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Lensing, Verlagsanstalt G. m. b. H., Zweigniederlassung Ahaus. slummer 343 Donnerstag, den 13. Dezember 1934 Jahrgang 1934 f; jetzt ber zu 1 was so war artei", ch vert. Sie t Eingesofort, t das rt geht terchen, n dort nd Sie en Sie Locken, t einer an aus hatte; rt, um as gewohl, der die g Wilerte in ide fest vachsen 2s auch nn daisaweta eise in in da Dann bte sich ndsah te; die Gesicht, Zügen schwer sehr er ug seir Tat= „durch dem e seine ick, der Russe ind erdeuter Un„Was ich für ommen hergeeinen Feuerrch, als e; und machte oreßten ym zu Georg Zeweise benutze Russen ihrem Fällt Unangebrachte Entrüstung der Abstimmungskommission. Sie will Verlautbarungen der Reichssender im Saargebiet verbieten. das Echo auf die Rossenbeck=Akten. DNB Saarbrücken, 12. Dez. Die Saarbevölkerung erfuhr am Mittwoch durch eine Meldung der Agentur Havas, sowie durch die Miteilungen der Separatistenpresse, daß die Abstimnungskommission gegen die Verwertung des die Separatisten und den Grubeningenieur Rossenbeck schwer belastenden Materials durch Rundfunk und Presse Stellung genommen hat. In einer Erllärung gibt die Abstimmungskommission ihrer Entzustung hierüber Ausdruck, namentlich auch über die orecherische Art“, in der der Privatsekretär hilt sich das Material aus dem Geldschrank Rossenbecks bschafft hat. Die Abstimmungskommission erklärt, kein rständnis dafür zu haben, daß ein so empörendes Vorommnis und das Mitteilungen aus solch trüber Quelle über einen Reichssender zu Agitationszwecen verbreitet werden konnte. Sie stellte infolgedessen in Aussicht, öffentliche Verlautbarungen der Reichsjender künftig im Saargebiet zu verbieten. Es ist nicht recht verständlich, so schreibt dazu das Deutsche Nachrichtenbüro, wenn die Abstimmungskommission sich angesichts des Endkampfes an der Saar darüber erstaunt zeigt, daß schließlich auch von deutschgesinnter Seite, die an der Saar nicht über die der Gegenseite zur Verfügung stehenden bekannten Hilfsmittel verfügt. enteidendes Material, das sich ein deutscher Nann in Wahrung berechtigter Interessen von einem Feinde seines Vaterlandes zu verschaffen gewußt hat, in geeignet erscheinender Weise zur wahrheitsgemäßen Aufklärung der Bevölterung verwertet wird. Das Material aber und das, was dadurch erkennbar wird, ist das wesentliche, nicht die Art und Weise, wie dieses Material beschafft wurde, so hieß es jedenfalls bisher— nicht nur hinsichtlich der Saarfrage— immer bei den Gegnern Deutschlands, wenn angebliche deutsche Verfehlungen durch wenn noch so fragwürdige Dokumente belegt werden sollten. Insofern sollte es heute eher naheliegen, daß Abstimmungskommission und Abstimmungsgerichte es als Pflicht ihrer Neutralität ansehen, die eigentliche Schuldfrage zu klären, d. h.: sich über Inhalt und eutung der Dokumente, deren Echtheit nicht mehr bestritten werden kann, zu vergewissern und der Frage nachzugehen, ob damit nicht Fälle aufgedeckt worden sind, die eine Befassung des Strafrichters mit gewissen bloßgelegten Machenschaften, für die es bisher nie eine Untersuchung gab, durchaus angezeigt ersheinen lassen. Bürckel zum Fall Rossenbeck-Hilt. DNB Saarbrücken, 12. Dez. Der Saarbevollmächtigte des Reichskanzlers, Gauleiter Bürckel, hat an die Abstimmungskommission als Antwort auf ihre Verlautbarung vom 11. bezw. 12. Dezember über den Fall Rossenbeck=Hilt ein Schreiben gerichtet, in dem es u. a. heißt: Die Verlautbarung der Abstimmungskommission über den Fall Rossenbeck, die Sie gestern der Agentur Havas und der„Neuen Saarpost“ und heute früh der übrigen Saarpresse zugehen ließen, kann ich nicht unwidersprochen hinnehmen, da mir die Wertung des Falles wichtige Gesichtspunkte außer Acht zu lassen 5timme af den nicht? wo er en auf= eweise, da. Sie immer sind, zu retten Vertor da en, mit ter sich tt, und ag auf mklame, und hinab, (mein nn seit Falschlich zuzie ich wieder Sie es r die schlief nahet und einige Unrichtigkeiten zu enthalten scheint. Herr Rossenbeck, der Außenbeamte der Propagandaabteilung der„Mines domaniales francaises“, hat, wie von den vorliegenden Dokumenten besagt wird, nicht nur deneue Saar=Post, sondern auch eine Reihe anderer separatistischer Zeitungen im Saargebiet, wie B. den Generalanzeiger, in erheblichem AMaße mit Mitteln finanziert. über deren HerAunft kein Zweifel bestehen kann. Nun haben gerade diese von Herrn Rossenbeck sinanzierten Blätter ununterbrochen die führenden Staatsmänner Deutschlands, nicht zuletzt das Reichsoberhaupt, in einer kaum wiederzugebenden Weise beschimpft.„Mörder und Gangster“ sind übliche Ausdrücke. Diese Pressestimmen, ihre wörtliche Wiedergabe und gehassige Kommentierungen durch nichtdeutsche Senhaben auch jetzt noch keine Mißbilligung der Abstimtungskommission gefunden, obwohl bereits auf Grund der bisherigen wenigen Veröffentlichungen aus den Akten des Herrn Rossenbeck der Zusammenhang zwischen der Reichspropagandastelle Rossenbeck, den separatistischen Zeitungen und gewissen nichtdeutschen Sendern so offensichtlich auf der Hand liegt, daß nach meinem Empfinden eine Erörterung dieses Zusammenhanges vom Standpunkt der Sicherung einer unbeinflußten Abstimmung aus sich kaum mehr umgehen dürfte. Sie werden es verstehen, Herr Präsident, daß mich bei dieser Sachlage ihre Androhung sehr peinlich berahrt hat, wonach die Verbreitung von Mitteilungen, die über die deutschen Reichssender gegeben werden, und de bisher stets einer Prüfung nach der Wahrseitsseite standhalten konnten, im Saargebiet verboten werden soll, insbesondere, nachdem in Ihrer Verlautbarung die Tätigkeit der nichtdeutschen Sender keine entsprechende Würdigung erfährt. Was die Handlung des Privatsekretärs Hilt nach ihrer moralischen und strafrechtlichen Würdigung betrifft, so ist vor allem zu berücksichtigen, daß es Herr Rossenbeck war, der in unerhörter Weise eine die Freiheit der Abstimmung beeinflussende unerlaubte Tätigkeit entfaltet hat. Auch ist zu berücksichtigen, daß die Verwendung der Gelder des Herrn Rossenbeck nur das Ziel haben sollte, deutsche Menschen von ihrem Volk und Vaterland loszureißen. Im übrigen bin ich durchaus bereit, von den deutschen Organen der Strafrechtspflege den Fall Hilt nach der strafrechtlichen Seite zu überprüfen und ahnden zu lassen, sobald ich die Gewißheit habe, daß der den Fall Hilt auslösende Fall Rossenbeck eine entsprechende Behandlung durch die zuständigen Organe der Strafrechtspflege im Saargebiet erfährt. Die Ausführungen von Hilt am Reichssender Stuttaart waren veranlaßt, weil Herr Rossenbeck der Wahrheit zuwider die Richtigkeit eines veröffentlichten Dokumentes bestritten hat und weil es im Interesse einer Klarheit im Abstimmungskampf unbedingt erforderlich ist, gewisse Dinge mit aller Eindeutigkeit klarzustellen, deshalb bin ich auch nicht in der Lage, gegen den Reichssender Stuttgart einzuschreiten. Englische Reiter und Panzerwagen für die Suar. E London, 12. Dezember. Den Blättern zufolge werden die beiden für das Saargebiet bestimmten britischen Bataillone England etappenweise verlassen, nämlich am Sonntag, Dienstag und Freitag nächster Woche. Sie werden über Dover—Calais befördert werden. Ihr Gepäck wird auf 90 Lastkraftwagen verladen werden, die auf einem neuen Fährboot der englischen Südbahn über den Aermelkanal befördert werden sollen. Der Oberbefehlshaber General Brind, der diesern Tage nach Saarbrücken abreisen dürfte, hält gegenwärtig eingehende Beratungen im Kriegsamt über die Einzelheiten seiner Aufgabe ab. In Beantwortung einer Anfrage wurde im Unterhaus mitgeteilt, daß dem britischen Kontingent der Saarstreitkräfte auch eine Eskadron der 12. Lancer mit acht Panzerwagen angehören werde, die nach Weihnachten in das Saargebiet abrücken würden. Das Verbot der Einreise von SA-Männern ins Saargebiet. DNB Neustadt a. d. H., 12. Dezember. Die Dienststelle des Saarbevollmächtigten des Reichskanzlers gibt bekannt: Die Bekanntmachung des Saarbevollmächtigten des Reichskanzlers über das Einreiseverbot ins Saargebiet für SA= und SS=Angehörige gab zu falschen Auslegungen Veranlassung. Es ist selbstverständlich, daß SA= und SS=Männer aus dem Reich, die im Saargebiet beschäftigt sind, nach wie vor ihre Tätigkeit dort ausüben können. In anderen Fällen ist bei begründeten Anlässen an den Saarbevollmächtigten des Reichskanzlers ein Gesuch zu richten, das jeweils sofort erledigt wird. Laval wieder in Paris. (!) Paris, 12. Dez. Der französische Außenminister Laval ist am Dienstag abend aus Genf kommend wieder in Paris eingetroffen. Unter den Persönlichkeiten, die ihn am Bahnhof erwarteten, befand sich auch der südslawische Gesandte in Paris, Spalaikowitsch, der ihn mit einer Umarmung begrüßte und sagte:„Ich danke Ihnen von ganzem Herzen.“ In unterrichteten Kreisen verlautet, daß Laval sich zurzeit besonders den Vorarbeiten für eine Begegnung mit Mussolini widmet. Zunächst ist jedenfalls mit der Reise nach Italien noch nicht zu rechnen. Laval wird Paris nicht vor Januar verlassen. Furchtbares Einsturzunglück in einer englischen Schule. 300 Verletzte. Liverpool, 13. Dezember. In Liverpool hat sich am Mittwoch abend ein furchtbares Einsturzunglück ereignet. In dem im ersten Stockwerk gelegenen Festsaal der St. Clemensschule fand ein Konzert und eine Ausstellung statt, zu der sich etwa 400 Personen, zum größten Teil Kinder, eingefunden hatten. Aus noch nicht geklärter Ursache brach plötzlich der Fußboden des Saales ein, und sämtliche Anwesenden stürzten etwa 12 Meter in die Tiefe. 300 Personen wurden in schnell herbeigerufenen Krankentransportwagen und Lastwagen ins Krankenhaus geschafft. Vor dem Schulgebäude spielten sich erschütternde Szenen ab. Zahlreiche Mütter, die ihre Kinder in dem Saal wußten, versuchten verzweifelt in die trümmerübersäte Unglücksstätte einzudringen. Feuerwehrleute und Polizeibeamte sind damit beschäftigt, die verschütteten Opfer mit Aexten freizulegen. Der schaurige Hotelbrand am Grand River. Noch 80 Hotelgäste vermißt. § Newyork, 12. Dezember. Die Zahl der Todesopfer, die der Hotelbrand in Lansing gefordert hat, steht immer noch nicht fest. Es werden noch etwa 80 Hotelgäste vermißt. Man fürchtet, daß die Zahl der Toten bis auf etwa 50 steigen wird. Mit der Durchsuchung der glühenden Trümmer sollte in den Morgenstunden des Mittwoch begonnen werden. Die Ursache des furchtbaren Brandes ist noch nicht geklärt. Zwar haben mehrere Augenzeugen beobachtet, daß vor dem Ausbruch des Feuers alle Lichter im Hotel verlöschten, so daß man auf Kurzschluß schließen könnte. Dann bleibt auch die Möglichkeit, daß ein Hotelgast mit einer brennenden Zigarette ins Bett ging und aus Unvorsichtigkeit den Brand entfachte. Denn die Tragödie folgte einer Nacht der Freude und Ausgelassenheit. Die Abgeordneten des Parlaments des Staates Michigan, die zu einer Sondersitzung einberufen waren und zum größten Teil in diesem Hotel wohnten, hatten eine Feier veranstaltet, die in allen Räumen abgehalten wurde und bis in die frühen Morgenstunden dauerte. Nach Berichten von Ueberlebenden haben sich schreckliche Panikszenen in dem brennenden Hotel abgespielt. Frauen mit brennenden Haaren und Kleidern durchrasten die Korridore, zahlreiche Hotelgäste wurden bei dem Versuch, sich zu retten, niedergetreten. Zwanzig Minuten lang ertönten furchtbare Schreckensrufe. bis das Hotel mit donnerähnlichem Krachen in sich zusammenstürzte. Viele Gäste, und auch Hotelangestellte, die aus den Fenstern auf die Straße gesprungen waren, sind bei diesem Sprung ums Leben gekommen. Man macht der Feuerwehr den Vorwurf, die Sprungtücher zu spät ausgebreiret zu haben. Die Leitung der Feuerwehr erklärt jedoch, sie sei zu spät benachrichtigt worden. Das Feuer brach auf der Straßenseite des Hotels aus, griff, von einem heftigen Wind vorwärts getrieben, schnell auf die Wasserseite des Grand River über, breitete sich sofort auf dem Treppenflur und in der großen Eingangshalle aus und schnitt so den Insassen den einzig möglichen Weg zur Rettung ab. Nur so ist das ganze Ausmaß des Unglücks zu erklären. Ein schrecklicher Anblick war es, bei Tagesgrauen die vielen Löcher in der dünnen Eisdecke des Grand River zu sehen. In der Todesangst waren viele Insassen, von den Flammen bedroht, aus ihrem Zimmerfenster in den Fluß gesprungen und dort, da ein Schwimmen infolge des Eises unmöglich war, ertrunken. Polizeiboote suchen jetzt den Fluß nach den Leichen ab. Eine Katastrophe im Unglück ereignete sich, als die vorgebaute Küche einstürzte. Auf das Dach dieser Küche hatte sich gerade eine ganze Anzahl von Gästen und Hotelangestellten gerettet. Sie atmeten auf und glaubten sich in Sicherheit. Einige Feuerwehrleute nahten schon zu ihrer Befreiung. Da stürzte mit einem furchtbaren Krachen die Küche ein, nicht nur die unglücklichen Gäste und Hotelangestellten unter sich bergend, sondern auch die zu ihrer Rettung herbeigeeilten Feuerwehrleute. Der entstandene Sachschaden wird auf ungefähr 400 000 Dollar geschätzt. Stalin zieht die Zügel an. Von unserem Moskauer Mitarbeiter. Moskau, im Dezember. Das Attentat in Leningrad, dem Kirow zum Opfer fiel, hat in den leitenden Kreisen des Sowjetstaates eine Stimmung höchster Nervosität erzeugt, die sich jetzt in Maßnahmen entlädt, die dies deutlich zeigen. Die Leiche Kirows war noch nicht beigesetzt worden, als schon ein Dekret veröffentlicht wurde, das ein beschleunigtes Verfahren gegen„Eertoristen" vorschreibt, während das Begnadigungsrecht für diese Fälle ausgeschaltet wird. Dann folgte eine offizielle Veröffentlichung über die Verhaftung und Hinrichtung von 66 Personen, die sich terroristischer Handlungen oder der Vorbereitung zu solchen schuldig gemacht haben sollen. Ihre Angehörigen, etwa 200 Personen, sind nach Sibirien verbannt worden. Die offiziösen Erklärungen und die Sowjetpresse sprechen von einem Terror des Klassenfeindes, der niedergekämpft werden müsse. Aber es wird nichts gesagt über die Untersuchung der Angelegenheit der Hingerichteten, nichts über die Art ihrer Anschläge und Pläne. Vor allem fehlt der Hinweis auf einen Zusammenhang mit dem Attentat gegen Kirow. Nach dieser Mordtat ergab sich aber doch zunächst vor allem die Frage: was steckt hinter diesem Attentat? Was wollte der Täter, war er Werkzeug einer Verschwörung oder übte er Privatrache? Dies alles bleibt unbeantwortet, man hört, daß der Mörder gar nicht vernehmungsfähig sei. Und anstatt von einem Vorgehen gegen ihn vernimmt man von der Erschießung von 66 Menschen, die zum großen Teil vor kurzer Zeit über die Westgrenze nach der Sowjetunion gekommen sein sollen, um terroristische Akte auszuüben. Unwillkürlich fragt sich der Leser dieser Meldungen, ob die Hinrichtungen auch stattgefunden hätten, wenn das Attentat gegen Kirow nicht verübt worden wäre. Wie schon in früheren Jahren, wenn irgendein einzelner Vorgang oder ein Versagen des Apparats das Mißtrauen und den Zorn der Moskauer Machthaber erregt hatten, scheint man nun auch diesmal mit drakonischen Maßnahmen vorgehen zu wollen. Daß man im leitenden Kreise die Situation als ernst ansieht, beweist auch die Einberufung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei zu einer Plenartagung. Soeben hat eine solche stattgefunden, es war die, welche den bekannten Beschluß über die Abschaffung der Brotkarte und auch wichtige politische Beschlüsse faßte. Und nun soll schon wieder eine tagen, um zur innerpolitischen Lage Stellung zu nehmen. Die Verhandlungen dieser Sondersession werden der Oeffentlichkeit jedenfalls wie üblich durch ein Kommuniqué bekanntgemacht werden, das, über die Debatten und etwaigen Meinungsverschiedenheiten hinweggehend, nur die Beschlüsse mitteilen wird. Die Tatsache der Einberufung dieser Versammlung widerlegt aber auch gewisse Sensationsmeldungen der ausländischen, hauptsächlich der angelsächsischen Presse, die sich mit den ohnehin schon erschütternden Nachrichten über Massenerschießungen und Verbannungen nicht begnügen und ihnen durch Hinzufügung weiterer Ausmalung noch mehr Farbe geben wollte. Diese hält aber einer schärferen Prüfung nicht stand. Besonders die angeblich weitgreifende Aufruhrbewegung, die gewisse Meldungen signalisierten, ist in mehr als vorschneller Weise aufgetischt worden. Hierbei sei daran erinnert, daß der geheimnisvolle Kanonendonner bei Kronstadt, den„man" angeblich jetzt vernommen hat, nicht zum ersten Mal in Zeitungsspalten erdröhnt. Als seinerzeit Trotzki von seinem Piedestal stürzte und in die Verbannung gehen mußte, hatten angeblich auch ernste Unruhen in Kronstadt begonnen, aber nur zu bald mußten die betreffenden Meldungen den Geschützdonner und den ganzen übrigen Alarm wieder abklingen lassen. Bei einer Aufruhrbewegung irgendwelcher Art würde das Zentralkomitee jetzt gewiß nicht einberufen werden. Wenn das jetzt vollzogene Strafgericht auch Beamte der GPU(bekanntlich in Volkskommissariat des Innern umbenannt) in seinen Kreis gezogen hat, so nicht wegen eines Aufruhrs oder einer Verschwörung, wie die erwähnten ausländischen Presseberichte behauptet haben, sondern wegen Nachlässigkeit im Dienst und mangelnder Wachsamkeit. Es mögen allerdings auch unzuverlässige Elemente bei der strengen Säuberung des Leningrader Polizeiapparats entdeckt worden sein, aber in der Hauptsache handelt es sich jedenfalls um Verfehlungen im Dienst. Für Kirows Tod ist die Leningrader Abteilung der GPU verantwortlich gemacht worden, man läßt es ihr nicht durchgehen, daß der Attentäter in das Sowjetpalais eindringen konnte. Das hat vor allem Medwedi, der Leiter der Leningrader GPU, ein altbewährter Bolschewik, zu seinem Schaden erfahren müssen. Seine Absetzung ist sehr bezeichnend für die ganze Praxis der Parteileitung. Langjährige Parteizugehörigkeit und frühere Verdienste bedeuten nichts, wenn sie nicht durch nie erlahmenden Eifer und nie nachlassende Wachsamkeit unterstützt werden. Das Aufräumen unter den GPU=Beamten verfolgt aber natürlich auch den Zweck, diese ganze Beamtenschaft aufs neue scharf zu machen, den Eifer zu beleben. Das läßt ebenfalls befürchten, daß eine neue Terrorwelle im Aufsteigen begriffen ist, denn die einmal angefeuerten Beamten der GPU werden nun ihre Zuverlässigkeit ebenso beweisen wollen, wie ihren Scharfblick, und es ist somit eine Serie von„Enthüllungen“ nicht unwahrscheinlich. In der Teilrepublik Weißrußland hat man denn auch schon seine örtliche Verschwörung und ein Prozeß dürfte bald folgen. Der Jahresschluß hat dem Sowjetstaat nach einer längeren Periode scheinbarer Ruhe wieder Exeignisse gebracht, die die leitenden Kreise aufgeschreckt haben. Diese Stimmung wirkt sich jetzt aus. Die Sicherung des Abstimmungsergebnisses geführdet. Die Deutsche Front für sofortige Feststellung des Ergebnisses. DNB Saarbrücken, 12. Dezember. Die Landesleitung und Fraktion der Deutschen Front haben an die Abstimmungskommission eine Eingabe gerichtet, die sich gegen die Verlautbarungen wendet, nach denen die Zählung der Abstimmungsergebnisse erstam 14. Januar in einem großen Saal in der Stadt Saarbrücken stattfinden soll. Durch diese beabsichtigte Maßnahme der Regierungskommission sieht die Deutsche Front die Sicherung des Abstimmungsergebnisses gefahrdet. In der Eingabe wird das Ersuchen vorgebracht, die Stimmergebnisse unmittelbar nach Abschluß der Abstimmungshandlung an Ort und Stelle festzustellen, damit diese tatsächlich unverändert festgehalten werden und die Volksabstimmung als vertragliche Grundlage für das weitere Schicksal des Saargebietes nicht in letzter Stunde noch gefährdet wird. Die Bedenken, die die Eingabe der Deutschen Front gegen eine spätere Gesamtzählung in Saarbrucken vorbringt, sind, daß eine derartige Zählung frühestens am Tage nach der Abstimmung erfolgen könnte, und daß zur Zählung insgesamt ungefähr 850 Urnen nach Saarbrücken in das Zähllokal gebracht werden müßten. Es gebe aber weder theoretisch noch praktisch einen sicheren Schutz dagegen, daß während der Beförderung oder während der Aufbewahrung der Urnen bis zur Zählung eine oder die andere entwendet oder ausgetauscht werden kann. Die Erfahrung, die die Deutsche Front hat machen müssen, seitdem im Saargebiet Emigranten das Asylrecht genießen und sogar polizeiliche Funktionen übertragen erhalten, erfülle sie jedenfalls mit höchstem Mißtrauen. Die Eingabe weist ferner darauf hin, daß ein Wahlvorgang, bei dem die Feststellung des Ergebnisses einer späteren Zählung vorbehalten bleibe, nirgends in der Welt bekannt sei. Falls die Abstimmungskommission, so heißt es weiter, befürchten sollte, daß eine Gefährdung des Abstimmungsgeheimnisses mancherorts in Frage kommen könnte— eine Auffassung, die die Deutsche Front nicht teile, da bisher in allen Ländern mit geheimer Wahl die Zählung in den Abstimmungsbüros zu erfolgen pflegte — werde vorgeschlagen, die Zählung der Gesamtergebnisse einer Bürgermeisterei sosort nach der Abstim mung selbst vorzunehmen. Damit würde die zeitweise Aufbewahrung der Urnen und der längere Transport überflüssig werden, denn in diesem Falle müßten die einzelnen Urnen nur in die 86 Bürermeisterejen geschafft werden und nicht sämtiche 850 Urnen nach Saarbrücken befördert werden. Der Transport zum Bürgermeisteramt könnte zudem unter den Augen der Oeffentlichkeit und unter polizeilichem Beistand immerhin noch ohne Gefahr durchgeführt werden. Sollte die Abstimmungskommission ihre Absicht, die Stimmzählung in Saarbrücken vorzunehmen, keinesfalls aufgeben können, so bittet die Deutsche Front, die von ihr vorgeschlagene Zählung an der einzelnen Urne bezw. auf den Bürgermeisterämtern sofort nach Abschluß der Abstimmung selbst als vorläufige Zählung vorzunehmen und provisorisch festlegen zu lassen. * Das Deutsche Nachrichtenbüro schreibt hierzu noch: Die Eingabe der Deutschen Front hat eine durchaus ernste und schwerwiegende Bedeutung, da es sich bei dem der Abstimmungshandlung folgenden Zählverfahren in der Tat für die Saarbevölkerung um eine Schicksalsfrage handelt, bei der sie im Sinne ihres Selbstbestimmungsrechtes wohl befugt ist, zu Wort zu kommen und gehört zu werden. Die Anwesenheit der zahlreichen fremden Truppen muß nunmehr jeden Einwand zerstreuen, daß die Abstimmung selbst irgendwie in ihrer Freiheit und Aufrichtigkeit gefährdet werden könnte. Dasselbe gilt für die Geheimhaltung, zumal wenn die bestehende Absicht durchgeführt wird, die Urnen nicht einzeln zu zählen, sondern sie inhaltlich für jeden der 86 Abstimmungsbezirke zusammenzufassen, um somit zu verhüten, daß kleinere Einzelergebnisse lokale Rückschlüsse ermöglichen. Nachdem also auf diese Weise alles geschieht, was seitens der Abstimmungsbehörde im Sinne der Unverfälschtheit der Abstimmung verlangt werden kann, wird nunmehr auch die Bevölkerung— als Subjekt, nicht Objekt dieser Abstimmung— auch die ihr zukommenden Rücksichten erwarten können. Die Wertung der Ergebnisse erfolgt nach Bürgermeistereien. Es ist nur logisch, daß an dem betreffenden Hauptort. unter Vermeidung jeden Umweges und jeden Zeitverlustes, die Zählung unverzüglich erfolgt, wie dies bei allen Wahlen zivilisierter Völker der Fall ist. Sache der Abstimmungskommission wird es sein, das Nötige zu veranlassen, damit diesen berechtigten Bedürfnissen der abstimmenden Bevölkerung— Vertrauen, Sicherheit und unverzügliche Klarheit— im Interesse einer endlichen und verdienten Entspannung Genüge geschieht. hältnis der Wehrmacht zum Nationalsozialismus befasse und zum einen Mal behaupte, daß der größte Gegner des Nationalsozialismus in Deutschland die Wehrmacht und ihre führenden Generale seien, zum anderen Male wiederum die Meinung ausdrücke, die Wehrmacht sei restlos im nationalsozialistischen Sinne politisiert und dadurch ihrer Schlagkraft verlustig gegangen. Nicht allein aus Böswilligkeit und Sensationslust würden derartige Meinungen kolportiert, sondern auch aus dem Unvermögen heraus, die Wehrmacht und ihre Stellung im neuen Staat zu verstehen. Man versuche, wie im alten Staat, die Wehrmacht zu einer Sphinx zu stempeln, zu einer unbestimmbaren Größe, von der man nicht wisse, wo sie eigentlich stehe. Major Foertsch gab einen Abriß der Entwicklung und der Grundlage der Wehrmacht, wies darauf hin, daß nach 1918 im Weimarer Staat infolge des Mangels an Autorität durch den Parteienstreit und infolge des Fehlens eines klaren Bekenntnisses zur Wehrhaftigkeit die Wehrmacht eine gewisse eigene Stellung habe einnehmen müssen. Damals habe die Wehrmacht eine überparteiliche Haltung sich geschaffen, die oft angegriffen und mißverstanden worden sei. Sie sei aber im Interesse der Selbsterhaltung der Wehrmacht notwendig gewesen. Die Reichswehr habe, weil ihr der Weimarer Staat nicht die innere Lebensgrundlage gegeben habe, sich einen eigenen Staatsbegriff geschaffen, der mit der Weimarer Verfassung sich nicht gedeckt habe und der das Ueberzeitliche und Dauernde des Staates und der Nation zur Grundlage hatte. Die Haltung der Wehrmacht in der nationalsozialistischen Revolution sei in jeder Weise folgerichtig gewesen. Zwar hätten in der Welt oft Armeen Revolutionen macht, in Revolutionen eingegriffen und Revolutias beendet. Für die deutsche Wehrmacht seienn solche Haltung nicht in Frage gekommen denn das, was sie ersehnte, habe die nationalsozialistische Bewegung erkämpft. Aus dieser Gleichheit der Anschai ung nun zu folgern, da dann die Armee die Revolution ja schon viel früher hätte machen können, sei falsch nur von Armeen gemachte Revolutionen zerstören mein das Gefüge dieser Armeen und seien nicht von landhDauer. runger Im letzten Teil seiner Ausführungen behandelte Major Foertsch die Beziehungen zwischen den einz Säulen der NSDAP und der Wehrmacht, die eng und herzlich seien. Der Führer habe die Wehrmacht aus einer gewissen Vereinsamung herausgehoben und wiede mitten ins Volk gestellt, er habe weiter die deutsch Wehrmacht zu einer der Säulen bestimmt, die neben der Partei als dem politischen Willensträger als einziger Waffenträger der Nation den Staat trage Reichswehrminister Generaloberst von Blomberg habe keinen Zweifel darüber gelassen, daß der Nationassozialismus als die Grundlage des neuen Staates ang für die Wehrmacht unantastbar sein müsse, und die Wehrmacht habe bewiesen, daß es ihr mit dieser Grundlagernst ist. Eine unpolitische Wehrmacht habe es nie gegeben, und so monarchisch die alte Armee der Vorkriegszeit gewesen sei, so nationalsozialistisch müsse die heutige Wehrmacht sein. Politische Betätigung sei dem Soldaten aus Gründen der Manneszucht verboten, nicht jedoch politisches Denken, das aber finde die Wehrmacht heute im Rahmen des nationalsozialistischen Denkens. Das italienisch-abessinische Gefecht bei Ualual. 110 Tote auf abessinischer Seite. A Rom, 12. Dezember. Zu dem Grenzzwischenfall an der Grenze zwischen Italienisch=Somaliland und Abessinien wird hier bekannt, daß die Zahl der Toten auf abessinischer Seite 110 beträgt. Von den Italienern wurden erbeutet: 150 Gewehre, 70 Tragtiere, 125 Zelte, 400 Lebensmittelsäcke, ein Lastkraftwagen und 8000 Schuß Gewehrmunition. Ferner wird bekanntgegeben, daß die italienischen Truppen das Lager einer abessinischen Truppenabteilung erobert haben. * Der Grenzzwischenfall, der sich wahrscheinlich in einem Abschnitt zugetragen hat, dessen staatliche Zugehörigkeit noch nicht feststeht, scheint ernsterer Natur zu sein als die Vorfälle, die sich früher ereigneten und beigelegt wurden. Die Grenze zwischen Italienisch=Somaliland und Abessinien verläuft nach der vertraglichen Festlegung 180 Meilen westlich der Meeresküste, ist aber im Einzelnen noch nicht abgesteckt. Eine abessinisch-englische Kommission, bei der sich ein britischer Kolonialbeamter aus Britisch=Somaliland befand, und die die Grenze bestimmen wollte, stieß am 23 November in einer Entfernung von 240 Meilen von der Küste auf ein etwa 800 Mann starkes italienisches Kontingent, das mit Panzerwagen und Flugzeugen ausgerüstet war. Die Kommission wurde an der Weiterarbeit verhindert, und die englischen Mitglieder reisten schließlich ab. Nachdem dies geschehen war und nachdem offenbar das abessinische bewaffnete Kontingent, das der Kommission zum Schutze beigegeben war, weiteren Zuzug aus dem Innern des Landes erhalten hatte, entstanden Reibungen zwischen Abessiniern und Italienern, die am 5. Dezember zu einem regelrechten Gefecht bei Ualual führten. Dabei erlitten die Italiener nach abessinischen Darstellungen Verluste von 60 Toten und 400 Verwundeten, blieben aber siegreich. Die Italiener sind seit diesem Gefecht noch weiter vorgerückt, so daß sie jetzt über 250 Meilen von der Küste entfernt sein sollen. Der abessinische Geschäftsträger in Rom wurde mit der Vornahme eines Protestschrittes beauftragt, der sich sowohl auf eine Grenzverletzung wie auf den— wie die Abessinier sagen— unprovozierten Angriff der Italiener bezieht. Gleichzeitig hat aber Italien sich auf den Standpunkt gestellt, daß seine Truppen von bewaffneten abessinischen Banden angegriffen worden seien und haf seinerseits einen Protestschritt in Addis Abeba eingeleitet. Die Agentur„Stefani" führt den Zwischenfall auf das Betreiben eines örtlichen abessinischen Machthabers zurück und wendet sich gegen tendenziös entstellte Berichte. Die italienischen Regierungskreise sind bemüht, der Angelegenheit keine große Bedeutung beizumessen Man glaubt, daß es möglich sein wird, den Zwischenfall auf diplomatischem Wege zufriedenstellend zu klären. Der abessinische Geschäftsträger in Rom soll beauftragt sein, die Einberufung des im italienisch=abessinischen Vertrag von 1928 vorgesehenen Schiedsgerichts zu beantragen. Die Belastung der polnisch-französischen Beziehungen. Polens Vorbehalte zum Ostpakt. DNB Warschau, 12. Dezember. Der Krakauer„Kurjer Illustrowanny“ veröffentlicht eine Unterredung mit dem Vorsitzenden des Sejmausschusses für auswärtige Angelegenheiten, Fürst Radziwill, der bekanntlich auch Vizepräsident der parlamentarischen Organisation des Pilsudski=Lagers ist. Fürst Radziwill führte aus, daß die polnischfranzösischen Beziehungen durch wirtschaftliche Fragen untergeordneter Art belastet seien: Durch Klagen französischer Geschäftsleute, durch Schwierigkeiten in wirtschaftlichen Verhandlungen und durch die wichtigere Frage der Ausweisung der polnischen Arbeiter aus Frankreich. Diese Dinge trübten die Atmosphäre zwischen beiden Ländern, obgleich Polen die französische Freundschaft wunsche und das polnisch=französische Bündnis als Grundlage der polnischen Politik ansehe. Freilich, sagte der Fürst, wünsche Polen nicht, in internationale Fragen hineingezogen zu werden, die polnische Belange nicht berührten, wie die Donaufrage oder Balkanfrage. Und andererseits könne Polen nicht zulassen, daß Fragen des Ostens, wie die baltische, die sowjetrussische oder die deutsche Frage, ohne Beteiligung Polens geregelt wurden. Polen könne nicht zulassen, daß irgendein Pakt unterzeichnet würde, zu dessen Unterschrift es nach Fertigstellung des Entwurfes eingeladen würde. Von diesem Standpunkt aus habe Polen seine Vorbehalte gegen den Ostpakt erhoben. Ueber die deutsch=polnischen Beziehungen sagte Fürst Radziwill, sowohl das Abkommen mit Deutschland wie der Vertrag mit Sowjetrußland festigten den Frieden in Europa und durchkreuzten nicht das Bündnis mit Frankreich. Polen habe seine wirtschaftlichen Beziehungen mit Deutschland geregelt und sei dadurch zu einem normalen Verhältnis gelangt. Man spreche zwischen beiden Ländern nicht darüber, was sie trenne, sondern über das gemeinsame, menschliche, einfache Interesse des Zusammenlebens. Politische Zugeständnisse habe Polen gegenüber Deutschland nicht zu machen. Der Vertrag mit Deutschland habe die Verhältnisse normal gestaltet; die polnische Politik habe sich bemüht, einen Modus vivendi mit dem Nachbarn zu finden. Weder in der polnischen noch in der deutschen Oeffentlichkeit sei man der Auffassung, daß durch den deutsch=polnischen Vertrag alle Streitfragen ein für allemal gelöst seien, die seit Jahrhunderten zwischen Polen und Deutschland bestehen. Das Krakauer Blatt, das diese Unterredung wiedergibt, unterstreicht von sich aus zusammenfassend die Gedanken: Polen sei in seinen Gesprächen mit Deutschland keinen Schritt weitergegangen, als es sein Bündnis mit Frankreich erlaube. Das Blatt erinnert daran, daß Marschall Pilsudski dem französischen Botschafter nach Unterzeichnung des deutsch-polnischen Abkommens gesagt habe, das polnisch-französische Bündnis dauere weiter, und Polen halte es für die Grundlage seiner Politik. Das gleiche hätten der Außenminister Beck und der polnische Staatspräsident auch Ende Oktober dem französischen Botschafter gesagt. Das Blatt hofft, daß die Mißverständnisse zwischen Frankreich und Volen schwinden würden und daß das natürliche, noch tief im polnischen Herzen wurzelnde Bündnis jede Probe bestehen werde, selbst die Probe, daß man offen die Wahrheit sage. Ein weiterer Schritt zur Vereinheitlichung des Reichs und Preußens. Einheitliche Zusammenfassung von Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung. Berlin, 12. Dezember. Die durch Ministerpräsident Göring Mitte März dieses Jahres eingeleitete Aktion zur Vereinheitlichung des Reiches und Preußens hat durch die von Reichsminister Rust mit Zustimmung des preußischen Ministerpräsidenten Göring erfolgte Aufstellung eines einheitlichen Geschäftsverteilungsplanes für das Reichserziehungsministeriumundpreußische Kultusministerium eine weitere entscheidende Förderung erfahren. Ihren sichtbaren Ausdruck finden die grundlegenden Maßnahmen in der neuen Behördenbezeichnung. Nunmehr gibt es nur noch den Reichs- und preußischen Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, unter dem die beiden Ministerien einheitlich zusammengefaßt sind, ohne daß freilich der Bestand des preußischen Kultusministeriums dadurch berührt wird. Zur Personalunion ist die Realunion getreten, und damit kommen auch auf dem Gebiete des Erziehungswesens die jahrzehntelangen Verwaltungserfahrungen Preußens uneingeschränkt dem Reiche zugute. Das Reichs= und preußische Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung gliedert sich unter Reichsminister Rust und einem Staatssekretär nach dem neuen Geschäftsverteilungsplan folgendermaßen: entralamt(Verwaltung, Gesetzgebung, Ausland); 2. Ministeramt, 3. Amt für Wissenschaft(mit der Hochschul= und Forschungsabteilung); 4. Amt für Erziehung(Schulen sowie berufliches, bäuerliches und soziales Ausbildungswesen); 5. Amt für Volksbildung(Akademie der Künste, Volkshochschulen, Volksbücherei, Museen und Schlösser, Denkmalspflege, Naturschutz usw., Musikhochschulen, bildende Künste, Literatur und Theater, Film und Funk; 6. Amt Die Wehrmacht einziger Waffentrüger der Nation. Major Foertsch über Nationalsozialismus und Berlin, 12. Dezember. Am Dienstag abend sprach der Leiter der Abteilung Inland des Reichswehrministeriums, Major Foertsch, vor Pressevertretern und Führern der SA und SS. des Arbeitsdienstes und der Hitlerjugend über das Thema „Die Wehrmacht im neuen Reich". Major Foertsch ging davon aus, daß trotz aller Erklärungen eine gewisse Auslandspresse sich immer wieder mit dem VerJapans Vorsprung in der Seerüstung vor Amerika. „Der Haushalt hält ein Wettrüsten aus." DNB Tokio, 12. Dezember. Marineminister Admiral Osumi sprach am Mittwoch im Ausschuß des Staatsrates über den Flottenhaushalt. Er betonte dabei, daß der Haushalt genüge, um ein Wettrüsten auszuhalten. Die Zahl der japanischen Marineangehörigen betrage 90 000 gegenüber 80 000 der amerikanischen Flotte. Die Vereinigten Staaten könnten den Vorsprung Japans an ausgebildeten Offizieren und Mannschaften nicht einholen. Japan könne nach der Kündigung des Flottenvertrages neue Kriegsschiffe bauen, ohne daß es gezwungen sei, dafür alte Schiffe abzurüsten. Diese könnten vielmehr weiter verwendet werden. Die Mandate über die Südsee=Inseln werde Japan nicht aufgeben. Nötigenfalls werde es sie durch Einsatz der Flotte zu schützen wissen. Die japanische Regierung wolle gleichzeitig mit der Kündigung des Flottenvertrages einen Zeitpunkt und den Ort für eine neue Flottenkonferenz vorschlagen. Sie hoffe, daß hierüber eine befriedigende Lösung erzielt werden würde. Dr. Gördeler zur Preisbildung der Beesische. DNB Berlin, 12. Dezember. Der Reichskommissar für Preisüberwachung, Dr. Gördeler, teilt mit: Nachdem innerhalb der letzten drei Wochen die Seefischpreise an der Küste erheblich gefallen sind, erwarte ich, daß sich dieser Rückgang in einer entsprechenden Rückbildung des Konsumpreises auswirkt Diese Angabe trifft nicht zu für grüne Heringe, die zur Zeit fast ausschließlich nur zu teueren Preisen von ausländischen Dampfern bezogen werden können, da die deutschen Fischgründe in dieser Jahreszeit nur wenig Ware liefern. Ein Dokument nationalsozialistischer Gesinnung. Berlin, 12. Dezember. Durch das Deutsche Nachrichtenbüro wird der Oeffentlichkeit ein Dokument nationalsozialistischer Gesinnung übergeben. Am Tage der nationalen Solidarität traf im Reichspropagandaministerium ein Telegramm ein, das von einem Varteigenossen abgesandt worden war, der, seit langer Zeit selbst arbeitslos, gerade an diesem Tage wieder seinen ersten Lohn hatte in Empfang nehmen können. Dieses Telegramm hatte folgenden Wortlaut:„20 Mark aus heutiger erster Einnahme nach achtmonatiger Arbeitslosigkeit zum Tage der nationalen Solidarität.“ Sicherlich hat dieser Parteigenosse sehr viele Wünsche gehabt, die er mit seinem ersten Lohn nach dreivierteljähriger Arbeitslosigkeit gerne befriedigt hätte. Aber er dachte nicht an sich, nicht an seine Wünsche und seine Bedürfnisse, sondern an die Millionen Volksgenossen, die noch nicht das Glück hatten, wieder mit eigener Hand ihr Brot zu verdienen, und so ging er vom Zahltisch weg auf die Post und sandte im Zeichen der nationalen Solidarität diese 20 Reichsmark an Dr. Goebbels. Oeffentlich sei ihm, dem Parteigenossen Paul Bornkessel, Berlin=Südende, für dieses leuchtende Beispiel nationalsozialistischen Opfersinnes gedankt. Beförderungen und Ernennungen an Gedenktogen der Nation. Ndz Berlin, 12. Dezember. Um die Verbundenheit der Beamtenschaft mit dem Führer und Reichskanzler und der nationalsozialistischen Bewegung besonders zu betonen, bezeichnet es der Reichsinnenminister in einem Runderlaß an die Landesregierungen und alle Verwaltungen als zweckmäßig, Ernennungen zu Beamten, Beförderungen, sowie nach ausgabe entsprechender Bestimmungen gegebenenfalls Verleihungen von Titeln und Charakteren, ferner Höhereinstufungen bei Angestellten, Lohnempfängern usw. mehr als bisher an den Gedenk- und Feiertagender Nation auszusprechen. Insbesondere gelte das für Ernennungen, Beförderungen usw., die vorzugsweise für Verdienste um die nationalsozialistische Erhebung stattfinden. Als die in Frage kommenden Feiertage der Nation werden der 30. Januar, der 20. April. der 1. Mai, der 30. September und der 9. Novembet angeführt. Unter diesen Feiertagen soll, bevorzugt der 20. April, der Geburtstag des Führer berücksichtigt werden. Der 1. Mai werde in erster Linie für Höhereinstufungen usw. von Arbeitern und Angestellten in Betracht kommen. J00000 Reichsmark auf Losnummer 162560. DNB Berlin, 12. Dez. In der heutigen Nachmittagsziehung der PreutzischSüddeutschen Klassenlotterie fiel der Haupttreffer in Höhe von 100 000 RM auf das Los Nr. 162500. Dieses Los wird in der ersten Abteilung in Achtellosen in der Provinz Brandenburg und in der zweiten Abteilung in Achtellosen in Württemberg gespielt. Selbstmord der Witwe Leo Falls. DNB Berlin, 12. Dez. Die Witwe des bekannten Operettenkomponisten Leo Fall, Frau Berta Fall, hat sich mit Verong vergistet. Sie wurde in ihrer Villa im 13. Bezirt tot aufgefunden. Die Ursache der Tat ist finanzielle Norlage. Frau Fall war in den letzten Jahren vollkommen verarmt. Die Kältewelle in Newyork. 8 Newyork, 12. Dezember. Für den heutigen Mittwoch wird mit einem Abnehmen der ungewöhnlichen Kälte, die nahezu eine Woche andauert, gerechnet. In Newyork sind bisher sechPersonen erfroren. Zwischen Halifax und Not folk wuten heftige Stürme. die besonders de Schiffsverkehr behindern. Die Dampfer nach haben eine Verspätung von mindestens einem Taue onen ge. lutionen eine mmen Angn. olution sch, denn en meit n langer handelte n einzel. eng und tus einer deutsche eben der ls einat trage. erg habe ationalttes auch te Wehrrundlage e es nie der Vorlistisch tätigung ucht verdas aber tationale Aus dem Kreise 5 abession zum Innern ungen Dezember lalual abessinin und Die Itarückt. so rnt sein rde mit der lich wie die taliener 1Standn abessiund hat eba einauf das Machtös entise sind edeulich sein zufrieräger in n italieesehenen 9 ach der gsschiffe piffe abdet werwerde durch n. Die Küneitpuntt clagen) na eruf eußischn Höhe Dieses in der Ab= t. 5. Dez. n Leo ona Bezirk e Notommen jer. Absechs Norden uropa Lage. Ahaus, den 13. Dezember 1934. Verkehrsverbesserung am Horst-Wessel-Platz Im Verfolg der durch den Abbruch des Tyrell'schen Hauses entstandenen fühlbaren Verkehrsverbesserung des Rathausvorplatzes wird gegenwärtig die allzu scharfe Kurve Hindenburgallee=Coesfelder Straße durch teilweise Begradigung gemildert. Der Fahrdamm gewinnt hierdurch an der tiefsten Stelle etwa 5—6 m Breite. Die Bordsteine an der früher berüchtigten Kurve verlaufen jetzt z. T. parallel mit dem Stadtgraben bezw. Zaun und Mauer. Diese jetzt vorgenommene Lösung kann man allerdings nur als Teillösung ansprechen, obgleich diese Straßenkreuzung als Gefahrenquelle jetzt als beseitigt betrachtet werden kann. Jetzt, nachdem durch Gebäudeabbruch und Entlaubung der Bäume an dieser Stelle eine freie Sicht nach allen Seiten möglich geworden ist, erkennt man, daß die Gestaltung dieses Platzes, der einer der schönsten in der Kreisstadt, ja sogar im Kreise zu werden verspricht, eine großzügigere Lösung verlangt, für die allerdings vorerst die Mittel noch fehlen dürften. Wünschenswert wäre eine gradlinige Durchführung der Hindenburgallee bis zur Coesfelder Straße(was allerdings wieder die Kanalisierung des dortigen, jetzt musterhaft eingefaßten Stadtgrabenabschnittes und einen Verlust an städt. Gelände durch verkehrsmäßig einwandfreie Einmündung in die Coesfelder Straße, also einen erheblichen Kostenaufwand bedingen würde). Bei dieser Platzgestaltung, die man für einen absehbaren Zeitpunkt ins Auge fassen sollte, käme auch die Anlage einer Verkehrsinsel mit einer großen zentralen Platzbeleuchtung in Frage. Doch bedeutet die jetzt in Ausführung begriffene Teillösung schon einen gewaltigen Fortschritt gegenüber dem bisherigen Zustand. Wie man hört, ist auf dem sehr breiten Fußsteig vor der alten Mauer die Aufstellung von mehreren Sitzbänken geplant. Ausstellung im St. Canisius-Lyzeum Kauf deutsch!— Koch deutsch! Nach diesem Leitsatz wird von der Frauen= und Haushaltungsschule eine Ausstellung vorbereitet, die am Samstag von 14—19 Uhr und am Sonntag von 9—19 Uhr zu besichtigen ist. Die deutsche Frau hat neben ihrer hauswirtschaftlichen große volkswirtschaftliche Aufgaben zu erfüllen, Durch ihre Hände gehen etwa 80% des deutschen Volksvermögens, da ihr die Sorge für Nahrung, Kleidung, Wohnung der Familie obliegt. Daß sie dabei nicht nur an den augenblicklichen Vorteil, an ihre Bequemlichkeit denkt, sondern an das Gesamtwohl des deutschen Volkes, muß durch Schulung und Aufklärung erreicht werden Dies ist ein wesentliches Zie., das sich der Unterricht in der Haushaltungs= und Frauenschule steckt. Was theoretisch und praktisch hier erarbeitet worden ist, wird diese Ausstellung zeigen, die allen Volkskreisen zur Besichtigung offen steht und somit aufklärend über ein wichtiges Gebiet der deutschen Volkswirtschaft wirken soll. Die Hausfrau denke deutsch, indem sie beim Aufstellen des Küchenzettels Gerichte aus deutschen Erzeugnissen wählt, sie denke deutsch beim Kochen der Mahlzeiten, indem sie auf deutsche Art zubereitet. Was sie aus unsern Inlandsprodukten: Getreide, Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch, Ei. Milch an Speisen der verschiedensten Art auf den Tisch bringen kann, wird in etwa 160 fertigen Gerichten mit kurzen Erklärungen gezeigt. Plakate erläutern den Nährwert, die vielfache Verwendbarkeit der deutschen Erzeugnisse und den Nutzen, der durch ihren Verbrauch der deutschen Volkswirtschaft zuteil wird. Es wird gezeigt, wie mit wenigen und billigen Mitteln eine nahrhafte und appetitliche Speise hergestellt werden kann, wie Abwechslung geschaffen, wie den kleinsten und kranten Gliedern der Familie ein nahrhaftes und bekömmliches Mahl bereitet, wie durch die richtige Ernährung die Gesundheit gefördert wird. Daß die Hausfrau auch bei der Beschaffung von Kleidung, Heimschmuck, Spielgerät deutsch denken muß, wird in der Abteilung der Wäsche, Kleider, Kunstund Werkarbeit zutage treten. Die Schulung des Mädchens für seine späteren hausund volkswirtschaftlichen Aufgaben muß früh beginnen Stadt Ahaus und auf allen Altersstufen planmäßig erfolgen. Deß auch das Lyzeum sich diese Aufgabe stellt, wird die Ausstellung von Handarbeiten und Zeichnungen der Schülerinnen in der Aula zeigen. Die Ahauser Volksschulen vorübergehend geschlossen. Auf Anordnung des Kreisarztes wurden die Ahauser Volksschulen im Einvernehmen mit dem Rektor wegen gehäuften Auftretens von Erkältungskrankheiten bis zum nächsten Montag geschlossen. Ein neuer Mitgliedsausweis für die Mitglieder der Turn= und Sportvereine. Vereine können sich die Anschaffung besonderer Mitgliedskarten ersparen. In dem amtlichen Taschenkalender des Reichsbundes für Leibesübungen 1935, der im Auftrage des Reichssportführers herausgegeben wurde, befindet sich ein Vordruck für den Mitgliedsausweis und die monatlichen Beitragsquittungen. Der Kalender bringt außerdem so viel Wissenswertes über das gesamte Gebiet der deutschen Leibesübungen, einschließlich einer Vorschau auf die Olympischen Spiele 1936, so daß ihn jedes Mitglied der Turn= und Sportvereine besitzen müßte. Der Kalender wird von jedem Turn= und Sportverein geliefert. Zweimal rote Nase. Unsere Frauen empfinden die rote Nose als unangenehmen Schönheitsfehler; der Mann kommt in den Verdacht des übermäßigen Alkoholgenusses. Der Alkohol ist jedoch nur ganz selten schuld an der Nasenröte. Bei der Nasenröte muß man zwei Erscheinungen berücksichtigen, die„flüchtige" und die„bleibende“. Die erstere wird durch die Kälte hervorgerufen, die die Blutgefäße der Haut und der Nase zusammenzieht, sobald man ins warme Zimmer kommt. Zu dieser flüchtigen Nasenröte neigen besonders nervöse Menschen. Aber nicht nur die Kälte ruft diese Rötung hervor, sondern auch der Genuß heißer oder schorf gewürzter Speisen und schließlich auch der Alkohol. Anders dagegen verhält es sich mit der bleibenden Nasenröte, die sich dann entwickelt, wenn die genannten Schädlichkeiten dauernd einwirken. Endlich können auch Erkrankungen innerer Organe oder Veränderungen in der Nase selbst die Ursache für die bleibende Nasenröte bilden. Wo die Schutzmaßnahmen gegen die Nasenröte nicht mehr ausreichen, suche man einen Arzt auf. Die Gemeindegekränkesteuer Im„Reichsanzeiger“ ist kürzlich darauf hingewiesen worden, daß Staatssekretär Fritz Reinhardt in der Münchener Vollsitzung der Akademie für deutsches Recht am 26. Juni 1934 in Aussicht gestellt hat, daß im Jahre 1935 auch an den Abbau der Gemeindegetränkesteuer herangegangen werden solle, und im Anschluß daran erinnert hat, daß früher auf die Gemeinden geradezu ein Druck zur Erhebung der Gemeindegetränkesteuer, deren Ausnutzung mit Voraussetzung für die Beteiligung eines Bezirksfürsorgeverbandes an der sog. Wohlfahrtshilfe gewesen sei, hätte ausgeübt werden müssen. Da diese Voraussetzung jetzt weggefallen sei, müsse den Gemeinden, soweit sie die Gemeindegetränkesteuer noch erheben, dringend nahegelegt werden, mit ihrem Abbau nicht zu säumen. Weltbewerb zur Verschönerung der Bahnhofsanlagen Nach Mitteilung der Pressestelle der Reichsbahndirektion Münster hat der Wettbewerb zur Verschönerung der Bahnanlagen im Reichsbahndirektionsbezirk Münster auch in diesem Jahre wieder gezeigt, daß die Anregung, die Bahnanlagen durch gärtnerischen Schmuck zu verschönern und zu beleben, beim Reichsbahnpersonal immer mehr Anklang findet. Aus diesem Anlaß wurden zahlreiche Bedienstete des Bezirks mit Geld= und Buchpreisen bedacht. Außerdem erhielten sämtliche mit einem Preis Ausgezeichneten ein künstlerisch ausgefertigtes Anerkennungsschreiben. Alstätte Pfarrfamilienabend Familiengeist im Familienleben. In der kleinen Familie des Hauses, in der großen Familie der Gemeinde, in der ganz großen Familie der Volksgemeinschaft. Wenn wir letztere wollen, müssen wir nicht unten anfangen? Und ist es nicht höchstes Ideal, auf dem Fundamente der Neligion in der Pfarrfamilie vorzuarbeiten für die große Volksgemeinschaft? Alstätte hat diese Pfarrfamilienabende gepflegt schon seit langem; noch vor nicht langer konnten wir über einen solchen berichten. Der einsächste Mann aus dem Volke hat ein feines Verständnis für solche Gemeinschaftspflege, denn dazu braucht er teiner besonderen Bildung, er braucht nur der Stimme seines Blutes zu folgen. Und wer es ehrlich meint, wird einer solchen Aeußerung der Volksverbundenheit niemals mißtrauisch entgegentreten können, sondern ihr von ganzem Herzen zustimmen müssen. So war es auch am Sonntag nachmittag. Und doch betam dieser Pfarrfamilienabend noch eine ganz besonere Pragung, wie wohl noch nie zuvor. Aufbauend auf dem Religiösen, wurde er in seinem Verlaufe zu einem machtvollen Bekenntnis für das Deutschtum im auslande. Und wer war es, der das hohe Lied sang 50 deutschem Kulturwirken, deutschem Fleiße, deutscher Arbeit in der Ferne? Ein einfacher schlichter Pater, selder einmal Soldat, nur zu jung damals zum Ausrücken ins Feld. Vater Ratte M. S. C. hatte am Sonntagmorgen, dem Missionssonntage, von der Kanzel in klaren, nicht mißverständlichen Worten von der Heidenmission gesprochen, von der Missionsaufgabe der kath. Kirche, die als„allgemeine" Kirche nur das Testament, den letzten „illen, ihres Stifters in ihrem Missionswirken erfüllt. am Nachmittage zeigte er nun in einem Lichtbildervorttuge das Wirken der deutschen Hiltruper Missionare im Ozean auf Neupommern. Man sah die Entwicktung der dortigen Menschenfresserstämme zu einem gesiteten Kulturvolke, man erlebte mit das Opferleben der der Schwestern und Brüder, man war erschüttert über den Martertod der 9 Glaubenshelden zu seutschen Kolonie geschaffen war, war das Wirken der eutschen Verwaltung, deutscher Kolonisten, deutscher taubenshelden, die einstmals Schulter an Schulter in euem Zemeinschaftsgeiste arbeiteten. Die Kolonie ist von Versailles in englische Oberhoheit gedeutschen Kolonisten mußten weichen, deutsche Patres dürfen noch heute dort wirken. Die ruhmvolle Verteidigung der Insel bis zum letzten erlebte man wieder mit. Man sah aber auch, wie unumgänglich notwendig der Kolonialbesitz für Deutschland ist. Und wenn heute die deutschen Patres unter englischer Oberhoheit weiter wirken, so sehen wir in ihnen die vorgeschobenen Posten des Deutschtums, die zu unterstützen unsere Ehre sein muß. Der Vortrag hatte dankbare Zuhörer, und es war nur zu begrüßen, daß am anderen Morgen den Schulkindern Gelegenheit geboten war, an Hand der prächtigen Bilder sich zu erinnern an des Vaterlandes einstmalige Kolonialgröße und sich zu besinnen auf ihre Pflichten gegenüber dem Vaterlande. Der Vortrag fand am Sonntagnachmittag eine sinnvolle Einstellung durch eine kurze Adventsfeier im Scheine der Adventskerzen. Der Pfarrer deutete den Sinn des Abends; eine sinnbildliche Figur, als Sehnsucht nach Christus gedacht, sprach von der Menschheit langem Warten auf Christus; Solo, Kinderlied und Volksgesang fügten sich ein in den Rahmen einer stimmungsvollen Musik. Alles in allem darf man Glück wünschen zu einem solchen Abende, und der Erfolg mag die Opfer und Arbeit lohnen allen denen, die sie brachten. Aus der Kolpingsfamilie Zu einer frohen Familienfeier im Kreise der hochw. Geistlichkeit fand man sich am Abend des 8. Dezember im Saale des Herrn Heinr. Asbeck zusammen. 5 neue Mitglieder konnte der Präses in die Gesellengruppe, 5 Meister in die Meistergruppe neu aufnehmen. Erstere zählt jetzt 44 Mitglieder, letztere 20. Dem Jahresberichte konnte man auch das innere Wachsen des Vereins entnehmen. Eine besondere Prägung fand der Abend durch die Rede des Herrn Dr. Huperz aus Münster über die Entwicklung des Handwerks im Mittelalter unter der besonderen Berücksichtigung der Zünfte. Redner verstand es in einstündigem Vortrage ein lebendiges Bild dieser glanzvollen Zeit vor Augen zu führen. Man sah das Leben der Zünfte, ihre Verfassung, ihre Sitten, ihr Einwirken auf das wirtschaftliche und kulturelle Leben, ihren Hochstand, ihren Niedergang. Sehr dankbar wurde der Vortrag aufgenommen. Auf der Grundlage dieser Ausführungen wurde das Wirken Kolpings, dessen der Vortragende am Schlusse gedachte, erst recht verständlich. Im Lichte des Adventskranzes fand dann die Aufnahme statt. Den letzten Teil des Abends bearbeiteten die Humoristen des Vereines in Dichtung und Prosa, mit Bühne und ohne Bühne—, es war einfach fein. Der Stimmung der Versammelten gab der Pfarrer in einigen Worten Ausdruck. Besonders zu loben war, daß man früh anfing und— früh aufhörte. Das ist alte schöne Sitte auf dem Lande. Haltet sie bei, liebe Kolpingsbrüder, es wird zum besten eures Vereins sein. Auch in Alstätte Beginn der Erzeugungsschlacht. Am Freitag, den 14. Dezember, abends 6 Uhr findet im Lokale Averbeck in Alstätte eine Versammlung des Ortsbauernstandes Alstätte statt. Da das wichtige Thema der Einführung in die Erzeugungsschlacht behandelt wird, muß vollzähliges Erscheinen aller Bauern erwartet werden. Stadtlohn Der Reichsluftschutzbund in Stadklohn Der örtliche Aufbau der Luftschutzorganisation. Als 1914 unsere Väter und Brüder in den Krieg zogen, um die Heimat zu schützen, da gab es drei Kriegszonen:„Front, Etappe, Heimat“. In Zukunft wird diese Unterscheidung nicht mehr geltend sein. Vermöge des großzügigen Ausbaues ihrer Luftwaffe, haben unsere Nachbarstaaten ein Mittel in der Hand, alles zum Kampfgebiet zu machen. Ueberall ist dann Front. Zahlreiche Großkampfflugzeuge mit einem Aktionsradius von 2000 km können in ganz kurzer Zeit in alle Provinzen unseres Vaterlandes gelangen. Praktisch genommen, ist jeder Ort, jede Stadt in Deutschland luftgefährdet. Eine Maßnahme löst immer eine andere aus. Deshalb ist Luftschutz nötig. Den aktiven Teil des Luftschutzes untersagt uns das Versailler Diktat. Deshalb müssen wir passiven Luftschutz betreiben. Diese Aufgabe verfolgt der zivile Luftschutz— der Reichsluftschutzbund. Auch in Stadtlohn besteht seit Jahresfrist eine Ortsgruppe, die bisher nur stille Arbeit leistete und nur durch zwei Werbeveranstaltungen an die Oeffentlichkeit trat. Am Freitag, dem 7. Dezember, fand im Burggartensaal von Joh. Heßling die erste ordentliche Mitgliederversammlung statt. Eingangs stand ein Referat des Ortsgruppen= und Schulungsleiters Dorweiler, der sich über die Giftgase als Luftkampfmittel äußerte. Im wesentlichen besprach er die vier Gruppen: Weißkreuz, Grünkreuz, Blaukreuz und Gelbkreuz, ihre Wirkung und die erforderlichen Abwehrmittel. Danach erfolgte durch den Adjutanten Geikowski die Rechnungslegung über das verflossene Geschäftsjahr und die Bekanntgabe des Voranschlages für das kommende Halbjahr. Nachdem der Etat schon vom Landesgruppenführer Düsseldorf(Korvettenkapitän Angermann) und vom Bezirksgruppenführer Münsterland(Oberleutnant Glasewald) genehmigt war, hatten auch die Mitglieder keine Bedenken, durch ihre Zustimmung denselben rechtswirksam zu machen. Der Geschäftsbericht zeigte die bisher geleistete Arbeit auf. Die erste Werbeveranstaltung im Arbeitervereinssaal brachte einen Stamm von 65 Mitgliedern. Die zweite Kundgebung in der Turn= und Schützenhalle hatte nicht den erwünschten Erfolg. Die weitere Hebung der Mitgliederzahl geschah durch persönliche Werbung. Heute sind 130 Personen oder 1,8% der Stadtlohner Bevölkerung im Reichsluftschutzbund organisiert. Das gesteckte Ziel erstrebt die Erfassung von 10% der Bürgerschaft bis zum 1. April 1935. Deshalb verpflichteten sich die Mitglieder als erste Werbeaktion bis zum 15. Januar je ein neues Mitglied zu werben. Der Geschäftsbericht wies ferner aus, daß eine Hausbesichtigung stattgefunden hat, das St. Anna=Stift ist auf seine Luftsicherheit untersucht worden und wird demnächst behelfsmäßige Luftschutzkeller erhalten. Eine Entrümpelung der Hausböden hat bisher noch nicht stattgefunden. Da sofort nach Neujahr die Ausbildungskurse für die Luftschutzhauswarte beginnen, soll die Entrümpelung erst im nächsten Frühjahr unter polizeilicher Aufsicht erfolgen. Im weiteren Verlauf der Versammlung wurde der örtliche Stab des Reichsluftschutzbundes bekanntgegeben. Er setzt sich zusammen aus: Ortsgruppen= und Schulungsleiter: Gewerbeoberlehrer Fr. Dorweiler; dessen 1. Stellvertreter: Fabrikant Franz Cohaus; dessen 2. Stellvertreter: Gastwirt Hubert Röttger; Adjutant und Geschäftsführer: Lehrer Leo Geikowski; Werbewart: Amtsangestellter Werner Doods; Baufachmann: Stadtbaumeister Hövelmann; Aerztlicher Sachbearbeiter: Dr. med. Karl Brüning; Chemischer Sachbearbeiter: Apotheker Erich Jansen; Feuerschutzfachmann: Fabrikant W. Hecking, Brandmeister Schmedding; Vertreter der Schule: Rektor Gronheid; Referent der SA.: Schlosser Herm. Schwarte; Referent der SA.=Reserve II: Installationsmeister Wilh. Blanke und Kaufmann Steverding; Vertreterin der NS.=Frauenschaft: Frau Redders. Das Stadtgebiet Stadtlohn ist in fünf Luftschutzreviere eingeteilt: Dufkamptor, Mühlentor, Eschtor, Görkeskamp und Hilgenberg. Bisher sind folgende Revierführer ernannt: Dachdeckermeister Kirschner(Eschtor), Polsterermeister Kramer(Mühlentor), Augenarzt Dr. med. Gastreich(Dufkamptor). Die Schulungsarbeit, die in Kürze beginnt, sieht die Heranbildung von Luftschutzhauswarten, Hausfeuerwehrmännern und Laienhelfern vor. Die Luftschutzhauswarte, die in Zukunft Hilfspolizeigewalt erhalten werden, sind für eine Hausgemeinschaft von 5—6 Häusern zuständig. Zum Schluß der sehr angeregt verlaufenen Versammlung erfolgte die Ausgabe von 130 Mitgliedskarten. Der Ortsgruppenleiter verpflichtete die anwesenden Mitglieder auf die Ziele und Aufgaben des Reichsluftschutzbundes: Schaffung eines gut arbeitenden Selbstschutzes, der das Leben und Eigentum des Mitbürgers zu schützen weiß, die Heranbildung von Personen, die Bescheid wissen um die Dinge des Luftschutzes und der einzusetzenden Maßnahmen und schließlich die Herstellung von Einrichtungen, die solche Aufgaben lösen. Der Luftschutz ist der ideale und persönliche Einsatz zu Nutz und Frommen aller Volksgenossen und deren Eigentum. Die Organisation ist aber nur dann wirksam, wenn sie eine breite Grundlage hat. Luftschutz kommt aus dem Volk für das Volk. Luftschutz ist Selbstschutz und Heimatschutz. Stadtlohner Mitbürger! Erkläre Deinen Beitritt zum Reichsluftschutzbund, Jahresbeitrag 1,— RM. Legden Die Erzeugungsschlacht beginnt Bedeutsame Tagung des Ortsbauernstandes Legden. Im Sutthoff'schen Saale hielt der Ortsbauernstand eine gut besuchte Tagung ab. Ortsbauernführer Pg. Wietfeld gab zunächst einige Eingänge bekannt. Es wurde berichtet über den Austausch von Bauernsöhnen und Töchtern zwecks weitergehender Ausbildung.— Zur Errichtung von Landarbeiterwohnungen können Zuschüsse gewährt werden.— Aus dem ausführlichen Bericht der Untersuchungsstation Münster wurden einzelne Ergebnisse mitgeteilt, die darlegten, von welcher Wichtigkeit eine Untersuchung der verschiedenen Düngemittel ist, um vor Schaden bewahrt zu bleiben. Wünschenswert wäre eine Untersuchung einer jeden einzelnen Wagenladung.— Am Sonntag vor Weihnachten, nach der Andacht, findet im Saale Lanfer eine Tagung der Jungbauern und der Jungbäuerinnen in Verbindung mit der NS.=Frauenschaft statt.— Am nächsten Sonntag, 17. Dezember, wird eine Veranstaltung zu Gunsten des Winterhilfswerkes im Rahmen eines bunten Abends geboten. Es wirken mit: SA., BdM. und der Musikzug 201 des NS.=Arbeitsdienstes in voller Besetzung. Uebergehend zum zweiten Punkte der Tagesordnung wurde Landwirtschaftslehrer Dickebohm das Wort erteilt zu seinem Vortrage:„Die Erzeugungsschlacht beginnt“. Die Ausführungen wurden vom Ortsbauernführer in ihrer Bedeutung noch unterstrichen. Dann erteilte er dem Verwaltungsdirektor G. vom Arbeitsamt in Ahaus das Wort zu seinem Vortrage über„Landhelfer und Landhelferinnen“. In der Aussprache wurden die Termine für die abzuhaltenden Vortragsabende mit ihren Themen bekanntgegeben.— Bezüglich des Winterhilfswerkes wurde die Pflicht zur Ablieferung der Spenden eindringlich betont. Auf die Folge einer Nichtbeteiligung wurde warnend aufmerksam gemacht. Die Liste für das Ablieferungssoll an Getreide liegt beim Ortsbauernführer zur Einsicht aus. Auf eine Anfrage betonte der Ortsbauernführer, daß die berufsständische Organisation der Bauernschaft die verpflichtende Aufgabe habe, alle ständischen Aufgaben voll und ganz zu erfüllen und strittige Fragen der Weltanschauung vollständig aus den Verhandlungen der Ortsbauernschaft auszuschalten. Spiel und Sport Jugendabteilung Spielvgg. Concordia 21/24 Gronau. Am Sonntag spielte die Schülerelf gegen Sp.=V. Vorwärts gleiche Schülerelf. Da die Concorden nur mit 9 Mann antraten, mußten sie eine 1:3=Niederlage hinnehmen. Der Platz war in schlechter Verfassung.— Das Spiel Concordia— Ochtrup ist für Gronau gewonnen, da die Ochtruper 2 Spieler hatten, die nicht spielberechtigt waren; somit kamen die Concorden an die 4. Stelle. Fußballspieltermine Termine der 2. Serie der Bezirksklasse(Gruppe Münster) 30. 12. 34: Recklinghausen 13— Borussia Rheine; Rheine 09— Meckinghoven; Beckum— Bockum=Hövel; SS. Ahlen— Münster 08; Greven 09— Gronau 09. 6. 1. 35: SS. Ahlen— Rheine 09; Meckinghoven— Vorwärts Gronau 09; Gronau 09— Recklinghausen 13; Borussia Rheine— Greven 09; Münster 08— Westfalia Ahlen. 13. 1. 35: Westfalia Ahlen— Greven 09: Vorwärts Gronau 09— SS. Ahlen; Rheine 09— BockumHövel; Beckum— Gronau 09; Recklinghausen 13 — Meckinghoven. 20. 1. 35: Beckum— Rheine 09; Bockum=Hövel— Vorwärts Gronau 09; SS. Ahlen— Recklinghausen 13; Meckinghoven— Greven 09: Gronau 09 — Westfalia Ahlen; Borussia Rheine— Münster 08. 27. 1. 35: Vorwärts Gronau 09— Rheine 09. 3. 2. 35: Bockum=Hövel— Borussia Rheine; Gronau 09— Münster 08; Westfalia Ahlen— Meckinghoven; Greven 09— SS. Ahlen; Recklinghausen 13 — Beckum. 10. 2. 35: Vorwärts Gronau 09— Beckum; Bockum=Hövel— Greven 09; SS. Ahlen— Westfalia Ahlen; Meckinghoven— Münster 08. 17. 2. 35: Borussia Rheine— Meckinghoven; Westfalia Ahlen— Bockum=Hövel; Rheine 09— Recklinghausen 13; Münster 09— Vorwärts Gronau 09; Gronau 09— SS. Ahlen; Greven 09—Beckum. 24. 2. 35: Münster 08— Greven 09: Vorwärts 09— Gronau 09; Recklinghausen 13— Bockum=Hövel; Beckum— Borussia Rheine; Rheine 09— Westfalia Ahlen; SS. Ahlen— Meckinghoven. 3. 3. 35: Münster 08— Rheine 09: Gronau 09— Borussia Rheine. 10. 3. 35: Recklinghausen 13— Vorwärts Gronau 09; Borussia Rheine— Westfalia Ahlen; BockumHövel— Gronau 09: Beckum— SS. Ahlen. 17. 3. 35: Borussia Rheine— Vorwärts Gronau 09; Münster 08— Recklinghausen 13; Westfalia Ahlen— Beckum: Gronau 09— Meckinghoven; Greven— Rheine 09; Bockum=Hövel— SS. Ahlen. 24. 3. 35: Rheine 09— Borussia Rheine: Vorwärts Gronau 09— Greven 09; Recklinghausen 13— Westfalia Ahlen; Münster 08— Bockum=Hövel; Beckum— Meckinghoven. 31, 3. 35: Borussia Rheine— SS. Ahlen; Greven 09— Necklinghausen 13; Westfalia Ahlen— Vorwärts Gronau 09; Gronau 09— Rheine 09; Beckum — Münster 08; Meckinghoven— Bockum=Hövel. Weitere lokale Nachrichten auf einer anderen Seite. Hauptschriftleiter und verantwortlich für Politik: Dr. Georg Heider, Münster i. W., Stellvertreter des Hauptschriftleiters und verantwortlich für Münster und das Münsterland: Fritz Rediger. Münster i. W.: für Westdeutschland: Otto Heinz Tebbe; für Feuilleton: Peter Schlauß; für Handel und Sport: Dr. Anton Henkel, sämtlich in Dortmund; Berliner Redaktion: Dr. Ernst häfner, Berlin=Lichterfelde; für den Zeno=Anzeigenteil: Verlagsleiter Dr. Erich Altmeppen, Münster i. W. Verantwortl. Schriftleitung für den lokalen Teil: Franz Beckering, Ahaus für den lokalen Anzeigenteil: Geschäftsführer Bernh. Bentink, Ahaus Durchschnittsauflage: XI. 1934: Zeno=Zeitung insgesamt 41832, enthaltend: Ahlener Volkszeitung, Nachrichtenblatt für die Kreise Beckum und Lüdinghausen, Ahlen, 3239;— Allgemeine Zeitung für die Kreise Coesfeld und Ahaus(Billerbecker Zeitung, Gescherer Zeitung. Vredener Anzeiger, Stadtlohner Volksblatt), Coesfeld, 5606;— Borkener Zeitung, Vorken, 3137;— Bürgerblatt für den Niederrhein und Reeser Tageblatt, Emmerich, 1835;— Dülmener Zeitung, Amtliches Kreisblatt für den Kreis Coesfeld, Dülmen, 1776;— Haltener Zeitung, Haltern, 1706;— Kreiszeitung für den Kreis Ahaus(Gronauer Volkszeitung, Eper Volksblatt), Ahaus, 3183;— Münsterländische Volkszeitung(Rheiner Volksblatt), Rheine, 4048;— Emsländische Tageszeitung(Lingener Tageszeitung, Papenburg=Aschendorfer Zeitung), Rheine, 1724;— Neuer Emsbote für Kreis Warendorf und Amt Telgte(Warendorfer Kreisblatt), Warendorf, 2527;— Tageblatt für den Kreis Steinfurt(Ochtruper Anzeiger, Wettringer Anzeiger, Metclener Zeitung, Neuenkirchener Zeitung), Ochtrup, 1640;— Volksblatt für Bocholt und den Kreis Borken, Bocholt, 6167;— Volksblatt für Wesel und den Kreis Rees, Wesel, 936;— Volkszeitung und Nachrichten für Emsdetten, Burgsteinfurt, Nordwalde, Borghorst, Greven, Emsdetten, 2274;— Volkszeitung für Dorsten und Herrlichkeit, Dorsten, 2034. Gronauer Gronau. den 13. Dezember 1934. Der Wibbelt-Abend im Heimalverein (Freitag 8,30 Uhr in der Tonhalle) verspricht sehr genußreich zu werden. Dr. Castelle wird eine bunte AusLese aus den Werken des großen westfälischen Dichters bringen. Beginnend mit ernsteren Dichtungen, spricht Castelle im zweiten Teil einige erzählende Stücke und nimmt die lieben Mitmenschen dann in heiteren Spottgedichten Wibbelt's einmal etwa„up de Hiekel“. Den fröhlichen Ausklang des Abends bildet die berühmte Szene aus den Windhok=Geschichten:„De Kaiser kümt“. Reichswehrsoldaten spielen in Gronan Handball Wie bereits mitgeteilt, hat der Spielverein Borwärts 09 für den kommenden Sonntag die bekannte Deutsche Handballmannschaft Militärsportverein„Generalfeldmarschall Hindenburg“ Minden zu einem Propagandaspiel nach hier verpflichtet. Neben der bekannten Soldatenmannschaft, dem früheren Westfalenmeister im Handball, VfL. Münster ist noch keine Soldatenelf und ganz besonders nicht eine solchespielstarke Handballelf in Gronau gewesen. Was der F. C. Schalke 04 in Westfalen und ganz Deutschland im Fußball ist, verkörpert die Soldatenelf aus Minden im Handballspiel. Eine ausgeglichene auf allen Posten gleich stark besetzte Mannschaft, 11 richtige Soldatenrecken, die in echter, soldatischer Kameradschaft zusammenhalten und ihre Pflichten tun, aus denen dann auch die großen Erfolge erzielt wurden. Noch am letzten Sonntag spielten sie in ihrem Standort Minden gegen den Berliner Meister, Sportverein 92 Berlin, und gewannen vor 8000 Zuschauer 11:8. Die gleiche Mannschaft spielt am kommenden Sonntag in Münster und in Gronau. Erwähnt sei noch, daß die Mannschaft in diesem Jahre noch kein Meisterschaftsspiel verloren hat. Vierzehn Punkte und eine Torquote von 94:48 aus sieben Spielen reden eine deutliche Sprache. Mit Ausnahme des Torwarts Imsiepen haben alle Spieler schon in der Westfalen= bezw. Westdeutschen Auswahlmannschaft mitgewirkt. Wichtige Hinweise der NS.=Volkswohlfahrt Dienststunden— Anträge— Bezugsscheine. Hinsichtlich der verwaltungsmäßigen Arbeit der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt besteht Veranlassung auf folgendes hinzuweisen: Die Dienststunden im Büro der NSV. an der Enscheder Straße(Fuhrpark) sind für den Verkehr mit dem Publikum nur vormittaas von 8—12,30 Uhr. Nachmittags bleiben die Büros für den Publikumsverkehr geschlossen. Es hat keinen Zweck, nachmittags vorzusprechen, da dann die sich häufenden dringenden Angelegenheiten erledigt werden müssen. Bei Stellung von Anträgen mögen die betreffenden Volksgenossen versichert sein, daß die Anträge mit großmöglichster Beschleunigung bearbeitet und erledigt werden. Wiederholte unnötige und übereilte Vorstellungen hemmen nur die Arbeit der Helfer und Helferinnen, die ihre Kräfte ehrenamtlich in den Dienst der NSV. stellen. Die Geschäftswelt wird darauf hingewiesen, daß die zur Ausgabe gelangenden Warenbezugsscheine nur dann Eültigkeit haben, wenn die Scheine das Dienstsiegel der Nat.=Soz. Volkswohlfahrt tragen. Nikolausfeier in der Kolpingsfamilie Gronau, Auch in diesem Jahre wurde der Besuch des hl. Nikolaus mit großer Freude erwartet. Der kleine Saal war bis auf den letzten Platz besetzt, als der hl. Mann mit seinem Knecht Ruprecht erschien. Er wurde von allen Mitgliedern stürmisch begrüßt. Zuerst tadelte er, was zu tadeln war, um dann nachher Lobesworte zu finden für die Treue und Zusammenarbeit innerhalb der Kolpingsfamilie Gronau. Für mehrere Mitglieder hatte Nikolaus besondere Lektionen. Dann folgte die Gabenverteilung; jeder hatte soviel zu knacken und zu beißen, daß er an dem Abend wohl auf seine Kosten kam. Nach den Abschiedsworten des Präses, zog St. Nikolaus dann weiter, um uns im nächsten Jahre wieder mit seinem Besuche zu erfreuen. A Eine Bastel= und Krippenausstellung veranstaltete Samstag und Sonntag im kleinen Concordiasaale die kath. Werkjugend. Die Schau fand regen Zuspruch und weckte bei den Besuchern großes Interesse für die feinen, von 11 Werkjungen mit Liebe und Hingabe verfertigten Gegenstände. Gegenüber der vorjährigen Ausstellung stellte man einen Fortschritt fest, der zu der Hoffnung berechtigt, daß die Werkvolkjungen auf dem liebevoll beschrittenen Wege, schlichte Hauskunst und die alte, schöne Krippenidee praktisch zu fördern, weiter arbeiten werden. A Ueberflüssiger Tatendrang. In der vergangenen Nacht wurde an einem Personenkraftwagen aus Bentheim eine Seitenscheibe mutwillig eingeschlagen. Der Täter, Willi R., von hier, Ochtruper Straße, muß die Scheibe ersetzen, wozu er sich bereit erklärt hat. Der Besitzer hat daher ausnahmsweise Abstand davon genommen, Anzeige zu erstatten. )( Winzige Todesursache. Durch einen kleinen Karbunkel(Geschwürchen) über der Oberlippe büßte ein junger Stadtgenosse, der Losserstraße wohnhafte 28jährige Wilhelm ter Braak, innerhalb weniger Tage sein Leben ein. Am Freitag der letzten Woche war der junge Mann noch in der Fabrik tätig. Der Karbunkel führte eine Blutvergiftung herbei; der ärztlichen Kunst gelang es leider nicht mehr, den so tragischen Tod abzuwenden. Ede Im Verkrauen gesagt... Die Methode, etwas im Vertrauen zu sagen, ist die Methode derer, die Gerüchte kolportieren. Sie sagen ihre Vertraulichkeiten so vielen, daß die Mitteilung in einer Stunde durch das ganze Dorf ist. Eine ganz raffinierte Spekulation ist das: Denn was so geheimnisvoll tut, verführt zu allererst dazu verbreitet zu werden; was dagegen jeder zu wissen scheint, das wird keiner mehr erzählen. Und ich bin mir zu gut dazu, der Klatschsucht Vorschub zu leisten. Darauf aber läuft das meiste, was „im Vertrauen“ erzählt wird, hinaus. Bin ich dein Freund und Vertrauter, so weiß ich selbst, was ich für mich behalten muß; ich bin dein Freund nicht und du hast Bedenken, daß ich dein Vertrauen mißbrauchen könnte, warum willst du mich dann zum Vertrauten machen? Gegen dich selbst jedoch muß ist aber dann Mißtrauen hegen, nämlich so, daß du die Dinge weitersagst, die nicht gut sind, für die du aber auch die Verantwortung zu tragen scheust. Wäre deine Mitteilung so gut, so müßtest du ja stolz darauf sein, sie geben zu können; wäre sie wahr, so hättest du sogar die Pflicht, sie weiterzugeben, denn Wahrheit ist ein Pflänzlein, das man getrost pflegen kann, weil es nicht so wie das Unkraut der Unwahrheit wuchert. Also— entweder du sagst mir etwas gerade und aufrecht, wie es sich unter Männern ziemt, oder du hältst den Mund. Vertraulichkeiten mag ich in keiner Form. Das ist,„im Vertrauen gesagts meine Meinung von den Vertraulichkeiten. Du kannst sie getrost unvertraulich behandeln. St. Nikolaus in War das ein Jubel und Trubel im Dorf, Ganz Epe war auf den Beinen, Denn dort im Bürger=Schützenverein Wollte St. Nikolaus erscheinen. In langen Reihen marschierten sie an, Voran die Musik=Kapelle, Und alle Schützen jung und alt, Sie waren restlos zur Stelle. Am Bahnhof bildete man Spalier, Nach Hunderten zählten sie alle; Und unter den Klängen der Blasmusik Rollte der Zug in die Halle. „O. Nikolaus komm' doch in unser Haus“, So sangen begeistert die Kleinen; Ja, heut' sollt Ihr alle fröhlich sein, Heut' soll Euch die Freude vereinen. Dann stieg St. Nikolaus auf sein Roß, Ein Festzug ging durch die Straßen, Und überall Freude und Frohsinn und Scherz Und Jubel über die Maßen. Im Stadtpark löste der Zug sich auf, St. Nikolaus verteilte die Gaben, An Aepfeln und Nüssen und sonst noch mehr Ein jeder sollte was haben. Und Du Präsident vom Schützenverein, Dir wollen wir alle danken, Denn daß St. Nikolaus nach Epe kam, War sicher Dein guter Gedanke. Das Fest ist verklungen, die Freude bleibt, Und Dank gebühret all' denen, Die halfen am Fest, damit es gedeih: Ja. Dank dem Bürger=Schützenverein, Der solch' Volksfest brachte zu Wege. (Von einer Leserin.) Die Straße ist kein Spielplatz! Du warst so jung. Du starbst so früh. Wer Dic gekannt, Vergißt Dich nie Am Dienstag abend 6.30 Uhr starb plötzlich, nach kurzem, schwerem Leiden, auf seinen Erlöser hoffend, versehen mit den Tröstungen unserer hl. Kirche. nach 5jähriger überaus glücklicher Ehe, mein innigstgeliebter Mann, unser treusorgender Vater, Bruder, Schwager und Onkel Wilh. ter Braak im blühenden Alter von 28 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Wwe. Sophia ter Braak geb. Abbenhaus und Kinder. Gronau. den 13. Dezember 1934, (Losser Str. 36) Die Ueberführung zur Kirche findet am Sonnabend, 15. 12. morgens 8.15 Uhr vom kath. Krankenhaus aus statt, anschl. Seelenamt und Beerdigung. Geschenke nützlich, billig und gut! Balatum-Teppich 2X3 m 8.10 Mk. 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Seit Pita Romero Rom verlassen hat, haben die Dinge in Spanien eine neue Wendung genommen. Pita Romero selbst ist nicht mehr wie damals gleichzeitig Außenminister, dafür hat aber zweifellos die spanische Regierung, die er jetzt nur noch als außerordentlicher Botschafter ver tritt, an Autorität gewonnen. Statt einer liberalen Minderheitsregierung herrscht jetzt in Madrid eine Regierung, die sich auf die bürgerliche Mitte und auf die Katholische Volksaktion stützt und über eine parlamentarische Mehrheit verfügt. Die Aufstandsbewegung, die sie in den ersten Wochen ihrer Amtsführung erfolgreich niedergekämpft hat, dürfte nicht nur die innenpolitischen Machtverhältnisse in Spanien weitgehend geklärt, sondern auch bei der Regierung und allen einsichtigen Kreisen des Landes das Bedürfnis verstärkt haben, durch eine Neuordnung der Beziehungen zwischen Kirche und Staat einen weiteren Beitrag zur Beruhigung des öffentlichen Lebens zu leisten. Wenn das zutrifft, werden dieses Mal die Konkordatsverhandlungen in Rom unter günstigeren Voraussetzungen und Vorzeichen beginnen können. An der Bereitschaft des Vatikans, die seit dem Sturze der Monarchie in Spanien eingetretene Aenderung der Verhältnisse zum Ausgangspunkt zu nehmen, hat es von Anfang an nicht gefehlt. Die formalen Schwierigkeiten, die alsdann noch die spanische Verfassung bietet, werden sachlich tragbare Lösungen nicht unmöglich machen, sobald man in Madrid den festen Willen hat, aus den Erfahrungen der letzten Jahre die Konsequenzen zu ziehen. * Der Amtsantritt des neuen mexikanischen Staatspräsidenten Cardenas und die Zusammensetzung seiner Regierung ist in einem Teil der Weltpresse mit gewissen Hoffnungen auf eine Erleichterung der Lage der Kirche in Mexiko begleitet worden. Der Vatikan hat sich zu diesen Vermutungen, denen allerdings in der Wirklichkeit von vornherein recht enge Grenzen gezogen sind, nicht geäußert. Der „Össervatore Romano“ hat auch darauf verzichtet, jene Aeußerungen eines gemäßigten Optimismus zu verzeichnen. Einen indirekten Anhaltspunkt könnte man höchstens aus dem folgenden Vorgang gewinnen: Als der Papst in der vorigen Woche bei einer Audienz mexikanischer Studenten eines römischen Missionsseminars in einer Ansprache auf die Lage der Kirche in Mexiko zu sprechen kam, brachte der„Össervatore Romano" darüber nur eine auffallend kurze Notiz. Darin wurde lediglich festgestellt, daß der Papst von den Leiden der Kirche in Mexilo gesprochen, die Standhaftigkeit der Verfolgten gelobt und seinen Segen auf alle mexikanischen Katholiken ausgedehnt habe. Aus dieser Zurückhaltung könnte man immerhin schließen, daß tatsächlich gewisse Hoffnungen bestehen und daß man im Vatikan alles zu vermeiden bestrebt ist, was etwaige Bemühungen um einen Ausgleich stören könnte. Ganz zuverlässige Unterlagen für diese Vermutung sind weder gegeben noch im Augenblick zu erlangen. Wenn man in diesem Zusammenhang den offenen Brief heranzieht, den der apostolische Delegat für Mexiko von den Vereinigten Staaten aus kürzlich an den damals noch amtierenden Vorgänger des jetzigen Staatspräsidenten von Mexiko gerichtet hat, so läßt sich jedenfalls dreierlei feststellen: daß erstens die meritanischen Katholiken nach dem klaren Willen ihrer geistlichen Oberhirten den Konflikt mit dem Staate nicht suchen; daß zweitens die mexikanischen Bischöfe einen bewaffneten Kampf gegen die Staatsgewalt nicht billigen: und daß drittens die Hoffnungen auf eine etwa mögliche Verbesserung der Lage sich wie 1929 auf eine Vermittlung fünrender katholischer Kreise in den Vereinigten Staaten von Nordamerika beziehen. Die amerikanische Bischofskonferenz hat im November von Washington aus, wo drei Kardinäle, neun Erzbischöfe und sechsundsechszig Bischöfe versammelt waren, eine Erklärung erlassen, die zu den Zuständen in Mexiko klar und eindeutig Stellung nimmt. Der Wortlaut der Erklärung ist dieser Tage im„Össervatore Romano“ veröffentlicht worden. Sie enthält eine scharfe und mit Tatsachen belegte Anklage gegen die„antichristliche Tyrannei" in Mexiko und zugleich einen Appell an die ganze Welt.„Möchten alle", so erklären die amerikanischen Bischöfe,„sich in vollem Umfange darüber Rechenschaft geben, daß wir nicht nur die Sache der katholischen Kirche, sondern vielmehr auch die Sache der menschlichen Freiheit für alle Nationen der Welt verfechten." Dabei wird jedoch ausdrücklich betont, daß es sich nicht um einen Aufruf zu politischem Eingreifen, sondern um einen „Appellfüreine reinmenschliche Aktion“ handele. Auf dieser Grundlage ist auch 1929 der Ausgleich erzielt worden. Der amerikanische Pater Burke, der damals mit Calles und Portes Gil(der übrigens heute Außenminister ist) verhandelt hat, ist mit Billigung, aber nicht im Auftrag seiner Regierung, als Katholik, aber nicht als Politiker aufgetreten. Ob heute ähnliche Aussichten bestehen wie damals? Das ist schwer zu sagen. Selbst wenn man optimistisch sein will, wird man höchstens auf eine Minderung des aktuellen Verfolgungsdrucks, nicht aber auf eine wirkliche Neugestaltung des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche in Mexiko hoffen dürfen. Göring über die Ueberwindung des Kommunismus in Deutschland. Empfang des Außenpolitischen Amtes der USdAp. Berlin, 11. Dezember. Auf dem zweiten diplomatischen Empfang des außenpolitischen Amtes der NSDAP im Hotel Adlon sprach Ministerpräsident Göring über„Die Ueberwindung des Kommunismus in Deutschland“. Unter den zahlreich erschienenen Ehrengästen bemerkte man eine große Anzahl ausländischer Diplomaten. Die Reichsregierung war u. a. durch den Reichsfinanzminister Graf Schwerin=Krosigk, Reichsminister Darré und den Reichswehrminister von Blombera vertreten. Der Abend wurde mit Begrüßungsworten von Reichsleiter Alfred Rosenberg eröffnet. Anschließend ergriff dann der Preußische Ministerpräsident General Göring das Wort zu seiner großen Rede über„die Ueberwindung des Kommunismus in Deutschland“. Göring betonte einleitend, die deutsche Regierung wünsche aufrichtig, über das neue deutsche Wesen und über die tatsächlichen Verhältnisse in Deutschland völlige Klarheit zu verbreiten. Sie wisse, daß dies der sicherste Weg sei, Verständnis für die deutsche nationalsozialistische Revolution und für die gegenwärtige Lage in Deutschland zu gewinnen. Gerade an der Darstellung der Abwehr und der Ueberwindung der kommunistischen Gefahr, so fuhr der Ministerpräsident fort, werde man die Methoden des Nationalsozialismus klar erkennen können, die dem Kommunismus in jeder Hinsicht entgegengesetzt seien. Es sei die Aufgabe der deutschen Regierung, sich mit dem Kommunismus in der Form auseinanderzusetzen, wie er in Deutschland in die Erscheinung treten. Sie müsse sich auch vorbehalten, in völliger Freiheit die Mittel anzuwenden, die sie für richtig halte, und könne dabei auf fremde Ratschläge keine Rücksicht nehmen. Der Ministerpräsident gab sodann in großen Zügen einen Ueberblick über die geschichtliche Entwicklung des Marxismus und Kommunismus. Der Klassenkampfgedanke sei jedoch nicht ausschließlich von der linken Seite vorangetrieben worden, er sei genau so, wenn auch in anderer Form, vom bürgerlichen Lager her geführt worden. Der deutsche Arbeiter, so betonte General Göring, ist genau so brav, anständig, tüchtig und eyrlich wie jeder andere Mensch. Der Redner schilderte, wie aus den radikalen Elementen der Vorkriegs=Sozialdemokratie, aus Anarchisten und Nihilisten sich 1918 die kommunistische Partei organisierte, und er ging ausführlich auf die einzelnen Abschnitte ihrer staatsfeindlichen Tätigkeit ein. Der Kommunismus hatte nur noch einen einzigen Feind: Die nationalsozialistische Bewegung. Diese aber wurde der unerbittliche Gegner des Kommunismus, weil sie erkannte, daß ein Volk nur auferstehen kann, wenn dieses Gift bis auf das Letzte ausgerottet sei. In leidenschaftlichen Worten sprach Ministerpräsident Göring von dem Ringen um die Seele des deutschen Arbeiters, von dem unerhörten Kampf der nationalsozialistischen Bewegung mit ihren zahlreichen Gegnern und dem grausamen Terror des Kommunismus. Da brach der 30. Januar 1933 herein! Als mit diesem Tage die nationalsozialistische Bewegung die Macht übernahm, hatte für den Kommunismus die'entscheidende Stunde geschlagen, und der Reichstagsbrand sollte das Fanal sein zu einem blutigen Aufstand in ganz Deutschland. Ich will mich nicht nochmals, so erklärte General Göring nachdrücklich, mit den unerhörten Verleumdungen auseinandersetzen, die anläßlich dieses Ereignisses gegen die nationalsozialistische Regierung und spröde Haut mich persönlich ausgestreut worden sind. Hierzu besteht keine Veranlassung, nachdem das höchste deutsche Gericht die Vorgänge um den Reichstagsbrand mit peinlicher Genauigkeit geprüft und seine Entscheidung gefällt hat. Aber eines lassen Sie mich hierbei sagen: Die ebenso gemeine wie plumpe Fälschung des angeblichen Testaments des ehemaligen Gruppenführers Ernst stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten! Ich bin mir zu schade, mich mit solchem Schmutz zu beschäftigen. In seinen weiteren Ausführungen streifte der Ministerpräsident die Einrichtung der Konzentrationslager, die sich als ein wichtiger Bestandteil in der Bekämpfung staatsfeindlicher Elemente erwiesen hätten. Er wies u. a. darauf hin, daß im vergangenen Sommer durch eine besondere Gnadenaktion des Führers eine große Anzahl von Schutzhäftlingen in Preußen entlassen und darauf hin einige Konzentrationslager geschlossen werden konnten. Bei dieser Gelegenheit richtete der Ministerpräsident den dringenden Appell an die Vertreter des Auslandes, sich einmal zu fragen, wie ihre Heimatstaaten wohl mit den Menschen verfahren wären, die sich in unheilvollster Weise als die verschworenen Feinde jeder staatlichen Ordnung erwiesen hätten. Wenn die Behauptung aufgestellt wird, wir hätten Folterstätten eingerichtet, so erkläre ich derartige Behauptungen für frei erfunden und böswillig erdacht. Ich glaube, daß der Tag nicht mehr fern ist. an dem es in Deutschland nicht mehr notwendig sein wird, die Gegner des Nationalsozialismus mit polizeilichen Mitteln zu bekämpfen. Ich bin überzeugt, daß es letzten Endes nicht darauf ankommt, den Kommunismus durch Einsatz polizeilicher Mittel zu bekämpfen, denn damit kommt man auch nur an seine äußeren Sympthome heran. Den tiefergelegenen eigentlichen Krankheitsherd kann die Polizei niemals erfassen oder gar heilen. Wir sehen das letzte Ziel unserer Politik darin, den Kommunismus von innen her zu überwinden, in dem wir die Voraussetzungen beseitigen, unter denen allein er sich entwickeln kann. Die nationalsozialistische Regierung hat aber nicht nur Deutschland das Leben gerettet. Wenn Deutschland den Kommunismus in seinen äußeren Erscheinungen und inneren Voraussetzungen bekämpft, sichert es gleichzeitig den Bestand der gesamten zivilisierten Welt. Diese Tatsache rechtfertigt die Erwartung, daß Deutschland fortan im Zusammenleben der Völker wieder den Platz einnehmen wird, der ihm nach seiner Größe und nach seiner Leistung für die Welt gebührt. Adolf Hitler hat Deutschland seine Ehre wiedergegeben. Nur ein Deutschland der Ehre aber ist der beste Garant auch für den Weltfrieden.(Langanhaltender Beifall). Stürmische Auftritte in der Wiener Oper. Hochrufe und Johlen um Clemens Krauß. DNB Wien, 12. Dez. In der Wiener Staatsoper kam es am Dienstag abend zu außerordentlich stürmischen Auftritten, die sogar die Heranziehung größerer Polizeiabteilungen und zahlreiche Verhaftungen notwendig machen. Der an die Berliner Staatsoper berufene Wiener Operndirektor. Clemens Krauß, dirigierte die Oper „Falstaff“ von Verdi. In dem Augenblick, als er den Zuschauerraum betrat, brach ein Teil der Stehparterrebesucher in stürmische, demonstrative Hochrufe aus, die von zahlreichen im Hause anwesenden Juden mit Johlen und Pfeifen beantwortet wurden. Jedoch gingen diese Demonstrationen rasch vorüber. Sie erneuerten sich jedoch, als nach der großen Pause Clemens Krauß sich wieder anschickte, das Dirigentenpult zu betreten. Ein minutenlanger Kampf zwischen den Hochrufen und den Pfui=Schreiern sowie von Leuten, die auf Schlüsseln pfiffen, setzte ein. Bald war an diesem Kampf das ganze Haus beteiligt. Auf den Galerien und im Parterre tobte ein wüstes DurchTod durch die vergiftete Lieblingshenne? rätselhafte Ende Dr. Ritters auf den Galapagos=Inseln.- Seine Gefährtin kehrt nach Deutschland zurück, um ihre Trauer zu vergessen. Duelle mit Keulen und Steinen vor der„Kaiserin". 8 Guahaquil(Ecuador), 12. Dezember. Ueber den Tod Dr. Ritters hat dessen Gefährtin Dora Körwin einem zur Floreana=Inseln gekommenen Journalisten folgendes mitgeteilt: Dr. Ritter hätte während einer Jagd ein Wildschwein erlegt und die Eingeweide des Schweines seinen Hühnern gegeben. Es stellte sich nach kurzer Zeit heraus, daß die Fleischkost bereits angefault war, und infolgedessen ging der gesamte Geflügelbestand Ritters nach kurzer Zeit an Vergiftungserscheinungen ein. Ritter hegte, wie Dora Körwin weiter erzählt, eine zärtliche Liebe zu seiner Geflügelzucht und war besonders mitgenommen durch den Tod seiner Lieblingshenne. In seiner Verzweiflung entschloß er sich, diese Henne zu verzehren, obwohl ihm bekannt sein mußte, daß das vergiftete Huhn auch für ihn lebensgefährlich sein konnte. Am 19. November erkrankte Ritter und sei am 21. November nicht an einem Schlag, wie bisher angenommen worden sei, sondern an einer Fleischvergiftung gestorben. Dora Körwin beerdigte Dr. Ritter in einem schlichten Grab vor der Veranda ihres Heims. Sie war noch ganz untröstlich über den Tod ihres Gefährten und erklärte, daß sie nicht mehr allein auf der schönen Insel bleiben wollte, da dies Inselleben sie zu sehr an den gemeinsamen Aufenthalt mit Dr. Ritter erinnere und sie deshalb mindestens für eine längere Zeit wieder zurück in die Zivilisation kommen müßte, um ihre Trauer zu vergessen. Gleich nach dem Tod Ritters hatte sie die Insel, auf der sie wohnte, verlassen und sich zu den Wittmers begeben. Am 15. Dezember wird sie in Guayaquil eintreffen und von dort ihre Reise nach Deutschland fortsetzen. Ob sie längere Zeit in Deutschland verbleiben wird, konnte sie nicht sagen, doch glaubt sie nach einiger Zeit wieder nach Floreana zurückzukehren. Den Aeußerungen Dora Körwins über den Tod ist bereits der Forscher Martin Voegelin entgegengetreten, der im September die Galapagos=Inseln besuchte. Nach seiner Ansicht dürfte der Tod Dr. Ritters nicht auf eine Fleischvergiftung zurückzuführen sein, da Dr. Ritter egetarier gewesen sei. Neben dem Geheimnis um Dr. Ritters Tod steht noch immer nicht aufgeklärt das Geheimnis um den Tod des Deutschen Lorenz und des Norwegers Nuggerud, das Drama, das sich auf der Charles= und in seinem letzten Akt auf der Marchena=Insel abgespielt hat, die beide ebenfalls zu der Galapagos=Gruppe gehören. Aus San Diego(Kalifornien) wird gemeldet, daß die neben den Leichen auf der Marchena=Insel aufgefundenen 14 Briefe an amerikanische und ausländische Adressen am Dienstag der Postbehörde in San Diego zur Weiterbeförderung übergeben worden sind. 36 Briefe, die die Inselbewohner von der Außenwelt erhielten, wurden der Zollbehörde zur Weitergabe an den deutschen Konsul in Los Angelos übermittelt. Soweit man aus dem Inhalt dieser Briefe, die in schwedischer, deutscher und englischer Sprache abgefaßt sind, einen Einblick in die tragischen Geschehnisse auf der Charles=Insel gewinnen kann, scheint sich zwischen Lorenz und Philippson ein heftiger Kampf um die Baronin Wagner abgespielt zu haben. Einer der Briefe von Lorenz ist an Seemann gerichtet, den Lorenz mit rtur anredete. Diesem Artur, dessen Nacheinen norwes dem Namen Artur anrevete. Wiesem richt bekannt ist, erzählt Lorenz in dem Brief davon, daß er und Philippson sich wegen der Baronin Wagner=Bousquet mit Keulen und Steinen bekämpft hätten. Die Baronin habe diese„Duelle“. die bisweilen, wie Lorenz schreibt, dreimal wöchentlich vor sich gingen, stets mit ihren eignen Augen verfolgt. Weiter schreibt Lorenz dem Seemann, daß er schließlich nachgegeben und die Baronin Wagner=Bousquet Philippson„überlassen“ habe. In dem Brief ist die Rede davon, daß Lorenz„mit zerschlagenem Körper und zerbrochenem Geist“ den Kampf aufgegeben habe. Philippson und die Baronin hätten dann die Insel verlassen, und auch er, Lorenz, sei später in einem kleinen englischen Segelboot abgefahren. Allem Anschein nach ist er mit Nuggerud nach der Insel Marchena gesegelt, wo sie verdursteten. Den letzten Brief von Lorenz, den er kurz vor seinem Tode schrieb, haben die Matrosen, die die Leichen von Lorenz und Nuggerud auffanden, bei ihrer Rückkehr zum Schiff verloren. In der Schilderung seiner Erlebnisse auf den Galapagos=Inseln berichtet Kapitän Hancock, daß er in der Tagusbucht die Jacht„Swaap“ unversehrt vorgefunden habe, in der im Juni 1933 der amerikanische Forscher William Robinson und seine Gattin ihre Hochzeitsreise antraten. Es war zunächst vermutet worden, daß möglicherweise die Baronin Wagner und ihr Begleiter die„Swaap“ benutzten, als sie im letzten Juli von den Galapagos=Inseln verschwanden. Der Forscher Robinson hatte die„Swaap“ in der Tagusbucht zurückgelassen, als ihn ein amerikanisches Kriegsschiff zwecks Blinddarmoperation in ein Hospital nach Panama brachte. einander. Zum ersten Male seit Bestehen der Staatsoper mußten Polizeiabteilungen mit dem Gummiknüppel einschreiten. Im Stehparterre wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Wie sich später herausstellte, waren alle Personen, die festgenommen werden Clemens Krauß. mußten, Juden. Schließlich gewannen die Hochrufer die Oberhand und konnten die Pfuirufer zum Verstummen bringen. Erst mit einer viertelstündigen Verspätung konnte Clemens Krauß mit dem zweiten Teil der Oper beginnen. Der Oesterreicher Clemens Krauß, der seit 1929 die Wiener Staatsoper, das Wiener Philharmonische Orchester und die Hofburgkapelle leitet, und der nunmehr als Nachfolger Furtwänglers nach Berlin zur Leitung der Staatsoper verpflichtet worden ist, ist seit vielen Jahren auch mit der musikalischen Welt Deutschlands engst verbunden. Die fünf Jahre seiner Tätigkeit als Opern=Chef in Stettin und sein vierjähriges Wirken als Intendant des Frankfurter Opernhauses gehören zu den Glanzzeiten des Stettiner und Frankfurter Opernlebens. Der erst 42jährige sieht auf eine langjährige und außerordentlich erfolgreiche Dirigentenlaufbahn zurück. Der Hang zur Musikalität wurde ihm von seiner Heimatstadt Wien und von der Tradition der alten Musikantenfamilie, der er entstammt, mitgegeben. Seine Mutter Clementine war eine der gefeiertsten Sängerinnen der Wiener Volksoper, seine Großtante Gabriele glänzte viele Jahre als Star der Großen Oper in Paris. So ergab es sich ganz von selbst, daß Clemens Krauß schon in frühester Jugend in enge Berührung mit der Musik kam. Seine Laufbahn begann er, neunjährig, als Sängerknabe der Wiener Hofkapelle. Auf dem Wiener Konservatorium, wo ihn Reinhold, Grädener und vor allem der große Musikpädagoge Heuberger in das Reich der Musik einführten, entdeckte er seine Berufung zum Kapellmeister. Seine erste Anstellung war die eines Chordirektors am Brünner Stadttheater. Brünn, Riga, Nürnberg. Stettin und Graz waren die Stationen seiner Laufbahn als Kapellmeister, die ihn 1922 zum ersten Mal an die Wiener Staatsoper führte. Im Jahre 1924 folgte er dem Ruf nach Frankfurt, wo seine Verdienste, die er sich um das Operntheater erwarb, noch unvergessen sind. Die beschwingten Opernaufführungen, denen der tatkräftige Intendant Clemens Krauß das Gepräge seiner lebendigen, jugendlich=feurigen Persönlichkeit gab, gehören zu den schönsten Erinnerungen der Frankfurter Oper. Von dieser Tätigkeit nahm er im September 1929 wieder Abschied, um zum zweitenmal— diesmal als Alleindirigent— die Leitung der Wiener Staatsoper zu übernehmen. Die Stadt Wien, der der größte Teil seiner Arbeit gewidmet war, ehrte ihn durch die Ueberreichung eines Ehrenringes. Mit den Schöpfungen Richard Strauß' verknüpften Clemens Kräuß seit jeher besonders enge Bande. Eine seiner letzten Taten auf deutschem Boden war die Einstudierung der Oper„Arabella“ für die Dresdner Uraufführung, die ihm Richard Strauß persönlich übertragen hatte. 3 Stück 10 pfg. Für nächsten Sonntag: Thüringer Eintopf(Für 4 Personen) 3/4 Pfund Schmorfleisch, 1 Pfund Mohrrüben, 2 Pfund Kartoffeln, 2 feingehackte Zwiebeln, Pfeffer, Salz nach Geschmack, 2 Eßlöffel Tomatenpüree, 1 Liter Fleischbrühe aus 4 Maggi's Fleischbrühwürfeln. Das Fleisch in Würfel schneiden, leicht salzen und pfeffern, in etwas Fett kräftig anbraten. Die Zwiebeln mit dem Tomatenpüree dazugeben und gut durchschmoren. Mit der Fleischbrühe auffüllen, die Mohrrüben sowie Kartoffeln(kleingeschnitten) dazuschütten und alles in etwa 12 Stunden garkochen. Aus Westdeutschland. Unglaubliche Tierquälerei. Zwei Monate Gefängnis für den rohen Menschen. s Hamm, 12. Dezember. Ein unglaublicher Fall von Tierquälerei beschäftigte das hiesige Amtsgericht. Angeklagt wegen fortgesetzter Tierquälerei war der 24 Jahre alte Wilhelm Richter aus Recklinghausen, jetzt in Dortmund wohnhaft. R. hatte den Hof seiner Tante in Frielinghausen im Kreise Unna geerbt. Er vernachlässigte aber die Landwirtschaft in einer solchen Weise, daß schließlich ein Zwangsverwalter eingesetzt wurde. Dieser fand eine geradezu himmelschreiende Mißwirtschaft auf dem Hofe vor. Der als Zeuge vernommene Gendarmeriewachtmeister Wedemeier sagte hierüber u. a. folgendes aus: Es sah wüst aus, der ganze Hof war vernachlässigt. In den Ställen lag der Dünger so hoch wie die Krippen waren, so daß sich die Tiere bücken mußten, um zu den Krippen gelangen zu können. Als man beim Reinigen der Ställe die Kälber an einen anderen Platz schaffen wollte, stellte man fest, daß bei ihnen durchweg die Haltestricke so eng gebunden waren, daß sie den Hals fest umschlossen. Eine schaurige Entdeckung machte man dann bei einem sieben Monate alten Bullenkalb. Das Tier war so stehen geblieben, wie es als kleines Kälbchen angebunden worden war. Das Strick war vollständig ins Fleisch gewachsen, so daß man ihn gar nicht mehr sehen konnte. Es waren 6—8 Zentimeter tiefe Wunden entstanden, Halswirbelknochen und Speiseröhre waren sichtbar. Die eiternden Wunden waren von Maden und Würmern angefüllt. Das Tier hat monatelang derartige Schmerzen ertragen, daß es fast bis zum Skelett avgemagert war. Die Tante des Angeklagten hatte nachts das Stöhnen des Tieres gehört. Als sie sich dann am Tage mühsam mit zwei Stöcken in den Stall begab, sah sie aber, daß alle Tiere standen und konnte sich das Stöhnen nicht erklären. Angesichts dieser unglaublichen Tierquälerei hielt das Gericht nur eine Freiheitsstrafe am Platze und verurteilte den rohen Menschen zu zwei Monaten Gefängnis. Ein dreister Raubüberfall. :: Gelsenkirchen, 12. Dezember. Am Montagabend drang ein junger Mann in das Lebensmittelgeschäft Kleinschnittger in Gelsenkirchen ein und richtete mit dem Ruf„Hände hoch" auf die zwei allein im Geschäft anwesenden Verkäuferinnen eine Pistole. Er sprang dann an den Ladentisch und raubte aus der Kasse 78 Mark, mit denen er das Weite suchte. Die Filialleiterin lief aber entschlossen dem Räuber nach und machte durch lautes Rufen die Straßenpassanten aufmerksam. Nach kurzer Verfolgung konnte der Bursche von einem Polizeibeamten festgenommen werden. Das geraubte Geld wurde der geschädigten Firma zurückerstattet. Bei den polizeilichen Ermittlungen stellte sich heraus, daß es sich bei der benutzten Waffe nur umeine Atrappe, die aus einer Runkelrübe hergestellt war, handelte. Sie war mit einer Lederapratur so kunstvoll hergestellt, daß man sie für eine richtige Waffe halten mußte. Bei dem festgenommenen Räuber handelt es sich um den 25jährigen Wilhelm Eichmann aus Buer=Resse, der dem Amtsgericht vorgeführt wurde, das Haftbefehl gegen ihn erließ. Strafantrag im Prozeß Wermelskirchen. y Essen, 12. Dez. Im großen Wohnungsbaubetrugsprozeß gegen den früheren Geschäftsführer Erich Wermelsirchen war die Beweisaufnahme am Montag mit der Vernehmung der letzten Zeugen und dem Gutachten des Sachverständigen Dr. Marks abgeschlossen worden. Nach insgesamt 14tägiger Verhandlungsdauer nahm gestern nachmittag der Staatsanwalt von der Großen Essener Strafkammer das Wort zu einem fast dreistündigen Plädoyer. Abschließend beantragte der Staatsanwalt wegen fortgesetzter Untreue zum Nachteil des Baugeldfonds 2 Jahre 6 Monate Gefängnis, wegen zweier Betrugsfälle je 6 Monate Gefängnis und wegen fortgesetzten Betruges zum Nachteil der Wohnbauzunft 1 Jahr 6 Monate Gefängnis Diese Strafen sollen auf eine Gesamtstrafe von 4 Jahren Gefängnis zurückgeführt werden. Außerdem müßten dem Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren aberkannt werden, da er eine gemeine, ehrlose Gesinnung gezeigt habe. Unter dem Zeichen des Jerusalemskreuzes. Erste Jahresversammlung des Ritterordens vom Heiligen Grabe. y Köln, 12. Dezember. Der Ritterorden vom Heiligen Grabe in Jerusalem, der im Vorjahre am Feste der Unbefleckten Empfängnis in Köln die Gründung seiner deutschen Ordensprovinz vollzogen hatte, versammelte seine Mitglieder am Montag im Hotel Exelsior zu seiner zweiten Jahresversammlung. Der Orden, einer der ältesten der katholischen Kirche, hat durch päpstliches Breve vom 6. Januar 1928 die Aufgabe übernommen, das Werk der Glaubenserhaltung in Palästina zu fördern. Unter den 115 Mitgliedern der Deutschen Ordensprovinz befinden sich bekannte Persönlichkeiten des katholischen Deutschlands, sie tragen außer den Insignien bei besonderen Anlässen einen weißen Uniformfrack mit schwarzem Samtaufschlägen und einen weißen Tuchmantel, der unterhalb der linken Schulter das fünffache Krückenkreuz Gottfrieds von Bouillon aufweist. Die Ordensinsignien führen das gleiche Kreuz, das Symbol der fünf Wunden des Erlösers. Der Eröffnungsgottesdienst in der Ordenskirche, Pfarrkirche St. Andreas, wurde eingeleitet durch den feierlichen Einzug, den Franz Fürst zu SalmReifferscheidr=Dyck anführte. Die Pontifikalmesse zelebrierte der Prior der Ordensprovinz, Weihbischof Dr. Hammels, der eine kurze, kernige Ansprache an die richtete, in der er abschließend aufforderte, durch Wort und Beispiel furchtlos und treu einzutreten für Christus und sein heiliges Reich. Das Glaubensbekenntnis gipfelte in dem Bekenntnislied„Fest soll mein Taufbund immer stehen.“ In der Kapitelsitzung, die unter dem Vorsitz des Statthalters Fürst zu Salm=Reifferscheidt=Dyck stattfand, wurde nach Mitteilungen des Großmeisters des Ordens das Jahresprogramm 1935 besprochen. Der Großkanzler A. Perrin=Jerusalem ließ mitteilen, daß er die Ernennung von vier Mitgliedern vollzogen habe. U. a. wurde Komptur Rektor Franz Stolte=Salzkotten zum Komptur mit Stern ernannt. Drei Mitglieder haben sich der Deutschen Ordensprovinz im vergangenen Jahre angeschlossen. Aus dem NS-Juristenbund ausgeschlossen. + Köln, 12. Dezember. Der Rechtsanwalt beim Kölner Oberlandesgericht, Dr. Franz Legers, Köln, Weißenburgerstr. 5, ist, wie der Westdeutsche Beobachter meldet, durch den Reichsgeschäftsführer des NS=Juristenbundes mit sofortiger Wirkung aus dem NS=Juristenbund ausgeschlossen worden. Rechtsanwalt Dr. Legers hatte es grundsätzlich abgelehnt, den Hitlergruß zuerwidern. Es ist veranlaßt worden, daß Rechtsanwalt Legers als Vorstandsmitglied der Kölner Anwaltskammer ausgeschlossen und ein Ehrengerichtsverfahren gegen ihn eingeleitet wird. Dr. Legers hat beim Reichsjustizminister Dr. Frank Einspruch gegen den Ausschluß erhoben. Telegrammwechsel Floriana-Köln in sechs Stunden. Rwd. Köln, 12. Dez. Daß man selbst über das Wohlergehen der auf den Galapagos=Inseln ein Robisonleben führenden Menschen dank der fortgeschrittenen Technik in kürzester Zeit unterrichtet werden kann, beweist ein Telegrammwechsel, der jetzt von Köln mit der Robinson=Insel Floriana geführt wurde. Am 23. November hatte sich die„Kölnische Zeituna“ in einem Funkspruch an die auf Floriana wohnende deutsche Familie Wittmer gewandt, um über die jüngsten Vorgänge auf den Galapagos=Inseln Näheres zu erfahren. Die Familie Wittmer stammt aus Köln. Vor Jahren wanderte sie aus, um die Zivilisation gegen das Einsiedlerleben einzutauschen. Am Montag abend(10. Dezember) traf das Antwort=Telegramm von Heinrich Wittmer an die K. V. ein. In diesem Telegramm wurde u. a. der Tod Dr. Ritters, der auf einen Schlaganfall zurückzuführen ist, bestätigt. Das Telegramm wurde Montag 15 Uhr MEZ von Wittmer aufgegeben. Montag abend 20,45 Uhr war es in Köln— also nicht ganz sechs Stunden hatte es für den Weg Floriana— Köln benotigt. Insgesamt dauerte der Telegrammwechsel Köln—Floriana Köln knapp 17 Tage. Einem schweren Verbrechen auf der Spur. Mysteriöser Leichenfund. h Holzminden, 12. Dezember. In einem Straßengraben an einem abgelegenen Landwege wurde in der Nähe der Gemeinde Markoldendorf die 26jährige Hausangestellte Minna Spillner tot aufgefunden. Sie lag mit dem Unterkörper im Wasser. Die Leiche wies am Kopfe schwere Verletzungen auf, die nach den bisherigen Ermittlungen von Schlägen mit einem schweren Gegenstand herrühren. Die Leiche wurde von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Wie die Nachforschungen ergeben haben, haf diTote am Sonntagabend gegen neun Uhr das Haus ihres Arbeitgebers zu einem Spaziergange verlassen. Von diesem Gang ist sie nicht zurückgekehrt. Von dem Täter fehlt bisher jede Spur. :: Duisburg=Hamborn, 12. Dez. Erschossen aufgefunden. Am Dienstagmorgen wurde am Neudorfer Markt auf einer Bank ein in Essen beschäftigt gewesener 22 Jahre alter Koch erschossen aufgefunden. Die Polizei stellte Selbstmord fest. Ueber den Grund zu der Tat konnte noch nichts in Erfahrung gebracht werden. () Köln, 12. Dez. Sechs Monate Gefängnis wegen Verleumdung. Die Gauleitung Köln=Aachen der NSDAn teilt mit: Das Kölner Sondergericht verurteilte den Franz Winkelhausen aus Köln, zu sechs Monaten Gefängnis. Der Verurteilte hatte vorsätzlich unwahre Behauptungen aufgestellt und verbreitet, die geeignet waren, das Ansehen der Bewegung und der Stadtverwaltung herabzusetzen. U. a. hat er erklärt. Gauleiter Staatsrat Grohs und Oberbürgermeister Dr. Riessen seien verhaftet worden und säßen im Gefängnis Klingelpütz. Führer beim Staatsbegräbnis für SA=Gruppenführer Zunkel. DNB Weimar, 12. Dezember. Auf einem der idyllischsten Plätze des neuen Friedhofs haben das Land Thüringen und die Stadt Weimar dem toten Gruppenführer Dr. Zunkel seine letzte Ruhestätte bereitet. In feierlichem Zuge, an der Spitze der Führer, der Chef des Stabes der SA, Lutze, und der Reichsstatthalter Sauckel, wurde die sterbliche Hülle nach dort übergeführt. Standarten und Sturmfahnen neigten sich, nachdem Landesbischof Sasse mit Gebet und Segen sein kirchliches Amt versehen hatte. Der Chef des Stabes der SA, Lutze, trat dann an die Gruft und gab der Trauer der gesamten SA Ausdruck, die einen ihrer Besten zu Grabe getragen habe. Die SA gelobe, sie werde nicht ruhen und rasten, sie werde das Banner weitertragen und werde arbeiten an sich selbst im Geiste des Verstorbenen. Lutze legte darauf einen wunderbaren Kranz am Grabe nieder, worauf der Führer vortrat und ebenfalls einen Kranz niederlegte, auf dessen Schleife die Widmung steht: Adolf Hitler dem treuen SA=Führer. Das SA=Lied Horst Wessels beschloß die Feier am Grabe. Vor der offiziellen Trauerfeier fand im engsten Kreise in der auf dem Friedhof gelegenen Ehrenhalle für die Gefallenen eine Feier statt. Auf dem Fürstenplatz hatte eine große Trauerfeier als Staatsakt stattgefunden, bei welcher Ministerpräsident Marschler und Reichsstatthalter Sauckel Gedenkansprachen hielten. Richternachwuchs lebt von Wohlfahrtsunterstützung! Die Deutsche Rechtsfront, mit dem Reichsjuristenführer Minister Dr. Hans Frank an der Spitze, wendet sich mit einem Notruf an sämtliche Dienststellen und Aemter der Bewegung, des Staates, der Gemeinden, sowie an alle Wirtschaftsbetriebe und Betriebsführer, sich für die Bekämpfung der Not unserer heranwachsenden Jugend, die einer körperlichen und geistigen Unterdrückung gleichkomme, einzusetzen und in ihrem Bereich alles aufzubieten und alle Möglichkeiten zu prüfen, um die Lage zu bessern. Die besondere Not unter der juristischen Jugend, unter dem Nachwuchs für Richter, Staatsanwälte usw. legt dann in dem Zentralorgan des Bundes NS=Deutscher Juristen der Reichstagsabgeordnete und Reichsgeschäftsführer des BNSDJ, Dr. Wilhelm Heuber, dar. Er sagt, daß gegenwärtig etwa 10000 Referendare unter den größten Opfern danach strebten, das Gestrüpp der Prüfungen für den höheren Justizdienst zu durchdringen. Etwa ein Fünftel davon würden im Bereich der Staatsverwaltung und des Justizdienstes ein Unterkommen finden. Die anderen 8000 jungen Menschen aber würden im härtesten freien Berufstampf angesichts der Ueberfüllung der juristischen Berufe kaum das Existenzminimum verdienen. Die Not unter den Referendaren sei gewaltig. Es sei bekannt, daß eine Reihe von Referendaren Wohlfahrtsunterstützung beziehen. Einer der Referendare z. B., dessen Eltern Wohlfahrtsunterstützungsempfänget sind, beginne seine viele Nebenarbeit morgens mit dem Austragen von Zeitungen und ende sie abends mit dem Verkauf von Kinokarten. Der Referent entwickelt dann die Forderungen der Rechtsfront, die ein umfangreiches Programm darstellen, das u. a. der Beseitigung der Examensgebühren, Besoldung der Referendare und Arbeitsheime für Bedürftige vorsieht. Revolutionsoperette in Lichtenstein. DNB Vaduz, 11. Dezember. Vor dem Lichtensteiner Regierungsgebäude fand eine große Volkskundgebung statt. die aus allen Gemeinden des Landes beschickt war. Die Versammlung naym gegen die derzeitige Regierung des Fürstentums Stellung. Die Regierung des Fürstentums Lichtenstein veröffentlicht hierzu folgende Erklärung: In verschiedenen Blättern sind über eine Versammlung des Lichtensteiner Heimatdienstes vollkommen irrige Nachrichten verbreitet worden. Der Sachverhalt ist folgender; Einem Aufruf des Heimatdienstes, am letzten Sonntag eine Volkskundgebung zu veranstalten, leisteten nur 160 Personen, meist Jugendliche, sogar noch im schulpflichtigen Alter stehende junge Leute, Folge. Die Entschließung, die die Kundgebenden annahmen, verlangte u. a. Ausarbeitung einer ständischen Verfassung und Umbildung der Regierung mit dem Thronfolger oder einem Prinzen als Leiter an der Spitze, bei ausdrücklicher Erklärung der vollen Aufrechterhaltung der Rechte des regierenden Fürsten Franz I. Die kleine Kundgebung dauerte kaum eine Stunde. Sie wird von der Bevölkerung des Landes mehr' humoristisch aufgefaßt. Allgemein wird nur bedauert, daß der Versuch gemacht wird, das Fürstenhaus in das politische Getriebe hineinzuziehen. Der Thronfolger verwahrt sich in einer Erklärung gegen den Mißbrauch seines Namens für unwürdige und das Land schädigende Aktionen. Armer, kleiner Rann. Roman von Liane Sanden. Copyright: Horn=Verlag, Berlin W. 35.(Nachdruck verboten.) 34) Marike hatte schon viele Tage und Nächte der Verzweiflung erlebt, aber sie alle waren nicht dieser Nacht gleich. Die Enge der Zelle, die Stummheit des Dunkels, und die verzweifelte Frage:„Warum das alles? Wer sollte sie retten? Niemand war da, der für sie sprechen konnte. Sie hatte keine Ahnung, was man hier mit ihr beginnen würde. Sie saß wie gelähmt vor Gram, ihre Glieder waren ihr abgestorben. Erst gegen Morgen fiel sie in einen bleiernen Schlaf. Sie erwachte, als der Schlüssel des Gefängniswärters rasselte. Mühsam nur kam sie zum Bewußtsein der Wirklichkeit. Ihre Zähne schlugen aufeinander. Gierig trank sie die schlechte Cichorienbrühe aus dem Blechgefäß. Es war wenigstens etwas Heißes. Plötzlich öffnete sich die Tür wieder. „Zum Herrn Kommissar," sagte der Gefängnisaufseher. Marike folgte zögernd Man führte sie durch mehrere Gänge. Sie wagte den Kopf nicht zu heben. Sie schämte sich entsetzlich. Endlich stand sie wieder in dem gestrigen, Zimmer. Derselbe Beamte saß ihr gegenüber. „Fräulein Simanat, einer der Bestohlenen wünscht eine Unterredung mit Ihnen. Ich habe keine Bedenken dagegen.“ Angstvoll sah Marike zur Tür. Sie begann an ihrem eigenen Verstande zu zweifeln. Einer der Bestohlenen — Mensch aus Fleisch und Blut, gleich würde sie ihn sehen. Da faßte sie ein Schwindel, kraftlos lehnte sie sich zurück— der Mann, der jetzt rasch ins Zimmer trat, war Boschad. Seine Miene drückte Mitleid aus— er verbeugte sich höflich gegen den Kommissar.„Vielen Dank, Herr Kommissar, daß Sie mir eine Unterredung mit Fräulein Simanat gestatten.“ „Aber nur kurz, Herr Direktor Boschad, ich habe die Erlaubnis erteilt in der Hoffnung. Fräulein Simanat würde sich durch Ihr Zureden zu einem Geständnis entschließen. Damit würde sie ihre Lage nur verbessern. Also eine Viertelstunde, Herr Direktor Boschad.“ Er ging heraus. Boschad wartete, bis sich die Tür hinter ihm geschlossen. Dann ging er mit ausgestreckten Händen auf Marike zu. In seinen Augen war Trauer und Wärme, seine Stimme hatte den samtigen, gleitenden Ton wie früher. Einst war er Marike so verhaßt, aber in ihrer grenzenlosen Verlassenheit jetzt und gegen die kaltschnäuzige Art des Kriminalbeamten empfand sie diese Stimme wie eine Tröstung. „Fräulein Simanat, ich bin ganz entsetzt— hätte ich geahnt, daß Sie bei dieser Gelegenheit beteiligt sind— niemals hätte ich eine Anzeige erstattet.“ „Sie haben Anzeige erstattet?“ fragte Marike fassungslos. Boschad nickte bekümmert.„Die Krawattennadel gehört doch mir, Fräulein Marike— als mir ein paar andere Gäste von den vermißten Juwelen erzählten und Anzeige wegen Diebstahlsverdacht erstatteten, schloß ich mich an. Ich bin schon ein paarmal vernommen worden— aber erst heute habe ich erfahren, daß man Sie verdächtigt.“ „Sie glauben nicht, daß ich es gewesen bin?“ Atemlos fragte es Marike— nur ein Mensch, ein einziger Mensch sollte ihr glauben— und wenn er auch nur Boschad hieß. „Aber Fräulein Simanat, ich werde doch solchen Wahnsinn nicht glauben. Halten Sie mich für einen so schlechten Menschenkenner? Man braucht Ihnen ja nur in die Augen zu sehen, und man weiß, daß Sie nie im Leben einer unehrenhaften Handlung fähig wären.“ Marike drückte krampfhaft Boschads Hand: „Ich danke Ihnen,“ flüsterte sie mit erstickter Stimme, „es ist zu schrecklich zu denken, daß andere von mir so etwas fürchterliches annehmen.“ Boschads Gesicht wurde ernst. „Leider, leider tun sie das. Und es wird nicht leicht sein, den Verdacht zu entkräften. Man wird Sie wohl zunächst in Untersuchungshaft behalten— wenn nicht, er dachte nach, ein Gedanke schien in ihm aufzutauchen. „Fräulein Simanat, ich habe eine winzige, winzige Hoffnung. Entschuldigen Sie mich einen Augenblick, ich möchte etwas mit dem Kommissar besprechen.“ Er ging zur Tür— Marike blieb allein. „Mein Gott, mein Gott," betete sie lautlos,„hilf mir Was habe ich denn nur getan, daß ich hier sitze, daß man mir so etwas zutraut?" Da hörte sie gedämpftes Sprechen vor der Tür, der Kommissar, der sie vernommen, trat ein mit Boschad zusammen. „Fräulein Simanat, Herr Direktor Boschad als Hauptgeschädigter hat erklärt, daß er keinen Wert auf eine ng lege. Er hat sich für Sie verbürgt— wir werden also zunächst von einer Haft absehen und die Ansicht der anderen Geschädigten abwarten. Da Herr Direktor Boschad sich für Sie verbürgt, bin ich bereit, Sie zu entlassen, unter einer Bedingung: Sie melden sich dreimal bei der Polizei. Das weitere werden wir dann sehen.“ „Aber ich kann doch nicht unbegrenzt hierbleiben, ich habe doch kein Geld, ich werde meine Stellung verlieren—“ dachte Marike angstvoll. Aber ehe sie noch zu antworten vermochte, fiel Direktor Boschad ein: „Ich glaube, Fräulein Simanat wird sehr dankbar sein, Herr Kommissar. Ich habe vorhin für sie gebürgt, ich tue es auch dafür, daß sie die Anordnungen der Polizei pünktlich befolgt. Kommen Sie, Fräulein Marike, unterschreiben Sie hier Ihre Zustimmung, dann sind Sie frei!“ Er drängte Marike die Feder in die Hand. Marike hörte in dem allen nur ein Wort: Frei, fortzugehen hier aus diesem Zimmer, nicht in eine düstere Gefängniszelle wandern zu müssen, den eigenen verzweifelten Gedanken ausgeliefert. Frei— das hieß Hanns=Hennig benachrichtigen, ihn sprechen können, seiner Hilfe gewiß sein. Das hieß, sich um den kleinen Hann kümmern können. Ach, in diesem einen Worte„frei“ lag alles, was sie jetzt wünschen konnte. Da unterschrieb sie. Ihre Hand zitterte, sie schwankte, Boschad nahm ihren Arm:„Kommen Sie, Fräulein Simanat, ich bin ja bei Ihnen. Es geschieht Ihnen nichts. Vielen Dank, Herr Kommissar, für Ihr Entgegenkommen.“ „Fräulein Simanat hat das nur Ihrer Bürgschaft zu danken, Herr Direktor. Guten Tag.“ Der Beamte setzte sich an seinen Tisch und vertiefte sich schon wieder in ein Aktenstück. Marike mußte sich an Boschads Arm festklammern, der Boden schien unter ihr zu schwanken. Korridore, dumpfe Luft— endlich der Hausflur. Sonne lag draußen auf der Straße glänzte auf dem Lack des großen eleganten Wagens, der da wartete. Ein Chauffeur in dunkelblauer Automütze und blauer Livree saß regungslos auf dem Führersitz. Boschad öffnete den Wagen, half Marike hinein. „Los," sagte er zu dem Chauffeur. Der Wagen fuhr an, glitt vorsichtig durch die enge Gasse, dann in die breitere Straße hinein, die Marike am Tage zuvor mit dem Beamten gefahren war. „Wohin fahren wir?" Marike konnte nur mühsam die Augen aufhalten. Wie aus weiter Ferne hörte sie Boschads samtige Stimme. „Ruhen Sie sich nur aus, Fräulein Marike, ich sorge schon für Sie.“ „Aber was soll denn nur werden?“ wollte sie fragen. Doch der Schwindel von vorhin wurde stärker. War es die Bewegung des Wagens, die jetzt schneller und schneller wurde, die Erregung dieser Stunden— ihr war Spater wurde man denten lonne Jetzt erst einmal nichts wissen, als daß man frei war. „Das Hotel— ich habe kein Geld,“ vermochte noch zu sagen. „Machen Sie sich nur keine Sorgen, das mit de Hotel erledige ich schon." Boschads Stimme schien M rike zu schmeicheln. Da schloß sie die Augen und wuf eine ganze Weile gar nichts mehr. Sie atmete glei maßig und tief, ein leichter Schlummer hatte sie von d Not des Augenblicks befreit. K. a Boschad saß still, beobachtete Marike. A eine Maske glitt die Sanftheit und Weichheit von nem Gesicht. In seinen Augen lag hemmungslose Gi Seine Blicke glitten über Marikes reines, bleiches C sicht, ihre geschlossenen Augen, den süßen blaßrosa Mur — Nun hatte er sie in seiner Gewalt, diese klein stolze Marike Simanat. Sie traute ihm jetzt, war il dankbar, daß er sie befreit hatte— von der Dankbark zur Liebe war es bei Frauen nicht weit. Und we zwischen ihr und ihm immer noch dieser Pahlken steh würde, nun hatte er auch da Vorsorge getroffen. T richt warst du, kleines stolzes Mädchen, den Kampf n mir aufzunehmen. Nun habe ich gesiegt. Bald werde Siegespreis von deinen Lippen holen! Er beugte sich näher zu ihr, von seinem Verlang gezogen. Marike fühlte im Halbschlaf den Blick* schads auf sich ruhen. Jäh ermunterte sie sich, schlug! Augen auf. Boschad beugte sich zurück, aber nicht schn genug, daß Marike nicht den wilden Ausdruck der Aug gesehen hatte. Da war es wieder in ihr, dies Erschauer dieser Abscheu, als kröche ein giftiges Reptil an heran. Sie sah zum Fenster des Autos hinaus. rasender Fahrt jagte der Wagen. Was war denn do Das war doch nicht der Weg zum Hotel? Das war ja kleine Straßen, vorortmäßig, die sie nicht kannte u jetzt nahm sie schon die freie Landstraße auf. „Wo fahren wir denn hin?“ fragte sie,„hier si doch nicht mehr in Riga.“ Boschad faßte Marikes Hand: „Fräulein Marike— es ist besser, Sie fahren nicht ins Hotel zurück. Ich habe Sie von der Haft freibekommen. Aber ich habe sichere Nachrichten, morgen hätte man Sie doch verhaftet. Sie haben Feinde au Buchenwalde gehabt, mächtige Feinde, man wird nicht ruhen, bis man Sie rechtskräftig wegen Diebstahl verurteilt hat, Marike. Es gibt nur eins, Sie müssen fort von hier, Sie dürfen nicht mehr in Riga bleiben und auch nicht auf Buchenwalde.“ „Aber wohin soll es denn um Gotteswillen?“ „Darüber machen Sie sich keine Gedanken, ich bringe Sie in Sicherheit. Ich habe für alles gesorgt, in wenigen Stunden sind Sie außer Gefahr.“ Marike war nun ganz hellwach. Ihr kam dies alles plötzlich so unheimlich vor. Was Boschad ihr vorschlug, war eine Gesetzesübertretung gegenüber der Polizel. (Fortsetzung folgt.) Aus Zeit und Leben. Widukind von Corvey. Ein süchsischer Geschichtsschreiber. Corvey an der Weser, das älteste Kloster auf sächsischem Boden, noch in karolingischer Zeit begründet, eine Pflegestätte der Bildung und christlichen Geistes, Webers unsterblichem Sang von„Dreizehnlinden“ aus seinen fernen Anfängen uns nahe gerückt, die würdige Grabstätte eines der besten Deutschen, Hoffmanns von Fallersleben, dieses Kloster Corvey, das heute noch sein altersgraues Gewand trägt, beherbergte einst unter seinen Mönchen jenen Widukind. den man gewöhnlich Widukind von Corvey zu nennen pflegt. Er ist der Verfasser der„Sächsischen Geschichten“, die uns Kunde geben von der Geschichte des sächsischen Volkes, insbesondere aber von den Taten der Könige aus dem Stamme der Sachsen, Heinrich I. und Otto I. Den schweren Stürmen, die unter den letzten Karolingern über das Reich hereinbrachen, erlag die erste frische Blüte geistiger Bildung, deren Mittelpunkte die Klöster waren. Die Uneinigkeit im Reiche vermochte den von allen Seiten andrängenden Feinden, Normannen, Slaven, Ungarn nicht standzuhalten. Zahllose Kirchen und Klöster fielen der Zerstörung anheim. Auch Sachsen litt unter den räuberischen Einfällen der Heiden. Aber die starke Hand der Ludolfinger hatte es vor der inneren Auflösung bewahrt und konnte daher auch leichter die Anstürme der auswärtigen Feinde abwehren. Mit seiner auf dem Boden der Heimat gegründeten MNacht stellte Heinrich I. das Reich Ludwigs des Deutschen wieder her. Sein Sohn Otto aber konnte noch Größeres leisten und den stolzen, glänzenden Bau des Kaiserreiches erneuern, der wie zu Karls Zeiten die abendländische Christenheit umschloß. Dieser mächtige Aufstieg, dieses kraftvolle Erblühen des deutschen Volkstums weckte neue Triebkräfte, neue Begeisterung und regte auch die Geschichtsschreibung zu neuem Schaffen an. In Gandersheim verfaßte die Nonne Hrotsuit ein Gedicht auf die Taten Ottos. In Corvey aber sagte sich Widukind von seiner bisherigen Aufgabe los; die Darstellung der Heiligenleben setzte er nicht weiter fort, sondern ließ es bei dem bewenden, was er geschrieben. Schöner und lohnender erschien es ihm jetzt, die Großtaten seines Stammes zu schildern und sie der Nachwelt zu überliefern. Aber wie ein Epiker älterer Zeiten verbirgt sich Widukind hinter seinem Werke. Ueber seinen Lebensgang erfahren wir nichts Genaueres. Soviel aber ergibt sich, daß er dem ottonischen Hause nahe verwandt war (überhaupt fanden damals nur solche adligen Mönche in Corvey Aufnahme), vor allem der Königin, der hl. Mathilde, deren Oheim Widukind gewesen sein dürfte. Wie Mathilde entstammt er demnach dem Geschlechte des großen Sachsenherzogs Widukind, dessen Namen er ja auch trägt. Und doch tritt seine ganze kraftvolle Persönlichkeit mit manchen Einzelzügen uns deutlich in seinem Werke entgegen. Widukind ist sächsischen Stammes, Sachse von Geburt. Wiederholt weist er mit Stolz darauf hin, daß er dem sächsischen Volke angehört. Schon aus den ersten Worten seines Werkes klingt uns seine Verbundenheit mit dem Sachsenvolke entgegen. „Möge niemand sich wundern, daß ich, nachdem ich in den Erstlingen meiner Werke die Triumphe der Streiter des höchsten Gebieters verkündet habe, nun die Taten unserer Fürsten niederschreiben will. Da ich durch jene Arbeit nach Kräften erfüllt habe, was ich meinem Berufe schuldete, so entziehe ich mich nun nicht der Pflicht, meine Kräfte der Verehrung gegen meinen Stamm und mein Volk, soweit ich vermag, zu weihen.“ Daß der Mönch Widukind sich hier von einer rein kirchlichen Aufgabe hinwendet zu einer fast ganz weltlichen, darüber soll niemand sich wundern. Es mochte ja Leute geben, die das sonderbar oder unverständlich fanden. Aber dem Widukind ist das eine Pflicht wie das andere; er will das eine tun, das andere aber nicht lassen. Denn Christ sein, Mönch sein und Sachse sein, das war für ihn ebensowenig ein Widerspruch wie„das Amt eines obersten Priesters und mächtigsten Herzogs zugleich“ in der Hand Brunos, Ottos Bruder. Ihn verteidigt Widukind eigens.„Und möge ihn nicht etwa jemand deshalb für strafwürdig halten; denn wir lesen ja, daß sowohl der heilige Samuel wie mehrere andere zugleich Priester und Richter gewesen sind." Auch als Mönch fühlt sich Widukind der adligen Führersippe der Sachsen zutiefst verbunden und verpflichtet. Es war ja die Zeit, wo Otto der Große, selbst durch und durch kirchentreu, den Staat auf die Kirche gründete und die Bischöfe zu Fürsten machte! Aber Widukind hat die hier vollzogene Wendung deutlich in seinem Werke zum Ausdruck gebracht: überall tritt dieser fast ausschließlich nichtkirchlichen Dingen zugewandte Standpunkt Widukinds hervor. Er erwähnt weder den Papst noch die Kaiserkrönung und erzählt auch, wie Heinrich I. nach seiner Wahl zum König die Salbung durch den Erzbischof von Mainz zwar nicht verschmäht, über auch nicht angenommen habe.„Es genügt mir", ertlarte der König,„vor meinen Ahnen das voraus zu haben, daß ich König heiße und dazu ernannt worden oin, da es Gottes Gnade und eure(der Fürsten) Huld so will. Die Salbung und die Krone aber möge Würdigeren zuteil werden. Solcher Ehre halten wir uns für unwert." Die hier aus Heinrichs demütiger Bescheidenheit erklärte Ablehnung der Salbung hatte aber wohl ihren tieferen Grund darin, daß Heinrich damals nur erst von den beiden Stämmen der Franken und Sachsen anerkannt war. Widukind übergeht auch die Gründung neuer Bistumer durch Otto I. fast ganz. Die Geschicke der Kirche beruhrt er nur nebenher. Der kriegerische Ruhm und die Heldenhaftigkeit seines Volkes nehmen ihn weit mehr in Anspruch. Was er über Frankreich und Italien berichtet, hochst ungenau. Deutschland und Sachsen stehen bei ihm weit voran. Es wäre aber ganz falsch, ihn etwa für kirchenfeindlich du halten oder in ihm einen Gegner Karls des Großen sehen. Karl erscheint unserm Widukind keineswegs als der Zerstörer der sächsischen Freiheit, sondern er sieht in ihm vielmehr den Erlöser seines Stammes aus heidin nischem Irrglauben, der die Franken und Sachsen zu Brüdern und gleichsam zu einem Volke im christlichen Glauben machte. Es war eben jene Einheit, die, weit stärker als die Reichseinheit, die Gegensätze überbrückte und der nun auch die Sachsen sich willig einfügten, um dann mit höchstem Eifer, mit voller Hingabe der christlichen Lehre sich zuzuwenden. So sieht auch Widukind in seinen Sachsen das Volk Gottes, das für die Sache Christi das Schwert führt gegen die Heiden. Seine Verwurzelung im Boden der Heimat ist auch bestimmend für die Quellen, aus denen er die„Sächsischen Geschichten“ schöpft. Er holt sie meist aus dem Volke, aus der noch lebendigen Gegenwart und aus der eigenen Erfahrung. Wertvoll sind da auch besonders die von ihm überlieferten Stammessagen, deren Erhaltung wir eben nur Widukind verdanken. Aber den staatlichen Dingen und Geschehnissen wendet sich seine Aufmerksamkeit in erster Linie zu. Er kennt daher auch die Rechtsbräuche seines Stammes in nicht geringem Maße; der Inhalt des Sachsengesetzes (Lex Saxonica) muß ihm wohlvertraut gewesen sein. Es ist sogar mehr als wahrscheinlich, daß er vor seiner Klosterzeit selbst als Graf ein staatliches Amt bekleidet und daher auch an Sitzungen des königlichen Hofgerichts teilgenommen hat. Ueberhaupt ist die Art und die Genauigkeit mancher Schilderungen Widukinds nur zu erklären aus seinen nahen Beziehungen zur kaiserlichen Familie, um so mehr, als er hier auch eine gewisse Zurückhaltung sich auferlegt und absichtlich manches verschweigt, wie er selbst ausdrücklich sagt. Vor der kaiserlichen Familie erfüllt ihn Achtung, Bewunderung und Liebe. Seine Darstellung aber ist niemals unwahr oder übertrieben. Gerade weil Widukinds Geschichten aus so unmittelbaren Quellen zu uns fließen, sind sie so frisch, so lebendig, so ewig jung. Denn Blut und Boden sind ihr Quellgrund. Immer wieder anziehend zu lesen ist die Schilderung, die Widukind von den drei Brüdern Otto, Heinrich und Brun gibt. Den Otto nennt er ausgezeichnet durch Frömmigkeit, in seinen Unternehmungen unter allen Sterblichen den beständigsten, im Schenken freigebig,„im Schlafen mäßig, und während des Schlafes redet er immer, so daß er stets zu wachen scheint“. Widukind rühmt auch des Herrschers große Begabung, indem er begründend hinzufügt, daß Otto nach dem Tode der Königin Edith (946) die Schrift, die er vorher nicht kannte, so gut erlernte, daß er Bücher vollkommen lesen und verstehen konnte. Er verstand auch romanisch und slavisch zu reden. Doch bevorzugte Otto immer die heimische Sprache. Er liebte die Jagd und nicht weniger die Reitkunst. Sein gewaltiger Körperbau war von königlicher Würde, das Haupt mit ergrauendem Haar bedeckt, die Augen funkelnd, von durchdringendem Blick, das Gesicht rötlich, der Bart reichlich niederwallend, der Schritt sonst rasch, jetzt gemessener; seine Kleidung die heimische, die er nie mit fremder vertauschte. Heinrich war von ernstem Wesen. Die ihm ferne standen, hielten ihn für weniger gütig und leutselig. Seinen Freunden treu ergeben, zeigte er auch sonst große Festigkeit. Er war von hoher Körperschönheit und gewann in seinen jungen Jahren jedermann durch seine ausgezeichnete Schönheit für sich. Der jüngste der Brüder aber, Herr Brun, war ausgezeichnet durch Geist, groß durch Wissen und jede gute Eigenschaft und rege Tätigkeit. Als ihn der König über das unbändige Volk der Lotharinger gesetzt hatte, reinigte er das Land von Räubern und lehrte sie so kräftig gesetzliche Zucht, daß die größte Ordnung und die tiefste Ruhe in jenen Landen walteten. So kann nur einer schreiben, der die Persönlichkeiten aus nächster Nähe kannte. Mit besonderer Liebe verweilt er bei der Heldenhaftigkeit seiner Stammesgenossen. Aber auch, wenn sie mit List und Gewandtheit den Feinden sich überlegen erweisen, leuchtet die Freude des kernigen Mönches aus seinen Worten hervor. Als in der Schlacht bei Birten die Sachsen gegenüber einer starken Uebermacht einen schweren Kampf zu bestehen hatten, vermehrten sie schließlich die Verwirrung der Feinde dadurch, daß einige von ihnen,„die etwas in welscher Sprache zu reden verstanden“, auf welsch mit lautem Geschrei die Gegner zu fliehen ermahnten.„Diese glaubten, ihre Genossen hätten sie gerufen, und ergriffen, wie ihnen zugerufen worden war, die Flucht.“ Doch ihn erfüllte nicht blindwütiger Haß, auch nicht gegen die Gegner seiner Helden, insbesondere Ottos I. Ergreifend weiß er das Ende des rebellischen und oft eidbrüchigen Wichmann zu schildern, der noch, als er seinen Feinden unentrinnbar verfallen ist, den ihm an Stande nicht gleichen Gegnern die Waffen zu übergeben ablehnt. Schon fast zu Tode erschöpft, immer noch kämpfend, reicht er schließlich dem Vornehmsten der slavischen Feinde sein Schwert mit der Aufforderung, es dem Kaiser zu übersenden, der nun eines erschlagenen Feindes spotten und einen Blutsverwandten beweinen könne.„Und nach diesen Worten wandte er sich gegen Morgen. betete so gut er konnte in seiner Muttersprache zum Herrn und hauchte seine mit vielem Elend und Jammer erfüllte Seele aus in die Barmherzigkeit des Schöpfers aller Dinge. Dies war das Ende Wichmanns, und so endigten fast alle, die gegen den Kaiser die Waffen erhoben hatten.“ Im übrigen hat auch der Name Dortmunds in Widukinds Werk eine Stätte gefunden. In der Zeit nämlich, als Ottos Bruder Heinrich sich gegen diesen empört hatte, fand er auch in Dortmund Anhang. Der Aufstand Heinrichs geschah mit einer solchen Plötzlichkeit, daß Otto es anfangs nicht glauben wollte.„Zuletzt, da er die Botschaft als zuverlässig bewährt fand, verfolgte er unverweilt seinen Bruder mit einem Heere. Und wie er nun heranzieht gegen eine Feste namens Thortmanni(Dortmund), die unter dem Schutze der Besatzungstruppen seines Bruders stand, da gedenken die Leute, die darin sind, an Thankmars Geschick und wagen es nicht, den König zu erwarten, sondern sie zogen aus der Feste und ergaben sich dem Könige. Es war aber Agina, der jene Feste für Heinrich bewahren sollte. Er wurde vom Könige mit einem furchtbaren Eide verpflichtet, daß er, wenn er es vermöchte, seinen Herrn vom Kriege zu Frieden und Eintracht zurückführen oder wenigstens selbst zum Könige zurückkehren wolle.“ Das letztere tat Agina, nachdem er das erstere vergeblich versucht hatte. Der Wert der Schrift unseres sächsischen Landsmannes ist allzeit hoch veranschlagt worden. Ist sie doch nicht nur wegen ihrer Selbständigkeit und Form sehr lesenswert, sondern noch mehr wegen der Einmaligkeit der mitgeteilten Ereignisse, deren Kenntnis wir eben nur dem Widukind verdanken. Die eigene innere Anteilnahme, mit der der Schriftsteller seine Darstellung begleitet und belebt, vermehrt den Reiz, der allezeit die Leser zu fesseln vermochte. Widukind, der sein Werk in der Zeit von etwa 965 bis 967 abgefaßt hat, ist wohl bald nachher gestorben. Dr. O. Schnettler Praktische Vernunft. Von Richard Petzold. Vor Jahren gab es in Königsberg ein Gerichtsgebäude, das lag klein und unscheinbar in der Mitte der Stadt hinter der Oper. Es steht heute noch da, aber gerichtet wird dort nicht mehr. War es zu klein? Aber das kann doch in der Stadt der reinen Vernunft nicht vorkommen, daß ein Gericht zu klein wird. Also müssen andere Gründe dazu geführt haben, daß man draußen auf den Hufen ein neues Gerichtsgebäude baute. Ein Prunkbau ist es geworden, eine Zierde Stadt. Mit Grünanlagen und einer Auerochsengruppe vor dem Eingang. Was die Auerochsengruppe ist? Nun, ein Denkmal und wer anderer Ansicht ist, der kennt nicht den Sinn der Bezeichnung Denkmal. Denn etwas eindrucksvolleres als dieses Standbild, das zwei aufeinanderlosrasende Auerochsen darstellt, kann es nicht gut geben.„Denkmal“— nirgends ist die Bezeichnung angebrachter als hier, aber ob all die tausend Menschen, die täglich an ihm vorbeigehen, die Mahnung— Dentma— empfinden? Ich stand am Abend vor der Auerochsengruppe und neben mir ein Junge. Den fragte ich, weißt Du, was dieses Standbild bedeutet? Na, klar, Du bist ein Ochse, wenn Du ins Gericht gehst. Brav, mein Junge, so unrecht hast du nicht. Aber der Künstler, der es schuf, wird sicher komplizierter gedacht haben. Um weiter nachzudenken, setzte ich mich auf eine der Bänke, die die Auerochsengruppe umrahmen und sagte mir„Denk mal nach“. Da holte eine Kirchenturmuhr zum Schlage aus, es waren 12 dumpfe Schläge. Die Mitternachtsstunde war da. Da kam Leben in die beiden Auerochsen. Sie hoben die Köpfe, die sie sonst krampfhaft in zäher Wut dem Gegner entgegenstemmten, um ihm mit den spitzen Hörnern den Garaus zu machen. Sie schielten beide nach mir herüber. Ob der Herr dort schläft, fragte der eine. Bestimmt, war die Antwort. Na, dann können wir ja unsere wohlverdiente Ruhe genießen. Sie setzten sich auf den Steinsockel, holten die Stullen hervor und begannen gemütlich zu schmausen. Beide friedlich, die breiten Rücken aneinandergelehnt. Als die Stullen verputzt waren, suchte der eine seine Zigarrentasche vor, bot sie dem Genossen und bediente sich darauf selbst. Der andere hatte inzwischen ein Streichholz angezündet, und als die Zigarren brannten, machten sie es sich noch gemütlicher, indem sie von dem Sockel herunterstiegen und sich in das Gras legten. Während die blauen Rauchringe der Zigarren ihnen ungeheuren Spaß zu machen schienen, begann eine Unterhaltung, die mich sehr unangenehm berührte, denn sie schimpften auf die Menschen. Und da ich auch zu dieser Gattung von Lebewesen gehöre, wurde mir immer unbehaglicher zumute. Aber ich mußte still folgendes Zwiegespräch über mich ergehen lassen: „Es gibt doch nichts erbärmlicheres auf der Welt, als ein zweckloses Leben zu führen.“ 1 Hochwasser bedroht eine Eisenbahnbrücke. Wochenlange Regengüsse haben in verschiedenen Teilen Englands große Ueberschwemmungen hervorgerufen. Stellenweise wurde der Eisenbahnverkehr bereits stillgelegt. Auf unserem Bild sieht man eine Eisenbahnbrücke bei Exeter. Das Hochwasser hat beinahe ihren oberen Teil erreicht. Ja, ja, und wir glaubten in kürzester Zeit unsere Mission hier erfüllt zu haben, um uns dann gefeiert und mit Ruhm bedeckt zur Ruhe begeben zu können. Nun stehen wir hier schon Jahr für Jahr, um den Menschen Segen zu bringen, aber die laufen täglich in Scharen in das Gerichtsgebäude und sehen und hören nichts. Sie sind nur von ihrem eigenen Wert besessen und merken nicht, daß es auch noch etwas anderes auf der Welt gibt. Mir dreht sich immer das Herz vor Mitleid im Leibe herum, wenn ich diese armen, blinden, sich selbst peinigenden Menschen sehe. Wie hatten wir uns das doch so schön gedacht, damals als wir beschlossen, uns hier aufzustellen. Wir glaubten alle Menschen würden, ehe sie in das Gericht gehen, uns anstaunen, danach denken und wieder umkehren und ihrem Gegner die Hand reichen und dieses herrliche Gebäude würde bald ein Museum sein, in dem menschliche Torheit und Unvernunft der staunenden Nachwelt als Warnung aufbewahrt wird. Aber was ist geworden? Drei ebenso große Gebäude hat man schon inzwischen dazu gebaut, aber uns hat keiner beachtet. Ob wir es auch recht gemacht haben? Vielleicht machen wir einen Fehler? Ja, wenn die Menschen an ihre Fehler denken würden, aber bei uns ist ein Fehler ausgeschlossen. Wir haben alle Möglichkeiten durchdacht, wir haben die gleiche Größe, die gleiche Länge der Hörner, ja sogar die Anzahl der Muskeln sind absolut gleich. Es muß doch klar sein, daß keiner von uns Unrecht hat. Mußte das nicht den Menschen zu denken geben? Aber sie denken ja erst gar nicht. Doch, sie denken, sie denken täglich ihre Streitfälle durch und das Ende ihrer Denkbarkeit ist immer, ich habe recht. Ich allein. Nur der andere, der Gegner, hat unrecht. Aber der Gegner sitzt auch zu Hause und denkt. Und auch sein Resultat ist, ich habe recht, ich allein. Und der andere hat unrecht. Ach, so scheußliches Unrecht hat der Kerl, daß der Mann das gar nicht einsieht? Aber nie stellt sich einer vor, daß der andere vielleicht auch recht haben könnte von seinem Standpunkt aus. Nein, für jeden, der zum Gericht läuft, ist der Gegner ein heuchlerisches Ungeheuer, das mit bewußtem Unrecht und schwarzer Heimtücke im Herzen herumläuft. Und nur den einen Zweck hat, den anderen zu vernichten. Und das Gericht kennt diese Tatsache und schickt jedem der Kampfhähne zunächst eine Vorladung zum gütlichen Ausgleich. Aber da sollst du einmal sehen, wie solch eine Vorladung wirkt. Der eine macht die Vorladung auf und schon wettert er los: Was, nur ein gütlicher Ausgleich, ja schlafen denn die Herren auf dem Gericht? Haben die denn nicht meine Klageschrift gelesen? Da habe ich doch ganz deutlich bewiesen, wie unrecht der andere hat. Da gibts doch nur eins, verurteilen, nur verurteilen. Gütlicher Ausgleich, mit dem? Ha, ha, es ist zum Lachen! Mit so einem Menschen einen gütlichen Ausgleich? Na, wir wollen mal sehen, wenn er all meine Forderungen erfüllt, wenn er einsieht, daß er ein Lump und ein Gauner ist, und das öffentlich zugibt, na, dann will ich schon dem gütlichen Ausgleich zustimmen. Und der andere, der angebliche Lump denkt bei dem Oeffnen seiner Vorladung genau das Gleiche,er glaubt auch, daß das Gericht schläft, denn man kann doch klar erkennen, daß alles, was in der Anklageschrift steht, Lug und Trug ist. Na, der wird sich ja wundern, was aus seiner Anklage übrigbleibt. Dann gehen sie beide im vollsten Bewußtsein ihres unerschütterlichen Rechts an uns vorbei und sehen uns vor lauter Recht nicht. Ach, wenn sie doch stehen bleiben würden und uns betrachten, wir sagen ihnen das alles doch so gerne, dann würden sie sich um den Hals fallen und Brüder sein. Und das Gericht und wir würden bald überflüssig sein. Na, und was machen dann die Richter....? * Da bekomme ich einen Schlag auf die Schulter, ein Schupo steht vor mir, he— Männeken, hier wird nicht geschlafen. Was, ich und geschlafen? Ach so, habe ich tatsächlich geschlafen. Au, fein, dann habe ich das alles ja nur geträumt. Na, wie konnte es auch anders sein, denn so sind wir doch nicht wie die Auerochsen es erzählen, nicht wahr, liebe Leser. Na also. Badischer Kalender 1935. Verlag: Centraleisenbahnbuchhandlung C. Schmitt, Heidelberg. Preis 2,25 RM. Im 19 Jahrgang erscheint der Badische Kalender 1935 und grüßt seine Freunde und die der badischen Heimat diesseits und jenseits der Grenzen. Die Bilder stellen eine Auslese des besten photographischen Materials dar, das die vielfältige Landschaft Badens, sein Volkstum und seine kulturellen Schätze behandelt. Photos aus allen Teilen des reich gegliederten Landes, vom Schwarzwald mit seinen dunklen Tannenhöhen und den freundlichen Tälern, mit seinen malerischen braunen Häusern und den bunten Volkstrachten, vom Land der Burgen und Schlösser, vom fruchtbaren Oberrhein und vom sonnigen Bodensee bilden, jedes in sich ein kleines Kunstwerk, im Ganzen ein fröhlich anzuschauendes Mosaik der deutschen Südwestmark. Blick nach draußen. Nero als Opernheld. Der italienische Opernkomponist Mascagni, der Schöpfer der„Cavalleria rusticana“, hat kürzlich eine neue Oper beendet, die schon im Januar in der Mailänder Scala uraufgeführt werden soll. Die Oper heißt„Nero“, und das Libretto ist nach einem gleichnamigen Theaterstück von Cossa geschrieben. Aus dem fünfaktigen Schauspiel ist unter den Händen Giovanni Targioni=Tozzettis, des Mitarbeiters des Meisters, ein dreiaktiges Libretto mit vier Szenen entstanden. Das Stück zeigt Nero in den letzten Zeiten seiner Regierung, da er von dem Wahn besessen war, Italiens größter Dichter und Schauspieler zu sein. Der erste Akt spielt in einer römischen Weinkneipe, der zweite auf der großen Terasse des„Goldenen Hauses“, der„Domus Aurea“, der dritte schließlich im kaiserlichen Palast und im Hause eines Freigelassenen. Zwischen dritter und vierter Szene ist ein orchestrales Zwischenspiel eingeschaltet. Die Proben wurden von Mascagni dadurch eingeleitet, daß er die Hauptmitwirkenden, durchweg hervorragende Sänger und Sängerinnen der Mailänder Scala, persönlich in den Geist der neuen Oper einführte. Schon hegt übrigens Mascagni neue Pläne, und zwar soll er sich jetzt ein biblisches Thema vorgenommen haben. Auch mit Ariosts bekannter Dichtung„Der rasende Roland“, beschäftigt sich der Komponist. Abzuwarten ist, ob der „Nero“=Oper der Erfolg der„Cavalleria rusticana“ beschieden sein wird. Tod eines bekannten Polarforschers. In Brüssel verstarb am 5. Dezember der Baron von Gerlache. Er hat, wie Amundsen, Nansen, Nordenskjold usw. seinen Namen in die Geschichte der Polarforschung eingetragen. Sein bekanntestes Unternehmen war ein Vorstoß in die Antarktis, den er 1897 mit dem Schiff„Belgica“ unternahm. Erst 1899 kehrte das Schiff zurück, nachdem es im Südpolgebiet unter den schwierigsten Verhältnissen überwintert hatte. Zwei Teilnehmer Handel und Der Zweck der Erzeugungsschlacht. Von H. Rusche. Jede politische Freiheit ist nutzlos ohne die Nahrungsfreiheit, das lehrte uns der Krieg. Doch auch im Frieden gilt die gleiche Wahrheit. In dem Maße, als die eigene Scholle nicht die Grundlage der Brotversorgung des Volkes ist, liegt die Zukunft des Staates im Ungewissen. Ein freies Volk kann nur tatsächlich frei sein, wenn auch die Basis einer ausreichenden Nahrungsversorgung im eigenen Lande liegt. Das ist der Sinn des Ringens um die Leistungssteigerung der Scholle, wie wir es in Italien aus der Getreideschlacht Mussolinis kennen, und das ist die tiefere Ursache der Erzeugungsschlacht, die heute zur Festigung der Ernährungsgrundlage in Deutschland„geschlagen“ wird. Wie auch ein wehrloses Volk Kriegsdrohungen stets mehr ausgesetzt sein wird als ein wehrhaftes Volk, so kann auch einem Volk, das aus eigener Scholle die naturnotwendigsten Nahrungsmittel gewinnen kann, der Brotkorb vom Ausland nicht nach Belieben höhergehängt werden. Die Erzeugungsschlacht ist daher eine volkspolitische Notwendigkeit. Doch darüber hinaus handelt es sich auch um rein wirtschaftliche Fragen, die für die Erzeugungsschlacht maßgebend gewesen sind. Wollen wir uns unseren Brotpreis vom Ausland diktieren lassen? Eine Abhängigkeit in der Versorgung vom Ausland würde die Bestimmung des Preisniveaus für die deutschen Nahrungsmittel in die Hände des Auslandes legen. Soll der Ausländer den Preis für das Brot des deutschen Arbeiters festsetzen? Bei einer Weiterentwicklung der Wirtschaft wie sie sich in den letzten Jahrzehnten angebahnt hatte, wäre das ohne Frage der Fall gewesen. Es ist Aufgabe des Bauern, durch Steigerung der Erzeugung diese Entwicklung zu verhindern. Der deutsche Boden muß die Quelle der deutschen Ernährung sein. Das ist Sinn und Zweck der Erzeugungsschlacht. Damit dient die Erzeugungsschlacht der augenblicklichen handelspolitischen Lage, die eine weitgehende Devisenersparnis erfordert. So konnte im Vergleich zu 1928 auf Grund der steigenden Selbstversorgung schon im Jahre 1933 eine Devisenersparnis von über 4 Milliarden RM. erzielt werden. Doch wird eine Steigerung der Selbstversorgung nicht nur zur Sicherstellung der Ernährung des deutschen Volkes angestrebt. Auch die Möglichkeiten, die der deutsche Boden zur Rohstoffversorgung der deutschen Industrie bietet, sollen weitgehend genutzt werden. Die Erzeugungsschlacht liegt daher im dringendsten Interesse der deutschen Industrie und der in ihr beschäftigten Arbeiter. Auch kann sie in gewissem Grade zur Wiederanbahnung der durch die Weltwirtschaftskrise verursachten Unterbrechung der internationalen Handelsbeziehungen führen. Wenn gesagt wird, daß das Ausfuhrbedürfnis unserer Industrie Deutschland zu einer Hereinnahme von Lebensmitteleinfuhren zwingt, so ist dem entgegenzuhalten, daß eine der ersten Voraussetzungen für eine Wiederanbahnung des Außenhandels die Beseitigung der bedingungslosen Abhängigkeit Deutschlands von fremden Lebensmitteleinfuhren ist. Sind wir in unserer Nahrungsmittelversorgung nicht mehr vom Ausland abhängig, sondern ist die Lebensmitteleinfuhr zusätzlicher Natur, so besteht für das Ausland ein zwingender Grund, deutsche Industrieartikel abzunehmen, um uns zur Abnahme zusätzlicher Lebensmittel Gelegenheit zu geben. Die Erzeugungsschlacht wirkt in ihrem Endziel also nicht ausfuhrhemmend, sondern im Gegenteil, sie fördert eine Wiederanbahnung der internationalen Beziehungen. Sie gibt also auch damit indirekt neue Arbeits= und Lebensmöglichkeiten innerhalb des Reiches. der Expedition erlagen den Strapazen, ein dritter wurde wahnsinnig. Auch 1903 bis 1905 zog es den Baron wieder in das ewige Eis. Damals führte er wertvolle Forschungen auf Grönland durch. Er hat ein Alter von 69 Jahren erreicht. Woher hat die Sardine ihren Namen? Die Sardine hat ihren Namen nicht etwa daher, daß sie, wie man annehmen könnte, aus den Gewässern um die Insel Sardinien stammte. Die Hauptsardinenfischgebiete befinden sich bekanntlich in Portugal und Frankreich. Namentlich die französische Sardinen=Industrie, die in Nantes ihren Mittelpunkt hat, konnte Weltberühmtheit erlangen. Die Leute von Nantes sind, nach dem„Petit Parisien", auf ihre Fischerzeugnisse so stolz, daß sie behaupten, der Name dieses Fisches sei bei ihnen entstanden. Römische Legionäre, die nach Ablauf ihrer Dienstzeit in Gallien in besagter Gegend angesiedelt wurden, sollen damals schon festgestellt haben, daß die kleinen Fische, die man in den Gewässern der Bretagne fing, den heimischen Fischen der sardinischen Küsten an Geschmack ebenbürtig seien. Sie tauften den Fisch dementsprechend zuerst„sardiniea“, woraus sich mit der Zeit„sardina“ und daraus das französische„sardine“ entwickelte. Wenn man die Fischer von Nantes nach dem Werte der portugiesischen„Konkurrenz“, befragt, so zucken sie nur verächtlich die Schultern, überzeugt, daß die Sardinen von Nantes nicht zu übertreffen seien. Wetterbericht. Essen, 12. Dezember. Vorhersage für Donnerstag: Mäßige bis westliche Winde, bewölkt, Niederschläge, leichter Temperaturrückgang. Vorhersage für Freitag: Bei Winden westlicher Richtungen verstärkte Bewölkung, einzelne Schauer, noch immer für die Jahreszeit mild. Vorhersage für Samstag: Noch keine wesentliche Aenderung anzunehmen. Wirtschaft. Und auch der Bauer, der der Träger der Erzeugungsschlacht ist, wird durch sie, durch die Steigerung seiner Produktion, neue Arbeitsmöglichkeiten haben. Marktregelung, Vorratswirtschaft und Einfuhrregelung sorgen dafür, daß auf Grund der Festpreise die Mehrerzeugung dem Bauern nicht, wie in früheren Jahren, zum Unsegen, sondern zum Segen wird. Ist doch durch die Maßnahmen der nationalsozialistischen Agrarpolitik die Voraussetzung für volle Entfaltung der landwirtschaftlichen Leistungsfähigkeit geschaffen. Nicht wie früher ist der Bauer von der Entwicklung des Marktes abhängig. Es gibt für ihn nur noch ein Risiko, die Unberechenbarkeit des Wetters. Es liegt daher auch im Interesse des Bauern, wenn er seinen Betrieb, seine Produktion möglichst vielseitig aufbaut. Das ist für ihn die beste Rückversicherung gegen die unberechenbaren Einflüsse der Witterung. Die Marktregelung ist die beste Garantie, daß die Steigerung der Erzeugung auch wirklich zu einer Einnahmesteigerung der Landwirtschaft ohne Belastung der städtischen Verbraucher bedeutet. So schafft die Erzeugungsschlacht neue Arbeits= und Lebensmöglichkeiten innerhalb Deutschlands und erhöht dadurch im Interesse des gesamten Volkes die Tragfähigkeit des deutschen Lebensraumes. Berliner X Berlin, 12. Dezember. Der schon gestern festzustellende geringe Geschäftsumfang kennzeichnete auch das heutige Börsengeschäft. Zwar hält das Publikum an seinem Aktienbesitz fest; die Kulisse nimmt aber hier und da Glattstellungen vor, was mangels ausreichender Aufnameneigung verschiedentlich zu geringen Kursabschlägen führte. Die aus der Wirtschaft vorliegenden Nachrichten blieben unter diesen Umständen völlig eindruckslos. Sehr still und nach der gestrigen kräftigen Steigerung um ½% rückgängig eröffneten Reichsbankanteile, da nach einer Verlautbarung die Annahme sich nicht bewahrheiten dürfte, daß die Anteile hinsichtlich der Anwendung des Anleihestockgesetzes eine Sonderbehandlung erahren werden. Die Reichsbank beabsichtigt wohl nicht, elbst bei einer nach dem Gesetz rechtlich gegebenen Mögichkeit von einer solchen Gebrauch zu machen. Verlängerter Weg beim Eierhandel? Dem Zeitungsdienst des Reichsnährstandes entnehmen wir folgende Ausführungen:„Von interessierter Seite wird vielfach die Auffassung verbreitet, als ob durch die neugeschaffene Ordnung des Eiermarktes das Ei einen längeren Weg als bisher vom Erzeuger zum Verbraucher zurückzulegen habe. Dieses trifft keineswegs zu. Die Hausfrau kann nach wie vor unmittelbar von der Bauersfrau ungekennzeichnete Eier kaufen. Ueber die Kennzeichnungsstelken werden nur diejenigen Eier geleitet, die auch früher über den Handel gingen. In den Kennzeichnungsstellen werden alle verdorbenen Eier vernichtet, die minderwertigen als Gütegruppe II oder aussortierte Eier gekennzeichnet. Alle diese Eier hat die Hausfrau früher zum vollen Preise gekauft. Seitdem eine rücksichtslose Kontrolle sämtlicher Eierkennzeichnungsstellen durchgeführt worden ist, hat sich im letzten Halbjahr die Qualität der deutschen Handelsklasseneier von Woche zu Woche gevessert. Es sei aber besonders darauf hingewiesen, daß der DeutschStempel auf dem Ei nur ein Herkunftszeichen ist. Die Güte wird nur dann vom Kaufmann verbürgt, wenn er ein Schild mit der Aufschrift„G 1 vollfrische Eier“ und der vollständigen Angabe der Gewichtsgruppe daran anbringt.“ Milch gegen Kohle. Innsbruck, 12. Dez. Auf Grund des deutsch=österreichischen Kompensationsabkommens sind Verträge über die Lieferung von täglich 30 000 Liter Milch aus Tirol nach Deutschland im Austausch gegen deutsche Kohlenlieferungen abgeschlossen worden. Diese Milchlieferungen beginnen am 15. Dezember und sind zunächst für die Zeit bis zum 30. April 1935 vereinbart. Gleichzeitig wurde ebenfalls auf Grund des Kompensationsabkommens ein Vertrag über sofortige Lieferung von 27 Waggons Tiroler Käse nach Deutschland abgeschlossen. Verhandlungen über weitere hundert Waggons Käse sind noch im Gang. Mürkte. Münsterischer Wochenmarkt. Der Mittwochmarkt war nicht sonderlich gut besucht. Die Weihnachtszeit machte sich bemerkbar. Ware war genügend vorhanden. Die Preise waren: Gemüse: Spinat Pfd. 10, 15 und 20 Pfg., Kopfsalat 15, 20 oder 3 Stück zu 10, Feldsalat 20. 25, 30, 32 und 40, Endiviensalat je Kopf 5, 10, 15 und 20 oder auch 2 zu 15, Blumenkohl je Kopf 10, 15, 20, 25, 80, 40 und 45, Wirsing 5, 7, 8, 10 oder 2 Pfd. 15, Weißkohl 5, 6, 8 und 10 oder 2 zu 15, Rotkohl 5, 6, 7, 8 und 10 oder 2 zu 15, Sprossenkohl 10 und 15, Rosenkohl 15, 20 und 25, Krauskohl 5, 6, 7, 8 und 10 oder 2 zu 15, Zwiebeln 10, 12, 15 und 20, Möhren 8, 10, 12, 15 und 20, Schwarzwurzeln 10, 15, 20 und 25, je nach Größe, Sellerieknollen 10, 15, 20 oder 2 zu 15, Meerrettich 10, 20, 25, 30 und 40 je nach Größe der Wurzel, Radieschen je Bündel 10, Steckrüben 5. 8 und 10 oder 2 zu 15, Rettiche(schwarze und weiße) 5, Rüben, gelbe 8, 10 und 15, weiße 5 und 10, Rote Beete 8 und 10 oder 2 zu 15, Haselnüsse 30, 35, 40 und 45, Walnüsse 40, 50 und 55 Pfennig. Butter und Eier: Landbutter 1,35 Mk., feine deutsche Molkereibutter 1.50 Mk., deutsche Markenbutter 1,50 und 1,60 Mk., Landeier 10,5, 11, 12, 13 und 14 Pfg., Enteneier 11, 12 und 13 Pfg., Gänseeier 30 Pfg. Hasen wurden im Fell bezahlt mit 50 und 55 Pfg., wilde Kaninchen mit 1—1,20 Mk. das Stück, Fasanenhähne 1,60 bis 2,20 Mk., Fasanenhennen 1,40—1,80 Mk., Wildtauben 0.70—0,80 Mk. je St., Suppenhühner 0,70 Amtliche Devisenkurse. Berlin, den 12. Dezember 1934 Berliner Getreidegroßmarkt vom 12. Dezember 1934. Amtliche Preise in Mark, bei Getreide und Oelsaaten für 1000, bei Mehl und Kleie für 100 kg. sonst für 50 kg. Welzen, märk., Durchschnittsqualität: 76/77, frel Berlin....... 205.50 ges. Erzeugerpreis, PreisgebletV VII VIII IX 1 X 194.50 195.50 196.50 197.50 199.50/201.50 Roggen, märk., Durchschnittsqualität: 71/73, frei Berin....... 165.50 ges. Erzeugerpreis, Preisgeblet Gerste, feln. Brau gerste, neue, fr. Berlin ab märk. Station gute, frel Berlin ab märk. Station Wintergerste, zwelz.*) *) Zu Industriezwecken. Futtergerste, 59/60 ges. Erzeugerpreis. Preisgeblet 211.00—218.00 202.00—209.00 203.00—212.00 194.00—203.00 VI VII 1 IX I 155.50 156.50 157.50 159.50 161.50 au märk. Station Wintergerste, vierz.*) ab mårk. Station Industriegerste(Sommer. e e Berin k. Station 195.00—200.00 186.00—191.00 I Bei M I VIII 154.50 155.50 157.50 160.50 162.50 Lieferung von Sommer-Futtergerste kommt ein weiterer Aufschlag von 5 Mk. je Tonne hinzu. Hafer. märk., Durchschniltsqualität 48/49 ges. Erzeugerpreis, Preisgebiet VIX XIII XIV 148.50 152.50 155.50 157.50 160.50 162.50 Welzenmehl, lypa 790 Preisgeblet 2.65 10% Auslandweizen— 1.50 weizen— 3.00 Mk. Aufgeld. Roggenmehl, Iype 997 Preisgeblet.V VII 26.80 26.95 Mk. Aufgeld. VIII IX 1 27.10 27.40 27.70 — 20% AuslandRaps.......... Welzenkleie, Prelsgeblet MI 21.90 Roggenklele, Preisgeblet Viktorlaerbsen Spelse-„ kleine Peluschken Ackerbohnen““) Wicken Lupinen, blaue*) Lupinen, gelbe 35.0—37.0 13—13.75 8.25—8.50 11.20 9.55 Saradella, neue ungereinigt") Saradella, neue gereinigt") Leinkuchen, 37% Erünußkuch. 50% Erünußkuchenm. frockenschnltzel VI 21.75 Leinsaat V 1 VII 11.25 11.30 V1 VII 9.70 1 9.80 VIII 22.05 22.35 II 22.65 16.0—16.5 18¾—19½ 7.65 VII 11.35 11.40 VIII 1 I 9.85 9.95 Sojabohnenschr. 45% a. Abgs 45% a. Steltin*) Kartoffelflocken Parit. wagg. Stolp Karloitelflocken waggonfrei Berlin 6.50 6.70 8.75 Einschl. Monopol-Zuschlag*) 1.30, *) 1.55. 4) 1.55, *) Obst- und Westpreuflische Station.**) Östpreußische Station. bis 0,80 Mk. je Pfd., Hähne 0,80—1,00 Mk., Enten bis 0,90 Mk., Gänse 0,80 Mk. Dortmunder Zucht= und Faselviehmarkt. Dortmund, 12. Dez. Zum heutigen Zucht und Faselviehmarkt wurden aufgetrieben: 594 Großvieh. 148 Schweine, 66 Kälber. Der Handel war in guten Tieren mittel, sonst langsam. Es kosteten: Hochtragende und frischmelke Kühe: a) 380—410, b) 830—370, c) 260—320. Rinder: 200—330. Beste Tiere über Notiz. Sämtliches zum Markt aufgetriebenes Großvieh ist gegen Maul- und Klauenseuche geimpft worden. Am Schweinemarkt war der Handel langsam. Es wurden gezahlt für 6—8 Wochen alte Ferkel 10—14, für 8—10 Wochen alte Ferkel 15—18 für 10—12 Wochen alte Ferkel 19—29. Nächster Markt am 19. Dezember. Osnabrücker Zucht- und Nutzviehmarkt. X Osnabrück, 12. Dez. Auftrieb: 302 Rindvieh, 652 Schweine, 47 Pferde. Es kosteten: Kühe in Milch tragende Kühe: a) 330—360, b) 300—330, c) 240—300 d) 200—240; tragende Rinder: a) 290—340, b) 240—290 c) 200—240, d) 160—200; Pferde: a) 450—550, b) 350 bis 450, c) 225—300, d) 170—230. Schweine: 6—8 Wochen alt e9—12, 8—13 Wochen alte 12—15; Läuferschweine: 15—20. Marktverlauf: in allen Gattungen gut, ausgesuchte Tiere über Notiz. Nächster Markt am 19. Dez. Schweinemarkt in Lehrte. o. Dr. 148, 900 t 45,25—48,25. Bremen: Baumwolle Loco Dezember Januar März Mai Juli Oktober Tendenst leicht befest. Liverpool: Baumwolle bezahlt 13.67 13.79 14.02 14.16 14.26 Loco Dezember Januar Februar März April Mai Juni Juli 10. 12. 6.61 6.51 6.50 6.49 6.49 6.45 Tagesimport 16400 3100 Liverpool: Östindische Baumwolle Loco Surtee F. G. Broach F. G.(Good Staple) " M. G. Punjab/American F. G. " Centr. Provinces Oomra Nr. 1. . Bengal F. G....»»»»» „Bengal Superfine..»»» " Sind F. G. „ Sind Supertine»«»»*» Liverpool: Notierungen für Sakellaridis u. Upper F.G.F. 12. 12. Dezember Januar Mära Mai Juli Oktober November Loco Sakellaridis 8.65 8.65 8.64 8.61 8.51 8.51 9.07 UpperF.G.F 7.47 7.47 7.47 7.47 7.42 7.40 7.40 7.69 Sakellaridis 8.64 8.67 8.66 8.64 8.63 8.54 8.54 9.09 10. 12. UpperF.G.F. 7.50 7.50 7.50 7.5 7.45 7.41 7.41 7.71 Tendens. k. stetig New Orleans: Baumwolle Loco Dezember Januar März 11. 12. 12.60 12.59 12.35 New Yorker Baumwollkurse Loco Dezember Januar Februar Mära April Mai Geschützte Totalzufuhren......— Baumwollzufuhr in Atlantischen Häfen, 1000 Baumwollzufuhr in Golf-Häfen 10000 Zufuhren in Pacific-Hälen„„— Export nach England.,»— Export nach dem übrigen Kontinent. Export nach Japan und China. 2000 Fracht n. Liverpool f. starkgepr. Ballen— Fracht für Standard.»..„— Export nach Kanada und Mexiko.— De tigen bliede emitt holisch serner Evang sen, 3 Lehrte, 11. Dez. Auftrieb: 1520 Ferkel und 187 Läuferschweine. Es kosteten im Großhandel: Ferkel (Durchschnittsqualität) 4—6 Wochen alt bis 9 Maxk 6—8 Wochen alt 9,50—12,50 Mk., 8—12 Wochen alt 13—18 Mark;-Läuferschweine 3—4 Monate alt 19—26 Mark. 4—5 Monate alt bis 45 Mk. Marktverlauf: langsam geräumt. Metalle. Di 0„B Regier der P erord estimi Bautec seldma 981:2 Strate ei Albert technit rine. Berlin, 12. Dez. Elektrolytkupfer(Wirebas) RM für 100 kg netto cif Hamburg, Bremen oder Rotterdam. Aluminium 98=99 kg Bl. 144, Aluminium i. Walz. Reinnickel 98=99 kg 270, Silber in Barren Ei der M vor ku Es für M den fü Bochol mer o richten 9. 1 olant Ulle P bes sel 11. 12. 12.57 12.58—57 12.49 12.46 12.32—33 Mit de Rm. entrich 1. De gang ungefä ca. 15 meldur Nord hausie mit ei Di falen Die Ir der W sind di tichten Di Heilt n. De weiter wert i besseru gemäß Sond jahre. züge u Ladur Anzeigentell Vermiete in Mesum eine herrsch. Wohnung(Erdgesch.), besteh. a, 3 groß. schön. Zimmern, Küche, Keller u. kl. Nebenräum. Ferner i. gleich. Hause(1. Etage) eine kompl. Wohnung, besteh. a. 3 schön. Zimm., Küche, Keller u. kl. Nebenr. Zu Wohn. 1 od. 2 kann außerd. noch ein schönes Ladenlokal m. Schaufenster u. ein groß. Garten evtl. mit übernommen werd. Die Wohn. befind. sich i. vorn. Hause, dir. i. Mittelpunkt d. Ortes. a. d. Hauptstr. Rheine—Emsdetten u. werden 6. 1. 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Für Westfalen wurden umittelt 2357837 Evangelische, 2517 994 Römisch=Kakolische, 1289 Angehörige anderer christlicher Bekennte(Orthodoxe und andere morgenländische Christen), irner 18819 Israeliten und 144024„Sonstige"(Angerige anderer Gruppen, Gemeinschaftslose, Ohne An„he). Von 1000 Personen waren in Westfalen 467,8 knangelische, 499,6 Römisch=Katholische, 0,3 andere Chrisen. 3,7 Israeliten und 28,6 Sonstige. Gaumeister-Ernennungen. Die folgenden Personen sind berechtigt, sich von jetzt Baumeister“ zu nennen, nachdem sie dem Herrn segierungspräsidenten die Voraussetzungen gemäß§ 18 der Preuß. Ausführungsbestimmungen zur BaumeisterPrordnung vom 1. April 1931 bezw. der AbänderungsPstimmungen vom 17. Januar 1934 nachgewiesen haben: Bautechniker Joseph Bringemeier. Ibbenbüren, Westsedmark: Bernhard Dreyer, Münster, Hammer Straße : Architekt Leo Herrmann. Münster, Schleswiger Straße 23; Maurermeister Hermann Jüttemann, sheine, Neuenkirchener Straße 123: Bauunternehmer Abert Roß. Rheine, Hörsteler Straße 48; Tiefbautechniker Karl Stockfisch, Münster, Maximilianraße 8 I. Meisterkurse der Handwerkskammer. stärter als im gleichen Monat des Vorjahs rege war der Eingang an Kohlen und Lsemitteln, sowie— trotz der vorgeschrittenen — an Baustoffen. Der Eingang an Kohis und Briketts in Emden zur Ausfuhr über See Der Güterempfang zeigte im arbeitstägli. Durchschnitt folgendes Bild: November 1934 1963 Wagen, Oktober 1934 1978 Wagen. Der Güteresand— ebenfalls noch lebhaft— nahm jahreszeitlich bedingt gegenüber dem Vormonat etwas ab, war jedoch nennenswert stärker als im gleichen Monat des Vorjahres. Im Vergleich zum Vormonat wurden weniger Wagen benötigt für Zement, Kalk, Wegebaustoffe und Kartoffeln; dagegen ist im Versand von Kohlen, Torf, Torfstreu und Sand noch eine leichte Steigerung zu verzeichnen. Der Herbstkartoffelversand ist im allgemeinen beendet, es wurden im arheitstäglichen Durchschnitt noch 28 Wagen aufgeliefert. Die Erzabbeförderung ab Emden zeigte eine leichte Steigerung. Im arbeitstäglichen Durchschnitt wurden für den Güterversand gestellt: November 1934 2989 Wagen, Oktober 1934 3133 Wagen, November 1933 2685 Wagen. Der Expreßgutverkehr ist etwas gefallen, doch Zahlen des Vormonats überschritten. Der leichte Rückgang ist besonders auf den geringeren Versand von Frischobst zurückzuführen. Der Eilstückgutverkehr lag über dem des Vorjahres, ging aber gegenüber dem Vormonat ebenfalls leicht zurück(geringeres Aufkommen von Obst und Frischgemüse). Der Frachtstückgutverkehr nahm— ebenfalls jahreszeitlich bedingt— etwas ab, lag aber über dem des gleichen Monats des Vorjahres. Arbeitstäglich wurden 1283 Wagen fur den Stückgutversand benötigt gegenüber 1307 Wagen im Vormonat. Auch der Tierverkehr ist ein wenig zurückgegangen: arbeitstäglich wurden 18 Wagen gleich 7,5 Prozent weniger als im Vormonat gestellt. Die Viehmärkte waren gut beschickt, die An= und Abbeförderung mit der Bahn war lebhafter als im gleichen Monat des Vorjahres. Als die Devisenbewirtschaftung kam Großer Devisenstrafprozeß in Münster. + Münster, 12. Dezember. Auf fünf Tage ist der umfangreiche Prozeß gegen Julius Gundelfinger und Genossen(Lina Salomon, Fritz Nathan, Emil Kahn, Moritz Levy, Salomo Löwenthal, Heinrich Re. aus Gronau und Heinr. Tröbner) angesetzt. Es handelt sich um Devisenvergehen in mehreren Fällen, die auf Veranlassung von Gu. von den Angeklagten begangen wurden. Gu. ist in Holland wohnhaft und wie die meisten der übrigen Angeklagten Pferdehändler. Sein Unternehmen bestand in der Ausfuhr holländischer Pferde nach Deutschland, ein einträgliches Geschäft, das aber mit einem Schlage brach lag, als kein Bedürfnis des Inlandes mehr vorlag, holländische Pferde einzuführen, so daß ihm auch die Abgabe von Devisen verweigert wurde. Zu dieser Zeit hatte Gundelfinger nach den Gerichtsakten einen Jahresumsatz von einer halben Million. Gu. betrieb seine Geldgeschäfte zunächst mit der Sparkasse in Gronau, deren Leiter der Angeklagte Re. war. Ueber die Erlaubnis hinaus erhielt Gundelfinger hier Gelder ausgezahlt, und als schließlich Re. wegen der Devisenbestimmungen die Sache zu brenzlig wurde, da verfiel Gundelfinger auf den erfolgreichen Vorstoß gegen sein Sperrkonto. Er verlangte Rücküberweisung der zuletzt eingegangenen Beträge an die süddeutschen Händler, um sie später zu veranlassen, die Schuldbeträge auf ein Konto einer Kasse in Dülmen zu überweisen, bei der er der Ein Vorbereitungskursus auf den allgemeinen Teil der Meisterprüfung hat in Borken und in Bocholt vor kurzem begonnen. Es ist in Aussicht genommen, einen Fachkursus für Maler und für Schneiderinnen im Zuschneiden für das Westmünsterland, also für die Kreise Ahaus, Bocholt und Coesfeld in Coesfeld zu veranstalten. Neldungen zu diesen Kursen sind an die Handwerkskamner oder an die Kreishandwerkerschaft Coesfeld zu tichten. Meldepflicht für das ambulante Gewerbe. Durch die Anordnung des Reichswirtschaftsministers vom 18. September 1934 ist die Wirtschaftsgruppe„Amulantes Gewerbe“ als Pflichtorganisation anerkannt. Ule Personen, die Berufsarten des ambulanten Gewerbs selbständig ausüben, haben daher unaufgefordert ihre Flichtanmeldung bei den Meldestellen zu vollziehen. Mit der Anmeldung ist eine einmalige Meldegebühr von Rm. und der Monatsbeitrag ab 1. Oktober 1934 zu entrichten. Die Meldepflicht läuft bis zum M. Dezember 1934. Man bemüht sich weiter um die Frage des Zugangs zum Berufe des ambulanten Gewerbes. Nach ungefährer Schätzung werden im Gau Westfalen=Süd a. 15000 ambulante Gewerbetreibende ihre Pflichtanneldung vornehmen müssen, im Gau WestfalenNord ca. 10 000. Vor allem wird man das gesamte hausiergewerbe endlich in die Gemeinschaftsorganisation mit einbezogen haben. Die Pflichtanmeldung nimmt entgegen für Westfalen-Nord: Die Gaugeschäftsstelle des RaGD in Münster, Verspoel 18. Für den Kreis Burgsteinfurt Wilh. Schröer, Rheine, Piusstraße 25. Für den Kreis Coesfeld Josef Bausch. Dülmen, Südring 1. Für den Kreis Ahlen Dietrich Adam, Ahlen, am Stockpiper 105. In den Kreisen, wo sich noch keine Verwaltungsstellen der Wirtschaftsgruppe„Ambulantes Gewerbe“ befinden, ind die Pflichtanmeldungen an die Gaugeschäftsstelle zu tichten. die Reichsbahn hat mehr zu tun. Die Pressestelle der Reichsbahndirektion Münster Leilt mit: Der Reiseverkehr war im Monat November weiter lebhaft und stärker als im Vorjahre. Bemerkensvert ist, daß die das ganze Jahr über festgestellte stetige besserung des Reiseverkehrs auch in diesem erfahrungsgemäß sonst schwachen Herbstmonat anhielt. Auch der vonderzuaverkehr war weit stärker als im Vorjahre. Es wurden 22 Gesellschaftssonderzüge, 8 Pilgerüüge und 2 Kindersonderzüge gefahren. Im Güterverkehr war der Güterempfang Ladungsverkehr) im Berichtsmonat noch recht lebhaft Die Arbeitslage in Westfalen im November Der Arbeitseinsatz im Bezirk des Landesarbeitsamtes Westfalen entwickelte sich auch im Monat November außerordentlich erfreulich. Trotz der in dieser Jahreszeit zwangsläufig auftretenden Abnahme der Beschäftigungsmöglichkeiten einzelner Wirtschaftszweige blieb die Zahl der unterstützten Arbeitslosen nahezu unverändert: einer Zunahme der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung und Krisenfürsorge um 2500 stand eine weitere Abnahme der Wohlfahrtserwerbslosen um 2400 gegenüber. Die Gesamtahl der Unterstützten beträgt rund 175 600, von enen 89 200 vom Wohlfahrtsamt unterstützt werden. Die Zahl der Arbeitslosen(also einschließlich der Nichtunterstützten) hat in diesem Monat allerdings eine Zunahme um 4800 erfahren, sie war damit stärker als im Vormonat, in dem sie sich nur um 1300 erhöhte. Diese fast ausschließlich auf die nichtunterstützten Arbeitslosen beschränkte Zunahme ist weiterhin auf die bereits im letzten Monat beobachtete Bewegung im Arbeitseinsatz zurückzuführen, die sich noch stärker ausprägten: Rückkehr ausgeschiedener Arbeitsdienstwilliger und Landhelfer, vornehmlich ins Ruhrgebiet, die ihre Stelle teils freiwillig aufgegeben haben, in der Hoffnung, Arbeit in der Heimat zu finden, teils gezwungen, weil die Landwirtschaft im Osten keine weiteren Beschäftigungsmöglichkeiten bot oder die Arbeitsdienstzeit beendet war. Daneben halten die Meldungen der jüngeren und älteren Arbeitslosen aus der unsichtbaren Arbeitslosigkeit an; diese bisher nicht unterstützten und beim Arbeitsamt nicht gemeldeten Arbeitslosen kommen in zunehmender Zahl zum Arbeitsamt in der Hoffnung, Arbeit und Brot zu erhalten. Daß dieser Zunahme der Arbeitslosigkeit keine Verschlechterung der Wirtschaftslage und des Arbeitseinsatzes gegenübersteht, geht einwandfrei aus den Beschäftigungszahlen hervor. Diese zeigen in den letzten Monaten(bei gleichbleibender Zahl der Unterstützungsempfänger und leichter Zunahme der nichtunterstützten Arbeitslosen) folgende Entwicklung: Beschäftigte davon Notstands= u. Für(in 1000) sorgearbeiter(in 1000) August 1934 1203 33 September 1934 1203 30 Oktober 1934 1204 29 Aus diesen Zahlen geht weiterhin hervor, daß die Zunahme der Beschäftigung in der freien Wirtschaft erfolgt ist bei gleichzeitigem leichten Rückgang der„zusätzlichen“ Beschäftigung in Notstands= und Fürsorgearbeit. Nicht nur reine Lohnmüllerei. Sitzung der Müllerinnungen. + Münster, 12. Dezember. Die Obermeister der Müllerinnungen des Kammerbezirks trafen sich in Münster zu einer gemeinsamen Besprechung, zu der sämtliche Obermeister erschienen waren. Es galt, ernste und lebenswichtige wirtschaftliche und organisatorische Fragen zu besprechen. Im Vordergrund der Beratungen stand die Frage nach der Besserung der wirtschaftlichen Lage. Syndikus Dr. Kahmann befaßte sich in einem eingehenden Referat ausgiebig mit diesen Fragen. Er führte u. a. aus: Die Wirtschaftslage im Müllergewerbe sei denkbar schlecht. Zu einem großen Teil sei das darauf zurückzuführen, daß die Bauern und Landwirte ihr Getreide selbst maylen und schroten und darüber hinaus auch noch unberechtigter Weise für andere mahlen. Viele Müllereien werden zu reinen Lohnmüllereien gestempelt. Die Besserung der Wirtschaftsverhältnisse und die Erfassung der von Nichtfachleuten unterhaltenen Mühlen hänge sehr eng mit der Organisationsfrage im Müllereigewerbe zusammen. Durch eine straffe Organisation könnten manche Mißstände beseitigt werden. Bisher habe eine große Innung bestanden für den Regierungsbezirk Münster mit Ausnahme des Vestes Recklinghausen. Durch die Verordnung über den Aufbau des Handwerks sei eine Veränderung eingetreten insofern, daß jetzt 11 Kreisinnungen bestehen. Die Erledigung der Geschäfte erfolge durch die Kreishandwerkerschaften. Die bisherige, Müllerzwangsinnung sei aufgelöst worden. Eine wichtige Frage im Müllergewerbe sei die Sorge für den Nachwuchs und die Berufsbildung bezw. Weiterbildung. Der ordnungsmäßigen Meisterlehre sei die größte Bedeutung beizumessen. Die Handwerkskammer habe im Einvernehmen mit den fachlichen Organisationen und Betriebsgemeinschaften Fachkurse veranstaltet. Weitere Kurse werden im Münsterland noch folgen. In der anschließenden allgemeinen Aussprache wurde vor allem über die Veraschungsanlage gesprochen. Es soll die in Münster bestehende Einrichtung der früheren Müller=Innung aufrechterhalten bleiben, da die Gebühr hier bedeutend niedriger liegt als bei anderen Veraschungsstellen. Die Müllerbetriebe des Kammerbezirks sollen nach Möglichkeit diese Veraschungsanlage benutzen, um die Anschaffungskosten allmählich aus den einkommenden Benutzungsgebühren tilgen zu können. Eingehend wurde noch über die besonderen Schwierigkeiten gesprochen, die sich aus der neuen Gesetzgebung ergäben. Es ist in Aussicht genommen, demnächst Aufklärungsvorträge in den einzelnen Innungen zu veranstalten. Tante seiner Frau, Lina Solomon, ein Konto errichtete. Aber es kam zu einer Zwistigkeit und, beraten durch den ehemaligen Anwalt Cohn=Münster, verband sich Gundelfinger mit dem Angeklagten Nathan aus Horstmar und gründete eine GmbH., die er dazu benutzte, seine Verstöße gegen die Devisenbestimmungen zu verschleiern. Der zweite Tag brachte die Vernehmung der übrigen Angeklagten, die das weit verzweigte und komplizierte Netz der Manipulationen des Gu. aufdeckten. Mit dem Bett in den Viehstall gestürzt. □ Lingen, 12. Dezember. Im benachbarten Österbrock ereignete sich auf Gut Geeste ein eigenartiger Unglücksfall, der zum Glück ohne Schaden für die beteiligte Person ablief. In dem Wohnhause des früheren Fischmeisters Schemmöller der Geester Fischteiche stürzte in der Nacht zum Sittwoch ein großer Teil der Betondecke der ersten Etage ein. Ueber der Decke befand sich das Schlafzimmer einer Untermieterin, die zur Zeit des Unfalls in tiefstem Schlafe lag. Durch den Einsturz des Fußbodens wurde das gesamte Schlafzimmer mit dem Bett und der darin ruhenden Schläferin in den unter dem Zimmer besindlichen Viehstall gerissen. Dabei wu A zwei Schweine durch herabstürzende Betonn“ en und Möbelstücke sofort getotet und eine Kuh schwer verletzt. Die Dame selbst kam mit leichteren Verletzungen und einem gewaltigen Schrecken davon. Das Bett allerdings mitsamt den übrigen Möbeln sind vollständig 3 Ltrümmert. Nur noch 31 Tage bis zur Saarabstimmung. + Münstet 12. Dez. Der Befehlshaber der deutschen Polizei in Mnster. Am kommenden Freitag, 14. Dezember, trifft er Befehlshaber der deutschen Polizei, General der Lendespolizei Daluege, mit dem Kommandeur der Landespolizei=Inspektion West, General der Landespolizei Baltzer, in Münster zu einer Besichtigung der Landespolizeischule in Münster ein. " Münster, 12. Dez. 200 Abstimmungsberechtigte. Zum großen Tage der Volksabstimmung werden aus Münster rund 200 Abstimmungsberechtigte in ihre Heimat sahren. Ein Generalappell dieser 200 fand vor kurzem statt, in dem der fest entschlossene Wille, der Saar zur Heimkehr zum Reich zu verhelfen, machtvoll zum Ausdruck kam. + Münster, 12. Dez. Wettbewerb zur Verschönerung der Bahnanlagen. Nach Mitteilung der Pressestelle der Reichsbahndirektion Münster hat der Wettbewerb zur Verschönerung der Bahnanlagen im Reichsbahndirektionsbezirk Münster auch in diesem Jahre wieder gezeigt, daß die Anregung, die Bahnanlagen durch gärtnerischen Schmuck zu verschönern und zu beleben, beim Reichsbahnpersonal immer mehr Anklang findet. Aus diesem Anlaß wurden zahlreiche Bedienstete des Bezirks mit Geldund Buchpreisen bedacht. Außerdem erhielten sämtliche mit einem Preis Ausgezeichneten ein künstlerisch ausgefertigtes Anerkennungsschreiben. + Dülmen, 12. Dez. Volksschulen geschlossen. Am Dienstag mußte die Schließung der Volksschulen Dülmens angeordnet werden. Rund 300 Kinder sind an Grippe erkrankt. Kilian-Vopel starten Weihnachten in Münster. Münster, 12. Dezember. Am 2. Feiertag wickelt die Halle Münsterland ihr drittes diesjähriges Rennprogramm ab. Als große Zugnummer wurde von der Direktion der Halle die in Amerika von Sieg zu Sieg eilende Dortmunder Kombination Kilian=Vopel schon jetzt fest verpflichtet. Während Kilian=Vopel gemeinsam zwei Sechtagerennen jenseits des großen Teiches gewinnen konnten, errang Vopel in einer anderen Mannschaftsverbindung seinen dritten Sechstagesieg. Die Verhandlungen der Leitung der Halle Münsterland mit weiteren bekannten Mannschaften stehen kurz vor dem Abschluß und lassen schon erkennen, daß die„1001 mal rund“ am 2. Weihnachtsfeiertag eine großartige Besetzung aufzuweisen haben werden. trale) L.W., 5 Neues Heimatschristtum. Wandel in Form und Inhalt.— Nicht Absonderung, sondern Einbau.— Lohnende Aufgaben und Ziele. Seit diesen Sommer, seit Juli, erscheinen die Monatshefte für Westfälisches Volkstum,„Heimat und eich", deren Herausgeber Landeshauptmann Kolbow als Leiter der Landschaft Westfalen im Reichsbund Volkstum und Heimat und deren Schriftleiter Josef Berdenthal. Gauführer im Reichsverband deutscher cchriftsteller, sind. Westfälischer Heimatbund, die Landesstellen des Ministeriums für Volksaufklärung und dropaganda, die Partei und ihre Untergliederungen 86„Kraft durch Freude", NS Kulturgemeinde, NS rehrerbund, 5I und BDM sind an der Herausgabe der der Ausstattung geschmackvollen und ansprechenden befte beteiligt. Mit diesem weitgezogenen Kreis der Herausgeber auch schon der Grundton und die geistige Haltung Schrift mitbestimmt. Pflege des Heimatlichen im neuen, nationalsozialistischen Geiste. Dieser veränderten dielsetzung entspricht der Titel„Heimat und Reich“. Nicht genwillige, enggezogene Pflege heimatlicher Kunst, Geshichte, Landschaft, heimatlichen Volksgutes und Brauchtams. Und sei sie noch so wertvoll, aufschlußreich und forderlich, die Heimat und ihr Sein und Leben sind ja uicht Selbstzweck, sie sind ein Teil des Umfassenden. des Großen, des Reiches.„Heimat und Reich!“ aus der Liebe zur Heimat, die in ihrer Erkenntnis und etforschung vertieft und bereichert wird, weisen alle Geinten und Stimmen hinaus zum Reich. Und nur im olick auf das Reich erfährt alle Heimatkunde und nle Heimatpflege ihre Berechtigung und Zielsetzung.„Wir wollen nicht Heimatpflege in einem engen und unzulänglichen Sinne betreiben, wir wollen Pelmehr als Nationalsozialisten stets den weiten Blick chalten und das übergeordnete Ganze sehen:„Das : Die richtungverstandene Arbeit am Volkstum ingethalb eines Stammes und einer Landschaft ist zugleich Dienst am Reich. Denn aus den Werten, welche in Stamm und Landschaft wurzeln, erneuert sich immer wieder das ganze deutsche Volk. Wir wollen uns bewußt sein, daß all unser Kämpfen und Schaffen nur dann einen Sinn erhält, wenn es in freudiger Unterordnung unter ein gemeinsames großes Ziel klar ausgerichtet ist.“ Diese Worte setzte Landeshauptmann Kolbow dem ersten Hefte als Bestimmung und Zielsetzung voraus. Und unter diesen richtungweisenden Grundsätzen stand die geleistete Arbeit, die jetzt in 6 Heften vorliegt.(Die übrigens zu einem kleinen, aber sicherlich willkommenen Geschenkband zu Weihnachten herausgebracht, werden.) Man hat versucht, soweit der enggezogene Rahmen es zuläßt, einzelne Landschaften herauszuheben. Landschaftlicher Eigenwert, geschichtliche Momentbilder, Menschen des Sauerlandes z. B. erstehen in einem Hefte vor dem Leser. Ein anderes Heft bringt Erbgüter und Fundstücke der westfälischen Vor= und Frühzeit in Bild und Wort, führt in die rassische Zusammensetzung des Raumes Westfalen ein. Wertvoller und aufschlußreicher jedoch als diese Darstellungen großer Gebiete scheinen uns andere Beiträge der Hefte. So ist es vollauf gelungen, einzelne Berufszweige und=menschen in ihrer Besonderheit herauszustellen und der Allgemeinheit zur Kenntnis zu bringen. So wachsen diese Menschen aus den verschiedenen landschaftlichen Teilen des weiten Westfalen mit ihrer Lebennot und=freude zusammen zu der Stammesgemeinschaft, der wir angehören. Der sauerländische Schieferarbeiter, der Altenaer Drahtzieher oder der Köhler oder Töpfer decken die Vielgestaltigkeit und Buntheit der arbeitenden und schaffenden Westfalen auf. Und sie alle bindet die Liebe zur Heimat und damit zum Reich, das Festhalten an altem ererbtem Brauchtum (Schnadezug, Schützenfest usw.). Und diesem Brauchtum gehen die Hefte„Heimat und Reich“ liebevoll und sorgsam nach. Man wurdert sich oft über den erstaunlichen Reichtum an Alter und innerer Tiefe des überkommenen, leider teils verbildeten und geschwundenen Volksgutes unserer Heimat. In ihrer Darstellung, in ihrer Erforschung aber liegen die Keime einer lebendigen und lebensfähigen Erneuerung. Und wägend beobachtet man weitsehend die Wiederbelebung und Neuformung der Bräuche und Sitten. In der„Warte der Zeit“ berichtet jedes Heft von Neuem und Wissenswertem aus der Heimat, was Heimatpflege und Heimatarbeit angeht. Mitten im pulsenden Leben und in gärender Gegenwart aber steht„Heimat und Reich“, wenn es die geistige Welt Westfalens einfängt und gestaltet, wenn es Schriftsteller und Dichter unserer Heimat zu Worte bringt. Dabei sind neben bekannten und vertrauten Namen die unbekannten Aufsteigenden zu finden. Gerade die liebevolle Förderung der jugendfrischen Kräfte berührt besonders angenehm. So ist Walter Vollmer, bekannt seit einigen Jahren durch seine Bergmannserzählungen, zuletzt durch seinen vielbeachteten Roman„Die Ziege Sonja“, ein beliebter Mitarbeiter der Hefte geworden. Seine Kunst, Menschen, namentlich den Ruhrkumpel, in schlichter aber kräftiger und blutvoller Echtheit lebendig werden zu lassen, kommt immer wieder in leuchtender Klarheit und überzeugender Frische zum Ausdruck. Franz Fahnemann erscheint mit einer kleinen Erzählung, die die unbesiegbare und unversiegende Heimatliebe, aber auch die verhaltene, aber reiche und unverbildete Herzenstiefe westfälischer Menschen lebensnah gestaltet. Ludwig Klugs leichtfließende und ungezwungene Erzählkunst bereichert die Beiträge. Die beiden letzten Hefte bringen das erste Erscheinen eines neuen Namens:„Dietrich Schreiders Kampf“, die Geschichte eines westfälischen Michael Kohlhaas von Ludwig Wegmann. Eine eigenwillige starke und bildfrohe Sprache, kaum gebändigt von dem vorwärts drängenden Rhythmus der Darstellung, verrät eine hofsensfrohe Begabung; verrät aber auch, daß das eigentliche Gebiet dieser unverbrauchten und reichen Kraft anderswo liegt als in der Erzählung. Die innere Spannung und fast szenenhafte Aufteilung der Handlung sprengt den Rahmen einer epischen Darstellung und Gestaltung. Wie gesagt, wir halten gerade die Erfüllung der Aufgabe, junge Begabungen zu fördern, für die schönste und wahrscheinlich auch dankbarste der Hefte„Heimat und Reich“. Man wird auch gerne anerkennen, daß Josef Bergenthal sich ihrer mit besonderer Liebe und gutem Geschick annimmt. Dabei wird freilich der Raum für andere gleich wertvolle und dankbare Gebiete nicht beschnitten. Lebendigster Beweis ist das soeben erschienene erste Bändchen der Westfalen=Bücher„Der Bauer und sein Haus" von Eugen Mayser, deren Herausgabe ebenfalls von Josef Bergenthal besorgt wird. Im Vorwort heißt es:„Diese westfälische Bücherei(weitere Bändchen sind in Vorbereitung) soll nicht nur unseren Landsleuten Eigenwert und Reichtum ihres Landes und Volkstums erneut vor Augen führen, sondern auch die Aufmerksamkeit des deutschen Volkes auf diesen Stamm zwischen Rhein und Weser lenken, der auch in Zeiten des Verfalls mit unbeirrbarem Richtungsgefühl die Werte des Blutes und des Bodens, der Rasse und des Bauerntums bewahrt hat.“ Dieses erste Bändchen wird diesen Aufgaben vollauf gerecht. Aus einer reichen Fülle an Erfahrung und Anschauung bietet der Verfasser eine übersichtliche, klare und frische Darstellung. Zugleich aber öffnet sie die Augen, selbst sehen und entdecken zu lernen. Das hervorragend ausgestattete, mit gutem Bildmaterial versehene Bändchen gibt jedenfalls beste und nachhaltigste Anregung. * Bei einem Ueberblick über Heimatschrifttum darf die Werbeschrift„Westfalen im Bild“ nicht vergessen werden, deren Herausgeber Stadtrat B. Schüler. Dortmund, und deren Schriftleiter Dr. Stolz, Bielefeld, sind. Reich bebilderte, wertvolle belehrende, werbende und unterhaltsame Beiträge in gefälliger Aufmachung lassen die Hefte zu einer beliebten Heimatzeitschrift werden. Ihr Hauptziel allerdings ist die Werbung. Werbung in der Heimat für die Heimat, aber auch Werbung draußen im Reiche für unser Westfalenland. Manche erfolgreiche Entdeckungsfahrt in leicht übersehene und wenig beachtete Schönheiten bringt uns und Fremden Land und Leute der roten Erde näher. 3 Einen wertvollen Beitrag zur Heimatgeschichte steuert eine Neuerscheinung der Münsterischen Beiträge zur Geschichtsforschung(herausgegeben von Pros. Dr. Anton Eitel) bei. Dr. Jos. Greiwing bringt zum ersten Male die Geschichte der Grafschaft Bentheim von ihrer Verpfändung bis zur völligen Eingliederung in das Königreich Hannover im Jahre 1848 in einer wissenschaftlich erschöpfenden und eingehenden Behandlung. Klar und anschaulich, auf reichem Quellenmatrial fußend, schildert die Arbeit den allmählichen Uebergang der Grafschaft Bentheim an Hannover. Reich an spannenden Momenten ist der verzweifelte Kampf der Grafen von Bentheim gegen das mächtige Hannover=England um Rückgewinnung der Grafschaft. Der große Gegner Hannover=Englands war Frankreich, dem zweimal eine vorübergehende Beseitigung der hannoverschen Pfandherrschaft gelang. Das höchst interessante Spiel der damaligen hohen Diplomatie wird aufgedeckt. Die bedeutendsten Herrscher und Politiker ihrer Zeit treten vor uns auf. Das Werk zeugt von Sachlichkeit und Gründlichkeit. Vor allem erfährt die Heimatgeschichte des hannoverschen Landes und insbesondere der Grafschaft Bentheim durch die vorliegende Arbeit eine wertvolle Bereicherung. Die Teerose. Von Hermann Bredehöft. Vor Jahren hatte ein junger Mensch, der in einem Handelshaus als Korrespondent tätig und trotz großem Fleiß und Können nicht recht vorwärts gekommen war, den Entschluß gefaßt, fortan, da er jetzt auch seine letzten wohlberechtigten Bemühungen scheitern sah, dem Leben die, wie er meinte, erfreulichern Seiten abzugewinnen, kurzum: es nach Gebühr und Vermögen zu genießen, anstatt sich für nichts abzurackern. Er fing also an, abends in die Kneipen zu gehen und, was seiner angeborenen Neigung zur Großmannssucht noch mehr frommte, in Dielen und Kabaretts sich herumzutreiben, wenngleich nur in dem Maß, wie es seine Verhältnisse erlaubten, denn Schulden zu machen widersprach der ihm gleicherweise angeborenen Gewissenhaftigkeit. Zuweilen freilich, nach einer durchzechten Nacht, kam ihm der Gedanke, es noch einmal mit frischem Fleiß zu versuchen, aber da diese Versuche von dem Handelsherrn und seinen Prokuristen nicht bemerkt und gewürdigt zu werden schienen, fiel er immer wieder in den leichtlebigen Zustand zurück, obwohl der ihn auch nicht zufriedenstellte, weil er einsah, daß ein solches Leben auf die Dauer nur mit Hilfe einer wohlgefüllten Brieftasche würde aufrechterhalten werden können. Diese Erkenntnis beunruhigte ihn derart, daß er auf allerlei dumme Gedanken verfiel, wie er zu Geld kommen möge. Bevor ihn jedoch die Versuchung überlistete, ward er durch einen Wahrsager, der damals in den Kabaretts auftrat auf einen andern, seltsamen, aber nicht weniger gefährlichen Weg gebracht. Dieser Wahrsager nämlich hatte die Gewohnheit, nach seinem Auftreten die Tischreihen entlangzugehen, um den Gästen gegen ein geringes Entgelt ihr persönliches Schicksal zu enthüllen, und fand so auch zu dem Korrespondenten, für den er, nachdem ihm Tag, Monat und Jahr seiner Geburt mitgeteilt, aus einem Kästchen einen gedruckten Zettel hervorholte, auf welchem der Charakter des Fragestellers geschildert und zudem Fingerzeige für eine glückliche Lebensgestaltung gegeben waren. Da es unserm Freund nun schien, daß sein Wesen mit der Charakterbeschreibung im großen Ganzen übereinstimme, war er geneigt, auch den erwähnten Fingerzeigen zu folgen, deren wichtigster besagte, eine gepreßte Teerose in seiner Rocktasche werde ihm zu Glück und Erfolg verhelfen; und weil ihm im Augenblick jedes Mittel recht war, um seine Verhältnisse aufzubessern, wählte er dieses, welches ihn das harmloseste und— nach den Künsten des Wahrsagers zu urteilen— auch das sicherste dünkte, wie ja der Mensch in seiner Bedrängnis oft auf die unsinnigsten Dinge verfällt, anstatt ihr mit der Kraft seines Glaubens und Willens zu begegnen, zumal solche Leute, die ihrer Jugend wegen oder weil sie Furcht tragen aus Schwachheit, das Wohlleben nicht missen wollen. Er erstand demnach heimlich eine gelbe Rose, preßte sie gehörig und steckte sie in die Rocktasche, wagte jedoch niemand davon zu erzählen, so schämte er sich seines Aberglaubens. Da er nun aber am ersten Tag zufällig im Kartenspiel gewann, schrieb er's natürlich der Wunderkraft der Teerose zu, und da ihn andern Tags der Handelsherr aus unbedeutendem Anlaß in das Privatkontor rief, wollte er bemerkt haben, daß der es mit auffallend freundlicher Stimme getan hätte, obwohl es in Wahrheit um keinen Deut anders als sonst geschehen war. Auf solche Weise ward sein Aberglaube immerfort genährt, aber in gleichem Maße wuchs sein Selbstbewußtsein, und auch vor dem Handelsherrn trat er jetzt weitaus kühner und freier auf als zuvor. Und wie ihm das Handelshaus auf Grund seiner frühern Bemühungen, die er inzwischen als längst erledigt und überholt erachtet hatte, größere Vollmachten erteilte, war er nicht einmal mehr verwundert darüber, sondern nahm diese bemerkenswerte Tatsache als Selbstverständlichkeit hin, denn in seiner Rocktasche knisterte ja die die Teerose. Nachdem so im Laufe zweier Jahre aus dem Korrespondenten ein Prokurist geworden war, hatte sich in ihm der Aberglaube zu unumstößlicher Gewißheit verdichtet, wiewohl er auch jetzt noch jedermann gegenüber von dem Teerosenwunder schwieg, weil die Leute glauben sollten, er habe seinen Aufstieg eigner Kraft zu verdanken und nicht dem Fingerzeig eines Wahrsagers— woraus erhellt, daß er seinem Posten im Grunde nicht gewachsen war. Und in der Tat hatte man ihm seine jetzige Vertrauensstellung weniger darum zuerkannt, weil man bei ihm die in Handelsdingen für einen Prokuristen notwendigen Kenntnisse voraussetzte, vielmehr einiger gewinnbringender Spekulationen wegen, zu denen er angeraten hatte. Demungeachtet wähnte sich der junge Mensch seiner Aufgabe durchaus sicher, war allerdings ständig darauf bedacht, daß in allen seinen Röcken eine gepreßte Teerose steckte, denn fast jeder Tag stellte ihn vor neue Entscheidungen, daß er sich also mit der kleinen Sorge um seinen Teerosenbestand jeder größeren Sorge enthoben glaubte. Mit den geschäftlichen Erfolgen wuchs, wie sich das von selbst versteht, auch seine Wohlhabenheit, die ihm jetzt die Mittel verschaffte, sich vieles zu gönnen, an das er vordem nicht im Traum gedacht hatte. So fuhr er in seinen Ferien jeweils in die Alpen, wo sie aus ihm beizeiten einen gewandten Bergsteiger machten, nur deshalb, weil ihn, der schon von Natur ein Draufgänger war, die Wunderblume seinem Aberglauben gemäß vor jedem Unglück feite. Auch füllte sich die innere Leere, welche ja durch äußerliche Erfolge in unserm Herzen zu entstehen pflegt, mit mannigfachen Eindrücken aus, davon er ein ganzes Jahr zu zehren hatte. Den Leichtsinn und die flackernde Gier nach klingendem Glück löschten sie ihm freilich nicht, weil er noch jung an Jahren und unerfahren genug war, sich von jeder beliebigen Strömung treiben zu lassen. Aber schon stand das Schicksal im Begriff, ihn mit harten Fingern, knöchern wie eine Totenhand, auf einen bessern Weg zu bringen. Eines Sommers nämlich, den er in den Tiroler Bergen verbrachte, ließ er sich infolge seines großsprecherischen Wesens zu einer Kraxeltour verleiten, die vor ihm nur wenige, zumeist einheimische Bergführer, unternommen hatten. Zwar, als ihm später einsichtige Männer abrieten, ware er gern von seinem Vorhaben zurückgetreten, wagte es aber nicht um zweier schöner Augen willen, einer Frau zugehörig, die er seit kurzem umwarb. Denn er dachte, daß es Schwäche sei und daß die Frau seiner spotten würde, obwohl er ihr in Wahrheit gleichgültig war; machte sich demnach eines hellen Morgens auf, mit allen notwendigen Hilfsmitteln ausgerüstet, und vergaß auch seinen Talisman, die Teerose, nicht einzustecken. Als daher, nach beschwerlichem Anstieg, die zu bezwingende Wand zu seinen Häupten emporwuchs, steil, als werde sie im nächsten Augenblick über ihn stürzen, verzagte er nicht im mindesten, sondern ging ihr mit bewundernswertem Leichtsinn zu Leibe. Bis in den Nachmittag hinein währte der Kampf, doch als er endlich oben stand, keuchend und mit zitternden Knien, aber auch stolz über seinen Sieg, sah er, seine Wanderkarte entfaltend, daß er weit von dem gesteckten Ziel abgekommen war und bis zu der auf halber Berghöhe gelegenen Schutzhütte noch einen nicht eben leichten Abstieg zu überwinden hatte. Der westliche Himmel war schon glühend von der fallenden Sonne, als er aufbrach, im Geschwindschritt, wie es sich für einen Bergsteiger versteht, wenn die Nacht hereinzubrechen droht. Er war aber so aufgeblasen über seinen Sieg und so leichtsinnig geworden, daß er gleich beim ersten Abstiegsversuch einen waghalsigen Sprung auf bröckelndes Gestein tat, der ihn auf ein Haar in die Tiefe gestürzt hätte. Danach hockte er eine Weile ganz erschrocken auf einer Felsplatte, die seinen Fall aufgehalten hatte, und wie er, sich zur Beruhigung, in die Rocktasche griff, lief ihm ein kalter Schauder den Rücken hinauf: das Amulett, die Teerose, war verschwunden! Er dachte, daß er sie während seiner Rast auf dem Grat verloren haben müsse, doch war es inzwischen zu spät geworden, sie zu suchen, denn schon kroch die Dämmerung aus den Schlünden. Und wie er jetzt in die gähnende Tiefe sah, schwindelte es ihn und aller Mut war dahin. Bebend und zögernd begann er den weitern Abstieg, wobei er sich und seinen Wagemut verwünschte, zuweilen auch unter keuchenden Stoßgebeten. So hielt denn der Felsenberg sein armseliges Opfer noch eine Zeitlang in seiner Gewalt, bis er es, angewidert von der Angst des Kletterers, von sich abschüttelte. Noch in derselben Nacht war der Verunglückte aufgefunden. Man trug ihn in die Hütte und hernach zu Tal, wo er, der wie durch ein Wunder dem Tode entronnen war, langsam genas. Als er aber, nach Heilung der verschiedenen Knochenbrüche, sich anschickte, in die Heimat zurückzufahren und ihm beim Einpacken die Wanderkarte in die Hände fiel, lugte aus ihren Falten eine gepreßte Teerose, dieselbe, die er damals auf dem Grat verloren zu haben wähnte. Da schwindelte es ihn abermals, weil er wiederum in einen Abgrund blickte, in den nämlich, an welchen ihn sein blinder Aberglaube getrieben hatte, und er schämte sich der Tränen nicht, die jetzt um vergangenen Leichtsinn willen flossen, und kehrte in den Werktag zurück als ein ruhiger, ernster Mann, der seiner eignen Kraft vertraute und künftig nur das verantworten wollte, dessen er mächtig war. Das Wrock. Eine Seemannsgeschichte von Barthold Blunck. Die Unterhaltung am Kapitänstisch im Speisesaal erster Klasse war lauter gewesen als sonst. Rethkamp hatte in angeregtem Gespräch mit einem ehemaligen U=Boots=Kameraden zusammengesessen, der in Santa Cruz an Bord der„Catharina“ gekommen war, um nach Montevideo zu fahren. Auch Frank Campbell, ein englischer Fahrgast, dessen U=Boot=Falle zu Ende des Krieges von Rethkamp versenkt worden war, hatte lebhaft an der Unterhaltung teilgenommen. Ein merkwürdiges Zusammentreffen, daß Rethkamp den einstigen Gegner jetzt auf seinem Schiff zu Gaste hatte. Plötzlich aber war der Kapitän nachdenklich geworden. Er erinnerte sich einer Nacht in der Nordsee, da Brinckmann den Torpedo auf den getarnten englischen Hilfskreuzer abfeuerte, der auch nach mehreren Granattreffern unter der Wasserlinie nicht sinken wollte. Im Morgengrauen waren feindliche Zerstörer herbeigebraust und hatten sein Boot, das eben noch tauchen konnte, mit Wasserbomben verfolgt. Später, beim Auftauchen, sah er ganz in der Nähe nur noch das dunkle Wrack, eben über dem Wasserspiegel sichtbar und kieloben treibend. Das ferne Geräusch starker Schrauben kündigte ihm wieder die Annäherung des Feindes an; er mußte tauchen und die Gefahrzone verlassen.— Der Engländer war gesprächig geworden. Er zog an seiner Pfeife und erzählte in gemütlichem Ton:„Es war der schwärzeste Tag oder— richtiger gesagt— die finsterste Nacht meines Lebens. Ich hatte mir geschworen, mit der„Vengeance“, die nach meinen Angaben ausgerüstet war, ein deutsches U=Boot zu vernichten. Ihr Schuß, Kapitän, hat zwei meiner Leute getötet; wir anderen wurden von einem unserer Torpedobootsjäger übernommen; der Kommandant versicherte mir, er habe Sie durch Wasserbomben erledigt. Er muß sich geirrt haben, wie ich sehe. Glauben Sie mir, ich war damals böse auf Sie. Nun, ich habe meinen Zorn nicht kühlen können, denn ich fand keine Verwendung mehr im Außendienst. Wer weiß, wo jetzt das Wrack meines alten Schiffes treiben mag.“ Er hob sinnend sein Glas:„Immerhin, die Zeiten sind vergessen, und die Feindschaft ist begraben— das hoffe ich aufrichtig. Ich schlage einen Trunk auf die christliche Seefahrt vor!“ Man stieß lachend mit ihm an. Rethkamp war nach oben gegangen und wanderte unruhig auf dem Bootsdeck umher. Wo mochte Brinckmann sein? Ob er wieder mit seinem Fischdampfer oben vor Island lag? Er war sein bester Bootsmannsmaat gewesen; nach dem Kriege wurde er sein bester Freund. Und das war so gekommen: Das Leben an Land behagte ihm als ehemaligen U=Boots=Kommandant nicht mehr, und da Brinckmann seinen alten Fischdampfer wiederbekam, den er schon vor dem Krieg gefahren hatte, entschloß Rethkamp sich eines Tages, den Alten eine Zeitlang als Erster Offizier zu begleiten. In jenen langen, dunklen Nächten im kalten Norden, wenn die Arbeit ruhte, hatte er Brinckmann eigentlich erst recht kennen gelernt. Was für ein feiner Seemann und guter Kamerad war der andere ihm in jener bitteren Nachkriegszeit gewesen! Später gelang es dem bewährten Seeoffizier, eine Stellung bei einer großen Reederei zu erhalten, wo er sich bald zum Kapitän emporarbeiten konnte. Und jetzt war er Führer des neusten Passagierdampfers geworden. Oft hatte er versucht, Brinckmann zu seiner Linie herüberzuziehen, das war aber an dessen Widerstand gescheitert; der Alte wollte allein sein und seine unabhängige Stellung auf der kleinen„Seeschwalbe" behalten. Der Lärm von den Passagierdecks drang schwa herauf und verebbte allmählich. Die Sicht war klar bei fast völliger Windstille. Die Erinnerung an alte Zeiten, die die Gespräche und Gedanken heraufbeschworen hatte, bedrängte Rethkamp mit Macht. Er holte ein paar Mal tief Atem. Dämmerung brach herein. Oben, vor dem selbststeuernden Rad stand der Rudergast; an der Steuerbordreeling lehnte der wachthabende Offizier. Da, als Rethkamp die Treppe zur Kommandobrücke hinaufstieg, blieb er plötzlich wie gebannt stehen: auf der obersten Stufe sah er als Nebelgebilde eine Gestalt in der klaren Luft— greifbar nahe! Es war ein Mann in schwerem Oelzeug mit einem Südwester auf dem gesenkten Kopf; unaufhörlich und lautlos triefte Wasser an seinem Körper herunter. Rethkamp starrte mit angehaltenem Atem die Erscheinung an. Langsam hob sich jetzt der graue, bärtige Kopf des anderen. Und da sah er in das Gesicht Brinkmanns, der ihn mit traurigen Augen anblickte. Ja, die Augen waren das einzige Lebendige an dem Phanton. Rethkamp wollte etwas sagen, konnte aber kein Wort herausbringen. Er bewegte die Lippen und wußte, daß er die Gestalt anrief, aber er selbst hörte keinen Laut. Brinckmann streckte ihm müde die beiden Hände entgegen. Als Rethkamp danach tastete, griff er in's Leere; dabei spürte er etwas Feuchtes, Eiskaltes. Im gleichen Augenblick hatte die Erscheinung sich ins Wesentlose verflüchtet. Das alles war in Sekundenschnelle geschehen, und doch dünkte es ihn, als sei es eine lange Begegnung gewesen. Der Offizier auf der Brücke hatte den Kapitän heraufkommen hören. Er trat herzu und machte seine Meldung; zeigte ein besorgtes Gesicht, als er seinen Vorgesetzten ansah, sagte aber nichts.— In der gleichen Nacht hatte Rethkamp einen Traum, in dem er den Untergang der„Seeschwalbe“ qualvoll miterlebte. So genau in jeder Einzelheit sah er alles, daß er später, als er den Seeamtsbericht über das mutmaßliche Unglück des gänzlich verschollenen Dampfers las, an die Behörde schreiben wollte. Er unterließ es aber, da er es als zwecklos erkannte. Mit Träumen und Gesichtern hätte das Seeamt nichts anfangen können. Dies war das Traumgesicht Rethkamps: Der Kapitän der„Seeschwalbe“ hatte einem heimkehrenden Schiff Post nach Deutschland mitgegeben; das war die letzte Begegnung des Dampfers mit anderen Menschen gewesen. An Bord war außer dem Kapitän, den beiden Offizieren und dem Ingenichr noch zwölf Mann Besatzung. Am Morgen des 3. Februar herrschte Windstärke 8. Es stand nördliche Dünung; der Wind war westlich gegangen. Brinckmann trug unter seinem Oelzeug dickes Wollzeug zum Schutz gegen die Kälte. Uraufführung. Alban Berg:„Lulu". (Konzerte der Berliner Staatskapelle.) Alban Berg, der sich durch die Komposition des Büchner Dramas„Wozzeck“ in der Geschichte der Oper im 20. Jahrhundert einen besonderen Platz als genialer Form=Synthetiker geschaffen hat, kommt jetzt in den Konzerten der Berliner Staatskavelle mit der Musik aus seiner neuesten Oper„Lulu“ zu Gehör. Neun Jahre sind um, da Erich Kleiber Bergs damals für unaufführbar gehaltenen„Wozzeck“ nach sagenhaften hundertundzehn Proben herausbrachte. Das Werk setzte sich bald durch und erschien von Jahr zu Jahr im Spielplan der Staatsoper. Oldenburg bahnte Berg den Weg ins Reich. Ueber Aachen ging der„Wozzeck“ ins Ausland. Jetzt steht das Werk im Programm der Opernfestspiele in London 1935 neben Wagner. Fünf Jahre arbeitete Berg am„Wozzeck“. Fünf Jahre sind nun auch bald über die Komposition der zweiten Oper hingegangen. Berg wollte zuerst Hauptmanns„Und Pippa tanzt“ vertonen. Die Verhandlungen wegen der Uebernahme der Dichtung zerschlugen sich aber. Berg griff dann zu Wedekinds„Erdgeist“ und„Büchse der Pandora“, die er selbst zu einem Operndrama„Lulu“ zusammengezogen hat. Kleiber führt fünf sinfonische Sätze aus der Oper vor. Ein Rondo, ein Ostinato, das Lied der Lulu, Variationen über ein Bänkellied, Adagio. Wenn man sich überhaupt für diese herausgerissenen Teile einer genial inspirierten Opernschöpfung einsetzen kann, dann für das unheimlich vor= und zurückstürmende Ostinato und das mit seiner schweren Geigenmelodie an das Wozzeck=Nachspiel gemahnende Adagio. Kein Sitz, der den düsteren Dramatiker Berg nicht mit jeder Note verrät, kein Satz, der den geistigen Konstruktivisten mit all seiner grüblerischen Problematik verschwiege. An den fünf Sätzen erweist, sich erneut Bergs Meisterschaft, alte sinfonische Formen der modernen Musikdramatik dienstbar zu machen.„Lulu“ wirkt wiederum als ein Wunderwerk zeniser und sinsonischer Synthese. Bergs Orchestersprache ist durch die Bereicherung der Farbenskala(Vibraphon, Klavier, Altsaxophon) noch charakteristischer geworden. Die Rhythmik erscheint hartnäckiger und differenzierter. Die Thematik ist gelöster, dennoch klar gestaltet. Wie innig diese Musik aber dem Theater verbunden bleibt, zeigen nicht nur ihre dramatischen Höhepunkte, sondern auh ihre große Verschmolzenheit mit der Gesangstimme. Kleiber bereitet der fast einstündigen„Lulu=Suite“ eine ideale Wiedergabe. Nach Schluß erhebt sich eine Stimme im Parkett und ruft:„Heil Mozart!“ Dann setzt der Beifall stark und herzlich ein. Kleiber wird mehr als ein halbes Dutzend mal gerufen und muß mit dem Orchester die spontanen Huldigungen entgegennehmen. Er dankt zuletzt im Namen des Komponisten, der durch ein schweres Herzleiden der Aufführung ferngehalten wird. Wie kürzlich Stravinskys„Frühlingsweihe“, so hat sich auch diesmal die überwiegende Mehrheit des Publikums für eine Musik entschieden, die über Strauß hinaus weist. Bergs neuer Oper, die ihren Ursprung, ähnlich wie „Wozzeck“, über Richard Strauß„Elektra“ zu Wagners „Tristan“ klar erkennen läßt, sollte nach diesem Erfolg die Uraufführung in der Reichshauptstadt zugebilligt werden. H. Gail. Der 18. Band des„Großen Brockhaus“. (In Leinen 23,40 RM, bei Rückgabe eines alten Lexikons 21,15 RM. Verlag F. A. Brockhaus in Leipzig). Mit dem drittletzten Bande des Großen Brockhaus rundet sich das Kultur= und Weltbild, das er gibt, und immer weniger werden die Fälle, daß man sich nicht bei ihm Rat holen kann, weil die entsprechenden Bände noch nicht erschienen sind. Die Abschnitte über Staatswesen und Staatseinrichtungen haben in dem neuen Band besonderes Interesse. Sehr anschaulich ist ein Schaubild über die Großmächte seit 1848, das die Staatsformen und die Revolutionen durch sinnfällige Zeichen zum Ausdruck bringt. Dem Städtebau, der Stadtanlage und städtischen Einrichtungen sind ausführliche und gut bebilderte Abschnitte gewidmet. Charakteristisch für das Abwandern der städtischen Kulkur= und der Großstadtbildung vom Süden zum germanischen Norden ist die Tatsache, daß um 1500 Konstantinopel 400 000 Einwohner hatte., Neapel 200 000 und Venedig 150 000, Köln aber als damals größte deutsche Stadt erst 10 000 Einwohner. In Zusammenhang mit dem modernen Städtebau hat der Abschnitt über Stahlbau eine besonders ausführliche Behandlung erfahren. Auch gute Stadtpläne mit Straßenverzeichnissen bringt der neue Band, ferner Länderkarten von Thüringen, den südamerikanischen Ländern, dem Südpolargebiet und vom„Ozean der Entscheidungen“, dem Stillen Ozean. Für die unmittelbare Gegenwart enthält der Abschnitt über den heutigen Ständestaat alles Wissenswerte. Auch die Entwicklung der Strafrechtsreform ist in fachmännischen Erläuterungen bis in die jüngste Zeit zu verfolgen. Im Anschluß daran sind auch die Angaben über die Vollziehung der Todesstrafe in den einzelnen Ländern von Interesse. Als außerordentlich praktisch hat es sich erwiesen, daß der Große Brockhaus bei allen Berufen in hervorgehobenem Druck angibt, welche Berufsausbildung, welche Bedingungen der Vorbildung und welche körperlichen Eigenschaften bei ihm in Frage kommen. Außerdem werden die Berufsorganisationen und die Fachzeitschriften genannt. Von demselben Gedanken ausgehend, sind bei allen Giften in auffälliger Schrift die Gegenmittel angegeben, so daß das Auge überhaupt nicht mehr zu suchen braucht, wenn man die Rubrik hat. Von den großen Wirtschaftskonzernen, Industriewerken, Verlagsunternehmen und Zeitungen, die man bisher meist vergebens im Konversationslexikon suchte, bringt der Brockhaus alles Wissenswerte. Technische Probleme behandeln die Abschnitte über Straßenbahnen und Straßenbau mit einer Karte über die deutschen Reichsautobahnen und die Kraftwagenverkehrsstraßen in den USA. Auch kleine technische Dinge wie die elektrische Taschenlampe werden durch gute Bilder allgemein verständlich gemacht. Einen interessanten Blick in die Unendlichkeit der Sternenwelt öffnen verschiedene Sternkarten, wenn sie denselben Ausschnitt des Sternhimmels in mehrfacher Vergrößerung und daneben die Sterne bringen, die man mit bloßem Auge sehen kann. Die Bildtafeln über Talsperren geben eine Uebersicht davon, was diese moderne Wasserwirtschaft geschaffen hat, und im Hinblick auf die neuen Oelerschließungsarbeiten im Hannoverschen Oelgebiet ist der Auschnitt über Tiefbohrgeräte von größtem Interesse. Anschauliche Bildtafeln erläutern die Technik des Theaters, farbige Tafeln geben einen Begriff von der Schönheit alter und moderner Teppiche. Prächtige farbige Bilder lassen einen Einblick in die Tiefseefana tun, andere zeigen das Tier in der Kunst. Dem Tierschutz sind zwei lehrreiche Tafeln gewidmet, die sehr beachtenswerte Ratschläge auf diesem Gebiet geben. So zeigt ein Bild, wie man erschöpften Pferden helfen kann, und wie die alte Pferdekrippe doch viel praktischer ist als der Futtersack, bei dem den Pferden der Häcksel in die Nüstern gerät Wie der Brockhaus seine Leser und Besitzer in allen praktischen Tagesfragen schnell und sicher berät, so sind auch die zahlreichen Abschnitte über Steuerfragen ein sicherer Wegweiser durch die Leitgedanken der Steuerpolitik im Dritten Reiche. Aber auch in Kleinigkeiten erfährt man beim Blättern viel Interessantes. So über die Südjuden, von denen nach ihrer Vertreibung aus Spanien heute noch mehr als 100000 in Mazedonien leben und noch das Altkastilianisch sprechen, das in Spanien leider längst verklungen ist. Do großes Wrackstück habe treiben sehen. Der Kapitän schiet. sofort einen Mann nach vorn, der in einem Wellental jetzt weiter querab an Steuerbord, einen massigen 6e genstand, anzusehen wie ein gewaltiger Schiffsrumpf setete und meldete. Brinckmann ließ halbe Fahrt lauteund das Ruder nach Backbord legen; vielleicht waren in der Nähe noch mehr von den tückischen Dingern. c. wußte, welche Gefahr treibende Wracks für die Schi fahrt bedeuteten. Das Rad übernahm er selbst un schickte den Gast hinunter mit der Weisung, den Erster Offizier von der Freiwache zu holen. Trotzdem die 6e. fahr nun hinter ihnen lag, waren alle erregt und tausc ten Vermutungen aus. Zwei Stunden später wollte Brinckmann, der den schenfall schon fast vergessen hatte und mit baldigem M. flauen des Windes rechnete, die Fanggeräte fertimachen lassen. Es wurde aber nichts damit; der Sturn wurde es eher schlimmer. So gut es bei der großen Se ging, wurden die Netze geflickt, und andere Arbeiten verrichtet, die das Wetter zuließ. Auch am nächsten Jo hatte der Wind sich noch nicht gelegt. Daher beschla Brinckmann, weiter nach Süden zu fahren, um auf einen guten Fangplatz ruhiges Wetter abzur#rten. Er war in der Kajüte, als er von einem furchthare Stoß, der das Schiff vorn an der Backbordseite traf gegen die Wand geschleudert wurde. Halb bewußtle taumelte er an Deck und sah längseits den schwarzen unheimlichen Leib eines Wracks treiben. Ein Heizen kam herauf; der Ingenieur ließ melden, daß vor den Bunker ein großes Leck sei; die sofort angelassenen pen könnten das Wasser nicht bewältigen; auch sei ein Heizer vor dem Kessel durch den Zusammenprall verletzt worden. Auf der Brücke lag bewußtlos der Zweite Offizier; er war mit dem Kopf gegen die eiserne Verklei dung geschlagen. Da Brinckmann bald erkannte, daß das Schiff bei dem schlechten Wetter nur noch kurze 3ei? schwimmfähig bleiben würde, ließ er alles fertig machen um das Schiff in Ordnung verlassen zu können. DiFeuer waren gelöscht worden; der Raum vorn hatte aber soviel Wasser gemacht, daß das Vorderschiff schon von den Wellen überflutet wurde und zudem stark nach Backbord drängte. Alle Leute waren gefaßt und ruhig; sie machten ohne Hast die vorgeschriebenen Manöver. Brinckmann suchte gerade die Schiffspapiere zusammen. Da brach das Verhängnis herein. Und es war, als ob das schreckliche Wrack die„Seeschwalbe“ verfolgte, um sie vollends zu verderben. Zum zweiten Male erfolgte ein Stoß, der so plötzlich und mit so furchtbarer Gewalt kam, daß das Schiff kenterte und alles Lebende mit sich in die Tiefe zog.——— Der Sturm heulte und peitschte das Meer. Zerfetzter Schaum jagte über die Wellen. Die weite Fläche war unaufhörlich schwankende Bewegung— ohne Unterlaß immerfort, immerfort— bis endlich das Traumgesicht verschwamm... Rethkamp hörte später, daß niemals irgend etwas von der„Seeschwalbe“ gefunden wurde.— Einige Monate darauf, im Juli, sichtete ein Dampfer das Wrack und machte sofort dem Fischereischutz davon Meldung Nach kurzer Zeit wurde es gefunden. Man untersuchte es vor der Sprengung und stellte an der Korkfüllung fest, daß es ehemals eine englische U=Boot=Falle gewesen sein mußte... Niemand wird glauben, daß die„Vengeance“ sich noch als Wrack an ihrem ehemaligen Gegner habe rächen wollen.— Aber fragen Sie Kapitän Rethkamp: der ist anderer Meinung! D am T Reihe rechtl 3u bür Der n Volks Bester willig möger hebun bracht geln poli Inte nehi Lragi weis Volks Allerlei. Deutsche Waschbären und Blaufüchse gibt es nur in Pelztierfarmen, aber die Zahl dieser und anderer Pelztiere in Deutschland ist garnicht so gering. So gibt es allein an Silberfüchsen 10 564 Tiere; weiter leben 13 371 Nutria, 4596 Nerze, 1583 Waschbären und 2632 Karakulschafe in Deutschland! Seit dem Jahre 1931 stieg die Zahl der deutschen Pelztierfarmen von 979 auf etwa 2015 Farmen an. Wie Dr. Günther Wolff in der „Umschau“ ausführt, sind es meistens Kleinbetriebe, die 4—20 Tiere halten.— Großbetriebe mit über 100 Tieren gibt es nur sehr wenig in Deutschland.— Anfangs glaubte man, daß eine erfolgreiche Pelztierzucht von extrem strengen Wintern abhänge. Aber das ist nicht der Fall; in allen Gegenden Deutschlands kann man mit bestem Erfolg Pelztiere züchten, deren Pelze denen aus anderen Ländern und Erdteilen an Güte nicht nachstehen — So findet man Farmen in den Alpentälern, in den Mittelgebirgen, an der Meeresküste, bei Dörfern, ja mitten in den Großstädten! Die meisten Pelztierfarmen sind Nebenbetriebe im Anschluß an LandwirtschaftsGärtnerei=, Fischerei= und Fleischereibetriebe. Denn dort gibt es viel Abfall: Eingeweide, Fischköpfe, Gemüseabfälle, all das ist ein kostenloses und einwandfreies Peltierfutter. Die Art der Abfälle entscheidet, welche man halten kann: Fleischfresser, wie die Nerze und Füchse oder Pflanzenfresser, wie die Nutria. Die geringen Kosten in solchen Betrieben für das Futter sind wichtig für die Rentabilität der Farm. Nebenbetrieb futterliefernder Hauptbetriebe ist der richtige Platz der Pelztierzucht; bei ausschließlichem Fellverkauf ohne den lohnenderen aber heute kaum mehr möglichen Verkauf von Zuchttieren ist eine Pelztierfarm eine gute zusätzliche Verdienstmöglichkeit. Ausgl ber 10 besond meinh besetz zum Sa Schu ner ei tien 3u tigen zung wurde Di schen Fest den Bestir tern pfli heute und nung. Ei meis Verfa verar erzeu De Reich24. T die D Son Es ist wieder ein gehaltvoller Band, den man als den 18. in die Reihe stellt, und mit Spannung sieht man dem Erscheinen der beiden letzten entgegen, die das Werk zum Abschluß bringen. Knaurs Weltgeschichte. Von der Urzeit bis zur Gegenwart. Unter Mitarbeit von 13 hervorragenden Fachgelehrten. Herausgegeben von K. A. von Müller und P. R. Rohden. 950 Seiten Umfang mit 520 Abbildungen, 7 Farbtafeln, 52 ein= und mehrfarbigen Kartentafeln. In Ganzleinen RM 6.50. Th. Knaut Nachf. Verlag Berlin W 50. In neuartiger Form ist in diesem Werk zum ersten Male das gesamte Weltgeschehen, von den Uranfängen der Menschheit bis zu den letzten Ereignissen der Gegenwart, in einem einzigen umfangreichen und doch handlichen Bande dargestellt. Eine sinnvolle Gliederung tein den Ablauf der Geschichte in einzelne Abschnitte, von denen jeder von einem hervorragenden deutschen Gelehtten behandelt wird, der auf dem von ihm geschilderten Gebiet besonderen Ruf genießt. Neuzeitlichen Forderungen entsprechend finden nicht nur die raumpolitischen Grundlagen des Weltgeschehens, sondern auch die Vorgeschichte eingehendere Berucsichtigung. Sogar den Externsteinen ist(S. 61) ein kurzes Wort gewidmet. Auch sonst wird zu Fragen, die heute im Vordergrunde stehen, klar und deutlich Stellung genommen. Ein Buch nicht nur zum Lesen und Stüdieren, sondern auch zum Nachschlagen. Selbst der, der von der Arbeit und der Last des Tages ermüdet zu Knaurs Wengeschichte greift, wird da, wo ihm das Lesen zu viel wird, in den beigegebenen Bildern die Vorgänge und Personlichkeiten leichter, aber fast ebenso deutlich erkennen können. Ge Kra setz Mora verlä locker Ei beit für d Arbei Diese Weltgeschichte bietet in der Tat so viele Vorzuge, daß man Mängel, wie sie der verschiedene Geschmen und die hier und da abweichende Einstellung des Lesers aufspürt und empfindet, als selbstverständlich hingehen lassen darf. Ein Werk von fast 900 Seiten, von berufensten leuten geschrieben, in guter, geschmackvoller Ausstattung ausgerüstet zudem mit zahlreichen Bildern und Karten, versehen mit Uebersichten und Zusammenfassungen, nicht zuletzt mit Namen= und Sachregister— das ist ohne Frage eine Leistung, die sich auch in Anbetracht des geringen Preises von 6,50 RM gewiß nicht leicht überbieten lahn Dr. Sch. S trag len Zukui tun sehe in de Bitte der 9 Entw daß d chen Füh der Ende des 1 die b bester daß