Amtliches Organ für den Kreis Ahaus. 54. Jahrgang. Geschäftsstelle in Gronau: Gebr. Lensing, Verlagsanstalt GmbH., Bahnhofstraße 2, Fernsprecher Nr. 260. Bankkonten: Kreis= und Stadtsparkasse Ahaus, Gewerbebank Ahaus und Städt. Sparkasse Gronau i. W. Anzeigenpreise: das 1spaltige Millimeter fu die Zenozeitung 10 Pfg., für die Kreiszeitung für den Kreis Ahaus 3 Pfennig. Rabatt nach Tarif. Verlag: Gebr. Lensing, Verlagsanstalt G. m. b. H., Zweigniederlassung Ahaus. Erscheint täglich. Bezugspreis monatlich durch Boten 2.10 Mk., durch die Post 2,20 Mk.(ohne Bestellgeld). Schriftleitung und Geschäftsstelle in Ahaus: van=Delden=Str. 8. Telegr.Adresse: Kreiszeitung Ahaus i. W. Fernruf Nr. 450. Postschließfach 65. Postscheck=Konto: Hannover 22 739 Nummer 246 Clemenceaus Sohn als Rüstungsagent. Die Korruption in der englisch-amerikanischen Rüstungsindustrie. Neue amerikanische Feststellungen. DNB Washington, 6. September. Der Bundessenatsausschuß zur Untersuchung über die amerikanische Rüstungsindustrie beschäftigte sich am Mittwoch mit den englisch-amerikanischen U=Bootlieferungen nach Südamerika. Dabei kam ans Tageslicht, daß die amerikanische Electric Boat Company, die mit der englischen Rüstungsfirma Vickers Armstrong zusammenarbeitete, den Einfluß der Marinemissionen der Vereinigten Staaten benutzte, um Waffengeschäfte besonders mit Peru und Brasilien zu tätigen. Es wurde festgestellt, daß die Electric Boat Company an Juan Leguia, den Sohn des damaligen peruanischen Präsidenten, große Summen Bestechungsgelder zahlte, um die überschuldete peruanische Regierung zum Ankauf veralteter UBoote und zur Vergebung wertvoller Konzessionen an nordamerikanische Oelkonzerne und Schiffahrtslinien zu bewegen, um den peruanischen Kredit zwecks Aufnahme einer neuen 18 Millionen Dollar=Anleihe für Rüstungszwece zu heben. Diese von vornherein wertlose peruanische Anleihe wurde 1928 von Banken der Vereinigten Staaten dem Publikum angedreht, wofür Leguia 450000 Dollar angeblicher Kommissionsgebühren erhielt. die Eröffnung des Parteikongresses. Das Bild zeigt den Stellvertreter des Führers Rudolf Heß in der Eröffnungssitzung des Parteikongresses bei seiner Rede während der Gedenkworte für den heimgegangenen Reichspräsidenten von Hindenburg. Dabei hatten sich sämtliche Teilnehmer ehrfurchtsvoll erhoben. In der ersten Reihe sieht man von rechts: Gauleiter Jul. Streicher, den Führer, den Chef des Stabes der SA. Lutze, Reichsführer der SS, Himmler, Reichsschatzmeister Schwarz, Reichsleiter Dr. Ley, Reichspropagandaminister Dr. Goebbels. der kulturpolitische höhepunkt des Reichsparteitages Am Mittwoch nachmittag fand im Apollotheater in Nürnberg die Kulturtagung der NSDAP statt. Das Bild links gewährt einen Blick in den Zuschauerraum. In der ersten Reihe von links: Reichswehrminister Generaloberst von Blomberg, Ministerpräsident Göring, der Führer, Reichsleiter Alfred Rosenberg, Reichsminister Rudolf Heß, der Chef des Stabes Viktor Lutze, Reichsschatzmeister Schwarz und Reichsminister Dr. Goebbels. Das Bild rechts zeigt den Führer bei seiner Rede über die Kunst und ihr Verhältnis zu Staat, Volk und Mensch. Die Untersuchung ergab ferner, daß ein Sohn Clemenceaus viele Jahre hindurch Agent der Firma Vickers war und daß die Electric Boat Company im Jahre 1928 eine Europareise der Gattin und des Sohnes des amerikanischen Kapitäns Howe, des damaligen Führers der Marinemission der Vereinigten Staaten in Peru, bezahlte. Von den weiteren Enthüllungen sind nachfolgende bemerkenswert: Der peruanische Agent der Electric Boat Company versuchte, allerdings vergeblich, als peruanischer Abgeordneter an der Abrüstungskonferenz teilzunehmen, um die Festsetzung von U=Boot=Bauraten zu sabotieren; die Die Berliner ausländischen Diplomaten nach Nürnberg abgefahren. DNB Berlin, 6. Septbr. Auf Einladung des Führers nehmen auch in diesem Jahre eine große Zahl von in Berlin beglaubigten ausländischen Diplomaten am Reichsparteitag in Nürnberg teil, die am Donnerstag um 20,05 Uhr mit einem Schlafwagen=Sonderzug die Reichshauptstadt verließen. Sie begeben sich zuerst zu einer Besichtigung der Bauarbeiten auf der deutschen Autostraße nach Berchtesgaden, wo ihnen der Generalinspekteur des Straßenwesens an Ort und Stelle eine der vielen Stätten deutscher Aufbauarbeit zeigen wird. Gegen Mittag werbolivianische Revolution im Jahre 1920 wurde mit Geldern der Rüstungskonzerne finanziert: die Rüstungskonzerne veranlaßten nacheinander Peru und Chile zum Ankauf von je sechs U=Booten und Columbien zum Ankauf von zwei Flußkanonenbooten. Der Rüstungsindustrielle Sir Basil Zaharoff hat insgesamt 2 Millionen Dollar von der Electric Boat Campany, deren Aktionär er ist, für Patente erhalten. Der frühere peruanische Marineattaché in Washington, Aubry, der für die Electric Boat Company in Südamerika tätig gewesen ist, hat 326 000 Dollar für Patentbenutzung erhalten. Mit Japan sind Kontrakte angestrebt, jedoch nicht abgeschlossen worden. den die Diplomaten St. Bartholomä am Königssee besichtigen, um dann über Obersalzberg nach Bad Reichenhall zu fahren. Die Weiterfahrt nach Nürnberg erfolgt Freitag gegen 19 Uhr. Sonnabend früh treffen die Diplomaten in Nürnberg ein. Sie werden etwa zwei Stunden später an der Kundgebung der H J teilnehmen. Die übrige Zeit am Sonnabend ist für Besichtigungen der Stadt und der Lager vorgesehen. Am Sonntag werden die Diplomaten um 8 Uhr beim Apvell der SA und SS in der Luitpold=Arena und anschließend beim Vorbeimarsch vor dem Führer auf dem Adolf Hitler=Platz zugegen sein. Am Montag wohnen sie den Vorführungen der Reichswehr bei. Den Abschluß ihres Aufenthaltes in Nürnberg bildet die Teilnahme am Schlußkongreß des Parteitages. Der Sonderzug fährt am Dienstag vormittag wieder nach Berlin zurück. Jahrgang 1934 Weltsorgen des Datikans. Die Konkordatsverhandlungen mit Sponien.- Die Lage der Katholiken in Brasilien.- Die Religionsverfolgungen in Mexiko. Von unserem römischen Korrespondenten. A Rom. 4. September. Wie bereits aus Tagesmeldungen bekannt geworden ist, haben die Verhandlungen über ein Konkordat mit Spanien, zu denen der spanische Außenminister Pita Romero mit Sondervollmachten nach Rom gekommen war, den ersten Mißerfolg zu verzeichnen. Pita Romero ist nach Madrid zurückgereist. Es handelt sich indessen nicht um einen förmlichen Abbruch der Verhandlungen. Man ist vielmehr formlos übereingekommen, die Verhandlungen zunächst einmal ruhen zu lassen. Damit hätte sich leider der skeptische Pessimismus, mit dem hier die Aussichten für den Abschluß eines befriedigenden Konkordates mit Spanien beurteilt worden sind, bestätigt. Die äußeren Schwierigkeiten haben sich um die Frage der zivilrechtlichen Anerkennung der kirchlichen Ehechließung gehäuft. Die wirklichen Schwierigkeiten indessen sitzen zweifellos tiefer. Die liberale Minderheitsregierung in Madrid, die von der parlamentarischen Duldung der katholischen Rechten abhängig ist, aber eben doch im Wesentlichen aus bürgerlichen Liberalen zusammengesetzt ist, hat offenbar geglaubt, sich mit der Einleitung von Konkordatsverhandlungen eine taktisch günstige innenpolitische Position verschaffen zu können. Sie wollte einerseits einer Programmforderung der katholischen Rechten entgegenkommen, andererseits mag sie gehofft haben, daß die grundlegenden Bestimmungen der spanischen Verfassung über die Weltlichkeit des Staates und die einer Aenderung mit einfacher Mehrheit bis zum Dezember 1935 vorgeschobene Sperrfrist sie vor einem wirklich ernsthaften Entgegenkommen gegenüber dem Vatikan bewahren werde. Dabei hat sie offenbar ihren römischen Verhandlungspartner unterschätzt. Dem päpstlichen Staatssekretariat ist der taktische Ausgangspunkt der Madrider Verhandlungsbereitschaft keineswegs verborgen geblieben, und es hat sich wohl sehr bald herausgestellt, daß Pita Romero nicht jene Großzügigkeit entfalten kann, die unerläßlich wäre, wenn ein Konkordat mit Spanien nicht nur kirchenpolitische Fragen von untergeordneter Bedeutung regeln, sondern einem katholischen Lande auf neuer Rechtsbasis die religiösen Traditionen seines öffentlichen Lebens wiederherstellen soll. Die Vergangenheit Spaniens verpflichtet auch den Vatikan, und man kann sich denken, daß er von der Erfolgslinie, die damit vorgezeichnet ist, umso weniger abweicht, als die gegenwärtige spanische Regierung kaum die Gewähr für eine politisch dauerhaft gesicherte Abmachung bieten könnte. Die spanische Verfassung brauchte dabei nicht unter allen Umständen ein Hindernis zu sein. Das gilt auch für die am meisten umstrittene Ehefrage. Als Mussolini seiner Zeit vor dem italienischen Parlament für die Annahme des italienischen Konkordates plädierte, hat er zum Beispiel darauf hinweisen können, daß eine ganze Reihe moderner Kulturstaaten(wie Dänemark, England, Norwegen, Schweden, Vereinigte Staaten, Kanada und neuerdings Brasilien) ohne konkordatliche Regelung durch ihre eigene Gesetzgebung die zivilrechtlichen Wirkungen einer kirchlichen Eheschließung anerkennen. Es müßte also, so sagt man hier, auch für das katholische Spanien eine Lösung dieser Frage geben können, die den Forderungen des Vatikans gerecht würde, ohne die Verfassung zu verletzen. Die Analogie mit den genannten Staaten legt solche Möglichkeiten nahe genug. Indessen— dazu gehörte eine großzügig auf einen klaren Kurs steuernde und auch eine politisch stabile spanische Regierung. Es wird nun abzuwarten sein, ob sich diese Voraussetzungen in der nun eingelegten Verhandlungspause verbessern. Ein Zweifel darüber, wer hier den längeren Atem hat, dürfte kaum aufkommen. * Wenn Kardinalstaatssekretär Pacelli von dem Eucharistischen Weltkongreß in Buenos Aires, wo er als päpstlicher Legat auftritt, zurückkehrt, wird er, soviel man hört, einen Tag in der brasilianischen Hauptstadt Rio de Janeiro verweilen und dort offiziell von den Bundesbehörden empfangen werden. Dieser Besuch wird wohl nicht mit Unrecht mit der Tatsache in Zusammenyang gebracht, daß sich die Lage der Katholiken und der katholischen Kirche in Brasilien seit der Verabschiedung der neuen Bundesverfassung im Juli dieses Jahres erfreulich gebessert hat. Der neue Bundespräsident Getulia Vargas, der an sich aus einer antiklerikalen politischen Laufbahn kommt, zeigt einen offenbar echten Willen zur Versöhnung und Zusammenarbeit mit der Kirche. Er hat sich, was früher keineswegs selbstverständlich war, nicht gescheut, auch überzeugte Katholiken in sein Ministerium aufzunehmen. In der Nationalversammlung von 1926, in der die der gegenwärtigen vorhergehende Verfassung ausgearbeitet wurde, konnten die Katholiken zwar wiederholt eine Mehrheit für ihre Anträge erzielen, aber es fehlte ihnen die Zweidrittelmehrheit, um ihre wichtigsten Forderungen durchzusetzen. Der gegenwärtige Bundespräsident stand damals auf der Seite ihrer Gegner. Seitdem hat sich das Bild geändert, und in der neuen Verfassung konnten die Katholiken größere Erfolge erzielen. Die Präambel der neuen Verfassung enthält den Namen Gottes; die Geistlichen werden nur als Seelsorger und Krankenpfleger zum Militärdienst herangezogen; die Sonntagsruhe wird gesetzlich geschützt; der kirchlichen Ehe werden die zivilen Rechtswirkungen zuerkannt; die Freiheit der katholischen Arbeitergewerkschaften wird gesetzlich anerkannt; in den Schulen wird der Religionsunterricht zugelassen. Das sind die wichtigsten Erfolge. Sie konnten dadurch gesichert werden, daß die Katholiken eine Wahlliga gründeten, die sich nicht auf bestimmte Parteien festlegte, sondern alle diejenigen Kandidaten unterstützte, die sich auf ein kulturpolitisches Mindestprogramm verpflichteten. Am 14. Oktober wird sich diese Methode von neuem zu bewähren haben. An diesem Tage sind die Präsidenten und die Parlamente der Bundesländer zu wählen. Wenn auch die früher sehr weitgehende Selbständigkeit der Bundesländer durch die neue Verfassung stark eingeschränkt worden ist, so haben sie doch gerade für die Durchführung der kulturellen Bundesgesetze wichtige Zuständigkeiten behalten. Die Katholiken sind auf diese Wahlen organisatorisch gut vorbereitet und hoffen, daß sie mit einem Erfolg nicht nur die neuen Richtlinien der Verfassung, sondern auch die fortschreitende Befriedung des von der wirtschaftlichen Weltkrise schwer geschüttelten Landes sichern werden. * Die zu Milwaukee in den Vereinigten Staaten erscheinende protestantische Wochenschrift„The Living Church“ hat kürzlich alle amerikanischen Kirchen und Bekenntnisse zu einer Einheitsfront gegen die Religionsverfolgungen in Mexiko aufgerufen. Denn in Mexiko, so hieß es in der Begründung, geyt es nicht um einen Kampf gegen die Vorherrschaft der katholischen Kirche, sondern um einen zentralen Angriff gegen jede religiöse Erziehung überhaupt. Die neuerdings hier vorliegenden Informationen bestätigen diese Feststellung in einem erschreckenden Umfang. Nach der mexikanischen Verfassung von 1917 sind die religiösen Orden und der Klerus überhaupt von jeder Tätigkeit und jedem Einfluß in den Volksschulen ausgeschlossen. Auch die Errichtung und Fortführung privater Volksschulen, die auch nur indirekt kirchliche Unterstützungen genießen, ist untersagt. Inzwischen hat die regierende Partei einen Antrag auf Verfassungsänderung vorbereitet, der diese Bestimmungen noch verschärfen und auf alle Schulgattungen ausdehnen soll. Danach soll es künftig allen religiösen Genossenschaften, allen Priestern, allen Vereinigungen, die direkt oder indirekt mit einem religiösen m Der Führer legt das Frontkämpferkreuz an. DNB Nürnberg, 6. September. Der Reichsminister des Innern, Dr. Frick, hat am 4. September in Nürnberg den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler geveten, das vom verewigten Reichspräsidenten von Hindenburg gestiftete Frontkämpferkreuz anzulegen. Reichsminister Dr. Frick übereichte dem Führer das Frontkämpferkreuz unter gleichzeitiger Uebergabe des folgenden Schreibens: „Mein Führer! Als der von dem verewigten Reichspräsidenten Generalfeldmarschall von Hindenburg mit der Durchführung seiner Verordnung über die Stiftung eines Ehrenkreuzes beauftragte Reichsminister bitte ich Sie, als Frontkämpfer des Weltkrieges das von ihm gestiftete Frontkämpferkreuz anlegen zu wollen.“ Der Führer und Reichskanzler erklärte sich zur Annahme des Frontkämpferkreuzes bereit. nm Bekenntnis zusammenhängen, und allgemein allen Personen und Einrichtungen, die nicht für einen Unterricht im Sinne der herrschenden antireligiösen Richtung Gewähr geben, verboten sein, Volksschulen, Mittelschulen oder höhere Schulen zu errichten oder wirtschaftlich zu unterstützen oder auf solche Schulen irgendwelchen Einfluß zu nehmen. Der Vorkämpfer dieses Programms der herrschenden Partei, das auf eine völlige Ausschaltung der Religion in allen Schulen abzielt, ist Garido Canabal, der einflußreiche Gouverneur des Staates Tabasco, dessen enge persönliche Beziehungen zu General Calles und dem neugewählten Bundespräsidenten Cardenas bekannt sind. Er hat kürzlich dem Parlament des Staates Tabasco einen Jahresbericht über seine Unterrichtspolitik vorgelegt, der sich ausdrücklich auf die Zustimmung der Bundesregierung beruft und die Ziele der regierenden Partei mit brutaler Deutlichkeit enthüllt. Die Schule, so heißt es darin, habe die Aufgabe, durch Einwirkung auf die junge Generation eine radikale Veränderung in der Gesinnung des Landes herbeizuführen. Während früher die soziale Umwelt den Geist der Schüle bestimmt habe, so müsse jetzt der Geist der Schule die soziale Umwelt umgestalten. Das Ziel sei, die Gesinnung der arbeitenden Massen zu„reinigen", damit sie nicht mehr an die Existenz eines Gottes glauben, sondern sich überzeugen, daß die Arbeit die einzige Quelle des Glückes und des Fortschrittes sei.„Der Fetisch und der Heilige müssen völlig verschwinden und den Platz, den sie seit Jahrhunderten widerrechtlich eingenommen haben, dem Studium, der Erfahrung und den Gesetzen der Vernunft raumen." Der Jugend müsse die Wahrheit der Wissenschaft statt der Absurdität der Religion geboten werden. Im Staate Tabasco sei das erste Ziel, das„vollkommene Verschwinden des Pfarrers“ und die„Amtsenthebung des Klerus“, bereits erreicht worden. So denkt der Mann, der die gesamte Kulturpolitik in Mexiko maßgebend beeinflußt! Wie die Praxis aussieht, das beweisen dokumentarisch die Photographien, die dem erwähnten Bericht beigegeben sind. Sie zeigen eine Büste des Generals Obregon, die aus geraubten Kirchenglocken gegossen ist; eine Kirche, die in eine Schule umgewandelt wurde; Andachtsbilder, die zerstört wurden. Das Schlimmste aber ist die Aufnahme einer offenbar in der neuen„Volksbildungsarbeit“ dargestellten Kreuzigungsgruppe, in der die Person, die Maria Magdalena darstellen soll, eine Zigarette raucht. Darunter steht als Unterschrift:„Diese Photographie beweist den Fortschritt, der sich in der Gesinnung der Arbeiter vollzogen hat, und die Verachtung, mit der sie jetzt die Praktiken betrachten, die die Die Erfolge der Arbeitsfront, Propaganda und Volksgesundheitspflege. :: Nürnberg, 6. September. Während noch die Kolonnen des Arbeitsdienstes, denen der heutige Tag bis zum Nachmittag gewidmet ist (siehe Bericht an anderer Stelle) auf dem Adolf=HitlerPlatz am Führer vorbeimarschieren, strömen die Massen der Kongreßteilnehmer bereits wieder zur riesigen Halle, die schon lange vor Beginn der Fortsetzung des Kongresses dicht gefüllt ist. Ab und zu sind außerhalb der Halle begeisterte Heilrufe zu hören, die ankündigen, daß führende Persönlichkeiten der nationalsozialistischen Bewegung eingetroffen sind, die den Führer am Eingang der Halle erwarten. Plötzlich geht Bewegung durch die Massen. Brausende Heilrufe schallen durch das weitgeöffnete Tor herein, Fanfaren schmettern durch die Luft, Scheinwerfer blitzen auf, der Badenweiler=Marsch erklingt: Der Führer betritt die Kongreßhalle, umbrandet von den Rufen der Zehntausende. In seiner Begleitung befinden sich wiederum die Reichsund Gauleiter der Bewegung, die Obergruppenführer und Gruppenführer der SA, sowie die Obergebietsführer der Hitler=Jugend, die auf der Tribüne hinter dem Rednerpult Platz nehmen. Und wieder geht Bewegung durch die Reihen: Die Standarten der SS und SA, geführt von der Blutfahne des 9. November 1923, werden in die Halle getragen. Das nationalsozialistische Sinfonie=Orchester eröffnet dann den Nachmittagskongreß mit der FreischützOuvertüre. Reichsleiter Bormann eröffnet darauf den Nachmittagskongreß und erteilt dem der W9 und Führer der Dr. Rebert Ley, das Wort, der in einer großangelegten Rede zusammenfassend darlegt, was der Nationalsozialismus bisher dem deutschen Arbeiter gebracht hat. Dr. Ley zeichnet ein Bild der Verfassung, in der sich vor der blitzschnell durchgeführten Uebernahme der Gewerkschaften der deutsche Arbeiter befand. Mit den wirtschaftsschädigenden Folgen der politischen Verhetzung und des Klassenkampfes wurden die Organisationen des Arbeiters völlig wertlos und gingen dem Verfall entgegen. Auch bei den wirtschaftlichen Unternehmungen sah es nicht anders aus als bei den Gewerkschaften. In diesen Betrieben wurden Arbeitergelder in vielen Millionen investiert. Selbst wenn das System von Weimar lebensfähig gewesen wäre, hätten, wie der Redner sagte, die Gewerkschaften an diesem Ballast von wirtschaftlichen Unternehmungen allein zugrunde gehen müssen. Dann geht er auf die Aufgaben ein, die die Uebernahme und der Aufbau der Gewerkschaften und Verbände der Partei stellten. Als erste Notwendigkeit ergab sich, die Verbände machtpolitisch der NSDAP zu unterstellen und alle ehemaligen verantwortlichen Führer völlig auszuschalten. Die organisatorischen Maßnahmen der NSDAP auf diesem Gebiet führten sofort dazu, daß die Massenflucht aus den Verbänden aufhörte, der Beitragseingang zunahm, das Vertrauen zu den wirtschaftlichen Unternehmungen stieg. Die Arbeiterbank, die illiquid übernommen wurde, wurde sofort wieder liquid. Der völlig neuartigen Propaganda gelang es, die Zahl der Mitglieder von 5 Millionen am 2. Mai auf über 9350 000 im Dezember 1933 zu steigern, so daß nach Wiederaufhebung der Mitgliedersperre, die wegen des gewaltigen Andranges neuer Nitglieder verhängt werden mußte, eine neue Entwicklungsphase einsetzte. Ziel einer neuen Sozialordnung konnten jedoch nicht die Einheitsverbände sein, vielmehr galt es, Unternehmer und Arbeitnehmer in einer Organisation zusammenzuführen. Am 1. März 1934 betrug der Mitgliederbestand der Deutschen Arbeitsfront 13 Millionen Arbeiter, Angestellte und Unternehmer und 4 Millionen Mitglieder aus dem Handel, Handwerk, Gewerbe und den freien Berufen. Dr. Ley verweist dann auf die Schöpfung eines Werkes, für das es bis dahin kein Vorbild gab: Die NSGemeinschaft„Kraft durch Freude“ und deren Organisation, für die bis heute 25 Millionen Mark aufgewandt wurden, die sich bis zum abgelaufenen ersten Jahre auf 40 Millionen RM. erhöhen werden. Bis zum 1. September hat das Amt für Reisen und Wandern eine Million Menschen, die noch niemals ihre dumpfe Großstadt verlassen hatten, für sieben bis zehn Tage in Erholung geschickt. Allein 80 000 Menschen wurden von eigenen Dampfern sieben Tage zur See gefahren. Eine weitere Million fuhr zum Wochenende zu gemeinsamen Wanderungen. Vom Amt für Schönheit der Arbeit wurden bereits mehr als 1000 Betriebe betreut. Das Sportamt verfolgt das Ziel, die Altersgrenze, bis zu der man Sport treibt, für die Masse des Volkes von 30 auf mindestens 50 Jahre hinaufzusetzen. Auch die Sanierung der wirtschaftlichen Unternehmungen kann Dr. Ley als voll und ganz gelungen bezeichnen. In diesem Zusammenhang verweist er darauf, daß ein Zusammenbruch der Konsumvereine mit einem investierten Wert von mehr als einer Milliarde einen ungeheuren Schaden für die deutsche Wirtschaft bedeutet hätte und die Arbeitslosigkeit von vielen Hunderttausenden Volksgenossen nach sich gezogen haben müßte. Trotz großer Schwierigkeiten gelang es, auch die Konsumvereine zu erhalten. Wie gewaltig auch alle diese Leistungen sein mögen, so liegen doch die Hauptaufgaben der DAF bei den Betriebsgemeinschaften und bei den Berufsgruppen. Aus der Erkenntnis der rassischen Verbundenheit der Schaffenden müsse eine Schicksalsgemeinschaft werden, die als Leistungsgemeinschaft der Kraftträger der Nation sei. Alle Arbeit müsse von einem einzigen Gedanken beherrscht werden, den deutschen Arbeiter zu einem stolzen, aufrechten und gleichwertigen Volksgenossen zu machen. Die Lösung der sozialen Frage sei kein Lohnproblem, sondern liege in der Neubildung einer Gesellschaftsordnung, für die die NSDAP allein als Vorbild in Frage komme. Die Rede wird häufig von Beifallskundgebungen unterbrochen. Lebhaft begrüßt wird insbesondere die Priester angewandt haben, um die Menschheit irrezuführen." Solche Dokumente, die das Vorbild der bolschewistischen Gottlosenbewegung kopieren, lassen nicht nur den abgrundtiefen Haß gegen die Religion erkennen, der die herrschenden Kreise Mexikos beseelt; sie wecken auch christliches Mitleid mit einem ehemals katholischen Land und Volk, das unter die Gewalt solcher Politiker geraten ist. Mitteilung, daß bei einem Ansteigen der Mitgliederzahl von 5 Millionen auf 14 Millionen die Verwaltungsunkosten der Deutschen Arbeitsfront auf die Hälfte gesenkt werden konnten. Brausende Heilrufe steigen insbesondere zum Schluß auf, als Dr. Ley dem Führer das Gelöbnis ablegt, nie in der Arbeit zu erlahmen, bis die Freiheit der Nation gesichert sei, und unter Heilrufen dankt der Führer dem Redner mit einem Händedruck für seine Arbeit. Darauf nimmt Dr. das Wort. Er behandelt das Thema: „Die Propaganda und Ausführung als Voraussetzung praktischer Arbeit auf zahlreichen Gebieten.“ Aus der Erfahrung seiner langjährigen Tätigkeit als Reichspropagandaleiter der NSDAP und Gauleiter in der Reichshauptstadt zeigt Dr. Goebbels das wahre Wesen einer erfolgreichen Propaganda auf und sprach er von den psychologischen Voraussetzungen der nationalsozialistischen Propaganda vor und nach der Machtergreifung. Zunächst weist er auf die Unterlassungssünden verflossener Regierungen in der Kriegszeit hin: Erst als die feindliche Auslandspropaganda im Begriff war, selbst den größten Teil der neutralen Staaten auf die Seite unserer Gegner herüberzuziehen, besann sich die deutsche Regierung der ungeheuren Macht, die in der Propaganda geschlossen liegt. Aber da war es schon zu spät. Wie wir den Krieg wirtschaftlich und militärisch nur ungenügend vorbereitet hatten, so auch propagandistisch. Wir haben ihn deshalb vor allem auf diesem Gebiete verloren. Der raffinierteste Trick der während des Krieges gegen Deutschland arbeitenden Propaganda war der, uns das zu unterstellen, was ihr selbst zu eigen war. Heute noch grassiert in wesentlichen Teilen der Weltöffentlichkeit die Meinung, daß mit dem Begriff der deutschen Propaganda typische Merkmale, wie Unwahrhaftigkeit, Vergröberung, Entstellung der Tatsachen und ähnliches verbunden seien. Unterdessen hat der Begriff der Propaganda vor allem durch seine politische Praxis in Deutschland eine grundsätzliche Wandlung durchgemacht. Allgemach beginnt man in der ganzen Welt einzusehen, daß ein moderner Staat, sei er nun demokratisch oder autoritär regiert, ohne Propaganda auf die Dauer den unterirdisch wirkenden Kräften der Anarchie und des Chaos nicht gewachsen ist. Es kommt eben nicht nur darauf an, daß man das Richtige tut, sondern auch darauf, daß das Volk versteht, daß das Richtige richtig ist. Propaganda muß schöpferisch sein. Sie ist keineswegs eine Sache der Bürokratie oder amtlicher Verwaltung, sondern sie ist eine Angelegenheit produktiver Phantasie. Propaganda kann oppositionell oder bejahend zur Anwendung gebracht werden. Sie braucht in keinem der beiden Fälle negativ zu sein. Ausschlaggebend bleibt nur, ob sie den Kräften das Wort verleiht, die die wahren und unverfälschten Werte eines Volkes darstellen. Wesentlich anders ist es um den Begriff der Volksaufklärung bestellt. Sie ist im Grunde defensiv und evolutionär. Sie hämmert und trommelt nicht. Sie ist gemäßigterer Art und sucht zu belehren. Sie erläutert, erklärt und legt dar. Sie wird deshalb auch häufiger vom Regime selbst als von der Opposition zur Anwendung gebracht. Es blieb dem aus einer Revolution hervorgegangenen nationalsozialistischen Staat vorbehalten, Propoganda und Aufklärung, von einer Zentrale aus gelenkt, in Wirksamkeit zu bringen. Jede Propaganda hat eine Tendenz. Es kommt auf die Qualität dieser Tendenz an, ob die Propaganda sich positiv oder negativ auswirkt. Eine gute Propaganda braucht nicht zu lügen, ja, sie darf nicht lügen. Sie hat keinen Grund, die Wahrheit zu scheuen. Es ist ein Irrtum, anzunehmen, das Volk könnte die Wahrheit nicht vertragen. Gewiß kann es das. Es handelt sich nur darum, dem Volk die Wahrheit in einer Art verständlich zu machen, daß es sie am Ende auch versteht. Propaganda, die sich der Lüge bedient, beweist damit, daß sie für eine schlechte Sache ficht. Sie kann auf die Dauer nicht von Erfolg sein. Ohne zu übertreiben, kann man sagen, daß Deutschland heute auf dem Gebiet der Propaganda für die ganze Welt vorbildlich ist. Wir haben das Versäumte nachgeholt und es dabei in der Kunst der Massenbeherrschung zu einer Fertigkeit gebracht, der gegenüber ähnliche Versuche in anderen Ländern geradezu stümperhaft wirken. Wie hoch aber auch die nationalsozialistische Staatsführung die Propaganda überhaupt einschätzt, kam kurz nach der Machtübernahme in der Errichtung eines eigenen Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda zum Ausdruck. Dieses Ministerium ist ganz im nationalsozialistischen Geist gedacht und aus ihm heraus geschaffen. Man hat vielfach in jüngster Zeit anderwärts versucht, dieses Ministerium und seine großzügige Konzentration aller Mittel der öffentlichen Meinungsbeeinflussung nachzuahmen; aber hierauf paßt das Wort: Oft kopiert, aber nie erreicht. Erst in der sinnvollen Zusammenarbeit zwischen Partei und Staatsapparat konnten die großen Erfolge erzielt werden, die wir bisher mit Stolz zu verzeichnen haben. Tritt zu dieser Art einer aktiven Massenbeeinflussung durch die Propaganda die auf längere Sicht eingestellte systematische Aufklärung eines Volkes als Ergänzung, und werden beide als einheitliches Ganzes auf dauernd und mit Genauigkeit betrieben, dann wird die Verbindung zwischen Führung und Nation immer lebendig bleiben, und es entwickelt sich aus Autorität und Gefolgschaft jene Art moderner Demokratie, die Deutschland als Vorbild der Staatsauffassung des 20. Jahrhunderts der ganzen Welt vor Augen gestellt hat. Man schaue über die Grenzen unseres Landes und beobachte mit Lächeln die Bestrebungen parlamentarischdemokratischer Parteien, die alle auf den einen Satz hinauslaufen: Wie sage ich's meinem Kinde? Die Angst vor dem Volk ist das charakteristische Merkmal liberaler Staatsauffassung. Die Jagd nach der Popularität führt dabei meist zu nichts anderem, als die Wahrheit zu verschweigen und dem Unsinn das Wort zu reden. Man hat nicht mehr den Mut, Unpopuläres auszusprechen, geschweige denn zu tun. Die Folge ist, daß die großen europäischen Probleme in fruchtlosen Debatten versacken und über den Debatten politische, wirtschaftliche und soziale Krisen von ungeahnten Ausmaßen über die Völker hereinbrechen. Staatsmänner müssen zu gewissen Zeiten den Mut haben, auch Unpopuläres zu tun. Aber das Unpopuläre will rechtzeitig vorbereitet werden und es muß in seiner Darstellung richtig formuliert sein, damit die Völker es verstehen. Der Mann von der Straße ist im allgemeinen nicht so unvernünftig, wie man ihn schilt. Aber er, der meistens die schwerste Last unpopulärer Politik zu tragen hat, hat damit doch mindestens ein Anrecht darauf, zu wissen, warum es so und nicht anders gemacht werden muß. Die Propaganda steht am Anfang der praktischen politischen Arbeit auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens. Sie ist ihre große und sinngemäße Voraussetzung. Dr. Goebbels belegt das an einigen Beispielen aus der jüngsten Vergangenheit. Er führt die Ueberwindung der Parteien an, die Beseitigung des Marxismus, die Propaganda zum Verständnis der Devisenknappheit, des Reichserbhofgesetzes, der Idee des Reichsnährstandes, der Marktregelung in der Agrarwirtschaft, die Bannung der jüdischen Gefahr, den Erfolg des Winterhilfswerks und den Abstimmungserfolg. Auch die Propaganda, schließt die Rede, ist eine Funktion des modernen Staates. Ihre Reichweite ist der feste Grund, auf dem er stehen muß. Aus den Tiefen des Volkes stieg sie empor, und zu den Tiefen des Volkes muß sie immer wieder herniedersteigen, um dort ihre Wurzeln zu suchen und ihre Kraft zu finden. Es mag gut sein, Macht zu besitzen, die auf Gewehren ruht. Besser aber und dauerhafter ist es, das Herzeines Volkeszu gewinnen undes auch zu behalten. Eindrucksvolle Zustimmungskundgebungen unterstreichen wiederholt die Ausführungen Dr. Goebbels und zum Schluß wollen die Beifallsrufe kein Ende nehmen, und minutenlanges Händeklatschen erfüllt den Raum, als der Führer diesem meisterhaften Beherrscher der propagandistischen Kunst dankend die Hand drückt. Als letzter Redner der heutigen Kongreßtagung spricht sodann der Reichsärzteführer Hauptamtsleiter Dr. Sein Vortrag behandelt das Thema: „Rasse und Volksgesundheit.“ Darin wird in klarer Ueberschau und voller Eindringlichkeit, zugleich von großer Verantwortung getragen, dargelegt, was Rasse und Volksgesundheit für unsere Nation bedeuten. Die größte Gefahr für das Bestehen der Völker, Staaten und Kulturen, so führt Dr. Wagner aus, ergibt sich nicht aus wirtschaftlichen Katastrophen oder kriegerischen Verwicklungen; sie sind letzten Endes durch rassischen Verfall bedingt. Dieser geht vor sich im Rückgang der Zahl, der falschen Lenkung der Auslesevorgänge und schließlich in der Vermischung mit Trägern fremden Blutes. Mit dem Predigen von Geburtenverhütung und Kinderarmut im marxistischen Zeitalter war der Niedergang unseres Volkes besiegelt, mit dem fortschreitenden Geburtenrückgang zugleich das ganze System der deutschen Sozialversicherung gefährdet. Es gilt nicht nur, die Geburtenzahl an sich zu erhöhen, es gilt auch, die besten, stärksten Anlagen des Volkes zu erhalten uno zu nähren. Wissenschaftler der verschiedensten Kulturstaaten haben erst jetzt wieder auf dem Internationalen Eugenischen Kongreß in Zürich die Richtigkeit der deutschen Bevölkerungspolitik bestätigt. Die wirtschaftliche Belastung der Erbkranken in Deutschland, sagt der Reichsärzteführer weiter, zeigen erschütternde Zahlen. In Deutschland werden für Erbkranke jährlich noch 1,2 Milliarden aus dem Arbeitsertrag der Nation aufgebracht und dem Gesamteinkommen des Volkes entzogen. Dr. Wagner schildert weiterhin die Gefahren, die in der Rassenmischung eines Volkes liegen, und bezeichnet die erbgesunde kinderreiche Familie als das Unterpfand unserer Zukunft. Das vorbildliche Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses hat inzwischen seine Bedeutung und Wichtigkeit erwiesen, wie aus einer anderen Entschließung hervorgeht, die gleichfalls auf dem bereits erwähnten Kongreß in Zürich einstimmig angenommen wurde. Mit der Rede Dr. Wagners, die gleichfalls die lebhafteste Zustimmung des Kongresses findet, ist dann die heutige Tagung beendet. In der Stadt und auch im benachbarten Fürth gibt es am Abend Platzkonzerte durch Musikzüge des Arbeitsdienstes, der im übrigen die Rückfahrt in seine Standorte in elf Sonderzügen schon am Spätnachmittag angetreten hat. Inzwischen sind im Laufe des Tages die politischen Leiter eingetroffen, denen der morgige Tag gehört. 175 Sonderzüge haben sie nach Nürnberg gebracht. Heute, an diesem lauen Spätsommerabend, sind die Häuser illuminiert, Lichterkette und Lichterkette säumt die Simse und Stockwerke, und von den Dächern grüßen leuchtende Hakenkreuze und Huldigungen an den Führer. Bayern und Württemberg in die Reichskirche eingegliedert. Berlin, 6. September. Die Pressestelle der Reichskirchenregierung teilt mit: Der Rechtswalter der deutschen evangelischen Kirche hat auf Grund der ihm von der Nationalsynode erteilten Ermächtigung eine Verordnung erlassen, wonach die Vorschriften des§ 1, Abs. 1 und 3 des Kirchengesetzes vom 9. August 1934 über die Leitung der deutschen evangelischen Kirche und der Landeskirchen in der evangelischlutherischen Kirche in Bayern rechts des Rheins und der evangelischen Landeskirche in Württembera in Kraft treten. Damit sind alle Landeskirchen hinsichtlich ihrer Gesetzgebungsgewalt der Deutschen Evangelischen Kirche unterstellt und die Landesbischöfe an die Weisungen des Reichsbischofs gebunden. Das bekenntnismäßige Eigenleben und das Gebiet des Kultus bleiben von dieser zusammenfassenden, den einheitlichen Ausbau der Deutschen Evangelischen Kirche fördernden Regelung unberührt. Die evangelischen Landeskirchen in Bayern und Württemberg standen bisher bekanntlich in Opposition. Nunmehr ist zwar nicht auf dem üblichen Weg über die Landessynoden, aber doch effektiv die Eingliederung der beiden Kirchen in die Reichskirche vollzogen worden. 300000 Mark-Gewinn Berlin, 6. Sept. Gleich nach Beginn der Donnerstag=Ziehung der fünften Klasse der 43. Preußisch=Süddeutschen Staatslotterie wurde ein 300 000=Mark=Gewinn gezogen, der auf die Nummer 20 498 fiel. Einer der lachenden Gewinner ist ein Berliner, der ein ganzes Los gespielt hat. In der zweiten Abteilung fiel der Gewinn von 300 000 Mark nach Bayern, wo sich acht Volksgenossen, durchweg kleine Leute in den Erlös teilen. In der Lostrommel befindet sich noch der Hauptgewinn von einer Million Mark, der am letzten Ziehungstag, dem 11. d. M.. ausgespielt wird. Die Fortsetzung des nationalsozialistischen Parteikongresses. dem Kreise Aus der Ahaus, den 7. September 1934. Wenn die Schwalben uns verlassen Alljährlich, wenn die treuen Schwalben zu vielen Hunderten hoch über den Straßen auf Drähten oder Dachrinnen versammelt sind, scheint es so, als ob mit ihrem Zwitschern die letzten Besprechungen für den großen Flug gen Süden stattfänden. Die Zeit ist wieder da, wo uns die Buntgesiederten verlassen. Nach den Beobachtungen der Arnithologen sind die meisten Schwalben schon sofort nach dem Bartholomäustag, dem 24. August nach dem Süden aufgebrochen. Das ist ca. 14 Tage früher als in den meisten anderen Jahren und zurückzuführen auf den frühzeitigen Beginn der Vegetation in diesem Jahre. Wir sehen sie ungern scheiden, unsere kleinen Freunde, denn mit ihnen verläßt uns die schöne, in Blüte und Frucht prangende Jahreszeit. Doch, die Schwalben, die uns mit ihrem Fortziehen die vielleicht rauhen Tage des Herbstes andeuten, sie werden uns die schöne Zeit ja wieder mitbringen. Unzählige Schwalben werden auf den Schiffen oder an anderen Stellen, wo sie sich zeitweise ausruhen, eingefangen. Mögen unsere Lieblinge gut am fernen Ziele, Nordafrika, anlangen, das sie nach Berechnung der Sachverständigen in scharfem, andauernden Fluge, in 18 Stunden erreicht haben können. Karkoffelversorgung für den kommenden Winker Die normale Kartoffelernte in Deutschland beträgt etwa 40 Milionen Tonnen. Für die menschliche Ernährung werden etwa 12 Milionen Tonnen gebraucht— Daraus ergibt sich der alljährliche Ueberfluß an Kartoffeln und nicht, wie in der Bevölkerung angenommen, eine Kartoffelknappheit. Für den Kartoffelverbraucher tritt eine Aenderung für die Winterversorgung eigentlich nicht ein. Es bestehen folgende drei Versorgungsmöglichkeiten: 1. Die direkte Einkellerung der Verbraucher beim Bezuge von Bauern. Es kann also der Bauer die Kartoffeln an seine bisherige Kundschaft auch weiterhin abgeben. Ahaus 2. Der Grünverkauf von Kartoffeln, es ist also das rutenweise Ausmachen durch den Verbraucher auf dem Felde nach voraufgegangenem Ankauf bei Bauern erlaubt, Für diese beiden Wege der Kartoffelversorgung werden Schlußscheine verausgabt, die lediglich den Zweck einer ordnungsmäßigen Versorgung haben und die vom Bauern dem Käufer vorgelegt werden müssen. 3. Für alle anderen Verbraucher sind die Kartoffeln wie üblich im Handel zu haben. Die in der Bevölkerung ausgestreuten Preise für Winterkartoffeln sind auf falsche Gerüchte zurückzuführen, die jeder Grundlage entbehren. Es wird jedem möglich sein, sich, wie bisher, ausreichend mit Kartoffeln zu versorgen. Rotkreuz=Geldlotterie. Die Gewinnliste über die vom 21. bis 24. 8. 34 gezogene Geldlotterie kann beim Kolonnenführer der Freiw. Sanitätskolonne, Rathaus, Zimmer 3, eingesehen werden. Leider ist auf die hier verkauften Lose kein Gewinn gefallen. Ein Tierzuchtgesetz für Preußen. Soeben ist ein preußisches Tierzuchtgesetz verkündet worden, dessen Inkrafttreten für das ganze Staatsgebiet oder für einzelne seiner Teile allerdings noch von der Entscheidung des preußischen Landwirtschaftsministers abhängt. Das Gesetz bestimmt, daß Vatertiere erst dann zum Decken verwendet werden dürfen, wenn sie angekört sind. Anzukören sind nur solche Vatertiere, die für die Landestierzucht geeignet erscheinen. Abgekörte Vatertiere dürfen nicht zum Decken verwendet werden. Der Landwirtschaftsminister kann weitere Maßnahmen zur Förderung einer bodenständigen Tierzucht auf bäuerlicher Grundlage treffen. Soweit in einer Gemeinde Vatertiere nicht oder in nicht genügender Zahl zur Verfügung stehen, kann die Gemeinde zu öffentlicher Vatertierhaltung verpflichtet werden. Das Gesetz bezieht sich auf Hengste, Bullen, Eber, Schafböcke und Ziegenböcke. Der Landwirtschaftsminister kann auch weitere Tierarten einbeziehen. X Dreimarkstücke in Heimsparkassen nicht vergessen! Die Dreimakstücke werden bekanntlich mit Wirkung vom 1. Oktober 1934 ab außer Kurs gesetzt. Es empfiehlt sich deshalb, wie die„Wandelhalle“ schreibt, Heimsparkassen, deren Inhalt nicht genau bekannt ist, vorher an den Sparkassenschaltern leeren zu lassen. Auch an die Haussparbüchsen muß in dieser Beziehung erinnert werden. Zum Großflugtag in Ahaus am 9. September 1934 6 deutsche und 2 holländische Flugzeuge wetteifern in Kunstflug.— Außerdem Segel= und Geschwaderflüge(D=Zug der Lüfte), Ballonrammen, Bombenabwürfe u. a. m. Wie bereits gemeldet, findet der Großflugtag in Ahaus nunmehr endgültig am Sonntag, den 9. September statt. Veranstalter ist die Fliegeruntergruppe Münsterland in Verbindung mit dem Heimatund Verkehrsverein Ahaus. Als Flugplatz dient die über 30 Morgen große Weide des Bauern Hartmann in Ammeln. die in unmittelbarer Nähe der Chaussee Ahaus—Schöppingen, ca. 2 km von Ahaus, in der Nähe der Sommerwirtschaft Jägerhaus liegt. Außerdem ist der Flugplatz sehr gut zu erreichen über den sog. Asbecker Fußweg und von der Legdener Provinzialstraße über den bei der Wirtschaft Enning abzweigenden Ammelner Gemeindeweg. Es werden gezeigt: Alle Arten Kunstflüge bis zu den schwierigsten Uebungen und Geschwaderflüge, Ballonrammen, Bombenabwürfe usw. Der Piloten Teigeler, Suvelack, Kinna, Mertschat, Brake sowie von 2 bekannten Holländern, die unentgeltlich sich in den Dienst der Förderung des Luftfahrtgedankens gestellt haben. Ferner werden gezeigt meyrere Fallschirmabsprünge und als besondere Attraktion Start eines Segelflugzeuges Kassel 25 mit Polizeiobermeister Mertschat am Steuer, der sich mit seiner Maschine von einem anderen Flugzeuge 5—600 m hochziehen läßt und dann ausklinken wird. Das Segelflugzeug wird, wie wir hören, als Anhänger eines Motorflugzeuges von Münster nach Ahaus geflogen. Spiell nicht Zaungast Zum Großflugtag in Ahaus=Ammeln am 9. September. Flugtage haben ihre besondere Bedeutung. Sie dürfen nicht als rein wirtschaftliche Angelegenheit bewertet werden, aber noch weniger als eine Veranstaltung zur vergnüglichen Unterhaltung. Jede Flugvorführung ist eine Werbung für die deutsche Luftfahrt, für den Luftfahrtgedanken überhaupt. In mühsamer Arbeit hat sich die deutsche Luftfahrt von der durch Feindeswillen erzwungenen Vernichtung der deutschen Heeres= und Marineluftfahrt mit den nur allzu erfolgreichen Bestrebungen unserer Feinde, den deutschen Luftverkehr von den wirtschaftlich allein möglichen großen internationalen Linien abzuschneiden, allmählich durchgerungen zu einem die Welt beherrschenden Faktor. Der Stoßtrupp für die Anerkennung und Würdigung der Fliegerei im eigenen Lande ist— wo unsere Gegner von gestern ihre nach tausenden zählenden Kriegsmaschinen anfliegen lassen— bei uns die Sportfliegerei. Ihre Veranstaltungen werben für die Fliegerei, indem sie die Sicherheit des Flugverkehrs beweisen in Flugkraft und Kunstflug. Darum steht ja auch der Kunstflug auf dem Programm. Was der Flugtag am nächsten Sonntag zeigt, ist das, was als Aufgabe bei jedem großen Kunstflugwerbetag um die Meisterschaft gefordert wird, als da sind Loopings, Trudeln, Rückenfliegen, Rollenkreis usw. Die schwierigsten dieser Aufgaben sind der Looping nach vorn, der Rollenkreis (bei dem sich das Flugzeug um seine Längsachse im Kreise fliegend dreht),„Männchen" und die Rolle in Zeitlupe. Bei den schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen, in denen wir heute leben, ist es klar, daß auch die Fliegerei sehr darniederliegt. Wenn trotzdem die Vereine nicht nachlassen und immer wieder Flugtage veranstalten, so zeugt das von Mut und Willen, auch unter schwierigen Verhältnissen dem Fortschritt zu dienen. Eines muß ausgesprochen werden und kann nicht scharf genug verurteilt werden: Das sind die sogenannten Zaungäste. Wir wissen, daß die Zeiten schlecht sind, und daß das Geld knapp ist; aber für diesen Zweck sollte jeder gute Deutsche seine Zurückhaltung aufgeben und sich sagen, das Geld, das ich hier ausgebe, wird Zinsen tragen, denn es dient dem Flugwesen und damit Deutschlands Zukunft. Vreden Gründungsversammlung des „Reichsbund der Kinderreichen“, Ortsgruppe Vreden. Durch die Ortsgruppe der NSDAP. war eine Versammlung einberufen worden mit dem Zweck, die Neugrundung des„Bundes der Kinderreichen“ vorzunehmen. Es waren an Ehrengästen erschienen Bürgermeister Böcker, die Kreisfürsorgeschwester Frl. Vogel, die Ortsleiterin der NS.=Frauenschaft Frau Dr. Fortmann, der Ortsamtsleiter der NSV., Pg. Karl Terrahe und der Ortsgruppenleiter Pg. Herdegen. Von letzterem wurde die Versammlung vom Sinn der Zusammenkunft unterrichtet. Der Kreiswart des Bundes, Pg. Fuchtmann=Ahaus, sprach in längeren Ausführungen über die Aufgaben des Bundes. Dann sprach Pg. Gemünd über die heutige neue Fassung des Bundes. Er erwähnte dann noch die neuen Steuergesetze, die am 1. Januar 35 zum Schutz der Kinderreichen in Kraft treten, ebenso wies er auf die engste Zusammenarbeit des Bundes mit dem Winterhilfswerk bezw. der NSV. hin. Der Ortsgruppenleiter Herdegen sprach dann noch über den Kampf der Regierung, der dem Schutze der kinderreichen Familie gilt. Frühere Mißstände seien beseitigt worden und er schloß mit dem Appell: Hinein in unsern Reichsbund! Bürgermeister Böckers, Pg. Karl Terrahe von der NSV. versicherten dem Bund größte Mitarbeit und Hilfe. Darauf wurden Eintragungslisten rundgereicht und alle Anwesenden trugen sich ein zur Mitgliedschaft. Ebenfalls wurde noch Lehr= und Anschauungsmaterial dis Bundes verteilt. Nach dieser Gründung des Bundes ernannte der Ortsgruppenleiter die Führung des Ortsbundes. Er beauftragte damit Pg. Gemünd. Dieser ernannte seine Miarbeiter und zwar als stellvertretenden Ortswart Th. Heming, als Kassenwart Böing, als Propagandawait Arnold Stroetmann, als Schriftführer Meyering, als Beisitzerin Frau Alf. Scholbrock. Verlegung der Diensträume der Deutschen Arbeitsfront. Die Diensträume der DAF. befinden sich ab 1. September 1934 in der Geschäftsstelle der NSDAP.(Stadtverwaltung). Die Geschäftsstelle ist geöffnet von 9 bis 13 Uhr und von 15 bis 19 Uhr. Sie ist telefonisch unter der Rufnummer 328 zu erreichen. Samstag nachmittags und Sonntags ist das Büro geschlossen. Der Ortsgruppenamtsleiter der DAF. ist außerhalb der Dienststunden in seiner Wohnung, Wickbertstraße 4, zu erreichen. A Fragebogen der DAF. müssen unverzüglich zurückgegeben werden. Die s. Z. allen Einzelmitgliedern der DAF. hereingegebenen Fragebögen der DAF. müssen unverzüglich wieder zurückgegeben werden. Aus gewichtigen Gründen müssen dieselben auf der Geschäftsstelle der DAF. oder bei den Kassierern wieder ausgefüllt und vor allen Dingen unterschrieben wieder zurückgegeben werden. Die gewissenhafte Ausfüllung ist unerlässig, da die Leistungen der DAF. nach diesen Fragebögen bei den einzelnen Mitgliedern später vorgenommen werden. Auszeichnung. Der Scharführer Joh. Lenzing vom Sturm 13/188 erhielt an der SA.=Führerschule in Borghorst das SA.=Sportabzeichen in Bronze. Monatspflichtversammlung der Vredener Parteigenossen. Vor kurzem fand im Verkehrslokal der NSDAP. Hotel Grasz die Monatspflichtversammlung der NSDAP. statt. Die Vredener Pg. hatten sich dortselbst alle rechtzeitig eingefunden. Die Versammlung eröffnete der Ortsgruppenleiter Pg. Hans Herdegen. Kreisleiter Pg. Blanke sprach zunächst rückblickend auf den vergangenen 19. August. Dann sprach er im zweiten Teil seiner Rede von dem bevorstehenden Reichsparteitag Nürnberg. Weiter sprach er noch zu den Pg. über Fragen des Alltags, ebenfalls machte er Ausführungen zu den wirtschaftlichen Maßnahmen der Reichsregierung. Dann machte der Kreisleiter noch bekannt, daß Pg. Georg Paffrath jun. zum Kreisamtsleiter berufen sei. Mit einem Treueschwur zum Führer schloß der Ortsgruppenleiter die Versammlung. Oeding Tod auf der Eisenbahnstrecke Kopf vom Rumpf abgefahren. Am Mittwoch morgen fand man einen unbekannten Mann auf der Bahnstrecke Borken—Winterswyk tot auf. Es war ihm der Kopf vom Rumpf getrennt worden. Sein Fahrrad stand in einer kleinen Entfernung vom Unglücksort entfernt. Ob die Person freiwillig in den Tod gegangen ist, und ob ein Verbrechen vorliegt, kann noch nicht gesagt werden. Gronauer Klookschießen im Grenzgebiet Ein uralter niederdeutscher Sport lebt wieder auf. Ein sportliches Ereignis besonderer Art brachte der 2. September: einen Klootschießwettstreit zwischen Sportmännern aus unserem Nachbarorte Losser und der Stadt Jever in Oldenburg. Ueber das Zustandekommen dieses Treffens erfahren wir von befreundeter Seite folgende sehr interessanten Einzelheiten. Es war in Sportkreisen, die im benachbarten Twente das Klootschießen als althergebrachten bodenständigen Sport betreiben, bekannt geworden, daß in der Gegend Aurich=Jever derselbe Sport schon seit Jahrhunderten betrieben wurde. Nach vorherigem Besuche in Jever, das einige beherzte Sportler mit dem Fahrrad erreichten, entwickelte sich bald eine innige Freundschaft und man beschloß, am 2. September ein Freundschaftsspiel in Jever auszutragen, Mit 10 Spielern, die von etwa 30 Sportfreunden begleitet wurden, kamen die Twenter am 1. September in Jever an, wo diese mit großer Begeisterung empfangen wurden. Es war ein„Bunter Abend“ ängesagt und bald war ganz Jever im Banne des eigenartigen Ereignisses. Wenn auch Menschen aus über 200 km entfernten Gebieten zusammen waren, so berührte es eigenartig zu sehen, wie beide so vieles gemeinsam hatten. Das Plattdeutsche wurde von beiden fast in der gleichen Art gesprochen und über einen Raum von über 200 km hinweg ein und dasselbe bodenständige Spiel, das Klootschießen, gepflegt. Die Losser'schen Spieler boten dem Jever Spielverein eine kunstvolle Tischfahne als Geschenk an, die sinnvoll das springende Sachsenpferd zeigte, umrahmt mit den holländischen Nationalfarben, des weiteren einen kunstvoll gearbeiteten Hammer für den Versammlungsleiter. Als Gegengabe stiftete der Jever Verein eine alte Stadtansicht. Welche Bedeutung diesem sportlichen Ereignis in Sportkreisen beigemessen wurde, beweist, daß der Dozent für Leibesübungen an der Götinger Universität zu dem Treffen erschienen war. Am Sonntag nachmitag wurde dann ein Wettstreit ebgehalten, in dem sich zwei ganz fremde Spielarten zu nessen hofften, es zeigte sich bald, daß die Oldenburger in der Technik bedeutend höher standen und mehr heraushlten als die Twenter; beide konnten aber voneinander lenen und das war auch vorerst der Sinn des Spieles. Lie Freundschaft, die einmal geschlossen ist zwischen den Kootschießern dies- und jenseits der Grenze soll durch ei Nückspiel im nächsten Jahre bekräftigt werden, wenn di Jever in Losser ihren Besuch erwidern. Unseren wickeren Nachbarn aber gebührt der Dank dafür, einem Ichrhunderte alten deutschen Sport neue Anregung gegelen zu haben, ganz im Sinne des bekannten Grenzlandschießens. Im Heidefeld der Grenzstein steht, Er scheidet Land und Land. Darüber aber reiche stets Der Mensch dem Mensch die Hand. B. S. K. Herne 22— Siegfried Gronau. Lit einem großzügigen Programm tritt am Samstag de Boxabteilung des Sp.=V. Siegfried wieder an die Ofentlichkeit. Denn kein Geringerer als Herne 22 ist hier u Gast. Das große Können der Herner Boxer ist beunnt, aber auch die Siegfriedsleute sind in guter Fom. Bekannt ist auch, daß Boxsport Herne schon im voriget Jahr in Gronau einen guten Kampf hinterließ, trotzden es nur zum Unentschieden langte. Kämpfe vom Papier=bis zum Schwergewicht. Den Ausgang des Treffens lasen wir offen. Im Federgewicht erhält Wiedenhöft einn Mann, der schon Chelmowski und Mönch vor die Zeit auf die Bretter setzen konnte. In Hackbart erhält Fisher einen Mann, der sehr schnell auf den Beinen ist. Auf einen hinreißenden Kampf darf man auch zwischen Reter und Richter gespannt sein, denn unlängst noch mißte Reiter einen k. o. hinnehmen. Zwischen Quintemeer und Lippa dürfte sofort ein harter Kampf um den Eieg einsetzen. Der in Rechtsauslage kämpfende Ongsiek ist ein gut veranlagter Boxer, der vermöge seiner großez Schlagkraft sehr wohl auch Bork gefährlich werden kain, falls dieser ihn unterschätzt. Hoppe und Gerdering ind sehr schnell und stehen sich auch in technischer Hinscht kaum etwas nach, beide können siegen. Berufliche Vertretung der als Angestellte beschäftigten ehemaligen Berufssoldaten. Das Heetesverordnungsblatt Nr. 23 vom 21. August 1934 enthält eine Vereinbarung zwischen dem Organisationsamt der Deutschen Arbeitsfront und dem Führer des Reichstreubundes ehemaliger Berufssoldaten, die besagt, daß der Reichstreubund für alle aus der neuen Wehrmacht entlassenen Berufssoldaten, soweit diese Versorgungsanwärter wird, die allein zuständige berufliche Vertretung darstellt, gleichgültig, ob und in welchen Betrieben sie beschäftigt werden. Dasselbe gilt für diejenigen abgefundenen Versorgungsanwärter, die noch keine Beschäftigung gefunden haben. Diejenigen abgefundenen Versorgungsanwärter, die inzwischen eine Beschäftigung im öffentlichen oder privaten Dienst gefunden haben, finden ihre berufliche Vertretung in den ihren Berufen entsprechenden Organisationen der Deutschen Arbeitsfront. Für diese im Arbeitsverhältnis stehenden abgefundenen Versorgungsanwärter ist der Reichstreubund ebenso wie für alle übrigen ehemaligen Vereinsanzeiger (Nur für Mitteilungen an die Mitglieder Preis pro Millimeter Höhe 5 Pfennig.) D. A., Berufsgemeinschaft der Werkmeister Gronau=Epe. Samstag, den 8. September, bei Lilienfeld Versammlung: Bekanntgabe der Tagung in Dortmund und Bekanntgabe der Adresse für Unterstützungsanträge. Berufssoldaten die vom Herrn Reichswehrminister allein zugelassene kameradschaftliche Organisation ehemaliger Angehöriger der neuen Wehrmacht, der die Aufgabe gestellt ist, Wehrwillen, Soldatenkameradschaft und Truppenteilüberlieferung zu pflegen. Ee A Ein großer Filmabend bei der NSDAP. Vor einem vollbesetzten veranstaltete die NSDAP.=Gaufilmstelle im Saale Nacke einen großen Filmabend. Mit einer kurzen Begrüßungsansprache leitete Herr Rektor Drees den Abend ein. Alsdann zogen an unseren Augen die Schlachtfelder von Flandern vorüber, neben neu aufgerichtete Dörfern und Städte besuchten wir im Geiste die zahlreichen Soldatenfriedhöfe(Langemark usw.), erlebten wir einige Abschnitte des furchtbaren Weltbrandes mit seinen verheerenden Folgen. In einer weiteren Filmfolge erlebte man einen Ausschnitt aus der Arbeit und das Wirken unseres Volkskanzlers Adolf Hitler. Der Hauptteil des Abends„Was ist die Welt“, bot eine überaus reiche Fülle der Wissensbereicherung. Besonders interessant war die Vorführungen über unsere Erde hinsichtlich Gestalt und Größe, Bedeutung und Aufgabe innerhalb des großen Schöpfungswerkes der ungeheuren Sternenwelt im riesigen Weltall. Den Abschluß bildete ein heiterer Filmteil, in der der Schweinfurter SA.Motorsturm durch Vorführung halsbrecherischer Geländefahrten usw. in der dortigen gebirgigen Gegend seine Geschicklichkeit unter Beweis stellten. Ein Gastspiel der Liliputaner. In dem gut besetzten großen Meyer'schen Saale fand am Mittwoch abend ein Gastspiel der Liliputaner unter der Direktion des Herrn Albert Scheuer Hamburg statt. Die einleitenden Fafarenmärsche des Liliput=Orchester erhielten einen besonders starken Beifall. Alsdann folgte ein sehr reichhaltiges und gediegende Darbietungsprogramm, aus dem noch besonders der Kautschuk=Akt, die geheimnisvolle (astronomische) Uhr, Duett, Pat und Patachon hervorgehoben seien. Der nach der Pause vorgeführte MusikalAkt stellte an den Ausübenden die höchsten Anforderungen der Geschicklichkeit. Nicht zu vergessen sind liche Meißner=Porzellan=Darbietung wie der AkkordeonVirtuosen. Den Abschluß des Abends brachte die lustige Militär=Posse„Piefke, der Stolz der 3. Kompagnie“.— Nachmittags fand für die Kleinen eine ebenfalls recht gut besuchte Märchenvorstellung„Rotkäppchen und der Wolf“ statt, welches bei den Kleinen dankbare Aufnahme fand. Hauptschriftleiter und verantwortlich für Politik: Dr. Georg Heider, Münster i. W., Stellvertreter des Hauptschriftleiters und verantwortlich für Münster und das Münsterland: Fritz Rediger. Münster i. W.; für Westdeutschland: Otto Heinz Tebbe; für Feuilleton: Peter Schlauß: für Handel und Sport: Dr. Anton Henkel, sämtlich in Dortmund; Berliner Redaktion: Dr. Ernst Häfner, Berlin=Lichterfelde; für den Zeno=Anzeigenteil: Verlagsleiter Dr. Erich Altmeppen, Münster i. W. Verantwortl. Schriftleitung für den lokalen Teil: Fritz Schlotjunker, Ahaus, für den lokalen Anzeigenteil: Bernhard Schütte, Ahaus. Durchschnittsauflage: VIII. 1934: Zeno=Zeitung insgesamt 40 279, enthaltend: Ahlener Volkszeitung, Nachrichtenblatt für die Kreise Beckum und Lüdinghausen, Ahlen, 2810;— Allgemeine Zeitung für die Kreise Coesfeld und Ahaus(Billerbecker Zeitung, Gescherer Zeitung, Vredener Anzeiger, Stadtlohner Volksblatt), Coesfeld, 5174;— Borkener Zeitung, Borken, 3095;— Bürgerblatt für den Niederrhein und Reeser Tageblatt, Emmerich, 1809;— Dülmener Zeitung, Amtliches Kreisblatt für den Kreis Coesfeld, Dülmen, 1753;— Haltener Zeitung, Haltern, 1678;— Kreiszeitung für den Kreis Ahaus(Gronauer Volkszeitung, Eper Volksblatt), Ahaus, 3060;— Münsterländische Volkszeitung(Rheiner Volksblatt), Rheine, 3879;— Emsländische Tageszeitung(Lingener Tageszeitung, Papenburg=Aschendorfer Zeitung), Rheine, 1554;— Neuer Emsbote für Kreis Warendorf und Amt Telgte(Warendorfer Kreisblatt), Warendorf, 2475;— Tageblatt für den Kreis Steinfurt(Ochtruper Anzeiger, Wettringer Anzeiger, Metelener Zzitung, Neuenkirchener Zeitung), Ochtrup, 1630;— Volksblatt für Bocholt und den Kreis Borken, Bocholt, 6082;— Volksblatt für Wesel und den Kreis Rees, Bocholt, 949;— Volkszeitung und Nachrichten für Emsdetten, Burgsteinfurt, Nordwalde, Borghorst, Greven, Emsdetten, 2330;— Volkszeitung für Dorsten und Herrlichkeit, Dorsten, 2001. Wirb lür Deine Zeitung DER GELBE JONNY ROMAN VON PHILIPP WELLER (Schluß.) Sidney Lawrence betrat mit langen Schritten die Schalterhalle der Friscoer National=Bank, in der reges Gehen und Kommen herrschte. Er war in der strahlendsten Laune, und mit einem Scherzwort legte er dem Beamten an dem Schalter den Scheck zur Auszahlung vor. Der Beamte besah sich den Scheck. Dann nickte er. „Wie darf ich Ihnen das Geld auszahlen, Sir?“ fragte er beflissen.„Wünschen Sie große oder kleine Scheine?“ „Nur große Scheine, lieber Freund,“ versetzte Lawrence und nickte dem Beamten aufmunternd zu. „Sehr wohl, Sir. Darf ich Sie bitten, einen Augenblick Platz zu nehmen? Ich muß das Geld erst aus den Tresorräumen holen. Ich rufe Sie dann auf.“ „Na, da beeilen Sie sich ein bißchen, junger Mann,“ lachte Lawrence und setzte sich schmunzelnd in einen der Sessel, die in der Schalterhalle standen. Er brannte sich selbstzufrieden eine Zigarre an und nahm eine Zeitung zur Hand. Nach einer Weile rief ihn der Beamte auf. Lawrence ging summend nach dem Schalter, auf dessen Brett einige Bündel Tausenddollarscheine lagen. „Sie gestatten bitte, daß ich Ihnen den Betrag vorzahle, Sir,“ versetzte der Beamte und begann mit flinken Fingern seine Arbeit. Lawrence sah wohlgefällig dieser Tätigkeit zu. „Ah, guten Tag, Mister Lawrence!“ sagte plötzlich eine tiefe Stimme hinter ihm. Lawrence drehte sich etwas erschrocken um, und im nächsten Augenblick klirrten zwei Stahlfesseln an seinen Händen. „Zum Teufel,“ fluchte er entsetzt, was soll das...?“ „Sie scheinen mich nicht mehr zu kennen, Sidney Lawrence,“ versetzte der breitschultrige Mann, der ihm die Fesseln angelegt hatte.„Ich bin Inspektor Berly vom Friscoer Kriminalamt. Die beiden Herren neben mir sind die Detektivsergeanten Brown und Mac Perkins, mit denen Sie auch schon zu tun gehabt haben. Und nun, Freund Lawrence, muß ich Ihnen erklären, daß Sie verhaftet sind. Alles andere werde ich Ihnen auf dem Polizeipräsidium erklären. Vorwärts!“ Auf der Ledington=Ranch war die Ruhe wieder eingezogen. Alles war schlafen gegangen. Auch Jeffrey streckte sich behaglich auf seinem Bett nieder. Es tat wohl, jetzt einmal gründlich auszuruhen. Erstaunt sah er auf, als sich plötzlich die Tür öffnete und Jack Lanard mit tieftraurigem Gesicht, das aber zugleich drollig wirkte, eintrat. „Du, Jack.?“ „Ja, Chef! Meine müden Gedanken wollen nicht zur Ruhe kommen!“ „Was quält dich denn, mein lieber Jack?“ „Dein Glück läßt mich keine Ruhe!“ „Beneidest du mich?“ „Wer könnte dich da nicht beneiden, Colonel; aber für eine Grace wäre der traurige Jack nicht der Richtige! Siehst du, lieber Chef... ich bin sehr traurig... erstens weil dieser Ort, dieser Goldground,, keine Kirche hat... und wenn du nun heiratest, wo soll man dich dann trauen...?“ „Dem kan abgeholfen werden, Jack! Wir bauen eine Kirche!“ Jacks Gesicht hellte sich auf.„Oh, das wolltest du wirklich? Ich habe dich immer für gottlos gehalten.“ „Mich?“ Jeffrey schüttelte den Kopf.„Warum, mein guter Jack? Grenzreiterleben ist rauh, guter Jack, aber mir war Gott immer im Herzen, gottlos... ja, ich habe immer gedacht, du bist es, weil du mit religiösen Dingen so manchen Scherz machtest.“ „Ach, Joffrey!“ klagte Jack,„wie schlimm hast du mich mißverstanden! Sie doch... die Menschen sind gottlos ... und wenn ich unter sie komme wie ein Prediger, mit harten, schweren Worten... da hätte mir doch keiner zugehört? Ich hab's anders getan! Sie haben alle gedacht... köstliche Scherze macht der Jack wieder einmal, aber sie haben mich angehört, wenn ich von Gott und der Kirche sprach. Habe ich nicht in Laython durchgesetzt, daß eine Kirche gebaut wird?“ „Ich glaube, ich fange jetzt erst an, dich richtig zu verstehen, Jack!“ gestand Jeffrey ehrlich.„Also schlage dir deine Traurigkeit aus dem Kopf. Ich spreche morgen mit Grace, und da bauen wir eine Kirche.“ „Ich bin auch noch traurig, weil du von den Grenzreitern gehst. Das wirst du doch tun?“ „Das werde ich tun müssen, Jack!“ „Und wirst Miß Grace heiraten?“ „Das werde ich noch bestimmter tun!“ „Ach, Joffrey... das macht mich noch trauriger! Dann gehe ich auch von den Grenzreitern fort.“ „Hast lange genug gedient und dir die Ruhe schon verdient! Laß jüngere Kräfte ran, komme zu mir auf die Ranch!“ „Ja, ja... das will ich, aber...!“ „Was fehlt dir denn noch, Jack?“ „Eine Frau!“ gestand der Sergeant treuherzig. „Eine Frau! Hm... wie wäre es mit Mrs. Winter? Die ist doch noch ganz passabel!“ „Mrs. Winter... großartig ganz großartig! Aber... ich traue mir nicht!“ „Aber das ist doch furchtbar einfach!“ lachte Jeffrey. — Du gehst zu ihr und sagst... wenn sie dich nicht nimmt, dann erschießt du dich...!“ „Mich? Nein, Jeffrey... sie... sie werde ich erschießen, wenn sie mich nicht will.“ „Auch gut, Jack! lachte Jeffrey. * Am anderen Morgen sehen sich die Liebenden wieder, als sie gemeinsam das Morgenmahl einnahmen. Mrs. Winter schenkte den Kaffee ein, den sie so vorzüglich zu kochen verstand, und ließ die Liebenden allein. „Hast du gut geschlafen, Liebling?“ fragte Jeffrey herzlich. „Ja, Joffrey... ich... habe nachdenken müssen, wie das alles so seltsam... so wundersam gekommen ist. Du kamst hierher, ich sah dich an, und ich wußte, daß du mir bestimmt warst.“ Jeffrey küßte Graces Hände. „Es ging mir nicht anders! Ich habe dir schon gesagt, daß ich bei den Grenzreitern bin. Der Mord an meinem Vater trieb mich zur Polizeitruppe. Ich kannte die Mörder und kannte sie auch nicht. Ich forschte nach ihnen, und die Spur wies hierher. Mein Chef hatte die Gegend immer schon im Auge behalten. Sie lag abseits, ruhig, es geschah kaum etwas Schlimmes wie bei uns an der Grenze... nur durch Viehdiebstähle wurdet ihr mehrmals beunruhigt. Da kam die Nachricht, daß dein Vater niedergeschossen wurde. Da hielt's mich nicht mehr! Eine innere Stimme sagte... du mußt dorthin, mußt nach dem Mörder fahnden... vielleicht findest du den Mörder deines Vaters... jenen Larry Loovel.“ „Und so kamst du... als wenn ich dich gerufen hätte!“ „Ja, Grace... so kam ich! Und wie sich alles abwickelte, das weißt du ja!“ „Nur... eins weiß ich nicht, Lieber... wer ist der gelbe Jonny, Jeffrey?“ Jeffrey lachte leise auf.„Ahnst du es nicht?“ Sie sah ihn erstaunt fragend an.„Du... warst du der gelbe Jonny?“ „Und... jetzt ist der gelbe Jonny gewesen?" „Vielleicht!“ „Du willst doch nicht weiter bei den Grenzreitern bleiben?“ Angst schwang in ihrer Stimme. „Nein, ich liebe dich, und du hast mich zum Herrn hier eingesetzt. Ich werde an deiner Seite, mit dir zusammen, hier schaffen. Die gelbe Maske hat ihre Pflicht getan! Der gelbe Jonny auch! Aber... es kann doch der Fall einmal kommen, daß... der gelbe Jonny für einen bedrohten Nächsten eintreten muß. Drum ist es gut, wenn nur du weißt, daß ich der gelbe Jonny war.“ „Ja, das sehe ich ein! Aber ich hoffe, daß wir hier glücklich und in Frieden leben.“ „Ja, Grace, das hoffe ich auch!“ „Im Kusse fanden sich zwei Herzen. Ein lautes Räuspern ließ sie auffahren. Verlegen sahen sie den„traurigen Jack“ eintreten. „Good morning, Jack!“ rief ihm Jeffrey gutgelaunt zu. „Good morning, ihr jungen Leute! Kalkuliere, daß ihr verdammt glücklich seid, wie?“ „Ich glaube, das können wir nicht leugnen, Jack!“ Jack stieß einen abgrundtiefen Seufzer aus. Dann schüttelte er nachdenklich den Kopf. „Und wie ist es mit der Kirche?“ Grace sah Jeffrey erstaunt an. „Mit der Kirche?“ „Ja, der Jeffrey wollte doch hier eine Kirche bauen!“ „Ja, Grace, ich hab's ihm versprochen, es ist richtig so! Wir wollen eine Kirche bauen. Ich nehme an, daß du damit einverstanden bist!“ „Von Herzen gern!“ gestand Grace,„aber... mit der Hochzeit... wollen wir doch nicht warten, bis sie fertig ist.“ Jack hatte sich Grace gegenüber niedergelassen. „Warum denn nicht? Miß Grace... eine Brautzeit ... recht lange, ist doch das Allerschönste!“ „Er spricht aus Erfahrung!“ warf Jeffrey troken ein, was ihm einen strafenden Blick Jacks einbrachte. „Ich will aber nicht solange warten!“ lachte Grace. „Nein, nein, Jack, ich will nicht! Wenn man das Glück gefunden hat, dann will man es festhalten. Aber die Kirche bauen wir! Und Sie, Jack, Sie quittieren auch den Dienst, und wir setzen Sie als Baumeister ein.“ Da leuchteten Jacks Augen auf, und andähtig sagte er:„Ja, ich baue die Kirche! Den Plan habe ich schon!“ Er knöpfte seinen Rock auf und entnahm ihm einige Papiere. „Das ist allerhand!“ sagte Jeffrey erstaunt und voll Bewunderung.„Den Plan hast du schon! Dann zeige mal her!“ Mit Grace zusammen studierte er die Pläne. Jack saß stocksteif und sagte kein Wort dazu. Erwartungsvoll lagen seine Augen auf dem Paare. „Baukosten, Jack?“ „Das Gebäude kostet fünfzehntausend Tollar!“ „Ist da auch die Einrichtung mit einbegriffen?“ „No!" „Was kostet die?“ „Nochmals fünftausend Dollar!“ „Das wird aber dann eine stattliche, schöne Kirche!“ Jack nickte strahlend. Dann begann er begeistert die Einrichtung zu schildern.— Er schloß mit den Worten:„Und ein Telephon kommt auch hinein.“ „Telephon?“ Jeffrey sah ihn verblüfft an.„Was soll denn ein Telephon in der Kirche?“ „Aber, Jeffrey, daß du das nicht gleich begreifst! Wenn nun die verdammten Viehdiebe wieder einmal in Erscheinung treten... und gerade in der Zeit, wo alles in der Kirche ist... da muß doch die Bevölkerung benachrichtigt werden.“ „Du hast recht, Jack!“ stimmte Jeffrey dem Freunde ergeben zu.„Mit Telephon!“ * „Ja ja, meine liebe Mary, das Leben geht manchmal wunderliche Kurven!“ Lanard saß auf dem Tisch in der Küche bei Mrs. Winter, die die letzten Vorbereitungen zu einem Verlobungsmahl traf. Grace hatte ihr noch in der vergangenen Nacht glückstrahlend den Auftrag dazu gegeben, und es sollte nur eine interne Feier werden, an der bloß die Leute von Ledington=Ranch teilnahmen. „Da hast du recht, Jack!“ stimmte Mrs. Winter zu, indem sie den riesigen Braten auf dem Herd mit Wasser begoß. „Kannst du dich noch entsinnen, Mary, wie ich eines Nachts unter deinem Fenster Mundharmonika gespielt habe, und wie du mir den Waschkrug mit Wasser auf den Kopf geschüttet hattest?“ „Ja, ja!" seufzte Mary träumerisch. „Und erinnerst du dich noch des Tages, an dem ich den guten alten Turston verdreschen wollte, weil er dir schöne Augen machte...?“ „Mir ist es, als wäre es erst gestern gewesen, Jack!“ „Und weißt du auch, warum ich aus dem Dorfe fort ging und in den Dienst der Grenzreiter trat, wo ich Colonel Recab kennenlernte?“ Lanard spielte sinnend mit einer geschälten Kartoffel. „Warum bist du denn weggegangen, Jack..?“ „Das war so'ne Geschichte, Mary! Ich hatte mic mit dem guten Turston Winter wieder vertragen un wir wollen wegen deiner Person eine Lösung finden. Io meine, wir waren alle beide mächtig in dich verknall. Wir, Turston und ich, gingen in eine Kneipe und füllter uns mörderlich die Bäuche. Schon nicht mehr gaß nüchtern, schlug Turston vor, wir wollten würfeln, wr um dich freien sollte. Seit dem Tage habe ich keinn Würfelbecher wieder angerührt. Ich alter Pechvogl verlor; ich habe aber den guten alten Turston im Vrdacht, daß er seinerzeit gemogelt hatte. Wie es ausjemacht war, mußte ich das Dorf verlassen, da ich erloren hatte, und der Halunke, Gott habe ihn selig, der liebe alte Turston, zog sich die Freierstiefel an, und'n Jahr später warst du seine Frau.“ „Und weißt du, was mir Turston gesagt hatte?“ fugte Mary.„Er sagte, daß du dir aus mir gar nchts machtest. Du hättest mich mit deinen Werbungen ein bißchen veralbern wollen.“ „So ein Halunke, Gott hab ihn selig, den alten juten Turston!“ empörte sich Lanard.„Ich habe dich von Herzen gern gemocht, aber die verdammten Würfel varen schuld." Mary wurde ein bißchen rot und sah angelegeitlichst nach dem Herdfeuer. Lanard sprang vom Tisch und faßte sie bei den Schultern, indem er sie herumdrehte, „Hör mal, Mary“, sagte er,„ich habe die Absict, hier 'nen namhaften Betrag für den Bau einer Kiche zu stiften. Ich bin nicht arm. Bei unseren Verbreherfängereien haben wir manch schöne Belohnung auzer unserem Sold einstecken können. Die Hauptsumne gibt aber Miß Grace dazu, die jetzt den Jeffrey heiraet. Wie wäre es denn, Mary, wenn wir dann diese neie Kirche mal besuchen würden?“ „Na, aber warum denn nicht?“ „Ich meinte“, sagte Lanard und zwinkerte mit den Augen,„daß wir die Kirche als so'n wirklich hübsches Brautpaar besuchen wollten?“ „Aber Jack...“. Mary war blutrot geworden und strich sich verschämt nicht vorhandene Krümel von der Schürze. Lanard machte ein ganz grimmiges Gesicht. Er zauberte durch einen Kniff seinen Revolver in die Hand. „Ich schieße dich einfach tot, Mary“, tat er wild, „wenn du mir nicht auf der Stelle einen Kuß gibst!“ „Du bist ein ganz gefährlicher Bursche," lachte sie, „und es wird Zeit, daß ich dich endlich in meine Hände kriege. Da, Verbrecher!“ Und sie gab dem strahlenden Lanard einen schallenden Kuß. * In der Wohnhalle herrschte lärmende Freude. Sämtliche Cowboys von der Ranch waren oben, auch der brave Bill Steps fehlte nicht. Grace stand eng angeschmiegt neben Jeffrey an einem der Fenster, von dort aus sahen sie den lustig zechenden Cowboys zu. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen. Lanard schob die errötende Haushälterin herein und schrie mit mörderlicher Stimme:„Holla, Colonel, Holla Steps, Holla Jungens, ich habe bisher immer das gleiche getan, was mein Kamerad Recab tat. Guckt euch diese wundervolle Dame an meiner Seite an. Eben habe ich sie mit dem Schießeisen gezwungen, daß sie meine Braut wird! Na, dann herzlichen Glückwunsch, könnt ihr nun sagen!“ Ein lärmendes Hallo erhob sich. Alle drängten sich um Lanard und die glückliche Haushälterin, um ihnen die Hände zu schütteln. „Nun mal Ruhe!" schrie Jeffrey.„Hört mich an, Jungens! Die erste Aufgabe meines Lebens, nämlich den Mörder meines Vaters zu finden, ist beendet. Ich werde den Dienst bei den Grenzreitern quittieren, das gleiche wird mein Freund Lanard tun, wie ich ihn tenne. Lanard soll Vormann auf Ledington=Ranch werden. Und mir selbst“, er sah Grace in die lächelnden, glückstrahlenden Augen,„bleibt doch nichts übrig, als daß ich euer Boß werde!“ „Drei Hochs für den neuen Boß und den neuen Vormann!“ schrie einer aus der Menge der Cowbows und begeistert wurde eingestimmt. Die dann plötzlich einsetzende Stille unterbricht Lanard, indem er verkündet: „Und daß ihr es wüßt, ihr verdammten Heiden, zu Anfang des nächsten Monats wird hier mit dem Bau einer Kirche begonnen!“ — Ende.— Königinnen des Atlantik im Wettstreit. Wer wird größer sein der Cunarder„Nr. 534“ oder die„Normandie"? E London, Anfang September. Auf den 26. September ist der Stapellauf des Cunarders„Nr. 534“ angesetzt. Im Beisein des englischen Königspaares und von voraussichtlich zwei Millionen Menschen wird dieser Stapellauf des„größten Schiffes der Welt" zu einem noch nie erlebten Volksfest ausgestaltet werden. Die Engländer fühlen sich aber gleichzeitig durch Nachrichten aus Frankreich ein wenig beunruhigt. Im Frühjahr 1935 soll auch das Wunderschiff der Franzosen von Stapel gelassen werden: die„Normandie“. Von französischer Seite wird jetzt schon hartnäckig behauptet, daß die„Normandie“ mit über 70 000 Tonnen Wasserverdrängung „das größte Schiff der Welt“ sein würde. Der Ruhm des Cunarders„ Nr. 534“ würde also nicht lange anhalten. Für die Engländer Grund genug, die Bauabsichten der Franzosen mit einigem Mißtrauen zu verfolgen. Die voraussichtliche Länge der„Normandie“ ist vor einiger Zeit mit 1029 Fuß angegeben worden. Damit würde das französische Ozeanschiff das englische mit etwa 11 Fuß(reichlich 3 Meter) schlagen. Die englischen Sachverständigen bemühen sich aber jetzt schon um den Nachweis, daß auch nach der Fertigstellung der„Normandie“ der neue„Cunarder“ den Rekord behalten würde. Man erwartet, daß der Cunarder„534“ um einige hundert oder tausend Tonnen großer ist und damit die Normandie in den Schatten stellt. Wie auch der Wettkampf der Königinnen des Atlantik ausgehen mag— wichtig bleibt das Eine: daß sowohl von den Engländern wie von den Franzosen augenblicklich alle Anstrengungen gemacht werden, um das„größte Passagierschiff der Welt“ zu bauen. In diesem Wettstreit sind die Franzosen insofern im Vorteil, als sie bis zum Stapellauf noch mehrere Monate Zeit haben und in dieser Zeit gewisse Aenderungen in der Bauart des Schiffes anbringen können. Alle englischen Zeitungen bringen jetzt schon längere Vorberichte über den neuen Cunarder und die Vorbereitungen für den Stapellauf. Ungewöhnlich ist das Interesse. Die technische Ausrüstung von„Nr. 534“ wird von keinem anderen Schiffe der englischen Passagierflotte erreicht werden. Die elektrische Anlage könnte bequem eine Großstadt von 150 000 Einwohnern mit elektrischem Licht versorgen. Es gibt selbstverständlich Schwimm= und Medizinalbäder, Katapultflugzeuge, besondere Feuersicherungsanlagen und ganz modern ausgestattete Kühlräume. Die Engländer erwarten jedenfalls nach der Inbetriebsstellung des neuen Schiffes eine merkliche Belebung der Ozeanschiffahrt, die jetzt in den Jahren der Krise arg darniederlag. Schützengesellschaft Brook-Spechtholtshook Gronau t. W. Sonntag, den 9. September 1934 im Germaniahof Engbrink=Baring Familien=Feier Nachmittags 3 Uhr Preisschießen Während des Schießens für die Damen der Schützen Kaffeekränzchen. Abends 6 Uhr Ball und Preisverteilung wozu hiermit herzlich eingeladen wird. Der Vorstand. Schützenverein Bukerland-Beckerhook Gronau Am Sonntag, 9. Sept. nachm. 2 Uhr beginnt auf dem Eisenbahnerstand das Preisschießen Die Preisverteilung findet abends 7 Uhr beim Wirt Gleis statt, im Anschluß Familien=Feier wozu alle aktiven und passiven Mitglieder freundl. eingeladen werden. Der Vorstand. Burgsteinfurt Sonntag, 9. September Montag, 10. September Dienstag, 11. September Kram= Vieh= und Pferdemarkt Inseriert in der Kreiszeitung Zur Schönheitspflege geyoren Haar= und Hautpflege.— Sie werden beim Friseur nicht nur die richtigen Schönheitspräparate kaufen können, Sie werden vor allem gut beraten. Diese Beratung kostet nichts. Salon Jungeblodt Ahaus i. W., Markt 8 Tanz-Shns Gronau Somerstaa 13 Sept. Ahals Frestag en. 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Rotschnitt RM. 4.80; Leinen, Rotschnitt, Rundecken RM. 5.40; Kunstleder, Goldschnitt RM. 6.70; Bockleder, Rotschn. RM. 7.75; Leder, Goldschnitt RM. 8.—. Ausgabe auf India-Bibeldruckpapier. Leinen, Rotschnitt, Rundecken RM. 6.25; Leinen, Goldschnitt RM. 6.70; Kunstleder, Rotschnitt, Rundecken RM. 6.90; Bockleder biegsam, Goldschnitt RM. 10.40; Bockleder, Goldschnitt RM. 12.50. In diesem»Großen Volksmeßbuche besitzen wir nun die vielgewünschte Vollausgabe der Laacher Missale-Übersetzung, und zwar wiederum in einem handlichen, gediegenen und überraschend billigen Bande. Das Laacher Volksmeßbuch besitzt, besonders da es nun zu seiner vollen Gestalt herangewachsen ist, ein ganz eigenes, man möchte sagen persönliches Gepräge. Beseelt und getragen von einer tiefen Auffassung der Liturgie der Messe, einheitlich geformt im sprachlichen Ausdruck und Aufbau, stellt es ein geschlossenes Ganze dar. Darin liegt— nicht nur in der Idee des Volks-Meßbuches überhaupt— seine manchen, die Neulinge sind im Lande der Liturgie oder gar des religiösen Lebens überhaupt, die Schönheit und Tiefe des inneren Lebens der Kirche erschlossen. Die hohen Auflageziffern sprechen genug. Möge das Buch seine Mission bei vielen erfüllen können und so mit dazu beitragen, daß das Meßbuch wahrhaft ein Buch des Volkes werde. GEBR. LENSING Gronau Freitag, den 7. September 1934 Nr. 246 Der Appell des Arbeitsdienstes. Ausprache des Führers an 52000 Arbeitsdienstler. Die Repräsentanten der Volksgemeinschaft. :: Nürnberg, 6. September. dem * Der dritte Tag des Parteitages 1934 war nationalsozialistischen Arbeitsdienst vorbehalten, der mit 52000 Mann in einem großen Zeltlager in Langwasser Quartier bezogen hatte. Während in der Stadt ununterbrochen während der ganzen Nacht Sonderzüge der Politischen Organisation eintrafen, brach der Arbeitsdienst schon gegen ½7 Uhr morgens in zwei gewaltigen Säulen mit klingendem Spiel zur Zeppelinwiese auf, wo sich der Einmarsch in mustergültiger Ordnung abwickelte. Die Spielmanns= und Musikzüge nahmen vor der großen, das gewaltige Feld beherrschenden Tribüne Aufstellung, während die Abteilungen innerhalb der Gruppen in Linien zu vier Gliedern aufmarschierten. Ein großes Vorfeld blieb für die Darbietungen der Lehrabteilungen frei. In gewaltigen Dimensionen erhebt sich über der Mitteltribüne das Hoheitsabzeichen, rechts und links von je drei Fahnen flankiert, deren mittlere die des Arbeitsdienstes ist. Kurz vor 10 Uhr ertönt das Kommando„Arbeitsdienst, stillgestanden!....„Spaten über! Achtung! Die Augen links!“ Heilrufe künden schon von Ferne die Ankunft des Führers an, der nun in Begleitung des Reichsinnenministers Frick und seiner Adjutanten auf den Platz fährt. Die Heilrufe steigern sich zu einem Orkan, als der Führer zur Ehrentribüne hinaufsteigt. Die Musik spielt den Bayrischen Avanciermarsch. Der Führer grußt:„Heil Arbeitsmänner“ Donnernd schallt die Antwort aus 52000 Kehlen: „Heil, mein Führer“. Die Lehrabteilungen, die in der Mitte zwischen den beiden riesigen Blocks in der grau=braunen Tracht Aufstellung genommen haben, setzen sich in Bewegung. In der ersten Reihe Fanfarenbläser und Männer mit dumpf klingenden Landsknechtstrommeln, dahinter die leuchtend roten Fahnen des Arbeitsdienstes. Als sich die Kolonnen langsamen Schrittes in Bewegung setzen, hat man fast den Eindruck eines mittelalterlichen Landsknechtsmarsches. Drohend und murrend kommen die Trommeln näher. Nun ist das erste Glied der Blocks erreicht. Die Lehrabteilungen teilen sich, und nach links und rechts brechen die langen Reihen der Fahnenschwinger ab. Die Lehrabteilungen marschieren vor der Führertribüne auf. Wenige Musiktakte, wieder Trommelgedröhn, und nun tönt ein altes Landsknechtslied auf:„Weit laßt die Fahnen wehen, wir wolln zum Sturme gehen, treu nach Landsknechtsart laßt den verlorenen Haufen voran zum Sturme laufen, wir folgen dicht geschart“. Und zum Takte schwingen die Fahnenträger ihre Fahnen, ein wunderschönes Bild in der leuchtenden Morgensonne, die nun durch die dunklen Wolken gebrochen ist, die den ganzen Morgen den Himmel verhüllten. Aus dem gewaltigen Block der Arbeitsmänner löst sich eine helle klare Stimme und schwingt sich über das Feld: des Arbeitsdienstes an den Führer. Der Sprechchor antwortet aufwühlend und mitreißend seine Worte:„Hier stehen wir, wir sind bereit und tragen Deutschland in die neue Zeit“. Symbolisch bringt der Arbeitsdienst die riesige Volksgemeinschaft, die er in sich selbst verkörpert, zum Ausdruck. Fragend erhebt sich eine Stimme:„Kamerad, woher kommst Du?“ Und aus allen Ecken des Feldes schallen nun die Antworten: „Aus Pommern, aus Bayern, vom Rhein, aus Königsberg, von der Waterkant, aus Thüringen, aus Schlesien, von der Saar, um die wir kämpfen.“ Eine zweite Stimme fragt:„Kamerad, von welcher Arbeit kommst Du?“ Und wieder lösen sich die Antworten:„Vom Amboß, vom Schreibtisch, aus dem Hörsaal“ und dann anklagend: „Ich war arbeitslos, und meine Hände verdorrten mir am Leibe“. Dann schallt ein Chor heraus zur Tribüne: „Wir standen nicht im Donner der Granaten und sind doch Soldaten." Gedämpft und getragen spielt die Kapelle das Lied vom guten Kameraden. Die Arme heben sich zum Gruß im Gedenken an die Toten, und die Fahnen senken sich auf den grünen Rasen, unter dem überall in Europa und der Welt die Toten des deutschen Heeres liegen, und aus den grauen Blöcken lösen sich wieder Worte:„Flandern, Somme, Lüttich, Düna, Isonzo, Osten, Westen, Süden“, und das Gedenken an die Toten der nationalsozialistischen Revolution schließt mit dem Ruf: „Kameraden, die Rotfront und Reaktion erschossen. Darauf heben sich wieder die Fahnen und flattern im frischen Morgenwind, und ein helles Lied braust über den Platz: „Wir dienen Dir mit dem Spaten, denn wir sind der Arbeit Soldaten“, und noch einmal hört man:„Wir werden Dich niemals verraten, denn wir sind der Arbeit Soldaten.“ Hierl, der mit Stolz auf sein Werk, den Arbeitsdienst, sieht, nimmt alsdann das Wort und der Führer, auf dessen Gesicht man die ganze Zeit die Freude über das Erleben dieser Stunde sieht, dankt ihm mit herzlich=warmem Händedruck. Reichsarbeitsführer Hierl führt etwa aus: „Mein Führer! Wir danken Ihnen, daß der Arbeitsdienst heute zum ersten Mal in Massen vor Ihrem den Auge steht und zeigen kann, was aus ihm im Laufe des letzten Jahres geworden ist. Zur Zeit des letzten Parteitages vor einem Jahr war der deutsche Arbeitsdienst noch völlig uneinheitlich in Führung, Geist und Form. Beim letzten Parteitag war ich persönlich noch der einzige offizielle Vertreter des Nationalsozialistischen Arbeitsdienstes und trug damals allein die erdbraune Tracht des Arbeitsdienstes. Heute stehen hier als sichtbares Zeichen der Entwicklung 52 000 Arbeitsmänner in dieser Einheitstracht aufmarschiert, uno einheitlich wie die Tracht ist heute Fuhrung, Form und Geist im deutschen Arbeitsdienst. So wie hier die 52 000 auf diesem Platze, so stehen in dieser gleichen Stunde im ganzen Deutschen Reich inmehr als 1000 Arbeitslagern 180 000 Arbeitsmänner zum Appell angetreten, um mit uns diese Feierstunde des Arbeitsdienstes gemeinsam zu erleben. Sie alle tragen die gleiche Tracht, stehen in der gleichen festen Ordnung und sind beseelt vom gleichen Geist. Im harten Ringen gegen Anfeindungen, Schwierigkeiten und Hindernisse aller Art hat der Nationalsozialistische Arbeitsdienst im verflossenen Jahr seine Lebenskraft und damit sein Lebensrecht bewiesen. Die Worte „hohe Anertennung“, die Sie, mein Führer, bei der Besichtigung am 29. Juni d. Is. unseren Leistungen gezollt haben, haben uns tief beglückt. Was der 30. Januar 1933 für die gesamte nationalsozialistische Bewegung bedeutete, das war dieser 29. Juni 1934 für den Nationalsozialistischen Arbeitsdienst. Diese Anerkennung, mein Führer, ist uns ein Ansporn, mit der zähen Beharrlichkeit wie bisher weiter zu arbeiten, um die hohen Aufgaben zu erfüllen, die Sie dem Arbeitsdienst gewiesen haben. Wir bearbeiten den deutschen Boden, um ihm das abzuringen, was unser deutsches Volk braucht, um seine wirtschaftliche Selbständigkeit und Freiheit wahren zu können. Wir bearbeiten den jungen deutschen Menschen im Geiste der nationalsozialistischen Weltanschauung und helfen so mit, unser Volk zu erneuern aus dem ewig sprudelnden Quell deutschen Geistes und deutscher Kraft. Wir freuen uns der Erfolge, die wir im verflossenen Jahr in beiden Richtungen erzielt haben. Wir schöpfen aus dieser Freude die Kraft zu weiterem Arbeiten und weiterem Ringen. Niemals aber sollen uns Erfolge selbst überheblich oder selbst zufrieden machen. Wir wollen fleißig und bescheiden sein und stets nur uns als dienendes Glied des Ganzen betrachten, kameradschaftlich verbunden mit den übrigen Gliederungen der nationalsozialistischen Partei und den Einrichtungen des nationalsozialistischen Staates. Dienst am Volke, das soll der Inhalt unseres Daseins bleiben. Unsere Ehre aber wollen wir darin suchen, Ihnen, mein Führer, unserem deutschen Volke und unseren Pflichten als Arbeitsmänner stets treu zu bleiben.“ Die Rede Hierls schließt mit der Versicherung an den Führer:„Sie können sich auf Ihren Arbeitsdienst verlassen in jeder Lage. in schweren Tagen nicht weniger als in guten!“(Stürmischer Beifall und Heilrufe). In atemloser Stille tritt dann der Führer an das Mikrofon. Er führt aus: „Mein Parteigenosse Hierl! Das Werk, das ich hier vor mir sehe, ist, ich weiß es, Ihr Werk. Den Dank für diese große Arbeit wird die ganze deutsche Nation abstatten, wenn der Segen und die Früchte dieser Arbeit dereinst erblühen. Meine Arbeitsmänner! Zum ersten Mal nehmt Ihr an dem Parteitag der nationalsozialistischen Bewegung Deutschlands teil. Zum ersten Mal seit Ihr in dieser Form zum Appell vor mir und damit vor dem ganzen deutschen Volke angetreten. Ihr repräsentiert eine große Idee. Was ich gestern in der Proklamation an das deutsche Volk verkünden ließ, erfährt durch Euch seine lebendige Verkörperung. Der Nationalsozialismus ist nicht eine reine Staatsauffassung, ist auch nicht eine Angelegenheit der äußeren Macht, sondern er ist als Weltanschauung eine Angelegenheit der Erziehung und damit der Zucht des ganzen Volkes. Wir sind nicht Nationalsozialisten deshalb, weil wir die Macht besitzen, sondern wir wollen, daß Deutschland nationalsozialistisch wird, weil seine Söhne Nationalsozialisten sind! Und Ihr seit nicht Nationalsozialisten deshalb, weil Ihr ein äußeres Lippenbekenntnis auf ein Programm abgelegt habt, sondern weil Ihr innerlich Euch bemühen wollt, nach diesem Programm zu leben und nach ihm zu handeln. Das, was diesem Programm aber seinen tiefsten Sinn gibt, ist die Bildung einer wahrhaften Volksgemeinschaft und der Glaube an sie. Wir alle wissen, daß diese Volksgemeinschaft nicht bestehen kann, solange nicht über die bisher trennenden Auffassungen von Beruf, Klasse und Stand hinweg eine einzige gemeinsame Auffassung unser Volk erfüllt. Und dazu ist es nötig, zuerst den Begriff der Arbeit herauszustellen gegenüber dem nur mammonistischen Denken, eigensüchtigen Zwecken und eigensüchtiger Absicht. Es ist ein großes Unterfangen, nun ein ganzes Volk zu diesem neuen Arbeitsbegriff und zu dieser neuen Arbeitsauffassung zu erziehen. Wir haben es gewagt, und es wird uns gelingen, und Ihr seid die ersten Zeugen dafür, daß dieses Werk nicht mißlingen kann!(Jubelnde Zustimmung). Durch Eure Schule wird die ganze Nation geyen!(Anhaltende Beifallskundgebungen). Die Zeit wird kommen, da kein Deutscher hineinwachsen kann in die Gemeinschaft dieses Volkes, der nicht zuerst durch Eure Gemeinschaft gegangen ist.(Brausender Beifall und stürmische Heilrufe). Und wir wissen, daß dann für Millionen unserer Volksgenossen die Arbeit nicht mehr ein trennender Begriff sein wird, sondern ein allen gemeinsam verbindender und daß insbesondere dann keiner mehr in Deutschland leben wird, der in der Arbeit der Faust etwas Minderes sehen will als in irgendeiner anderen.(Stärkster Beifall). Wir wollen nicht Sozialisten der Theorie sein, sondern als wahrhafte Nationalsozialisten auch dieses Problem wahrhaftig anfassen und wahrhaftig lösen. Und dieses große Werk wird gelingen, weil hinter ihm nichtnurdie Weltanschauungeiner Deutschland beherrschenden Bewegung, sondern weil hinter ihm unser Wille steht!(Neue Beifallsstürme). Ihr werdet heute auch zum ersten Mal marschieren zu Zehntausenden hinein in die Stadt der deutschen Reichsparteitage, und Ihr werdet es wissen: In diesem Augenblick sehen Euch nicht nur die Augen der Hunderttausende in Nürnberg, sondern in diesem Augenblick sieht Euch zum ersten Mal Deutschland. Und ich weiß: So wie Ihr in stolzer Ergebenheit diesem Deutschland Dienst tut, wird heute Deutschland in stolzer Freude in Euch seine Söhne marschieren sehen! Heil!(Minutenlange Beifallsstürme der begeisterten Massen). Mit erhobener Rechten sangen alsdann die Zehntausende das Deutschland= und das Horst Wessel=Lied, während der Führer in seinen Wagen stieg, um durch das große Spalier wieder zurückzufahren in die Stadt. der Vorbeimarsch vor dem :: Nürnberg, 6. September. In vielen Straßenzügen der Nürnberger Innenstadt war im Laufe des Donnerstag der Fahrzeugverkehr eingestellt worden. Diese Maßnahme war notwendig, nachdem in der ganzen Nacht und den ganzen Vormittag über Sonderzug auf Sonderzug eingetroffen war. Nach Beendigung des Appells des Arbeitsdienstes auf der Zeppelinwiese, als sich die 52000 Arbeitsdienstmänner zum Marsch in die Stadt in Bewegung setzten, wurden die Zufahrtsstraßen zum Adolf=Hitler=Platz vollständig abgeriegelt und nur Inhaber von Tribünenkarten durchgelassen. Punkt ½2 Uhr kommen die vier Spielmanns= und Musikzüge des Arbeitsdienstes die Straße herauf und schwenken stramm vor den Tribünen ein. Hinter ihnen folgen vor den ersten Fahnen Reichsarbeitsführer Hierl und die Reichsleitung des Arbeitsdienstes, und dann zieht mit geschultertem Spaten oder Hacke in vier Gruppen zu je 12 Mann eine endlose Kolonne vorüber. Brausender Jubel empfängt die prächtig braungebrannten Gestalten in ihren schmucken erdbraunen Uniformen mit einem frischen Eichenbruch an den schutenförmigen Mützen oder Blumensträußen an der Brust und am Koppel. Die ganze Straße ist, soweit das Auge reicht, beherrscht von den marschierenden Kolonnen aus 30 Gauen des deutschen Vaterlandes. In dem blitzenden Spaten fängt sich das Sonnenlicht, das den Platz überflutet. Die Gauarbeitsführer erstatten nach dem Vorbeimarsch dem Führer Meldung und gesellen sich der Reichsleitung des Arbeitsdienstes bei. So zieht mehr als zweieinhalb Stunden lang Trupp auf Trupp, Abteilung auf Abteilung, Arbeitsgau auf Arbeitsgau im Gleichschritt vorüber. Unermüdlich grüßt der Führer die Fahnen des Arbeitsdienstes. Mit der letzten Abteilung, der Radfahrabteilung des Gaues Thüringen, ziehen die drei Spielmanns= und Musikzüge ab. Sie machen dem Musikzug der Reichsschule Platz, der schneidig einschwenkt und das Lehrpersonal der Reichs= und Bezirksschulen und deren Lehrabteilungen vorbeiführt. Die Abteilungen, die am Vormittag bei den prachtvollen Vorführungen auf der Zeppelinwiese beteiligt waren, werden für ihr schneidiges Auftreten mit einem Sonderapplaus bedacht. Starke Zweifel an Brehmers In Fachkreisen glaubt man nicht an die Entdeckung.- Mesative Prüfungsergebnisse. Warnung vor Heilungshoffnungen. Auf der Wissenschaftlichen Woche, die gegenwärtig in Frankfurt a. M. stattfindet, äußerte sich am Mittwoch Prof. Dr. Schilling, der behördlich mit der Nachprüfung der„Entdeckung des Krebserregers“ durch Dr. von Brehmer beauftragt worden war, in durchaus negativem Sinne zu dessen sensationellem Forschungsergebnis. Prof. Schilling erklärte, daß er entsetztseiüber die Art, dasbisher Gefundene den Krebserreger zunennen. Er billige selbstverständlich Drvon Brehmer das Recht seiner Ueberzeugung zu, der aber in diesem Fall lediglich ein Privatmann sei, der in seinem(Schillings) Laboratorium gearbeitet habe. Er glaube nicht daran, daß es sich um einen Krebserreger handle. Was Brehmer als einheitliches spezisisches Agens als„Krebserreger“ entdeckt zu haben glaube, brauche nicht unbedingt der Erzeuger Graf Spee durch deutschen Geheimeode verraten. Feststellungen eines australischen Seeoffiziers. Der verderbliche Auruf der „Eleonore Woermann". £ London, im August. Die Geschichtsschreibung glaubte bis heute, daß der heldenhafte Untergang des Grafen Spee und seines Geschwaders bei den Falklandinseln auf einen strategischen Meisterzug des englischen Flotten=Oberkommandierenden. Admiral Fisher, zurückzuführen sei. Jetzt hat die Veröffentlichung von Dr. Wheatley in der australischen Wochenzeitschrift„Reveille“ der Schlacht bei den Falklandinseln eine ganz andere Deutung gegeben. Dr. Wheatley war bei Ausbruch des Krieges Leiter des australischen Militärfunkdienstes. Durch reinen Zufall gelang es der australischen Polizei, an Vord eines beschlagnahmten deutschen Schiffes den Geheimcode der deutschen Kriegsflotte zu finden, den der Kommandant leider nicht rechtzeitig vernichtet hatte. An Hand dieses Codes, der sofort funkentelegrafisch nach London durchgesagt wurde und von dort allen Schiffen der britischen Flotte mitgeteilt wurde. konnte Dr. Wheatley trotz zweimaliger Aenderung des deutschen Marinecodes die funkentelegrafischen Botschaften auffangen, die Graf Spee von Bord der„Gneisenau" gab. Die britische Admiralität hat absichtlich, um ihren eigenen Ruhm nicht zu schmälern, die Tatsache verschwiegen, daß sie mit Hilfe der Entdeckung von Dr. Wheatley genau über die Absichten von Admiral Spee unterrichtet war. Sie besaß die Uebertragung des neuen Codes bereits nach der siegreichen Schlacht von Coronel, wo Admiral Spee die englischen Schiffe„Good Hope“ und „Monmouth“ versenkte. Während der siegreiche deutsche Admiral mit unbekannten Zielen im Stillen Ozean nach dieser Schlacht verschwand, rief er funkentelegrafisch mit diesem Geheimcode das deutsche Schiff„Eleonore Woermann“ von der westafrikanischen Küste nach den Falklandinseln, um Vorräte und Kohlen zu übernehmen. Admiral Fisher wußte also ganz genau, daßdasdeutsche Geschwader mit Volldampf den Falklandinseln zustrebte. Es war sehr einfach für ihn, den beiden älteren deutschen Schlachtkreuzern zwei der neuesten und stärksten englischen Schlachtschiffe entgegenzusenden. Das Unglück wollte es, daß das deutsche Geschwader die um das Doppelte überlegenen englischen Schiffe noch unter Dampf liegend in Port Stanley auf den Falklandinseln antraf. Ein Entkommen der älteren, schwächeren und langsameren deutschen Schiffe war unmöglich. Kurz hintereinander sanken nach heldenhaftem Kampfe mit wehender Flagge die deutschen Kreuzer„Scharnhorst“,„Gneisenau“,„Nürnberg“ und„Leipzig“ mit Graf Spee und seinen beiden Söhnen an Bord. Die englischen Zeitungen stehen nicht an zu erklären, daß diese Wendung der Dinge der englischen Admiralität nicht mehr erlaube, sich besonderen Weitblicks und strategischer Gaben zu rühmen. Nach dem Verrat des Codes war das Schicksal des deutschen Geschwaders besiegelt. bösartiger Geschwülste zu sein. Schilling fand offensichtlich die Zustimmung der großen Zahl von Fachgelehrten, als er mit Nachdruck erklärte: Ich grenze meine Anschauungen ab sowohl von den therapeutischen als auch den diagnostischen Folgerungen, die Dr. von Brehmer an seinen Arbeiten geknüpft hat. Auf einem völlig ablehnenden Standpunkt steht u. a. auch, wie die Diskussion in der Frankfurter Konferenz ergab, der Direktor des Staatlichen Instituts für experimentelle Therapie, Professor Kolle, der kurzerhand erklärte, die Frage, ob der neue Erreger gefunden wurde, ist erledigt. Die Zeichnungen Brehmers dazu seien der Phantasie entsprungen. Ein andrer Redner wies auf die Trugschlüsse hin, die seinerzeit bei der angeblichen Entdeckung des Gelbfieber=Erregers entstanden waren. Gleichzeitig hat auch Professor Heubner, Mitglied des Reichsausschusses für Krebsbekämpfung und Direktor des Pharmakologischen Instituts der Universität Berlin, zu der Frage Stellung genommen. Heubner hat sich seit Erscheinen der ersten Arbeit Brehmers über die Blutmessungen mit seinem Assistenten Dr. Druckerey mit den Versuchen Brehmers befaßt. Einem Vertreter der„DAZ.“ gegenüber erklärte er zunächst die den Arbeiten von Brehmers zugrundeliegende Methode der Blutmessung für falsch. Um sie zu erproben, sind von ihm und seinem Assistenten bestimmte Flüssigkeiten daraufhin untersucht worden, ob sie alkalisch oder sauer sind, und zwar einmal mit der Apparatur und nach der Methode Brehmers und dann nach den bisher allgemein üblichen und feststehenden Methoden. Es habe sich gezeigt, daß man mit den bisherigen Methoden andere Werte erhält wie mit Brehmers Methode, obwohl die Messungen unter gleichen äußeren Bedingungen durchgeführt worden seien. Ferner sind von ihm verschiedene gesunde und krebskranke Tiere auf ihren Blutwert gemessen worden, ohne daß man dabei den von Brehmer behaupteten Unterschied in der Reaktion des Blutes habe feststellen können. Auf Grund dieser speziellen Nachprüfungen bestreitet Professor Heubner, daß ein derartiger Unterschied besteht. Eine Reinkultur des von Brehmer als Krebserzeuger bezeichneten Mikroorganismus ist von Dr. Druckerey auf Tiere übergeimpft worden. Diese Reinkultur stammte von Herrn von Brehmer selbst. Die Tiere seien nicht am Krebserkrankt. Prof. Heubner erklärte weiter, daß eine Form der „Organismen“, wie sie Brehmer durch seine Injektionen im Blut sichtbar macht, sich auch vor der Infizierung, also schon in den noch sterilen Nährböden befänden, ferner überhaupt sehr häufig, und zwar bis zu 60 Prozent, im Blute Gesunder. So hat auch der Assistent Heubners sie in seinem Blute feststellen können. Nach Ansicht bekannter Forscher stellten diese Körperchen unbelebte Stoffe dar, die nur infolge der Brownschen Molekularbewegung eine Eigenbewegung vortäuschten. Die von Brehmer beschriebenen Formen dieser Körperchen seien schon von namhaften Wissenschaftlern, insbesondere von Professor von Neegaard und Professor Enderlein, beschrieben worden. Abschließend erklärte Prof. Heubner, daß die Ansichten Brehmers durchaus im Gegensatz zu den herrschenden Auffassungen der deutschen Wissenschaft stünden und daß er davor warne, auf Grund der Veröffentlichungen Brehmers Hoffnungen auf eine Heilung des Krebses nach seinen Methoden zu hegen. E MI Aus Westdeutschland. Junges Menschenleben durch Unvorsichtigkeit zu Tode gekommen. Recklinghausen=Süd, 6. Sept. Am Dienstag nachmittag ist der 6 Jahre alte Werner Schellman aus Hochlarmark von einem Personenkraftwagen aus Detmold erfaßt und lebensgefährlich verletzt worden. Der Unglücksfall spielte sich folgendermaßen ab: Ein Orgelspieler spielte auf dem Bürgersteig der Westfalenstraße und war von Kindern umgeben, die seinen Weisen lauschten. Als der Orgelspieler seine Darbietungen beendet hatte, riefen die Kinder ihm zu, er möge weiter spielen und neckten ihn. Der Spieler vertrieb die Kinder, um seinen Weg fortsetzen zu können. Hierbei sprang plötzlich der kleine Werner Schellmann vom Bürgersteig auf die Straße und wollte auf die andere Seite laufen. Im selben Moment kam aber ein Personenkraftwagen aus Detmold die Straße entlang in Richtung Recklinghausen. Der Führer des Fahrzeugs erkannte die Gefahr und riß geistesgegenwärtig seinen Wagen scharf nach links, so daß das Fahrzeug fast bis auf den linken Bürgersteig kam. Gleichzeitig bremste der Fahrer und brachte seinen Wagen auf 3—4 Meter zum Stehen, konnte aber trotzdem nicht verhindern, daß das Kind vor den Wagen lief und vom hinteren Kotflügel erfaßt und zu Boden geschleudert wurde. Der Fahrer des Personenkraftwagens nahm sich des Kindes sofort an und schaffte es in schwerverletztem Zustande in das Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen. Der sechsjährige Junge hatte eine schwere Gehirnerschütterung und einen Schädelbasisbruch bei dem Unfall davongetragen und ist am Mittwoch früh an den Verletzungen gestorben. Nach Aussagen von Augenzeugen trifft den Fahrzeugführer an dem Unfall keine Schuld. „Deutschlands modernster Bahnhof“. X Duisburg=Hamborn, 6. Sept. „Deutschlands modernster Bahnhof“, wie der neue Duisburger Hauptbahnhof mit Recht genannt wird, erlebt in der Nacht vom 6. auf den 7. September einen neuen, bedeutsamen Abschnitt. In dieser Nacht wird nämlich der neue erste Bahnsteig in Betrieb genommen. 250—300 Arbeiter werden drei Stunden lang tätig sein, um die letzten Arbeiten durchzuführen. Der neue Bahnsteig ist dreihundert Meter lang und elf Mtr. breit. Da er von allen Aufbauten freigehalten ist, ist die Orientierung sehr erleichtert. Das Licht flutet durch die riesigen Seitenfenster der Bahnsteighalle reichlich herein. Cleichzeitig mit der Inbetriebnahme des neuen Bahnsteigs erfolgt die Indienststellung eines neuen Vierreihen=Stellwerks. Der Bahnsteig 2, der in zwei Monaten dem Verkehr übergeben werden soll, ist schon zum Teil fertig. Auch die Arbeiten um den Hauptbahnhof schreiten planmäßig fort. Die Häuserinsel vor der Hauptpost, das letzte Hindernis für eine großzügige Platzgestaltung, ist nun ebenfalls beseitigt worden. In vierzehn Tagen wird Puddingpulver das Beste vom Besten mit Gutscheinen Nach Einsendung von 50 1 oder 100/2 überweisen wir Ihnen 50 Pfg. in bar portofrei. 14672 G.m. b.H. Hameln bleiben von dieser Satzungsänderung unberührt, so daß die zur Verfügung stehenden Mittel auch weiterhin verwandt werden: zur Pflege der Monumentalkunst, zum Ankauf von Kunstwerken zur Verlosung unter die Mitglieder, zur Beschaffung und Verteilung von Vereinsgaben sowie zur Veranstaltung von Ausstellungen. Zum Vorsitzenden des Kunstvereins wählte die Mitgliederverung einstimmig den bisherigen Vorsitzenden Dr. h. c. A. Fr. Flender wieder. Dieser nahm mit dem Ausdruck herzlichen Dankes an seine Mitarbeiter die Wahl an, unter Vorbehalt der Bestätigung durch den Vorsitzenden des Bundes deutscher Kunstvereine. Die auf den 29. Oktober anberaumte ordentliche Mitgliederversammlung fällt aus, doch wird die alljährliche Verlosung der angekauften Kunstwerke wie üblich an diesem Tage abgehalten. Kinder in der Hundehütte. Unmenschliche Eltern quälten einen Knaben zu Tode. :: Bonn, 5. September. Die Kriminalpolizei nahm das in der Neustraße wohnende Ehepaar Schmitt wegen unmenschlicher Behandlung ihrer 3½ und 5 Jahre alten Kinder fest. Es wurde festgestellt, daß der Vater die Kinder schwer mißhandelt hat, insbesondere den Jungen. Das Kind hatte blaue Flecken am Kopf und Striemen an den Beinen, die nur von Schlägen herrühren können. U. a. hat der Vater seinen Jungen zur Nachtzeit an sein Bett gebunden und erst dann wieder das Kind in sein Bett gelegt, wenn es flehentlich darum bat. Ferner befindet sich in der Wohnung ein Verschlag in der Größe einer Hundehütte, in den die Kinder bei Tag= und Nachtzeit zeitweilig eingesperrt wurden. Die Kinder sind von der Kriminalpolizei in Obhut genommen worden. Das Mädchen wurde in ein Waisenhaus, der Junge in die Kinderklinik gebracht, wo er am Dienstag nachmittag Verkehrsunglück. Zwei Wagen rammen sich, ein dritter fährt in die umstehende Menge. o Soest, 5. Sept. Auf dem Westenhellweg hatten sich zwei Personenkraftwagen gerammt, wobei zwei Personen verletzt wurden. Die verunglückten Wagen versperrten die Straße, und um sie hatte sich eine größere Menschenmenge angesammelt. Trotz der Warnungssignale ausgestellter Posten fuhr ein dritter Wagen mit erheblichem Tempo mitten in die Menschenmenge hinein. Die Wirkung war furchtbar: sechs Personen wurden erfaßt und zur Seite geschleudert, wobei eine Person schwer und die übrigen fünf leicht verletzt wurden. Die Straße war mit Glassplittern und Autoteilen besät. der Straßenbahnverkehr nach der untern Plattform vor dem Hauptbahnhof aufgenommen werden. Anfang Oktober beginnt die Niederlegung einer ganzen Häuserseite auf der Otto=Keller=Straße, die der Verbreiterung der Gleisanlagen zum Opfer fällt. So bestimmt der Bahnhofsbau vollkommen das Gesicht der Stadt DuisburgHamborn. Kunstverein für Rheinland und Westfalen. Düsseldorf, 5. September. Der Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen hatte eine außerordentliche Mitgliederversammlung, welche die nach den gesetzlichen Bestimmungen der Reichskulturkammer geänderten Satzungen einstimmig genehmigte. Wesen und Zweck des Kunstvereins seinen Verletzungen erlegen ist. Gegen das Ehepaar wurde richterlicher Haftbefehl erlassen. Einführung des Ewigen Gebetes im Bistum Osnabrück. X Osnabrück, 6. Sept. Der Bischof von Osnabrück hat anläßlich des Jubiläumsjahres der Einsetzung des Altarssakramentes angeordnet, daß in der Diözese Osnabrück das Ewige Gebet eingeführt wird. Am 27. September wird es zum erstenmal in der Domkirche in Osnabrück feierlich abgehalten. Gleichzeitig findet ein eucharistischer Priesterkongreß statt. Die„Sombe auf dem Genfer Ratstisch". Zugunfall im Elberfelder Hauptbahnhof. DBN Wuppertal, 6. September. Wie die Pressestelle der Reichsbahndirektion Wuppertal mitteilt, fuhr am Mittwoch nachmittag kurz nach 18 Uhr im Bahnhof Wuppertal=Elberfeld eine Rangierabteilung auf den im Gleis 1 haltenden Eilzug 136 Münster—Wuppertal—Elberfeld-Köln. Hierbei wurde eine Anzahl Reisender verletzt, von denen drei Aufnahme im städtischen Krankenhaus Wuppertal=Elberfeld fanden. Die übrigen Verletzten, etwa zwanzig, konnten ihre Reise fortsetzen. Aerzte und Sanitäter sowie die Feuerwehr waren sofort zur Stelle. konnte das Schimpfen nicht lassen. :: Duisburg, 6. Sept. Mit einem sonderbaren Kauz hatte sich das hiesige Gericht zu befassen. Benutzte da alltäglich ein Fahrgast die Straßenbahn, der, kaum hatte er den Wagen betreten, auf den Straßenbetrieb wie auch auf die Schaffner zu schimpfen anfing. Dies führte schließlich dazu, daß er sich eines Tages überhaupt weigerte, für„den Betrieb“ zu zahlen. Jetzt war das Maß der Geduld bei den Schaffnern voll. Man setzte den Querulanten vor die Türe. Er erging sich darauf in Beleidigungen gegen den Schaffner, so daß ein Auflauf entstand und die Polizei ihn schließlich beim Kragen faßte. Jetzt stand er vor Gericht, aber auch hier konnte er sich seines Zornes über die Straßenbahn nicht enthalten, er schimpfte, bestritt seine Betrugsabsicht und wollte schließlich sinnlos betrunken gewesen sein. Das Urteil lautete auf eine Gefängnisstrafe von drei Monaten wegen Betruges und weitere wei Wochen Gefängnis wegen Beleidigung. Kaum war as Urteil gesprochen, erging er sich in neuen Verwünschungen gegenüber dem als Zeugen anwesenden Schaffner. Der Vorsitzende schüttelt den Kopf:„Da fängt er wahrhaftig schon wieder an!“ Die Saardenkschrift Barthous in englischer Betrachtung. Man sieht schwere Konflikte voraus. £ London, 6. September. Von der Londoner Presse haben bisher nur wenige Blätter die wahre Bedeutung des neuen französischen Memorandums in der Saarfrage erfaßt. Daß es der öffentlichen Meinung jetzt allmählich zu dämmern beginnt, welche Gefahr die französischen Vorschläge in sich bergen, geht schon aus der Ueberschrift „Die Bombe“ hervor, die der Leitartikel des„Evening Standard" zu dieser Frage trägt. Frankreich, so bemerkt das Blatt, hat eine Bombe auf den Ratstisch in Genf gelegt: Das Problem der Saarkohlenbergwerke. Sie ist so gestellt, daß sie jeden Tag zwischen jetzt und dem Januar 1935 losgehen kann. Das Land, so fährt das Blatt fort, das vor Gold erstickt, verlangt mehr Gold! Es fordert es von einem Lande, das so gut wie kein Gold hat! Wenn Dr. Schachts Verlangen nach einem langen, allgemeinen Moratorium für alle Schulden Deutschlands gerechtfertigt ist, so ist Deutschland klarerweise nicht in der Lage, in der unmittelbaren Zukunft weitere Verpflichtungen zu übernehmen. Wenn die Abstimmung zugunsten Deutschlands ausgeht und Deutschland nicht nach Frankreichs Bedingung für die Bergwerke zahlen kann, so sollen sie das Eigentum Frankreichs bleiben. Ein Gebiet, das von Deutschen bevölkert ist und von Hitler regiert wird, würde wirtschaftlich von Frankreich ausgebeutet werden. Die Bombe wird auf jeden Fall platzen, und Großbritannien muß Deckung suchen. Reuter sagt in einer Meldung aus Genf, dort halte man die französische Denkschrift allgemein für „eines der geschicktesten Dokumente, das jemals dem Völkerbund zugesandt worden ist“. Gleichzeitig werde geglaubt, daß sie in Deutschland eine sehr ungünstige Aufnahme finden werde. Oberflächlich betrachtet, schildere sie den französischen Standpunkt und mache praktische Vorschläge. Aber sie sei geeignet, auf die öffentliche Meinung der Saar einen gewaltigen Eindruck zu machen. Besondere Aufmerksamkeit finde in Genf die Andeutung, daß eventuell eine zweite Abstimmung stattfinden sollte. Hierin werde, wie man glaube, den vaterlandsliebenden Deutschen, die nicht Nationalsozialisten seien, ein Ausweg gezeigt. Auch der Hinweis darauf, daß die Währungsschwierigkeiten sich vergrößern wurden, wenn die Abstimmung für Deutschland ausfällt und daß im Falle einer Mehrheit zugunsten des Status quo ein großer Teil der Saarbergwerke zurückgegeben werden soll, biete Deutschen und Ausländern reichen Stoff zum Nachdenken. Paris hochbefriedigt. DNB Paris, 6. September. Die Denkschrift Barthous zur Saarfrage wird von der französischen Presse ausführlich wiedergegeben und vollinhaltlich gevilligt. Die meisten Blätter werten sie als einen neuen Beweis für Frankreichs Entgegenkommen und Selbstlosigkeit(!). Gehe diese nach Ansicht des„Journal“ doch sogar so weit, die Möglichkeit einer zweiten Volksbefragung für eine Aenderung des Status quo, falls dieser beschlossen werden sollte, offen zu lassen. Den Wünschen der saarländischen Kreise um Max Braun werde damit Rechnung getragen. Das „Journal“ ist wenigstens ehrlich genug, zuzugeben, daß die Denkschrift alle Argumente für die Beibehaltung des Völkerbundsregimes zusammentrage. Oldenburg, 6. Sept. Von 100 Windmühlen stehen nur noch fünf. Der hiesige Freistaat hatte bis zur Jahrhundertwende etwa 100 Windmühlen aufzuweisen. Die fortschreitende Elektrifizierung brachte es aber mit sich, daß die Windmühlen bis auf füef abgerissen wurden. Eine davon soll nun wiederum verschwinden. Sie steht unweit der Gemeinde Bakum und wurde bisher als das Wahrzeichen des Ortes Bakum bezeichnet. Ramsdorf, 6. Sept. Bei der Arbeit tödlich verunglückt. Von einem herben Geschick wurde die Familie des Bergmanns Tombrink von der Hüpohlstraße betroffen. Tombrink war am Dienstag noch gesund und munter zur Nachmittagsschicht auf der Zeche Leopold eingefahren. Er wurde bei seiner Arbeit durch einen Stein aus dem Hangenden so unglücklich am Kopfe getroffen, daß der Tod alsbald eintrat. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau und zwei unversorgte Kinder. Deutschland hat die besten Tourenmaschinen. Europa=Rundflug 1934. Warschau, 6. September. Das Internationale Sportkomitee gab jetzt die Wertungszahlen der zuletzt geprüften Maschinen bekannt. Osterkamp, Junck und der inzwischen leider ausgeschiedene Brindlinger erzielten beim Auf= und Abrüsten je 30 Punkte, Hirth und Seidemann kamen auf 28, Bayer auf 29, Pasewaldt auf 27 und Hubrich auf 22 Punkte Sehr schnell waren Colombo und Tessero. Vor der Brennstoffverbrauchsprüfung ergab sich folgender Stand: 1. Bajan- Polen 915 P., 2. Kapinski-Polen 892, 3. Hubrich und Seidemann=Deutschland je 884, 5. Wolf Hirth=Deutschland 882, 6. Ilorjanowicz=Polen 862, 7. Ambruz=Tschechei 861, 8. Anderlei=Tschechei 859, 9. BayerDeutschland 847, 10. Pasewaldt 840 Punkte. Am Freitag morgen um 5 Uhr gehen die Maschinen auf die rund 10 000 km lange Strecke. Alles in allem betrachtet, liegen die deutschen Piloten durchweg günstig im Wettbewerb und haben alle Aussichten. Schade, daß Brindlinger das Pech hatte, Bruch zu machen. Besonders mit ihm hätte man nach dem bisherigen Stand rechnen müssen. Die deutschen Maschinen sind günstig bewertet worden und besonders in ihrer Ausrüstung und Konstruktion als Touristik=Maschinen allen anderen Fabrikaten überlegen. Weiterflug Lola Schröters. = Leipzig, 6. September. Die Fliegerin Lola Schröter flog am Mittwoch um 14,41 Uhr von Hirschberg im Riesengebirge mit dem Motorflieger Wentof auf dem„D 2121“ zu ihrem Deutschland= Segelschleppflug in Richtung Dresden weiter und landete um 18,45 Uhr in Leipzig=Mockau glatt. Der Weiterflug wird am Donnerstag um 8 Uhr angetreten werden. Die vorgesehene Flugstrecke mußte des Parteitages wegen abgeändert werden. Sie führt von Leipzig=Mockau über Berlin, Magdeburg, Braunschweig, Hannover nach Hamburg. In Magdeburg eingetroffen. Die Fliegerin Lola Schröter ist auf ihrem Segelschleppflug, von Leipzig kommend, Donnerstag mittag um 12,45 Uhr in Magdeburg eingetroffen. Wie sie mitteilte, hatte sie auf dem Fluge von Leipzig so schlechtes Wetter angetroffen, daß sie zeitweise nur in einer Höhe von 50 m über der Elbe fliegen mußte. Sie beabsichtigt, schon heute nach Braunschweig und Hannover weiterzufliegen. Ob der Flug bis Berlin noch am Donnerstag durchgeführt werden kann, hängt von der weiteren Wetterlage ab. Wetterbericht. Essen, 6. September.(Eigener Drahtber.) Vorhersage für Freitag: Schwache östliche bis südliche Winde, noch verbreitet Dunst oder Nebel, sonst wolkig bis heiter, mäßig warm, später Bewölkungszunahme. Vorhersage für Samstag: Etwas auffrischende auf südwestliche Richtungen drehende Winde und wieder vielfach wolkig, aufkommende Niederschlagsneigung, Temperaturzunahme. Vorhersage für Sonntag: Wolkig bis heiter, aber wieder vielfach Nebel, mäßig warm. Zwischenfall nach dem Theater ROMAN VON HANS SCHWEIKART(OLE STEFANI) Copyright 1934 by Knorr& Hlrth G. m. b. H., München 21)(Nachdruck verboten.) „Das glaube ich!“ lachte ich.„Aber durch die Post hat sie es bekommen... anonym.— Wußten Sie wirklich nicht, daß das von Jürgensen kam?“ „Ich weiß von nischt!“ sagte Paul. Seine Augen waren ganz rund vor Erstaunen. „Na, na— machen Sie kein Theater!— Tausend Mark ist keine Summe, die täglich ankommt!“ Nun sprang der Häftling auf. Er wurde feuerrot— und ich nahm zu meiner Ueberraschung wahr, daß er ehrlich verblüfft war. Er rang eine Weile nach Worten. ann fing er an zu schimpfen. Ein Wasserfall von Flüchen ergoß sich über seine abwesende Freundin. Wir fingen alle an, zu grinsen. Schließlich hatte er nicht ganz unrecht— obwohl auch sie ihrerseits ihre guten Gründe gehabt haben mochte, das Geld vor ihrem Kavalier verborgen zu halten. „Nein, wirklich!“ sagte Paul, nachdem er sich ausgetobt hatte. Er war ganz niedergeschlagen.„Diesen Frauenzimmern soll man doch nicht über den Weg trauen.— Da hätte ich mir ja mein Geld von ihr holen können!" Er stapfte in seine Zelle, in tiefsinnige Gedanken versunken. Der Anwalt schüttelte sich immer noch vor Lachen. „Das war echt!“ sagte er.— * „Frau Alvarez!" Der schlumpige Hausknecht ballerte an die Tür. Drinnen grölte eine tiefe Stimme. „Da ist ein Mann bei ihr!“ sagte ich. „I wo—!“ sagte der Hausknecht und lachte.„Das ist sie selber!— Frau Alvarez machen Sie auf!“ Der Gesang brach ab und die tiefe Stimme brummelte irgend was. Er tapste auf die Tür zu. Auffällig lagg ratterte es am Schlüsselloch. Dann ging die Tür quietschend auf und ein großer, runder Kopf mit peckigen Locken erschien in der Spalte. „Was ist los?“ „Besuch für Sie!“ sagte der Hausknecht kurz angebunden.“ Eine Dunstwolke von Schnaps stieg uns entgegen. Ich fuhr ordentlich zurück. Ich überwand mich und fragte so sanft ich konnte:„Frau Alvarez?“ „Was wollen Sie?“ bellte sie mich an. Ihre dunklen Augen irrten unsicher über uns hin.„Ich lasse keine fremden Männer in mein Zimmer!“ „Löblich! Löblich!“ sagte ich. Sogar über Siedels blasses Gesicht ging ein Lächeln— wenn auch nur einen Augenblick lang. etenleicht machen Sie für uns eine Ausnahme, meine Liebe! Wir sind von der Polizei!“ Die Frau antwortete mit einem heiseren Kehllaut und starrte uns entsetzt an.„Was wollen Sie denn?“ sagte sie ängstlich.„Ich verdiene mir ehrlich mein Brot. Ich arbeite— was wollen Sie von mir?“ „Nichts Schlimmes!“ sagte ich begütigend.„Eine Auskunft!“— Ich stieß die Tür vollends auf. Die Frau wich zurück und wir traten ein. Ich überflog den Raum mit meinen Blicken: die Fächer an den vergilbten Tapeten, die Plakate und Photos, die Ziehharmonika und die Schleifen, die ganze abgenützte Einrichtung und die große Schnapsflasche, die auf dem fleckigen Tischtuch klebte. Ich sagte freundlich:„Kein Grund zur Beunruhigung. Wir haben nur ein paar Fragen an Sie.— Ich höre, daß Sie Deutsch verstehen— obwohl ich aus Ihrer Anmeldung ersehen habe, daß Sie in San Francisco geboren sind.“ „Ich spreche fünf Sprachen!“ sagte sie mit ihrer dunklen Stimme.„Alle perfekt. Ich kenne die ganze Welt. Mein Vater war Mexikaner!“ Sie hatte sich beruhigt— aber ich merkte, wie sie sich an der Stuhllene festhielt. Ihre Augen waren glasig, der Schnurrbart auf ihrer Oberlippe feucht. „Nehmen Sie lieber Platz!“ sagte ich vorsorglich. „Wozu mein Herr?“ murmelte sie. Aber gleich darauf sank sie in das Tal des alten Sofas, genau hinter der Schnapsflasche. Mit einer großen Geste forderte sie uns zum Sitzen auf. Sie zupfte an ihren Locken und schien uns nun erst genau zu mustern. Ich glaube, mein Anblick gab ihr Sicherheit. Sie setzte sich in Pose. Ein Redestrom plätscherte auf uns nieder. Ich hörte interessiert zu. Ihr Deutsch war fast fehlerlos— stellenweise etwas gespreizt. Sie hatte viel erlebt, zu Zeiten wohl auch viel gelesen, war mit allen möglichen Menschen in Berührung gekommen. Trotz ihrer augenblicklichen Verkommenheit waren Spuren von Intelligenz unverkennbar. Das Gespräch drehte sich zunächst ausschließlich um ihre soziale Lage. „— Kein Asyl für eine Künstlerin— nicht wahr?“ sagte sie verächtlich.„Mein Gott— heute so, morgen so... Ich hätte mir nicht träumen lassen, als ich jung war, daß ich heute noch arbeiten müßte!“ „Sie waren verheiratet— steht in Ihren Papieren?“ „Ja. mein Herr, in Frisco!— Mein Mann war reich— wir hatten alles!... Sehen Sie!“ Sie griff in einen Fächer, der hinter ihr an der Wand hing und holte eine vergilbte altmodische Photographie heraus. Ich betrachtete sie lange. Vor einem Säulenpostament, hinter dem ein gemaltes Meer brandete, stand ein Paar: ein korpulenter Mann mit gekräuselten Haaren, abstoßend listigen und brutalen Zügen, mit aufgeworfenen Lippen und einer dicken Uhrkette über der weißen Weste. Und in einer lächerlich gezwungenen Haltung an ihn geschmiegt ein blutjunges Geschöpf, ein halbes Kind, geschmacklos und überladen angezogen. Und obwohl die Photographie abgeschabt und schmützig war und die Kleidung jener Zeit unserem Geschmack wenig entsprach, so war doch zu ersehen, daß Camilla Alvarez einmal sehr hübsch gewesen sein mußte.— Ich hörte ein Glucksen— und als ich von dem Bilde aufsah, bemerkte ich, wie Camilla die Schnapsflasche eilig wieder auf ihren Platz stellte. „Mein Mann— nusterte sie zärtlich und nahm das Photo wieder an sich,„mein armer, guter Carlo!“ „Ihr Gatte lebt nicht mehr?" forschte ich. Sie überhörte die Frage.„Rauchen die Herren?“ fragte sie und schob eine Zigarettenschachtel über den Wir sahen uns rasch an und dankten. „Ich persönlich— wenn die Herren nichts dagegen haben—, ich ziehe eine Zigarre vor!“ „Bitte—!“ sagte ich mit belegter Stimme und sah mit großen Augen zu, wie sie eine dicke Havanne in Brand setzte. Durch den Rauch hindurch zwinkerte sie mir mit ihren runden Augen zu. „Sie wollten mich etwas fragen?— Bitte genieren Sie sich nicht." Ich fühlte, wie Siedel mich von der Seite her ansah. Ich dachte nach und ließ meinen Blick wieder durchs Zimmer gehen. Ich weiß nicht, warum er immer wieder an den Bühnenphotos hängen blieb: Camilla Alvarez als Seemann, als Spanierin, in einem lächerlichen, schlechtsitzenden Frack. Ich legte meine Minen aus. Drei Ueberraschungen hatte ich vor— und ich war gespannt, bei welcher Zündung die Frau in die Luft gehen würde. Ich räusperte mich und brannte rasch die erste ab: „Woher kennen Sie Jürgensen?“ Kein Zug veränderte sich in ihrer Miene. Ganz langsam schob sie die Augenbrauen hoch:„Wen—?“ fragte sie gleichgültig. „Den Direktor Will Jürgensen?“ „Nie gehört!“ brummte Camilla Alvarez.„Vielleicht ein Verehrer von mir?... Aus dem Kabarett?“ „Glaube kaum!“ sagte ich freundlich.„Schließlich hat er Ihnen eine ganze Menge Geld geschickt— nicht wahr?“ „Was—?“ gluckste sie. Ihre Augen quollen erschreckt hervor und liefen blitzschnell über die Tapete in der Ecke. „Geld?... Mir hat kein Mensch Geld geschickt... Ich habe nur meine Gage— das ist alles!... Ich weiß nichts von dem Namen, den Sie nannten— ich verstehe Sie gar nicht!“ „So?“ sagte ich— schon etwas schärfer.„Lesen Sie keine Zeitung?— Sie wissen nicht, daß gestern ein Mann in Glückstadt tot aufgefunden wurde, der Jürgensen hieß?" Sie zuckte zusammen, ihre Lippen zitterten. Nicht— nicht!“ sagte sie ängstlich.„Sagen Sie nicht solche Dinge. Ich kann oas nicht hören— warum erschrecken Sie mich so?“ Ihre Augen rollten ihre Stimme schwankte. Ich begegnete einem Blick meines Assistenten. Er hob sacht die Schultern. Es würde sich ja herausstellen, ob die Frau wirklich so betrunken war. wie sie sich gab.— Ich setzte meine zweite Lunte in Brand. „Wir haben Paul Kornitzky verhaftet!“ Sie sprang auf, sank schwerfällig zurück.„Was denn, was denn?“ murmelte sie entsetzt.„Paul?— Warum? — Weshalb sprechen Sie so merkwürdig mit mir?“ Sie tastete hilflos nach der Flasche.„Sie sollen nicht so mit mir umgehen!— Warum haben Sie Paul verhaftet? Was hat er denn mit— der Sache zu tun, von der Sie sprachen?— Seien Sie still— ich will nichts mehr hören!“ Ihr Atem ging stoßweise, ihr dickes Gesicht hatte sich gerötet. „Beruhigen Sie sich!“ sagte ich unbarmherzig. Und brannte mit kalter Ueberlegung die dritte Mine los. Ich schrieb rasch etwas auf einen kleinen Zettel, den ich meinem Notizbuch entnommen hatte— nur ein paar Striche: eine zweistellige Zahl. Ich schob das Papier über den Tisch— unter Camillas Augen— und erwartete mit schärfster Aufmerksamkeit die Wirkung. Sie erfolgte unmittelbar. Kaum hatte Camilla einen Blick auf den Zettel geworfen, als sie mit verzerrtem Gesicht aufsprang. Der Tisch erhielt einen Stoß, daß die Flasche wankte. „Nein—!“ schrie die Frau wie eine Wahnsinnige. „Ich will nicht!— Gehen Sie fort!“— Ich will nichts damit zu tun haben! Ich will nicht auch ermordet werden!"—— Nur einen Augenblick dauerte die Lähmung, von der wir bei Camillas Ausbruch befallen worden waren. Dann sprangen wir hinzu und hielten die Frau, die wie eine Rasende um sich schlug. Schließlich beruhigte sie sich etwas und ließ sich auf das knarrende Sofa legen. (Fortsetzung folgt.) Aus und Leben. Beuroner Kunst. Von Dr. Ildefons Herwegen O. S. B., Abt von Maria=Laach. Seit dem Frühmittelalter wogt in der kirchlichen Kunst der Kampf zwischen Antike und Germanentum, zwischen objektivem Gemeinschaftsempfinden und subjektivem Individualismus hin und her. Bald neigt sich die Waagschale des Uebergewichtes auf die Seite der gotisch=germanischen, bald auf die der griechisch-antiken Richtung. Unter„gotisch“ ist hier nicht der so benannte mittelalterliche Stil, sondern jene Kunstrichtung im allgemeinsten Sinne verstanden worden, die den Willen zum Ausdruck als oberstes Prinzip anerkennt und erstrebt in der also das Persönliche, Subjektive, Zufällige, Ungeregelte überwiegt, während mit der Bezeichnung griechisch“ ganz allgemein die Kunstrichtung charakterisiert wird, die den Willen zur Form ausspricht, in der somit das Typische, Ueberpersönliche, Objektive. Gesetzmäßige, das Harmonische, Ausgeglichene und dauernd Geltende herrscht. Ein Wort Schillers, welches er in der „Rheinischen Thalia“ schrieb, als er den Antikensaal im Mannheimer Schloß besucht hatte, in dem die Düsseldorfer Sammlung des Kurfürsten Jan Wellem aufgestellt war, bringt diesen Inhalt des klassischen Kunststiles besonders anschaulich zum Ausdruck:„Mein Herz ist davon erweitert. Ich fühle mich edler und besser... Der Mensch brachte hier etwas zustande, was mehr ist als er selbst, das an etwas Größeres erinnert als an seine Gattung.“ Kirchliche Gemeinschaftskunst wird gewiß nicht auf dem Boden des gotischen Geistes erwachsen; für sie ist in erster Linie alles wesensnotwendig, was dem griechischen Geist seinen Charakter gibt, da das Gotische zum Menschlich=Weltlichen, das Griechische zum Ueberirdisch=Göttlichen hinstrebt. Nur selten kommt der ideale Ausgleich beider Kunstrichtungen zustande. Wir haben auf deutschem Boden Schöpfungen von vollendeter Ausgeglichenheit zwischen dem Stilvollen und dem Ausdrucksvollen, z. B. in Straßburg und Bamberg. Diese Hermonie ist aber nie das Typische der deutschen Kunst in ihrer Gesamtheit geworden. Die neuere Zeit kennt im 19. Jahrhundert zwei Versuche, das Problem zwischen Form und Ausdruck, zwischen Gotik und Antike zu lösen. Den ersten machten die„Nazarener“, die jedoch scheitern mußten, weil sie gar nicht an die Antike anknüpften, sondern nur bis zu den Präraffaeliten zurückgriffen. Der damalige romantische Zeitgeist hätte es ihnen aber auch gar nicht möglich gemacht, im vollkommenen Gegensatz zum Empfinden der ganzen Umwelt auf die Seite der Antike zu treten. Trotzdem verdienen sie auch heute noch Achtung und Dank dafür, daß sie mit einer rein religiösen Kirchenkunst ernst gemacht hatten.— Der mächtige Antrieb des liturgischen Gemeinschaftsgeistes verlangt aber heute nach einer wirklich objektiven, monumentalen Gemeinschaftskunst. In diesem Sinne wurde eine viel gründlichere Lösung der Frage nach einer Erneuerung der kirchlichen Kunst aus dem Geist der Antike von P. Desiderius Lenz in der Beuroner Malerschule versucht. Es sollen hier nicht die Aufgaben Ziele, Wege und Erfolge der Beuroner Kunsttätigkeit aufgezeigt, sondern nur zu einigen in der allerneuesten Zeit über das Werk der Malermönche gefällten Urteilen Stellung genommen werden. Die oft gehörte Kennzeichnung der Beuroner Kunst als einer klösterlichen Lebensäußerung, als einer reinen„Mönchskunst“ ist ein wohl verzeihlicher, aber gründlicher Irrtum. Schon im Mai 1865 hat der Bildhauer Peter Lenz(später P. Desiderius) in einer kleinen Aufzeichnung seine künstlerischen Grundsätze ausgesprochen. Das einheitlichste und wohl vollkommenste Werk. welches Lenz und seine Genossen schufen, war die im Auftrage der Fürstin Katharina von Hohenzollern in den Jahren 1868—1870 ausgeführte Maurus=Kapelle bei Beuron Sowohl Lenz wie seine Mitarbeiter waren damals Laien. Erst acht Jahre später hat er seine Ordensgelübde abgelegt. Was man also den Beuroner Stil nennt, ist zunächst durchaus Laienkunst, die allerdings später durch die Ideale und Normen des klösterlichen Lebens eine Erweiterung des religiösen Gedankenkreises und geistige Vertiefung gewonnen haben mag. Man darf sogar gerechterweise nicht verschweigen, daß die spätere Tätigkeit des Mönches Desiderius zwar in den praktischen Konsequenzen seiner Theorie fortgeschritten ist, ohne damit jedoch den künstlerischen Wert seiner Werke erhöht zu haben, wie er denn überhaupt nehr der genialen Theoretiker als der schöpferische Künstr ist. Zweifellos ist die Ausgeglichenheit zwischen Form und Ausdruck in seinem Erstlingswerk St. Maurus vollendeter erreicht als in seinen letzten großen Schöpfungen, den Gemälden der ehemaligen Benediktinerinnenabtei St. Gabriel in Prag=Smichow und den Mosaiken in Monte Cassino. Während St. Maurus das ergreifende Bekenntnis tief empfindender Menschen war, die einen neuen religiösen Frühling ahnten, ist in den späten Werken das Formal=Dekorative gegenüber dem Innenleben und dessen seelenvollem Ausdruck vielleicht etwas einseitig betont. Einer Nachahmung des Beuroner Stils soll gewiß nicht das Wort geredet werden. Wo die Einführung in die Grundsätze der antiken Kunst nicht innere Notwendigkeit ist, wird ihre seelenlose Nachahmung zur Unfruchtbarkeit verurteilt sein und zum Schema werden. Wohl aber können auch den modernen Künstler die besten Werke der Beuroner Schule, in denen der Geist der Antike, also die Idee, das Ebenmaß, Klarheit und Harmonie, mit einem Wort der Logos künstlerische Gestalt gewonnen haben, wegweisend sein. P. Lenz ist nicht von der Liturgie zu seiner Stilauffassung gekommen, sondern umgekehrt offenbarte sich ihm zu seiner großen freudigen Ueberraschung eine ihm durchaus geistesverwandte Welt als er in einem befreundeten Hause zufällig auf das Buch „Der liturgische Choral“ von dem nachmaligen Abt Benedikt Sauter O. S. B. traf. Hier fand Lenz seine eigenen Gedanken über kirchliche Kunst im kirchlichen Gebet und Gesang wieder. Er hatte also intuitiv die Seele der sakralen Kunst entdeckt. Wie sollte nicht gerade heute, da die Kenntnisse und der innere Gehalt der Liturgie sich weiten Kreisen neu zu erschließen beginnen, auch der katholische Laienkünstler Grundsätze zu schätzen wissen, welche liturgisch eingestellten Seelen gemäß sind? Die seit 1921 in der Abtei Maria=Laach jährlich abgehaltenen Kurse zur Einführung christlicher Künstler in die Liturgie, bei welchen die religiösen Grundlagen der christlichen Kunst unabhängig von Stilfragen dargelegt werden, haben das lebhafteste Interesse in Künstlerkreisen gefunden und sind ein Beweis für die Richtigkeit dieses Gedankens. Nur der kann für die Kirche schaffen, wer mit der Kirche und aus ihrem Geist lebt und betet. Gerade weil nun die Benediktiner nicht etwa, wie von manchen Seiten irrig angenommen wird, einen monastischen Sonderkult pflegen, sondern die römische Liturgie beobachten, wie sie in allen Kathedralen und Pfarrkirchen geübt wird und die Gedankenwelt der Gesamtkirche in den einzelnen Abschnitten des Kirchenjahres wiedergibt, gerade deshalb ist die Beuroner Schule zur Illustrierung liturgischer Gedanken besonders befähigt. Sehr charakteristisch hierfür ist das Urteil eines Besuchers von Monte Cassino über P. Lenz und seine dort gesehenen Werke:„Wie Papst Pius 11. die archaische Kirchenmusik wieder beleben will, so sucht P. Lenz gewissermaßen in Stein den„Cantus Gregorianus“ zu schaffen. Er ist bestrebt, die religiöse Kunst von allem Süßlichen frei zu machen, ihm ist die Wucht des religiösen Gedankens die Hauptsache.“ Ein bekannter Kritiker sagte mit Recht: „Die Mauruskapelle— sicher eines der vollendetsten Werke der Beuroner Kunst— ist Stein und Farbe gewordene Liturgie, in der die Linien wie Thoralgesang schwingen.“ Es mag zugegeben werden, daß geringeren Werken der Beuroner Schule sowohl die echte innere Größe wie auch— als selbstverständliche Folge— der kraftvolle Ausdruck fehlt. Das ist eine in allen Kunstrichtungen auftretende Erscheinung der schwächeren Talente und Epigonen. Demgegenüber finden wir auch unter den jüngsten Arbeiten der Beuroner Schule manche erfreulich hochwertigen Leistungen, so z. B. die von den Benediktinerinnen der Abtei St. Gabriel in Bertoldstein(Steiermark) gemalten Miniaturen. Franz Lüdtke urteilt in seinem 1921 veröffentlichten Aufsatz„Mystik in der Kunst":„Wenn die anbetenden Engel in Beuron oder gar in Monte Cassino, wenn erst recht die Madonna mit dem Kinde um uns die unergründlichen Schauer breitet, die uns beim Schauen altägyptischer Statuen umfluten, so könnte die„Ecclesia orans“ des Bruders Reinhold Teutenberg in Maria=Laach nicht von den besten Plastikern des heutigen Expressionismus überboten werden.“ Die bedeutendsten Schöpfungen der Beuroner Schule offenbaren also eine großgeschaute Idee in einer ihr adaequaten monumentalen ausdruckstiefen Form. Diese innere Größe in vollendeter, durchgebildeter Gestaltung äußert sich bis in ornamental gedachte Einzelheiten. Emil Ritter, der im Allgemeinen zwar in Beuron keine wirkliche Entdeckung verschütteter Vergangenheit für eine ungeahnte Zukunft des Schaffens anerkennen will, sagt dennoch über den Engelfries in der MaurusKapelle:„Ich habe in der ganzen religiösen Kunst kein lebendigeres Symbol der Anbetung gesehen, als diese weiß gewandeten Engel, die opfernd nahen und zugleich, vor göttlicher Herrlichkeit das Antlitz verhüllend, zurückbeben.“ Daß auch bei aller Abstraktion und Objektivität in den Beuroner Arbeiten ergreifende Innigkeit zum Ausdruck kommt, bezeugt der mehrfach zitierte Kunstkritiker Franz Lüdtke mit den Worten:„Wenn je der Expressionismus den Sinn hatte, daß der Künstler das Tiefste von innen statt von außen empfing, so ist es hier der Fall. Die Beuroner Schaffenden sind Innenmenschen, die das sie Erfüllende mit den Mitteln der Farbe und des Steins der Außenwelt künden, so daß ihre Kunst wie ein ewiges Chorlied zur Ehre Gottes schallt.“ Es ist keineswegs meine Absicht, durch diesen Aufsatz eine Apologie des Beuroner Stils zu schreiben. Dessen bedarf es umso weniger, als alle Kritiker, ob sie sich ihm gegenüber bejahend oder ablehnend verhalten, in der einen Anerkennung übereinstimmen: daß er eine gleichsam gemalte gottesdienstliche Formel, Linie und Farbe gewordene Liturgie darstellt, also im Gegensatz zum subjektiven Gebet des Einzelnen die objektive Gemeinschaftsform des kirchlichen Gebetslebens symbolisiert. Und gerade dieser von Freunden und Gegnern zugegebene Wert ist es, der zur Feststellung führt, daß heute in den Tagen der Wiederbelebung liturgischen Gebetsgeistes und kirchlichen Gemeinschaftslebens der Beuroner Kunst eine wichtige Aufgabe zufällt. Der allzu stark belasteten Waagschale gotischen Ausdruckswillens gegenüber bietet sie das gehaltvolle Gegengewicht antiker Gesetzmäßigkeit, die dem Gemeinschaftsempfinden zustrebt. Der Weg zur Gewinnung dieses Ausgleiches in der Kirchenkunst braucht durchaus nicht über Beurgn zu gehen, aber er wird von den Grundsätzen, die für die Beuroner Schule maßgebend waren, von der formbildenden Antike und von der objektiven, normierten liturgischen Gebetsgemeinschaft vorgezeichnet sein, nach den Worten des P. Desiderius Lenz:„Die Seele der religiösen Kunst bildet das Typische, in Einfalt Große, ernst und harmonisch Gemessene und Gebaute.“ Das Kolb des Konsuls. Von Karl Lerbs. Der konsularische Vertreter einer südosteuropäischen Macht in einer Hansestadt, ein beleibter, harmloser, wohlgelittener Mann, mußte es in den ersten Novembertagen des auch sonst unheilvollen Jahres 1918 erleben, daß einige schwer bewaffnete, mit roten Schleifen geschmückte Männer sein Haus betraten, sich als Beauftragte des„Sicherheitsdienstes“ auswiesen und die Herausgabe etwa gehamsterter Lebensmittel verlangten. Sie vollführten beträchtlichen Lärm, mißachteten alle Proteste, zerkratzten mit ihren vernagelten Stiefeln das Parkett, sagten allen weiblichen Haushaltungsmitgliedern schauerliche Dinge und zogen schließlich unter Mitnahme eines halben Kalbes, das sie in der Speisekammer fanden, davon. Dies nun war nicht nur eine Verletzung der Exterritorialität jener osteuropäischen Macht, also ein diplomatischer Zwischenfall reinsten Wassers, sondern es war auch ein gewaltsamer Eingriff in das Ernährungsprogramm ihres konsularischen Vertreters: und zwar hatten die Eindringlinge damit im Innern des sonst friedliebenden Mannes die einzige Saite berührt, die kriegerische Klänge von sich zu geben imstande war. Er holte sich, ächzend vor Zorn, Rat bei einem Kollegen, der eine andere südosteuropäische Macht repräsentierte und innerlich erheitert, aber äußerlich mit schwerem Ernst den Standpunkt vertrat, daß hier ein außergewöhnlich ruchloser, nachdrücklich zu ahndender Uebergriff geschehen und das heiligste Recht politischer Vertreter verbrecherisch angetastet sein. Der Generalkonsul, also bestärkt, begab sich heim, zog sich einige Ordensbänder durchs Knopfloch, setzte seinen Staatszylinder auf und fuhr in seinem Kraftwagen, auf dessen Kühler die Miniaturflagge der südosteuropäischen Macht flatterte, beim Chef des Sicherheitsdienstes vor. Dieser, ein schlichter Matrose von riesigem Körperbau, aber geringer Amtseignung, stand eben an einem Pult und unterzeichnete nicht ohne Anstrengung eine Anzahl von Erlassen. Er warf auf den erregten Besucher nur einen schiefen Blick und knurrte eine Bemerkung etwa des Inhalts: Er habe stets eine unüberwindliche Abneigung gegen Männer mit Zylindern gehabt und müsse daher bitten, den Ankömmling sogleich aus seinem Gesichtskreise zu entfernen, widrigenfalls er für sein weiteres Benehmen keinerlei Gewähr leisten könne. Sein Adjutant indessen, nicht minder riesenhaft, aber etwas welterfahrener, daher zu Kompromissen geneigt, klärte ihn darüber auf, daß der Mann Vertreter eines fremden Staates sei und die Hervorkehrung rauher Sitten daher das zur Folge haben könne, war er„Impomperabilien“ nannte. Daraufhin sah sich der Chef, ein wenig herabgestimmt durch das bedrohlich klingende Fremdwort, veranlaßt, den Besucher nach seinen Wünschen zu fragen. Der Generalkonsul holte tief Atem; Aerger über die anfänglich so schlechte Behandlung, das Bewußtsein schändlich verletzter Rechte und der Schmerz um das halbe Kalb verliehen ihm eine Beredsamkeit, die wie ein Hagelwetter auf den Gegner herab= oder richtiger an ihm in die Höhe fuhr. Der Chef des Sicherheitsdienstes, dem bisher lediglich verhältnismäßig primitive Erfahrungen auf innerpolitischem Gebiet zur Seite standen, sah sich hier plötzlich sozusagen in die Weltpolitik eingespannt, und zwar auf eine Weise, die alles andere eher als behaglich war. Er hatte keine Ahnung, welcher Art die angedrohten Weiterungen sein konnten, und auch die angedrohten „Impomperabilien" waren ihm gänzlich unbegreifbar; ebenso wenig war es ihm gegeben, die mehrfach erwähnte Exterritorialität mit dem halben Kalb in eine sinnvolle Beziehung zu setzen. Doch wurde es ihm nach kurzem Bedenken klar, daß diese gefährlichen Fremdworte nebst Folgen schleunigst aus der Welt geschafft werden mußten. Zu diesem Zweck erschien es ihm als das Beste, wenn er sich an das Greifbare hielt. Das in der Nähe der Stadt gelegene Altenlander Feld, wo sich große Viehherden reicher Bauern tummelten, tauchte als Rettungsgürtel vor seinem geistigen Auge auf. Er rief einen seiner Leute herbei und erteilte ihm einen Befehl, der im reizvollen Originalbilde hier stehen muß:„Lop mal hen na'n Olenlanner Felle un fang for den Keerl'n Kalf!“ Den ideellen Teil der Genugtuung glaubte er durch den an seinen Besucher gerichteten Satz„— und dann entschuldigen Sie man!“ hinlänglich zu erledigen. Der Generalkonsul, durch diese Wendung der Dinge seinerseits etwas aus der Fassung gebracht, zog sich hierauf stumm zurück. Bald darauf erschien in dem Hause, das mit dem Wappen der südosteuropäischen Macht geziert war, in der Tat der entsandte Beauftragte; er trug ein kunstgerecht geschlachtetes und hergerichtetes ganzes Kalb auf der Schulter, begab sich damit in die Küche, legte es auf den Tisch und ging, ohne ein Wort zu reden. Es ist nicht bekannt geworden, daß der Generalkon gegen diese Form der Wiedergutmachung irgendwelche Widerspruch erhoben hätte. Man kann dieses Schweigen ganz nach Belieben, auf verschiedene Gründe zurückführen: Vielleicht hatte er Mitleid mit dem Chef des Sicherheitsdienstes und hielt die durch den Kälberfang etwa hervorgerufenen innerpolitischen Schwierigkeiten für weniger schlimm als die vorher drohenhen außenpolitischen; vielleicht achtete er in dem Mann einen zweiten Salomon, der das Streitobjekt, da es bereits geteilt war, wieder zu einem Ganzen fügte; vielleicht auch war er zu der Erkenntnis gelangt, daß Form, Bschaffung und prozentuale Bemessung der Entschädigung mit den Gepflogenheiten der von ihm vertretenen südosteuropäischen Macht in Einklang standen. Die Trierer Tagung der Görreslschaft. * Trier, 5. September. Auf der Tagung der Goerres=Gesellschaft waren für die öffentlichen Vorträge namhafte Redner gewonnen worden. Ueber„Das Volk im westdeutschen Grenzkampf“ sprach am Montag Prof. Steinbach=Bonn, der Leiter des Instituts für geschichtliche Landeskunde der Rheinprovinz. Er zeigte die Bedeutung auf, die dem Volkstum in seiner völkischen Selbstbesinnung und Selbstbehauptung für das tausendjährige Ringen zwischen Frankreich und Deutschland zukommt. Das Ringen um das Saarland und der glänzende Aufschwung des Volkstums in der schweren Grenzkampfzeit der Nachkriegsjahre fanden zum Abschluß des Vortrages eine eingehende Darstellung. Anschließend sprach der bekannte katholische Schriftsteller und Dichter Peter Dörfler über„Dichtung und Geschichte“. Dörfler wandte sich gegen die Vorwürfe, die die geschichtliche Dichtung zu einer unreinen Mischform stempeln wollten. Dichtung und Geschichte gehörten zusammen, da sowohl der Dichter wie der Historiker immer wieder zu einer Sinndeutung geschichtlicher Tatsachen dränge. Nie dürfe jedoch ihr Schaffen das Wirkliche fälschen oder das Historische verwischen, denn die Pflicht des Dichters zur Wahrhaftigkeit sei ebenso streng wie die des Historikers zur Objektivität. Privatdozent Dr. Lützeler=Bonn behandelte die Probleme deutscher Art in der christlichen Kunst. Das Christentum— das war der Leitgedanke seiner Ausführungen— habe dem Deutschtum und umgekehrt das Deutschtum dem Christentum für die Werke der Kunst großartige Anregungen gegeben, durch die der deutsche Mensch in seinem künstlerischen Schaffen eine Läuterung und Steigerung erfahren habe. In der christlichen Kunst liege zutiefst deutsches Wesen verborgen. In der Sitzung der Philosophischen Sektion sprach Prof. Honecker=Freiburg über den Begriff der Weltanschauung. Prof. Wust=Münster i. W. kam in seinem Vortrag über Sinn, Bedeutung der modernen Existentialphilosophie zu einer klaren Ablehnung der Systeme Heideckers und Jaspars. In der Historischen Sektion verbreitete sich Prof. Schuler=Trier über die Anfänge des Christentums im Trierer Land und im Moseltal. Der Vorsitzende der Rechtswissenschaftlichen Sektion, Geheimrat Prof. Laforet=Würzburg, gedachte des deutschen Kampfes um die Saar. Sodann sprach Rechtsanwalt Dr. Lenz über die zivilrechtliche Verantwortung der Geistlichen. Er legte dar, daß die Frage der zivilrechtlichen Verantwortung aller kirchlichen Organe nicht nur für den Juristen, der häufig beruflich mit ihr befaßt wurde, von Bedeutung sei. Sie sei von gleich großem Interesse für alle Geistlichen, die ständig durch sie betroffen werden könnten. Darüber hinaus seien aber die Fragen dieser Verantwortlichkeit für jeden Katholiken der Erörterung und Ueberlegung wert. Denn ein jeder könne einmal in die Lage kommen, aus der Kenntnis maßgebender Normen und Rechtsgrundsätze Nutzen zu ziehen oder, gestützt auf solche Kenntnisse, Schaden von sich und anderen abzuwenden. Aus dem großen Fragenkomplex der Verantwortlichkeit kirchlicher Organe behandelte der Redner sodann besonders die Verantwortung des Geistlichen selbst. An Hand von praktischen Fällen legte er die einzelnen Haftungsmöglichkeiten dar. Er zeigte den Geistlichen als Ratgeber und erläuterte des näheren die Anwendungsmöglichkeit des§ 839 BGB. bei Verletzung von Amtspflichten durch Geistliche. Zum Schluß gab der Redner Hinweise, wie der Geistliche Vermögensschäden von sich abwenden könne. Als zweiter Redner behandelte Privatdozent Dr. Hofmann(München)„Die Gewaltenteilung im kanonischen Recht“ und dann erörterte Prof. Dr. Pieper(Paderborn) das Rechtsbild Urkirche und Staat. Schon aus dem Thema, Urkirche und Staat, ergibt sich die Aktualität und Zeitnähe desselben. Wie war es in den Urtagen der Kirche? Wie hat sich die früheste Christenheit zu dem Staatswesen gestellt, in dem es lebte? Der Vortrag legte das geschichtliche Verhältnis dar, wie wir es aus den Quellen erheben können, weiter die Beurteilung des Staates durch das Christentum und seine Leistungen für ihn. Am Abend sprach in der vollbesetzten Aula des Hindenburg=Gymnasiums Bischof Dr. Hudal, der Rektor der„Anima“ in Rom, über den deutschen Anteil am Geistesleven Roms. In der Ewigen Stadt wirkte seit mehr als einem Jahrtausend das Deutschtum in vielfältigen Formen und Gestalten. Wertvolle Wechselbeziehungen ergäben sich durch dieses völkerverbindende Schaffen zur alten deutschen Heimat wie auch zum italienischen Volk und zur italienischen Landschaft. „Bayern" gehoben Nach langwierigen Vorbereitungen ist es nunmehr gelungen, auch das Schlachtschiff„Bayern“ in der Bucht von Scapa Flow zu heben. Die„Bayern“ gehörte zu den Schiffen der in England internierten Flotte, die von den deutschen Besatzungen im Jahre 1919 versenkt worden war. Opiumschmuggler als Menschenräͤuber DNB Newyork, 5. September. Als der französische Dampfer„Champlain“ Anfang August in Newyork eintraf, warteten vier Opiumschmuggler in einem Kraftwagen auf zwei Päckchen Rauschgift. Nachdem sie von einem Mitglied der Schiffsbesatzung die Nachricht erhalten hatten, daß die Päckchen von einem Matrosen namens Rozen beim Reinigen des Schiffes aus ihrem Versteck entfernt worden waren, lockten sie Rozen durch eine falsche Nachricht in ihren Kraftwagen, fesselten ihn und hielten ihn seitdem zeitweise in Newyork und zeitweise in Philadelphia gefangen. Als Rozen ihnen erklärte, er habe geglaubt, die Päckchen enthielten Bomben und habe sie deshalb ins Meer geworfen, folterten sie ihn. Die Verbrecher hielten brennende Zigaretten an seine Augenlider und drohten ihn zu blenden. Um weiteren Qualen zu entgehen, erzählte Rozen schließlich, er habe die Päckchen für 45 Dollar verkauft. Hierauf versuchten die Schmuggler, von der in Frankreich lebenden Frau Rozen 40000 Franken zu erpressen. Frau Rozen benachrichtigte jedoch die Polizei, auf deren Ersuchen die amerikanische Bundespolizei am Dienstaa einen Mann namens Mancuso und dessen Frau verhaftete. Der Bundesanwalt erklärte, daß er auf Grund des sogenannten Menschenraubgesetzes die Todesstrafe gegen die Verhafteten beantragen werde. Handel und Wirtschaft. Berliner Börse. X Berlin, 6. September. Zu Beginn der Börse blieben die Umsätze an den Aktienmärkten auf ein Mindestmaß beschränkt. Da zunächst noch weitere Realisationsneigung bestand, zeigten die Anfangskurse gegenüber dem Vortagsschluß meist leichte Einbußen. Nachdem jedoch die vorliegenden Publikumsorders erledigt waren, waren schon in der ersten halben Stunde Rückkäufe zu beobachten. Abgesehen von dem Anreiz, der in dem ermäßigten Niveau gegeben ist, trug zu der wieder erwachenden Kauflust ein rein stimmungsmäßiger Impuls bei. Dieser ist nicht zuletzt ausgelöst worden durch die Darlegungen des Führers und Reichskanzlers in seiner gestrigen Proklamation zur Eröffnung des Parteitages, deren Zuversichtlichkeit und Bestimmtheit einen tiefen Eindruck auch auf die Börse gemacht haben. Nebenbei sind noch die täglichen Wirtschaftsmeldungen zu erwähnen, so eine Verlautbarung bei Ilse Berabau über einen befriedigenden Verlauf des Geschäfts im ersten Halbjahr 1934, eine Meldung über eine 100%ige Umsatzsteigerung bei dem Kölner Ford=Unternehmen sowie schließlich der Abschluß eines Handelsvertrages zwischen Deutschland und Chile. Mürkte. Dortmunder Pferdemarkt. Dortmund, 6. Sept Auftrieb: 571 Pferde und 34 Wagen aller Art. Der Handel war langsam. Es wurden bezahlt für: Kaltblüter: a) 750—900, b) 600—750, c) 400—600, d)—, e) 400—550; Warmblüter: a) 725—875, b) 550—700, c) 300—500; Kreuzungen: a) 600—750, b) 450—600, c) 300—400. Einzelne ausgesuchte Tiere wurden über Notiz bezahlt. Nächster Markt am 21. Sept. Viehmarkt in Dorsten. == Dorsten, 6. Sept. Auftrieb: Rindvieh 49, Schweine 887, Pferde 38. Es kosteten: Kühe a) 300—375, b) 250 bis 300, c) 180—250 Rm.; Rinder: a) 240—320, b) 180 bis 240, c) 100—180 Rm.; Schweine: 4—6 Wochen alt 4—6 Mk.. 6—8 Wochen alt 6—8 Mk., 8—10 Wochen alt 8—10 Mk., 10—12 Wochen alt 10—12 Mk.. ¼ bis ½ Jahr alt 12—35 Mk.: Ziegen 20—35 Mk.; Pferde: a) 350—400, b) 250—350, c) 180—250 Mk. Nächster Viehmarkt in Dorsten am 27. September 1934. Auftrieb von 7—9 Uhr. Hamburger Schlachtviehmarkt. Hamburg, 6. Sept. Auftrieb: 749 Kälber, 222 Bullen, 687 Kühe, 496 Färsen, 148 Fresser, 1458 Schafe. Es kosteten: Ochsen: al) 31—33, a2) 31—33, b) 27—31, c) 22—26, d) 14—18; Bullen: a) 28—30, b) 25—27, c) 20—24, d) 14—18; Kühe: a) 27—30, b) 23—26, c) 18 bis 22, d) 12—20; Färsen: a) 31—33, b) 27—31, c) 22—26, d) 14—18; Schafe: al)—, a2) 34—38, b1)—, b2)—, c) 30—33, d) 24—28, e) 30—32, f) 23—28, g) 5—10. Marktverlauf: Rinder mittel, gute Bullen und Kälber gefragt. Schafe mittel. Metalle. Berlin, 6. Sept. Elektrolytkupfer(Wirebars) 45,50 RM. für 100 kg netto cif Hamburg, Bremen oder Rotterdam. Aluminium 98=99 kg Bl. 160, Aluminium i. Walz. o. Dr. 164, Reinnickel 98=99 kg 270, Antimon=Regulus—, Silber in Barren 900 t 40—43. Berliner Getreidegroßmarkt vom 6. Sept. 1934. Weizen Märk, Weizen Durchschnittsqual. Futterweizen märkischer Sommerweizen märkischer Gewicht kg pro hl 76/77 80 für 1000 kg in Reichsmark„frei Berlin“ und„ab Station“ Frei Berlin heute 20 Vortag 200 Ab Station Durchschnittsqual. gesetzl. Erzeugerpreis Preisgebiet WV Preisgebiet W VI Preisgebiet W VII Preisgebiet W VIII Preisgebiet W IX Preisgebiet W XI Gesetzl. Mühleneinkaufspreis zuzügl. heute 192 194 196 RM Vortag 192 194 196 Roggen Märk. Roggen Durchschnittsqual. Gewicht kg pro hl 71/72 für 1000 kg in Reichsmark„frei Berlin“ und„ab Station“ Frei Berlin heute 160 Vortag 160 Durchschnittsqual. gesetzl Erzeugerpreis Preisgebiet V Preisgebiet VI Preisgebiet VII Ab Station Handelspreis Preisgebiet VIII Preisgebiet IX Preisgebiet XI heute 152 154 156 Gerste Braugerste, feinste neue Braugerste gute Sommergerste, mittl. Art u. Güte Wintergerste zweizeil Wintergerste vierzeilig Gesetzl. Mühleneinkaufspreis zuzügl. 4 RM. Vortag 152 154 156 Frei Berlin heute 204—214 191—201 179—190 174—179 Vortag 204—214 191—201 179—190 174—179 für 1000 kg in Reichsmarz„trei Berlin“ Ab märk. Station haute 195—205 182—192 170—181 165—170 Vortag 195—205 182—192 170—181 165—170 Kleie: und.ab märk Station“ in RM für 100 kg brutto einschl. Sack fr. Berlin ab Bahn und ab Mühle. Weizenkleie Preisgebiet V Preisgebiet VI Preisgebiet VII Preisgebiet VIII Preisgebiet IX Preisgebiet XI 10.85 10.95 11.00 11.05 11.15 11.25 Roggenkleie Preisgebiet V Preisgebiet VI Preisgebiet VII Preisgebiet VIII Preisgebiet IX Preisgebiet XI 9.30 9.40 9.45 9.50 9.65 9.75 Weizenmehl (Basis Type 790) PreisgebietV Preisgebiet VI Preisgebiet VII in RM f. 100 kg brutto einschl. Sack frei Berlin Bezirksstelle heute X der W. V 10% und Ausldsw. 26.35 Preisgebiet VIII 26.50 Preisgebiet IX 26.65 Preisgebiet XI 0.50 RM. Frachtausgleich. 1.50 und m. 20% 3.00 RM. Berlin heute 26.80 27.10 27.40 Aufgeld Roggenmehl (Basis Type 815) Preisgebiet V Preisgebiet VI Preisgebiet VII in RM f. 100 kg brutto einschl. Sack frei Berlin heute 21.40 21.50 21.65 Bezirksstelle X der W. V. Berlin Preise in RM. Oelsaaten per 1000 kg, die Notierungen von Viktoriaerbsen bis einschl. Kartoffelflocken freie Ware werden per 50 kg gehandelt. Raps...... Leinsaat... Viktoriaerbsen Kleine Speiseerbsen Futtererbsen Peluschken Ackerbohnen Wicken Lupinen, blaue.. Lupinen, gelbe.. Seradella, alte.. Seradella. neue Hale: Märkischer Hafer Durchschnittsqual Weizen-Exportscheine Weizen-Exportscheine Weizen-Exportscheine Roggen-Exportscheine Roggen-Exportscheine Roggen-Exportscheine gesetzl, Erzeugerpreis V 143 VII 147 X 150 XI 152 XIII 155 XIV 157 per Juli per Aug. per Sept. per Juli per Aug. per Sept. 127½ nom Bremen: Baumwohle loco Oktober Dezember Januar März Ma. Juli Tendenz: sehr stetig Liverpool: Baumwolle loco September Oktober November 34 Dezember 34 Januar 35 Februar 35 März 35 April 35 Tendenz: stetig bezahlt 14.70 15.05 15.19 15.37 15.48 15.56 5. 9. 6.86 6.85 6.85 6.83 6.2 6.79 6.79 6.80 6.80 6.80 Tagesimport Liverpool: Östindische Baumwolle 6. 9. 4900 5. 9. 7600 Loco Surtee F. G. „ Broach F. G.(Good Staple) „ M. G. Punjab/American F. G. „ Centr. Provinces Oomra Nr. 1 „ Bengal F. G. Bengal Superfine Sind F. G... Sind Superfine 6. 9. 6.23 5.37 5.59 5.47 3.44 3.64 3.54 3.74 5. 9. 6.15 5.29 5.51 5.39 3.36 3.56 3.46 3.66 Liverpool: Notierungen für Sakellaridis u. Upper F.G.F. Oktober November Dezember Januar März Mai Juli Loco Tendenz: stetig New Orleans: Loco Oktober Dezember Jasnar Loco September Oktober November Dezember anuar Februar Upper F.G.F. 7.32 7.36 7.42 7.42 7.47 7.52 7.52 7.45 Baumwolle März Mai Juli 6. 9. 13.41 13.48 13.55 Tendenz: stetig März April Mai Juni Juli August Tendenz: stetig 6. 9. 13.43—44 13.51—53 13.57—58 5. 9. 13.35—3 13.42 13.49 5. 9. 13.39 13.45 18.5 Die Nation gesund machen und gesund erhalten ist das Ziel der N. S. V.! Werdet Mitglieder! Am 15. Sentember für nur RM. eine 3täg.Wochenendfahrt an Duisburg, Krefeld, Düsseldorf nach Rüdesheim und zurück(ab Köln RM. 5.80) Musik und la Restauration an Bord. Huf Wunsch volle Verptlegung und Uebernachtung an 3 Tagen RM. 16.20. la Relerenzen. 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Bis 1896 gab er das von Schnell übernommene„Warendorfer Wochenblatt“ heraus. 1898 wurde dann das heutige Heimatblatt„Neuer Emsbote“ gegründet. Neben Herausgabe von Zeitschriften entwickelte Carl Leopold auch sonst reiche verlegerische Tätigkeit. Auch seiner Wahlheimat stellte der Verstorbene sich en und freudig mit Rat und Tat in den kirchlichen und dtischen Körperschaften zur Verfügung. Weit über Warendorfs Mauern hinaus erging sein Ruf als tüchtiger und geschätzter Verleger sowohl wie als umgänglicher und bei jedermann geachteten Menschen. Seine tiefe Gläubigkeit gab ihm Richt= und Grundsätze seines Schaffens und Lebens. Sein Andenken wird bei allen, die ihn kannten, 1Ehren bleiben. R. I. P. Neuordnung kaufmännischen Lehrvertrages. Die in der Vereinigung der Industrie= und Handelskammern des niederrheinisch=westfälischen Industriegebiets zusammengeschlossenen Kammern haben soeben eine für das kaufmännische Lehrlingswesen wichtige Arbeit beendet. Die von den Kammern herausgegebenen Lehrvertragsformulare der kaufmännischen Lehrlinge sind entsprechend den neuen Anschauungen über die große Aufgabe der Berufsausbildung umgearbeitet worden. Hierbei haben die Kammern enge Fühlung mit dem Treuhänder der Arbeit für Westfalen und verschiedenen Dienststellen der Deutschen Arbeitsfront und der Hitleriugend gehalten.— Es ist zu begrüßen, daß es durch die Arbeit der Industrieund Handelskammern möglich geworden ist, für das große niederrheinisch=westfälische Wirtschaftsgebiet ein einheitliches Lehrvertragsformular für kaufmännische Lehrlinge u schaffen. Im Bezirk der Kammer Münster sind die ormulare durch alle Papiergeschäfte zu beziehen. Die„zweite Fahrt" des Kanals nördlich A Münster, 6. September. Nördlich der Ueberführung des Dortmund—EmsKanals über die Ems, also unweit der sogenannten Schiffahrt und der alten bekannten Gastwirtschaft Janning, ist man jetzt eifrig mit den Vorarbeiten beschäftigt für die Schaffung einer„zweiten Fahrt“ nördlich von Münster, nachdem man bereits mit allem Eifer an der„zweiten Fahrt“ südlich von Münster arbeitet. Diese nördliche„zweite Fahrt“ soll von dem unweit der Schifffahrt gelegenen Anlegeplatz in der Bauerschaft Gelmer bis zur Ziegelei in der Nachbarbauerschaft Bockholt führen. Dadurch wird auch insofern eine Verkehrserleichterung erreicht, als zwei dort liegende Kurven abgeschnitten und dadurch wenigstens für den einen Teil der Fahrt vermieden werden. Nötig aber ist die Anlegung zweier neuer Brücken über den Kanal, und zwar das eine Mal für die Kunststraße Münster— Schiffahrt—Greven, die andere für die Straße Gelmer— Gimbte. Diese beiden Brücken werden, wie das ja neuerdings in solchen Fällen stets geschieht, auf dem Trockenen gebaut und dann nach ihrer Fertigstellung das Kanalbett hindurchgeleitet. Die Sandmassen, die für die erhöhten Zufahrtswege bezw. die durch die Brücken notwendigen Straßenverlegungen notwendig sind, werden durch Loren mit Dampflokomotiven aus dem benachbarten Dünengelände der Bockholter Berge geholt. Man rechnet damit, daß durch diese Kanalerbreiterung eine ganze Menge Arbeitsloser für drei Jahre Arbeit und Verdienst erhalten wird. ne Jubiläumsausstellung im Möbelhaus Heilborn. + Münster, 6. Spetember. à Anläßlich seines 60jährigen Geschäfts=Jubiläums veranstaltet das Möbelhaus Heilborn, Kuhstraße, in seinen mit vielen prächtigen Blumenspenden geschmückten Ausstellungsräumen am Alten Steinweg eine interessante Schau, die den Werdegang vom rohen Holz zum modernen Möbelstück in seiner fachgerechten und qualitätvollen Verarbeitung sehr instruktiv veranschaulicht. Die Ausstellung gewährt einen lehrreichen Einblick in die Geheimnisse der Möbelherstellung. Man sieht unter rohen und bearbeiteten Holzplatten Edelholzsourniere gebräuchlicher Art, die aus Stäbchen zusammengeleimten Blindholzplatten, die ein Ziehen und Reißen des fertigen Möbelstückes verhindern, ferner wie eine gedogene, aus eben diesem Blindholz hergestellte Tür mit Edelholz verkleidet ist. Daneben wird der Werdegang eines massiven Möbelfußes gezeigt, und man erfährt so, wie aus vielen sorgfältig durchdachten Arbeitsgängen ne schmucken Möbelstücke entstehen, die in prächtiger Ausbahl und vollendeter Form= und Farbenschönheit im Ausstellungsraum zum Kauf einladen. Grabmalkunst". Sonderausstellung im Wallfahrts= und Heimatmuseum Telgte. + Telgte, 5. September. Im Oktober veranstaltet das Wallfahrts= und Heinatmuseum Telgte eine zeitgemäße Sonderausstellung „ändliche Grabmalkunst“. Im Einvernehmen mit den ürchlichen Stellen und dem Kreise Münster=Land und in Zusammenarbeit mit der Steinbildhauerinnung für den Stadt= und Landkreis Münster und den Landkreis Watendorf. mit den münsterländischen Künstlern und KunstAndwerkern wird diese bedeutsame Kulturfrage mit dem diele aufgegriffen, gegen die zum Teil geradezu erhütternde Unkultur, die sich auf den Dorfseiedhofen des Münsterlandes breitgemacht hat, anzutumpfen und den Weg freizumachen für die Einfühtusg guter, bodenständiger Volkskunst. In der Sonderausstellung sollen vorbildliche GrabLentmäler in Stein, Holz, Eisen und Ton gezeigt werden. diese vorbildlichen Grabdenkmäler werden in dem stimmungsvollen Pastoratsgarten aufgestellt werden, der sich enmittelbar an das Wallfahrts= und Heimatmuseum anschrleßzt. Die Sonderausstellung verdient auch insofern ein attuelles wirtschaftliches Interesse, als bereits in nächster Zeit verschiedene Dorffriedhöfe im Landkreise Munster erweitert oder neugestaltet werden sollen. Sonderausstellung wird am Sonntag, den 7. Okeoe eröffnet. Platzmieten werden nicht erhoben. Es sommen nur solche Grabdenkmäler zur Ausstellung, die Jen einer Jury zugelassen werden. In dem Raume für „eserrliche christliche Kunst werden Zeichnungen, Photos, von einzelnen Grabdenkmälern und ganzen oriebhofsanlagen gezeigt werden. Anmeldungen und Anfragen an die Leitung des Wallfahrts= und Heimatmuseums Telgte. * □ Münster, 6. Sept. Einbruch in eine katholische Schule. In der Nacht zum Donnerstag drangen Diebe in die katholische Knaben=Mittelschule ein. Im Zimmer des Direktors erbrachen sie die Schubladen des Schreibtisches. Das von den Dieben dort vermutete einkassierte Schulgeld war aber anderwärts untergebracht, so daß die Diebe mit leeren Händen wieder abziehen mußten. — Münster, 6. Sept. Zinsermäßigung der Ländlichen Centralkasse Münster. Die Ländliche Centralkasse e. G. m. b. H. Münster hat die Zinssätze für Ueberziehungen und für Schulden in Höhe des Geschäftsguthabens für ihre Kreditgenossenschaften mit Wirkung vom 30. 6. 1934 um ½ Prozent ermäßigt.Eine Ermäßigung der Guthabenzinssätze ist nicht erfolgt. A Münster, 6. Sept. Die diesjährige ProvinzialGeflügelschau in Münster. Die große Provinzial=Geflügelschau, die seit einer Reihe von Jahren stets um die Mitte November in Hamm abgehalten wird, kann in diesem Jahre nicht stattfinden, da ein großer Teil der Ausstellungshallen infolge anderweitiger Verwendung nicht zur Verfügung steht. Dieses große Treffen aller westfälischer Geflügelzüchter wird daher diesmal in den Räumlichkeiten der Halle Münsterland in Münster anberaumt werden. + Münster, 6. Sept. Das Rücklicht war verdeckt Dienstag abend gegen 11 Uhr fuhr eine Bauernkutsche aus Richtung Telgte nach Münster. In der Nähe von Nobiskrug fuhr ein Motorradfahrer mit Beifahrerin von hinten auf den Wagen. Das Unglück wurde dadurch verursacht, daß der Rückstrahler des Wagens durch das herabhängende Verdeck nicht sichtbar war.. Die vordere Lampe war klein und konnte von hinten auch nicht gesehen werden. Die auf dem Soziussitz sitzende Dame flog auf die Straße und blieb mit ernsten Kopfverletzungen liegen. Der Fahrer wurde am Ohr nur leicht verletzt. A Münster, 6. Sept. Um ein Haar auf dem Fahrrad erschlagen. Als gestern ein elfjähriger Schüler mit seinem Fahrrade über die Burgstraße fuhr, kam an ihm ein Transportauto mit einem Anhänger vorbei, auf dem eine 30 Zentner schwere Maschine hinter einer niedrigen Bretterrampe stand. Als das Auto zwei anderen Radfahrern ausweichen mußte, geriet der Anhänger ins Schleudern, die Maschine stürzte vom Wagen und zertrümmerte dem Schüler das Hinterrad seines Fahrrades. Um Haaresbreite wäre der Junge von der schweren Maschine erschlagen worden. A Telgte, 6. Sept. Schlägerei auf der Kirmes. Auf dem Mariä=Geburtsmarkt in Telgte kam es zwischen zwei jungen Leuten wegen eines jungen Mädchens zu einer schweren Auseinandersetzung. Man glaubte, das Recht am besten durch eine gründliche Prügelei entscheiden zu können. Dabei erlitt allerdings einer der Liebeskandidaten schwere Verletzungen am Kopf und am Hals. Lebensgefahr besteht aber nicht. □ Ibbenbüren, 6. Sept. Herzschlag in der Badeanstalt. Am Mittwoch nachmittag ist in der Städtischen Badeanstalt der Arbeiter Eismann aus Laggenbeck beim Baden offenbar infolge eines Herzschlages errunken. Eismann stand im Alter von 28 Jahren, er war verheiratet und Vater von zwei Kindern. % Ahlen, 6. Sept. Früh übt sich... In der vergangenen Woche verübten eines Nachts drei jugendliche Burschen aus Ahlen einen wohlvorbereiteten Diebstahl in dem Verkaufsraum des hiesigen Kolonialwarengeschäftes Linnemann, Nordstraße. Die drei jungen Leute in fast noch schulpflichtigem Alter hatten den Diebstahl recht gut vorbereitet, indem sie sich mit einem Revolver, mit Glasschneidern, Dietrichen usw. bewaffnet hatten. Damit sie bei ihrer„Arbeit“ nicht gestört wurden, hatten sie auf der Straße Schmiere gestellt, um gegebenenfalls rechtzeitig benachrichtigt zu werden. Als die Jungen schon größere Mengen Schokolade, Zigarren und Zigaretten aus dem Laden geschafft und auf der Straße aufgestapelt hatten, wurden sie nach längerer Jagd von dem Ahlener Heimschutz gestellt, festgenommen und den zuständigen Stellen zugeführt. Die drei Burschen sehen der gerechten Bestrafung entgegen. A Grona, 6. Sept. 14 Meter weit vom Auto mitgeschleist. Unweit der an der Enscheder Straße gelegenen Gastwirtschaft Prein wurde der Musiker F. von einem aus Holland stammenden Personenkraftwagen erfaßt und überfahren. Der Mann wurde über eine Strecke von 14 Metern mitgeschleift und erlitt sehr schwere Verletzungen. Die benachrichtigte Polizei nahm den Kraftwagenführer fest und beschlagnahmte den Führerschein. )!( Haltern. 6. Sept. Tragischer Unglücksfall. Auf eine recht tragische Art und Weise kam am gestrigen Mittwoch der Halterner Bergknappe Johann Rüdiger, Lavesumer Straße wohnhaft, im Untertagebetrieb der Zeche General Blumenthal, Schacht 3/4, ums Leben. Der Bedauernswerte war zur Mittagsschicht eingefahren und hatte am Aufbruch zu tun. Dabei geriet er zwischen Wagen. Die Verletzungen bei dem gräßlichen Unfall waren derart schwer, daß Herr Rüdiger schon bald durch den Tod von seinen Schmerzen erlöst wurde. = Hervest=Dorsten, 6. Sept. Wer kennt den Eigentümer? Wie uns von der Polizeiverwaltung des Amtes Hervest=Dorsten mitgeteilt wird, hat ein Lastzug, dessen Führer sowie das Erkennungszeichen nicht bekannt sind, am 4. September gegen 21,30 Uhr auf der Straße Dorsten—„alrern, und zwar an der Eisenbahnunterführung der Bahnstrecke Hervest=Dorsten—Dorsten eine 3—4 Zentner schwere Kiste mit Spinnereierzeugnissen verloren. Der Führer des Lastzuges hat anscheinend von dem Herabfallen der Kiste nichts gemerkt, denn er ist ohne zu halten weitergefahren. Ueber den Eigentümer dieser Kiste, sowie aber auch über den Führer des Lastzuges ist hier nichts Näheres bekannt. Personen, die irgendwelche Angaben über den Eigentümer des verlorenen Gutes und weiter über den Lastzug machen können, werden dringend gebeten, sich unverzüglich bei der Polizeiverwaltung des Amtes HervestDorsten, Abteilung Polizeikommissariat in Holsterhausen zu melden. + Borken. 6. Sept. Der Sonnenblumenrekord bereits geschlagen. Wir meldeten gestern, daß in einem Bocholter Garten eine Sonnenblume die stattliche Höhe von 3,25 Metern erreicht habe. Heute erfahren wir aus Borken, daß die Bocholter Sonnenblumen gegen die Borkener geradezu unansehnlich sind. In einem Felde in Borken erreichen allein sieben Sonnenblumen die Höhe von 3.80 bis 3,83 Meter. Aber selbst diese Rekordüberbietung wird weit von einem neuen Rekord zurückgelassen, den eine Sonnenblume aufstellt, die es bis zum 4.29 Meter gebracht hat. Wer kann höher? A Borken, 5. Sept. Ein Blitz turnte am Haus entlang. Bei einem schweren Gewitter traf ein Blitzschlag ein Bauernhaus in Marbeck=Heiden. Er traf zunächst das Dach und zertrümmerte Dachlatten und=ziegeln. Hierauf sprang der Blitz auf die Dachrinne über, um dann zwischen Pliesterdecke und Fußboden entlang zu laufen. Auch hier wurde erheblicher Schaden angerichtet. Draußen am Hause wurde noch ein Bassin für Regenwasser auseinandergesprengt, und damit war die Turnerei des Blitzes zu Ende. Verletzt wurde niemand. Deutschlands Spitzenkönner im Kampf mit Europas Elite. Die Europameisterschaften in der Leichtathletik. Turin, 7. September. Die Leichtathletik, der Kernpunkt der Olympischen Spiele, ist auf dem Höhepunkt der Saison angelangt. Nach den Deutschen Kampfspielen und dem durch Pech für uns verloren gegangenen Länderkampf gegen Schweden stehen uns noch zwei Großereignisse bevor: Die Europameisterschaften vom 7. bis 9. Sept. in Turin und der einen Sonntag später in Berlin zum Austrag kommende Länderkampf gegen Finnland. Die Europameisterschaften finden zum ersten Male statt. Sie bezwecken das Können der europäischen Leichtathleten zu steigern, damit wir nicht ganz von Amerika überflügelt werden. Sie sollen ein geeignetes Mittel zur Förderung der Leichtathletik auf dem Kontinent sein. Nur durch Kämpfe wird der Einzelne groß. Nur durch schärfsten erbittertsten Kampf wird die europäische Leichtathletik für ihre großen Aufgaben bei den Olympischen Spielen des Jahres 1936 fähig erhalten. In Turin starten 341 Wettkämpfer aus 23 Ländern. In erster Linie geht es um den Einzelsieg. Interessant wird sein, zu erfahren, welcher Staat die beste Leichtathletik-Nation Europas ist. Die deutsche Mannschaft besteht aus 26 Spitzenkönnern, die alle unser Vertrauen tragen. Turin soll beweisen, daß Deutschland bei der Heerschau des olympischen Sports die Kerntruppen stellen wird. Unsere Aussichten. Die kurzen Strecken. In den Sprintstrecken haben Borchmeyer, Hornberger und Schein unser Vertrauen. Der Bochumer ist wohl die Hauptstütze und hat sich vor allem mit dem Ungarn Sir und Berger=Holland um den Sieg zu streiten. Kovacs=Ungarun, Hajduk=Tschechoslowakei und Di Blas=Italien sind mit den übrigen Deutschen in zweiter Linie zu nennen. Ueber 200 Meter sollten Borchmeyer, Sir und Berger ebenfalls eine dominierende Rolle spielen. Hier kann Schein als zweiter Deutscher in den Endlauf kommen, wo ihm ein guter Platz sicher ist. Diese Distanz wird ferner noch Hänni=Schweiz, Ossendaarp=Holland und Frangoudis=Griechenland sehr gut liegen. Ueber 400 Meter nimmt der Franzose Boisset infolge seiner Jahresbestzeit eine Favoritenstellung ein. Unsere Hoffnungen rühen hier ganz auf Metzner, der erst in Stockholm seine gute Kondition unter Beweis stellte. Der Schwede Wachenfeldt, Barsi=Ungarn und Carlini=Italien sind sonst noch als aussichtsreiche Bewerber anzusehen. In Bestform müßte aber Metzner in Front enden. Auf den Mittelstrecken. Im 800 m=Lauf hat unser Vertreter Dessecker eine äußerst schwierige Aufgabe. Favorit auf den Titel ware der hervorragende Schwede Ny, doch soll er dem Start fernbleiben, da er nach Amerika reist. So haben der Ungar Szabo und Lanzi=Italien neben Dessecker, der im Vorjahre auf der gleichen Bahn Studenten=Weltmeister wurde, gute Aussichten. Sehr schwere Konkurrenz hat auch Schaumbura über 1500 Meter. Es seien nur die Namen Beccali, der nur diesen Wettbewerb bestreitet, Cerati, Szabo, Matilainen und Dr. Paul Martin erwähnt. Der italienische Olympiasieger wird wohl nicht zu schlagen sein. Lediglich Szabo könnte ihm gefährlich werden; hat der Ungar doch in mehreren Konkurrenzen über die gleiche Distanz u. a. auch gegen Amerikaner, sehr gut zu gefallen gewußt. In den langen Strecken findet unser Meister Syring=Wittenberg die gleichen harten Voraussetzungen vor. In Stockholm lief er erstmalig in diesem Jahr unter 15 Minuten und ließ die besten Schweden hinter sich. Auch die Finnen Virtanen, Salminen und Askola werden von Syring bedrängt, ob es aber schon soweit reicht, ist doch fraglich. Aber da ist auch noch der Pole Kusoczynski, der sicher einerste Rolle mit spielen wird. Ferner werden noch die Franzosen Rochard und Rerolle, der Däne Henri Nielsen und der Norweger Braathe zu beachten sein. Dieselben Athleten bewerben sich auch um die 10 000 m=Meisterschaft mit den gleichen Aussichten. Gekrönt werden die Laufwettbewerbe vom klassischen Marathonlauf, der in Turin über die Strecke von 42,750 km führt. Durchlaufen werden zwei Dreiecke. Das eine in Länge von 16,100 km zweimal, ein weiteres von 8,350 km einmal. Zu Beginn werden drei Runden auf der Stadionbahn zurückgelegt. Mit den besten Aussichten geht der Deutsche Meister Heinrich Brauch trotz seiner 38 Jahre in den Kampf. Die Finnen Toivonen und Ekholm werden aber ebenfalls eine gute Rolle spielen, ferner die Italiener Fanelli und Genghini sowie Galambos=Ungarn und der Tscheche Bena. Wie sich der zweite Deutsche, Gerhardt, in dieser Umgebung zurechtfindet, bleibt abzuwarten. Die Staffeln. Daß unsere Siege in den Staffeln nicht so sicher sind, hat Stockholm bewiesen. Wir haben die notwendigen Lehren gezogen und besonders in der 4 mal 100 m=Staffel werden den Wechseln die größte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Geht alles glatt, sollten weder Ungarn noch Holland, die Tschechoslowakei oder Italien an das Können unserer Mannschaft heranreichen. Schwerer wird es schon über 4 mal 400 Meter. wo Frankreich, Finnland, Schweden und Italien sicher ein Wort in der Entscheidung mitsprechen werden. Siegt Sievert im Zehnkampf? Im Zeynkampf dürfte der Weltrekordmann Sievert seine letzte Leistung noch verbessern können. Ein gutes Abschneiden erwarten wir auch von Wolrad Eberle, der einen wertvollen Platz vor dem Schweden Dahlgren, dem Polen Plawczik und dem Norweger Natwik sicher haben sollte. Die Würfe. Sievert nimmt ferner noch am Diskuswerfen teil, wo aber Schwedens Weltrekordmann Harald Andersson genau so überlegen siegen müßte wie der Finne Matti Järvinen im Speerwerfen. Ist Gottfried Weimann gesundheitlich wieder ganz auf der Höhe, gehört uns lediglich einer der vorderen Plätze. Im Kugelstonen wird dagegen Wölke sich selbst übertreffen müssen, um mit dem Polen Heljasz, WildingEstland, Kuntsi=Finnland und Duhour=Frankreich mithalten können. Seeger kann im Hammerwerfen nur nach der angenehmen Seite überraschen und uns für die Länderwertung wertvolle Punkte sichern. Weinkötz muß 2 m springen. Bei guten Vorbedingungen wird der Sieg im Hochsprung kaum unter 2 m weggehen. Weinkötz trifft auf eine Reihe von Spezialisten, von denen diese Höhe bereits bezwungen wurde. Der riesige Finne Kotkas, sein Landsmann Peräsalo, Bodosi-Ungarn, Halversen=Norwegen werden ihm sehr zusetzen. Leichum und Long sind unsere doppelten Stützen im Weitsprung. Einer von den beiden verläßlichen Athleten sollte gegen KoltaiUngarn, Berg=Norwegen, Svensson=Schweden und PaulFrankreich siegreich bestehen. Im Stabhochsprung sind immer noch in Europa die Könner, die 4 m und darüber überspringen, sehr dünn gesät. Meister WegnerHalle wird in erster Linie den Finnen Lindroth, den Schweden Ljungberg und den Franzosen Vintousky zu fürchten haben. Unvertreten ist Deutschland im Dreisprung. Ueber die Hürden. Sehr stark ist unsere Vertretung in den Hürdenläufen. Ueber 110 m sind Erwin Wegner und Welscher mit Kovacs, Caldana=Italien, Sjöstedt=Finnland u. a. in die erste Anwärter=Reihe zu setzen. Sehr gute Aussichten eröffnen sich dem Deutschen Meister Scheele=Altona über 400 m. Gegen Achilles Järvinen, Mandicas=Griechenland, Facelli=Italien und AlbrechtsenNorwegen sollte er aber doch einen immerhin schwierigen Stand haben. Keine Neugründung von Geldinstituten sowie Errichtung von Zweigstellen. X Berlin, 6. September. Angesichts der Uebersetzung im Kreditgewerbe, die zu schweren Unzuträglichkeiten für die deutsche Wirtschaft geführt hat, hat es sich als erforderlich erwiesen, Neugründungen im Bankgewerbe zu begrenzen. Zu diesem Zweck ist eine Verordnung erlassen worden, die die Neugründung von Geldinstituten sowie die Errichtung von Zweigstellen allgemein untersagt. Die Sperre ist zeitlich begrenzt; sie soll mit einer allgemeinen Regelung des Zulassungsverfahrens im Bankgewerbe, spätestens aber am 31. Dezember 1936, enden. Ausnahmen von der Gründungssperre können in dringenden Fällen vom Reichswirtschaftsminister und, wenn es sich um landwirtschaftliche Kreditgenossenschaften handelt, vom Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft bewilligt werden. 5. Klasse 43. Preußisch=Süddeutsche (269. Preuß.) Staats=Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 25. Ziehungstag 5. September 1934 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 10000 M. 317277 6 Gewinne zu 5000 M. 290759 308710 335557 8 Gewinne zu 3000 M. 53826 182031 271564 289390 6 Gewinne zu 2000 M. 265372 271403 273705 34 Gewinne zu 1000 M. 3717 45544 63356 78899 99017 100069 122613 129808 137804 166617 183226 197359 205059 220739 269527 363143 394702 76 Gewinne zu 500 M. 25152 25985 55099 67697 81472 88586 94538 100538 113469 146497 169679 208399 209503 216888 218950 220076 225013 225959 236251 243219 249442 252877 253851 261887 271076 290619 300082 304205 304247 305510 322659 333170 342122 346920 354176 356712 370554 380741 426 Gewinne zu 300 M. 846 5725 6605 6722 10167 10417 10572 10682 11470 14011 14163 14915 23691 25965 26497 35702 38001 38164 38339 38393 39432 39545 39629 40272 41317 41528 41667 44498 56933 59337 60095 60304 60574 62624 62851 64293 64515 64756 64832 66089 66496 68034 68221 69277 71418 72928 73170 73527 75372 75492 80366 81221 81925 83810 85079 85495 86583 90254 91163 96367 97499 99303 101512 102872 103209 105497 107931 108744 110406 111792 113154 114513 115294 115758 122084 122311 126090 131105 131552 134666 135676 138470 141577 146152 147863 148115 151507 151911 156147 159330 160454 161375 161414 162978 163333 167449 169523 170170 175367 175568 180615 184382 184586 186868 188325 198300 200075 200435 202924 203280 208721 210332 212543 217151 217524 219055 220634 221608 221983 223286 223594 230012 230126 233484 233779 234438 234762 235650 236648 236959 243783 250455 252293 255105 257821 258524 259531 261641 263260 265547 266898 269920 270022 270581 271638 273084 274860 282607 282964 283338 283797 285217 285960 288642 288674 289302 293524 294106 296513 300666 302697 302924 303250 304071 305029 305522 306348 307204 307360 314141 314574 320913 321166 322637 324426 326836 326868 328907 330150 330511 331835 331906 340190 341706 342930 344846 347999 348522 359038 359566 361301 362481 363814 364656 367079 371516 371786 372934 373440 374046 377780 378506 379461 379774 381350 381417 387185 390710 393109 395254 396421 396656 398448 30198 134494 138932 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 20000 M. 182581 12 Gewinne zu 5000 M. 180198 257644 397176 4 Gewinne zu 8000 M. 22 Gewinne zu 2000 M. 168287 230156 272242 837453 382509 30 Gewinne zu 1000 M. 123269 147284 188065 264144 275607 317887 74 Gewinne zu 500 M. 33716 47927 392463 64494 305509 333317 166998 334567 40467 41070 70064 230286 239254 250134 352315 364908 380209 3594 8523 9283 22591 27730 49694 66849 90690 92947 95250 106784 111116 112210 122779 145748 149932 160870 218163 232866 234975 299251 304621 322547 354790 394095 292 Gewinne zu 300 M. 125199 165444 130841 171162 238184 267616 326596 331402 133500 192246 279992 335092 4740 6269 7887 9371 10807 12367 13267 21257 22252 26197 26448 27198 28035 32414 32441 33203 34283 36355 38867 46539 52890 56235 56770 56964 58867 62178 65792 69208 70936 73088 75622 76337 79306 81252 82598 85255 96056 101179 101434 105230 117217 119049 119840 123178 127502 127627 128428 141898 152603 152737 155315 166804 166983 172950 194306 195894 199483 202683 208236 210277 230080 231700 232717 244063 246705 247119 251628 252154 253116 265594 273431 277099 284383 290303 291866 143774 161301 175650 200564 215872 147202 163913 182025 201646 220526 235079 235161 247892 250177 253658 279023 294204 300043 300993 307670 308011 314374 316084 317197 324297 325982 328409 336118 339507 346402 348553 350723 351542 357921 358658 360196 364752 371482 371676 376517 393685 394884 396115 396531 257113 281139 298952 310241 325183 341791 360415 360738 383415 396872 152304 165341 188187 201850 223893 235378 251319 261259 281746 299708 312312 325701 345350 354703 361828 392089 20 Tagesprämien. Auf jede gezogene Nummer sind zwei Prämien zu je 1000 RM gefallen, und zwar je eine auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II: 40873 80701 109265 124048 197007 242817 269477 857691 380129 395052 Im Gewinnrade verblieben: 100 Tagesprämien zu 1000 M. ferner 2 Gewinne zu 1000000, 2 zu 800000, 6 zu 10000, 22 zu 5000, 54 zu 8000, 132 zu 2000, 260 zu 1000, 652 zu 500, 2578 zu Muttertragódie Von Jon Freeman Wenn ich mein Tagebuch aufschlage, so finde ich unter einem bestimmten Datum die Eintragung: Aden, Dampfer„Lützow“—— Ethel Wright. Das ist alles aber für mich wecken diese wenigen Worte die Erinnerung an einen tragischen Vorgang. Wir waren am 2. August von Genua abgefahren und hatten nach der Durchfahrt des glutvollen Roten Meeres nicht weit von der Felsenküste bei Aden Anker geworfen. Es gibt kein zweites so kahles, trostloses, ödes, lähmend heißes Stück Erde wie dieser Winkel am Ausgang zum Indischen Ozean. In Aden regnet es jahrelang nicht. Die Wasserreservoire dieses Felsennestes sind riesige, in die Felsen eingebaute Basins, welche schon da waren, als Christus in Palästina wandelte. Auf dem Markt von Aden sieht man tausende von Kamelen, welche hier von arabischen Händlern und Wüstenwanderern aufgekauft werden. Ein Europäer hält es in Aden nie länger als drei Jahre aus, dann ist er entweder reif fürs Sanatorium oder für die Auszahlung einer Altersversicherung. Die Glut Indiens, das doch erheblich näher dem Aequator liegt, ist durchaus erträglich, verglichen mit der drückenden Atmosphäre dieses an Dantes Hölle gemahnenden Ortes. Während der verflossenen zehn Tage, die wir etwa achtzig Passagiere zusammen verbracht hatten, waren wir einander sehr vertraut geworden. Da war ein deutscher Ingenieur, der nach Sumatra auf eine Tabakplantage fuhr, ein gedrungenes, beleibtes Kerlchen mit einem Spitzbart, dann eine Halbinderin, ein Mischblut, ferner ein dürrer englischer Kaufmann, und viele andere. Und dann war da eine etwa fünfundzwanzig Jahre alte, hübsche Irländerin an Bord, eine Dame mit schwarzem, leichtgelocktem Haar und wundervollen blauen Augen— Ethel Wright. Sie hatte ihr einziges Kind bei sich, ein Mädchen von vier Jahren, ein Blondkopf, so kindlich schön und lebhaft, daß es keinen unter den Mitreisenden gab, der Gwendoline nicht liebgewonnen hätte. Es war ein ausgelassener kleiner Kobold, der bald den einen während des Schachspiels an den Haaren zog, bald dem andern, wenn er die glitzernde Meeresfläche versonnen betrachtete, unversehens ins Bein zwickte. So kamen wir nach Aden. Als die Anker rasselnd hinabsanken, kletterten die braunen Gesellen über die Schiffswand. Auf leichtgebauten Booten waren sie herangekommen, um ihre Seltsamkeiten feil zu bieten. Neben den hohen, hageren Gestalten der Araber im Burnus betraten halbnackte schwarze Afrikaner von der gegenüberliegenden Küste, von der Meeresenge von Bab el Mandeb, den Dampfer, Somalis, die ihre Bärte, auch das zottige Haar mit beizenden Extrakten fuchsrot gefärbt hatten. Und was boten diese Burschen feil? Antilopenhörner, Straußenfedern, Fächer, Edelsteine, riesige Haifischrachen, kurz die Produkte eines eigentümlichen Landes. Es hätte viel Ueberwindung gekostet, nicht zu kaufen! Dinge, die für zehn Rupien angeboten wurden, erhielt man nach kurzem Handeln für die Hälfte. Es war ein buntes Bild, das sich hier unter dem schützenden Sonnensegel abspielte, während das smaragdgrüne Meer in der Sonne glitzerte und die brauenen Felsen des nahen Aden grausam heiß und öde gen Himmel starrten. Es gab keinen, der nicht in Anspruch genommen worden wäre. Ich kaufte einen Haifischrachen von furchterregenden Dimensionen und bewehrt mit acht dicht hintereinander liegenden, nach innen gerichteten Zahnreihen. Auch die junge, hübsche Ethel Wright kaufte, hingerissen von den verschiedenen buntfarbigen Tüchern und Decken aus Seide und aus feinstem Gewebe, Kaschmirschals und mohammedanische Gebetsteppiche. Und so kam es, daß sie ihr Kind einige Minuten außer Acht ließ. Was konnte der Kleinen hier auch geschehen? Alles war an Deck, Gwendoline war sicher. Doch dann sah Ethel Wright ihr Kind nicht. Eine leichte Unruhe erfaßte sie. Sie eilte ein Stück das weite Deck entlang, fragt einen Daherkommenden, ob er vielleicht...„Nichts von der Kleinen gesehen?“ Sie riefGwendoline antwortete nicht. Die arme Mutter jagte über das Oberdeck des Passagierdampfers. Der eine und andere hatte das Kind vor zehn Minuten gesehen, glaubte wenigstens, es bestimmt gesehen zu haben Ethel Wright riß unter Deck alle Türen auf, schob alle Vorhänge von Kabinentüren zur Seite. Sie suchte nicht mehr allein. Passagiere und Schiffsoffiziere beteiligten sich an der Suche. Einer der Passagiere, der fieberkrank in seinem Bett in einer Kabine des Achterdecks lag, sagte, daß er ein Etwas, daß so gut wie sicher das Kind gewesen sein müsse, an seinem Bullauge vorüber ins Meer stürzen sah. Ja,— es war sogar bestimmt ein Kind gewesen. Ins Meer! Um des Himmels Willen! In dieses Meer, darin wir alle in dem durchsichtig klaren Wasser Haifische erblickten von einer Größe, wie ich sie später nur noch im Golf von Mexiko wiedersah. Die Mutter, die blauen, von Grauen erfüllten Augen aufreißend, stieß einen furchtbaren Schrei aus. Mitleidige Mitreisende faßten sie sanft an den Armen und brachten sie fort aus der drückenden Atmosphäre, die unter Deck das Atmen fast unmöglich machte. Sie brachten die gequälte Mutter herauf.„Laßt mich los“, rief sie,„mein Kind kann nicht tot sein, ich werde es finden!“ Man ließ sie. Ehe sich's einer versah, sprang Ethel Wright über Bord... Alles schrie und eilte nach Haken, nach den Booten, dort oben in den Davids. Aber im Nu muß sie unter Wasser gezogen worden und von den Haifischen zerrissen worden sein. Dort, wo sie hinabgesprungen war, bildete sich ein roter großer Fleck. Gleich darauf fand sich das Kind. Es war in das zweite Unterdeck hinabgestiegen, hatte die offenstehende Wäschekammer betreten und war dort eine kurze Weile geblieben.„Mutti!“ rief die Kleine, die Treppe heraufsteigend,„Mutti, wo bist du!“— SELIGE INSEL VON ANTON SCHNACK Die Insel Lopud=Mezzo ist eine von den vielen, die als Bruchstücke eines geborstenen Gebirgszuges, gleichlaufend der dalmatinischen Steilküste von der fiumesischen Bucht an bis in die Bocche di Cattaro ausgestreut sind. Zwischen den Inseln und den Wänden der Küste ist das Meer wie in einen Kanal eingebrochen. Nur das Hochplateau ist mit seinen Spitzen als eine milde und zugleich steinige Inselwelt geblieben. In Gestalt eines Vierecks, die tiefste Einbuchtung an der Nordseite,— Rada di Mezzo genannt— schimmert die Insel, wie ein grünliches Pflanzenschiff aus dem glänzenden Azurspiegel des Meeres. Eine lange Häuserzeile am Hafen entlang, dazwischen Ruinen von Gebäuden, die einmal zur Zeit der Ragusäischen Republick oder der venezianischen Herrschaft Paläste waren. Unbedacht, türlos, ohne Scheibe und Geflecht an den Fenstern heben sie steinerne Augen mit einer verächtlichen Grausamkeit, hinter denen das fahle Grün der Olivenbäume reglos schäumt. Hier hat ein Geschlecht gewohnt, das sein Leben dem Meere gab. Es nahm die Gebeine mit unerbittlichem Munde. X Die Insel, von Ragusa mit einem Inseldampfer leicht zu erreichen, gehört zur Gruppe der Elaphiten; Inseln im Altertum wegen ihres Hirschreichtums berühmt und aufgesucht. Es ist ein mühseliges Klettern den Berg hinauf, winklige Gassen führen uns; über die Mauern, funkelnd von grüngoldenen Eidechsen, glühen fruchtüberschüttete Orangenbäume goldenen Schein. Süß ist sie nicht, die Orange dieser Insel. Der Baum wird nicht sonderlich gepflegt, er ist wild in seinen Säften, aber die Früchte werden schwer und groß wie Fäuste. Frauen und Kinder bringen die Fruchtzweige dem Fremden an das Schiff, der vor der strahlenden Frucht des Südens kapituliert. Zwei schroffe, sich übersteigende Kegel, die es zweihundert Meter hoch über das Meer emporgetrieben hat, geben der ganzen Insel etwas Spähendes. Und um das Spähende noch zu erhöhen, brüstet sich das Geviert einer Befestigung mit breiter Mauer, starr, grau und unerbittlich in einen Himmel, der von blauen Farben ewig ist.. Die Insel hat ein friedlicher Gott, einer der triefenden Götter der Adria gegründet und dem Irdischen entrückt. Die Bergseite ist ein Gärtengeschiebe übereinander: Oelbäume, Weinterrassen, Zitronenwipfel mit birnengroßen Früchten, blutfarbige Granatapfelblüten, Orangen und Johannisbrotbäume, gekrümte Schlangenleiber von weißgestreiften Agaven. Das sprüngige und fahle Felsgestein ist kaum mehr sichtbar. Wer hier wohnt? Bauersleute, die Oel und Wein, wenn auch in mäßigem Umfang bauen und ernten. Fischer, denen das Meer eine unerschöpfliche Fundgrube ist. Ein paar Händler und Handwerker, ein paar Krämer, denen der Fremde willkommen ist. Wenn diese nicht da sind, legen sie die Hände in den Schoß und schauen aufs Meer. Das Meer ist ihre milde und unbeständige Geliebte. * Ein herrlicher Ueberrest aus republikanischer Glanzund Prachtzeit sind die Gärten des Grafen Maniera, der mit schmalem, feinem Künstlerkopf vor der Türe seines Herrenhauses sitzt, ein milder Nichtstuer, ein elegischer Genießer, ein Weiser, dem die Vogelflügel der rotbraunen Segel auf dem Meere Gedichte sind. Eine breite Treppe, die zwei steinerne venezianische Löwen bedrohen, führt in die riesenhafte und tropenverwandte Blätterwelt der Bäume und Gesträuche. Ein stimmenloses Halbdunkel weht wie Dämmerung heran. Es wäre nicht sondernbar, wenn ein Fest begänne und auf den hohen, dünnen Steinsäulen mit den Oesen für Fackeln und harzige Kienspäne Lichter und Flamme auflodern würden. Die Zeiten sind vorbei, wo an der Treppe das Schiff der edlen und kühnen venezianischen und ragusäischen Stadtgeschlechter und die Wege des Gartens mit Gelächter, Gesang, Freudenrufen und Geflüster erfüllte... Ueber die Mauern zischt riesengroßes Bambusröhricht. Der Wind, der ein wenig das Meer kräuselt, fährt mit zarter Hand hinein. Ein Geräusch entsteht; wir erwarten es, das Inselabenteuer, das seltsame und zugleich selbstverständliche. Wir erwarten den wassergrünen, Leib einer Nymphe oder eines Tritonen herausschimmern zu sehen. Es ist nichts. Fahl wie frühe Nacht liegt der Weg unter den Riesenkuppeln der Pinien. Auf dem Meer aber blitzt noch der hohe, blaue Nachmittag. Bald werden wir wieder auf dem Meere sein. Nie mehr werden wir die Insel betreten. Das Letzte, „Haben Sie eine starke Familie?“ „Das will ich meinen. Wenn wir zusammenhalten, verhauen wir das ganze Dorf.“ was wir vom Schiffe aus noch sehen, ist die Felsmasse, worauf die kleine weiße Kirche„Zu unserer lieben Frau von Biscia“ steht. Die Inselbäuerinnen hatten vor alle Statuen riesengroße Sträuße aus Nelken gestellt. Die ganze Kirche war süßer Geruch. Besinnliche Stimmung. Von Olly Boeheim. Ich sitze in einem Kaffee und sehe, wie das Publikum vorbeiflutet: Fremde, Bummler, rassige Sportmädels und elegante Frauen wandeln unter dem lichtgelben Himmelsteppich der alten Bäume dahin. Meine kleine Nische ist in eine Ecke eingebaut, ein unfreundlicher Wind läßt die Decken der leeren Tische im Vorgärtchen aufflattern, als ob sie frören. Dahinter steht eine Säule. Diese Säule scheint etwas Wunderbares zu verbergen. Keiner kann daran vorübergehen. Die Frau im eleganten Komplet bleibt stehen und betrachtet andächtig diesen Anziehungspunkt, dann überglänzt ein Lächeln ihr junges hübsches Gesicht, und sie schreitet mit einem Abglanz von Freude weiter. Jetzt bleiben zwei Sportmädels stehen, fassen sich an, lachen, wispern; die Blonde zieht die Tolle tiefer in das lustige Gesicht und beide erröten in plötzlicher Freude. MIIIINISINIMIINIIIIIIIINININIIIMINIINIIMIIIIIII Welchen unermeßlichen Segen Itiftete das Hilfswerk„Mutter und Kind“ der NSV. Volksgenosse arbeite hieran mit und werde Mitglied! Was für ein Zauberkasten mag hinter der Säule ausgehängt sein? Vielleicht eine alte ägyptische Gottheit, die die Menschheit seit Jahrtausenden mit ihrem wissenden Lächeln überglänzt? Oder ein Bild? Dann müßte der Maler einen Preis bekommen, der so viele Menschengesichter anzieht und aufleuchten läßt! Am Ende ein Modellkleid? Unmöglich, denn ein alter Vollbartherr bleibt ebenfalls vor dem Kasten hinter der Säule stehen. Lange blickt er hinein, nickt und geht befriedigt weiter. Keiner kann vorübergehen, ohne von dem magischen Kasten angezogen zu werden. Zwei dicke Damen schaukeln vorbei, sie sind schon halb vorüber, da reißt die eine die andere zurück, und beide Vollmondgesichter betrachten aufstrahlend den Kasten. Neugierde zwingt mich aufzustehen, hinauszugehen und das Rätsel zu lösen. Aber ich bezwinge mich, ich muß er erraten. Jetzt versinkt ein Liebespaar in den Anblick des Kästchens; sie errötet bis in die zarte Mädchenstirne— er scheint im Gefühl seiner Unwiderstehlichkeit zu wachsen, streicht den blonden Schopf zurück und lächelt wie drei Filmstars zusammen. Nein— ich kann nicht erraten. was das Wunderkästchen birgt. Ich zahle hastig und stürze um die Ecke, wo das Kästchen hängt. Aber das ist doch nicht denkbar— nichts ist darin— nichts als eine alltägliche grüne Blumenvase— aber hinter diesem billigen Dutzendobjekt schimmert, ewiges Geheimnis, ein großer Spiegel. Heitere Welt. „Ja, allerdings!“ „Und was tatest Du darauf?“ „Ich schluckte die Beleidigung hinunter!“ Auf dem Lande. „Siehst Du, Kurtchen,“ erklärt der Onkel seinem kleinen Neffen aus der Stadt,„dies hier ist ein Schwein!“ „Warum denn Onkel? Was hat es denn gemacht?“ * Der Neffe. „Ich habe gehört, Ihr Onkel ist so krank, daß Sie auf alles vorbereitet sein müssen?“ „Nein.. nicht auf alles.. ich erbe bloß die Hälfte!“ Trübe Aussichten. „Du vergißt hoffentlich nicht, daß Du mir zehn Mark schuldig bist!“ „Bewahre, lieber Paul— so etwas behalte ich, solange ich lebe!“ * Er:„Als junger Mann war ich mit im Kriege gegen die Zulukaffern!“ Sie:„So, auf welcher Seite haben Sie denn gekämpft?" Der Bockistlo Auf der Hauptstraße einer Großstadt bewegen sich im allgemeinen nur Fußgänger, Automobile und einige Schupos. Eines Tages aber wurde das Verkehrsbild der Hauptstraße unserer Großstadt um eine recht merkwürdige Nuance bereichert. Plötzlich stand nämlich mitten auf dem asphaltierten Fahrdamm eine bärtige, ausgewachsene, gehörnte Ziege. Zuerst wurde das seltsame Wesen von Fräulein Elfriede Gladdschke entdeckt. Fräulein Elfriede Gladdschke, Lehrmädchen in einem Schuhverkaufssalon, beabsichtigte gerade, einen Karton mit Damenschuhen in die Kundschaft zu bringen. Das Lehrfräulein ließ vor Schreck den Pappkarton fallen, wandte sich mit großen, schreckensweiten Augen an einen nahestehenden Schupo und tremolierte:„Herr Wachtmeister— Herr Wachtmeister— was ist denn das da?“ Der Herr Wachtmeister drehte sich um, betrachtete zuerst das niedliche Fräulein Elfriede aus dem Schuhverkaufssalon, dann aber wurde er amtlich und betrachtete das merkwürdige vierbeinige Geschöpf mit dem Zottelbart und dem Gehörn. Nachdem der Herr Wachtmeister sich ein wenig von seiner Verwunderung erholt hatte, sagte er mit staunenswerter Sicherheit und Kaltblütigkeit:„Fräulein— das ist eine Ziege!“ Wahrscheinlich wäre nun der Herr Wachtmeister, eingedenk der Verkehrsvorschrift, energisch gegen die vollkommen unvorschriftsmäßig auf dem Fahrdamm verharrende Ziege vorgegangen. Er hätte ihr bestimmt einen strengen Verweis erteilt oder er hätte sie vielleicht sogar verhaftet. Aber die Ziege ließ ihm keine Zeit für irgendwelche Maßnahmen. Plötzlich kam nämlich eine Kette von Automobilen angesaust—— das Hörnertier fühlte sich umzingelt und belästigt, schlug einen fabelhaften Galopp an und stürzte sich mit wehendem Bart auf das arme Fräulein Elfriede Gladdschke. Das bedauernswerte Schuhfräulein sah die furchtbaren Hörner und die gräßlich funkelnden Augen, stieß einen schrillen Schrei aus und bearbeitete den wilden Angreifer mit der einzigsten Waffe, die es bei sich trug, nämlich mit seinem Schuhkarton. Diese Ziege, die sich Gott weiß irgendwo und Gott weiß aus welchen Gründen von ihrem heimischen Pflock losgerissen haben mochte— diese Ziege war ihr lebenlang noch nie mit einem Pappkarton zwischen die Hörner und auf die Nase geschlagen worden. Wen wundert es, daß das Tier die Behandlung von seiten eines Lehrfräuleins als recht U Von Raspar Ritt unfein und unpassend empfand? Die Ziege wurde kurz gesagt äußerst wild, und wenn in diesem Augenblick der Herr Wachtmeister nicht hinter einem Automobil hervorgekommen wäre——? Aber der Herr Wachtmeister stürzte als Retter herbei. Leider erwischte er die vor Zorn schäumende Ziege beim Schwanzende. Auch diese Behandlung, von einem Wachtmeister hinterrücks gezerrt und gezogen zu werden, schien dem bärtigen Vierbein eine unerhörte Beleidigung der Ziegenehre zu sein. Meister Bart ließ das Lehrfräulein Elfriede mit ihrem zerlöcherten Pappkarton stehen, befreite mit einem wilden Ruck das Schwanzende aus den Händen des Ritters ohne Furcht und Tadel, griff den Wackeren mit phosphorgelbfunkelnden Augen und gesenktem Gehörn an, versetzte dem Standhaften einen Stoß vor das Dienstkoppel und entkam auf das freie Feld, nein, auf den freien Asphalt. Eine halbe Minute später war die sonst so vornehme Hauptstraße unserer guten Stadt keine vornehme Hauptstraße mehr, sondern der Schauplatz einer wilden Jagd. Die Ziege, durch all den erlittenen Unbill und durch all die ihr zugefügten Beleidigungen und Rücksichtslosigkeiten bis in die tiefste Tiefe ihres Ziegengemütes aufgewühlt und erregt, stürmte dahin, furchtbar anzusehen. Sie streifte eine ältere Dame, die mit einer Handtasche voll Spinatgemüse friedlich daherzog. Die bedauernswerte Dame schrie:„Der Deuwel kommt—“ und ließ ihre Gemüsetasche fallen, die sich unglücklicherweise um ein Horn des schrecklichen Tieres legte. So also raste die Ziege, mit einer Markttasche voll Spinat am Gehörn, ihren entsetzenerregenden Weg. Sechs Automobile, elf Radfahrer, fünfzehn Jungen zwischen sieben und dreizehn auf Rollern, drei Schupos, vier Beamte von der Wach= und Schließgesellschaft und eine unzählige Menge von einfachen Fußgängern folgten dem Untier, willens, es tot odeer lebendig zur Strecke zu bringen. Als letzte, ganz hinten im Strom der Menschen und Fahrzeuge, marschierte das Lehrfräulein Elfriede Gladdschke— in jeder Hand einen Damenschuh. Die rasende Bestie hatte schon beinahe das westliche Ende unserer Hauptstraße erreicht, als dort einige mutige Männer die Situation klar erkannten und demnach handelten. Sie bildeten, händefassend, eine undurchdringliche Kette über die Straße. Aber auch unsere Ziege war nicht auf den Kopf gefallen, wie man so sagt. Auch sie erkannte die Situation und handelte demnach. Sie schlug kurz vor der gefahrdrohenden Sperrkette einen scharfen Haken nach links und betrat eiligst das bekannte Kaufhaus von Gebr. Weißbier, Krämer u. Co. Der Herr Portier von Gebr. Weißbier, Krämer u. Co. legte flammenden, aber nutzlosen Protest ein. Die Ziege boxte ihn gegen den untersten Knopf seiner Galauniform und wandte sich zuerst der Abteilung Herrensocken zu. Der sehr mutige Abteilungsleiter von Herrensocken ergriff ein Werbeschild mit der Aufschrift:„Prima Macco“ und stellte sich schildbewehrt dem Höllentier entgegen. Ein Anlauf— ein Stoß— ein Ruck— und das schöne Werbeplakat:„Prima Macco“ glänzte auf dem noch freien Ziegenhorn. Das andere Horn war, wie bekannt, mit einer Markttasche voll Spinat versehen. Mit Siegesbeute reich behängt, stattete der vierbeinige Gast nunmehr den Abteilungen Damenwäsche, Herrenhüte, Kinderwäsche, Gardinen und Stores, Erstlingsausstattung, Teppiche und Läufer und endlich der Abteilung Taschentücher und Unterjacken seinen Besuch ab. Die Alarmglocken schrillten. Die Hausfeuerwehr rollte die Gummischläuche los. Herr Weißbier in Firma Gebr. Weißbier, Krämer u. Co. stand mit gezücktem Revolver auf einer Treppenleiter. Die blutdürstige Ziege rannte die Treppenleiter um, Herr Weißbier in Firma Gebr. Weißbier, Krämer u. Co. flog mit bewundernswertem Schwung in einen Restposten prima doppelt genähter Herrenunterziehjacken. Als aber nun die Angestellten Herr Meier eins und zwei, ferner Herr Schulze und Herr Schultze und Herr Angestellter Emil Lötstachel ihren verehrten Chef derartig angegriffen und beleidigt sahen, erwachte jäh in ihren verschiedenen Herzen eine unsägliche Wut, ein namenloser Grimm. Die genannten Herren stürzten sich wie ein Mann auf das unselige Raubtier— der schäumende Ziegenbock aub entwischte und sprang mit einem Satz in den just stillstehenden Personenaufzug, in welchem nur die Aufzugsfahrtleiterin Fräulein Lissi Schmalz weilte. Fräulein Lissi erschrak zu Tode— sie wollte dem frechen Eindringling die Personenaufzugstür vor der bärtigen Nase zu schlagen—— aber zu spät. Der streitbare Ziegenheld war schon drinnen. Und nun tat Fräulein Lissi in ihrer Verwirrung das Verkehrteste, so sie tun konnte. Sie drückte auf den Knopf und fuhr mit dem Gast aus der Hölle auf und ab. Immer vom Parterre bis zum Dachgeschoß. Vom Dachgeschoß bis zum Parterre. Dies war ein gräßliches Schauspiel für die ganze Firma Gebr. Weißbier, Krämer und Co., wie auch für die anwesenden Kunden und Schlachtenbummler. Man stelle sich vor: Ein weißes, blühendes, zartes, rührend schönes, hilfloses Mädchenantlitz, auf jeder Wange eine dicke Träne. Daneben die häßliche, wildbärtige Fratze eines gänzlich unbekannten Ziegentieres. Endlich— nachdem die bedauernswerte Lissi Schmalz schätzungsweise dreiundzwanzigmal den Ziegenbock vom Parterre bis zum Dachboden und wieder zurück gekahnt hatte— endlich kehrte dem armen Weib die Besinnung wieder. Unten angelangt, brachte es den Fahrstuhl zum Halten, stieß ihre Gefängnistür auf und stürzte in die Freiheit. Hinterdrein mit wildem Gemecker der Alte mit dem Bart. Er sauste durch die Abteilungen Tischwäsche, Erstlingsausstattung und Herrensocken, gab dem energisch protestierenden Herrn Portier einen Stoß gegen den untersten Knopf seiner Dienst= und Galauniform und gewann das Freie. Draußen rasselten zwei Züge der städtischen Feuerwehr heran. Die Ziege ahnte neue Feinde, machte Kehrt und galoppierte unsere vornehme, sonst so ruhige Hauptstraße hinunter. Manche Geschäftsleute ließen die eisernen Rolladen fallen. Das rachedürstende, unheimliche Vierbein aber schnaubte dem östlichen Ende unserer sonst so vornehmen Hauptstraße entgegen, betrat ein Café, fuhr von hier mit der Linie acht zwei Teilstrecken weiter, ging aufs Postamt, warf dort zwei freistehende Briefkästen um und landete endlich auf dem großen, freien Platz vor dem Hauptbahnhofsgebäude. Hier rückte nun die Feuerwehr, eine Abteilung berittener Polizei, Sanitäter und eine beinah tausendköpfige Menge von privaten Jagdliebhabern an. Die einsame, aber unbesiegte Ziege, die wie aus Stein oder Bronze gehauen, auf einer kleinen Verkehrsinsel stand, wurde nun regelrecht umzingelt. Die Luft war elektrisch geladen. Stimmen wogten. Kommandos ertönten. Das Vierbein stand eisern mit glühenden Augen und drohendem Gehörn. Der lange Bart wehte schaurig im Wind. Da— im Moment der höchsten Spannung— öffnete sich die Tür, die in die Bahnhofsvorhalle führte. Ein kleiner Junge von zwölf Jahren, auf dem Rücken ein Rucksäcklein, in der Hand ein Büschel ausgerauften Grases oder sonstigen Grünzeuges— trat hervor, musterte staunend die Kriegsvorbereitungen und sagte:„Na— ihr wollt wohl die Ziege fangen? Wir ha'm zu Hause ooch ne Ziege.“ Dann ging das Büblein mit fröhlichem Grinsen auf den majestätisch und finster verharrenden Gesellen los, streckte ihm freundlich das Grünzeug entgegen, schnalzte ein bißchen mit der Zunge und sagte:„Na, Hans, dann komm man mit!“ Hans meckerte ein sanftes, liebliches Meckern. Schnupperte ein wenig und setzte sich dann in Marsch. Immer hinter seinem Herrn und Meister her. Die Feuerwehr— die Berittenen— die Sanitäter, und die tausend privaten Jagdliebhaber bildeten ehrfurchtsvoll und lautlos Spalier. Ein älterer Mann aber, der, um die zu erwarten gewesene Schlacht besser genießen zu können, auf eine Gaslaterne geklettert war und nun wieder auf festem Boden stand, dieser ältere Herr schüttelte bedächtig den Kopf und sagte:„Ja, ja, ja——— son Ziegenbock bleibt eben n Ziegenbock———!“ 2