r Erscheint täglich. Bezugspreis monatlich durch Boten 2.10 Mk., durch die Post 2,20 Mk.(ohne Bestellgeld). Schriftleitung und Geschäftsstelle in Ahaus: van=Delden=Str. 8. Telegr.Adresse: Kreiszeitung Ahaus i. W. Fernruf Nr. 450. Postschließfach 65. Postscheck=Konto: Hannover 22 780. Organ für den Kreis Rhaus. 54. Jahrgang. Geschäftsstelle in Gronau: Gebr. Lensing, Verlagsanstalt GmbH., Bahnhofstraße 2, Fernsprecher Nr. 260. Bankkonten: Kreis= und Stadtsparkasse Abaus. Gewerbebank Ahaus und Städt. Sparkasse Gronau i. W. Anzeigenpreise: das 1spaltige Millimeter für die Zenozeitung 10 Pfg., für die Kreiszeitung für den Kreis Ahaus 3 Pfennig. Rabatt nach Tarif. Verlag: Gebr. Lensing, Verlagsanstalt G. m. b. H., Zweigniederlassung Ahaus. Nummer 234 Sountag, den 26. August 1934 Jahrgang 1934 „Dder Gedanke an Krieg liegt in der Luft". Aufsehen erregende Manöverrede Mussolinis. (!) Paris, 25. August. Wie der„Matin“ aus Bologna berichtet, hat Mussosini zum Abschluß der italienischen Manöver vor den offizieren und den Militärattaches der pertretenen Mächte von der Plattform eines Tanks aus eine Ansprache gehalten, in der er ausführte: Niemand in Europa wünscht den Krieg. „Aber der Gedanke an den Krieg liegt in der Luft. Der Krieg kann von einem Tag zum anderen ausbrechen. Der Duce übte alsdann Kritik an den Manövern und erklärte im Anschluß daran: Ende Juli war eine unvorhergesehene Lage eingetreten, ähnlich der von 1914. Wenn wir keine Divisionen an die Grenze geschickt hätten, wären Verwicklungen erfolgt, die nur durch die Stimme der Geschütze hätten gelöst werden können. Nan muß für den Krieg nicht etwa morgen, sondern schon heute bereit sein. Wir müssen eine militärische und sogar militaristische, ja ich kann hinzufügen, kriegerische Nation werden. Das politische, wirtschaftliche und geistige Leben der Nation muß sich auf diesen militärischen Notwendigkeiten aufbauen. Mussolini bezeichnete alsdann den Krieg als die höchste gerichtliche Instanz zwischen den Völkern und sagte: Da gewisse Nationen aufsteigen und andere im Absteigen begriffen sind, bleibt die Tatsache bestehen, daß trotz allen guten Willens, trotz aller Konferenzen und Protokolle der Krieg im Laufe der Jahrhunderte mit dem Schicksal der Nationen verbunden sein wird. Das gesamte Volk ist heute bereit, wie ein einzelner Mann im Notfalle zu antworten. Schließlich wandte sich Mussolini in französischer Sprache an die ausländischen Offiziere mit folgender Erklärung:„Sie haben einige Tage unter unseren Truppen zugebracht. Ich hoffe, daß sie einen guten Eindruck mitnehmen, und daß sie nach Rückkehr in ihr Land sich mit Freude der Tage, die Sie bei uns verbracht haben, erinnern werden.“ Aehnliche Inhaltsangaben über die Rede Mussolinis enthalten auch andere französische Morgenblätter. Sie findet in Paris großen Widerhall. Vor allem wird stark beachtet, daß dabei auch der Satz geäußert worden ist, der Krieg könne von einem Tag zum anderen ausbrechen.„Le Jour“ benutzt die Gelegenheit zu einem Aufruf an Frankreich und Italien, sich endlich zu verständigen. „Der Duce bereitet sich auf den Krieg vor". DNB London, 25. August. Die englische Presse berichtet zum Teil in großer Aufmachung über die Erklärungen Mussolinis am Ende der italienischen Manöver, daß Italien für den Krieg von heute bereit sein müsse, und daß jeden Augenblick ein Krieg ausbrechen könne.„Daily Telegraph“ überschreibt seine Meldung:„Kriegswarnung Mussolinis“. Die liberale„News Chronicle“ sagt:„Der Duce bereitet sich auf den Krieg vor“. Aehnlich lauten auch die Schlagzeilen anderer Blätter. * Die Rede Mussolinis entspricht der Nervosität, die sich seit dem Wiener Putsch in Italien bemerkbar macht. Die Behauptung, daß damals kriegerische Entwicklungen erfolgt sein würden, wenn nicht die italienischen Divisionen am Brenner aufmarschiert wären, ist durch nichts bewiesen. Deutschland ist damals in dem Telegramm seines Reichsaußenministers sofort von den Putschisten abgerückt. Es hat nicht daran gedacht, etwas Feindliches gegen Oesterreich zu unternehmen. Ganz im Gegenteil hat die Reichsregierung den traurigen Anlaß der Ermordung des Bundeskanzlers Dollfuß zum Anlaß zu einer sehr deutlichen Geste der Versöhnung und des Friedens genommen. der bedrohliche Aufmarsch an der Ostchina=Bahn. 250000 Mann der Roten Armee und 700 Flugzeuge in Sibirien zusammengezogen. Die sapanischen Truppenverstärkungen in der Mandschurei. DNB Mukden, 25. August. Im Zusammenhang mit der Spannung der politischen Lage in Ostasien hat gestern der Oberkommandierende der Kwantung=Armee mit dem mandschurischen Kriegsminister Tschanzinkui Fühlung genommen. Die Entsendung japanischer Luftstreitkräfte nach Dairen wurde von der mandschurischen Regierung genehmigt. Ein Teil dieser neuen Kräfte wird an der Strecke zwischen Mukden und Tschangtschung lagern. Auch die mandschurische Regierung hat Truppenverstärkungen an der chinesischen Ostbahn angeordnet. Drei Regimenter wurden aus Schanhaikwan in Richtung Charbin befördert. Uervosität in Moskau über die englisch-japanischen Verhandlungen. DNB Reval, 25. August. Wie aus Moskau gemeldet wird, bringt am Sonnabend die gesamte Sowjetpresse Schanghaier Nachrichten „ als Bestätigung der Gerüchte über die englischjapanischen Verhandlungen. Die sowjetrussische Presse verheimlicht nicht ihre Nervosität und betont, daß eine weitere Annäherung Englands und Japans im Fernen Osten unbedingt Rückwirkungen auf die gesamte internationale Lage hervorrufen würde. onders bei der augenblicklich gespannten politischen ige im fernen Osten gewinne dieser Schritt Englands besondere Bedeutung. Das Zusammengehen Englands und Japans in fernöstlichen Fragen beweise, daß die englische Politik ihre feindliche Spitze gegen Rußland bisher nicht aufgegeben habe trotz ihrer offiziellen freundlichen Stellungnahme ium Ostpakt. Bleibt's beim Notenkrieg? (!) Paris, 25. August. Die Oeffentlichkeit befaßt sich lebhaft mit der Zuspitzung der sowjetrussisch-japanischen Auseinandersetzung. in fast allen Schichten der Bevölkerung betrachtet man Japan als den allein an der Krise Schuldigen, und entsprechend sind die Betrachtungen der Presse, die die Lage im Fernen Osten aufmerksam verfolgt, wenig freundlich für das Inselreich. Doch will man immer noch annehmen, daß Rußland und Japan es bei einem Notenkrieg bewenden lassen werden. Der Berichterstatter des„Petit Parisien" in Schanghat ist der Ansicht, daß der russisch-japanische Konflikt an Ort und Stelle sich weniger beunruhigend ausnehme als von Europa gesehen. Tokio und Moskau unternahmen höchst energische diplomatische Demarchen, die jedoch mit einem Lächeln aufgenommen würden, da beide Parteien genau wüßten, wieviel Bluff dabei sei. Weder von der Sowjettegierung noch von Japan werde in diesem Augenblick der Krieg gewünscht. Die einzige Gefahr sei, daß irgendein untergeordneter Führer in Ausführung eines Befehls zu weit gehe. Auch der„Excelsior“ ist der Ansicht, daß weder Japan noch die Sowjetunion kriegerische Abenteuer wunschten, die in Rußland die innere Ordnung und für Japan Eroberungen in China gefährden könnten. Die wahre Gefahr liege weniger in der russisch-japanischen auf die Mandschurei lokalisierten Spannung, als in der internationalen Lage, die durch die Rivalitäten der Großmächte im Stillen Ozean und die Spannung in Europa gekennzeichnet werde. Sowjetrußland rühme sich, in Sibirien 250 000 Mann und 700 Flugzeuge zusammengezogen zu haben. Es rechne angeblich mit der Unterstützung durch die chinesischen Banden, vielleicht sogar mit der Hilfe Amerikas, das wegen einer Kündigung des Flottenabkommens durch Japan beunruhigt sei und seiner Atlantikflotte Befehl gegeben Riesige Ueberschwemmungen in der indischen Provinz Sihar. DNB. Kalkutta, 25. August. Die bengalische Provinz Bihar, wo im Frühjahr d. J. 2500 Menschen bei dem großen Erdbeben ums Leben gekommen waren, ist von einer riesigen Ueberhabe, sich im Pazifikzu sammeln. Die japanische Regierung scheine auch gewissen Anregungen aus London, wo sich eine Kampagne für die Rückkehr zur alten englisch-japanischen Allianz bemerkbar mache, williges Ohr zu leihen. „Ere Nouvelle“ hofft ebenfalls, daß der ostasiatische Konflikt beigelegt werden kann. Er würde nach Ansicht dieses Blattes schon längst beendet sein, wenn die militärischen Kreise von Japan es nicht für angebracht hielten, mit dem Völkerbund zu brechen, dem Rußland mit seiner„aufrichtigen“ Friedensliebe jetzt beitreten wolle. Eine Vermittlungsaktion der Mächte würde„Action francaise“ für zweckmäßig halten. Wenn niemand dazu bereit sei, dürfe man vielleicht die Schlußfolgerung ziehen, daß niemand mehr die Macht oder den nötigen Einfluß besitze. 1903 und" 1904 hätten England und Frankreich es wenigstens noch gewagt, das Wort zu ergreifen. schwemmung heimgesucht worden. Die Provinz Bihar soll bereits völlig unter Wasser stehen. Die großen Eisenbahnlinien sind außer Betrieb gesetzt. Bei der 25 km von Patna entfernten Stadt Bhita stehen annähernd 50 Dörfer unter Wasser. Zwei Dampfer der indischen Regierung sowie viele kleinere Schiffe leisten den hedrohten Einwohnern Hilfe. Die russische Truppenverteilung an der mandschurischen Jrkuksk W UN O AM Ischita Chabarowik /mergen21 MONGOL ladiwotok 7) JAPANISCHES MEER Wegen der Verhaftung zahlreicher hoher sowjetrussischer Beamter der Ost=China=Bahn hat Rußland jetzt eine ungewöhnlich scharfe Note an Japan gerichtet, die die Kriegsgefahr im Fernen Osten wieder bedrohlicher erscheinen läßt. Unsere Karte zeigt den Aufmarsch der sowjetrussischen Truppen an der mandschurischen Grenze. Obwohl genaue Angaben darüber natürlich nicht vorliegen, dürften die von uns gezeigten Hauptaufmarschzentren doch der Wirklichkeit nahekommen. Schwarze Wolken über Paris Die ersten deutschen Siege von 1914 in Iswolskis Geheimpapieren. Von Dr. Friedrich Stieve. Der frühere deutsche Gesandte in Riga Dr. Friedrich Stieve, unter den deutschen Diplomaten der beste Kenner der Vorgeschichte des Weltkrieges und der Kriegsschuldfrage, hat im Auftrage des Auswärtigen Amtes in vier Bänden den diplomatischen Schriftwechsel des russischen Botschafters in Paris Alexander trowitsch Iswolski aus den Jahren 1911 bis 1914 herausgegeben und in zwei weiteren Bänden:„Iswolski und der Weltkrieg" und Iswolski im Weltkriege" eine umfassende Darstellung der verhängnisvollen Tätigkeit dieses Mannes vor dem Kriege und im Kriege in Paris gegeben sowie mehr als 300 diplomatische Aktenstücke aus den Jahren 1914 bis 1917 nach den ihm zugänglich gewordenen Originaltexten veröffentlicht. Iswolski hat nicht nur vor dem Kriege mit Poincars die Fäden des von ihm mit Leidenschaft erstrebten Krieges gesponnen, sondern noch jahrelang während des Krieges seinen Posten als Vertreter des Zarenreiches bei der französischen Regierung innegehabt, sodaß seine Berichterstattung entscheidende Einblicke in den Geist der Entente=Kriegführung gewährt. In den nachfolgenden Ausführungen schildert Dr. Stieve die Wirkung des deutschen Vormarsches auf Paris auf Iswolski, die französische Regierung und die Pariser Bevölkerung. Copyright bei Deutsche Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte in Berlin. Der diplomatische Schriftwechsel des russischen Botschafters in Paris A. P. Iswolski aus der Zeit vom Beginn des Weltkrieges bis an das Ende des Jahres 1914 beschäftigt sich naturgemäß in erster Linie mit denjenigen Vorgängen, die Frankreich unmittelbar berührten. Wie entwickelten sich in dieser Zeitspanne die Dinge nach den Angaben Iswolskis? Nach einer kurzen Depesche vom 4. August fanden gleich zu Beginn des Krieges gewisse Aenderungen im französischen Kabinett statt: Viviani blieb zwar Ministerpräsident, gab aber das Ministerium des Aeußeren an Doumergue ab, außerdem trat der Marineminister Gauthier zurück und wurde durch den Minister für öffentlichen Unterricht Augagnier ersetzt, an dessen Stelle Sarreau kam. Am 5. August telegraphiert dann Iswolski über jene Sitzung der Deputiertenkammer, in der die Erklärung der Regierung über den Entschluß zum Kriege und die Kundgebung des Präsidenten der Republik verlesen wurde. Die Mitteilungen„über das enge Zusammengehen mit Rußland und England, über die Neutralität Italiens und über die Weigerung Belgiens, sich der Forderung Deutschlands unterzuordnen, riefen stürmische Ovationen hervor". Die Depesche schließt mit den Worten:„Die gestrige Sitzung, der Ton der Presse aller Schattierungen und die musterhafte Ordnung, mit denen die Mobilmachung vor sich geht, bezeugen einen ungewöhnlichen Aufschwung des Nationalgefühls und die vollkommenste Einigung des ganzen französischen Volkes angesichts des Angriffs von Seiten Deutschlands". Wenn man sich daran erinnert, daß der, der dies schreibt, sich in diplomatischen Kreisen gerade damals offen brüstete, der soeben ausgebrochene Weltbrand sei „sein Krieg"(Vergl. u. a. die Tagebuchaufzeichnungen des englischen Botschafters in Paris, Lord Bertie, unter dem 10. November 1914), so kann man ahnen, mit welchen Gefühlen er hier die Behauptung von dem deutschen Angriff beifügte. Er spricht von der öffentlichen Meinung in Frankreich und stellt mit Befriedigung fest, daß die genannte Behauptung ihre volle Wirkung getan hatte. Die französische Regierung freilich wußte genauer Bescheid, und über INININNNNNINNMNNNNNNNNNNINNNINNINNNIUINNINIINIMINIUIINIINNIINNMIIIII Saarländer! Der 30. August ist der letzte Termin eurer Meldung! ihre Rolle hat Iswolski in einem Briefe vom 14. Dezember 1914, auf den unten näher eingegangen wird, das Zeugnis niedergelegt, daß sie in den kritischen Tagen, d. h. schon vor der deutschen Kriegserklärung, „nicht einen Augenblick in der Erfüllung ihrer Bündnispflicht schwankte", also von vornherein entschlossen war, mit Rußland das Schwert zu ziehen. Ganz sorgenlos allerdings war Iswolskis Stimmung in diesen Tagen der ersten Begeisterung doch nicht. Am 6. August verlangt er dringend„rechtzeitige und richtige Unterrichtung der französischen Presse über den Gang der russischen militärischen Operationen", denn„man mußte fürchten, daß eine etwaige Enttäuschung in dieser Hinsicht hier einen niederschmetternden Eindruck machen wird." 6 Tage später wiederholt er seine Bitte und mißt der von ihm berührten Frage„angesichts der äußersten Eindrucksfähigkeit der hiesigen öffentlichen und politischen Kreise" eine„erstklassige Bedeutung" bei, indem er warnend hinzufügt:„Die Spärlichkeit der Nachrichten aus Rußland beginnt bereits die hiesige Presse zu beunruhigen.“ Am 25. August begegnen wir in der Berichterstattung Iswolskis den ersten Schatten, die der deutsche Vormarsch durch Belgien auf Frankreich virft. Der russische Botschafter in Paris A. P. Iswolski an den russischen Außenminister S. D. Sasonow. Paris, den 12./25. August 1914. Ich traf soeben mit Doumergue zusammen, der mir sagte, daß die Regierung sich den Nachrichten vom Kriegsschauplatze gegenüber vollkommen ruhig verhalte, daß die Offensivhandlungen in Belgien nicht im ursprünglichen Kriegsplan enthalten seien, und daß der Oberkommandierende jetzt zur früher geplanten Verteidigung zurückkehre, die bis zum letzten Aeußersten in Erwartung einer Ablenkung eines Teils der deutschen Kräfte auf die Seite unserer Offensive geführt werden wird. Doumergue sagt, daß die Verluste der Deutschen außerordentlich groß sind, wobei besonders die Garde gelitten hat; gefallen ist der Onkel des Kaisers... Doumergue mißt der Aufregung in den Parlamentskreisen keine Bedeutung bei, da die Kammern nur auf Veranlassung der Vorsitzenden des Senats und der Deputiertenkammer im Einvernehmen mit der Regierung sich versammeln dürfen. Iswolski. Noch sucht der Botschafter die Schatten zu verscheuchen, wenige Tage nachher wird aber schon über die Gefahr verhandelt, die„den Einlagen des russischen Fiskus in den französischen Banken im Falle eines Einzugs deutscher Truppen in Paris" droht. Nun verdichten sich die Schatten zu schweren Wolken. Die ersten Maßnahmen zur Bekä lpfung drohenden Unglücks werden getroffen: am 27. August meldet ein Telegramm den „Eintritt von Persönlichkeiten ersten Ranges wie Delcassé, Millerand, Ribot und Briand“ in das Kabinett, das bereits die Benennung„Regierung der Nationalen Verteidigung“ erhalten hat. Der Aufruf des neuen Kabinetts sucht die Bevölkerung mit der Behauptung aufzurichten,„in dieser Zeit drängten die russischen Verbündeten mit schnellen Schritten auf Berlin zu vor und brächten den zurückweichenden deutschen Truppen eine Niederlage nach der anderen bei." Zugleich beschwichtigt Delcassé die wachsenden Befürchtungen Iswolskis, indem er ihm am 28. August mitteilt, „daß Millerand, der aus dem Hauptquartier zurückgekehrt ist, vollkommen beruhigende Nachrichten zurückgebracht hat." Die Möglichkeit einer baldigen französischen Offensive wird angedeutet, und zuletzt fügt Delcassé noch hinzu,„daß sein und Millerands Eintritt in das Kabinett jedenfalls eine Gewähr dafür bietet, daß Frankreich die Prüfung bis zum Ende aushalten wird". Gleich darauf jedoch, am 29. August, muß derselbe Millerand zugeben, daß es infolge des Rückzugs der englischen Armee den Deutschen gelungen sei, zwischen dem englischen und dem französischen Heere durchzubrechen, und daß die Lage ernst sei. Schon beginnt nach Iswolskis Meldung eine Menge von Personen Paris zu verlassen und das Gerücht, daß die Regierung demnächst nach Bordeaux übersiedeln werde, erhält sich hartnäckig. Der Botschafter erwähnt, daß es offiziell dementiert werde, ist aber selbst der Ansicht, man müsse mit dieser Möglichkeit rechnen. Am 1. September leistet dann die französische Regierung durch ein Schreiben Delcassés Garantie für die„Guthaben der russischen Regierung bei den verschiedenen französischen Banken", als Antwort auf die Anfrage „betreffs einer eventuellen Gefahr der Konfiskation von ungefähr einer Milliarde Francs durch die Deutschen." Am 2. September erfolgt die Abreise des Kabinetts nach Bordeaux. Das war, skizziert an der Hand der Dokumente, der Verlauf des ersten Kriegsmonats, der Iswolski noch am 14. Dezember 1914, nach einem Briefe aus seiner eigenen Feder,„wie ein wahrer Albdruck“ erschien. Er schildert in diesem und dem darauf folgenden Schreiben gleichen Datums die einschlägigen Vorgänge sehr anschaulich: „Nach den ersten unbedeutenden Erfolgen befanden wir uns, fast ohne jegliche Warnung vor dem drohenden Unheil, plötzlich am Vorabend der unvermeidlich erscheinenden Besetzung der Residenz durch den Feind; unsere(d. i. des Präsidenten, der Regierung und des diplomatischen Korps) Abreise aus Paris war die reine Flucht. Die französischen Heere gingen in Ordnung, aber mit außerordentlicher Schnelligkeit zurück; die deutschen folgten ihnen auf den Fersen direkt in der Richtung auf Paris, dessen Verteidigung nicht nach Tagen, sondern wahrscheinlich nach Stunden bemessen wurde... Der Entschluß der Regierung(die Hauptstadt zu verlassen) war dem Wesen nach durchaus richtig und in eine sehr glückliche Form gekleidet: die Abreise der Regierung war abhängig gemacht worden von der Forderung des Generals Joffre, der somit die vollständige Freiheit des Handelns bewahrte und durch keinerlei politische Rücksichten eingeschränkt wurde. Paris und die Nation begriffen dies und verstanden es einzuschätzen, der Entschluß, Paris zu verlassen, wurde mit Trauer, jedoch mit voller Ruhe und Würde aufgenommen. Weniger glücklich wurde die Prozedur der Abreise selbst durchgeführt; die Bevölkerung erfuhr von der Abreise in der letzten Minute; der Präsident der Republik reiste spät abends, ohne jedes Geleit, fast heimlich av. Die Abreise der Minister und des diplomatischen Korps trug denselben Charakter. Dies gefiel der Bevölkerung natürlich nicht. Nach der Abreise der Regierung begann die Flucht der wohlhabendsten Gesellschaftskreise Paris verödete; dek Handel, der bereits durch die Mobilmachung stark gelitten hatte, schlief vollständig ein; die ohne Erwerb gebliebenen Arbeiterkreise begannen empfindlich Not zu leiden; man konnte Erregung und Unruhen in den Arbeitervierteln befürchten.“ Bei einem solchen Stand der Dinge war in Frankreich der Gedanke aufgetaucht, japanische Truppen zu den kriegerischen Operationen auf französischem Boden heran ziehen. Ein Telegramm Sasonows vom 3. September 1914 zeigt uns, daß Rußland diese Anregung bei Grey, der gegen den Plan war, unterstützen ließ. Für den Augenblick hätte natürlich eine Ausführung des Gedankens, selbst wenn sie erfolgt wäre, keinen Einfluß auf die Lage gehabt. Ueber den weiteren Verlauf des Geschehens erfahren wir wieder einige Einzelheiten aus den beiden angeführten Schreiben Iswolskis. Es kam zu dem„glücklichen Umschwung der Ereignisse", zum Die Zunahme der Steuereingänge. Ein Kommentar von Staatssekretür Reinhardt. Ndz Berlin, 25. August. In der Zeit vom 1. April bis 31. Juli, also im ersten Drittel des neuen Rechnungsjahres, hat sich das Steueraufkommen des Reiches gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 372,8 Millionen Mark vermehrt. Dieses Mehraufkommen verringert sich, wenn man von einigen besonderen Kosten, die sich aus der Verreichlichung der Schlachtsteuer und anderen Reformen ergeben, absieht, auf 285,7 Millianen. Das Mehraufkommen ist, wie Staatssekretär Reinhardt in der„Deutschen Steuerzeitung“ ausführt, restlos erforderlich, um den Vorbelastungen aus den verschiedenen Arbeitsbeschaffungsprogrammen usw. gewachsen zu sein. Die Vorbelastungen zu Zwecken der Arbeitsbeschaffung seien erfolgt in dem Glauben, daß die Steuerquellen sich entsprechend ergiebiger entwickeln würden. Dieser Glaube müsse sich erfüllen, wenn es nicht an den Mitteln zur Abdeckung der Vorbelastungen fehlen solle. Daß er sich erfülle, sei ein Beweis dafür, daß die volkswirtschaftlichen Betrachtungen, die die Reichsregierung bei der Beschließung der verschiedenen Arbeitsbeschaffungsprogramme angestellt hatte, richtig sind. Der Staatssekretär verweist darauf, daß von dem Mehr an Reichssteuern nur ein Teil dem Reich verbleibe. Gerade diejenigen Steuern entwickelten sich am günstigsten, an denen die Länder und Gemeinden beteiligt sind: die Einkommensteuer, die Körperschaftssteuer und die Umsatzsteuer. Die Mehreinnahmen von 216,6 Millionen Mark, die diese Steuern erbrachten, entfielen rund zur Hälfte auf das Reich und zur anderen Hälfte auf Länder und Gemeinden. Kurzschluß in den SchuldenMusikzug rollt noch Berlin. Der erste Lautsprecher=D=Zug Berlin, 25. August. Heute wartet die Deutsche Reichsbahn anläßlich der Berliner Funkausstellung mit einer besonderen Ueberraschung auf. Sie stellt ihren ersten„Lautsprecher=D=Zug“ in den Reiseverkehr ein. Von München werden fünfzehn Wagen mit tausend bayerischen Funkwarten durch Deutschland rollen. Die Reisenden werden mit Unterhaltungsmusik und einem Kabarett erfreut, das nicht von fern her seine Gaben sendet, sondern aus dem Zug selbst, der einen eigenen Funkübertragungswagen angehängt bekam. Es hat lange gedauert, bis sich die Reichsbahn mit der Einstellung dieses musikalischen Zuges ausländischen Vorbildern anpaßte. In Amerika hat man schon längst derartige Züge, die ja auch bei den weiten, tagelangen Fahrten von der West= nach der Östküste der Vereinigten Staaten eine gewisse Berechtigung besitzen. In Deutschland hielt man bisher mit dieser Neuerung zurück. Bei der Reiseromantik der Deutschen wollte man wahrscheinlich der Poesie des Reisens nicht gefährden. Schließlich sagte man sich, daß bei den wenigen Stunden Bahnfahrt etwas Ruhe und Ausspannung den geplagten Nerven des heutigen Menschen guttut. Aus diesem Grunde hat man auch den neuen Musikzug zunächst nur für Sonderfahrten bestimmt. Er besteht aus fünfzehn Wagen, von denen vierzehn gewöhnliche D=Zug=Wagen sind. Der fünfzehnte ist dagegen umgebaut worden. Er enthält eine Verstärkeranlage, von der Leitungen nach allen Seiten des Zuges führen. An dem Uebergang von Wagen zu Wagen befinden sich Stechkontakte, sodaß beliebig der eine oder andere Wagen abgehängt werden kann, falls die Besetzung des Zuges eine volle Ausnutzung nicht zuläßt. Die musikalische Ausstattung besteht in einem Lautsprecher, der in der Mitte der gewöhnlichen offenen Durchgangswagen angebracht wurde. Er wird auf einer Lautstärke gehalten, die nicht so groß ist, daß sie die Nerven erschüttert, aber immerhin kräftig genug, um die Geräusche des Zuges zu übertönen. Der Verstärkerwagen dient zugleich als Senderaum. Hier können mitfahrende Künstler vor das Mikrophon treten und sich den Reisenden in ihrer neuesten Eigenschaft als„rollende Tenöre“ oder als„D=ZugKunstpfeifer“ vorstellen. Auf einem Plattentisch kann aber auch Grammophonmusik in die Wagen übertragen werden. Auch eine Ründfunk=Empfangsanlage ist eingebaut, welche die Uebernahme von Sendungen aller deutschen und ausländischen Stationen erlaubt. Man sieht, es ist ein ganz lustiger Funkund Musikzug entstanden, der keine Langeweile aufkommen läßt. Bei der weiteren Durchführung dieses Gedankens wird man auch auf Anschlußmöglichkeiten für Einzelhörer Rücksicht nehmen, die sozusagen ein privates Hören ermöglichen und den geschätzten Nachbarn nicht auzu sehr stören. Kampf an der Marne. Am 12. September wurde in Bordeaux zum ersten Mal das Wort„Sieg“ ausgefprochen. Ueber die große Schlacht weiß der russische Diplomat nur nach dem Hörensagen zu berichten: „Nach Gesprächen mit sehr eingeweihten Persönlichkeiten gelange ich zu dem Schluß, daß General Joffre die Absicht hatte, Paris zu opfern und noch weiter in das Innere des Landes zurückzugehen, und daß er an der Marne nur infolge eines Drucks von außen, d. h. seitens der Regierung oder richtiger, eines ihrer Mitglieder, halt gemacht hat. Diese Version hörte ich von einem der hervorragendsten Minister, von Briand, der sich den Gedanken zuschreibt, aus einigen schleunigst vom äußersten rechten Flügel herübergeführten Korps, aus den marokkanischen Truppen und territorialen Abteilungen die Armee des Generals Mannoury zu bilden, deren unerwartetes Erscheinen auf dem rechten Flügel der Deutschen die Armee des Generals von Kluck in eine gefährliche Lage gebracht und das Signal zum siegreichen Vorgehen der Franzosen gegeben hat. Es ist nicht völlig klar, weshalb die Deutschen eigentlich, wenn sie den Gedanken, durchaus Paris zu besetzen, verfolgten, plötzlich ihren Angriff auf die Residenz aufgaben und ihre Front der zurückweichenden französischen Armee zuwandten. Unser Militär=Attaché erklärt dies mit ihrer Ueberzeugung, daß sich die französische Armee in voller Auflösung befunden habe, daß ein geringe Anstrengung genügt hätte sie endgültig zu zerstreuen, und daß ihnen Paris nachher ohne jeden Kampf zugefallen wäre. Wie dem auch sei, und wem auch die Initiative zum Uebergange der Franzosen zum Angriff zuzuschreiben ist— der Kampf an der Marne hatte den Charakter eines tatsächlichen und glänzenden Sieges, der den nachfolgenden Gang der Kriegsereignisse veränderte.“ Immerhin stellte sich bald nach der Schlacht an der Marne heraus,„daß diese eine, wenn auch noch so große Niederlage nicht genügt hat, um die ausgezeichneten deutschen Truppen zur Räumung des französischen Territoriums zu veranlassen." Der Stellungskrieg begann... Vereidigung der Landespolizei. DNB Berlin, 25. August. Am Samstag vormittag wurde in den einzelnen Polizeiunterkünften die Vereidigung der Landespolizei auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler vorgenommen. Ein großer Teil der infrage kommenden Formationen, in der Hauptsache die Abteilungen Gneisenau und Derfflinger. waren in Stärke von etwa 800 Mann zur Vereidigung in weitem Karree auf dem großen Hof der Polizeikaserne in der Friesenstraße angetreten. Oberst der Landespolizei Sachs wies darauf in kurzer Ansprache auf das Gesetz vom 20. August d. J. hin. Wir bekräftigen, fuhr Oberst Sachs fort, mit diesem Eid die Gefühle, die uns seit langer Zeit innerlich bewegen und geben dem nur sichtbaren Ausdruck. Unverbrüchliche Treue und Gehorsam sind wir unserem Führer schuldig. Für die Angehörigen der Landespolizei ebenso wie für die der Wehrmacht bedeutet aber dieser Eid noch mehr. Er legt uns die Pflicht auf, bis zum Aeußersten mit unserer ganzen Person einzustehen, wenn es gefordert wird, mit unserem Leben. Die Erfüllung solcher Pflicht bis zum Aeußersten sei uns täglich höchstes Glück. Die angetretenen Formationen erhoben die rechte Hand zum Schwur und sprachen die ihnen vorgelesene Eidesformel nach. Der Redner schloß: Wir bekräftigen das eben abgelegte Gelübde mit dem Ruf: Unserem Führer Adolf Hitler ein dreifaches Sieg=Heil! Bayrische evangelische Landeskirche gegen Eingliederung in die Reichskirche. X München, 24. August. Am Donnerstag trat in München die Landessynode der evangelisch=lutherischen Landeskirche in Bayern zusammen. Landesbischof D. Maiser schilderte in längerer Rede, worum es heute in der deutschen evangelischen Kirchegehe. Im Kampf der evangelischen Kirche um ihre Existenz gehe es um das Recht und seine Geltung in der Kirche; die Dynamik des Lebens müsse über alte Dogmen hinweggehen, aber niemals dürfte sie Unrecht in Recht verkehren. Es gehe weiter darum, daß in der Kirche nach Treu und Glauben und unbedingter Wahrhaftigkeit gehandelt werde. Es gehe ferner um eine wahrhaft geistliche Leitung in der Kirche, deren Autorität in ihrem geistlichen Wesen begründet liegen müsse. Es gehe schließlich um die unverkürzte Geltung des evangelisch-lutherischen Bekenntnisses in der deutschen evangelischen Kirche. Landesbischof D. Maiser bekannte sich dabei als überzeugter Freund und Förderer einer starken, einigen deutschen evangelischen Kirche. Nach einem Bericht über den Verlauf der Nationalsynode vom 9. August trat die Synode in die Ausprache ein, die sich bis in die Nachtstunden erstreckte. Die Beratung, an der sich u. a. auch alte nationalsozialistische Kämpfer beteiligten, fand folgendes einstimmiges Ergebnis: „Die bayrische Landessynode setzt sich für eine starke und in sich einige deutsche evangelische Kirche ein. Sie bedauert aber, daß die Haltung der derzeitigen Reichskirchenregierung es unmöglich mache, die Eingliederung unter den gegenwärtigen Umständen zu vollziehen.“ Unter dem Beifall der Versammlung sprach die Synode dem Landesbischof einstimmig ihr Vertrauen aus. In tiefer Bewegung wurde das Lied„Nun danket alle Gott“ angestimmt. Landesbischof D. Maiser dankte ergriffen für das ihm bezeugte Vertrauen, das ihm eine große Stärkung war auf dem Wege, den er zu gehen habe. Dollfuß=Platz in Wien. DNB Wien, 25. August. Der Bürgermeister von Wien, Schmitz, hat verfügt, daß der Freiheitsplatz im IX. Bezirk, auf dem die Votiv=Kirche steht, in Dr. Dollfuß=Platz umbenannt wird. Der Kriemhild=Platz im XVI. Bezirk, auf dem gegenwärtig die Gedächtniskirche gebaut wird, in der die Bundeskanzler Dr. Seipel und Dr. Dollfuß ihre letzte Ruhestätte finden werden, soll in„Kanzlerplatz“ umbenannt werden. Pamilientag in Mariazell. DNB Wien, 24. August. Zu der Tagung von Mitgliedern der Familie Habsburg in Mariazell, der in politischen Kreisen große Bedeutung beigemessen wird, wird von monarchistischen Kreisen auf Anfrage erklärt, daß es sich hierbei um eine rein interne Familienzusammenkunft handele. Französische Soldaten protestieren gegen schlechtes Essen. DNB. Paris, 25. August. In der Infanteriekaserne von Bourges haben am Freitag 50 Mann gegen das schlechte Essen protestiert. Sie zogen vor die Lagerküche und verabreichten dem Küchen=Unteroffizier eine Tracht Prugel. Vier Rädelsführer wurden in Haft geverhandlungen Amerika-Rußland, § Washington, 24. August. Die amerikanische Regierung hat am Freitag gorisch die russischen Gegenvorschläge zur Regelung Frage der amerikanischen Forderungen an Sowjetrußland abaelehnt. Der Staatssekretädes Aeußern, Hull, hat die letzten Verhandlungen mit dem Sowjetbotschafter Trojanowski persönlich geführt Ueber die Verhandlungen wurde von der amerikanischen Regierung am Freitag nachmittag eine amtliche Mit. teilung ausgegeben, die folgendermaßen lautet: Die amerikanische Regierung hatte nach der Wiederaufnahme der Beziehungen mit Sowjetrußland, ihre Forderungen schriftlich formuliert. Seitdem sind Verhandlungen geführt worden, die sich jedoch mehr mit Einzelheiten als mit grundsätzlichen Fragen beschäftigten. Heute jedoch überreichte der russische Botschafter einen Gegenvorschlag, angesichts dessen es unmöglich ist, hinsichtlich der Erzielung eines Abkommens optimistisch zu sein Nach der Besprechung mit Hull gab Trajonowski zu, die Verhandlungen in eine Sackgasse geraten seien. Er habe jedoch die Hoffnung, daß sie fortgesetzt würden. Der sehr scharfe Ton der amerikanischen amtlichen Mitteilung hat hier sehr überrascht. Er zeigt, daß die Beziehungen zwischen den beiden Regierungen durchaus nicht so herzlich sind, wie teilweise angenommen wurde. Man neigt hier der Auffassung zu, daß die Wiederaufnahme der Beziehungen Amerikas zu Sowjetrußland einer der vielen Versuche Roosevelts war, den amerikanischen Außenhandel wieder anzukurbeln. Roosevelt sei aber nicht geneigt, diese Ankurbelung mit einer Blankounterschrift unter russische Vorschläge zu erkaufen, in denen sich die Sowjetregierung sehr weitgehende und in ihren Folgen noch ganz unübersehbare Kreditvergünstigungen habe ausbedingen wollen, 15) „Ur Nerver es sich Ver zernig „Amerikanische Freiheitsliga" gegen Roosevelt. § Washington, 24. August. In politischen Kreisen erregte am Donnerstag großes Interesse die Gründung einer„American Liberty League“ (Amerikanische Freiheitsliga), die sich auf Grund ihrer Satzung mit allen gesetzgeberischen Plänen befassen und in wirtschaftlichen sowie sozialen Fragen ein gewichtiges Wort mitreden will. Die Liga wurde gegründet von dem Demokraten Bu gleiter E von de gehen unser mit ih Lai Capta sehr u nochme zu ma zur ge wir w der Ul daß er Lir währe betrat. Die kannte D North langw R Kerl? herau Diund „A scheint Di Alfred Smith, dem früheren Gouverneur von Newyork. Ferner von John Davis, dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten im Jahre 1924, und Jouet Shouse, dem langjährigen Vorsitzender der demokratischen Parteiorganisation, sowie den Republikanern James Wadsworth, der zur Zeit Kongreßvertreter von Newyork ist, und Nathan Miller, dem früheren Gouverneur von Newyork Die notwendigen Mittel zur Gründung der Liga wurden von Irene Dupont zu Verfügung gestellt. Die Liga bezeichnet sich als Kampfbund gegen den Radikalismus, wobei nicht gesagt wird, um welchen Radikalismus es sich handelt. Auch ob Raosevelt diese Gründung begrüßt, ist bisher nicht bekannt, jedoch lassen die bisherigen Aeußerungen der Gründer den Schluß zu, daß es sich um die Gründung einer konservativen Gruppe handelt, die von der Schwerindustrie und von Wallstreet gestützt wird und allzu radikale Eingriffe des Roosevelt'schen Kurses in die Privatwirtschaft abwehren will. Als Endziel schwebt vielleicht die Gründung einer neuen politischen Partei vor, die im Jahre 1936 anstelle der altersschwachen republikanischen Partei den Wahlkampf gegen Roosevelt aufnehmen soll. Shouse und Smith sind als erbitterte Gegner Roosevelts bekannt, und Miller sowie Wadsworth sind als alte Republikaner naturgemäß ebenfalls gegen den jetzigen Beherrscher des Weißen Hauses eingestellt. Die Liga hofft, im Laufe dieses Jahres über eine Million Mitglieder werven zu können, ein Unterfangen, dessen Aussichten zur Zeit als recht gering bezeichnet werden müssen, da Roosevelt, wie seine Triumphfahrt durch den Kontinent vor wenigen Wochen zeigte, bei den großen Massen nach wie vorsehr beliebtist. hinun lockert kennte wußte stehen . Füßer sicht knurr „ wrend 6 in de Wenn hätten was N. Er F wild. Arm ihn „Und eigen dieser sagen unten die L Er is treten genül mit mir Wieder drei schwere Raubüberfälle in Amerika. :: Newyork, 25. August. verla Bake starr noch N Hand Am Freitag wurden in den Vereinigten Staaten wieder drei große Raubüberfalle von bewaffneten Banditen ausgeführt, denen Werte im Betrage von über 25 000 Mark in die Hände fielen. In allen Fällen konnten die Räuber entkommen. In Butler (Pennsylvania) überfielen drei Banditen einen gepanzerten Postkraftwagen und stahlen 50 000 Dollar in Banknoten und Münzen. Die Newyorker Polizei hat sofort die Verfolgung aufgenommen, da sie glaubt, daß es sich um die gleichen Räuber handelt, die den Raubüberfall am Dienstag verübten. In Rome(Georgia) zwangen mehrere mit Maschinengewehren bewaffnete Banditen zwei Bankangestellte zur Herausgabe von 9000 Dollar. In Cleveland(Ohio)» nahmen vier Räuber den Führer eines Kraftwagens gefangen und rasten mit dem Wagen, der Waren im Werte von 8000 Dollar enthielt, davon. ten wied Ston gebre werd Aber keine leide verse 9 Wassereinbruch in oberschlesischer Grube. DNB Kattowitz, 24. August. Auf der Schlesiengrube ereignete sich am Donnerstag ein umfangreicher Wassereinbruch. Von der 200=Meter=Sohle drangen große Wassermassen ein und überschwemmten sämtliche Pfeiler und Strecken, sodaß die Förderung eingestellt werden und die Belegschaft die Arbeitsstellen verlassen mußte. Das Wasset steigt unaufhaltsam weiter. Die Bergleute konnten sich nur mit Mühe in Sicherheit bringen. sind alle Maßnahmen getroffen worden, um ein Ersaufen der Grube zu verhindern. bin, Schö ihm aust dire schw und auf Blo „Ich Wä scha mor „Ich Nui Klo Gri coli nommen. Am kommenden Mittwoch von 20,35 Uhr bis 20.45 Uhr wird der Reichsjugendführer Baldur von Schirach im Rahmen der Stunde der jungen Nation über alle deurschen Sender zu den Eltern der Hitlerjungen und=madel sprechen. Der Abteilungsleiter Rundfunk der Reichsjugendführung, Gebietsführer Gerff, hat für die gesamte Hitlerjugend Gemeinschaftsempfang angeordnet. Am Freitag ist ein neuer Schub von 46 polnischen Bergarbeitern, die im Zusammenhang mit den Zwischenfällen in der Escarpelle=Grube ausgewiesen worden sind, aus Nordfrankreich über die Grenze befördert worden. Am 31. August werden weitere folgen. Der Hauptausschuß der Arbeitslosen von Nordfrankreich hat daraufhin beschlossen, im Oktober einen„Marsch auf Lille“ zu veranstalten. Die Südafrikanische Union wird sich an den Olympischen Spielen im Jahre 1936 in Berlin beteiligen. Der Ausschuß des südafrikanischen Dy nick pischen und Weltreichssportverbandes hat soeben beschlossen, die amtliche Einladung aus Deutschland auf Entsendung einer Mannschaft anzunehmen. Lar frol kan Lan wä JONNY ROMAN VON PHILIPP WELLER (Nachdruck verboten.) Und Sie sind ein Halunke, der einem auf die Hernen fallen kann", versetzte Diane wütend, und ehe sich der Mann versah, hatte er zwei Ohrfeigen sitzen. Verdutzt rieb er sich die Backen, während Diane zernig davonritt. Bulwer und Lincoln hatten mit gleitern die Pesthütte erreicht. ihren beiden Bezu sein. zu, daß en. Er sen. en Mitdie Beurchaus tommen daß die Sowjetar, den r an. t, diese russische gierung unüberwollen. gust. großes League“ d ihrer sen und sichtiges likanern ertreter rüheren ttel zur nt zur ampfei nicht handelt. ist bisAeußeum die delt, die tzt wird looseschaft richt die ei vor, publikaaufnehtterte r sowie iß ebenHauses es über können, ls recht ie seine Wochen rsehr Es ist wohl am besten“, meinte Lincoln, nachdem sie ven den Pferden gestiegen waren,„North und Lawrence gehen allein rein. Wir warten draußen. Baker soll unser wahres Gesicht nicht sehen, bevor wir endgültig mit ihm abrechnen.“ Lawrence lächelte spöttisch. Du bist immer noch der schlaue Fuchs wie früher, Captain", sagte er.„Du fürchtest diesen Burschen zu schr und scheinst mir Angst zu haben, daß er vielleicht 4nohmals entkommen könnte, um dir dann den Garaus u machen. Aber, nachdem ich nun einmal hier bin, wird das nicht eintreten. Wir werden den Burschen zur gegebenen Zeit in die Hölle schicken. Komm, North, wir wollen uns mal den Jungen ansehen. Ich bin auch der Ueberzeugung, nach der Erzählung des Captains, daß er es ist." Lincoln kaute etwas beleidigt an seinem Bärtchen, während Lawrence mit seinem Begleiker die Hütte betrat. Die beiden Wächter Bakers sprangen auf. Dann ertannten sie die Ankömmlinge. Das ist fein, daß Sie schon da sind, Lawrence und North. Die Sache hier oben wird nämlich verdammt langweilig. Wollt ihr auslöschen...?“ Reden Sie kein Blech, Mann! Wo habt ihr den Kerl?“ „Er steckt hier unten im Keller. Wir wollen ihn heraufholen." Die beiden Männer banden sich ihre Masken um, und Lawrence lachte spöttisch auf. „Angsthasen!“ brummte er.„Eure ganze Bande scheint ja'ne höllische Furcht vor dem Jungen zu haben.“ Die beiden Männer murmelten betreten etwas vor sich hin. Dann öffneten sie die Falltür und stiegen hinunter. Unten machten sie Baker die Hände frei und lockerten seine Fußfesseln etwas, damit er heraufsteigen tennte. Baker hatte unten die Stimmen gehört und wußte, daß er jetzt vor Lawrence und seinem Gehilfen stehen würde. Eine eigenartige, fast heitere Gelassenheit überkam ihn, während er emporstieg. n Non.„Holla, Lawrence“, rief er, nachdem er oben auf den Füßen stand,„freue mich höllisch, Ihr altes Gaunergeartschen sicht wieder mal zu sehen!“ „Die Freude wird wohl nicht lange anhalten“, emottu= nurrte Lawrence böse. „Na North?“ wandte sich Baker an den Gehilfen Lawrences,„Sie konnten auch seinerzeit von Glück reden, daß Sie mir entkamen. Ich erinnere mich, daß ich Sie in den Arm schoß. Aber daran war mein Pferd schuld. Wenn es nicht gestrauchelt wäre bei dem wilden Ritt, hätten Sie die Kugel in den Schädel bekommen. Na, was nicht war, kann ja noch kommen.“ North kam in eine blinde Wut. Er riß den Revolver heraus „Soll ich ihn gleich niederschießen, Boß?“ fragte er wild.„Dieser Hund hat mir einen halb steifen, linken Arm eingebracht.“ „Stecken Sie Ihr Schießeisen weg, North“, verwies ihn Lawrence.„„Wir wollen uns erst mal so'n bißchen noch mit dem Jungen unterhalten.“ „Das ist mir nur recht", versetzte Baker gelassen. „Und ich will Sie gleich mal fragen, wo denn heute eigentlich Larry Loovel steckt. Ich habe Sehnsucht nach diesem Halunken.“ „So.... machte Lawrence.„Na, da kann ich Ihnen sagen, daß Loovel zu den Männern gehört, die sich untereinander ausmachen, wer es sein soll, der Ihnen die Lampe ausbläst. Doch was macht der gelbe Jonny? Er ist doch eigentlich recht lange nicht in Aktion getreten.“ „Da irren Sie sich, Lawrence!“ Baker lachte sein Gegenüber spöttisch an. „Und wenn Sie“, fuhr Lawrence fort,„neuerdings mit dem„traurigen Jack“ zusammenarbeiten, tut es mir für sie leid. Auf ihn können Sie sich nicht mehr verlassen. Er ist auch irgendwo festgenagelt worden.“ fülle„Sie haben'ne ausschweifende Phantasie", sagte Baker nur und blickte auf North, der ihn haßerfüllt anstarrte.„Ho. North“, fügte er hinzu,„Sie werden mich noch mit den Augen auffressen!“ North knirschte wütend mit den Zähnen und seine Hand zuckte nach dem Revolver. Verbissen schwieg er. „Sie führen in dieser Situation noch'ne verdammt große Sprache, Mann", brummte Lawrence.„Sie sollten sich doch darüber klar sein, daß Sie niemals lebend wieder herauskommen. Von uns allein haben Sie Stone, Belford. Austen und den schielenden Derrick umgebracht. Das ist'ne ganz schöne Liste!“ „Na“, sagte Baker fast gemütlich,„auf diese Liste werden noch North, Sie und Larry Loovel kommen. Aber euch beide letzten will ich baumeln sehen, weil ihr keinen Schuß Pulver wert seid. Iim Bulwer läßt sich leider vorderhand nichts nachweisen. Aber ich werde so verschiedene Sheriffs für ihn interessieren.“ Lawrence lachte laut auf. „nen krankhaften Optimismus haben Sie!“ Baker zuckte die Achseln. „Sind Sie nun fertig mit Ihrem Geschwätz, Lawrence und North? Ich habe nämlich keine Lust mehr, mich noch länger mit zwei größenwahnsinnigen, verblödeten Karnickeln zu unterhalten.“ " North ging auf ihn zu und stellte sich dicht vor „n auf. „Verlassen Sie sich darauf, Bursche, daß ich derjenige din, der Ihnen die verdiente Ladung Blei in den Schädel knallt!" zischte er in wildem Haß und spuckte ihm ins Gesicht. Er hatte es kaum getan, da flog er ausheulend durch den Raum. Bakers Faust hatte ihn direkt auf das rechte Auge getroffen, das im Nu anschwoll und eine schillernde Färbung annahm. Keuchend vor Grimm riß North den Revolver hervor und schoß. Baker hatte es kommen sehen. Er saß wie der Blitz auf dem Boden und die Kugel schlug in die Wand der Blockhütte ein. Lawrence schlug North den Revolver aus der Hand. „Setzt ist's noch nicht an der Zeit!“ schrie er ihn an. zch bestimme hier!“ Er wandte sich an die beiden Wächter Bakers.„Bindet ihm die Hände wieder und schafft ihn zurück nach dem Keller. Wir werden übermorgen abend wiederkommen!“ Er kicherte teuflisch. ch glaube, da wird euer Wachtdienst zu Ende sein! un komm, North! Oh, Mensch, du hast ja'nen schönen Kloß am Auge, verdammt noch mal!“ Lawrence ging grinsend voraus, und in haßvollem Grimm kam North hinterher. Bulwer sah ihn draußen erstaunt an, während Lincoln zu grinsen begann. „Er hat von ihm eins aufs Auge gekriegt", erklärte Sawrence und blickte seinen wütenden Gehilfen schadenfroh an. „Na“, forschte Lincoln begierig,„ist er es denn..?“ „Selbstverständlich. Mich hat er gleich wieder ertannt. Er erzählte mir auch, daß er einen gewissen Tarry Loovel noch an den Galgen bringen will!“ Das ist'n Vorsatz", lachte Lincoln hämisch,„den er gust. en wieaffneten trage en. In Butler gepann Bank= fort die sich um fall am schinenUte zur (Ohio) fens 1 Werte jer gust. n Don= bruch. rmassen strecken, Belegasser rgleute n. Es rsaufen 45 Uhr ach im e deutmädel Reichsgesamte polenhang rube r die st wertslosen Oktober an den Berlin Olym= eschlosf EntLanard erschien immer noch nicht. Eine halbe Stunde über die vereinbarte Zeit war bereits verstrichen. Steps brannte sich mißmutig eine. Pfeife an. Wo nur dieser Lanard bloß stecken mochte? Alles spitzte sich jetzt zu, und es war allerdringlichst, daß sie etwas unternahmen. Nach einer Viertelstunde weiteren Wartens beschloß Steps. nach Balsmith' Saloon zu reiten. Vielleicht konnte er dort Lanard antreffen. Steps pfiff nach seinem Pferde, das folgsam wie ein Hund angetrottet kam, und ritt nach Goldground hinein. * „Sie waren heute bei mir, Diane?“ raunte Lincoln, nachdem er an einem der hintersten Tische in der Schankstube bei dem Mädchen Platz genommen hatte. „Was gibt es denn...?“ Er sah Diane kopfschüttelnd an, die blaß und unruhig vor ihm saß. „Wo steckt Baker, Captain...?“ stieß sie leise hervor und krampfte die Hände in die Tischplatte. „Das kann Sie doch nicht stören, Diane! Wir haben ihn irgendwo sicher. Sie sind recht komisch heute.“ „Ich will wissen, wo er ist! Und wenn Sie ihn getötet haben, werde ich alles verraten.“ Des Mädchens Stimme kam heiser und bebend. „Zum Teufel!“ Lincoln hatte unwillkürlich etwas lauter gesprochen und sah sich vorsichtig um. Die Schankstube war dicht besetzt. Niemand achtete auf sie.„Sind Sie denn plötzlich verrückt geworden, Sie Närrin? Baker lebt!“ „Sie müssen ihn sofort freilassen, Captain. Ich bin mir bewußt, daß ich, indem ich ihn nach dem Föhrenabhang lockte, Unrecht getan habe. Sie haben mich zu irgendwelchen dunklen Zwecken gebraucht. Baker ist Ihnen bei einer Sache im Wege, das ahne ich. Allein Ihre Abneigung ist nicht der Zweck gewesen, daß Sie ihn hier forthaben wollten.“ Lincoln lächelte sie höhnisch an. „Was mit Baker geschieht, das muß ich mir erst überlegen. Freilassen werde ich ihn vorderhand auf keinen Fall. „Und wenn Sie das nicht tun“, Dianes Augen funkelten auf,„dann werde ich sofort alle Leute davon in Kenntnis setzen, daß Sie ihn irgendwo gefangenhalten. Sie müssen ihn sofort freilassen. Geben Sie mir darauf Ihr Wort oder ich schreie auf der Stelle hinaus, was Sie getan haben.“ „Sie können es ja tun, Sie Närrin", sagte Lincoln kalt.„Ich werde dann erzählen, daß Sie es waren, die ihn von hier fortlockte, und daß Sie den Wunsch geäußert haben, ihn zu töten. Sie scheinen sich nicht darüber klar zu sein, daß Beihilfe zum Menschenraub nach unseren Gesetzen gleichbedeutend mit Beihilfe zum Mord ist. Unter zehn Jahren Zuchthaus werden Sie nicht davonkommen. Na, haben Sie jetzt noch Lust, Lärm zu schlagen? Ich meine wohl, zehn Jahre Zuchthaus werden Sie zu einer alten, verblühten Frau machen.“ Diane stöhnte auf." Ihre Lippen gingen wie im Fieber. „Sie sind ein Teufel, Captain!“ raunte sie in ohnmächtigem Haß.„O Gott, was habe ich nur getan? Ich muß von Sinnen gewesen sein.“ Lincoln fuhr sich triumphierend über das Bärtchen. Dann haschte er nach ihrer Hand, und wie unter der Berührung eines giftigen Reptils zog sie sie zurück. „Lassen Sie das, Sie Satan', schluchzte sie drückt. unternicht mehr zur Ausführung bringen kann!“ * Steps lief unruhig auf der Lichtung des Pappelwalochens umher. Der Mond war aufgegangen, und „Seien Sie doch kein Kind, Diane“, schmeichelte er. „Baker wird in vier Wochen wieder frei sein. Wir werden ihn gefesselt nach der nächsten Bahnstation bringen und ihn dort in einem Frachtwagen verstecken, der ihn nach dem Osten bringt. Dann ist er für die nächsten Monate von hier fort.“ „Ich glaube Ihnen nicht! Ich weiß, daß Sie ihn umbringen wollen... mein Gott, wenn Sie es nicht schon getan haben!“ Diane beherrschte sich nur noch mühsam, und Lincoln sah, daß es die höchste Zeit war, die Schankstube zu verlassen. Das Mädchen mußte erst wieder ruhiger werden. „Ich kann Ihnen nur auf mein Wort versprechen“, flüsterte er, indem er sich erhob und ein Geldstück auf den Tisch warf,„daß Baker lebt. Und jetzt halten Sie schön den Mund! Denken Sie an die zehn Jahre Zuchthaus, die Sie erwarten, wenn Sie Geschrei über die Sache erheben wollten.“ Diane zuckte wie unter Peitschenhieben zusammen und Lincoln verließ mit verbindlichem Lächeln die Schankstube. Draußen stieß er mit Bill Steps zusammen, der eben vom Pferde stieg. „Na, Steps“, tat er aufgeräumt,„einen hinter die Binde gießen?“ „Mir wäre es lieber“, sagte Steps in mürrischer Bedeutsamkeit,„ich könnte einen bei der Binde fassen. Ich weiß nur nicht wen!“ „Na. Sie werden mit der Zeit auch'n schwatzhafter alter Narr“, versetzte Lincoln und ging pfeifend fort. * Steps betrat die Schankstube. Er grüßte hier und da und suchte Lanard., Er war nicht anwesend. Mißmutig biß sich Steps auf die Lippen. Dann steuerte er auf den Tisch zu, an dem Diane Balsmith allein saß und nachdenklich vor sich hin stierte. Steps grüßte und ließ sich nieder. Sie erwiderte wie geistesabwesend den Gruß. Dann sah sie auf und erkannte Steps. Der Anflug eines frohen Lächelns erschien auf ihrem Gesicht. „Ach. Mister Steps“, sagte sie und reichte ihm die Hand.„Ich glaube, Sie sind der einzige, dem ich etwas anvertrauen kann.“ „Na, was haben Sie denn, Diane...?“ forschte Steps gleichmütig, obwohl er innerlich voll Spannung war.„Sie tun ja, als hätten Sie einen Toten zu beklagen. Ganz verstört sehen Sie aus.“ „Ich muß Ihnen dann etwas gestehen“, flüsterte sie, „und Sie müssen mir Ihr Wort geben, zu niemand darüber zu sprechen. Ich habe etwas ganz Böses getan und bin sehr unglücklich darüber. Nicht wahr, Sie geben mir Ihr Wort?“ fuhr sie mit unterdrücktem Schluchzen fort. „Ganz gewiß!“ Steps dachte an Lanard, der ihm anheim gestellt hatte, ein wachsames Auge auf das Mädchen und Lincoln zu haben. Und Lincoln hatte ja eben die Schankstube verlassen.„Nun sagen Sie mir aber auch, was Sie bedrückt, Diane. Ich will Ihnen gern helfen." Diane sah nach dem Schanktisch, hinter dem ihr Vater hantierte. „Trinken Sie erst etwas“, raunte sie,„ich erwarte Sie dann hinter dem Haus. Ich kann Ihnen das alles nicht hier sagen. Mein Vater darf nicht aufmerksam werden.“ Steps nickte und bestellte sich ein Glas Brandy, das Diane brachte, um sich dann den anderen Gästen zu widmen. Er trank es ohne Hast aus, zahlte vorn am Schanktisch bei Balsmith, der einen Witz riß, und ging dann hinaus, um hinter dem Hause auf Diane zu warten. Sie erschien nach einer Weile und zog ihn mit sich in das Dunkle. Es handelt sich um Jeffrey Baker", begann sie stockend zu flüstern.„Ich... ich... hatte es mir in den Kopf gesetzt, daß er... mein werden sollte, und da er mich indirekt abwies und ich hörte, daß er bei Grace Ledington einen mächtigen Stein im Brett habe, da verließ mich jede Vernunft.“ Diane hatte ihre erste Scheu überwunden und begann jetzt zu berichten, welche Rolle sie bei dem Verschwinden Bakers gespielt hatte. Sie beschönigte nichts und schüttete Steps aufrichtig ihr Herz aus. Steps hatte aufmerksam zugehört, und als sie zu Ende war, suchte er nach ihrer Hand und drückte sie. „Ich will mich auf meinen Instinkt verlassen und Ihnen rückhaltlos trauen, Diane. Es soll auch niemand, außer Baker, erfahren, daß Sie sich mir anvertraut haben. Wenn ich mich recht erinnere führt nicht an dem Föhrenabhang ein Bergpfad hinauf nach dem Gipfel?“ „Ja“, Diane schluchzte befreit,„er ist uralt und ziemlich verwildert.„Begangen wird er wohl kaum noch.“ „Jetzt sehe ich völlig klar!“ Steps strich sich zufrieden das Kinn.„Es ist möglich, daß ich morgen gegen Abend nochmals zu Ihnen komme, Diane, und ich glaube, daß ich nunmehr weiß, wo man Baker verborgen hält. Ich hoffe, morgen noch einen Freund zu treffen, mit dem ich mich aufmachen werde, um Baker zu suchen und zu befreien.“ Steps dachte an Lanard, den er morgen früh auf Bulwers Ranch aufzusuchen beabsichtigte. Bulwer gegenüber wollte er sagen, daß ihn Lanard angeborgt habe, und er verlange sein Geld von ihm zurück. Das war eine halbwegs plausible Rechtfertigung des Grundes seiner Anwesenheit auf Bulwers Ranch. „Lassen Sie es mich wissen, wenn Sie sich aufmachen, Mister Steps. Ich bin Ihnen ja so dankbar und ich hoffe, daß sich alles noch zum Guten wenden wird!“ hauchte sie noch. Dann ging sie rasch zurück nach Schankstube, während Steps heimwärts ritt. XII. „Sie kommen noch recht spät, Captain“, sagte Grace, nachdem Lincoln vor ihr stand. Sie saß in einem Sessel und sah erstaunt auf den späten Gast. Es war kurz vor 10 Uhr abends. Lincoln neigte sich zu ihr herab. „Schicken Sie Mrs. Winter zu Bett“, raunte er geheimnisvoll,„ich habe Ihnen etwas mitzuteilen, was nicht für andere Ohren berufen ist. Ich nenne Ihnen den Namen Baker.“ Grace war in freudigem Schreck zusammengezuckt. „Jeffrey!“ hauchte sie fast unhörbar. Dann wandte sie sich nach der Haushälterin um, die strickend dasaß. „Sie können nun schlafen gehen, Mrs. Winter. Für heute abend benötige ich Sie nicht mehr.“ Sie nickte ihr freundlich zu, und die Haushälterin raffte ihr Strickzeug zusammen und verließ nach einem Gutenachtgruß die Wohnhalle. Die Tür hatte sich hinter der Haushälterin geschlossen, und erregt drehte sich Grace wieder nach dem Captain um, der sie mit leichtem Lächeln betrachtete. „Sprechen Sie rasch. Sie wissen etwas über Baker..? Wo er steckt...?“ drang sie in ihn.„Ja, da reden Sie doch, Captain, und spannen Sie mich nicht auf die Folter!“ „Ja, ich weiß, wo Baker steckt. Er wurde von einer Bande überwältigt, die glaubte, aus seiner Person ein gutes Lösegeld herausschlagen zu können.“ Und Lincoln erzählte mit der ihm eigenen Beredtsamkeit eine ziemlich glaubwürdige Geschichte, nach der Baker nach heftiger Gegenwehr von einigen Männern gefesselt fortgeschleppt worden wäre. Einer dieser Männer hatte sich nun an ihn, Lincoln, herangemacht und ihm zu verstehen gegeben, daß Jeffrey Baker gegen ein Lösegeld wieder freigelassen würde. Grace hatte der Bericht Lincolns in eine derart freudige Aufregung versetzt, daß sie alles Mißtrauen schwinden ließ und eifrig fragte, wie hoch die Summe sei, die man zur Auslösung Bakers benötige. „Der Mann hat mir nichts Bestimmtes gesagt“, versetzte Lincoln langsam und brannte sich, nachdem er um Erlaubnis gebeten hatte, eine Zigarette an„Ich habe aber da einen gewissen Plan. Die Männer, die Baker in ihrer Gewalt haben, sind nicht sonderlich intelligent. Ich schätze, daß sie Baker gegen eine Summe von vielleicht fünftausend Dollar wieder freilassen...“ „So viel habe ich noch im Hause!“ Grace war aufgeregt aus ihrem Sessel aufgesprungen und wollte rasch das Geld holen gehen. Lincoln hielt sie zurück. „Nur nichts überstürzen, Miß Grace“, sagte er mit schlauem Lächeln.„Ich sagte Ihnen doch, daß ich einen gewissen Plan habe. Wir werden diesen Männern kein bares Geld auszahlen. Nehmen Sie Ihr Scheckbuch mit. Die Leute erhalten einen Scheck über die geforderte Summe. Ich bemerkte schon, daß die Männer keine überragende Intelligenz besitzen. Wir werden ihnen einen Scheck aushändigen, worauf Baker freigelassen wird. Alsdann ist unser erster Weg zur Telegraphenstation, wo wir zur Bank kabeln, daß der Scheck nicht zur Auszahlung gelangen soll; vielmehr muß der Vorzeiger des Schecks sofort verhaftet werden. Verstehen Sie mich, wie ich es meine...?“ Grace war im Augenblick alles recht. Sie überlegte nicht, daß die Männer, die Baker gefangen hielten, kaum zu jenen Leuten gehörten, die Schecks wie bares Geld in Zahlung nehmen. „Ich bin Ihnen sehr dankbar, Captain“, versetzte sie herzlich und drückte ihm im Ueberschwang ihrer Gefühle die Hand.„Ich werde es nicht vergessen, was Sie an Baker getan haben. Und wo befindet sich nun Baker überhaupt? Wann werden wir aufbrechen?“ „Sie müssen sich auf einen zehnstündigen Ritt gefaßt machen, Miß Grace“, versetzte er.„Ich muß nochmals zu mir hinüber. Sie werden jetzt einige Zeilen schreiben, mit denen Sie Ihren Leuten mitteilen, daß Sie sich aufgemacht haben, um Baker zu suchen. Sie könnten eine gewisse Zeit wegbleiben. Geben Sie nichts Näheres weiter an und schweigen Sie über das Lösegeld und über meine Person. Sie kennen ja das ungestüme Temperament der Cowboys. Wenn sie hören, daß Sie Geld an eine Bande zahlen wollen, die Baker gefangen hält, dann könnten sie sich unter Umständen aufmachen, um hinter uns her zu reiten und durch ihr Auftauchen an dem bestimmten Ort womöglich noch das Leben Bakers in Gefahr bringen. Also vertrauen Sie jetzt mal völlig auf mich. Schreiben Sie, wie ich Ihnen gesagt habe, bringen Sie ihr Scheckbuch mit und kommen Sie dann zu mir rüber geritten. Wir werden dann sofort aufbrechen.“ „Ja, ich werde alles so tun, wie Sie es gesagt haben, Captain“, versprach Grace zitternd vor Aufregung.„Sie können mich in der Stunde bei sich drüben erwarten.“ „Und vergessen Sie das Scheckbuch nicht", sagte er nochmals eindringlich, bevor er sie verließ. Mit fliegender Hast begann sich Grace zu dem Ritt umzukleiden. Jack Lanard wanderte pfeifend in dem Keller herum, in den man ihn gesteckt hatte. Die Kuhhäute, die hier unten lagen, verbreiteten einen penetranten Geruch, und nur langsam hatte sich Lanard daran gewöhnen können. Plötzlich machte er in seiner Wanderung halt. „He. Lanard!“ lachte er laut und vergnügt. Er fingerte in seiner Hemdtasche und brachte eine Handvoll Revolverpatronen heraus. In seinem Gürtel hatte er noch eine Anzahl Schwefelhölzer stecken, von denen er bereits verschiedene angezündet hatte, um sich in dem stockdunklen Keller zurecht zu finden. „Es muß trostlos um die Gehirne der Halunken bestellt sein“, brummte er vor sich hin.„Den Revolver haben sie mir zwar abgenommen, aber daß ich mit den Patronen auch noch etwas anfangen kann, daran haben diese Schafsköpfe nicht gedacht.“ Lanard begann auf dem steinigen Boden herumzukriechen. Mit den Schwefelhölzern mußte er sparsam umgehen. Und so suchte er im Finstern eine blecherne Zigarettenschachtel zu finden, die er vor einiger Zeit beim Aufleuchten eines Schwefelholzes gesehen hatte. Nach einer Weile pfiff er vergnügt; er hatte die Schachtel gefunden. Nun tastete er sich nach den Häuten zurück und ließ sich dort nieder. Dann begann er die Geschosse von den Patronenhülsen zu entfernen und schüttete das Pulver in die Blechschachtel. Zufrieden kicherte er bei dieser Tätigkeit vor sich hin. Nachdem er sämtliche Patronen entleert hatte, begab er sich erneut auf die Suche. Endlich hatte er die Rolle Draht gefunden, die er vorher zwischen den Häuten bemerkt hatte. Dieser Draht wurde sonst zum Bündeln der Häute benutzt, wenn sie zu der Auktion gebracht wurden. Lanard kehrte höchst zufrieden nach seinem ersten Aufenthaltsort zurück und setzte sich wieder auf die Häute. Er summte ein Lied vor sich hin, während er die Schachtel, die das Pulver enthielt, mittels des Drahtes fest umschnürte. Das war getan, und nun stach er mit dem spitzen Ende eine Drahtstückes ein Loch in die Blech„n Anarchist ist'n Waisenkind gegen mich", brummte er vergnügt, nachdem er die Blechschachtel auf der einen Seite durchlöchert hatte. Plötzlich wurden draußen vor der eisenbeschlagenen Tür Schritte laut. Ein Schlüssel drehte sich im Schloß, und rasch hatte Lanard die Blechschachtel unter die Häute geschoben. Die Tür wurde geöffnet, und der Schein einer elektrischen Lampe fiel auf ihn. „Ich habe'nen Revolver in der Hand“, sagte eine Stimme. Lanard war geblendet von dem scharfen Schein der Lampe und konnte deshalb den Sprecher nicht sehen.„Bleiben Sie dort sitzen und versuchen Sie keine faulen Tricks. Hier ist'n Stück Fleisch. haben Sie es eigentlich nicht, Sie verdammter Spitzel! Lanard erkannte den Sprecher an der Stimme. „Ho, Small“, sagte er,„Sie sind'n ordentlicher Kerl. Wenn Sie erst mal alle zusammen verknackt werden, will ich'nen gutes Wort für Sie einlegen, damit Sie bloß Gefängnis und kein Zuchthaus kriegen.“ „Das wird wohl schlecht gehen,“ kicherte Small einer der Cowboys Bulwers,„'n toter Mann wird wohl noch nicht vor'nem Gericht als Zeuge gestanden haben.“ „Aber die Seele“, sagte Lanard feierlich,„die Seele, Small, die ist unsterblich. Beten Sie fleißig, vielleicht werden Sie auch noch'n anständiger Mensch. Es ist nie zu spät dazu“, fügte er noch salbungsvoll hinzu. „Sie sind'n alter Quatschkopf, Jack, trauriger“, brummte Small und schob sich rückwärts, mit dem Revolver in der Hand, hinaus. „'s ist nicht notwendig, daß Sie zuschließen, Small!“ rief ihm Lanard hinterher. Sie haben'ne ordentliche Portion Galgenhumor!“ lachte Small schon draußen.„Aber Sie müssen schon entschuldigen, die Tür werde ich zuschließen. Schätze, s ist für uns alle hier oben besser.“ Die Tür knallte zu und der Schlüssel drehte sich zweimal in dem massiven Schlosse. „Na, dann nicht!“ kicherte Lanard.„Ihr werdet schon noch euer blaues Wunder über den traurigen Jack erleben.“ Er stand auf und suchte sich die Schachtel wieder hervor. Aus seinem wollenen Hemd zog er einige Fäden, die er zusammendrehte und in das Loch der Schachtel zwängte, den längsten Teil der Fäden ließ er außen hängen. Er hatte diese Tätigkeit völlig im Finstern vollbracht, und jetzt legte er die Schachtel auf die Häute, entfernte sich einen Schritt, nachdem er sich vorsichtig die Hände von etwaigen Ueberbleibseln des Pulvers gereinigt hatte, und entzündete ein Schwefelhol. Zufrieden betrachtete er nunmehr sein Werk. „Ist alles in Ordnung!“ brummte er, während das Schwefelholz verlosch. Er trat es ganz aus und setzte sich wieder auf die Häute. Ja, morgen abend war die beste Zeit dazu. Er war überzeugt davon, daß alle Insassen der Bulwerschen Ranch sich hinauf nach der Waldweide begeben würden, um das Ledingtonsche Vieh zu rauben. Keiner würde die halblaute Detonation seiner kleinen Bombe hören, wenn er das Türschloß aufsprengte! hob und senkte sich stürmisch. „O Jeffrey", flüsterte sie glücklich,„bald werde ich es langsam zum Tor hinaus und saß erst draußen auf, um im Galopp in der Nacht zu verschwinden. Hinter dem Stall trat ein Mann hervor, der gespannt den sich in der Ferne verlierenden Hufschlägen lauschte. Es war Ben Burner. Der Mond beschien sein grinsendes Gesicht. Burner nickte einige Male vor sich hin. Dann holte er sein Pferd aus dem Stall, sattelte es rasch und ritt in der entgegengesetzten Richtung wie Grace davon. Nach zeyn Minuten scharfer Gangart hatte er eine vom Mond beschienene Talmulde erreicht und lenkte sein Pferd auf eine massige alte Ulme zu, die wie verlassen inmitten der Talmulde stand. Mit einem Satz war er vom Pferd und sah sich vorsichtig um. Dann holte er ein zusammengefaltetes Papier aus dem Hemd und begab sich zu der Ulme hin, die in ihrem Innern hohl war. Rasch barg er das Papier in dem Hohlraum, und wenige Minuten später zeigten sich seine und des Pferdes Silhoutte oben auf dem Höhenzug, der die Mulde begrenzte, und verschwand wie ein gespenstischer Reiter. * Kaum eine halbe Stunde später kam ein berittener Mann an der Ulme an. Er stieg vom Pferde, griff in den Hohlraum der Ulme und brachte den Zettel hervor. Im Mondlicht entzifferte er die Worte:„Alles in bester Ordnung!“ Sonst nichts. Keine Unterschrift oder noch irgendein Hinweis. Der Mann nickte zufrieden vor sich hin, kletterte auf sein Pferd und ritt im gestreckten Galopp gen Süden. Ruhig und still lag die Talmulde mit der verlassenen Ulme wieder im fahlen Mondlicht. * „Ich habe Sie schon erwartet, Miß Grace“, sagte Lincoln und half Grace Ledington vom Pferd.„Darf ich Sie bitten, einen Augenblick einzutreten. Wir können den Scheck gleich hier ausfertigen, und dann will ich zu aller Vorsicht eine Waffe zu mir stecken." „Denken Sie“, fragte sie, während er sie ins Haus führte,„daß es gefährlich werden könnte...?“ „O nein“. beruhigte er sie.„Aber ich bin gewöhnt, daß ich bei nächtlichen Ausritten eine Waffe bei mir trage. Haben Sie einen Revolver bei sich...?“ fügte er unvermittelt hinzu. Grace schüttelte den Kopf. „Daran habe ich garnicht gedacht!“ „Sie hätten ihn auch nicht benötigt“, versetzte Lincoln und ein zweideutiges Lächeln spielte um seine Züge.„Bitte, wir gehen hier hinunter!“ „Ja, wohnen Sie denn im Keller...?“ fragte sie verwundert. „Nicht immer“, erklärte er,„ich habe da unten einen gemütlich ausgestatteten Raum. Ein bewohnbarer Leinkeller, wie man ihn oft in Deutschland findet. Mein Waffenschrank befindet sich unten. Ich sagte Ihnen doch, daß ich eine Pistole zu mir stecken wollte. Den Scheck fertigen wir auch gleich unten aus. Aber nun lassen Sie uns eilen. Die Zeit drängt.“ Er ging voraus, und sie folgte ihm. „Na, gefällt es Ihnen nicht...?“ forschte Lincoln, nachdem Sie den Kellerraum betreten hatten, der in der Art einer altdeutschen Trinkstube eingerichtet war. „Wirklich nett!“ versicherte Grace und sah sich in dem Raume um, der keine Fenster hatte und nur durch eine große Oellampe beleuchtet war. Lincoln schloß die Tür und drehte unhörbar den Schlüssel herum. „Bitte“, wies er auf einen Sessel,„nehmen Sie Platz. Unterschreiben Sie inzwischen den Scheck, bis ich mir eine passende Waffe dahinten aus dem Schrank geholt habe. (Fortsetzung folgt.) Aus dem Kreise Ahaus Aus der Ahaus, den 26. August 1934. Zur Kreiskierschau in Ahaus am 30. August Die Kreisstadt steht z. Zt. in Erwartung der am 30. August im Stadtpark stattfindenden Kreistierschau. Die Schau wird recht zahlreich beschickt werden. Es liegen nämlich 277 Tieranmeldungen vor. Die Verteilung auf die einzelnen Abteilungen und Gruppen ist folgendermaßen: Warmblut Kaltblut Zusammen Abteilung Pferde 22 62 84 Rotbunt Schwarzbunt Zusammen Rindvieh 125 61 186 Eine besondere Note erhält die diesjährige Kreistierschau dadurch, daß mit ihr eine Kreisbauerntagung verbunden ist, wozu Herr Landesbauernführer Koost persönlich erscheinen wird, um die Weihe der Fahne der Kreisbauernschaft vorzunehmen. Es ist daher mit einem zahlreichen Besuch der diesjährigen Kreistierschau zu rechnen. Fachausflug der Bäckerinnung Ahaus Meister, Gesellen und Lehrlinge in einer Front. Die Bäcker der Innung Ahaus unternahmen ihren diesjährigen Fachausflug zur Hefefabrik MoormannWerne und zur Handwerkerschau in Dülmen ausgesehen. Mit froher Festlaune, begünstigt vom schönsten Wetter, hatten sich die Teilnehmer beim Obermeister Goßling eingefunden, um die bereitstehenden Autobusse zu besteigen. Am berühmten Holtwicker Ei vorbei ging die Fahrt zunächst über Coesfeld, Dülmen zu. Das erste alt wurde alsdann in Lüdinghausen gemacht, wo die dicksten Säulen Europas in der dortigen Pfarrkirche besichtigt wurden. Auch die anderen Schätze dieser schönen Kirche fanden großes Interesse, zumal sie ein beredtes Zeugnis alter Handwerkerkunst abgeben. Dann ging die Fahrt weiter auf Nordkirchen zu, wo ein zweistündiger Aufenthalt dem herrlichen Schloß galt. Bald darauf war Werne erreicht.„Wanderfalke“ und„Grenzlandexpreß“ nahmen Aufstellung auf dem Fabrikplatz der Firma Moormann. Die Firma begrüßte die erschienenen Gäste auf das herzlichste und die Besichtigung der mustergültigen Fabrik konnte beginnen. Für viele tat sich eine ganz neue Welt auf, als sie hier hörten von den Lebewesen der Hefe und die Art ihrer Fabrikation. Alle stimmten in den Dank des Obermeisters ein für die schöne Führung und Erläuterung. Dann ging es in die Stadt. Doch schnell verrann die Zeit, und allzu früh mußte man sich vom gastlichen Werne verabschieden. In einstündiger Rückfahrt war Dülmen erreicht. Hier wurde die Gewerbeschau sofort in Augenschein genommen. Was hier gezeigt wird, macht den Meistern alle Ehre und fand den Beifall der Besucher. Daß die Stände der Bäcker einer ganz besonderen Musterung unterzogen wurden, ist wohl selbstverständlich. Die riefen mit ihren mustergültigen Erzugnissen unsere helle Freude und Bewunderung hervor In bester Stimmung wurden die Autobusse nach einnem fröhlichen Aufenthalt in Dülmen wieder bestiegen und die Fahrt ging unter Scherzen und Singen wieder den heimatlichen Gefilden zu. Ohne weitere Hindernisse langte man dann wieder in Ahaus an. Noch einmal sammelte man sich. Jugendleiter Pg. Effing dankte im Namen der Lehrlinge der Innung und ihren Meistern dafür, daß sie es diesen ermöglichten, solch einen Tag fachlicher Schulung und angenehmer Erholung zu verleben. Er forderte die Jungen auf, durch Fleiß und Treue ihrem Meister gegenüber sich dankbar zu erweisen. Möge dieser Tag dazu beitragen, ein inniges Band um die große Handwerfamilie zu knüpfen, wie es das Bäckerhandwerk immer gepflegt hat. Was wird aus der Neuregelung des Sonntagsverkaufs? In den Wintermonaten nach wie vor völlige Sonntagsruhe! Wie unlängst durch die gesamte Presse mitgeteilt wurde, ist eine Neuregelung in der oft umstrittenen Frage des Sonntagsverkaufes durchgeführt worden, die am 1. September in Kraft tritt. Ob in den einzelnen Landkreisen von dieser Verordnung über den Sonntagsverkauf Gebrauch gemacht wird, oder ob allgemeine Sonntagsruhe angeordnet werden soll, darüber ist durch den zuständigen Landesrat im Einvernehmen mit den Gewerberäten zu bestimmen. Wie wir erfahren, haben sich die Landräte der Kreise Ahaus und Coesfeld entschlossen, mit Rücksicht auf die vorherrschenden Verhältnisse die Sonntagsverkaufszeit gemäß den Bestimmungen der neuen Verordnung aufrecht zu erhalten. Danach gilt also für die genannten Kreise vom 1. September ab folgende Regelung: Der Verkauf von Roheis und Milch innerhalb einer genau festzusetzenden Tageszeit ist an allen Sonn= und Feiertagen des Jahres erlaubt. Der Verkauf von Baa= und Konditorwaren, frischen Blumen und Zeitungen ist ebenfalls an allen Sonn= und Festtagen des Jahres, jedoch nicht am zweiten Öster, Pfingst= und Weihnachtstage erlaubt. Der Verkauf von Kolonialwaren, Sämereien, Eisenwaren, Manufakturwaren, Seilerwaren, Schuhwaren, (einschließlich Holzschuhe), Uhren und Fahrrädern ist gestattet an allen Sonn= und Feiertagen in der Zeit vom 1. April bis 31. Oktober, mit Ausnahme des zweiten Öster= und Pfingsttages. In den Kreisen Coesfeld und Ahaus besteht lediglich für die Stadt Gronau eine Ausnahme. Dort kommt eine Sonntagsverkaufszeit für die im letzten Abschnitt genannten Waren nicht in Betracht. Für den Handel mit allen im letzten Abschnitt genannten Waren gelten ferner nachstehende Einschränkungen: In jedem Geschäft dürfen nur zwei Arbeitnehmer für den Sonntagsverkauf beschäftigt werden, und zwar so, daß innerhalb zweier Wochen die gleichen Arbeitnehmer nur an einem Sonn= oder Festtag beschäftigt werden dürfen. Als Entschädigung für diese Sonntagsbeschäftigung Stadt Ahaus ist in der folgenden Woche ein freier Nachmittag einzuräumen. Als Verkaufsstunden kommen höchstwahrscheinlich wieder die Stunden von 11 bis 1 Uhr in Frage. Zweiter Frühling. Auf dem Schulplatz vor der Mädchenschule am HorstWesselplatz steht ein Lindenbaum, der vollständig neue Blätter bekommen hat. Der Baum sieht in dem frisch grünen Kleide recht frühlingsmäßig aus. Nur in der obersten Spitze sind die alten Blätter, die den Kontrast erst recht zur Geltung bringen. Der Baum gewährt einen eigenartigen Anblick; man sieht, die Natur bringt immer neue Wunder. Legden Aus dem Sportverein. Am Mittwoch abend fand im Saale Sutthoff eine Versammlung des Spiel= und Sportvereins 1911 statt. Die Versammlung, die gut besucht war, wurde vom Vereinsvorsitzenden Willy Blanke eröffnet, der dann auch den Zweck der Zusammenkunft bekannt gab. In einer, im Frühjahr ds. Is. stattgefundenen Generalversammlung wurde bereits beschlossen, aus der D. J. K. auszutreten. Infolge eines Versehens ist diese Austrittserklärung seiner Zeit nicht an die Geschäftsstelle der DIK.=Leitung abgesandt. Heute handelt es sich nun darum, die von dem Sportbeauftragten vorgeschriebenen 8 Punkte zu erfüllen, um eine weitere sportliche Betätigung für den Verein möglich zu machen. Auf Grund der Ausführungen des Vorsitzenden, der die vorgenannten Punkte näher erläuterte, erklärten die Anwesenden sich mit der Auflösung des Vereins einverstanden. Sämtliche Mitglieder erklärten darauf hin sich sofort bereit, dem neuen Spiel= und Sportverein, der sich dem Reichsverband für Leibesübungen anschließt, beizutreten. Anschließend wurde in Anwesenheit des Stützpunktleiters der NSDAP., Pg. Dapper, ein entsprechendes Schreiben angefertigt, daß an zuständiger Stelle eingereicht werden soll. Zum Schluß der Versammlung wies der Vorsitzende noch in kurzen Zügen auf die Bedeutung dieser Umorganisation hin und forderte die anwesenden Sportler auf, sich nunmehr wieder recht rege an den sportlichen Uebungen zu beteiligen. Gronauer Stodt=Rundschau F. C. 09 Gronaus Leichtathleken beim „Nalionalen" in Kheine An den nationalen leichtathletischen Wettkämpfen, die am heutigen Sonntag mit bester nationaler Besetzung den Abschluß der Jubiläums=Sportwoche der S.=Vgg. Rheine 09 bilden sollen, nimmt auch der F. C. Gronau mit einer Reihe seiner besten Aktiven teil. Werring wird— falls er bis dahin seine augenblickliche Indisposition überwunden hat— unter günstigen Umständen versuchen, die bestehende westdeutsche Bestleistung von 14,82 m(Dobermann=Köln) zu überbieten.— Von den übrigen Senioren hat Riehn im Speerwerfen gute Platzaussichten. Haupt und Völkers(5000 m1. Lippinkhoff(3000 m), Mensing (Hoch= und Weitsprung). Lübbert(Weitsprung) und Krohm(100 m u. 200 m) haben ebenfalls Gelegenheit, ihr Können im Wettkampfe zu messen. Bei den Jugendlichen nehmen van der Bil und Struik am 1500 m=Lauf teil. Hier und noch mehr bei der Olympischen Staffel(800 m: Struik. 200 m: Klein, 200 m: Duesmann, 400 m: van der Bil) sieht der aufstrebende Nachwuchs mit Spannung den unannten Gegnern entgegen. Die Teilnehmer werden noch besonders darauf hingewiesen, daß nicht mit einem Autobus, sondern mit dem Mittagszug 12,35 Uhr ab Gronau gefahren wird. L. Pehle. Eine imposante Werbung für den Sportgedanken Glänzender Verlauf des Sternlaufs des Spielvereins Vorwärts 09. Als eine gute Werbung für den Sport darf man den Sternlauf mit anschließendem Werbemarsch(Fackelzug) bezeichnen, den der Spielverein Vorwärts 09 anläßlich seiner Sportwoche am Donnerstagabend veranstaltete. Eine Hundertschaft junger deutscher Sportler im schmucken blauweißen Dreß demonstrierte für den Gedanken der Leibesübungen. Immer war der Spielverein Vowärts da, wenn es galt, dem Sport die Stellung zu verschaffen, die er verdient, so war es vor 25 Jahren und so ist es auch heute noch. Man muß der Vereinsleitung Anerkennung zollen, daß sie eine derartige Veranstaltung mit solch großem Geschick aufzog. Um 8.15 Uhr durchliefen die einzelnen Mannschaften ihre Strecken. Pünktlich um 8,30 Uhr trafen sie dann auf dem Schloßplatz ein. Hier hatte die Damenabteilung schon Aufstellung genommen und die einlaufenden Mannschaften formierten sich unter dem Schein eines bengalischen Feuers zu einem Hakenkreuz. Ein glänzender Anblick. Unter Vorantritt der Standartenkapelle und unter Mitwirkung des NSBO.=Spielmannszuges setzte sich dann ein stattlicher Fackelzug durch die Straßen der Stadt in Bewegung. Begeisterte Menschenmassen umsäumten die Straßen. Besonders im„Bauverein“ war der Andrang der Menge groß. Schon von weitem leuchtete von der Ecke Restaurant Kolk ein schönes Feuerwerk, das gleiche wiederholte sich beim Restaurant Schüttmann. Der Zug marschierte zum Sportplatz und passierte das Ehrenmal der Gefallenen, das von Fackelträgern flankiert war. Am Vereinslokal angelangt, hielt der Vereinsführer eine kurze, kernige Ansprache, in der er den Appell an die Sportler richtete, weiter an sich zu arbeiten zu Nutz und Frommen des deutschen Vaterlandes. Das Horst=Wessel= und Deutschlandlied beendeten die eindrucksvolle Kundgebung. Ein paar gemütliche Stunden, die durch allerlei humoristische Vorträge einiger Vereinsmitglieder und durch Vorführungen der Damenabteilung verschönt wurden, sahen die Freunde und Mitglieder des Spielvereins Vorwärts 09 noch im Vereinslokal friedlich beisammen. ):( Silberhochzeit. Im Silberkranze gedenkeen am morgigen Montag. dem 27. 8. die Eheleute Fritz Determann und Frau Wilhelmine geb. Will. Iltisstraße, der 25. Wiederkehr des Tages ihrer Eheschließung. Wir gratulieren! X Jenseits der Grenze Autobus mit Arbeitern von Lokomotive erfaßt. 3 Tote und 9 Schwerverletzte. An einem unbewachten Bahnübergang in der Gemeinde Emmen in der holländischen Provinz Drenthe ereignete sich Mittwoch nachmittag ein furchtbares Verkehrsunglück. Ein Autobus, das etwa 20 Arbeiter von der Arbeitsstätte heim beförderte wurde von einem Personenzuge erfaßt. Die Unglücksstätte bot ein wüstes Bild des Leides und der Zerstörung. 3 Tote und 9 Schwerverletzte blieben auf der tragischen Walstatt. Der Chauffeur war etwa 40 m vor dem Bahnübergang von einem jungen Mädchen durch Handaufheben gewarnt worden, doch hatte der Wagenführer diese Handbewegung als Gruß aufgefaßt. Eine andere Frau sah. wie der Autobus von der Lokomotive mitten durchgerissen wurde. )( Oldenzaal erhält seinen Rundweg. Der rege Durchgangsverkehr von Autos und sonstigen Fahrzeugen von Bentheim über Oldenzaal nach Hengelo ließ seit einiger Zeit den Plan der Anlage einer Umgehungsstraße reifen od.„der Rundweg“, wie ihn die Holländ. nennen, wird unter Umgehung des Stadtkerns von Oldenzaal, ausgehend von der Bentheimer Straße, in nordwestlichem Bogen auf die Straße nach Hengelo führen. Der Verkehr Bentheim—Hengelo führt also demnächst nicht mehr durch Oldenzaal, sondern im Halbkreis am Rande der Stadt vorbei. An Glanerbrücke bei Gronau begann Samstag früh die große Westfalen=Stafette der Saarland=Treuestaffel nach Ehrenbreitstein bei Koblenz Turner von Gronau und Epe die ersten Läufer Eine feltene Morgen-Kundgebung an der Landesgrenze in die Mitte und findet passende Worte für den Sinn dieses Geschehens: „Deutsche Volksgenossen und Volksgenossinnen! Diese Kundgebung ist ein Zeichen unserer engen Verbundenheit mit den Volksgenossen an der Saar, die wieder heim wollen ins Reich. Unter engster Anteilnahme der Bevölkerung Gronaus, der weithin bekannten Grenz= und Textilindustriestadt, beginnt hier heute morgen an Glanerbrücke der 8. Hauptlauf der Saar=Treuestaffel. Ueber 150 000 deutsche Turner und Sportler durchlaufen seit 5 Tagen und Nächten die deutschen Gaue. Mit mehr als 17000 Kilometern ist dieser Lauf der größte, der jemals stattfand. Die Läufer eilen nach der alten Feste Ehrenbreitstein bei Koblenz um dort dem Führer die Grüße des Westfalenvolkes und die innigen Wünsche auf Wiedervereinigung des Saarvolkes mit dem deutschen Mutterlande zu überbringen. Die Grenzstadt Gronau läßt dem Führer und Kanzler eine besondere Urkunde überreichen. Der erste Läufer, der von hier aus die Saarstaffel eröffnet, wird wiederum als letztes Glied der Staffel, die Urkunde Sonntag nachmittaa dem Führer gelegentlich der Saarkundgebung auf Ehrenbreitstein übergeben. Die Urkunde ist unterzeichnet vom Leiter der Stadt der Partei und der Standarte und vom Vereinsführer des Turnvereins Gronau und hat folgenden Wortlaut: Saarland=Treuestaffel 20.—26. August 1934. Gronau in Westfalen, die weltbekannte Textilstadt an der holländischen Grenze enbietet den deutschen Brüdern an der Saar angesichts der baldigen Wiedervereinigung mit dem deutschen Vaterlande die herzlichsten Grüße. Treu unserm Volk, tren unserer Heimat, treu unserem Führer. Die Saartreuestaffel ist, so fährt der Bürgermeister nach Verlesung der Urkunde fort, nicht allein eine gewaltige sportliche Leistung, sondern sie bedeutet gleichzeitig eine große volksdeutsche Kundgebung, die der Welt unerschütterliche Treue zum Führer und den zähen Willen zur Mitarbeit am Wiederaufbau des Vaterlandes dartun soll. Sie soll ader vor allem den Brüdern und Die 326 km lange Westfalen=Stafette der Saarland=Treuestaffel Gronau 1. Westfalen— Koblenz begann Sonnabend früh um 6 Uhr an Glanerbrücke. Hunderte von Menschen wohnten in der Morgenfrühe der seltenen Kundgebung bei. Beim ersten Hahnenschrei umhüllt noch Morgengrauen die schläfrige Stadt. Scheu blickt der hinter einer silbergrauen Wolkenwand vor dem anbrechenden Tag sich verziehende Mond auf das Geschehen, das zu so ungewohnter frühen Stunde im Grenzstädtchen vor sich geht. Die sauber=glatte Landstraße nach Glanerbrücke belebt sich immer stärker mit Frühaufstehern=Menschen, die zu Fuß, per Rad und Auto der Landesgrenze zueilen. Glanerbrücke ist das Ziel! Dort am Schlagbaum, wo das große deutsche Vaterland sich mit dem stammverwandten holländischen Nachbarvolk berührt, soll nämlich der 8. Hauptlauf der großen Saar=Treuestaffel nach Ehrenbreitstein bei Koblenz beginnen. „Saar=Treuestaffel Gronau 1. Westfalen—Koblenz 25./26. August 1934“, so kündet es das just vor dem Tore nach Holland über die Straße gespannte Transparent, im girlandengeschmückten Viereck flankiert von den Fahnen des Deutschen Reiches, der Stadt Gronau und der Deutschen Turnerschaft. Gegen 5 Uhr früh herrscht an Glanerbrücke es Leben. Die SA.=Standartenführung mit 3 SA.=Ehrenstürmen, die Standartenkapelle, der Turnverein Gronau mit der gesamten Mitgliedschaft, Vertreter der Deutschen Turnerschaft, der z. Zt, in der Gronauer Jugendherberge wohnende auswärtige BdM. und viele hunderte von Volksgenossen und Volksgenossinnen haben sich eingefunden. Munter klingen die Weisen der Kapelle in den frühen Morgen. Die Formationen stehen in Reih' und Glied. Eine 500köpfige Menschenmenge umsäumt die Straße. Ein junger Turner spricht den Fahnenspruch. Die Fahnen gehen an den Masten hoch und das Horst=Wessel=Lied erschallt. Dann tritt der Bürgermeister der Stadt Gronau, Dr. Jansen, Vereinsanzeiger (Nur für Mitteilungen an die Mitglieder Preis pro Millimeter Höhe 5 Pfennig.) Kriegerverein und Marineverein Ahaus. Zur Teilnehme an der großen Saarkundgebung treten die Kamergden um 1,15 Uhr auf dem Schlageterplatz(Nenmarkt) mit Fahne an. Treuspruch der Saarländer: (In saarländische Mundart) Laß se schaffe, laß se raffe, Laß se holle, was se wolle, Unser Herz, das krien se nit! von A. Ziehlte vom Land" Treue bringen für Ein 216f betreu gehü Vorsch Kontr Fundl dacht mas Poliz Vorsic Haare zeigte hervo vielle 4 einen sicher Er be schmet dem Decku Stück Der mit schme ohrig wenn wahr Schwestern an der deutschen Saar davon künden, daß wu in ewiger Treue mit ihnen verbunden sind und den Zeitpunkt herbeisehnen, wo sie wieder zum Mutterlande heimkehren. Wir wissen: So sicher wie jeden Morgen die Sonne aufsteigt, so sicher wird bald die goldene Sonne der Freiheit dem Saarvolk scheinen.— 1000 Gronauer und westfälische Turner eilen jetzt nach Ehrenbreitstein. Sie mögen den Führer grüßen vom der Roten Erde und ihm unsere T die deutsche Saar!“ Während nun das Saarlied erklingt, übernimmt der erste Läufer, Vereinsführer des Turnvereins Gronau, Zschetsching Senior die Stafette und eröffnet punkt 6 Uhr den 8. Hauptlauf von der holläydischen Grenze. Die Fortsetzung der Staffel in Läufen von durchschnittlich je 200 m besorgte im Anfang die Altersriege des Turnvereins Gronau; im weiteren Abschnitt die jüngeren Turner des genannten Vereins. Insgesamt waren auf dem etwa 10 km langen Abschnitt Glanerbrücke—Straßenmündung Büscher am Bergetruper Straße 56 Gronauer Läufer beteiligt. Dann wurde die Staffel von Mitgliedern des Turnvereins „Westfalia“ Epe übernommen, die die Urkunde fortsetz, dem Turnverein Ochtrup übergaben. Sie läuft so weiter über Burgsteinsert—Münster, Dortmund—Hagen nach Koblenz und wird dort Sonntag mittag erwartet. Eine besondere Note erhielt die seltene Morgenkundgebung an Glanerbrücke dadurch, daß der Ablauf Joui der Geschehnisse von dem Tonfilm=Unternehmen Wüst mit mann aus Berlin aufgenommen und in Bild und Ton festgehalten wurde. Der Filmwagen begleitete auch die Staffel.— Die Organisationsleitung im Abschnitt Glanerbrücke=Gronau hatten die Gronauer Turnbrüder Tschetsching und Vorwerk. Als Vertreter der Deutschen Turnerschaft war Harweg=Dortmund erschienen, der die Staffel zugleich als Streckenwart begleitet. Möge die Westfalen=Stafette auf ihrer langen me Strecke durch Stadt und Dorf reibungslos verlaufen unoent wohlgelungen am Deutschen Eck am deutschen Rhein enden! Dem Saarvolk unsere Grüße! inn ist gele ein nal" So schall deut Deut Wessum )(SA.=Sportabzeichen. Der SA.=Rottenführer Pa. Josef Lukassen von hier erwarb auf der SA.=Schule in Borghorst das SA.=Sportabzeichen in Bronze. gro Hauptschriftleiter und verantwortlich für Politik: Dr. Georg Heider, Münster i. W., Stellvertreter des Hauptschriftleiters und verantwortlich für Münster und das Münsterland: Fritz Rediger, Münster I. W.: für Westdeutschland: i. V.: Karl Bode: für Feuilleton: Peter Schlauß, ür Handel und Sport: Dr. Anton Henkel, sämtlich in Dortmund: Berliner Redaktion: Dr. Ernst Hälner, Berlin-Lichterfelde: für den Leno-Hnzeigenteil: Verlagsleiter Dr. Erich Altmeppen, Münster i. M. Druck: Zeno G. m. 5. H., Münster I. W. Durchschnittsaullage: VII. 1934: Zeno-Zel. ung insgesaml 40376 anthaltend: Hhlener Volkszeitung, Nachrichtenblatt für die Kreise Bockum und Lüdinghausen, Hhlen, 2913;— Allgemeine Zeitung für die Kreise Coesfeld und Ahaus(Billerbecker Zeitung, Gescherer Zeiung, Vredener Auzeiger, Stadtlohner Volksblatt), Coesfeld, 5331 orkener Zestung. 8orken, 3121— Bürgerblatt für den Niederrhein und Reeser Tageblatt, Emmerich, 1836:— Dülmener Zeitung, Amiiches Kreisblatt für den Kreis Coesteld, Dülmen, 1783:— Halterner eitung, Haltern, 1687.— Kreiszeitung für den Kreis Hhaus(Groauer Volkszeltung, Eper Volksblatt), Hhaus, 3122:— Münsterländische Volkszeitung(Rheiner Volksblatt), Rheiue, 3961:— Emsländischs ageszeitung(Lingener Tageszaitung, Papenburg- Aschendorler eltung), Rheine. 1485:— Neuer Emsbote für Kreis Warendorf und Imt Talgte(Warendorter Kreisblatt), Warendorf, 2542:— Tageblatt für den Kreis Steinfurt(Ochtruper Anzeiger, Wettringer Hnzeiger. Metelener altung, Neuenkirchener Zeitung), Öchtrup. 1659:— Volksblatt für Jocholt und den Krals Borken, Bocholt. 6167.— Volksblatt für Wesel ind den Krais Raes, Bocholt, 944:— Volkszeitung und Nachrichten für Emsdetten, Burgsteinfurt, Nordwalde, Borghorst, Greven, Emsdetten, 2376— Volkszeitung für Dorsten und Herrlichkeit, Dorsten, 2043. Verantwortliche Schriftleitung für den lokalen Teil: Fritz Schlotjunker, Ahaus, für den lokalen Anzeigenteil: B. Schütte, Ahaus. Ab heute jeden Sonntag Konzert mit Tanzeinlagen wozu freundlichst einladet Eintritt fre.. Bernh. Verst Gasthof zur Klosterschenke Epe. Gronauer Str. Fa. Joh. Brinkampu. Söhne Stadtlohn i. W. Tel. 375 Stein= und Holzbildhauerei Granit- und Marmorwarenfabrik empfiehlt sich zur Lieferung aller einschlägigen Arbeiten wie: Stationsbilder, Wegekreuze— Bautreppen, Bauscharrierungen— Granit= und Marmorfensterbänke, Marmoraufsätze u. Kamine in versch. Marmorarten u. Farben Gr. Lager in Grabmalen jed. 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Da diesem, der das Paket eigentlich dem (Neu hätte aushändigen sollen, inzwischen der Verdacht kam, das Paket könne eine sogenannte„Höllenmaschine“ enthalten, zog er vor, damit zur nächsten Volizeiwache zu gehen. Dort wurde das Paket mit aller Varsicht geöffnet. Dem Wachhabenden sträubten sich die Ggare zu Berge. als sich nach Entfernung der Umhüllung wei kugelartige, gelb gefärbte Gebilde zeigten, aus denen je eine angebrannte Lunte bervorsah. Einer der anwesenden Beamten jedoch, der nelleicht einmal in einen Garten der Pariser Vorstadt einen Blick getan hat, glaubte, ohne seiner Sache sehr sicher zu sein, derartige Kugeln schon gesehen zu haben. Er bemächtigte sich einer derselben, trat auf den Hof und schmetterte sie gegen die Mauer, freilich nicht ohne nach dem Wurf sofort hinter einem Mauervorsprung„volle Deckung“ zu nehmen. Die„Bombe“ zersprang in tausend Stücke. Es war eine präparierte Kürbisschale. Der„gefährliche" Inhalt bestand aus einem Zettelchen mit einem Spruch darauf, der für die Beamten nicht sehr schmeichelhaft war. In ihm wurde auf ein gewisses langohriges Vierbein angespielt. Eine unglaubliche, aber, wenn wir dem Pariser Kollegen trauen wollen, doch wahre Geschichte. Das Denkmal mit Sockel ohne Standbild. In Damvillers steht ein Denkmal das der Erinnerung an Stefan=Moritz Gérard gewidmet ist einen französischen Marschall, der von 1773 bis 1852 gelebt hat. Das heißt: es handelt sich eigentlich nur um ein halbes Denkmal; denn ein Berichterstatter des„Journal“ hat festgestellt, daß von dem Denkmal nur der Sockel vorhanden ist, während die Statue des Marschall= fehlt. Angeblich soll sie im Jahre 1914 von den deutschen Besatzungstruppen heruntergenommen und nach Deutschland geschafft worden sein. Den französischen Journalisten beschäftigt die Frage, was die Deutschen mit dem Broncestandbild wohl angefangen haben. Er findet zwei Erklärungen: entweder brauchten die Deutschen die Bronce um daraus Geschütze zu gießen, oder aber— sie wollten sich durch Entfernung des Marschallbildnisses für die„blutigen Niederlagen“ rächen, die der französische General ihnen zur Zeit des ersten Kaiserreiches beigebracht habe. Wie dem auch sei: der Sockel, meint„Journal“ wird seines Aufsatzes auch weiterhin entbehren müssen! Danach kann die Begeisterung der Einwohner von Damvillers für„ihren" Marschall nicht allzu groß sein. Moskau und der rumänische Staatsschutz. In der Bukarester Zeitung„Dimineata“: finden sich interessante Einzelheiten über den rumänischen Staatsschatz, der, wie man sich vielleicht erinnern wird. während des Krieges vor den bösen Deutschen nach Moskau in„Sicherheit" gebracht wurde. Ein erster Transport von Bukarest nach Moskau umfaßte 1738 Kassetten mit dem Barrengold der Nationalbank im Werte von 314 580 456 Lei ferner Schmuck im Werte von 7 000 000 Goldlei. Ein zweiter Transport umfaßte gemünztes Gold der Nationalbank für 574 523 Lei, dann 18 Kassetten mit Wertpapieren aus dem Archiv der Nationalbank für 2093 762 197 Goldlei, sowie mehr als 1600 Kisten mit Bargeld, Schmuck, Bildern und anderen bei der Depositenkasse hinterlegten Wertgegenständen. Der Wert dieses Transportes betrug 7500 000 000 Goldlei. Insgesamt gelangten 3549 Kisten nach Moskau zur Versendung. Der Wert des rumänischen Staatsschatzes würde in heutiger Valuta mehr als 300 Milliarden ausmachen, wovon allein auf den Goldstock der Nationalbank über 10 Milliarden in heutiger Valuta kommen würde. Nachdenkliche Rumänen werden sich die Frage vorlegen, ob im Falle der Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen zwischen Sowjetrußland und der Kleinen Entente, wozu ja auch Rumänien zählt, die Russen die Herausgabe des in„Sicherheit“ gebrachten Schatzes beabsichtigen... Und wieder Stratosphärenflug! Das Problem der Stratosphäre läßt die russischen Wissenschaftler nicht zur Ruhe kommen, obwohl doch gerade die Russen auf diesem Gebiet bisher recht schlechte Erfahrungen gemacht haben. In Leningrad haben Gelehrte und Techniker die Pläne für einen neuen, spätestens 1935 auszuführenden Stratosphätenflug ausgearebitet. Es wird der„Lewestija" zufolge in Riesenballon,„Osach II“ gebaut, der in eine Höhe von mindestens 25 000 Metern aufsteigen soll. es sei ausgerechnet worden, daß der Rauminhalt des Ballons, wenn das Ziel erreicht werden soll, weit mehr als 25 000 Kubikmeter fassen müsse. Bei diesem Flug soll eine luftdicht geschlossene Gondel zur Anwendung kommen, die mit einer„Schleuse“ für Außenreparaturen, Beobachtungen, Versuche und unter Umständen notwendig werdende Fallschirmabsprünge versehen ist. Auch werde die Frage des zweckmäßigsten Anzuges für die Stratosphärenflieger von Fachleuten geprüft. Amy Mollison wurde Verkehrsfliegerin. Die bekannte englische Rekordfliegerin Amy Mollison ist, wie die Londoner Presse erzählt, neuerdings in den Diensteiner Luftverkehrsgesellschaft getreten, die den Verkehr zwischen Lonvon und Paris durchführt. Sie läßt sich dabei nicht von der Sucht nach Verdienst leiten. Vielmehr will sie durch dus regelmäßige und systematische Fliegen, das durch Passagierverkehr bedingt wird, in geeigneter Weise fur das große Flugzeugrennen trainieren, das im Oktober zwischen England und Australien stattfinden soll. Amy Mollison hat, als sie um Anstellung bei der Flugverteyrsgesellschaft bat, erklärt, daß sie sich allen Dienstvorschriften unterwerfe und keinerlei Sondervergünstigungen für sich in Anspruch nehme. Die Rekordfliegerin als Verkehrsflugzeug=Pilotin— das wird sicherlich ein ausgezeichnetes Werbemittel für die betreffende Gesellschaft abgeben! MorAblauf Wüstid Ton te auch bschnitt brüder er der mund art belangen en und Rhein er Pg. Shgle Heider, wortlich W.: für Schleub, rimund: für den iter i. A. 0375 Kreise tung für erer Zei5331:— derrhein g. Amialterner 1s(GroIndische Indische endorler orf und blatt für etelener blait für ir Wesel hten für isdetten, Ahaus, Aufruf zur Anmeldung für die Baarabstimmung. Berlin, 21. August. Die Regierungskommission des Saargebietes hat am 8. Juli 1934 die Vorschriften über die Aufstellung der Stimmlisten für die Volksabstimmung im Saargebiet am 13 Januar 1935 erlassen Weiterhin hat die Volksabstimmungskommission des Völkerbundes am 20. Juli 1934 eine Bekanntmachung veröffentlicht, die nähere Vorschriften über die Abstimmungsberechtigung und über die Anmeldung der Stimmberechtigten zur Aufnahme in die Stimmlisten enthält. Hiernach mussen Stimmberechtigte, die außerhalb des Saargebtetes woynen, einen besonderen Antrag auf Eintragung in die Stimmlisten stellen. Wer nicht in die Stimmlisten eingetragen ist, kann sein Stimmrecht nicht ausüben. Es liegt daher im eigenen Interesse aller im Reich wohnenden Stimmberechtigten, diesen Antrag mit tunlichster Beschleunigung einzureichen. Die Antragsfrist läuft mit dem 31. August 1934 ab. Der Antrag, der an den„Gemeindeausschuß“ des Bezirkes zu richten ist, in dem der Abstimmungsberechtigte am 28. Juni 1919 die Einwohnereigenschaft hatte, muß folgende Angaben enthalten: 1. die Namen, Vornamen, das Geburtsdatum, den Geburtsort und den Beruf des Antragstellers(im Falle einer Berufsänderung denjenigen, den er am 28. Juni 1919 ausübte), sowie die Vornamen seines Vaters und ferner, falls es sich um eine verheiratete Frau handelt, die Namen und Vornamen ihres Ehemannes(im Falle einer Veränderung des Familienstandes nach dem 28. Juni 1919 den Familiennamen, den sie an diesem Zeitpunkt trug); 2. die Gemeinde, in der er die Einwohnereigenschaft am 28. Juni 1919 hatte; 3. den gewöhnlichen Aufenthalt zurzeit des Antrages; 4. die Anschrift im Saargebiet, an die Mitteilungen zu richten sind. Die vorhandenen Beweisstücke für die Einwoynereigenschaft im Saargebiet sind dem Antrag beizufügen; befinden sich solche Beweisstücke nicht in den Händen des Antragstellers, so ist in dem Antrag anzugeben, bei welcher Stelle des Saargebiets diese Unterlagen erhältlich sind. Sämtliche Abstimmungsberechtigten im Reich werden hiermit aufgefordert, ihren Antrag auf Eintragung in die Stimmliste bis spätestens zum 31. August 1934 anden zuständigen Gemeindeausschuß im Saargebiet gelangen zu lassen. Zur Aufklärung über alle bei der Anmeldung zu berücksichtigenden Gesichtspunkte stehen den Stimmberechtigten die Saarmeldestellen ihres jetzigen Wohnortes(das Einwohnermeldeamt, in den Städten die zuständigen Polizeireviere) sowie die Geschäftsstellen des Bundes der Saarvereine— in Berlin befindet sich diese SW 11, Stresemannstr. 42, zur Verfügung. Es wird jedem Abstimmungsberechtigten dringend empfohlen, vor Absendung seiner Anmeldung die vorgenannten Stellen zum Zwecke der Beratung in Anspruch zu nehmen. Saarländer! Meldet euch bis zum 30. August. MIII Führer=Prinzip bei den Handelskammern. Berlin, 24. August. Der Reichswirtschaftsminister hat im Einvernehmen mit dem Reichsinnenminister eine Verordnung erlassen, durch die die Industrie- und Handelskammern der Aufsicht des Reichswirtschaftsministers unterstellt werden. Die Kammern sowohl wie ihre Zweigstellen und öffentlich rechtlichen Zusammenschlüsse sollen nach dem Führer=Grundsatz geleitet werden. Der Vorsitzende und seine Stellvertreter werden vom Reichswirtschaftsminister ernannt und abberufen. Zur Beratung und Unterstützung des Vorsitzenden und des Vorstandes wird ein Beirat gebildet, dessen Mitglieder vom Vorsitzenden berufen und vom Reichswirtschaftsminister bestätigt werden. Die neue Verordnung ist bereits in Kraft getreten, die bisherigen Landesgesetze über die Handelskammern sind gleichzeitig aufgehoben worden. Vor zwanzig Jahren- Tannenberg. Am Tage der zwanzigsten Wiederkehr des ersten Mobilmachungstages des Weltkriegs ist Hindenburg zur ewigen Armee eingegangen, ein paar Wochen, bevor Deutschland seiner gewiß in ganz besonderer Weise gedacht hätte. Fällt doch gerade in diese ersten Wochen, da man auf das große Geschehen vor zwei Jahrzehnten zurückblickt, der gewaltige Sieg von Tannenberg, der immerdar mit dem Namen des großen Feldherrn, eines der größten der Weltgeschichte, verknüpft ist. Bis dahin hatten sich die beiden Offiziere noch nicht persönlich kennengelernt, von dem gelungenen Handstreich Ludendorffs auf Lüttich wußte Hindenburg nichts. Während die beiden Männer, die nun lange Jahre hindurch in engster Gemeinschaft zusammenwirken sollten— Hindenburg selbst verglich sein Verhältnis zu Ludendorff bekanntlich mit einer„glücklichen Ehe“— in das Morgengrauen hineinfuhren, machte der neue Generalstabschef seinen Kommandeur mit der Kriegslage an der Östfront Kosaken reiten Mitte August in Lyck(Ostpr.) ein. Der Schrecken der Einwohner waren die Kosaken, jene russischen Reitertruppen, die mit asiatischer Grausamkeit wüteten. Der 22. August 1914 war der historische Tag an dem der verabschiedete General von Hindenburg in Hannover aus dem Großen Hauptquartier die telegraphische Anfrage erhielt, ob er zur sofortigen Kriegsverwendung bereit sei. Er telegraphierte:„Bin bereit.“ Noch ehe die Antwort Hindenburgs im Hauptquartier angelangt sein konte, erhielt er die Mitteilung, daß der General Ludendorff bei ihm eintreffen werde ferner bekannt, so wie er sie wenige Stunden zuvor von Generaloberst von Moltke persönlich erfahren hatte. Sehr rasch war sich das Feldherrn=Paar über die Beurteilung des Notwendigen einig, Hindenburg billigte die Weisungen, die Ludendorff schon von Koblenz aus hatte geben müssen. „Unser Gespräch hatte kaum mehr als eine halbe Stunde in Anspruch genommen. Dann begaben wir uns zur Ruhe— Kartenskizze der Schlacht bei Tannenberg, aus der die Stellung der deutschen und russischen Heere am 27. 8. und die Einkesselung der russischen Narew=Armee am 29. 8. 1914 klar hervorgeht. Der russische General Samsonow. Er war der Führer der russischen Narew=Armee, die in Ostpreußen eingefallen war und von dem neuernannten Generaloberst von Hindenburg in der weltgeschichtlichen Schlacht bei Tannenberg restlos geschlagen wurde. Von den 200000 Mann seiner Armee wurden 92000 gefangen, ein Viertel getötet und der Rest vollständig zersprengt. In der Nacht seiner endgültigen Niederlage verübte der General Selbstmord. daß er als Armeeführer unverzüglich an die Östfront abgehen solle. Hindenburg erzählt in seinen Lebenserinnerungen: „Gegen 3 Uhr nachts fuhr ich, in der Eile nur unfertig ausgerüstet, zum Bahnhof und stand dort erwartungsvoll in der mäßig beleuchteten Halle. Meine Gedanken rissen sich von dem heimischen Herd, den ich so plötzlich verlassen mußte, erst völlig los, als der kurze Sonderzug einfuhr. Ihm entstieg mit frischem Schritt General Ludendorff, sich bei mir als mein Chef des Generalstabs der 8. Armee meldend.“ Am frühen Nachmittag des 23. August traf der Sonderzug in Marienburg ein. Auf einem kurzen Spaziergang am Nogatufer stieß Hindenburg auf die ersten ostpreußischen Flüchtlinge. Da kam ihm zum Bewußtsein, daß er nicht nur eine militärische, sondern eine tief menschliche Aufgabe zu erfüllen hatte: deutsches Land vom eingedrungenen Feinde zu befreien und den bedrängten Brüdern ihre Heimat zurückzugeben. Am 24. August fuhr Hindenburg im Kraftwagen zum Generalkommando des 20. Armeekorps nach— Tannenberg. Ur. 234 Trinkt deutschen Wein! Zum Weinwerbetag am 25. und 26. August. Je mehr unser Volk empfänglich wird für gemeinsame Notwendigkeiten, je stärker es hineinwächst in die unserem Volke von der Natur gesteckten Grenzen, desto häufiger sammelt sich unser Volk um diese natürlichen Geschenke des Himmels, und lernt langsam aber beständig ureigene deutsche Werte wieder kennen und schätzen. Gerade in diesen Wochen eilen, Kraft durch Freude suchend, zahlreiche Volksgenossen an Deutschlands sagenund burgenreichsten Strom, durchwandern die rebenschweren Seitentäler des„Vater Rhein“ und schauen die Emsigkeit, mit welcher ihre Gastgeber deutsche Reben hegen und pflegen. Unzählige Weinbauern, Gartenarbeiter und=arbeiterinnen rüsten sich bald zu neuerlicher Ernte. Und mit Die Weinlese ist eine schwere, aber fröhliche Arbeit. der Fülle des Segens pflücken sie alle die Sorge um einen erträglichen Absatz. Dahinter stehen die mit deutscher Weinerzeugung in Berührung kommenden Industriezweige, die den Weg vom Faß über die Flasche bis zum Glas säumen. Am 25. und 26. August hält die Reichsbetriebsgemeinschaft„Landwirtschaft“ der DAF. gemeinsam mit der Reichsbetriebsgemeinschaft„Nahrung und Genuß", der NS=Hago und dem Gastwirtseinheitsverband unter Mitwirkung unseres Reichsnährstandes es für geboten, das deutsche Volk auf seinen deutschen Wein aufmerksam zu machen. An diesen Weintagen hat das deutsche Volk Gelegenheit, im weitesten Umfange die Erzeugnisse unseres deutschen Weinbaues kennenzulernen. Die Sendboten des Rheins der Mosel, des Neckars, der Saar— wir wollen auch nicht unser heimisches, im Aufbau begriffenes Weinbaugebiet an der Unstrut vergessen— werben um uns. Die deutschen Rebensäfte wetteifern, unseren Gaumen zu laben und unser Herz aufzuschließen in Dankbarkeit und Fröhlichkeit, daß das Schicksal unser Land für würdig hielt, des Rebstocks Frucht zur Reife zu bringen. Wie heute ein ganzes Volk berufen ist, teilzunehmen an allen Gütern seines Fleißes, so soll auch jeder von uns an diesen Weintagen, die Gewißheit erhalten, daß deutscher Wein wertist, von seinem Volgetrunken zu werden. Neue Preimarken. Aus Anlaß der am 13. Januar 1935 stattfindenden Saarabstimmung gibt die Deutsche Reichspost zwei Freimarken zu 6 und 12 Pfennig heraus, die von Mitgliedern des Bundes Deutscher Gebrauchsgraphiker entworfen und vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda ausgewählt worden sind. Auf dem Bilde der Marke zu 6 Pfennig halten zwei Hände ein Stück Saarerde mit der Aufschrift„Saar“, das Markenbild zu 12 Pfennig zeigt einen Adler, der ebenfalls die Inschrift„Saar“ trägt. Der Verkauf beider Wertzeichen beginnt am 26. August, und zwar zunächst bei den Postanstalten in Koblenz und Köln, einige Zeit danach auch bei den übrigen Postämtern im Reich. Die Hindenburg=Briefmarken mit schwarzem Rand Ferner werden zwei Freimarken zu 6 und 12 Pfennig und eine Postkarte zu 1 Pfennig aus Anlaß des Reichsparteitages der NSDAP in Nürnberg herausgegeben. Mit dem Verkauf beginnen sämtliche Postanstalten des Reiches am 1. September. Das Markenbild der beiden Freimarken zeigt die Burg von Nürnberg nach einem von dem Künstler Mjölnir(Schweitzer) stammenden Entwurf. Auf der linken Hälfte der Postkarte, deren Freimarkenstempel ebenfalls die Burg Nürnberg zeigt, befindet sich ein Standartenträger der SS. Die gewöhnlichen Postwertzeichen zu 3, 5, 6, 8, 12 und 25 Pfennig sowie die Postkarten zu 5 und 6 Pfennig werden demnächst aus Anlaß des Todes des Herrn Reichsprasidenten für kurze Dauer mit einem Trauerrand versehen ausgegeben werden. Eine 25 Meter lange Holzbrücke gestohlen. DNB. Mailand, 25. August. Das Opfer eines nicht alltäglichen Diebstahls wurde die Gemeinde Treviso(Venetien), wo in dem Dörfchen Canizzano zur Nachtzeit von unbekannt gebliebenen Tätern die Brücke über den Silefluß vollständig weggestohlen wurde. Es handelt sich dabei um eine unmittelbar nach der Kriegszeit aus amerikanischem Lärchenholz konstruierte 25 m lange Brücke, die auf drei großen Holzpfeilern ruhte. Der Heldenkampf bei Helgoland am 28. August 1914. Erdrückender Mehrheit gegenüber.-„Ariadnes“ heldenhafter Untergang.- Ein David gegen zwei Goliaths!- Die„Mainz" sinkt.- Die„ou tollen kleinen Kreuzer- Ritterlicher englischer Feind. Von unserem Marine=Mitarbeiter. Schon in den ersten Tagen nach der Kriegserklärung Englands, vom 6. bis 11. August, waren die deutschen U=Boote bis in die Höhe der Orkney=Inseln vorgedrungen, um die englische Flotte zu finden. Doch England hielt seine Seestreitkräfte in wohlüberlegter Berechnung zurück. So geschah es, daß die deutschen U=Boote die „Grand Fleet“ nicht fanden. Im weiten Raum der Nordsee herrschte ungestörte Ruhe. Die deutschen U=Boote durchstreiften den Raum zwischen den deutschen Küsten und dem Feindesland und die deutschen kleinen Kreuzer hielten abwechselnd um Helgoland herum auf Vorposten Wacht, um für den Fall des Auftauchens englischer Schiffe die deutsche Bucht zu schützen. So ging es den ganzen August hindurch. Da wurde das deutsche Volk durch die amtliche Nachricht eines heldenhaft durchgekämpften, aber unglücklich verlaufenen ersten Seegefechts aufgeschreckt, das die junge deutsche Flotte am 28. August in der Nähe von Helgoland zu bestehen gehabt hatte: Seegefecht bei Helgoland. Kreuzer„Ariadne",„Köln" und„Mainz" und Torpedoboot„V 187“ gesunken. Berlin 29. August.(W. T. B.) Im Laufe des gestrigen Vormittags sind bei teilweise unsichtigem Wetter mehrere moderne englische kleine Kreuzer und zwei englische Zerstörerflotillen(etwa 40 Zerstörer) in der deutschen Bucht der Nordsee nordwestlich Helgoland aufgetreten. Es kam zu hartnäckigen Einzelgefechten zwischen ihnen und unseren leichten Streitkräften. Die deutschen kleinen Kreuzer drängten heftig nach Westen und gerieten dabei infolge der beschränkten Reichweite ins Gefecht mit mehreren starken Panzerkreuzern. S.M.S. „Ariadne“ sank. von zwei Schlachtschiffkreuzern der „Lion"=Klasse auf kurze Entfernung mit schwerer Artillerie beschossen, nach ehrenvollem Kampfe. Auch das Torpedoboot„V 187“ ging, von einem kleinen Kreuzer und zehn Zerstörern aufs heftigste beschossen, biszuletzt feuernd, in die Tiefe. Flotillenchef und Kommandant sind gefallen. Die kleinen Kreuzer„Köln“ und„Mainz" werden vermißt. Sie sind nach einer heutigen Reutermeldung aus London gleichfalls im Kampfe mit überlegenen Gegnern gesunken. Nach der gleichen englischen Quelle haben die englischen Schiffe schwere Beschädigungen erlitten. Was war geschehen? Zum erstenmale hatte ein Teil von Englands großer Flotte den schützenden Hafen verlassen und war zu einem Vorstoß gegen die deutsche Bucht vorgegangen. Die deutschen leichten Streitkräfte sahen sich unerwartet einer erdrückenden Mehrheit gegenüber. Unsichtiges Wetter verhängte den Ausblick auf weitere Entfernungen. Infolgedessen konnten die Geschütze Helgolands nicht eingreifen und die von der deutschen Seekriegsleitung zurückgehaltenen Schlachtkreuzer konnten nicht rechtzeitig die Jade=Barre passieren. In tapferem Kampfe versuchte die kleine Zahl der deutschen Schiffe mit allen Geschützen und Torpedorohren dem Gegner Schaden zuzufügen, aber die Ueberlegenheit des Feindes war zu groß. und als die englischen Streitkräfte sich, durch die Annäherung zu Hilfe eilender stärkerer deutscher Kräfte veranlaßt, zurückzogen, hatte die junge deutsche Flotte zwar ihren ersten größeren Kampf bestanden, aber auch ihre erste ernste Schlappe erlitten. Das Schlachtenglück war an diesem Tage den deutschen Kämpfern nicht günstig gewesen, aber über jedes Lob erhaben hatte sich die Besatzung der deutschen Schiffe bei ihrer Feuerprobe gezeigt. Der geschützte kleine Kreuzer„Ariadne“ hatte, als der Donner der Geschütze aus der Vorpostenlinie anzeigte, daß der Feind sich näherte und im Kampfe mit den deutschen Torpedobooten stünde, sich in Bewegung gesetzt, um den Vorposten zu Hilfe zu kommen. Endlich war die Gelegenheit da, an den Feind zu kommen! Als„Ariadne“ der Vorpostenkette näher kam, wurde festgestellt, daß einzelne Schiffe der deutschen leichten Streitkräfte sich mit englischen Schiffen im Kampfe befunden hatten, daß diese nun aber in westlicher Richtung entwichen. Unverrichteter Dinge zurückzukehren, würde nicht dem lange gedämpften Kampfesmut entsprochen haben. Deshalb wurde versucht, mit dem Feinde Fühlung zu behalten, und„Ariadne“ nahm die Verfolgung auf: der Feind sollte, wenn irgend möglich, gestellt werden. Wie stark die gegnerischen Streitkräfte waren, konnte bei dem herrschenden unsichtigen Wetter nicht ausgemacht werden. Plötzlich tauchten unweit der„Ariadne“ aus einer dichten Nebelwand zwei feindliche Schiffe auf. Sogleich erkannte man, daß es zwei Dreadnoughts waren, Schlachtkreuzer vom „Lion“=Typ, mit 30 000 Tonnen Wasserverdrängung, starker Panzerung und einer Armierung von acht 34,5 cm=Geschützen. Die kleine„Ariadne“ mit 2650 Tonnen und zehn 10,5 cm=Kanonen, stand als ein David zwei Goliaths gegenüber. Gleich zu Beginn des ungleichen Ringens schlug ein Treffer in den vorderen Heizraum der„Ariadne“, setzte die Hälfte des Kessels außer Betrieb und minderte damit die Geschwindigkeit des Schiffes auf 15 Seemeilen herab. Doch die kleine„Ariadne“ wehrte sich wie ein Teufel. Trotz der gewaltigen Ueberlegenheit der Engländer kämpfte sie länger als eine halbe Stunde. Ihr Achterschiff brannte lichterloh. aber die noch gefechtsmäßigen Kanonen auf dem Vordeck feuerten unentwegt weiter. Das Feuer griff trotz aller Löschversuche allmählich auf das Vorschiff über. Die vordere Munitionskammer konnte noch unter Wasser gesetzt werden. Bei der hinteren war es nicht mehr möglich; hier hinderten die überall züngelnden Flammen daran. Der Feind drehte, als er sein Vernichtungswerk sah, nach Westen ab. Der Kampf war beendet. Auf„Ariadne“ versammelte sich die Mannschaft auf dem Vordeck, brachte in treuer Ueberlieferung alten Marinebrauchs drei Hurras auf den obersten Kriegsherrn aus, und spontan erklang das Flaggenlied. Dann wurde unter dem Absingen des Deutschlandliedes das brennende und sinkende Schiff in vollster Ordnung verlassen. Zwei deutsche Schiffe nahmen die Mannschaft auf. Vom Feind war nichts mehr zu sehen. Bald darauf verschwand „urladne“ in den Wellen. Wahrscheinlich war die Explosion der hinteren Pulverkammer vorher eingetreten. Der 1. Offizier, der Schiffsarzt, der Wachingenieur und 70 Mann waren gefallen, ein großer Teil der Besatzung verwundet. Wachoffizier an Bord der„Mainz“ war Oberleutnant z. S. Wolfgang von Tirpitz, der Sohndes Schöpfers der deutschen Flotte, Großadmirals von Tirpitz. Er hat den Untergang seines Schiffes mit besonderer Anschaulichkeit geschildert: „Ein furchtbarer Stoß erschütterte das ganze Schiff. Das war ein Torpedotreffer Als sich die Riesenwassersäule gesenkt hatte, fühlte ich deutlich, daß die Maschinen stillstanden. Ein Blick nach unten zeigte, daß wir nur noch geringe Fahrt machten. Die Feinde hatten uns so ziemlich eingekreist; an Backbord waren die meisten Gegner. Unsere Geschützbedienungen schossen nach allen Seiten. Ich machte mich daran, unsere Gegner zu zählen; 20 mochten es sein, die Zerstörer eingerechnet, gut sein. Eswar ein wunderpolles Scheibenschießen für sie. Jede Salve brachte einen förmlichen Kladderadatsch von Treffern mit sich. Deutlich konnte man die Reihenfolge der Schüsse von vorn nach achtern ausmachen. Ich zählte immer bei jeder Salve, die ich drüben aufblitzen sah:„Eine, zweie, dreie, viere", — bis„fünfe“ kam ich nur, dann war die Salve bei uns angekommen und brachte Tod und Verderben. Jeder Salveneinschlag erschütterte das ganze Schiff. Jetzt waren die beiden achteren Schornsteine auch mitgenommen... Da trat mit einem Male Ruhe ein. Signale wehten auf den feindlichen Schiffen. Nach dem fürchterlichen Geprassel und Gedröhne der vergangenen Stunde dünkte es wie eine unheimliche Stille. Mit dem Schießen war es anscheinend vorbei. An Deck sah es wüst aus. Ein Gewirr von Eisenteilen, blutigen Menschenleibern, umgebogenen Deckplatten, Scheinwerferreste und brennende Schwimmwesten bedeckten den Boden. Ueberhaupt brannte alles. Ich suchte sofort festzustellen, wer der noch lebende älteste Offizier war. W. rief mir zu:„Son Offizieren alles tot oder verwundet!“ So war ich der älteste Seeoffizier. Laut rief ich:„Ich habe das Kommando!“... Jetzt blieb nur eine Möglichkeit: das Schiff so schnell wie möglich zu versenken. Ueberall gab ich laut den Befehl: „Schifffluten:... Dann ging ich auf die Brücke. Ich war der Ansicht, daß ich als stellvertretender Kommandant auf der Brücke zu stehen habe, wenn das Schiff. für das ich im Augenblick dem Kaiser verantwortlich war, unterging. Man sah, daß das Schiff unmittelbar vor dem Sinken stand. Man konnte jetzt schon deutlich das Steigen des Wassers mit den Augen sehen. Die Back war überflutet. Das Schiff senkte sich nach Backbord, die Steuerbordseite der Brücke kam groß auf mich zu. Ich hielt mich einen Augenblick fest; dann war ich auch schon vom Wasser überspült. Als ich wieder auftauchte, war um mich herum ein schwimmendes TrümMussolini unterhält sich mit deutschen Offizieren. An den großen italienischen Herbstmanövern, die in Gegenwart des italienischen Königs und des Ministerpräsidenten Mussolini stattfinden, nehmen auch die Militärattachés der verschiedenen Länder teil. Ministerialrat Dr. Rudolf Widmann, der bisherige Ministerialdirektor bei der Vertretung Württembergs in Berlin, wurde zum Präsidenten des Reichsaufsichtsamtes für Privatversicherung ernannt. merfeld. Ich hatte ungefähr nach meiner Schätzung eine halbe Stunde geschwommen, als ein englischer Kutter sich mir näherte. Ich wurde aufgenommen und an Bord des kleinen Kreuzers„Liverpool“ gefahren. Man borgte uns Anzüge. Unsere eigenen Sachen wurden in der Maschine getrocknet. Eine halbe Stunde später wurde ich zum Kommandanten befohlen. Er las mir folgenden Funkspruch vor, den er von seinem Admiral empfangen hatte:„Ich bin stolz, so tapfere Offiziere an Bord meines Geschwaders zu begrüßen!“ Es tat uns allen wohl, zeigte es uns doch, daß die„Mainz" in Ehren untergegangen war!" Der Vater des tapferen Offiziers, Großadmire" von Tirpitz, hat in seinen„Politischen Dokumenten“ über das Gefecht vom 28. August 1914 Folgendes geschrieben: „Am 28. August kam es zu jenem Vorpostengefecht, das weniger durch den dabei eingetretenen Verlust von drei kleinen Kreuzern, als durch die psychologische Wirkung auf den Kaiser und die Leiter der Seekriegsführung für die deutsche Flotte von verhängnisvollster Wirkung war. Ich erblickte darin von Anfang an den„dies ater“ der Flotte. Der Verlust der Kreuzer war dadurch eingetreten, daß der Feind in die seit Wochen nicht geänderte und dadurch genau bekannte Vorpostenlinie mit örtlicher Ueberlegenheit eingebrochen war. Ferner hatte der Befehlshaber der Aufklärungsschiffe den Befehl zu geben, daß die Engländer ihre kleinen Kreuzer und Torpedoboote nicht ohne Unterstützung durch schwere Streitkräfte, die eine strategische Selbstverständlichkeit bedeutete, vorgehen lassen würden. Ich bin mir über diese Ursache der von uns erlittenen Schlappe sofort im Klaren gewesen und habe meine Ansicht zum Ausdruck gebracht, stand aber damit im Hauptquartier allein. In seinen Tagebuchaufzeichnungen vom 29./30. August 1914 schreibt der Großadmiral:„Die kleinen Kreuzer sind zu toll darauf losgegangen" und „Worte fehlen mir über die Nachricht von Wolfs Rettung“ und er gibt dazu das folgende Zeugnis ritterlichen Sinnes des Feindes wieder: Telegramm des Unterstaatssekretärs Zimmermann. Berlin, 2. Sept. 1914, 7,40 abends „Der amerikanische Botschafter übermittelt mir soeben „den Wunsch des Ersten Lords der Admiralität Großbritanniens Winston Churchill, Seine Exzellenz Großadmiral von Tirpitz zu benachrichtigen, daß sein Sohn gerettet und unverwundet ist.“ das Pleßsche Mobiliar übernommen. Berlin, 24. August. Wie die„Kattowitzer Zeitung“ meldet, ist die zweite Versteigerung im Pleßschen Schloß abgesagt worden. Die Steuerbehörden hatten auf Grund einer Invention des Reichsgrafen Alexander von Hochburg(München) von der Versteigerung Abstand genommen. Der Reichsgraf, ein Verwandter des Fürsten, übernahm das gesamte bewegliche Gut für 50 000 Zloty. Die Wisentherde gehört noch nicht dazu. Weitere Versteigerungen sollen noch folgen. Vor dem Eingangstor des Schlosses hatte bereits eine große Menge von Interessenten auf Einlaß gewartet. Es waren viele auswärtige Händler gekommen, da sie hofften, bei der zweiten Versteigerung unter dem Ausrufungspreis zuschlagen zu können. Als die Nachricht kam, daß die Versteigerung abgesagt sei, sah man viele enttäuschte Gesichter. Eine Reihe von polnischen Zeitungen hatte Sonderberichterstatter nach Pleß geschickt. Zwischenfall nach dem Theater ROMAN VON HANS SCHWEIKART(OLE STEFANI) opyright 1934 by Knort& Hirth G. m. b. H., München 9)(Nachdruck verboten.) „Nichts mehr zu arbeiten, Herr Klaus? zwitscherte sie mit süßlicher Schärfe und drohte ihm mit dem Finger. Es gab nichts auf der Welt, was Klaus so haßte, als wenn die Alleiersen ihn wie einen Schuljungen behandelte. Er rutschte wieder mit brummigem Gesicht vom Tisch herunter. „Is nicht bald Tischzeit Fräulein Alleiersen?“ fragte er schuldbewußt. „Noch nicht!“ sagte sie vorwurftsvoll. Die Schreibmaschine raste los wie ein Automotor, der eine Steigung nehmen soll. Klaus seufzte.„Piet—!“ versuchte es ein letztes Mal. „Geh'n wir heut zum Maat?“ Lamms blickte auf. Die Schreibmaschine stoppte so jäh, als wäre das Auto in einen Graben gefahren. Klaus sah sich um. Die Tür zum Vorzimmer war aufgegangen und Direktor Jürgensen kam herein. Er hatte den hellen Sommermantel an, graue Handschuhe an den Händen und auf dem Kopf einen weichen hellen Filzhut. „Schon Schluß, Herr Direktor?“ zwitscherte die Alleiersen erstaunt. Will Jürgensen schien niemanden zu sehen. Er hatte den Kopf erhoben, sein graues Spitzbärtchen stach in die Luft. Er ging stumm durch das Zimmer und verließ das Haus, der Liftjunge und der Portier fuhren zusammen und rissen an der Drehtür. Er dankte nicht. Passanten rempelten ihn an, er merkte es nicht. Seine Lippen bewegten sich, es war, als ob er mit sich selbst spräche. Endlich— an einer Straßenecke— sah er sich um, winkte einem Taxi. Das fuhr an den Randstein und blieb stehen. Der Direktor stieg ein und der Chauffeur wandte sich fragend zurück. Der Alte sah ihn stumm an. „Wohin der Herr?“ fragte der Chauffeur. „Klarheit!“ sagte der Direktor steif.„Ich will klar sehen!“ „Wie—?“ fragte der verblüffte Chauffeur. Der Direktor erwachte.„Was ist los?“ stieß er nervös hervor. „Wohin fahren wir?“ fragte der Chauffeur— ein bißchen ängstlich. 9. Eine ganze Woche ist vergangen, seitdem ich die letzten Zeilen schrieb. Gestern habe ich meine Füllfeder frisch gefüllt, heute schreibe ich weiter. Aber ich komme nicht von der Stelle, ich brauche Zeit für jedes einzelne Wort — denn noch ist die Mutlosigkeit nicht ganz von mir gewichen, die mich bei der Niederschrift des vorigen Kapitels befiel. Das kam so: ich ließ alles, was ich damals miterlebte, sich wie einen alten Film vor meinen Augen abrollen. Bei jedem Bild wußte ich schon, was im nächsten kommen würde, ich übersah rückschauend, wie eins das andere nach sich zog, ich sah die größten Folgen sich aus den unscheinbarsten Ursachen entwickeln. Dabei ist mir angst geworden. Weil ich wieder mal draufgestoßen wurde: wir haben ja alle keine Ahnung, welche unserer Handlungen eigentlich die entscheidende ist. Nicht wir— das Schicksal sucht sich eine aus und hängt unsere Zukunft daran. Es läßt sich nicht in die Karten gucken. Wird mir nicht jeder ins Gesicht lachen, wenn ich sage: in der nackten und banalen Tatsache, daß Direktor Jürgensen mir seinen Wagen für eine Fahrt von zehn Minuten zur Verfügung gestellt hatte, lag schon alles beschlossen, was noch geschehen sollte? Es sah nicht so aus, aber es war die Entscheidung über Leben und Tod. Denn wirklich, wenn ich heute alles übersehe: hätte er es nicht getan, so hätte schwerlich das eintreffen können was gekommen ist. Gewiß es war ihm wohl bestimmt, so zu handeln. Aber das ändert nichts daran, daß mir unheimlich zumute wird, wenn ich sehen muß, in welch harmloser Maskierung oft Dinge an uns herantreten, die schicksalhafte Bedeutung haben. Ich muß ein sehr dummes Gesicht gemacht haben, als ich in der Jürgensenschen Limousine vor den Verlag gefahren kam und der Portier mir mitteilte: der Herr Direktor sei vor ein paar Minuten fortgegangen und nach ihm alle Angestellten. „Bis auf Fräulein Alleiersen!“ setzte er hinzu. „Wer ist Fräulein Alleiersen?“ fragte ich und der Portier wies nach dem Hintergrund der Halle, wo sich gerade die Aufzugstür öffnete und ein geschniegelter Junge:„Bitte, Parterre!“ schnarrte. „Du Idiot!“ sagte die Alleiersen. Sie war schlechter Laune. Sie schoß zur Tür. Mich traf ein strenger Blick. „Liebes Fräulein—“, sagte ich freundlich,„können Sie mir sagen, wo der Herr Direktor hingegangen ist?“ „Nein, lieber Herr!“ sagte sie scharf und war schon an der Drehtür. Aber ich klemmte meinen Fuß dazwischen und fragte: „Vielleicht können Sie mir wenigstens sagen, wann er zurückkommt?“ „Morgen!“ pfiff die gelbe Dame, gab der Türe einen Schwung und klapperte auf ihren hohen Stöckeln hinaus. „Ein nettes Kind!“ sagte ich, während ich ihr nachsah und mir allerlei dachte. Aber was sollte ich nun tun? „Hören Sie, Herr Portier!“ sagte ich.„Ich gehe zu Tisch hinüber ins Hotel Rimpelmayer, wenn der Herr Direktor nach mir fragen sollte. Den Wagen brauche ich nicht.“ Damit ging ich los, den Harvestehuder Weg entlang, und ärgerte mich nicht wenig. Sonderbare Launen schien der Alte zu haben. Schickt mir eigens seinen Wagen. Geht dann zu Fuß aus. Wahrscheinlich wird er mich nachmittags im Büro anrufen. Aber da soll er was zu hören kriegen. An einer Kreuzung mußte ich stehen bleiben, um eine Elektrische vorbeizulassen. Auf der hinteren Plattform leuchtete etwas sehr Gelbes und eine schmale Nase wandte sich mir zu. Ich zog tief meinen Hut, die Alleiersen drehte sich wütend weg und ich machte, daß ich zu meinen Hammelkoteletts kam.—— In Jürgensens Privatwohnung wartete Klaus eine Stunde mit dem Mittagessen. Dann konnte er es nicht mehr aushalten. Die Limousine war inzwischen vom Verlag aus nachgekommen. Als Klaus nach Tisch das Haus verließ, ließ er sie vor der Tür stehen— für den Fall, daß Onkel Will noch nach Hause käme. Er schlenderte zu Fuß auf Umwegen nach dem Verlag. Er hatte noch Zeit und das Wetter war herrlich. Keine Wolke war am Himmel und doch wehte ein frischer Wind vom Meer her durch die Stadt. Und Klaus hatte eine Begegnung: als er durch eine belebte Geschäftsstraße bummelte, tauchte in der Menge ein schiefes, rotes Mützchen auf. Wie ein Wilder setzte er sich auf die Fährte. Als er in der Nähe des Mützchens war, unterdrückte er mit Mühe einen seiner schrillen Pfiffe. Es war Regan Jürgensen, die mit ihren flinken Schritten die Straße hinunterlief. Ihre Augen gingen suchend die Reihe der Läden entlang. Klaus trabte eine Weile stumm neben ihr her. Eben als er nach seinem Hut griff und sie anreden wollte, fiel ihr der stumme Begleiter auf. Sie schoß einen scharfen verächtlichen Blick auf ihn ab und blieb zurück. Er rannte verlegen weiter. Nach einer Weile wagte er es, stehen zu bleiben und sah sich vorsichtig um. Sie war verschwunden. Er lief zurück und späte nach rechts und links. Er hatte Glück. Er sah sie in einem Laden vor dem Verkaufstisch stehen und ein junger Verkäufer machte ihr ein winziges Päckchen zurecht. Klaus überlegte nicht lange und betrat den Laden. Regan blickte auf und erkannte ihn. Wieder traf ihn der helle, niederschmetternde Blick „Verzeihung!" sagte er knallrot.—„Ich weiß nicht, ob Sie mich... Ich bin nämlich Ihr Onkel!“ „P—“ machte sie und lief aus dem Laden. Er blieb mit gelähmten Knien zurück. „Bitte—“ sagte es hinter ihm. Er fuhr herum. Der junge Verkäufer betrachtete ihn gemessen. „Ich möchte—“, stotterte Klaus. Seine Blicke irrten durch den Laden, ohne etwas zu sehen. Mit plötzlichem, Entschluß sagte er:„Geben Sie mir dasselbe, was die Dame bekommen hat!" Und dann nahm er mit langem Gesicht eine Packung Rasierklingen entgegen.— Im Verlag warteten sie den ganzen Nachmittag vergeblich auf den Direktor. Die Alleiersen rannte nervos herum. „Was ist denn?“ wimmerte Lamms. „Das sollten Sie wissen!“ sagte sie spitz.— Wit brauchen den Vertrag mit der Versicherungsgesellschaft, der Bote wartet seit einer Stunde— und der Chef hur alles im Schreibtisch eingeschlossen!“ „Vielleicht hat er sich zu Hause hingelegt— wegen seiner Malaria!“ sagte eines der schnippischen jungen Anmeldefräulein, das gerade durchs Zimmer lief. „Reden Sie doch keinen Unsinn!“ schrie die Alleiersen mit rotem Kopf.„Zu Hause ist er auch nicht!“— Um fünf Uhr rief ich an, ich wollte Jürgensen etwas über seine Unzuverlässigkeit erzählen. Aber ich nur. daß er nicht im Verlag war. Dasselbe teilte man dem Rechtsanwalt Banner mit, der kurz vor Büroschluß erschien und den Direttor sprechen wollte. „Na— den ein andermal!“ sagte er und zog Klaus in eine Ecke.„Was halten Sie von Rebellion und Verschwörung?— Ich habe etwas vor und ich möchte, Sie mitmachen. Sie sehen den Direktor öfter als irgend ein anderer und könnten uns helfen.“ „Wer ist uns?“ fragte Klaus. „Ich und ein nettes Mädchen!“ sagte Banner harmlos. „Etwa Regan?“ schrie Klaus. Der Anwalt fuhr zusammen und sah sich Klaus eine Weile sehr nachdenklich an. Dann sprach er weiter und schloß damit, Klaus für abends neun Uhr zu einem Stelldichein in ein Kaffeehaus einzuladen.— Mit dem Glockenschlag neun stand ein rotübergossenet Jüngling vor dem Tisch, an dem der Anwalt mit Regan saß. (Fortsetzung folgt.) Aus Westdeutschland. ng en eine sich des uns hine om= ru ei uns hren ral ten“ das drei che der tte Jch der ngeerte cher Beben, die von und aber ugust uund Retchen ds ben roß= roß= hn Die Gewerbeschau in Dülmen. auf eine erfolgreiche Woche zurückblicken. Es hatte Ausstellung von nah und fern einen recht guten neiuch zu verzeichnen: auch die großen Kundgebungen „Handwerks und Gewerbes, die aus Anlaß der Ausullung für das Kreisgebiet abgehalten wurden, nahmen en eindrucksvollen Verlauf. Es sprachen der Landesundwerkführer Schmidt=Dortmund, der Präsident der handwerkskammer Münster, Pg. Wagner, der Lanbeeführer der Rekofei, Pg. Janssen=Elberfeld, der sauverwalter Nephut=Dortmund vom Reichseinheitswrhand des Deutschen Gaststättengewerbes u. a. m. Die Ausstellung schließt mit dem Ablauf des Sonntags ihre Pforten. Messerstecher auf dem Tanzboden. :: Duisburg, 25. August. Eine Bluttat, die an Roheit ihresgleichen sucht, ereigLs sich in einem Hamborner Tanzlokal. Als der Sohn Mirtes eine unter den Gästen ausgebrochene Streitigitschlichten und einen der Streitenden von seinem Gegver fortziehen wollte, wurde ihm von einem anderen Gast ein Dolch in den Leib gestoßen. Der Schwerveretzte wurde ins Krankenhaus eingeliefert, doch wird an enem Aufkommen gezweifelt. Der Messerheld flüchtete, kannte aber noch in der Nacht festgenommen werden. Massengrab unter der Kirche. Orsoy, 25. August. Nachdem bereits kürzlich bei Heizungsarbeiten innerhalb der evangelischen Kirche eine ganze Anzahl von Einzelgräbern entdeckt worden war, wurde jetzt ein Nassengrab mit 30 Skeletten freigelegt. Die Kirchenchronik weiß näheres über dieses Grab nicht zu herichten. Den Skeletten nach zu urteilen, muß es sich un besonders kräftige Menschen gehandelt haben, weshalb man auf ein Soldatengrab aus früheren Jahrhunderten schließt. Allerdings ist diese Vermutung nicht ganz schlüssig, da weder Waffen noch sonstige Ausrüstungsstücke vorgefunden wurden. Rechtsanwalt Dr. Bräutigam: Düsseldorf, 25. August. Der bekannte Rechtsanwalt aus der Besatzungs- und Separatistenzeit, Dr. Bräutigam, ist in seiner Sommerfrische im Schwarzwald plötzlich verstorben; nach einem Bade hat ihn offenbar ein Schlag ereilt.— Pr. Bräutigam wurde in der Besatzungs- und SeparaZistenzeit weit über den engeren Bezirk als Verteidiger vor den französischen Kriegsgerichten bekannt. Seiner Regsamkeit, Gewandtheit und seiner nimmermüden menschlichen Hilfsbereitschaft war es zu verdanken, daß manchem Klienten in der damaligen schweren Zeit Erleichterungen zuteil wurden. Dr. Bräutigam war auch an der Verteidigung Albert Leo Schlageters beteiligt. Sein Name knüpft sich ferner an den KruppProzeß. Schließlich trat er als Verteidiger der Düsseldorfer Polizeibeamten auf, die nach den Düsseldorfer Separatisten von den Franzosen verhaftet worden waren. Der Name dieses unerschrockenen Mannes ist daher mit der Geschichte der rheinischen Besatzungszeit auf das engste verbunden. Beim nationalen Aufbruch stand er mit in vorderster Linie. Durch das Vertrauen einer Kollegen wurde er bereits nach 12jähriger Tätigaltschaft in den Vorst eldorf keit in der Anwa kammer zu Düsseldorf in den Vorstand der Anwaltsberufen. n. te e und om= iberDie rsteides ssen2r kon= abeihe nach chts dem ihr hn ht, eb en m sie ng ös ir at t. Der Goldschatz im Einmachglas. Eschweiler, 24. August. Die Polizei gibt erst jetzt von einem raffinierten Diebstahl Kenntnis, der dieser Tage in Hastenrath ausgeführt worden war. Dem Dieb fielen 3700 Markin Goldstücken in die Hände. Leider konnte bis jetzt noch keine Spur entdeckt werden, die zur Festnahme des Täters hätte führen können. Die gestohlenen Goldstücke waren in einem scheinbar sicheren Versteck eines Kellergewölbes untergebracht. Als Kassette diente ein Einmachglas. Das Geld rührte von den Ersparnissen eines Schuhmachermeisters her, der es seinen Kindern nach seinem Tode als Erbgut hinterlassen wollte. Da außer den beiden noch lebenden Geschwistern niemand von diesem seltenen Versteck und dem Betrage wußte, steht die Polizei ver einem Rätsel, wer der Dieb, der sehr gute Ortskenntnisse vertiet, sein könnte.— Dieser Diebstahl dürfte aber für diejenigen, die heute noch glauben, ihre Ersparnisse in „icheren Verstecken“ aufbewahren zu können, eine Warnung sein. Großfeuer vernichtet drei Wohnhäuser, fünf Scheunen und fünf Stallungen. :: Arolsen(Waldeck), 25. August. Während eines schweren Gewitters zündete der Blitz in dem benachbarten Rhoden in dem Anwesen des Erbhofbauern Klaus. Der leichte Fachwerkbau stand sofort in hellen Flammen. Das Feuer breitete sich mit großer Schnelligkeit auf die anliegenden Wohnhäuser und Scheunen des eng gebauten Ortes aus. Trotz aller Bemühungen der Feuerwehr brannten drei Wohnhääuser mit Scheunen und Stallungen völlig nieder. Ebenso die Scheunen und Stallungen zweier weiterer Anwohner. Die in den Scheunen eingebrachte Ernte ist völlig vernichtet, dagegen konnte das Vieh und Mobilar zum Teil gerettet werden. Verbrennungstod einer Greisin. :: Kassel, 25. August. Ein schrecklicher Unfall ereignete sich vorgestern abend in Kassel. Eine 75jährige Frau wurde zu dieser Zeit plötzlich von einem Unwohlsein befallen und ging im Zimmer auf Dund ab. Dabei kam sie dem offenen Kerzenlicht zu nahe, ihre Kleider fingen Feuer und im Nu stand sie lichterloh in Flammen. Der im selben Zimmer schlafende Ehemann wurde durch die Schreie seiner Frau wach. Das Feuer wurde gelöscht, doch hatte die Unglückliche derartig schwere Srandwunden erlitten, daß sie bald nach ihrer Einliefetung ins Krankenhaus verstarb. Drei Millionen Bektoliter deutscher Wein. Zahlen zum„Tag des deutschen Weins“. Mainz, 25. August. Fast drei Millionen Hektoliter Wein werden jährlich in Deutschland gewonnen. Im Jahre 1931 z. B. waren es genau 2 839 536 Hektoliter. Davon waren 2 263 852 Hektoliter Weißwein, 393 290 Rotwein und 182394 gemischt, nämlich vor allem der in Württemberg und auch Baden bekannte sogenannte„Schillerwein“. Sehr aufschlußreich ist auch ein Vergleich der verschiedenen Weinbaugebiete untereinander. Wenn wir die deutschen Länder nach ihrem Weinertrag ordnen, so steht Bayern mit 875 941 Hektolitern an der Spitze. Ihm folgen Preußen(670 585 Hektoliter), Hessen(521 532 Hektoliter), Baden(495 945 Hektoliter), Württemberg(269 683 Hektoliter). Die geschlossenen Weinbaugebiete jedoch nehmen eine andere Rangordnung ein, da Preußen, aber auch Bayern, ja mehrere verschiedene Rebenländer besitzen. An erster Stelle steht nun die Pfalz, sowohl nach der Größe ihrer Weinbaufläche wie nach der Menge ihres Ertrags(750055 Hektoliter und 15155 Hektar). Die hessischen Weinbaugebiete zusammen folgen als zweitgrößtes deutsches Weinland(521 523 Hektoliter und 14 049 Hektor). Nummer drei ist Baden(495 945 Hektoliter und 12 459 Hektar). Nun kommt Württemberg(269 683 Hektoliter und 10 190 Hektar) und erst dann Mosel=, Saar= und Ruwergebiet zusammen, wenigstens nach der Größe der Fläche(10 190 Hektar); nach der Ertragsmenge freilich steht diese Einheit mit 450 184 Hektar bereits an vierter Stelle. Es folgt Unterfranken(118774 Hektoliter und 3385 Hektar), das Nahegebiet(89792 Hektoliter und 2769 Hektar). Den Beschluß bildet der eigentliche Rheingau mit 58228 Hektoliter und 2093 Hektar. Im Walde tot aufgefunden. Drei Todesopfer einer Familientragödie. Bad Kreuznach, 25. August. Durch den Soonwald wandernde Hitlerjugend fand am Donnerstagmorgen auf der Straße, die vom Forsthaus Opel abzweigt, einen herrenlosen Kraftwagen und bald darauf im Walde die Leichen eines Mannes und eines etwa 20jährigen Mädchens. Ein. herbeigerufener Polizeibeamter identifizierte die männliche Leiche als die eines Prokuristen aus Kreuznach. Die Leiche wies eine Schußwunde in der Herzgegend auf. Eine Selbstladepistole lag mit einigen Patronenhülsen neben dem Toten. Bei der Toten handelt es sich vermutlich ebenfalls um eine Kreuznacherin. Allem Anschein nach hat hier eine Familientragödie ihren erschütternden Abschluß gefunden, denn wie inzwischen bekanntgeworden ist, war am Vortage im Kreuznacher Diakonissen=Krankenhaus die Frau des Prokuristen angeblich nach einem Selbstmordversuch durch Vergiften gestorben. A Münster, 25. Aug. Die Auflösung der AmyloBank beschlossen. Die gestern hier abgehaltene außerordentliche Generalversammlung der Amylo=Bank Akt.Ges. genehmigte die Bilanz für den 30. Juni 1934 und erteilte dem Vorstande Entlastung. Außerdem wurde die Auflösung der Bank beschlossen und zum Liquidator der Gesellschaft der Wirtschaftsprüfer Dr. Schmidt(Münster, Hüfferstraße) ernannt. Ahlen, 25. Aug. Schwerer Unglücksfall. Auf der Südbrede stürzte der Eckelshof 56 wohnhafte Franz Mohaupt so unglücklich mit dem Fahrrad, daß er mit schweren Verletzungen im bewußtlosen Zustande mit dem städtischen Krankenwagen dem Krankenhause zugeführt werden mußte. Wie die polizeiliche Untersuchung ergab, war das Fahrrad des Verunglückten in einem derartigen Zustande, daß der Unfall nur diesem Umstande zuzuschreiben ist. )!( Haltern, 25. Aug. Segelflugzeug abgestürzt. Ein Mülheimer Jungflieger ließ sich durch Flugzeugschlepp auf eine ziemliche Höhe ziehen, blinkte aus und segelte. Plötzlich bekam das Segelflugzeug heftige„Schläge“ und sackte durch. Der Jungflieger fing aber seine Maschine wieder auf. Irgend etwas jedoch stimmte nicht, denn bald darauf bockte das Segelflugzeug wiederum und schließlich stellte es sich senkrecht. Gleichzeitig jedoch Hauptlauf VIII der Saartreuestaffel. Das Treuebekenntnis des Münsterlandes. + Gronau, 25. August. Am Samstag morgen früh, um 5,53 Uhr, setzte sich der letzte Hauptlauf der Saartreuestaffel von Glanerbrücke bei Gronau in Bewegung. Eine große Zuschauermenge war zu dieser frühen Morgenstunde herausgeeilt. Von nah und fern kamen sie, besonders auch viele Holländer aus dem benachbarten Enschede, die mit lebhaftem Interesse den Beginn der Staffel verfolgten. Der Startplatz war sinnvoll ausgeschmückt. Weithin sichtbar leuchtete ein Transparent mit der Aufschrift: Saartreuestaffel vom 20. bis 26. August von Gronan bis Koblenz. SA.=Stürme, BDM., HJ. usw. wohnten der feierlichen Stunde bei. Ferner waren anwesend der Standartenführer Scheunemann. Obersturmbannführer Dr. Stuhl, sowie der Ortsgruppenleiter ter Ball. Nach den Klängen des Horst=Wessel=Liedes, gespielt von der Gronauer Standartenkapelle, spricht ein Gronauer Turnbruder einen Fahnenspruch, bei dem die Hakenkreuzfahne und das Sturmbanner aufgezogen wurden. Dann nimmt Bürgermeister Dr. Jansen das Wort und hebt die Bedeutung des Augenblicks hervor. Seine Worte klingen aus in einem Treuebekenntnis zur deutschen Saar, das auch in der Urkunde, die gemeinsam von der Grenzstadt Gronau und dem Turnverein Gronau zusammengestellt ist, zum Ausdruck kommt. Die Urkunde lautet: Gronau=Westmünsterland, die bekannte Textilstadt an der holländischen Grenze, entbietet den deutschen Brüdern an der Saar angesichts der baldigen Wiedervereinigung mit dem deutschen Mutterlande die herzlichsten Grüße. gez. der Bürgermeister, der Standartenführer, der Ortsgruppenleiter und der T. V. Gronau. Nach dem begeistert gesungenen Saarlied überreicht Bürgermeister Dr. Jansen dem ersten Läufer der Staffel, dem Vereinsführer des TV. Gronau, die Urkunde mit der Bitte, dem Führer in Koblenz die Treuegrüße der Stadt Gronau und des Landes der Roten Erde zu übermitteln. Der erste Läufer versicherte, sich seines Auftrages pflichtgemäß zu entledigen, worauf der Startschuß fiel. * Die Staffel geht in Richtung Ochtrup nach Münster und dann über Dortmund, wo sie gegen 12 Uhr erwartet wird, weiter über Hagen, Köln nach Koblenz, wo sie heute, Sonntag, gegen 15 Uhr, eintreffen wird. In Münster kamen die Läufer der Staffel gegen 8.30 Uhr an. Vor dem Rathause wurden sie von der Stadtverwaltung empfangen. Die Stadt Münster fügte dem Urkundenbehälter eine neue Urkunde hinzu, die den schlichten, aber kernigen plattdeutschen Spruch enthält: Wi staoht fast to Ju Ehr is Dwang gnog! Förderung des deutschen Oelsaatenanbaus. Die Regierungspressestelle teilt mit: Die von der Reichsregierung im Vorjahre zur Sicherder Fettversorgung eingeleitete Förderung es deutschen Oelsaatanbaues wird fortgesetzt. Der den Anbauern von Reinsaat zu zahlende Mindestpreis beträgt 24 Rm. je Doppelzentner. Der für Raps= und Rübensaat bisher festgesetzte Mindestpreis von 30 Rm. je Doppelzentner bleibt unverändert. Die Oelmühlen, die nachweislich die gnannten Oelsaaten zu den obenbezeichneten Mindestpreisen aufgenommen haben, werden ebenso wie im Vorjahre von der Reichsstelle für Getreide, Futtermittel und sonstige landwirtschaftliche Erzeugnisse eine Ausgleichsvergütung von 50 Rm. je 100 Klg. des aus diesen Oelsaaten gewonnenen Oeles erhalten. Die bisher festgesetzten Oelausbeutesätze bleiben bestehen. Außerdem wird den Oelmühlen eine zusätzliche Vergünstigung dadurch gewährt werden, daß die bei der Verarbeitung dieser Oelsaaten anfallenden Oelkuchen von der Monopolabgabe freigestellt werden. Nach der Erklärung des Reichsverbandes deutscher Oelmühlen wird die Aufnahme des Rohöls durch die großen Oelmühlen sichergestellt werden. Im übrigen ist auch die Reichsregierung in der Lage, für die restlose Unterbringung des Oeles aus den hier in Rede stehenden Oelsaaten zu sorgen. Auch in diesem Jahre wird den Oelmühlen, die Lein=, Raps=, Rübsen= und Mohnsaat inländischer Erzeugung auf Grund eines Schlaglohnvertrages für den Eigenverbrauch des Anbauers schlagen und dem Anbauer das Oel, abgesehen vom reinen Schlaglohn, frei von allen übrigen Zuschlägen liefern, auf Antrag eine Ausgleichsvergütung von 50 Rm. je 100 Klg. angefallenen Oel gezahlt. Als Abrechnungsgrundlage gelten die im Vorjahre festgesetzten Ausbeutesätze. Die bei der Verarbeitung dieser Oelsaaten im Schlaglohn anfallenden Oelkuchen sind den Anbauern auszuliefern. Auch diese Oelkuchen werden von der Reichsstelle für Getreide, Futtermittel und sonstige landwirtschaftliche Erzeugnisse von der Monopolabgabe freigestellt. Auf Grund der bisherigen Erfahrungen ist es möglich geworden, für den Nachweis der Voraussetzungen zur Auszahlung der Ausgleichsvergütung folgende wesentlichen Erleichterungen zu schaffen: 1. Der Ursprungs= und Verwertungsschein sind in einer Urkunde vereinigt, diese ist von einer Stelle, und zwar von dem zuständigen Gemeindevorvorsteher auszufertigen. Die Bescheinigung darüber, daß dem Gemeindevorsteher ein Kaufvertrag und ein Lohnschlagvertrag vorgelegen hat, fällt fort. In den Fällen, in denen der Anbauer die Oelsaat Oelmühle verkauft, genügt zum Nachweis des Verzu dem vorgeschriebenen Preise die Vorlegung sschriftlichen Kaufvertrages an die Reichslle für Getreide, Futtermittel und sonstige landwirt2. an die kaufs zu de stelle für chaftliche Erzeugnisse. Zu den Kaufverträgen können ortsübliche Vordrucke verwendet werden. 3. In Fällen, in denen die Oelmühle auf Grund eines aglohnvertrages für den Anbauer die Oelsaat schlägt, ist der Abschluß eines besonderen Schlaglohnvertrages, owie eine Vorlegung an die Reichsstelle für Getreide, Futtermittel und sonstige landwirtschaftliche Erzeugnisse nicht mehr erforderlich. Es genügt vielmehr eine einfache Bescheinigung über den Abschluß des Schlagvertrages, die gleichzeitig auch Angaben über die tatsächlich erfolgte Anlieferung des Oelsaaten enthält. Um die Ausstellung dieser Bescheinigung zu erleichtern, ist von der Reichsstelle für Getreide, Futtermittl und sonstige landwirtschaftliche Erzeugnisse hierfür ein besonderer Vordruck vorgesehen worden. Die Vereinfachungsmaßnahmen haben zur Folge, daß der Anbauer künftig nur an eine Stelle, den Gemeindevorsteher, zu wenden hat, und daher gegenüber der Regelung im Vorjahre mehrere Wege erspart. Die Neuregelung ist mit Rücksicht auf die frühe Ernte bereits am 1. Juli 1934 in Kraft getreten. Die ausführlichen Richtlinien für die Durchführung der Vergünstigungsmaßnahmen sind von der Reichsstelle für Getreide. Futtermittel und sonstige landwirtschaftliche Erzeugnisse am 20.Juli 1934 veröffentlicht worden. Die Frage, ob und in welchem Umfange es möglich sein wird, eine Sicherheit für die Preisentwicklung der genannnten Oelsaaten der Ernte 1935 zu schaffen, wird beschleunigt geprüft. Das Ergebnis wird rechtzeitig vor Beginn der neuen Bestellungsarbeiten bekanntgegeben werden. Nachdem im Rahmen der vorstehend behandelten Ausgleichsvergünstigungsmaßnahmen die Ausstellung der Ursprungs= und Verwertungsscheine für Oelsaaten inländischer Erzeugung den örtlichen zuständigen Gemeindebehörden übertragen worden ist, hat die Reichsstelle für Getreide, Futtermittel und sonstige landwirtschaftliche Erzeugnisse, um eine unterschiedliche Behandlung in der Monopolabrechnung von Oelsaaten inländischer Erzeugung zu vermeiden, den Gemeindebehörden auch die Ausstellung der Uusprungs= und Verwertungsscheine für solche Oelsäaten und Oelfrüchte inländischer Erzeugung übertragen, für die eine Ausgleichsvergütung nicht gezahlt wird. Das Formblatt für diesen Ursprungs= und Verwertungsschein ist das gleiche wie für Oelsaaten, für die eine Ausgleichsvergütung gewährt wird. Die Monopolabrechnung ist in jedem Falle des Inverkehrsbringens von Oelsaaten und Oelfrüchten inländischer Erzeugung vorzunehmen. sprang der Flieger mit dem Fallschirm ab und Indete wohlbehalten in der Nähe des„Drügen Pütts“. In 1500 Meter Höhe brach von dem verlassenen Segelflugzeug ein Flügel ab. Die Maschine landete vollständig zertrümmert auf freiem Felde. A Rheine 25. Aug. Eine Bande von fünf Wilderern gefaßt. Wie der k. Jägermeister des Kreises Steinfurt, Hollweg, bekannt gibt, wurde in den Jagden der Gemeinde Elte schon seit Jahren auf gemeinste Art gewildert. Verludertes Rehwild in Schlingen, Hasen und Kaninchen wurden dort ständig gefunden und auf die raffinierteste Art alle Wechsel des Wildes mit Schlingen bestellt. Trotz aller Mühe war es bisher nicht möglich, die Hauptübeltäter zu fassen, bis es jetzt dem Revierförster Kleyböcker in Emsdetten glückte, die Bande unschädlich zu machen. Von der fünfköpfigen Bande wurde nur einer gestellt, ein weiterer angeschossen, und die übrigen wurden in ihren Wohnungen verhaftet. Mit Bestimmtheit ist anzunehmen, daß es sich bei diesem Bandenunwesen um Leute handelt, die schon jahrelang das Revier unsicher machen. Sie werden jetzt die schweren Strafen erhalten, die sie für die jahrelangen Tierquälereien verdient haben. □ Ibbenbüren, 24. August. Ueberfahren und getötet. Freitag morgen wurde ein junges Mädchen von dem Bulldogg einer hiesigen Firma überfahren und getötet. Dem Mädchen wurde ein Bein abgequescht. Die Bedauernswerte, die nicht sofort tot war, wurde zum Krankenhaus gebracht, wo sie alsbald starb. Es handelt sich um die 23 jährige Luise Brewe von Ibbenbüren. Aus dem Exerzitienhause Münster. Tage min schönsten Erholungstage für Leib und Seele Gerade in diesen Wochen ist der große Garten noch so schön. Jeder Exerzitant hat sein bequemes Einzelzimmer. Führ gute Verpflegung sorgen die Ehrw. Schwestern. Im September finden folgende Kurse statt: 1.—5. Jungfrauen. 11.—15. Jungfrauen, die nicht heiraten wollen. 24.—28. Schwerhörige Frauen und Jungfrauen. Im Oktober: 2.—6. Mütter. 11.—15. Schwerhörige Männer und Jungmänner. 25.—29. Bräute. 31.—4. Männer. Anmeldungen werden erbeten an die Exerzitienleitung Münster, Schillerstraße 46. Gewinnauszug 5. Klasse 43. Preußisch=Süddeutsche (269. Preuß.) Staats=Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten 15. Ziehungstag 24. August 1934 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 50000 M. 827213 10 Gewinne zu 3000 M. 144327 153959 182998 296733 349546 18 Gewinne zu 2000 M. 19501 115921 148296 155090 194858 306028 309811 831239 368546 42 Gewinne zu 1000 M. 10861 67889 84270 93820 137237 158114 166308 191442 194967 226837 227590 259818 260551 266607 269965 294383 297456 343394 351901 372539 387774 94 Gewinne zu 500 M. 2502 9010 10564 12026 36461 55673 85216 109917 116584 117092 120368 122288 131801 140860 143462 147683 170518 179585 192190. 194429 203814 207211 209845 214776 228913 230354 236396 241581 244722 245419 272789 275256 276098 286129 814160 814728 818812 323171 326171 337797 344511 847589 853481 376290 380643 386934 396169 316 Gewinne zu 300 M. 1587 2214 5350 5786 10219 11775 13249 14520 18259 18625 18775 19858 23488 23644 26195 26233 27151 27850 28766 30685 32443 45818 47885 48693 49423 54527 54990 55047 61747 72363 72808 74097 76980 77227 78143 81200 81835 82779 85405 B5879 86681 87110 90060 91958 101341 106026 110692 112993 121547 121994 125241 128300 129327 130842 131818 134839 135692 138995 141147 141735 142149 144658 145240 149356 150882 156548 157406 158599 159132 164846 167204 171701 172258 173691 176467 178686 181625 185740 185891 187052 187196 187673 194734 197668 199914 201932 202414 205387 206304 211072 212042 213225 213507 219745 220336 222810 227799 228417 229871 232299 233066 234593 239190 241090 251201 252387 254592 256340 259019 259623 263042 263823 263959 265119 266025 266067 266451 270789 271223 273129 278734 288507 289127 289957 300429 301925 309941 310528 314631 315979 820604 322224 325357 327895 330861 331371 332704 334720 338337 339635 339851 840816 343029 344099 344221 345895 360258 362525 364308 366349 373896 386054 386858 390389 391060 391933 393816 395969 In der heutigen wurden Gewinne gezogen 2 Gewinne zu 10000 M. 48517 12 Gewinne zu 5000 M. 26198 203476 237559 256221 327442 363223 6 Gewinne zu 3000 M. 110941 227914 306885 18 Gewinne zu 2000 M. 14247 66997 203935 219145 241481 242046 260539 332590 343088 44 Gewinne zu 1000 M. 4946 40085 45806 67543 115967 116675 119098 120329 138495 160940 216377 218112 219217 221468 226765 231249 241155 254397 324658 339390 870015 884723 104 Gewinne zu 500 M. 5734 34954 36395 48073 63509 66727 70842 77146 89625 89785 94983 102902 104188 114068 118164 125153 140419 148369 151710 152256 154841 163035 183700 185054 188490 195920 197902 198032 204310 205711 211341 212895 227116 229162 230503 235453 241408 267881 267901 270754 283460 296237 800563 303441 323040 333639 342085 357218 365259 367236 381053 397480 282 Gewinne zu 300 M. 2093 6638 8117 9692 17883 18490 28026 28529 33474 34592 34765 37532 37847 39088 40402 48258 49831 53012 55736 57961 58963 59904 63960 64035 65855 71674 74087 86449 86767 88256 96493 102534 104069 109402 114648 116580 119410 122381 122752 123003 125125 125349 128686 129894 130896 133588 134195 139066 141019 143086 143181 144719 146462 150662 154729 156603 159030 159604 169132 173797 178207 178252 185008 186851 189798 196640 201187 204294 204653 207140 207926 211854 215160 215385 216295 218423 220495 226204 227097 243493 249493 258338 259281 266705 267167 268907 275013 275312 275861 278350 278959 280682 284681 288760 290709 296942 302076 305415 305541 307860 309278 311547 312448 316507 320217 328194 328629 329170 330783 334978 338752 339149 340026 340222 342190 346033 355927 364601 365134 368670 371107 376126 377347 378812 380666 382019 387069 387931 389591 389920 390955 391266 391519 392205 392266 993841 394591 394775 394977 397807 399936 20 Tagesprämien. Auf jede gezogene Nummer sind zwei Prämien zu je 1000 RM gefallen, und zwar je eine auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II: 36857 65967 75062 87967 216200 337985 343520 376001 381939 391518 Im Gewinnrade verblieben: 300 Tagesprämien zu 1000 M. ferner 2 Gewinne zu 1000000, 2 zu 300000, 2 zu 50000, 2 zu 30000, 6 zu 20000, 22 zu 10000, 108 zu 5000, 192 zu 3000, 450 zu 2000, 950 zu 1000, 2310 zu 500, 9292 zu 300 M. 4 Der Name Kneipp bürgt für Kathreinerden Kneipp Mahzloffeel Boll in die Mittel Der Kampf um Punkte beginnt.— Neue Gegner, neue Kämpfe.— Umgruppierung in der Bezirksliga Münster. Münster, 26. August. Mit dem ersten Septembersonntag ist das runde Leder wieder für die Meisterschaftsspiele freigegeben. Bereits am letzten Sonntag setzte bei den führenden Vereinen reger Fußballbetrieb ein. Die lange Zeit der Zwangspause hat bei manchem die Glieder etwas steif werden lassen. Andere wieder sind nicht müßig gewesen und haben die Zeit bestens genutzt. Ein jeder aber wollte den ersten Probelauf tun. Ob es noch ging oder ob es schon wieder ging. Gäste aus höheren Klassen(Münster 08— VfL. Benrath) oder erste tastende Versuche mit neu zur Gruppe gestoßenen Gegnern(Rheine 09— Borussia Rheine) wurden verpflichtet, und natürlich waren hüben und drüben die Ueberraschungen an der Tagesordnung. Es gilt eben, sich zu orientieren. Da wollen überraschende Ergebnisse vorerst wenig bedeuten. Mittlerweile sind einzelne Gruppen bereits festgelegt. Auch Termine für die ersten Wochen stehen schon an. Am 2. September kann es also mit vollen Segeln, neuen Kräften, geschwellten Hoffnungen und heimlicher Besorgnis in den Kampf gehen. Jn der Gauliga war bereits zu Ende der letzten Spielzeit alles geklärt. Für die Dortmunder Vereinigung 95 und die Bielefelder Arminen schlug die bittere Abschiedsstunde aus dem Kreis der Gaubesten. Andere hatten sich wacker geschlagen und das drohende Verhängnis noch einmal abgewehrt. Preußen Münster und Viktoria Recklinghausen entgingen mit Not einem herben Geschick. Diesmal heißt es doppelt auf der Hut sein, denn die neuen Mannschaften, die von nun an zur Gauliga aufrücken, haben einen dornenvollen und gefahrvollen Weg hinter sich, verfügen also über ein beträchtliches Maß an Können. Hinzu kommt natürlich noch ein ungestümer Ehrgeis, der das mühsam Errungene mit aller Gewalt zu festigen und zu halten sucht. Es ist ganz offensichtlich, daß durch das Nachrücken der Besten der Kreisliga mit den Jahren in der Gauliga nur die Allerbesten sich zu halten vermögen. Nur ein zeitweiliger Formrückgang kann genügen, um aller Herrlichkeit ein Ende zu machen. Und daß die beiden Neulinge, Union Recklinghausen und Westfalia Herne den alten Gauligisten das Leben nicht leicht machen werden, verbürgten ihre Kämpfe um den Aufstieg. Man kann nicht sagen, daß die westfälische Gauliga nunmehr nach dem ersten Zuwachs aus der Kreisliga in ihren Kräfte- und Stärkeverhältnissen ausgewogen und ausgeglichen ist. Ueberragende Spitzenkönner wie der Deutsche Meister Schalke und in der Gruppe sein schärfster Rivale Höntrup stehen neben Mannschaften, die wegen einer oft beängstigenden Unbeständigkeit immer ein unberechenbarer Faktor sind. Meistens verbinden diese Mannschaften mit ihrer Unbeständigkeit den Charakter der ausgesprochenen Heim=Mannschaft, die nur oder sicherer auf eigenem Platze gewinnen kann, auswärts aber nur zu leicht das Errungene sich wieder nehmen läßt. Zu diesen könnte man Viktoria Recklinghausen. Hüsten, auch die Münsteraner, rechnen. Kurz, man kann noch nicht von einer Auslese der Allerbesten, Beständigsten und Sichersten reden. Vielleicht nach einigen Jahren, wenn Mannschaften, die die aufreibenden und oft auch härteren Kämpfe der Kreisliga und vor allem Aufstiegsentscheidung hinter sich haben, zur Gauliga aufgerückt sind. Denn sie bringen immerhin schon neben gutem Können eine gewisse Beständigkeit mit. Die durch Beschluß am grunen Tisch im vorigen Jahre in die Gauliga eingereihten Mannschaften müssen schon alles daransetzen, ihren Platz an der Sonne zu verteidigen. Die westfälische Gauliga geht mit folgenden Mannschaften ins Rennen: FC. Schalke 04, Spielverein Höntrup, SS Hüsten 09, DSC. Hagen, Spielvereinigung Herten, Germania Bochum, Viktoria Recklinghausen, SC. Preußen Münster, Westfalia Herne, Union Recklinghausen. Für die erste Serie sind die Termine ebenfalls bereits festgelegt: 2. September: Hüsten— Herne; Viktoria Recklinghausen— Union Recklinghausen; Hagen— Bochum. 9. September: Höntrup— Hagen Münster— Herten; Herne— Schalke; Hüsten— Viktoria Recklinghausen. 16. September: Herten— Höntrup; Bochum— Hüsten; Hagen— Münster; Schalke— Union Recklinghausen. 23. September: Union Recklinghausen— Hagen; Hüsten— Herten; Höntrup— Herne.(Das ursprnüglich angesetzte Spiel Münster— Schalke ist verschoben.) 30. September: Viktoria Recklinghausen— Bochum: Münster— Schalke. In der Bezirksklasse Münster ist bei weitem nicht alles so geblieben, wie es war. Westfalia Scherlebeck mußte als Tabellenletzter die Kreisliga verlassen. Seine Leidensgenossen waren die Germanen aus Datteln, die sich anfangs der Spielzeit wacker geschlagen hatten. Die münsterischen Saxonen retteten sich seinerzeit durch einen imponierenden Endspurt auf den drittletzten Platz, nachdem sie sich vorher mehrfach erfolgreich als Fovoritenstürzer betätigt hatten. Was mit den Rothosen aus Münster wird, kann noch nicht gesagt werden. Vorerst zählen sie noch nicht zur Bezirksklasse, da die DIK. Betätigungsverbot hat, das auch aller Voraussicht nach nicht aufgehoben wird. Allerdings hat die 1. Mannschaft der DIK. Saxonia ihren Austritt aus der DIK. vollzogen. Die Neugründung ist unter dem Namen Rotweiß=Saxonia vom Sportbeauftragten, wie bereits gemeldet, genehmigt. Eine Zuteilung zu irgendeiner Gruppe ist aber noch nicht erfolgt. Es bleibt abzuwarten, ob zu den 12 Vereinen der Bezirksklasse Münster noch ein 13. kommt. Die Mannschaften der Bezirksliga Gruppe Münster sind: SS. Recklinghausen, Schwarzweiß Meckinghoven, SS. Ahlen, Westfalia Ahlen, Spogg. Beckum, Bockum=Hövel, SC. Münster 08, SC. Greven 09, FC. Gronau, Vorwärts Gronau, Rheine 09, Borussia Rheine. Neulinge in der Bezirksliga sind die beiden Kreismeister Schwarzweiß Meckinghoven, der als Meister der 1. Kreisklasse Gruppe Recklinghausen nach 14 Spielen mit 20:8 Punkten auf Grund des besseren Torverhältnisses aufgerückt und die Spvgg. Beckum, die als Meister der 1. Kreisklasse Münster nach 17 Spielen mit 30:4 Punkten ebenfalls aufrückt. In dem Ausscheidungskampfe um den Aufstieg schlug die Spogg. Beckum den ernsten Anwärter Rheine 09. Durch jüngsten Beschluß rückt aber auch Rheine 09 als Meister der 1. Kreisklasse Steinfurt nach 22 Spielen mit 37:7 Punkten in die Bezirksliga auf. Mithin 3 aus der Kreisliga aufgestiegene Mannschaften, die ihre errungene Stellung wacker verteidigen werden. Dazu stoßen noch die beiden Ahlener Mannschaften SS. Ahlen und Westfalia Ahlen, die bisher in der Gruppe Minden spielten und nunmehr Münster zu geteilt werden. SS. Ahlen behauptete einen ehrenvollen 3. Platz hinter VfB. Bielefeld und PSV. Hamm, Westfalia stand ungefährdet im sicheren Mittelfelde der Tabelle. In Ahlen ist man freilich nicht wenig ungehalten über die Neueinteilung der beiden Mannschaften. Die Ahlener Volks3.—10. 9. im mod. Reise- Omnibus Nach Oberammergau durch Deutschlands schonste Gaue über Siegburg— Limburg— Frankfurt—Rothenburg o. d. 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Wir brauchen uns nicht zu verhehlen, daß die Ahlener Vereine von allen 72 wohl am schlechtesten abgeschnitten haben, wie überhaupt die Gruppe Münster geographisch so ungünstig liegt, daß man von einem Notstandsgebiet im sportlichen Sinne sprechen kann. Eines dürfte wohl feststehen, daß die Ahlener Mannschaften bei ihren Auswärtsspielen nicht die Gelder mitbringen, die sie im vorigen Jahre zu kassieren vermochten. Hinzu kommt noch, daß die Entfernungen u. E. größer geworden sind, so daß mit erheblichen Mehrkosten gerechnet werden muß. Wir wiederholen unseren Rat, die wenigen Tage bis zum Beginn der Spiele nicht damit zu verbringen, sich in Eingaben an die Instanzen sein vermeintliches Recht zu suchen, sondern mit allen Kräften der gänzlich veränderten Situation im Ahlener Fußballsport Rechnung zu tragen und alles daran zu setzen, gut gerüstet in die Meisterschaft zu ziehen.“ Es wird den Ahlenern gewiß nicht leicht werden, auf die Spitzenspiele gegen Bielefeld und Hamm verzichten zu müssen. Aber wir glauben nicht, daß man darob allzu traurig sein sollte; denn Mannschaften wie SS. Recklinghausen und Borussia Rheine, die in Ahlener Kreisen jetzt schon verfrüht als kommende Gruppenmeister angesprochen werden, dürften den Verlust gut wettmachen. Und wenn man befürchtet, von den Auswärtsspielen weniger Einnahmen mitbringen zu können, so ist dem dadurch leicht abzuhelfen, daß man sich eine derartige Spielstärke erspielt, die es nicht zuläßt, daß man die Ahlener Mannschaften übersehen oder geringer einschätzen kann. Und dazu sollte doch wohl das Zeug da sein. In Kreisen der Bezirksklasse begrüßt man den Zuwachs durch die Ahlener Mannschaften sehr, denn über jeden ehrlichen, tapferen und schwer zu nehmenden Gegner freut sich jeder Sportler. Ein Sieg über ihn bringt Ansehen und eine Niederlage schmerzt weniger, da man weiß, daß man dem Besseren unterlag. Irgendwelche Betrachtungen über den kommenden Meister der Gruppe jetzt schon anzustellen, ist durchaus verfrüht. Man könnte geneigt sein, SS. Recklinghausen oder Borussia Rheine als Favoriten anzusehen. Aber wir glauben, man kann SC. Münster 08 und auch S S. Ahlen nicht übersehen. Sein Augenmerk muß man auch auf die beiden Neulinge, die spielstarken und sehr beständigen Mannschaften von Rheine 09 und Beckum haben. Alles scheint dafür zu sprechen, daß die Kämpfe um die Gruppenmeisterschaft und auch um die Plätze in der Bezirksklasse Münster bedeutend wechselvoller, härter, belebter und interessanter werden als zum Beispiel in der Gauliga Westfalens. Die Termine für die Spiele der Bezirksliga Gruppe Münster liegen für den Monat September bereits fest: 2. September: Borussia Rheine— SuS. Recklinghausen 13; SpV. Meckinghoven— SpVgg. Beckum. 9. September: SpVgg. Rheine 09— SuL. 05 Ahlen: Vorwärts Gronau— SpV. Meckinghoven; SuS. Recklinghausen 13— Gronau 09; Greven 09— Borussia Rheine; Westfalia Ahlen— Münster 08. 16. September: Gronau 09— Greven 09; SpV. Meckinghoven— SuS. Recklinghausen 13; SuS. Ahlen — Vorwärts Grorau; SpVgg. Bockum=Hövel— Rheine 09. 23. September: Rheine 09— SpVgg. Beckum: Vorwärts Gronau— SpVgg. Bockum=Hövel; SuS. Recklinghausen 13— SuS. 05 Ahlen; SpV. Greven 09— SpV. Meckinghoven: Westfalia Ahlen— Gronau 09. 30. September: Münster 08— Borussia Rheine. In der Kreisliga, Gruppe Steinfurt ist die frühere Einteilung beibehalten worden. Das 6 biet ist so in sich geschlossen, daß eine Neuaufteilung zu Komplizierungen führen müßte. Zudem hat sie sic letzten Jahre auch gut bewährt.ich im Die 1. Kreisklasse Steinfurt zeigt die normale Veränderung an. Die beiden Letten der Tabelle, SV. Wilmsberg und Union Bure Union Bursteinfurt, mußten zur 2. Kreisklasse absteigen beiden Meister der 2. Kreisklasse, Preußen Rheine aue der Gruppe A und Tus Stadtlohn aus der Gruppen bilden nunmehr die Ueberraschungsmomente in der 1 Kreisklasse. In der Kreisklasse spielen: Ballspielverein Rheine, Preußen Rheine, Spielverein Emsdetten, SC. 21/24 Gronau, Rasensport Coesfeld, VfL. Dülmen, Spielvereinigung Ibbenbüren, Prenßen Borghorst, VfL. Epe, Teuto Riesenbeck, Tus Stadtlohn. Das erbitterte Ringen der alten Rivalen Rasensport Coesfeld und VfL. Dülmen heben von neuem an. Der Dritte im Bunde, Rheine 09, trug den Lorheer davon und erreichte das Ziel. Aber vielleicht gesellt sich zu den beiden noch ein bis jetzt nicht bekannter Dritter der die Spannung erhöht. Jedenfalls kann man auf den Anfang der Spiele gespannt sein. Sie bringen das erste Abtasten und einen ersten Ueberblick über die diesjährige Verteilung der Kräfte. Die Termine für den ersten Monat sind: 2. September: Tus Stadtlohn— BV. 10 Rheine: Preußen Rheine— Teuto Riesenbeck; Spielverein Emsdetten— Spielverein Ibbenbüren: Rasensport Coesfeld — VfL. Epe: Preußen Borghorst— VfL. Dülmen. 9. September: BV. Rheine— Preußen Borghorst: Teuto Riesenbeck— Rasensport Coesfeld; Spielverein Ibbenbüren— Tus Stadtlohn; VfL. Epe— Spielverein Emsdetten; VfL. Dülmen— Preußen Rheine. 16. September: SC. 21/24 Gronau— VfL. Dülmen: Preußen Rheine— VfL. Epe; Spielverein Emsdetten— Teuto Riesenbeck; Preußen Borghorst— Spielverein Ihbenbüren; Rasensport Coesfeld— Tus Stadtlohn. 23. September: Tus Stadtlohn— SC. 21/24 Gronau; BV. Rheine— Preußen Rheine; VfL. Dülmen— Rasensport Coesfeld; Spielverein Ibbenbüren— Teuto Riesenbeck: VfL. Epe— Preußen Borghorst. Die 2. Kreisklasse Steinfurt spielt wiederum in zwei Gruppen. Der Gruppe A gehören an: Sportfreunde Gellendorf; VfL. Rheine; Spiel und Sport Neuenkirchen, Spielverein Mesum; Vorwärts Emsdetten, VfR. Lengerich, Borussia Emsdetten, SV. Mettingen, Union Burgsteinfurt. Ueber die bisherige Zugehörigkeit der DIK.=Vereine ist noch nichts bekannt. Verschiedene Mannschaften haben bereits ihre Mitgliedschaft in der DIK. gelöscht und bemühen sich um Eingliederung in den DFB. In der Gruppe B spielen: Tus Ahaus, Union Wessum, Tus Wüllen, VfL. Vreden, Tus Dülmen 84, SC. Nordwalde, Reichsbahn Tus Coesseld, SV. Heek, Tus Altenberge, SV. Wilmsberg, Reserve FC. Gronau 09, Res. Vorwärts Gronau. In den amtlichen Mitteilungen des Verbandes heißt es, daß die Reservemannschaften von FC. Gronau 09, Vorwärts Gronau und Borussia Rheine, die in der 2. Kreisklasse an den Meisterschaftsspielen teilnahmen, spielen ohne Punktewertungen. Ueber das Schicksal und Aussehen der Kreisklassen in der Gruppe Münster ist noch nichts bekannt. Den DIK.=Vereinen ist bekanntlich bis zum 24. August Gelegenheit geboten worden, sich zu den Uebertrittsbedingungen zu äußern. Nach dem 24. wird die Zuteilung zu den Klassen unabänderlich vorgenommen. Vorerst muß man die Ereignisse abwarten. 300 eiserne Gartenstühle, 25 passende Tische, sowie 25 Restaurationstische und einige Gartenschirme. nur wenige Tage au der Gewerbeschau Dülmen benutzt, werden am Montag. den 27. Aug., vormittaas 10 Uhr beginnend, an Ort u. Stelle Gymnasium in Dülmen) billigst verkauft. 4484 B. Bücking. Stuhlfabrik, Coesfeld. Tel. 162. Tasehenuhr m. gepraft., 33stünd. deutsch. Anerwerk. Garantieschein f. 1 Jahr. Nr. 3 Herrentaschenuhr, vernickelt.... M. 2,10 Nr. 4 versilbert mit Goldrand, Scharn. u. Ovalbüg. M.2,90 Nr.5 dieselbe mit besser. Werk, kleine flache Form. M.3,70 Nr. 6 Sprungdeckeluhr. 3 Deckel. vergoldet. M.5,40 Nr. 7 Damenuhr, stark versilb., 2 Goldr. M.3.00 Nr. 8 Armbanduhr m Leder= riemen.. 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Andere Geschäftsleute haben die Notwendigkeit längst erkannt, daß man sich gerade jetzt beso ders einfrig um die Gun des Käufers bemühen müsse. Die Zeitungsanzeige kann auch Ihrem Hause neue Kunden, neu Käufer zuführen, wenn Sie konsequent und syste matisch werben. Beherzigen Sie stets: Kei Werbemittel übertriftt die Anzeige in den PAn Anzeigen-Verwaltung der Münster Westl. Leno DIE VOGEL DES HIMMELS EINE ERZÄHLUNG VON FELIXTIMMERMANS Damals, als seine Frau durchgebrannt war und aus Angst vor seinem Hammer nicht zu ihm zurückzukommen wagte, war Krabbekoker ans Bummeln gekommen und hatte den Artisten Viktor kennengelernt. Viktor Dulorier aus Brüssel war jahrelang Spaßmacher bei einem umherreisenden Zirkus gewesen. Er war dann hier hängen geblieben und hatte sich an das Abmalen von Postkarten und Photographien gegeben. Die Bildchen verkaufte er Sonntags in den Wirtshäusern. Außerdem bemalte er mit solchen Landschaften und Bildern die VerDie Jesuitenkirche in Büren anden, Flure und Decken bei den Kleinbürgern und die Ladentische bei den Bäckern, Metzgern und Krämern. Er wohnte außerhalb der Stadt in einem Holzschuppen dicht an der Nethe. Bei der Schippekenskermis kam Krabbekoker eines Abends in der„Melone“ mit Dulorier so zwischen zwei Gläsern ins Gespräch. Krabbekoker erzahlte ihm von seiner Not, seiner Verzweiflung und seinen Racheplänen. Und das ging bei Krabbekoker nie ohne Tränen. „Ich krieg es nicht heruntergeschluckt, Viktor“, „sie hat mir das Herz gebrochen. nicht eher zur Ruhe, als bis ich ihr Mui Krieg es midiit herunter jammerte er,„sie hat mir das Herz gebrochen Ich komme nicht eher zur Ruhe, als bis ich ihr diesen Hammer(dabei zeigte er einen Schusterhammer) auf dem Schädel entzweigeschlagen habe. Mich so zu betrügen! Einen so guten Menschen wie mich! Gibt es einen besseren?“ Spatnachts sagte Viktor:„Komm, du kannst bei mir wohnen, wenn du mir zwei Paar Schuhe im Jahr machst.“ Es gefiel Krabbekoker gut bei Viktor, dem Artisten. Gesellschaft beruhigt das Herz. Er machte mehr als zwei Paar Schuhe. Er arbeitete und flickte auch für die Bauern und die Leute aus der Stadt. Sie wurden dicke Freunde. Sie rauchten aus dem gleichen Tabaktopf und legten das Geld, das sie verdienten, in die gleiche Zigarrenkiste. Jeder nahm, was er für sein Handwerk, seine Bedürfnisse und seine Schoppen nötig hatte. Manchmal legte der eine für den andern aus. Wenn nichts mehr in dem Kistchen war, arbeiteten sie mehr. Aber allzuviel darf man nicht tun, sonst ist das Schöne davon ab. Mit dem Ueberschuß kann man doch nichts anfangen. Wenn sie ihn trotzdem hatten, fuhren sie mit dem Nachen zur„Melone“, drüben auf der andern Seite. Da gab es einen besonders reinen Genever, der das Leben schöner machte. Das ging so eine Weile, da bekam Viktor Sehnsucht nach den Ländern, die er bis dahin nach Postkarten gemalt hatte. Er sparte ein wenig Geld und verkaufte den Schuppen und das angrenzende Land für 75 Franken an Krabbekoker. Den Nachen bekam er umsonst. Krabbekoker lieh das Geld in der„Melone“. Nun hieß es hier nicht mehr:„Bei Artist Viktor“, sondern„Bei Krabbekoker“. Als er mit seinen Gedanken allein war, fing gleich das Grübeln wieder an, und, um sein Inneres zu beruhigen, trank er und stierte stundenlang ins Wasser. Das war nicht gut! Und sicher hätte man von einem Unglück gehört, wenn Cicero nicht rechtzeitig dazwischen gekommen wäre. Cicero kam oft mit seinem Hund den Deich heraufspaziert. Cicero hatte immer einen„Steifen“ auf und war nie ohne seinen Mizorken. Er kam bisweilen zu Krabbekoker und holte sich Feuer. Dabei sprach er viel über Zauberei. Krabbekoker konnte stundenlang dasitzen und dem langen, ruhigen Mann zuhören. Krabbekoker wurde leberleidend und lief bis in das Weiße seiner Augen gelb an wie eine Rübe. Cicero sah jeden Tag nach ihm und war gern da. Er war lieber hier in der stillen, freien Natur, wo Kristall in der Luft ist, als auf seinem dunklen Stübchen in der lauten, stinkenden Gasse. Und dann der stille Nethespiegel, unter dem die Fische hintreiben! Die Leute fanden Cicero auch hier, wenn er Kinderleichen zum Friedhof bringen sollte, wenn sie eine Wallfahrt bestellten oder von seiner guten Salbe haben wollten. Sein Mizorken lief überall hin mit, es war bei den Wallfahrten und begrub die Kinder mit. Nur wenn sein Herr zur Messe ging, sperrte er das Hündchen solange in den Pumpenschuppen vom„Invaliden“, einem Wirtshaus hinter der Kirche. Das Geld, das er verdiente, verwendete Cicero mildtätig zu Krabbekokers Pflege. Als der schließlich gesund war, sprach niemand mehr vom Weggehen. Cicero blieb, und als Bastler, der er war, baute er an den Holzschuppen einen Stall aus Stein für die Ziege, die Kaninchen, das Winterholz und die Kohlen. Cicero besorgte den Haushalt in einer blauen Schürze, und immer hatte er den„Steifen“ auf. Den setzte er nur in der Kirche ab und wenn er schlafen ging. Er schälte Kartoffeln, machte die Wäsche und hielt es sauber. „Unsere Hausfrau“, sagte Krabbekoker. Im November, am Ende eines nebligen Tages, der die Kopfweiden am Bach wie einsame Riesen erscheinen ließ, kam Cicero aus dem Anbau, wo er Holz hatte holen wollen, voll Angst hereingerannt. „Ein Spuk! Ein Spuk! Ein großer, dunkler Spuk schwebt über den Steinpfad am Bach auf unser Haus zu. Ich glaube, er hat so einen Kopf. Sieh nur““ Cicero und Krabbekoker saßen erschrocken Schulter an Schulter und starrten auf die Tür. Plumpe Schritte kamen näher. Krabbekoker hielt seinen Hammer wurfbereit fest. Cicero betete. Die Klinke wurde heruntergedrückt. Cicero hielt sich die Schürze vors Gesicht. Die Tür flog auf, und wie eine riesige Fledermaus flatterte Artist Viktor herein. „Me voici“, rief er.„Das Leben ist auf Postkarten verlockender als in Wirklichkeit!“ Er schüttelte seinen Umhang ab und setzte den alten Koffer auf den Boden. Artist Viktor war magerer und viel grauer geworden. „Junge, Junge“, jubelte Krabbekoker. „Bruder Krabbekoker, alter Kerl! Ich konnte ohne dich und die Nethe nicht leben“, rief Viktor. Sie fielen sich um den Hals und klopften sich auf den Rücken. „Das ist Cicero, unsere Hausfrau“, rief Krabbekoker.„Aber komm doch in die„Melone“, da werde ich dir alles erzählen.“ Sie setzten zu dritt in dem Nebel über. Das Wasser klackerte gegen die Planken des Nachens. Man sah das andere Ufer fast nicht. „Was für ein schönes Land“, sagte Viktor. „Man darf nichts nahebei besehen, niemals! Norwegen nicht, ein Gemälde nicht, und auch keine Frau, nichts!“ „Außer einem Gläschen in der„Melone“, rief Krabbekoker. Eines Nachts brachten Artist Viktor und Krabbekoker Herrn Armand blutig nach Hause. Sie hatten ihn aus den Händen eines Schiffers weggeholt. Armand, wer kannte den verkommenen Jungen nicht? Armand war der Sohn der reichen Spitzenhändlersfamilie Scholters-Verbist. Er war ein Bürschchen, mit dem sie zu Hause nichts anzufangen wußten; ein verwöhntes, verdorbenes Küken. Als er klein war, wurde er wie ein Prinz in einem Leiterwagen mit zwei Schafen davor zur Schule gefahren. Später schlug er gründlich ins Gegenteil um. Er log und stahl und verpraßte das Geld mit Weibern in kleinen Kneipen. Er hatte immer eine Schar Sauffreunde um sich und verkehrte am liebsten mit rüpeligem Straßenvolk, mit dem er Vogelschlingen legte und fischen ging. Schließlich verbot die Familie ihm das Haus und war froh, wenn er ihr nicht zu viel Schande machte und sie nichts von ihm sah und hörte. „Herr Armand“, sagte Krabbekoker, als er dem jungen Mann das Blut abgewischt hatte,„ich gehe morgen zu Ihrer Mutter.“ Und Krabbekoker kam mit der Mutter und Herrn Emil, dem Bruder, überein, daß sie Armand für 20 Franken monatlich bei sich behielten. „Aber tun Sie, als ob wir nichts gäben“, sagte Herr Emil.„Er muß glauben, Sie hielten ihn. Wir wollen es einmal so versuchen.“ Herr Emil würde also Krabbekoker jeden Monat das Geld auf dem Beginenwall heimlich zustecken. Der sagte:„Abgemacht“, und als er nach Hause kam, sagte er:„Mein junger Freund Armand, Sie sind noch nicht den Knauf eines ertrinkenden Gendarms wert. Deshalb habe ich mir gesagt: Gut, ich behalte Herrn Armand für nichts, ganz umsonst. Aber kusch halten, Männeken! Oder du bist reif für Hoogstraten! Ich nehme dich an Kindes statt.“ Armand fühlte sich angesichts solcher Mildtätigkeit verpflichtet und nannte Krab:„Mein Vater!“ Es läßt sich gut wohnen bei Krabbekoker, frei und unbekümmert. Sie haben die Felder für sich. Wie schnell ist eine Rübe oder eine Handvoll Bohnen aufgegrapscht! Und was macht dem Bauern eine simple Rübe aus, wenn noch zehntausend stehen bleiben! Und im Winter essen sie Hasen! Niemand versteht sich so aufs Schlingenlegen wie Krab. Die Nethe gehört ihnen. Sie haben eine Schute, um zur„Melone“ überzusetzen— und um zu fischen. Die schaffen doch hin und wieder Fisch in die Pfanne, Kerle mit solchem Kopf, was! Cicero fängt sie schon im Schlaf, eine so geschickte Hand hat er bekommen. Manchmal fahren sie mit dem Nachen los, nur um zu fahren, Stunden weit. Dann nehmen sie Bier und Butterbrote mit und legen da und dort an, wo so eine Art„Melone“ auf dem Deich steht, und gießen sich eins hinter die Binde. Jeder bezahlt Krabbekoker seinen Anteil, außer Armand. Für den übrigen Verzehr kommen sie selbst auf. Wenn sie nichts zu verzehren haben, bleiben sie ohne Murren und Klagen zu Hause und spielen Karten. Sie können alle vier gut Karten spielen und tun es viel. An Sommerabenden geht es bei ihnen lustig her. Sie sitzen auf dem Deich oder am Bach unter den Weiden. Der Schuppen glüht wie ein Ofen, und wer es drinnen nicht aushalten kann, legt sich in einen Heustapel oder geht fischen. Mitten in der Nacht plumpst etwas in die Nethe. Das sind Artist Viktor, Armand oder Krab, die schwimmen. Nur Cicero nicht, niemals! Seine Füße haben seit Jahren kein Wasser gesehen. Er spaziert lieber den Deich entlang oder durch die Wiesen. Er pflückt Kräuter für seine wunderbare Salbe. Die müssen nachts gepflückt werden. Da kann er dann oft stehen bleiben und nach der Stille lauschen. „Hörst du“, sagt er dann zu seinem Hund, seinem Mizorken,„horch, das ist nun die Stille!“ Sommertags sitzt Krabbekoker draußen und arbeitet. Neben ihm hockt Artist Viktor und malt Porträts. Das ist Sommerarbeit. Meist Bilder von Soldaten in strammer Haltung und rundherum malt er dann Blumen mit Tautropfen und Faltern, und seht doch nur, wie echt die kupfernen Knöpfe aussehen und die Nummer auf dem Ziehungslos! Zwischendurch gibt es immer etwas zu reden mit Sackträgern, Männern, die die Schiffe ziehen, Sonnenbrüdern, die ein wenig gucken oder Feuer holen kommen, und auch mit Kunden von Cicero. Im Frühjahr sind sie zu viert vom ersten Hahnenschrei an tüchtig dabei, den Flecken Erde umzugraben, zu beackern, zu besäen und mit Sellerie, Porree und Bohnen zu bepflanzen. Sie tun es gewissenhaft unter Schwitzen und Kommandieren. Der eine befiehlt dem andern, sie laufen sich vor die Füße und bekommen Streit, als ob es um ihr Seelenheil ginge. Wenn sie schließlich fertig sind, sitzen sie abends stolz und zufrieden, noch warm von dem arbeitenden Blut, und schauen tüchtig qualmend auf ihren kleinen Acker. Sie werden noch schöne Früchte ernten. Solch eigener Gewinn ist nicht zu verachten. Aber das ist auch alles. Sie rühren nun keinen Finger mehr danach! Sie lassen es wachsen und ins Kraut schießen. Entweder ist es zu heiß, zu naß, zu trocken, oder es heißt: Ich habe keine Zeit, tu du es! Der Trumpf ist heraus. Und im Herbst bekommen sie nichts als ein paar geschossene Zwiebeln. Aber jedes Jahr fangen sie wieder fröhlichen Mutes an. Und schließlich sind sie froh, daß es wieder Herbst wird. Dann kriechen sie dicht um den Öfen zusammen, Artist Viktor erzählt von seinen Reisen, und Cicero backt Kastanien. Jetzt wird es Zeit zum Kartenspielen. Der Winter mauert sie ein. Mit dem Schnee und der Nässe kommen sie nicht mehr so gemächlich aus ihrer Schale. Die Schute liegt ans Ufer gezogen, und wenn die Nethe zugefroren ist, kann man wohl über das Eis laufen, wie Armand es hin und wieder einmal tut, aber das ist sehr gefährlich, denn die Nethe hat Ebbe und Flut, es kann immer Kellereis sein. Sonst muß man eine halbe Stunde herumlaufen über den Deich und den Steinweg, um in die Stadt oder die„Melone“ zu kommen. Und wer hat dazu Lust? Ja, des Sonntags und Montags einmal! „Willkommen“, hat Viktor in einem Kranz von Blumen über die Tür gemalt, und wer kein Unterkommen für die Nacht hat, weil es zu spät ist oder weil er nicht herein kann, mag getrost zu Krabbekoker gehen. Der steckt ihn dann zu Cicero ins Bett. (Uebertragen von Dr. Karl Jacobs.) Schudlz-Kampfhenkel Zoologie-Student, Tierfänger, Urwaldjäger in liberignischer Wildnis IX Von den Affen ist kein Laut mehr zu hören; nur in der Ferne, dann näherkommend, ertönen die trompetenden Rufe der großen Nashornvögel. Plötzlich stehen, wie Geister, meine Boys wieder vor mir; flüsternd berichten sie, die Affen seien nur wenige gewesen, sie hätten sie aus den Augen verloren, da sie im Bodendickicht nicht so schnell folgen konnten. Und während sie noch leise reden, belebt sich das beklemmende Schweigen des Urwaldes von einem merkwürdigen Sausen und Brausen über den Baumwipfeln, in die geräuschvoll ein Trupp Nashornvögel einfällt. Man hat sie nicht kommen sehen, man sieht sie auch jetzt noch nicht,— wie aus den Wolken sind sie plötzlich da über uns und erfüllen die dämmriggrüne Waldesstille mit ihren heiseren, metallischen Nasentönen. Unmöglich, die Urweltvögel im himmelhohen Grün zu entdecken; wir renken uns die Hälse aus, springen und schlüpfen im Unterholz umher, spähen angestrengt durch Blätterlücken empor in die Kronen, wo sie unsichtbar mit schwerfällig flatternden Flügelschlägen lärmend und krächzend von Baum zu Baum vagabundieren; da sehe ich eine Bewegung, ein Windstoß zerteilt das Gezweig,— es ist fast zu hoch für den Schrotlauf, wo das unförmige Nasenhorn des schwarzen Gesellen im Sonnenlicht aufblitzt, doch im Schnappschuß kommt er wie ein Stein durchs Geäst purzelnd herab. Ein heller, schriller Ton, und wie ein heranbrausender Sturmwind anzuhören, schwingt sich der Trupp der Riesenvögel gleichzeitig in die Luft, fällt fünfzig Gänge weiter wieder ein und randaliert von neuem durch die Wipfel. Wir schleichen heran, die Durchsicht ist hier besser, weit hinten habe ich grad einen frei, das Fernrohr auf den Drilling ... umgeschaltet auf den Kleinkaliber=Einstecklauf... mit dünnem Peitschenknall fährt die Kugel heraus, schräg flatternd verschwindet die Beute im Unterholz. Meine Neger stürzen sich wie zwei Jagdhunde ins Gestrüpp, das hinter ihnen zusammenschlägt, ich hinterher, arbeite mich vorwärts, höre die Boys vor mir brüllen, sich zurufen, durchs Strauchwerk brechen...„Massa, we get him“, schallt es mir entgegen, und da kommen sie schon mühselig langsam herangekeucht mit dem wild strampelnden gefiederten Untier, den unförmigen Schnabel mit der Faust umklammernd, damit es nicht beißen kann,— „hard to catch, Massa“, grinsen sie,„he wants to fight like hell“, und das glaube ich ihnen aufs Wort! Ich untersuche die Wunde,— schade, sie ist zu schwer, als daß sich ein Ausheilversuch lohnte; ein kurzer Hieb befördert den Burschen in die ewigen Jagdgründe aller Nashornvögel. Oh, wie strahlen da die Gesichter meiner Mohren!...„oh Massa", flüstern sie,„meat, fine meat for belle", und sie klatschen sich auf den Bauch und verdrehen die Augen. Allright, werden wir teilen: anderthalb Nashornvogel für meine Gefolgschaft, ein halber für mich zum Abendbrot. Mal was anderes nach dem ewigen Huhn; und die abenteuerlichen Köpfe werden später präpariert über meinem Schreibtisch hängen, damit, so oft ich sie anschaue, dies prächtige Urwaldbild vor meinem geistigen Auge von neuem erstehen kann.... Copyright 1933 by Neufeld& Henius, Berlin i/ Nachdruck verboten schon eine große Gefahr des Sichgehenlassens hier in der Luft; ich habe genügend Beispiele aus den Tropen erzählt bekommen. Deshalb lebt man bei aller unvermeidlichen Zigeunerhaftigkeit des Waldläuferdaseins so mitteleuropäisch, wie es möglich ist, mit ungefähr regelmäßigen Mahlzeiten, genügend Schlaf, schneeweißer Bettwäsche, freundlicher Tischdecke, peinlicher Sauberkeit von Geschirr, Kleidern, Boys und der eigenen Person, sowie einem guten Maß von Selbstbeherrschung, wenn einmal die lähmende Mutlosigkeit oder eine jähe Wut in einem hochkommt. Abgesehen von der psychologischen Wirkung solcher Kleinigkeiten, wie appetitlich gedeckter Eßtisch oder strahlend gewaschener Servierboy, die gleich ein Gefühl von Behaglichkeit und Ordnung im Urwaldlager hervorzaubern, sind sie ja auch einfach lebensnotwendig, wenn man sich in einer Gegend, die nicht gerade die gesündeste auf dem Globus sein soll, so lange wie möglich bei Gesundheit und guten Kräften erhalten muß. Mein Privatleben im Lager Wreppoosta ist dementsprechend; an normalen Tagen, versteht sich, wenn keine Jagdzüge auf dem Programm stehen oder sonstige Dinge von besonderer Bedeutung geschehen. Frühmorgens vor Sonnenaufgang qualmt Momos nichtfeuchtes Feuerholz gen Himmel, und läßt einen dicken Haferflockenbrei und Hühnereier brodeln, die Tingweh(in weißen Buxen und weißem Hemd, ertra dazu angezogen!) feierlich serviert. Dazu gibt es Knäckebrot und Marmelade, was außer den her, den ich verspeisen sollte. Es war großartig, wie er sich dabei anstellte und vor Zorn nahezu platzte, und ich hatte einen Heidenspaß daran, wenn ich von meiner Schreiberei hinüberschielte, um zu sehen, wie er es wohl schaffen würde. Auf einmal stand er vor mir, den Hut in der Hand, wie er es gelernt hat, schweißglänzend und mit fliegendem Atem und sagt:„Excuse me, Sir, but this chicken be rascal, if you want to chop him, you must kill him by gun“.(„Entschuldige, Herr, aber dies Huhn ist ein Schuft, wenn du es essen willst, mußt du es mit dem Gewehr totmachen.“) Und er reicht mir den Drilling aus dem Zelt und ich schiebe eine sechs Millimeter halblang in den Einstecklauf und schieße mir vom Tisch aus mein Mittagessen selber tot, das frech vor dem Küchendach herumpickt. Jetzt ist Momo auf den Trichter gekommen: so oft von nun an nicht mindestens fünf Boys zur Hilfeleistung da sind, und ich gerade zu Hause bin, drückt er mir mit ergebener Miene das Gewehr in die Hand und versichert, das Huhn heut könne selbst der Leopard nicht fangen, so schnell sei es, und ich solle es man lieber gleich schießen, weil er sonst fürchte, ich„get hungry too much“. Und da ich das nicht will, schieße ich und mache Momo dabei madig, daß er ein kümmerlicher Koch sei, der nicht mal ein Huhn fangen könne, was ihn zwar sichtlich kränkt, ihm aber immer noch lieber ist, als die Hinterhetzerei hinter den„damned bush=chickens“, wie er sie nichtachtend nennt.— ihrem Dorf anbringen und mit dem sie einfach wieder entschweben und es lieber auffressen, wenn ihnen die Warterei zu lange dauert und sie am gleichen Tage rückwollen in ihre town... Meine drei eigenen Fänger ergehen sich vorläufig in großartigen Versprechungen. Obendrein haben die kleinen bunten, rebhuhnartigen Vögel, Latham=Frankoline, die sie zuerst als Beute bringen, durchweg verletzte Ständer,— von den mit starkem Ruck emporschnellenden Fußschlingen, die an elastischer. niedergebogener Rute befestigt sind. Alles Reden, schwächere Ruten zu verwenden, ist umsonst. Die Kerls bleiben bei ihrer überlieferten Methode, die zum Auffressen der Beute ja auch gut und sicher ist. Selbst halbe Preise für verletzte Vögel richten nichts aus. Schließlich kann ich den größten Teil der Tiere in meinen Kochtopf stecken, denn kaufen muß ich sie, damit die Neger nicht den Spaß verlieren. So geschieht es auch mit drei wundervoll Schopfperlhühnern, die ich lieber gern lebendig nach Berlin bekommen hätte. Es ist zum Trübsalblasen mit dem verdammten Buschvolk!— Glücklicherweise kommen mir zwei andere Vögel von besonderem Wert so leicht verletzt ins Lager, daß sie in ein paar Tagen wieder laufen lernen,— zwei Urwaldrallen nämlich, auf die ich kaum gerechnet hatte und die nachher mit zu den besten Stücken der Ausbeute gehörten. Ich erhielt sie durch meinen guten Freund, den uralten, graubärtigen Häuptling, dessen Dorf in den Urwäldern des Bassalandes liegt, wie Momo damals verdolmetschte, als der ehrwürdige schwarze Herr mit feierlichem Gefolge zu Besuch kam, um zu hören, welche Tiere der weiße Mann am liebsten kaufen würde. Bald danach steht eines Abends ein Abgesandter meines königlichen Freundes am Lager, und im Hintergrund warten seine zwei Trabanten mit einem kleinen Berg von Flechtkörben, die den ersten Tiertransport enthalten. Unter Schildkröten, Raubvögeln, einem Schuppentier, Waranen und einem gräßlich schreienden nackten Storchenkind kommen da auf einmal zwei seltsame Vogeltiere ans Licht,— olivbraun gefiedert, langer spitzer Schnabel und korallenrote Ständer— die seltene Blutfußralle aus den Raffiasümpfen, die noch nie in einem deutschen Zoo zu sehen war. In die große Freude fällt der bittere Tropfen, daß sie beide hinken. Doch am nächsten Tag geht es schon besser, und ich kann nun hoffen, sie bei aller Sorgfalt durchzubringen. Ich glaube aber, daß dies,— ebenso wie die Aufzucht des Storchbabys,— niemals ohne Fameh gelungen wäre. Fameh, das ist die Tochter des Häuptlings, vielleicht vierzehn Jahre alt und wie achtzehn aussehend, denn wir sind hier in einer heißen Zone,— mit, unter den Kpessynegerinnen, auffallend erfreulicher Figur und bronzefarbener Samthaut gesegnet. Zeltlageridylle und Schlangengeschichten. Eine Woche verrinnt. Die Skalpelle, Pinzetten, die Büchsen mit Alaun und Arsenik stehen immer noch unbenutzt, und mich beschleicht allmählich eine ziemlich verzweifelte Stimmung, ob ich wohl jemals auch nur einen Teil meiner drückenden Verpflichtungen werde erfüllen können. Jede freie Minute ist der Jagd auf die kleinen und großen Säuger gewidmet, die die Museumsherren in Berlin haben wollen und die doch so hoffnungslos unsichtbar in dem lückenlosen Pflanzenpelz dieser Urweltlandschaft stecken, daß man an ihrem Dasein zweifeln könnte, wenn nicht das Rauschen der Affenherden im Unterholz oder das nächtliche Klagen der Urwaldkatzen an mein Ohr dränge, enge Wildwechsel da und dort durch schattendunkle Moräste liefen,— oder eines Morgens die Fährte des Zwergflußpferdes mit der Schleifspur seines schweren Leibes im Schlamm an einer Krümmung des Flusses stünde. Denn das ist die ureigene Wesensart dieses wilden, tropischen Landes: sein Tierleben pulst so verborgen durch die Wildnis der gigantischen filzigen Pflanzendecke, daß der Jäger erst aus dem tönenden Buch der Natur, den Fährten, Zeichen und Stimmen unsichtbar bleibender Geschöpfe, das Leben und Weben der geheimnisvoll schweigenden Wälder nach und nach zu erschließen vermag. So ist auch der Hochwald eine Enttäuschung. Ein paar Eichhörnchen sind das ganze Ergebnis der unsäglich anstrengenden Tage, an denen ich nachmittags wie gerädert und mehr taumelnd als gehend ins Lager zurückkehre. Man soll nicht glauben, daß die Luft im Urwald nur einfach sehr warm sei, so wie daheim bisweilen in den Hundstagen; 32 Grad Celsius zeigt das Thermometer jeden Mittag, 23 Grad morgens und abends im Schatten meiner Palmblattlaube, und das tut es im Juli in Berlin manchmal auch; aber wie es hier warm ist, darauf kommt es an! Etwas unendlich Erschlaffendes, Kraftaussaugendes hat diese bleischwere, feuchte Buschatmosphäre, etwas unbeschreiblich Beklemmendes,— und wenn noch ein leichter Dunstschleier den ganzen Tag vor der Sonne hängt, dann kriecht ein widerliches Gefühl des Unbehagens über den Körper, man möchte um jeden kleinen Aerger aus der schwitzenden Haut fahren und alles zu Brei schlagen,— wenn man nicht wieder so grenzenlos müde und hinfällig wäre. Demoralisierend hat einmal jemand das Tropenklima dieser Art genannt, und ich finde, der Ausdruck paßt vorzüglich; es liegt Partie aus dem Park Charlottenhof bei Potsdam Haferflocken und Zucker, Schmalz(zum Braten) und Salz das einzige an Lebensmitteln ist, womit ich mich in meinem Leichtsinn in die Wildnis begeben habe. Trotzdem leide ich keineswegs Hunger. In allen Dörfern dieses Negerbuschs leben Hühner und in allen Dörfern gibt es Reis und Maniok, die Kassada heißen, und an Bananen, wilder Ananas und Palmöl und an Leuten, die solcherlei für Tabak und für Coppers gern verkaufen, ist kein Mangel. Vormittags trabt dann Momo durch die half=towns der Umgebung und kauft ein. Huhn mit Reis, Reis mit Huhn, gekocht, gebraten, geröstet und als Suppe, mit Früchten, Bataten und Kassada als Zuspeise, und gekochtem Flußwasser im Trinkbecher, das ist mittags und abends, Tag für Tag, Woche für Woche und Monat für Monat die Nahrung meines konservenverschmähenden Buschlagerlebens, gelegentlich— das muß ich sagen— unterbrochen durch das Fleisch von Nashornvögeln, Tauben, Eichhörnchen, Antilopen und mancherlei anderem Getier, das durch Jagd und Fallen in die Küche kommt. Mit dem Hühnerkochen ist das manchmal nicht so einfach. Momo kauft Hühner nämlich meistens gleich auf Vorrat ein, so zwei, drei Stück, die ihre letzten Tage dann im Lager frei herumlaufend verbringen. Gegen elf Uhr vormittags macht er sich daran, eins der Unglückstiere für die Pfanne zu greifen. Nun muß man wissen, daß diese Negerhühner die reinen Vagabunden sind, die sich tagüber im Wald selbst beköstigen und nachts auf die Hütten fliegen, damit sie nicht von Leoparden und anderem Geräuber gefressen werden. Sie haben daher eine ziemliche Selbständigkeit und machen, daß sie weiterkommen, wenn so ein schwarzer Mann hinter ihnen her ist. Da muß nun Momo sehen, wie er gleich einem Privatdetektiv dem gefiederten Mittagsbraten nachschleicht, mit einer Miene, als solle das Huhn daraus erkennen, daß er nur rein zufällig so um die Ecken der Lagerbestände striche; dies hat aber stets den Verdacht, daß dem nicht so sei, und dann kann einem der arme Momo wirklich leid tun, der schwitzend und fluchend und völlig ergebnislos hinter den Bjestern durch das Strauchwerk krauchen muß. Meist sind ja ein paar Boys im Lager, die ihm helfen, indem eine kleine Treibjagd gemacht wird. Neulich aber war der Fall hoffnungslos; alles Volk hatte irgendwie außerhalb zu tun; nur ich saß am Zelttisch und schrieb, und Momo sauste schon seit einer halben Stunde wie ein Verzweifelter hinter dem Hahn Als rung erschw Speku Ausla Eis Archix und 1 lustige Meine nächste private Betätigung nach dem Mittagessen ist das abendliche Bad; an Nachmittagsschlaf oder Vesperruhe ist nicht zu denken, denn die Arbeit an Gehegen, Käfigen und Tieren, die Palaver mit fremden Häuptlingen und Fängern reißen niemals ab, von den nötigen Jagdausflügen ganz zu schweigen. Aber so um halb sechs, wenn die Sonne blutigrot am Horizont dicht über den Wäldern hängt, beginnt die einzige Feierstunde des Tages, die ich mir gönne. Dann klemmt sich mein ehemaliger Fahrradmann, jetzt Gewehrträger und zweiter Kammerdiener, den Liegestuhl unter den einen, Badetuch und Pyjama unter den andern Arm und baut das alles unten am Flüßchen auf. Wer jemals solche zwölf= und vierzehnstündigen tropischen Arbeitstage erlebt hat, mit meilenweiten Märschen durch verfilzte Dschungel, mit angespannter, zermürbender Pirsch im triefenden, verhüllenden Blättermeer der Hochwälder, mit ewigem Bauen, Ueberlegen, Befehlen, Beaufsichtigen, Palavern im Lager und mit einer feuchtschwülen, nervös und gereizt machenden Luft, die das Khakizeug klitschnaß am verschwitzten Körper kleben und die engen, heißen Schuhe zu wahren Marterwerkzeugen werden läßt,— der allein wird begreifen, mit welch nilpferdhafter Lust ich mich allabendlich im Wasser herumwälze. Die äquatorlich eilige Nacht ist schon herabgesunken, wenn ich endlich genug habe; der Boy rubbelt mich ab, oben aus dem Lager schimmert das Licht meiner Tischlampe durchs Buschwerk, Momo ruft herunter, das Essen sei fertig, und ich begebe mich in Pyjama und Hausschuhen an den Abendbrottisch, der, natürlich, von Huhn mit Reis duftet. Nach dem Abräumen legt Tingweh das Tagebuch, Bleistift und Anspitzer auf die Tischdecke, und damit beginnt, begleitet von der Ouvertüre des nächtlichen Urwaldkonzertes, der Grillen, Zikaden und Pantherkröten, die letzte Alltagsarbeit meines Lagerlebens, die manchmal in später Stunde ein gewaltsames Ende findet, indem ich über den Berichten von Nashornvögeln oder Momos Hühnerjagden vor lauter Müdigkeit plötzlich in abgrundtiefen Schlaf versinke... Die Fangergebnisse der ersten Woche sind wenig tröstlich. Immerhin bin ich schon geradezu beängstigend an die Station gefesselt, denn die Neger sind so unvorstellbar unzuverlässig, daß sie den halben Tierbestand umkommen ließen ohne geregelte Aufsicht; außerdem warten, wenn ich heimkomme, oft genug Leute mit irgendeinem kleinen Getier auf mich, das sie von weither von getron geschid quarti Un wohnt Prüge Der E Beruf sie sid zu gel porun hehte v Berei Ur neur die 2 Leben lager Di der a Di Der einer Dunk De Engli nahm gii Tode Hälft Urtei britis word Um befeh D Aber dies nur nebenbei; denn es sind keineswegs die äußeren Vorzüge der schokoladenbraunen Maid, denen meine Rallen und das Storchenkind ihr Leben verdanken. Sie verdanken es vielmehr der Tatsache, daß Fameh von nun ab jeden Tag eine Schüssel voll Fische ins Lager bringt, die die einzige Nahrung sind, die ich den Sumpfvögeln bieten kann. Fischfang ist Frauenarbeit, aber in dem kleinen Flüßchen hier wenig lohnend. Die Weiber, die auf Geheiß des Häuptlings in den ersten Tagen Futterfische für mich fingen, ließen daher sich bald nicht mehr sehen. Meine Boys, die ich in meiner Verlegenheit zum Fischen schicken will, starren mich an, als verlangte ich von ihnen, sie sollten sich in die Luft erheben und Vögel greifen. To catch fish—, no, das sei Frauensache, das verstehen sie nicht, beim besten Willen nicht, sagen sie. Da ist nun Fameh der rettende Engel. Natürlich verlange ich das nicht umsonst. Alle paar Tage gibt es ein buntes Tuch, Tabak oder eine Flasche Zuckerrohrschnaps, das sind so passende Geschenke für kleine Mädchen hier im Busch. Aber die haben die anderen Weiber auch bekommen und sind trotzdem weggeblieben. Es muß also mit Fameh noch eine besondere Bewandtnis haben. Zunächst nimmt sie als Häuptlingstochter ja eine bevorzugte Stellung unter den übrigen Dorffrauen ein; sie darf ungefragt von Momo' oder Franz oder wer von den Boys gerade Lageraufsicht hat, den Eingang passieren, darf an meinen Tisch kommen, mir die Hand zum Gruß geben und sich einmal das Zelt von innen ansehen. Eines Abends aber, nachdem sie ihre Fische längst, abgeliefert hat und ins Dorf zurückgegangen ist, erscheint sie plötzlich noch einmal am Lagereingang, steht einen Augenblich schüchtern still, kommt dann verlegen lächelnd mit raschen Schritten auf den Tisch zu, an dem ich eben Abendbrot esse, legt blitzschnell eine Handvoll Kolanüsse vor mich hin und huscht wie ein Wiesel wieder davon. Nun muß man wissen, daß Kolanüsse bei den Schwarzen ein heißbegehrtes Genußmittel und hier zudem eine seltene Sache sind. Tingweh, der mit der Serviette drei Schritte ab steht, grinst von einem Ohr bis zum anderen.„Mammi, lite you well",(„Mammi mag dich gern“) bemerkt er pyildsophisch. Offenbar hat er recht, und ich finde dies erstaunlich bei meinem rauhbeinigen Gebaren und buschmäßigen Aussehen mit Zweiwochenbart. Jedenfalls war es eine allerliebste Szene; das braune Naturkind wirtte so reizend in seiner Befangenheit, daß ich mich wirklich mächtig freue. Tags darauf schicke ich ihr als Dank ein großes blaues Kopftuch. Als sie aber nachmittags die Fische bringt, hat sie wieder ein neues Geschenk für mich, ein Huhn und eine Holzschüssel mit feinem weißen Reis, den man auch nicht alle Tage hat. Das ist nun wirklich rührend, und ich komme allmählich dahinter, daß ich doch wohl einen großen Stein im Brett haben muß bei der schlanken kleinen Buschprinzessin. Meine Boys, die Lümmels, fangen schon heimlich an zu grinsen, genau wie das daheim in solchen Fällen üblich ist. (Fortsetzung folgt.) Mer zwe auch den neu flieg sein auch nich Sol Ar Die sieben Griechen Von Wilyelm Auffermann Als anfangs der letzten Jahrhunderte die Verlängeung des Krieges England die Rekrutierung immer mehr erschwerte, schloß die Regierung besondere Verträge mit Snekulanten ab, die gegen hohen Kopfpreis aus dem Ausland Truppen zu liefern versprachen. Menschenschacher wurde ein einträgliches Geschäft Einer dieser Seelenverkäufer begab sich nach dem Archipel. In kurzer Zeit hatte er mit schönen Phrasen und lockenden Versprechungen ein Regiment aus streitsustigen Albanern, Slawen und Griechen zusammengetrommelt. Es wurde nach der Insel Malta in Garnison öffnet zu haben. Malta geschickt, um militärisch ausgebildet zu werden. Die Ein= hatten Wort gehalten quartierung erfolgte im Fort Ricasoli. Um die Disziplinierung der zügellosen Freiheit Gewohnten zu beschleunigen, führten englische Offiziere die Prügelstrafe ein. Erreichten aber damit das Gegenteil. Der Stolz der heißblütigen Südländer empörte sich. Den Heruf des Kriegers als höchste Ehre betrachtend, fühlten sie sich betrogen und weigerten sich, weiteren Befehlen Als nun die Strafen noch strenger gehanddrücklichem Befehl der scherzenden Offiziere in der Festung. Ihr Entsetzen vermehrte sich, je näher die verhängnisvolle Stunde rückte, je dringender Jeremachos am Sprachrohr die Vitten und Drohungen wiederholte. Nervosität bemächtigte sich nun auch der Offiziere. Neun Uhr. Von St. Johann in der Stadt dröhnte der erste Glockenschlag. Im selben Augenblick erfüllte ein entsetzliches Krachen die Luft. Ein Vulkan schien sich mitten im Fort geerbebte. Die Verzweifelten zu gehorchen. habt wurden, brach die Unzufriedenheit in offene Emnörung aus. Die Offiziere wurden entwaffnet, die verhaßtesten getötet, die übrigen aus dem Fort getrieben. 2ie verschlossen die Tore und erklärten sich unabhängig. Bereiteten sich zum blutigen Widerstand vor. Um unnötige Verluste zu vermeiden, sah der Gouverneur vorläufig vom Angriff auf die Festung ab und ließ die Blockade eröffnen. Unterband die Zuführung von Lebensmitteln. Es war vorauszusehen, daß sich die Belagerten nicht lange würden halten können. Die Annahme stimmte. Aber ein Tag verstrich wie der andere. Die einheimische Bevölkerung bewunderte die Rebellen. Der englische Gouverneur wurde nervös. Nach Ablauf einer Woche befahl er schließlich, im Schutze nächtlicher Dunkelheit die Festung zu stürmen. Der gewaltigen Uebermacht unterliegend, fiel nach heldenmütiger Verteidigung die Festung in die Hände der Engländer zurück. Fast alle Aufständischen, mit Ausnahme von sieben Griechen, die sich in den Pulverturm geflüchtet hatten, wurden gefangen genommen und zum Tode verurteilt. Sollten zur Hälfte erhängt, zur anderen Hälfte erschossen werden. Zwar erregte das grausame Urteil Unwillen unter der Bevölkerung, da seit der britischen Okkupation noch kein Todesurteil ausgesprochen worden war, doch der Gouverneur kehrte sich nicht daran. Um nicht an Ansehen zu verlieren, ließ er den Blutbefehl sofort vollstrecken. Den sieben Mann, die sich im Pulverturm eingeschlossen hatten, perlte kalter Schweiß auf der Stirne. Da sie unfreiwillig Zeugen der entsetzlichen Massenhinrichtung wurden, bäumte sich ihr Lebenswille auf und verlieh ihnen Kraft, zu handeln und den Versuch zu wagen, ein ähnliches Los von sich abzuwenden. Unter ten beiend sch der Haupsucheder der Rebellen Anastasius Jeremachos. Er führte das Wort. Nach wie vor bestand er auf Kapitulation nur bei freier Rückkehr in die Heimat. Sie hatten das Antlitz europäischen Kriegsheldentums genügend kennen gelernt. Es wurde ihnen keine Antwort erteilt. Da sie im Pulverturm keine Lebensmittel hatten, Hunger am leeren Magen riß, erklärten sie sich schließlich bereit, auch bei Schonung ihres Lebens den Pulverturm zu verlassen. Auch dieser Vorschlag fand keine Beachtung. Deutlicher traten die Backenknochen in ihren Gesichtern hervor. Jeremachos sprach jedem Mut zu. Sie wollten und würden es schaffen. Stöberten Ratten auf. Mit zugekniffenen Augen verzehrten sie die erschlagenen Tiere. Abwechselnd wurde gewacht. Sobald sich ein Soldat dem Pulverturm näherte oder eine dunkle Silhouette in der Nacht sichtbar wurde, schossen sie. Nach zehn Tagen schienen sie am Ende ihrer Kräfte zu sein. Jeremachos winkte mit einem weißen Tuch und verlangte eine kurze Unterredung mit einem Bevollmächtigten des Gouverneurs. Der Beauftragte erschien. Er schilderte ihm ihre furchtbare Not und bat um der Menschlichkeit willen lediglich um einige Becher Wasser; zwei seiner Gefährten lägen im Sterben. Falls man auch diese Bitte abschlage, seien alle entschlossen, sich selbst den Tod zu geben. Mit dem ersten Glockenschlag um neun Uhr abends würde der Pulverturm in die Luft fliegen. Und dabei bleibe es. Er spreche im Namen seiner Leidensgenossen. Die Offiziere der Belagerungstruppen verweigerten auch diese Bitte. Verlachten die Drohung. Glaubten nicht an ihre Verwirklichung. Unter drückender Schwüle ging der Tag vorbei. Die Soldaten wurden ängstlich und blieben nur auf aus10 NW ) 2 Gleich einer Trauerfahne zog schwarzer Rauchschwaden über die Insel. Erst als der neue Tag anbrach, war die ganze Ausdehnung des angerichteten Unheils zu ermessen. Fort Ricasoli hatte der Erdboden verschlungen. Schutt und Leichenteile füllten die Gräben. Große Verheerungen in den benachbarten Werken. Selbst in Valette waren sämtliche Fenster zerbrochen. Die Bevölkerung von ganz Malta strömte an der Unglücksstelle zusammen und demonstrierte unter lauten Verwünschungen gegen die Militärbehörde. Bewegte sich in endlosem Zug zum Gebäude des Gouverneurs. Truppen zogen einen schützenden Kordon. Entsicherten ihre Gewehre. Zerstreuten nur mit Mühe die erregte Masse. An diesem Tage gab es kein einziges Haus, von dessem Kein Malteser zweifelte daran, und das Erlebnis des Gärtners mit dem Gespenst verbreitete sich mit Blitzesschnelle über die ganze Insel. Erregte Entsetzen. Erhöhte den Haß gegen die Engländer. Als der Gouverneur davon unterrichtet wurde, befahl er, der Sache sofort auf den Grund zu gehen. Kommandierte eine Kompagnie Soldaten auf die Suche. Die Nachforschungen blieben nicht ohne Erfolg. In einer Felsenschlucht, ferne jeder menschlichen Behausung, entdeckte man sieben Männer. Abgemagert bis aufs Skelett, die tiefliegenden Augen dunkel umrandet, machten sie den Schrecken des Gärtners erklärlich. Es waren die sieben Griechen. Zu schwach, um den geringsten Widerstand zu wagen, wurden sie gebunden nach der Stadt gebracht und sofort verhört. Tote, die plötzlich wieder zum Leben erwachen, hätten die Stadt in keine größere Aufregung gebracht. Ohne Zögern und mit größter Offenheit beantwortete Jeremachos die Fragen des Gouverneurs: Eingeschlossen im Pulverturm, hatten sie sofort den Fluchtplan entworfen, einen unterirdischen Ausgang zum Meer zu graben. Nahmen unverzüglich die Arbeit auf. Meter für Meter wühlten sie sich in die Erde, mehr Tier als Mensch, getrieben vom urelementaren Notinstinkt. Um die Belagerer irrezuleiten, übertrieb unterdessen Jeremachos ihre Lage. Aber sie schafften es nicht. Die äußerste Wand des Forts basierte auf Fels Sie saßen wie Mäuse in der Falle. Da beschlossen sie, das Pulvermagazin in die Luft zu sprengen und während der Bestürzung den letzten Rettungsversuch zu wagen. Als die neunte Stunde nahte, begaben sie sich an das Ende des unterirdischen Ganges, schütteten von dort einen dünnen Streifen Pulver bis zum Magazin und erwarteten den ersten Schlag der Kirchenglocke. Würden sie die Explosion überleben? mit dieser Frage empfahlen sie ihre Seele dem Herrn. Dann hielten sie den Atem an, Giebel nicht ein Zeichen der Trauer flatterte. Es galt schlossen die Augen— und entzündeten die Pulverspur. nicht den dreihundert zur Unkenntlichkeit verstümmelten Drückten sich tief in den gehöhlten Fels. englischen Soldaten. Es galt den sieben Griechen. Sie kamen mit dem Leben ab Die Flucht aus dem ——-—————— Fort gelang. STILLE WELT Dichtbelaubte Lindenzweige Wie Gewölke über mir. Und ich liege: schaue, schweige, Blasser Mond, hinauf zu dir. Ueber grünen Schattenschluchten Schweigt die hohe Himmelsau Und mit goldnen Blätterbuchten Säumt der Tag sein lichtes Blau. Selig-schläfriges Genügen Rinnt mir aus der stillen Welt, Die mit raschen Schwalbenflügen Ihren Aether wach erhält. Ernst Bacmeister. Zwei Wochen waren vergangen und das Gespräch über das schreckliche Unglück flaute bereits ab, als ein alter Gärtner vom Wochenmarkt nach seinem Dorf im Innern der Insel zurückkehrte. Er hatte ein schönes Geschäftchen gemacht, trällerte ein Lied und schaute nach dem Kirchturm seiner Heimatgemeinde aus. Dann und wann kratzte er sich vergnüglich an den faulen Beinen, die über den Körben schlenkerten, mit welchen er seinen Esel belastet hatte. Plötzlich machte der Esel einen Seitensprung, schleuderte weit die Hinterbeine in die Luft und warf den Gärtner ab. Als er sich stöhnend aufrichtete, sprang aus dem Straßengebüsch ein furchterregendes Gespenst hervor und fuchtelte ihm mit einer Pistole vor der Nase:„Halt! Und nicht gerührt!“ Griff nach den Körben. Der Gärtner lief, was er laufen konnte und schrie wie am Spieß um Hilfe. Gottlob führte die Straße bergab und das Dorf war nicht mehr weit entfernt „Hilfe, ein Gespenst!“ Alles, was Ohren und Fäuste hatte, kam ihm entgegengerast, bildete einen Wall um seinen dampfenden Leib. Als sich sein Schreck gelegt hatte, erzählte er schnaufend das gruselige Abenteuer. Der Geist eines Soldaten war ihm entgegengetreten, bleich und abgezehrt, aus Knochen und Haut. Aber sie suchten vergeblich längs der Küste nach einem Boot, um nach Sizilien überzuschiffen. Erst in der dritten Nacht glückte ihnen der Diebstahl einer Barke. Mit aller Kraft versuchten sie, durch die Brandung zu kommen. Kenterten. Schwammen zurück ans Land. Eine gute Woche ging vorüber, ohne daß sie einen Ausweg fanden. Tagsüber verbargen sie sich in Scheunen oder Gestrüpp. Nachts schleiften sie ihren Leib über die Felder und stillten notdürftig ihren Hunger mit gestohlenen Früchten. Bis einer von ihnen, vom unsäglichsten Hunger getrieben, so unklug war und den Gärtner wegen seiner Körbe anhielt. Diese Unvorsichtigkeit wurde ihnen zum Verhängnis. Das Kriegsgericht verurteilte sie zum Tode. Sie baten nicht um Gnade. Auf ihren verwelkten Gesichtern sprühte noch immer dasselbe Feuer des Heldenmutes, das einst ihre Ahnen unsterblich machte. Als sie mit Trommelwirbel, von doppelter Soldatenreihe flankiert, durch die Stadt zur Richtstätte geführt wurden, bedauerte jeder Malteser die Aengstlichkeit des Gärtners. Gerne hätte man den Totgeglaubten zur Flucht verholfen. In dichten Scharen strömten sie entblößten Hauptes an dem traurigen Zug vorbei, um den sieben griechischen Helden die letzte Ehrfurcht zu bezeugen So geschehen im Jahre 1807 auf der Insel Malta. Noch geht die Sonne nicht unter... Von Grete Massé Auf dem Dorfkirchhof Er saß auf jener Bank der Anhöhe, die einst der Lieblingsplatz Petras, seiner Frau, gewesen und sah ihnen zu, wie sie den Waldweg hinabkamen, fünfzehn Wanderburschen vielleicht, in allen Lebensaltern zwischen zwölf und achtzehn Jahren. Ihre Haare flatterten in dem guten Wind dieses dunklen Landes, in dem seit Jahrhunderten das Stammschloß seines Geschlechtes stand. Sie sangen. Und ihr Lied schwebte gleichmäßig, wie getragen von starken, ruhigen Flügeln zum Himmel empor. Als die Entfernung sich verminderte, vernahm er auch die Worte. „Noch geht die Sonne nicht unter!“ sang die Jugend. Mit starker Gewalt überkam ihn plötzlich der Wunsch: diesen jungen Menschen, die da im Takte durch den Frühabend marschierten, ein Nachtquartier in seinem Schloß zu bereiten. Wie ein Bittender, mit abgezogenem Hute, so daß der Wind nun auch mit den grauen Haaren sein Spiel treiben konnte, ging er ihnen entgegen. Sie nahmen sein Anerbieten an ohne Schüchternheit. mit einer gelassenen Dankbarkeit, die sich bewußt war: man empfing nicht nur Werte durch die gebotene Gastfreundschaft, sondern gab sie auch. Im Takt mit dieser jungen Schar schritt er nun bergab. Er, der sehr Einsame, der allein mit zwei alten Dienstboten in dem Schlosse hauste, seit das Schicksal ihn von Petra und seinem Knaben getrennt, war plötzlich umdrängt von jungem, kräftigem Leben. Zarte Gestalten und stämmige, lichtblonde und dunkle Köpfe waren ihm nahe. Am meisten aber liebte er ihre Stimmen. Sie umschwirrten ihn wie mit Vogellaut. Und ihr Lachen machte ihn glücklich. Das Lachen des einen rollte wie silberne Kugeln durch die Luft, das eines andern brauste daher wie Frühlingswind, ein drittes wieder wie das unbekümmerte Ausatmen eines fröhlichen Herzens, das sich mit dem Atem der Erde mischte, der hier so urkräftig aus Wald, Gebirg und Wiese kam. Am Webstuhl Beim Bergabsteigen geschah es, daß einer der jüngsten, ein blasses Knäblein, ins Purzeln geriet und sich ein wenig den Fuß verstauchte. Gestützt auf seine Wanderkameraden hätte es ganz gut den Weg fortsetzen können. Aber der Baron hob ihn empor und trug ihn in seinen kräftigen Armen zu Tal. Es war erst einige Monate alt, als Petra sich von ihrem Manne getrennt. Nun geschah es, daß er dachte, während er den kleinen Körper nahe dem seinen fühlte und der Wind ihm das dünne, ganz weiche Haar dieses Jungen bis an die Lippen wehte:„Ich hätte der Petra doch meinen Sohn abfordern sollen. Einen Sohn gibt man nicht her! Man hält ihn fest!“ Plötzlich richtete sich der Knabe in seinen Armen staunend hoch. Man hatte die letzte Wegbiegung überschritten, und die Gegend wurde nun frei von verdeckendem Gesträuch und Sicht nehmenden Bäumen, daß man das Schloß erblickte. Wie auf ein Stichwort ging in dem Bau nun Fenster nach Fenster lichterhell auf, so daß sie wie gleichmäßige, goldene Vierecke in die dunkel dahinströmende Abendluft geschnitten waren. Das gab einen herrlichen Anblick. Die Jungen konnten auf einmal garnicht rasch genug vorwärts kommen, so eilig hatten sie es, in dieses Goldhaus mit Zinnen und Turm einzutreten. Der Diener und die Köchin machten im ersten Augenblick verdutzte Gesichter, als in die Stille der Halle plötzlich ein Sturm von fünfzehn strahlenden Jungen hereinbrauste. Doch jeder wurde satt und für jeden fand sich ein Schlafplatz. Die Jungen selbst schleppten die lange nicht gebrauchten Matratzen aus den Gästezimmern herbei, breiteten sie in der Halle aus, benutzten ihren Rucksack als Kopfkissen und wickelten sich in die Decken. Als sie schliefen stieg der Baron noch einmal aus dem oberen Stock hinab und durchschritt die Reihen. Sie alle hatten das Gesicht emporgewandt, und der Mondschein beleuchtete das eine und das andere. Jedes Gesicht, obwohl es schlief, verriet seinen Charakter. Da war ohne Mühe am Schwung der Lippe der Trotzige zu erkennen, der Bedächtige an der gewissen Ordnung und dem Gleichmaß, mit dem alle Züge hingebreitet waren, den Phantastischen verrieten die hingemurmelten Traumworte und den Aengstlichen die verzogenen Mundwinkel. Als der Baron dem Jungen, den er zu Tal getragen, ins Gesicht sah, öffnete der plötzlich die Augen und sah den zu ihm Geneigten ernst, beinahe strafend an, als wolle er sagen:„Mein Traum und mein Schlaf ist mein Geheimnis“ Der Baron strich begütigend mit der Hand über den eigensinnig steil in die Höhe gestellten hellbraunen Schopf des Jungen und wandte sich ab. Da lächelte das Kind, ließ die Wimpern wieder niederfallen und schlief ruhig weiter. Am Morgen, als die Jungen fortgezogen waren, fand die Köchin zwischen den Matratzen ein vergessenes, ledernes Uhrenarmband. Der Baron erinnerte sich, dieses derbe Lederarmband am Handgelenk des Knaben gesehen zu haben, den er bergab getragen. Er nahm die Uhr aus dem Gehäuse und erblaßte plötzlich bis in die Lippen. Es war die goldene Uhr, die er während der Verlobungszeit einst Petra geschenkt. Er gebot dem Diener, den Wandernden nachzueilen und den Kleinen zu ihm zurückzubringen. Aber die Knaben waren schon zu weit fort. Der alte Mann holte sie nicht mehr ein. Der Baron bestieg sein Pferd und ritt ihnen nach. * Der Knabe sah den Mann, der sein Vater sein wollte, mit festzusammengepreßten Lippen schweigend an. Zwischen seine Augen grub sich die kleine Falte, die sich bei Petra zeigte, wenn ihr Herz voller Groll war. Der hellbraune Schopf über seiner blassen Stirne schien noch steiler und trotziger in die Höhe zu ragen. Der Baron seufzte. Leicht war es nicht, das Herz dieses Sohnes zu gewinnen, nach dessen Anblick er bisher nicht begehrt und von dessen Mutter er sich getrennt hatte. Ja, als er sich abwandte und sein Pferd bestieg, um zurückzureiten, schien es ihm, er müsse sich sagen:„Unwiderbringlich verloren! Nie kehrt dieser Knabe heim zu mir in seiner Väter Haus!“ Doch als er beim Ritt zurückschaute, da schlug jäh eine Freude in ihm empor. Eine kleine, zaghafte Freude, die sich kaum zu regen wagte. Der Knabe, der eben noch voll trotziger Abwehr vor ihm gestanden, sah ihm nach, lächelte und winkte mit der Hand. Und sie alle begannen zu singen. „Noch geht die Sonne nicht unter... klang es tröstend und Hoffnung erweckend, als er von dannen ritt. Wanderschaft Die Reise nach Java Von Otto Linck Wenn eine durchreisende Zigeunerin dem schwäbischen Bauern, um den es hier geht, Jahre zuvor geweissagt hätte, daß er einmal das Mittelmeer, Arabien, Indien und vor allem das Märchenland Java mit eigenen Augen schauen würde, hätte er das Weib eine Närrin geheißen. Und doch kam er unversehens dazu, die große Reise zu tun; wie er aber dazukam und wie er all diese Ferne und Fremde sah und erlebte, soll erzählt werden. Der Bauer war Bürgermeister oder, wie es damals im Württembergischen noch hieß, Schultheiß in einem Dorf auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb, in der rauhen Gegend zwischen dem gewundenen Tal der Blau und der Donau, wo sich bis heute noch ein alteingesessenes, standesbewußtes und am Herkommen hängendes Bauerntum erhalten hat. In besonderem Maß gilt dies für die Großbauern, von denen mancher zehn Pferde und mehr im Stall stehen und neben dreißig Stück Vieh noch zwei oder drei Schafherden weiden hat. Der Art nach sind sie fleißig, sparsam, hart und verschlossen wie ihr steiniges Land, das bei-aller Mühe nur wenig hergibt, auch sehr auf ihren Vorteil bedacht, mißtrauisch, halsstarrig und eigensinnig. Es sind dies nur zwei Seiten eines Wesens. So einer war auch der Bauer dieser Geschichte. Er war unbestritten der Größte in seinem Dorf, besaß die meiste Ackerfläche und das meiste Vieh und verkörperte, ringsum geschätzt und gefürchtet, eine vielleicht schon in Kürze versinkende Zeit noch einmal in geradezu bildhafter Gestalt; zumal als er seit dem Tode der Bäuerin immer einsamer und schweigsamer wurde. Daß er nebenbei Bürgermeister war und unverrückbar im Bezirksrat und Kirchenrat saß, fiel gegenüber seiner angetretenen Stellung als Großbauer gar nicht ins Gewicht und gehörte zum Herkommen seines Hofes. So lebte er Jahr um Jahr, wie schon sein Vater und Großvater gelebt hatten, trug zur Arbeit das Blauhemd und Feiertags einen langen schwarzen Rock und eine Weste mit Silberknöpfen und kam kaum über den Umkreis der Dorfmarkung hinaus. Als aber sein einziger Sohn und Erbe heranwuchs und in der Schule gut abschnitt, verführte ihn ein wenig die Großmannsucht, die bei aller Sparsamkeit und Vorsicht zu jedem reichen Bauern gehört, er ließ ihn weitermachen und am Ende gar studieren. Was dem Pfarrer und dem Lehrer nicht zuviel war, das konnte der Bauer wohl auch; doch hielt er nicht viel von der Bücherweisheit und vergaß keinen Augenblick, daß der Sohn einmal den Hof übernehmen sollte. So kam der Junge auf die landwirtschaftliche Hochschule. Er war dort Student wie die andern, lernte einiges und lebte im übrigen, wie es ihm Freude machte; und der Alte gab, wenn auch scheltend, das Geld dazu, denn er wollte nicht hinter anderen zurückstehen, und, wenn er eine Sache angefangen hatte, so führte er sie durch. Schließlich machte der Junge auch recht und schlecht sein Examen und kam mit allen Wassern neuester Wissenschaft gewaschen auf den väterlichen Hof zurück. Dies schien in den schlechten Zeiten nach dem Krieg das einzig Richtige zu sein. Doch zeigte es sich bald, daß die Zusammenarbeit nicht klappen wollte. Der studierte Sohn wollte natürlich seine Kenntnisse auch anwenden und damit die in hergebrachten Bahnen sicher das Jahr durchlaufende Wirtschaft des Vaters von Grund aus ändern. Er hielt die angewandte Düngung für veraltet, verlangte anderes Saatgut, schlug vor, die Frucht hacken oder gar umsetzen zu lassen; er schwärmte für Maschinen, wollte Knechte entlassen, einen Teil der Pferde abschaffen und dafür Traktoren kaufen. Vielleicht war manches an diesen Vorschlägen ganz zweckmäßig, vieles entsprang auch wohl jugendlichem Uebereifer. Doch kam es nicht einmal zu einer sachlichen Ueberprüfung, da der Alte überhaupt von keiner Neuerung wissen wollte. Ja, je mehr der Junge redete und drängte, desto halsstarriger wurde der Bauer, gab zuletzt auch im Unwesentlichen keinen Fingerbreit nach und wahrte mißtrauisch und störrisch seine unbeschränkte Herrschaft auf dem Hof. So prallten wieder einmal jene zwei alten, von Anfang im menschlichen beschlossenen Gegensätze aufeinander: Es stand das Alter gegen die Jugend, der Vater gegen den Sohn und gleichzeitig Herkommen und Ueberlieferung gegen Fortschritt und Zukunft. Und da der Junge im Grunde aus demselben Holze geschnitzt war wie der Alte, konnte auch er nicht nachgeben und mußte schließlich weichen und den Hof verlassen. Er war dann einige Jahre da und dort Verwalter auf norddeutschen Gütern, bis er nach allerlei Irrfahrten zuletzt nach Java geriet, wo er eine große Pflanzung erheiratete und damit seine sichere Stellung gewann. In der Zeit seiner Wanderjahre hatte er dem Vater nur, wie es sich gehörte, zu Weihnacht oder Neujahr, zu Lichtmeß oder Jakobi ein kurzes Lebenszeichen geschickt. Nun aber, nachdem er selbst sicher saß, stach es ihn, dem Alten einmal ausführlich und insgeheim ein wenig auftrumpfend zu berichten, wie gut es ihm ging. So erhielt Alte Straße in Kronach am Frankenwald der Bauer auf der Alb eines Tages einen großen Brief aus Java, in dem der Sohn genau beschrieb, wieviel Morgen Land er besaß und wieviel Eingeborene er beschäftigte und wie herrlich es ihm überhaupt erging. Und es war mehr Land, als der Großbauer hatte, und waren mehr Knechte und schien ein größerer Betrieb zu sein. Kopfschüttelnd hielt der Bauer, der damals schon über Sechzig und ziemlich weitsichtig war, den Brief von sich weg, las ihn halblaut zu wiederholten Malen und wußte nicht, ob er sich über all die Nachricht freuen oder argern sollte. Es war ja schließlich Grund zu beiden. Als er am Sonntagnachmittag aber mit den vier andern Großbauern des Orts in hergebrachter Weise im „Hirsch“ schweigsam und fast feierlich zusammensaß, konnte er der Versuchung doch nicht widerstehen, aus dem Brief vorzulesen; er wußte ja gut, daß sie im Dorf hinter seinem Rücken über den Erfolg lächelten, den er bisher mit seinem studierten Sohn gehabt hatte. So gab er bedächtig und, als sei es nicht wichtig, dies und das aus dem Schreiben bekannt und freute sich in dem Augenblick wohl zum ersten Male ungetrübt der guten Meldung. Die andern hörten zu, sagten nicht ja und nicht nein und rauchten ihre Pfeifen. Auch als er berichtete, der Sohn habe in dem Jahr zwei gute Ernten eingebracht, erwiderten sie nichts, doch fühlte er plötzlich, daß sie an dem Punkt zweifelten. Da stutzte auch er, und war mit einem Male sein Regensburg altes Mißtrauen wieder geweckt und die Freude verflogen. Er faltete den Brief zusammen und schwieg verstimmt. Die Sache mit den zwei Ernten im Jahr, die er beim ersten Lesen nicht weiter beachtet hatte, ließ ihn aber nicht los. Sie verfolgte ihn die Nacht hindurch, ging ihm den ganzen nächsten Tag nicht aus dem Kopf und reizte ihn so, daß er sich schließlich hinsetzte und deswegen einen Brief nach Java schrieb. In dem stand kurz und bündig zu lesen, es möge ja alles gut und schön sein, was der Sohn da schreibe; aber er solle seinen Vater noch nicht für so dumm halten, daß er das mit den zwei Ernten im Jahr glaube. Dann machte er einen dicken Punkt und schrieb seinen Namen darunter. Doch kam nach einem halben Jahr die Antwort zurück, das mit den Ernten stimme schon, und wenn der Herr Vater auf seiner Alb es besser wisse, sei freilich nichts zu machen. Doch sei er herzlich eingeladen, selbst herüberzukommen und nachzusehen. Von diesem Brief erzählte der Bauer niemand. Zuerst ärgerte er sich grimmig, allmählich wurde er nachdenklich und begann zu grübeln, ob dies nun Wahrheit war oder bloßer Hohn. Je länger er nachdachte, desto mehr kam er zu dem Ergebnis, der Junge wollte sich nur über ihn lustig machen und setzte voraus, daß er zu alt und einfältig sei, die Reise zu wagen. Damit war es nach seiner Art schon entschieden; wenn der da drüben glaubte, er käme nicht, so ging er erst recht. Was der Bauer anfing, das tat er richtig. Er bestellte sich einen guten Schiffsplatz, und, als der letzte Hafer geschnitten wurde— er war in dem trockenen Jahr auf der Alb recht kurz geraten und das Wetter sah aus, als wollte es wieder einmal in den stehenden Halm schneien — war der Abreisetag gekommen. Am Morgen stand der Bauer noch auf dem Feld, regierte und schalt Knechte und Mägde, als ob auch nicht in der Ferne ein Abschied drohte; am Nachmittag wurden die beiden besten Braunen vorgespannt; er erreichte den Schnellzug und ging in Hamburg an Deck So saß der Bauer von der Alb nun fast plötzlich und eigentlich wider Willen im bunten Treiben eines riesengroßen Dampfers und fuhr Indien zu. Es kann nicht gesagt werden, daß er sich dabei wohlfühlte. Er tat zwar, was alle andern um ihn auch machten, aß, schlief, aß und schlief, aber ließ alles, Reisegenossen, Meer und fremde Länder nur wie etwas Unvermeidliches über sich ergehen. Wenn indes zu Anfang manche Mitreisenden geglaubt hatten, sich über den alten Bauern, der da in seiner feierlichen heimatlichen Sonntagstracht so fremd zwischen ihnen saß, lustig machen zu können, so täuschten sie sich. Er verlor keinen Augenblick seine angeborene Würde und Haltung, konnte, wenn es sein mußte, auch unverblümt grob werden und wirkte in der leichten, wurzellosen Gesellschaft schwer wie ein Fels oder Baum, wie ein sicheres, in sich ruhendes Stück Natur. Mittlerweile glitten in langen Wochen die Länder Spanien und Aegypten, die wimmelnden Häfen Indiens und Bengalens an dem ziehenden Schiff vorüber und rührten den Alten, der sich in all dem verlaufen und verirrt vorkam„ebensowenig wie die leuchtende Pracht südlichen Meeres. Er sah all die verwirrende Welt nur von außen an, wie einen Zirkus oder ein Schaustück, ohne daß irgendein Eindruck haften blieb, und empfand die ganze Reise von Anfang bis zu Ende nicht als Aufgabe, die er sich nun einmal, kaum wußte er warum, in den Kopf gesetzt hatte, und die es zu erfüllen galt. Auf diese Weise kam er völlig unverändert nach drei Monaten am Ziele an. Er blickte auch beim Ausbooten nicht mehr um sich als notwendig, sah mit einer Mischung von Mißtrauen und Widerwillen auf die halb nackten Gesellen, die beim Löschen der Schiffsladung behilflich waren, und ward an Land von einem Beauftragten des Sohnes in Empfang genommen, der ihn gleich in einen Zug setzte, der ins Innere des Landes abging. In ihm fuhr der Bauer einen ganzen Tag, von vielen Augen neugierig bestaunt, in gerader Haltung in der Ecke sitzend, durch nicht endende Plantagen von Kaffee, Reis, Tee und Zuckerrohr, durch unentwirrbare Bergwälder, über Brücken und schäumende Wasserläufe, denn ganz Java ist unter de mEinfluß der warmen Regenwinde, zwischen hohen Gebirgen, ein einziger Garten der Fruchtbarkeit. Er ließ abweisend all das Unbegreifliche an sich vorüberziehen, und am Ende der Fahrt erwartete ihn der Sohn. Die Begrüßung der beiden ist schwer zu schildern; es geschah äußerlich fast nichts. Der Junge fand den Vater zwar gealtert, aber sonst unverändert, dem Alten kam der Junge umheimlich verwandelt vor. Beide freuten sich natürlich tief innen über das Wiedersehen, aber ließen sich mit keiner Miene ihre Rührung anmerken. Sie sagten ein paar belanglose Worte, als hätten sie sich erst gestern noch gesehen; dann ging der Alte prüfend um die beiden struppigen Halbpferde herum und fand sie im stillen wenig wert, schlecht gehalten und jedenfalls mit den Braunen zu Hause nicht zu vergleichen. Auf der Fahrt zum Hof tadelte er insgeheim die kaum befahrbaren Wege, und im Hause gefiel ihm die Schwiegertochter nicht, zumal, da er sie nicht verstand. Doch traf es sich glücklich, daß bei seiner Ankunft gerade die erste Reisernte in Gang kam; denn bei der doppelten Ernte, derentwegen er die Reise unternommen hatte, handelte es sich, das er fuhr er nun, um Reis. Da stand der Bauer, der nach seinem gewohnten Leben auch hier nicht ruhen wollte und gar nicht ruhen konnte, also vom nächsten Tag an von morgens früh bis abends spät in der dampfenden Hitze bei der fremden Erntearbeit und beobachtete. Er war ja nicht gekommen, zu allem ja und amen zu sagen, und lag vielmehr gerade auf der Lauer nach Dingen, die er mißbilligen könnte. In der Tat gefiel ihm gar nichts. Er fand die Farbigen schmutzig und entsetzlich faul und hätte ihnen an Stelle des Sohnes die ewige Singerei bei der Arbeit Holzschnitt von Bodo Zimmermann längst verboten; er hielt die Schwiegertochter, die mie alle weißen Frauen der Tropen, draußen keine Hand rührte, für eine Nichtstuerin und den Sohn, der dies duldete, für einen Schwächling; er sah den Höcker auf dem Rücken der Zebus für einen Fehler an, und das kümmerliche Gewächs des Reises, das da gelbgrün im Schlamm und Wasser stand und kaum kniehoch wurde reichte nicht entfernt an ein wogendes Weizenfeld heran Es war verlorene Liebesmühe, daß ihm der Sohn die fremden Verhältnisse erklären wollte; der Alte war störrisch, wollte gar keine Belehrung und, wenn er überhaunt zuhörte, war ihm das Mißtrauen ins Gesicht geschrieben Fast mit Rührung sah der Sohn dies mit an; es erinnerte ihn mehr als alles andere mit heftiger Gewalt an die Heimat; er erfaßte in solchen Augenblicken den Vater am tiefsten und es fehlte nicht viel, daß er sich wie einst abhängig von ihm fühlte. In acht Tagen waren dann alle Rispen des Reises abgesichelt und wurden die Körner herausgeklopft. Bauer wich auch von dieser mühseligen Arbeit nicht und ließ geringschätzig die fremde Frucht durch die Finger rieseln. Dann wurden die abgeernteten Flächen sofort wieder mit neuen Setzlingen bepflanzt, wurde Wasser über die Kultur geleitet und begann unter den widerwillig staunenden Augen des Alten ein märchenhaftes Wachsen und Sprießen zur nächsten Ernte. Indes wurde ihm, solange die zweite Ernte heranwuchs, die Zeit, die er noch warten mußte, nun doch sehr lang; er sah von Tag zu Tag müder und verdrossener aus und fühlte sich. wenn er auch nichts sagte, innerlich richtig krank. Die warme, brodelnde Sumpfluft war ungesund genug; auch zehrte uneingestanden bitteres Heimweh an ihm, nach seiner gewohnten Tätigkeit. nach seinem Feld, der Luft. den Steinrücken und Aeckern der Schwäbischen Alb, in der sein Wesen Wurzel hatte. Zäh und hartnäckig, wie er war, gab er aber nicht nach und hielt mit letzter Kraft durch, bis die ersten Rispen der neuen Ernte eingebracht waren. Am andern Tag reiste er, und alle Bewohner der Pflanzung mit Ausnahme des Sohnes atmeten auf. Wieder fuhr der Sohn den Vater selbst zur Bahnstation zurück, und wieder schwiegen sie auf der langen Fahrt die meiste Zeit. Erst als der Zug schon einfuhr, konnte der Junge die Frage doch nicht unterdrücken: „Nun stimmt's also mit der zweiten Ernte?“„Es hat seine Richtigkeit“, erwiderte der Alte kurz und schnaubte ein wenig. In überzeugterem Ton konnte er jedoch nach einer Weile nicht unterlassen, hinzuzufügen:„Wenn ihr aber ordentlich Kali und Thomasmehl nähmet, könntet ihr noch mehr herausholen!“„Nein Vater“, lachte der Junge,„das rentiert sich nicht und ist auch gar nicht nötig; wir haben hier einen anderen Boden, der baut sich nicht aus und erhält sich selbst.“ Da verstummte der Alte, und dann, als der eigentliche Abschied kam, wußten sie sich wieder nicht viel zu sagen, wechselten ein paar karge Worte, als handle es sich nur um eine kleine Reise, und dann setzte sich der Zug in Bewegung und fuhr der Bauer fort. Er erreichte ohne Zwischenfall das Schiff; zum zweiten Male war viele Wochen die Wasserweite des unendlichen Meeres um den Heimkehrenden und glitten in umgekehrter Reihenfolge die Länder der Erde. Indien und Arabien. Italien, Spanien und Frankreich an ihm vorüber. Auf dieser Fahrt aber brannte eine glühende Ungeduld in dem Seefahrer; er konnte die Heimkehr kaum erwarten und verwünschte jeden Aufenthalt, den das Schiff unterwegs nahm. So war ein ganzes Jahr vorübergegangen, als der Bauer endlich wieder in seinem Heimatdorf ankam, und es war an dem Tag alt und jung auf den Beinen, den Indienfahrer zu sehen. Er tat indes, als bemerke er die allgemeine Neugierde nicht und ging aufatmend und von einer großen Last befreit schon am Nachmittag aufs Feld hinaus und fing da wieder zu schelten und zu regieren an, wo er vor einem Jahr aufgehört hatte. Wie damals stand der Hafer auf dem letzten Halm; doch war er, wie der Bauer befriedigt feststellte, länger als im Vorjahre und versprach mehr Stroh, und der September lag in diesem Herbst mit mildem Leuchten über den Kuppen und Mulden der Hochfläche. Und es war die Heimat, die Luft, der herbe Wind vom Oberland, der steinige Grund, die dem Heimgekehrten schon am ersten Tag die alte Kraft und Frische wiedergaben. Alle aber, die in der Folge von ihm einen Bericht über seine Fahrt ins Märchenland erwarteten, wurden enttäuscht. Auch die vier Großbauern, die ihn unverändert am nächsten Sonntag im„Hirsch“ erwarteten, kamen nicht auf ihre Rechnung. Der Weitgereiste kam zwar pünktlich, aber setzte sich zu ihnen an den Tisch, als wäre er nicht fortgewesen. So sprachen sie wie jeden Sonntag schon eine ganze Weile von den Vieh= und Fruchtpreisen, von Bezirksneuigkeit und Politik, bis der Alte schließlich einwarf:„Das mit den zwei Ernten im Jahr hat seine Richtigkeit; ich habe es selbst gesehen. Es ist Reis; er wächst im Sumpf und wird kaum so hoch wie unser Hafer in trockenen Sommern.“ Dann schwieg er einen Augenblick und setzte nachdenklich und mehr zu sich selbst hinzu: „Wenn sie aber mit Kali und Thomasmehl nachhelfen würden, wäre es noch besser...“ Mehr hat nie jemand von ihm über die Reise nach Java gehört. Waldfriede wie Hand dula. 00 e Westfalen 00 uren. die alte im Almetal Die Straße, die von Gesecke über Steinhausen nach Büren herauf und wieder hinunterführt, ist rechts und links flankiert von den seltsamen Bauten weiß überstaubter Cementfabriken. Wie riesige phantastische Maschinenkörper steigen sie aus dem Gelände heraus, an alte Burgen erinnernd, oder wehrhafte Forts. Manchmal, den Charakter des Wehrhaften noch unterstreichend, liegt die Ruine einer stillgelegten Cementfabrik am Wege, während aus der Ferne die Mauern und Türme der sagenumwobenen Wewelsburg herübergrüßen. Es ist der helle Kalkstein dieses Landes, der die Fabriken weiß überstaubt und der der verwitterten Burg seinen Charakter gibt, daß sie hell herüberleuchtet in das Auge des Wanderers, der ohne die Hilfe eines Fernglases das eine vom andern nicht zu unterscheiden vermag. Es ist der gleiche Stein, auf dem die Dörfer und Städte dieser Gegend aufgebaut sind und der da, wo er nicht in flachen Steinbrüchen bloßgelegt ist, aus dem Boden herauswächst, so daß alle Aecker besät sind von weißen Steinen, die der Pflug hervorgewühlt hat. Später begrenzen Hügel den Blick. Die Cementfabriken versinken hinter ihnen und auch die Wewelsburg ist nicht mehr zu sehen. Ein kleines Wäldchen liegt am Wege. Ein weißes Kreuz ragt auf. Es mahnt den Vorübergehenden, dessen zu gedenken, der hier vor Jahten und Tag tot herniedersank. Hundert Schritte weiter lagern Zigeuner im Gebüsch, das sie mit lautem Leben füllen. Ein Feuer prasselt. Ungeduldig scharrt ein Pferd den Waldboden auf und frißt von dem Heu, das man ihm hingeworfen. Noch hundert Schritte, dann rückt die dunkle Kulisse eines Wäldchens zur Seite und in einem Tal, in das von allen Seiten waldbewachsene Hügel sanft herabfallen, liegt Büren. Und wie in einen langen Blick das Angesicht der Stadt sich drängt, so faßt dieser Blick zugleich ihr Wesen. Die rauchenden Schlote der Cementfabriken künden ihren Gewerbefleiß, während der von mehr als meterdicken Pappeln bestandene Kreuzweg, dessen sieben Stationen zu der Kreuzkapelle auf dem Kalvarienberg heraufführen, von wo wir diesen ersten Blick auf die Stadt tun, uns gleich hineinzieht in die fromme Gläubigkeit der Bewohner dieses Städtchens. Wir haben die schlichte Einfachheit der alten Stadtkirche vor uns als den Ausdruck westfalischer Herbheit und die schwungvolle Leichtigkeit des Sudens, wie sie in der prunkvollen Fassade der ehemaligen Jesuitenkirche ihren Ausdruck findet. Doch steigen wir herab in die Stadt, überschreiten wir die friedlich in ihrem Bette dahinfließende Alme, Der Hegensdorfer Turm e. Das frühere Kollegiengebäude der Jesuiten (jetzt Mauritiusschule) gehen wir vorüber an dem auf wuchtigen Findlingen aufgetürmten Denkmal, das die Erinnerung an die Gefallenen des Krieges 70/71 wachhält. Später werden wir auf dem von alten Fachwerkhäuschen umstandenen Marktplatz die Wasser eines Brunnens rauschen hören, der seit 1795 auf diesem Platze steht und der in diesen Jahren umgebaut worden ist, zum schlichten sinnvollen Ehrenmal für die Opfer des Weltkrieges. Doch noch sind wir im unteren Teile der Stadt. Die prächtige Front der Jesuitenkirche, das interessanteste Bauwerk Bürens, fesselt unseren Blick. Wir bestaunen die kunstvollen Arbeiten der Steinmetzen, die die Fassade schmückten und die schwungvolle Krönung des Ganzen durch die überlebensgroßen Figuren zweier Heiligen, in deren Mitte auf hohem Sockel die Statue der Immaculata thront. Treten wir ein in die Kirche, so staunen wir über die klare Gliederung ihrer Barockarchitektur, die mit frei angetragenem Stuck reich verziert ist. Ihr schönster Schmuck freilich sind die herrlichen Freskomalereien, die ihre Pracht sowohl im Haupt= und Querschiff als auch in der Kuppel entfalten. Und obwohl mehr als anderthalb Jahrhunderte vergangen sind, seit sie diese herrliche Kirche schmücken, leuchten ihre Farben frisch wie am ersten Tag. Durch kunstvoll geschmiedete Tore betreten wir den Ehrenhof des ehemaligen Jesuitenkollegs, das neben der Jesuitenkirche gelegen ist. Von 1825—1925 diente dieser Bau, in dem heute die Mauritiusschule untergebracht ist, als Lehrerseminar, während in einem der beiden geräumigen Seitenflügel das Amtsgericht seine Stätte fand. Die Burgstraße herauf kommen wir zur Mühlenstraße, wo wir in einer Gartenmauer, die ehedem den Garten Die Kreuzkapelle auf dem Kalvarienberge des Jesuitenklosters von der Außenwelt abschloß, ein vermauertes Tor finden, das mit seinem kunstvollen Schmuck unser Interesse gefangen nimmt. Dann liegt die Mittelschule vor uns. Der älteste Bau der Stadt. Sie wurde 1537 von den Herren von Büren außerhalb der Stadt errichtet. Ihr hoher gotischer Giebel überragt wie ehedem die klaren Wasser, die rauschend sich über das Mühlrad wälzen. Gänse schnattern, und wenn wir den Blick zurückwerfen, so sehen wir über dem Rest der alten Stadtmauer die alte Stadtkirche aufragen, deren älteste Teile aus dem 13. Jahrhundert stammen. Dicht dabei sehen wir über schön geschwungener Dachhaube die Laterne der Sakramentskapelle aufragen. Ein achteckiger Barockbau, der im Jahre 1720 von dem Dompropst Ign. A. Friedr. v. d. Asseburg in Erfüllung eines Gelübdes anstelle der alten, 1292 erbauten und 1667 durch Feuer zerstörten, Kapelle errichtet wurde. Dicht dabei hören wir das Gefauche der Dreschmaschinen, und wie wir nun wieder die Stadt durchwandern, kommen uns die langen Holz=Fuhrwerke entgegen, die jahraus jahrein das in den Wäldern des Sauerlandes geschlagene Holz nach Büren hereintransportieren, wo es verladen wird, wenn es nicht in den Sägemühlen der Stadt sogleich zu Brettern und Balken zerschnitten wird. Höher hinauf führt uns der Weg, bis wir jenseits der Stadtmauern schon, neben alten Fachwerkhäuschen, wie sie gern an alte Stadtmauern sich lehnen, den Hegensdorfer Turm aufragen sehen. Und wenn dieser alte Stadtturm, der weiter unten noch einen Bruder hat, auch erst in unseren Tagen einen neuen Hut aus roten Ziegeln aufgesetzt bekommen hat, er erinnert dennoch an die alten Zeiten, da die Bürgerschaft Bürens im Bunde mit ihren Burgherren noch mannhaft gegen die mannigfachen Feinde des Ortes anstand. Vorbei! Und döch noch nicht vorbei, denn hier ist jeder Stein Geschichte, und diese Geschichte ist verknüpft von Anbeginn mit dem Namen des Geschlechtes derer von Büren. Waren es doch die beiden Brüder Berthold und Detmar von Büren, die in Verbindung mit dem Paderborner Bischof Bernhard II. die Ortschaft Büren zur Stadt erhoben. Und der letzte von Büren war es, der die Stadt, die damals wie heute im wesentlichen von den Früchten der Feldarbeit lebte, zum Mittelpunkt neuen geistlichen Lebens machte, als er nach den Wirren der Reformation seine gesamten Güter dem Orden der Jesuiten hinterließ, die die wundervolle Kirche erbauten, die nun der schönste Schmuck der Stadt ist. Dazwischen liegt allerdings die Entwicklung des kleinen Ortes im Almetal, wo seit vier JahrtausenGartentor des früheren Jesuitenkollegs den menschliche Ansiedlungen sich nachweisen lassen, zur einflußreichen Stadt, die Büren im Laufe der Jahrhunderte wurde. Nachdem die Herren von Büren im letzten Jahrzehnt des 12. Jahrhunderts den Ort mit einer Mauer umgeben ließen, gaben sie ihm Stadtrechte. Auch später noch waren sie eifrig darauf bedacht die Privilegien der Bürger zu mehren, um die Entwicklung des Gemeinwesens zu fördern. Die Verwaltung der Stadt lag in den Händen eines von der gesamten Bürgerschaft gewählten Rates, der aus 12 Mitgliedern bestand, deren Bestätigung in der Hand der Edelherren lag, die im Verein mit den Bürgern auch den Stadtrichter ernannten, dem die gesamte Zivil= und Strafgerichtsbarkeit in der Stadt unterstand. Und wenn Büren im Laufe der Jahrhunderte auch nie über den Rang eines ackerbautreibenden Landstädtchens hinausgekommen ist, es hat doch wie andere Städte Westfalens teilgehabt an den umfangreichen Handelsbeziehungen zum Norden. Finden wir doch in den Rigaischen Schuldbüchern des 12. und 13. Jahrhunderts auch die Namen Bürener Bürger verzeichnet. So ist es denn zu verstehen, daß die Stadt, unter deren hervorragenden Gewerben zu jener Zeit das Braugewerbe zu zählen ist, nach größerer Selbständigkeit strebte. 1268 kam es wegen der Aufsicht und Einkünfte aus den Braubetrieben der Stadt zu schweren Zerwürfnissen mit den Edelherren, die in offenen Aufruhr übergingen, der erst durch das Eingreifen der Bischöfe von Paderborn und Osnabrück beigelegt werden konnte. Nachdem um die Mitte des 16. Jahrhunderts die Reformation in Büren Eingang gefunden hatte, war es der letzte Vertreter des Geschlechtes derer von Büren, der die Stadt zum katholischen Glauben zurückführte. Moritz von Büren, der selbst in den Jesuitenorden eingetreten war, vermachte seinen ganzen Besitz den Jesuiten, die an der Stelle der alten Burg in den Jahren von 1717 bis 1724 ein neues Kollegiengebäude aufführen ließen, nachdem sie vordem im adeligen Damenstift der Familie von Büren, dessen Haus noch besteht, gewohnt hatten. 1754 begannen sie dann mit dem Bau der Kirche, die von dem Paderborner Baumeister Franz Christoph Nagel in 17 Jahren geschaffen wurde. Doch nicht lange erfreuten sich die Jesuiten ihres Besitzes. Denn schon im Jahre 1773 wurde der Orden aufgehoben und sein Bürener Besitz ging an den Paderborner Fürstbischof über. Im Verlaufe der im Jahre 1802 erfolgten Säkularisation gingen Stadt und Herrschaft Büren an Preußen über, das heute noch der Inhaber der umfangreichen Besitztitel des Hauses Büren ist. G. Die Sakramentskapelle Heitere Welt. Beim Bäcker. „Meister, Ihre Schnecken werden von Tag zu Tag kleiner. Man kann sie auf einmal in den Mund stecken.“ „Das liegt nicht an den Schnecken, Frau Lehmann.“ Hausfrau:„Aher Patricio! Als Sie mich um Alkohol baten, sagten Sie, Sie hätten ihn zum Putzen der Spiegel nötig; und nun sehe ich, daß Sie ihn trinken!“ Diener:„Oh, nein, gnädige Frau. Ich schlucke ihn nur, um dann den Spiegel anzuhauchen.“ Sie: Als wir noch verlobt waren, empfand ich es immer sehr angenehm, wenn du rauchtest, Schatz, und jetzt kann ich den Geruch deiner Zigarre gar nicht mehr ertragen. Woher mag das kommen? Er: Damals konnte ich mir Zigarren für zwanzig Pfennig leisten, jetzt aber nur noch solche für fünf. Richter:„Es ist doch ein Jammer, daß zwei alte Freunde, wie Sie es waren, hier vor mir erscheinen. Der Streit ist doch so geringfügig, daß Sie ihn ganz gut außergerichtlich erledigen konnten“ Der Kläger:„Ließ sich nicht machen, Herr Richter. Mein alter Freund kann nicht boxen.“ „Deine Frau ist ja heute so ungnädig?" „Ja. Zuerst ärgerte sie sich über das Stubenmädchen und dann über mich, weil ich mich nicht über das Stubenmädchen ärgerte. Und jetzt ärgert sie sich über selbst, weil ich mich darüber geärgert habe, daß sie über das Stubenmädchen ärgerte.“ Fremdenführer und Fremde. „... und jetzt gehen wir an dem ältesten Wirtshaus unserer historischen Stadt vorüber!“— „Warum denn?"— Friedrich Wilhelm I. fand ein besonderes Vergnügen in der Lektüre ausländischer Zeitungen. Vor allem interessierte ihn die Kritik, die diese Blätter an seiner Regierung übten. Einstmals stieß er in einer holländischen Zeitung auf einen Artikel folgenden Inhalts: „In Potsdam ist der Flügelmann der Lieblingsgarde des Königs gestorben. Bei der Sektion der Leiche stellte es sich heraus, daß der riesige Mann kein Herz, dafür aber zwei Magen von unvorstellbarem Umfang besessen hätte." Der König lachte herzlich über diesen Unsinn, hatte aber sogleich eine passende Antwort bei der Hand. Er ließ dieser holländischen Zeitung umgehend mitteilen, daß die Angaben in dem Artikel vollends der Wirklichkeit entsprächen, daß aber— er ließ es besonders unterstreichen— der verstorbene Flügelmann ein Holländer gewesen sei. „Hast du alles eingepackt?“ „Bis auf deine Sachen Nicht ganz einfach. „Papa, ist heute dasselbe wie gestern?“ „Wie kannst Du so dumm fragen!“ „Du sagtest doch gestern, daß heute morgen wäre!“ „Ja, das stimmt.!. heute war gestern morgen, und heute ist heute, ebenso wie gestern heute war, und morgen wird heute gestern sein, und morgen wird auch heute, na ja, und nun gehe wieder ins Kinderzimmer!“ * Jack:„Ich glaubte immer, du würdest dich mit der Tochter der Witwe Green verloben. Sie ist reich und eine Perle ihres Geschlechts.“ Charley:„Du hast recht, mein Junge. Aber hast du dir die Perlmutter mal angesehen?“ Polizist:„Haben Sie gehupt?“ Autofahrer:„Gewiß!“ Polizist:„So? Ich habe aber deutlich gehört, daß Sie nicht gehupt haben.“ Erlebnis. Der kleine Erwin kommt zu seiner Mutter gelaufen! „Mutti, die Katze hat Küken bekommen!“ „So heißt es aber nicht, mein Kind— sie hat Junge bekommen, sagt man!“ Erwin überlegt eine Weile:„Aber Mutti, was war denn das, was Du gestern gekauft hast und was wir heute zu Mittag essen wollten?“ „Ja, das waren Küken, das ist richtig!“ „Na, siehst Du Mutti, und die hat die Katze aufgefressen!“ Der * Im Hotel klopft der Hausknecht an die Tür. „Was ist denn los?“ antwortet eine verschlafene Männerstimme aus dem Zimmer. „Verzeihung“, sagt deer Hausknecht,„ich habe vergessen, ob der Herr um sechs oder sieben geweckt werden will.“ „Sie Affe!“, schreit der Gast wütend,„ich habe Ihnen doch ausdrücklich gesagt, um fünf. Wie spät ist es denn?“ Der Hausknecht:„Acht.“ Jung Schönwald Promenade. „Gestatten Sie, daß ich Ihnen meinen Arm anhiere gnädiges Fräulein?“ „Danke! Ich habe heute abend schon drei Herren ken Arm abgeschlagen!“ * Telefonarbeiter waren mit der Ausarbeitung einer Anlage an einem Gerüst vor einem Hause beschäftigt. Do lief bei der Postdirektion der Beschwerdebrief einer in diesem Hause wohnenden alten Jungfer ein, die sich über die gräßlichen und empörenden Ausdrücke beschwerte, deren sich die Telefonarbeiter bedienten. Die Postdirektion forderte von dem Vorarbeiter einen Bericht ein und erhielt folgende Schilderung: „Ich, der Unterzeichnete, Vorarbeiter Gottfried Kämpfer und der Schlosser Emanuel Gläubig waren mit Reparaturarbeiten an dem Hause Bergstraße 5 beschäftigt. Ich arbeitete oben auf dem Gerüst, lötete eine Bruchstelle Dabei fielen mir, weil ich so schlecht an die Stelle herankommen konnte, mehrere Tropfen des heißen Lötmetalls herunter und gerade dem Schlosser Gläubig hinten in den Kragen seines Hemdes. Der Gläubta dem natürlich der Hals gehörig verbrannt wurde beschwerte sich bei mir.„Mein lieber Gottfried“, sagte er,„kannst du nicht bitte so freundlich sein, mit dem Löten zu warten bis ich hier unten fertig bin? Es tut nämlich sehr weh. wenn das heiße Metall in meinen Hals läuft.“ Aus diesen Zeilen, die ich vollkommen wortgetreu wiedergegeben habe, kann die Postdirektion ersehen, daß wir beide keine Schimpfwörter gebraucht haben.— Vorarbeiter Gottfried Kämpfer.“ Rütsel=Ecke. Kreuzworträtsel Bedeutung der einzelnen Wörter. aj von links nach rechts: 1 Fahrzeug, 4 Planet, 7 Zufluchtsort, 8 französische Landschaft (Wein), 9 Berliner Schriftsteller, 11 Meergott, 13 biblische Männergestalt, 15 Schwung, 18 duftende Blume, 21 Halbedelstein, 23 Nebenfluß der Oder, 26 Stadt in Birkenfeld, 27 norddeutscher Küstenfluß, 28 vertonte Poesie, 29 Nachtvogel, 30 Traggestell; b) von oben nach unten: 1 schwedisches Königsgeschlecht, 2 Erdteil, 3 weiblicher Vorname, 4 Drama von Grillparzer, 5 Farbe, 6 Fußbekleidung, 10 Kriegsgott, 12 Stadt in Thüringen, 14 Geck, 16 Ostseebad, 17 Insekt, 19 Südfrucht, 20 großer russischer Zar, 22 südamerikanische Republik, 24 Nebenfluß der Saale, 25 Vortrag. Auflösung des letzten Kreuzworträtsels: Kreuzworträtsel: a) 1 Bajonett, 7 Ragusa, 9 Ham, 11 Ute, 13 Orel, 15 Stab, 16 Labes, 17 Peter, 19 Alma, 20 Raps, 22 Olm. 24 Tet. 25 Apolda, 26 Flamingo;— b) 2 Arm. 3 Oger, 4 Rudel, 5 Tau, 6 Phospyor. 8 Persante, 10 Abteil, 12 Themse, 13 Ober, 14 Laas, 18 Radom, 21 Pali, 23 Mal, 24 Tag. SCHACH-ZEITUNG Problem=Schach. Aufgabe Nr. 34. Von A. Nowotny. Schwarz: Kd6, Bd4, e5(3). abodefeh Weiß: Kd8, Lb5, Sf6, Sg5, Bd2, g2(6). Matt in 4 Zügen. Ein Damenopfer bringt die Entscheidung. Partie Nr. 66. Damengambit. Gespielt in Zürich. Schwarz: Dr. Lasker. d7—d5 e7—e6 Sg8—f6 Sb8—d7 c7—66 Lfa—e7 0—0 Tf8—e8 d5Xc4 Sf6—d5 DdsXe7 Sd5—f6 c6—c5 Weiß: Dr. Euwe. 1. d2—d4 2. c2—c4 3. Sb1—c3 4. Lcl—g5 5. e2—e3 6. Sg1—f8 7. Ddt—c2 8. a2—03 9. Tat—e1 10. Lf1Xc4 11. Lg5Xe7 12. Sc3—e4 13. Se4—g3 Nur mit diesem Vorstoß kann Schwarz allmählich sein Spiel befreien. Im Damenbauernspiel muß es bekanntlich immer das Ziel des Schwarzen sein, früher oder später e5 bezw. c5 durchzusetzen. Verpaßt er diese Gelegenheit, ist sein Spiel meist verloren. 14. 0—0 c5Xd4 15. Sf3Xd4 Sd7—b6 16. Lc4—a2 Ta8—b8 Als Vorbereitungszug zu Ld7 gedacht. Auf sofortiges Ld7 wäre De7 lästig. 17. e3—e4 Te8—d8 18. Tf1—d1 Lc8—d7 19. e4—e5 Sf6—e8 20. La2—b1 97—96 21. Dc2—e4 22. b2—b3 Ld7—a4 Danach wird das Feld b4 schwach und kann später vorteilhaft dukch einen schwarzen Springer besetzt werden. Angebracht war Td3. 22.... La4—d7 23. a3—a4 Sb6—d5 24. Lb1— Tb8—c8 25. Ld3—c4 Ld7—c6 26. Sd4Xc6 b7Xc6 Ebenfalls gut war an dieser Stelle TXc6. 27. Tdl—d3 Weiß sieht Angriffsmöglichkeiten, wo keine sind. Exweltmeister schlägt Der gt den Anrempelungsversuch mit Leichtigkeit ab und steht danach auf Grund des Besitzes der d=Linie überlegen. 27... 28. Td3—f3 29. h2—h4 30. h4—h5 31. Tc1—e1 32. h5Xg6! Sd5—54 To8—07 Tc7—d7 De7—g5 Td7—d4 97798 Die Annahme des Damenopfers verbietet sich wegen 32.... TXe4, 33. gXf7+, Kf8, 34. fxe8, D+, KXes, 35. SXe4 usw. 33. De4—e2 Td4—d2 34. De2—f1 Etwas besser war 34. De3. Auf fl steht die Dame vollständig deplaciert. 43... Sb4—c2! 35. Sg3—e4 Dg5Xe5 Nunmehr ist Schwarz derjenige, der ein Damenopfer anbietet, das aber dieses Mal nicht abgelehnt werden darf. 36. Se4—f6+ De5Xf6 37. Tf3Xf6 Se8Xf6 38. Tel—c1 Sf6—e4 Lasker ist nun im Besitz von Turm. Springer und Bauer für die Dame. Seine Figuren stehen jedoch sämtlich ausgezeichnet, sodaß das Damenopfer durchaus korrekt war. 39. Lc4—e2 Auf f3 hat Schwarz die Antwort Ses impetto. 39.. Sc2—94 40. Dft—c4 Das Endspiel nach DXf2 ist natürlich auch klar verloren. 41.... 42. Tet—f1 43. Dc4—54 44. g2Xf3 45, Kgl—h2 46. Kh2—h1 47. Db4—e7 48. De7—c7 49. Tf1—e1 50. De7Xc6 Sf2—d3 Sdö—e5 Se5Xf3+ Sf4—e2+ Se2—f4+ Td2—d4 Kg8—g7 Td8—d5 Td5—g5 Td4—d8! Aufgegeben. Eine hervorragende Leistung des früheren Weltmeisters! Ein Qualitätsopfer verbürgt den Sieg. Partie Nr. 65. Abgelehntes Damengabit. Aus dem internationalen Turnier zu Zürich. Weiß: Dr. Aljechin. Schwarz: Nimzowitsch. 1. d2—d4 Sg8—f6 2. Sg1—f3 d7—d5 3. c2—c4 e7—e6 4. Sb1—c3 67—06 5. Lc1—g5 Sb8—d7 6. e2—e3 Dd8—a5 7. c4Xd5 Mit Absicht vermeidet der Weltmeister hier die gebräuchlichere Fortsetzung. 7. Sfd2 Lb4 8. Dc2, um der Partie durch seinen folgenden Zug ein anderes Gepräge zu geben. 7.... Sf6Xd5 8. Do1—d2 Dieser Zug wurde im Turnier zu Karlsbad 1929 erstmalig von Paul Johner in die Spielpraxis eingeführt. 8.... 2f8—54 Johner verlor in seiner Partie gegen Prof. Becker in Karlsbad nach 8.... Sd7—b6, 9. e4 SXc3 10. bXc3 Sa4 zwar einen Bauern(Tcl? scheitert an SXc3! nebst Lh4 und 11. c4? wird mit Lb4 beantwortet), tauschte dafür aber das bessere Spiel ein(11. Ld3 DXc3 12. DXc3 SXc3 13. a4 usw.) 9. Tal—c1 h7—h6 10. Lg5—h4 0—0 Solider war hier sogleich der Vorstoß e6-e5. 11. 2ft—c4 Sd5Xc3 Der notwendige Befreiungszug e5 scheitert jetzt an 12. LXd5 cxdb 13. dXe5. 12. b2Xc3 254—a3 13. Tcl—b1 e6—e5 Nunmehr kann Weiß auf exd4 mit dem c=Bauern wiederschlagen und somit seine Bauernkette(d4, e3, f2) intakt halten. Der Vorstoß kommt deshalb bereits zu spät. 14. Lh4—93 e5Xd4 15. c3Xd4 DabXd2+ 16. Sf3Xd2 Sd7—b6 17. Le4—b3 Lc8—f5 18. e3—e4 Ta8—e8 19. f2—f3„ 2/5—c8 20. Kel—e2 Kgs—h8 21. Lg3—07 Damit wird eine weitberechnete Kombination eingeleitet die mit einem überraschenden Qualikätsopfer ihren Abschluß sindet. 21.... Sb6-05 22. Lb3Xd5 66Xd5 23. Ke2—d3 b7—b6 24. Thl—b3 La3—e7 25. e4Xd5! Trotz der Drohung Laß+ schlägt der Weltmeister auf d5, ein Wagnis— allerdings risikofreies— mit dem Nimzowitsch wahrscheinlich nicht gerechnet hat. 25... Le8—a6+ 26. Kd8—c2 Te8—c8 27. Tb3—c3 Le7—b4 28. d5—d6! Das ist die eigentliche Pointe des 25. Zuges von Weiß. Das Risiko, das der Weltmeister mit diesem Qualitätsopfer eingeht, ist allerdings nicht sehr groß, da ihm durch den weit vorgeschobenen Freibauern d6 das Remis immer sicher ist. Die weltmeisterliche Gewinnführung ist jedoch bewundernswert. 28.... Lb4Xc3 29. Kc2Xc3 La6—b5 Sämisch hält hier das Rückopfer TXe7 nebst Tes für aussichtsreicher, da seiner Meinung nach der Freibauer auf d4 ungefährlich ist. Die sofortige Preisgabe des Mehrbesitzes scheint tatsächlich noch am chancenreichsten zu sein da Schwarz mit seinen Türmen so recht nichts anfangen kann, weil ihnen wirkungsvolle Linien fehlen. 30. Sd2—c4 f7—f6 31. a2—a4 Lb5—d7 Auf LXa4 wäre Tal nebst TXa7 die Folge gewesen. 32. a4—a5 b6Xa5 33. Sc4Xa5. Tf8—f7 Hier war immer noch das Rückopfer TXc7 nebst Ted angebracht. 34. Sa5—53 Ld7—55 35. Kc3—54 a7—06 36. d4—d5 Kh8—g8 In dieser Stellung würde das Rückopfer allerdings schon mehr als zweifelhaft sein. 37. Sb3—d4 Lb5—e8 38. Thi—a1 Tc8—a8 39. Kh4—a51 Der folgende Königsmarsch entscheidet die Partie zugunsten des Weltmeisters. 89... T/7—d7 40. Ka5—56 Td7—f7 41. Kb6—b7 Ta8—d8 42. Tat Xa6 Td8—d7 43. Kb7—b6 T/7—18 44. Sd4—e6 Le8—f7 45. Se6—c5 Jetzt hat Weiß bereits die freie Wahl, welchen er nehmen will. 45.... 2f7—e8 46. Ta6—a8 Ka8—7 47. Sc5xd7 Le8Xd7 48. Lc7—d8! 49. Kb6—c7 Ld7—b5 50. Tas—a5 51. Ld8—e7! Nimzowitsch gab auf, da auf Tf7 52. Kds gewinnt und auf Tgs 52. d7. Schach=Nachrichten. Groß=Dortmunder Stadtmeisterturnier. Die diesjährigen Kämpfe um die Stadtmeisterschaft. die am 15 September ihren Anfang nehmen, nach neuen Richtlinien durchgeführt werden. Außer den Spielern, die nach den Kämpfen der früheren Jahre teilnahmeberechtigt sind, werden noch nach dem Stärteverhältnis der einzelnen Gruppen folgende Spieler zugelussen: von Gruppe Mitte 2, Nordwest 3, Nordost 2, Süb Wengede 1, Ost 1. Lünen 1, West 1 und Lütgendortmund 1. In Zukunft haben nunmehr die ersten 10 Teit nehmer Zulassungsberechtigung, weiterhin die Besten se der Gruppe nach dem oben erwähnten Stärkeverhältnis. Meldeschluß für das Meisterturnier ist der 1. Septembel. Das schwarze Kleid wird weiter bevorzugt. Auch für die kommende Saison wird die stilvolle Schlichtheit dem schwarzen Kleid den bevorzugten Platz unter den für vorgerückte Tageszeiten bestimmten Kleidern sichern. Das abgebildete Modell bringt die Vorliebe für stumpf und glänzend verarbeitete schwarze Seide zum Ausdruck. Der lange anliegende Aermel in Kimonoschnitt ist glänzend gehalten, eine breite Straßnadel schließt den kleinen dreieckigen Ausschnitt ab. Hausfrau sern, bedeutel.. Ja, was bedeutet es? Vielleicht am allermeisten das: immer tiefer in die wirklichen Sinne des Lebens hineinzuwachsen, im christlichen Sinne sorgend und anteilnehmend zu sein an vielen anvertrauten Leben. Pflicht, die gleichzeitig schönstes Frauengeschenk ist. Zu diesen Gedanken lenkte der Brief, der im Brieflasten irgendeiner Hausfrauenzeitschrift stand und ein Licht auf das Unverstandene warf, das immer noch in dem Begriff: Hausfrau sein, bedeutet... liegt. Eine Hausfrau schreibt: sie habe bisher immer, wenn sie selber mit ihrer Familie verreist war, der Hausangestellten ihren Urlaub gegeben. Nun könnten sie selbst diesmal aus finanziellen Gründen nicht verreisen. Man habe ihr gesagt, sie müsse ihrer Angestellten vierzehn Tage Urlaub, Lohn und Kostgeld geben. Sie verstehe das nicht. Wenn sie, die vierzigjährige Hausfrau, sich keinen Urlaub gönnen kann, warum soll das dreiundzwanzigjährige Mädchen auf ihre„Kosten feiern"! Dazu kommt die große Wohnung, die finanzielle Unmöglichkeit, sich eine Aushilfe zu leisten usw. Sicher, das ist alles nicht so leicht. Aber der Abhilfen sind schließlich viele. Mann und Kinder in Ferien! Der eine hilft hier, der andere hilft dort. Der ganze Haushalt wird vereinfacht. Man hat ja sowieso gesagt: man volle öfters Ausflüge machen, um sich zu erholen. Nun, da gibt es für vierzehn Tage schon allerlei Auswege, wenn das Ganze auch sicher zunächst eine Belastung bedeuten mag, die wahrscheinlich nachher durch eine frische, erholte Hausangestellte wettgemacht werden kann. Und die Hilfe wird es auch verstehen, wenn nach ihrer Rücktehr die Hausfrau da und dort einmal ein wenig Ferien und Ausruhen macht. Aber das alles ist nicht das Wesentlichste: Das steckt vielmehr in der merkwürdigen und schiefen Einstellung dem Menschen gegenüber, der bei einem und mit einem arbeitet. Da springt so ein Neid hervor: soll sie frei haben und ich nicht? Und es mag auch richtig sein, auf der Hausfrau liegt mehr an Verantwortung, an Schwietigkeit, an Dingen, die täglich durchdacht und überschaut sein wollen. Aber—— es liegt auch mehr des Glückes auf ihr. Dieses seltsamen, großen Frauenglückes, das allerdings soviel verpflichtet und soviel Ypfer kostet, wie temn Glück sonst auf dieser Welt. Ein Glück, das mit dem ersten Tag im jungen Heim begann, wo die häusliche ArHeit auf einmal„ganz anderen Spaß" machte denn zuvor. Arbeit am Eigenen, hin zu dem Ziel, zu dem zwei Menschen zunächst streben, dann drei, vielleicht vier und fünf und noch viel mehr im innigsten Kreis der Familie. Pflichten, die aus diesem innersten Kreis erwachsen, sind anders beglückend(wenn auch unerbittlicher) als die auom so fleißig und willig getane Arbeit der Hausangestellten, die ja ganz im Gegenteil aus ihrem Eigentum gerausgeht, um des Fremdhaushaltes, um der Fremdwunsche willen. Es gibt viele der prachtvollsten Angeseulten, denen dieser Fremdhaushalt förmlich zum eigenen geworden ist. Er hat sich in ihr ganz persönliches Schicksal eingewachsen. Aber das ist eine köstliche, freiwillige Gabe, die die Angestellte herschenkt. Verlangen darf man sie nicht. Sonst ist Verbitterung und Unverstehen an Stelle des Erhofften. Nichts verbittert Menschen so, wie wenn sie das Gesun haben, man gönnt ihnen nicht, was ihnen zukäme. and wer von uns wollte in Wahrheit meinen, einer jeden Hausangestellten seien nicht die 14 Tage im Jahr zu gonnen, in denen sie Gelegenheit hat, ganz zu sich selber du kommen, ihr eigenster Herr zu sein. Sie soll ja doch dielleicht, auch einmal Hausfrau werden, Frau mit günngem und aufgeschlossenem Herzen. Wie kann sie wirklich so warm und reich und spendend werden, wie es ihrer säulichen Aufgabe entspricht, wenn sie nicht das Vorbild gesehen und selber verspürt hat? Gewiß, dies war ein einzelnes Beispiel aus dem großen edens= und Pflichtenkreis der Hausfrau. Aber es weist din auf das Ganze, was schwer und unwillig in den letzen Jahren und Jahrzehnten geübr Vord: die Einstellung auf das bewußte Leben fraulichen Seins und fraulicher Werte. Man setzte in sehr rationalistischem Sinne: Arbeit gleich Arbeit. Die Hausangestellte tut Arbeit, die Hausfrau tut Arbeit. Und man vergaß ein wenig die verschiedene Einordnung in das Leben. Man sah nicht mehr hinter der Arbeit die seelisch=geistigen Eigenarten, die jedem dieser Pflichtenkreise in anderer Weise eigen waren. Und damit gab in vielen Fällen die Hausfrau ihre schönsten Pflichten, die eigentlich beglückende Rechte sind, preis. Dr. Ilse Brugger. Die Frau und der Beruf ihres Mannes Wenn zwei sich heiraten wollen, ist die Hauptvoraussetzung, daß sie sich liebhaben. Liebe ist eine Brücke von höchster Tragfähigkeit. Es ist aber auch notwendig, daß ein Einkommen vorhanden ist, das ein Auskommen möglich macht, denn auch der größten Liebe ist es mit der Zeit abträglich, wenn von Anfang an die Sorgen um die kleinen Dinge des Lebens drückend sind. Und keine Frau darf vergessen, sich zu prüfen, ob der Beruf des Mannes ihrer Einstellung in seinen Auswirkungen auf das Familienleben entspricht. Frauen empfinden da ganz verschieden. Es gibt viele, die es für selbstverständlich halten, daß ihr Mann außerhalb des Hauses sein Arbeitsfeld haben soll. Meistens liegt dann eine größere Regelmäßigkeit im Tagesplan, ein freieres Schalten im Haus, und eine frohe Wiedersehensstimmung gibt der Liebe eine besondere Frische. Manche Berufe im Hause lassen dem Mann viel freie Zeit, oder viel freies Verfügen über seine Zeit, sodaß die Frau wenig allein ist. Manche Frauen haben das gern, andere nicht. Und wer sich gut genug kennt, um zu wissen, daß ein ständiges Beieinandersein zu Reibungen führen könnte, der sollte vorsichtig sein. Gerade sehr selbständige Frauen brauchen eine gewisse Freiheit, in ihrer Art zu wirtschaften. Selbst gutgemeinte Einmischungen oder Hilfeleistungen des Mannes könnten zu einem Gefühl der Beengung und Unfreiheit führen. Vielen Mädchen scheint eine Heirat mit einem Beamten erstrebenswert, weil die Versorgung eine gesicherte ist. Und trotzdem eignet sich nicht jede zur Beamtenfrau. Die Begrenzungen des Gehaltes sind enger als ein Voranarbeiten im freien Beruf. Frauen, die zu leicht Ausschau halten nach immer gesteigerten Lebensmöglichkeiten, dürfen nicht vergessen, daß ein Beamtenleben langsam höher wächst. Und dann noch eins: Männer, die im Beamtentum stehen, sind meistens von großer Regelmäßigkeit des Tagesablaufes eingenommen. Sie können bis zu einem gewissen Grade pedantisch wirken. Da ist es für manche lebhafte Frau, die Zeit und Dinge nicht so peinlich genau nimmt, schwer sich zurecht zu finden. Umgekehrt sollten Mädchen mit ausgesprochenem Sinn für eine geordnete Häuslichkeit und Regelmäßigkeit sich überlegen, ob ein Mann im wirklich freien Beruf— Künstler oder Geschäftsreisende beispielsweise— ihnen den Begriff ihres erträumten Heimes geben kann. Diese Männer kommen und gehen manchmal zu den ungewohntesten Zeiten, nicht weil sie es wollen, sondern weil sie es müssen. Es ist ganz natürlich, daß sie dadurch von selbst den Gedanken verlieren, irgendwie eine besondere Schwierigkeit für den Haushalt und— für die Stimmung der Frau zu verursachen. Gerade diejenigen, die viel außerhäusig zu tun haben, erwünschen sich ein besonderes Heimgefühl. Sie sind keine Egoisten, wenn sie eine fröhliche und zutunliche Frau, eine gemütliche Ecke und eine gut und schnell zusammengestellte Mahlzeit erwarten. Und doch! Die Frau sitzt und wartet oft stundenlang, der Mann kommt nicht. Wenn er dann kommt, sind beide müde vom Warten. Jetzt enttäuschen sich Mann und Frau gegenseitig, beide ohne eigentliche Schuld. Oder die Frau hat tagelang hintereinander die schönsten Dinge zu einer gemeinsamen Mahlzeit besorgt. Der Mann kam immer sehr spät oder garnicht oder gerade von einem gedeckten Tisch. Das macht die Frau traurig; es ist auch eine Belastung für den Geldbeutel. Manche Speisen verderben schnell, nun muß die Hausfrau sie allein aufessen, während sie für sich selbst nie so teure Sachen gekauft hätte. Und als sie dann einmal nichts Ordentliches im Haus hat, kommt der Mann und hat Hunger und Appetit auf all das, was eine Woche lang weggegessen werden mußte, weil er ausblieb. Ein solches Leben voller Warten und Bereitsein ist nicht für jede Frau. Es gehören auch Frauen dazu, die ein unbedingtes Vertrauen zu ihrem Mann haben, ohne jede Anlage zur Eifersucht. Auch die Arztfrau im kleinen Ort sei erwähnt, und die Frau des Siedlers oder Gärtners. Eine Arztfrau muß voller Menschenliebe sein, um ohne zu klagen es ertragen zu können, wenn der Mann von der Mahlzeit und aus dem Schlaf geholt wird, sie muß auch selber einmal mit Hand anlegen können. Dann gibt es kein schöneres Leben als„die Frau von unserem Doktor“ in einer kleinen Stadt zu sein. Siedler= und Gärtnerfrauen brauchen viel Kraft und Lust zur Arbeit und die Liebe zum Land. Wem das fehlt, der heirate nicht in diese Berufe, denn im Garten wachsen nicht nur leuchtende Rosen, es gibt auch viel Unkraut zu jäten. In der Siedlung scheint nicht immer die Sonne, und es ist kein dauernder Sonntag dort mit bunten Wimpeln und bequemen Liegestühlen! So hat jeder Beruf des Mannes seine Licht= und Schattenseiten auch für die Frau. Ein Eheleben ist eine lange gemeinsame Strecke Weges, und keine Liebe ist imstande jeglichen Schatten zu verdrängen. Darum soll man zuvor sich selber prüfen, ob der Beruf des Mannes so ist, daß er auch unserer Wesensart und unsern Vorstellungen vom Familienleben entspricht. Gewiß ist die Liebe das Höchste. Aber wir alle sind Menschen und zeigen uns umsomehr als schwache Menschen, je enger und dauernder wir zusammenrücken. F. B. Kinderleid... Kleine Beobachtungen im Alltag Wie zart doch so ein kleines Kinderseelchen ist, das vor jedem kalten Luftzug, vor jeder rauhen Berührung gehütet werden sollte— und muß doch hindurch durch alles Leid und alles Schwere. Und die blinden„Großen“ nehmen das zitternde bißchen Menschheit gar nicht ernst — oh, so viele nicht— die haben andere Sorgen, haben keine Zeit, sich um die Seele des Kindes zu kümmern. Die kleine Christel kommt freudestrahlend aus der Schule und hat das Herz so voll. Es hat ja einen Aufsatz gegeben nach eigener Wahl. Selbst das Thema aussuchen und schreiben, was man will! Sonst sind die Aufsätze für das kleine phantastische Köpfchen immer so langweilig und steif— aber jetzt sprudeln fünf, sechs und zehn Gedanken durch den Kopf, einer immer noch schöner als der andere.—— Und endlich hat sie es gefunden: ja, ein Märchen soll es werden, von Blumen und Schmetterlingen, die gar keine Blumen und Schmetterlige sind, sondern verwunschene Prinzen und Prinzeßchen.— Und dann sieht Christel zum Fenster hinaus und überall fliegen die Schmetterlinge umher, man braucht nur scharf hinzusehen und dann die Augen ganz fest zumachen, dann weiß man sofort, was man schreiben muß. Und die Feder will gar nicht so schnell über das Papier, wie sie wohl soll, daß die Buchstaben in ihrer Steifheit wie gespreizte Kobolde aussehen. Und jetzt ist's fertig, und mit einem Herzen voll jauchzender Freude trippelt die kleine Christel in die Küche zur Mutter:„Denk dir nur, ich hab' ein Märchen geschrieben, ein ganz richtiges Märchen. Wir durften wirklich schreiben, was wir wollten. Soll ich dir mal vorlesen?" Die Augen leuchten. Aber o weh— es ist Waschtag heute, und die Mutter hat gar keine Zeit, nicht einmal winzige drei Minuten, daß die kleine Christel sich die Freude vom Herzen herunterlesen könnte. Ach, sieht sie denn nicht die strahlenden Augen ihres Kindes— weiß sie nicht, was sie mit ihrer Zurückweisung in der Seele des Kindes zerbricht? Dumm und unvernünftig und überspannt wird nun Christel gescholten— und vieles mehr—— und sie schleicht ganz leise zur Tür hinaus. Und nachher kommt die Mutter zur Christel herein, wird unmutig über das verweinte Gesichtchen und sagt ärgerlich:„Darum hättest du auch nicht gleich wieder zu heulen brauchen.— Nun gib her, lies vor!“ Aber Christel kann jetzt wirklich nicht lesen— sie kann es ganz bestimmt nicht. Doch die Mutter schilt aufs neue, nennt es Trotz und Ungehorsam— und hält ihrer Erziehungsmethode viel zugute, daß sie der Kleinen durch Schelten und Schlagen den„Eigensinn“ austreibt und sie zum Lesen zwingt.... Und das schöne, schöne Märchen ist auf einmal garnicht mehr schön. Dumm ist es und lächerlich und Unsinn, weiter nichts, und die Blätter werden herausgerissen, und Christel schreibt einen neuen„vernünftigen“ Aufsatz— für den sie nachher eine ganz häßliche Drei bekommt! Eines Tages wird in der Schule gesammelt, für irgend etwas. Der Lehrer fragt heiter seine kleine Schar, wer wohl etwas bringen könnte. Alle Hände fliegen in die Höhe, aller Augen sehen stolz und begeistert den Lehrer an. Christel sagt es der Mutter, schüchtern und ängstlich. Und ärgerlich wird ihr zur Antwort:„Für so was hab' ich kein Geld!“— Ja, wenn wirklich kein Geld dagewesen wäre, hätte das selbst die kleine Christel eingesehen, aber es ist genug da, nur die Mutter ist nicht für Sammlungen. Vielleicht mag der Zweck ja auch garnicht so wichtig gewesen sein, doch die Mutter hätte an das Kind denken sollen! Weiß denn eine Mutter nicht, wie es einem Kinde zumute ist, das sich immer abseits fühlen muß, das sich ausschließen muß, wenn alle anderen mit Freuden geben dürfen?! Weiß sie nicht, wie sie dadurch das Kind zu einem weltfremden, scheuen Mädchen erziehen wird, das nachher nimmer mit dem Leben zurechtkommt?! Und Christel sitzt mit ängstlichem Erwarten da. Sie weiß nicht, was in der Stunde besprochen wird, sie wartet nur unruhig auf den einen Augenblick und sinnt darüber nach, was sie sagen will. Dann bringen sie alle ihr Geldstück hin, voll Freude und Stolz und ein klein wenig kindlicher Eitelkeit— und Christel wagt nicht aufzusehen. Da kommt der Lehrer und fragt— und sie gesteht ihm mit heißen Backen, sie habe vergessen, es der Mutter zu sagen, denn sie schämt sich ja so, sie kann die Wahrheit nicht sagen! Der Lehrer schaut lächelnd in die traurigen Augen und streicht begütigend über den Flachskopf. So schlimm wäre das ja nicht, sie sollte es dann morgen bringen. Aber die Grete, die sich überall gern hereinmengt, weiß, daß Christel ganz dicht bei der Schule wohnt und in der Pause heimgehen könne. Fiebernd vor Aufregung nimmt sie ihr bißchen Mut zusammen und geht. Hundertmal sagt sie sich unterwegs vor, was sie der Mutter sagen will, und sie bemüht sich immer und immerfort, ein heiteres Gesicht zu machen. Die Füße gehen so langsam, so schwer, und der Weg ist auf einmal so endlos lang wie sonst niemals. Die Treppen herauf hat sie dann noch viel Mut— aber wie sie oben steht und ihre Worte hersagt wie ein auswendig gelerntes Gedicht, ist sie nichts weiter als herzklopfende Angst— ja, und ein wenig Trotz—. Und unter Schelten bekommt sie das Geld. Jetzt geht's die Treppen herunter und in schnellem Lauf zur Schule, daß der Lehrer, als er sie kommen sieht, kopfschüttelnd denkt:„Ein sonderbares Kind!“ Er sieht ja nichts von dem großen, schweren Erleben, durch das ihre zarte Kinderseele hat hindurch müssen. Und als sie nachher in der Pause sich noch immer nicht von der inneren Unruhe befreien kann und durch ihre Unaufmerksamkeit das Spiel der Kinder verdirbt, wird sie unmutig beiseite geschoben, denn:„Schlafmützen brauchen wir nicht zum Spielen!“ Oh, Kinder können so herzlos sein,— aber sie wissen es nicht. Die großen Menschen jedoch... die sollten es eigentlich wissen. R. Für weniger warme Tage. Vielgestaltig sind in diesem Jahre die Umhüllungen, die uns vor kühleren Witterungseinflüssen schützen. Die Länge dieser Jacken, Paletots und Mäntel spielen dabei eine große Rolle. Man kommt sich weniger herbstlich vor, wenn der Mantel das Kleid nur teilweise bedeckt. Unsere Abbildungen geben einen Ueberblick über die verschiedenartigsten Mäntel. Links sehen wir einen dreiviertellangen Paletot, außerordentlich weit und glockig geschnitten. Der Kragen des Kleides ist darüber gezogen und es wird dadurch der Eindruck eines Komplets erweckt. Der Paletot eignet sich aber für jedes Sommerkleid. Die zweite Abbildung von links zeigt einen sehr eleganten langen Mantel in Prinzeßform. Originell ist das Kape, das mit einer Schnalle geschlossen und abnehmbar ist. Es ist aus glänzendem Ottoman und auch gesondert zu tragen. Der Mantel ist aus schwarzem Marocain. Der Nachbar-Mantel ist aus dunkelblauem leichtem Wollstoff. Er darf nicht ganz die Länge des Kleides erreichen. Besonders apart ist der Schnitt des hochgeschlagenen Kragens, der schalartig bis zur Taille Der Paletot rechts ist zweidrittellang aus beige oder elfenbeinfarbiger Wolle. Er ist ebenfalls sehr weit geschnitten, ärmellos, ein kurzgeschnittenes Kape bilden die kurzen Aermel. Ein Clipe dient als Schluß. NE, KUTSCHERI In jenen Jahren, als dem deutschen Lande— da es in zahllose Fürstentümer zerfiel und der Kaiser irgendwo außerhalb seiner Grenzen wohnte— öffentliche Sicherheit und Gesittung noch immer mangelten, fuhr ein Kaufmann mit seinem Kutscher von Hamburg nach Leipzig. Der Wagen war mit nordischen Naturwaren, die gegen südliche Fleißerzeugnisse umgehandelt werden sollten, so reichlich bepackt, daß schon deren Veräußerung, wieviel mehr ihre Verwandlung in andere Waren, dem Besitzer das Antworten auf die Frage:„Was werden wir essen? was werden wir trinken? womit werden wir uns kleiden?“ für lange Zeit abnahm. Dennoch ließ der glückverwöhnte Kaufmann durch die norddeutsche Ebene seinen Wagen hinrollen, ohne für den Schutz von Hab und Gut und Leben mehr als alltägliche Vorsorge zu treffen. Sobald jedoch die Waldberge des Harzes in Sicht kamen, händigte er seinem Kutscher zwei doppelläufige geladene Pistolen aus. Die, befahl er, solle der Rosselenker— ebenso wie er selber es mit zwei anderen Pistolen im Wagen tun werde— auf dem Bock zu beiden Seiten neben sich legen. Sobald der Fahrende ein Geräusch höre, das ihn auch nur einen Augenblick lang denken lasse:„Räuber!“, habe er auf der Stelle zu halten und statt Leine und Peitsche die schußbereiten Waffen in die Rechte und die Linke zu nehmen. Aber obwohl damals in unwirtlichen Gegenden Deutschlands Raubüberfälle noch zu dem Tagverlauf gehörten wie das Untergehen der Sonne, gelangten der Kaufmann und sein Kutscher, ohne von beutegierigen Buschbewohnern angefallen zu werden, über die Höhe des Harzes. Als der Wagen bereits geraume Weile wieder bergab ratterte und die Stunde nicht mehr fern war, da zum ersten Male sich die jenseitige Ebene vor den Augen der Reisenden hinbreiten würde, kam— mitten in einem meilenweiten dichten Tannenwalde— den Kaufmann ein Bedürfnis an. Er klopfte, daß der Kutscher halte. Stieg, da das Gefährt stand, aus.“ Entledigte sich des für sein Vorhaben hinderlichen Pelzmantels und hing ihn so, daß dessen üppiges Innere dem Betrachter in die Augen stechen mußte, über die offene Wagentür. Darauf bedeutete der Kaufmann dem abwärtsstarrenden Roßwart: Doch vom Bock herunterzusteigen und sich während der Minuten seiner Abwesenheit die steifgesessenen Beine zu vergessen, daß sie dem Menschen zum Gehen man ja fast vergessen, daß sie dem Menschen zum Gehen verliehen seien. Der Kutscher nickte und stieg ab. Er machte jedoch nicht die geringste Mühe, sich im Wiedergebrauch seiner Beine zu üben. Er stand vor dem Pelzmantel seines Herrn. Verschlang ihn mit seinen Blicken. Streichelte ihn. Plötzlich riß die liebkosende Rechte sich von dem weichen Inneren des Herrengewandes los. Fuhr verächtlich über das härene Knechtsgewand hin, das außen und innen von der gleichen rauhen Härte war. Und: Runter den Kutschermantel— über den Weggraben dem Unsichtbaren nachschleudern— rein in den Herrenmantel— lächelnd feststellen, daß er wie angegossen sitzt— wieder ausziehn— in das Innere des Wagens werfen— Kleider vom Leib reißen— hinter dem Kutschermantel herschleudern— Pistolen auf dem Bock packen— ihre Hähne spannen— sie schußbereit in die ausgestreckte Rechte und Linke drücken— Wagentür hinter sich mit dem Fuß zustoßen— sich breitbeinig vor das verlassene Gefährt stellen: das Werk von Sekunden. Als der Kaufmann zwischen den Baumstämmen wieder sichtbar wurde, schrie der Kutscher ihn an: Keinen Schritt weiter! Zwischen Totsein oder Kutschersein habe der Herr zu wählen. Endlich hätte sich das Spiel gedreht. Er, der Kaufmann, habe Kutscherkleider und Kutschermantel jenseits des Grabens anzuziehen und hinfort den Wagen zu fahren; er, der Kutscher, werde Kaufmannskleider und Kaufmannsmantel diesseit des Grabens anziehn und hinfort sich fahren lassen. Keinen Schritt! Kleider runter! Ihm zuwerfen! Keinen Laut! Kutschersein oder Totsein! Kleider runter!— davon hänge sein Schicksal ab. Was die Pistolen, deren Güte er ja kenne, ihm wohl hinreichend bestätigten. Bis Drei für die Entscheidung Zeit. Eins——! Zwei——! Ehe der waffenbewehrte Kutscher Drei——! sagen konnte, begann der waffenlose Kaufmann zu knöpfen. Nachdem er sich seines Oberzeugs entledigt und es Stück für Stück über den Graben geworfen hatte, zog der eine die Kleider des andern an. Und die vertauschten Anzüge saßen den beiden neuen Besitzern, als ob sie von einem geschickten Schneider für ihre jetzigen Träger jearbeitet seien. Der Kaufmann im härenen Kutschermantel stieg auf den Bock, der Kutscher im pelzgefütterten Kaufmannsmantel schickte sich an, auf dem Sitz im Wagen Platz zu nehmen. Als der neue Kutscher oben saß und Leine samt Peitsche in seinen Händen hielt, blickte er— wie er es oft an feinem Vorgänger gesehen hatte— prüfend nach rückwärts. Da er gewahrte, daß der neue Herr zum Einsteigen bereit sei, fragte er— wie er es unzählige Male von seinem Vorgänger in solchen Augenblicken gehört hatte—:„Wohin?" Von Hans Franck „Nach Leipzig!“ antwortete der Kutscherkaufmann, und dann bedeutete er dem zustimmend Nickenden: Er sei kein Unmensch. Werde, wofern der Kaufmannskutscher schweige, ihm kein Leid antun. Nichts begehre er für sich, als den Wagen und seinen Inhalt. Samt den Kleidern und dem Mantel natürlich, die er anhabe. Wagen und Ware werde er als sein Eigentum verkaufen und mit Hilfe des Erlöses irgendwo ein ehrbares Leben im bäurischen Stand anfangen. Wenn er aus Leipzig verschwunden sei, könne der Ueberrumpelte sich seinetwegen in das zurückverwandeln, was er ehedem gewesen sei: in einen Kaufmann. Der kleine Harz=Aderlaß werde ihn daran nicht hindern. Bis zu dem Tage seines Verschwindens aus Leipzig jedoch habe er als Kutscher ihm zu dienen. Der Kaufmann, dem sein Leben als das einzige Gut galt, welches er nicht, wenn es verloren gegangen war, wie alles Uebrige für Geld wiederkaufen konnte, hieb auf die Rosse ein und fuhr seinen Kutscher nach Leipzig. Dabei hatte der Kutscher geringere Mühe, für einen Kaufmann zu gelten, als der Kaufmann, seine Kutscherfähigkeiten glaubhaft zu erweisen. Der Kutscher im Pelzmantel träumte sich auf der Fahrt immer wieder als Besitzer von unabsehbaren Hufen, von Pferden und Kühen, von Kälbern und Schweinen, von Hühnern und Hähnen, von Enten und Gänsen, von Knechten und Mägden. In dem Augenblick aber, da der Wagen von der Leipziger Torwache angehalten wurde, sprang der Kaufmann mit einem Satz vom Bock herunter und rettete sich, noch ehe der Kutscher eine der vier Vistolen anschlagen konnte, hinter Gewehre und Hellebarden. Was es gäbe? fragte es lässig aus dem Innern des Wagens. und Kleider gestohlen und mit Hilfe der Pistolen die Knechtskleider auf den Leib gezwungen habe, sei der Kutscher. Die Soldaten wußten nicht: Wem glauben? Sie sagten also zu dem Mann in der Kutsche: Der Schein spräche allerdings für ihn. Aber es sei nicht ihres Amts, Streitigkeiten dieser Art zu schlichten. So leid es ihnen tät— der Herr müsse aussteigen und mit ihnen dem Ankläger zum Richter folgen. Der Richter fragte, forschte, sah die Kleider, die Mäntel, sah die Männer an, horchte hinter ihre Worte, suchte durch ihre Gesichter bis zu ihren Herzen hinabzublicken. Aber wenn auch schließlich sein Glaube den Kutscher Kutscher, den Kaufmann Kaufmann nannte— Gewißheit, daß der vorgebliche Kaufmann Kutscher, der augenblickliche Kutscher Kaufmann sei, erhielt er durch sein Verhör nicht. Der Kaufmann in Kutscherkleidern schlug dem Richter vor, Zeugen aus Hamburg kommen zu lassen, die ihn trotz der Verschandelung durch die Dienergewandung erkennen würden. Der Kutscher in Kaufmannskleidern unterstützte diesen Vorschlag: Bekannte aus Hamburg? Sehr wohl. Er habe die Gegenüberstellung nicht zu fürchten! Der Richter aber lehnte ab: Zeugen? Mit deren Hilfe könne jedermann Richter sein. Entscheiden, was einer Entscheidung nicht mehr bedürfe? Wo in solchem Falle die Kunst seines Standes bleibe? Ohne Zeugen— deren Herbeischaffung den Austrag des Handels viele Wochen lang hinausschiebe— die Wahrheit durch innere Kräfte erkennen, Verworrenes mit Geisteshilfe durch unfehlbaren Spruch entwirren— das erst mache einen Richter, der solchen Ehrennamen verdiene. Man solle also die Streitenden nach draußen führen! Er wolle die Sache einige Minuten lang allein überdenken. Dann werde er die Wahrheit wissen und, wenn die Abgeführten wieder eingetreten wären, den Richtigen einsperren, den Richtigen zu seinem Wagen zurückgehen heißen. Der Kaufmann zitterte. Der Kutscher lächelte. Spitzweg:„Der Poet“ Der Kaufmann sprudelte das Harzgeschehnis hervor. Der Kutscher zuckte verächtlich die Mundwinkel. Dann ließ er sich aber doch herab zu sagen: Man sehe ihn und seinen ungetreuen Diener nur einmal aufmerksam an, so werde man wissen, wie's in Wahrheit ständ. Ein Windbeutel sei der leichtfertige Ankläger, ein Betrüger, der hinterlistig an sich bringen wolle, was ihm nicht gehöre! Daß der arme Schlucker in solche Versuchung geraten wär, könne niemand besser verstehn als er, dem bekannt sei, was er im Wagen mit sich führe. Nun aber genug, übergenug mit der Erklärung. Marsch, Kutscher! Wieder auf den angestammten Bock. Der Kaufmann beteuerte: Er sei der Besitzer des Wagens und seiner Schätze. Jener aber, der ihm Mantel Beide, der vor Ungewißheit Zitternde, der vor Gewißheit Lächelnde, mußten indes gehorchen und das Gerichtszimmer verlassen. Als sie der Tür nahe waren, rief der Richter plötzlich hinter ihnen her:„He, Kutscher!“ Da stand der von den Fortgehenden, welcher zu Unrecht die Kaufmannskleider trug, still, wandte mit einem Ruck den Kopf nach rückwärts und fragte, wie er es viele Jahre Tag für Tag bei diesem Anruf getan hatte: „Wohin——?“ „Ins Gefängnis!“ lautete der donnernde Fahrtbefehl des Richters. Dem ertappten Kutscher blieb nichts übrig, als die Wahrheit zu bekennen und für eine Reihe von Jahren sich mit jener grauen Gewandung zufrieden zu geben, die keinen Zweifel darüber zuließ, was er in Wirklichkeit war. Sorgloses Lehen auf dem Lande Von Johann Luzian Waldbauer Als Hannes, ein sorgloser Malersmann, auf das Land hinauszog und sich im Waldhaus einmietete, verbrachte er die ersten Wochen damit, die weitere Umgegend zu durchstreifen, immer auf der Suche nach neuen, schönen Ausblicken, mit denen das frühlingshafte oberbayrische Land überreich gesegnet war: in der Ferne die Alpenkette, Benediktenwand, Wendelstein, Zugspitze, davor der Peißenberg und all die kleinen grünenden Buckel und Höhen. Er machte auf seinem Fahrrad oder zu Fuß weite Reisen durch all diese schimmernde Herrlichkeit, seine Augen konnten garnicht genug trinken vom goldgrünen Ueberfluß. Wie leicht und fröhlich waren diese Tage. Dann nahm ihn sein Gärtchen gefangen, er grub und harkte, säte und pflanzte. Alles gedieh rasch und prächtig, Salate und Rettiche standen bald großartig da, jede Woche gab es neue Ueberraschungen, aber auch das Unkraut gedieh mit einer wunderbaren Lebenskraft. Nun verengte sich die Welt schon ein wenig, aus den Fahrten ins weite Land wurden bescheidenere Spaziergänge, im nahen Dorf war es ja auch sehr schön, man konnte hier zugleich allerlei Notwendiges und Nützliches besorgen. Unser Freund kam nicht mehr wie früher leichtbeschwingt daher, nein, er trug als Arbeitsmensch stets einen Rucksack bei sich, halbvoll, ganz voll mit lauter nützlichen Sachen. Er liebte sein Gärtchen sehr, und es ließ ihn nicht mehr los, auf kleine Nachlässigkeiten antwortete es sofort mit üppigem Unkrautwuchern. Weil unserem Freunde nun vor lauter Gärtnerarbeit die weitere Umgegend verschlossen war, gab er sich der näheren um so inniger hin. Er wollte verschiedenen Dingen einmal auf den Grund kommen. Daher baute er sich aus einer Kiste ein Terrarium. Hinter Glas und Draht hielt er Eidechsen und Schnecken, Kaulquappen und Laubfrösche, Mückenlarven und Erdgrillen gefangen, mehr gab es vorläufig nicht. Doch, er versuchte einer fesselnden Metamorphose beizuwohnen, der Verwandlung der Tagpfauenraupen in kleine hübsche Schmetterlinge, an einer Brennesselstaude saßen an hundert Raupen. Jeden Tag ging Hannes frische Brennesseln holen, um all die Raupen mit Nahrung zu versorgen. Sein Terrarium wurde das Gespräch unter der Dorfjugend. Man brachte ihm halbe Eidechsen, denen das Hinterteil fehlte, Merkwürdigkeiten für seine zoologische Sammlung. Sie sahen nicht schön aus, aber sie lebten mit den Raupen und Grillen zusammen und warteten auf Würmer und Fliegen. Man brachte ihm eine Ringelnatter und einen Salamander, Wasserspinnen und Blutegel für den Kaulquappenteich im Terrarium. Die Jungen aus dem Dorfe waren für jeden Groschen dankbar. Sie wurden deshalb oft geradezu erfinderisch. Denn der Mensch. der sich einmal der Natur hingibt und anfängt, auch in Unscheinbarkeiten die Wunder des Lebens zu sehen, drängt immer weiter, immer neue Gebiete eröffnen sich dem Liebhaber. Eines Tages kam unser Freund zur Fauna. Zwei junge Raben wurden aus dem Nest geholt, sié waren halbflügge, und Hannes übernahm mit väterlicher Liebe ihre weitere Aufzucht. Es sprach sich herum, und man brachte ihm eine leichtverletzte Misteldrossel, drei junge schreiende Stare, eine kranke Elster, zwei junge Tauben, die den ganzen Tag lebhaft gurrten. Die Raben krächzten nach Futter, die Stare schrien jedesmal ausgehungert, wenn er in die Nähe des Käfigs kam, die Elster allerdings ging lautlos ein, auch die Misteldrossel machte es nicht mehr lange, aber schon waren vier blutjunge Rotkehlchen da, über deren Zukunft Hannes den Kopf schütteln mußte. Was fressen diese Tiere alles! Die Raben ernährten sich mit der Zeit ja wohl selber. Ihre Flügel wurden gestutzt, und sie begannen im Garten herumzuhüpfen und nach Würmern zu suchen. Doch eines Großmütterchen Morgens um viere gab es ein großes Geschrei, die ganze Rabenschaft des Waldes war versammelt, um den beiden Abtrünnigen mit wohlgezielten Schnabelhieben das Lebenslicht auszublasen. Nun saßen die Unglücksraben mit schweren Kopfwunden in einer Kellerecke und genasen langsam bei guter Pflege. Aber ihr Besitzer wurde die Unruhe nicht mehr ganz los, daß sich das Drama eines Tages wiederholen könnte.— Ja, aber was fraßen die drei Stare? Ihr Stiefvater mischte täglich ein Viertelpfund Quark mit Semmelbröseln, hartgekochtem Ei und geschabten jungen Möhren, dazu kamen einige Ameiseneier und für jeden Vogel drei bis fünf Mehlwürmer am Tag. Diese künstliche Nahrung entsprach in ihrem Wert genau derjenigen, die Stare sich für gewöhnlich im Freien selber suchen. Es versteht sich, daß die Mehlwurmzucht in einem großen Steingefäß blühte. Es war ein lebhaftes Gewimmel in diesem Gefäß, das einen Sprung, eine kleine schadhafte Stelle hatte, durch die ab und zu ein paar Mehlwürmer entschwanden, Gott weiß, wohin.— Die jungen Rotkehlchen brauchten natürlich auch ihr Futter, aber sie waren bescheidener in den Mengen als die Stare, die prächtig gediehen. Dafür fraßen die beiden jungen Tauben leidenschaftlich gern und viel Körnerfutter. Das Terrarium verlangte wiederum hauptsächlich Insektennahrung. Hannes fing jeden Tag ganze Scharen von Fliegen. Er brachte es zu einer großen Kunstfertigkeit dabei. Wie ein Wegelagerer stand er regungslos lauernd an der Wand, dann— schwupp!— fuhr seine gewölbte Hand über die glattere oder rauhere Fläche, und der Brummer war sein Gefangener. Sie war oft nicht weniger aufregend, diese Fliegenjagd, wie eine richtige Treibjagd, von anderen Jagden ganz abgesehen. So verging der frühe Sommer. Zwei Kaninchen mit hübschen roten Augen und eine junge Ziege gehörten auch noch zu seinem Viehbestand. Hannes litt niemals an Langeweile. Er brauchte keine Spaziergänge mehr. Der Umkreis seines Hauses war seine Welt. In der ersten Morgenfrühe besorgte er den Garten, jätete und pflanzte, schnitt und rupfte. Dann sichelte er Gras und Kräuter für die Kaninchen, ließ die junge Ziege auf der Wiese grasen, und dann machte er das Vogelfutter zurecht. Bis zum Mittag fing er Fliegen oder grub nach Würmern. Aus den Kaulquappen wurden Frösche, aus den Raupen wurden durch eine heilige Verwandlung Schmetterlinge, aber es wurden nur wenige, und die Ringelnatter verschlang sie bald. Eines Tages jedoch erwachte in dem vielsorgenden Manne, der sich mit solcher Liebe den Instinkten seiner Tierwelt hingegeben hatte, sein eigener Instinkt als Mensch. Er schlug sich wie aus heiterm Himmel selber vor den Kopf. In der Nähe gingen nämlich zwei junge hübsche Mädchen vorüber, sie hatten Badezeug unter dem Arm und strebten zum See hinunter. Hannes aber war an seine Tiere gefesselt, war seinen Blumen, seinem Gemüse verpflichtet. Doch nun ließ er in einer völligen Pflichtvergessenheit seine Umwelt hungern und dürsten und ging, gleichfalls Badezeug unter dem Arm, hinter den Mädchen her. Zum ersten Mal badete er in diesem Sommer im See. Und am Abend ließ er die Stare fliegen, sie vereinigten sich rasch mit dem großen Schwarm, der vor Sonnenuntergang über das Haus zog. Die Rotkehlchen hüpften und flatterten fröhlich piepsend ins Gebüsch und blickten mit blanken, schwarzen Aeugelchen zurück. Die Raben ernährten sich selbst, sie brauchten nur noch aus dem Gedächtnis gestrichen zu werden, und die Tauben mochten sehen, wie sie fertig würden. Die junge Ziege und die Kaninchen kamen ins Dorf hinauf zu einem neuen Besitzer. Dann ging es an das Terrarium: die Schlange entwischte zischend, die Frösche hüpften langsam und beschaulich davon, der Salamander begleitete sie, die Eidechsen waren flinker, auch Grillen und Käfer suchten eilig neue Verstecke im Garten. Und als alles davongehüpft, geschlichen, geflogen, gekrochen war, nahm der Mann die lange Art vom Holzstoß und schlug das Terrarium, die Käfigesund Ställe mit gewaltigem Lärm in viele kleine Stücke. Die Splitter flogen dem Wütenden um die Ohren, aber er verzerrte keineswegs das Gesicht wie ein Berserker, nein, er machte einen ganz harmlosen, spitzen Mund, er pfiff, wahrhaftig, mitten in der Zerstörung von Welten pfiff er eine kleine, fröhliche, verliebte Melodie. Rückkehr von einer Reise Da wir gingen, fiel noch Schnee, Nun wir kommen, blühn die Rosen. Flaum und Duft von Aprikosen, Schläft die kleine Dorothee. Mond, der kalt in Felsen schien, Webt hier Schleier um das Kissen. Sterne, dort vom Firn gerissen, Hier am Sims des Bettchens knien. Und der kleinen Füße Zeh'n, Einst von Tuch und Band gehalten, Sagen durch der Decke Falten: Wißt ihr schon, wir können geh'n! Da wir gingen, fiel der Schnee— Erde stürmt in heißen Achsen, Und du bist zum Weg erwachsen, Allerkleinste Dorothee. Ruth Schaumann