Erscheint täglich. Bezugspreis monatlich durch Boten 2,10 Mk., durch die Post 2,20 Mk.(ohne Bestellgeld). Schriftleitung und Geschäftsstelle in Ahaus: van=Delden=Str. 8. Telegr.Adresse: Kreiszeitung Ahaus i. W. Fernruf Nr. 450. Postschließfach 65. Postscheck=Konto: Hannover 22 739 Amtliches Organ für den Kreis Ahaus. 54. Jahrgang. Geschäftsstelle in Gronau: Gebr. Lensing, Verlagsanstalt GmbH., Bahnhofstraße 2, Fernsprecher Nr. 260. Bankkonten: Kreis= und Stadtsparkasse Ahaus. Gewerbebank Ahaus und Städt. Sparkasse Gronau i. W. Anzeigenpreise: das 1spaltige Millimeter für die Zenozeitung 10 Pfg., für die Kreiszeitung für den Kreis Ahaus 3 Pfennig Rabatt nach Tarif. Verlag: Gebr. Lensing, Verlagsanstalt G. m. b. v., Zweigniederlassung Ahaus. llummer 265 Mittwoch, den 26. September 1934 Jahrgang 1934 Schorfe Zurückweisung de anspruches der Schweiz Eine Büste Scialojas im Völkerbund DNB Genf, 25. Sept. Die öffentliche Sitzung des Völkerbundsrates begann am Dienstag kurz nach 16 Uhr, nachdem vorher eine Tonfilmaufnahme der Ratsmitglieder stattgefunden hatte. Der Generalsekretär des Völkerbundes, Avenol, gab zunächst bekannt, daß die Familie des verstorbenen Senators Scialo ja, des langjährigen Vertreters Italiens im Völkerbund, dem Völkerbundssekretariat eine Büste Scialojas geschenkt habe. Mit Rücksicht auf die große Bedeutung Scialojas habe er dieses Geschenk nicht ohne vorherige Genehmigung durch den Völkerbundsrat annehmen wollen. Nachdem Baron Aloisi(Italien) dem Generalsekretär für seine anerlennenden Worte gedankt hatte, schlug Benesch (Tschechoslowakei) vor, das Geschenk anzunehmen. Der Rat stimmte diesem Vorschlag zu. Bundesrat Motta behandelte dann den Anspruch der Schweiz auf Entschädigung für die im Weltkrieg erlittenen Verluste. Die Entschädigungsansprüche richten sich, wie Motta erklärte, gegen Großbritannien, Frankreich, Italien und das Deutsche Reich. Im ganzen habe die Schweiz einen Verlust von rund 50 Millionen Goldfranken erlitten. Motta schlug vor, ein Gutachten des Haager Gerichtshofes über die Forderungen der Schweiz einzuholen und gleichzeitig durch den Völkerbundsrat einen Berichterstatter zu ernennen, der sich mit den ganzen Fragen befasse, und sie später zur Entscheidung vor den Rat bringe. Als Erster antwortete Eden dem schweizerischen Vertreter. In langen juristischen Ausführungen bestritt er, daß die Schweiz Anspruch auf die von ihr geltend gemachten Entschädigungen habe. Zum Schluß gab er der Meinung Ausdruck, daß die ganze Frage nicht vor den Völkerbundsrat gehöre. Eden hatte zwar den Standpunkt Englands in entschiedener Weise dargelegt, aber doch zugleich sehr ruhig und höflich gesprochen. Im Gegensatz zu ihm begann der französische Außenminister Barthou seine Rede in einer ausgesprochen erregten Stimmung. Auch er lehnte wie England jede Anerkennung des schweizerischen Anspruches ab, aber er tat es in vielfach leidenschaftlich erregter Weise, die in keinem Verhältnis zu der Bedeutung der Frage stand. Gleichzeitig brauchte er Schärfen gegen Motta, die im Zuschauerraum Bewegung auslösten. Barthou wurde schließlich so erregt, daß er mehrmals mit der Handauf den Tisch schlua. Er bestritt der Schweiz jedes Recht, diese Forderung auch nur hier vorzubringen. Der Streitfall zwischen der Schweiz und Frankreich bestehe überhaupt nicht. Wie sei es möglich, sich auf Artikel 11 des Völkerbundsvertrages zu berufen, der eine Kriegsgefahr vorsehe? Ebenso unmöglich sei es, Artikel 13 anzuführen, was Eden schon unwiderleglich nachgewiesen habe. Entweder gebe es einen Streitfall oder nicht. Wenn aber ein Streitfall nicht existiere wie hier, dann habe der Völkerbundsrat auch nichts mit seiner Lösung zu tun, und wenn es keinen Vertrag gebe, der anwendbar sei, so könne sich auch der Haager Schiedsgerichtshof nicht mit der Sache befassen. Im übrigen müsse er Motta sagen, daß die offentliche Meinung nicht immer ein guter Berater sei.(Sehr deutlich war hier die Spitze gegen die Haltung der Schweiz in der Frage der Aufnahme Sowje trußlands in den Völkerbund zu erkennen.) In großer Erregung rief Barthou dann aus: Mein Land hat eine Invasion erduldet, es hat mehr als 1½ Millionen Tote gehabt. Die Verluste, die es erlitten hat, sind überhaupt nicht abzuschätzen. Lassen sich die Schweizer Ansprüche damit überhaupt irgendwie veraleichen? Der Angreifer hätte unsere Schäden bezahlen müssen, aber wir haben aus Großmut auf unsere Rechte Verzicht geleistet und selbst bezahlt.(?) Schließlich betonte Barthou noch, daß zwischen der Schweiz und Frankreich ein Schiedsgerichsvertrag bestehe, der nicht einfach als nicht bestehend behandelt werden könne. Schon deshalb sei das Vorgehen Mottas nicht berechtigt. Wenn ein Berichterstatter tatsächlich ernannt werden sollte, so würde die franzosische Abordnung ihm das ganze Material unterbreiten. Es bestand bei allen Zuhörern der Eindruck, daß der französische Außenminister diese Gelegenheit benutzte, um Motta wegen seiner Haltung in der Frage des russischen Eintritts in den Völkerbund sehr viel schärfer anzugreifen als es sonst der Fall gewesen wäre. Nachdem Barthou seine Rede beendet hatte, verlas der Vertreter Italiens, Aloisi, eine sehr ruhig und höflich abgefaßte Erklärung, in der er auch für sei. La Pflicht zur Ersatzleistung für die von schweizerischen Bürgern erlittenen Schäden ablehnte. Im Gegensatz zu den Vorrednern sprach sich dann der Spanier Mädariaga für die Ueberweisung des Streitfalles an den Haager Gerichtshof aus. Bundesrat Motta ging in seiner Replik auf den Ton Barthous nicht ein, sondern beschäftigte sich nochmals sachlich mit der ganzen Frage. Gegenüber Barthou betonte er nur, daß es sich zweifellos doch um einen Streitfall handele, wie immer, wenn unmittelbare Verhandlungen nicht zum Erfolg geführt hätten. Es könne nicht bestritten werden, daß die von der Schweiz angeschnittene Frage die internationalen Beziehungen berühre. Was den Schiedsvertrag zwischen der Schweiz anlange, so sei darin ausdrücklig, festgeleg worden, daß er nicht für die Vergangenheit gelten solle. Im Hinblick auf das von ihm beantragte Gutachten des Haager Gerichtshofes müsse er feststellen, daß es auch ein Unterschied sei, ob man einen Schiedsspruch anstrebe oder nur ein Gutachten über die Rechtslage. Barthou sprach dann nochmals, diesmal in einem versöhnlicheren Tone. In der Sache hielt er seinen Stand punkt aufrecht. Er schlug die Ernennung eines unparteiischen Berichterstatters durch den Völkerbundsrat vor, der zunächst einmal feststellen solle, ob der vorliegende Fall für ein Gutachten des Haager Gerichtshofes geeignet sei. Auch Eden betonte nochmals den englischen Standpunkt. Der Präsident des Völkerbundsrates, Benesch, schlug dann den Argentinier Cantilo als Berichterstatter vor, was vom Rat einstimmig angenommen wurde. Die Sitzung endete sehr viel ruhiger als es noch kurz vorher den Anschein gehabt hatte. Die Minderheitenbeschwerden aus dem Donauraum. X Genf, 25. Sept. In der Politischen Kommission des Völkerbundes fanden in den letzten Tagen lebhafte Auseinandersetzungen über die Frage der Minderheiten statt. Sie wurde bekanntlich eingeleitet mit einem ungarischen Vorstoß gegen die rumänische Minderheitenpolitik, worauf der Gegenstoß der Vertreter der gesamten Kleinen Entente gegen Ungarn folgte. Der tschoslowakische Außenminister betonte seine Bereitwilligkeit zu einer Verständigung mit Ungarn. Der ungarische Vertreter von Eckhardt erklärte vor Pressevertretern, daß Ungarn sich auf keinerlei Wirtschaftsverhandlungen mit anderen Donaustaaten einlassen könne, bevor nicht die Frage der ungarischen Minderheit in befriedigender Weise gelöst sei. Afghanistan will in den Völkerbund. DNB Genf, 25. September. In Genf ist ein telegraphisches Aufnahmegesuch der afghanischen Regierung eingetroffen, in dem Afghanistan um seine Aufnahme in den Völkerbund durch die Vollversammlung bittet und sich gleichzeitig verpflichtet, alle Bedingungen des Völkerbundspaktes und alle Verpflichtungen zu erfüllen, die für Mitglieder des Völkerbundes gelten. Die Völkerbundsversammlung beschloß heute nachmittag, die Aufnahme Afghanistans auf ihre Tagesordnung zu setzen und die Prüfung des Aufnahmegesuches der politischen Kommisston zu überweisen. Schon am Donnerstag erwartet man dann die endgültige Aufnahme Afghanistans. Wie es heißt, wird alles glatt ohne Einspruch anderer Mächte vor sich gehen. Afghanistans Eintritt wird als eine Folge der Aufnahme Sowjetrußlands angesehen. Eine Umfrage über Anwerbungen für die Saarpolizei. Schweizer Saarpolizei in der Schweiz unerwünscht. DNB Genf, 25. Septmber. Die Informationsabteilung des Völkerbundssekretariats veröffentlicht folgende Verlautbarung: Der Völkerbundsrat hatte durch eine Entschließung vom 4. Juni 1934 beschlossen, der Regierungskommission des Saargebietes seine volle Unterstützung zu gewähren für den Fall, daß diese es für nötig halten sollte, ausländische Personen anzuwerben, um durch sie die Polizei und die lokale Gendarmerie während der Abstimmungszeit zu verstärken. Am 3. September hatte der Saarpräsident in einem Rundschreiben auf Bitten der Regierungskommission den Mitgliedsstaaten des Völkerbundes empfohlen, dieser Kommission ihre Mithilfe zu gewähren, um die Einzelanwerbungen für die Polizei und die lokale Gendarmerie im Saargebiet zu erleichtern. Der Generalsekretär hat nun die Antworten einiger dieser Regierungen auf sein Rundschreiben erhalten. Die belgische, italienische und litauische Regierung haben mitgeteilt, daß sie Einzelanwerbungen nicht verhindern„und gegebenenfalls erleichtern“ würden. Die schweizerische Regierung hat zunächst betont, daß die Gesetzgebung der Schweiz es schweizerischen Bürgern nicht verwehre, in fremden Polizeitruppen zu dienen. Sie hat aber aus Gründen der allgemeinen Politik und vor allem im Hinblick auf ihre Neutralitätspolitik den Wunsch geäußert, daß die Regierungskommission darauf verzichte, in der Schweiz Einzelanwerbungen vorzunehmen. Der Präsident der Regierungskommission des Saargebietes, Knox, hat auf die Schweizer Ablehnung geantwortet, daß er unter diesen Umständen von der Anwerbung von Polizisten in der Schweiz absehen werde. Grandunglück bei einer Kindervorstellung. Ein Film ging in Brand- Panik unter den Kindern.- 40 von ihnen verletzt. Bis auf die Grundmauern niedergebrannt. DNB Amsterdam, 25. September. Bei der Vorführung eines katholischen Missionsfilms in einer Kindervorstellung geriet am Montagabend in Hilversum der Film plötzlich in Brand. Das Feuer verbreitete sich sehr schnell. Von den 180 anwesenden Kindern im Alter von 7—14 Jahren wurden etwa 40 verletzt, darunter 13 schwer. Auch der die Vorstellung leitende Pater erlitt bedenkliche Verletzungen. Die Filmvorstellung fand in dem Gebäude der katholischen Arbeitervereinigung St. ClemensParochie statt, das für eine Filmvorstellung äußerst ungeeignet war. Das Haus war größtenteils aus Holz gebaut und besaß neben einer Doppeltür nur zwei kleine Seitenausgänge. Unglücklicherweise hatte man den Vorführungsapparat vor der Haupttür aufgestellt, so daß das Feuer hier den Ausgang versperrte. Da die beiden Seitenausgänge verschlossen waren, entstand unter den Kindern eine furchtbare Panik. Der Umstand, daß das Feuer sich mit rasender Schnelligteit ausbreitete, und bereits die Kleider mehrerer Kinder erfaßt hatte, erhöhte noch das Entsetzen. Einige Kinder schlugen in ihrer Verzweiflung die Bleifenster ein und zwängten sich mit vieler Mühe hindurch, wobei sie ernsthafte Schnittwunden erlitten. Glücklicherweise eilten sofort Bewohner der umliegenden Häuser auf die Hilferufe herbei; es gelang ihnen, mit Hilfe von Balken die Notausgänge zu zertrümmern und auf diese Weise den Kindern einen Ausgang ins Freie zu bahnen. Viele Kinder brachen vor dem Gebäude zusammen und mußten in Krankenhäuser gebracht werden. Das Gebäude brannte trotz eifriger Löschtätigkeit der Feuerwehr bis auf die Grundmauern nieder. Die Polizei hat eine strenge Untersuchung eingeleitet. Das„Nationalhaus der deutschen Arbeit." Der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, gab soeben bekannt, daß der Führer den Entwurf für ein Nationalhaus der deutschen Arbeit“ in Köln gebilligt hat. Unser Bild zeigt den Entwurf, der eine Arbeit des Architekten Clemens Klotz in Köln ist. Das riesige Gebäude, dessen Hauptbau 370 m lang ist und zusammen mit den beiden Flügeln sogar eine Länge von 950 m in der Vorderfront haben wird, soll auf dem Gelände der bisherigen Messe= und Pressabauten am Ufer des Rheins entstehen.— Hier sollen alle vier Jahre die großen Kongresse der Deutschen Arbeitsfront stattfinden. Die riesige Anlage wird eine Bauzeit von rund 10 Jahren in Anspruch nehmen. Tagesrundschau. Doumergues Am Montag abend hat Verfassungs= Ministerpräsident Doumergue im Rundfunk zum franreform. zösischen Volke gesprochen. war nicht das erste Mal, daß er sich dieses vor ihm allerdings von keinem französischen Ministerpräsidenten benutzten Mittels bediente, um sich direkt an die Nation zu wenden. Hatten aber bisher seine Rundfunkansprachen allein den Tenor einer Mahnung zur Einigkeit und zum Vertrauen, so brachte die jüngste Ansprache nach einer scharfen Abrechnung mit den Kritikern an dem Kurs der„nationalen Union" und damit des derzeitigen Kabinetts sowie nach einer eindeutigen Absage an die sozialistisch=kommunistische Einheitsfront und an alle Finanzpolitiker, die in der Entwertung des Franken das Heil Frankreichs sehen, die schon seit längerer Zeit angekündigte Mitteilung der Gedanken, deren Verwirklichung Doumergue als Staatsmann mit jahrzehntelanger politischer Erfahrung und mit dem offenen Weitblick des im parlamentarischen Raum gereiften Alters für notwendig hält, um die politischen Krisenzustände in Frankreich zu überwinden und stabilere, der Wohlfahrt des Landes zuträglichere Verhältnisse zu schaffen. Das Programm Doumergues bringt nichts weniger als den Anfang für den Umbau des aus der französischen Revolution gewachsenen liberalen Staates zu autoritärer Organisation. Der französische Ministerpräsident hat die Unzulänglichkeiten des parlamentarischen Systems kennen gelernt. War er es doch selbst, den man rief, als die Parlamentarier nach den sich alle paar Monate wiederholenden Kabinettskrisen und den sie begleitenden Skandalen und Frontkämpferrevolten nicht mehr ein noch aus wußten. Und weil er erkannt hat, daß das parlamentarische System, so wie es in Frankreich besteht, und die französische Verfassung überhaupt reformbedürftig sind, will er diese Reformen auf gesetzlichem Wege durchführen, ehe sie durch eine Wiederholung der Vorgänge, wie sie Paris im Februar um das Palais Bourbon herum, auf der Place de la Concorde und den angrenzenden Straßen erlebt hat, gewaltsam, durch eine Revolution erzwungen werden. Doumergue fordert zunächst, daß die Stellung des französischen Ministerpräsidenten der des englischen Premierministers angeglichen wird. Seine persönliche Autorität soll durch Unterordnung der Fachminister unter seine Macht erhöht werden. Der Ministerpräsident muß nach der Ansicht Doumergues ferner das Recht erhalten, im Falle von Meinungsverschiedenheiten zwischen der Regierung und der Parlamentsmehrheit die Kammer ohne Befragung des Senats auflösen zu können. Nur für ganz besondere Fälle will er noch die vorherige Zustimmung des Senats zulassen, dessen Mitglieder bekanntlich auf eine feste Zeit, nämlich auf neun Jahre, gewählt werden. Man könne sicher sein, bemerkte Doumergue zu dieser Forderung, daß die Regierungskrisen seltener würden, wenn die Furcht vor der sofortigen Auflösung des Parlaments den Ehrgeiz ungeduldiger Elemente zügeln würde. Die weiteren Punkte in dem Reformprogramm sind Konsequenzen aus den Schwierigkeiten, die im letzten Jahre aus der Notwendigkeit eines ausgeglichenen Haushaltsplanes entstanden waren. Wir Deutsche haben Aehnliches ja auch noch aus der Blütezeit unseres parlamentarischen Systems in Erinnerung, wo die aus agitatorischen Bedürfnissen entstandenen Anträge der Parteien zur Annahme gebracht wurden und es dann der Regierung überlassen blieb, die finanziellen Mittel bereitzustellen, die die Durchführung solcher Anträge erforderte. Der Antrag und seine Annahme war die Hauptsache, die Deckungsfrage, durch die der Haushaltsplan über den Haufen geworfen wurde, interessierte erst in zweiter Linie. Aus ähnlichen Erfahrungen folgert Doumergue, daß nur die Regierung weitere Ausgaben vorschlagen darf, wenn der Haushaltsplan einmal genehmigt ist. Weder Kammer noch Senat dürften fürderhin ein derartiges Initiativrecht besitzen. Außerdem müßte die Regierung durch Verordnung den Staatshaushaltsplan für ein Jahr in Kraft setzen können, falls er nicht rechtzeitig vom Parlament verabschiedet würde. Durch dieses Recht der Regierung will Doumergue das Parlament zur verantwortungsbewußten Arbeit zwingen; es soll wissen, daß es auf sein Recht, die Einnahmen und Ausgaben des Staates zu bestimmen, verzichtet, wenn es nicht zum festgesetzten Termin den Etat verabschiedet. Die letzte Forderung des Ministerpräsidenten betrifft die gewerkschaftlichen Rechte der Beamten. Diese Rechte sollen beschnitten werden. Die Beamten sollen als Diener des Staates ein besonderes, verfassungsmäßig verankertes Statut erhalten, da es nicht angehe, daß sie außerberuflich gegen den Staat, der sie ernähre, Stellung nähmen. Diese Forderung hat dem Ministerpräsidenten bereits eine Kampfansage des autonomen Beamtenverbandes eingebracht. Er erklärt, er werde sich mit allen Mitteln gegen die äußerst ernste Drohung eines Beamtenstatutes wenden, und er sei überzeugt, daß diesmal die Hindernisse, die bisher der gemeinsamen Front aller Beamten im Wege gestanden hätten, schnell beseitigt werden würden. Man darf sicher sein, daß dieser ersten Kampfansage weitere folgen werden. Und wenn, wie uns weiter aus Paris gemeldet wird, der„Temps" die Rede Doumergues vorbehaltlos billigt und schreibt, er habe die letzte und beste Karte ausgespielt, über die die aufrichtigen Demokraten und Vaterlandsfreunde verfügten, um die republikanische Freiheit zu retten, die letzte Karte, ohne die in einigen Jahren und vielleicht schon Monaten das liberalistische Regime erledigt sein würde, und die beste Karte, da Frankreich auf diese Weise eine Revolution, eine Diktatur oder wahrscheinlich beides zugleich vermeiden könne, so darf man stark bezweifeln, daß sich in der Kammer eine Mehrheit für die ihre Rechte antastenden Reformpläne findet. Der„Paris Soir" betont, daß der Ministerpräsident die von ihm vorgeschlagenen Reformen verfassungsmäßig verankern wolle. Nun habe er aber nicht von der Einberufung der verfassunggebenden Versammlung gesprochen. Woran denke er? An Versailles(wo bekanntlich die sich aus den Mitgliedern der Kammer und des Senats zusammensetzende Nationalversammlung z. B. bei der Wahl des Staatspräsidenten zu tagen pflegt) oder an den Verordnungsweg? Diese Frage könne zu einer leidenschaftlichen Auseinandersetzung Anlaß geben, bei der die Stimme des Senates hinsichtlich einer etwaigen Einberufung der Nationalversammlung vielleicht den Ausschlag geben werde.— Jedenfalls wird man nach dieser Ankündigung einer Verfassungsreform mit einem sehr bewegten innenpolitischen Herbst und Winter in Frankreich rechnen dürfen und wohl weniger damit, daß das Programm in die Tat umgesetzt werden wird. Der Verkauf Der Verkauf des bisher der chinesischen in russischem Besitz befindlichen Anteils an der chineOstbahn. sischen Ostbahnan Japan bedeutet eine internationale Ueberraschung. Noch vor einigen Wochen verzeichnete man heftige Zusammenstöße mit erregtem Notenwechsel zwischen beiden Ländern, so daß in Europa schon beinahe mit einem Krieg im Fernen Östen gerechnet wurde. Denn man konnte angesichts der ununterbrochenen Truppen= und Materialverstärkungen auf russischer wie japanischer Seite nicht gut annehmen, daß dieser Riesenaufwand nur dazu diente, um den Kaufpreis zu drücken bezw. zu steigern. Die Russen verlangten für die Bahn anfangs 625 Yen, während die Japaner nur 60 Millionen dafür geben wollten. Jetzt hat man sich auf einen Kaufpreis von 175, nach anderer Meldung von 170 Millionen Yen, also etwa 125 bis 130 Millionen Mark, geeinigt, auf eine Summe, die weit niedriger ist, als die Anlage der Bahn gekostet hat. Allerdings darf man dabei nicht vergessen, daß ihr tatsächlicher Wert durch japanische Neubauten und die später entstandene neue russische Bahn am Amur entlang nach Wladiwostok gelitten hat. Die Russen aber geben damit die schnellste Verbindung zwischen Moskau und Wladiwostok aus der Hand. Der Weg von Moskau nach Wladiwostok über die bereits erwähnte neue Bahn wird im Winter durch Schneestürme sehr gefährdet, ganz abgesehen davon, daß der Weg um Tage verlängert wird. Im Kriegsfalle war jedoch die ostchinesische Bahn ohnehin nicht zu halten. So lange die Mandschurei im Besitze der Chinesen war, behaupteten die Russen mit Hilfe der in der Welt einzig dastehenden Konzessionen und Aufsichtsrechte über die Bahn eine Machtstellung in der nördlichen Mandschurei. Mit dem Augenblick der Besitznahme des Landes durch die Japaner wurden die russischen Rechte fast nichtssagend. Die Japaner bemühten sich systematisch, der sowjetrussischen Bahnverwaltung das Leben so schwer wie möglich zu machen. Räuberbanden taten ein übriges, um die Sicherheit des Verkehrs in Frage zu stellen. Die von den Sowjetrussen von Zeit zu Zeit veröffentlichten Statistiken über die Zugunfälle, Entgleisungen, Ausplünderungen und Ermordungen sprachen nur zu deutlich für die gespannte Lage. Der Verkauf der Bahn zu einem Preise, der ein Kompromiß zwischen der letzten sowjetrussischen Forderung und dem jüngsten japanischen Angebot darstellt, bedeutet für den Fernen Östen ohne Zweifel eine Entspannung und wird demgemäß von der japanischen Presse, zugleich als ein Erfolg der Politik des japanischen Außenministers Hirota, gefeiert. Die letzten Verhandlungen haben, wie aus Tokio gemeldet wird, in Hsinking, der Hauptstadt Mandschukuos, unter Beteiligung der japanischen Botschafter aus Paris und Washington und in Anwesenheit des französischen und des amerikanischen Botschafters in Tokio stattgefunden. Die japanischen Blätter heben hervor, daß die Ostbahn ursprünglich mit französischem Kapital versorgt worden sei und daß Frankreich die Zustimmung zum Verkauf gegeben habe, weil es eine weitere Bindung der Sowjetunion im Östen nicht wünsche. An zuständiger Stelle in Tokio glaubt man, daß Mandschukuos Selbständigkeit nun gesichert sei, nachdem der bolschewistische Unruheherd beseitigt sei. Auch der Weg für die Anerkennung Mandschukuos sei jetzt frei. Erst jetzt könne Mandschukuo sich ungehindert entwickeln, was auch die interessierten Staaten erkannt hätten. Welche Konsequenzen und Rückwirkungen diese— man kann wohl sagen: Neugestaltung des politischen Bildes im Fernen Östen für Deutschland haben wird, läßt sich zur Zeit noch nicht übersehen. Daß der Verkauf der Bahn und damit die Abwendung der Sowjetunion von der japanischen Interessensphäre eine Folge der Politik ist, die eben erst in der Aufnahme Sowjetrußlands in den Völkerbund sichtbaren Ausdruck fand, wird man als sicher annehmen müssen.+ Die Goldblockländer untersuchen. DNB. Genf, 25. September. Die Vertreter Belgiens, Frankreichs, Italiens, Luxemburgs, der Niederlande und der Schweiz hatten sich versammelt, um zu prüfen, wie ihre Regierungen am wirksamsten auf wirtschaftlichem und finanziellem Gebiete zusammenarbeiten können. Sie haben festgestellt, daß die Länder, die die Goldwährung beibehalten haben, mehr denn je entschlossen sind, wie es auch in der Londoner Erklärung vom 3. Juli 1933 schon betont wurde, die Goldwährung unbedingt aufrecht zu erhalten, weil sie das für eine der wichtigsten Vorbedingungen für die wirtschaftliche und finanzielle Wiedergesundung der Welt halten. Sie haben auf der anderen Seite anerkannt, daß sie sich als hauptsächlichstes Ziel die Erweiterung des internationalen Warenaustausches setzen müßten. Sie sind der Meinung, daß ein derartiger Versuch am besten zuerst unter den Staaten unternommen wird, die unter sich besonders große wirtschaftliche Beziehungen haben. Die Genfer Verhandlungen um Oesterreich. der Müchte und die Garantie der österreichischen Unabhängigkeit. Noch unausgeglichene Gegensütze. £ London, 25. September. Der französische Berichterstatter des„Daily Telegraph“ meldet aus Genf: Barthou hat aus Paris den Entwurf einer Erklärung über die Unabhängigkeit Oesterreichs mitgebracht, die vom französischen Ministerrat gebilligt worden ist. Am Montag hat er sie dem italienischen Delegierten Baron Aloisi unterbreitet. Später suchten die beiden Staatsmänner den Lordsiegelbewahrer Eden auf, um ihm den Inhalt des Dokuments mitzuteilen. Während der letzten zwei Wochen, heißt es in der Meldung des„Daily Telegraph“ weiter, hatte Aloisi zweimal versucht, die britische und die französische Regierung zu veranlassen, dem Wortlaut einer Konvention oder Erklärung zuzustimmen, durch die Großbritannien, Frankreich und Italien die Unabhängigkeit und territoriale Unverletzlichkeit der österreichischen Republik gegen die Einmischung einer fremden Macht gewährleisten sollten. Diese Anregungen sind erfolglos geblieben, weil die britische Regierung entschlossen war. keine neuen territorialen Verpflichtungen zu übernehmen. Ein anderer Grund war der Umstand, daß die Kleine Entente glaubte, der italienische Vorschlag ziele darauf ab, sie von einer aktiven Teilnahme an den Donau=Angelegenheiten auszuschließen und den Weg für eine Vormachtstellung Italiens in diesem Teile Europas zu evnen. Barthous Ziel ist jetzt viel bescheidener geworden. Er dürfte höchstens anregen, daß die Nachbarstaaten Oesterreichs, die Mitglieder des Völkerbundes sind, ihre Bereitschaft erklären sollen, sich nicht in die inneren Angelegenheiten Oesterreichs einzumischen. Sollte eine Einmischung durch eine außenstehende Macht erfolgen, so würde der Völkerbundsrat angerufen werden. Das praktische Ergebnis des französischen Vorschlages würde sein, dem Völkerbundsrat das ganze Problem der österreichischen Unabhängigkeit zu überweisen. Es ist zweifelhaft, ob Italien der Ansicht Barthous endgültig zustimmen wird. In einem Aufsatz des diplomatischen Berichterstatters des„Daily Telegraph“ zum gleichen Thema heißt es, die Genfer Besprechungen, die auf Zustandekommen einer Garantie der österreichischen Unabhängigkeit abzielten, seien wegen des italienisch=südslawischen Gegensatzes bisher erfolglos geblieben. Südslawien wolle von Italien als gleichberechtigt anerkannt werden, ähnlich wie Polen entschlossen sei, nicht länger als Satellit Frankreichs zu gelten. Frankreich wolle, daß die Unabhängigkeit Oesterreichs durch gemeinsames Auftreten der Nachbarstaaten Oesterreichs gesichert werde und daß Italien nicht die Stellung einer Schutzmacht erhalten solle. Um dieses Ziel zu erreichen, sei freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen Italien und Südslawien unerläßlich. Barthou werde sicher seine ganze Ueberredungskunst gebrauchen, um die Kluft zwischen beiden Staaten zu überbrücken. In einem Leitaufsatz des„Daily Telegraph“ wird ausgeführt: Während der nächsten Woche dürften gewisse Aenderungen in den internationalen Beziehungen auf dem europäischen Festlande eintreten. Barthou werde nach Rom gehen; König Alexander von Jugoslawien werde König Boris in Sofia besuchen und dann nach Paris fahren. Alle diese Schritte hätten offenbar einen gemeinsamen Beweggrund, die Herstellung neuer Beziehungen oder die Stärkung alter Beziehungen. Die gemeinsame Sorge um Oesterreichs Unabhängigkeit habe Frankreich und Italien veranlaßt, eine Lösung ihrer unerledigten Meinungsverschiedenheiten zu erstreben. Großbritannien wünsche beiden aufrichtig guten Erfolg. Es sei angebracht, daran zu erinnern, daß die drei Mächte nach Unterdrückung des sozialistischen Aufstandes in Wien im Februar gemeinsam eine Erklärung über die Notwendigkeit der Erhaltung der österreichischen Unabhängigkeit abgaben. Diese damals ausgesprochene Ueberzeugung sei infolge der tragischen Ereignisse vom Juli noch stärker geworden. Der Annäherung zwischen Frankreich und Italien ständen aber Hindernisse entgegen, solange die italienisch-jugoslawischen Beziehungen so außerordentlich erbittert bleiben. Zwischen Paris und Warschau bestehe eine merkliche Abkühlung und der polnische Ausfall in Genf sei ein unmißverständliches Zeichen gewesen, daß Polen aus dem französischen Kreis in den deutschen Kreis gezogen werde. Eine ähnliche Bewegung auf Seiten der Jugoslawen würde noch ernster für die Aussicht auf ausgeglichene Zustände in Europa sein. * Der Genfer Havas=Berichterstatter sagt in seinen Mitteilungen über die Genfer Besprechungen Barthous u. a.: Für die Ostpläne habe es noch an Zeit gefehlt. Es sei nicht unmöglich, daß hierüber in den nächsten Tagen Besprechungen geführt werden, doch sei man der Ansicht, daß Barthou nicht eher an dieses Problem herangehen werde, als er nicht ein vollständiges Bild von der ganzen Frage habe. Was die Saarfrage anlange, so scheine sich zu bestätigen, daß die gegenwärtige Sitzung des Völkerbundsrates nicht eher schließen werde, als bis nicht wenigstens gewisse Fragen über die Vorbereitung der Volksabstimmung angeschnitten seien. Der Völkerbundsrat werde sich kurz mit den durch die französische Saardenkschrift aufgeworfenen Fragen beschäftigen, doch werde die Gesamtheit der in der Denkschrift aufgeworfenen Probleme erst in einer für Mitte November vorgesehenen außerordentlichen Sitzung geprüft werden. Der römische Berichterstatter des Pariser„Jour" sieht den bevorstehenden italienisch-französischen Verhandlungen in Rom gerade im Zusammenhang mit der von Frankreich gewünschten Annäherung Italiens an die Kleine Entente mit Skepsis entgegen. Angesichts des Wiederauflebens der jugoslawisch=italienischen Meinungsverschiedenheiten müsse man fragen, wo Barthou einsetzen wolle, um eine Annäherung Jugoslawiens an die Kleine Entente herbeizuführen. In zwei Punkten werde Italien außerdem unnachgiebig sein. Es werde sich volle Handlungsfreiheit gegenüber Jugoslawien vorbehalten und weiter seinen Anspruch auf absolute Flottengleichheit in vollem Umfange aufrecht erhalten. In zwei anderen Punkten werde sich die italienische Regierung ebenfalls hartnäckig zeigen. Es handele sich um die Unterstützung, die Italien von jeher der deutschen These in der Rüstungsgleichheit habe zuteil werden lassen, und zweitens um die Ablehnung irgend eines Schrittes für eine antideutsche Front. Im allgemeinen könne man feststellen, daß Italien über die Möglichkeit einer Verständigung mit Frankreich nicht ausgesprochen skeptisch denke. keit vereinbart werden kann, da sie einseitig die Marxisten und Separatisten begünstigt. Die Verordnung ist auch schwer mit der Willens= und Gewissensfreiheit der betreffenden Lokalinhaber zu vereinbaren, die also in Zukunft gezwungen sind, sich in ihren eigenen Räumen Reden gefallen zu lassen, die, wie schon der tägliche Ton der Emigrantenpresse zeigt, ihre nationalen Gefühle verletzen mussen. Im übrigen zeigt aber auch die Verordnung, wie schlecht es um die Sache der Separatisten bestellt sein muß, wenn sie trotz aller behördlichen Förderung nicht einmal in der Lage sind, Räume für ihre Abstimmungspropaganoa zu erhalten. Eine Zwischenlösung mit England. Berlin, 25. September. Die bisherigen Besprechungen zwischen der deutschen und der britischen Delegation waren einer allgemeinen Erörterung der schwebenden wirtschaftlichen und finanziellen Fragen gewidmet. Mit Rücksicht auf das Inkrafttreten der neuen deutschen Devisenregelung für den Warenverkehr und zur Vermeidung von Störungen des beiderseitigen Handels während der Sie haben Wert darauf gelegt, klar zum Ausdruck zu bringen, daß ihre Initiative gegen kein anderes Land gerichtet ist. Ihr Ziel ist nur der Kampf gegen die Krise, wobei sie die Absicht haben, auch mit den anderen Regierungen in Fühlung zu bleiben in der Hoffnung, daß diese Staaten sich ihrem Schritt möglichst bald anschließen werden. In der Absicht, möglichst schnell zu konkreten Ergebnissen zu kommen, haben sie es für richtig gehalten, eine Kommission aus Vertretern der genannten Regierungen zu bilden und ihr die Aufgabe zu stellen, die wichtigsten Fragen zu untersuchen, die sich aus den wirtschaftlichen und finanziellen Beziehungen zwischen den sechs Staaten ergeben. Rechtloses Volk im Memelland. DNB Memel, 25. September. Der Gouverneur des Memelgebietes hat im Zuge seiner planmäßigen Aufhebung der autonomen Rechte des Memelgebietes wieder eine Maßnahme getroffen, durch die das kulturelle und religiöse Leben der Memelländer aufs schwerste getroffen wird. Er hat verfügt, daß zehn memelländischen Geistlichen die Arbeitsgenehmigung und das Recht ihrer seelsorgerischen Betätigung entzogen wird. Von diesen zehn Geistlichen sind sieben Reichsdeutsche, zwei rumänischer Staatsangehörigkeit und einer Balte. Die meisten von ihnen sind noch aus der Zeit vor der Angliederung des Memelgebietes an Litauen im Amt. Nach Artikel 5 des Memelstatutes gehört die Regelung des religiösen Lebens eindeutig zum Geschäftsbereich der autonomen Gewalt des Memelgebietes. Deshalb bedeutet diese Maßnahme einen neuen schweren Eingriff in die autonomen Rechte des Memelgebietes. Die Maßnahme wird sich insbesondere noch deshalb schwer für das kulturelle und religiöse Leben des Memellandes auswirken, weil Litauen nicht in der Lage ist, die geeigneten Ersatzkräfte zu stellen. Die„Neutralität" der Saarregierung Zwang gegen Lokalinhaber zugunsten der Separatisten. DNB. Saarbrücken, 24. September. Durch die„Neue Saarpost“ ist der Inhalt zweier wichtiger Verordnungsentwürfe der Abstimmungskommission bekannt geworden. Die erste größere Verordnung enthält Ausführungsbestimmungen über das Verfahren bei Einsprüchen gegen die Eintragung in die Stimmliste. Einsprüche sollen nach Möglichkeit erleichtert und Hemmnisse in der Durchführung des Verfahrens beseitigt werden. Beachtung verdient vor allem eine Erweiterung des§ 23 Abs. 2 der Wahlordnung, der festsetzt, daß Einsprüche begründet, datiert und unterzeichnet sein müssen. Die neue Verordnung verlangt, daß, wer einen Einspruch einlegt, demjenigen, gegen den er ihn erhebt, durch eingeschriebenen Brief davon Mitteilung macht.. Diese Bestimmung ist vor allem auf Betreiben des Abstimmungsgerichtshofes aufgenommen worden und soll es unmöglich machen, daß, wer einen Einspruch gegen Eintragung in die Stimmliste erhebt, sich verstecken kann. Die zweite Verordnung soll allen Abstimmungsparteien die Möglichkeit geben, alle Lokale zu benutzen. Wenn eine Partei nachweislich nicht in der Lage ist, Räume für ihre Abstimmungspropaganda zu erhalten, werden ihr solche— gegen angemessene Entschädigung der Inhaber— zur Verfügung gestellt. * Es ist schwer zu erkennen, inwieweit die zweite Verordnung noch mit der gevotenen UnparteilichDiebesfahrten quer durch Deutschland. zum ewaigen früheren Inkrafttreten einer neuen vertraglichen Regelung folgende Zwischenlösung vereinbart worden: Für die Einfuhr der in dem deutsch-englischen Zahlungsabkommen vom 10. August 1934 behandelten Waren sind Devisenscheine, die zur Einzahlung auf das Sonderkonto der Bank von England berechtigen, in einem Umfang zu erteilen, der dem gegenwärtigen Stand der englischen Einfuhr nach Deutschland entspricht. Dabei wird kein Unterschied zwischen den einzelnen Warengruppen gemacht werden. Diese Regelung gilt für alle Waren, für die die Möglichkeit der Bezahlung über das Sonderkonto der Bank von England im Zeitpunkt des Inkrafttretens des deutsch=englischen Zahlungsabkommens gegeben war, und für alle sonstigen Einzahlungen auf das Sonderkonto, die nachträglich von der Reichsbank zugelassen worden sind. Im übrigen bleiben die Bestimmungen dieses Abkommens, insbesondere das System der Einzaylungen, aufrechterhalten. Geheimnisse um Nr. 534. Der größte Dampfer der Welt läuft vom Stapel. 2 London, 25. September. Der riesige Neubau der Cunard Line wird am Mittwoch vom Stapel laufen. Schon heute beschäftigt sich die englische Oeffentlichkeit fast ausschließlich mit diesem Ereignis. Seit Wochen schon ist ein großes Rätselraten in der Presse darüber, welchen Namen der Neubau erhalten wird. Das Geheimnis wird erst gelüftet werden, wenn die Flasche mit Schaumwein am Vordersteven des Riesenschiffes zerschellt. Bis jetzt ist der Neubau nur unter seiner Werftbezeichnung Nummer 534 bekannt. Große Zukunftshoffnungen knüpfen sich in England an dieses Schiff, dessen Bau, wie erinnerlich, geraume Zeit eingestellt war und erst mit Hilfe der Regierung wieder in Gang gekommen ist. Man hofft, die Erfolge, die von deutschen Schiffen im nordatlantischen Amerikaverkehr und von Italien im Verkehr von den Mittelmeerhäfen nach Amerika erzielt worden sind, mit Nummer 435 mühelos überbieten zu können. Die Dienstag=Morgenblätter sind voll von Aufsätzen, die alle dem großen Ereignis des Stapellaufs gelten. So hat die„Times“ eine illustrierte Sonderbeilage von nicht weniger als 24 Seiten herausgebracht. Sie gibt einen Ueberblick über die Geschichte der Ozeanschiffahrt, behandelt die Leistungen der Handelsmärine während des Krieges und vertieft sich dann in eine genaue Beschreibung des neuen Ozeanriesen. Auch den englischen Hofdichter, den poeta laureatus John Masefield, hat man bemüht. Er hat ein Gedicht verfaßt und nennt darin das Schiff„lang, wie eine Straße und ragend, wie ein Turm“. Der Todesschacht von Wrexham fordert ein neues Todesopfer. E London, 25. September. Der Schacht„Grasford“ bei Wrexham hat am Dienstag ein neues Opfer gefordert. Am Ventilationsstollen hat sich eine Explosion ereignet. Große Eisenträger knickten wie Strohhalme um. Ein Arbeiter wurde meterweit durch die Luft geschleudert. Er erlitt einen Schädelbruch, an dessen Folgen er starb. Allem Anschein nach ist es erforderlich, den kürzlich zugemauerten Unglücksschacht erneut abzuriegeln. Das Luftschiff„Graf Zeppelin“ kehrte Dienstag früh von seiner achten Südamerikafahrt nach Friedrichshafen zurück. Es führte an Bord 17 Passagiere, 137 Kilogramm Post und 25 Kilogramm Fracht mit. Die nächste Südamerikafahrt wird das Luftschiff am 29. September antreten. Der Roman eines jungen Verbrechers Berlin, 25. September. Bei einer Autoverleihfirma in Reppen sprach zum Wochenende ein junger Mann in schmucker Jägeruniform vor, der mit seinem Gepäck, unter dem sich mehrere Gewehre befanden, nach Berlin=Treptow fahren wollte. Man einigte sich auf einen Fahrpreis von 50 Mk., der nach Ankunft in der Reichshauptstadt entrichtet werden sollte. Knapp zehn Kilometer vor Berlin sah der Chauffeur durch den Spiege)= am Führersitz, wie sein Fahrgast plötzlich aus dem Futteral einen Karabiner hervorzog und ein Magazin mit fünf Patronen ins Schloß schob. Der Wagenführer ließ sich jedoch nichts merken und beobachtete unausgesetzt den Verdächtigen, zumal er einen Anschlag auf sich selbst befürchtete. In Treptow angekommen hielt der Fahrer kurzerhand vor einer Polizeiwache und rief einen Beamten herbei. Der„Jäger“ versuchte den Beamten zunächst zu blüffen, verwickelte sich aber bald derart in Widersprüche, daß es der Schupo für geboten hielt, den Fremden der Kriminalpolizei zu übergeben. Es handelte sich um den 26jähr. Verbrecher Oskar Banaszak, der dann nicht nur für die zahllosen, von ihm verübten Diebereien, sondern auch für ein geplantes Verbrechen, das bei seinem Gelingen an Verwegenheit nichts hätte zu wünschen übrig gelassen, ein volles Geständnis ablegte. Sein letzter und vielleicht größter Schlag war ein dreimaliger Einbruch in das Schloß KleinGandern im Kreis West=Sternberg. Dort war er eines Nachts eingedrungen, hatte sich Lebensmittel aus der Vorratskammer geholt und sich dann tagsüber in einem Versteck in den dichten Waldungen aufgehalten. In der folgenden Nacht schlich sich der Bursche erneut in das Gebäude, dessen Besitzer auf Reisen war und das nur von einem Verwalter betreut wurde. Diesmal wanderten drei Feldstecher und einige Schmucksachen in seine Taschen. Am andern Morgen ging es nach Frankfurt an der Oder, wo die Beute zu Geld gemacht werden sollte. Er hatte aber damit kein Glück, denn es fand sich niemand, der die Gegenstände kaufen wollte. Zum drittenmal kehrte er nun nach Klein=Gandern zurück und stahl jetzt eine Jägeruniform, mehrere Flinten. einen Karabiner und die dazu gehörende Munition. Die Uniform zog er sogleich an, fuhr zunächst mit der Bahn bis Reppen und mietete dort den Wagen nach Berlin. Diese Fahrt fand dann vor der Treptower Polizeiwache ihr Ende. Schon als Zehnjähriger verübte Banaszak vier Einbrüche, auch eine Kirche wurde dabei nicht verschont. Er wurde damals von der Polizei erwischt und in eine Erziehungsanstalt gebracht. Mit 20 Jahren begann dann seine Laufbahn als ruheloser Tramp. Meist lief er zu Fuß, doch wenn die Gelegenheit einmal günstig war, sprang er auch auf einen Güterzug und machte die Reise als blinder Passagier mit. Besondere Vorliebe zeigte er übrigens für Ostpreußen, wo er allein annähernd 30 Diebstähle und Einbrüche verübt hat. Kein Huhn auf der Straße war vor dem Vagabund sicher. Am Bahndamm wurde das Federvieh dann entweder am Spieß gebraten oder in einer kleinen Kasserole gekocht. Städtenamen wie Innsbruck, Leipzig, Koburg, Worms, Rüdesheim, Mannheim, Mainz, Köln, Hamburg, Stolp, Köslin, Danzig, Marienburg und sogar Kowno beleben die Reiseroute dieses Burschen. Aus dem Kreise Rhaus Aus der Stadt Ahaus Ahaus, den 26. September 1934. Die schöne Heimat im Bilde Der Kunstsinn einer Zeitepoche spiegelt sich in sinnfälliger Weise im Geschmack bei Bildern und Postkarten wieder. Hier ist ein grundlegender Wandel eingetreten. Die Postkarten der Vorkriegszeit, die leidenschaftlich in eigenen Alben gesammelt wurden, sind abgelöst durch klare sachliche Fotos. Die fortschreitende Fototechnik liefert heute Postkartenmaterial, das an Schärfe und Schönheit jeder Originalpotographie nahe kommt. Auch in Ahaus sind seit kurzem neue wunderschöne Postkarten zu haben, die für die Stadt Ahaus von großem propagandistischem Wert sind. Die Postkarte einer Stadt ist sozusagen ihre Visitenkarte. So dürfte im Interesse der Fremdenwerbung und der Erzielung eines vorteilhaften Eindrucks es sehr wichtig sein, auf die Herstellung guter Postkarten und Heimatbilder bedacht zu sein. Wenn auch, wie gesagt, in dieser Hinsicht in Ahaus schon gute Fortschritte zu verzeichnen sind, so könnte doch noch manches nachgeholt und getan werden. Vergessen hat man anscheinend überhaupt die oft recht reizvollen und einzigartigen Motive in der näheren Umgebung von Ahaus. So sind Postkarten beispielsweise garnicht zu haben von Haus Horst, von der dicken Eiche in der Bröke, vom Solm'schen Denkmal, vom Steenernen Krüz, von der Ammelner Kapelle, von sonstigen schönen Landschaftsmotiven, an denen die Umgebung von Ahaus bestimmt arm ist. Die Klage, daß die Benutzung von Bildpostkarten zu Gunsten der einfachen Postkarte ohne Bild stark abgenommen hätte, ist z. T. auch darauf zurückzuführen, daß immer nur dieselben Postkarten zu haben sind, und man so garnicht in der Lage ist, Verwandten und Bekannten draußen in der Welt einmal neue hübsche Motive von Ahaus und seiner Umgebung zu senden. Im übrigen dürfte es die Pflicht jedes Ahauser Bürgers sein, bei Mitteilungen an Verwandte möglichst Bildkarten zu verwenden, um einmal für die Heimatstadt zu werben dann aber auch um den örtlichen Buchhandel und die Fotogeschäfte anzuregen, laufend neue und gute Heimatbilder aufzulegen. Ein Mangel ist ferner noch der, daß von Ahaus und Umgebung nur ganz wenige größere künstlerische Bilder zu haben sind. Die Holzschnitte von Everz vom Ahauser Schloß sind inzwischen derartig bekannt, daß man zu Geschenkzwecken auch einmal ein anderes Bild verwenden möchte. Hoffentlich fallen diese kurzen Anregungen auf fruchtbaren Boden. L. Ausbildung und Fortbildung im Kochen und Nähen. Wie schon seit Jahren soll auch in diesem Winter wieder im Canisiusstift den angehenden Hausfrauen Gelegenheit geboten werden, sich im Kochen und Nähen, vor allem im Wäschenähen, auszubilden oder ihre schon erworbenen Kenntnisse zu erweitern. Diese günstige Gelegenheit sollte von keinem strebsamen jungen Mädchen unbenutzt gelassen werden.(Siehe Anzeigenteil!) Verkehrsunfall Ein eigenartiger Unfall ereignete sich gestern vormittag auf dem Schlageter=Platz(Neumarkt) zwischen dem Hotel zur Post und der Einmündung der Kreuzstraße. Ein vom Markt kommendes Auto eines Ammeloer Bauern fuhr in eine Gruppe Ahauser Radfahrer, die von der van=Deldenstraße kamen und in die Kreuzstraße einschwenken wollten. 2 Radfahrer wurden zum Sturz gebracht, wobei der eine, der etwa 35jährige Maurer T. aus der Königstraße einen Finger brach. Sein Fahrrad wurde überfahren und demoliert. Sonst hatte der Unfall, der sich doch an einer(bei beiderseitigem vorschriftsmäßigen Fahren) übersichtlichen Stelle abspielte, keine nennenswerten Folgen. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt, jedoch scheint ein zweites, die vanDeldenstraße passierendes Auto den übrigen Fahrzeuglenkern die Sicht genommen und das Unglück mit verursacht zu haben. Die Ortspolizei machte die nötigen Feststellungen. Enkfernung häßlicher Plakate im Stadtbild Trotz verschiedener Aufrufe durch mehrere zuständige Stellen ist leider in Ahaus festzustellen, daß an vielen Häusern, Mauern usw. noch alte zerrissene Wahlplakate und dergl. kleben. Diese bäßlichen Plakatreste sehen wenig vorteilhaft aus. Ein Rundgang durch die Stadt dürfte doch genügen, diese Stellen zu finden. Des weiteren dürfte die Entfernung nicht so kostspielig und schwierig sein, daß nicht in kürzester Frist das Stadtbild sauber ist. Auch die Propagandaleiter der NSDAP. haben Anweisung erhalten, beschleunigt die Entfernung alter häßlicher Plakate zu veranlassen. In Zukunft dürfte dieser Uebelstand dadurch beseitigt werden, daß, wie wir erfahren, seitens der Stadtverwaltung mehrere Anschlagssäulen angebracht werden sollen. In der Tat wäre die baldige Aufstellung mehrerer Anschlagsäulen nur zu begrüßen. Mit der NSG.„Krft durch Frende“ nach Oberbayern und zum Rhein. Vom Gauamt Westfalen=Nord der NSG.„Kraft durch Freude“ werden folgende Fahrten veranstaltet: 1. vom 30. 9.— 6. 10. 34 Fahrt nach Oberbayern (Preis 36.— RM.) 2. vom 14.— 21.10. Fahrt zum Rhein(Preis 26.—RM.) Volksgenossen, die an der Fahrt teilnehmen wollen, werden gebeten sich beim Ortswart Walter Krönfeld, Landratsamt, Zimmer 14 oder Franz=Seldte=Straße 1 zu melden. * Rentenzahlung. Die Auszahlung der Renten erfolgt bei dem hiesigen Vostamt wie folat: Militärrenten am 29. Sentember, Unfall= und Invalidenrenten am 1. Obtober. Die Rentenempfangsscheine der A= und I=Renten müssen amtlich beglaubigt sein. ):( Reicher Obstsegen. Ein hiesiger Gartenbesitzer erntete auf seinem Grundstück von einem Apfelbaum der Sorte„Schöner von Boskoop“ u. a. 2 Aspfel, die zusammen das Rekordgewicht von über 600 Gramm wogen. Stadtlohn Tag der Hiller-Jugend in Stadklohn Mit einer gewaltigen Kundgebung trat die Hitlerjugend Stadtlohn am vergangenen Sonntag an die Oeffentlichkeit. Viele fleißige Hände hatten sich wochenlang bemüht, den Tag würdig und inhaltsreich zu gestalten. Mit dem ersten Morgengrauen ertönte der Weckruf des HJ.=Trommlerkorps durch die festlich geschmücklen, reichbeflaggten Straßen der Stadt, von deren Mittelpunkt leuchtende Transparente den Inhalt des Tages verkündeten. Unter Führung der Hoch'schen Kapelle traten nachmittags der gesamte Unterbann I/145 der HJ., der BdM. und DI. zu einem imposanten Propagandamarsch durch die Stadt an. Am Kriegerdenkmal legte der Bannführer Hans Höpfner einen Kranz nieder zur Erinnerung an die Gefallenen des Weltkrieges und der nationalen Revolution. Die Musikkapelle intonierte das Lied vom guten Kameraden. Anschließend fand der Vorbeimarsch der gesamten Teilnehmer vor dem Bannführer auf dem historischen Marktplatz statt. Den Abschluß des Tages bildete ein„Deutscher Abend“, der in der Turn= und Schützenhalle stattfand. Daß man sich in Stadtlohn mit der Jugend verbunden fühlt, bewies die vollbesetzte Festhalle. Unter den Klängen der Musikkapelle marschierten die Jungen und Mädel, von den Anwesenden stürmisch begrüßt, in die Halle. Mit herzl. Begrüßungsworten wandte sich der Gefolgschaftsführer Hubo an alle Anwesenden und wünschte allen einige frohe Stunden im jugendlichen Kreise. In markanten Worten legte dann der Bannführer Hans Höpfner das Wollen und das Ziel der Hitlerjugend dar. In der Folge wickelte sich nun das reichhaltige Programm ab. Ein vaterländisches Volksstück„Grenzpfähle brennen“, ein exakter Neigen des BdM. und ein Militärschwank wurden unter reichem Beifall aufgenommen. Die Pausen wurden durch Konzerteinlagen der Musikkapelle angenehm ausgefüllt. Nach Beendigung des offiziellen Programms folgten noch einige gemütliche Stunden, wo auch recht eifrig das Tanzbein geschwungen wurde. Feuerschutzwoche in Stadtlohn. Im Rahmen der Feuerschutzwoche nahm die hiesige Freiw. Feuerwehr am letzten Mittwoch einige Alarmübungen vor. Gegen 8 Uhr ertönten plötzlich die Brandsignale, die im Nu die gesamte Wehr alarmierten. Der Brandherd war das Postgebäude. Im Eilmarsch hatte man das Brandobjekt erreicht und im nächsten Augenblick ergoß sich der 4fache Wasserstrahl auf das vernichtende Feuer. Die Schlagfertigkeit der Wehr wurde noch an anderen Stellen erprobt. Das Ergebnis war überaus zufriedenstellend.— Am Sonntag morgen nahm die Wehr geschlossen am Kirchgang teil. X Wallfahrt nach Eggerode. Am vergangenen Freitag nahmen wiederum 262 Mütter an der Wallfahrt nach Eggerode teil. Aufruf! Zum 2. Male seit der Machtübernahme unseres Führers AdolfHitler wird am kommenden Sonntag im ganzen Reich der„Deutsche Erntedanktag“ als Fest des gesamten deutschen Volkes durchgeführt. Es gilt den Bauern als Blutsquelle und Ernährer des deutschen Volkes zu ehren und seine Arbeit als Dienst am Volke zu feiern. Der Begriff„Bauer“ ist in Deutschland wieder zu einem Ehrennamen geworden. Auch im Kreise Ahaus wird dieser Tag in würdiger Weise begangen werden. In jeder Ortsgruppe und jedem Stützpunkt finden Festzüge statt. Im Mittelpunkt steht der Gemeinschaftsempfang des Staatsaktes auf dem Bückeberg bei Hameln und die Rede des Führers. Die Bevölkerung des Kreises Ahaus wird gebeten, durch Ausschmückung der Tore und Häuser mit frischem Grün und Fahnen, sowie durch Anbringung von Erntekränzen und Girlanden die Volksverbundenheit mit dem deutschen Bauern zum Ausdruck zu bringen. Heil Hitler! NSDAP. Kreisleitung Ahaus: gez. Köster, gez.: Wolfering, Kreispropagandaleiter. Kreisbauernführer. muß jeder Betrieb und jeder Arbeitgeber von der Anordnung über die Verteilung der Arbeitskräfte wissen? (Anordnung des Herrn Präsidenten der Reichsanstalt vom 28. 8. 1934 R. G. Bl.) (Schluß.) 7. Einstellung älterer Arbeitskräfte. Die Freimachung von Arbeitsplätzen erfolgt lediglich zum Zwecke der Einstellung älterer Arbeitskräfte (über 25 Jahren). Eine Verminderung der Gefolgschaft darf auf diesem Wege also nicht eintreten. Die zur Besetzung der freigewordenen Arbeitsplätze benötigten Arbeitskräfte sind sofort beim zuständigen Arbeitsamt anzufordern. Einzustellen sind arbeitslose ältere Arbeiter und Angestellte, in der Regel Familienväter, insbesondere kinderreiche.(Mütter, die Ernährer ihrer Kinder sind, stehen dem gleich). Langfristig arbeitslose Unterstützungsempfänger sind dabei besonders zu berücksichtigen. Die Zuweisung dieser Arbeitskräfte erfolgt durch das Arbeitsamt, die Auswahl und damit die Entscheidung über die Einstellung steht dem Betrieb zu. Namentliche Anforderungen des Betriebes sind in diesem Rahmen moglich, doch muß auch hier bei der Einstellung die Zustimmung des Arbeitsamtes vorliegen. Eine unmittelbare Einstellung durch den Betrieb kommt nur dann infrage, wenn das Arbeitsamt die benötigten Kräfte nicht vermitteln lann, auch in diesem Falle ist dem Arbeitsamt gegenüber klarzustellen, daß die Eingestellten die genannten Voraussetzungen erfüllen(§ 8). 8. Die besondere Förderung älterer Angestellter. Da der Arbeitsbeschaffung für ältere Angestellte besondere Schwierigkeiten entgegenstehen, können Betriebe, die anstelle ausscheidender jugendlicher Angestellter arbeitslose, fachlich vorgebildete, männliche Angestellte über 40 Jahre einstellen, die in den letzten 3 Jahren länger als 2 Jahre öffentlich unterstützt wurden, auf Antrag Zuschüsse vom Arbeitsamt erhalten. Dieser „Leistungsausgleich“ beträgt im Monat höchstens 50,— RM. Er erhöht sich um 5.— RM. für jedes unter 16 Jahre alte Kind. Der Zuschuß wird 6 Monate gewährt. Er kommt nicht in Betracht bei namentlichen Anforderungen der Betriebe, bei öffentlichen Verwaltungen und bei Saisonbetrieben(§ 16). 9. Die künftige Einstellung von jugendlichen Arbeitskräften unter 25 Jahren. Abgesehen von der bisher geschilderten Ueberprüfung der vorhandenen Belegschaften und des darauf hin vorzunehmenden Austausches, dürfen ab 1. Oktober 1934 ganz allgemein männliche und weibliche Arbeiter und Angestellte unter 25 Jahren nur noch mit vorheriger Zustimmung des Arbeitsamtes eingestellt werden. Eine Ausnahme bilden lediglich Lehrlinge mit mindestens 2jährigem Lehrvertrag. Soll ein Arbeitsplatz mit einem Jugendlichen besetzt werden, so ist ein entsprechender Antrag vom Führer des Betriebes an das zuständige ArHeck Erhebender Abschluß der großen Volksmission Am Sonntag fand hier der feierliche Abschluß der großen, 14tägigen Volksmission statt. Man hatte die religiösen Tage mit der Kreuzerhöhungswoche, die hier alljährlich im September zu Ehren des wundertätigen Kreuzes von Heek gehalten wird, zusammengelegt. So stand auch in diesen Tagen das hl. Kreuz im Mittelpunkte der hl. Mission. Seit fast 40= Jahren hat die Pfarrgemeinde nicht mehr so große Tage erlebt; fand doch die letzte Mission im Jahre 1896 statt. Die jetzige Mission wurde abgehalten von den drei Redemptoristenpatres Brauer, Hipper und Schummp. Täglich fanden vier Predigten statt. Das Gotteshaus konnte jeweils die vielen Gläubigen kaum fassen, die zu den heiligen Uebungen herbei eilten. In den 14 Tagen dürften rund 40 000 Kirchenbesuche stattgefunden haben. Die erbauenden Predigten der Patres waren manchem Wegweiser und Triebkraft fürs kommende Leben. Erhebend gestalteten sich die Generalkommunionen der einzelnen beitsamt zu richten. Außer der Angabe, wieviel Arbeiter und Angestellte über und unter 25 Jahren im Zeitpunkt der Antragsstellung im Betriebe tätig sind, muß dieser Antrag die Erklärung enthalten, daß nach pflichtgemäßer Prüfung die Einstellung eines Jugendlichen notwendig erscheint. Glaubt das Arbeitsamt, seine Zustimmung versagen zu müssen, entscheidet der Präsident des Landesarbeitsamtes(auch hier ist die Beschwerdemöglichkeit gegeben, s. Ziffer 4). Stimmt das Arbeitsamt zu, kann es diese Zustimmung an die Bedingung knüpfen, einzelne der in Ziffer 6 genannten Personen unter 25 Jahren dabei zu bevorzugen. Die Vermittlung erfolgt auch hier durch das Arbeitsamt, wobei dem Betriebsführer wieder die Auswahl und damit die Entscheidung über die Einstellung verbleibt(§§ 9-15). 10. Zusammenarbeit zwischen Betrieb und Arbeitsamt im Rahmen der Anordnung. Da hinsichtlich der Zusammensetzung der Belegschaft Betrieb und Arbeitsamt künftig noch enger als bisher zusammenzuarbeiten haben, werden abschließend die einzelnen Punkte, in denen eine Zusammenarbeit unerläßlich ist, nochmals zusammengefaßt. a) Der Betrieb legt dem Arbeitsamt das Prüfungsergebnis über die altersmäßige Zusammensetzung der Belegschaft vor. b) Betrieb und Arbeitsamt klären in gemeinsamer Beratung die Beurteilung dieser Feststellung, sofern verschiedene Ansichten über den Umfang der Austauschmöglichkeit bestehen. Der Betrieb setzt sich rechtzeitig mit dem Arbeitsamt in Verbindung, um die anderweitige Arbeitsbeschaffung für die für den Austausch vorgesehenen Jugendlichen durch das Arbeitsamt sicherzustellen. c) Der Betrieb fordert zur Besetzung der durch den Austausch freigewordenen Arbeitsplätze die benötigten älteren Arbeitskräfte vom Arbeitsamt an. Das Arbeitsamt weist diese nach den in der Anordnung vorgeschriebenen Gesichtspunkten zu. Der Betriebsführer wählt aus und stellt in eigener Verantwortung ein, d) Hält es der Führer eines Betriebes künftig für nötig, Arbeitsplätze mit Jugendlichen unter 25 Jahren zu besetzen, so bedarf er hierzu der Zustimmung des Arbeitsamtes: auch hier erfolgt die Vermittlung durch das Arbeitsamt, Auswahl und Einstellung durch den Betriebsführer. e) Stellt der Betrieb im Austausch für einen Jugendlichen einen älteren Angestellten über 40 Jahren ein, kann er beim Arbeitsamt den vorgesehenen Leistungsausgleich beantragen. f) Die notwendigen Antragsformulare können durch den örtlichen Buchhandel bezogen werden. Vereine. Doch wurden alle diese Kundgebungen von der großen Schlußfeier am vergangenen Sonntag übertroffen. Dieser Feier voraus ging die Kreuzprozession, bei der das wundertätige Kreuz durch die Straßen des Ortes getragen wurde, die fleißige Hände zu Ehren des Christuskönig geschmückt hatten. Wohl nie zuvor hatte in Heek eine Prozession eine derartige Beteiligung aufzuweisen. Mit den vielen, die von auswärts herbeigeeilt waren mögen es an die 3000 Menschen gewesen sein, die sich an diesem Triumphzug des heiligen Kreuzes beteiligten. Im Anschluß hieran fand auf dem Kirchplatz unter den wuchtigen Kronen der uralten Linden und Kastanien, die schon oft Zeugen großer Glaubenskundgebungen waren, die Schlußfeier statt. Pater Brauer hielt die Schlußansprache, in der er die Menge aufforderte, in heutiger Zeit besonders treu zur hl. Kirche zu stehen und in aller Oeffentlichkeit ihren Glauben freudig zu bekennen. Zum Schluß dankte der Pater dem Allerhöchsten für die gnadenvollen Tage, die er der Pfarrgemeinde Heek verliehen habe. Dann galt sein Dank allen, die zum schönen Verlauf der heiligen Mission beigetragen haben. Die markigen Worte hinterließen bei den versammelten Gläubigen einen tiefen Eindruck. Ergreifend spielte dann die Musikkapelle das Lied„Fest soll mein TaufDie Straße ist kein Spielplatz! bund immer stehn!“, in das die Menge begeistert miteinstimmte. Und dann hoben die dreitausend ihre Hand empor, um dem Christuskönig ewige Treue zu schwören. Hierauf brachte der gemischte Cäcilienchor stimmungsvoll das Lied„Dem Kreuz soll unser Jubel schallen" zu Gehör. Mit der Erteilung des päpstlichen Segens hatte die große Volksmission ihren Abschluß gefunden. Zwei junge Mädchen vom Heuboden in die Tiefe gestürzt! Wie wir erst jetzt erfahren, ereignete sich in der Bauerschaft Wext bei Nienborg am vergangenen Freitog ein tragischer Unglücksfall. Der Bauer Schlichtmann war mit dem Abdreschen von Roggen beschäftigt. Als nach getaner Arbeit zwei junge Mädchen, Frl. Kauling aus Nienborg und Frl. Kallenbeck aus der Bauerschaft Kallenbeck, den Heuboden verlassen wollten, löste sich unter ihren Füßen plötzlich ein Teil des Bodenbelags und riß beide mit sich in die Tiefe. Die jungen Mädchen wurden mit schweren inneren Verletzungen dem Elternhause überführt. Während in dem Befinden von Frl. Kallenbeck eine Besserung eingetreten ist, liegt Frl. Kauling in hoffnungslosem Zustande darnieder. Sie wurde inzwischen mit den Sterbesakramenten versehen und zum Gronauer kath. Krankenhause überführt. Der Fall ist um so trauriger, als Frl. Kauling unmittelbar vor der Heirat stand. Den schwergeprüften Angehörigen bringt man allseitige Teilnahme entgegen. Briefkasten Militärpaß. Wenn Sie ihren alten Militärpaß verloren haben, wenden Sie sich mit einem Antrag, in dem die nötigen Angaben gemacht werden, an die MilitärAbwicklungsstelle in Spandau. Spiel und Sport Ballspielverein Westfalia Ahlen— FC Gronau 09 4:2(3:0) Was will es heißen, wenn eine Mannschaft spielerisch überlegen ist, jedoch taktisch falsch spielt. Das mußten die Gronauer gestern in Ahlen erfahren. Zuerst spielten sie gegen den recht starken Wind und gegen die Sonne. In diesem Falle durfte die Gronauer Hintermannschaft einschl. Läuferreihe nicht zu weit aufrücken, vielmehr wäre es wichtiger gewesen, wenn die Gronauer Halbstürmer sich mehr auf die Abwehr gestellt hätten, da die Westfalen mit Wind und Sonne unterstützt gefährlich durchkamen. Bereits in d. 6. Minute hieß durch Selbsttor 1:0 für Ahlen. Eine unglückliche Abwehr des linken Gronauer Läufers, der Ball prallt von seinem Fuß, unhaltbar für den Gronauer Torhüter. Bis zur Pause erzielen die Westfalen 2 weitere Tore. Nach dem Wiederanstoß legen die Gronauer nunmehr mit dem Wind im Rücken mächtig los. Bereits nach 2 Minuten war das 1. Tor aufgeholt. Durch eine alsche Abwehr des sonst guten linken Verteidiger zieht einen Ball von der Außenlinie vor das eigene ungedeckte Tor und schon war das 4. Gegentor fällig. Durch dieses Tor wurden die Gronauer sehr nervös. Wohl erzielte der linke Verteidiger, der seinen Platz mit dem Halblinken tauschte, durch wunderbaren Kopfball das 2. Tor. Anstatt nun mit Ueberlegung den Ball zu den Außentürmern zu spielen, suchten es die Nullneuner durch Kombination. Die Ahlener hatten inzwischen ihre ganze Mannschaft zurückgezogen. Durch Kombination konnte deshalb nichts erreicht werden. Weshalb beschäftigte der Mittelläufer nun nicht mehr die Außenstürmer, nur durch hohe Flanken und Schießen, immer wieder Schiezen konnten Tore fallen. Oder lag es daran, daß die Gronauer Außenstürmer nicht„außen" sondern in der Mitte stürmten und kombinierten. Zwei kostbare Punkte sind in Ahlen geblieben. Hofentlich hat die F. C. aus diesem Spiel die nötigen Lehren gezogen. Nicht allein durch Technik kann man ein Spiel gewinnen, sondern man muß vor allen Dingen auch taktisch richtig spielen. V. f. L. Epe— Preußen Borghorst. Am vergangenen Sonntag standen sich auf dem Sportplatz Schillerstraße die beiden Schlußkandidaten Preußen Borghorst und der Verein für Leibesübungen gegenüber. Von Anfang entwickelt sich ein flottes Spiel. Bedauerlicherweise erleidet bereits nach kurzer Spielzeit der jüngste Spieler des Gastgeber einen Beinbruch und muß zum Krankenhaus gebracht werden. Mit zehn Mann verteidigt sich nunmehr VfL. Epe gegen die immer stärker aufkommenden Gäste, die bereits das Führungstor erzielt haben. In der zweiten Hälfte gelingt es schließlich nach hartem Ringen, wobei unzählige Chancen ausgelassen wurden, den Ausgleichtreffer anzubringen. In dem Kampf um den Sieg werden beiderseitige Angriffe torlos abgewehrt. Bemerkt sei noch, daß in der zweiten Hälfte ein Borghorster Spieler das Spielfeld wegen mangelhafter Disziplin verlassen mußte. Somit konnten beide Mannschaften nach gleichen Leistungen je einen Punkt mitnehmen und brachten es so fertig, daß nunmehr Concordia Gronau das Tabellenende ziert Hauptschriftleiter und verantwortlich für Politik: Dr. Georg Heider, Münster i. W., Stellvertreter des Hauptschriftleiters und verantwortlich für Münster und das Münsterland: Fritz Rediger, Münster i. W.; für Westdeutschland: Otto Heinz Tebbe; für Feuilleton: Peter Schlauß; für Handel und Sport: Dr. Anton Henkel, sämtlich in Dortmund; Berliner Redaktion: Dr. Ernst Häfner, Berlin=Lichterfelde; für den Zeno=Anzeigenteil: Verlagsleiter Dr. Erich Altmeppen, Münster i. W. Verantwortl. Schriftleitung für den lokalen Teil: Fritz Schlotjunker, Ahaus, für den lokalen Anzeigenteil: Bernhard Schütte, Ahaus. Durchschnittsauflage: VIII. 1934: Zeno=Zeitung insgesamt 40 279, enthaltend: Ahlener Volkszeitung, Nachrichtenblatt für die Kreise Beckum und Lüdinghausen, Ahlen, 2810;— Allgemeine Zeitung für die Kreise Coesfeld und Ahaus(Billerbecker Zeitung, Gescherer Zeitung, Vredener Anzeiger, Stadtlohner Volksblatt), Coesfeld, 5174;— Borkener Zeitung, Borken, 3095;— Bürgerblatt für den Niederrhein und Reeser Tageblatt, Emmerich, 1809;— Dülmener Zeitung, Amtliches Kreisblatt für den Kreis Coesfeld, Dülmen, 1753;— Haltener Zeitung, Haltern, 1678;— Kreiszeitung für den Kreis Ahaus(Gronauer Volkszeitung, Eper Volksblatt), Ahaus, 3060;— Münsterländische Volkszeitung(Rheiner Volksblatt), Rheine, 3879;— Emsländische Tageszeitung(Lingener Tageszeitung, Papenburg=Aschendorfer Zeitung), Rheine, 1554;— Neuer Emsbote für Kreis Warendorf und Amt Telgte(Warendorfer Kreisblatt), Warendorf, 2475;— Tageblatt für den Kreis Steinfurt(Ochtruper Anzeiger, Wettringer Anzeiger, Metelener Zeitung, Neuenkirchener Zeitung), Ochtrup, 1630;— Volksblatt für Bocholt und den Kreis Borken, Bocholt, 6082;— Volksblatt für Wesel und den Kreis Rees, Bocholt, 949;— Volkszeitung und Nachrichten für Emsdetten, Burgsteinfurt, Nordwalde, Borghorst, Greven, Emsdeiten, 2330;— Volkszeitung für Dorsten und Herrlichkeit. Dorsten. 2001. Weitere lokale Nachrichten auf einer anderen Seite. Gronauer Gronau, den 26. September 1934. Verbeabend des Reichsluftschutzbundes, Ortsgruppe Gronau Zu der Kundgebung des Reichsluftschutzbundes, Ortsgruppe Gronau, am Montag abend in der Tonhalle waren etwa 120 Personen erschienen, davon wohl die Hälfte Frauen. Ein Zeichen, daß man auch in der Frauenwelt für die Maßnahmen des zivilen Luftschutzes Interesse aufbringt. Der Führer der Ortsgruppe des R. L. B., Fabrikant Mathieu van Delden, erteilte nach einleitenden Worten dem Redner des Abends, Oberleutnant a. D. Glasewald=Münster das Wort. Der Genannte gehörte im Weltkriege als Bombenflieger an der Westfront der Geschwaderstaffel Hermann Köhl an. Die Wiedergabe von Erlebnissen und Erfahrungen, die Oberleutnant Glasewald als aktiver Kriegsflieger sammelte, gaben dem interessanten und lehrreichen Vortrage naturgemäß eine besondere Note. Im hauptsächlichen verbreitete sich Redner über die Gefahren des Luftkrieges und die Abwehr= und Schutzmaßnahmen, die im Ernstfalle, der sicherlich nicht herbeigewünscht wird, ergriffen werden müssen. Wenn es einst die völkermordenden Seuchen waren, die als die Geißel der Menschheit Jahrhunderten ihr grauenvolles Gepräge gaben, so ist die Pest unseres Jahrhunderts die Luftwaffe. Auch sie bedroht unterschiedslos jeden einzelnen und das ganze Volk. Aber auch sie kann von den bedrohten durch geeignete Selbstschutzmaßnahmen bekämpft und ihre Wirkung gemindert werden. Aus den 1½stündigen Darlegungen des Redners leuchtete der wichtige Grundsatz durch, daß erfolgversprechende Wirkung aller Luftschutzmaßnahmen im Ernstfall nur erwartet werden kann, wenn bereits in Friedenszeiten die erforderlichen Vorarbeiten allseitig peinlichst getroffen und durch Uebungen einer Prüfung unterworfen werden, und wenn die leitende und aufklärende Arbeit der Behörden und die Mitarbeit privater Organisationen durch verständnisvolle" Betätigung der Gesamtbevölkerung unterbaut und gefördert wird. Die großen Gebiete der Selbsthilfe in den allgemeinen Luftschutzmaßnahmen: das Bauwesen, die Tarnung, der Brandschutz, der Gasschutz sowie das zweckmäßige Verhalten bei eintretender Fliegergefahr erfuhren durch den Vortragenden eine allgemein verständliche Behandlung.— Die verständnisvolle Mithilfe der gesamten Bevölkerung ist Voraussetzung für den Erfolg der Arbeiten des Luftschutzbundes. Deshalb wandte sich der Redner zum Schluß nachdrücklich an die Volksgenossen mit dem Ersuchen, die Arbeit des R.L.B. in jeder Weise zu fördern. Das mindeste, was man von jedem Deutschen verlangen kann, ist die Erwerbung der Mitgliedschaft, die an Mindestbeitrag im ganzen Jahre nur 1.— Mark kostet. Nach Beendigung des Vortrages wurden wiederum etliche Mitgliederaufnahmen getätigt. A Mütterberatung. Am Donnerstag, dem 27. 9. 34, findet in der alten Schillerschule, neben der Arbeitsamtsnebenstelle, von 15—16 Uhr die Mütterberatung tatt. Unsere Freiw. Feuerwehr. Anläßlich der Feuerschutzwoche lenkten wir unwillkürlich auch einmal unsere Gedanken auf die Männer, welche in selbstverständlicher Erfüllung edelster Menschenpflicht Jahr für Jahr ihre Kräfte, ja, oft ihr Leben für ihre Mitbürger einsetzen: die Freiwillige Feuerwehr. Sie ist da, und wir nehmen sie hin als eine Institution, die sein muß, bedenken aber zu wenig, was es heißt, Tag und Nacht bereit zu sein, um in Gefahr sofort einzugreifen und an den regelmäßigen Uebungen teilzunehmen, was doch die meisten dieser zum größten Teil nicht mehr ganz jugendlichen Männer, die ohnehin als Handwerker, Kaufleute oder Beamte einen schweren Beruf auszuüben haben, eine große körperliche Anstrengung bedeutet. Selbstlos und treu stellen sie sich in den Dienst der Menschheit, ohne irgendwelchen Wert auf Dank oder Anerkennung zu legen, oft genug ein Gegenstand gutmütigen Spottes. Wer aber tiefer schürft, der gelangt zur Quelle der wahren Nächstenliebe. „Hoch klingt das Lied vom braven Mann“! Concordia=Handballer steigen zur Bezirksklasse auf. Spielvereinigung Concordia, Handballer, die in der Tabelle mit großem Vorsprung an erster Stelle lagen (Torverhältnis 95:26), aber in den Ausscheidungsspielen vom Pech verfolgt waren, sind nun doch auf Grund ihrer Leistungen zur Bezirksklasse aufgestiegen. Schon am kommenden Sonntag werden sie im Meisterschaftskampf stehen. Der Gegner ist Turnverein 1865 Münster. Wir werden also hier am Ort künftig genau wie im Fußball 2 Vereine in der Handball=Bezirksklasse haben. Wir hoffen, daß der Neuling, Sportvereinigung Concordia, seine Farben in der höheren Klasse gut vertritt. (!) Der Radfahrweg zur Glauerbrücke ist infolge der ganz ungewöhnlichen Trockenheit in diesem Sommer noch nicht so wie wie er werden soll. Der Weg besteht aus einer wassergebundenen Decke, bei der die Bindung der Oberfläche durch Wasser und Sand erzielt wird. Wenn infolge des Fehlens jeglicher Niederschläge so sagt das Bauamt, das Wasser der Decke entzogen wird, kommt die Bindung nicht zustande oder löst sich wieder auf, auch wenn der Weg oft mit Wasser besprengt wird. Dann liegen lose Steinchen obenauf, die stören. Der Zustand des Weges kann nicht durch Beseitigung dieser Steine verbessert werden, weil dann ein Teil der neuen Decke beseitigt, würde, sondern nur durch Wasser. Wenn eine gründliche Durchfeuchtung der Decke stattgefunden hat, wird sie nachgewalzt werden. Der Radfahrweg wird nach einiger Zeit, wenn das Setzen des angefüllten Bodens zur Ruhe gekommen ist, mit Teer oder Asphalt überspritzt und mit Teersand abgedeckt. Dann wird sich eine völlig geschlossene Decke, die allen Ansprüchen genügt, ergeben. Eyer Lokal Rückblick auf die Wie im ganzen Reiche, so fand auch in der vergangenen Woche in Epe die Feuerschutzwoche statt, an der die hiesige Bevölkerung lebhaften Anteil nahm. Eingeleitet wurde diese mit einem Propagandamarsch durch den ganzen Ort, an dem auch die hiesige Sanitätskolonne teilnahm. Am Gerätehaus an der Wilhelmstraße fand eine sinnreiche Heldengedenkfeier bei der dort angebrachten Ehrentafel statt.— Am Mittwoch begannen in sämtlichen Schulklassen die großzügigen Alarmübungen, an denen sich bereits die Schulgeneration praktisch beteiligte. Bei allen Klassen verliefen die Alarmübungen tadellos, waren doch sämtliche Schulzimmer innerhalb von 2 Minuten restlos geräumt. Donnerstag mittag wurden alsdann die große Entrumpelungsattion vorgenommen, die Bewohner besucht und auf die dabei vorgefundenen Mängel und Beanstandungen aufmerksam gemacht. U.a. war auch eine Abteilung in den einzelnen Bauerschaften tätig. Hier wurde zur Sicherung der Bauernhöfe neben anderem großer Wert auf die sog. Feuerlöschteiche gelegt, von deren Notwendigkeit die Bauern unterrichtet wurden. Ein positives Ergebnis ist in der Hinsicht schon jetzt zu verzeichnen, daß sie bei ihrer Aktion bei den Bauern volles Verständnis fanden und sofort sich bereits 20 Bauern bereit fanden, unverzüglich Feuerlöschteiche anzulegen, zahlreiche andere werden noch folgen. Der Freitag blieb der Hauptübung vorbehalten. Gegen 7 Uhr abends ertönten die beiden Brandsirenen. In der Bäckerei und Gastwirtschaft Leefken auf der Gronauer Str. war ein„Brand“ ausgebrochen. In kürzester Zeit war die Feuerwehr zur Stelle, die von der Sanitätskolonne unterstützt wurde: Während sich erstere pflichtgemäß auf die Bekämpfung des„Brandes“ konzentrierte, sorgten die Sanitäter für die Bergung und den Abtransport der„Verletzten“. Besonders erwähnt sei hierbei die erstmalige Verwendung von Gasschutzmasken, die erhöhte Anforderungen an die Sanitäter stellten. Die gesamte Aktion wurde vom Oberbrandmeister Flucht geleitet. U. a. wohnte der Großübung auch der stellvertr. Bürgermeister, Sparkassenrendant Thörner, bei. In dem anschließenden Gemeinschaftsabend konnte nach der Begrüßung durch den Oberbrandmeister der Bürgermeister sich sehr wohlwollend über die geleistete Arbeit der Freiw. Feuerwehr und Sanitätskolonne aussprechen. Er versprach beiden Organisationen seine vollste und wärmste Unterstützung. Der Führer der Sanitätskolonne Noll, hob besonders hervor, daß auch für die Zukunft die Arbeitsgemeinschaft zwischen der Freiw. Feuerwehr und der Sanitätskolonne zum Wohle der Gesamtheit reiche Früchte tragen möge.— Der weitere Abend verlief in echter Harmonie und Kameradschaftlichkeit. Den Abschluß der Feuerschutzwoche bildete der Sonntag durch einen gemeinsamen Kirchgang beider Organisationen. Nach dem Hochamt fand anschließend ein Platzkonzert vor der Gastwirtschaft Flucht statt. Während des Konzertes wurden restlos die Broschüren bezüglich der Feuerschutzwoche(Brandschadenverhütung) untergebracht. So hat die Feuerschutzwoche gezeigt, daß bereits ein wichtiger Schritt gemacht worden ist, um alle Volksgenossen anzuspornen, mitzuhelfen an der Brandschadenverhütung. X Großer Erfolg der Schießgruppe des Kriegervereins Epe. Die Schießgruppe des Kriegervereins Epe errang auf dem Kreiskriegerverbandsschießen in Ahaus am vergangenen Sonntag in der zweiten Schießklasse die höchste Ringzahl von 512 Ringen. Damit steht die Schießgruppe Epe an erster Stelle vor dem gefährlichsten Konkurrenten Vreden, der sich mit 16 Ringen weniger begnügen mußte und den zweiten Platz belegte. Die einzelnen Schützen der siegreichen Mannschaft schossen wie folgt: Fischbach 141 Ringe, Christoph Jäger 134 Ringe, Heinrich Meyer 121 Ringe und Kramer 116 Ringe= 512 Ringe. Bemerkenswert ist dabei noch die Tatsache, daß im Vorjahre von fünf Schützen 505 Ringe erzielt wurden, während jetzt bei vier Schützen noch sieben Ringe mehr erreicht werden konnten. Mithin eine gute Steigerung der Leistungen. )(Sternschießen im Bürgerschützenverein. Am Sonntagnachmittag fand unter außerordentlich starker Beteiligung der Mitglieder, besonders der Altschützen ein sehr umstrittenes Sternschießen des Bürgerschützenvereins statt, wobei über 600 Schuß abgegeben wurden. Von großer Wichtigkeit ist natürlich, daß sich bei dem demnächst stattfindenden Schießen des Bürgerschützenvereins ebenfalls alle Schützen beteiligen mögen. Die besten am Sonntag erzielten Ergebnisse wurden besonders gewertet. Folgende erste Schützen konnten erfolgreich den Kampf beenden: H. Vöcking 18, G. Gerwing 15, B. Gerwens 12, Bakenecker, H. Meyer, Th. Vinahl, A. van Almsick, Anton Meiners., Th. Kemper, B. van Almsick und H. Kramer alle 9 Punkte. Nach dem Sternschießen fand im Lokal Bakenecker die Ehrung der Sieger statt, die vom Vereinsführer Noll vorgenommen wurde. In althergebrachter traditioneller Weise fand hier beim Senior=König B. Bakenecker in der Schützenfamilie das Sternschießen seinen Abschluß. n Vereinsanzeiger (Nur für Mitteilungen an die Mitglieder Preis pro Millimeter Höhe 5 Pfennig.) Gronauer Männer=Gesangverein. Heute, Mittwoch abend punkt 8 Uhr nochmals Probe im Vereinslokal. plan Borgard, der zunächst auf Sinn und Zweck dieses Familienabends einging und dann auch alle ermahnte, in jetziger schwerer Zeit, der deutschen Kolpingsfamilie die alte Treue zu bewahren. Nachdem der Präses alle Besucher in das Abendprogramm eingeführt hatte, begann die Vorführung mit einer heiteren Serie, es folgte dann ein religiöser Film vom hl. Land, ein Bergfilm aus den Dolomiten und am Schlusse ein an Heiterkeit und Komik kaum zu überbietender Film„Afriko lacht“. In den Zwischenpausen füllten Gesang und Musik den Abend recht unterhaltend aus. Alles in allem eine recht wohlgelungene Veranstaltung. Hoffentlich erfreut uns der Verein recht bald wieder mit einer ähnlichen Veranstaltung. Rektor i. R. Heinr. Wasmuth F. Der in unserer Gemeinde etwa 22 Jahre tätig gewesene früherer Rektor Heinrich Wasmuth ist, nachdem er kurze Zeit krank war, plötzlich im Alter von nahezu 63 Jahren in Münster, wo er im Ruhestand lebte, am Montag früh aus diesem Leben geschieden. Der Dahingeschiedene kam 1911 nach Epe an die kath. Knabenschule; hier war er lange Jahre Hauptlehrer u. wurde 1919 Rektor. In dieser Zeit hat er für Schule und Volk segensreiche Arbeit geleistet. Alle, die ihm kannten, werden sich noch der Zeit seines Wirkens hier in Epe erinnern. Seinen ehemaligen Schülern, die ihm als Rektor anvertraut waren, hat er die Ausbildung fürs spätere Leben gegeben und alle werden ihm mit dankbarem Empfinden ein treues Andenken bewahren. Seit dem 1. Oktober 1932 weilte er mit seiner Familie in Münster und lebte hier in dem verdienten Ruhestand. Die ganze Gemeinde Epe wird ihren langjährigen Rektor nicht vergessen. R. i. p. Bei Verdun gefallen und jetzt gefunden Schicksal eines Eper Soldaten, Aus dem Geflügelzuchtverein. Eine gut besuchte Monatsversammlung hielt der hiesige Geflügelzuchtverein im Lokale Welmes ab. Der Vereinsführer begrüßte die erschienenen Mitglieder. Der Schriftführer verteilte die ihm zugegangenen Programme und Anmeldebogen für die 1. Deutsche Junggeflügelschau in Hannover. Der Vereinsführer stellte den über gutes Tiermaterial verfügenden Mitgliedern die Beschickung dieser Schau wärmstens anheim.— Auf Anregung des Vereinsführers wurde beschlossen, für unsern Verein die neuen, von d. Sachschaft 2(Rassegeflügelzucht) herausgegebenen Musterbeschreibungen des Großgeflügels, der Hühner und Zwerghühner zu bestellen.— Hierauf wurde nochmals eingehend über unsere für den 30. Dezember 1934 geplante Lokalschau gesprochen. Die Preisrichter= und Lokalfrage ist bereits durch die Zk. Buschmann und Töns erledigt. Um sämtlichen Mitgliedern eine reichliche Ausstellung zu ermöglichen, wurde das Standgeld so niedrig als eben möglich festgesetzt. Für Fütterung seiner Tiere hat jeder Aussteller selbst zu sorgen.— Zum Schluß der Versammlung wurde die Verlegung unserer Gaugeflügel=Schau von Hamm nach Münster bekannt gegeben. Die Verlegung nach Münster wirkt sich für unsern Verein sehr vorteilhaft aus. Die anwesenden Mitglieder erklärten sich schon jetzt bereit, die Gauschau zahlreich zu beschicken und auch selbst zu besuchen.— Eine rege züchterische Aussprache hielt die Züchtergemeinede noch eine Weile in gemütlicher Runde zusammen. An die unserm Verein noch fernstehenden Züchter richten wir die Bitte, Mitglieder unseres Vereins zu werden. Das Interesse und die Freude an der Zucht wird bei ihnen dadurch verdoppelt werden. Filmabend im Eper Kolping. Am letzten Sonntag wurde den Mitgliedern von Alt= und Jungkolping und deren Angehörigen einen Filmabend geboten, der verhältnismäßig stark besucht war. Für das sonst übliche Sommerfest, das aus besonderen Gründen ausfiel, wurde allen hiermit eine Veranstaltung geboten, die vollen Ersatz und eine Neuerung im Vereinsleben schaffte. Gegen 8.30 Uhr begann die Veranstaltung mit dem Kolpingslied und einer kurzen Bearüßungsansprache des Vereinspräses KaBei den Aufräumungsarbeiten bei Verdun (Frankreich) fand man Hans Rettia der in Epe im Hause des Gandarmerie=Wachtmeisters Robert Preiß, Gronauer Straße, seine Jugend verbrachte und dort als Pflegesohn angenommen war;(er war gebürtig aus Greven). Eine schwere Zeit klingt an und wird in die Erinnerung zurückgerufen durch die folgende, uns zugesandte Beschreibung des Falles: Am 1. August 1916 fand der Unteroffizier Johann Rettig, gebürtig aus Greven a. d. Ems, bis Kriegsausbruch wohnhaft in Epe in Westfalen, beim Sturm auf das heißumkämpfte Fort Vaux bei Verdun den Heldentod. Ein Granatvolltreffer setzte damals seinem jungen Leben ein Ziel, und die Angehörigen erhielten kein weiteres Erinnerungsstück von ihm als nur die erschütternde Todesnachricht von der 6. Komp. Inf.=Reg. 158. Nunmehr nach 18 Jahren fand man die Leiche des Eper Helden mit den Ausweispapieren. Vor einigen Tagen erhielt die Familie Rettig in Greven folgender Brief von der Polizeibehörde zugestellt: P. P. Bei Grabungen in der Nähe von Verdun(Fort de Vaux) fand ich mit meinem Kameraden die Ueberresteines Soldaten des Weltkrieges. Mit Mühe konnte ich seinen Namen ermitteln, da er seine Ausweispapiere bei sich hatte.— Ich hoffe, daß dieser Brief etwaige Familienangehörigen antrifft, und kann noch weitere Einzelheiten mitteilen. Bin ein Deutscher aus Greling=Markt bei München und habe also sofort geschrieben, um evtl. von meinem Landeskameraden Angehörige zu finden. Das Aluminiumplättlein(bayrischer Ausdruck für Erkennungsmarke. D. Redaktion) des Toten hat folgende Adresse: Joh. Rettig, Epe bei Gronau 17. 7. 1891. Ersatz=Batl. R. I. R. 13, 1. Komp Nr. 1168 J. R. 158, 6. K. 1074. Ich bin verpflichtet, alles den Behörden in Verdun mitzuteilen und werde auch Nachforschungen anstellen. Um Rückantwort bittet Hochachtungsvoll Heinrich Helmbrecht, etag. bei Monsieur David Latrickoff. 15. Avenue=Mihiel Verdun(Meuse).“ Man kann sich vorstellen, daß es die Angehörigen mit Genugtuung erfüllt, jetzt zu wissen, wo ihr Sohn zur letzten Ruhe gebettet ist; sie haben sich bereits mit dem freundlichen Schreiber der Zielen in Verbindung gesetzt.— Der in Greven mit einiger Verzögerung angekommene Brief war zuerst nach Epe gegangen, da, wie oben gesagt, Hans Rettig in Epe jahrelang gewohnt hat und von hier aus zum Heeresdienst eingezogen wurde. Gronauer Männer-Gesangverein Ab Mittwoch, 26. Sept. bis Montag, 1. Okt. täglich abends 8.15 Uhr im Apollo-Theater Gronau 1. Mahnung(Deutschland muß beste'hn) H. Heinrichs 2. Im Feldquartier.... K. Ramroth 3. Reiters Morgengesang.. Hannemann Anschließend Aufführung des Großfilms 99 Stoßtrupp 1917“ Drucklachen erhalten Sie in moderner, wirkungsvoller Aushattung schnelllens u. zu ungemellenen Preilen angelertigt in der Buch- und Kunktdruckerel Gebr. Lenling, Verlagsanttalt GmbH. Zweigltellen in Ahaus und Gronau vom Kraftwagen gefunden. Verlierer kann sich auf dem Amt Legden melden. Die Polizeiverwalnung. Legden, den 25. Sept. 1934. Westfalens Heilige und Selige Ein Blumenstrauß aus Gottes Garten von Anton M. Windolph 175 Seiten kart. nur 1.-RM. Enthält in erzählender, volkstümlicher Sprache die Lebensbilder von 27 westfälischen Heiligen. Feine Ausstattung mit zahlreichen Initialen, Kopfleisten, Schlußstücken. Gebr. Lensing Verlagsanstalt G.m.b.H. Und wieder ein Kübler Kleid Wer diese schönen Kleider kennt, die Annehmlichkeit der weichfallenden Spezialstoffe schätzen gelernt hat, kauft immer wieder Kübler. Die Auswahl in kleidsamen Formen für jede Figur und in sehr schönen Farben ist groß. Überzeugen Sie sich bitte davon. J.G. Beckering Ahaus Wars pee beste Auftraggeber bin ich! Wenn ich komme, müssen tausenderlei Sachen des täglichen Bedarfs bestellt werden, angefangen vom warmen Hausschuh, Unterzeug, Mantel bis zum Ofen. Jeder Geschäftsmann ist jetzt gerüstet. Aber wie steht's mit der Werbung? Da muß noch viel getan werden. Vor allem aber dürfen die Anzeigen in der Kreiszeitung für den Kreis Ahaus (Gronauer Volkszeitung, Eper Volksblatt) nicht fehlen! Sich jetzt bei tausenden in Erinnerung bringen bedingt eins: inserieren u. immer wieder inserieren! 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Der Versteigerungsvermerk ist am 30. Dezember 1931 in das Grundbuch eingetragen. Als Eigentümer war damals der Stellmacher Heinrich Timmer zu Asbeck eingetragen. Ahaus, den 20. September 1934. Das Amtsgericht Ab 1. Oktober wieder Koch= u Nähkurse im Canisiusstift Ahaus Abendkurse: Dienstags u. Donnerstags. Bei genügender Beteiligung auch Mittwochs ein Ganztagskursus. Näheres an der Pforte. &o Großf dass Umsta Revol legen! davon h wohl herrse verkel fürsti schlech Sache begre einig nerve auch lere schlos die 5 fürsti Sie reside Hinr erfol Dran der Lest die Kreiszeitung! rigen fürsti platt regu könn der stimt Grof bilde T auffé Wie der Bezwinger des Montblane endete. Zum J00. Todestag Jacques Balmats. Von unserem Pariser Korrespondenten. R. H. Paris, 25. September. Am heutigen Dienstag jährt sich zum 100. Male der Todestag des auf so tragische Weise verunglückten Montblanc=Bezwingers Jacques Balmat, dessen Name mit unauslöschlichen Lettern in der Geschichte des europäischen Alpinismus eingeschrieben ist. Am 8. August des Jahres 1786 stander als Erster auf dem höchsten Gipfel Europas, den vorher noch keines Menschen Fuß betreten hatte. Nach vielen, vergeblichen Versuchen war endlich der größte Wunsch seines Lebens erfüllt. Der Vierundzwanzigjährige stieß in dieser grenzenlosen Schnee=Einsamkeit einen jubelnden Siegesschrei aus, der in dem heulenden Sturm unterging. Tief unter ihm lagen die Riesen des Berner Oberlandes, die Bernina, der Piz Palü und ganz vorne der Monte Rosa und das kühne Matterhorn. Der unnahbare Berg, die weiße Kuppel war bezwungen. Von dem Tage an wurde Balmat von den Dorfbewohnern von Chamonix und den Fremden, die in großer Zahl aus allen Ländern in das einsame Tal kamen, der König des Montblanc genannt. Manchen Touristen führte Balmat nach der Erstersteigung auf den Gipfel. Die Expedition des Herrn von Sessure, die ebenfalls unter der Führung von Balmat stand, erregte damals über die Grenzen Frankreichs hinaus in ganz Europa großes Aufsehen. Jacques Balmat, der bisher sein Leben kümmerlich als Bauer fristete, ersparte sich im Laufe seiner langjährigen Führertätigkeit ein kleines Vermögen, das ihm ein ruhiges und sorgenloses Alter ermöglichte. Als er jedoch nach einigen Jahrzehnten wegen seines Alters den Führerberuf aufgeben mußte, dachte er nicht daran, auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Der Berg hielt ihn in seinem Bann. Immer wieder zog es ihn mit unwiderstehlicher Gewalt hinauf zu den Wänden und Graten, zu den Gletschern und Firnen. Immer wieder lockte die weiße Kuppel, auf der die Schneefahnen wehten und die Sonne so strahlend leuchtete. Eines Tages fand der greise Führer bei seinen Entdeckungsfahrten einige glitzernde Steine. Seine Vermutung, daß diese glitzernden, gelben Körner aus Gold sein könnten, bestätigte sich nach einer genauen Analyse. Und Balmat, der Sieger des Montblanc, der bisher das Geld verachtete, wurde vom Goldfieber gepackt. Mildernd ist vielleicht der Umstand, daß er von zwei betrügerischen Bankiers um seine sauer verdienten Ersparnisse gebracht worden ist. Er hoffte jetzt durch die Goldentdeckung mit einem Schlage wieder wohlhabend zu werden. Wochenlang trieb sich der Zweiundsiebzigjährige in den Bergen herum, bis er eines Morgens glaubte, oberhalb eines Gletscherbruches an einer Felswand eine Goldader entdeckt zu haben. Niemandem verriet er diese Stelle. Nur einen Gemsjäger, namens Pache, weihte er oberflächlich in das Geheimnis ein, da er wegen der gefährlichen, den Lawinen ausgesetzten Stelle nicht imstande war, allein mit der Ausbeutung fertig zu werden. Voll Mißtrauen und Furcht begleitete ihn der Jäger auf dieser gefährlichen Tour, von der Jacques Balmat niemals mehr wieder zurückkehren sollte. Pache warnte ihn vor dem zerklüfteten Gletscher, der überschritten werden mußte, ehe man an die Goldader gelangte, ein letztes Mal. Vergebliches Bemühen. Als einige Augenblicke später über die Felswand eine Lawine auf den Gletscher donnerte, weigerte sich Pache, weiter zu gehen. Auch jetzt ließ sich Balmat von seinem Vorhaben nicht abbringen. Was konnte ihm, der so viele Male den Montblanc bezwungen hatte, hier passieren? Allein überquerte er die Spalten und den Gletscherbruch. Eine riesige Randkluft trennte den Gletscher von dem Felsen. Vorsichtig versuchte er sie auf einer schmalen Schneebrücke zu überqueren. In diesem Augenblick stürzte über die Felswand eine riesige Eislawine dumpf krachend zu Tal. Von einem großen Eisblock am Kopf getroffen, schwankte Balmat, verlor zum Entsetzen des auf der anderen Seite des Gletschers wartenden Jägers das Gleichgewicht und verschwand in der unheimlich tiefen Randkluft, aus der grün und violett das Eis schillerte. Alle Nachforschungen nach der Leiche blieben erfolglos. Der Gletscher gab sein Opfer nicht her. Ein Sturm peitschte die steilen in der Sonne glitzernden Eishänge. Ja, der Berg hat sich an dem kleinen Menschlein, das so tollkühn war, ihn zu bezwingen, bitter gerächt. So endete Jacques Balmat, der König des Montblanc. Und unnahbarer und ferner denn je leuchtete die weiße Riesenkuppel. Der Direktor des in Belgrad erscheinenden russischen monarchistischen Blattes„Carski Vjestnik“, Nikola Rklicki, erklärte, es sei allen russischen Emigranten klar, daß es sich im vorliegenden Falle um eine glatte Hochstapelei handle. In Windsor, am Hofe des englischen Königs, lebe die Großfürstin Xenia Alexandrowna, die ältere Schwester des Zaren Nikolaus. Diese hat den schon wiederholt aufgetauchten verschiedenen„Zarentöchtern“(darunter auch eine Tatjana, die vor einigen Jahren in Berlin auftauchte) nie die geringste Bedeutung beigemessen, da sie fest überzeugt sei, daß die gesamte Zarenfamilie ums Leben gekommen ist. Die Großfürstin lasse derzeit in Brüssel eine dem„Andenken an den Märtyrer=Zaren Nikolaus II. und der gesamten ermordeten Zarenfamilie“ gewidmete Kirche erbauen, in der eine Marmorplatte mit den eingemeißelten Namen aller Mitglieder der Zarenfamilie, auch der Tatjana Nikolajewna, aufgestellt würde. Außerdem wird derzeit unter den russischen Emigranten eine Aktion betrieben, die darauf abzielt, die Seligsprechung aller Mitglieder der Zarenfamilie einschließlich Tatjana Nikolajewna durch die russisch-orthodoxe Kirche zu erreichen. Zur Durchführung dieses Planes sind bereits über 20 000 Unterschriften gesammelt worden. Diese Tatsache beweisen klar, wie sehr man in maßgebenden russischen Emigrantenkreisen davon übereugt ist, daß kein einziges Mitglied der engeren Zarenamilie mehr lebt. Betrogene Betrüger. Das gerichtliche Nachspiel eines Auffehen erregenden Bilderdiebstahls Persischer Kunsthändler als Anstifter Berlin, 25. Sept. Ein Aufsehen erregender Bilderdiebstahl in der Berliner Kunsthandlung M. Goldschmidt u. Co. im September vorigen Jahres findet heute vor der 16. Großen Strafkammer des Berliner Landgerichts sein Nachspiel. Wegen Diebstahls und fortgesetzter schwerer Urkundenfälschung hat sich der frühere Hausdiener dieser Kunsthandlung, der 40jährige Karl Manchen, zu verantworten. Manchen war zehn Jahre in der Kunsthandlung tätig und genoß das volle Vertrauen. Kurz vor seiner Tat lernte er den persischen Kunsthändler Nikaal Moussaogolu kennen, der ihn dazu anstiftete, 40 zum Teil sehr wertvolle Gemälde im Werte von insgesamt 70000 Reichsmark aus den Räumen der Kunsthandlung zu stehlen. Ein Schwager des Persers sollte die Beute in Paris verkaufen. Als Belohnung versprach der Anstifter dem Hausdiener eine gut bezahlte Stellung in einer Strumpffabrik in Konstantinopel. Manchen ließ sich überreden und bereitete die Tat planmäßig vor. Zunächst fälschte er eine Bescheinigung, daß er für Goldschmidt u. Co. geschäftlich nach Paris fahren müsse. Auf diese Weise erhielt er vom französischen Konsulat eine Einreisegenehmigung nach Frankreich. Auf die gleiche Weise verschaffte er sich auch eine Ausfuhrvalutaerklärung und einen Ausfuhrschein. Nachdem so alles genügend vorbereitet war, blieb Manchen am 16. September v. Is. nach Geschäftsschluß allein in den Räumen der Kunsthandlung zurück, schnitt fast alle Gemälde aus den Rahmen heraus, verpackte sie sorgfältig in zwei Bildertransportkisten und eignete sich noch eine goldene Herrenuhr mit Kette, Kleidungsstücke sowie 1000 Mark Bargeld an. Dann verließ er die Geschäftsräume. Um eine Entdeckung des Diebstahls möglichst lange hinauszuzögern, beschädigte der gerissene Gauner das Rollgitter, um so das Oeffnen der Geschäftsräume zu erschweren. Nun gab er die beiden Bilderkisten nach Paris auf und fuhr am selben Abend noch mit dem Luxuszug dorthin, während der Perser mit der Frau Manchen und dessen Kind nach Bukarest reiste. In Paris erwartete der Schwager des Persers den Dieb am Bahnhof und übernahm den weiteren Transport der gestohlenen Bilder über Mar seille nach Galata. Manchen selbst fuhr weiter nach Konstantinopel. Dem geschädigten Kunsthändler Goldschmidt gelang es, am 28. September die Bilderkisten an Bord eines Dampfers noch rechtzeitig von der Polizei beschlagnaymen zu lassen, nur ein Landschaftsbild von Slevogt fehlte. Manchen mußte bald feststellen, daß der Perser sein Versprechen, ihm eine Anstellung in Konstantinopel zu verschaffen, nicht gehalten hatte. Er war ohne Barmittel und wurde auf der Rückreise nach Deutschland am 7. März in einer Wiener Herberge ermittelt und festgenommen. Karl Manchen wurde nun wegen Diebstahls und fortgesetzter schwerer Urkundenfälschung zu insgesamt 1½ Jahren Gefängnis verurteilt. Aus der Vernehmung des Angeklagten, der übrigens noch unbestraft war, ging hervor, daß Manchen in Konstantinopel mit dem Perser, der ihn zu dem Diebstahl veranlaßt hat, in Streit geriet„da dieser sein Versprechen, ihm eine Anstellung zu besorgen, nicht erfüllte. Schließlich erhielt Manchen von dem Perser Fahrgeld und fuhr nach Burgas. Von dort ging er weiter nach Sofia und arbeitete auf einem Neubau. Später versuchte er vergeblich, bei einer Schiffswerft in Warna Arbeit zu erhalten. Der Bilderdieb fuhr nun wieder nach Sofia zurück, wo er bis zum Frühjahr 1934 arbeitete. Darauf machte er sich auf die Rückreise nach Deutschland. „Großfürstin Tatjana" und ihr „Triumph des Willens=— der Film des Reichsparteitags. Ein Schwindlerpaar in Belgrad. Von unserem Balkankorrespondenten. ml Belgrad, 21. September. Seit einer Woche wird die gesamte jugoslawische )effentlichkeit von zwei Persönlichkeiten in Atem gehalen. die als Großfürstin Tatjana und Leibrzt Dr. Krasovski in Belgrad weilen. Die Blätter ringen spaltenlange Berichte, die Wohnung ist Tag und lacht von Reportern und Sonderberichterstattern umagert, und besonders im Lager der russischen Flüchtlingsolonie sind die Gemüter bis zum Sieden erhitzt. die Großfürstin Tatjana, deren zweifellos echter Paß uf diesen Namen lautet, und ihr Leibarzt reisten on Polen nach Jugoslawien, um sich hier, die sie Zeitungsvertretern versicherten, ansässig zu lachen. Sofort wurde diese Notiz von der gesamten zelgrader Presse aufgegriffen, es entstanden Lager, die on Schwindel, andere, die von der Richtigkeit der Anaben überzeugt waren. Und da es zu Tumulten zu ommen drohte, griff überraschend schnell die Belgrader solizei ein, um den wahren Sachverhalt einwandtei festzustellen. Die angebliche Großfürstin Tatjana, Tochter des saren Nikolaus II., und ihr eben so angeblicher Leibarzt r. Cisalov Krasovski wurden zur Belgrader Polizeiräfektur vorgeladen, die für den Fall schon von allem Infang lebhaftestes Interesse zeigte, jedoch abgewartet atte, wie sich die Dinge weiter entwickeln würden. Es ti vorweg genommen: das Polizeiverhör verlief derart, aß es von allem Anfang an so gut wie klar war, daß vereiter und verschiedenes Material über die letzten unden der Zarenfamilie und insbesondere aus dem ben der Großfürstin Tatjana, Schriftproben, Lichtder und anderes mehr besorgt. Ueberdies wurden lizeibeamte, die russische Emigranten sind, dem Verte beigezogen, darunter ein Russe, der einer sehr anehenen russischen Familie entstammt und seine Kindt in unmittelbarer Nähe der Zarenfamilie in Zarje Selo und Jekaterinburg verbrachte, sodaß ihm das ld der achtzehnjährigen Großfürstin Tatjana noch sehr r in Erinnerung ist. Es fiel beim Verhör sofort auf, daß die angebliche oßfürstin ein sehr schlechtes Russisch sstark mit Polnisch gemischt ist. Diesen istand erklärte sie damit, daß sie seit der russischen volution in polnischen Klöstern gelebt und nicht Geenheit gehabt habe, russisch zu sprechen. Abgesehen von, mußte es auffallen, daß die angebliche Großstin kaum französisch und garnicht engsch, noch weniger aber deutsch spricht, obhl die russischen Zarentöchter alle diese Sprachen beerschten und insbesondere das Englische im Familienkehr gebräuchlich war. Die Erklärung der„Großstin“ für diesen Mangel ist die gleiche, wie für das lechte Russisch. Es kamen aber noch unangenehmere chen zur Sprache, und die„Großfürstin“ war dabei greiflicherweise sehr aufgeregt. Ihr„Leibarzt" griff tige Male ein und bat um Schonung seines angeblich tvenleidenden Schützlings. Die Polizei schaltete denn ch kleinere Pausen ein, schnitt aber immer heikre Themen an. So wurden Lichtbilder des Zarenlosses in Zarskoje Selo und des Gebäudes, in dem Hinrichtung der Zarenfamilie stattfand, der„Großstin“ gezeigt, und diese fand sich garnicht zurecht. e verwechselte einmal die Sommer= und die Winteridenz, verbesserte sich aber rasch, und erklärte, die nrichtung der Zarenfamilie sei in einer Mansarde olgt, während es allgemein bekannt ist, daß sich das ama in einem Kellerraum abspielte. Die Schilderung Zeit unmittelbar vor der Tragödie und des schaujen Dramas selbst klang aus dem Munde der„Großtin" wie eingelernt, als ob man eine Grammophonitte abspielen ließe, ohne irgend eine seelische Erzung selbst bei den erschütterndsten Momenten. Dazu inen das Aeußere der„Großfürstin", die Stumpfnase, e ganze Gesichtsausdruck und die Größe nach den bemmten Erklärungen russischer Emigranten, welche die oßfürstin Tatjana gut kannten, wie auch nach Lichtdern in keiner Weise zutreffen. Den Schlußpunkt der Untersuchung bildete eine unffällige Schriftprobe, indem man die„Großfürstin ein Gesuch um Aufenthaltsbewilligung schreiben ließ. Die Schrift weicht von jener der Großfürstin Tatjana, von welcher zahlreiche Schriftstücke vorliegen, ganz entschieden ab, sodaß sich die vorgenommene Analyse der technischen Polizei eigentlich erübrigte. Die„Großfürstin" und ihr„Leibarzt" wurden nach diesem für sie niederschmetternden Verhör jedenfalls entlassen, und zwar mit der Bemerkung, daß sie sich der Polizei zur Verfügung zu halten hätten. Ein Mitarbeiter der Belgrader„Politika“ besuchte unmittelbar nach dem Verhör das Paar, das in der jugoslawischen Hauptstadt übrigens Arm in Arm gesehen wurde, in einer Pose, die garnicht einem Verhältnis zwischen Großfürstin und Leibarzt ähnelte, in seiner Wohnung in der Kosovska=Straße, wurde aber lediglich vom„Leibarzt“ empfangen, während sich die „Großfürstin“ nur dann und wann durch die Zwischenwand, die einen angrenzenden Raum trennt, vernehmen ließ und erklärte, sie dürfe auf Geheiß der Polizei einstweilen keine Unterredungen gewähren. Indessen konnte der„Leibarzt“ einigen Fragen des Pressevertreters nicht gut ausweichen. Die Flucht der„Großfürstin“ aus dem Kerkerraum, wo die Niedermetzelung der Zarenfamilie stattfand, erklärte er auf diese Weise: Unter den Opfern der Bolschewiken sei auch ein Dienstmädchen der Zarenfamilie gewesen. Dieses hätte die Kerze, bei deren Schein die Niedermetzelung vorgenommen wurde, umgeworfen und die Großfürstin Tatjana, die als letzte hätte hingerichtet werden sollen, auf die Schultern gehoben, obwohl letztere 18 Jahre alt war, und aus dem Keller geschleppt. Der davor aufgestellte Posten hätte das Mädchen niedergestochen und die Großfürstin durch einen Bajonettstich zwischen den Augenbrauen verletzt — die angebliche Großfürstin hat tatsächlich eine solche Narbe— wobei die Großfürstin entkommen und nach Polen fliehen konnte, wo sie sich in Klöstern aufhielt. Noch mehr unglaubwürdige, bis ins Groteske gehende Einzelheiten erzählte der„Leibarzt“, auf bestimmte Fragen vermochte er überhaupt keine Erklärungen zu geben. Es ist verständlich, daß die Belgrader Polizei sich weit mehr für den angeblichen Dr. Krasovski interessiert als für die„Großfürstin“, die den Eindruck erweckt, als ob sie in hypnotischem Zustande unter dem Einfluß eines fremden Willens handelt. Berlin, 25. Sept. Soeben ist der Titel für den Großfilm vom Reichsparteitag 1934 bekanntgegeben worden. Der Führer selbst hat nach eingehenden Besprechungen mit Leni Riefenstahl für das monumentale Tonfilmdokument der Bewegung den Titel geprägt:„Triumph des Willens!“ So hat nun dieser gigantische Film, der auf des Führers persönliche Veranlassung hin gedreht wurde, seinen verheißungsvollen Namen bekommen. Im Dezember wird die Uraufführung sein. Die Arbeiten an der endgültigen Gestaltung des Reichsparteitagsfilms befinden sich jetzt in einer entscheidenden Entwicklung. Leni Riefenstahl, die in den nächsten Monaten die schwere Arbeit des Schneidens vor sich hat, hat mit der Prüfung des gesamten Materials begonnen. Der Führer wird bei dieser verantwortungsvollen Aufgabe bestimmend eingreifen. Nahezu 100000 Meter Film sind gedreht worden. Um der Oeffentlichkeit einen Begriff von der gewaltigen Arbeit zu vermitteln, die jetzt zu leisten ist, sei angeführt, daß allein 81 Stunden notwendig sind, nur um das gesamte Aufnahmematerial einmal einer Durchsicht für die endgültige Auswahl zu unterziehen. Jeder Meter des Films wird eingehend geprüft, wobei sich die Wahl außerordentlich schwierig gestaltet, da ein abendfüllender Film nur 3000 Meter lang sein darf. So wird für den„Triumph des Willens“ noch der schwerste Teil der Arbeit zu bewältigen sein, bis der erste nationalsozialistische Großfilm vorliegen wird, der der Welt das wahre Gesicht des neuen Deutschlands zeigen wird. Vom„Sieg des Glaubens“ zum„Triumph des Willens“. Ein halbes Jahr Aufbau ist in dieser symbolischen Entwicklung eingeschlossen. Verleihung der Ehrenkreuze kostenfrei. Um Irrtümern entgegenzutreten, weist das Reichsministerium des Innern darauf hin, daß die Verleihung des Ehrenkreuzes des Weltkrieges für den Antragsteller mit keinerlei Kosten verbunden Die Mannschaft von„U§" trof sich in In Herford in Westfalen, der Geburtsstadt Otto Weddigens, traf sich, wie wir gemeldet haben, am 20. Jahrestag der Versenkung der drei englischen Panzerkreuzer die Mannschaft von„U 9“. Von insgesamt 26 Mitgliedern der Besatzung waren 18 zusammengekommen, um am Ehrenmal ihres Kapitäns einen Kranz niederzulegen und eine stille Gedenkfeier abzuhalten. Unser Bild zeigt die Männer von„U 9“ vor dem Ehrenmal. ist. Sowohl die Antragsvordrucke wie die Ehrenkreuze und Besitzzeugnisse werden unentgeltlich ausgehändigt. Auch etwaige mit der Verleihung zusammenhängende Verhandlungen, Urkunden und Bescheinigungen sind gebühren= und stempelfrei. Enheiitliche deutsche Schrift in den Schulen. Ein Erlaß des Preußischen Kultusministeriums befaßt sich mit dem Schreibunterricht in den Schulen. In allen deutschen Schulen soll eine einheitliche deutsche Schrift als wertvoller Bestandteil deutscher Volkskultur gepflegt werden. Das Ziel des Schreibunterrichts soll die Erreichung einer natürlichen, deutlichen, geläufigen und gefalligen deutschen Verkehrsschrift sein, mit der zugleich eine persönlich ausgeprägte Handschrift angebahnt wird. Nach mehr als zwei Versuchsjahrzehnten hat die Mehrzahl deutscher Länder in Anlehnung an Sütterlin Schriftformen und Schreibweisen gefunden, die diesem Ziel dienen können. In allen deutschen Schulen hat sich daher, wie der Minister gleichzeitig in seiner Eigenschaft als Reichsunterrichtsminister erklärt, die Schrift an diese Schriftformen und Schreibweisen eng anzulehnen. Im dritten Schuljahr soll allmählich die Verkehrsschrift entwickelt werden. Vom vierten Schuljahr ab soll außer deutsch auch lateinisch an Sütterlin angelehnt werden. Der Erlaß trifft weitere Bestimmungen über die Schreibhefte und die Schiefertafel. Letztere ist im ersten und zweiten Schülerjahrgang zugelassen, sie kann auch im dritten und vierten noch gebraucht werden Freudiges Ereignis im italienischen Köniashaus. A Neapel, 25. September. Die italienische Kronprinzessin Maria von Savoyen schenkte am Montag abend einem Mädchen das Leben, das den Namen Maria Pia führen wird. Anläßlich der Geburt der Prinzessin Maria Pia hat der König von Italien eine allgemeine Amnestie erlassen. Es werden alle Geldstrafen und die Gefängnisstrafen bis zu zwei Jahren niedergeschlagen. Strafen von längerer Dauer werden um zwei Jahre geturzt. Die Amnestie schließt vor allem auch das Verbrechen der unerlaubten Auswanderung und Ablegung der Staatsangehörigkeit ein. Ausgeschlossen von dem Gnadenakt sind Spione, Verbrechen gegen das keimende Leben, Mord, Raub und betrügerischer Bankerott. Keine Brandstiftung auf der„Morro Castle". § Newyork, 24. September. Als Ergebnis der bisherigen, fast zweiwöchigen Verhandlungen vor dem Untersuchungsausschuß über die Ursachen der Brandkatastrophe auf der„Morro Castle“ kann festgestellt werden, daß die These der Brandstiftung nicht aufrechterhalten werden kann. Aus den Aussagen des stellvertretenden Kapitäns Warms und anderer Schiffsoffiziere ist zwar auf die Möglichkeit von Sabotage geschlossen worden, aber der Untersuchungsausschuß ist auf Grund der anderen Zeugenaussagen zu der Ueberzeugung gelangt, daß Brandstiftung nicht vorgelegen haben kann. Für die Fahrlässigkeit und die Gleichgültigkeit vieler Mitglieder der Mannschaft sind bei den Verhandlungen eine Reihe von Beweisen abgegeben worden. Auch hat sich herausgestellt, daß sehr viele Besatzungsmitglieder nicht genügend vorgevildet waren. Wetterbericht. — Essen. 25. September. Vorhersage für Mittwoch: Westliche, später auf Südwest zurückdrehende Winde, nach heiterer, sehr kühler Nacht tagsüber wechselnd wolkig und wieder vereinzelt leichte Regenschauer, Temperaturen etwas ansteigend. 1 Aus Münster und dem Münsterland. Stadt und Land fährt zum Führer! Aufruf an alle Volksgenossen des Gaues Westfalen=Nord. ruf: Gaupropagandaleiter Schmidt erläßt folgenden AufDer Nürnberger Reichsparteitag wurde der ganzen Welt ein schlagender Beweis für die Größe des neuen Deutschland, in dem Kameradschaft, Treue und freiwillige Unterordnung, die alten deutschen Tugenden, zu neuem blutdurchpulsten Leben erwacht sind. Am 30. September 1934 ist der Blick der Welt auf den Bückeberg gerichtet, auf dem Hunderttausende ein unübertreffbares Beispiel volklicher Verbundenheit geben werden. An diesem Tage begeht das deutsche Volk seinen Erntedanktag. Aus Stadt und Land werden sie zusammenströmen und danken dafür, daß die Saat reif wurde zur Ernte. Des Führers Wort wird alle Herzen stärken für den Dienst am Volke und Vaterland. Nirgends ist der Führer seinem Volke so nahe, wie auf dem Blickeberg. Hier kann ein jeder dem Mann ins Auge schauen, der Deutschland emporführen wird zu neuer Größe. Deshalb fordere ich alle Parteigenossen und Volksgenossen auf, zum Bückeberg zu kommen und Teilnehmer am großen Erlebnis dieses Tages zu werden. Der Gau Westfalen=Nord trifft sich am Sonntag, den 30. September 1934, auf dem Erntedankfest des deutschen Volkes. 25 Sonderzüge aus dem Gau Westfalen=Nord. Zum Erntedankfest 1934 auf dem Bückeberg fahren aus dem Gau Westfalen=Nord 25 Sonderzüge, und zwar hat man, im Gegensatz zum Vorjahr, die Hin= und Rückfahrtzeiten dieser Züge so gelegt, daß die Fahrtteilnehmer aus dem Gau Westfalen=Nord als Letzte zum Bückeberg kommen, etwa drei Stunden vor Beginn des Staatsaktes, also gegen 13 Uhr, und als erste wieder abfahren können. Der erste Zug fährt bereits gegen 21 Uhr von Hameln-ab. So ist also die Gewähr dafür gegeben, daß der bei weitem größte Teil der Sonderzüge schon so früh wieder am Heimatort eintrifft, daß die Fahrtteilnehmer am Montag wieder voll ihrem Tagewerk nachgehen können. Der Fahrpreis für die Fahrt zum Bückeberg beträgt 1 Pfg. pro Kilometer, für die Anfahrt zu den Abgangs= und Unterwegsstationen wird im Umkreis von 100 Kilometern die gleiche Fahrpreisermäßigung gewährt, wenn bei Lösung der Karte für den Zubringerzug die Sonderzugfahrkarte nach Hameln vorgezeigt wird. Die Sonderzugfahrkarten sind an den Fahrkartenschaltern der Abgangs= und Unterwegsbahnhöfe zu haben. Die Kreis= und Ortsgruppenleiter der NSDAP. sind zu jieder Auskunft gern bereit. Sitzung der Arbeitsgemeinschaft westdeutscher Innungskrankenkassen. A Münster, 25. September. Im Sitzungssaale des Handwerkskammergebäudes hielten die in der Arbeitsgemeinschaft westdeutscher Innungskrankenkassen zusammengeschlossenen westdeutschen Bezirksverbände im Reichsverband der Innungskrankenkassen eine Besprechung ab, wobei Klempnermeister Dickmann(Bonn) den Vorsitz führte. Vertreten waren aus dem Verbandsgebiete die Bezirksverbände Bielefeld, Bonn und Dortmund, sowie der Geschäftsführer des Reichsverbandes der Innungskrankenkassen in Berlin. Nach kurzen Einleitungsworten des Vorsitzenden behandelte Handwerkskammersyndikus Dr. Kahmann die sich aus der Umgliederung der Handwerksorganisationen für die Innungskrankenkassen ergebenden Fragen. Aus Zweckmäßigkeitsgründen müsse hier die Möglichkeit geschaffen werden, daß je nach Lage der Verhältnisse von Fall zu Fall eine Lösung gefunden werden könne. Dann nahm. Reichsverbandsgeschäftsführer Dr. Estenfeld (Berlin) zu den Gegenwartsfragen der Innungskrankenkassen in längeren Ausführungen Stellung und ging dabei vor allem auf die Fragen der Umstellung, der Neuorganisation und der Neueinrichtung von Innungskrankenkassen ein. In ungemein reger Aussprache nahmen die Sitzungsteilnehmer zu den einzelnen Fragen Stellung, und im Anschlusse daran wurden Richtlinien für ein einheitliches Vorgehen festgelegt. Besondere Aufmerksamkeit wurde auch der Frage der Schulung und Fortbildung der Kassenangestellten und der ehrenamtlich in den Innungskrankenkassenorganen Tätigen gewidmet. Allgemein erklärte man es für notwendig, durch geeignete Fortbildungsmaßnahmen dafür zu sorgen, daß die Innungskrankenkassen für die großen, ihnen bevorstehenden Aufgaben jederzeit einsatzbereit und schlagkräftig sind. — Münster, 25. Sept. Aerztliche Mitglieder des Erbgesundheitsgerichts Münster. Zu Mitgliedern des Erbgesundheitsgerichts sind(aus der Gruppe der beamteten Aerzte) Kreisarzt Medizinalrat Dr. Schmidt in Coesfeld und(aus der Gruppe der approbierten Aerzte) der am 1. Oktober 1934 in den Ruhestand tretende Direktor der Provinzial=Heilanstalt Marienthal Dr. Kleffner in Münster bestellt werden. ( Münster, 25. Sept. Die Augen verbrannt. Auf einer hiesigen Baustelle sah ein Arbeiter seinen Kollegen beim Mischen von Kalk zu. Dabei spritzte ihm Kalkmilch ins Gesicht, besonders in die Augen. Mit schweren Verbrennungen, der Augen mußte der Bedauernswerte in ein Krankenhaus gebracht werden. A Münster, 25. Sept. Große Schulungstagung der Milchkontrollassistenten. Die Berufsgemeinschaft der Land= und Forstangestellten des Bezirks NiedersachsenWestfalen hatte die gesamten Kreisgruppen der Milchkontrollassistenten Westfalens in den großen Saal des „Lutherhauses“ in Hamm eingeladen, wo gemeinsam mit der Hauptabteilung der Landesbauernschaft Westfalen ein Schulungskursus für Kontrollassistenten abgehalten wurde. An die 200 Interessenten waren dazu dort zusammengekommen. Das erste Referat hielt Bauer Josef Spital, Hohenholte, der Leiter der Gruppe„Rinder“ im Bereiche der Landesbauernschaft Westfalen, über„Aufbau der westfälischen Rindviehzucht und die Aufgaben der Kontrollassistenten zur Förderung der Zucht“. Dann behandelte Saatzuchtinspektor Landwehrmeyer von der Landesbauernschaft in Münster„Neuzeitliche Fragen auf dem Gebiete der Grünlandwirtschaft“. Er hob dabei vor allem die Wichtigkeit des wirtschaftseigenen Futters hervor, vor allem soweit es sich um eiweißhaltiges Futter handele, da mit Rücksicht auf die Devisenlage des Reiches sich eine größere Einfuhr von Kraftfuttermitteln von selbst verbiete. Im Zusammenhang damit hob er die Zweckmäßigkeit der Anlage von Futtersilos hervor. In dem letzten Vortrage befaßte sich der Leiter des Tiergesundheitsamtes, Dr. Sachweh, mit„Neueren Erfahrungen in der Seuchenbekämpfung beim Rindvieh“. A Münster, 25. Sept. Das Bezirksverwaltungsgericht tagt. Das Verwaltungsgericht für den Regierungsbezirk Münster wird nächsten Donnerstag und Freitag unter dem Vorsitze des Verwaltungsgerichtsdirektors v. Gizycki zu einer zweitägigen Sitzung zusammentreten, für die 25 Streitsachen mit mündlicher Verhandlung anstehen, davon 16 für den Donnerstag und 9 für den Freitag. Nach der Verhandlungsfolge zu urteilen, scheinen keine Sachen von grundsätzlicher Bedeutung zur Entscheidung zu kommen, die Verhandlungsgegenstände bewegen sich vielmehr in dem üblichen Rahmen. Den Ortschaften nach sind an den Verhandlungen beteiligt: Gelsenkirchen mit 11 Fällen, Münster mit 3, Rheine mit 2, sowie Ahlen, Beckum, Vork, Borken, Buer, Burgsteinfurt, Lüdinghausen, Saerbeck und Wüllen mit je einem Fall. X Nienborg, 25. Sept. Zwei Mädchen vom Heuboden in die Tiefe gestürzt. Wie wir erst jetzt erfahren, ereignete sich in der Bauerschaft Wext bei Nienborg am vergangenen Freitag ein tragischer Unglücksfall. Der Bauer Schlichtmann war mit dem Abdreschen von Roggen beschäftigt. Als nach getaner Arbeit zwei junge Mädchen, Fräulein Kauling aus Nienborg und Fräulein Kallenbeck aus der Bauerschaft Kallenbeck, den Heuboden verlassen wollten, löste sich unter ihren Füßen plötzlich ein Teil des Bodenbelags und riß beide mit sich in die Tiefe. Die jungen Mädchen wurden mit schweren inneren Verletzungen in ihr Elternhaus gebracht. Während in dem Befinden von Frl. Kallenbeck eine Besserung eingetreten ist, liegt Frl. Kauling in hoffnungslosem Zustande darnieder. Frl. Kauling stand unmittelbar vor der Heirat, )1( Dorsten, 25. Sept. Berufung. Der hochw. Herr Bischof hat Kaplan Wilhelm Schneider in der St.Mauritzpfarre zu Münster zum Pfarrer an die Pfarrkirche St. Agatha in Dorsten berufen. Auto raft auf einen Bürgersteig. • Osnabrück, 25. September. Zwischen Osnabrück und Eversburg ereignete sich an der Straßenkreuzung der Natruper mit der Piesberger Straße ein entsetzliches Autounglück. Der Führer eines sehr schnell fahrenden Personenkraftwagens sah sich hier plötzlich zwei anderen Fahrzeugen gegenüber, die gerade die Straßenkreuzung passierten. Er riß mit letzter Kraft das Steuer zur Seite. Dabei raste der Wagen auf den Bürgersteig und erfaßte drei dort spazierengehende Frauen. Die Ehefrau Schlüter. Mutter von zwei unmündigen Kindern, wurde so schwer zwischen einer Hauswand und dem Auto eingequetscht, daß ihr neben schweren inneren Verletzungen fast sämtliche Knochen im Körper gebrochen wurden. Sie war auf der Stelle tot. Auch ihre zwei Begleiterinnen, die ebenfalls von dem Kraftwagen erfaßt wurden, trugen schwere Verletzungen davon. Sie wurden in besinnungslosem Zustande dem Krankenhaus zugeführt, wo sie hoffnungslos darniederliegen. Der Prozeß Nagel hat begonnen. Münster, 25. September. Vor der Großen Strafkammer am Landgericht in Münster begann heute der Prozeß gegen den früheren Gauobmann der NSBO. und Bezirksleiter der Deutschen Arbeitsfront für die Provinz Westfalen und Teile des Rheinlandes, Walter Nagel. Der Andrang des Vublikums zu diesem mit großer Spannung erwarteten Prozeß war sehr stark und kaum die Hälfte der Erschienenen konnte im Verhandlungssaal Platz finden. Mitangeklagt sind der frühere Gaubezirkszellenobmann und Stellvertreter des Gauobmanns Adolf Uhle. der frühere Abteilungsleiter in Berlin August Viontek, der frühere Kreisleiter der NSBO. Wilhelm Riemenschneider. der frühere Gaubetriebszellen“nwart Erich Nagel und endlich der frühere Buchhalter und Amtswalter der Gaubetriebszellenleitung Xaver Bühl. Der Eröffnungsbeschluß wirft den Angeklagten Untreue, Begünstigung und zum Teil Unterschlagung vor. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Dr. Bergmann. Die Angeklagten sind seit dem 22. Juni in Untersuchungshaft. Sie werden vertreten in der Reihenfolge der obigen Aufzählung durch die Rechtsanwälte Dr. Ammermann, Dr. Rohr, Dr. Deckwitz, Dr. Lühn. Dr. Gröttker=Schnettmann und Dr. Peus ir. Nach Feststellung der Personalien der Angeklagten stellt Staatsanwaltschaftsrat Dr. Altenburg, der die Anklage vertritt, den Antrag, die Oeffentlichkeit für die Dauer der Gerichtsverhandlung wegen Gefährdung der Staatssicherheit auszuschließen. Zur Begründung führte er an, daß in der Oeffentlichkeit gewiß das berechtigte Bedürfnis bestehe, über die Verfehlungen der Angeklagten bezw. über ihre Bestrafung unterrichtet zu werden. Auch sei ihm zu Ohren gekommen, daß man gewissermaßen schon eine Stellung eingenommen habe. Doch sei zu befürchten, daß die Emigrantenpresse die Gelegenheit wahrnehmen wurde, wie die Erfahrung immer wieder bestätige, aus dieser Angelegenheit eine neue Hetze gegen das Deutschland des Nationalsozialismus herzuleiten. Vo: dieser Erwägung hätten alle anderen Wünsche zurückzutreten. Obwohl das Gericht in keiner Weise etwas zu verheimlichen habe, müsse er aus diesem Grunde den Ausschluß der Oeffentlichkeit beantragen. Nachdem die Verteidiger kurz zu diesem Antrag Stellung genommen hatten, trat das Gericht zur Beralung ab und verkündete dann den Beschluß, die Oeffentlihkeit auszuschließen. Für die Unterrichtung der Oeffentlichkeit wird Sorge getroffen. Der Prozeß wird voraussichtlich drei Tage in Anspruch nehmen. 46 Zeugen sind zur Ermittlung der Wahrheit aufgeboten. Die Pläboyers werden am Donnerstag beginnen. Das Urteil dürfte am Freitag zu erwarten sein. Zur Charakterisierung der Angeklagten ist es nicht unerheblich, daß vier von ihnen bisher unbestrafl’ind, während zwei bereits vor den Schranken des Gerichtes standen und auch verurteilt wurden, und zwar der frühere Abteilungsleiter Plontek wegen Untreue und Unterschlagung und der frühere Kreisleiter der NSBO. Riemenschneider wegen Unterschlagung. Die Gaupressestelle teilt zum Prozeß Nagel mit: Am ersten Verhandlungstag des Prozesses gegen den früheren Bezirksleiter der Deutschen Arbeitsfront Walter Nagel und Genossen wurden die Angeklagten zu den ihnen vorgeworfenen Verfehlungen gehört. Bevor die Angeklagten und Zeugen nicht restlos vernommen sind, halten wir es für unzweckmäßig, heute schon Angelegenheiten zu erörtern, die noch der Klarstellung und der Beurteilung des Gerichtes unterliegen. Sobald das Gericht gesprochen hat, werden wir einwandfrei über den Verlauf des Prozesses berichten. Beginn der neuen Ausgrabungen in kanten. DNB Xanten(Niederrhein), 24. September. Nachdem die bedeutsamen Grabungen im Xantener Domchor durch das Landesmuseum in Bonn am Rhein durchgeführt worden sind, ist mit einer neuen Grabung begonnen worden. Auf dem Gelände der Colonia Trajana werden Grabungen vorgenommen mit dem Ziel, die historischen Zusammenhänge der Siegfriedsage aufzudecken. Da sich die Spuren des geschichtlichen Germanentums vielfach bei älteren römischen Niederlassungen finden, so ist zunächst mit der Aufdeckung des Amphitheaters begonnen worden. Zur Durchführung des Unternehmens hat sich heute die„Gesellschaft der Freunde zur Erforschung der Geschichte der SiegfriedStadt Xanten“ gebildet, deren Vorsitz der Landeshauptmann der Rheinprovinz übernommen hat. Die für den ersten Grabungsabschnitt benötigten Mittel sind aus öffentlichen und privaten Kreisen zur Verfügung gestellt worden. Es wurde weiter ein Arbeitsausschuß gebildet, Die Pilgerfahrten nach Kevelaer. Kevelaer, 25. September. Der Kevelaer Vilgerverkehr zeigt in diesem Jahr gegenüber dem vorigen eine wesentliche Steigerung, was besonders aus den von der Reichsbahn mitgeteilten Zahlen einwandfrei zu ersehen ist. Während im Jahre 1933 in den Monaten Juli, August und September(bis zum 20.) in 178 Sonderzügen 172700 Pilger nach Kevelaer befördert wurden, waren es im selben Zeitraum im Jahre 1934 192 Sonderzüge mit 184 000 Pilgern. Der Zustrom der holländischen Pilger mit der Eisenbahn hat etwas nachgelassen. Die holländischen Eisenbahnen sind bisher mit 40 Sonderzügen beteiligt. Dafür ist aber die Zahl der deutschen Pilger sehr in die Höhe gegangen. Die bisher zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Auto und mit sonstigen Verkehrsmitteln in Kevelaer angekommenen Wallfahrer lassen sich nicht genau in Zahlen erfassen, jedoch kann jetzt schon nach zuverlässigen Schätzungen gesagt werden, daß die Gesamtzahl der Pilger bisher 400000 erreicht hat. Neue Erfindung- Wasserskier. ¶ Gießen, 25. September. Der Geheime Medizinalrat Professor Dr. Sommer, der sich schon oft erfolgreich mit technischen Problemen beschäftigt hat, hat neuerdings Wasserskier hergestellt, mit denen man auf dem Wasser genau so spazieren gehen kann, wie sonst auf anderen Skiern im Winter auf Schnee. Nach örtlichen Versuchen haben dieser Tage zwei junge Männer und ein junges Mädchen aus Gießen in Begleitung von Professor Sommer eine erste Fernfahrt auf der Lahn von Gießen nach Wetzlar gemacht. Die Fahrt kann durchaus als gelungen bezeichnet werden. A Meppen, 25. Sept. Endlich eine Besserung der Straßenverhältnisse des Emslandes. Es ist allgemein bekannt, daß die großen Landstraßen des Emslandes, von Lingen angefangen bis hinauf nach Emden, unsagbar schlecht sind und für den Kraftfahrer geradezu ein Schrecken darstellen. Vielfach findet man hier oben noch nichts anderes als ein einfaches Pflaster aus faustdicken Kieselsteinen, während weiter zur See hinauf, angefangen etwa bei Papenburg, als Pflastermaterial in der Hauptsache der Klinker verwendet worden ist. Neuerdings ist man nun darangegangen, das zum Teil nur unter Gefahren befahrbare Pflaster vollkommen zu erneuern und mit einer asphaltähnlichen Schicht zu versehen. An verschiedenen Stellen dieser bedeutungsvollen Verkehrsstraße zu den Nordseebädern ist mit den Arbeiten bereits begonnen worden, die, wie wir erfahren, in der Hauptsache aber im Spätherbst und den Winter über betrieben werden sollen, um auf diese Weise die Saisonarbeiter auch über den Winter in Arbeit und Brot halten zu können. Um Buchenhöhe. Roman von Ilse Leutz. Feuilleton=Vertrieb durch A. F. Rohrbacher=Verlag, Berlin=Lichterfelde, Hasselfelder Weg 11, 7)(Nachdruck verboten.) Aber das weiß sie: daß sie niemals Helmut Kühnes Frau werden kann. Sie ist ein ehrlicher, gradliniger Kerl und fühlt sehr gut die Verpflichtung zu einer offenen Aussprache. Aber sie hat diese bisher immer wieder hinausgezögert, weil sie Angst hat. Sie nimmt sich plötzlich vor, mit dem Vater statt mit Helmut zu sprechen. Aber als Vater und Tochter dann am Sonnabend die kurze Strecke Lübeck—Travemünde im Auto abrasen und sich, während Huschke unbeweglich hinter dem Volant und Doralotte neben ihrem „Paps“ im Fond des Mercedes sitzt, eigentlich die allerbeste Gelegenheit zu einer Aussprache bietet, bleibt Doralotte stumm. Später, denkt sie. Jetzt will ich mich nur freuen. Auf„Buchenhöhe“ freuen! Dabei weiß sie im innersten Herzen genau, daß ihre Freude und ihre Sehnsucht nicht„Buchenhöhe", sondern Georg Trentows gelten. In Travemünde steigt der Reeder aus dem Wagen. Er verspricht, sobald wie möglich sich freizumachen zu trachten und nachzukommen. Huschke soll sofort umkehren und ihn abholen, wenn Doralotte glücklich in„Buchenhöhe“ angelangt sein wird. Doralottes Wochenendbesuch ist nichts neues für Georg Trentow mehr. Er pflegt an diesen Tagen nicht, wie er es sonst tut, in„Buchenhöhe" selbst zu übernachten, sondern wandert am Abend nach Haffkrug ins Wirtshaus. Und Doralotte bleibt allein in dem Friesenhaus. Eigentlich sollte es umgekehrt sein. Aber sie selbst hat es nicht anders gewollt. Sie kennt keine Furcht, und zudem gibt es in„Buchenhöhe“ jetzt zwei scharfe, auf den Mann dressierte Wachhunde. Auch heute ist ihr Kommen bereits gemeldet worden. „Ihr“ Stübchen im Obergeschoß, das erste der Gastzimmer, das fix und fertig gestellt ist, wartet auf sie. s Doralotte hinaufkommt, um sich die Haare zu bürsten und die staubigen Hände zu säubern, findet sie Blumen auf dem Tisch. Hat sie sich jemals so innig über einen Strauß gefreut? Sie hat so viele Blumen im Leben bekommen— die meisten waren weitaus kostbarer und seltener als die, die aus dem Garten von„Buchenhöhe“ stammten. Aber sie drückt ihr Gesicht mit einem erstickten Laut, der fast wie ein kurz abbrechendes Schluchzen klingt, in die Studentenblumen und den bunten Phlox, ja, sie streicht mit den Lippen verstohlen über die winzigen Blütchen des Schleierkrauts hin Es sieht ja niemand zu. Als sie dann endlich herunterkommt, ist sie äußerlich wieder vollkommen beherrscht. Oh, sie ist wohl noch sehr jung, eben siebzehn Jahre; aber lange kein dummes Kind mehr, das sich gehen lassen darf! Ernsthaft und sachverständig begutachtet sie das Fortschreiten der Arbeiten. Die Ostseite mit dem Terrassenanbau ist nun schon fertig, nur an der Südseite stehen noch die großen Gerüste. „Wann werden Sie fertig sein, Herr Trentow? Vollkommen fertig? Ich weiß natürlich, daß gerade der letzte Kleinkram am meisten Zeit erfordert, aber ich hätte so gern den ersten Advent schon in„Buchenhöhe“ gefeiert.“ „Das können Sie gut und gern, Fräulein Ahlert. In vierzehn Tagen sind wir mit den Außen- und Innenbauten fertig. Was dann kommt, ist Spielerei und auch nicht gar so zeitraubend, wie Sie fürchten, besonders nicht, wenn alles so gut vorbereitet ist.“ Er schenkt ihr einen anerkennenden Blick, unter dem sie wider Willen errötet.„Es hat mir wirklich sehr geholfen, Fräulein Ahlert, daß Sie sich in der Zwischenzeit so tatkräftig und unermüdlich um alles gekümmert haben. Auf diese Weise sind die Firmen stets im Bilde, und alles klappt tadellos. Uebrigens, eine glänzende Idee, daß Sie mir den Mann mit den Stoffmustern gleich hergeschickt haben, so daß er mit mir gemeinsam an Ort und Stelle die Wirkung ausprobieren konnte. Aber Sie essen ja gar nicht!“ Er schiebt ihr den Räucherlachs und die Flundern hinüber, die er zu schnellem, ländlich frugalem Imbiß aufgetischt hat— und erschrickt. Doralotte Ahlert hat weit offene, strahlende Augen zu ihm aufgeschlagen. Wohl schließt sie die Lider sogleich, als habe ein Sonnenstrahl sie geblendet, aber ein Schimmer der Selbstvergessenheit des unbewachten Augenblicks eben liegt noch über ihren leise zuckenden Zügen, in denen der Mann jählings wie in einem offenen Buch zu lesen vermag. Für Sekunden überwältigt ihn seine Entdeckung. Er hat seit langem ein eingesponnenes, sorgenbelastetes Dasein gelebt, das wenige Freuden gekannt und sie auch nicht gesucht hat. Er weiß kaum mehr, wie das ist, wenn man Freunde ha., viel weniger, wie eine Frau ist. Nun sitzt ein junges, süßes Geschöpf vor ihm. Eine der Wunsch in ihm auf, diesen Mund, der sein Zucken so tapfer zu verbergen bemüht ist, zu küssen. Aber das geht schnell vorüber. Er ist es sich und ihr schuldig, daß er sich zusammenreißt. Denn was weiß er im Grunde von Doralotte Ahlert— was sie von ihm? Seine betonte Gleichgültigkeit läßt das Licht in den tiefblauen Mädchenaugen vollends erlöschen. Und als die Nacht kommt und der Mond in das offene Fenster des Giebel=stübchens lugt, in dem einst Georg Trentow in lange vergangenen Knabentagen gewohnt hat, wundert er sich. Hinter den zurückgezogenen, lustig bunt geblümten Kretonnevorhängen des Alkovenbettes liegt ein blondhaariges junges Menschenkind und weint bitterlich in die Kissen. Auch Georg hat indessen eine schlaflose Nacht. Er hadert mit sich selbst, denn er ertappt sich immer wieder auf Gedanken, die seiner unwürdig sind. „Heiraten? Er hat nie daran gedacht. Wenigstens nicht ernsthafter. Und? Ein Mädchen heiraten, weil sie Geld hat? Aber wäre es denn ein Unding, Doralotte Ahlert zu heiraten? Das Mädchen ist hübsch. Sie hat Rasse und Herz und einen guten Verstand. Sie ist, alles in allem, ein lieber Kerl. Doch— ja! Man kann sie von Herzen liebhaben. Doktor Berndt hat zwar gelegentlich etwas einfließen lassen, daß die Reederstochter mit ihrem Vetter, dem Flieger, verlobt set. Aber das muß auf einem Irrtum beruhen. Uebrigens hat es auch Christian Ahlert abgestritten, als der Notar ihm gegenüber eine Anspielung machte. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, als Georg bereits unterwegs nach„Buchenhöhe“ ist. Er brennt darauf, an die Arbeit zu kommen. Das ist das beste Mittel, um mit sich selber fertig zu werden und törichten Grübeleien zu entfliehen! Für heute sind die Handwerker bestellt, um die Möbel des Speisezimmer—— Plötzlich bleibt er, mitten aus seinen Gedanken heraus, stehen. Heute ist ja Sonntag! Morgen erst kommen die Leute! Heute ist Sonntag, und Doralotte ist in „Buchenhöhe“. Da hört er sich angerufen. Erleichtert stellt er fest, daß es Christian Ahlert ist, der auf ihn zukommt. Der Reeder klopft ihm auf die Schulter: „So früh schon ausgeschlafen? Ich wollte eigentlich schon gestern abend kommen, aber es wurde dann doch so spät, daß ich lieber im Hotel in Travemünde blieb. Hier ist's doch noch immer reichlich ungemütlich.“ Er lacht gutmütig auf.„Ich denke, Doralotte kann sich gleichwohl nicht beklagen. Huschke und ich sind schon lange vor den Hühnern aufgestanden, um zeitig hier zu sein. Unterwegs haben wir noch ums Haar'ne Panne erwischt.“ Er plaudert und plaudert, und Georg ist ihm schrecklich dankbar dafür, daß er da ist und er selber somit weiß, an wen er sich halten kann. Den ganzen Tag über sind die beiden Männer fast ausschließlich zusammen. Georg spürt gut, daß der alte Herr ihm gewissermaßen ein wenig auf den Zahn fühlt. Aber schließlich hat er ja nichts zu verbergen, und da er keineswegs beabsichtigt, die Reederstochter zu heiraten, kann er sich doppelt und dreifach unbefangen und vollkommen natürlich geben So vergeht der Tag. Von Doralotte ist wenig zu sehen, bei Tisch behauptete sie, sie sei den ganzen Vormittag über in der Bucht, die sie kürzlich„entdeckt" hat, geschwommen oder habe sich im Sande„geaalt" und den Möwen zugesehen— und gleich nach der Mahlzeit ist sie schon wieder verschwunden. Am Nachmittag kommt Helmut Kühne. Er fragt gleich nach der Kusine, und Onkel und Neffe gehen miteinander zum Strand hinuter, um Doralotte zu suchen, Da Trentow nicht weiter zum Mitgehen aufgefordert worden ist, bleibt er zurück. Er hat sowieso noch ganze Haufen von Rechnungen durchzusehen und die Wochenaufstellung nachzuholen. Es ist sehr still um ihn. Mücken spielen in den abendlich schrägen Sonnenstrahlen. Georg Trentow schiebt die raschelnden Papierseiten, mit denen der Tisch in der offenen Vorhalle bedeckt ist, zur Seite und starrt vor sich hin. Plötzlich ist ihm, als habe ihn ein Anruf getroffen. Er blickt auf, sieht aber nichts. Nirgends rührt sich etwas. Der eine der beiden Wachhunde steht träge auf und kommt zu ihm heran. Gedankenlos streicht der junge Architekt dem Tier ein paarmal kurz über das Fell. Dann steht er plötzlich auf, Der unsinnige Wunsch überkommt ihn, den mittrottenden Hund zu fragen, ob er Doralotte gesehen habe. So kommt er in der Garten. Da steht sie. Er ruft sie nicht. Etwas hält ihn zurück. Sie hat ein blasses, nachdenkliches Gesicht wie fast immer in der letzten Zeit. Ihre Hände greifen nach den Zweigen des Ligusterbaumes, neben dem sie steht, spielen mit einem Blatt, lassen wieder los. Langsam geht sie weiter, um die verwachsenen Buchsbaumrabatten herum. Georg hält den Hund am Nacken zurück. Nun muß Doralotte ihn gleich sehen. (Fortsetzung folgt.) Beili Zum Dem David jährigen Potsdam vom Schi neralfeldi von Taun auf den ren. Die eines Hai Vater in Braunsbe Knabenja sein Brul diesem glorreiche steht sich ersten! kern einz Der Vate Regiment 1773 zu Braunsb wird. 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September 1759 in Potsdam ein Sohn geboren: Hans David Ludwig, der vom Schicksal bestimmt ist, preußischer General und Generalfeldmarschall zu werden und, in der„Konvention von Tauroggen“, Preußen und seinen zögernden König auf den Weg zur Befreiung vom Joche Napoleons zu führen. Die Mutter, eine Potsdamerin, Marie Pflugin, ist eines Handwerkers Tochter. Nach dem Kriege kommt der Vater in Garnison nach Königsberg und zeitweise nach Braunsberg in Östpreußen. Hier verlebt Ludwig seine Knabenjahre. Der Vater hat elf Wunden davon getragen, sein Bruder Ephraim ist bei Kunersdorf gefallen. In diesem Hause lebt und webt man in Erinnerungen des glorreichen Krieges. Daß der Junker Soldat wird, versteht sich von selbst. Den ersehnten Augenblick, mit der ersten Uniform in die Reihe von Sr. Majestät Junkern einzutreten, bringt das vollendete 12. Jahr. Der Vater läßt den Knaben am 1. Dezember 1772 in das Regiment v. Borcke in Königsberg eintreten und schon 1773 zu dem neuen Füsilier=Regiment übergehen, das in Braunsberg von dem Generalmajor von Luck gebildet wird. Beim Luckschen Regiment bestand schon damals die Einrichtung, die späterhin in der Armee allgemein war, daß der Feldprediger den Junkern Unterricht gab. Der reichte nicht sehr weit. Noch in späteren Jahren hat York bedauert, so wenig in der Jugend gelernt zu haben; er teilte nicht die wunderliche Eitelkeit, die so lange in der Armee geherrscht hatte, die Muttersprache nicht korrekt zu brauchen.„Die verdammten mirs und michs“, pflegte er zu sagen,„beim Schreiben geht es noch, da macht man einen Zug, und jeder kann es lesen, wie er will; aber beim Sprechen muß man heraus damit.“ Nach drei Jahren erhält der Junker sein erstes Patent. Es lautet: „Nachdem Seine Königliche Majestät von Preußen, unser Allergnädigster König und Herr, resolviret, den bisherigen Gefreyt=Korporal Luckschen Regiments Füsilirs David Ludwig von York zum Fähnrich bei gedachtem Regiment allergnädigst zu declariren und zu bestellen: Als thun Sie auch solches hiermit und in Kraft dieses Patentes dergestalt: daß Allerhöchst Gedachter Seiner Königlichen Majestät und Dero Königlichen Hohen Hause derselbe zuvörderst treu hold und gehorsam sein, seiner Charge gebührend wahrnehmen, was ihm zu thun und zu verrichten oblieget und committiret wird, bei Tag und Nacht fleißig und treulich ausrichten, bei allen vorkommenden Kriegsbegebenheiten sich tapfer und unverweißlich bezeigen, im Uebrigen auch aller dieser Charge anklebenden Praerogativen und Gerechtsamen genißen solle. Deß zur Uhrkund haben Seine Königliche Majestät dieses Patent mit Dero geheimen Krieges=Canztley Siegel bedrucken und autorisiren lassen. So geschehen und gegeben Berlin den 1ten Martii 1775.“ So hatte der eben Fünfzehnjährige die erste Stufe zu jeder militärischen Herrlichkeit erstiegen. Nicht jedem Gefreyt=Korporal gelang es, nicht allen so früh. Zwei Jahre darauf, am 11. Juni 1777, erhielt er das Leutnantspatent. Das Leutnantsein im Heere Friedrich war freilich vorerst ein„glänzendes Elend“. Mit 10 Talern monatlich, ohne Zuschuß vom Hause, sollte man gar sorgsam haushalten. York pflegte später seinen jüngeren Kameraden zu sagen:„Wenn ein Subalternoffizier hungert, so muß er sein Patent lesen und sich an der Phrase ergötzen, daß er alle Prärogativen seines Standes genieße.“ Das Jahr 1778 wurde des jungen Leutnants erstes Feldzugsjahr. Es war der„Kartoffelkrieg“. Friedrich hatte seine diplomatischen Einreden gegen die österreichischen Anmaßungen in Sachen der bayerischen Erbfolge mit einer militärischen Demonstration unterstützen wollen. Doch Kaiser Joseph ließ sich nicht schrecken und war bereit, den Angriff zu erwarten. Am 5. Juli wird bei Nachod die Grenze überschritten. York sieht den König zu Pferde an der Grenzbrücke halten, die Armee, voran die neuen Regimenter, erwartend, und hört die Worte der Anrede Friedrichs an die Truppen: „Auf denn, Soldaten, lasset die Fahnen fliegen, lasset das Spiel rühren!“ Der König hat sein Hauptquartier im Lager bei Walsdorf. Es lehnt sich dicht an einen großen Wald, in dem die Vorposten des Feindes stehen. Der Feind kann sich unbemerkt hinter dem Walde sammeln, das preußische Lager überraschen; die Person des Königs selbst ist in Die Vorbereitungen für den Staatsakt auf dem Bückeberg. Ergänzung der Bahnanlagen und andere Bauten. Die Rei wo wie im das Rei 200000 + Hannover, 24. September. rechnet damit, daß sie zu Sonntag, orjahre auf dem Bückebera bei Hameln serntedankfest gefeiert wird, rund personen dorthin und zurückbefördern muß. Neben den Regelzügen, zahlreichen Vor= und Nachzügen, sind für die Beförderungz. Z.174 Sonderzüge vorgesehen. Der Abtransport beginnt Sonnabend 18 Uhr und soll Sonntag, 13 Uhr. beendet sein. Der Hauptanteil mit 88 ankommenden Sonderzügen wird auf Bahnhof Hameln gesehen. Der Antransport beginnt Sonnabend 18 Uhr und von Sonntag um 20 Uhr bis Montag um 16 Uhr. Um die beschleunigte An= und Abbeförderung sicherzustellen, war es erforderlich, die voryandenen Bahnanlagen, die in der rein ländlichen Gegend naturgemäß nicht für die Abwicklung von Massenverkehren eingerichtet sind, zu erganzen bezw. umzubauen. Umfangreiche Gleisänderungen waren vor allem auf Bahnhof Hameln erforderlich. Die Gleisanlagen dieses Bahnhofs, waren für die Bewältigung dieses Massenverkehrs insofern unzulänglich, als die Strecke Hannover—Altenbeken im Bahnhof nur eingleisig durchgeführt war. Eine zweigleisige Durchführung dieser Strecke war daher für die glatte Bewältigung des Massenverkehrs am Erntedanktage unbedingtes Erfordernis. Ferner sind dabei die Ein= und Ausfahrwege der Löhner und der Hannoverschen Strecke ausgebaut worden. Dadurch ist eine glatte Betriebsabwicklung sichergestellt. Ferner wurden neue Ueberholungsmögl keiten geschaffen, und die Bahnsteige für die Abfertigung der Sonderzüge, zum Teil unter Ueberbrückung von Straßen, auf 300 m verlängert. Schließlich wurde zur glatten Abführung des Stroms der Reisenden noch ein besonderer Ausgana vom Bahnsteig 4 mit Treppenanlagen geschaffen, über den die Sonderzugteilnehmer unmittelbar zur Kreuzstraße geleitet werden. Als zweiter Ein= und Ausladebahnhof ist der Haltepunkt Tündern vorgesehen. Die Verladung der Massen beim Rücktransport bereitete hier im vorigen Jahre wegen des Fehlens von Nebengleisen dem Zuglauf besondere Schwierigkeiten; jede Verladung sperrte das am stärksten belastete Streckengleis. Um diesmal die Behinderung des Zuglaufs zu vermeiden, ist eine Umfahrmöglichkeit geschaffen worden, sodaß während des Verladens das Streckengleis frei bleibt. Als Ein= und Aussteigebahnhöfe sind noch Emmerthal, Klein= und Groß=Berkel vorgesehen. Ferner mußte, um die vorgeschriebene Zeitspanne fur die An= und Abbeförderung der Massen einhalten zu können, eine weitere Ein= und Auslademöglichkeit geschaffen werden. Es wurde die Blockstelle Afferde auf der Strecke Elze—Hameln, die nur 5,5 km von dem Festplatz entfernt ist, zueinem Bahnhof ausgevaut. Für den Sonderzugverkehr sind zwei hohe Bahnsteige angelegt, ein weiterer, jedoch niedriger Bahnsteig, ist für den spateren Regelbetrieb vorgesehen. Zwei nur für den Personenverkehr bestimmte Ueberholungsgleise ermoglichen das Ueberholen von am Bahnsteig stehenden Zügen. Außer auf diesen in der Nähe des Bückebergs liegenden Bahnhöfen mußten auch auf den Bahnhöfen Hannover, Löhne und Lage(Lippe) Aenderungen an den Gleis= und sonstigen Anlagen vorgenommen werden, um die Sonderzüge auf der Hin= und Rückfahrt glatt durchführen zu können. Schließlich bedurfte auch das Fernmeldenetz für die betrieblichen Meldungen einer Erweiterung. Für die Ausgestaltung sämtlicher Anlagen hat die Reichsbahn insgesamt meyr als 870 000 R M. aufgewendet. K.. Die Vorbereitungen auf dem Bückeberg selbst sind schon seit Wochen im Gange. Der Festplatz erhält auf allen Teilen eine ausreichende Wasserversorgung. Zaylreiche Zapfstellen werden dahin wirken, daß niemand unter Durst zu leiden hat. Unter schwierigen Verhältnissen muß das n hal. Anter schwierigen Wasser den Berg hinaufgepumpt werden. Eingebaute Reservetanks sorgen dafür, daß in der Belieferung bei lebhafter Inanspruchnahme, auf die nach den Erfahrungen des Vorjahres zu rechnen ist, keine Stockungen eintreten. Außer für die Wasserrohre mußten für die Lautsprecher und Fernsprechkabel Gräben ausgehoben werden. Die Anlagen des Vorjahres sind zum Teil wieder herausgenommen worden, denn die Lautsprecheranlagen werden in diesem Jahre verbessert und in zweckmäßiger Anordnung aufgestellt, und außerdem wird das Fernsprechnetz für die Organisationsleitung, die Presse usw. ausgebaut. Am Fuß des Berges geht ein neues Transformatorenhaus seiner Vollendung entgegen. Lastwagen auf Lastwagen rollt heran, um das Baumaterial, die Kabel, Rohre, Bausteine, Balken und Bretter heranzubringen. Die Fahnenmasten, die den weiten Platz umsäumen sollen, sind neu gestrichen und liegen schon zur Stelle, Meßtrupps sind an der Arbeit, die alles genau ins Lot bringen, an den Telefonmasten hängen die Monteure, also ein Bild, das bunt genug ist, aber frohen Arbeitsgeist verrät. Eine andere Sache soll nicht vergessen, sondern ganz besonders vermerkt werden: die hygienischen Einrichtungen. Toiletten sind in ausreichender Zahl in erreichbarer Nähe gebaut worden. Das gesamte Gesundheitswesen wird systematisch so durchorganisiert, daß etwaige Befürchtungen nicht angebracht sind. Eine Ueberraschung ist auf der Höhe des Berges hinter der Ehrentribüne die kurz vor der Vollendung stehende völlig neue Straße die von der Waldseite von Welsede her den Berg hinauf führt und in der Hauptsache für die Heranbeforderung der Ehrengäste usw. bestimmt ist. Diese Straße ist eine sehr bemerkbare Entlastung der übrigen Verkehrswege, die in diesem Jahr noch nicht in dem gewünschten Rahmen fertiggestellt werden konnten. Im Gegensatz zum vorigen Jahr, in dem zum Erntedanktag der Bauernempfang in Berlin stattfand, wird der Führer und Reichskanzler am 30. September die Bauernabordnungen aller deurschen Gaue in der alten Kaiserpfalz zu Goslar empfangen. Nach seiner Landung auf dem Flugplatz in Goslar wird der Führer durch die Stadt zur Kaiserpfalz fahren, wo ihn der Reichsbauernführer Reichsminister Darré mit den Bauernabordnungen aus dem ganzen Reich in dem würdig ausgestatteten Festsaal erwartet. Gefahr. Größte Achtsamkeit ist nötig, um ein Unglück zu verhüten. An einer sehr wichtigen Brücke steht York mit einem Detachement auf Vorposten, als der Obrist Erbprinz von Hohenlohe mit seinen Adjutanten auf der Runde dorthin kommt. Er setzt dem jungen Leutnant die große Wichtigkeit seines Postens auseinander und ermahnt ihn, diesen um jeden Preis zu halten. Schon wegreitend, wendet er sich noch einmal um:„Bleiben Sie ja auf Ihrem Posten! Ich verlasse mich darauf!“ Der Leutnant, durch das Mißtrauen, das diese vervielfachte Mahnung enthält, nicht wenig verletzt, erwidert:„Sie können sich beruhigen, Durchlaucht, ein preußischer Edelmann hat ebensoviel Mut als ein deutscher Reichsfürst!“ Worauf der Prinz mit dem ihm eigentümlichen vornehm ruhigen Wesen zum Adjutanten sagt:„Kommen Sie, Holzmann, der Herr wird hitzig Graf York von Wartenburg Die Armee kommt mißvergnügt aus dem Krieg zurück. Das Lucksche Regiment beginnt bald, sich in seiner Garnison lästig zu machen. Uebermut gegen die Bürgerlichen, Gelage und nächtlicher Lärm, Duelle, Ausgelassenheit und Aergernisse aller Art sind an der Tagesordnung. Die Geistlichkeit klagt beim König, aber die Allerhöchste Antwort ist mehr als nachsichtig und gibt dem Gelächter neue Nahrung. Die Ehre des Offizierkorps wird durch solche Dinge nach damaligen Vorstellungen nicht berührt. Aber es gibt Erinnerungen bedenklicherer Art aus der letzten Campagne, und die gegenseitigen Neckereien sind nicht immer harmlos. Einmal auf der Parade neckt man sich darüber, was jeder aus dem Feldzuge mitgebracht habe, war man doch oft genug auf Plündern angewiesen. York nimmt an diesen Neckereien wenig Anteil, als aber von dem Stabscapitain von Naurath gesagt wird, er habe eine Altardecke aus einer Kirche mitgebracht, wirft York dazwischen.„Die ist ja gestohlen!“ Naurath beschwert sich beim Regimentschef, der eine Untersuchung gegen York anordnet. York wird freigesprochen, und nun hätte die Entlassung des Capitains notwendig folgen müssen. Der König aber durchstreicht das Urteil und setzt hinzu:„Geplündert ist nicht gestohlen, York kann sich zum Teufel scheeren!“ Yorks Biograph Joh. Gust. Droysen zieht diese Lesart in Zweifel. Ist die Aeußerung des Königs wirklich erfolgt, so hätte York darin eine Entlassung aus dem Dienste nicht gesehen. Aber bald entscheidet ein neuer Vorfall in Verfolg des ersten über sein Schicksal. Man läßt jenen Capitain endlich wissen, daß die Ehre des Offizierkorps nicht länger gestatte, mit ihm zu dienen. Dennoch erscheint er, die nächste Wachtparade zu kommandieren. York soll sie als wachthabender Leutnant führen. Als Capitain Naurath antritt und das Kommando beginnt, kehrt Leutnant York das Sponton zur Erde— und jeder versteht das Zeichen. Er wird sofort abgelöst, der Degen ihm avgenommen er selbst in Arrest geführt. Er erwartet, daß jeder Leutnant nach ihm dasselbe tun und so bezeugen werde, daß man mit dem Capitain nicht mehr dienen könne. Aber schon der nächste Aufgerufene folgt dem Befehl. Ueber York wird Kriegsrecht gehalten, er wird schuldig erkannt, zur Cassation und einjähriger Festungshaft verurteilt, das Urteil vom Könige bestätigt. Die Friedrichsburg, die Zitadelle von Königsberg, wird der Ort seiner Strafzeit. Bemühungen um des Königs Gnade haben keinen Erfolg. Zuerst macht General von Luck den Versuch, ein halbes Jahr später bemüht sich der Vater, als die Zeit der Haft zu Ende ist, durch ein Bittschreiben an den König um Wiedereinstellung des Sohnes. Der König antwortet, Potsdam, den 8. Februar 1781:„Mein lieber Capitain von York. Ich kann Eurem bei dem Regiment von Goltz gestandenen Sohn, da derselbe wider die Subordination gehandelt, und dieserhalb cassirt worden, auf die in Eurem Schreiben vom 1sten dieses für ihn gethane Bitte nicht helfen. Es würde solches von nicht guten Folgen sein. Ich bin inzwischen darum nicht weniger Euer wohlaffectionierter König“. Der junge York hat die einsame Muße seiner Strafzeit benutzt, die Versäumnisse seiner bisherigen Ausbildung nachzuholen. Bald ist er mit sich einig, irgendwo außerhalb Preußens eine militärische Laufbahn zu suchen. In diesem Sinne ordnet er seine Studien, übt das Französische bis zur vollkommenen Geläufigkeit und liest soviel wie möglich kriegsgeschichtliche Bücher. Als die Festung ihn entläßt, steht sein Entschluß, die Heimat, zu verlassen und auswärtigen Dienst zu suchen, fest. Aber wie es erreichen? Der Vater hat nicht die Mittel, ihn auszustatten. Die ganze Mitgabe, die er vom Vater erhalten kann, beträgt 20 Dukaten. Damit ist kaum das Reisegeld zu bestreiten. Er selbst besitzt nichts als ein paar vom Vater geschenkte Pistolen. Schweren Herzens entschließt er sich, sie einem Kameraden zum Kaufe anzubieten. Der macht den Vorschlag, sie unter Yorks Freunden auszuspielen. Es geschieht, der Stabsoffizier aber, der sie gewinnt, übersendet sie mit dem Erlös von 150 Talern als Geschenk an York, mit der Bitte, sie als Andenken an seine Braunsberger Freunde mit in die Welt zu nehmen. An besonderen Empfehlungen fehlt es ihm nicht. Der Leutnant von Hogendorp in Königsberg empfiehlt ihn seiner Familie, einer der angesehensten in Holland; zu ihr gehört Graf Hogendorp in Rotterdam, der an der Spitze des Rates der Admiralität an der Maas steht. Der Prinz von Preußen empfiehlt ihn bestens seiner Schwester, der Erbstatthalterin. Obrist Schellenbeck vom Luckschen Regiment schreibt an einen holländischen General und nennt den ins fremde Land Gehenden einen „Offizier von vollkommener Ehre und hohem Ansehen“. In den ersten Tagen des Mai 1781 verläßt York das Vaterland, das seiner Dienste nicht bedarf. Man nimmt ihn, auch bei Hofe, günstig auf. Er geht mit der holländischen Flotte in den Krieg gegen England, umschifft mit der Flotte das Cap der Guten Hoffnung, kämpft auf Ceylon gegen die Engländer. Am 7. Februar 1786 zeigen die Berliner Nachrichten an:„Der holländische Capitain v. Yorkist aus Potsdam hier angekommen.“ Doch erst der Tod Friedrichs 2. erschließt ihm wieder die preußische Armee. Der Mensch spricht... Manchmal in einer besinnlichen Minute überkommt uns eine merkwürdige Verwirrtheit vor einem— Wort! Vielleicht gaben wir eben einem ganz gewöhnlichen Gegenstand laut seinen Namen. Und dann überfielen uns die Laute: Warum sind gerade sie für dieses Ding die Bezeichnung? Was ist es doch eigentümliches um unsere Sprache! Da werden Laute zusammengesetzt, an unser Ohr geleitet und ein ganz bestimmter Begriff gewinnt in uns Vorstellung. Was kann das Wort alles ausdrücken: Gutes und Böses, Schönes und Häßliches, Nüchternes und Ueberschwängliches. Worte der Mutter werden lebendig, im Heimatdialekt und diese Sprache klang unserm Ohr beseelter als das vornehmste Schriftdeutsch. Ganz anders klangen die Worte an unser Ohr, als eine Liebe aufblühte und jedes Wort seinen besonderen Ton hatte; als der Mund noch das förmliche„Sie“ brauchte und im Herzen das„Du“ mitschwang. Später ertönten uns Kinderstimmen die lieblichsten Laute für einer Mutter Ohr. Dieses Stammeln, das Liebe und Vertrauen, Hilfslosigkeit und Schutzsuchen. Jubel und Kinderleid war. Das alles ist Glück Glück, aus dem Wort geboren. Und wieder andere Worte werden lebendig, die Erfahrungen vor uns ausbreiten sollten, um unsern Weg leichter zu machen. Sie nützten nicht immer. Der Hochmut in uns reizte zur Ueberheblichkeit und wir gingen doch den schwersten Weg. vor dem man uns schützen wollte. Wir dürfen nicht klagen. Und soviel Worte gibt es, es scheinen doch nicht genug zu sein, denn in einem einzigen Wort steckt oft vielfältiger Sinn. Es ist ja überhaupt nicht das Wort allein das wohltut oder verletzt, ernüchtert oder begeistert. Es ist die Melodie des Wortes, die uns trifft. Wir suchen den Menschen, der hinter ihm steht, der uns anspricht oder nicht entspricht. Noch ein Merkwürdiges: So viel Worte es gibt, das gesprochene Wort ist doch immer ein Einmaliges, es kann nicht mehr zurückgeholt werden. Oft war es der schnelle Ausdruck aufspringender Gedanken. Das Temperament überrannte den kühleren Verstand. Und wie leicht ist dann ein Schaden angerichtet. Darum sollte das Taktgefühl, das sich in Lage und Wesensart des anderen zu versetzen sucht, der Behüter unserer Worte sein. Wir wissen, was uns wohl oder wehe tut und welcher Ton uns schmerzen würde. Warum lassen wir da zu, daß unser Wort zerstört und andere verwundet? Eine andere Vorsicht tut not: eine nüchterne Ueberlegung vor dem gesprochenen Wort, das sich auch recht hochtönend und großspurig geben kann. Es hört sich manches recht schön an, aber wenn man diese laut gewordenen Gedanken dem wirklichen, ach so nüchternen Leben gegenüberstellt, fallen sie zusammen wie ein Kartenhaus im Windhauch. Uns Frauen wird recht oft eine übersteigerte Freude am gesprochenen Wort nachgesagt. Ob es wahr ist? Auch Männer können sich gern und lange reden hören, und vielleicht wirkt ein redseliger Mann komischer als eine wortgeläufige Frau. Wer wirklich und viel nachdenkt, spricht wenig, denn er erkennt immer mehr die Grenzen menschlichen Wissens und menschlichen Könnens und scheut die großen und leichtfertig schnellen WorteJ. L. Vor 20 Jahren fiel Hermann 3 Falyen u J Brörilt meis aga Das Grab des Dichters. Hermann Löns. Am 28. September 1914, vor 20 Jahren, starb der Kriegsfreiwillige Hermann Löns im Alter von 48 Jahren vor Reims den Heldentod. Niederschrift eines Heidegedichts. Handel und Wirtschaft. Reichsbankausweis für die dritte September=Woche. Berlin, 25. September. Auch in der dritten September=Woche waren die Rückflüsse zur Reichsbank verhältnismäßig gering, sie betrugen nur 49,9 Mill. M. Damit sind im September von der Ultimo=Beanspruchung nur rund 42 v. H. wieder abgedeckt worden. Es hängt dies in erster Linie mit dem starken Steigen der Giroverbindlichkeiten um 89 Mill. A zusammen. Den Hauptanteil dieser Steigerung dürften Einzahlungen in die Konversionskasse haben. Aber auch die Giroeinzahlungen der öffentlichen Hand sind bekanntlich in der dritten Monatswoche stets ziemlich erheblich. Im einzelnen ermäßigte sich der Bestand an Reichsschatzwechseln um 9,4 auf 5,3, an Wechseln und Schecks um 35,7 auf 3378,5 Millionen N. an Lombardforderungen um 3,4 auf 95,1 und an deckungsfähigen Wertpapieren um 1,6 auf 429,8 Mill. M. Die stetige Steigerung des Bestandes an deckungsfähigen Wertpapieren ist damit in dieser Woche zum ersten Mal unterbrochen. Der Umlauf an Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen ermäßigte sich um 98 Mill. M. Der Notenumlauf ging zurück um 93,5 auf 3 568,8 Mill. A und der Rentenbankscheinumlauf um 4,5 auf 298,1 Mill. K. Der Umlauf an Scheidemünzen nahm um 40,9 auf 1,385 Mill. K ab. Unter Berücksichtigung von 7,8 Mill. K neuausgeprägter und 8,9 Mill. A wieder eingezogener Scheidemünzen stieg der Reichsbankbestand an Scheidemünzen auf 283,1 Mill. M. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen haben sich um 0,1 Mill. A auf 78,9 Mill. Merhöht. Hiervon entfallen 3,9 Mill. A auf deckungsfähige Devisen. Der gesamte Zahlungsmittelumlauf war nicht unerheblich rückgängig; er ermäßigte sich von 5 562 Mill. A in der Vorwoche auf 5419 Mil. M. Zur gleichen Zeit des Vorjahres betrug er 5269 Mill. M. Berliner Börse. Berlin, 25. September. auch für die Zeit der Verlängerung die zugunsten der ausländischen Gläubiger im Sommer 1933 verfügte Differenzierung. Das Moratorium für die zinsgesenkten Hypotheken wird ebenfalls um ein Jahr verlängert; diese können nicht vor dem 1. April 1936 zurückverlangt werden. Märkte. Metalle. Berlin, 25. Sept. Elektrolytkupfer(Wirebars) 43,75 A für 100 kg netto cif Hamburg, Bremen oder Rotterdam. Aluminium 98=99 kg Bl. 160, Aluminium i. Walz. o. Dr. 164, Reinnickel 98=99 kg 270, Antimon=Regulus—, Silber in Barren 900t 40,25—43,25. Altenessener Schweinemarkt. X Altenessen, 25. Sept. Auftrieb; 500 Ferkel, 203 Läufer. Es kosteten: Ferkel: bis 6 Wochen alte bis 5, 6—8 Wochen alte 5—9, 8—12 Wochen alte 9—14; Läuferschweine: 3—4 Monate alte 14—20, 4—6 Monate alte 2—038. Größere entsprechend höher. Marktverlauf: langsam. Vieh= und Schweinemarkt in Cloppenburg. Cloppenburg(Oldbg.), 24. Sept. Auftrieb: 627 Schweine. Es kosteten Milchkühe 280—340 Rm., tragende Rinder 180—260 Rm., Handel langsam. Ferner kosteten Ferkel bis 6 Wochen alt, 5—7 Rm., von 6—8 Wochen 7—9 Rm., von 8—10 Wochen 9—11 Rm., ältere pro Pfd. 30—37 Pfg. Handel langsam. Nächster Vieh= und Schweinemarkt am Möntag, den 1. Oktober 1934. Berliner Schlachtviehmarkt. X Berlin, 25. Sept. Auftrieb: Ochsen 734, Bullen 416, Kühe, Färsen, Fresser 1021, Kälber 2162, Schafe 3865, Schweine 14611. Marktverlauf: Rinder und Kälber glatt; Schafe sehr lebhaft; Schweine lebhaft. Es kosteten: Ochsen: al) 38, a2) 38, b) 33—36, c) 29—32, d) 25—28; Bullen: a) 35—36, b) 32—34, c) 28—31, d) 24—27; Kühe: a) 32, b) 22—30, c) 17—20, d) 12—15; Färsen: a) 35, b) 30—33, c) 25—28, d) 21—24; Fresser: 20 bis 26; Kälber: al) 65—75, a2) 52—55, b) 42—50, c) 35—40, d) 27—33; Schafe: a1) 49, a2) 45—46, b1) 46—48, b2) 37—38. c) 42—45, d) 29—40. e) 38, f) 36—37, g) 23 bis 35; Schweine: al) 52, a2)— ,b) 52, c) 50—52, d) 47—50. e) 40—45, f)—, g1) 50—52, g2) 46—49. Hamburger Schweine= und Kälbermarkt. Hamburg, 25. Sept. Auftrieb: 1045 Kälber, 5035 Schweine. Es kosteten: Kälber: Doppellender:—, a) 50—56, b) 42—49, c) 30—40, d) 17—26; Schweine: al) 50, a2)—, b) 50, c) 48—50, d) 44—49, e) 40—43, f)—, Berliner Getreidegroßmarkt vom 25. Sept. 1934. Gesetzi. Mühleneinkaufspreie zuzügl. 4 RM Das im Hinblick auf den bevorstehenden Quartalsultimo in verstärktem Umfang vorhandene Liquiditätsbedürfnis führte auch heute zu weiteren Abgaben des Publikums. Wenn dadurch bedingt das Kursniveau auch im allgemeinen rückgängige Tendenz aufzuweisen hatte, so muß doch festgestellt werden, daß sich die Einbußen in verhältnismäßig engen Grenzen bewegten. Das ist zum Teil darauf. zurückzuführen, daß immer noch ein gewisser Anlagebedarf vorhanden ist, der gerade heute wieder durch verschiedene wirtschaftlich günstige Nachrichten Anregungen erhält. Die Verlängerung der landwirtschaftlichen Zinsbestimmungen. Die Reichsregierung hat den bereits mitgeteilten Gesetzentwurf über die Verlängerung der Bestimmungen über die landwirtschaftliche Zinssenkung verabschiedet. Diese Bestimmungen, die am 30. September außer Kraft getreten wären, wurden um ein Jahr verlängert. Es handelt sich dabei einmal um die Inlands=Realkredite(Verordnung vom 27. September 1932) und zum zweiten um die Sonderregelung für die Auslands=Realkredite zugunsten der Landwirtschaft(Verordnung vom 20. Juli 1933). Bei den Inlands=Realkrediten wird der Betrag der Zinssenkung in Zukunft nicht mehr dem Kapital zugeschlagen werden. Bei den Auslands=Realkrediten bleibt Gerste Frei Berlin für 1000 kg in Reichemars„trei Berlin“ Ab märk. StationII Kleier und„ab märk Station“ In RM für 100 kg brutto einschl. Sack fr. Berlin ab Bahn und ab Mühle. Braugerste. feinste neue Braugerste gute Sommergerste, mittl. Art u. Güte Wintergerste zweizeil Wintergerste vierzeilig Weizenkleie Preisgebiet V Preisgebiet VI Preisgebiet VII Preisgebiet VIII Preisgebiet IX Preisgehiet XI Roggenmeh! (Basis Type 997) 10.85 10.95 11.00 11.05 11.15 11.25 Roggenkleie Preisgebiet V Preisgebiet VI Preisgebiet VII Preisgebiet VIII Preisgebiet IX Preisgebiet XI 9.30 9.40 9.45 9.50 9.65 9.75 Weizenmeb! (Basis Type 790) In RM f 100 kg brutto einsch! Sack frei Berlin Bezirksstelle X der W In RM t. 100 kg brutto einschl Sack frei Berlin PreisgebietV Preisgebiet VI Preisgebiet VII heute 26.35 26.50 26.65 Preisgebiet VIII Preisgebiet IX Preisgebiet XI Berlin beute 26.80 27.10 27.40 PreisgebietV Preisgebiet VI Preisgebiet VII heute 21.40 21.50 21.65 Bezirksstelle Vortag 21.40 21.50 21.65 X der W. V Berlin Preisgebiet VIII Preisgebiet IX Preisgebiet XI heute 21.80 22.10 22.40 Vortag 21.80 22.10 22.40 10% Ansidsw. 1.50 und m. 20% 3.00 RM. Aufgeld Preise in RM. Oelsaaten per 1000 kg, die Notierungen von Viktoriaerbs en bis einschl. Kartoffelflocken freie Ware werden per 50 kg gehandelt. 310 29—32 11½—12½ 10½—11½ 10½—11½ 6¾—7¼ Leinkuchen, Basis 37% ab Hamburg Erdnustkuchen, Basis 50% ab Hamburg Erdnustkuchenmehl, Basis 50% ab Hamburg Trockenschnitze Extrahiertes Soyabohnenschrot 46% ab Hamburg Extrahiertes Soyabohnenschrot 46% ab Stettin Kartoffellocken Kartoffelllocken freie Ware 7.55 7.15 7.50 7.40 6.40 7.15 8.55 9.10 Weizen-Exportscheine. per Aug.— Weizen-Exportscheine. per Sept. 250 nom. Weizen-Exportscheine. per Okt..— Roggen-Expartscheine. per Aug.— Roggen-Exportscheine. per Sept. 132½ Brief Roggen-Exportscheine per Okt.— Sauen: g1) 50, g2) 42—49. Marktverlauf: Kälber rege beste Kälber knapp; Schweine lebhaft, beste Fettschweine und Säue bis 51 RM. gehandelt. Amfliche Rauhfutter-Nofierungen (Per 50 Kilogramm frei Waggon ab märkische Station.) Roggenstroh drahtgepreßt Weizenstroh drahtgeprestt Haferstroh dráhtgepreßt Gerstenstroh drahtgeprestt Roggenstroh 1.45—1.60 1.35-1.50 2.45—2.65 3.80—4.40 4.70-5.10 5.00-5.40 4.80—5.20 Bremen: Baumwolle Tendenz: stetig Liverpool: Baumwolle loco September Oktober November Dezember Januar Februar März April 24. 9. (leld 14.45 14.66 14.69 13.06 15.26 15.28 bezahlt 14.45 14.66 14.89 15.06 15.26 15.23 Tagesimport. Liverpool: Östindische Baumwolle Loco Surtee F. G. " Broach F. G.(Good Staple) „ M. G. Punjab/American F. G. " Centr Provinces Oomra Nr. 1 „ Bengal F. G. " Bengal Superfine „ Sind F. G. „ Sind Superfine. 6900 2400 ..... .... Liverpool: Oktober November Dezember Januar März Mai Juli Loco Tendens: k. stetig New Orleans: Baumwolle Loco Oktober Dezember Jaruar Loco September Oktober November Dezember Januar Februar per F.G.F. Upper F.G.F. 7.03 7.07 7.12 7.12 7.17 7.22 7.25 7.15 Mära Mai Juli 25. 9. 12.82 12.89 12.93 Tendens: stetig März April Mai Juni Juli August T. 25. 9. 12.80 12.86—87 12.87-90 24. 9. 12.64-85 12.86—87 12.92—93 24. 9. 12.60 12.82-8 12.86—8 endens: stetis Geschätzte Totalzufuhren— Baumwollzufuhr in Atlantischen Häfen, 3000 Baumwollzufuhr in Golf-Häfen. 9000 Zufuhren in Pacific-Häfen„— Export nach England 12000 Export aach dem übrigen Kontinent. 27000 Export nach Japan und China... 8000 Fracht n. Liverpool f. starkgepr. Ballen— Fracht für Standard— Export nach Kanada und Mexike— Programm des Reichssenders Köln September Mittwoch 5,30: 6,05: 6,25: 6.50 8,00 8,05 8,20 10,00: Morgenruf. Anschl.: Frühkonzert, Hans Jacoh Reinarz: Leibesübungen. Von Breslau: Morgenkonzert der Orchester meinschaft der Landesmusikerschaft Schlesi Leitung: Friedrich Weißhaupt. 1. Fanfar klänge— Fucik. 2. Vorspiel zur Oper„Ar kreon— Cherubini, 3. Vorspiel zur Oper Diavolo"— Auber Morgenruf— Zeit, Wetter, Nachrichten 4. Melodien aus der Oper„Der Postillon Longjumeau"— Adam. 5, Fantasie aus Oper„Deg Barbier von Sevilla“— Rossi 6. Zigeunerfest— Heykens. 7. Sturmführ Marsch— Bollmacher. Zeit, Wetter, Wasserstandsmeldungen. Hilde Bremus: Frauenturnen, Elsbeth Theisen: Unsere Säuglinge und Kle kinder im Herbst. Zeit, Nachrichten, Wasserstandsmeldungen. 10,10: Heute vor zwanzig Jahren fiel Hermann Löns Eine Gedenkstunde für Schüler vom 12. bis 19 Lebensjahre. Zusammenstellung: Dr. Friedrich Castelle. 11,30: Funkwerbung der Reichspostreklame(ohne Verantwortung des Intendanten). 11,40: Rechtsanwalt Sprick: Die rechtliche Stellung der nachgeborenen Kinder des Erbhofbauern 12,00: Musik am Mittag. Schöne Stimmen auf Schallplatten. 12,45: Mittagsmeldungen 1, Glückwünsche 13,00: Das Große Orchester, Leitung: Otto Julius Kühn; Solisten: August Schreiber(Cello), Hans Haaß(Klavier), 1. Menuett aus der HaffnerSinfonie— Mozart. 2. Adagio aus dem CelloKonzert— Haydn. 3. Scherzo aus der Sinfonie Nr. 4— Beethoven, 4. Air aus der D=dur=Suite— Bach. 13,45: Mittagsmeldungen 2. 5. Scherzo aus der Rheinischen Sinfonie— Schumann. 6. Erster Satz aus dem Klavierkonzert B-moll— Tschaikowsky. 7. Allegro con gracia aus der Pathetischen Sinfonie— Tschaikowsky. 15,00: BDM=Sport. Grete Ohligschläger. 15,30: Wirtschaftsmeldungen 1.„ 15,50: Stimme der Zeit. 16,00: Von Hamburg: Nachmittagskonzert.' Neue deutsche Tänze. 17,00: Die Welt im Buch. Fritz Schlüter: Der deutsche Mensch an den Grenzen des Reiches und in den Grenzlanden 17,20: Achtung!. Sie hören Hausmusik. Kinder musizieren. Leitung: Hans Leo Abshagen. 17,45: Italien— Sizilien— Tripolis. Fahrt deutscher Akademiker 1934 von Max Brunnemann. 18,00: Achim Holtz: Wirtschaft„unter der Zeitlupe. 18,20: Hermann Löns. Eine kleine Gedenkfeier von Dr. Friedrich Castelle. 18,40: Vom Tage. 18,50: Wirtschaftsmeldungen 2, Sportvorbericht. 19,00: Unterhaltungskonzert. Das Kleine Orchester, Leitung: Leo Eysoldt. 1. Vorspiel zur Operette„Nakiris Hochzeit“— Lincke. 2. Donausagen, Walzer— Fucik. 3. Melodien aus der Oper„Aida“— Verdi, 4 a) Liebestraum nach dem Balle— Czibulka. b) Sizilietta— Blon. 5. Sechs Bravour=Variationen über das Volkslied„Muß i denn zum Städtle hinaus"— Knümann. 6 Bib und Bob, Charakterstück— Demaret. 7. Diabolos, Marsch— Mauß. 20,00: Erste Abendmeldungen, 20,10: Von Stuttgart: Unsere Saar— Den Weg frei zur Verständigung 20,35: Von Hamburg: Reichssendung: Stunde der jungen Nation.„Der dreißigjährige Krieg“. 21,00: Von München: Exotisches, allzu exotisches Klänge aus fremden Ländern. 22,00: Zeit, Wetter, Nachrichten. 22,35: Aus Wuppertal=Elberfeld: Nachtmusik und Tanz. Kapelle Fritz Schlenkermann. September Donnerstag 5,30: Morgenruf. Anschl.: Frühkonzert. 6,05: Hans Jacob Reinarz: Leibesübungen. 6,25: Morgenkonzert. Uebertragung aus dem IbachSaal, Düsseldorf: Das Düsseldorfer KonzertOrchester, Leitung: Kapellmeister Carl Maria Artz. 1. Der kleine Reiter, Marsch— Lincke. 2. Idyll— Fibich. 3. Fünf=Uhr=Tee im Froschteich— Ailbout, 4. Schwäbische Volksmusik— 6,50: Morgenruf— Zeit, Wetter Nachrichten, 5.Lustiges Vorspiel„Fahrendes Volk“— Leuschner. 6. Die Verlobten, Walzer— Wesley. 7. Melodien aus der Operette„Das Pensionat"— Suppé. 8. Vorspiel zur Oper„Die Rose von Enin"— Benedict, 9. Gavotte— Gillet. 10. Melodien aus der Oper„Lakme“— Delibes. 11. Melodien aus der Operette„Die Puppenfee“ — Bleyle. 12. Die Jagd nach dem Glück, Galopp— Eilenberg. 8,00: Zeit, Wetter, Wasserstandsmeldungen. 8,05: Hilde Bremus: Frauenturnen. 8,20: Aenne Wirtz: Ein Pfund Zucker auf 10 Pfund Früchte? 10,00: Zeit, Nachrichten, Wasserstandsmeldungen. 10,10: Wir und die Welt, 11,10: Oberstleutnant a. D. Schramm: Infanterie=Regiment Freiherr v. Sparr(5. Westf.) Nr. 16. 11,30: Funkwerbung der Reichspostreklame(ohne Verantwortung des Intendanten). 12,00: Musik am Mittag. Das Westdeutsche Kammerorchester Leitung: Rolf Hartmann. 1. Vorspiel zur Oper„Die Najaden“— Bennet. 2. Aquarellen=Walzer— Strauß. 3. Melodien aus der Oper„Die Favoritin“— Donizetti. 4. Nocturno Nr. 3— O lieb so lang du lieben kannst— Liszt. 5. Ein Fest im Gnomenreich, Folge— Wittebom, 12,45: Mittagsmeldungen 1, Glückwünsche, 6. Durch Webers Zauberwald, Melodienfolge— Urbach 7. Liebesgruß— Elgar. 8. Ständchen — Widor. 9. Abendsterne, Walzer— Lanner. 10. Rapsodie Nr. 6— Liszt. 13,45: Mittagsmeldungen 2. 14,00: Allerlei Humor und zwischendurch Musik, 15,00: Was die Führer von Betrieben und Verwaltungen beim Austausch von Arbeitsplätzen Jugendlicher unter 25 Jahren gegen Aeltere wissen müssen. 15,15: Reichsbahnoberinspektor Th. Klein: Die Reichsbahn im nationalsozialistischen Staat, 15,30: Wirtschaftsmeldungen 1. 15,50: Stimme der Zeit. 16,00: Nachmittagskonzert. Das Große Orchester, Leitung: Otto Julius Kühn. Solistin: Margot Gripekoven(Sopran). 1. Vorspiel zur Operette „Ein tolles Mädel"— Ziehrer. 2. Aus der Operette„Der Zigeunerbaron":„Mein Aug' bewacht“— Strauß. 3. Kometen=Walzer aus der Operette„Der Kellermeister“— Zeller. 4. Präludium, Chor und Tanz aus der Operette „Das Pensionat"— Suppé. 5. Csardas aus der Operette„Die Fledermaus“— Strauß. 6. Melodien aus der Operette„Der Obersteiger“ — Zeller. 7 Alt=Wien, Walzer— Kremser, 17,00: Fortschritt in Technik und Wissenschaft, 17,20: Wilhelm Strienz singt. 17,50: Volk erzählt. Plattdütschet Kränzken vom Fromme Fränzken. Verse in Bochumer Mundart. 18,00: Jugendfunk, Westdeutsche HI=Führer besuchen Danzig. 18,20: Musik, die wir heimbrachten. Lieder unserer Jugend. Manuskript: Heinz Häuschen. 18,40: Vom Tage. 18,50: Wirtschaftsmeldungen 2, Sportvorbericht, 19,00: Perlen im Wein, 19,30:„Er“ singt sich in„ihr" Herz hinein(Schallpl.), 20,00: Erste Abendmeldungen. 20,10: Siegerland. Funkbild einer deutschen Landschaft, 21,10: Olav Trygvason. 22,00: Zeit, Wetter, Nachrichten und Wochenvorschau, 22,40: Tanzmusik. 23,25: Von Budapest: Zigeunermusik. September Freitag 5.30: Morgenruf. Anschl.; Frühkonzert. 6,05: Hans Jacob Reinarz: Leibesübungen. 6.25: August Elges: Festpreise, eine Kurzgeschichte für Bauer und Städter, 6,35: Morgenkonzert.„Was sich unsere Hörer wünschten". 6,50: Morgenruf— Zeit, Wetter Nachrichten. 8,00: Zeit, Wetter, Wasserstandsmeldungen. 8,05: Hilde Bremus: Frauenturnen. 8,20: Julie Lucas: Die Stiefmutter, 10,00: Zeit, Nachrichten, Wasserstandsmeldungen. 10,10:„Wie einst der Städter den Bauer sah". 10,45: Aus unserer Heimat. Das Land um Melle, 11.00: Chopin— Brahms. 11,30: Funkwerbung der Reichspostreklame(ohne Verantwortung des Intendanten). 12,00: Musik am Mittag. Das Kammerquintett des Reichssenders Köln. 1, Stelldichein— Aletter, 2. Herztöne, Walzer— Strauß. 3. Lisonja, mexikan, Ständchen— Armandola. 4. Küsse im Dunkeln— Micheli, 5. Ständchen— Roland. 6. Wenn die Englein tanzen, Wazler— Krome. 7. Aus Will Meisels Wundertüte— Meisel. 8. Die Alpenpost, Polka— Eilenberg. 12,45: Mittagsmeldungen 1, Glückwünsche. 13,00; Das Kleine Orchester. Leitung: Leo Eysoldt. 1. Vorspiel zur komischen Oper„Im Brunnen“ — Blodek. 2. Kleine Folge— Coates. 3. Die Weinende, Die Lachende— Godard. 4. a) Spanischer Tanz Nr. 5— Granados, b) NinnaNanna— Micheli. 5. Versuchung— Lodge. 13,45: Mittagsmeldungen 2. 6. Die Welt im Lied, Melodienfolge— Intrator. 7. Rheinlied, Marschlied— Eysoldt. 8. Alt=Wien, Walzer— Kremser. 9 Westfalenklänge, Melodienfolge— Ritter, 10. Titanenkampf, Marsch— Krüger. 15,15: Emil Grüber: Die Kleineisenindustrie in Westfalen. 15,30: Wirtschaftsmeldungen 1. 15,45: Für fröhliche Leute von 9 bis 90 Jahren, 16,00: Nachmittagskonzert. Das Westdeutsche Kammerorchester. Leitung: Rolf Hartmann. 1, Vorspiel zur Operette„Nakiris Hochzeit"— Lincke. 2. Braun und blond, Walzer— Waldteufel. 3. Plauderstündchen mit Delibes, Melodienfolge — Urbach. 4. a) Kirschblüte— Albert. b) Navaho— Alstyne. 5. A=B=C=Melodienfolge— Komzak. 6. Folge russischer Lieder und Tänze — Fetras. 17,00: Dichter als Künder. Dr. Ludwig Friedrich Barthel: Wesen und Würde politischer Dichtung, 17,15: Nordischer Reigen(2). Skandinavische Volksmusik, 17,45: Namen niederrheinischer Landschaft erzählen. 2. Feste bäuerlicher Urahnen von H. E. Pfeiffer. 18,00: Musik der Jugend. Leitung: Hugo Schmidt. 18,20: Englische Unterhaltung. 19,00: Spinnstube. Eine Volksliederstunde von Joh. Hatzfeld. Leitung: Gustav Kneip. Mitwirkende: Margret Flecken(Mezzosopran), Hans Remagen (Bariton), Willi Jansen(Akkordeon). Der Kammerchor des Reichssenders Köln. Leitung: Josef Breuer und mehrere Sprecher, 19,45: Von Berlin: Politischer Kurzbericht. 20,00: Von Berlin: Reichssendung. Erste Abendmeldungen. 20,15: Von Frankfurt: Reichssendung: Stunde der Nation Die Landschaft spricht: Herbstlicher Tannus, 20,55: Orchesterkonzert. Das Große Orchester. Leitung: Wilhelm Buschkötter; Solist: L. Hoelscher (Cello). 1. Vorspiel zu dem Ballett„Die Geschöpfe des Prometheus"— Beethoven. 2. Konzert für Violoncello und Orchester in A=moll — Schumann. 3.„Enigma"(Rätsel), Variationen über ein eigenes Thema— Elgar, 22,00: Zeit, Wetter, Nachrichten. 22,20: Theater im Westen. 23,00: Tanzmusik, gespielt von Leo Eysoldt. September Samstag 5,30: Morgenruf. Anschl.: Frühkonzert. 6,05: Hans Jacob Reinarz: Leibesübungen. 6,25: Von Breslau: Morgenkonzert der Kapelle „Glück auf“. Leitung: Emil Gielnik. 1. Mein Wesel, Marsch— Blankenburg. 2. Frohe Jugend, Ouvertüre— Cortopasst. 3. Florodora, Walzer aus der Operette„Florodora“— Stuart, 4. Reisebilder— Resch. 6,50: Morgenruf— Zeit, Wetter Nachrichten. 7,05: Heute ist Lostag(Michaelis). 5. Marilla=Walzer— Lemoine. 6. Zwei böh mische Tänze— Redky. 7, Tautropfen— Glacchino. 8. Vorspiel zur Oper„Der Militärbefehl"— Schmidt. 9. Jetzt wird's gemütlich, Melodienfolge— Leuschner. 10, Klänge aus Wien, Walzer— Döring. 11. Vor meinem Vaterhaus, Lied— Stolz. 12. Eine musikalische Tabakdose— Nikoleiewsky. 8,00: Zeit, Wetter, Wasserstandsmeldungen. 8,05: Hilde Bremus: Frauenturnen, 8,20: Edith Worringen— Hella Schwörbel: Praktisches Allerlei, 10,00: Zeit, Nachrichten, Wasserstandsmeldungen. 10,10: Liselotte Hoppe: Kindergarten. 10,30: Wir und die Welt. 11,30: Funkwerbung der Reichspostreklame(ohne Verantwortung des Intendanten). 12,00: Bunte Musik. Das Kammerquintett des Reichssenders Köln; Die sechs frohen Sänger. Ludwig Dauner(Violine), Willi Jansen, Willi Meyer (Akkordeon), Michael Agnes(Klavier). 1, a) Romanze— Lamare. b) Italienisches Ständchen— Heimburg=Holmes. 2. Die sechs frohen Sänger singen italienische Volkslieder. 3. Um das blaue Band, Melodienfolge— Krome.. 4. Kubelik=Ständchen für Violine— Drdla, 5. Heinzelmännchens Wachtparade— Noack. 12,45: Mittagsmeldungen 1, Glückwünsche. 6. Ungarischer Tanz 5 und 6— Brahms. 7. Deutsche Volkstänze, gesungen von den 6 frohen Sängern. 8, a) Mühle im Tal— Rhode, b) Herzblatt'l— Blon, 9, a)Konzertwalzer— Peguri. b) Wasserspiele— Meyer. 10, a) Affi— Eysoldt. b) Wanderliedermarsch— Lindemann, 13,45: Mittagsmeldungen 2. 14,00: Wochenendkonzert auf Schallplatten, 14,45: Kleines Kunterbunt. 15,30: Wirtschaftsmeldungen 1. 15,45: Arbeitsbeschaffungsfront. Dir. Dipl.=Ing. Nerreter, Essen: Die Stellung des Gases in der neuzeitlichen Energiewirtschaft 16,00: Volkslieder, die wir alle kennen 17,00: Westfälische Heimatmuseen erzählen. 17,15: HJ. singt und musiziert. Leitung: Hugo Schmidt 17,45: Rabenkomödie. Eine Schilderung von Augustin Senge. 18,00: Wir sagen den neuen Monat an, 18,40: Vom Tage. 18,50: Wirtschaftsmeldungen 2, Sportvorbericht, 19,00: Orchesterkonzert. Aus Bellinis Opern. Zum 100, Todestag(gest. 24, September 1834). Das Große Orchester und der Kammerchor, Leitung: Otto Julius Kühn. Solisten: Olga SchrammTschörner(Sopran), Fr. Eugen Engels (Tenor), Artur Rood(Bariton). Sprecher: Paul H. Gehly. 20,00: Erste Abendmeldungen und Saarrundschau, 20,15: Großer bunter Abend. Leitung: Curt Baumgarten. Mitwirkende: u. a. Irene de Noiret (Volkslieder und Chansons aller Länder), Georg Neumüller(der bayrische Komiker), Friedrich Eugen Engels(Tenor), Leo Eysoldt mit seinem Orchester. 22,00: Zeit, Wetter Nachrichten. 22,20: Nachtmusik und Tanz, übertragen aus den Gaststätten Schloß Horst in Gelsenkirchen=Horst, Es spielen die Kapellen: I. Harvey und Wirtz vom Lehn. Bilanz der Großen Preise. Auto=Anion vor Mercedes=Benz. Welchen machtvollen Aufschwung die deutsche Autoaobil=Industrie dank der tatkräftigen Förderung des Führers genommen hat, zeigt am nachhaltigsten die Bilanz aus den sechs Grand=Prix=Rennen des Jahres 1934. Gleich im ersten Jahr ihrer Inbetriebnahme und Ausnutzung konnten sich die neuen deutschen Rennwagen, die vier von den sechs Großen Preisen heimbrachten und außerdem noch ebenso viele zweite Plätze besetzten, die beiden ersten Plätze in der Gesamtwertung sichern. Die Auto=Union gewann mit Stuck die Großen Preise von Deutschland und der Schweiz, während Mercedes=Benz durch Caracciola und Fagioli in den Großen Preisen von Italien und Spanien siegreich war. Bei Anwendung eines Wertungssystems von 8, 5, 3 und 1 Punkten ergibt sich für die sechs Großen Preise von Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien, Schweiz und Spanien in der Gesamtwertung ein Sieg der Auto=Union mit 27 Punkten vor Mercedes=Benz mit 26 Punkten. An dritter Stelle folgt Alfa Romeo mit 23 vor Bugatti mit 21 und Maserati mit 5 Punkten. Nachstehende Uebersicht vermittelt ein Bild von der Placierung in den einzelnen der sechs Großen Preise 1934: Deutschland: 1. H. Stuck(Auto=Union), 2. Fagioli (Mercedes=Benz), 3. Chiron(Alfa Romeo), 4. Nuvolari (Maserati). Frankreich: 1. Chiron(Alfa Romeo), 2. Barzi(Alfa Romeo), 3. Trossi(Alfa Romeo), 4. Benoist(Bugatti). Belgien: 1. Dreyfus(Bugatti). 2. Brivio(Bugatti), 3. Sommer(Maserati), 4. Benoist(Bugatti). Schweiz: 1. Stuck(Auto=Union), 2. Momberger (Auto=Union), 3. Dreyfus(Bugatti), 4. Varzi(Alfa Romeo). Italien: 1. Caracciola=Fagioli(MercedesBenz), 2. Stuck=Leiningen(Auto=Union), 3. Trossi (Alfa Romeo), 4. Nuvolari(Maserati). Spanien: 1. Fagioli(Mercedes=Benz), 2. Caracciola(Mercedes=Benz), 3. Nuvolari(Bugatti), 4. Stuck(Auto=Union). Zu diesen Großen Preisen kommen noch die Erfolge dazu, die die deutschen Rennwagen in kleineren, aber start besetzten Rennen im Laufe dieses Jahres gegen interenationale Gegnerschaft errungen haben. Erinnert sei nur an die Siege von Fagioli(Mercedes=Benz) im Acerbo=Pokal in Italien und von H. Stuck(AutoUnion) beim Mont=Mentoux=Bergrennen in Südfrankreich. Gordon-Bennett-Flug. Ballon„Polonia" in Finnland auf dem Wasser niedergegangen. Der Freiballon„Polonia“, der mit Oberstleutnant Wawszak und Kapitän Janusz als Führer am GordonBennett=Flug teilnahm, ging am Montag um 18 Uhr beim Dorfe Lohilahti im Saima=Seegebiet in Finnland auf dem Wasser nieder. Die beiden Insassen konnten sich schwimmend auf eine Insel retten. Vor der Landung trieb der Ballon, wie die beiden Luftschiffer vermuten, über Sowjetrußland, und zwar wahrscheinlich über Leningrad. Da die Ballonhülle riß, mußten sich die Insassen zum Niedergehen entschließen. Fünf weitere Landungen im Gordon BennettFlugwettbewerb. Warschau, 25. September. Fünf Teilnehmer des Gordon=Bennett=Fluges sind mit ihren Ballons auf sowjetrussischem Gebiet niedergegangen. Von dreien von ihnen stehen die näheren Angaben noch aus. Der amerikanische Ballon„Buffalo=Courier“ ist bei Gdow unweit Leningrad gelandet. Bisher hat die längste Flugstrecke der polnische Ballon„Polonia“ zurückgelegt. Sie beträgt fast 1200 Kilometer. Deutschlands Fußballmannschaft gegen Dänemark. Für den Fußball=Länderkampf Deutschland—Dänemark am 7. Oktober in Kopenhagen wurde die deutsche Mannschaft wie folgt aufgestellt: Buchloh (VfB. Speldorf) Janes Schwartz (Fort Düsseldorf)(Vikt. Hamburg) Gramlich Szepan Gielinski (Eintr. Frankf.)(Schalke 04)(Hamborn) Lehner Hohmann Cohnen Rohwedder Fath (Schwab.Augsb.)(Benr.)(Saarbrück.)(Eimsbüttel)(Worms) Der bevorstehende Länderkampf ist die siebte Begegnung zwischen Deutschland und Dänemark. Von den bisher ausgetragenen sechs Kämpfen gewannen die Dänen vier, Deutschland nur zwei. Die letzte Begegnung im Jahre 1931 in Hannover endete mit dem zweiten deutschen Siege von 4:2. Münster nicht Der Verein Rot=Weiß Münster ist vom Gauführer Becker nicht bestätigt worden. Der Verein war aus dem ehemaligen DIK.=Verein Saxonia Münster hervorgegangen und hatte den Antrag gestellt, in der Bezirksliga zu spielen. Wie wir jetzt hören, haben sich die Seine Frau durch fünf Messerstiche schwer verletzt. Köln, 25. September. Zu einem aufregenden Vorfall kam es in einer Wirtschaft am Rothenbergerbach. Die Tochter der Wirtsleute, die mit ihrem Manne in Scheidung lebt, hielt sich am Sonntagabend in der Wirtschaft auf, als plötzlich ihr Mann die Gaststube betrat und ohne Auseinandersetzung über sie herfiel. Der Wütende brachte der Frau fünf Messerstiche bei. Ein an der Schenke stehender Gast schlug, um den Mann von der Frau abzubringen, diesen mit einer Flasche auf den Kopf und brachte ihm erhebliche Verletzungen bei. Der Mann und die Frau mußten dem Krankenhaus zugeführt werden. Es besteht jedoch keine Lebensgefahr. Autobahn Köln-Bonn vorübergehend gesperrt. + Köln, 24. September. Wegen wichtiger Bauarbeiten ist eine vorübergehende Sperre auf der Autobahn Köln— Bonn notwendig. Die Strecke ist für den gesamten Verkehr in Richtung Bonn—Köln für die Zeit von Montag, den 24. September, bis Montag, den 8. Oktober einschl., und in Richtung Köln— Bonn für die Zeit von Dienstag, 9. Oktober, bis Dienstag, 30. Oktober einschl., gesperrt. Guter„Ahrburgunder“ Bad Neuenahr, 24. September. Im Ahrtal hat die Frühtraubenlese begonnen. Die roten Trauben haben einen erstaunlich guten MostgeRot=Weißen in Münster dem TV. Westfalen/ Jahn Münster angeschlossen, der in der dritten Kreisklasse spielt. Ruhetag der SA=Radfernfahrer. Die SA=Radfernfahrer haben auf ihrer Strecke Berlin—München—Berlin in München den Wendepunkt erreicht und dort am Dienstag Ruhetag gehabt. Am Mittwoch früh geht es wieder weiter. halt und wenig Säure. Nach Ansicht alter Winzer wird der diesjährige 1934er die Weine früherer Jahre erheblich übertreffen. Leichenfund im Aachener Stadtwald. Aachen, 25. September. Im Aachener Stadtwald hat an einer etwas abseits von den Hauptverkehrswegen gelegenen Stelle hinter einer Standgrube ein Waldarbeiter die Leiche einer in den zwanziger Jahren stehenden Frau gefunden. Die Polizei stellte fest, daß die Frau einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Am Hals fand man Male, die mit ziemlicher Sicherheit darauf schließen lassen, daß der Tod durch Erwürgen mit einem Strick eingetreten war. Die Mütze der Ermordeten fand man in der Nähe in einem Gebüsch. Die Tote trug keinerlei Ausweispapiere bei sich. Die Ermittlungen sind im Gange. Der Fritzlarer Postraub war fingiert. — Fritzlar, 25. Sept. Der Fritzlarer Postraub, der in der Nacht zum Sonn tag verübt worden war, hat schnell seine Klärung gefunden. Bei der Untersuchung kamen dem leitenden Kriminalbeamten Bedenken. Er sagte dem Postbeamten Scholl die Täterschaft auf den Kopf zu. Scholl gestand schließlich ein, den Raubüberfall fingiert zu haben. Er nannte das Versteck des Geldes, das auch dort gefunden wurde. Der ungetreue Beamte wurde in das Kasseler Gefängnis übergeführt. Kleines Licht! nun...? Ein kleines Licht im Dunkel der Nacht! Spender von Lebenskraft für manchen verzweifelnden Wanderer! Wenn aber gegen solch ein kleines Licht in der Nacht ein Riesenscheinwerfer mit seinen Spiegeln Strahlenbataillone anmarschieren läßt, und wenn sie sich dem Wanderer in die Augen stürzen, dann übertönt die Blendung den heiteren Schimmer des Lichts, und die Frage drängt sich auf:„Was nun?"... Dem Unter= schiede zwischen dem kleinen Licht und dem großen entspricht der Unterschied zwischen der beschaulichen Empfehlung des Kaufmannes der alten Zeit und der modernen Werbung durch die Anzeige. Der Kaufmann kann nicht mehr an seiner Ladentür mit einer freundlichen Handbewegung den Käufer einladen, die Ware oder wenigstens das Schaufenster zu besichtigen. Er ist sich bewußt, daß er viel mehr Menschen als Käufer erreichen kann, wenn er die Möglichkeiten ausnutzt, die ihm die Zeitungsanzeige an die Hand gibt. Sie erlaubt ihm, die Freundlichkeit des schlichten, kleinen Lichtes mit der Kraft des Riesenscheinwerfers zu vereinigen: und sie ermöglicht ihm eine außerordentliche Vermehrung seiner„Schaufenster" Die Zeitungsanzeige stellt täglich dem Geschäftsmann hellerleuchtete„Schaufenster" innerhalb jedes Hauses und jeder Familie zur Verfügung. Nicht bloß das; der Werbungtreibende kann nach und nach sein ganzes Lager, jeden Sonderartikel, in seinem gedruckten Schaufenster mit all der Liebenswürdigkeit ausstellen und anbieten, die den alten Geschäftsmann an der Ladentür auszeichnete. Er kann jeden Wunsch des Käufers vorausahnen; auch dessen Wunsch, Preise zu wissen. Das gilt auf dem Lande, für die Kleinstadt, die Mittelstadt und die Großstadt in gleicher Weise: Die Anzeige in der Zeitung hilft jedem verkaufen! Olsberg Ofen Gebrauchter 15050 6 Atm.,18 gm Heisfläche, Bauf. 1909, zu verkaufen Papiere sind in Ordnung, oder für Althändler auf Abbruch zu verkaufen. 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Gronau. der Liebe Land anderen besorgt werden“, sagt Sabine rasch. glei „WirkROMAN VONLUV HASSEL Copyrighi by Karl Köhle:& Co., Berlin-Zehlendort.(Nachdruck verboten 8) Helen hat seit ihrer Kindheit eine namenlose Furcht vor Gewittern gehabt. Sie schmiegt sich deshalb ganz in Greves Arm und legt ihren Kopf an seine Schulter, um die grellen Blitze nicht sehen zu müssen. Greve aber zieht das zitternde Mädchen sehr nah an sein Herz und sagt in das Toben der Elemente hinein: „Du brauchst keine Angst zu haben, Helen! Ich hab' dich lieb, und ich werde dich ein Leben lang schützen und behüten, wenn du willst. Ja, willst du.. Da fällt alle Furcht und Sorge von ihr ab, und die herrliche Ruhe des Geborgenseins erwacht in ihrer Seele. Glücklich und hingegeben sagt sie nur zwei Worte: „Ich will!“ Und so weht der plötzliche Sturmwind dem Sänger des Sommerliedes wirklich das Herz seiner Liebsten in die behütenden Hände. 11. Kapitel. Helens Verlobung mit Dr. Greve wird mit Jubel und vielen herzlichen Glückwünschen gefeiert. Tante Dorett ist natürlich mütterlich gerührt. Sie schließt den Schwiegersohn herzlich in die Arme, und ist aus ehrlichem Herzen sehr einverstanden mit dieser Entwicklung der Dinge. Dr. Greve möchte sehr bald heiraten, denn das kleine Sanatorium am Berg braucht eine „Frau Doktor“. Alles liegt hier so wunderschön klar und ordentlich wie selten im Leben, und man spricht bereits von den beiden als von rechten Sonntagskindern. „Aber ich bitte euch", sagt der glückliche Doktor,„es kann doch nicht immer im Leben und in der Liebe tragisch und schwierig sein! Das wäre ja rein zum Verzweifeln. Wir sind eben heitere Gemüter, Helen und ich. Wir lachen das Leben an, und es lacht wieder!“ „Und besonders euch habt ihr recht kräftig angelacht“, meint Bobby trocken.„Das scheint also wirklich ein probates Glücksmittel zu sein!“ Tante Traute aber denkt trotz aller Begeisterung über diese Verlobung sofort an die praktische Seite und sagt zu ihrer Schwester: „Dorett, wenn die Hochzeit so bald sein soll, müssen wir unbedingt gleich abfahren. Es ist dann so viel zu besorgen, daß du bald nicht mehr aus und ein wissen wirst. Unsere Zeit ist ja sowieso um...“ Die Zeit ist um... Sommer in der Liebe Land... Er geht zur Neige. Alle trifft dieses eine Wort— und der Glanz, der über den Bergen liegt, scheint in diesem kurzen Satz unterzugehen. Hier haben sie alle in einem Schneewittchenglück gelebt— hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen, und alles ist wirklich tausendmal schöner als daheim im Alltag gewesen. Dahinten, irgendwo wartete für jeden wieder Alltag. Um Sabines Mund geht ein grüblerischer Zug. Auch sie muß heim. In der Kaiserallee wartet ihr Büro auf ihre Arbeit und ihre straffe Hand... „Die Zeit ist um...“ denkt auch Bert Stoewer. „Ich muß und werde zur Entscheidung kommen, entweder— oder.“ Ein kühles Licht steht in seinen Augen. Auch die anderen erwartet das Ende aller Sommerseligkeit. Frau Dr. Sedlmayr ist schon fort. Sie hat sich von ihrem Mann noch eine Herbstreise nach Italien erbettelt, denn ihr ist Hochkirchen immer zu langweilig, und sie begreift diese Passion ihres Mannes für das Bergnest genau so wenig, wie seine Trink=, Sing= und Angelleidenschaften. Frau Dr. Sedlmayr ist überhaupt kein Mensch, der Leidenschaften begreifen kann. Nun stehen aber auch in den Nachbarzimmern offene Koffer. Morgen ist Sankt Marientag. Nach dem Feiertag wollen die letzten Gäste fahren, nur„Onkel Pepi“ will noch den Herbst in den Bergen verbringen. „Wißt ihr“, sagt Sedlmayr,„ich mach' euch einen Vorschlag. Wir fahren zum Abschied morgen nach Kufstein. Da feiern wir die Brautsleut' und unser Auseinandergehn... Ist's recht so?“ Alles ist begeistert. Zum letzten Male wird man hinein in das Land fahren, hinein ins nahe Tirol... „I sag' dem Seppl gleich Bescheid, z'wegen dem Auto“, und dann trällert er in seiner Vorfreude das Lieblingslied dieser Gegend den breiten Flur entlang: „Du, Seppei, jetzt geh'n mer wieder amal, wieder amal Eini ins Landei Tirol! Das Herzei schlagt auf und schlagt abi, Wenn mer fahren ins Landei Tirol...“ Sankt Marien... Glocken läuten zur Frühmesse. Auf den goldenen Altären in der Kirche blühen die brennendroten Dahlien, die schon sehr an den Abschied des Sommers mahnen. Träumerisch singt die Geige des Lehrers über den feierlichen Klängen der Orgel das unsterbliche:„Ave Maria“! Und auf dem kleinen Friedhof vor der Kirche blühen auf alten Bauerngräbern frische Blumen, heiß und rot, wie lebendiges Unvergessen. Das sind die letzten frohen Bilder, die unsere Sommergäste mit auf den Weg nach Kufstein nehmen, denn bald nach dem Kirchgang sausen die Autos die Bergstraßen hinunter. Abseits von dem großen Weg liegt waldumrauscht der Hechtsee, dessen Wasser wie ein lebendiges Riesenaquarium in der fröhlichen Sonne leuchtet. Man legt sich an das schmale weiße Ufer zur kurzen Rast. Unter grünen, schwankenden Zweigen liegen Stoewer und Sabine, und ihre Gedanken laufen weit fort über Wege und Pässe. Plötzlich richtet Stoewer sich auf: „Sabine— morgen gehen wir auseinander. Unnötig Warten habe ich nicht gelernt.— Ich habe Ihnen versprochen, an die alten Geschichten nicht mehr zu rühren. Gut! Ich sehe das ein. Aber ich kann und will auch keine sentimentale Rücksicht auf überlebte Dinge nehmen. Was vergangen ist, ist vorüber. Ich lege auf derlei Dinge keinen Wert. Begreifen Sie das?“ „Ja...!“ Gewiß, Sabine versteht ihn. Es sind die Gedanken und Gefühle ihrer lebensstarken, lebenswilligen Welt, die sich ewig auf der Flucht nach vorwärts befindet. Es ist ihre eigene Art, zu denken, und zu empfinden, und doch ist sie irgendwie peinlich berührt, daß er glaubt, ihr Leben mit einer Geste ausstreichen zu können. „Gewiß— ich verstehe Sie.“ „Schön! Ich habe das erwartet! Sabine, Sie wissen längst, daß ich Sie liebe. Muß ich noch lange reden? Ich möchte Sie zu meiner Frau machen Sie werden es gut an meiner Seite haben. Ich werde Sie auf Händen tragen, Sabine...!“ Irgend etwas mißfällt dem Mädchen. Vielleicht klingt die Stimme dieses Mannes zu bewußt, zu fordernd, ein Etwas schwingt da mit, das sich gut übersetzen ließe:„Ich hoffe, daß du die Ehre zu schätzen weißt, daß sich meine Hand nach dir ausstreckt! Sabine will das nicht hören. Mein Gott, es war ja auch so verständlich! Wieviel Mädchen mochten ihm schon nachgelaufen sein, um seine Liebe gebettelt haben. Sie reicht, gebannt in ihrem eigenen Willen, ihm ihre schmale, feste Hand hinüber. „Ja. ich will Ihre Frau werden, Bert Stoewer, und ich hoffe, daß wir glücklich sein werden!“ Wie merkwürdig konventionell sie spricht. Sabine sich selbst. Der Mann aber legt den Arm um ihren Hals, und küßt sie auf den Mund. „Du sollst nicht hoffen, Sabine. Hoffnungen schlagen oft fehl. Du sollst wissen, daß es gar nichts anderes geben kann, als das, daß wir beieinander bleiben— du und ich— bis in alle Ewigkeit...“ Mitten in seinem leichten Pathos überkommt ihn der Rausch. Dieses schöne Mädchen gehört ihm! Sie wird den Glanz seines Namens erhöhen! Sie wird eine Kostbarkeit in seinem weißen Hause am Starnberger See sein, und viele Männer werden ihn beneiden. Ja, er liebt Sabine, wie er die Schönheit selbst liebt, und er ist sehr glücklich in dieser besitzerfrohen Seligkeit. Sabine erschauert unter seinen Küssen. Tun sie wohl oder weh? Sie weiß es kaum. Die Sonne lastet schwer über den Tiroler Bergen. Der„Wilde Kaiser“ grüßt majestätisch durch das Grün herüber, und der Sommerhimmel schwingt sich in schimmernder Bläue feierlich über den See. Die Welt ist in Duft, Schönheit und Liebe getaucht... Sie schließt die Augen, als könne sie so die Seligkeit in ihre Seele zwingen, und ihr Mund formt mit viel gutem Willen die schweren Liebesworte: „Ich liebe dich...!“ Da besonnt ein frohes, etwas eitles Manneslächeln sein hübsches Gesicht: „Das weiß ich schon sehr lange, mein Geliebtes. Es konnte ja auch gar nicht anders sein! Aber komm', Herzel, wir müssen jetzt zu den anderen zurück.“ Er küßt sie flüchtig, erlöst und erleichtert, wie jemand, der das lockende Ziel erreicht hat. Sabine ist noch ganz benommen. Sie gehen zu den anderen zurück, und da gibt es ein großes Freudengeschrei, als Stoewer mit dem Siegerlächeln berichtet, daß sie sich eben auch verlobt haben. „Jetzt— in zwölfter Stunde... Tüchtig— tüchtig! Jetzt kaufen wir uns aber einen Mordsrausch in Tirolerwein“, schreit Sedlmayr ehrlich erfreut, und schüttelt dem Brautpaar herzlich die Hand. Man ist allgemein sehr beglückt, selbst Bobby hat sich längst mit dem Unabänderlichen zufrieden gegeben, nur Tante Traute ist doch etwas leicht erschrocken und sieht immer wieder in Sabines strahlendes Gesicht. Kufsteins Feste ragt in der Ferne auf. Sonnige Gassen winken in südlich=heiterem Licht. Da, in einem malerischen Winkel der Stadt liegt das weltberühmte „Auracher Löchl“, dessen jahrhundertealtes Wirtshausschild den Einheimischen ebenso lockend winkt wie den Fremden aller Nationen. An einem großen Tisch in der Ecke sitzen die Brautpaare und die letzten Reste der Hochkirchener Sommergäste. Man ist heiter und vergnügt, selbst Tante Lina wird trotz aller Wehleidigkeit mit hineingerissen in die Wellen echter Fröhlichkeit. Tirol, brauner Rusterwein und goldheller Terlaner, Brautpaare und lachende Liebe; diese Dinge tun ihre Schuldigkeit, um die Freude zu steigern. Onkel Pepi erzählt sehr viel von alten Liebesgeschichten und rückt Tante Traute dabei bedenklich näher, Sedlmayr trinkt und ist mordsfidel, und die anderen kommen alle mehr oder weniger auf ihre Rechnung an diesem letzten, unwahrscheinlich schönen Sankt Marientag. „Schrecklich viel Münchener sind hier, wie immer!“ sagt Bert Stoewer zu seiner Braut.„Ich habe schon ein paar mal grüßen müssen. Und dabei habe ich nur Lust, dich zu sehen, süßes Mädel du!“ „Du bist ja das süßeste Mädel der Welt!“ Bobby singt schon wieder Tanzmelodien, aber ehe er es noch galant zu Ende singen kann, stellt er das Glas auf den Tisch und sieht mit einem erschrockenen Ausdruck zur Tür. Da— mein Gott— da... Ihm bleibt fast das Herz stehen. Sabine sieht diesen Blick und lacht. „Na, Bobbylein, du siehst ja so entsetzt aus? Siehst du Nachtgespenster der Vergangenheit? Kommt irgendeine alte Liebe von dir zur Tür herein?“ Sie dreht sich lachend um. Da zieht eine leichenhafte Blässe über ihr Gesicht. Der Herr, der einer größeren Gesellschaft voranschreitet, ist— Rainer Seldis.— Vor Sabines Augen weben dichte Schleier. Wie in weiter Ferne hört sie Worte, sieht sie Gestalten. Sie kennt die Leute, die da hereinkommen. Es ist das Ensemble des Deutschen Theaters. Richtig... Da ist ja auch Annerl Wiesmayr. Eiskalte Schauer jagen durch ihren Körper. Sie wagt nicht hinzusehen, um nicht erkannt zu werden, sie wagt auch nicht, den Kopf zurückzuwenden, weil sie fühlt, wie namenlos erregt sie ist. Bis jetzt wissen nur Bobby und sie von dieser Begegnung, und er würde schweigen, das wußte sie. Sie wendet sich wieder mit aller Anstrengung um, und greift zitternd zu ihrem Glas. „Prost, Bobby“, sagt sie mit einem gewaltsamen Lachen.„Es leben die Nachtgespenster der Vergangenheit...!" Als aber ihre bebende Hand das Glas aufsetzt, springt es klirrend entzwei. Eine Sekunde lang sieht sie wie hypnotisiert auf die Scherben. „Glück und Glas— wie leicht bricht das...“ Sie fühlt, mit ihrer Haltung ist es vorbei. Wenn man am Tisch nicht aufmerksam werden sollte, mußte sie sich jetzt irgendwie entschuldigen. Sie taumelte auf. „Was ist dir denn, Schatz?“ fragt Stoewer erstaunt. „Ach nichts!“ Ich hab' wohl ein wenig rasch getrunken. Ich will nur etwas frische Luft schöpfen!“ „Gut— ich komme mit!“ „Ach nein, bitte bleib'. Ich möchte nicht, daß die lich, es ist nichts. Ich bin gleich wieder da!“ Als sie mit etwas leise schwankenden Schritten zur Tür geht, fährt der Herr an einem der hinteren Tische auf.— Dieses Kastanienbraun... Um aller Heiligen willen... Das— das ist doch... Sabine!— Sabine! Tatsächlich, sie ist es! Er hat sie gefunden, endlich, endlich! Ein Sturm läutet in Rainer Seldis Seele. Mit ein paar freudigen Sätzen holt er sie vor der Tür ein. „Bienchen... bist du es wirklich?! Ich habe dich so gesucht! Ich habe mir die Finger wund geschrieben..! Sabine, ich muß dich sprechen!“ sagt er in atemloser Hast und packt ganz fest ihre Hand. Sabines Kopf sinkt eine Herzschlagslänge an die rebenumsponnene Mauer. Woher kommt auf einmal all diese taumelnde Süße in ihr Blut? Was ist das für eine Schwere in ihren Gliedern und warum spürt sie so schmerzhaft diesen geheimnisvollen Brand ihres Herzens? Weshalb möchte sie jetzt nichts anderes als nur diesen einen schmerzensreichen, gehaßten Augenblick trinken, um dann zu versinken in die Fluten erlösenden Vergessens? Hat sie früher selbst ihr eigenes Weibtum nicht entdeckt? War es untergegangen in der strebenden Arbeit und der sachlichen Kühle der Großstadt? Tausend verwirrende Fremdheiten stürmen auf sie ein und angstvoll, sich fassend, tastet ihre Hand nach der Stirn Wo sind alle Vorsätze hingeweht? Da ist Rainer... Rainer... Die Welt, Gestern, Heute und Morgen sind vergessen. Es ersteht ein neues Leben in diesem einen Namen „Rainer“. Sie sieht ihn an. Aber da taucht auch schon vor ihrem Geiste ein niedliches, schwarzumrahmtes Puppengesicht neben ihr auf und eine kleine Patschhand steht in ihrer Erinnerung, die sich so herausfordernd in seinem Zimmer einst die Lippen schminkte— Annerl Wiesmayr... Sie ist auch heute wieder da... Kühl und ruhig wird ihre Stimme. „Guten Tag, Rainer. Wie kommst du hierher?“ Die Helle auf seinem Gesicht erlischt. „Wir haben eine Autotour gemacht“, sagt er mit bedeckter Stimme.„Aber, sag' mir endlich, wo du so lange gewesen bist. Ich muß dich sprechen, Biene, ich muß, hörst du!“ „Ich wüßte nicht, was wir uns noch zu sagen hätten, Rainer. Es ist alles zu spät!“ „Zum Glück ist es nie zu spät: Biene, so hör' mich doch an!“ fleht er verzweifelt. „Es hat keinen Zweck, Rainer, glaub' mir!“ Das ist der sachliche Ton des immer nüchternen Berlins, der ihn schon so oft zum Rasen gebracht hat. In besinnungsloser Angst packte er ihre Hände. „So sei doch nicht so, so..“ Ihm sterben die Worte. „Mädel, es geht doch um unser Leben. Ich hab' dich gesucht. Ueberall. Ich habe von niemand Antwort bekommen. Du hast wohl verboten, mir deinen Aufenthalt zu nennen?“ Sie nickt stumm. „Sehr gut!“ Er lacht kurz und hart auf.„Das ist also die berühmte Größe milder, verzeihender Frauenherzen! Ich gehe in wenigen Tagen nach Amerika. Hörst du? Dann sind Brücken schwer wieder aufzubauen. Hör' mich doch wenigstens an... Sabine!“ Das Mädchen zittert. Jeden Augenblick kann Stoewer sie holen kommen. Was soll sie dann tun? Sie bringt es plötzlich nicht übers Herz, dem Mann vor ihr zu sagen:„Ich habe mich heute verlobt...“ Sie will nicht, daß er leidet wie sie. Sie weiß nichts mehr, sie kann nicht mehr denken. Sie fühlt nur diese entsetzlich lastende Schwere in ihrem Blut, die ihr das Herz in einer geheimnisvollen, rauschenden Sprache bezwingt. „Sag' mir wenigstens, wo du jetzt bist, wo ich dich finden kann, Sabine— du...“ Er beugt sich zu ihr. „Ich liebe dich. Ich kann nicht ohne dich leben!“ Es verklingt wie ein Schluchzen. „Das ist der Ton echter Leidenschaft“, denkt sie und fühlt plötzlich hellsichtig, wie matt und leer heute Stoewers Liebesworte dagegen verklungen waren. „Zu spät... Alles zu spät... Geh'!“ „Ich kann nicht!“ „Laß mich! Ich will dich nicht mehr sehen!“ schreit sie gequält auf und rennt in sinnloser Angst die Stufen hinab und eilt wie gejagt die kleine Gasse entlang, der Stadt zu. „Sabine!“ Es ist nur dieser eine geliebte Name, der da aus Rainer Seldis Seele kommt, aber es ist dunkel, wie ein Seufzer und traurig wie ein letzter Abschiedsblick. „Ich will dich nicht mehr sehen!“ Mit solchen Worten fallen die goldenen Türen des Lebens für immer ins Schloß.— Als er sich umwendet, streift er einen großen, sehr eleganten Herrn, der sich scheinbar Ausschau haltend über das schmiedeeiserne Gitter beugt. Er sucht„sie“, denkt er, und jetzt wird ihm auch das Wort Sabines klar. „Es ist zu spät...“ Nach einer Stunde sitzt Sabine wieder bei ihren Leuten, nachdem das Ensemble des Deutschen Theaters auf den Wunsch des Oberregisseurs längst das Lokal gewechselt hat— Sie ist sehr bleich, und doch ahnt niemand außer Bobby, was in ihr vorgeht. Immer wieder trinkt sie den Wein, der vor ihr steht, um zu vergessen. Aber, in vino veritas... Noch tausendmal heißer brennt die Qual. Beglückt sieht Stoewer in ihr schönes Gesicht, das in der flirrenden Erregung reizvoller ist als je. Wie er ihre Schönheit liebt! Ganz benommen von ihrem Anblick küßt er das süße Gesicht und hebt immer wieder das Glas, um seiner Braut Bescheid zu tun. „Gehns, trinkens net gar so viel, Herr Stoewer“, meint Onkel Pepi.„Ich fahr' net so arg gern mit Leuten, die so viel des Guten getan haben!“ „Ach— Angst?!?“ antwortet Stoewer und dehnt die beiden Worte in hellem Spott. Bald bricht man auf. Bobby gelingt es, die Kusine einen Moment allein zu sprechen und fragt besorgt, ob sie sich nun besser fühle. Die winkt aber nur müde mit der Hand. „Lassen wir das, Bobby. Und— hab' schönen Dank! Es bleibt unter uns, nicht wahr?“ „Aber selbstverständlich, Sabine.“ 3 Wie einst im„Wilden Westen“ Ein Wettrennen zwischen alten Postkutschen wurde bei einem Reitersportfest in Ellensberg im Staate New York veranstaltet. Zahlreiche Zuschauer verfolgten atemlos die tolle Jagd der altertümlichen Wagen. Greve und Helen steigen mit den Tanten und Schmidtleins sel. Witwe in das Auto vom Auerwirtshaus, während Sedlmayr, Onkel Pepy und diesmal auch Bobby, Stoewer und Sabine in dem Benz folgen. Herrlich frisch weht der Wind von den Bergen und wie zum Abschied verzaubert der Mond noch einmal die schlafende Bergwelt. Stoewer merkt, daß er nach dem vielen Wein heute nicht ganz so sicher das Steuer meistert wie sonst, undmöchte eigentlich Bobby bitten, zu fahren. Aber dann möchte er sich doch nicht diese Blöße vor Sabine geben, und schließlich geht auch alles besser, als er gedacht hat. Man hat bald Hochkirchen erreicht. Er sieht im blassen Mondlicht das seltsam=schöne Gesicht seiner Braut wie eine weiße Blume leuchten. Aber merkwürdig still und herb sind ihre Züge jetzt. Er möchte noch einmal diesen Ausdruck von Hingebung und Hingerissenheit in ihnen finden, der ihn, bei den ersten rasenden Fahrten ins Land so oft entzückt und erregt hat. Nichts reizt ihn so, wie dieses durstige Lächeln, das dann um ihren zarten Mund liegt, und ganz benommen von diesem Wunsch, steigert er das Tempo. Er sieht sie an.— Da— da ist er, dieser trunkenselige Zug, von dem er oft schon geträumt hat, da steht endlich wieder diese große Berauschtheit in ihrem Gesicht. Das Blut steigt ihm plötzlich zu Kopf. Er beugt sich vor, diesen lächelnden Mund zu küssen. Ein furchtbarer, markerschütternder Schrei folgt. Das Auto schleudert mit einem Stoß an einen Chausseestein. Der Wagen schlägt um. Splitternd klirrt das Glas der Scheiben. Einen Augenblick lang ist Totenstille. Dann klingt ein leises Wimmern auf. Nachdem Stoewer zur Besinnung gekommen ist, tastet er vorsichtig seinen Körper ab. Merkwürdigerweise ist er heil und gesund, nur ein paar Schnittwunden finden sich an den Händen. Hinten, einige Meter entfernt, sieht er Sedlmayr, Onkel Pepi und Bobby im weichen Wiesenmoorboden liegen. Sie scheinen glücklich gefallen zu sein. Das wimmernde Stöhnen aber wird deutlicher. Um des Himmels willen, wo ist Sabine? Er findet sie blutüberströmt und leblos in den Splittern liegen. Das Grauen schüttelt den Mann. Ist das Sabine? Diese Gestalt des Elends, sein blühendes, herrliches Mädchen, dem sein berauschter Kuß Unglück und vielleicht gar den Tod gebracht hat? Er fühlt, wie seine Zähne in sinnloser Angst aufeinanderschlagen. In diesem Augenblick erhebt sich Bobby und kommt zu ihm... Als er die Unglückliche liegen sieht, taumelt er unwillkürlich einige Schritte zurück. „Um Gottes willen... Sabine... Sabine!“ Das ist ein echter Schrei voll Angst. Er rüttelt Stoewer am Arm. „Lebt sie überhaupt?“ Der beugt sich fast mit Widerwillen zu der blutüberströmten Gestalt und horcht nach dem matten Schlag ihres Herzens. Das Stöhnen ist verstummt. „Ich weiß nicht...!“ sagt er stumpf. Da keucht das andere Auto den Berg herauf. Ehe die andern das Unglück recht gefaßt haben, springt Greve aus dem Wagen und eilt nach vorn. Eine entsetzliche Panik entsteht. Die Tanten und Helen sind in Tränen aufgelöst. „Lebt Sabine?“ Verzweifelt leise Rufe bestürmen den jungen Arzt, der mit todernstem Gesicht vor dem Mädel kniet. „Ja...— Noch lebt sie...“ sagt er endlich, aber diese Worte tragen eine schwere Angst. Behutsam legen die Männer Sabine in das Auto. Dann erst sehen sie nach den anderen. Pepi Jung hat sich nur den Arm verstaucht, aber Sedlmayr hat mehr Pech gehabt, er ist noch ohne Bewußtsein und muß neben Sabine ins Auto gelegt werden. Dann steuert der Auersepp, der noch an allen Gliedern bebt, langsam nach Hochkirchen. Und dieser Wagen, der vor Stunden erst jagend mit der frohen Bürde glücklicher Menschen nach Tirol hereingefahren ist, kriecht jetzt traurig den Berg hinauf, denn er trägt die schwere Last eines Geschicks... Die anderen gehen verstört und bleich den kurzen Weg zu Fuß. Oben in den hellen Bauernzimmer stehen die Tanten und Helen am Bett von Sabine, die noch immer ohne alles Leben daliegt. „Um Gottes willen, was wird mit meiner Braut?“ fleht Stoewer angstvoll. Der Arzt zuckte die Achseln. „Innere Verletzungen scheinen nicht da zu sein. Wir müssen abwarten. Allerdings...“ er dämpft die Stimme,„die arme Sabine... Total entstellt wird sie immer bleiben. Das Nasenbein ist zerschmettert und die Glassplitter haben tiefe Gesichtswunden geschnitten. Aber das ist ja Nebensache. Die Hauptsache ist, wir bringen sie lebend durch.“ „Entstellt... Total entstellt...“ murmelt Stoewer vor sich hin.„Entsetzlich...!“ Er wendet sich um. „Wir sprechen uns noch, Doktor. Im Augenblick kann ich doch nichts helfen. Sie finden mich unten im Nebenzimmer.“ Er geht, und erstaunte und peinlich berührte Blicke folgen der elastischen, eleganten Gestalt. „Ich sage es ja,“ meint Tante Dorett unter Tränen, „immer zahlen die Guten die Zeche des Lebens..“ Und mit diesem traurigen Wort läuten die Glocken das Fest aus. So endet der Tag von St. Marien, der strahlend und glücklich begonnen hat, im traurigen, ernsten Schatten des Todes... 12. Kapitel. Eiskalt übersprüht die Brause Rainers gut trainierten Körper. Aber so oft auch das Wasser silberhell über seinen Kopf läuft, der wüste Druck, der ihn seit gestern befallen hat, will nicht weichen. Mechanisch dreht er den Hahn ab und macht seine gymnastischen Uebungen. Es bedeutet ihm eine Wohltat, irgend etwas gegen diese entsetzliche Lethargie zu unternehmen, aber alles bleibt vergeblich. Zu schreckhaft ist seine Seele heute von Träumen gejagt worden. Ueberall hat er Sabine gesucht, schließlich hat er sie auch gefunden, aber als er sie halten wollte, ist sie über das Geländer einer großen Brücke ins Wasser gestürzt und hat verzweifelt mit dem Tode gerungen. Und als er nachspringen wollte, sind seine Füße seltsam schwer geworden und haben ihm den Dienst versagt. Ein hübsches unbekannt=bekanntes Männergesicht hat ihn höhnisch angelächelt und gesagt:„Sehen Sie denn nicht, daß alles zu spät ist?!— Zu spät—“ mit diesem verzweifelten Wort ist Rainer dann aus dem qualvollen Schlaf heute morgen hochgeschreckt, und noch liegt die Dumpfheit über Körper und Seele. Rainer Seldis bindet den goldgelben Bademantel zu und geht hinüber in sein Wohnzimmer, um gedankenlos und ohne Appetit zu frühstücken. Aber es schmeckt ihm nichts. Er schiebt die Tasse zur Seite und greift zu der Zeitung, die Frau Huber jeden Morgen sehr sorgfältig neben die kleine Nickelkanne legt. Gleichgültig überfliegt er die ersten Seiten. Es ist ihm alles egal... Mein Gott, wie nichtig erscheint ihm das alles heute. Was ist das alles gegen sein einsames wildverzweifeltes Herz? Da... Um Himmels willen... Das Zeitungsblatt zittert in Rainers Hand. Da steht schlicht und belanglos eine kleine Notiz: „Die Autounglücke mehren sich. Ein von Kufstein kommendes Auto schlug gestern nacht auf der Bergstraße nach Hochkirchen auf der Fahrt um. Der Fahrer hat anscheinend einen Augenblick lang die Herrschaft über das Steuer verloren. Er und drei Insassen wurden nur wenig verletzt, während jedoch die einzige Dame unter den Fahrgästen, ein Fräulein D. von Dorp aus Berlin in einem sehr besorgniserregenden Zustande in das Hochkirchener Bergsanatorium eingeliefert werden mußte.. (Fortsetzung folgt.) Numn 16 Ko Jn der woch in den Kuli geführt. 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