mißverhältnis steht zu der Höhe der Daweszahlungen, ergibt sich am besten aus der Höhe der in Deutschland zu zahlenden Zinsen(10—12 Proz.), die über der erzielbaren Rentabilität liegt, ein Beweis dafür, daß dauernö Kapital verzehrt wird. Die Fortdauer dieses Zustandes führt ganz von selbst zu den Gefährdungen der deutschen Wirtschaft und Währung, die nach den Bestimmungen des Dawesplanes einen Transfer ausschließen. Es fragt sich nur, welche Opfer auf dem Kapital= und dem Arbeitsmarkt gebracht werden müssen, um den Eintritt dieses Zustandes offenbar zu machen. Für sich selbst haben die Ententestaaten die Unhaltbarkeit dieser Zustände längst erkannt. Denn ihnen sind von den Vereinigten Staaten Schuldenzahlungsabkommen eingeräumt worden, die im Laufe von 62 Jahren Rückzahlungen von rund 88,5 Milliarden Mark ausmachen, während Deutschland allein gering gerechnet, diesen Betrag schon in 35 Jahren zahlen soll. Faustrecht der Besatzung. Ein Unteroffizier einer auf einem Marsch befindlichen französischen Truppe forderte von dem Landwirt Klay in Bolanden die Herausgabe eines Quartierzimmers, das von dem Sohne des Landwirtes bewohnt wird. Der Landwirt wies dem Unteroffizier ein leerstehendes Bett in einem Zimmer an, in dem bereits eir Offizier einquartiert war. Der Unteroffizies lehnte dies ab und erklärte, daß der Sohn des Landwirtes außerhalb des Hauses schlafen solle. Der Landwirt verweigerte die Herausgabe des Zimmers mit dem Bemerken, man könne von ihm nicht verlangen, daß sein Sohn in der Scheune schlafe. Trotzdem bestand der Unteroffizier auf seinem Verlangen. Es entwickelte sich ein Wortwechsel, den der Unteroffizier als beleidigend ansah. Er stellte darauf Strafantreg. Von dem Kriegsgericht in Kaiserslautern wurde der Landwirt bereits verurteilt. In der gestrigen Berufungsverhandlung in Mainz stellte es sich heraus, daß der Unteroffizier vorher schon den Landwirt mit einem Faustschlag tätlich angegriffen hatte, was der Unteroffizier auch zugab. Trotzdem verurteilte das Kriegsgericht den Landwirt zu 25 Mark Geldstrafe. Zur Wahl Hugenbergs. Ueber die Vorgänge, die zur Wahl Hugenbergs an die Spitze der Deutschnationalen Volkspartei führten, berichtet heute die„Kreuzzeitung“ u. a.: Der Gedanke eines sogenannten Triumvirates ist auf den Kreisen der Landesverbände, die sich in der Juli=Tagung unter dem Vorsitz von Geheimrat Hugenberg zusammengeschlossen hatten, schon seit längerer Zeit Graf Westarp nahegebracht worden. Hugenberg hat einer solchen Lösung grundsätzlich zugestimmt und war bereit, mit Graf Westarp zusammen die dreiköpfige Parteiführung zu bilden. In den letzten Tagen vor dem 20. Oktober verbreiterte sich der Kreis derer, die diesen Gedanken des Triumvirates als einen geeigneten Weg zur Herbeiführung voller Einstimmigkeit betrachteten, immer mehr, und Graf Westarp ist wiederholt von verschiedenen Seiten gedrängt worden, dem Triumvirat zuzustimmen und persönlich sich hineinwählen zu lassen. Er hat indessen den Gedanken einer dreiköpfigen Führung bekämpft." Nachdem die Ablehnung des Grafen Westarp feststand, haben auch andere maßgebende Mitglieder der Reichstagsfraktion, an die man sich gewendet hatte, den gleichen Standpunkt eingenommen. So ist der Gedanke einer Führung durch drei gleichberechtigte Vorsitzende an dem Widerspruch und der Ablehnung des Grafen Westarp gescheitert. Es wäre für die Partei schwer gewesen, so schließt das Blatt, der Haltung Westarps zustimmend, wirksam für den Kaisergedanken einzutreten, wenn sie bei sich selbst den Führergedanken verlassen hätte. England und das Deutschlandlied. eines Das englische Militärgericht hat den Inhaber Wiesbadener Restaurants zu 120 Mark oder 14 Tagen Gefängnis verurteilt, weil in seinem Lokal, in dem sich zu der betreffenden Zeit nur ein einziger englischer Soldat von der Besetzung befand, das„Deutschlandlied" gesungen wurde. Ein anderer Wirt wurde wegen des gleichen Deliktes zu einer Geldstrafe von nur einer Mark verurteilt. In beiden Fällen wurde das Lied gesungen, als das Luftschiff„Graf Zeppelin“ in Amerika angekommen war. Im Die Bevölkerung des besetzten Gebietes sieht in diesen neuesten Vorfällen deshalb eine gewisse Provokation, weil bisher in den von den Engländern besetzten Gebieten das Absingen des Deutschlandliedes nicht verboten war. Erst bei dem Zustandekommen des englisch=französischen Flottenkompromisses wird die deutsche Nationalhymne auch von den Engländern nicht mehr geduldet. Das verträgt sich ganz und gar nicht mit der noch kürzlich von englischer Seite zum Ausdruck gebrachte Auffassung, daß die englische Regierung an der Fortführung der Besetzung kein letzteren Falle ist die Geldstrafe so niedrig aus= Interesse mehr habe. Augenblicklich scheint gefallen, weil der Wirt, wie es in dem Urteil ein solches Interesse wieder vorhanden zu sein, heißt,„bei seinem Dazukommen nach der ersten halben Strophe den Gesang abgebrochen hatte" Diese Maßnahme der Besetzungsbehörde hat in den Kreisen der Bevölkerung eine lebhafte Mißstimmung ausgelöst. Nach dem Bekanntwerden des Urteils zogen mehrere Trupps erbitterter Gegner einer solchen Gewaltpolitik vor das Hotel, in dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann wohnt, und brachten diesem eine Ovation dar. Außerdem soll versucht werden, in einer Eingabe an die Reichsreigerung zu verlangen, daß der Reichskommissar für die besetzten Gebiete sich dafür einsetzt, daß das„Deutschlandlied“, durch dessen Absingen in keiner Weise die„Sicherheit" der Besetzung gefährdet werden dürfte, wurde der oben wiedergegebene Beschluß gefaßt. im gesamten besetzten Gebiet erlaubt wird. weil die neue französisch=englische Entente dem natürlichen englischen Besetzungsüberdruß entgegen steht. Man sollte aber doch von den Engländern dann wenigstens erwarten, daß sie das Besetzungsregime nicht in chikanöser Form handhabt. In dem Lokal, in dem das Deutschlandlied mit einer Geldstrafe von 120 Mark gesühnt wurde, befand sich, wie bereits erwähnt, zu der betreffenden Zeit ein einziger englischer Soldat. Wir hätten gedacht, daß der Pakt von Locarno und die deutsch=französische Verständigungspolitik nicht schon durch einen einzigen biertrinkenden Soldaten gefährdet werden kann. Eine Macht, die ihre Sicherheit so gering einschätzt, sollte doch auch daran denken, daß sie sich vor der gesamten zivilisierten Welt dadurch unsterblich blamiert. in Norwegen. Die norwegische Geographische Gesellschaft hielt gestern abend in der bis zum letzten Platz gefüllten Aula der Universität eine dem Gedächtnis Amundsens gewidmete Sitzung ab. Unter den Erschienenen bemerkte man die Mitglieder der Regierung, ferner Miß Boyd, die Flieger Riiser Larsen, Lützow=Holm, Lambrechtsen, Otto Sverdrup, die Verwandten Amundsens und viele andere hervorragende Persönlichkeiten. Der Präsident der Geographischen Gesellschaft, Dr. Skattum, hielt einen Vortrag über die vielen Entdeckungsreisen Roald Amundsens, angefangen von der Fahrt des„Gjoa“ bis zur Fahrt mit dem Luftschiff über dem Polarbassin. Nach dem Vortrag wurden Lichtbilder mit Roald Amundsens Porträt gezeigt, wobei sich die Versammelten von den Sitzen erhoben und eine Minute stehend und schweigend verharrten. Darauf bestieg Prof. Nansen die Rednertribüng und führte u. a. aus: Zu aller Zeit wird Roald Amundsen als besonderer Typus in der Geschichte der Forschung bestehen, als Typus geradeswegs aus dem Herzen des norwegischen Volkes entsprungen. Er kam als ein leuchtender Stern an dem bewölkten Himmel des norwegischen Volkes, ein Stern, der plötzlich erlosch. Hoch oben im Norden fand er sein Grab. Sein Name aber wird von dort leuchten. Prof. Nansen war sichtlich bewegt, und die Rede, die außerordentlich starken Eindruck machte, erntete langanhaltenden Beifall. Zum Schluß wurde das letzte Bild gezeigt, das von Amundsen vor dem Start in Tromsoe auf der Latham stehend darstellt. Ungarn und das Burgenland. Bei der Einweihung eines Volksabstimmungsdenkmals in Oedenburg hat der ungarische Ministerpräsident Graf Bethlen eine Rede gehalten, in welcher er den Anspruch Ungarns auf das Burgenland, das im Trianonfrieden unter Herausschneidung seiner Hauptstadt Oedenburg Oesterreich zugesprochen worden ist, betonte. Die Rede kann nicht ohne Widerspruch bleiben, da sie zum Teil von falschen Voraussetzungen ausgeht, zum Teil bewußt den Standpunkt des Selbstbestimmungsrechtes der Nationen als Grundlage der staatlichen Gliederung aufgibt. zunächst einmal hat im Oedenburger Bezirk gar keine„Volksabstimmung“ im eigentlichen Sinne des Wortes stattgefunden. Es waren keine ordentlichen Wahlabstimmungslisten vorhanden und die„Abstimmung“ selbst ging unter Verhältnissen vor sich, die den deutschen Abstimmungskommissar Dr. Milezynski veranlaßten, schon vor dem Abstimmungstermin sein Amt niederzulegen, da alle Voraussetzungen für eine gesicherte und unabhängige Volksabstimmung beseitigt waren. Es ist sehr bedauerlich im Interesse der ungarisch=deutschen Freundschaft, daß der ungarische Ministerpräsident diese schmerzlichen Ereignisse gerade jetzt wieder in die Erinnerung zurückruft. GEN SPRODE HAUT CHUTZT SIE REGEN, WIND U. SCHNEE 2. Blatt Donnerstag, den 25. Oktober 1928 Nr. 252 Aus der Heimat. (Der Nachdruck unserer Originalberichte ist nur mit Qaellenangabe gestattet.) Tagesspruch. Von der Welt, der unbequemen. Willst du keine Kunde nehmen.— Herzchen, sei auch nicht ergrimmt, Wenn sie von dir keine nimmt. Friedrich Rückert. * Gedenktage. 25. Oktober: 1825 Der Komponist Johann Strauß(Sohn) in Wien geboren. 1827 Der Chemiker Marcellin Berthelot in Paris geboren. 1883 Der Komponist George Bizet in Paris geboren. 1865 Der Maler Walther Leistikow in Bromberg geboren. * Wetterbericht. (Nachdruck verboten.) Das Tiefdruckgebiet über Großbritannien besteht fort, hat aber an Tiefe abgenommen, während sich das Hochdruckgebiet über Südosteuropa verstärkt hat. In Deutschland war es heute früh meist bewölkt, aber nur vereinzelt regnerisch. Die Morgentemperaturen lagen im allgemeinen zwischen 7 und 13 Grad, nur in Bayern niedriger. Der Kahle Asten meldet starken Südwind, bedeckten Himmel und 10 Grad. Vorhersage bis Samstag: Wechselnde Bewölkung, ohne erhebliche Regenfälle, ziemlich mild, Thermometerstand 11 Uhr: 15 Grad. * Hattingen. Die Gemeinden des Industriegebiets sollen gehört werden. Wie verlautet, wird das preußische Ministerium des Innern durch die Regierungspräsidenten von Münster, Arnsberg und Düsseldorf den durch die Umgemeindungsfragen irgendwie betroffenen Gemeinden des rheinisch=westfälischen Industriegebeties in allernächster Zeit die Stellungnahme des Ministeriums zu den die betreffende Kommune angehenden Umgemeindungsfragen auf Grund der Gutachten der verschiedenen Stellen mitteilen, um den Kommunen Gelegenheit zu geben, von sich aus noch vor der endgültigen Fassung der Regierungsvorlage zu diesen Vorschlägen Stellung zu nehmen. Es handelt sich dabei lediglich um den Entwurf des Ministeriums des Innern, zu dem das preußische Kabinett als solches noch nicht Stellung genommen hat. Als Stichtag für die Abgabe der Erklärungen der Kommunen ist der 1. Dezember festgesetzt worden. Nach Eingang der Erklärungen der Gemeinden wird dann der endgültige Entwurf des Ministeriums des Innern aufgestellt werden, der dann dem Gesamtkabinett zur Beschlußfassung vorgelegt werden und dann dem Staatsrat und dem Parlament zugeleitet wird. Unter diesen Umständen ist nicht damit zu rechnen, daß die Regierungsvorlage noch vor Weihnachten an das Parlament kommen wird, so daß die üblichen Bereisungen des Umgemeindungsgebietes erst Anfang nächsten Jahres zu erwarten sind. Wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, besteht im preußischen Landtage die Absicht, einen selbständigen Gemeinde=Ausschuß für die westlichen Gebiete, in dem natürlich auch nur Abgeordnete aus dem Westen vertreten sein werden, zu schaffen. Diese Maßnahme würde sicherlich eine beschleunigte und sachverständigere Behandlung der ganzen Eingemeindungsfragen zur Folge haben, als es bislang der Fall gewesen ist, wo teilweise Abgeordnete aus dem Östen gutachtlich über die Verhältnisse im Westen mit nteilen hatten, denen sie mit geringen Sachkenntnissen und noch geringerem Verständnis gegenüberstanden.— Wie weiter verlautet, soll die Frage der Zuständigkeitserweiterung für die Landkreise im Preußischen Landtag gleichzeitig mit den Umgemeindungen in Westdeutschland gesetzgeberisch erledigt werden. Der Landkreistag setzt sich für eine solche Regelung ein, während man in parlamentarischen Kreisen auf die Schwierigkeit hinweist, die Kompetenz der Landräte als Einzelfrage vor der allgemeinen Verwaltungsreform zu erledigen. — Evangel. Gemeinde Hattingen. Heute abend 8,15 Uhr im Gemeindehause Bibelstunde(Pastor Radicke). — Die Westfälische Verwaltungsakademie, Abteilung Industriebezirk, Sitz Bochum, veranstaltet zusammen mit der Weltwirtschaftlichen Gesellschaft zu Münster am 6. November 1928, abends 8 Uhr, im großen Saale des Parkhauses zu Bochum einen Vortragsabend. Herr Generaloberst a. D. v. Seeckt wird über das Thema„Rüstungsfragen“ sprechen. Der Vortrag ist öffentlich und frei. — Erben gesucht. Herr C. R. de Min aus Philadelphia Pa. U. S. A., sucht in Deutschland die Erben, die Anspruch haben auf die Hinterlassenschaft des am 15. November 1730 in Magdeburg geborenen und am 28. November 1794 in Utica U. S. A. gestorbenen Generals Baron Friedrich Wilhelm von Steuben. Interessenten erhalten Auskunft von C. R. de Min, Power of attorney. Kassel, Kölnische Straße 72. — Die Mitglieder der Goethe=Gesellschaft unternahmen gestern nachmittag den vorgesehenen Ausflug nach Hattingen und Burg Blankenstein. In zwei Autobussen trafen annähernd 100 Teilnehmer in Hattingen ein, wo sie unter Führung von Herrn Bürgermeister Keller auf einem Rundgang durch die Altstadt(Kl. Weilstraße, Krämersdorf, Untermarkt, Kirchplatz, Emschestr., Pariser Gasse, Steinhagen) die sehenswertesten Teile und Bauten Alt=Hattingens besichtigten. Vom Steinhagen wurden die Ausflügler nach der Schulenburg und zum Ehrenmal im Stadtwald geführt. An der Freitreppe der Schulenburg wurde eine photographische Aufnahme gemacht. Sämtliche Teilnehmer äußerten sich sehr anerkennend über das Gesehene, und vor allem diejenigen unter ihnen, denen das Ruhrtal vorher noch unbekannt gewesen, waren erstaunt über die landschaftlichen Reize, die sie hier im Industriebezirk(!!) nicht gesucht hatten. — Die Abschiedsfeier für Herrn Konrektor Schlücking findet heute abend pünktlich 7,30 Uhr bei Schulte statt. Ehemal. Schüler und Schülerinnen, deren Eltern und alle Freunde des Genannten sind herzlich eingeladen. — Ein Hexensabbat der Leidenschaften und Verbrechen, das ist der neue, gewaltige Großfilm, der ab heute, Donnerstag(wochentags Anfang 5,30 Uhr) im hiesigen Zentraltheater zur Vorführung gelangt. Es ist der Film der tausend Sensationen:„Spione!" Dieses Kolossalwerk ermöglicht uns einen Blick hinter die Kulissen des geheimnisvollen Gebietes der Spionage und Gegenspionage, ein Film, der alle Spielarten der menschlichen Leidenschaften und Neigungen und alle technischen Hilfsmittel der modernen Zeit in seinen Dienst stellt. Das Eisenbahnattentat und die Aushebung der Spionagezentrale stellen die Höhepunkte dieses grandiosen Filmwerkes dar, das alle Zuschauer bis zum letzten Moment in atemloser Spannung halten wird. Dies ist der wirkliche erste deutsche Spannungssilm, der über die Leinwand rollt. Hier ist die Synthese von starkem und stärkstem Stoff mit moderner und modernster Ausdrucksgebung versucht.— Fritz Lang hat dieses Geschehnis in hinreißendem Tempo inszeniert. Grandios und an den Nerven reißend, die Szenen der Sensationen. Es gibt eine Unmenge des Interessanten, Geheimnisvollen, Sensationellen, mit vielen technischen Finessen. Ueberall gab es zum Schluß langanhaltenden Beifall.— Sonntag nachmittag ist um 2,30 Uhr große Jugendvorstellung. Eintrittspreis 30 Pfennig. — Warnung vor einem Darlehnsvermittlungsschwindler. Der Kaufmann Richard Monsien, geboren am 12. August 1856 in Königsberg i. Pr., zuletzt in Berlin, Rastenburger Straße 22 wohnhaft, betreibt nach eigenem Geständnis seit etwa zwei Jahren den Darlehensvermittlungsschwindel. Er bietet sich auf Inserate von Geldsuchenden diesen als„Selbst=Geldgeber“ an, obwohl er keinerlei Kapitalien hinter sich hat und fordert 15 Mark Auskunftsgebühr. Die von der Auskunftei erhaltenen Auskünfte fälscht er dann in der Weise, daß er diesen einen Betrag von 15 Mark als Quittung einsetzt als Beweis dafür, daß er diese Gebühr an die Auskunftei bezahlt hat. Dies ist aber nicht der Fall; denn die Auskunft kostet nur 4 Mark. Er täuscht also die Darlehnsnehmer, die nie Geld erhalten. — Vortragsreihe für Sozialbeamte. Wie in früheren Jahren, so wird die Westfälische Verwaltungsakademie Münster auch im Wintersemester 1928=29 Fortbildungsvorträge für Sozialbeamte und Sozialbeamtinnen veranstalten. Es ist dies die vierte Vortragsreihe dieser Art. Die früheren Veranstaltungen haben das besondere Interesse der in der sozialen Praxis Stehenden gefunden, und bei der Wichtigkeit und Notwendigkeit einer Fortbildung und eines Vertrautwerdens mit dem Neuen auf den für Sozialbeamte in Betracht kommenden Gebieten erschien eine Fortsetzung der Vortragsreihen, welche die besondere Förderung und Unterstützung des Landesfürsorgeverbandes der Provinz Westfalen, der Landesversicherungsanstalt Westfalen, der Westälischen Landkreisvereinigung, des Westfälischen Städtetages, der Vereinigung der Fürsorgeverbände der Provinz Westfalen und des Provinzausschusses Westfalen des Preußischen Landgemeindetages West finden, wünschenswert: Die 4. Vortragsreihe wird im Dezember 1928 beginnen und folgende Materien behandeln: Die Wandererarmenfürsorge, Wohlfahrtspflege und Polizei, Der Sozialbeamte und das Arbeitsgerichtswesen, Beziehungen des Wohlfahrtsamtes zu dem neuen Arbeitsamt und seine Aufgaben, Neuzeitliche Erwerbsbeschränktenfürsorge: a) Die Organisation, b) Die praktische Durchführung der Erwerbsbeschränktenfürsorge. Die Vorträge werden wiederum an verschiedenen Orten der Provinz Westfalen stattfinden. Nähere wissenswerte Einzelheiten sind aus den gedruckten Prospekten ersichtlich, die von der Zentralgeschäftsstelle der Westfälischen Verwaltungsakademie, Münster i. W., Johannisstraße 9, erhältlich sind und zum Versand gelangen. — Rosen im Oktober setzen! Im Oktober ist die günstigste Setzzeit für Rosen. Der Gartenbesitzer, der schon länger Rosen zieht, weiß es: Je feuchter und je schwerer der Boden ist, desto früher muß das Setzen erfolgen. Keinesfalls darf man bei Frost setzen, da die Rosenwurzeln sich dann nicht fest einwurzeln können und deshalb den Frosteinflüssen ungeschützt ausgesetzt sind. Die Wurzel der Rose spielt bei der Herbstpflanzung überhaupt eine wesentliche Rolle, da man um diese Jahreszeit ein schlechtes Anwurzeln befürchten muß. Empfindliche Sorten pflanzt man daher im beginnenden Frühjahr. Welper. Gemeinsame Oberleitung für Henschel u. Maffei. Aus Kassel wird der R. W. Z. gemeldet: Generaldirektor Dr. Ing. e. h. Bernhard Beyer von der Lokomotivfabrik Henschel u. Sohn G. m. b. H. in Kassel, der auch die Henrichshütte in Hattingen gehört, ist auf seinen Wunsch mit Rücksicht auf sein vorgerücktes Alter nach langjähriger Tätigkeit in den Ruhestand getreten. Wie wir hören, schwebten noch unter Leitung des Generaldirektors Beyer seit einiger Zeit zwischen der Lokomotivfabrik Henschel u. Sohn und der I. A. Maffei in München Verhandlungen über eine engere Zusammenarbeit. Die Verwaltungen beider Firmen sind sich darüber klar geworden, daß man durch die gemeinsame Betätigung auf dem Gebiet der Konstruktion und des Verkaufs sowie durch rationelle Verteilung der verschiedenen Fabrikationszweige bei den beiden Werken große wirtschaftliche Vorteile erzielen könne. Beide Firmen haben viele Berührungspunkte, da sie neben dem Lokomotivbau die Herstellung von Straßenbaumaschinen und Straßenwalzen und— in Anlehnung an die moderne Entwicklung— die Fabrikation von Motorfahrzeugen verschiedener Art, insbesondere von Lastkraftwagen und Zugmaschinen in steigendem Maße betreiben. Wie wir erfahren, hat man sich nun zunächst dahin geeinigt, daß beide Firmen unter Aufrechterhaltung ihrer Selbständigkeit einer gemeinsamen Oberleitung unterstellt werden, und zwar wird Dr. Ing. C. Canaris unter Beibehaltung seines Amtes als Vorsitzender des Vorstandes der J. A. Maffei, München, bei der Firma Henschel u. Sohn GmbH., Kassel, zum Nachfolger von Generaldirektor Dr. Ing. e. h. Bernhard Beyer bestellt, der in der Zwischenzeit aus der Verwaltung in den Ruhestand eintritt. Herbede. Oeffentliche Verpachtung von Ländereien. Auf die diesbezügliche Anzeige des Presbyteriums der evangelischen Kirchengemeinde, im Anzeigenteil dieser Zeitung, wird hierdurch aufmerksam gemacht. Bredenscheid-Stüter. * Die Auszahlung der Jagdpachtgelder für den Ortsteil Niederstüter erfolgt am Freitag, dem 26. Oktober 1928.(Näheres s. Anzeige.) Linden-Dahlhausen. Eröffnung einer Handarbeitsschule. In früheren Jahren bestand in Linden=Dahlhausen, wie noch allgemein bekannt sein dürfte, eine von katholischen Schwestern geleitete Handarbeitsschule in Verbindung mit einer Kinderverwahrschule, die im Scheibnerschen Hause in der Keilstraße untergebracht war. Widrige Verhältnisse führten nach Ende der Kriegszeit die Schließung der Handarbeitsschule herbei, die nunmehr wieder ins Leben gerufen worden ist. Vergangenen Montag hat in einem Schulraum der Liebfrauenschule an der Königstraße der erste neue Kursus unter Leitung einer staatlich geprüften Handarbeitslehrerin begonnen. Die Teilnehmerinnen werden in allen Handarbeiten, u. a. auch im Zuschneiden bis zur Meisterprüfung vorgebildet. — Mehr Licht! Zu unserer gestrigen diesbezüglichen Notiz im lokalen Teil über die Beleuchtung der Straßen in der Gemeinde, erfahren wir noch, daß die Bauverwaltung beabsichtigt, die Eiberger Straße ebenfalls mit neuzeitlichem Bogenlicht auszurüsten, was besonders im Interesse der Verkehrssicherheit liegen dürfte. Die Anwohner des Eiberger Gebietes werden diese Erneuerung gewiß mit Freuden begrüßen. Niederbonsfeld. Erntedankfest. Am kommenden Samstag, um 7 Uhr abends, findet im Lokale des Herrn Gutsbesitzers Friedrich Bachmann(Gasthof Nierenhof) zum erstenmal seit 14 Jahren, nämlich seit 1914, ein großes Erntedankfest, das sogenannte Oktoberfest statt. Das Oktoberfest hat ehedem manche frohe und genußreiche Stunden gebracht und es sprechen alle Anzeichen dafür, daß auch das diesjährige, das erste nach dem großen Kriege, recht einheitlich und zufriedenstellend verlaufen wird, in dem sicheren Bewußtsein, daß dieses Fest ein wahres Erntedankfest und Freudenfest sein wird; denn seit Jahren ist solch eine gute Ernte nicht zu verzeichnen gewesen.— Wir verweisen unsere Leser auch auf das diesbezügliche Inserat in unserer Nummer vom Dienstag dieser Woche. — Erfolgreiche Fuchsjagd. Vor einiger Zeit berichteten wir, daß Meister Reineke unter dem Federviehbestande der Landwirte und Kötter unserer Gemeinde, insbesondere des Hombergs und Isenberges, großen Schaden anrichte. Die Jagdinhaber unserer Waldungen verfolgen ihn daher auch auf Schritt und Tritt. Erst gestern am hellen Tage, kurz vor 12 Uhr mittags, gelang es einem Jäger aus Kupferdreh, einem jungen Füchslein den Garaus zu machen, als es gerade im Begriff war, sich an die Hühnerbehausung des Landwirts Herrn Heinrich Reuter auf dem Homberg heranzupirschen. Bemerkenswert ist, daß genanntem Landwirt im vergangenen Sommer die ganze diesjährige Hühnerzucht durch Reineke Fuchs vernichtet wurde. Hoffentlich wird die ganze Nachkommenschaft dieses frechen Räubers während der kommenden Wintermonate ausgerottet, damit die Landwirte im nächsten Jahre vor weiterem Hühnerverlust verschont bleiben. Auskunft wird nur an Abonnenten erteilt, die sich durch die neueste Bezugsgeldquittung ausweisen. Alle Auskünfte sind unverbindlich. B. Steele. Nach§ 1357 des BGB. ist die Frau berechtigt, den Mann innerhalb ihres häuslichen Wirkungskreises zu vertreten und seine Geschäfte zu besorgen. Wenn die Bestellung des Abonnements der sonstigen Lebenshaltung nicht entsprach, können Sie dasselbe abbestellen. Eingesandt. Für die unter dieser Rubrik veröffentlichten Beiträge und Zuschriften ist die Redaktion nur im Sinne des Preßgesetzes verantwortlich. An die Gemeindevertretung der Großgemeinde Winz. O Straße, wie siehst du aus? Jeder spricht so, der den Weg in Baak=Sundern, von Grenze Horstkotte vorbei an der Wirtschaft Jörgens, nach Stiepel geht, und jeder fremde Spaziergänger fragt: Wohin gehört dieser Ortsteil? Von jeher war dieser Weg das Schmerzenskind der Gemeinde. In den übrigen Bezirken der Gemeinde wird Straße auf Straße gebaut, wie man jetzt wieder im Westenfeld sieht. Wenn man ich vor Augen führt, daß vor etwa zwei Jahren erst eine kilometerlange Straße von der Wirtschaft Bosselmann aus ausgebaut und hinterher ein ganzes Haus von der Gemeinde errichtet wurde, wird es den Anwohnern des obengenannten Weges erst so richtig klar, wie ehr sie vernachlässigt sind. Haben die Anwohner doch ihre Häuser schon jahrzehnte lang dort stehen, aber bis zum heutigen Tage noch keine Straße. Alle Achtung den Gemeindevätern der Ortsteile, wo Straßen gebaut wurden; diese haben wenigstens durch Taten bewiesen, wofür sie in der Gemeindevertretung sind. Nachdem im Kreise Zechen stillgelegt sind, macht es sich das Amt Winz zur ganz besonderen Aufgabe, den Fremdenverkehr zu heben. Hier ist das richtige Arbeitsfeld, denn das ganze Amt Winz hat teinen Ortsteil aufzuweisen, der ersteno vernachlässigt ist und dem zweitens so viele Ausflügler von Bochum her durch das Weitmarerholz zuströmen. Als die gesamte Gemeindevertretung der Großgemeinde Winz diesen fraglichen Weg, der in einem Fußweg auf einer alten Bergehalde endet und jeder Beschreibung spottet, beichtigt hat, hörte man vom G.=V. H., daß sämtsiche Herren den Ausbau dieses Weges für unbedingt nötig gehalten hätten. Wir richten daher an die übrigen Vertreter der Gemeinde, welche durch Taten bewiesen haben, wofür sie der Gemeindevertretung überhaupt angehören, die Bitte, diesen Mißstand zu besichtigen und für Abhilfe zu sorgen. G.=V. H. wird zugeben müssen, daß ihm im vergangenen Jahre ein paar Fuder Stroh auf dem schlechten Wege umgeschlagen sind, wobei Mann und Pferd in Lebensgefahr gerieten. Noch ein Beispiel dafür, wie berechtigt unsere Bitte ist, sei hier erwähnt. Als im vorigen Jahre einer Familie ihr Oberhaupt durch den Tod entrissen wurde, weigerten sich Leichenfuhrleute, die Leiche vom Trauerhause fortzuschaffen, das Ende vom Liede war, daß das Amt Winz vom Amt Blankenstein die Genehmigung einholen mußte, die Leiche über Stiepel und Welper nach Hattingen zu fahren und in diesem Jahre weigerte sich der G.=V. H., von den Anliegern das Korn zum Dreschen avzuholen. Wir geben uns der angenehmen Hoffnung hin, daß das, was lange gedauert hat, endlich gut gemacht wird. Mehrere Anwohner. Der neunte Tag Hußmann-Prozesses. War Östendorf der Mörder? Die Verhandlungen werden wieder unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt. Zunächst werden die Zeugen vernommen, die über den Metzger Östendorf aussagen sollen, der mit der Mordtat in Verbindung stehen soll und bekanntlich freiwillig aus dem Leben geschieden ist. Der Onkel des Östendorf, Schmiedemeister Aphues, sprach sich über Ostendorf sehr sympathisch aus. Östendorf habe vor einer Wirtschaft gesprochen. Was aber weiter vorgefallen sei, wisse er nicht mehr. Der Zeuge UIphues jr. hat nie wahrgenommen, daß sein Vetter in der letzten Zeit bedrückt gewesen sei, und weiß auch sonst nichts auszusagen. Die Mutter Ostendorfs nimmt als Motiv des Freitodes ihres Sohnes Familienverhältnisse an. In der Mordnacht sei ihr Sohn in Groß=Reeken gewesen, nachts nicht ausgegangen. Der Verteidiger fragt, ob der junge Östendorf nicht von dem Metzger Muskallen für die Nacht zum 23. März zum Wursten bestellt worden sei. Die Zeugin sagt, er sei nicht fortgegangen. Der Verteidiger bestreitet das, teilt aber gleichzeitig mit, daß Ostendorf in der Nacht in Gladbeck gewesen sei. Er beantragte hierzu die Ladung verschiedener Zeugen. Das Gericht entspricht dem. Bezüglich der Wagenfahrt am Maria=LaacherSee, bei der Hußmann den Daube furchtbar mißhandelt haben soll, sagt der Primaner K. aus, Hußmann habe Daube gewürgt und gequetscht und an der Gurgel gefaßt. Er habe geäußert: Am liebsten möchte, ich dir die Kehle abdrücken oder auch abbeißen. Hußmann habe auf ihn den Eindruck eines Mannes gemacht, dem man besser aus dem Wege gegangen sei. Der Verteidiger weist darauf hin, daß der Zeuge K. in der damaligen Zeit an nervösen Anfällen gelitten habe und in einer Anstalt behandelt worden sei, und daß möglicherweise sein Erinnerungsvermögen unter diesen Anfällen gelitten habe. Der als Zeuge geladene Vater des Vorzeugen greift bei seinen Aussagen den Verteidiger in beleidigender Form an. Er mußte seine Worte zurücknehmen und wurde vom Vorsitzenden mehrfach zurechtgewiesen. Nach Schluß der Redaktion. amerikanischer Dampfer mit 45 Mann an Bord gesunken? Boston, 24. Oktober. Hier wird befürchtet, daß der amerikanische Tankdampfer David Creed, der Samarang auf Java am 1. Oktober mit der Bestimmung Philadelphia verlassen hat, während des heftigen Sturmwetters am 15. d. Mts. mit der ganzen Besatzung auf dem Atlantischen Ozean gesunken ist. Die Offiziere des hier eingetroffenen Dampfers Carnifax erklären, am 14. Oktober seien an Bord des Carnifax drahtlose Notsignale aufgefangen worden, die vom Dampfer Creed stammten und besagten, der Dampfer sei im Sinken begriffen. Der Dampfer Carnifax begab sich sofort an die in den Notsignalen bezeichnete Stelle, konnte aber keine Spur des Tankdampfers mehr finden. Dagegen war das Meer in einem Umkreis von mehreren Meilen mit Petroleum bedeckt. Der Creed hatte 45 Personen an Bord. Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten. Für die Redaktion verantwortlich: Ad. Beineke. Für die Aufbewahrung unverlangt eingesandter Manuskripte wird keine Gewähr übernommen. Aus Westdeutschland. Unglücksfahrt eines Bauzuges— Furchtbare Bluttat eines abgewiesenen Freiers— Ein führerloses Motorrad überfährt und verletzt vier Personen. suges— Fur Arbeitsfriede in der Textilindustrie, Zurücknahme der Gesamtkündigungen— Einsturzkatastrophe in Köln. Aus 25 Meter Höhe abgestürzt ist auf der Zeche „Präsident“ in Bochum der Wäschereiarbeiter Döring. Döring befand sich auf der Bühne und war dort mit Arbeiten beschäftigt. Dabei scheint er ausgerutscht zu sein. D. stürzte auf den Zechenbahnhof, der etwa 25 Meter tiefer liegt. Dort wurde er mit zerschmetterten Gliedern aufgefunden. Er starb bald darauf. Ein merkwürdiges Beginnen. An der Castroper Straße in Bochum bemerkten Anwohner in der Nacht von Montag auf Dienstag und von Dienstag auf Mittwoch, wie auf einem nahen Feld, wo seit vielen Jahren eine knorrige Eiche steht, ein Mann, der ein Bündel Stroh und alte Kleider um den Baum herumlegte und die Packung mit Petroleum tränkte. Sodann steckte er die Sachen in Brand, um so den Baum zu fällen. Es scheint sich um die Tat eines Geisteskranken zu handeln, der sich seiner Festnahme durch die Flucht entzog. Der Baum ist so stark angebrannt, daß er umzustürzen droht. Der Schlußakt der Tragödie Thomae. Die Tragödie, die sich am Abend des 28. März d. Is. im Anschluß an eine nationalsozialistische Versammlung vor der Kruppschen Bierhalle an der Limbecker Straße in Essen abspielte und die den Ingenieur Thomae das Leben kostete, hat nunmehr ihr letztes gerichtliches Nachspiel gefunden. Wie noch erinnerlich, waren Nationalsozialisten, die sich auf dem Heimwege befanden, in der Limbecker Straße von Rotfrontleuten, deren Parteigänger alle Straßenecken um den Limbecker Platz herum besetzt hatten, überfallen, niedergeschlagen und schwer mißhandelt worden. Am Eingange zur Kruppschen Bierhalle kam es dann zu einer blutigen Auseinandersetzung, in deren Verlauf der Ingenieur Thomae, der der Nationalsozialistischen Partei angehörte, von dem 17 Jahre alten Karl Lottes, einem Jungmann des Rotfrontkämpferbundes, erschossen wurde. Die tödlichen Schüsse hatte der jugendliche Karl Lottes abgegeben. Er konnte damals, als der ganze Ueberfall zur Verhandlung stand, nicht abgeurteilt werden, weil für den jungen Burschen das Jugendgericht zuständig ist. Diese Verhandlung fand in den letzten Tagen vor dem Großen Jugendgericht statt. Auch gegen ihn war Anklage wegen Landfriedensbruchs erhoben worden, außerdem wegen Diebstahls, weil er die Waffe, mit der er den Ingenieur Thomae erschoß, kurz vorher einem Polizeibeamten in der Frohnhauser Straße aus der Hand geschlagen und sich angeeignet hatte. In erster Linie aber lautete die Anklage auf Totschlag. Das Gericht nahm nicht Totschlag, sondern gefährliche Körperverletzung mit Todeserfolg, außerdem Landfriedensbruch sowie Unterschlagung an. Es erkannte auf eine Gefängnisstrafe von 2 Jahren, die der Angeklagte sofort anerkannte. Essen im Licht. Die Stadt Essen veranstaltet in der Zeit vom 28. Oktober bis zum 4. November ds. Irs. eine Lichtwerbewoche. Aeußerlich wird sie zunächst gekennzeichnet sein durch festliche Beleuchtung hervorragender Gebäude und Plätze sowie durch vermehrten Lichtaufwand in den Hauptstraßen und in den Geschäftshäusern. Was Licht und Farbe der Reklame an Möglichkeiten bieten, wird in geschmackvollen, modernen Dekorationen der Schaufenster und der Läden zum Ausdruck kommen. In der Lichtwoche werden sportliche, künstlerische und werbetechnische Veranstaltungen stattfinden. Einen verwegenen Ausbruchsversuch unternahm vor einigen Tagen ein Strafgefangener, namens Cerutti, der seit einiger Zeit im Essener Gerichtsgefängnis untergebracht ist. Der verwegene Bursche, der in einem der obersten Stockwerke des Gerichtsgefängnisses seine Zelle hat, war nächtlicherweile dazu übergegangen, unter dem Zellenfenster ein Loch in das Mauerwerk zu brechen. Die ganze Nacht hindurch hatte er unermüdlich und emsig sein Ausbruchswerk fortgesetzt, bis man in den Morgenstunden auf ihn aufmerksam wurde. Als man seine Zelle aufschloß, hatte der Ausbrecher sein Zerstörungswerk bereits soweit vollendet, daß er nahe am Ziel war. Kurze Zeit später, und die Zelle wäre leer gewesen. Der Ausbrecher hatte den Fluchtversuch in der Weise ins Werk gesetzt, daß er von der Durchbruchsstelle aus die Dachrinne erreicht hätte, an der er dann herunter zu klettern versuchen wollte. Es handelt sich bei dem Ausbrecher um einen sogen. schweren Jungen, der häufiger wegen Einbruchsdiebstahls bestraft ist, und erst vor ein paar Monaten vor dem erweiterten Schöffengericht in Essen stand.— In einem anderen Falle war ebenfalls ein geplanter Ausbruch vereitelt worden, der diesmal allerdings noch in den ersten Anfängen war. Es wurde nämlich ein Kassiber abgefangen, den ein Strafgefangener aus dem Gerichtsgefängnis herausschmuggeln wollte. In dem Kassiber machte der Gefangene, der ein Spießgeselle des Cerutti ist, den Versuch, eine Stahlsäge durch Helfershelfer in das Gefängnis zu schmuggeln, und zwar auf ganz gerissene Art und Weise. Mit der Stahlsäge gedachte er die Eisengitter seines Zellenfensters zu durchsägen. Von ihrem Verlobten ermordet. Der 25 Jahre alte Bergmann Johann Eckholt in Essen=West hat gestern abend die 28 Jahre alte Hausangestellte Grete Bergmann während der Abwesenheit der Dienstherrschaft durch 40 Stiche mit einem Schlächtermesser getötet. Eckholt war mit der Bergmann bis vor kurzem verlobt. Das Motiv der Tat ist darin zu erblicken, daß die Ermordete das Verlöbnis gelöst hatte. Es wurde festgestellt, daß der Täter das benutzte Messer vor einer Woche in das Haus eingeschmuggelt und dort unter einem Sofa versteckt hatte. Der Täter hat nach Ausführung der Tat seine blutigen Kleidungsstücke an der Wasserleitung gereinigt und sich auch die Hände gewaschen. Als er im Begriff war, das Haus zu verlassen, wurde er festgenommen. Der Täter wurde dem Polizeigefangnis zugeführt. Nach anfänglichem Leugnen hat er die Tat eingestanden und zugegeben, daß sie bereits längere Zeit vorbereitet war. Ein neuer Schacht bei Buer. Zwischen Buer und Polsum, in der Bauerschaft Bertlich, werden zurzeit umfangreiche Abteufungsarbeiten zu einem neuen Schacht der Preußischen BergwerksAktiengesellschaft Recklinghausen vorgenommen. Geplant ist zunächst nur die Niederbringung eines Personenförder= und Wetterschachts, doch soll der Schacht später auch zur Kohlenförderung eingerichtet werden. Klärung der Mülheimer Oberbürgermeisterfrage. Da durch das Ausscheiden des früheren Mülheimer Oberbürgermeisters Dr. Lembke aus seinem Amte der Posten frei wird, wird die Wahl des Oberbürgermeisters endgültig gegen Ende dieses Jahres erfolgen. In der geheimen Sitzung haben die Stadtverordneten beschlossen, den 1. Dezember als Endtermin für die Einreichung von Bewerbungen für den Oberbürgermeisterposten festzusetzen. Ein Kind tödlich verunglückt. Auf einer Baustelle an der Waldstraße in Benrath schaukelte sich ein 7jähriger Junge mit Altersgenossen in den an der Baustelle befindlichen Kippwagen, die, damit sie nicht unbefugt in Bewegung gesetzt werden konnten, angeschlossen waren. Beim Schaukeln schlug ein Kippwagen um, wobei der Junge von der Kante des Kippwagens so unglücklich am Kopfe getroffen wurde, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Ein führerloses Motorrad überfährt vier Personen. Als gestern gegen 6 Uhr nachmittags ein Düsseldorfer Motorradfahrer versuchte, durch Schieben sein Rad wieder in Gang zu bringen, sprang plötzlich der Motor an, der Führer verlor die Gewalt über die Maschine und fiel zu Boden. Das Motorrad raste führerlos auf den Bürgersteig, wobei es vier Personen überfuhr und zum Teil schwer verletzte. Die vier Verletzten wurden zu einem Arzt geschafft. Der Motorradfahrer wurde festgenommen. Leiche gelandet. Bei Götterswickerhamm wurde aus dem Rhein die Leiche eines etwa 35—40 Jahre alten Mannes gelandet, die etwa 2—3 Tage im Wasser gelegen hat. Die Personalien des Toten sind noch nicht bekannt. In den Tod gegangen. In einer Wohnbaracke an der Peripherie der Stadt Duisburg fand man in den Nachmittagsstunden den Stadtoberinspektor a. D. H. erhängt auf. Es liegt zweifellos Selbstmord vor. Was den Beamten in den Tod getrieben hat, ließ sich bis jetzt nicht feststellen. Mord an einem Wanderburschen. Unter dringendem Mordverdacht wurde in Dortmund der Arbeiter Max T. festgenommen. Er hat inzwischen eingestanden, in Gemeinschaft mit dem Arbeiter Julius F., der noch flüchtig ist, den auf der Wanderschaft befindlichen Bruno Hüfner erEin Kapitalverbrechen in Berlin. Mit durchschnittener Kehle aufgefunden.— Selbstmord des Täters? na Ein Arbeiter aus Lübars, der gestern früh h seiner Arbeitsstelle in Wittenan radelte, entdeckte hinter einem Baum die Leiche eines Mannes, dem der Hals durchschnitten war. Der unbekannte Mann muß überfallen und nach heftigem Widerstand ermordet worden sein. Beide Arme sind ihm aus dem Schultergelenk ausgekugelt und nach hinten gedreht worden. Da der Ermordete nur notdürftig bekleidet war, nimmt man an, daß die übrigen Kleidungsstücke von dem Mörder geraubt worden sind. Was ihm sonst noch in die Hände gefallen ist, war nicht festzustellen. * Zu derselben Zeit, als man das Kapitalverbrechen an der Chausseestraße zwischen Lübars und Wittenau entdeckte, wurde in einiger Entfernung in Richtung Blankenburg noch ein unbekannter Mann erschossen aufgefunden. Bei der Leiche lag eine Liliputpistole, mit der er sich eine Kugel in die rechte Schläse geschossen hat. Hier liegt offenbar Selbstmord vor. Die Mordkommission untersucht, ob dieser Freitod etwa in Verbindung mit dem Morde in Lübars stehen könnte. Der Tote steht im Anfang der 30er Jahre und scheint besser gestellten Kreisen angehört zu haben. Man neigt der Annahme zu, daß der Ermordete zu den Einbrechern gehört, die in der letzten Zeit Lübars und Umgebung unsicher machten. Man rechnet nun mit der Möglichkeit, daß die Bande in der Nacht zum Mittwoch wieder zu einem Beutezug ausgegangen ist, der aber nicht zur Ausführung kam, weil sie Sicherheitsstreifen wahrnahm. Da mag es auf der Chaussee zu einem Streit gekommen sein, der mit dem Morde endete. Die Arme des Ermordeten sind übrigens nicht, wie man zuerst glaubte, ausgekugelt, sondern nur scharf nach hinten gebogen. * Ein Wahnsinniger tötet acht Personen. Schwierig zu überwältigen. Wie aus Kowel in Wolhynien gemeldet wird, geriet in einem benachbarten Dorf während einer Gemeindeversammlung ein Bauer in Wahn und schlug blindlings auf seine Nachbaren ein. Als der anwesende Polizeiwachtmeister ihn festnehmen wollte, entriß der Bauer ihm das Bajonett und tötete ihn durch einen Stich in die Brust. Darauf rannte er ins Dorf, wo er in kurzer Zeit sieben Personen ebenfalls durch Stiche mit dem Bajonett tötete und mehrere schwer verletzte. Erst als aus Kowel eine Polizeiabteilung herbeieilte, gelang es, den Wahnsinnigen unschädlich zu machen. Bei dem Verhör gab er nur ganz unklare Antworten. Schweres Einsturzunglück auf Malta. Bisher 6 Tote, 29 Verletzte. In Hamrun auf der Insel Malta stürzte eine im Bau befindliche Brauerei zusammen, wobei 6 Personen getötet und 29 verletzt wurden. Der Einsturz erfolgte bei dem Versuch, einen großen außerordentlich schweren Kessel unterzubringen. Bei dem Einsturz des Daches wurde das oberste Stockwerk mitgerissen, und die Schuttmassen schlugen den dritten und zweiten Stock durch, bevor die dort beschäftigten Arbeiter Zeit fanden, sich in Sicherheit zu bringen. Es steht noch nicht fest, wieviele Arbeiter sich noch unter den Ruinen befinden. Die Erregung der Bevölkerung ist groß, so daß die gesamte verfügbare Polizei aufgeboten werden mußte. mordet und beraubt zu haben. Die Arbeiter Wilhelm P. und F., W., Sch. waren seinerzeit festgenommen worden, weil bei ihnen Sachen des Ermordeten vorgefunden wurden. Da sie jedoch nachweisen konnten, daß sie die Sachen gefunden hatten, wurden sie wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Mordtat an dem Hüfner konnte jetzt völlig aufgeklärt werden. T., der Hüfner getroffen hatte, versuchte, ihn durch turnerische Uebungen am Geländer der in der Nähe der Mordstelle befindlichen Brücke abzulenken, um ihn bereits dort niederzuschießen und ihn dann in den Kanal zu werfen. Hüfner kam jedoch dem Wunsch nicht nach. Man setzte sich dann gemeinsam in den Straßengraben, um sich zu rasieren. Darauf machte man sich auf den Weg nach Bergneustadt. Hüfner fuhr auf seinem Fahrrad zwei Meter vorauf. Aus dieser zwei Meter betragenden Entfernung gab T. dann einen Schuß ab und knallte Hüfner kaltblütig nieder. Der Angeschossene wurde dann in ein Dickicht geschleift und ihm dort der Hals mit dem eigenen Rasiermesser zu beiden Seiten durchschnitten. Auch das Fahrrad wurde in den Wald geschafft, die Mäntel und die Schläuche durchschnitten und die Beute untereinander geteilt. Zwei Raufbolde schwer verletzt. Am Dienstag abend gegen 11,30 Uhr suchten die Gebrüder Wilhelm und Alfred Siechmann in Dortmund in die Wirtschaft Uhlandshof einzudringen, nachdem sie vorher wegen Bedrohung der Gäste aus dem Lokal entfernt worden waren. Als zwei zufällig in der Wirtschaft anwesende Kriminalbeamte, die von dem Wirt um Schutz angegangen waren, aus der Wirtschaft heraustraten, um die Gebrüder zur Ruhe zu ermahnen, fielen sogleich Schüsse. Die Rufe der Beamten:„Hier Kriminalpolizei!“ wurden von den Raufbolden mit Rufen:„Kommt her, wir schneiden euch den Hals ab!“ beantwortet. Hierauf fiel noch ein weiterer Schuß. Die Beamten machten darauf, nachdem einer von ihnen Messerstiche in beide Hände erhalten hatte, von ihrer Schußwaffe Gebrauch. Wilhelm Siechmann erhielt einen Brustschuß, während sein Bruder am Oberschenkel verletzt wurde. Beide wurden ins Brüderkrankenhaus gebracht. Die Gebrüder Siechmann hatten schon vorher in einer anderen Wirtschaft mit Gästen Streit gesucht, wobei von ihnen eine Fensterscheibe zertrümmert wurde. Schon wieder ein Banzug verunglückt. An derselben Baustelle der Industriebahn Zeche„Karolinenglück“—Hafen Grimberg der Ver. Stahlwerke, an der Brücke über die Günnigfelder Straße in Wattenscheid= Günnigfeld, verunglückte gestern mittag ein Bauzug in ganz ähnlicher Weise wie vor drei Wochen. Damals riß bekanntlich die Kuppelung hinter der Lokomotive, und 14 voll beladene Wagen rollten gegen einen Brückenbetonpfeiler, einen wüsten Trümmerhaufen bildend. Diesmal kam die Lokomotive eines Bauzuges ins Rutschen, wie es heißt, infolge der durch den Regen hervorgerufenen Schienenglätte. Mit den angehängten 12 Wagen machte sie eine tolle Fahrt das Baugleise hinab. Alle Wagen wurden wieder gegen den Brückenpfeiler gedrückt und teils schwer, teils leicht beschädigt. Die Lokomotive hat sonderbarerweise keine Beschädigungen erlitten. Menschenleben kamen nicht zu Schaden, da sich das Personal rechtzeitig durch Abspringen retten konnte. Eine Ironie des Schicksals ist es, daß der jetzt verunglückte Bauzug die letzten Reste des aufgeräumten Trümmerfeldes, das sein verunglückter Vorgänger hinterlassen hatte, abtransportieren sollte. Der Industriebahnbau erleidet durch die beiden Unfälle an dieser Stelle natürlich eine erhebliche Verzögerung. Schlägerei zwischen Zivilisten und Reichswehrsoldaten. Zwei Reichswehrsoldaten des Reichswehrregiments 15 gerieten in Münster bei einer größeren Feierlichkeit mit drei Zivilpersonen heftig aneinander. Es entwickelte sich schließlich eine regelrechte Schlägerei, in der die Soldaten von ihren Säbeln Gebrauch machten und den Zivilpersonen schwere Verletzungen beibrachten. Die Zuschauer, die die Schlägerei angelockt hatte, nahFrau Ingrids Ehe. Wiener Roman von Hedwig Teichmann. (Nachdruck verboten.) (21. Fortsetzung Heinrich stand still und sah ins Tal hinab. Er empfand mit der ganzen vollen Macht jenes halb wehmütigen, halbseligen Gefühls, wie es Menschen empfinden, die nach weiten Reisen, nach langer Abwesenheit wieder in liebe, traute Gegenden kommen. Freudig suchten seine Augen umher und grüßten jeden Baum, die Häuser und Hütten des lieben, alten Dorfes. Sein Vaterhaus— nein, das war nicht mehr. Er wußte schon: da suchten seine Augen vergebens. Flüchtig nur ruhten seine Blicke auf dem neuen Schulgebäude mit dem roten Dache. Dann flog sein Auge weiter und blieb, wie vor Jahren, auf einer Turmspitze haften, die aus alten Bäumen wie grüßend hervorsah. Da ging Heinrich rasch weiter und sein Herz klopfte stürmisch. Die Heimat! Es war doch ein eigenartiges Gefühl, wieder von der Heimat Armen umschlungen zu werden. Und sie wissen, daß nicht weit von ihm ein Herz schlug, das ihm gehörte, das vielleicht bei seinem Anblicke höher, heißer klopfen würde— Heinrich dachte: ach, es ist doch vielleicht das größte Glück, das wir Menschen besitzen: das Bewußsein, einen Menschen zu haben, dem man unentbehrlich ist. Daß geliebte Augen leuchten, wenn wir kommen, und sich verdunkeln, wenn wir scheiden. Fast behutsam trat Heinrich in den Wald ein, in dessen Zweigen ein leises Dämmern webte. Es war Heinrich, als riefe es ihm aus allen Richtungen zu:„Streife deine Schuhe von den Füßen, denn das Land, auf das du trittst, ist heilig!“ Lautlosen Schrittes ging er weiter und blieb alte Moosbank. Die Sabinenruhe. Heinrich kannte den Platz genau. Hier hatten er und Ingrid sich einst gefunden. Die Bank aber war nicht leer. Eine Dame saß hier und schob den Kinderwagen hin und her. Sie hielt den dunklen Kopf über ein Buch geneigt und hob ihn jetzt, da Heinrich nahte. Der zog seinen Hut und fragte höflich: „Geht hier der Weg nach Waldfrieden?“ Er fühlte: er mußte sein Gehen auf diesem Wege irgendwie begründen. Die Dame nickte und sah ihn forschend an. Er kam ihr seltsam bekannt vor. So als hätte sie ihn schon oft auf Photographien gesehen. Und wie schlecht er aussah. Das war ein Gast, der wirklich Erholung brauchte. Doch in Waldfrieden war kein Plätzchen mehr frei. Sie sagte: „Sie wollen ins Herrenhaus? Ich glaube, da machen Sie Ihren Weg umsonst.“ Heinrich wurde ganz blaß und stammelte: „Wieso umsonst? Ist—“ „Ich meine, es ist kein Platz mehr in Waldfrieden für Sie, das heißt für Sommergäste. Aber wollen Sie sich nicht ein wenig hier ausruhen, bevor Sie weitergehen? Sie sehen ganz erschöpft aus.“ Heinrich ließ sich dankend auf die freie Seite der Bank nieder. Er sah sich um und bemerkte jetzt erst, daß ein Durchblick auf das Herrenhaus geschaffen worden war. Da lag es inmitten der grünen Waldbäume, mit seinem runden, verwitterten Turm, den blitzenden Fensterreihen, dem alten Parke. Und das Abendrot glühte wie ein Flammenschein um das Haus. Waldfrieden! Heinrich atmete hoch auf. Wie der Name gut dafür paßte. Nie hatte er das so empfunden wie heute. Wenn auch er seinen Frieden hier finden könnte! Leise bemerkte er:„Diese Aussicht war früher nicht. Aber sie ist sehr schön. Nicht wahr?" Die Dame neben ihm nickte plötzlich stehen. Vor ihm lag eine kleine Rundung.„Ja, sehr schön. Ich liebe überhaupt diesen Hier stand unter überhängenden Zweigen eine Erdenflecken ungemein. Es wäre mir leid, wenn Sie nicht diese Schönheiten genießen könnten. Wenn Ihnen etwas daran liegt, so trete ich Ihnen gern ein Zimmer ab. Wir wollen mit Frau Rittner darüber sprechen.“ Heinrich erzitterte leicht. „Mit Frau Rittner? Wieso?“ „Nun, kennen Sie nicht die Besitzerin von Waldfrieden. Das wundert mich! Es schien mir, als seien Sie hier mit allem vertraut.“ „Ja, das bin ich wohl, doch war ich lange schon nicht hier. Ist man hier gut aufgehoben? Sind viele Gäste da?“ Heinrich stellte die Fragen nur, um sich zu fassen und ein wenig von Ingrid zu hören. Die Dame antwortete schlicht: „Ich kann Ihnen nur sagen: wer einmal hier gewesen, kommt immer wieder. Ich war gleich das erste Jahr hier, als Frau Rittner die ersten Gäste aufnahm. Damals waren wir nur ganz wenige. Ich sage Ihnen, Frau Rittner ist eine tapfere Frau. Nicht jede hätte ausgehalten. Es ist ihr ja auch nicht leicht geworden. Ich weiß es am allerbesten.“ In diesem Augenblick hörte man Stimmen, lachende, plaudernde Kinderstimmen. Den Weg herab kam eine Schar von Kindern jeden Alters. Alle waren mit Laub und Farren bekränzt und sahen sehr vergnügt aus. Ein junges Mädchen ging ihnen singend voran. Jetzt lösten sich aus der Schar zwei Knaben und eilten auf die Dame zu, die noch immer den Kinderwagen hin= und herschob. Es war ein größerer Knabe mit dunklen, verträumten Augen und ein kleiner, etwa vierjähriger mit kecken, blitzenden Blauaugen. Sie schmiegten sich zärtlich an die Frau und bettelten:„Wir bleiben bei dir, Tante Doris. Bitte, bitte!“ Die strich ihnen liebevoll über die heißen Wangen und sagte: „Geht nur einstweilen mit dem Fräulein, Willi und Robbi! Ich komme gleich nach.“ Die Knaben wandten sich gehorsam ab, da faßte der fremde Mann mit zitternder Hand nach dem kleineren Jungen. Er flüsterte mit versagender Stimme: „Du heißt Robbi, mein Junge?“ s Der nickte mit seinem blonden Köpfchen und sah dem blassen Mann verwundert ins Gesicht. Dann machte er sich frei und rang mit dem anderen davon. Heinrich perlte der Schweiß von der Stirne, und sein Herz pochte bang und glücklich zugleich. Das war sein Sohn. Wie war er aufgeblüht. Der dunkle, drohende Schatten war ganz von seiner klaren Kinderstirne gewichen, der in seinem ersten Jahre so schwer gedroht hatte. Mit eiserner Gewalt hatte er sich zusammennehmen müssen, um das Kind nicht an sein Herz zu reißen. Es wäre erschreckt vor dem fremden Mann... Nun fragte Heinrich leise: „Wozu sind die vielen Kinder hier?“ „Frau Rittner hat sie in ihren Schutz genommen. Es sind meist zurückgebliebene Kinder, die einer besonderen individuellen Pflege bedürfen. Ste staunen? Ja, Sie kennen eben Frau Ingrid nicht genau. Es steckt ein guter, fester Kern in ihr. Sie hat sich dies alles selbst errungen und kann stolz auf ihr Werk sein.“ Heinrich faltete die Hände. Er hätte beten mögen Es geschahen noch Zeichen und Wunder. Seine Frau, Ingrid, war es, von der man so sprach. Und er hatte ihr das Schlechteste zugetraut, er hatte an ihr gezweifelt. Nun schwoll mächtig in ihm die Sehnsucht empor, sie zu sehen, sie an sein Herz zu drücken. Er wollte sich erheben, da sagte die Frau neben ihm: „Sie sollen es wissen, wer ich bin. Ich heiße Frau Doris Krön und bin die Schwägerin Ingrids. Ich kann mir denken, wer Sie sind. Sie haben sich verraten, als Sie Robbi sahen. Denn..." Sie unterbrach sich plötzlich, indem sie hinunterdeutete:„Dort geht Ingrid. Soll ich sie rufen?" (Schluß folge men eine drohende Haltung den Soldaten gegenüber ein. Das alarmierte Ueberfallkommando trennte schließlich die Streitenden, nahm die Soldaten mit zur Wache und sorgte für die Ueberführung der Verletzten in ein Krankenhaus. Ein Schadenfener entstand gestern morgen gegen 11 Uhr aus bisher ungeklärter Weise bei dem Landwirt Eulenberg in Langenfeld. Die Freiwillige Feuerwehr von Langenfeld sowie die Hitdorfer Wehr waren in kurzer Zeit zur Stelle. Eine vollständig mit Frucht gefüllte Scheune sowie die Stallungen wurden ein Raub der Flammen. Die Tiere konnten gerettet werden. Infolge des starken Windes konnten die Wehrleute teilweise nur mit Gasmasken arbeiten. Da an diesem Teile der Straße keine Wasserleitung vorhanden ist und die Pumpe sehr wenig Wasser gab, mußte die Wehr sich mit dem Wasser aus der Dunggrube begnügen. Der erhebliche Schaden soll durch Versicherung gedeckt sein. Das Tabakpäckchen als Verräter. Ein in Gentler Moor, in der Gegend von Bentheim wohnender Mann hatte seit längerer Zeit Tabak über die Grenze geschmuggelt, ihn in Bienenkörben verpackt und in einer Scheune verstaut. Dieser Tage nun verschenkte er ein Tabakpäckchen. Die Zollbehörde wurde aufmerksam und deckte schließlich das ganze Tabaklager in der Scheune auf. Jetzt mußte er seine Freigiebigkeit mit einer Zollstrafe von 25 000 RM. büßen. Die Stillegung der Zeche„Unser Fritz in Immer wieder der alte Leichtsinn. wirteleve in Hochneukirch, der leid dem Gewehr umging, traf eine 19jährige tochter tödlich. Ein Landchtsinnig mit e LandwirtsDer Handelsausschuß des Preußischen Landtages beschäftigte sich am Mittwoch mit der Frage der Stillegung der Zechenanlage„Unser Fritz“ in Wanne=Eickel. Zu Beginn der Sitzung teilte Staatssekretär Dr. von Seefeld mit, daß mit dem Mannesmann=Konzern neue Verhandlungen schwebten, und daß bis zum 1. Dezember die Stilllegungsfrage in der Schwebe bleiben soll. Der Ausschuß beschloß, das Ergebnis dieser Verhandlungen abzuwarten und im November eine neue Sitzung abzuhalten. In der Aussprache betonte Abg. Dr. von Waldthausen(Dnt.), daß der Satz der Reichsverfassung„Eigentum verpflichtet" auch der deutschnationalen Auffassung entspreche. Es dürfe unter keinen Umständen eine Still legung gutgeheißen werden, wenn die Verlustwirt schaft eines Betriebes nur als vorübergehend anzusehen sei, und wenn sich die Verluste in einem Rahmen hielten, die im Interesse der Allgemeinheit dem Werke zugemutet werden könnten. Bei der Zeche„Unser Fritz“ betrügen die Verluste jährlich über eine Million Mark. Es sei auf die Dauer ganz unmöglich, künstlich eine moderne Wirtschaft aufrecht zu erhalten. Die Rentabilität des Gesamtunternehmens werde dadurch auf das schwerste getroffen und damit würden andere Werke des Konzerns in Mitleidenschaft gezogen werden. Wenn man die Beschäftigung aller Menschen in Deutschland wolle, dann müsse die Wirtschaft gesund erhalten werden. Det Redner machte des weiteren erneut aufmerksam auf die Konkurrenz der englischen Kohle. Die Einfuhr englischer Kohle sei in den ersten neun Monaten d. I., von drei Millionen Tonnen im Jahre 1927 auf 3,9 Millionen Tonnen gestiegen. England fördere planmäßig die Kohlenausfuhr. Die Selbstkosten für diese englische Kohle betrügen 14,6 Schilling; sie würde aber an Bord des Schiffes für 13,2 verkauft. Dazu kämen die Frachtermäßigungen, die Senkung der Gemeindelasten und andere Umstände. Am Oberrhein in Mannheim könne die englische Kohle um 3 Mark, in Hamburg und Bremen um 4—5 Mark billiger gekauft werden als die deutsche Kohle. Nach weiteren Ausführungen des Abg. Sobottka(Komm.), der die Stillegung als eine Schikane gegen die Stadt Wanne=Eickel bezeichnete, und Grüter(Wirtschpt.), der behauptete, daß man im Ruhrgebiet das Verhalten der Regierung nicht verstehe, wurde die weitere Beratung auf den 6. November vertagt. Stärkungsmittel ein. Der Mann konnte erst gestern mittag geborgen werden. Doch war der Tod durch Herzschwäche bereits eingetreten.— In einem weiteren Bericht heißt es: Die Rettungsarbeiten an dem fünfeinhalb Meter tiefen Schacht gestalteten sich sehr schwierig. Der Straßenbahnverkehr mußte umgelenkt werden. Gegen 2 Uhr nachts war das Rettungswerk so weit gediehen, daß man mit dem Verunglückten sprechen und ihm auch einige Erfrischungsmittel zuführen konnte. Dann trat ein zweiter Einsturz ein, der die Lage wieder verschlimmerte. Die Hilfsmannschaften der städtischen Bauabteilung waren gezwungen, nunmehr einen Querschacht vom Bürgersteig aus tief in die Erde zu treiben, um so an den Verunglückten, der immer noch Lebenszeichen gab, heranzukommen. Die ganze Nacht über wurden ihm Erfrischungen auf diese Weise gereicht. Gestern gegen 10 Uhr konnte der Verunglückte bis zum Unterleib von den Kiesmassen befreit werden. Gegen 1 Uhr konte der Verschüttete dann auch geborgen werden. An den erlittenen Quetschungen ist er aber inzwischen gestorben. Aufsehenerregende Wendung in der St. Ingberter Sparkassenangelegenheit. Der mit der Bereinigung der Sparkassenangelegenheit betraute erweiterte Sparkassenausschuß hat jetzt schlüssige Beweise dafür, daß sowohl Bürgermeister Dr. Kempf, der Vorsitzende des Sparkassenausschusses, wie auch der Staatskommissar der Regierung, Oberregierungsrat Dr. Heim, die beide von der Regierung ihres Dienstes enthoben wurden, aber in der Oeffentlichkeit ihre Mitschuld an den Geschäften mit den Baltiawerken bestritten, die Geschäfte mit diesem Unternehmen mitgetätigt haben. Der in Untersuchungshaft sitzende Finanzrat Pircher. der diese beiden gedeckt hat, so lange er konnte, tritt jetzt endlich aus seiner Zurückhaltung hervor und erleichtert dem Untersuchungsausschuß seine schwere Aufgabe, die Mitschuldigen und Mitverantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Ein unbekannter Schütze richtete in Haspe Unheil an. Ohne einen Schuß gehört zu haben, verspürte ein auf der Tillmannstraße fahrender Milchhändler plötzlich einen Schmerz im linken Oberarm. Eine sofortige ärztliche Untersuchung ergab, daß er durch eine Kugel erheblich verletzt worden war. Der Schütze konnte bisher noch nicht ermittelt werden. Ein erdichteter Ueberfall. In der Nacht zum Sonntag, gegen 3 Uhr, wollte der Arbeiter K. in Iserlohn auf dem Waldwege zum Franzosenhohl von drei Männern überfallen worden sein. Da alle Nachforschungen vergebens waren, wurde K. nochmals eingehend vernommen, und hierbei verwickelte er sich so in Widersprüche, daß er zuletzt eingestand, daß dieser ganze Ueberfall erfunden war. Ueberfahren und getötet. In Herten tollten mehrere Kinder auf dem Wege zur Schule auf der Straße herum. Hierbei lief der 6 Jahre alte Konrad Henscher direkt gegen einen Straßenbahnwagen. Die Räder gingen dem Jungen über beide Beine, auch trug der Ueberfahrene eine Schädelverletzung davon. Der Tod trat bald darauf ein. Zwei Kühe vom Zuge überfahren. Am Sonntag überfuhr ein Personenzug, hinter dem Bahnhof Heek, Krs. Ahaus, die zwei Kühe des Bahnarbeiters Elsbernd. Die Kühe, die anfangs neben der Lokomotive herliefen, bogen plötzlich auf die Schienen ab, so daß das Unglück nicht vermieden werden konnte. Der Vorsicht des Lokomotivführers, der den Zug eiligst zum Halten brachte, ist es zu verdanken, daß ein größeres Unglück vermieden wurde. Seltsame Freundschaft. Am Montagmorgen beobachtete man in Grevenbrück, daß ein Marder neben einem noch jungen Hasen lief und anscheinend sein Spiel mit ihm trieb. Einige junge Leute fingen den Hasen, jedoch der Marder entkam. Der Hase wurde in dem nahen Wald wieder in Freiheit gesetzt, durch einen wildernden Hund aber leider gefangen Neue Briefmarken. Wohlfahrtsmarken. In der Zeit vom 15. November 1928 bis 31. Januar 1929 werden durch die Postanstalten und die Deutsche Nothilfe Wohlfahrtsmarken mit Länderwappen zu 5, 8, 15, 25 und 50 Rpf. sowie eine Wohlfahrtspostkarte zu 8 Rpf. zum doppelten Nennwert(die Wertzeichen zu 8 Rpf.) vertrieben werden. Die Wertzeichen sind bis Ende April 1929 zum Freimachen von Postsendungen im Inlands= und Auslandsverkehr gültig. und zerrissen. Verschiedenen Beobachtern war es auffallend, daß der Marder absolut keine Raubgier zeigte, sondern im Kreise herum barmloses Spiel trieb. Tragischer Unglücksfall. In Coesfeld wurde der Eisenbahnarbeiter Willi Dönnebrink, der nach überstandener Krankheit seinen Dienst bei der Eisenbahn wieder aufgenommen hatte und beim Schrottlager beschäftigt war, von einem heranfahrenden Eisenbahnwagen gestreift. Hierbei zog er sich so schwere Verletzungen zu, die kurze Zeit nach seiner Einlieferung in das Krankenhaus den Tod zur Folge hatten. Autounfall mit tödlichem Ausgang. Der Landwirt Gerling aus Unna=Königsborn unternahm mit seiner Gattin und einem Chauffeur eine Probefahrt nach Münster. Auf einer Chaussee löste sich jedoch plötzlich ein Rad des Personenautos, so daß der Wagen mit voller Wucht gegen einen Baum fuhr. Während der Chauffeur und Frau H. mit weniger schweren Verletzungen davonkamen, erlitt der Landwirt G. A. einen schweren Beckenbruch und außerdem eine Verletzung der Wirbelsäule. Man brachte den Schwerverletzten sofort ins Kamener Krankenhaus, wo er aber seinen schweren Verletzungen erlegen ist. Aus Verzweiflung in den Tod. Der arbeitslose Fabrikarbeiter Sch. in Grundschöttel hat sich in seiner Wohnung an der Kohlenbahn erhängt. Ein tragisches Schicksal hat sich erfüllt. Sch. war bestrebt, sein Los zu verbessern. Er trat mit einer Firma in Verbindung, die bei Abschluß eines Vertrages und Stellung einer Kaution hohen Verdienst verspricht. Sch. stellte 450 RM. Kaution. Er sah jedoch ein, daß seine Hoffnung sich nicht erfüllen werde. Demzufolge unternahm Sch. den Versuch, den Vertrag rückgängig zu machen und die gestellte Kaution zurückzuerlangen. Die betr. Firma lehnte jedoch das Ansinnen ab. Nun sollte Sch. seiner Frau, die in der gemeinsamen Heimat, Oesterreich, weilt, etwas Geld schicken, damit sie heimreisen könne. Da ihm dies nicht möglich war, nahm er sich aus Verzweiflung darüber das Leben. Todessturz eines Motorradfahrers. An der Dillnhütter Brücke geriet der Dreher Flick aus Buschhütten(Krs. Siegen) vor vorübergehenden Personen in die Gleise der elektrischen Straßenbahn, stürzte in den Straßengraben und blieb tot liegen. F. war 30 Jahre alt und hinterläßt Frau und zwei Kinder. Folgenschwerer Einsturz einer Baugrube. Dienstag abend stürzte in Köln eine Kanalbaugrube ein. Die Ursache des Einsturzes ist auf ungünstige Bodenverhältnisse in vier Meter Tiefe zurückzuführen. Bei dem Bauunfall wurde ein Erdarbeiter verschüttet. Man flößte dem Halbverschütteten Drei Düsseldorfer Ladendiebinnen, die schon oft gemeinsam Spitzbübereien ausgeführt hatten und gemeinsam bestraft worden waren, unternahmen einen Ausflug nach Köln, um hier ihre Kunst erfolgreicher auszuüben. Sie wurden zunächst in einem Warenhaus beobachtet, wie sie sich in höchst verdächtiger Weise an verschiedenen Auslagetischen zu schaffen machten. Sie verließen aber dieses Warenhaus, das ihnen recht ungünstig erschien und gingen in ein gegenüberliegendes Konfektionshaus. Hier glaubten sie, daß die Umstände für sie günstiger lägen, ihre Rollen verteilten sie säuberlich. Die eine hatte die Umgebung zu beobachten, die zweite nahm im geeigneten Augenblick sechs seidene Unterröcke und schob sie unauffällig in die bereit gehaltene Tasche der dritten Person. Darauf entfernten sie sich nach verschiedenen Seiten. Sie waren beobachtet worden; aber nur eine Diebin konnte gefaßt werden. Diese gab dann ihre Mithelferinnen an, widerrief später aber ihr Geständnis. Die angegebenen Mitdiebinnen gaben notgedrungen zu, die Diebstähle gemeinsam begangen zu haben. Das Gericht bestrafte jede der Angeklagten mit einem Jahr Gefängnis. Explosion eines Karbidbehälters. Auf einem Kölner Güterbahnhof kam bei Arbeiten ein Karbidbehälter eines Schweißapparates auf unerklärliche Weise zur Explosion. Hierbei wurde ein Arbeiter durch Brandwunden schwer verletzt. Ein zweiter Arbeiter, der durch die ausströmenden Gase betäubt worden war, starb kurz darauf an einem Herzschlag. Raubüberfall in einem Laden. Samstag abend kurz vor Ladenschluß betrat ein etwa 19jähriger Bursche ein Kölner Kolonialwarengeschäft und fragte die allein anwesende ältere Geschäftsinhaberin nach einer bestimmten Käsesorte. Dann entfernte er sich, kehrte aber gleich darauf zurück und verlangte den Käse. Als die Frau dem Verlangen nachkam, schlug der Bursche ihr mit der Faust mit solcher Wucht ins Gesicht, daß sie zusammenbrach. Dann trat und schlug er weiter auf die Frau ein und stahl den Inhalt der Ladenkasse in Höhe von etwa 70 RM., womit er davonlief. Ein Hausbewohner, der den Vorfall bemerkt hatte, lief dem Räuber nach, holte ihn alsbald ein und übergab ihn der Polizei. Das geraubte Geld hielt der Bursche noch in der Hand. Die Unsitte der Kinder, das Treppengeländer hinunter zu rutschen, kostete dem Söhnchen der Eheleute W. E. in Burgsteinfurt das Leben. Das Kind war beim Herunterrutschen des Treppengeländers mit dem Kopf so stark gegen einen Pfeiler geflogen, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Die Wiederaufnahme der Arbeit in der München=Gladbacher und Dürener Textilindustrie auf Grund der am Dienstag für verbindlich erklärten Schiedssprüche wird voraussichtlich am Montag erfolgen. Ueber den genauen Zeitpunkt und über die zu treffenden Einzelbestimmungen wird noch verhandelt. Da hiermit der Arbeitsfriede in der Textilindustrie wiederhergestellt ist, werden die von den Arbeitgeberverbänden beschlossenen Gesamtkündigungen der Textilarbeiter von Rheinland und Westfalen nicht durchgeführt. Die zum 27. Oktober ausgesprochenen Kündigungen wergen in den nächsten Tagen zurückgenommen. SINDBAD, DER SALEM-RAUCHER, erzählt weiter: Der König Nabopollasar lief wütend in seinem Palaste auf und ab.„Wo ist mein Tabakmeister Ibasid? Ha, er soll einen Kopf kürzer gemacht werden zur Strafe, daß er mich mit seinen kümmerlichen Cigarettenmischungen langweilt und ärgert!“ Da nahte demütig und ergeben der alte Ibasid und überreichte eine neue Sorte von Cigaretten. Mit finsterer Miene nahm der König eine von den neuen Papyros, aber er hatte kaum einige Züge getan, als er plötzlich heiter zu strahlen begann und sagte: „O, Ibasid, wie heißt diese edle Mischung, mit der Du mein Herz erfreust?“ Ibasid sprach:„Mein König, es ist eine Mischung nach dem Rezert eines Mannes Sindbad. Er nennt die Cigarette SALEM AUSLESE Heute in Deutschland in allen Spezialgeschäften erhältlich. Neues aus aller Welt. Anklage wegen Totschlags nach 11 Jahren. Gegen zwei Berliner Arbeiter ist ein Verfahren wegen Totschlags eingeleitet worden. Den Beschuldigten wird ein Verbrechen zur Last gelegt, das elf Jahre zurückliegt. Beide hatten am 11. November 1917 einen auf Urlaub befindlichen Soldaten, der sie beim Gänsestehlen in dem Potsdamer Geschäft seiner Mutter ertappte, erschossen. Die Tat kam dadurch ans Tageslicht, daß die Ehefrau des einen Täters, nachdem sie sich mit ihrem Mann überworfen hatte, diesen und dessen Mittäter anzeigte. Der Prozeß wird in Kürze vor dem Schwurgericht in Potsdam zur Verhandlung kommen. * Subkow geht zum Zirkus. Alexander Subkow, der Schwager des früheren Kaisers, hat einen Vertrag mit dem französischen Wanderzirkus Rancy abgeschlossen. Subkow wird in vier bis fünf Monaten mit dem Zirkus in einer Kirmes nach Paris kommen und als Kunstreiter auftreten. 7 Millionen Dollar Prohibitionsstrafen. Nach einer Statistik des Justizministeriums sind bis 30. Juni 1928 rund 60000 Personen auf Grund des Prohibitionsgesetzes bestraft worden. Die Geldstrafen beliefen sich auf etwa 7 Millionen Dollar. 22 ausländische und 400 amerikanische Schiffe sind beschlagnahmt worden. * Kinderlähmung. In einer Klasse des FichteGymnasiums in Berlin=Wilmersdorf ist ein Unterprimaner an spinaler Kinderlähmung erkrankt. Die Schließung der Klasse ist durch die Gesundheitsbehörde veranlaßt worden. Ein Oberpostschaffner erschlagen. Vor dem Hause Möckernstraße 131 in Berlin wurden gestern abend der 50 Jahre alte Oberpostschaffner Fritz Mehner und der Postschaffner Artur Burisch von einem noch unbekannten Mann rücklings überfallen und zu Boden geschlagen. Mehner erlitt so schwere Kopfverletzungen, daß er auf dem Transport ins Krankenhaus starb. Der Täter ist geflüchtet. Ob es sich um einen Raubmord handelt, konnte noch nicht festgestellt werden. Schwere Zollvergehen. Auf dem französischen Grenzbahnhof Jeumont wurden schwere Zollvergehen aufgedckt. Gegen 27 Kaufleute der Umgebung von Maubeuge wurde eine Untersuchung eingeleitet. Eisenbahnunglück in Jugoslawien. In Tusla verlegte ein Erdrutsch die Geleise der Eisenbahnstrecke. Die Lokomotive eines Zuges, die nicht mehr rechtzeitig zum Halten gebracht werden konnte, stürzte um und mehrere Wagen entgleisten. Aus den Trümmern wurden zwei Tote und vier Verletzte geborgen. Ermordung eines Priesters in Mexiko. In Guadalajarra wurde ein bejahrter Priester der schismatischen katholischen Kirche von drei maskierten Männern erstochen. Die Mörder hatten vorher in der Kirche einen Diebstahl begangen. Religiöser Fanatismus in Kalkutta. Bei einer Bombenexplosion in Kalkutta, die anscheinend von religiösen Fanatikern verursacht worden war, wurden fünf Hindus getötet und 35 schwer verletzt. Die Explosion geschah auf einer Hauptverkehrsstraße, als mehrere Tausend Pilger, die einem religiösen Fest in Lahore beigewohnt hatten, zurückkehrten. Bis jetzt ist es noch nicht gelungen, den Bombenwerfern auf die Spur zu kommen. Straßenbahnunglück in Neuyork. Ein von Manhattan über die Brocklyner Brücke nach Brocklyn fahrender Straßenbahnwagen entgleiste in voller Fahrt und fuhr gegen das Eisengeländer der Brücke. Unter den Passagieren des Wagens brach eine Panik aus. Sämtliche Fenster des Wagens wurden durch den Anprall zertrümmert. 25 Personen wurden durch Glassplitter und Quetschungen verletzt. Mobilisierung der sechsprozentigen Reichsschuldbuchforderungen. Der Deutsche Sparkassen= und Giroverband hat sich im Benehmen mit dem Reichsfinanzministerium bereit erklärt, durch die Deutsche Girozentrale, Deutsche Kommunalbank und die ihm angeschlossenen Geldanstalten im Rahmen der verfügbaren Mittel die sechsprozentigen Reichsschuldbuchforderungen, die auf Grund des Kriegsschädenschlußgesetzes bereits eingetragen sind und die bis zum 31 März 1933 zur Rückzahlung fällig werden, anzukaufen. Der Ankauf, der nur in direktem Verkehr mit den Entschädigten unter Ausschaltung jeder Vermittlung vorgenommen werden soll, beginnt bei der Deutschen Girozentrale, Deutsche Kommunalbank sofort, u. den dem Deutschen Sparkassen= und Giroverband angeschlossenen Girozentralen und Landesbanken in einigen Tagen. Zu dem neuen Elektrotrust. Eine Bestätigung der Meldungen über die angebliche Absicht des neuen belgischen Elektrotrustes, in Frankreich eine elektrische Holdinggesellschaft mit 200 Mill. Franken zu gründen, war bisher nicht erhältlich. Zahlungseinstellung der Schloßfabrik C. F. Schröder, Volmarstein. Die Lage der bekannten Volmarsteiner Schloßfabrik war schon seit langer Zeit kritisch. Alle Bemühungen um Sanierung der Betriebe sind erfolglos geblieben. Die Firma hat ihre Zahlungen einstellen müssen. Konkursantrag ist aber, entgegen anderslautenden Meldungen, noch nicht angemeldet worden. Keine Neugründung eines Panzerschloßverbandes. In Kreisen der Velberter Schloßindustrie werden immer wieder Meinungen laut, die die Neugründung des vor kurzem gesprengten Panzerschloßverbandes befürworten. Die amerikanische Konkurrenz hat allerdings in letzter Zeit einen bedeutenden Umfang angenommen. Aus diesem Grunde will man in einem Zusammenschluß der Schloßindustrie die einzige Möglichkeit sehen, der Auslandskonkurrenz auf die Dauer zu begegnen. Wie WTB.=Handelsdienst hierzu aus gut unterrichteten Kreisen hört, kann von direkten Der„Bracken" in Gandersheim. Das Gebäude gehört zu den wenigen noch erhaltenen niedersächsischen Profanbauten des späten Mittelalters. Nach der lateinischen Inschrift an seinem Schwellbalken„machte sich 1473 Johannes Steinmann zu seinem Erbauer, dazu instand gesetzt durch einen sehr werkfreudigen Handwerksmeister Hermann Müller“. Nach dem baulichen Befund scheint das Gebäude noch älter zu sein und der als Erbauer genannte im Jahre 1473 nur einen Umbau vollzogen zu haben. Dazu gibt auch die Uneinheitlichkeit der Vorder= und Giebelseite Veranlassung. Der massive Teil des Untergeschosses bildet ein in sich abgeschlossenes Mauerkarree. Keine der Wände, auch die nach dem schmalen, rechts gelegenen Fachwerkteil, zeigte einen Türdurchbruch. In alten Urkunden wird außerdem schon im Jahre 1443 ein Haus„an der Ecke am Markte gegenüber dem Rathaus“ erwähnt. Nach wohlbegründeter Vermutung hat also der Erbauer oder dessen Handwerksmeister Müller die bereits vorhandenen massiven Umfassungsmauern für seine Zwecke benutzt und sowohl den rechten Fachwerkteil, sowie das Fachwerk=Unter= und Obergeschoß mit Dach aufgebaut.— Von besonderen Merkmalen, die gleichzeitig einen Anhalt für das Wesen des Gebäudes geben können, ist der angebrachte figürliche Schmuck zu nennen. An den Knaggen sind einige Fratzenköpfe, und über der westlichen Knagge eine Jünglingsfigur im Hocksitz deutlich erkennbar. Von Bedeutung für einen Rückschluß auf den früheren Charakter des„Bracken“ ist die über der erwähnten Figur angebrachte Holzstatuette. Obwohl man in ihr zuerst einen Roland vermutete, stellt sie nichts anderes als einen Schildhalter dar, an dem besonders die beiden Wappenschilde interessieren. Ihre Untersuchung und Deutung hat zu der Feststellung geführt, daß der Bracken früher ein kirchliches und geistliches Amtsgebäude war, das in enger Beziehung zu der Abtei des„Kaiserlich=freiweltlichen Reichsstifts“ stand. Vermutlich ist es die Kurie der Kanoniker gewesen, die früher Meßpriester des Stifts waren, weil das weibliche Geschlecht nicht die Priesterschaft zu erwerben vermochte. Eine vorgefundene Urkunde weist den Bracken als Eigentum der Abtei aus, und daraus läßt sich auch der Unterschied der Bauweise zwischen den Bürgerhäusern der damaligen Zeit und ihm erklären, die sämtlich reinen niedersächsischen Fachwerktypus aufweisen. Nach dem Aufhören des Stifts wurde der Bracken veräußert und gelangte in Privathand. Unterschlupf der Verbrecher. Das Haus, in dessen viertem Stockwerk die beiden Heidger und Lindemann bei ihrem Aufenthalt in Köln gewohnt haben. Viehmärkke. (Ohne Gewähr.) Dortmunder Zucht= und Faselviehmarkt. Zum gestrigen Zucht= und Faselviehmarkt wurden aufgetrieben: Großvieh: 621, Schweine 125, Kälber: 31, Ziegen: 1. Der Handel war langsam, mit Ueberstand. Es kosteten Kühe: 300—650 Mark, Rinder: 250—550 Mark. Ausgesuchte Tiere wurden über Notiz bezahlt. Sämtliches zum Markt aufgetriebenes Großvieh ist gegen Maulund Klauenseuche geimpft worden. Die geimpften Tiere sind mit Ohrenmarkennummern versehen, die die Bezeichnung„Magerviehhof Dortmund“ tragen. Es sind die Nummern 96 868—97 486 verwendet worden. Am Schweinemarkt war der Handel langsam. Es wurden bezahlt für Ferkel von 6—8 Wochen alt: 13—23 Mark, von 8—10 Wochen alt: 23—38 Mark, von 10—12 Wochen alt: 38—55 Mark. Der nächste Markt findet am 31. Oktober statt. Husumer Fettviehmarkt. Zufuhr Rindvieh 2360, Schafe und Lämmer: 251. Handel: Anfangs träge, später lebhaft.— Ochsen: 1. Qualität: 50—53, 2. 49—53, 3. 45—49; Quienen: 1. Qualität 47—50, 2. 47—51, 3. 42—46; Kühe: 1. Qualität: 50—53, 2. 44—49. 3. 41—44, geringe Qualität 19—31. Schafe und Lämmer: 1. Qualität 54—57, 2. 42—53. Lämmer: 44—49 RM. je 100 Pfund Lebendgewicht. Ausnahmetiere über Notiz bezahlt. Ein Erinnerungstag der Landwirtschaft. in Köln. Der hundertste Todestag von Albrecht Thaer. Albrecht Daniel Thaer, der Begründer der rationellen Landwirtschaft, starb am 26. Oktober 1828 auf seinem Gute in Möglin(Kr. Oberbarnim), das als die erste landwirtschaftliche Hochschule angesprochen werden kann. Am 14. Mai 1752 in Celle geboren, stubierte er in Göttingen Medizin, wurde praktischer Arzt und später in seiner Vaterstadt sogar„Kurfürstlicher Hofmedikus"“. Dieser Beruf schien ihm nicht zuzusagen; in verhältnismäßig jungen Jahren(1786) entsagte er ihm schon und wandte sich der Landwirtschaft zu, über die er mehrere Schriften veröffentlichte, die die Aufmerksamkeit des preußischen Ministers von Hardenberg auf ihn lenkten, der ihn nach Preußen berief. 1804 kaufte er das Rittergut Möglin bei Wriezen und gründete dort 1806 schon die erste höhere Lehranstalt für die Landwirtschaft(die dann 1824 Staatliche Akademie des Landbaus wurde); 1807 wurde er preußischer Staatsrat, 1810 Professor der Cameralwissenschaften und Vortragender Rat im Ministerium des Innern. Daneben arbeitete er auch praktisch weiter; er gründete 1811 eine Merinoschäferei, übernahm 1815 den Posten eines Generalintendanten der Königlichen Stammschäfereien und schrieb sein großes Werk über die„Grundsätze der rationellen Landwirtschaft“, mit dem er den Grundstein zur wissenschaftlichen Behandlung des Landbaues legte, die im Laufe des Jahrhunderts dann so überraschende Fortschritte machte. Unter seinen praktischen Arbeiten sind die Förderung der Wechselwirtschaft und des Kartoffelbaues zu erwähnen, dann auch theoretische Arbeiten über die Schafzucht und die Erzielung feiner Wolle. Das Villengrundstück Ecke Oppenheim=Straße und Riehlerwall, in das sich der verletzte Heidger in der Nacht flüchtete, und in dem er unerklärlicherweise nicht mehr gefunden wurde. Zusammenschlußbestrebungen mit dem Ziel der Neugründung eines Verbandes keine Rede sein. Die zurzeit herrschende Ueberproduktion der Werke findet in vollem Umfange keine Aufnahme auf dem Markt. Dieser Grund hat bekanntlich vor einiger Zeit mit zur Auflösung des Panzerschloßverbandes beigetragen. Es ist nicht anzunehmen, daß man die damaligen Verbandsmitglieder in so kurzer Zeit wieder zu einer Einigung in den strittigen Punkten bringen könnte, zumal die Amerikaner ihre Einstellung dem Verbande gegenüber nicht geändert haben dürften. Zahlungseinstellung des Züricher Bankhauses Escher, Freiß& Co. Das Züricher Bankhaus Escher, Freiß& Co. hat seine Zahlungen eingestellt. Wie verlautet, sollen die Verluste rund 2 Mill. Franken betragen. Die Firma soll sich bereits seit längerer Zeit in Schwierigkeiten befinden und auch vor Jahren große Verluste durch die Finanzierungsgeschäfte erlitten haben. In der letzten Zeit sollen dazu Verluste bei Devisenoperationen vornehmlich in spanischer Währung hinzugetreten sein. Wie die„National=Zeitung“ weiter hört, war das Institut im Hausseengagement in Höhe von etwa 40 Mill. Franken festgelegt worden. Das Bankhaus befaßte sich auch mit der Belehung von Effekten, besonders in der Provinz. Nicht ausgeschlossen ist, daß es zu Exekutionen kommt. Der Status wird von den Gläubigern geprüft, erst dann ist es möglich, einen Ueberblick zu ge winnen. Aus der belgischen Montanindustrie. Der Interessengemeinschaftsvertrag zwischen der Forges et Laminoirs de Baum und der Use nes du Haimaut sowie der Usines Ghilson wurde von der Generalversammlung gutgeheißen. Ein Drittel von der Kapitalserhöhung erhielten die beiden letzten Gesellschaften. Die Anlagen sollen bedeutend erweitert werden. Kunst und Wissenschaft. Ein Theaterstück von Sigrid Undset. Die norwegische Nobelpreisträgerin Sigrid Unset, die bisher nur durch ihre Romane bekannt geworden ist, hat ein Theaterstück geschrieben„Oestlich von der Sonne und westlich vom Mond“, das im Osloer Nationaltheater zur Aufführung kommen wird. Eine neue Operette von Oskar Strauß. Oskar Strauß' neue Operette„Hochzeit in Hollywood“ gelangt demnächst im Johann=Strauß=Theater in Wien zur Uraufführung. Richard Strauß' neuestes Werk. Premiere der„Tageszeiten“ in Dresden. Von Eichendorffs„Wanderliedern“ hat Richard Strauß die Anregung zu einer köstlichen Männerchorkomposition mit Orchester empfangen, die er die„Dasesseiten“ betitelt. Das Werk ist vollständig in die lyrisch=vertiefte Stimmung des schlesischen Dichters gebettet. Es besteht aus vier sinfonischen Sätzen und schildert in einzigartiger Feinheit des Chorsatzes und des Orchesters vom Morgen bis zur Nacht den Niederschlag der Stimmungen in der menschlichen Brust. Es steht in seiner künstlerischen Vollendung auf klassischem Gipfel. Dirigent Fritz Busch beflügelte die Staatskapelle und den Lehrergesangverein in Dresden zu einer großartigen Leistung, die nachhaltigsten Eindruck erzielte. Alfred Dressler. beseit.übl Mundgeruch u. häßl. gejarbt. Zahnbelag Neueste Nachrichten. Der Todessturz aus dem D-Zug. Wattenscheid, 25. Oktober. Zu der Meldung, nach der sich Montag abend in der Nähe der Station Rosenbaum eine Dame aus dem fahrenden D=Zug Berlin—Köln gestürzt hat, einen doppelten Schädelbruch erlitten und auf der Stelle tot war, wird noch mitgeteilt, daß es sich um die 41 Jahre alte Frau Bergassessor Hildegard Buskühl, Tochter des langjährigen Direktors der Zeche Zentrum in Wattenscheid, Kommerzienrat Vietor, handelt, die seit 20 Jahren mit dem früheren Direktor der Zeche Consolidation in Gelsenkirchen und jetzigen Direktor der Mannesmann=Röhrenwerke in Düsseldorf, Bergassessor Buskühl, verheiratet ist. Eine Liebestragödie. Wernigerode am Harz, 25. Okt. Mittwoch abend spielte sich in Hasselrode in den Räumen der Haarpuderfabrik Curellio eine Liebestragödie ab. Der in der Fabrik beschäftigte Laborant Brüning, ein verheirateter Mann, erschoß die 28 Jahre alte Pflegetochter des Fabrikbesitzers Schumann, zu der er ein Liebesverhältnis unterhielt. Das Mädchen war sofort tot. Darauf richtete Brüning die Waffe gegen sich und brachte sich eine schwere Kopfverletzung bei. Ehurchill über die Abrüstungsfrage. London, 25. Okt. Schatzkanzler Churchill sagte gestern abend in einer Rede, die Veröffentlichung des Weißbuches habe gezeigt, daß nichts geschehe, wogegen jemand Einwendungen erheben könne. Er fügte hinzu: Wenn zwischen Großbritannien und Frankreich vereinbart worden ist, gewisse Punkte der gegenseitigen Rüstungen nicht mehr zu kritisieren, so bedeute das einen Fortschritt in Richtung auf eine Weltabrüstung. Der Ueberlandflug des Graf Zeppelin verschoben. Lakehurst, 25. Oktober. Der Start des Graf Zeppelin zu seinem geplanten Ueberlandflug über den Mittleren Westen der Vereinigten Staaten ist wegen Regens auf morgen verschoben worden. Eine Stadt in Apulien überschwemmt. Rom, 25. Oktober. Ueber die Stadt Matera in Apulien ging ein schweres Unwetter nieder, wodurch die Stadt überschwemmt wurde. Bei Rettungsarbeiten kam ein Polizeibeamter ums Leben, zwei weitere Personen werden vermißt. Fünf Personen erlitten Gasvergiftungen. Die Verfolgung des Raubmörders Johann Heidger. In Garath bei Benrath.— Auf der Landstraße nach Hilden. Richtung Mettmann. Der Raubmörder Heidger ist gestern morgen im Walde bei Garath in der Gegend von Benrath gesehen worden. Vormittags gegen 11 Uhr wurde im Garather Forst, 5 Klm. südöstlich von Benrath, ein junger Mann von einem Unbekannten unweit der Landjägereistation Garath unter Vorhaltung von zwei Revolvern angehalten mit den Worten: „Hast du Brot, hast du Geld?“ Als der junge Mann dies verneinte, wurde er durchsucht und mit den Worten entlassen:„Wenn du jetzt zur Landjägerei gehst, schieße ich dich tot.“ Der Räuber entfernte sich dann in den Wald. Der Ueberfallene benachrichtigte trotz der Drohung die Landjägereistation, die sofort Hilfe von der Benrather Polizei anforderte. Auch ein Ueberfallkommando der staatlichen Polizei Düsseldorf traf schnell ein, und im Verein mit der Benrather Polizei und den in der Umgegend stationierten Landjägerbeamten wurde der Wald umzingelt und durchsucht. Bisher ist es noch nicht gelungen, des Räubers, in dem man bestimmt den Raubmörder Johann Heidger vermutet, habhaft zu werden. Gegen Mittag wurde der Räuber in unmittelbarer Nähe von Benrath auf der Hildener Provinzialstraße gesehen. Man vermutet, daß der. Verbrecher in der Richtung Mettmann geflüchtet ist. Wie von der Kölner Polizei mitgeteilt wird, ist der jüngere der Brüder Heidger, der bei der Razzia von Polizeibeamten erschossen wurde, derjenige, der den Steckschuß in der linken Schulter und die Verletzungen an der linken Gesichtshälfte erlitten hatte. Der noch lebende und gesuchte Johann Heidger hat die Verletzungen und den Heftpflasterverband am Hinterkopf, die nicht sichtbar sind, wenn er den Hut trägt. Die Fehler bei der Verfolgung in Köln. Die Kölner Bevölkerung ist einmütig der Ansicht, daß der Kampf mit Verbrechern nicht zu den Ruhmestaten der Kölner Polizei gehört. Es muß, so heißt es in einer Kölner Meldung, auch auf einen Zustand bei der Kölner Polizei hingewiesen werden, der keineswegs für eine erquickliche Zusammenarbeit in kriminellen Dingen geeignet ist. Das beispiellose Nebeneinanderarbeiten der Kriminalpolizei und der sogenannten Exekutive, also der uniformierten Polizei, bei dem, wie bei der Verfolgung Heidgers zwei Befehlsstellen nebeneinander tätig sind, ist unfaßbar. Der Kriminalpolizei muß man doch in solchen Fällen die Oberhand lassen. Beabsichtigte Irreführungen? Ein Aufatmen gab es in der Kölner Bevölkerung, als gestern mittag bekannt wurde, daß der Mörder Heidger sich in der Benrather Gegend aufhalte. Die Kölner Polizeiverwaltung war aber dieser Nachricht gegenüber sehr skeptisch eingestellt und forschte den noch weiter einlaufenden Meldungen, die von einer Spur Heidgers wissen wollten, nach. Doch alles Suchen blieb bis 20 Uhr erfolglos. In keinem Falle k. nte mit Sicherheit festgestellt werden, daß es sich um Heidger handele. Ein Kölner Polizeibeamter, der Heidger persönlich kennt, wurde auf die Alarmnachricht von Benrath sofort nach dort entsandt. Ein bei der Benrather Razzia durch die Düsseldorfer Polizei aufgegriffener junger Mann ist nicht Heidger, so daß also die Unsicherheit in Köln weiter fortbesteht. Man kann— so heißt es in einer weiteren Kölner Meldung— die Vermutung nicht von der Hand weisen, daß in vielen Fällen scheinbar beabsichtigte Irreführungen der Polizei geschehen. Der Stand der polizeilichen Untersuchung wird dadurch außerordentlich erschwert. Auf die Dauer ist eine solche, mit Gerüchten geradezu übersättigte Luft für die Kölner Bevölkerung nicht mehr zu ertragen. Daher macht sich auch der Unwille der Bürgerschaft in einer starken Kritik an den bisherigen polizeilichen Maßnahmen Luft. Am Dienstag hat die Kriminalpolizei das ganze Gestrüpp gegenüber dem Riehler Wall mit Hunden durchstöbert. Hierbei wurde der Koffer der Gebrüder Heidger gefunden und auch ein Mantel. Es war jener kleine, in allen Steckbriefen der letzten Tage vielgenannte Koffer, der halb geöffnet dalag. In dem Koffer fand man ein Paar fast neue Lederhandschuhe, ein Perkalhemd, schmutzig und zusammengeknäuelt, einen weißen steifen Kragen, verschiedene Taschentücher und einen Verbandlappen. Neben dem Koffer lag eine mit mehreren Schuß geladene Dreyse=Pistole, Kaliber 7,65 Millimeter. Anscheinend hatte der flüchtige Mörder noch rasch den Koffer geöffnet und einigen wertvollen Inhalt an sich gerissen. In den Taschen des Mantels fand man ein bekritzeltes Notizbuch. Während ihres erzwungenen versteckten Aufenthalts der letzten Tage haben die Mörder sich die Zeit mit Zeichnen vertrieben. So sah man im Notizbuch einige Schutzmannsköpfe, ungelenk und tatenlos hingekritzelt. In der Manteltasche fand man weiter eine Eintrittskarte für eines der besten Kölner Lichtspieltheater. Die beiden Verbrecher haben demnach noch die Kaltblütigkeit besessen, an einem der letzten Abende ins Lichtspielhaus zu gehen. Daß sie beabsichtigten, sich noch längere Zeit in Köln frei zu bewegen, beweisen zwei vorgefundene Fahrscheinheftchen der Straßenbahn. Die Mörder fuhren also dreist auf der Straßenbahn. In dem Koffer wurden 16 Paßformulare und sechs ziemlich abgenutzte amtliche Stempel der Polizeidirektion München, die echt sein können, vorgefunden. Johann Heidger lebensgefährlich verletzt. Köln, 25. Oktober.(Telegramm.) Der Raubmörder Johann Heidger wurde heute vormittag in demselben Häuserblock, in dem er dieser Tage verschwunden war, und zwar in dem Oppenheimschen Hause, entdeckt. Die mit Karabinern, Handgranaten usw. ausgerüstete Polizei nahm eine förmliche Belagerung des Hauses vor, und nach längerem heftigen Widerstand wurde Heidger, wie die ersten Meldungen besagten, vermutlich durch eine Handgranate getötet. Nach den weiteren Meldungen ist der Raubmörder Johann Heidger indes bei dem Kampfe nicht, wie anfänglich angenommen, getötet, sondern nurlebensgefährlichverletzt worden. Er wurde ins Krankenhaus gebracht. Bei dem Kampf mit dem Verbrecher wurde auch ein Polizeibeamter lebensgefährlich verletzt. (Danach bestätigen sich also die oben bereits mitgeteilten Vermutungen, daß der Raubmörder sich immer noch in Köln aufgehalten hat. Red.). Sei getreu bis an den Tod, So will ich Dir die Krone des Lebens geben. Offb. Joh. 2, Vers 10. Nur Schaffen war Dein Leben, Du dachtest nie an Dich, Für Deine Lieben streben, War Deine höhste Pflicht. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute morgen 5 Uhr nach kurzem, schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin, Tante und Kusine Frau Josef Brambach Marie geb. Saat im Alter von 52½ Jahren in ein besseres Jenseits abzurufen. Sie starb im festen Glauben an ihren Erlöser. Um stille Teilnahme bitten die trauernden Hinterbliebenen. Steele, Essen-Rüttenscheid, den 24. Okt. 1928. Gestern morgen entschlief sanft und gottergeben nach kurzer, schwerer Krankheit unsere liebe, treue Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante, die Witwe Friedrich Martin Karoline geb. Diersen im Alter von 67 Jahren. Um stille Teilnahme bitten die trauernden Hinterbliebenen. Buchholz, den 24. Oktober 1928. Die Beerdigung findet am Sonntag, dem 28. Okt., nachmittags 3¼ Uhr, vom Sterbehause, Kaiserstraße 25, aus statt. Die Beerdigung findet Sonntag, den 28. Oktober 1928, nachmittags 3½ Uhr vom Trauerhause, Buchholz 8 a, aus statt. Trauerfeier 3 Uhr. Allen, denen aus Versehen keine besondere Nachricht zuging, diene dieses als solche. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz spenden beim Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen sagen wir allen Freunden und Bekannten herzlichen Dank. Familie E. Mischbor. Hattingen, den 25. Oktober 1928. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranzspenden beim Heimgange meines lieben Mannes, unseres guten Vaters sagen wir hiermit allen unsern herzlichsten Dank. Witwe Friedrich Kebler und Kinder. Steele-Eiberg, den 25. Oktober 1928. BienenSchleuderhonig gar. rein. Obst= und indenblüte. Büchse 9 Pfd. Inh. 13,50 Rm. einschl. Porto, Verp. g. Nachn. Postmeister Nien, Uedem, Ndrh. Ordentlicher Fuhrmann gesucht. Willy Schlochtermeyer Dahlhausen=Ruhr, Keilstraße 43. Suche für sofort ein braves, sauberes und in allen Hausarbeiten erfahrenes Steele, Steeler Berg 11-13. 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Oktober 1928 von 9—12 Uhr vorm. im Lokale Oberstebrink und von 3 bis 6 Uhr nachm. im Lokale Trögeler am Stuten, für den Ortsteil Bredenscheid am Samstag, dem 27. Oktober 1928 von 3—6 Uhr bei Voß zur Mühlen. redenscheid=Stüter, den 23. Okt. 1928. Der Jagdvorsteher: Sirges. Junge be rufstätige Dame sucht möbliert. Zimmer Zu erfragen unter Nr. 9080 an die Geschäftsstelle dsr. Ztg. in Hattingen. Suche für sofort ein zuverlässiges, ehrliches Lehrmädchen für Kolonialwaren u. Lebensmittel. Frau Else Lehmann, Dahlhausen, Bahnhofstraße 41. Leeres Parterre=Zimmer zu vermieten. 9068 Zu erfragen in der Geschäftsstelle d. Ztg. in Hattingen. Am Samstag, d. 27.ds. Mts., nachm. 3 Uhr, werde ich in Hattingen. 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