Haltinger Zeitung Bezugspreis: Frei Haus halbmonatl. 1.20 M. Postbezugspreis monatl. 2.70 M. Erscheint täglich außer an Sonn= u. Feiertagen. Beilagen:„Sport=Rundschau“ täglich.„Feierstunden" am Dienstag. Donnerstag und Samstag.„Aus dem Reich der Frau" am Mittwoch u.„Leben im Bild“ am Freitag Fernsprecher Nr. 2941(Sammelnummer für 3 Anschlüsse)— Postscheckkonto: Dortmund Nr. 11103 Zweiggeschäftsstelle: Linden=Ruhr. Königstraße 90. Fernsprech=Anschluß 2328 Amt Hattingen Anzeigenpreis: Für 1 mm Höhe, 33 mm Breite 10 Pfennig. Für Anzeigen unterm Strich 1 mm Höhe, 75 mm Breite 35 Pfennig.— Bei Wiederholung Rabatt, der jedoch bei gerichtlicher Beitreibung, im Falle einer Geschäftsaufsicht oder eines Konkurses in Fortfall kommt. Telegramm=Adresse: Kreisblatt, Hattingenruhr. Erfüllungsort und Gerichtsstand: Hattingen. Für die Richtigkeit telephonisch aufgenommener Anzeigen wird keine Gewähr übernommen. Druck: C. Hundt sel. Wwve. Kreisblalt für den Kreis Hattingen Achizigster Jahrgang Tuoitaa. den 14. September Jeder Bezieher erhält lt. unseren Bedingungen 250 Mk. Unterstützung bei tödlichem Unfall. 1928/ Nr. 217 Neueste vom Tage. Die Deutschnationalen haben an den Reichskanzler das Ersuchen gerichtet, vor weiteren Verhandlungen in Genf zwecks Fühlungnahme mit dem Auswärtigen Ausschuß vorübergehend nach Berlin zurückzukehren. * In der Stinnes=Affäre ist eine neue Verhaftung erfolgt. Am Schluß seiner Vernehmung wurde der Direktor Leo Hirsch festgenommen, der in dem dringenden Verdacht steht, sich an den Kriegsanleiheschiebungen beteiligt zu haben. * Auf Grund von Anzeigen unternahm die Görlitzer Kriminalpolizei bei mehreren Mitgliedern der Görlitzer Ortsgruppe der Kommunistischen Partei Haussuchungen und entdeckte in einem Keller, im Kinderwagen versteckt, eine Margarinekiste mit einer Anzahl Infanteriemunition, einer größeren Menge Dynamitpatronen und verschiedenen Arten von Sprengstoffen. * In Reval begannen gestern die deutsch-estnischen Handelsvertragsverhandlungen. * Das Haager Schiedsgericht erkannte im Chorzow=Streitfall die Entschädigungspflicht Polens an. * Wie verlautet, ist der Paktvertrag zwischen Italien und Griechenland. über den schon seit einiger Zeit in Rom und Athen verhandelt wurde, jetzt so gut wie zur Unterschrift bereit. Allerlei aus dem Reiche. Die Rückreise des Reichspräsidenten nach Berlin. Reichspräsident von Hindenburg traf gestern um 8 Uhr 55 abends in Rosenburg ein und trat, nach herzlicher Verabschiedung von seinem Gastgeber, Herrn von Oldenburg=Januschau, die Rück reise nach Berlin über Marienburg an. Das zahlreich anwesende Publikum bereitete dem Reichspräsidenten herzliche Abschiedskundgebungen und stimmte begeistert das Deutschlandlied an. Konserenz der deutschnationalen Mitglieder des Auswärtigen Ausschusses. Die deutschnationale Pressestelle teilt unterm 13. 9. mit: Bei der heutigen Zusammenkunft der deutschnationalen Mitglieder des Auswärtigen Ausschusses berichtete der Fraktionsvorsitzende über seine Verhandlungen mit dem Auswärtigen Amt. Die Anwesenden billigten einstimmia den vom Grafen Westarp gestellten Antrag auf Einberufung des Auswärtigen Ausschusses des Reichstages, dessen sofortige Einschaltung für drin gend erforderlich erklärt wurde. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Herr Abg. Scheide mann, hatte mitgeteilt, er werde am Sonnabend in Berlin feststellen, wann die Genfer Delegierten berichten können. Da diese Behandlung des deutschnatiönalen Antrages die Gefahr einer be denklichen Verzögerung in sich birgt, hat Graf Westarp das Auswärtige Amt schriftlich gebeten dem Herrn Reichskanzler das Ersuchen zu über mitteln, vor weiteren Verhandlungen zwecks Fühlungnahme mit dem Auswärtigen Ausschuß vorübergehend nach Berlin zurückzukehren. Er hat Herrn Scheidemann ersucht, sich diesem Wun sche anzuschließen. Ein neues Fememordverfahren. Auf Ersuchen des Auswärtigen Amtes ist der frühere Marineoberleutnant Eckermann in Gua temala verhaftet worden, da ihm im Falle des ersten mecklenburgischen Fememordprozesses An stiftung bzw. Beteiligung zur Last gelegt wird Der zuständige Untersuchungsrichter hat jetzt ent schieden, daß eine Amnestierung nicht in Frage komme. Die Auslieferung Eckermanns wird also nunmehr beantragt werden, nachdem Guatemala erklärt hat, daß der Auslieferung stattgegeben würde. Im Gegensatz hierzu hat Holland die Auslieferung des wegen Begünstigung der An geklagten im Fememordprozeß Panier auf einem holländischen Dampfer verhafteten Leutnants a. D Warneck abgelehnt. Die schriftliche Zusicherung der Rheinlandräumnung. Eine Urkunde, der man auf alliierter Seite die absprechen möchte. staatsrechtliche Bedeutung Gestern vormittag um 10½ Uhr versammelten ich in Genf die Vertreter der Besetzungsmächte im Hotel Beau Rivage, um die Konferenz mit dem Reichskanzler und dem Staatssekretär v. Schubert fortzusetzen. Im Verlauf der Aussprache wurde versucht, von den in der ersten Konferenz von den Franzosen und Belgiern einerseits und unsern Vertretern anderseits dargelegten Standpunkten ausgehend, eine Einigung über die Behandlung von Einzelfragen(Finanzkonferenz, Ueberwachung des Rheinlandes, mögliche Zeitpunkte und Ausmaß einer vorzeitigen Räumung des Rheinlandes) in die Wege zu leiten. Auch bei dieser zweiten Besprechung gelang es nicht, eine Vereinbarung darüber zustandezubringen, was geschehen könnte, um die im Zusammenhang mit der Räumung des Rheinlandes stehenden Fragen auf den Weg technischer Verhandlungen zu bringen. Von deutscher Seite wurde nicht— wie bereits in einem Teil der Pariser Presse angekündigt worden war und in Genf gerüchtweise verlautete— eine schriftliche Formulierung vorgelegt, sondern der Reichskanzler und Herr v. Schubert begnügten sich auch diesmal damit, mündlich die Auffassung der Reichsregierung zu vertreten. Die beiden Herren sind in allem Grundsätzlichen bei der Haltung verblieben, die als Richtlinie von dem Berliner Kabinett vor der Reise Dr. Strefemanns nach Paris beschlosen worden war. Eine nützliche Fortsetzung der Erörterungen scheint nur möglich zu sein— und dürfte vom deutschen Standpunkt überhaupt nur dann annehmbar sein—, wenn die Franzosen und Belgier die Auffassung, die sie bisher vorgebracht haben, als Höchstforderungen angesehen haben und mit sich darüber reden lassen. Briand wird voraussichtlich nach Paris fahren, wo er aller Wahrscheinlichkeit nach mit seinen Kollegen Rücksprache nimmt, und man kann erwarten, daß davon, ob er überhaupt zurückkehrt oder mit welchen Ansichten er zurückkehren wird, die Aussichten auf eine positive Weiterführung der Erörterungen abhängen. In jedem Fall ist man in der Konferenz von gestern vormittag dahin übereingekommen, für nächsten Sonntag morgen eine neue Zusammenkunft zu vereinbaren. Wilson, Lloyd George und Clemenceau garantieren..... In den gegenwärtigen Räumungsverhandlungen wird in den Kreisen der Delegationen vielfach auf die Urkunde hingewiesen, die während der Versailler Friedenskonferenz am 16. Juni 1919 von Wilson, Lloyd George und Clemenceau über die Bedingungen einer vorzeitigen Rheinlandräumung schriftlich festgelegt worden war. Diese Erklärung behandelt in vier Punkten bis ins einzelne gehend die Bedingungen, unter denen eine vorzeitige Rheinlandräumung stattfinden könnte. Es wird eindeutig festgestellt, daß die Räumung des Rheinlandes vor den im Versailler Vertrag vorgesehenen Terminen erfolgen könnte, wenn Deutschland Beweise seines guten Willens und zufriedenstellende Garantien für die Erfüllung der im Versailler Vertrag ihm auferlegten Verpflichtungen geben würde. Diese Urkunde spielt in den gegenwärtigen iumungsverhandlungen eine große Rolle und wird zweifellos auch in Zukunft weittragende rechtliche und moralische Bedeutung besitzen, da hierdurch durch die drei alliierten Hauptmächte eindeutig und unumwunden die vorzeitige Räumung des Rheinlandes vorgesehen ist. Die in der Urkunde festgelegten Bedingungen werden durch die Annahme des Dawesplanes und des Locarnopaltes unbestreitbar heute von allen Seiten als erfüllt angesehen. Von alliierter Seite will man die rechtlich hinkende Kraft der Erklärung der drei alliierten Hauptmächte in Zweifelstellen, da die Vereinigten Staaten den Versailler Vertrag nicht unterzeichnet hätten und deshalb diese Urkunde keine staatsrechtliche Bedeutung habe. Von deutscher Seite ist in den bisherigen Verhandlungen bereits auf die rechtliche und moralische Verpflichtung der Alliierten aus dieser Urkunde mit großem Nachdruck hingewiesen worden. Die Urkunde bedeutet eine neue Stärkung des deutschen Standpunktes in der Räumungsfrage über die bereits bestehenden Verpflichtungen der Alliierten auf Räumung des Rheinlandes hinaus. der Havas-Verkreter erfahren haben will. Der Vertreter d. Pariser Havas=Agent. in Genf will in der Lage sein, mitzuteilen, daß hinsichtlich deSicherheitsproblems in Verbindung mit der Rheinlandräumung die französische Regierung an ihrer Absicht festhalte, alle ihr notwendig erscheinenden Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Welches auch die kommende Vereinbarung sein möge, sei es sicher, daß die interessierten Mächte für die Zeit nach der Näumung das Vorhandensein eines Feststellungsverfahrens sichern möchten, das nach Ansicht der franzosischen Regierung weder eine besondere Belastung, noch weniger eine Schikane für Deutschland wäre, da dieses Verfahren das Ergebnis einer Vereinbarung sein würde, das sowohl auf Deutschland, als auch auf sämtliche Signatarstaaten des Rheinpaktes zur Anwendung kommen würde. Etwas Freundlicher und hoffnungsvoller." Kabinetlsberatung über Genf. In unterrichteten man laut„Voss. Ztg." nach den Ergebnissen Deutschland und den Berliner Kreisen glaubt die Genfer Verhandlungen der Besprechung zwischen Besatzungsmächten etwas freundlicher und hoffnungsvoller beurteilen zu dürfen. Die Besprechungen haben ein weiteres Gebiet umfaßt, als die vom Dienstag, und haben in einzelnen Punkten eine gewisse Annäherung der gegenseitigen Auffassungen möglich gemacht. Die deutsche Delegation hat an ihrem Standpunkt festgehalten, daß die Räumungsfrage nicht mit der endgültigen Regelung der Reparation in Verbindung gebracht werden dürfe. Auch die Gleichzeitigkeit der Verhandlungen über Räumung und Reparationen hat der Reichskanzler ebenso wie am Dienstag nicht zugestanden. Es hat aber den Anschein, daß die Gegenseite, vor allem der französische Außenminister Briand, auf der Verbindung der Verhandlungen über Räumung und Reparationen nicht mehr mit diesem Nachdruck besteht, wie am Dienstag. Briand hat die Erklärung des Reichskanzlers, daß die deutsche Regierung an und für sich bereit sei, mit den Westmächten über Reparationen zu diskutieren, aufgegriffen und hat— wenn man hier zutreffend informiert ist, den Vorschlag gemacht, daß Expertenkommissionen eingesetzt werden sollen, die nach der Völkerbundstagung Vorschläge für die endgültige Regelung der Reparationen ausarbeiten sollen. Briand soll auch die Frage einer früheren Räumung der zweiten Zone angeschnitten haben. Er scheint sich die weitere Entwicklung so zu denken, daß die Verhandlungen über die Räumung der dritten Zone nach Genf von Ka binett zu Kabinett im diplomatischen Noten austansch fortgesetzt und zu Ende geführt wer den sollen, daß aber in Genf selbst möglichst schon eine Verständigung über eine frühere Räumung der zweiten Zone erstrebt werden soll. Wie in Paris, wird auch in Berlin das Reichskabinett sich am Freitag oder Sonn abend versammeln, um zu den in der Dreimächte Konferenz gemachten neuen Vorschlägen Stellung zu nehmen. Da der Reichsaußenminister Dr Stresemann auf Urlaub ist, wäre Reichswehrminister Gröner als dienstältester Reichsminister Stellvertreter des Reichskanzlers, und die Kabinettssitzung würde unter seinem Vorsitz stattfinden. Rundschau im Auslande. Flugverkehr für das Saargebiet. Die Regierungskommission des Saargebietes hat der Deutschen Luft=Hansa die Genehmigung zur Aufnahme des Flugverkehrs Frankfurt— Saarbrücken—Paris und zurück und der Societe generale des transports aeriens(Farman) diejenige zur Aufnahme des Betriebes Paris—Saarbrücken—Frankfurt und zurück erteilt. Der Betrieb wird am kommenden Montag aufgenommen werden. Damit wird Saarbrücken in den internationalen Luftverkehr einbezogen. Rheinlandsachverständigenkonferenz in Paris? Wie der Genfer Vertreter des Intransigeant seinem Blatt mitteilt, wird wahrscheinlich im Oktober in Paris eine SachverständigenKonferenz zusammentreten, die sich mit der Prüfung der gesamten vorlieegnden deutchen Fragen beschäftigen wird. Die Konferenz olle dann den Regierungen eine praktische Löung für Zdie Rheinlandfrage unterbreiten. Amtlich wiro zu der Genfer Rheinlandbesprechung am Donnerstag von französischer Seite lediglich erklärt, daß der Verlauf der Besprechung befriedigend gewesen sei. Der Genfer Vertreter des Intransigeant will wissen, daß sich die deutschen Delegierten recht versöhnlich gezeigt hätten. Sie hätten allerdings ihren Rechtsstandpunkt beüglich der Anwendung des Artikels 431 des Versailler Vertrages, aufrechterhalten,#er die Rheinlandräumung ohne Gegenleistung vorsehe. Beginn der französischen Luftmanöver. Die Leiter der englischen Militär= und Marineluftschiffahrt und der englischen Landesverteidigung sind gestern mittag an Bord zweier Großkampfflugzeuge, begleitet von ihren Generalstäben, in Le Bourget eingetroffen. Sie werden den heute und morgen in der Bannmeile von Paris stattfindenden großen kriegsmäßigen Luftmanövern beiwohnen. Briand erstattet dem Kabinett In dem heute in Rambouillet unter dem Voritz des Präsidenten der Republik stattfindenden Ministerrat wird Minister des Aeußern Briand, der gestern abend in Paris eintraf, über die Arbeiten des Völkerbundes Bericht erstatten und, wie die Agentur Havas erfährt, auseinandersetzen, unter welchen Umständen er dazu gebracht wurde, seine Rede vom Montag zu halten. Er werde gleichzeitig über den Stand der mit Reichskanzler Müller wegen der Rheinlandräumung aufgenommenen Besprechungen berichten. Verhaftungen in Spanien. Der Meldung einer Nachrichtenagentur zufolge sollen sich unter den in Spanien festgenommenen Personen General Aguilera, Hauptmann Borrero, der Führer der radikalen Partei in Barcelona, Emilio Iglesias und das gesamte Personal der Zeitung„Democratia“ befinden. Zahlreichen republikanischen Führern soll es gelungen sein, die Hauptstadt zu verlassen und sichin die Provinz zu begeben. Im Zusammenhang mit der Verschwörung gegen die spanische Regierung wurden in La Linea, dem spanischen Vorort von Gibraltar, gestern vormittag etwa 50 Personen festgenommen, von denen die meisten Freimaurer sind. In San Roque und Algesiras hat die Polizei ungefähr 100 Personen verhaftet. Die polizeiliche Aktion ist noch im Gange. Staatsanwaltschaftliche Maßnahmen gegen die Wiener„Rote Fahne". Auf Veranlassung der Wiener Staatsanwaltschaft wurde gestern nachmittag der verantwortliche Redakteur der Roten Fahne, Erwin Zucker, in der Redaktion des Blattes verhaftet. Diese Maßnahme steht im Zusammenhang mit der Beschlagnahme der gestrigen Nummer der„Roten Fahne“, die einen Aufruf des Zentralkomitees der kommunistischen Partei Oesterreichs zum Sonntag, den 7. Oktober, dem Tage des angekündigten Aufmarsches der Heimwehren in Wiener=Neustadt veröffentlicht. In dem Aufruf, sowie in dem Leitartikel des Blattes erblickt die Staatsanwaltschaft wegen der darin enthaltenen Aufforderung zum bewaffneten Vorgehen des Proletariats den Tatbestand des Hochverrats, nämlich Aufreizung zum Bürgerkrieg. Halte Briand seine Rede nicht überlegt? Im Populaire äußert sich Leon Blum zur Genfer Rede Briands. Es sei schwer, zu glauben, ben, so schreibt er unter anderem, daß Briand sich diese Rede wohl überlegt und in emigen MiE 2 muten das Werk kühl verleugnet und annulliert habe, um das er sich seit Jahren bemühte. Vielleicht würden erst auf der Kammertribüne die Zweifel aufgeklärt werden. Aber ob dort oder anderswo, geschehen müsse das auf jeden Fall. Man müsse wissen, ob die französische Politik künftig durch diese Genfer Rede sestgelegt sei, die, wenn man sie wörtlich nehme, die Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich zum Stillstand bringe und jede Hoffnung auf allgemeine Abrüstung zunichte mache. Warum, Herr Guillaumat? Der Pariser Quotidien wendet sich dagegen, daß jetzt in dem Augenblick, in dem man über die Räumung der besetzten Gebiete verhandele, französische Truppen in einem Lande paradieren, das so laut den übrigens berechtigten Wunsch ausspräche, daß sich diese Truppen entfernten. Seien dadurch etwa die Verhandlungen erleichtert worden? Gewiß handele es sich um ein französisches Recht, aber dieses Recht sei das Recht der Gewalt, warum habe man es ausüben müssen? Gewiß, General Guillaumat habe erklärt, daß dieses militärische Schauspiel eine große Lehre für die Offiziere und Truppen gewesen sei. Das sei möglich, aber warum habe er denn zu den jungen Soldaten sagen müssen, es gebe eine französische Armee, mit der man immer in dem Falle werde rechnen müssen, falls die diplomatischen Mittel nicht genügten. Damit diene man ir der Frankreich noch dem Frieden. Im übrigen erklärt das Blatt, daß es nicht General Guillaumat zustehe, eines Tages über die Mittel zu befinden, die an die Stelle der diplomatischen Verhandlungen gesetzt werden sollen, sondern dem Ministerpräsidenten, dem Minister für Auswärtige Angelegenheiten und dem Minister für die nationale Verteidigung. Der Haager Gerichtshof erkennt auf Schadenersatz im Chorzow=Streit. Die polnische Regierung verurteilt. Der Haager internationale Gerichtshof hat gestern nachmittag seine Entscheidung in dem deutsch=polnischen Chorzow=Streitfall bekanntgegeben. Die deutsche Regierung hatte bekanntlich in ihrer vom 8. Februar 1927 datierten Klage gefordert, daß die polnische Regierung zum Ersatz des Schadens verurteilt werden solle, der den bayerischen Stickstoffwerken und den Oberschlesischen Stickstoffwerken durch die widerrechtliche polnische Besitzergreisung der Stickstoff=Fabrik in Chorzow erwachsen ist. In seiner mit nenn gegen drei Stimmen gefällten Entscheidung hat der Gerichtshof gegenüber dem deutschen Klageantrag dahin erkannt, daß die polnische Regierung verpflichtet sei, an die deutsche Regierung eine der Höhe des entstandenen Schadens entsprechende Ersatzleistung zu zahlen. Die Höhe der Schadensersatzleistung soll erst später durch eine nene Entscheidung des Gerichtshofes bestimmt werden, da dieser erst das Sachverständigen=Gutachten hierüber einholen und sodann die Meinung der Prozeßparteien zu diesem Gutachten einholen will. Der Salzburger Juristentag zur Frage oder Landesjustiz? unterricht nicht zu denken war, müssen die Lücken in den Kenntnissen der Schüler ausgefüllt werden. Dies bedingt wiederum eine übernormale Beschäftitigung von 15 Lehrkräften.„Die Erhaltung der Ruhe und Ordnung sowie der Sicherheit der Bevölkerung mußte durch eine Vermehrung der städtischen Polizei erkauft werden Die ungeheuer gestiegene Abnutzung der Straßen durch den ununterbrochenen Verkehr der Besatzung, das alles sind Kosten, die der Stadt jährlich mehrere Hunderttausend Mark auferlegen. rechnerisch zu erfassen sind die Schäden allgemeiner Art, wie die stete Abnahme des Fremdenverkehrs, die Erschwerung des gesamten öffentlichen Lebens, der Versammlungs= und Vereinstätigkeit, der ständigen Ueberwachung durch die Sureté, der Wirtschafts= und Werkspionage, Beeinträchtigung der Presse usw. Sind auch keine Zahlen dafür einzusetzen, so bleibt doch die furchtbare Gewißheit, daß Millionen Mark durch die indirekten Lasten aufgesogen werden. Dazu kommen nun noch die Lasten, die durch die Grenzziehung, Abschnürung des Saargebietes entstanden sind. So wirken sich die Folgen der Besatzung im Leben des Einzelnen aus, die Folgen jener Besatzung, welchdie Schmach unseres Jahrhunderts ist. Wöchentlich mehrere Lohnzahlungstermine? Die Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels beschäftigt sich gegenwärtig mit der Realisierung eines Vorschlages des Staatssekretärs Prof. Dr. Julius Hirsch, der sich mit der Verteilung der Lohnzahlungstermine beschäftigt. In einem viel beachteten Aufsatz hat Prof. Hirsch angeregt, die Lohnzahlungstermine der Industrie über die einzelnen Wochentage zu verteilen, statt wie bisher am Freitag oder Sonnabend einheit lich alle Löhne auszuzahlen. Der deutsche Einzelhandel sieht als Folge einer Auseinanderlegung der Lohnzahlungstermine einen gewissen Ausgleich, insbesondere in der Umsatzbewegung des Einzelhandels. Der Einzel handel beklagt sich schon seit langem darüber, daß er unter den heutigen scharfen Schwankungen z. B. durch die regelmäßige Spitze am Wochenende, stark leide, weil er seinen gesamten Betriebsapparat auf diesen Punkt hoher Beanspruchung einstellen muß, so daß an den übrigen Tagen, an denen der Betriebsapparat nur höchst unvollkommen ausgenutzt ist, kostensteigernder Leerlauf die Folge ist. Der Einzelhandel steht weiter auf dem Standpunkt, daß die Auseinanderlegung der Zahlungstermine zwar die Umsatzschwankungen während der Woche nicht völlig aus der Welt schafft, aber doch dadurch eine fühlbare Betriebserleichterung und damit auch eine Kostensenkung eintreten wird. Von diesen Erwägungen ausgehend, will die Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels sich demnächst mit allen zuständigen und interessierten Stellen in Verbindung setzen, um eine Verwirklichung der von ihr ins Auge gefaßten Pläne durchzuführen. Wie weit ihr das freilich gelingt, bleibt dahingestellt, denn so nutzbringend die Umgestaltung für den Einzelhandel auch sein mag, so große Schwierigkeiten werden sich ihr von seiten der Industrie entgegenstellen, da die Umgestaltung ja doch eine völlige Aenderung der nach bestimmten Richtlinien aufgestellten Lohndispositionen in der Industrie und erhebliche Mehrarbeit zur Folge haben würde. Normaler Abschluß der Reichspost Wie verlautet, wird die Deutsche Reichspost den Abschluß für das Rechnungsjahr 1927 in den nächsten Tagen veröffentlichen. Die Bilanzziffern sowie die Bilans= und Verlustrechnung dürften bereits endgültig festliegen und ein Jahresresultat ergeben, das als normal bezeichnet werden kann. Der Gewinn beträgt bei einem Eigenkapital von mehr als 2½ Milliarden Reichsmark etwa 253 Millionen Reichsmark, während im Vorjahr gegenüber einem veranschlagten Gewinn von 208 Millionen nur ein solcher von 125 Millionen Reichsmark erzielt wurde. Inzwischen ist allerdings der Geschäftsumfang bei der Reichspost außerordentlich angewachsen. Die Ansprüche an das Unternehmen steigen noch immer. Entsprechend der erweiterten Frequenz des Betriebes weisen auch die übrigen Abschlußziffern eine Steigerung auf. Die Betriebseinnahmen stiegen auf 2,06 Milliarden Reichsmark gegenüber 1,7 Milliarden Reichsmark im Vorjahr. Die Abschreibungen sind mit 177,4 Millionen Reichsmark gegen 160,5 Millionen Reichsmark angesetzt. An das Reich werden aus dem Gewinn wieder 70 Millionen Reichsmark abgeführt. Die Zuweisung zum Eigenvermögen wird in der Gewinn= und Verlustrechnung gegenüber dem Vorjahresbetrag von 55,8 Millionen Reichsmark erhöht. Der Zuwachs des Sachvermögens der Reichspost ist im Rechnungsjahr 1927 um 91 Millionen Reichsmark geringer gewesen als im Vorjahre. Diese Ziffer ist um so bemerkenswerter, als die Post noch einen großen Bedarf an neuen Sachwerten hat, z. B. zur weiteren Automatisierung des Fernsprechwesens, die die Aufstellung von Automatenanlagen in einem Umfange notwendig macht, der auch die Schaffung von entsprechenden Räumlichketten usw. voraussetzt. Man verweist in Kreisen der Postverwaltung darauf, daß der Anleiheweg bisher nur in verhältnismäßig geringem Umfange in Anspruch genommen worden In der öffentlich=rechtlichen Abteilung des Deutschen Juristentages, die gestern im Mozarteum in Salzburg tagte, wurde Geheimrat Prosessor Dr. Triebel=Berlin zum Vorsitzenden gewählt. Zur Verhandlung stand die Frage, ob es das Interesse der Rechtspflege notwendig mache, das gesamte Justizwesen an das Reich zu übertragen. Senatspräsident Reichert vom Reichsgericht in Leipzig befürwortete die Uebernahme, während sie der Präsident des Bayerischen Obersten Landgerichts, Dr. Ritter von Unzner= München, bekämpfte. In der Debatte bekannte sich u. a. der Vizepräsident des österreichischen Bundesrates, Dr. Hugelmann, als Gegner der Verreichlichung der Justiz. Der Senatspräsident Dr. Lobe vom Reichsgericht Leipzig verirat den Standpunkt, daß wohl Staatsanwälte und Richter unbedingt Reichsbeamte sein sollten, im übrigen aber eine Verreichlichung der Justiz nicht erforderlich sei. Nach einer Aussprache, die sowohl die Vormittags= wie auch den größten Teil der Nachmittagssitzung beansprucht hatte, ergab die Schlußabstimmung 92 Stimmen für und 64 gegen die Verreichlichung. Ein Vermittlungsantrag Dr. Kahl=ReichertWunderlich sowie eine große Anzahl anderer Anträge wurden abgelehnt. Ein Zwischenfall. Ueber einen Zwischenfall im Zusammenhang wit dem Korreferat des Präsidenten des Obersten Bayerischen Landgerichts, Unzner, zur Frage der Verreichlichung der Justiz berichtet die„Voss. Ztg.“ u. a.: Unzners Korreferat war rein partikularistisch orientiert. Er sprach die Ansicht aus, daß ein Uebergang der Justiz auf das Reich zu einer starken Politisierung der Justiz führen würde. Schließlich verstieg er sich zu der Bemerkung, es würde einmal so kommen wie in Preußen,„wo die gegenwärtigen preußischen Koalitionsparteien die Bente unter sich verteilt haben“. Diese Bemerkung wurde mit lebhaften Entrüstungsrufen der Zuhörer beantwortet. Der Vorsitzende, Geheimrat Triepel, mußte eingreifen und den Redner zur Mäßigung mahnen. Unzner fuhr dann fort, er empfinde es als Treulosig keit gegenüber Bayern, wenn die Justiz mit Gewalt oder„auf trockenem Wege“ im Reiche aufgehen würde. Darunter müßte die Reichsfreudig keit leiden. Wenn wirklich der Einheitsstaat komme, dann müsse man sich fragen: Wie lange würde er wirklich dauern? Am Schluß der Unznerschen Rede gab der Vorsitzende noch einmal seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß die Aeußerung Unzners über Preußen doch besser unterblieben wäre. In der Mittagspause bemühte man sich, den Zwischenfall beizulegen. Erschwert wurde dies dadurch, daß sich herausstellte, daß Unzners Aeußerung nicht eine unfreiwillige Entgleisung darstellt, sondern daß sie inseinem Manuskript niedergeleat und mit Ueberlegung formuliert war. Der Vorsitzende des Deutschen Juristentages, Professor Kahl, hatte darüber Besprechungen mit Reichsminister Koch=Weser und dem preußischen Justizminister Dr. Schmidt. Eine Erklärung des Preußischen Instizministeriums. Im Verlaufe der Diskussion im öffentlichrechtlichen Ausschuß ergriff der preußische Justizminister Dr. Schmidt das Wort und erklärte: „Ich wollte mich heute nicht an der Diskussion in dem öffentlich=rechtlichen Ausschuß beteiligen. Ich habe auch heute früh zunächst kein Wort gesprochen, als Präsident Unzner seinen Angriff gegen Preußen richtete. Ich wollte nicht Oel in das Feuer gießen. Als alter Richter habe ich mir sehr wohl überlegt, wie ich mich zu verhalten habe. Ich bin aber jetzt zu dem Ergebnis gekommen, daß ich mich doch äußern muß. Meine Worte sollen nur dem Frieden dienen. Ich muß erklären, als Herr von Unzner seine Bemerkung machte, die ich hier nicht wiederholen will, war ich schwer verletzt. Ich habe sofort dem Vorsitzenden, Geheimrat Triepel einen Zettel geschrieben, in dem ich ihm mitgeteilt habe, daß ich persönlich verletzt sei und ihn bäte, ihn zu bewegen, daß er eine Erklärung dazu abgebe. Diese Verbalnote hat den Präsidenten Triepel veranlaßt, zu der Bemerlung Stellung zu nehmen. Das ist mir jedoch nicht genug. Ich muß formell nochmals Veiwahrung gegen die Aeußerungen des Herrn von Unzner einlegen. Ich bemerke nur, daß ich trotz allem der Ueberzeugung bin, daß der Deutsche Inristentag bei der Objektivität, die ihm wesenseigen ist, über derartige Dinge hinweggeht.“ Darauf ergriff Geheimrat Triepel noch einmal das Wort und erklärte auch seinerseits, daß er die Aeußerungen des Präsidenten von Unzner nicht billige. Wie lange noch? Unerhörte Leiden des besetzten Gebiets. Von F. O. Steiner. „Not im Westen“ und„Besatzungsnot“ sind zwei Ausdrücke. die heute öfter als je in den Erörterungen über die Rheinlandräumung auftauchen und geGraucht werden, um die Notlage zu bezeichnen, die einerseits durch die Grenzziehung im Westen, durch die Schaffung des Saargebietes und dessen Eingliederung in das französische Zollregime, anderseits durch die Besatzungsherrschaft entstanden ist und in erster Linie naturgemäß das Grenzgebiet und dessen unmittelbares Hinterland trifft. Wohl sind in den letzten Jahren, insbesondere seit der Stabilisierung der Mark, vielfach Mitteilungen, Berechnungen, Ergebnisse der Statistik bekannt geworden, in denen rechnerisch die Einflüsse festgehalten werden, welche die Besatzung auf das gesamte Wirtschaftsleben ausübt. Diese gewaltigen Schadensummen geben wohl ein geschlossenes Bild, lassen aber nicht ermessen, welchen Anteil die Grenzbevölkerung selbst zu tragen hat und unter welchen wirtschaftlichen und politischen Bedrückungen der einzelne Bürger leidet. Die beste Handhabe zur Errechnung der Einzellasten wirtschaftlicher Art bietet der Haushaltungsplan der kleinen Stadt, die das Spiegelbild des kommunalen Lebens am deutlichsten wiedergibt. Die nachstehenden Ausführungen fußen auf dem Haushaltungsvoranschlag einer kleinen Industriestadt im Nahe=Gebiet(dritte Besatzungszone) mit rund 11 000 Einwohnern. Diese Grundlage wurde gewählt, weil die darin zum Ausdruck kommenden Lasten einen Durchschnitt darstellen und somit für das ganze füdwestliche besetzte Gebiet gelten können. Natürlich halten die Zahlen keinen Vergleich mit den Lasten großer Städte, wie Mains, Wiesbaden, Koblenz aus. Die betreffende Stadt war vor dem Kriege dank ihrer Industrie (Gold= und Schmuckwaren, Edelsteinschleiferei) wohlhabend; es gelang der Verwaltung selbst bis zum Jahre 1925, den Etat auszugleichen. Seit Ende 1924 steht der Haushaltsplan unter den furchtbaren Auswirkungen der Besatzung. Die ungedeckten Fehlbeträge mehren sich von Jahr zu Jahr unaufhörlich, obgleich bisher die denkbar schärfsten Sparmaßnahmen ergriffen wurden, obgleich die Steuerleistung bis zu einer fast unerträglichen Grenze erzwungen werden muß. Die Katastrophe traf zuerst mit voller Wucht die Industrie. Die Abschnürung während der Periode des passiven Widerstandes zeitigte zwangsläufig den Verlust aller außereuropäischen Absatzmärkte. und zerbrach damit den ganzen Wirtschaftskörper. Rund 70 Prozent der gesamten Unternehmungen sind heute noch stillgelegt. Tausende von Menschen sind seit Jahren brotlos. Den Nachweis welchen Verlust diese Wirtschaftskatastrophe für die Stadt bedeutet, ergibt eine einzige Feststellung; die Einkommensteuerzuweisungen beweisen, nebeneinander gestellt, daß die Zuweisungen seit dem Jahre 1924 auf den fünften Teil gesunken, die kommunalen Ausgaben aber um den achtfachen Betrag gesteigert worden sind. Die deutlichsten Illustrationen des nackten Elends gibt die Erwerbslosenziffer. Der Reichsdurchschnitt auf je 1000 Einwohner betrug(zur Zeit der Errechnung) 18 Hauptunter stützungsempfänger, der preußische Landesdurchschnitt 17,8 und für diese Stadt 48,4. Die Belastung durch Notstandsarbeiten beträgt nach einer vorsichtigen Schätzung rund 50 Mark auf jeden Kopf der Ein wohnerschaft. Nun einige andere Zahlen. Die Zahl der von der Besatzung beschlagnahmten Wohnungen beträgt rund 10 Prozent und bedingt eine weit in tensivere Bautätigkeit der Stadt; die Stadt verfügte bis zur Besetzung über 59 Schulfäle; von diesen sind 42 Säle beschlagnahmt und in Kasernen umgewandelt worden. In dieser Zahl sind die beschlagnahmten Turnhallen, sämtliche öffentlichen Säle und Hallen nicht enthalten. Beschlagnahmt wurden ferner die Seuchen= und Desinfektionsanstalten und der größte Teil des Krankenhauses Die Stadt mußte, wie andere Städte des Besetzten Gebiets auch, Ersatbauten schaffen:Neue Schulgebäude(für rund 1 Million Mark), Lazarettbauten, Wasserleitungen, Barackenviertel, Lichtleitungen, Straßenbauten. Nur diese eine Gruppe Besatzungslasten zusammengezogen ergibt bei Einstellung der auf ein Fünftel verringerten Einnahmen eine Verschuldung, die ein Vielfaches eines Jahresetats beträgt. Zu diesen wichtigsten direkten kommen noch zu erst die erfaßbaren indirekten Lasten. Die Ersatzbauten stellen einen stets wachsenden, unproduktiven Hausbesitz dar, die Uebernahme der Reichswohnbauten desgleichen. Da vom Jahre 1918 bis in die jüngste Zeit infolge Mangels an Unter richtsräumen an einem vollkommen geregelten Schü Gandels=Nachrichten. Wagengestellung für den Ruhrbezirk. Für den Versand von Kohlen, Koks und Bri ketts wurden am 12. September 1928 für das Ruhrgebiet angefordert und gestellt 24 499 Wagen, gerechnet zu je 10 Tonnen; beladen zurückgeliefert wurden am gleichen Tage 23772 Wagen, gefehlt haben keine. Entlassungen bei der„Vereinigte Waggonfabrik A.=G., Abt. Hagen. Wie wir von der Verwaltung des Unternehmens erfahren, ist der Antrag auf Entlassung weiterer 75 Arbeiter gestellt worden, dem auch aller Voraussicht nach entsprochen wird. Ob das Werk, das normalerweise etwa 500 Arbeiter beschäftigt, in nächster Zeit ganz stillgelegt wird, ließe sich noch nicht sagen, jedoch seien die Aussichten des Geschäftes sehr schlecht zu beurteilen. Bergbau= und Hütten A.=G. Friedrichshütte, Herdorf. Die Beschäftigung der Bergbau= und HüttenA.=G. Friedrichshütte in dem am 30. Juni abgelaufenen Geschäftsjahr 1927/28 war entsprechend der Gesamtlage der Siegerländer Industrie nicht sehr befriedigend. Ueber das finanzielle Ergebnis der Gesellschaft, die im vergangenen Jahre dividendenlos blieb, lasse sich jedoch zurzeit noch nichts sagen, da die abschließenden Arbeiten noch nicht beendet sind. Die Bilanzsitzung wird voraussichtlich in der ersten Hälfte Dezember stattfinden. Kabelwerke A.=G., Rheydt. Der Aufsichtsrat der Kabelwerke A.=G. Rheydt beschloß, der auf den 20. Oktober einzuberufenen H.=V. für das Geschäftsjahr 1927/28 die Verteilung einer Dividende von 12 Prozent(wie im Vorjahr) vorzuschlagen. A.=G. für Eisenindustrie und Brückenbau vorm. Johann Caspar Harkort=Duisburg. Nach dem nunmehr vorliegenden Geschäftsbericht für das am 31. Dezember 1927 abgelaufene Geschäftsjahr weist die Gesellschaft einen Betriebsüberschuß von 410386(926 265) RA sowie Einnahmen aus Grundstücksverkäufen von 553 832 R.K aus. Generalunkosten, Steuern und soziale Lasten belaufen sich auf 759 531(750 409) R.N, so daß nach Abschreibungen von 180 974(117671) R und unter Verrechnung des 33148 NN berragenden Vorjahrsvortrages ein Verlust von 496970 R.K (gegenüber 93 148 RN Reingewinn im Vorjahre) verbleibt. Der Verlust soll zum Vortrag gebracht werden. Im Geschäftsbericht ist u. a. ausgeführt, daß das abgelaufene Geschäftsjahr eine weitere Verschlechterung des deutschen Eisenbaumarktes gebracht habe und einen unbefriedigenden Verlauf genommen habe. Auch der Auftrag für den Bau der Rheinbrücke bei Köln=Mülheim könne erst im Geschäftsjahr 1929 fertig gestellt werden, so daß die Abrechnung nicht früher erfolgen könne.— Einige andere, vornehmlich Reparationsaufträge, gelangten erst im laufenden und nächsten Jahre zur Ausführung. Die Leistungsfähigkeit der Anlagen hätte infolge unbefriedigenden Auftragseinganges nicht voll ausgenutzt werden können, die Produktion des Geschäftsjahres sei wesentlich hinter der des Vorjahres zurückgeblieben. Erst gegen Ende des Jahres habe sich der Auftragsbestand gebessert, so daß die Entwicklung des laufenden Geschäftsjahres nicht unbefriedigend beurteilt wird. Das Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres würde in erster Linie von der künftigen Gestaltung des Eisenbaumarktes abhängen. In der Bilanz erscheinen Gläubiger mit 1,96(1,83) Mill. R.N, erhaltene Abschlagszahlungen mit 1,34(0,45) Mill. R.M, demgegenüber sind Schuldner in laufender Rechnung mit 0,45(0,66) Mill. R.K. unvollendete Bauten mit 1,45(0,63) Mill. K.A, Wertpapiere und Beteiligungen mit 0,33(unv.), Kassenbestand mit 0,007(0,10), Bankguthaben mit 0,06(0,17), Vorräte mit 0,42(0,37) Mill. RK ausgewiesen. Preiserhöhung im rheinischen Braunkohlenbergbau. Zu Pressemeldungen über einen Preiserhöhungsantrag im rheinischen Braunkohlenbergbau erfährt W. T.=B.=Handelsdienst aus Kreisen des Rheinischen Braunkohlensyndikates, daß bisher ein Beschluß über Stellung des Antrages nicht gefaßt worden ist. Ebensowenig seien die amtlichen Stellen offiziell von der Stellung eines Antrages unterrichtet worden. Alle diesbezüglichen Meldungen seien zu mindesten als verfrüht zu bezeichnen, da erst in der nächsten Woche eine Sitzung des Rheinischen Braunkohlensyndikats stattfinden wird, die sich mit der Frage einer Preiserhöhung befassen soll. Dortmunder Produktenbörse. An der hiesigen Getreidebörse notieren(Die Preise verstehen sich für 100 Kilo waggonfrei Dortmund bei Abnahme von Waggonladungen): Inl. Weizen 21,75, inl. Roggen 21, Weiß=Hafer 21,50, Pomm. Hafer 23, inl. Gerste—, ausl. Weizen: 25—27, ausl. Roggen 25,50—26, ausl. Hafer 23,75—25,50, ausl. Gerste 20—21, PlataMais 20—20,25, Cinquantino=Mais 22, Bäcker= mehl 31,50—32, Weizenmehl—. Roggenmehl 31,25—31,50, Ostpr. Roggenmehl 30—30,50, Weizenkleie 13,75—14, Trockenschnitzel—, Zuckerschnitzel 23,50—24. Tendenz sehr ruhig. 2. Blatt Freitag, den 12. September 1928 Nr. 217 Aus der Heimat. (Der Nachdruck unserer Originalberichte ist nur mit Quellenangabe gestattet.) Taaesspruch. Ein Freund ist eine Seele in zwei Körpern. Aristoteles. * Gedenktage. 14. September: 1321 Der italienische Dichter Dante Alighieri in Ravenna gest. 1760 Der italienische Tonkünstler Luigi Cherubini in Florenz geb. 1769 Der Naturforscher Alexander von Humboldt in Berlin geb. 1812 Napoleon I. erscheint vor Moskau. 1817 Der Dichter Theodor Storm in Husum geb. 1851 Der amerikanische Schriftsteller James Cooper in Cooperstown gest. 1887 Der Aesthetiker Friedr. Vischer in Gmunden gest. 1901 Ermordung des nordamerikanischen Präsidenten Mac Kinley, Roosevelt wird Nachfolger. * Wetterbericht. (Nachdruck verboten.) Das Hochdruckgebiet hat sich weiter verstärkt und beherrscht die Witterung Mitteleuropas, während das gestrige Teiltief über der Ostsee sich verflacht und zurückgezogen hat. In Deutschland war es heute früh trocken und ziemlich heiter, nur stellenweise neblig bei 8 bis 15 Grad Wärme. Der Kahle Asten meldet mäßigen Südwestwind, bedeckten Himmel und 7 Grad. Vorhersage bis Sonntag: Meist trocken und ziemlich heiter bei wenig geänderten Temperaturen.— Thermometerstand 11 Uhr: 16. Grad. Tagung der Evangelischen Frauenhilfe des Hattingen. Hattingen. Warnung vor der Fremdenlegion. Der Landesarbeitsamt Rheinland teilt uns mit: Seit längerer Zeit schweben Verhandlungen über den Bau einer Talsperre in Südfrankreich durch deutsche Unternehmer und deutsche Arbeiter zu Lasten des Reparationskontos. Ob es zu diesen Arbeiten kommt, steht noch nicht fest, da maßgebende französische Behörden bisher nicht bereit waren, ihre Zustimmung zu erteilen. Die Vorbereitungen zur Aufnahme der Arbeiten sind getroffen. Insbesondere ist auch bereits ein Werbebureau bestellt, das mit Genehmigung des Landesarbeitsamtes und im Einvernehmen mit den Arbeitsämtern die erforderlichen Arbeiter anwerben soll. Nur diese Stelle hat die zur Vermittlung deutscher Arbeiter ins Ausland erforderliche Genehmigung des Landesarbeitsamtes erhalten. Anwerbung von Arbeitskräften nach dem Auskand ohne Mitwirkung der Arbeitsämter ist strafbar. Vor einigen Wochen sind zwei Bauarbeiter durch einen unbekannt gebliebenen Agenten mit der Behauptung von ihrer Baustelle weggeholt worden, sie seien für den Bau der oben erwähnten Talsperre in Südfrankreich vorgesehen. Sie müssen sofort abreisen. Ihre Familien würden entsprechend benachrichtigt werden. Die beiden Arbeiter sind daraufhin, ohne sich von ihren Familien zu verabschieden, sofort nach Frankreich abgereist. Trotzdem inzwischen vierzehn Tage verstrichen sind, haben ihre Familien keinerlei Nachricht erhalten. Es besteht daher der Verdacht, daß die beiden Leute von Agenten zur französischen Fremdenlegion verschleppt worden sind.— Das Landesarbeitsamt Rheinland erbittet dringend, in ähnlichen Fällen sofort Anzeige bei der nächsten Polizeibehörde zu erstatten. — Freiwillige Fachkurse an der Berufsschuke zu Hattingen. Zum Herbst ds. Irs. wird ernent ein Kursus für Freiwillige eingerichtet. Der Unterricht erstreckt sich auf die Fächer: Deutsch, Algebra, Geometrie, Physik, Zeichnen, Mechanik, Maschinenelemente, Elektrotechnik und Technologie.(S. Anzeige.) — Kirchliche Gemeinschaft, Schulstraße 41. Heute abend 8,30 Uhr und morgen(Samstag) abend 8.30 Uhr, hält Herr Fischer aus Essen Evangelisationsvorträge. Herr Fischer steht in der Trinkerrettungsarbeit und wird aus seiner Arbeit erzählen. Jedermann ist zu diesen Vorträgen herzlich eingeladen.— Die Jugendbundstunde findet Sonntag ausnahmsweise nachmittags 5 Uhr statt. Abends 8 Uhr ist Brüderversammlung der Gemeinschaft. S. Ins. — Jugendführerlehrgang in Botanik. Die Teilnehmer treffen sich Sonntag, den 16. Sept., am Landratsamt, Bahnhofstraße— Kreisstraße. Abmarsch 8,30 Uhr.(Exkursion zur Ruhr.) — Der Gardeverein lädt in heutiger Nummer seine Mitglieder zu einer außerordentlichen Monatsversammlung ein. — Der Evangel. Gesellenverein macht auch an dieser Stelle seine Mitglieder auf den am Samstag, dem 15. ds. Mts., abends 8 Uhr, auf der Schulenburg stattfindenden Unterhaltungs abend aufmerksam.(Siehe Inserat.) Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß von Einführungen wegen der beschränkten Räumlichkeiten abzusehen ist. Turnverein Winz=Baak 1878. An dieser Stelle weisen wir unsere Mitglieder auf die am Samstag abend 7,30 Uhr stattfindende Monatsversammlung hin. Da wichtige Fragen zu lösen sind, ist es Pflicht der Mitglieder, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Die Mitglieder, welche am 16. September an die Verbandskämpfe(Schwerathletik) in Essen teilnehmen, treffen sich 6,30 Uhr am Hattinger Bahnhof. Abfahrt 6,48 Uhr. Die diesjährige Kreistagung des Kreisverbandes Hattingen der Evangelischen Frauenhilfe fand am gestrigen Tage wiederum, wie im Vorjahre, in Hattingen statt. Die Veranstaltung, die in großzügiger Weise mit unendlichen Mühen und größter Umsicht vorbereitet worden war, konnte, dank des ausgezeichneten Spätsommerwetters, in jeder Hinsicht den gehegten Wünschen entsprechend zur allgemeinen Zufriedenheit der großen Zahl der Teilnehmer durchgeführt werden. Ueber 1700 Frauen aus den 24 Vereinen des Kreisverbandes Hattingen waren der Einladung zu der Kreistagung gefolgt, die sich angesichts der riesigen Teilnahme und des überaus harmonischen Verlaufes zu einer machtvollen Kundgebung für den tiefen Gedanken der Nächstenliebe und dem hohen ethischen Wert, der im Dienst der evangelischen Frauenhilfe ruht, gestaltete. Klarblauer Himmel, von keinem Nebelwölkchen getrübt, sandte vom riesigen Firmament seine wärmenden, goldenen Sonnenstrahlen erleuchtend in den grauen Alltag, als sich am gestrigen Nachmittag um 3 Uhr unzählige Mitglieder der Frauenhilfe aus nah und fern auf dem St. Georas=Kirchplatz eingesunden hatten. Eine Kapelle leitete hier diese kurze Zusammenkunft mit der Motette„Die Himmel ruhmen des Ewigen Ehre“ ein. Herr Pastor Arendt=Hattingen fand Worte herzlicher Begrüßung und des Willkommens und ging in seinen weiteren Ausführungen auf den Zweck der Veranstaltung ein Die Fraue sie nicht allein großen Verbandes gleichgesinnter Frauen seien. Zum andern solle die Veranstaltung anregen und festigen in der Treue zum Evangelium. Mit dem Gesang des Liedes„Ein feste Burg ist unser Gott“, unter Begleitung der Musikkapelle, klang die schlichte Begrüßungsfeier aus. Die Teilnehmer formierten sich alsdann zum Festzug. Eine unendliche Kette von Menschen bewegte sich von der Emsche unter den Klängen der Hattinger Feuerwehrkapelle durch die mit Kirchenfahnen und blau=weißen Wimpeln geschmückten Straßen zu dem evangelischen Gemeindehans, der Schulenburg und anderen Lokalen, wo ein gemeinsames Kaffeetrinken stattfand. Die auf der Schulenburg anschließend vor sich gehende Feier wurde durch Ansprachen, Musikvorträge der Feuerwehrkapelle Hattingen und durch Gesangvorträge des Lindener Frauenchors unter der Stabführung von Herrn Lehrer Neuhaus würdig und eindrucksvoll umrahmt. Nach dem Kaffeetrinken im evangel. Gemeindehaus brachten hier der Hattinger Frauenchor unter Leitung von Herrn Rektor Brämer den 103. und 101. Psalm und die Vereinigten Posaunenchöre des Ev. Jünglingsvereins und des Ingendbundes für e. C. von Hattingen und Stüter unter der Stabführung von Herrn Lewer einige Choräle zu Gehör. Gegen 5 Uhr begaben sich dann die im Gemeindehaus erschienenen Teilnehmer in geschlossenem Zuge in die St. Georgkirche. Die Feierstunde in dem gefüllten Gotteshause eröffnete das gemeinsamgesungene Lied „Lobe den Herrn..., das abwechselnd von der Orgel und den Posaunenchören begleitet wurde. Darauf ergriff Herr Pastor Lic. D. Beckmann, Soest, das Wort zu einer Ansprache, der er das Thema„Die Fran braucht die Kirche“ zugrunde legte. In den tiefgründigen Ausführungen wurde betont, daß die Frau in ganz besonderem Sinne die Kirche braucht. Der Geistliche kam dann auf das Heidentum zu sprechen, wo die Frau zur Sklavin verdammt ist, und wies darauf hin, daß heute noch Frauen ihr Leben und ihr Heiligstes verkaufen, gebannt von der Lust und den Götzen der Welt. Wo heiliges Feuer lodern sollte, brennt die Flamme der Lust und nicht des Geistes. Die Frau braucht die Kirche, weil sie das Evangelium der Erlösung bringt und Ewigkeitsschein in das Dunkel des Alltags gibt, und weil sie ihr sonst Ziel und Glanz des Lebens nimmt. Die Kirche umschließt das Leben, Haus und Familie, die zugrunde geht da, wo die Kräfte der kirchlichen Gemeinde beiseite geworfen sind. Wenn die Welt der Familie die Frau ihr eigen nennt, macht sie ihren Dienst zum Dienst Gottes. Das hohe Lied von der deutschen Frau wird ausgesungen sein, wenn sie die Gemeinschaft bildende Kraft der Kirche verwirft.— Zum Schluß erging die Mahnung: Vergeßt nicht, daß ihr die Kirche braucht und die Kirche euch. Das Lied„O selig Haus, wo man dich aufgenommen“, leitete zu der Ansprache von Frl. Brenne=Hagen, Sekretärin des Kreisverbandes der Frauenhilfe, über. Der Frage„Was wurde in unserer Zeit?“, in der das Wirken im öffentlichen Leben der Fran ihr Ansehen gibt, stellte Rednerin als Forderung der Zeit das Schaffen der Frau in der Stille der Familie entgegen. Das Volk hat eine Seele, die an Reinheit, Zielen und Frömmigkeit so lebendig war und sich in den Männern unseres Volkes so wunderbar offenbart hat. Diese Volksseele ist heute in Not, weil man heute die Verbindung der Seele mit Gott zu lösen versucht und die Heiligkeit dem Gespött der Straße preisgibt. Volksseele in Not! Dieser Mahnruf an die Frauenwelt, die ihr anvertrauten seelischen Schätze durch stilles Wirken in der Familie zu wahren, während der Mann den öffentlichen Dienst vertritt, ist die weitaus größte Bedeutung für das Volk. Im Anschluß an diese Rede stimmte der Frauenchor Hattingen ein weiteres Lied an, dem noch ein gemeinsamer Gesang folgte. Zum Schluß ergriff dann noch Herr Pastor Kockelke=Münster das Wort über das Thema: „Soziales Verantwortungsgefühl“, dem er die Worte der Heiligen Schrift, Matthäus sun fändes sondern Mitglied eines 2 Ders 4, zugrunde legte. Als ein Appell an llein ständen, sondern Mitglied eines das Gewissen zur tatenfrohen Hilfsbereitschaft an die, die am Rande des Lebens und im Elend stehen, deutete er die obigen beiden vielsagenden Worte. Aus den Begriffen Krieg, Inflation und Rationalisierung kommt der Strom der Not heraus— losgelöst von dem, was wir einst unser eigen nannten. Aus der rauhen Wirklichkeit, dem kümmerlichen Leben der Obdachlosen und Elenden brachte der Redner einige packende Beispiele und mahnte, in die Not hinein zu gehen und zu erlösen, nicht aber den großen Trennungsstrich zu führen, sondern auch diesen Meuschen mit Bruderliebe zu begegnen. Er erinnerte an den alten Vater Bodelschwingh, der ein Freund der Brüder von der Landstraße war, von welchen einer die Worte prägte: Er(Bodelschwingh) ist mir mehr gewesen als mein Vater. In der Liebe zum Nächsten besteht soziales Verantwortungsgefühl in der selbstsüchtigen Zeit. Zum Schluß führte der Redner noch die Worte des Vaters Bodelschwingh an, die dieser auf dem Sterbebette ausgesprochen hat: Wenn ich auch nichts mehr kann, eins kann ich noch, ich kann noch liebhaben—, und gab den Anwesenden die Frage mit auf den Weg: Kannst dn noch liebhaben?——— Mit dem Liede„Liebe, hast du... und dem Gebet des Herrn nahm die erhebende Feier in der Kirche ihren Abschluß. Wiederum formierte sich die große Zahl der Teilnehmer auf dem St. Georg=Kirchplatz zum Zuge, der nun unter den Klängen der Posaunenchöre sich zum Schützenplatz an der Schulenburg begab. Hier fand gegen 7 Uhr die Schlußfeier statt. Herr Pastor Baumer aus Linden sprach das Schlußwort an die große Festversammlung, nachdem die letzten Akkorde des Liedes„Harre meine Seele“ verklungen waren. Langsam senkte sich der Abend und die düstere Nacht herab, als die letzten Finger der strahlenden Sonne versanken fernab am Horizont im Schatten der Berge und Wälder. Symbolisch ließ Herr Pastor Bänmer die Stunden des heutigen Erlebten durch Worte der Tiefe und Innerlichkeit im inneren Menschen machtvoll in der goldenen Stille des Abends widerklingen. Eine Stunde des Besinnens und der Erbauung, in Gedanken Rückschau haltend auf den vergangenen Tag, sollte es sein, gestärkt durch die Kraft und Treue im Dienst der evangelischen Frauenhilfe. Herr Pastor Arendt dankte Gott für den köstlichen Herbsttag, den er geschenkt hat und auch allen denen, die zum vollen Gelingen der Feier beigetragen haben. Er gab dem Wunsche Ausdruck, daß der Tag nicht nur eine Erholung, sondern ein Weckruf zu neuer Treue sein und bleiben möge Mit dem zweiten Vers des Liedes„Nun danket alle Gott“ klang die Feier auf dem Schützenplatz aus. beitet man an der Ausschachtung und Betonierung für die Pfeiler(Stützen). Die Eisenkonstruktionen, Stützen, Kübel und Seile liefert die Firma Bleichert in Leipzig=Gohlis. Zwei Winkelstationen werden errichtet, und zwar eine bei der Ziegelei in Bredenscheid und eine auf dem Homberg bei Hattingen. Niederbonsfeld. „ Bettlerplage. In letzter Zeit nimmt das Betteln wieder überhand, besonders in den abgelegenen Häusern der Winzermark, Balkhausens und des Wodantales. Wir raten, die Bettler einmal genau in Augenschein zu nehmen und sich die Ausweispapiere vorlegen zu lassen; denn vielfach hat man es auch mit einem Schwindler zu tun. Weiterhin möchten wir nochmals darauf hinweisen, daß die Wohlfahrtsämter Gutscheine über 5 Pfennig verausgaben, die an Vettler verabfolgt werden können. Sollte ein Bettler diesen Schein nicht in Empfang nehmen und obendrein noch frech werden wollen, so benachrichtige man sofort die Polizei. Altendorf. — Reichsjngend=Wettkämpfe. Am kommenden Sonntag werden auf dem Platze der SpV. 1913 Altendorf die diesjährigen Reichs=Jugendwettkämpfe ausgetragen. Wir möchten an dieser Stelle auf diese Veranstaltung nochmals besonders hinweisen und auf den Wert, den der Sport für die Jugend hat. Durch diese Schulwettkämpfe soll die Jugend für den Sport gewonnen werden. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es nötig, daß auch die Eltern der Schüler für die Kämpfe ein regeres Interesse zeigen als bisher.(Näheres in der Sportbeilage.) Sprockhövel. Ein diebischer Hausierer. Bei dem Landwirt B. am sogenannten Timpten wurde ein auswärtiger Hausierer dabei abgefaßt, als er aus dem Waschraum ein paar Schuhe verschwinden lassen und einpacken wollte. Der diebische Hausierer gelangte zur Anzeige. — Anlage einer Tankstelle. An der Hauptstr., zwischen den Häusern Nocke und Schaub, solk in nächster Zeit eine Benzoltankstelle errichtet werden. „Es war..“ Zu den erlesensten und gelesensten Werken Hermann Sudermanns gehört sein wundervoller ostpreußischer Roman„Es war“. Er schildert da das Leben auf den ostpreußischen Rittergütern mit unglaublicher Plastik. Er veranschaulicht Gegensätze, Hemmungen, tiefe Konflikte, die sich zwischen Welt und Heimat entspinnen; er zeichnet mit scharfem Strich das eigenartige Milieu. Er malt es mit einer tiefen Liebe, aber nicht immer mit Nachsicht. Er kennt wie kein Zweiter die Schwächen des Volkes seiner Heimat, aber er weiß auch seine Vorzüge zu schätzen. Schon oft hat es den Filmdichter gereizt, diesen gigantischen Stoff auf das Zelluloidband zu bannen. Clarence Brown, der große Regisseur, hat es gewagt. Es ist nicht die Welt von Berlin und Paris. Menschen, die einfach sind im Denken und klar im Wollen. Eine barte und starke Rasse mit alter Zucht. Glanzvoll ist der Film geworden, der einen der schönsten Romane des Dichters und eines der gewaltigsten Werke der Weltliteratur zur Grundlage hat. John Gilbert, der große Heldenliebhaber, steht in„Es war“ auf dem Höhepunkt seiner Meisterschaft.— Greta Garbo! Seit„Gösta Berling“ gehört sie zu den Sternen des Filmhimmels. Engel und Satan, das ist die Felicitas in„Es war“, und Lichtgestalt und Dämon, das ist Greta Garbo.— Auch Lars Hanson gehört seit seinem„Gösta Berling“ zu den bewundertsten und beliebtesten Darstellern, er gehört zu den stärksten Begabungen des Films. Die Rolle des Ullrich von Kletzingk in„Es war“ schien Lars Hansons Begabung besonders zu entsprechen, denn hier handelt es sich um die Verkörperung eines seelisch komplizierten. zarten und sensiblen Menschen. Solche Rollen spielt er mit großer Vorliebe und mit großer Kunst.— Dieser Film ist ein Entzücken für jedes Auge. Nie wird man ihn vergessen. Aufregend, unendlich spannend bis zum letzten Bilde ist der Kriminal= und Detektiv=Film„Belphegor— Das Rätsel der Kriminalistik“.— Sonntag nachmittag ist um 2,30 Uhr große Jugendvorstellung.(Siehe das heutige Programm.) Stiepel. Aufforstung. Größere Teile des Henkenberges und Finkensiepens sind im vorigen Jahre mit Unterstützung des Kreises aufgeforstet worden. Die jungen Bäumchen find zum größten Teike angegangen. Das Betreten der jungen Schonungen ist verboten. Trotzdem wird beim Pflücken des Heidekrautes, besonders an den Sonntagen, wenig Rücksicht auf die jungen Schonungen genommen. Dann glaubt man auch diese Plätze als Lagerstätte benutzen zu können. So werden zahlreiche junge Pflänzlinge zertreten. Hoffentlich tragen diese Zeilen dazu bei, diesem Unfug ein Ende zu machen. — Kirchenwahlen. Für die Kirchenwahlen am 18. November ist die Kirchengemeinde in die drei Wahlbezirke Haar, Dorf und Buchholz eingeteilt. Auf den Stimmbezirk Haar entfallen 20, auf Dorf 13 und auf Buchholz 7 Vertreter. Linden-Dahlhausen. Naub auf ofsener Straße. Wegen verübten Raubes wurde der Maschinist Sch. aus Dahlhansen zur Anzeige gebracht. Ein gewisser Ew. L. hatte den Genannten einen Betrag in Höhe von 10 Mark geliehen und als Sicherheit einen Krankenschein von Sch. entgegengenommen. Am 7. September hatten sich die beiden in der Wirtschaft Schiller auf der Königstraße getroffen und hier lustig gezecht. Gegen 10 Uhr abends bot sich Sch. an, seinen Freund nach Hause zu begleiten. Kaum hatten die Zecher dem Lokal den Rücken gewandt, als Sch. dem L. auf der Königstraße einen Schlag ins Gesicht gab und ihm den Krankenschein gewaltsam aus der Rocktasche stahl, den L., wie Sch. bebanptet, in der Wirtschaft habe versetzen wollen. Dies entspricht jedoch, wie die Be weisaufnahme ergab, nicht den Tatsachen. L. kehrte nach diesem Vorfall, von Sch. gefolgt, zur Wirtschaft zurück. Dort stritt Sch. den Nanb ab, zog es jedoch vor, als man auf den Krankenschein in seiner Hand aufmerksam wurde und die Angaben des L. bestätigt wurden, die Flucht zu ergreifen. Sch. wird sich nun vor dem Strafrichter zu verantworten haben. — Leichtsinniges Verhalten. Der Kaufmann L. aus Hattingen passierte die hiesige Bochumer Straße in Richtung Hattingen. An der Kreutzung der Verbandsstraße, wo zurzeit Kanalisationsarbeiten ausgeführt werden, begegnete er dem Fuhrunternehmer F. aus Bochum. Dieser lief direkt in die Fahrrichtung des Motorrades gegen die Lenkstange, so daß beide zu Boden stürzten und erhebliche Hautabschürfungen davontrugen. Glücklicherweise trugen sie keine schwereren Verletzungen davon. Nach den Aussagen der Zeugen trifft den Fuhrunternehmer die Schuld, der angeblich betrunken gewesen ist. Herbede. Die Mutterberatung findet am Montag, dem 17. September, nachmittags von 3 bis 4 Uhr, im Helenenstift statt. — Nach der im Anzeigenteil erschienenen Bekanntmachung der Kassenverwaltung sind die fälligen Steuern und sonstigen Rückstände nunmehr spätestens bis zum 18. ds. Mts. zu zahlen. Nach Ablauf dieser Frist beginnt die zwangsweise koder Kosten und Zinsense zahke pünktlich bis zum 18. ds. Mts. Nieder-Stüter. — Mit den Vorarbeiten für die Seilbahn von „Alte Haase“ nach dem Elektrizitätswerk in Hat tingen ist nun von der Firma Friedr. Müller A. G. in Bochum, Hoch=, Tief= und Eisenbetonbau, be gonnen worden. An mehreren Stellen in den Bergen bei Alte Haase, der Schule der kleinen Kuh, der Ziegelei beim Bahnhof Bredenscheid arZwei Toke bei einem KraftwagenUnfall. Frankfurt(Oder), 14. Sept. In Grünberg in Schlesien wurde gestern ein Krastwagen an einem Bahnübergang der Weststernberger Kleinbahn bei Anritherbrücke vom Zuge erfaßt und zertrümmert. Von den Insassen wurde der Kaufmann Franz Denzien und Georg Freitag sofort getötet, während ein dritter Insasse einen Schädelbruch erlitt. Eine ganze Bank als Falschmünzerwerkstatt. Athen, 13. Sept. Die griechische Polizei ist einer großen Falschmünzerei auf die Spur gebommen. Seit mehreren Jahren wurden in zwei Werkstätten falsches Geld geprägt und gedruckt. Hergesteilt wurden ägyptische, türkische und englische Gold= und Silbermünzen, sowie griechische Banknoten. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen, so die eines Bankiers mit seinem gesamten Personal; ferner einige Geldwechsler. Weitere Verhaftungen stehen bevor. Drei italienische Bahnarbeiter überfahren. Venedin, 14. Sept. Drei Bahnarbeiter wurden heute von einem Schnellzuge erfaßt und getötet. Die heutige Nummer umfaßt 16 Seiten! Verantwortlich für die Redaktion: Ad. Beineke in Hattingen. (Für unverlangt eingesandte Manuskripte wird keine Gewähr übernommen.) Die Bedrückungen des Deutschtums in Südtirol. Im Steeler Jugendheim hielt Redakteur Pohlenz von der deutschen Zeitung„Landsmann“ in Bozen einen Vortrag über die Leiden der Grenzlanddeutschen unter italienischem Joch. Redner verbreitete sich vor allem sehr eingehend über die Schulverhältnisse in Südtirol und führte hierüber u. a. aus: „Die am meisten geplagte deutsche Minderheit ist ohne Zweifel die Bevölkerung Südtirols. Seit über eineinhalb Jahrtausenden ist das Land durchaus deutsch. Deutsche Bauern machten das wilde, bergische Gelände urbar, und diesen kerndeutschen Stamm will die faschistische Regierung in einigen Jahren italianisieren. Das Deutschtum in Südtirol soll vernichtet, ausgerottet werden. Den Tirolern werden die deutschen Kulturgüter vorenthalten und der brutalsten Mittel bedient sich der Faschismus, um Südtirol zu entdeutschen. Als Südtirol im November 1918 von italienischen Truppen besetzt wurde, versprachen der kommandierende italienische General, die führenden Staatsmänner und selbst der König Italiens den Deutschen Südtirols alle wünschbaren Rechte und Freiheiten. Danach sollte vor allen Dingen die deutsche Sprache in Tirol Landessprache bleiben, die deutschen Schulen und Vereine sollten fortbestehen und die deutsche Bevölkerung sollte sich selbst verwalten. So konnte der vom Mutterland getrennte Volksstamm hoffen, im Rahmen des fremden Staates doch noch recht und schlecht leben zu können. Aber es kam an Von all diesen Versprechen wurde nicht eins gehalten, als Mussolini zur Herrschaft und der Faschismus zur Macht in Italien gelangte. Der erste vernichtende Schlag gegen die Südtiroler wurde von den Faschisten im Jahre 1923 geführt, als durch ein unerhörtes Gesetz bestimmt wurde. daß alle deutschen Volksschulen, sowie sämtliche höheren Lehranstalten aufgehoben seien. In seinen Ausführungen bestimmte das Gesetz, daß die deutsche Sprache als Unterrichtssprache abgeschafft und statt dieser die italienische Sprache an allen Schulen zu lehren sei. Sofort begann man mit der Durchführung dieses Gesetzes und schon im Jahre 1927 gab es in ganz Südtirol, der Heimat von 230000 Deutschen, nicht eine einzige Schulklasse, in der die deutsche Muttersprache gelehrt wurde. Diese Neuordnung brachte viele Schwierigkeiten mit sich, aber mit faschistischen Gewaltmitteln wurden sie überbrückt. Deutsche Lehrkräfte, die sich weigerten, in den Schulen ausschließlich in italienischer Sprache zu unterrichten, wurden ihres Amtes enthoben und zum größten Teil aus der Heimat ausgewiesen. Deutsche Lehrer, die nicht die italienische Sprache beherrschten, mußten nach einigen Monaten Sprachprüfungen ablegen und beweisen, daß sie der italienischen Sprache vollkommen mächtig seien. Wer bei der Prüfung durchfiel, war entlassen. Und alle entlassenen Lehrkräfte sind nicht pensionsberechtigt. Trotzdem so die meisten deutschen Lehrkräfte entlassen wurden, blieb noch eine Anzahl zurück, und diese wurden anfangs selbst von deutscher Seite gering eingeschätzt, aber die Zeit hat bewiesen, daß diese Schulen die einzigen sind, die man als solche noch in Südtirol bezeichnen kann. Denn an Schulen, wo die Lehrer nicht deutsch und die Kinder natürlich nicht italienisch sprechen, ist von einem Unterricht keine Rede, wie folgende Schilderung zeigt: Gelegentlich eines Spazierganges fiel mir auf, daß aus einem Gebäude in einem kleinen Dörfchen im Pustertal, lautes Weinen vieler Kinderstimmen drang. Auf meine Frage erklärte mir ein treuherziger Bauer, daß ich vor einer Schule stehe, an die die faschistische Regierung eine Südtirolerin als Lehrerin angestellt habe.„Es ist ein Kreuz für das Fräulein," sagte der Bauer,„sie versteht kein Wort Deutsch, und die Dirndel und Buben natürlich kein Wort Italienisch. Da singt die Lehrerin schon seit Wochen den Kindern italienische Lieder vor. Hören Sie, da geht's wieder los, mit Singsang fängt's an und mit Weinen hört's auf. Ja, ja, die Welschen sind Ochsen. Was für einen Wert hat's, wenn die Kinder italienische Lieder lernen, deren Sinn sie nicht verstehen? Im Anfang hat's den Buben gut gefallen, aber Tag für Tag, wochen= und monatelang immer wieder la, la, sum. sum singen, das wurde ihnen endlich zu bunt. So wurde aus dem Katzengesang dies jämmerliche Geschrei und Geheule. Die Lehrerin kann nicht mehr Ordnung halten, die Kinder verstehen sie nicht, darum sind auch alle Strafandrohungen ohne Erfolg. Nun sitzt die Lehrerin den Kindern gegenüber und weint mehr als die Kinder zusammen. Mit dem bestem Willen kann sie nichts ausrichten, die deutsche Sprache darf sie nicht erlernen, dann würde sie sofort aus dem Schuldienste entlassen, und am Ende ist das Fräulein auf diese Tätigkeit angewiesen.“ In Bozen hatte ich keine Gelegenheit, in die Unterrichtsmethode der italienischen Lehrpersonen hineinzusehen. Peinlich wird darauf geachtet, daß nicht nur die Schulhäuser, sondern auch die um zäunten Spielhöfe während des Unterrichts verschlossen sind. Nur von den Schülern erfuhr ich einiges Bezeichnende über die Art des Unterrichtes. So konnte das zehnjährige Söhnchen meiner Quartiergeberin fließend in italienischer Sprache ein„Gebet“ hersagen, das morgens vor Beginn des Unterrichts und mittags vor dem Nachhausegehen von allen Schülern gesprochen werden mußte. Frei übersetzt sagt dies„Gebet“ etwa folgendes: „Lieber Gott, wir danken dir für die Erlösung unseres Vaterlandes; wir danken dir, daß wir wieder Italiener geworden sind. Wir bitten dich, lieber Gott, verschone unser heiliges Italien vor neuen Kriegen. Du weißt, wir fürchten sie nicht, aber viele brave Italiener, vielleicht unsere Väter und Brüder müßten dann sterben. Gott, verschone uns vor einem Kriege mit dem deutschen Barbarenvolk, das im letzten Krieg aus Mord= und Eroberungslust viele hunderttausend unserer Volksbrüder schlachtete. Lieber Gott, bewahre uns vor Krieg mit diesem Erbfeind; doch sollte er unabwend bar sein, gib uns die Kraft, daß wir froh nNur zu durchsichtig ist, was mit solchen Sprüchen bei der deutschen Jugend in Südtirol erreicht werden soll; eine nähere Erklärung dazu ist überflüssig. In Italien kann jeder seine Kinder nach Gutdünken selbst unterrichten oder unterrichten lassen. Nur für das deutsche Südtirol wurde das betreffende Gesetz geändert. Verboten ist die Errichtung von Privatschulen, und wenn zwei Kinder von einer Lehrkraft unterrichtet werden, fällt das schon unter diesen engherzigen Begriff„Privatschule“ und das Gesetz verbietet diesen Unterricht. Nur in seltenen Fällen wird erlaubt, daß ein Kind von einem Privatlehrer unterrichtet wird, dazu ist aber die Genehmigung des Präfekten erforderlich. Deutschen Schülern, die ihre Reifeprüfung schließlich doch nach vielen Schikanen bestanden haben, wird der Besuch einer deutschen Hochschule unmöglich gemacht, die Pässe werden diesen jungen Menschen nicht ausgestellt, so daß sie gezwungen sind, italienische Hochschulen zu besuchen. Wo einige italienische Beamte mit Kindern wohnen, wird der deutschen Bevölkerung das Schulgebäude fortgenommen. So haben viele Orte keine geeigneten Räume für die deutschen Schulkinder, während oft drei bis vier italienische Kinder in einem großen Klassenraum ganz allein sitzen. In Bozen haben die Faschisten für wenige italienische Kinder zwei große Schulgebäude beschlagnahmt. Wenn die Tiroler sich weigern, die Schulen herzugeben, wird die bekannte faschistische Gewalt angewandt, und das Ende ist, Bestrafung der Deutschen mit Geld= und Freiheitsstrafen, und die Schule wird doch beschlagnahmt. Im Anfang war es wenigstens noch dem Geistlichen erlaubt, in deutscher Sprache Religionsunterricht zu er teilen, dann wurde auch dies verboten. Nun sol len die Priester nicht nur in einer dem Volke fremden Sprache predigen, auch den Kindern soll in italienischer Sprache die Religion gelehrt werden, was praktisch gar nicht möglich ist. Zu diesem Zweck wurden alle deutschen Lehrbücher be schlagnahmt und vernichtet. Natürlich stören sich die Geistlichen an diese Vorschrift wenig, in den Kirchen müssen sie zwar in italienischer Sprache predigen, aber beim Religionsunterricht wird nicht so scharf kontrolliert. Doch das kommt auch vor, und dann wehe den armen Priestern; der Faschistenpöbel nimmt auf brutalste Art Rache. So wurde der alte, greise Pfarrer Delueg in Salurn, dem südlichsten deutschen Dörschen Tirols, im eigenen Pfarrhof von Faschisten überfallen, geschlagen und mißhandelt, bis er bewußtlos war. Sechs Wochen mußte er zu Bett liegen und vom Arzt behandelt werden. Und das alles nur darum, weil er deutschen Kindern in deutscher Sprache Religionsunterricht erteilt hatte. Die heranwachsende deutsche Jugend lernt also in Südtirol weder deutsch lesen noch deutsch schreiben. Ob aber die deutschen Kinder überhaupt jemals lesen und schreiben lernen, ist sehr fraglich, denn in Italien besuchen die Kinder nur vier Jahre die Volksschule, genau genommen nur zwei ahre, denn im Sommerhalbjahr: sind die Schulen wegen der großen Hitze geschlossen. Dann fällt für Südtirol ins Gewicht, daß Lehrer und Schüler sich kaum verständigen können. Außerdem besteht in Italien kein Schulzwang, so daß die Kinder beliebig oft zu Hause bleiben können. Daraus ist zu erklären, daß, wie bei der Volkszählung festgestellt wurde, in Italien 46 Proz. der Einwohner Analphabeten sind. In Südtirol wird es bald ebenso sein, denn die Folge der Verhältnisse ist, daß die deutschen Kinder in Bozen nach vierjährigem Besuch der Volksschule durchschnittlich sieben bis zehn Buchstaben schreiben und einige italienische Lieder singen können. Viele der Kinder bringen es nicht einmal fertig, ihren Namen zu schreiben. Wo also die Eltern oder Geschwister der Kinder nicht fähig sind, diese zu unterstützen, ist ein Unterricht in der Muttersprache ausgeschlossen und die Kinder bleiben Analphabeten. In deutscher Sprache dürfen keine Bücher und Schriften gedruckt werden selbst die deutschen Zeitungen mußten ihr Erscheinen einstellen, und erst seit einiger Zeit werden etliche Faschistenzeitungen in deutscher Sprache herausgegeben, die die Bevölkerung für den Faschismus einfangen sollen. So hat es die einfache Bevölkerung schwer, die Kinder selbst zu unterrichten, denn alle Bücher und Schriften, bis auf die Ansichtskarten mit deutschem Aufdruck, werden vernichtet. Alle sanften Gesten Mussolinis und auch der deutsch=italienische Handelsvertrag können nicht über das brutale Unrecht hinwegtäuschen, das dem deutschen Tirolervolk angetan wird. Die Geschichte hat zur Genüge bewiesen, daß sich ganze, mit dem Boden verwurzelte Volksstämme nicht entnationalisieren lassen, nicht in zehn Generationen, geschweige in einer. Und Gewalt erzeugt Trotz; der Tiroler will und wird nie Italiener werden. Darum ist nur die Befriedigung des Selbstbestimmungsrechtes imstande, die Leidenszeit der Tiroler abzukürzen. Das deutsche Volk will in einem großen Reiche vereinigt sein. Ein Schrei von Millionen Auslandsdentschen schallt über die Erde:„Auch dem deutschen Bolk sein Recht!“— Wann wird er erhört werden? Altes und Neues aus dem Grenzteil zwischen Ostholz und Sohwege. Die Ortsteile der Großgemeinde Linden=Dahlhausen, Hohwege und Östholz, werden durch ein Tal geschieden, das von Nordosten nach Südwesten allmählich an Breite und Tiefe zunimmt. Durch das liebliche Tal mit seinen grünen Wiesen floß in der„guten“ alten Zeit ein prächtiger Bach, der in seinem mittleren Laufe die Grenze zwischen den beiden obengenannten Ortsteilen Hohwege und Östholz bildete und die Bewässerung des Wiesengrundes besorgte. Seine Quelle hat der Grenzbach ungefähr in der Mitte des„Großen Weitmarer Holzes“, wo er in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts in der Nähe der„Steinkühle“ (Steinloch) lustig und klar aus dem Erdboden quoll. Mächtige Eichen, schlanke Buchen und sogar dunkle Tannen— die aber in späteren Jahren ein Raub der Flammen wurden— beschatteten den Lauf des Baches bis zum Waldrande bei den zwischen den alten Kötterhäusern von Holthausen und Steinbrink, wo der Grenzbach die Ursprungsgemeinde Weitmar verließ und bis zur Mündung in die Deimke im Ortsteil„Grüne“ am alten „St. Josephsstollen“ liebliche Wiesengründe der Gemeinde Linden durcheilte. Die Uferwiesen wurden an beiden Seiten von frischem, grünen Wald eingesäumt. Wo der schöne Waldsaum fehlte, da standen und stehen noch alte baumhofumkränzte Kotten, die— besonders im Frühling zur Blütezeit— einen lieblichen Zauber über das herrliche Landschaftsbild längst verklungener Zeiten ausgossen. Zur Zeit der Heu= und Grummeternte im Sommer war das Tal erfüllt von Sensenklang und Vogelsang, da die gefiederten Sänger damals hier in Baum und Strauch noch die schönsten Nistgelegenheiten fanden. In dem hellen Wasserlauf lebten nicht nur Unken und Frösche, sondern sogar Fische und Krebse, die von den Buben damals mit Geschick und Sachkenntnis lachend aus ihrem nassen Element geholt wurden, um später nach dem Passieren der Küche trefflich zu munden. Bei anhaltendem Regenwetter im Winter stieg der sonst gemütliche Grenzbach über seine Ufer, so daß eine See das prächtige Wiesental begrub. Trat dann plötzlich Frostwetter ein— was öfter vorkam— dann entstanden lange, spiegelglatte Eisbahnen, auf denen sich die damalige Jugend bis um späten Abend mit Schlindern und Schlittenahren tummelte. Jetzt ist alles hier im Tale des Grenzbaches zwischen Hohwege und Östholz ganz anders geworden. Die Kötterhäuser mit ihren Baumhöfen sind zwar geblieben, ja durch die Einwirkungen des Bergbaues und der Industrie an Zahl gestiegen, aber der schöne Waldsaum des Grenzbachtales ist der Axt des Holzhauers zum Opfer gefallen, nur einige alte, mächtige Waldriesen sind stehen geblieben und zeugen von vergangener Pracht und Waldherrlichkeit. Die Zeche Johann Friedrich— jetzt Baaker Mulde— schlug Ende der 60er Jahre einen Tunnel durch den Hohweger Höhenrücken nach dem Tal bei der Wirtschaft„Im Wunderbau“ von Kettermann. Mit den gewonnenen Erd= und Steinmassen wurde der untere Teil des Grenzbachtales zugeschüttet, wodurch später eine dürre Gegend, die im Volksmunde„Heide“ genannt wurde, entstand. Als nach der Vereinigung der Zechen Friedlicher Nachbar=Baaker Mulde durch den Industriellen Hugo Stinnes der kleine Tunnel mit der Zugschleppbahn dem Kohlentransport zur Eisenbahn Dahlbausen(Ruhr) — Weitmar— Bochum(Nord) nicht mehr genügte, wurde in den Jahren 1903=04 der große Tunnel geschlagen und die Erd= und Steinmassen weiter obenhin zur Ausfüllung des Grenzbachtales benutzt. Daß durch diese Berganschüttung das alte, liebliche Talbild verschandelt wurde, ist leider Tatsache, war aber damals wohl kaum zu vermeiden. In früheren Zeiten gingen die alten, schlechten Fuhrwege durch die Talsohle. In neuerer Zeit hat man zur Buschstraße am„Großen Weitmarer Holz" und der Nordstraße am„Lehmknapp“ hohe Erddämme aufgeschüttet und dadurch das Talbild wahrlich nicht verschönt. Auch die Schuttabladestätte an der Südwestseite des Nordstraßendammes dient der Gegend nicht zur Zierde. Südwestlich der Schuttabladestelle war in früheren Zeiten eine Quelle mit prächtigem klaren Wasser, die auch in trockenen Sommern nicht versagte, so daß die Höhenbewohner dort mit dem Schwengel auf den Schultern in zwei Eimern das nötige Wasser holen konnten. Die heutige Bequemlichkeit, daß das Wasser in der Küche brausend dem Wandkran entquillt, kannten wir leider in Östholz damals noch nicht. In der guten, alten Zeit war eben manches anders— wenn auch nicht besser— als heute im Zeitalter der alles beherrschenden Technik. Der schöne Grenzbach zwischen Östholz und Hohwege ist eingeschränkt, eingerohrt, ja teilweise heute vom Erdboden verschwunden, besonders im Unterlauf. Wenn aber im Sommer im Oberlaufe am großen Weitmarholz ein heftiger Regenguß niedergeht, dann steigt der gequälte Grenzbach, weil man ihm die freie Bahn versperrt hat, rasch über seine Ufer und begräbt den schönen Wiesengrund am Waldessaum mit seinen trüben Wasserfluten, die nach ihrem Abfluß allerlei Unrat zurücklassen. So haben also Bergbau, Industrie und Hebung des Verkehrswesens, das bessere Straßen benötigte, im Laufe von Jahrzehnten das Landschaftsbild am Grenzbach zwischen Hohwege und Östholz total verändert. Die Wiesen im Tal der Becke sind größtenteils durch Verschüttung infolge bergbaulicher Einrichtungen— Tunnel, Einschnitte, Wegeverlegung usw.— verschwunden. Die Büsche und Wälder zu beiden Seiten des Talrandes sind leider der neuzeitlichen Entwicklung unserer Gegend zum Opfer gefallen. Nur dem Kottenbesitzer Frese gegenüber zeugen am anderen Uferhang noch einige Baumriesen, die aus irgend einem unbekannten Grunde der Axt des Holzhauers entgangen sind, von der verschwundenen Busch= u. Waldpracht früherer Zeiten. Bergbau und Industrie haben das schöne Heimatbild gründlich zerstört, aber dafür auch Tausenden von Bergleuten nebst ihren Angehörigen Arbeit und Brot gegeben. Unter dem Wechsel des Mondes kann es bekanntlich hier unten nicht immer so bleiben. Das Alte geht, das Neue kommt. Die alte hohe Berghalde der Zeche Friedlicher Nachbar 1 verschwindet durch ergversatz täglich immer mehr und die frühere liebliche„Grüne“ taucht allmählich aus der Steinversenkung empor. Daraus merken wir. daß im großen Weltgetriebe auf unserem kleinen Planeten das Wort des Dichters paßt: „Nichts ist beständig als der Wechsel!“ Die steinerne Wüste. Ein sibirisches Erlebnis von Joseph M. Velter. Zwei Tage waren wir nach einier ergebnislosen Bärenjagd in einer kleinen Burjätensiedlung tief in den Baikalbergen geblieben und hatten uns von den Mühen und Anstrengungen der letzten Tage erholt, dann machten wir uns auf den Heimweg. Eine lange und böse Tageswanderung durch das Gebirge zum Baikal lag vor uns. Wir quälten uns durch meterhohen, an manchen Stellen zu kleinen Bergen zusammen gewehten Schnee. Rechts von uns, wo der Wind die kahlen Felswände eines Berghanges traf und über die grauen Flächen fuhr, war aller Schnee fort geweht, und die nackten Felsen, von meilenweit sich dehnendem Geröll umgehen, sahen eisig und drohend herauf. Hoch oben über die Grate pfiff der Wind. Noch waren wir in Deckung. Wie würde es werden, wenn wir den Kamm erreichten? Die Hunde, die erst in langen Sätzen vorausgejagt waren, trotteten nun hinter uns her. Zu jagen gab es nichts mehr. Kein Baum, kein Strauch, kein einziger Grashalm, nur Geröll. Steine, Steine und nochmals Steine. Diese Baikalberge mit ihren fast stets von Wolken verhängten, abgerundeten Gipfeln, den öden, endlosen Tälern voller Geröll und Schutt, den kahlen Schluchten und dem ewigen Schweigen sind das Trostloseste, Niederdrückendste, das man sich denken kann. Wehe dem Wanderer, der sich im Winter hier verirrt. Er ist rettungslos dem Tode durch Erfrieren preisgegeben. Eine weitere Stunde verrann. Keuchend kämpften wir uns durch das Geröll. Von Zeit zu Zeit lockerte sich ein Stein und stürste abwärts, erst langsam, dann in riesigen Sprüngen, um schließlich an dere Blöcke, diese wieder andere mit zu reißen bie ein Teil des Berges in Bewegung geraten zu sein schien, der donnernd ins Tal stürzte. Von den Wänden schallte das Echo lang nachhallend wie ein grau siges Gelächter herauf. Endlich war die Höhe erreicht. Schneidend sprang uns der eisige Wind ins Gesicht, schlug durch die Hier hatte der fast ununterbrochen pfeifende Wind die Felswände abgescheuert und blank gefegt. Der Blick ins Tal war noch trostloser als vorher. Ringsum, soweit das Auge sah, Berg an Berg, Oede, Fels und Schnee, und darüber der graue Himmel. Gegen Mittag wuchs der Wind zu wildem Branen. Ueber die Kämme, über alle Felsen, Vorprünge und Grate pfiff es. Schneidend und hell klang es von allen Seiten her. Die Kälte zog schärfer an. Unsere Gesichter waren blau, erstarrt und gefühllos. Mit hängenden Köpfen schlichen die Laikis hinter uns her. Von Stunde zu Stunde nahm die Kälte zu. Der Himmel wurde merkwürdig verfärbt. Was ich schon lange befürchtet hatte, der Bargusin kam, der fürchterliche Sturm der Baikalberge. Heulend fuhr er heran, das Pfeifen des Windes wurde zu einem gellenden, schrillen, lang gezogenen Laut, der nicht mehr abriß. Dann sprang mit einem Schlage der Orkan uns gegen die Brust, daß wir taumelten. Es ging gegen vier Uhr. In längstens zwei Stunden mußten wir unser Blockhaus erreicht haben. Meine Hoffnung, daß es gelingen würde, sank immer tiefer. Nun stürzten wir mehr, als wir gingen, den Steilabhang hinab, unter dem irrsinnigen Schreien und Pfeifen des Sturmes, stöhnend unter der Schwierigkeit, in der eisig genreßten Luft zu atmen. Unsere Augen träumten und waren wie erfroren. Ein dumpfer Druck schien sie eammenzuvressen; die unteren Lider waren geschwollen, aber kein Schmerzgefühl kam mehr auf. Die Felle unserer langhaarigen Laikis flogen und flatterten. Endlich erreichten wir die Talsohle. Hier war es windstill Erst hatten wir das Gefühl, als ob es wärmer sei, aber bald schüttelte uns die Kälte von neuem Wir tranken ein paar Schlucke Schnaps aßen etwas, gaben den Hunden ein paar gesrorene Fleischbrocken, dann ging es weiter. Ueber das Tal hin jagte der Bargusin, der schreckliche Herr dieser Berge und des Baikal, und fegte über die kahlen, grauen Felswände, daß Gipfel und Schluchten sangen Wir waren müde zum Umsinken. Wenn wir uns wenigstens eine Stunde hinlegen könnten! Aber das wäre Selbstmord gewesen. Trotz der hier herrschenden Windstille biß drei Wachtkosaken an der mongolischen Grenze erfroren, obwowhl die Posten halbstündlich abgelöst wurden. Also wieder vorwärts! Nur noch ein verhältnismäßig harmloser Bergrücken war zu überwinden. Und den kannten wir noch obendrein von früheren Streifen. Tatsächlich kletterten wir in kaum anderthalb Stunden hinüber, mehr tot als lebendig. Eine grenzenlose, stumpfe Müdigkeit packte mich. Da— war ich eingedämmert im Gehen oder hatte ich in dem Gefühl, bald zu Hause zu sein, alle Vorsicht außer acht gelassen— stolverte ich, stürzte und fiel einen schrägen Steinhang hinab. Als Imquill mich erreichte, vermochte ich trotz seiner Hilfe nicht mehr aufzustehen. Mein rechter Fuß schmerzte fürchterlich im Gelenk. Länger als sechs Wochen lag ich auf meinen Fellen im Blochhaus, sechs Wochen, an die ich trotz der rührenden und aufopfernden Pflege Imquills nur mit Grausen zurückdenke. Inzwischen war der Sommer gekommen. Endlich! Nun ging es an die Lena! fere Pflicht für unser eiliges Vaterland tun.“ rig und gefroren Mäntel und Kleider, daß wir, schweißnas wie wir die Kälte wieder unerbittlich. Und es geht mit dem waren, erschauerten. Die Kälte schnürte die Brust! Erfrieren rasch. Wir hatten es selbst miterlebt, als zusammen. Im Augenblick waren die Kleider kleb= wir im vergangenen Winter noch in den Saianbergen weilten. Dort waren in einer einzigen Nacht Mitteilungen. Die allseitig wegen ihrer guten Qualitäten in Herren= und Knabenkleidung rühmlichst bekannte Firma I. Fischer, Obere Marktstraße 18, öffnet nach vollendetem Umbau heute nachmittag um 5 Uhr von neuem ihre Geschäftsräume. Der Entwurf stammt von den Architekten Adolf Ott und Regierungsbaumeister Timmermann, Bochum, Kaiserstraße 1. Es ist eine Augenweide, die neuen, von Meisterhand geschaffenen Ausstellungsräume, welche in künstlerischer Aufmachung die neuesten Modelle für den Herbst und Winter zeigen, zu besichtigen. 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Er hat trotz verschiedener Behinderungen die Fahrt über den großen Ozean durchgeführt und ist in diesen Tagen wohlbehalten in Portorico eingetroffen, einer Insel der Großen Antillen, von wo aus in der Luftlinie noch 3000 Kilometer bis Neuyork zurückzulegen sind. Nadio=Programm. Sonntag, den 10. September: 8,15—8,35 Köln: Lauten= und Gitarren=Unterricht (7), gehalten von Olly Wirt=Koort. 8,35—8,55 Köln: Alfred Dormanns. Esperanto. 9,00—9,05 Köln: Uebertragung des Geläutes der Trinitatiskirche, Köln. 9,05—1,00 Elberfeld: Evangelische Morgenfeier, Gedenkfeier zum 100jährigen Gründungstag der Rheinischen Mission am 16. September 1928. Leitung: Missionsdirektor Schmidt=Barmen. Mitwirkende: Margarete Haude(Alt), Ernst Grote(Cello), Kurrende=Chor Elberfeld(Leitung: Erich vom Baur). Anschließend: Ueber tragung des Geläutes der Alten Kirche, Barmen=Wupperfeld. 11,00—11,30 Düsseldorf: Fritz Worm: Wert und Ehre der deutschen Sprache. 11,30—11,50 Köln: Landwirtschaftsfunk. Dr. Berendes:„Was muß der Landwirt von der Ernährung wissen?“ 1,55—12,35 Köln: Prof. Dr. Hermann Unger Franz Schubert und seine Lieder. Einführung in Schuberts Leben und Schaffen(1). Solistin Marion Ney(Sopran). Begleitung: Josef Breuer. 12,35—12,55 Münster: Dr. Mondorf: Steuerfunk. 13,00—14,30 Köln: Mittagskonzert. Solist: Franz Petter(Tenor). Leitung: Eysoldt 14,30—14,50 Köln: Arnold Stecher: Funkliteratur. 14,55—15,20 Düsseldorf: Meister vom Rhein Dr. A. van Nüß: Schachfunk. 15,20—15,55 Köln: Dichterstunde Hermann Kesser. Aus Romanfragmenten— Vom Monolog (Essay). 16,00—16,20 Köln: August Linden:„Straßenrad rennen“. 16,30—17,15 Uebertragung aus dem Stadion Nürnberg: Länderwettspiel Dänemark—Deutschland. Sprecher: Dr. Laven. Anschließend bis 18,00 Köln: Vesperkonzert. Ausführende: Das Waldhornquartett des Westdeutschen Rundfunks(Straub, Schneider, Färber, Budinger) und der Männergesangverein„Postalia“, Leitung: Musikdirektor Peter Zimmermann. 18,00—19,00 Uebertragung von der Deutschen Stunde in München: Hörbild vom Zugspitzgipfel. Plauderei des Zugspitz=Meteorologen.— Schilderungen aus dem Freien.— Heitere Szenen aus dem Haus. 19,05—19,30 Köln: Die Stunde des Arbeiters. Re dakteur Josef Saxe:„Die Arbeiterbewegung in Belgien“. 19,30—19,55 Dortmund: Josef Delmont: Tigerfang und=jagd(1). 19,55 Köln: Martin Friedland: Kreutzers Oper„Das Nachtlager in Granada“. 20.10 Köln: Das Nachtlager in Granada. Romantische Oper in zwei Aufzügen von Konradin Kreutzer. Dichtung nach Friedrich Kind von Freiherr Karl von Braun. Musikalische Leitung: Buschkötter Spielleitung: Anheißer. Chöre: Zimmermann Kläre Hansen; Herren: Aramesco, Baur, Holwe Schlebusch, Strienz, Wocke. Anschließend Köln: Letzte Meldungen, Sportbericht Anschließend bis 24,00 Köln: Nachtmusik und Tanz. Leitung: Eysoldt. Rund um den Erdball. (Nachdruck verboten.) Etwas für Stotterer. Die weltbekannte Firma J.=G.=Farben fabrizier unter vielen anderem auch ein Arzneimittel namens Melubrin, welches in kleinen Packungen verschickt wird. Damit auch der Laie weiß, daß dieses Melubrin kein Gift ist, sondern eine ganz einfache Arznei hat es die Unterbezeichnung: Phenyldimethylpyrazolonamidomethansulfonsaures Natrium erhalten. Wer dieses Wort, welches 46 Buchstaben enthält(das ganze Alphabet hat deren nur 26), fünfmal rasch hintereinander spricht, wird ermessen können, wie schwer es ist, den Bandwurm rückwärts aufzusagen. * Ein lieber Jung'! In der„Grünen Post“ will jemand eine Frau suchen, und macht das auf diese neckische Weise: Sehr liebsamer, gemütlicher Oberfranke, 60 Jahre alt, 1,55 Meter groß, gesundes, frisches Aeußere wünscht Eine Aufnahme, die von der tschechischen Regierung nicht beschlagnahmt werden konnte. Nach dem schweren Unglück auf der Rennbahn in Monza hat die italienische Regierung eine Aufnahme der Unfallstelle erst gestattet, nachdem die Aufräumungsarbeiten beendet waren. Dieselbe Absicht batte die tschechische Regierung, die alle Photographien von der Unfallstelle bei Saitz, wo durch leichtfertige Weichenstellung ein Schnellzug auf einen Güterzug ausprallte, beschlagnahmte und jede Veröffentlichung zu verhindern suchte. Es ist uns gelungen, eine Aufnahme der Unfallstelle zu machen, nachdem die Aufräumungsarbeiten eingesetzt hatten, die von der tschechischen Regierung nicht beschlagnahmt werden konnte. Im Hintergrunde liegen die Trümmer des Schnellzuges, von dessen Reisenden 25 getötet und über 100 verletzt wurden. Der König von Spanien in Kiel. würde Mister Fisher seine Erkenntnis nicht haben in Satz geben können. Nur so ganz nebenbei sei an das Luftschiff, die Litfaß=Säule, die Röntgenstrahlen, die Taschenuhr und das Automobil erinnert, lauter Dinge, die Deutschland der Welt zu schenken beliebte. Welchen Besitz hat Wilhelm II. noch im Der ehemalige Kaiser hat kürzlich in seinem Prozeß, den er zur Wiedererlangung seines Grundeigentums im früheren Deutsch=Südwestafrika gegen die südafrikanische Union angestrengt hatte gesiegt. Damit fallen die beiden Farmen Dickdorn und Kosif wieder in das Eigentum Wilhelms II. zurück. Dieser Prozeß sollte nach Pressemeldungen in Doorn zu der Ansicht geführt haben, noch weitere Prozesse wegen anderer im Auslande befindlicher Liegenschaften, die der ehemalige deusche Kaiser als sein Privateigentum beanspruchen zu dürfen glaubt, anhängig zu machen. Davon kann, wie unser Berliner Mitarbeiter von der Generalverwaltung des ehemaligen Königshauses erfehrt, keine Rede sein. Aus dem einfachen Grunde nicht, weil solcher vermeintliche Grundbesitz im Auslande, abgesehen von den zwei südafrikanischen Farmen, nicht vorhanden ist. Der Kaiser besaß im Auslande nur noch das Schloß und den Park Achilleion auf Korfu, das bekanntlich unter dem Friedensvertrag von Versailles der Beschlagnahme verfiel. Weiterer Besitz im Auslande, der noch aus der früheren Regierungszeit Wilhelms II. herrührte, ist nicht vorhanden. Ganz anders liegt der Fall natürlich mit Schloß Doorn, das erst in der Nachkriegszeit und als Privatmann von Wilhelm II. erworben wurde. Der König von Spanien befindet sich zurzeit auf einer Reise nach Schweden, um dort dem schwedischen König einen Besuch abzustatten. Unsere Aufnahme zeigt den spanischen Kreuzer„Principe Alsonso“, der im Hafen von Kiel vor Anker ging, dahinter das deutsche Flottenflaggschiff„SchleswigHolstein“. Das spanische Kriegsschiff feuerte den Landessalut, der von der Salutbatterie Friedrichsort erwidert wurde. Nach einer Besichtigungsfahrt durch Kiel, und einem Besuch der Marineschule in Friedrichsort, ging der„Principe Alfonso“ wieder in See. Fontane. Zum 30. Todestage am 20. September. Vor dreißig Jahren verlor die Mark Brandenburg einen ihrer besten Söhne, dem sie es zu verdanken hat, daß ihre Schönheiten nicht nur einigen wenigen Kennern vorbehalten blieben, sondern in weitester Oeffentlichkeit bekannt wurden. Theodor Fontane, der„Wanderer durch die Mark“, selbst ein Sohn der Mark— er war am 30. Dezember 1819 in Neuruppin geboren— war zuerst Apotheker und amtierte als solcher auch einige Jahre. Dann erwachte in ihm der Drang zum Journalisten und Schriftsteller, ein Gebiet, auf dem er sich rasch Erfolge sicherte. Zwischen 1844 und 1859 bereiste er wiederholt England, um dann 1860 in die Redaktion der „Neuen Preußischen Zeitung“ einzutreten, deren englischen Teil er redigierte. 1870 besuchte er als Berichterstatter den Kriegsschauplatz in Frankreich, wobei er in Gefangenschaft geriet, aus der er erst nach drei Monaten entlassen wurde. Seine Erlebnisse hierbei hat er später in einem besonderen Buche niedergelegt. Von 1870 bis 1890 war er Theaterkritiker der„Vossischen Zeitung“. Er starb am 20. September 1898.— Fontane hat eine reiche schriftstellerische Tätigkeit entfaltet. Neben seinen„Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, in denen er ein Bild der historischen Geschehnisse und landschaftlichen Schönheiten der Mark in einem fesselnden, reizvollen Stil gab, schrieb er Romane(„Irrungen, Wirrungen“)—„Effi Briest“—„Die Poggenpuhls“) und Gedichte und Balladen. Kirche, Schule und Reichsverband evang. Kindergärtnerinnen. Vom 20. bis 23. September hält der Reichsverband evangelischer Kindergärtnerinnen, Hortnerinnen und Jugendleiterinnen seine Verbandstagung in Bethel bei Bielefeld. Ein Bethelabend, an dem der Bethelfilm gezeigt wird, und Pfarrer v. Bodelschwingh einen Vortrag hält, wird die Tagung eröffnen. Für die folgenden Tage ist ein reichhaltiges Programm vorgesehen. Oberstudiendirektor Prof. Dr. Prüfer=Leipzig spricht über: „Friedr. Fröbel im Lichte der neuesten Forschung“, Schwester Auguste Mohrmann=Berlin über:„Ausbildung und Fortbildung der soz.=pädag. Berufsarbeiterin“ uno Dr. Meta Holland=Barmen über das Thema:„Unsere Mitarbeit an der Bekämpfung der Volksschäden“. Außerdem sind an Veranstaltungen geplant: ein Elternabend mit Lichtbildern, eine Wanderung zur Volkshochschule, Führung durch Bethel und die Anstalten in der Senne und Teilnahme an Bethelgottesdiensten. Anmeldungen sind bis zum 15. September an die Geschäftsstelle des Reichsverbandes evangelischer Kindergärtnerinnen, Berlin=Wilmersdorf, Landhausraße Nr. 10, zu richten. Religionspädagogischer Lehrgang. Das Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht, und die Gesellschaft für evangelische Pädagogik veranstalten in Verbindung mit der Evangelischen Schulvereinigung, dem Reichsbund für Religionsunterricht und religiöse Erziehung, und dem Verband akademisch gebildeter Religionslehrer an den höheren Schuken Deutschlands einen religionspädagogischen Lehrgang, der vom 4. bis 6. Oktober im Kruppsaal des städtischen Saalbaues m Essen stattfindet. Vortragsthemen: Was erwartet die Jugend vom evangelischen Religionsunterricht?(Professor D. Cordier, Gießen.) Der evangelische Religionsunterricht als Dienst an der Volksgemeinschaft.(Oberstudiendirektorin Barth, Köln.) Der evangelische Religionsunterricht und die Kirche.(Professor D. Stählin, Münster.) Freitag, den 5. Oktober: In der Volksschule: Der arbeitsschulmäßige Charakter des evangelischen Religionsunterrichts.(Rektor Kessel, Köln=Mülheim.) In den höheren Schulen: Gewinnung einer selbständigen Weltanschauung evangelischen Glaubens.(Prof. Dr. Schuster, Hannover.) In den Berufs= und Fortbildungsschulen: Der lebenskundliche Charakter des Religionsunterrichtes.(Pfarrer Schloßmacher, Düsseldorf). Im Konfirmandenunterricht: Religionsunterricht als Gemeinschaftserziehung.(Prof. Dr. Ritter.) Anschließend gemeinsame Fahrt zur Pressa, Köln. An die Vorträge schließen sich Aussprachen an. Die Teilnehmergebühr beträgt 2 Mk. für den Gesamtlehrgang, für Junglehrer 1 Mk. sich mit Dame von angenehmem Aeußeren(Geburts= oder Körperfehler nicht ausgeschlossen), aver dann mit rentablem Geschäft oder Vermögen, zu verheiraten. Was heißt Geburts= oder Körperfehler bei angenehmem Aeußeren? Sollen vielleicht unter ersteren auch die Charakterfehler einbegriffen sein? Und dann, was versteht dieser liebe, junge Mann unter einem sehr liebsamen, gemütlichen alten Herrn? * Walzer beim Haarschneiden. Die Zahl der jungen Mädchen, welche sich in Amerika noch dazu herbeilassen, Klavierstunde zu nehmen, wird immer geringer, weil die amerikanischen Frauen ja so schrecklich viel zu tun haben, daß für derartige umständliche Anstrengungen keine Zeit mehr übrigbleibt. Wo man doch im Rundfunk alles so schön vorgespielt bekommt. Aber nun ist der Inhaber eines Neuyorker Konservatoriums auf eine geradezu glänzende Idee gekommen; er hat verkünden lassen, daß in seinem Institut die Damen sich während der Klavierstunden die Haare schneiden, brennen und ondulieren lassen dürfen. Und siehe da, seit diesem Tage lernen wieder viele junge Damen Klavier spielen. Leider hat man bisher nicht gehört, ob jetzt die Walzer nach dem Geklapper der Scheren gespielt oder die Haare nach dem Takt der Musik geschnitten werden. Beides gemeinsam wird beidem sicher recht zuträglich sein. * Er schenkt uns was. Der frühere englische Unterrichtsminister Fisher hat in der Zeit, in welcher er pensioniert umherläuft, nichts anderes zu tun gehabt, als herauszuknobeln, was die einzelnen Völker der Welt geschenkt haben Zwar wissen wir das ja alles schon lange; aber es ist ganz amüsant, zu sehen, wie sich das von England aus betrachtet. Fisher zum Beispiel zählt auf, daß die Engländer das Parlament, die Eisenbahn, den Tee(?), die Geschworenengerichte, die Heilsarmee, die Herrenmode, den Tabak und Sullivans=Operetten erfunden und der Welt geschenkt hätten, während die Deutschen nur mit dem Bier beteiligt sind. Daraufhin können wir nur feststellen, daß Mister Fisher das Pulver nicht erfunden hat, weil es vorher ein Deutscher erfand, und wenn bei uns ein gewisser Gutenberg nicht die Buchdruckerkumt erfunden bätte. esch se. In der Abrüstungskommission des Völkerbundes forderte der deutsche Vertreter Graf Bernstorff, daß dem Abrüstungsausschuß endlich bindende Beschlüsse zur Ausarbeitung einer Herabsetzung der Rüstungen gegeben werden.— Graf Bernstorff war 1908 bis 1917(bis zum Eintritt Amerikas in den Krieg) Botschafter in Washington und dann in Konstantiuopel. Seit 1921 gehört er dem Reichstag als Mitglied der Demokratischen Partei an; in Genf ist er mehrsach als Mitglied der Abrüstungskommission hervorgetreten. Neue Verhaftungen in der In der Stinnes=Affäre ist am Dienstag vormittas eine neue Verhaftung erfolgt. Am Schluß seiner Vernehmung wurde der Direktor Leo Hirsch festgenommen, da er unter dem dringenden Verdacht steht, sich aktiv an den Kriegsanleiheschiebungen beteiligt zu haben. Die Verhaftung Hirschs ist die Folge der Festnahme von Bela Groß in Wien und der Ermittlungen der deutschen Beamten in Oesterreich. Dem Untersuchungsrichter war bereits seit Wochen bekannt, daß Hirsch in die Stinnes=Affäre verwickelt sei und daß Hirsch früher mit Groß und mit Direktor Nothmann in Verbindung gestanden hat. Darüber hinaus wußte man aber auch, daß Hirsch, der sich selbst einen möglichst harmlosen Anstrich zu geben versuchte, in Paris tätig gewesen ist, und dort mit der Gruppe Calmon=Levite in enger Fühlung gestanden hat. Schon unmittelbar nach der Festnahme von Direktor Nothmann wurde auch Hirsch vom Untersuchungsrichter nach Moabit geladen und dort mehrfach verhört. Dabei betonte Hirsch immer wieder, daß er wohl den Personenkreis der Kriegsanleiheschieber kenne, daß er selbst sich aber in keiner Weise strafbar gemacht habe. Hirsch, der früher in Wien geschäftlich als Makler tätig gewesen ist, ist erst seit einigen Monaten in Berlin und bekleidet seit acht Wochen bei dem österreichisch=deutschen Reise= und Verkehrsbüro einen Posten als Direktor. kerbundes für weitere Kollektivhandelsverträge für bestimmte Warengruppen, damit auf dem Wege zur Freiheit des Handels weitere Teillösungen gefunden werden. In bezug auf die evtl. Einführung von Aluminium zollen in Deutschland nach Aufhebung des deutschen Einfuhrverbotes erinnerte er daran, daß Deutschland keine neuen Zölle erheben wolle und sich deshalb an die anderen, Aluminium produzierenden Länder gewandt habe zur Regelung der Zollfrage. Er hoffe, daß die von England gegebene Anregung zur Behandlung dieser Frage durch die Wirtschaftsorganisation des Völkerbundes zu einer vernünftigen Lösung führe, durch die Deutschland gegenüber seinen Konkurrenten auf dem Aluminiummarkt nicht benachteiligt werde. Schließlich verlangte er zur Organisierung des wirtschaftl. Friedens vom Generalsekretariat genaue Angaben darüber, ob und in welchem Ausmaß die einzelnen Staaten die Beschlüsse der Weltwirtschaftskonferenz durchgeführt haben, da bis jetzt erst 13 Staaten den Völkerbundsgeneralsekretariat schriftlich ihre Stellungnahme mitgeteilt hätten, darunter 10 mit ganz erheblichen Vorbehalten. Wirtschaftsfragen in Genf. Bei Behandlung des Tätigkeitsberichtes des Wirtschaftskomitees legte Reichstagsabgeordneter Dr. Breitscheid den deutschen Standpunkt dar. Die von Rumänien vorgebrachten Bedenken gegen ein angeblich übertriebenes Eingreifen des Völkerbundes bei Behandlung wirtschaftlicher Fragen lehnte er ab. Unter Betonung des Grundsatzes der Weltwirtschaftskonferenz, die Freiheit des Handels als grundlegende Vorbedingung für die gedeihliche Wirtschaftsentwickelung wiederherzustellen, erinnerte er daran, daß Deutschland mit 16 Staaten Handelsverträge abgeschlossen hat, die alle im Sinne einer Herabsetzung der Zollsätze sich auswirkten, was beim deutsch=französischen Handelsvertrag besonders fühlbar in Erscheinung trat. Der Redner forderte möglichste Beschleunigung der Vorarbeiten des VölEvangelische Gottesdienste. Hattingen. St. Georgskirche. 8,30 Uhr: Frühgottesdienst, P. Boeddinghaus. Kollelte fr die kirchlichen Bedürfnisse der eigenen Gemeinde. 10 Uhr: Hauptgottesdienst, Past. Arendt. Kollekte für den Verband zur Förderung des Evangeliums in Spanien. Freiwillige Sammlung. Nach dem Hauptgottesdienst Kirchentaufen. 2 Uhr: Kindergottesdienst, 3 Uhr: Kirchentaufen in der St. Georgskirche, Pastor Graefe. Krankenhaus. 9 Uhr: Gottesdienst, P. Arendt. Welper. 10 Uhr: Gottesdienst, Past. Boeddinghaus. Anschließend Taufen und Kindergottesdienst. Baak=Sundern. 9,30 Uhr: Gottesdienst, Pastor Radicke. O.=Bredenscheid. 9,30 Uhr: Gottesdienst, Past. Schallenberg. Anschl. Kindergottesdienst. Niederbonsfeld= Elfringhausen. Sonntag, vorm. 9.30 Uhr: Hauptgottesdienst in Nierenhof, anschl. Kindergottesdienst. Herbede. Sonntag, 8,45 Uhr: Kindergottesdienst, 10,15 Uhr: Hauptgottesdienst, Past. Kracht. 3,30 Uhr: Jungmädchenbund. Mittwoch 7,30 Uhr: Jungmädchenbund. Steele.(Sammlung für den Verband zur Förderung des Evangeliums in Spanien.) 8 Uhr: Past. Bever. 9 Uhr im Ev. Krankenhaus: Past. Herdieckerhoff. 9¾ Uhr im Knappschaftskrankenhaus: Past. Bever. 10 Uhr: Past. Herdieckerhoff. 11 Uhr: Kindergottesdienst in Freisenbruch. 11¼ Uhr: Kindergottesdienst in der Kirche. 12½ Uhr: Kirchentaufen, ebenso Donnerstag nachm. 4 Uhr. Die Taufen müssen bis spätestens Samstag mittag gemeldet sein. Stiepel=Dorf. Sonntag morgen 9,30 Uhr: Gottesdienst, Past. Lohmeyer. Buchholz. Sonntag morgen 10 Uhr: Gottesdienst, Pastor Husemeyer. Bibelstunden Donnerstag 5 Uhr am Schrick. Jünglingsverein Stiepel=Dorf. Freitag abend 8 Uhr: Verein stunde. Stiepel=Haar. Sonntag nachmittag 5,30 Uhr. Für beide Vereine Donnerstag abend 8 Uhr Turnen. Jungmälchenverein Stiepel=Dorf. Sonntag 4 Uhr, Dienstag 7,30 Uhr. Stiepel=Haar. Sonntag 3,30 Uhr, Mittwoch 7,30 Uhr. Frauenchor. Donnerstag 6 Uhr. Kirchenchor. Donnerstag 8 Uhr. Bibelstunden: Donnerstag 8 Uhr im Gemeindehause. Vereinsnachrichten: Jungmädchenverein Hattingen u. Baak. Vereinsstunden wie gewöhnlich. Jünglingsverein Hattingen. Vereinswettkämpfe. Wochenstunden wie ge vöhnlich. Jungfrauenverein Holthausen. Mittwoch 8 Uhr: Bibelbespr.e im Gemeindehause. Bibel= und Gemeinschaftsstunden. Kirchl. Gemeinschaft, Hattingen, Schulstr. 41. Sonntag morgen ½10 Uhr: Sonntagschule, nachm. 2 Uhr: Kinderbund, nachm. ½4 Uhr: Gemeinschaftsstunde, nachm. 5 Uhr: Jugendbund, abends 8 Uhr: Brüderversammlung der Gemeinschaft, Donnerstag abends 8½ Uhr: Bibelstunde, Samstag abends 8½ Uhr: Gebetstunde. Haus Friede, Bredenscheid. Jeden Sonntag 5 Uhr: Andacht. Jeden Donnerstag abend 8 Uhr: Jugendbundstunde. Kirchl. Gemeinschaft, Sprockhövel. Jeden Mittwoch abend 8½ Uhr Bibelstunde bei Pottkämper. Sonntag 3 Uhr: Gemeinschaftsstunde in Freisenbruch. Sonntag 8 Uhr: Gemeinschaftsstunde im Vereinshaus. Donnerstag 8 Uhr: Gemeinschaftsstunde im Vereinshaus. Jugendbund für E. C., Steele. Veranstaltungen im Jugendheim am Augustaplatz. Sonntag 2½ Uhr: Jugendbundstunde. Montag 8 Uhr: Chorstunde. Dienstag 8 Uhr: Turnstunde für Jungmänner. Kirchl. Gemeinschaft, Steele. Jeden Sonntag, abds. 8 Uhr, im Vereinshaus Evangelisationsvortrag. Jeden Donnerstag, abends 8 Uhr, im Vereinshaus Bibelbesprechstunde. Freie evangel. Gemeinde, Steele, Kaiserstr. 21. Sonntagvormittag 9½ Uhr: Bibelstunde, 11 Uhr: Sonntagschule. Sonntagabend 8 Uhr: Bibelstunde. Donnerstagabend 8 Uhr: Gebetsstunde. Jugendverein: Sonntag nachm. 3 Uhr und jeden Mittwoch abend 8 Uhr. Jeden Mittwoch 3 Uhr: Frauenverein. Städtische Bühnen Essen. Morgen, Samstag, den 15. September, ist die Eröffnung des Opernhauses mit der Oper „Carmen“ von Bizet. Musikalische Leitung und Regie: Rud. Schulz=Dornburg, Bühnenbild Kaspar Neher. Die Partien sind mit den Damen Autenrieth(Micaeka), Barlo(Mercedes), Blättermann (Carmen) und Schum(Frasquita), und den Herren Blasel(Escamillo), Frank(Merales), Gauß (Zuniga), Haller(Dancairo), Husler(Don Jose) und Schwer(Remendado) besetzt. Besonders sei bemerkt, daß das Werk in seiner ursprünglichen Fassung, nämlich mit Dialogen zur Aufführung gelangt und nicht mit den nach dem Tode Bizets von seinem Freund Guiraud hinzukomponierten enzitativen. Sonntag, den 16. September, 19,30 Uhr,„Die verkaufte Braut“, Komische Oper von Smetana. Musikakische Leitung: Felix Wolfes, Spielleitung Wolf Völker, Bühnenbild Hermann Härtlein.— Am 18. September eröffnet das Schauspielhaus mit Schillers„Räuber", unter der Regie von Friedrich Sebrecht, Bühnenbild Hch. Heckroth. Wir verweisen im übrigen auf die an anderer Stelle veröffentlichten Gesamtspielpläne. ekanntmachung. Der gemäß§ 1 des Gesetzes vom 2. Juli 1875 in der Fassung und Ergänzung des Wohngesetzes vom 28. März 1918 vom Magistrat und der Stadtverordneten=Versammlung unter Zustimmung der Polizeibehörde für die über die Grundstücke Flur 2 Nr. 772/313, 774/311, 779/308 2c.. 778/311 2c., 775/311, 917/309. 935/309, 1707/304, 1725/303, 1711/304, 1712/304, 1715/304, 1720/304, 1723/304 und Flur 3 Nr. 77/5, 91/5 und 92/05 zwischen der verlängerten Grünstraße und dem Stadtwald projektierte Straße festgesetzte Fluchtlinienplan liegt in Gemäßheit des§ 7 des genannten Gesetzes vom 22. ds. Mts. an gerechnet mit einer ausschließenden Frist von 4 Wochen während der üblichen Dienststunden im Rathaus, Zimmer 27, zu jedermanns Einsicht offen. Einwendungen gegen den Plan sind innerhalb der vorgenannten Frist bei uns einzubringen. Hattingen, den 13. September 1928. Der Magistrat: gez. Keller. Am Sonnabend, dem 15. ds. Mts., vorm. 11 Uhr werde ich hier beim Wirt Th.Truschel (vorm. C. Diem) 1 Posten Haarwasser n. Parfüms, einige Sofas, Büfetts, Schreibtisch, Tische, Stühle, Küchenschränke, Nähmaschinen, 1 Spiegelschrank, 1 Standa 1 EIn1 Freiwillige Fachkurse an der Berufsschule zu Hattingen. Zum Herbst ds. Is. wird erneut ein Kursus für Freiwillige eingerichtet. Es ist dadurch auch in diesem Jahre jedem Facharbeiter die Möglichkeit gegeben, seine Kenntnisse zu steigern. Der Unterricht erstreckt sich über sechs Halbjahre. Der Fachunterricht wird von bewährten Ingenieuren der Henrichshütte erteilt, die bereits jahrelang in den Kursen tätig sind. Der Unterricht erstreckt sich auf die Fächer: Deutsch, Algebra, Geometrie, Physik, Zeichnen, Mechanik, Maschinenelemente, Elektrotechnik und Technologie. Anmeldungen sind bis zum 1. Oktober an den Leiter der Hattinger Berufsschule, Herrn Schulze-Braucks zu richten. T aaottaBilder, eine Schnellwaage, 1 autogenischer Schweißapparat, 1 Pferd (Wallach) und anderes mehr meistbietend gegen Barzahlung versteigern. Steele, den 13. September 1928. A. Müller, Obergerichtsvollzieher. Sonnabend, 15. Sept., vorm. 11 Uhr sollen in Steele bei Truschel(vorm. Diem): 4 Solas, 2 Büfetts, 2 Schreibtische, 1 Sprechapparat, 800 Rollen Tapeten, 1 Drogenschrank, 1 Geldschrank, 2 Tische. 1 Pult, 19 Stühle, 1 kompl. Küche, 1 Uhr, 4 Warenschränke, 1 Kinderbett, 1 Spiegel, 2 chm Kiefernholz, 15 Wiener Sessel, 3 Ladentheken, 1 Registrierkasse, 1 Schaukasten, 2 Rasierstühle, 1Kredenz, 1 Nähmaschine 1 Klavier, 100 Dosen Konserven, verschied. Wein=, Bier= und Likörgläser, Lampen, Glocken, Kronleuchter u. a. m. Ferner im Anschluß an Ort und Stelle (wird im Verst.=Lokal bekannt gegeben): 1 abmontierter Kollergang u. Eisenschrott öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigert werden. Bußmann, Gerichtsvollzieher kr. A Am Samstag, dem 15. September, vormittags 11 Uhr versteigere ich 30000 Ziegelsteine und *9 (Ort wird um 11 Uhr im Versteigerungslokale bei Truschel am Markt in Steele bekannt gegeben) öffentlich meistbietend gegen bar. Farthmann, Obergerichtsvollzieher. Steele, Rony-Lichispiele Linden. Ab heute Freitag bis Montag zeigen wir Ihnen eine Sensalion ersten Ranges und zwar den neuen großen Harry-Piel-Film der Ua IE FEINEN PFLANZENOLE Ein bedeutender Faktor unserer Wirtschaft ist die Gewinnung der feinen Ole aus den bekannten tropischen Früchten. Die Rama-Werke decken ihren Bedarf ausschließlich aus eigenen Ölmühlen, den modernsten Großbetrieben dieser Art. Die dort mittels gewaltiger hydraulischer Pressen gewonnenen Ole werden durch wiederholtes Filtern von den letzten kleinen Pflanzenteilchen befreit und mehrfacher Läuterung unterworfen, bis das in jedem Haushalt geschätzte feine Tafelöl in kristallklarer Reinheit sich darbietet. Ihm verdankt die Margarine VERA den reichen Nährwert und den hohen Gradder Bekömmlichkeit MARGARINE Ein echter Harry-Piel-Film in m 10 Akfen. mmn Mann gegen Mann ist der Film der Ueberraschungen: Harry Piel. als Held aus dem Volke, listig, pfiffig, gerissen. Immer weiß er seine Gegner zu übertölpeln, irrezuführen. Aus den heikelsten Situationen findet er verblüffende Auswege. Aus noch so geschickt angelegten Fallen gleitet er mit unnachahmlicher, aalglatter Geschicklichkeit heraus, wie er im Kampf mit Falschmünzern u. Schmugglern nicht nur den Sieg, sondern auch die Lacher auf seine Seite bringt. Eminente Spannung u. Sensationen über Sensationen heben diesen Pielfilm weit über die Reihe seiner Vorgänger. 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