mich. lucht. kam. gfalt feife. sechsprints. dert en. dubsich. Erscheint täglich. Bezugspreis monatlich durch Boten 2,10 Mk., durch die Post 2.20 Mk.(ohne Bestellgeld). Schriftleitung und Geschäftsstelle in Ahaus: van=Delden=Straße 8. Telegr.Adresse: Kreiszeitung Ahaus i. W. Fernruf Nr. 450. Postschließfach 65. Postscheck=Konto: Hannover 22 739. Amtliches Organ für den Kreis Ahaus. 54. Jahrgang. Geschäftsstelle in Gronau: Gebr. Lensing, Verlagsanstalt GmbH., Bahnhofstraße 2, Fernsprecher Nr. 260. Bankkonten: Kreis= und Stadtsparkasse Ahaus, Gewerbebank Ahaus und Städt. Sparkasse Gronau i. W. Anzeigenpreise: das 1spaltige Millimeter für die Zenozeitung 10 Pfg., für die Kreiszeitung für den Kreis Ahaus 3 Pfennig. Rabatt nach Tarif. Verlag: Gebr. Lensing, Verlagsanstalt G. m. b. H., Zweigniederlassung Ahaus. Nummer 190 Freitag, den 13. Juli 1934 Jahrgang 1934 els. hen ber dereßt so zu ber hrdie der n rg ge ht. lt elrt rriten 2n ge lm er te ch n. e 3 te u 8 S * r t 1 Ministerpräsident Göring über den 30. Juni und seine Rechtsfolgen. Eine Rede vor den Leitern der preußischen Staatsanwaltschaften. „Dus Recht und der Wille des Führers sind eins." DNB Berlin, 12. Juli. Der mit der Wahrnehmung der Geschäfte des preußischen Justizministeriums beauftragte Reichsminister der Justiz Dr. Gürtner hatte die Staatsanwälte und Oberstaatsanwälte Preußens am Donnerstag zu einer Besprechung einberufen. Auf der Sitzung, an der u. a. auch der Staatssekretär im preußischen Staatsministerium, Körner. der Staatssekretär im preußischen Justizministerium, Dr. Freisler, der Leiter des Geheimen Staatspolizeiamtes, Reichsführer der SS Himmler, und sein Stellvertreter, Gruppenführer Heidrich, teilnahmen, machte der preußische Ministerpräsident Göring u. a. folgende bedeutsamen Ausführungen: Aus der allgemeinen Lage in den letzten Wochen werden Sie ersehen haben, daß der Führer gewillt war und es durchgeführt hat, absolute Ordnung im nationalsozialistischen Staat zu schaffen. Der Führer hat ausdrücklich betont, daß er jeden Angriff und jede Unterwühlung des Staates als einen Angriff und eine Unterwühlung auch des Nationalsozialismus betrachtet. Es ist notwendig, das einmal ganz eindeutig festzustellen. Damit ergibt sich für Sie als Hüter des Rechts die große Aufgabe, diesen Staatmitallen Mitteln zu verteidigen und jeden Angriff gegen ihn. von welcher Seite er auch immer kommen mag, als Angriff auch gegen den Führer zu betrachten. Die Unsicherheit, die bis zu dem tatkräftigen Eingreifen des Führers zeitweise bestanden hat, ist jetzt behoben. Aufgabe der Justiz ist es, in verantwortungsbewußter, zielsicherer Arbeit ihr Teil zur gesetzmäßigen Festigung des Staates beizutragen. Wir kennen nicht den übertriebenen Satz, daß alles zusammenbrechen könne, wenn nur das Recht bleibt, wir sehen das Recht nicht als etwas Primäres an, sondern das Primäre ist und bleibt das Volk. Zuerst war das Volk, und das Volk hat sich das Recht und den Staat geschaffen. Das Recht ist die Grundlage für das Zusammenleben und das Zusammenwirken des Volkes. Deshalb sind wir zwar frei von einer formalistischen Ueberschätzung des Rechtsbegriffes, aber das Recht zur Erhaltung des Staates und des Volkes muß selbstverständlich mit allem Nachdruck vertreten werden. Zu diesem Rechtsbegriff gehört auch, daß jeder das Recht zu achten hat, gleichgültig, in welcher Stellung er sich befindet. Und dieses Recht, das muß immer wieder herausgestellt werden, ist ja von uns geschaffen, und dort, wo wir es vorfanden und es unserer Weltanschauung nicht entspricht, wird es umgeändert. Das Recht und der Wille des Führers sind eins. Das Recht darf daher von niemandem als etwas Feindliches angesehen werden. Daraus ergibt sich also, daß Sie dieses Recht des nationalsozialistischen Staates mit allem Nachdruck zu vertreten haben. Ich werde in Zukunft keine Nachsicht mehr üben gegenüber solchen, die in dieser Hinsicht ihre Pflicht nicht erfüllen. Selbstverständlich muß ich auch politisches Taktgefühl voraussetzen und erwarten. Es darf nicht ein formalistisches Vorgehen einsetzen. Daß aber eingeschritten wird gegen Vergehen, einerlei von wem begangen, ist der unerschütterliche Wille des Führers. Wenn ich Sie selbst heute berufen habe und Ihnen selbst die Dinge klarlegen will, so mögen Sie daraus auch erkennen, daß ebenso wie der Justizminister auch ich als Regierungschef Preußens rückhaltlos hinter allen Staatsanwälten stehen werde, die ihre Pflicht tun und ebenso rücksichtslos gegen die vorgehen werde, die ihre Pflicht nicht erfüllen. Ich möchte nun noch auf die Lage vom 30. Juni bis 2. Juli zu sprechen kommen. Was hier vor sich gegangen ist, war die Befreiung des deutschen Volkes von einer ungeheuren Gefahr, von einem ungeheuren Alpdruck. Nur durch das blitzartige Eingreifen des Führers und der von ihm Beauftragten konnte es gelingen, in so kurzer Zeit die Lage so restlos zu meistern, wie es geschehen ist. Das Handeln der Staatsführung in diesen Tagen war die höchste Verwirklichung des Rechtsvewußtseins des Volkes. Nachdem nun dieses Handeln, das ansich schon rechtens war, auch seine gesetzliche Normierung gefunden hat, kann keine Stelle mehr das Recht zu irgendeiner Nachprüfung dieser Aktion für sich in Anspruch nehmen. Niemand dürfte aber die Reinheit dieses Vorgehens trüben und aus selbstsüchtigen Beweggründen gegen den Willen des Führers eigenmächtig handeln. Soweit Ausschreitungen vorgekommen sein sollten, sind sie als Verbrechen ohne Ansehen der Person zu ahnden. Die Erfahrung zeigt auch, daß, wenn einmal Gericht gehalten ist, eine Unmenge von Verleumdungen hervortreten und an die Staatsanwaltschaft herangetragen werden. Ich verlange, daß solchen Verleumdungen auf das schärfste entaegengetreten wird. Auf der anderen Seite verlange ich aber auch unnachsichtige Strafverfolgung und strengste Bestrafung, wenn eine Beschuldigung sich als richtig erweist. Ich habe eingangs gesagt, daß ich von Ihnen verlange, daß Sie die durch die Tat des Führers gereinigte Atmosphäre rein erhalten und sollen. Ich habe Sie hierher gebeten, um Ihnen für Ihr schweres und verantwortungsvolles Amt den vollen Rückhalt der Staatsführung zu geben. Ich habe Ihnen klar zum Ausdruck gebracht, daß die Herrschaft des Rechts unnachsichtlich zu sichern ist. Es kann nur eine Rechtsauffassung geben, und zwar die, die der Führer selbst festgelegt hat. Es darf nicht vorkommen, daß irgendeine Persönlichkeit kraft ihrer Stellung oder ihres Amtes zu einer Plage für die Bevölkerung wird. Sie haben— ohne Ansehen der Person— so zu handeln, wie das Gesetz es Ihnen gebietet und wie es die Staatsführung von Ihnen verlangt. Reichsjustizminister Dr. Gürtner sprach dem preußischen Ministerpräsidenten Göring seinen besonderen Dank aus für die ernsten und ungewöhnlich eindrucksvollen Ausführungen, in denen er alles behandelt habe, was den Anwesenden auf dem Herzen brenne. Er gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Vertreter der Staatsanwaltschaft diese Besprechung mit einem Gefühl der inneren Sicherheit verlassen könnten, die Voraussetzung sei für die Verantwortung„die von jedem verlangt werden muß. Staatssekretär Hierl über die Arbeitsdienstpflicht. DNB Königsberg, 12. Juli. Staatssekretär Hierl, der z. Zt. auf einer Besichtigungsfahrt der Arbeitsdienstlager in Östpreußen weilt, gewährte einem Vertreter der„Preußischen Zeitung“ eine Unterredung, in der er über die Zukunft des deutschen Arbeitsdienstes sprach. Staatssekretär Hierl erklärte u. a.: Alles ist für die Einführung der Arbeitsdienstpflicht vorbereitet. An der Organisation des heutigen Freiwilligen Arbeitsdienstes wird sich dabei nichts ändern. Ein pflichtmäßiger Jahrgang wird 300000 Mann kaum übersteigen, während zur Zeit 230 000 Arbeitsmänner im Dienst stehen. Die Führer= und Unterführerfrage ist nach anfänglichen Schwierigkeiten jetzt restlos geklärt. Eine Ergänzung des Führerkorps von außen ist nicht notwendig, da der Arbeitsdienst seinen Führerstand organisch aus den eigenen Reihen auffüllen kann. In ihm entsteht ein neuer Führertyp, der die Eigenschaften eines Arbeiters, eines Ingenieurs und eines Soldaten in sich vereinigt. Riesiges Aufrüstungsprogramm für die englische Luftflotte. Rund 1000 neue Flugzeuge für heer und Marine. £ London, 12. Juli. Das Aufrüstungsprogramm für die englische Luftflotte, das Baldwin vor der Sommervertagung des Parlaments mitteilen wird, umfaßt, Pressemeldungen zufolge, u. a. folgende Maßnahmen: Die Gleichheit der englischen Luftstreitkräfte mit der französischen Luftflotte soll durch ein Fünf=Jahresprogramm bis zum Jahre 1940 hergestellt sein. Bis zu diesem Zeitpunkt wird die englische Luftflotte etwa 48 bis 50 neue Geschwader, d. h. rund 500 neue Kriegsflugzeuge, in Dienst stellen, falls das Programm nicht durch eine Aenderung in der internationalen politischen Lage eingeschränkt wird. Die Erhöhung des englischen Luftfahrthaushalts im nächsten Jahr wird voraussichtlich eine Million Pfund betragen. Weitere Erhöhungen werden in den darauf folgenden Jahren eintreten. Die Luftstreitkräfte der englischen Hochseeflotte werden gleichfalls um etwa 400 bis 500 Flugzeuge verstärkt werden. Die genaue Zahl hängt jedoch von dem Ergebnis der nächstjährigen Flottenkonferenz und davon ab, ob Amerika und Japan einer von England gewünschten Einschränkung ihrer Flottenluftstreitkräfte zustimmen. Etwa 12 bis 15 neue Kriegsflugplätze sollen in verschiedenen Landesteilen Englands errichtet werden, davon drei im Süden, Südosten und Osten von London und ein vierter stark geschützter Flugplatz für Bombenflugzeuge im Nordwesten der Hauptstadt. Gleichzeitig wird das Luftfahrtministerium einen intensiven Rekrutierungsfeldzug für die verstärkte Luftflotte durchführen. Wahrscheinlich wird auch die englische Territorialarmee mit Kampf= und Verfolgungsflugzeugen ausgerüstet und damit in den Rahmen des allgemeinen Luftverteidigungssystems einbezogen werden. Die japanische Marine bestellt 288 Flugzeuge. DNB Tokio, 12. Juli. Wie das Marineministerium mitteilt, sind im Verfolg des Dreijahresplanes zur Verstärkung der Luftstreitkräfte der japanischen Marine Aufträge zum Bau von 288 Flugzeugen erteilt worden, die bis 1937 fertiggestellt sein sollen. Die Gelder für den Bau des Luftgeschwaders sind bereits zur Verfügung gestellt. Amerikanische Schlachtschiffpläne. § Washington, 12. Juli. Marinesekretär Swanson erklärte vor Pressevertretern, die Marine habe die Pläne für wenigstens zwei 35 000=Lonnen=Schlachtschifse fertiggestellt, angesichts der Möglichkeit, daß ihr Bau notwendig werden könnte, was hauptsächlich von den Ergebnissen der Londoner Flottenkonferenz abhänge. Der Duce drischt Getreide in Littoria. Der italienische Ministerpräsident Mussolini beteiligte sich in der nunmehr einjährigen Stadt Littoria, die bekanntlich auf den urbar gemachten Pontinischen Sümpfen entstanden ist, persönlich an der Tagesrundschau. 311 In den Besprechungen des franOstlacarn- zösischen Außenministers Barthou deun: mit den Vertretern der englischen Regierung sind drei Fragen erörtert worden: erstens der von Frankreich und Sowjetrußland gemeinsam geforderte Östpakt, gewöhnlich Ostlocarno genannt, zweitens der von Frankreich und der Kleinen Entente gewunschte Mittelmeerpakt und drittens der Eintritt Sowjetrußlands in den Völkerbund. Das Hauptthema scheint Östlocarno gewesen zu sein, und Barthou ist es, wie nicht mehr zu bezweifeln ist, gelungen, die Mitwirkung der Engländer an dem Zustandekommen dieses Paktes zu gewinnen, mögen sie auch dabei Bedingungen hinsichtlich der Rüstungsfrage gestellt haben. Was versteht die Welt unter einem Östlocarno? Der Sprachgebrauch knüpft an den bekannten Pakt von Locarno im Jahre 1925 an, der Westeuropa befriedete. Unter einem Östlocarno sind also bestimmte Verpflichtungen östlicher Staatengruppen zu verstehen, sich automatisch gegen jeden Angreifer aus ihrer Mitte zu wenden. Die Möglichkeit eines Krieges im Nahen Osten soll durch den Pakt auf ein Mindestmaß herabgesetzt werden. An dem Östlocarno sollen beteiligt sein: Sowjetrußland, die baltischen Staaten, Polen, die Tschechoslowakei und Deutschland. Und wie im Vertrag von Locarno, der die deutsch=französische und deutsch=belgische Grenze betrifft, England und Italien als Bürgen auftreten, so soll, nachdem England jede weitere Bindung über den Pakt von Locarno hinaus abgelehnt hat, für den Östpakt Frankreich Bürge sein. Andererseits soll die Sowjetunion nach Barthous Absicht mit einer allerdings nicht ganz klaren Bürgschaft in das Abkommen von Locarno eintreten. Der Inhalt des Ostpaktes würde sein: erstens„Konsultation“ im Falle der Bedrohung eines der Paktteilhaber, zweitens Nichtangriffsvertrag und drittens Verpflichtung zu gegenseitiger militärischer, erforderlichenfalls auch wirtschaftlicher und anderer Hilfe im Falle des Angriffs eines der Beteiligten. Was ist vom deutschen Standpunkt zu diesem Paktplan zu sagen, zu dessen Empfehlung in Berlin und— was für das jetzige französisch=polnische Verhältnis bezeichnend erscheint— in Warschau sich die englische Regierung verpflichtet hat? Schon im Vertrag von Locarno ist darauf Rücksicht genommen worden, daß Deutschland sich angesichts seiner militärischen Schwäche nicht an Sanktionen beteiligen kann. Es kann es auch heute noch nicht, und es trifft auch heute noch zu, daß Deutschland im Falle einer kriegerischen Verwicklung Amboß für alle schlagenden Teile werden würde. Denn wer will bezweifeln, daß jede Verwicklung im Östen nach Westen übergreifen, daß Deutschland dann das Schlachtfeld Europas werden würde? Wenn Frankreich Deutschland angreift, müßte nach den Bestimmungen des Ostpaktes Rußland seine ganze Militärmacht in Bewegung setzen, Polen wäre Durchmarschgebiet und Deutschland der Kriegsschauplatz. Umgekehrt: Würde Rußland Polen nagreifen, müßte Frankreich über Deutschland nach Osten marschieren. Immer wäre Deutschland mit im Spiel, mindestens als Aufmarschgebiet. Ist es da verwunderlich, daß Deutschland einem Östlocarno widerstrebt, ihm widerstreben muß? Daß es solch einem Massenvertrage Verträge zu Zweien von der Art des deutschpolnischen Nichtangriffspaktes vorzieht? Dieser Östpakt würde ebenso wie der Locarno= und der Mittelmeerpakt, an dem Italien, Rumänien und Südslawien beteiligt sein würden und gegen den in der italienischen Presse scharfe Ablehnung laut geworden ist, allein im französischen Interesse liegen. Hat England sich für diese Paktpolitik gewinnen lassen, so heißt das nichts anderes, als daß es die Hegemonie Frankreichs in Europa anerkannt hat. Wir aber wollen angesichts dieser französischen Paktpolitik das eine nicht aus dem Auge lassen, daß letzter Grund für alles, was Barthou, der gelehrige Schüler Clemenceaus, tut, nur darauf abzielt, der deutschen Forderung nach militärischer Gleichberechtigung auszuweichen und dieses deutsche Recht zu hintertreiben. Den anderslautenden Aussichten gegenüber, die uns in dieser Hinsicht jetzt in der englischen Presse gemacht werden, ist größtes Mintrauen am Platze. Daß Polen an einem Östlocarno Gefallen finden könnte, können wir uns auch nicht gut vorstellen. Es müßte damit rechnen, daß bolschewistische Truppen durch sein Gebiet zögen und sich vielleicht länger darin aufhielten. Dann würde es den BolBesuch Dollfuß bei Mussolini Mitte nächster Woche. DNB Wien, 12. Juli. Der Besuch Dollfuß' bei Mussolini in Riccione findet, wie nunmehr von unterrichteter Seite verlautet, bereits Mitte nachster Woche statt. Der Bundeskanzler werde abreisen, sobald die Uebernahme der Ministerposten durch die Mitglieder der Regierung stattgefunden habe. Der Staatssekretär des Aeußeren, Tauschitz, wird bereits am Donnerstag seinen Posten antreten. Frau Dollfuß mit ihren Kindern begibt sich schon Ende dieser oder Anfang nächster Woche nach Riccione. Von amtlicher Seite werden die Meldungen über einen an dem Besuch in Riccione sich anschließenden Besuch des Bundeskanzlers in Paris dementiert. Ein der Kommt ein Konkordat schewismus im Lande haben, gegen dessen Ausstraylungen es sich in den vergangenen Jahren mit aller Schärfe aus begreiflichen Gründen gewandt hat. Diese Gefahr könnte auch nach dem vollständigen Wechsel in der russischen Außenpolitik, wie er in der Bereitschaft zum Eintritt in den früher scharf bekämpften Völkerbund mit dessen grundsätzlicher Basis der Schiedsgerichtsbarkeit zum Ausdruck kommt, nicht geringer angesehen werden. Durchaus offen ist noch, was die anderen Völkerbundsstaaten zu dem Eintritt Sowjetrußlands sagen werden. Bekannt ist, daß die Schweiz scharf dagegen ist. Auch von der Rückkehr Deutschlands nach Genf ist in London gesprochen worden. Die Gesamtpolitik Barthous aber ist, das muß klar ausgesprochen werden, denkbar ungeeignet, Deutschland in den Völkerbund zurückzuführen. Das hätten sich schließlich auch die Engländer sagen können. * Im Freistaat Danzig hatte vor kurzem der katholische Caritasverband eine Sammlung von Beiträfür Bünzig gen eingeleitet, die nach Ansicht der Regierung nicht zulässig war. Denn sie hatte sämtliche öffentlichen Sammlungen verboten und sie lediglich den vom Staat genehmigten Wohlfahrtsorganisationen vorbehalten. Gegen die von der Regierung angeordnete Einstellung der Sammlung legte der Bischof von Danzig in einer Unterredung mit dem Präsidenten des Senats Dr. Rauschning Beschwerde ein. Dieser hat danach ein Schreiben an den Bischof veröffentlicht, in dem er sein Befremden darüber zum Ausdruck bringt, daß von der in der Unterredung erzielten Einigung in einem Hirtenbrief nicht die Rede gewesen ist, der inzwischen von allen katholischen Kanzeln der Freien Stadt verlesen wurde. Nach Ansicht des Präsidenten des Senats war nämlich eindeutig vereinbart worden, daß der Caritasverband das Recht haben sollte, von seinen eignen Mitgliedern Beiträge einzuziehen, aber er sollte keine öffentliche Sammlungstätigkeit ausüben. Die Danziger Regierung, so betont der Präsident des Senats in seinem Schreiben weiter, wiederholt nunmehr schriftlich die mündlich gegebene Erklärung, daß der Senat der Freien Stadt Danzig wie bisher so auch in Zukunft Eingriffe in die elementaren Rechte der katholischen Kirche weder selbst veranlassen noch dulden wird. Der Senat hat vielmehr durch seine wiederholt kundgegebene Absicht, mit der katholischen Kirche ein Konkordat abzuschließen, seinen eindeutigen Willen zum Ausdruck gebracht, der Kirche weitgehende Rechte in einem Staatsvertrag zuzusichern. Der Danziger Senat legt aber Wert auf die Feststellung, daß er den konfessionellen Frieden mit allen Mitteln aufrechtzuerhalten sucht und daß er daher erwartet, daß auch von der katholischen Kirche die Grenzen zwischen religiöser Betätigung einerseits und einer parteipolitischen Kritik an Regierungsmaßnahmen andrerseits sorgfältig beachtet werden. Das Wichtigste an diesem Schreiben, zu dessen Hinweis auf parteipolitische Kritik bemerkt sei, daß das Zentrum in Danzig noch besteht, ist ohne Frage die erneut in aller Form kundgetane Absicht der Regierung des Freistaates, mit der Kurie ein Konkordat abzuschließen. Die Antwort darauf dürfte wohl alsbald aus Rom erfolgen. Die Organisation der Wirtschaftsführung. Erklärungen des Grafen von der Goltz. DNB Berlin, 12. Juli. Der mit der Führung der Wirtschaft beauftragte stellvertretende Führer der Wirtschaft Grafvon der Goltz machte heute vor Pressevertretern Ausführungen über die Organisation der Wirtschaftsführung. Graf von der Goltz führte etwa folgendes aus: „Die in der Führung der Wirtschaft tätigen Personen sind alles Männer des praktischen Lebens, welche Besseres zu tun haben, als etwa eine Organisation als Selbstzweck aufzubauen und zu beschäftigen. Immerhin sind ohne die Wirtschaftsorganisation entscheidende Aufgaben der Wirtschaft nicht zu lösen. Und es hat sich bereits gezeigt, daß in sehr vielen Fällen durch die neue Organisation viele bisherige Verbände infolge Zusammenschluß überflüssig werden konnten. Die Wirtschaft ist bekanntlich in 13 Hauptgruppen mit fachlichen Untergliederungen aufgeteilt. Regional wird in den Treuhänderbezirken und später in den Reichsgauen eine entsprechende Zusammenfassung der 13 Bezirkshauptgruppenführer einschließlich der Präsidenten der Industrie= und Handelskammern und Handwerkskammern erfolgen. Der Reichsstand der Industrie ist in diesem Zusammenhange zu einer Reichsarbeitsgemeinschaft und Ausgleichsstelle der sieben industriellen Hauptgruppenführer in allen für diese Hauptgruppen gemeinsamen Angelegenheiten geworden. Die Personenauswahl, die zugleich auf die notwendige fachliche Eignung wie auf das notwendige Vertrauen der nationalsozialistischen Bewegung Rücksicht zu nehmen hatte, war nicht einfach und verzögerte den Aufbau. Immerhin ist zu rechnen, daß Ende Juli die rundsätzlichen organisatorischen Arbeiten im wesentlichen eendet sind. Für eine nationalsozialistische Führerorganisation der Wirtschaft ergibt sich von selbst die Aufgabe, im Wege der Selbstverwaltung den nationalsozialistischen Grundsatz zur Tat werden zu lassen, daß die Wirtschaft dem Volke dient. Es handelt sich demgemäß um keinen Interessenverband, geschweige denn einen Arbeitgeberverband, sondern um eine gesetzliche Zusammenfassung aller deutschen Betriebsführer für ihre bei der Führung der Betriebe an sie herantretenden wirtschaftspolitischen Aufgaben. Eine Ehrengerichtsordnung wird die völlige Ausmerzung aller volkswirtschaftlichen Schädlinge ermöglichen, die als Betrüger,.Wucherer, Preistreiber oder dgl. schuldig werden, allerdings auch solcher Leute, die durch unbegründete Denunziation um eigenen Vorteils willen Konkurrenten vor ein Ehrengericht zu schleppen suchen. Empfang des Reichsbischofs durch den Reichskanzler. DNB Berlin, 12. Juli. Anläßlich der Eingliederung der ersten süddeutschen Landeskirche in die evangelische Reichskirche wird Reichskanzler Adolf Hitler den Reichsbischof Ludwig Müller und den Rechtswalter der evangelischen Kirche, August Jäger, empfangen. Der Reichskanzler verfolgt mit Interesse das stetige Vorwärtsschreiten des großen evangelischen Einigungswerkes und der damit verbundenen Befriedung des kirchlichen Lebens. Der Empfang des Reichsbischofs und des Rechtswalters ist auf den kommenden Montag festgesetzt. Die Mitglieder des Volksgerichtshofes ernannt. DNB Berlin, 12. Juli. Der Reichskanzler hat am Donnerstag auf Vorschlag des Reichsjustizministers die Mitglieder des Volksgerichtshofesernannt. Der feierliche Zusammentritt des Volksgerichtshofes erfolgt am Sonnabend, dem 14. Juli, vormittags 10 Uhr im Großen Sitzungssaal des Preußenhauses, Eingang Prinz=AlbrechtStraße. Reichsjustizminister Dr. Gürtner wird die Einführungsrede halten und die feierliche Verpflichtung der Mitglieder des Volksgerichtshofes vornehmen. Eine solche Ehrengerichtsordnung soll ein Leistungsprinzip unter Ausschaltung unanständiger Arbeitsmethoden ermöglichen. Demgemäß sind die wirtschaftspolitischen Verbände mit der für sie geltenden Zwangsmitgliedschaft auch keine Kartelle mit marktregelnden Funktionen, sondern haben in dieser Beziehung nur Aufgaben der Beobachtung. Im übrigen ist die Organisation der Selbstoerwaltungsapparat für eine nationalsozialistische Wirtschaftspolitik. Der politische Führer der Wirtschaft ist der für die Wirtschaft politisch verantwortliche Reichswirtschaftsminister. Aber von ihm ist die Organisation für eine nationalsozialistische und wirtschaftlich vernünftige unbürokratische Durchführung des Willens der politischen Wirtschaftsführung geschaffen. Demgemäß ist anzunehmen, daß beispielsweise bei allen Anordnungen für die Exportbeförderung, Rohstoffverteilung und Rohstoffauswechslung die Selbstverwaltung der Wirtschaft eine wesentliche Rolle spielen wird. Darüber hinaus wird die Selbstverwaltung der Wirtschaft in ihren eigenen Reihen die Fragen durcharbeiten und klären, die sie bedrücken, oder die zur Förderung nationalsozialistischer Volksgemeinschaft oder Volksversorgung zu lösen sind. Gewiß ist für die Förderung der Ausfuhr in dieser Richtung zu arbeiten und wie bei jeder anderen Gelegenheit so auch hier zu betonen, daß die deutsche Volkswirtschaft willens ist, mit dem Auslande Tauschbeziehungen aufrecht zu erhalten und zu fördern. Ebenso sicher aber ist, daß ein nationalsozialistisches Deutschland sich in dieser Richtung nicht von dem mangelnden Willen, deutsche Gegenwerte, für die erwünschte Einfuhr anzunehmen, abhängig machen kann.„Und so wird neben der Frage der Arbeitsbeschaffung die Frage einer Besserung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit Deutschlands unter entsprechender Lenkung des Außenhandels und Stärkung der innerdeutschen Rohstoffgrundlage Gegenstand eingehender Ueberlegungen auch der wirtschaftlichen Selbstverwaltung sein. Gewiß und selbstverständlich liegen auch hier wie überall die letzten Entscheidungen bei dem Führer und seinem Reichswirtschaftsminister; aber fachlich vollendete und von nationalsozialistischem Geiste getragene Vorarbeiten der Wirtschaft im engsten Einvernehmen mit den maßgebenden Stellen erscheinen für eine nationalsozialistische Wirtschaft, die sich für ihr Schicksal mit verantwortlich fühlt, unerläßli So tritt die technische Frage der Organisation bereits weit zurück hinter den großen Aufgaben, die sich mehr und mehr abzeichnen. Und so wird die Organisation der Wirtschaft keine überflüssige Organisation äußeren Scheins, sondern eine Organisation der Arbeit sein. Bechsmaliger Vorstoß Moskaus in Paris. Die Absichten Frankreichs. (!) Paris, 12. Juli. Der Außenpolitiker des„Echo de Paris“, Pertinax, befaßt sich am Donnerstag nochmals mit den Londoner Besprechungen Barthous und setzt die Absichten Frankreichs wie folgt auseinander: Rußland habe sich seit dem Herbst sechs Mal an die französische Regierung gewandt und Vorschläge für eine diplomatische und militärische Zusammenarbeit gemacht. Beim letzten Mal habe Frankreich nicht umhin gekonnt, näher auf die russischen Wünsche einzugehen. Daraus sei der Plan eines Östlocarno entstanden. Wenn Deutschland und Italien diesen Plan nicht annehmen würden, dann werde die französische Regierung trondem ihre Bemühungen fortsetzen, um Rußland, die Kleine Entente, die baltischen Staaten und die Balkanstaaten zusammenzubringen. Dieses Abkommen würde aber mehr oder weniger den Stempel eines Defensivabkommens nach dem Muster des Balkanpaktes tragen. Barthou habe sich für diesen Fall in London volle Handlungsfreiheit vorbehalten. Es liege daher im Interesse auch der englischen Regierung, Rom und Berlin davon zu überzeugen, daß der französische Plan nicht abgeändert werden dürfe. In diesem Zusammenhang weist Pertinax noch darauf hin, daß der englische Gesandte in Warschau ebenfalls bei der polnischen Regierung vorstellig werden würde. Aus der Tatsache, daß die polnische Regierung durch den englischen Gesandten unterrichtet werde, müßten also tiefgehende Schlüsse auf die französisch=polnischen Beziehungen gezogen werden. Schließlich habe man in London noch beschlossen, das Büro der Abrüstungskonferenz im September einzuberufen. Wenn aber bis Ende dieses Jahres keine positiven Ergebnisse in der Abrüstungsfrage erzielt würden, dann werde man geben. die Konferenz endgültig aufBarthou erstattet Bericht. (!) Paris, 12. Juli. Im Ministerrat erstattete Außenminister Barthou am Donnerstag Bericht über seine Reise nach Rumänien und Südslawien und die Verhandlungen mit der englischen Regierung. In der amtlichen Verlautbarung über die Ministerberatung heißt es, die Londoner Verhandlungen haben besonders über einen regionalen Ostpakt zu einer völligen Uebereinstimmung der Auffassungen und zu Ergebnissen geführt, die geeignet sind, den europäischen Frieden zu festigen. Sir John Simon hat übrigens an Barthou ein Antworttelegramm auf dessen Dank für den ihm in London bereiteten Empfang gerichtet:„Ebenso wie Sie bin ich der Ansicht, daß unser Meinungsaustausch nicht verfehlen kann, das gute Einvernehmen zwischen beiden Ländern und die Festigung des europäischen Friedens zu fördern.“ Deutsche Gleichberechtigung und Ostlocarno. £ London, 12. Juli. Die zuerst von französischer Seite geäußerte Vermutung, daß Frankreich möglicherweise Zu Der deutsche Kreuzerbesuch in England. Freundliche Aufnahme unserer blauen Jungen. DNB London, 12. Juli. Der deutsche Botschafter von Hoesch gab heute in der Botschaft im Carlton Hotel Terrace ein Frühstück zu Ehren der Offiziere der Kreuzer„Noiigsberg und„Leipzig“. Daran nahmen die jöchsten britischen Flottenoffiziere und der Erste Seelord, Sir Bolton Ecres Monsell. teil. Offiziere und Mannschaften der deutschen Kreuzer sogen am Donnerstag durch die Straßen Londons, um die Sehenswürdigkeiten der englischen Hauptstadt zu beichtigen. Sie besichtigten u. a. das Parlament und das englische Kriegerdenkmal in der White Hall. Das Auftauchen der in voller Gala befindlichen und mit dem Eisernen Kreuz geschmückten deutschen Marineoffiziere im Londoner Straßenbild rief beträchtliches Aufsehen und Bewunderung hervor. Viele der blauen Jungen hatten Einladungen von englischen Freunden erhalten und wurden in Kraftwagen durch die Straßen Londons geführt. Die englische Presse widmet dem ersten Besuch deutscher Kriegsschiffe seit dem Weltkrieg in England große und durchweg freundliche Aufmerksamkeit. Alle Zeitungen veröffentlichen Bilder der deutschen Kriegsschiffe und Besatzungen. Ueberall wird hervorgehoben, daß die deutschen Matrosen einen hervorregenden Eindruck sowohl bei ihren englischen Kameraden, als auch bei der Bevölkerung von Portsmouth gemacht haben. „News Chronicle“ schreibt: Die deutschen Matrosen haben Portsmouth erobert. Vor wenigen Jahren noch hätte die Nachricht die Bevölkerung in Bestürzung versetzt. Aber heute, wo die„Königsberg“ und die„Leipzig“ beinahe im Schatten der berühmten „Victory“ im Hafen von Portsmouth Anker geworfen haben, begrüßt die englische Flotte den früheren Feind mit Salutschüssen, mit offenen Armen und einem Lächeln der Freundschaft. Ueberall sah man englische und deutsche Offiziere sich freundschaftlich unterhalten, während die Mannschaften beider Nationen Armin Arm durch die Straßen spazierten, kleine Schießkonkurrenzen auf der Vergnügungsmesse veranstalteten und zusammen um die Militärkapelle herumtanzten. Ueberall ließen die englischen und die deutschen Matrosen das Vergangene vergangen sein — wir hoffen, für immer. Britische Matrosen sprechen selten ihre Anerkennung für andere Flotten aus. Aber gestern erklärten sie, daß die deutschen Matrosen die schneidigsten seien, die sie jemals gesehen haben. Der Bericht endet mit den Worten: In Portsmouth ist die Flagge der Freundschaft aufgezogen worden und jedermann wird hoffen, daß sie lange gehißt bleiben wird. „Daily Mail“ überschreibt ihren Bildbericht mit den Worten:„Die deutsch-englische Flottenentente“. Das Blatt schreibt u. a.: Die amtlichen englischen Besucher auf den deutschen Schiffen wurden sehr gastfreundlich empfangen.—„Evening Standard“ überschreibt seine Meldung:„Heil der deutschen Flotte!“ und schreibt: Die deutsche Flotte marschierte heute im Londoner Westend ein. Deutsche Torpedoboote in Kopenhagen DNB Kopenhagen, 12. Juli. Am Freitag früh haben sich in Kopenhagen deutsche Torpedoboote zu einem viertägigen Besuch eingefunden. Es handelt sich um die in Wilhelmshaven stationierte Torpedoboots=Halbflottille mit den Booten„Falke“,„Greif“,„Möve“,„Kondor“. Die Schiffe, die eine Besatzung von etwa 450 Mann haben, unterstehen dem Kommando des Korvettenkapitäns Heye. geständnisse an die deutschen Gleichberech tigungsforderungen machen werde, wenn Deutschland an dem osteuropäischen Hilfeleistungspakt teilnehme, wird heute von zwei englischen Blättern kurz gestreift. Der diplomatische Mitarbeiter des„Daily Telegraph“ schreibt, einer der Gründe, der die englische Regierung dazu veranlaßte, ihre platonische Zustimmung und ihre diplomatische Unterstützung für ein echtes Ostlocarno zu versprechen, sei die Hoffnung, daß ein solcher Pakt möglicherweise einen Ausweg aus der gegenwärtig verfahrenen Abrüstungslage schaffen könnte. Sir John Simon besteht darauf, daß die Unterzeichnerstaaten eines solchen Paktes gleiche Rechte und Verpflichtungen genießen sollen. Wenn daher Paris diese Frage mit Berlin aufnehme, werde die deutsche Regierung in der Lage sein, von neuem für die Anerkennung der deutschen Gleichheitsforderung durch Frankreich zu verhandeln. Der diplomatische Mitarbeiter der„News Chronicle“, Vernon Bartlett, meldet, es bestehe jede Wahrscheinlichkeit, daß das durch eine Beteiligung Deutschlands am Ostlocarnopakt verursachte zusätzliche Sicherheitsgefühl in Frankreich die französische Regierung in die Lage setzen wurde, ihre Stellungnahme gegenüber der deutschen Gleichheitsforderung neu zu erwagen. Die englische Regierung werde keine Zeit verlieren, Deutschland die Vorteile des Paktes darzulegen. Wichtige Entwicklungen seien nicht vor dem Herbst zu erwarten, wenn die Sowjetunion voraussichtlich Mitglied des Völkerbundes ist. Der Londoner französische Botschafter Corbin habe den räterussischen Botschafter Maisky über die „guten Ergebnisse" des Barthou=Besuches unterrichtet. Reuter zufolge soll in den nächsten Tagen eine weitere Zusammenkunft zwischen beiden Botschaftern stattfinden. Die hauptsächlichsten Vorbereitungsmaßnahmen für den osteuropäischen Pakt würden von jetzt an von der Sowjetunion übernommen werden, da Frankreich seinerseits nicht die Absicht habe, ihm beizutreten. In der nahen Zukunft sei mit russischen Schritten in Berlin, Warschau und Prag zu rechnen, und Litwinow werde seine„gewinnenden Eigenschaften“ hauptsächlich auf Berlin konzentrieren. Presse betont auch bei dieser Gelegenheit wieder, daß die Flamen, getreu der geschichtlichen Ueberlieferung, über die Erhaltung der unbedingten Selbständigkeit und Unabhängigkeit des Landes gegenüber den westlichen Nachbarn wachen müßten. In Antwerpen wurde eine Gruppe Dinasos (Dietsche National=Solidaristen), die auf dem Heimwege von ihrem Versammlungslokal waren, von Kommunisten überfallen. Dabei wurden fünf Nationalsolidaristen zum Teil schwer verletzt. Die Kommunisten versuchten, das Versammlungslokal der Dinasos zu stürmen, wobei sämtliche Fensterscheiben in Trümmer gingen. Die Dinasos leisteten hartnäckigen Widerstand bis Polizei eintraf und den Zwischenfällen ein Ende bereitete, Die Bischofsweihe in Hildesheim. X Hildesheim, 12. Juli. Die Konsekration und Inthronisation des Bischofs Dr. Joseph Machens wird am Mittwoch, dem 25. Juli d. J., im hohen Dom zu Hildesheim stattfinden. Als Konsekrator wird der Kardinal=Erzbischof von Breslau, Dr. Adolf Bertram, fungieren und der Bischof von Berlin, Dr. Nikolaus Bares, assistieren. Gemütliches Eisenbahnfahren in Oberbayern. Eine originelle Neuerung der Reichsbahndirektion München. DNB München, 12. Juli. Die Reichsbahndirektion München hat Mittwoch einem“ Vertreter des„Völkischen Beobachters“ in den Eisenbahnreparaturwerkstätten Neuaubing eine interessante Neuerung vorgeführt, wie sie in ganz Deutschland noch nicht besteht. Das Reichsbahnzentralamt München hat eine Zugeinheit von vorläufig 12 Wagen zusammengestellt, die in ihrer Innenausstattung ganz neue Wege im Reichsbahnwesen weist. Reichsbahnoberbaurat Saenger hat als Innenarchitekt die Ausstattung besorgt. Durch verschiedenfarbige Tönung der Innenwände und Anbringung von duftig wirkenden Indanthren=Vorhängen sind die Abteile in kleine Wohnungen verwandelt worden, wie sie jedem Wochenendhäuschen zur Zierde gereichen würden. Jede Abteilung ist anders getönt und besitzt so eine eigene Note. Mit künstlerischem Geschmack sind zu diesem Anstrich die Vorhänge gewählt und tragen viel zu dem wohnlichen Charakter der Wagen bei. Die Wände sind mit Neudrucken alter bayerischer Kupferstiche geschmückt, die Schlösser, Burgen, Klöster und Städte Bayerns darstellen. Die ganze Zugeinheit vermittelt einen überaus freundlichen Eindruck und läßt den Reisenden vergessen, daß er sich in einem Zug befindet. Auf den Ausflugstrecken eingesetzt, bietet dieser Zug schon einen Vorgeschmack von Freuden eines Wochenendes, da er ganz auf den ländlichen Charakter abgestimmt ist. Der neue Zug wird in der nächsten Woche dem Verkehr übergeben. Ob weitere solcher Züge ausgestattet werden, hängt von der Aufnahme beim Publikum ab. Ein interessanter Filmgagenprozeß. Hans Albers vom Landesarbeitsgericht Berlin abgewiesen. Berlin, 12. Juli. Vor dem Landesarbeitsgericht Berlin wurde am Donnerstag ein Prozeß verhandelt, den der bekannte Filmschauspieler Hans Albersgegen die Ufa zur ahlung von 68000 Mark angestrengt hatte. Hans Albers war von der Ufa am 8. 4. v. J. für drei Filme verpflichtet worden. Für jeden dieser Filme erhielt er 70000 Mark zugesichert. Ueber die Zeitdauer der Filmaufnahmen war im Vertrag nichts vereinbart worden. Die Herstellung des Films„Ein gewisser Herr Gran“ dauerte zwei und die des Films„Flüchtlinge" 2½ Monate, während die Fertigstellung des Films „Volo" fünf Monate in Anspruch nahm. Hans Albers stellte sich auf den Standpunkt, daß die Fertigstellung eines Großfilms in der Regel höchstens drei Monate dauere, und machte geltend, daß seine Arbeitskraft durch die Länge der Aufnahmen für den Film„Gold“ übermäßig in Anspruch genommen worden sei. Er hätte Anfang 1934 für andere künstlerische Zwecke zur Verfügung stehen können, wenn er nicht so lange Zeit für den Film„Gold“ hätte arbeiten müssen. Aus diesem Grunde verlangte er die Zahlung von 68 000 Mark. Der Vertreter der Ufa erklärte dagegen, man müsse beim Film immer mit Zwischenfällen rechnen, und gerade bei dem Film „Gold“ hätte sich eine Reihe von technischen Schwierigkeiten ergeben, die die Herstellung verlängert habe. Das Arbeitsgericht stellte sich auf den Standpunkt der Ufa und wies die Klage des Filmschauspielers ab. Der„Taa der güldenen Sporenschlacht". DNB Brüssel, 12. Juli. Der„Tag der güldenen Sporenschlacht“ wurde Mittwoch wie alljährlich in ganz Flandern als Nationalfeiertag des national fühlenden, auf seine stammesmäßige und kulturelle Eigenart stolzen Flamentums festlich begangen. Ueberall fanden Kundgebungen und Umzüge statt. Die flämische Das Urteil im ersten Berliner Kundfunk-Korruptionsprozeß. Berlin, 12. Juli. Im sogenannten ersten Rundfunk=Korruptionsprozeß, bei dem es sich um die Hergabe bezw. die Annahme von Schmiergeldern in großer Höhe beim Verkauf des alten Rundfunkhauses und beim Bau des neuen handelt, wurde am heutigen zehnten Verhandlungstage das Urteil gefällt. Der Hauptangeklagte Gustav Bauer wurde wegen passiver und aktiver Bestechung und wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren Gefängnis und 28500 MarkGeldstrafe verurteilt. Der frühere Abteilungsleite des Rundfunks Dr. Friedrich Müller erhielt ein Jahr Gefängnis und 5000 Mark Geldstrafe; 7200 Mark, die Müller als Bestechungssumme erhalten hatte, wurden dem Staate für verfallen erklärt. Der Angeklagte Kyser erhielt sechs Monate Gefängnis und 5000 Mark Geldstrafe. Einige weitere Angeklagten wurden zu Geldstrafen verurteilt, die zwischen 8000 und 500 Mark liegen. Drei Angeklagte wurden freigesprochen. Der Staatsanwalt hatte gegen den Hauptangeklagten 4½ Jahre Gefängnis beantragt. In der Urteilsbegründung betonte der Vorsitzende, daß es sich bei diesem Prozeß nur um einen kleinen Ausschnitt aus dem großen Rundfunk=Korruptionsskandal gehandelt habe, der demnächst aufgerollt werden würde. Die in dem großen Skandal verwickelten Personen seien in diesem Verfahren nicht einmal als Zeugen aufgetreten. 00000 und 50000 Mark=Gewinn gezogen. DNB Berlin, 12. Juli. Ein Gewinn von 100 000 Mark fiel in der heutigen Ziehung der Preußischen Klassenlotterie auf die Nummer 69 804. Das Los wird in der ersten Abteilung im Rheinland, in der zweiten in Hannover gespielt, in allen Fällen Achtellose. Ferner wurde der Gewinn von 50 000 Mark gezogen. Er fiel auf die Nummer 57 423 und wird in der ersten Abteilung in Achteln in Baden, in der zweiten Abteilung in Schleswig=Holstein gespielt. Das japanische Innenministerium hat alle Kundgebungen gegen das Kabinett Okada verboten. Aus dem Kreise Rhaus Aus der Ahaus, den 13. Juli 1934. Oeffenkliche Kundfunkübertragung der Hitler-Rede heule abend Die Rede des Reichskanzlers wird heute abend 20 Uhr über alle deutschen Sender übertragen. Um jedem Volksgenossen die Rede zugänglich zu machen, wird sie in Ahaus durch Lautsprecher auf mehreren Straßen übertragen und zwar auf dem Markt vom Rundfunkgeschäft Laukamp, auf der van=Delden=Straße vom Rundfunkgeschäft Bauyaus, auf der Mitte der Adolf=Hitler=Straße vom Rundfunkgeschäft Timmermann. Halli, hallo, wir fahren, wir fahren in die Welt... Halli, hallo, wir fahren, wir fahren in die Welt... Herrlich lacht die Sonne. Der Himmel zeigt kein Wölkchen. Da hält es die Jugend nicht in dumpfen Räumen aus, sie drängt hinaus in die Natur. Sie will sich die Heimat erwandern. Dieser Sehnsucht trugen die Ahauser Schulen in den letzten Tagen Rechnung. Ganz verschieden war das Ausflugsziel. Am Mittwoch zog eine Schar froher Sextanerinnen und Quintanerinnen des Lyzeums in die Bröke. Bei Spiel und Tanz verging die Zeit im Fluge. Obschon die Kleinen vom vielen Herumtollen ehrlich müde waren, machten sie doch ein betrübtes Gesicht, als es Zeit zum Aufbruch war. Schon weiter hinaus strebten Untersekunda und Obertertia. Sie durften drei Tage fort in die Baumberge und nach Münster. Welche Freude! In einer Jugendherberge übernachten— herrlich! Sie suchten Haus Rüschhaus, wo unsere große Heimatdichterin Annette von Droste=Hülshoff einst gelebt hat, auf. In Münster gab es des Schönen zu viel zu sehen, die altehrwürdigen Kirchen, das Landesmuseum, den Friedenssaal und das Schloß. Da hieß es, die Augen weit offen machen! Als„Genehmigter Güterfernverkehr“ rollten zwei andere Lyzeumsklassen nach Bentheim zu den Freilichtspielen, die an demselben Tage auch die hiesige Rektoratschule und ein Teil der Volksschule besuchten. Die Mädels sahen sich auf der Hinfahrt auch das Missionskloster Bardel an. Sicher interessant ist dort das Museum. Es zeigt die Missionstätigkeit der Franziskaner in Brasilien, vor allem im Waldgebiet des Amazonas! In Bentheim besichtigten sie die Burg und die Kuranlagen und wohnten nachmittags der Aufführung von Hebbels„Nibelungen“ bei. Man konnte ungefähr 2500 Zuschauer verzeichnen. Die diesjährige Nibelungen=Aufführung übertrifft, besonders in den wunderbaren Bühnenbildern, alle früheren Spiele. Am weitesten suchte die Handelsklasse ihr Ziel.„Wir fahren nach Hamburg“, so verkündeten die Schülerinnen froh. Sie hatten das vergangene Jahr hindurch eifrig gespart. Im Omnibus ging es morgens um 6 Uhr los. Am Dümmer See wurde eine Pause gemacht, die zum Baden, zu einer Segel= oder Ruderpartie ausgenutzt wurde. In Bremen sahen sie sich den Dom, den Bleikeller und den Roland an. Abends Ankunft in Hamburg! Die kostbare Zeit flog nur zu schnell vorüber. Die meisten Mädels staunten über den gewaltigen Betrieb auf den Straßen und Plätzen, war Hamburg doch die erste Weltstadt, die sie sahen. Sie machten eine Hafenrundfahrt und und besichtigten den„St. Louis“, Deutschlands größtes Motorschiff, das erst am Abend vorher aus NewYork eingetroffen war. Den Nachmittag des zweiten Tages verbrachten sie mit einem Besuch im Tierpark, dessen großzügige Anlagen alle in Erstaunen setzten. Fein war es auch in der Jugendherberge„Hein Godenwind“. Sie ist die einzige schwimmende Jugendherberge, ein alter Segler. Außer Mitgliedern der HJ. und des B.d.M. sah man sehr viele Ausländer, besonders Engländer und Amerikaner, dort.— Zu bald hieß es„Hamburg ade!“ Gerne hätten die Schülerinnen den Ausflug noch länger ausgedehnt. Doch vertrösteten sie sich, wie alle anderen Klassen, auf die Ausflüge im nächsten Jahr. „Kund um das Mikrophon“ Lustiger Rundfunk=Werbeabend. Wer das Lachen noch nicht verlernt hat und es an einem Abend nach Kräften und von Herzen mal wieder üben will, der besuche den lustigen Rundfunk=Werbeabend am Sonntag, den 15. Juli im Saale Burbaum in Ahaus. Die Leitung hat Gaufunkwart Viehoff(Münster). der Veranstalter ist die Gaupropagandaleitung der NSDAP., Abtlg. Rundfunk. Für ein mäßiges Eintrittsgeld, dessen Höhe aus den Plakaten ersichtlich ist, wird dem Besucher ein Programm von 25 Punkten geboten, das von ersten Künstlern und Künstlerinnen des Westdeutschen Rundfunks und der Städt, Kapelle Ahaus bestritten wird und an Buntheit, Vielseitigkeit, sprudelnder Lebendigkeit und künstlerischem Gehalt kaum überboten werden kann. Kreisfunkwart Schnelting(Epe) Zund Gaufunkwart Viehoff(Münster) werden einleitende Worte sprechen, während als einfallsreicher Ansager Emil Müller auftritt. Aus dem umfangreichen Programm seien zunächst die glänzenden Tanzdarbietungen der Tanzgruppe des Stadttheaters Münster erwähnt, ferner die ernsten und heiteren Gesangpartien der Sänger und Sängerinnen des Rundfunks. Weiter ist das Programm durchsetzt mit Musikstücken der Städt. Kapelle, mit Darbietungen am Flügel, parodistischen Einzeltänzen und sonstigen lustigen Proarammteilen. wobei Bühnenhumor stark im Vordergrund steht. Höhepunkt und Abschluß des buntfarbigen Bühnengeschehens ist ein lustiger kurzer Schwank„Das verherte Hotelzimmer“. Wenn Kunst und Humor eine so innige harmonische Verbindung eingehen wie in diesem Programm, sollte man erwarten, daß bei seiner Abwicklung am Sonntag abend kein Freund der heiteren Muse fehlen wird. Der Besuch lohnt sich wirklich. Näheres auf den Plakaten! Die Arbeiksopfer von Ahaus stehen kreu zum Führer Am Sonntag, den 8. Juli fand im Jugendheim eine Versammlung der Deutschen Arbeitsopfer=Versorgung (Zahlstelle Ahaus) statt. Obmann B. Deiters hieß alle Erschienenen wie auch den Vertreter StegemannMünster herzlich willkommen. Dieser hielt einen Vortrag über Sozialversicherung. Er gedachte zuerst unseres Führers Adolf Hitler. Seiner Führung und Aufmerksamkeit verdanken wir allein: 1. daß die Sozialversicherung erhalten blieb; 2. daß den Opfern der Arbeit von ihren Mitbürgern in Deutschland wieder Achtung entgegengebracht wird; 3. der Führer schenkte den Arbeitsopfern Erholungsheime, wo die Erholungsbedürftigen in Ruhe und schöner Gegend kostenlos sich erholen sollen; 4. er gibt uns durch seine Organisation Kraft durch Freude. Darum müßten wir Adolf Hitler Stodt Ahaus treue Gefolgschaft leisten und jedem Nörgler und Miesmacher zurufen: Habe Vertrauen!, der Führer hat es verdient, daß man ihm Treue hält und Opfer bringt. Der Redner forderte die Arbeitsopfer, die noch nicht in der Deutschen Arbeitsopfer=Versorgung sind, auf, sich einzugliedern in die Gefolgschaft Adolf Hitlers, es könne der Tag kommen, da es jedem Rentenempfänger leid tun würde, nicht mit den geschlossenen Arbeitsopfern hinter dem Führer zu stehen. Zu der Fahnenweihe, die am 19. August in der Zahlstelle stattfindet, wurden Fahnenträger ernannt. Um 5,30 Uhr schloß Obmann Deiters die Versammlung. Der„Lag der deukschen Kose“ und die Schulen Der 15. Juli ist der„Tag der deutschen Rose“. Am 14. Juli soll in allen Schulen in geeigneter Weise des Tages, der den Bestrebungen für Mutter und Kind gewidmet ist, gedacht werden. In den Schulen wird hierbei zweckmäßig auf die Bedeutung der Rose im Volksleben(Literatur, Musik usw.) hingewiesen: deutsche Vornamen nach Rosen, Städtenamen nach Rosen, die Rose im Märchen, die Rose im Volkslied, Rosenschmuck bei Festen der Familie, des Volkes, der Kirche usw. Möge die Sammlung, die ausnahmsweise für den Tag der deutschen Rose genehmigt ist, im Hinblick auf den guten Zweck ein recht günstiges Ergebnis haben. Pflichtversammlung der nsdup. Im Heisterborg'schen Saale fand die monatliche Pflichtversammlung der NSDAP. statt. Der Ortsgruppenleiter Pg. Brüning eröffnete die Versammlung. Darauf erteilte er dem Kreispropagandaleiter Pg. Köster das Wort. Pg. Köster kritisierte das überall auftreibende Miesmachertum. Der Führer habe in den letzten Wochen bewiesen, daß er für unbedingte Sauberkeit im öffentl. Leben u. in der Partei sorgen wird. Man solle daher ruhig auf den Führer vertrauen und in Einmütigkeit und Geschlossenheit unter dem siegreichen Banner des Hakenkreuzes zusammenstehen. Mit einem Siegheil auf den Führer und die nationalsozialistische Bewegung schloß Pg. Köster seine Ausführungen. Nach der Bekanntgabe einiger parteiamtlicher Mitteilungen sprach der Ortsgruppenleiter Pg. Brüning über das Thema:„Totalität des Nationalsozialismus“. Darauf nahm er die feierliche Verpflichtung einer Anzahl neuer Parteigenossen vor, denen er nach einem längeren Hinweis auf ihre Pflichten als Parteigenossen die rote Mitgliedskarte aushändigte. Durch Handschlag gelobten die jungen Pgg. dem Führer und der Bewegung die Treue. Musikvorträge der Musikgemeinschaft„Polyhymnia" umrahmten in wirkungsvoller Weise den Abend, der mit dem dreifachen Siegheil auf den Führer und dem nationalsozialistischen Kampflied beendet wurde. )( Ein Sohn unserer Stadt Präsident des Landesarbeitsamtes Westfalen. Dr. Ordemann, bisheriger Präsident des Landarbeitsamtes Westfalen, wurde als Präsident des Landesarbeitsamtes Schlesien nach Breslau berufen. An seine Stelle tritt der bisherige Präsident des Landesarbeitsamtes Schlesien, Gärtner. Der neuernennte Landesarbeitsamtspräsident Gärtner ist ein geborener Ahauser, ein Sohn des früheren Landrats Gärtner des Kreises Ahaus. (Landrat Gärtner war der Vorgänger des Landrats Frhr. v. Schorlemer=Alst und hatte dieses Amt von 1883 bis 1895 inne.) Stand der Arbeitslosigkeit im Arbeitsamtsbezirk Ahaus Der Arbeitsamtsbezirk Ahaus hat von allen übrigen 33 Arbeitsamtsbezirken des Landesarbeitsamtes Westfalen die günstigste Arbeitslosenziffer. Am 30. 6. 1934 zählte man im Arbeitsamtsbezirk Ahaus 445 Unterstützungsempfänger in der Arbeitslosen= und Krisenfürsorge, d. s. 3,4% auf 1000 Einwohner. Im ganzen Landesarbeitsamtsbezirk Westfalen wurden am 30. 6. 34 75 031 Unterstützungsempfänger gezählt. A Personalie vom Arbeitsamt. Mit Wirkung vom 9. Juli wurde der landwirtschaftliche Arbeitsvermittler Otto vom Berg vom Arbeitsamt Herne an das Arbeitsamt Ahaus überwiesen. Die landwirtschaftliche Vermittlung erstreckt sich auf die beiden Kreise Ahaus und Coesfeld und ist im Kampfe um die Niederringung der Arbeitslosigkeit im Arbeitsamtsbezark Ahaus stets von größter Bedeutung gewesen und auch heute von allergrößter Wichtigkeit. Gronauer Stodt=Rundschau Die Rede des Reichskanzlers anläßlich der heutigen Reichstagssitzung wird heute abend um 20 Uhr im Gronaner Stadtpark durch die Großlautsprecheranlage der Stadt übertragen. Ordnung und Sauberkeit in den Zügen Eine Bitte der Reiksbahn. Die Reichsbahn richtet an das reisende Publikum die Bitte, das Zugbegleiterpersonal in dem Bestreben die Ordnung und Sauberkeit in den Zügen aufrecht zu erhalten, nach Möglichkeit zu unterstützen. Das Reichsbahnpersonal ist zwar bemüht, für Ordnung zu sorgen, es kann aber ohne verständige Mitwirkung des Publikums seiner Aufgabe nicht gerecht werden. Einige kleine Winke an das reisende Publikum dürften deshalb wohl angebracht sein. Es ist unschön, wenn Papierabfälle, Speisenreste, leere Zigarettenschachtel und dergl. in den Abteilen achtlos weggeworfen werden, auch sind durch Obstreste die auf dem Fußboden lagen, wiederholt Reisende zu Fall und zu Schaden gekommen. Das Auflegen der Füße auf die Sitze ohne Benutzung einer Unterlage, soll vermieden werden. Ferner ist darauf hinzuweisen, daß dem Reisenden zur Unterbringung seines Handgepäcks nur der Raum über und unter seinem Sitzplatze zur Verfügung steht.— Störend wirkt auch das andauernde Verweilen von Reisenden in den Seitengängen der Wagen, besonders dann, wenn an den Haltestellen andere Fahrgäste ein= oder aussteigen wollen. Das Raucherverbot in den Nichtraucherabteilen muß im Interesse der Gesundheit und Ordnung streng durchgeführt werden; hierbei ist die Unterstützung der Ordnungsmaßnahmen der Reichsbahn durch Reisende ebenfalls erwünscht. Die vereinzelt noch auftretende Ansicht, daß in den Nichtraucherabteilen ausnahmsweise geraucht werden dürfe, wenn alle Mitreisende einverstanden seien, ist irrig. Für viele Nichtraucher bedeutet es schon eine gesundheitliche Beeinträchitgung oder zum mindesten eine Belästigung, wenn in den Nichtraucherabtellen, in die sie einsteigen, vorher geraucht worden ist. Eine Reise kann allen Fahrgästen nur dann zur Annehmlichkeit und zum Vergnügen werden, wenn die im allgemeinen Interesse der Reisenden getroffenen Anordnungen der Reichsbahn auch verständnisvoll befolgt werden. Unruhen in Enschede. Das Treiben kommunistischer Elemente in Hollands Hauptstadt Amsterdam wirkte anscheinend ansteckend auf staatsfeindliche Gruppen in anderen Städten des Landes. So entstanden auch in Enschede am Montag und Dienstag dieser Woche an verschiedenen Stellen der Stadt Unruhen, die aber ernsteren Charakter nicht hatten, da die Polizei jederzeit Herr der Lage war. Der Ausbau der Grünstraße ist nokwendig Es ist höchst anerkennenswert, wenn von der Stadtverwaltung viel für den Ausbau und die Verbesserung der Straßen getan wird. Aber eine Straße scheint doch als Stiefkind behandelt zu werden. Es ist die Grünstraße. Der Zustand dieser Straße ist schauderhaft. Durch einen großen Teil der Straße zieht sich ein offener Graben, der Tag für Tag angefüllt ist von den gewiß nicht unbedeutenden Abwässern einer Wäscherei. Diese Abwässer stauen sich und verbreiten einen großen Gestank. Außerdem ist dieser Graben ein Tummelplatz für Fliegen und Mücken, die zeitweise so stark auftreten, daß die Anlieger sich in den Wohnungen kaum retten können vor dieser Fliegenplage. Es ist unbedingt notwendig, daß in der Grünstraße sehr schnell einigermaßen hygienische Zustände geschaffen werden, daß die Fliegen= und Staubplage abgestellt wird, damit die Einwohner auch einmal die Fenster ihrer Wohnungen öffnen können und damit Anteil haben an Luft, 40 Gronauer Kinder fahren ins Paderborner Land. Am heutigen Freitag werden durch das Hilfswerk „Mutter und Kind“ der NS.=Volkswohlfahrt etwa 40 erholungsbedürftige Gronauer Kinder zur Erholung nach Paderborn fahren. Die Kinder werden dort für etwa 6 Wochen bei einzelnen Familien untergebracht. Wir wollen hoffen, daß diese Jungens und Mädels genau so beglückt und erholt wiederkommen, wie die zahlreichen Ferienkinder, die aus der Bocholter Gegend hier untergebracht waren und noch sind. Weitere Kindertransporte von hier aus werden im Laufe des Sommers noch durchgeführt. Am Sonntag zur Freilichtaufführung nach Bentheim! Die NS.=Gemeinschaft„Kraft durch Freude“ veranstaltet am Sonntag eine Fahrt mittels Sonderzuges zur Freilichtaufführung nach Bentheim. Die Kosten betragen für Fahrt und Eintrittskarte nur 1,— RM. Ueber 400 Volksgenossen von hier nehmen bereits an dieser Fahrt teil. ):( Heidebrand in Rüenberg. Ein im Rüenberggelände in der Nähe des sogenannten Teehäuschen entstandener Torf= und Heidebrand nahm am gestrigen Nachmittag eine solche Ausdehnung an, daß gegen 17 Uhr die Brandsirene ertönte. Auf den Alarm hin begaben sich Polizei und Feuerwehr zur tatkräftigen Bekämpfung des Feuers an den Brandherd. Die Nat.-Soz.-Ned.-Arb.-Parky Von der Auslandsgruppe der Nat.=Soz.=Ned.=Arbeiders=Party wird uns mitgeteilt: Im August dieses Jahres kann die NSNAP. auf ihr einjähriges Bestehen zurückschauen. Aus diesem Anlaß findet im Vaterland der erste Reichsparteitag unter dem blauen Hakenkreuz statt. Wenn die Partei erst aus Menschen bestand, die sich zum Grundsatz gemacht hatten, allen Hetzen und Lügen, die gegen das neue Deutschland und deren Führer gerichtet waren, entgegenzutreten, so ist jetzt nach einem Jahr unter der Führung von Major Kruyt aus der kleinen Idealistengruppe eine Partei von 10 000 Mitgliedern entstanden. In Niederland kommt man allmählich zu der Einsicht, daß die vielen Parteien den Untergang des Volkes bedeuten. Nun haben die Mitglieder der kleinen Nat.=Soz. Gruppen sich entschlossen, sich mit dem germanischen Hakenkreuz der NSNAP. zu verschmelzen. Es stehen sich heute in Niederland zwei Gruppen gegenüber, der südliche Faschismus(Mussertbewegung) und der antisemitische Nationalsozialismus (Bewegung Kruyt). Der Kampf ist schwer, gilt es doch die alte Kultur der Vorväter wieder wachzurufen und den Blutsniederländer wieder stark zu machen in dem Glauben an seine Heimat, in der Treue zum Fürstenhaus und im Kampf für seine Rasse. Der Nationalsozialismus ist aus dem Gedanken und Willen des großen deutschen Führers geboren. Auch wir sind Germanen und somit Vertreter der NS.=Idee in Holland. Auch wir werden siegen, wenn wir stark im Glauben an Gott und fanatische Kämpfer für unsere Idee sind. Es lebe der Nationalsozialismus. Heil! bk. Vreden Besichligung der Feuerwehren im Kreise Am vergangenen Samstag und Sonntag fand im Kreise Ahaus eine Besichtigung der Wehren des Kreises durch den Bezirksführer, Branddirektor Beckmann, Warendorf, und dessen Fachberater, Hauptbrandmeister Waldmann, statt. Am Samstag gegen 5 Uhr trafen die Herren in Vreden ein. Zuerst wurde das Spritzenhaus und der Gerätestand besichtigt. Die vorhandenen Feuerlöschgeräte wurden als völlig ausreichend und in tadellosem Zustande befunden. Sodann wurde die gesamte Wehr alarmiert. Schnell und exakt ging die Alarmierung vonstatten, und in wenigen Minuten stand die Wehr restlos bereit. Branddirektor Beckmann richtete einige Worte an die Wehrleute. Die vorgenommene Besichtigung habe den Beweis erbracht, daß die vorhandenen Geräte in bester Verfassung seien, daran Vereinsanzeiger (Nur für Mitteilungen an die Mitglieder Preis pro Millimeter Höhe 5 Pfennig.) Die Schulungsabende des Reichsluftschutzbundes Gronar fallen am heutigen Zreitag, den 13. 7. wegen der Rede des Führers im Reichstage aus. erkenne man den Geist, der in einer Feuerwehr herrscher müsse. Er freue sich besonders, feststellen zu können, daf die Vredener Wehr einen zahlreichen jungen Nachwuchbesitze. Nach der Alarmierung wurden die Vredener Wasserverhältnisse geprüft. Dabei wurde festgestellt, daß der Marktbrunnen nicht genügend Wasser lieferte. Hierin soll baldigst Abhilfe geschafft werden. Anschließend ging die Besichtigungskommission nach Ammeloe Auch hier fand zunächst eine Besichtigung des Gerätehauses und der Feuerlöschgeräte statt und dann wurddie Wehr alarmiert. Obschon die Mitglieder größtenteils auf dem Felde beschäftigt waren, waren in kurzeZeit über 50% der Mitglieder zur Stelle. Nach der Besichtigung am Samstag fand in Vreden im Vereinslokale Mümken ein Zusammensein statt, wo den Kameraden, die 25 Jahre treu der Wehr dienten und nun infolge Erreichung der Altersgrenze aus der Wehr ausscheiden mußten, ein Ehrendiplom ausgehändigt wurde. Branddirektor Beckmann und der Bürgermeister der Stadt Vreden, Herr Böckers, richteten hierbei anerkennende Worte an die alten Kameraden für die stets bewiesene Treue und allzeit hilfsbereite Tätigkeit bei Bränden. Wenn sich auch auf Grund der neuen Bestimmungen keinen aktiven Dienst mehr ausüben könnten, so hoffe man doch, daß sie auch fürderhin ihre Treue und Anhänglichkeit an die Wehr durch Teilnahme an Versammlungen und sonstigen Veranstaltungen bewahren würden. Am Sonntag nahm die Besichtigung ihren Fortgang. Es wurden nacheinander die Wehren in Ottenstein, Wessum, Alstätte, Gronau und Epe aufgesucht und deren Spritzenhäuser und Geräte einer Besichtigung unterzogen. Soweit Mängel in der Ausrüstung bestanden, wurde angeordnet, daß die Gegenstände baldigst angeschafft werden. Besonders wurde auf die Anschaffung von Feuersignalen, die nach dem Runderlaß des Ministers vom 28. 2. 34 vorgesehen sind, hingewiesen. Die Besichtigung wurde am Sonntag mit einem Beisammensein beim Kameraden Flucht in Epe beschlossen. Branddirektor Beckmann richtete hier zunächst einige Worte an die Kameraden. Er forderte sie auf, stets pünktlich und vollzählig an allen Uebungen teilzunehmen, damit im Ernstfalle dem Nächsten wirksame Hilfe zuteil werden könne. Kreisbrandmeister Meyering dankte dem Bezirksführer, Branddirektor Beckmann, für die glatte Durchführung der Besichtigungsreise. Er hob noch besonders die Aktivität des Bezirksführers hervor, die die Besichtigungsfahrt bewiesen habe. Alle Kameraden forderte er auf in unverrückbarer Treue zu ihrem Führer zu stehen zum Wohle der Feuerwehren. Heek :: Hohes Alter. Frl. Katharina Wiesebrock begeht in diesen Tagen ihren 83. Geburtstag. Die Jubilarin war 40 Jahre Haushälterin beim verstorbenen Pfarrer Schmitz. Sie erfreut sich trotz des hohen Alters noch einer seltenen Rüstigkeit. Unsern Glückwunsch! X Rücksichtsloser Autofahrer. In den vergangenen Tagen wurde der junge G. van Holte von hier, der sich mit seinem Fahrrad auf der Landstraße nach Ahaus befand, von einem Auto angefahren und zu Boden geschleudert. Er mußte mit erheblichen Verletzungen dem hiesigen Ludgerus=Hospital überwiesen werden. Der rücksichtslose Autofahrer kümmerte sich nicht um den Vorfall, sondern suchte schleunigst das Weite. Leider konnte die Nummer seines Wagens nicht festgestellt werden. Die Dinkelregulierung geht wieder günstig vorwärts. Durch die Abkommandierung des größten Teiles der Stammabteilung 201/1 des Arbeitsdienstes mußten die Arbeiten an der Dinkelregulierung für kurze Zeit unterbrochen, bezw. auf ein Minimum herabgesetzt werden. Nachdem inzwischen die meisten Freiwilligen zurückgekehrt sind, werden die Arbeiten wieder mit Hochdruck aufgenommen. Wie man hört, soll das Projekt möglichst schnell unter Dach und Fach gebracht werden. NS.=Gemeinschaft„Kraft durch Freude“. Die hier neulich ins Leben gerufene NS.=Gemeinschaft„Kraft durch Freude“ hat inzwischen ihre Tätigkeit in vollem Umfange aufgenommen. Am 29. 7. veranstaltet sie gemeinsam mit den Orten Gronau, Epe und Nienborg eine Sonderfahrt zur Bentheimer Freilichtbühne. Die Abfahrt mit dem Sonderzug erfolgt ab Gronau um 9,30 Uhr. In Bentheim erfolgt unter fachkundiger Leitung eine Besichtigung der Hauptsehenswürdigkeiten, u. a. des Schlosses, des Bades usw. Von 16—19 Uhr erfolgt die Aufführung der„Nibelungen" auf der Freilichtbühne. Die Sonderfahrt, die Besichtigungen und der Eintritt zur Freilichtbühne kosten zusammen nur 1,— RM. Will man sich an dem allgemeinen Mittagessen in Bentheim beteiligen, so erhöht sich der Preis auf 1,50 RM. Karten sind in beschränkter Zahl bis zum 18. ds. Mts. bei Jos. Elsbern, Schniewindstr., und Herm. Stange, Hauptstr., zu haben.— Die Ortsleitung der NS.=Gemeinschaft„Kraft durch Freude“ plant für den Herbst ein großes Heimatfest, das sich vorwiegend aus alten Volkstänzen, plattdeutschen Vorträgen usw. zusammensetzen wird. riauptschriftleiter und verantwortlich für Politike Dr. Georg Heider, Münster i. W., Stellvertreter des Hauptschriftleiters und verantwortlich für Münster und das Münsterland: Fritz Rediger, Münster i. W.; für Westdeutschland: i. V.: Karl Bode: für Feuilleton: Peter Schlauß; für Handel und Sport: Dr. Anton Henkel, sämtlich in Dortmund; Berliner Redaktion: Dr. Ernst Hälner, Berlin-Lichterfelde; für den Zeno-Hnzeigenteil: Verlagsleiter Dr. Erich Altmeppen, Münster i. k. Druck: Zeno G. m. b. H., Münster I. W. Durchschnittsaullage: VI. 1934: Zeno-Zeliung insgesamt 41732 enthaltend: Ahlener Volkszoitung, Nachrichtenblatt für die Kreise Beckum und Lüdinghausen, Hhlen, 2984— Allgemeine Zeitung für die Kreise Coesfeld und Hhaus(Billerbecker Zeitung, Gescherer Zeitung, Vredener Anzeiger, Stadtlohner Vplksblatt), Coesfeld, 5412;— Borkener Zeitung, Borken, 3189;— Bürgerblatt für den Niederrheir und Reeser Tageblatt, Emmerich, 1871;— Dülmener Zeitung, Amtliches Kreisblatt für den Kreis Coesfeld, Dülmen, 1857:— Halterner Zeitung, Haltern, 1704:— Kreiszeitung für den Kreis Hhaus(Gronauer Volkszeitung, Eper Volksblatt), Hhaus, 3150:— Münsterländische Volkszeitung(Rheiner Volksblatt), Rheine, 4064;— Emsländische Tageszeitung(Lingener Tageszeitung, Papenburg-Hschendorfe Zeitung), Rheine, 1510;— Neuer Emsbota für Kreis Warendorf und Amt Telgte(Warendorfer Kreisblatt), Warendorf, 2591;— Tageblatt fü den Kreis Steinfurt(Ochtruper Hnzeiger, Weltringer Hnzeiger. Metelener Zeitung, Neuenkirchener Zeitung), Ochtrup. 1665;— Volksblatt für Bocholt und den Kreis Borken, Bocholt. 6287:— Volksblatt für Wese und den Kreis Rees, Bocholt, 997:— Volkszeitung und Nachrichten tü Emsdetten, Burgsteinfurt, Nordwalde, Borghorst, Greven, Emsdetten 378:— Volkszeitung für Dorsten und Herrlichkeit, Dorsten, 2073. Verantwortliche Schriftleitung für den lokalen Teil: Fritz Schlotjunker, Ahaus, für den lokalen Anzeigenteil: B. Schütte, Ahaus. Weitere lokale Nachrichten auf einer anderen Seite. Nienborg A Uebung und Versammlung der Feuerwehr. In den vergangenen Tagen fand hier eine Uebung mit anschließender Versammlung der Freiw. Feuerwehr statt. Unter Vorantritt der Feuerwehrkapelle begaben sich die Kameraden zur Uebung, die einen guten Verlauf nahm. Unter der Gesamtleitung des Oberbrandmeisters Kötte wurden die Uebungen der einzelnen Züge exakt durchgeführt. Dann marschierte die Wehr zum Kameraden Gastwirt Rohling, wo die Versammlung stattfand. Es wurde beschlossen, das Jubelfest der Wehr am 5. und 6. August zu begehen. Man wählte eine Kommission, die alle Vorbereitungen zu dem Fest, an dem sich auch die Nachbarwehren beteiligen werden, treffen soll. Spiel und Sport Tus Ahaus— H. S. V. 20. Am vergangenen Sonntag trug der H. S. V. 20, der neue Meister der 3. Bezirksklasse ein Freundschaftsspiel gegen Tus Ahaus auf dem Ahauser Sportplatz aus. Beide Mannschaften zeigten gute, fast gleichwertige Leistungen. Die Platzherren hatten mehr vom Spiel und konnten über die Heeker Mannschaft, die einige Ersatzleute einstellen mußte, mit 3:1 siegreich bleiben. * Exerzitien in der Benediktinerabtei Gerleve b. Coesfeld, 2. Halbjahr 1934. 27. 7.—31. 7. Lehrerinnen; 27. 8.— 1. 9. Religionslehrer; 30. 8.— 3. 9. Primaner; 4. 9.— 8. 9. Fürsorgerinnen; 25. 9.—29. 9. Jungfrauen Altexerzitiantinnen); 2. 10.— 6. 10. Jungfrauen; 15. 10.—20. 10. Priester; 6. 11.—10. 11. Frauen; 10. 11.—13. 11. Jungfrauen; 27. 12.—31. 12. Abiturienten; 3. 1.— 7. 1. Abiturientinnen. Einkehrtage: 21. 7.—22. 7. Erklärung der hl. Messe; 31. 10.— 1. 11. Liturgie des Allerheiligenfestes; 1. 12.—2. 12. Adventsliturgie. Zur Teilnahme wird herzlich eingeladen. Anmeldungen möge man richten an die Exerzitienleitung Gerleve über Coesfeld i. W. * Reichsbekriebsgemeinschaft Bau Neuer Stellvertreter des Leiters. Im Zuge der Neuorganisation der Deutschen Arbeitsfront ist Pg. Oppermann zum Stellvertreter des Reichsbetriebsgemeinschaftsleiters Bau Pg. Ullmann ernannt worden. Pg. Oppermann, ein alter bewährter Nationalsozialist, ist Ostpreuße, 38 Jahre alt, Politischer Leiter beim Gau Östpreußen, M. d. R. und 1. Vorsitzender des Reichsbundes des Deutschen Baugewerbes. Als Bauunternehmer gewährleistet seine Ernennung für die Zukunft ein noch besseres Verhältnis zwischen Betriebsführer und Gefolgschaften im Baugewerbe. Kleiner Knigge für die große Reise Erkundige dich rechtzeitig nach allem, was für den reibungslosen Reiseantritt erforderlich ist, als da sind: Zugverbindungen, Reiseermäßigungen, Umsteigenotwendigkeiten, Personalausweise, evtl. Reisepaß und Devisenbestimmungen. Löse deine Fahrkarten rechtzeitig, d. h. bei Sommerurlaubskarten mindestens 5 Tage vorher, bei kleineren Reisen einen Tag vorher. Kaufe dir für lange Fahrten eine Platzkarte, dann hast du keine Platzsorgen. Packe deine Koffer am Abend vor der Abreise so weit fertig, daß du lediglich kleine Toilettesachen am Reisetag noch einzupacken brauchst. Belaste dich nicht mit unnötigem Reisegepäck, vor allem nie mit zu viel Handgepäck. Packe deine Koffer so, daß alles, was du auf Reisen brauchst, schnell zu finden ist. So vorbereitet gehe rechtzeitig, aber nicht nervos und allzu vorzeitig zur Babn. Wenn du einen Platz sicher hast, gönne andern auch einen Sitz. Sage nicht:„Alles besetzt“, wenn noch ein Platz im Ableil frei ist. Packe auf der Fahrt nichts Unnützes aus. Auch seelisch nicht. Deine Familienangelegenheiten sind für andere nicht unbedingt interessant. Auch deine Krankheiten und die deiner Freunde sind keine Coupé=Unterhaltung. Iß nicht unbedingt ununterbrochen vom Heimatort bis zum Reiseziel. Er bekommt dir bestimmt nicht und macht keinen guten Eindruck auf die Fahrtgenossen. auf Reisen nicht mehr als zu Hause, dann bleibst du gesund. Sei auf Reisen hilfsbereit und zuvorkommend, ohne aufdringlich zu sein. Schone das Inventar der Reichsbahn, Du hast nur ein Recht auf Nutznießung ihrer Einrichtungen. Dränge nicht am Reiseziel. Je ruhiger du bist, desto besser wirst du fahren. Bedenke immer, deine Erholung kann schon im Zuge beginnen. Versteigerung in Gronau Am Samstag, den 14. Juli nachm. 3 Uhr anfangend, werde ich an meinem Hause Adolf=Hitler=Str. 29 für Rechnung dessen den es angeht, nachstehende gebrauchte Gegenstände öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern: 1 Kinderbett mit Matratzen, 1 Himmelbett, 1 Kindertisch, 2 Stühle, 1 Blumenständer, Babywage, elektr. Kaffeemaschine, Sportwagen, 1 Weckeinkochapparat, großer Posten Einkochgläser, Steintöpfe, Gartenschläuche, Tennisschläger, Kinderspielsachen wie Auto, Wagen, Eisenbahn, 1 Sofa, 1 runden Tisch, 1 Bettstelle mit Matratze, 1 Herd, 1 Chaiselongue, 1 Sessel und vieles andere mehr. Hermann ten Dam, Gronau i.W. beeid. Auktionator Sie haben hin und wieder etwas zu verkaufen oder zu kaufen, Sie suchen Mitarbeiter oger haben sonst etwas derMitwelt durch eineAnzeige zu sagen: Es wird immer das Einfachste sein, uns mit derAusführung IhrerAnzeigenaufträge zu betrauen. Sel es für hiesige oder auswärtige Tageszeitungen, Famlllen- u. Fachzeitschriften, Sie haben immer Vorteile durch uns; denn wir übernehmen zu Orlginal-Verlagspreisen(also ohne Zuschläge) Anzeigen aller Art. Unsere jahrzehntelange Erfahrung wird Ihnen bei derAuswahl der Blätter sparen helfen. Mit unverbindlichen Vorschläsan dianan wir ihnen lederzeit gern. Die Enkwicklung der Ferkelpreise in den nächsten Monaken Wie werden sich die Ferkelpreise entwickeln? Es ist dies eine Frage, die vor allem den klein= und mittelbäuerlichen Schweinezüchter angeht. Eine beachtenswerte Antwort auf diese Frage bringt in dem Hauptblatt des Reichsnährstandes E. v. d. Warth, Referent beim Institut für Konjunkturforschung. Umgekehrt wie die Schweinepreise, so führt der genannte wirtschaftswissenschaftliche Sachverständige aus, pflegen die Ferkelpreise bis etwa zum November zu sinken. Von der Angebotsseite ist zwar im Hinblick auf den um 8 Prozent kleineren Bestand an trächtigen Sauen mit einer Hemmung dieses jahreszeitlichen Preisrückganges zu rechnen; welche Einflüsse aber von der Nachfrageseite yer auf die Ferkelpreise einwirken werden, läßt sich im Augenblick noch nicht übersehen, denn das hängt allein von der weiteren Gestaltung der Ernteaussichten ab. Ergibt sich in den nächsten Wochen, daß außer der Verringerung des voraussichtlichen Futteranfalls aus der diesjährigen Getreideernte auch noch eine kleinere Kartoffelernte zu erwarten ist, so muß dies zwangsläufig zu einem starken Rückgang der Ferkelnachfrage und damit der Ferkelpreise führen, der noch dadurch verstärkt würde, daß dann ja auch gleichzeitig der oben erwähnte Druck auf die Schweinepreise fühlbar würde. Die Straße ist kein Spielplatz! Ala Anzeigen- Aktiengesellschaft Agentur: Ahaus Praktische und künstlerische Fotoalben von der einfachsten bis zur elegantesten Ausstattung Tagebücher, Gästebücher und Poeslealben „Unser Kind“ Tagebücher, Notizbücher für Damen und Herren, Zettelkästen, Buchhüllen In Bast und Leder, Lesezeichen Wir führen in vorstehenden Artikein oln reiches und gutgewähltes Lager Buchhandlung Gebr. Lensing Verlagsanstalt G. m. b. H. Gronau Seit mehr als 15 habe ich ein schweres Magenleiden. Ihr wirkt auf meinen Magen so ausgezeichnet. daß ich es nicht unterlassen kann. Ihnen meine aufrichtige Anerkegnung auszusprechen M. Andree. Redakleur, Witten-Ruhr, Breitestr. 66 den 8. September 1933. Magenwohl Flasche: 1.90 u. 1.25 Mk. Magenwohl-Pulver Dose: 75 Pfg. bei den Drogerien: Ahaus, Willy Schöning: Gronau, Wilh. ten Dam, am Rathaus, Epe, Nacke Westfalens Heilige und Selige Ein Blumenstrauß aus Gottes Garten von Anton M. Windolph 175 Seiten kart. nur 1.-RM. 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Juli zum zweiten Male zur Durchführung gelangende„2000 kmFahrt durch Deutschland“ aufwarten und damit erneut Zeugnis dafür ablegen, welche gewaltigen Ausmaße der deutsche Automobilsport seit dem vergangenen Jahre angenommen hat. 1783 Automobile und Motorräder beteiligen sich an diesem Großereignis, das von Jahr zu Jahr mehr und mehr zum Mittelpunkt des deutschen Kraftfahrsportes wird und in gleichem Maße auch an Volkstümlichkeit gewinnt. Der Start aller Fahrzeuge wird alles in allem fast zwölf Stunden währen, obwohl in jeder Minute zwei Wagen, drei Seitenwagenmaschinen und fünf Solomaschinen zur gleichen Zeit auf die lange Reise geschickt werden! Die Gesamtzahl der Fahrer beläuft sich dabei auf nicht weniger als 2575. Die Zahl der 1783 Fahrzeuge verteilt sich auf 650 Wagen, 901 Solomaschinen und 187 Seitenwagenmaschinen. Bei den Wagen ist allein die Auto=Union durch 168 ihrer Erzeugnisse vertreten. Es folgen MercedesBenz mit 74, Adler mit 72, BMW mit 61, Opel mit 52, Hanomag mit 40, Ford mit 35, Fiat mit 25, Röhr mit 24, Stoewer mit 15. Zu verzeichnen sind ferner Meldungen von Bugatti, Lancia, Austro=Daimler, Austin, Auburne, Cadillac, Essex, Hudson, Steyr und Tatra=Wagen. Von den Krafträdern seien folgende Zahlen erwähnt: SA und SS meldeten 94 Mannschaften, die Industrie 38, DDAC 36, NSKK 17, Polizei 16, Reichsautobahnen 9, Reichswehr 8, Reichspost 3 usw. BMW schießt mit 183 Fabrikaten den Vogel ab vor DKW und NSU mit je 135, Zündapp 68 usw. Selbstverständlich sind auch alle ausländischen Erzeugnisse von Ruf vertreten. 150 000 Mann Motor=SA und NSKK sichern die Strecke. In 23 Städten werden Großlautsprecher das Publikum von dem jeweiligen Stand unterrichten und schließlich sorgen auch Rundfunkreportagen dafür, daß überall Interessierte und Laien auf dem Laufenden gehalten werden. In 23 Großstädten werden kilometerweit Telefunken=Großlautsprecher das Publikum über alle Einzelheiten des Fahrtverlaufs orientieren und mit Musik unterhalten.— Dazwischen eingeschaltete Rundsunk=Reportagen werden auch in den frühen Die Siegerplakette der 2000-km=Fahrt durch Deutschland. Vom 21. bis 22. Juli findet die große 2000=kmFahrt für Personenkraftwagen und Motorräder statt, die von Baden=Baden über Freiburg, München, Leipzig, Berlin, Magdeburg, Kassel, Dortmund und Köln führt. Diese Siegerplakette wird in Gold, Silber und Bronze verteilt. Die Plakette wurde von dem bekannten Berliner Bildhauer Esser geschaffen. Morgen= und in späten Abendstunden keine Langeweile aufkommen lassen. Am 21.—22. Juli wird ganz Deutschland unter dem Eindruck der Helden am Lenker und Steuerrad stehen und die Bedeutung der Motorisierung erkennen. Aber auch dem Ausland wird diese Fahrt zeigen, daß in Deutschland Sportgeist und Einsatz=Bereitschaft, verbunden mit Ruhe, Disziplin und Ordnung, unzertrennliche Begriffe sind. Wassersport. Die Meldungen zur Meisterschaftsregatta in Mainz. Im Rahmen der 4. Deutschen Kampfspiele wird vom 20. bis 22. Juli auf dem Floßhafen bei Mainz die 23. Deutsche Meisterschaftsregatta durchgeführt. Für die 33 Rennen einschließlich der Mainzer Jubiläumsregatta haben 72 Vereine mit 188 Booten und insgesamt 1034 Ruderern und Steuerleuten gemeldet. Davon entfallen 42 Boote mit 195 Ruderern und Steuerleuten auf die sechs Meisterschaftsrennen. Am Freitag finden lediglich Vor= und Zwischenläufe statt, während der Samstag ausschließlich den Rennen der Mainzer Regatta vorbehalten ist. Pferderennen. Rennen zu Hoppegarten am 12. Juli. 1. R.: 1. Demoiselle(Rastenberger), 2. Lapsus, 3. Themis, 4. Lampadius; ferner Cobbler, Casco, Vagabund, Balljunge, Nebelhorn, Olivera. Tot. 19, Pl. 11, 17, 13, 15. 2. R.: 1. Marsilius(Visek), 2. Novalis, 3. Palastherold; ferner Adebar, Trojaner, Origenes, Heimwehr. Tot. 27, Pl. 12, 12, 11. 3. R.: 1. Premier Empire(Hptm. Laubi), 2. Herzog, 3. Luckhum; ferner Altai, Rusalka, Salam, Philippa. Tot. 36, Pl. 18, 13, 17. 4. R.: 1. Cassius(O. Schmidt), 2. Laotse, 3. Viaduct; ferner Enak, Ideolog, Pelopides. Tot. 34, Pl. 19, 33. 5. R.: 1. totes Rennen zwischen Crispina(Zachmeier) und Sarafan(Starosta), 3. Gravor; fernerScolaro, Feldsoldat, Marquis, Darius, Cortina, Portopee, Reisetasche. Tot. 34 und 40, Pl. 19. 23, 22. 6. R.: 1. Gratianus(Rastenberger), 2. Lucullus, 3. Schloßherr; ferner Olearius, Meisterhieb, Ra. Tot. 27, Pl. 15, 15. 7. R.: 1. Wally(Zehmisch), 2. Goliath, 3. Carnap, 4. Castroper Husar; ferner Noro, Dominikaner, Lerchenau, Varro, Pollux, Fresca, Gala, Parzenländer. Tot. 82, Pl. 29, 23, 44. Doppelwetten: 1. Marsilius— Crispina 116:10, 2. Marsilius— Sarafan 198:10. Rennen zu Saint=Cloud am 12. Juli. 1. R.: 1. Litta(Bouillon), 2. Dusr, 3. Soda; ferner Emeraude 3, Endiablee, Tapinette. Adonis, Camille Borghese. Tot. 99, Pl. 31, 14, 13. 2. R.: 1. Fairy Queen(Semblat), 2. Coupole, 3. La Blottiere; ferner Vanina, Antonita, Golconde, Varsoviana, Licosa, Rose Reine, Carte de Visite, Nina Rosa 2, Katusha, Athena. Tot. 50, Pl. 19, 23, 15. 3. R.: 1. Saqui(Pelat), 2. Royal Order, 3. Le Trac; ferner Saint Elme, Homere, Prince Consort, Zouina, Belle de Font, Tchimonto. Tot. 62, Pl. 20, 18, 17. 4. R.: 1. Laos(Brethes), 2. Flamina, 3. Kitty; ferner Avila, Gladys, Port Marly, Flayox, Cote d'Argent 2, Timbale, Colleen, Princeß Rose. Tot. 81, Pl. 31, 46, 33. Die Steherschule kommt nach Dortmund. [2 deutsche Nachwuchsfahrer gehen an den Start. :: Dortmund, 11. Juli. J Elberfeld ist vor einiger Zeit zwecks planmäßiger Förderung des Nachwuchses durch den DRV eine Reihe talentierter Fahrer aus dem Amateur= und Profilager zu einem 7 wöchigen Kursus zusammengezogen worden. Unter fachmännischer Leitung hatten sie hier ihre Eignung als Steher zu beweisen. Das Ergebnis war sehr erfreulich, sodaß zu hoffen ist, daß aus dieser Schule einige gute Könner hervorgehen. Den besten Zöglingen der Steherschule soll nunmehr Gelegenheit geboten werden, auch auf anderen Bahnen zu zeigen, was sie in Elberfeld gelernt haben. Von der richtigen Erkenntnis ausgehend, daß nur regelmäßige Bestreitung von Rennen einen tüchtigen Rennfahrer ausmachen, hat der Radsportführer F. Orthmann=Dortmund jetzt 12 der besten Zöglinge von Elberfeld bestimmt, auf sieben verschiedenen Rennbahnen an den Start zu gehen. Diese sieben Rennen sollen den Abschluß des Steherkursus von Elberfeld bilden. Aus diesem Grunde behalten die jungen Leute auch vorläufig noch ihre Amateureigenschaft. Denjenigen, die in diesen sieben Abschlußrennen die besten Leistungen zeigen, steht es dann offen, bei der Sportabteilung des DRV eine Berufsfahrerlizenz zu beantragen. Diese Abschlußrennen werden natürlich ausschließlich von Teilnehmern der Elberfelder Steherschule bestritten. Oskar Peter hat im Verein mit Paul Schwarz bereits die erforderlichen Vorverhandlungen gepflogen, und am kommenden Sonntag wird die Radrennbahn Bochum der Schauplatz des ersten Rennens dieser Art sein. Die nachsten Termine der Steherschule sind folgende: 20. Juli: Bonn. 22. Juli: Dortmund. 25. Juli: Köln. 29. Juli: Düsseldorf. Im August sollen zwei weitere Renntage in Hannover und Stettin durchgeführt werden.— Zwölf Dauerfahrer und acht Schrittmacher werden auf etwa drei Wochen auf Wanderschaft gehen. Beim Training zeigten besondere Leistungen der Bochumer Guzek. der erst 18½ jährige Hohenlimburger Mathaus und die Kölner Küsters und Leuer, zu denen sich noch Kroll(Berlin) gesellt. Zu diesen kommen noch sieben weitere Fahrer, unter denen sich die Dortmunder Lucas und Werner befinden. Als Schrittmacher werden genannt: Gustav Geppert, Gustav Wittig, Josef Merkens, ein Bruder deb bekannten deutschen Fliegers Toni Merkens, Eilenberger(Halle), Fritz Ulrich(Köln) usw. Die zwölf Fahrer treffen zunächst in drei Vorläufen zu je 20 Kilometer aufeinander. Die drei Sieger, der nach Zeit beste Zweite und ein vom Wettkampfausschuß zu bestimmender dritter Teilnehmer treten dann zu einem 40=Kilometer=Rennen an, während die Unplacierten ein Rennen über 20 Kilometer bestreiten. Mit dem Erscheinen der Steherschule in Dortmund kommen endlich die ersten größeren Rennen auf der vor einigen Jahren renovierten Sommerbahn im KaiserWilhelm=Tal zur Durchführung. Die Motore werden knattern, und Dortmunds Radsportgemeinde wird am 22. Juli durch einen regen Besuch dafür sorgen, daß der Publikumserfolg nicht hinter dem sportlichen zurückbleibt. 5. R.: 1. Eldora(Depuit), 2. Djesair, 3. Renard Argenté; ferner Shampooing, Tous Vents, Meori, Belle Historie. Tot. 21, Pl. 14, 24. 6. R.: 1. El Sbaa(Johnstone), 2. Champigneulles, 3. The Tierceville; ferner Priocere. Tot. 20, Pl. 12, 20. Unsere Voraussagen. Travemünde: 1. R. Pilot— Deichgraf; 2. R. Sterndeuter— Adamant; 3. R. Rscamillo— Goldine; 4. R. Lotta— Tofo; 5. R. Verdi— Amalgan; 6. R. Maybach— Struan; 7. R. Mascagni— Herbstzeitlose. Maisons=Laffitte: 1. R. Haut les Coeurs— Wildfire; 2. R. Hanoi— Fouché; 3. R. Clé d’Or— Pomodore; 4. R. Revendi— Diderio; 5. R. Palmerale— Vanikoro; 6. R. Pretentieux— Filali; 7. R. La Curée— British. Wolf Hirth fliegt von London nach Melbourne. Im Oktober wird der gigantische Flugwettbewerb um den„M. C. Robertson=Pokal“ von London nach Melbourne durchgeführt. Als einziger Deutscher hat der bekannte Sport= und Segelflieger Wolf Hirth für den Wettbewerb gemeldet. Hirth will sich mit einer Messerschmidt=Maschine(240 PS) beteiligen, vorher soll sein Apparat bei dem Europarundflug unter Beweis stellen, daß er sich für die riesige Strecke von England nach Australien eignet. Sport in Kürze Zur Beteiligung an den zu den Deutschen Kampfspielen nach Nürnberg verkehrenden Verwaltungssonderzügen mit 60 v. H. Ermäßigung ist der Meldeschluß nunmehr auf den 14. Juli festgesetzt wgrden. Bis zum 14. Juli einschließlich nehmen alle deutschen Bahnhöfe solche Meldungen entgegen. Neben der Bekanntgabe der Disqualifikation Sieronskis hat der DRV die Bestrafung des Magdeburgers Weckerling bestätigt. Weckerling hat beim Sachsenpreis in Chemnitz seinen Konkurrenten Hodey in unfairer Weise zu Fall gebracht und Startverbot bis Ende des Jahres erhalten. Der ehemalige Weltmeister im Bantamgewicht Young Perez trug im Pariser Roland=Garros=Stadion einen Kampf gegen Pladner aus. Nach ausgeglichenem Treffen erhielt Perez nach zehn Runden die Punktentscheidung zugesprochen. In Prag wurde das rückständige Mitropa=Gastspiel zwischen Hungaria Budapest und Sparta Prag ausgetragen. Diesmal siegte Sparta mit 2:1, also mit demselben Ergebnis, mit dem vorher Hungaria erfolgreich geblieben war. Damit ist ein Entscheidungsspiel notwendig geworden. Der Sieger dieser Beaeanung wird auf Admira Wien treffen. Beilage Freitag, den 13. Juli 1934 Nr. 190 Ernster englisch=norwegischer Fischerstreit. Vor der Entsendung eines englischen Kriegsschiffes. £ London, 12. Juli. Eine Abordnung der Fischergilde von Hull ist am Mittwoch bei dem englischen Lordsiegelbewahrer Eden vorstellig geworden und hat berichtet, daß die Einmischung der norwegischen Behörden in die Fischereirechte der enalischen Fischdampfer immer beängstigender werde. Die englischen Fischdampfer, die in der Nähe der norwegischen Küste fischen, müssen ständig befürchten, beim Fischen in den neutralen Gewässern außerhalb der Drei=Meilen=Zone von einem norwegischen Kanonenboot angehalten, vor Gericht gebracht und wegen angeblicher Ueberschreitung der norwegischen Fischereivorschriften bestraft zu werden. Die englischen Fischer fürchteten, daß bei einer Fortsetzung dieser Verfolgung ein englischer Kapitän zum Widerstand getrieben werden könnte, was sehr ernste Folgen nach sich ziehen könnte. Lordsiegelbewahrer Eden teilte den Fischereivertretern mit, daß während der letzten sechs Wochen sehr energische Vorstellungen in Oslo erhoben worden seien. Wenn die Antwort unbefriedigend ausfalle oder nicht bis zu einem gewissen Zeitpunkt eintreffe, sei die englische Regierung bereit, notfalls englische Kriegsschiffe zum Schutze der an der norwegischen Küste arbeitenden englischen Fischdampfer einzusetzen. Der Einsatz der Kriegsschiffe würde sich bis auf die in dem englisch=norwegischen Abkommen vom November 1933 festgelegte Linie erstrecken, die ungefähr vier Seemeilen von der norwegischen Küste entfernt sei, möglicherweise aber bis zu der international festgelegten Drei=Meilen=Grenze. Eden fügte hinzu, daß auf jeden Fall die baldige Entsendung eines englischen Kriegsschiffes nach den Fischereigründen an der norwegischen Küste geplant sei. Eine norwegische Antwortnote. DNB London, 12. Juli. Die norwegische Antwortnote auf die britischen Vorstellungen wegen einer angeblichen norwegischen Einmischung in die englischen Fischereirechte an der norwegischen Küste wurde am Donnerstag dem englischen Gesandten in Oslo ausgehändigt. Der Text der Note wurde sofort nach London übermittelt. Die Anfechtbarkeit arisch-jüdischer Mischehen. die Entscheidung des Reichsgerichts. DNB Leipzig, 12. Juli. Der 4. Zivilsenat des Reichsgerichtes hat am Donnerstag seine grundsätzliche Entscheidung über die Frage der Anfechtbarkeit arisch=nichtarischer Mischehen auf Grund des§ 1333 BGB wie folgt bekanntgegeben: Eine solche Ehe ist nur anfechtbar, wenn bei Abschluß der Ehe demeinen Teil die Zugehörigkeit des anderen Teiles zur jüdischen Rasse nicht bekannt war. Im vorliegenden Falle aber(im Falle Nies gegen Nies, Entscheidung des Oberlandesgerichtes Karlsruhe) kann die Ehe nicht angefochten werden. Der anfechtende Teil hat die Zugehörigkeit des anderen Teiles zur jüdischen Rasse gekannt. Dem Reichsgericht ist auch die Möglichkeit genommen, das bestehende Recht zu erweitern. Solange der§ 1333 in seiner derzeitigen Fassung bestehen bleibt, ist die Anfechtbarkeit einer Ehe nur aus den in§ 1333 festgelegten Gründen möglich. Die Entscheidung des Oberlandesgerichtes Karlsruhe wurde auf die Revision der Beklagten hin aufgehoben und das die Anfechtungsklage abweisende Urteil des Landgerichtes Heidelberg wurde wieder hergestellt. Die Entscheidung des 4. Zivilsenates enthält u. a. folgende Gesichtspunkte: „Die Anfechtbarkeit der Ehe nach§ 1333 BGB ist gegeben bei einem Irrtum des einen eheschließenden Teiles insichtlich persönlicher Eigenschaften des anderen Teiles, bei deren Kenntnis dieser eine Teil unter vernünftiger Würdigung des Wesens der Ehe diese Ehe nicht geschlossen haben würde. Vor allem muß dabei der nach§ 1333 anfechtende Teil den vollen Beweis für seine Behauptungen führen. Hat etwa ein arischer Ehegatte bei der Eheschließung nicht gewußt, daß der andere eheschließende Teil der jüdischen Rasse angehört, so ist das ein Irrtum über wichtige persönliche Eigenschaften. Im vorliegenden Falle aber war dem anfechtenden Teil die Abstammung der Ehepartnerin von jüdischen Eltern bekannt. Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat angenommen, der vom tum bestehe in der Eingehens einer solchen Mischehe. Diesen Ausfünrungen vermochte das Reichsgericht nicht zu folgen. Der arische Ehegatte hatte bei der Eheschließung Kenntnis von der jüdischen Abstammung seiner Frau. In diesem Falle ist vom Standpunkt des geltenden Rechtes aus die Anfechtung wegen Irrtums ausgeschlossen. Es wäre möglich, daß der eine Teil von dem Einfluß der nichtarischen Abstammung des anderen Teiles auf die Ehe nichts gewußt hätte, daß er vielleicht geglaubt hätte, allein der Uebertritt des jüdischen Teiles zur christlichen Kirche genüge, um eine völlig arische Ehe om Anfechtungskläger behauptete IrrUnkenntnis der Folgen des zu schließen. Da wäre ein Irrtum über wesentliche persönliche Eigenschaften vielleicht denkbar. Für eine solche Unkenntnis spricht aber im vorliegenden Falle keinerlei Wahrscheinlichkeit. Es genügt, hervorzuheben, daß das Programm der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei durch Punkt 4 und 5 bereits die Verschiedenheit der deutschen und der jüdischen Rasse mit allem Nachdruck betont hat. Diese Lehren sind auch unzweifelhaft in das Verständnis des Volkes gedrungen. Unter diesen Umständen ist der Fall eines Irrtumes seit Veröffentlichung dieses Programms in den mit dem Programm bekanntgewordenen Bevölkerungskreisen, zu denen unstreitig der Anfechtungskläger gehört, nur selten noch anzunehmen. Die Anfechtbarkeit der arisch=jüdischen Mischehe kann auch im Hinblick auf das Berufsbeamtengesetz nur in dem von diesem Gesetz selbst gezogenen Rahmen gegeben sein. Die Gerichte sind nicht befugt, über diesen Rahmen der nationalsozialistischen Gesetzgebung hinaus den nationalsozialistischen Anschauungen Geltung zu verschaffen. Nach dem Berufsbeamtengesetz treffen aber die mit jüdischen Frauen bereits verheirateten Beamten keine Nachteile. Nur wer eine solche Mischehe neu eingeht, kann nicht mehr Beamter bleiben. Dieser Standpunkt entspricht auch dem Inhalt des Schreibens des Reichsministers des Innern vom 17. Januar 1934, in dem darauf aufmerksam gemacht wurde, daß die Schranken, die die Reichsregierung selbst bei der Ariergesetzgebung gezogen hat, beachtet werden müßten. Hinsichtlich der Bestimmungen des§ 1333 gilt nach wie vor die Bindung des Richters an das Gesetz. Solange die Bestimmungen des§ 1333 und zwar mit rückwirkender Kraft, nicht abgeändert sind, ist eine Anfechtung arisch-jüdischer Mischehen wie im vorliegenden Falle nicht möglich. Sven Hedins Kraftwagenkarawane von Tunganen überfallen. Noch in Gefangenschaft oder schon wieder freigelassen? DNB Peking, 12. Juli. Hier eingetroffene Nachrichten besagen, daß die Motorkarawane Sven Hedins von mohammedanischen Aufständischen des Generals Matschungying nördlich von Urumtschi am 4. Juli überfallen worden sei. Die Expeditionsteilnehmer, neben Sven Hedin fünf Mongolen und drei Chinesen, darunter ein bekannter Geologe, seien gefangen genommen worden. Eine amtliche Bestätigung dieser Meldung von chinesischer Seite liegt nicht vor. Der Vertreter der Expedition Sven Hedins in Peking, Norin, äußerte sich dahin, daß die Nachricht von der Gefangennahme mit größter Wahrscheinlichkeit richtig sei. Vor dem Antritt der Expedition hatte Sven Hedin erklärt, daß er damit von seiner Forschertätigkeit Abschied nehmen wolle. Nach einer weiteren Meldung soll das englische Generalkonsulat in Kaschgar wegen der Gefangennahme der Expeditionsteilnehmer bereits bei den chinesischen Provinzbehörden vorstellig geworden sein und die Entsendung einer militärischen Expedition verlangt haben. Nach einem am Mittwoch stattgefundenen Meinungsaustausch mit Nanking soll diesem Ersuchen stattgegeben werden. In chinesischen Kreisen glaubt man nicht, daß Sven Hedin etwas zugestoßen ist, noch etwas zustoßen werde, da er im chinesischen Volk großes Ansehen besitze, besonders auch in Chinesisch=Turkestan. Barrikaden in Rotterdam. Ain Wie in Amsterdam, so kam es auch in Rotterdam zu aufruhrartigen Aufständen der Kommunisten. Die Polizei mußte mit der Schußwaffe vorgehen, um die Räumung der Barrikaden zu erzwingen. Unser Bild zeigt zwei hintereinander errichtete Barrikaden in einer der Rotterdamer Aufruhrstraßen. Jetzt herrscht wieder Ruhe in Holland. Aus Kaschgar liegen über das Schicksal der Expedition Sven Hedins nur unbestätigte Nachrichten vor. Danach hat, wie in chinesischen politischen Kreisen erklärt wird, der Führer der Aufständischen, Matschungying, sich von dem rein kulturellen Aufgabenkreis der . Sven Hedin. Expedition überzeugt und die Freilassung der von seinen Scharen festgenommenen Forschergruppe verfügt. Zwei chinesische Kaufleute aus Kaschgar, Freunde Matschungyings, sind überdies abgereist, um den General, wenn das noch erforderlich sein sollte, von der Notwendigkeit, Sven Hedin freizulassen, zu überzeugen. * Sven Hedin ist, auf der Suche nach einer Karawanenstraße des Altertums, wie aus der obigen Meldung hervorgeht, in das im Aufstand gegen die chinesische Zentralregierung befindliche Gebiet von Chinesisch=Turkestan, in die Provinz Sinkiang, vorgedrungen, deren südlicher Teil von den mohammedanischen Tunganen unter dem Oberbefehl des General Matschungying beherrscht wird. Das weite Gebiet umfaßt die von ihm besetzten Städte Kaschgar, Maralbaschi, Yarkand und Khotan. Die Herrschaft des Generals erstreckt sich bis zu den Grenzen Kaschmirs, Afghanistans und Sowjetrußlands. Lloyddampfer„Sierra Morena“ wird am 20. Juli einer Umtaufe unterzogen, und zwar soll das neue Urlauberschiff der„Kraft durch Freude“=Fahrten den Namen„Der Deutsche“ erhalten. Der größte Teil der„Dresden“=Besatzung, soweit sie nicht schon Verwendung auf anderen Schiffen des Norddeutschen Lloyd gefunden hat, wird, unter Kapitän Petermöller auf dem Urlauberschiff bedienstet werden. Wetterbericht. Essen, 12. Juli(Eig. Drahtb.). Vorhersage für Freitag: Bei Winden aus Nordwest bis Nordost stark wolkig und einzelne Gewitter oder Gewitterschauer, Temperaturen etwas niedriger.— Wahrscheinliche Weiterentwicklung: Bei veränderlichen Winden wolkig und ziemlich warmes Wetter, noch immer Gewitterneigung. Puddingpulber das Beste vomBesten mit Gutscheinen Nach Einsendung von 50/1 oder 100/2 überweisen wir Ihnen 50 Pfennig in bar portofrel(3820 Reese G. m. b. H., Hameln. Uschi und ihre Freier. * Erzählung von Felix Freiherrn v. Stenglin. 4)(Nachdruck verboten.) Der Onkel lächelte, und man kann sogar sagen: geschmeichelt. Die Tante aber fragte: „Nun, du wirst doch wohl so höflich sein, Herrn Witt*mack zu empfangen, wenn er morgen mittag herkommt, um euch einen Besuch zu machen?“ „Das kann er haben, aber meine Antwort auf einen etwaigen Antrag weiß ich im voraus.“ Uschis Miene wurde ernster.„Und wenn wir anders unsere Existenz nicht aufrechterhalten können, werde ich allerdings die Folgerungen ziehen.“ Tante Therese glaubte in dieser Antwort wohl eine Art Einlenken zu erkennen, denn sie versicherte jetzt, daß sie gerne alles tun werde, um die Ausstattung ihrer Nichte zu vervollständigen. „Ich würde dann auch ein Uebriges tun und dir schon mit warmer Hand mein goldenes Service von der Königin Luise überlassen," setzte sie hoheitsvoll hinzu. Aber diese Ankündigung schien keinen Eindruck zu machen. Uschi sank weder vor der Tante in die Knie, noch fand sie ein Wort des Dankes. Zu oft schon hatte das goldene Service der Königin Luise als Lockmittel herhalten müssen, es zog nicht mehr, und man war sogar geneigt, sein Vorhandensein überhaupt zu bezweifeln. Etwas unwirsch wandte sich Tante Therese an den schweigsam dasitzenden Bruder. „Und du, Theodor, versuchst es nicht einmal, deine Autorität als Onkel zur Geltung zu bringen! Die Folgerungen ziehen! Im Munde Uschis ist das doch nur eine frevelhafte Redensart, wie... Es war dem Onkel nicht ganz angenehm, Stellung nehmen zu müssen. „Ja, ja, eine Redensart,“ begann er,„obwohl ein inneres Gefühl mitsprechen mag der Mensch lebt nicht von Brot allein... Uebrigens Italien! Mailand, Venedig, die Gondeln... es sind herrliche Erinnerungen ... und die Notwendigkeiten des Lebens sollte man nie vergessen—“ „Die Notwendigkeiten! Das ist es!“ stieß die Tante befriedigt hervor.„Nicht wahr, Agathe?" Frau Hagen nickte langsam vor sich hin und antwortete:„Ja, ja!" „Siehst du, Uschi?“ sagte die Tante triumphierend, „deine Mutter ist ganz meiner Meinung!“ „Ich werde die Folgerungen ziehen," wiederholte Uschi und stand auf. Es muß natürlich etwas geschehen. Ich werde eine Stelle als Stütze oder Dienstmädchen annehmen, dann kost ich hier nichts und kann Mutter noch etwas abgeben...“ Sie forderte Ralph auf, etwas mit ihr zu musizieren, und beide gingen ins Eßzimmer. „Du mußt ihr ins Gewissen reden!“ sagte Tante Therese zu ihrer Schwester, worauf diese nur mit einem Seufzer antwortete. Sie kannte ihre Tochter und wußte, daß ihr mit Schroffheit nichts abzubringen war. Genau dieselben Erfahrungen hatte sie mit Uschis Vater gemacht. Aehnliche Gedanken schienen die Tante zu bewegen, denn sie machte nun ihrer Schwester Vorwürfe darüber, daß sie dem Kinde zu sehr nachgegeben habe.„Schon als kleines Kind tat sie immer das Gegenteil von dem, was sie sollte, und wenn du wolltest, daß sie hereinkommen solle, brauchtest du nur zu sagen: bleib draußen! dann kam sie gewiß... Was meinst du, Theodor?“ Der Onkel wiegte den Kopf hin und her. „Wenn der Mensch erst seinen Bock bekommt,“ begann er endlich,„ist schwer etwas zu machen. Denke an unseren Großvater und seinen Freund und Kegelbruder, den Kohlmaus!“ „Ja, was soll denn das nun wieder?“ „Du entsinnst dich vielleicht, daß sie in Feindschaft gerieten, weil bei einem Gänseessen der Kohlmaus den Gänsekopf bekam... Der Mensch glaubt so leicht ein Recht zu haben, und dem Großvater stand nach einer stillschweigenden Uebereinkunft seit vielen Jahren der Kopf zu... So daß endlich nach einem erregten Wortwechsel der Großvater aus dem Kegelklub Gutholz austrat und einen neuen Klub gründete, die rollende Kugel—“ „Das ist ja aber lächerlich!“ wandte die Schwester ein. „Eben deshalb! Vollkommen lächerlich! Und sie sahen sich lange Jahre nicht, bis sie sich endlich nach fünfundzwanzig Jahren zufällig einmal auf der Straße begegneten, du mußt dich doch erinnern—“ „Nicht im mindesten!“ „Na also: Der Großvater, ein sehr guter Kegler und reich mit Kindern gesegnet— Ihr wißt ja: acht Töchter und genau in der Mitte der Sohn, achte um den König — und musikalisch! er sang so gut wie er kegelte Genug, er bleibt stehen und bietet dem alten Freunde die Hand, und Kohlmaus schlägt wie befreit ein, sie waren beide grau geworden inzwischen, und da sagt der andere(was er nicht hätte tun sollen): Es ist mir lieb, Heinrich, daß du dein Unrecht eingesehen hast, es wurde auch Zeit, der Gänsekopf stand dir ja auch eigentlich garnicht zu... Was?! braust da der Großvater auf, seit Jahren hatte ich jedesmal den Gänsekopf bekommen, und du wußtest, daß ich darauf rechnete— So gibt ein Wort das andere, sie suchen sich gegenseitig zu überbieten, der angesammelte Groll entladet sich— und damit ging die Versöhnung wieder in die Brüche, sie haben sich nie wiedergesehen... beides achtbare Leute, mit großem Talent, jeder in seiner Art... aber der Bock! Das ist der Teufel, schon bei den Kindern und noch ärger bei den Großen.“ In diesem Augenblick unterbrach Onkel Theodor seine Rede, denn Uschi kam zurück, um Gutenacht zu sagen, sie fühle sich müde und wolle ausschlafen, damit sie am nächsten Tage frisch sei und Bewerber gebührend empfangen könne. Das sagte sie freilich mit einem spöttischen Lächeln. Sie küßte die Mutter und reichte den Verwandten die Hand. „Nun, du scheinst ja immer unseren Vorschlag in Erwägung gezogen zu haben und einzusehen, daß wir dir nur zum Guten geraten haben,“ bemerkte die Tante mit einiger Genugtuung. Uschi wandte sich noch einmal um. „Jedes Zureden verschlimmert die Aussichten des Herrn Balduin Wittmack,“ erwiderte sie ziemlich von oben herab und ging ins Schlafzimmer. Onkel Theodor sah die Schwester bedeutungsvoll an und hob den Finger. „Seht ihr wohl?“ sagte er mit einem Augenzwinkern.„Der Gänsekopf!“ 3. Die kleine Ida bog eben im Eilschritt um die Straßenecke, als sie auf Uschi stieß, die mit dem gefüllten Milchtopf aus einem Laden kam. Die kleine Ida hatte fast immer Eile, morgens wenn sie zur Elektrischen stürmte, weil sie bis zum letzten Augenblick im Bette gelegen hatte, nachmittags nach Geschäftsschluß, weil sie es nicht abwarten konnte, sich zum Vergnügen anzukleiden. „Was ist Ihnen denn?“ fragte sie Uschi.„Sie sehen ja gar nicht so forsch aus wie sonst.“ Uschi, die erfreut war, irgend jemandem ihr Herz ausschütten zu können, erzählte von dem unliebsamen Besuch, der ihr bevorstehe. „Hat er was?“ fragte die andere sofort. „Das schon—“ erwiderte Uschi mit gefurchter Stirn. „Und dann besinnen Sie sich? Mich hat noch kein vermögender Ehrenmann haben wollen, aber ich mache einmal eine gute Parkie oder ich bleibe, was ich bin.“ „Und wenn Sie die Stellung verlieren?“ „Dann mache ich Schluß.“ Sie waren auch eines jener vielen verehrten Schäflein, die nach der großen Stadt kommen, um ihr Glüc zu machen und nun, allein in der großen Welt, Tag für Tag ihr mühsames Pensum in einem Büro abhaspeln, ohne Freude an ihrem Tun, nur um sich über Wasser zu halten und, wer weiß wo, endlich an irgend einem rettenden Ufer zu landen oder zu Grunde zu gehen. Schluß machen! Wie sie das so aussprach, als ob es eine Kleinigkeit sei, ihr junges Leben hinzuwerfen! „Pfui! So etwas müssen Sie nicht sagen!“ „Ja, denken Sie doch mal praktisch!“ eiferte die kleine Ida, indem sie ihr Mündchen spöttisch verzog.„Sehen Sie meinen Mantel, ich brauche dringend einen neuen, ich trage ihn schon zwei Jahre, er ist nicht mehr modern, dann muß ich ein neues Kleid haben, einen Hut, Schuhe, Strümpfe— die haben bei meiner Rennerei immer schon nach dem ersten Tage ein Loch— und abends geh ich tanzen, du, mein Gott, man ist jung...“ „Allein?“ „Aber Schäfchen, in Begleitung natürlich, aber er ist jetzt abgebaut, wie lange das noch so weiter geht, weiß ich nicht, ich werde wohl was anderes suchen müssen, man braucht ja nur die Finger auszustrecken... Wenn ich solche Gelegenheit hätte wie Sie, ach ja! Na, Glück zur Verlobung! Oder, wenn Sie durchaus nicht wollen, können Sie mir den Bewerber vielleicht abtreten, wie? Wenn auch nur zeitweise...“ „Ich werde ihn Ihnen zuschicken, als Wertpaket, sofort zu bestellen.“ Sie lachten beide. „Aber ich habe keine Zeit mehr," sagte Ida,„wenn man dreimal zu spät kommt, fliegt man!“ Damit eilte sie fort, die kleine Ida, und war in der nächsten Minute um die Straßenecke verschwunden. Das Gespräch ging Uschi im Kopf herum. Die Aussichten des Herrn Balduin Wittmack stiegen, sie fragte sich, ob es nicht doch besser sei, sich in ein warmes Nest zu setzen, als so wie die kleine Ida sich abzurackern und nichts davon zu haben als ein paar Stunden Tanzvergnügen— so lange es dauerte— und schließlich, wenn keine Rettung kam, sich selbst aufzugeben und— Schluß zu machen? Drüben auf der anderen Seite sah wieder der Rechtsanwalt aus dem Fenster und durch das Opernglas zu ihr herüber, sie wandte schnell den Kopf ab... Und jetzt schrak sie zusammen, eine sanfte Stimme redete sie an, eine ekelhaft sanfte Stimme, sie kam von einem feingekleideten Herrn, der ihr schon einige Male gefolgt war, und der nun auf seinem Rade neben ihr herfuhr. (Fortsetzung folgt.) 1 Aus Westdeutschland. Beim Waldbeerpfannkuchenbacken verbrannt. wp) Wanne-Eickel, 11. Juli. Im Stadtteil Röhlinghausen backte die Hausanstellte Dina Brandes Waldbeerpfannkuchen. Um den Qualm abziehen zu lassen, wollte sie rasch die Küchentür öffnenDabei aber verfing sich der Stiel der Bratpfanne in der Schürze des Mädchens. Die Pfanne schlug um, und im Nu stand das Mädchen in Flammen. Zwar kam auf das furchtbare Geschrei hin rasch Hilfe herzu. Aber die Brandwunden waren so schwer, daß das Mädchen kurz darauf im Krankenhause gestorben ist. Jahreshauptversammlung des Westfälischen Kunstvereins. wp Münster, 12. Juli. Im oberen großen Saale der Ratschänke trat am Dienstagabend der Westfälische Kunstverein zu seiner Jahreshauptversammlung zusammen. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden, Prof. Dr. Wackernagel, hielt der Vereinsassistent, Dr. Harald Seiler, zunächst einen außerordentlich anregenden Lichtbildervortrag über den Sammlungsbesitz in alter und neuerer Zeit, wobei er namentlich hochinteressante Aufschlüsse gab anhand der Akten des Vereins über die Einschätzung der Werke alter und zeitgenössischer Meister kurz nach der Gründung des Kunstvereins im Jahre 1831. Daraus geht hervor, daß der Kunstverein für seine ersten zehn Werke der primitiven Kunst, die noch heute den besonderen Stolz unseres Landesmuseums bilden(das ja bekanntlich die beste und größte Sammlung altwestfälischer Malerei enthält) ganze 60 Taler aufgewendet hat. Nach Erstattung der Geschäftsberichte für die letzten zwei Jahre und Genehmigung des Kassenberichtes legte Prof. Wackernagel den Vorsitz des Vereins nieder, den er seit zwölf Jahren geführt hatte, um die Umstellung des Kunstvereins auf die Richtlinien des Bundes deutscher Kunstvereine zu ermöglichen. Auf Vorschlag des Vertreters des Oberpräsidenten, Vizepräsidenten Wever, wurde die Umstellung vollzogen und dann der bewährte langjährige Vorsitzendé, Prof. Wackernagel, unter großen Beifall durch Zuruf einstimmig wiedergewählt. Prof. Wackernagel nahm die Wahl dankend an und versicherte treue Arbeit für den Verein. Dann wurden 34 Gemälde an die 400 Mitglieder verlost. Schweres Grubenunglück. Drei Tote. DNB Duisburg, 12. Juli. Auf der Zeche„Friedrich Heinrich“ in Moers ereignete sich am Mittwoch um 18 Uhr ein schweres Grubenunglück, über das die Bergbehörde folgenden amtlichen Bericht herausgibt: Heute nachmittag brach in einem Stoßbau des Flözes 9 beim Umkippen eines Bergewagens, wobei wahrscheinlich der Ausbau umgeschlagen wurde, an dieser Stelle plötzlich das Hangende herein. Drei Bergleute, die Hauer Miemitz, Flegel und Zapp; gerieten unter die hereinbrechenden Steine und verunglückten tödlich. Die Leichen sind inzwischen geborgen worden. Das Tischlerhandwerk marschiert auf. r Elberfeld, 12. Juli. Der Rheinisch=Westfälisch=Lippische Tischler=Innungsverband, Essen, hat beschlossen, seinen diesjährigen Verbandstag, den 23. Tischlertag, vom 4.—6. August 1934 in der Stadthalle zu W.=Elberfeld abzuhalten. Gleichzeitig damit verbunden ist die Feier des 25. Jubiläums des Tischler=Innungsverbandes sowie des 50jährigen Jubiläums der Tischlerinnung W.=Elberfeld. Am Samstag, dem 4. August, 13,30 Uhr, findet eine große öffentliche Kundgebung in der Stadthalle W.=Elberfeld statt, auf der bedeutsame Referate von Handwerksführern gehalten werden. Die beiden anderen Verhandlungstage dienen zur Beratung von Verbands= und Fachfragen. Im Mittelpunkt der ganzen Veranstaltungen werden eine Sonderschau handwerksmßiger Möbel und eine Tischlerei=Fachausstellung stehen. Kampf gegen den Schmuggel. Krefeld, 12. Juli. Beim Zollamt Kohlscheid wurde ein holländischer Kraftwagen angehalten, in dem bei näherer Revision in einem doppelten Tank 50 Kilo Rohkaffee und 3 Kilo Tee vorgefunden wurden.— Beamte aus Kohlscheid nahmen gemeinsam mit Beamten der hiesigen Zollfahndungsstelle sieben Leute fest, die gemeinsam versucht hatten, mittels Reiseschecks in Deutschland abgehobene Beträge nach Holland zu bringen. Die sieben Personen wurden dem Richter vorgeführt; der benutzte Kraftwagen wurde beschlagnahmt.— Beamte der Zollaufsichtsstelle Sief beschlagnahmten 20 000 Zigaretten, 37 Kilo Kaffee, 7,5 Kilo Feinschnittabak und 180 Buch Zigarettenpapier. Gaupressechef Schwaebe verunglückt. Köln, 12. Juli. Gaupressechef Schwaebe erlitt, wie der„Westdeutsche Beobachter“ meldet, gestern abend einen schweren Autounfall. Schwaebe befand sich in Begleitung des Gauamtswalters Schmidt auf einer Dienstfahrt nach Bergheim, wo er in einer Versammlung als Redner angesetzt war. Durch Verschulden eines Radfahrers, der im letzten Augenblick vor dem Kraftwagen die Straße überqueren wollte und der noch dazu verbotswidrig eine zweite Person mit auf dem Rade führte, kam der Kraftwagen ins Schleudern und überschlug sich, wobei es nur der Geistesgegenwart des Fahrzeugführers zu verdanken war, daß das Fahrrad nicht überrannt wurde. Schwaebe wurde mehrere Meter weit aus dem Wagen geschleudert und erlitt Kopf= und Beinverletzungen sowie eine Quetschwunde am rechten Arm. Er wurde ins Krankenhaus Hohenlind eingeliefert. Schmidt trug eine Schulterverletzung davon, während der Fahrer unverletzt blieb. Vom Schützenfest in den Tod. Immigrath, 12. Juli. Am Dienstag morgen fuhr ein mit zwei Personen besetztes Motorrad auf einen entgegenkommenden Lastzug. Beide Motorradfahrer, die vom Schützenfest in Landwehr kamen, trugen sehr schwere Verletzungen davon und mußten dem Krankenhaus zugeführt werden, wo der Fahrer kurz nach der Einlieferung starb. Tödlich abgestürzt. Koblenz, 12. Juli. Der im Alter von 73 Jahren stehende Gymnasialprofessor Dr. Uertmann aus Koblenz stürzte am Mittwoch bei der Besteigung der Burg Lahneck ab. Der Verunglückte hatte auf einem schmalen Weg das Uebergewicht verloren und fiel über einen steilen Hang und später über eine mehrere Meter hohe Mauer in die Tiefe. Spaziergänger brachten den Verunglückten ins Krankenhaus, wo er bald darauf seinen schweren Verletzungen erlag. Der Verstorbene war zuletzt Direktor des Gymnasiums in Traben=Trarbach und vorher in Köln=Mülheim tätig. Raubmord? Schweres Verbrechen aufgedeckt. DNB Saarbrücken, 11. Juli. In Hellenhousen(Bezirk Heusweiler) wurde heute vormittag im Anwesen des Ackerers Josef Ziegler ein schweres Verbrechen entdeckt. Als Nachbarn zu ihm kamen, fanden sie den 46 Jahre alten Mann tot in seinem Bett, an Händen und Füßen gefesselt und offenbar erwürgt. Seine 70 Jahre alte Mutter lag ebenfalls gefesselt im Bett, gab aber noch Lebenszeichen von sich. Allem Anschein nach liegt Raubmord vor, doch fehlt von den Tätern noch jede Spur, Beamte der Landeskriminalpolizei und ein Vertreter der Saarbrücker Staatsanwaltschaft haben sich an den Tatort begeben, um die Ermittlungen aufzunehmen. Eine Stromberg(Hunsrück), 12. Juli. Der Gestalt der deutschen Geschichte, dem„Deutschen Michel“ wurde in seiner Vaterstadt Stromberg eine würdige Gedenkstätte geschaffen. Die Gedenkstätte führt den Namen„Deutsche Michelstube“. Sie befindet sich in den unteren Räumen des Stromberger Kurhauses. Die Ausstattung der Stube erinnert mit jeder Faser an die Gestalt des Helden und an seine Geschichte. Alte Stiche hervorragender Heerführer, Bilder historischer Stätten zieren die Wände. Ein großes Wandrelief gibt das Reiterstandbild des„Deutschen Michels“(Reitergeneral Hans Michael Elias von Obentraut) wieder.— Mit der Eröffnung der„Deutschen Michelstube“ fand auch die Einweihung der„Hunsrückstube“ statt. Kirchliches. Exerzitien in der Benediktinerabtei Gerleve über Coesfeld. 2. Halbjahr 1934. 27. bis 31. Juli für Lehrerinnen; 27. August bis 1. September für Religionslehrer; 30. August bis 3. September für Primaner; 4. bis 8. September für Fürsorgerinnen; 25, bis 29. September für Jungfrauen(Altexerzitantinnen); 2. bis 6. Oktober für Jungfrauen: 15. bis 20. Oktober für Priester; 6. bis 10. November für Frauen; 10. bis 13. November für Jungmänner: 27. bis 31. Dezember für Abiturienten; 3. bis 7. Januar für Abiturientinnen. Einkehrtage. 21. bis 22. Juli: Erklärung der hl. Messe; 31. Oktober bis 1. November: Liturgie des Allerheiligenfestes; 1. bis 2. Dezember: Adventsliturgie. Die Ketteler=Feierstunde in der Lambertikirche zu Münster. Die Weihe des Lichtes für die Grabeskerze. w Münster, 12. Juli. Laut hallen am Donnerstag abend die Glocken vom Turme der altehrwürdigen Lambertikirche über dem mählich verebbenden Lärm der Großstadtstraßen." Sie laden mit ehernem Rufe die katholischen Werkmänner Münsters zu einer Stunde des Gebetes und der Einkehr, zu einer Stunde der Erinnerung an den unvergeßlichen, in seinem Werke ewig fortlebenden Bischof Wilhelm Emanue! von Ketteler. Als ein Auftakt soll der Abend gelten zu der Kettelerfeier am Freitag, dem 13. Juli, in Mainz am Grabe dieses großen Mannes. In außerordentlicher Anzahl sind die Arbeiter erschienen, Arbeiter der Stirn und der Faust, um dem Bischof Dank abzustatten für sein Werk. Festlich geschmückt empfangen die hohen Kirchenhallen die Beter. In einem Meer von Licht, das von den hohen Kerzen flammt, steht der Altar. Das Grün der zur Ausschmückung verwandten Bäume und die weißen, vollen Blüten von vielen Blumen sind wie übergoldet: ein Sinnbild ewiger Schönheit und der Unvergänglichkeit des Wahren. Durch die hohen Fenster im Chor und in den Seitenwänden der Kirchenschiffe fällt bunt gedämpft wie dämmernd weiches Licht. Vor 133 Jahren empfing Wilhelm Emanuel von Ketteler in dieser Kirche dort hinten an dem Taufstein das Sakrament der Taufe, Hier, wo zuerst Gottes Gnadenlicht ihn traf, soll auch sein Grablicht geweiht werden. Die Herren vom Domkapitel haben bereits auf dem Chore Platz genommen, alle überragt von der Gestalt des bekannten Dompredigers und Dompropstes Dr. Donders, der gleich die Festpredigt halten wird. Weiterhin sieht man auf dem Chore Verwandte des hohen Toten und Vertreter des katholischen Adels. Die katholische Jugend, Werkmenschen und Studenten sind ebenfalls zahlreich vertreten. Nun beginnt die Feierstunde. In würdigem Zuge, langsam schreitend, zieht in ihrer schmucken Tracht die Abordnung der Knappen ein, die unter der Führung eines Geistlichen aus dem Industriegebiet das Licht tragen, mit geweihten Kerzen einem Hochofen entnommen. Gleich wird es geweiht und dann am Freitag nach Mainz gebracht werden, wo es als ewiges Licht am Grabe Bischof Kettelers brennen soll. Sichtbarer Ausdruck der Liebe und der Pietät des katholischen Arbeitertums. Fahnenabordnungen des Werkvolkes begleiten das Licht und nehmen auf dem Chore Aufstellung, während in mächtigen Akkorden das Lied durch die Kirche schallt„Ein Haus voll Glorie schauet weit über Stadt und Land“. Gebet und Gesang wechseln ab. Inbrünstig stimmen die vielen Hunderte von Männern mit ein, daß es weithin durch die offenen Portale der Kirche nach draußen klingt. Dann besteigt Dompropst Dr. Donders die Kanzel, um die Festpredigt zu halten. An den Beginn seiner Ausführungen stellt er das Wort der Heiligen Schrift:„Er war eine brennende und hell strahlende Leuchte". Wie Johannes wollte Wilhelm Emanuel von Ketteler Vorläufer Christi sein und Wegbereiter in eine neue Zeit. Es hat darum einen tiefen Sinn, wenn heute am Vorabend seines Todestages, der fast sechs Jahrzehnte zurückliegt, das katholische Werkvolk in der Taufkirche des Bischofs ein Licht weihen will als Dank an Gott, daß er voll Gnaden seinen Diener stärkte und befähigte, das Licht, das er in der Taufe erhielt, unversehrt vor Gottes Richterstuhl zu tragen. Der Prediger überbringt Gruß und Segen des Bischofs Clemens August Graf von Galen, der auf einer Firmungsreise begriffen, am heutigen Abend im Geiste an der Weihestunde teilnimmt. In dem Leben des großzen Bischofs zeigt der Prediger auf, wie er das Licht Gottes aufnahm und behütete. In einer streng katholischen Adelsfamilie aufgezogen, eng verbunden mit den Menschen und der Scholle seines Heimatlandes Westfalen, wuchs er heran, betraut von einer guten Mutter. Dankbar anerkannte und betonte Bischof Ketteler immer und immer wieder in seinem Leben, welche Bedeutung eine tiefreligiöse Mutter und ein gutes Familienleben für den Lebensweg eines Menschen hat. Zunächst studierte der junge Ketteler Jura. Das religiöse Leben jener Zeit war flach und oberflächlich, bis die Katholiken durch das Kölner Ereignis aus ihrer Lauheit aufgeschreckt wurden. Der junge Ketteler faßte damals den Entschluß, aus dem Staatsdienst auszuscheiden und sich ganz Gott zu weihen. 1844 empfing er im Dom zu Münster die heilige Priesterweihe. Als Kaplan in Beckum und als Bauernpfarrer in Hopsten führte er ein strenges, frommes, asketisches Priesterleben, ganz seinem Beruf hingegeben, besonders der Seelsorge und der Caritas. Darin ist aber der Grundzug seines ganzen Wesens zu erblicken. Still dienende Liebe und daraus erwachsend die Kraft zur Durchführung seiner großen sozialen Mission. Mit Recht konnte er von sich sagen in einer Rede als Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung 1848: „Ich kenne das Volk, ich liebe das Volk, und ich lebe für das Volk.“ An alle Dinge des öffentlichen Lebens legte er den Maßstab der christlichen Weltanschauung. In den sechs berühmtgewordenen Adventspredigten im Dome zu Mainz im gleichen Jahre rückte er mit apostolischem Prophetengeist zum erstenmal die großen sozialen Fragen in das Bewußtsein der Oeffentlichkeit. Als Propst der St. Hedwigskirche in Berlin hatte er den Mut, eine öffentliche Fronleichnamsprozession abzuhalten. Die Weltstadt Berlin horchte auf. Wer war dieser Mann? Nicht lange blieb Ketteler in Berlin. Schon bald wurde er zum Bischof von Mainz gewählt und ernannt. In seinem Gehorsam gegen den Heiligen Vater kannte er kein langes Zaudern. 25 Jahre lang führte er den Bischofsstab und löste die Aufgaben, die er sich gestellt, Priester und Volk zu erneuern im Geiste Christi durch Volksmissionen und Exerzitien. Er wurde schon bald der Führer der deutschen Katholiken, Priester und Bischöfe und als Redner der Katholikentage Inspirator des neuerwachenden religiösen Lebens. Alle Fragen des religiösen und öffentlichen Lebens, insbesondere auch die sozialen Fragen, sah er von der sittlichen Seite an in der Erkenntnis, daß nur in der Beobachtung der Gebote und Ordnungen Gottes Glück und Wohlfahrt der Völker erblühen könne. So soll dieser Volksbischof, dieser Prophet und Apostel uns Führer, Vorbild und Fürbitter sein. Die Predigt schloß mit einem zu Herzen gehenden Appell an die Anwesenden, im Geiste des großen Bischofs zu leben und das Licht des Christentums hinauszutragen, damit es die Welt segne. Machtvoll erscholl, als der Redner geendet, das Schwurlied„Fest soll mein Taufbund immer steh'n“ durch die Kirche. Anschließend fand dann die Weihe des Lichtes statt. In feierlicher Prozession wurde es durch die Kirche getragen, voranleuchtend dem Allerheiligsten, begleitet von vielen kerzentragenden Gläubigen. Mit der Erteilung des sakramentalen Segens schloß die Feierstunde. Das Kettelerlicht wurde zum Kettelerheim gefahren. Dort brennt es in der Kapelle, während zugleich die ganze Nacht Anbetung ist bis morgen früh, wo es feierlich nach Mainz gebracht werden wird. Westfalens Leichtathleten bei den Deutschen Kampfspielen. Der Gau Westfalen hat zu den leichtathletischen Wettbewerben der Deutschen Kampfspiele die Meldung namstehender Wettkämpfer zugelassen: Männer: 100 m: Reuther, Lienecke(Preußen Münster); Jonath, Borchmeyer, Vent(Tus Bochum). 200 m: die gleichen. 400 m: Goldhausen(Vikt. Recklinghausen); Geißler (S. u. S. Bielefeld). 800 m: Glagowski(OSV Hörde); Stemberg(VfL. Ver. Stahlwerke Dortmund); Destadt(Rote Erde, Iserlohn). 1500 m: Orth(VfL. Ver. Stahlwerke Dortmund); Göttmann(Hammer Spiel=Vgg.). 10 000 m: Prange(FC. Schwelm). 400 m Hürden: Ebert(OSV Hörde); Tingelhoff (Preußen Münster). 4 mal 100 m=Staffel: Tus Bochum(Jonath, Borcmeyer, Vent Lesser). Preußen Münster(Reuther Lienecke, Heßbrügge, Kleinebrecht). 4 mal 400 m=Staffel: Preußen Münster(Tingelhoff, Reuther, Kleinebrecht, Rohleder). 4 mal 1500 m=Staffel: VfL. Ver. Stahlwerke Dortmund(Orth. Stemberg, Kröger, Fröhlich). Weitsprung: Pietrus(Vikt. Recklinghausen); Völmke (TV Eintracht Dortmund). Hochsprung: Stechemesser(Preußen Münster). Stabhochsprung: Dzwiza(Tus=Bochum). Kugelstoß: Werring(Gronau 09). Diskuswurf: Hoffmeister(Münster 08). Speerwurf: Stechemesser(Preußen Münster). Hammerwurf: Grimm(Preußen Paderborn). Steinstoß: Harweg(VfL. Ver. Stahlwerke Dortmund). Zehnkampf: Vogelsang(S. u. TV. Hörder Verein); Geis(Pol. S. V. Bielefeld). Marathonlauf: Billing(S. u. S. Bielefeld). 25 mal ½ Runde=Staffel: 1 Mannschaft. Frauen: Kugelstoß: Link(Sportfr. Siegen); Kirchhoff(TV. Einigkeit Jöllenbeck). Speerwurf; Graul(Sportfr. 95, Dortmund); Link. Diskuswurf: Kirchhoff. Fünfkampf: Link; Kirchhoff. Die Abfahrt der Teilnehmer erfolgt am Donnerstag, 26. Juli, gemeinsam mit den Wettkämpfern der beiden anderen westdeutschen Gaue. Alle Wettkämpfer sind verpflichtet, an den Westdeutschen Meisterschaften am 22. Juli in Elberfeld teilzunehmen. Nürnberg ruft! An die westfälischen und lippischen Turner und die Jugend. Der Führer der Deutschen Turnerschaft, Reichssportführer von Tschammer und Osten, will die Deutschen Kampfspiele, die am Monatsende in Nürnbera durchgeführt werden, zu einer Großtat für Leibesübungen werden lassen wie nie zuvor. Deutsche Turner und Turnerinnen, die Jugend aus dem Land der Roten Erde, wird hierdurch aufgefordert, dem Rufe des Reichssportführers freudig und zahlreich zu folgen. Die Fahrt nach Nürnberg wird allen Teilnehmenden außerordentlich billig gemacht. Die Turner und Turnerinnen haben 60 Prozent und die Jugendlichen 75 Prozent Fahrpreisermäßigung. Bedingung ist, daß sich alle bis spätestens den 14. d. M. bei den Fahrkartenschaltern der Reichsbahn für die verschiedenen Sonderzüge, die am 21. Juli die Heimatplätze verlassen, melden. Die Jugendlichen zahlen für die zehn Tage Aufenthalt in Nürnberg 12 RM. für Unterkunft usw., wovon der Reichssportführer die Hälfte übernimmt. Noch billiger geht es nicht. Also sofort zu den Sonderzügen melden und die schriftliche Meldung des Kommens an das Büro der Deutschen Kampfspiele in Nürnberg, Kupferschmiedshof 9, absenden. Wer es eben einrichten kann, muß nach Nürnberg fahren. Eine Gelegenheit, so preiswert nach Nürnberg zu kommen und so billig dort zu leben, bietet sich keinem wieder. Nürnberg, die herrliche Stadt im schönen Frankenland, wird jeden so in seinen Bann ziehen, daß er Zeit seines Lebens an die schönen Stunden zurückdenken wird. Auf nach Nürnberg! Gau IX Westfalen der DT. Der Dank der Unser Mindener Landesturnfest,„das Fest der gewaltigen Kraft der Deutschen Turnerschaft“, wie es Werner Gärtner in der„Deutschen Turnzeitung“ nennt, liegt hinter uns. Die Erinnerung an dieses Fest, das erste Landesturnfest der Westfalen und Lipper im Reiche Adolf Hitlers, wird in uns fortleben für alle Zeiten. Das Fest hat uns Mut und Stärke gegeben zu weiterer, unablässiger, opferfreudiger Arbeit für Volk und Vaterland. Wenn das Fest so erhebend und glänzend verlaufen ist, so danken wir das an erster Stelle unseren Mindener Turnbrüdern, die in rastloser hingebender Arbeit die Vorbereitungen für das Fest getroffen haben, aber auch dem verständnisvollen und wohlwollenden Entgegenkommen des Mindener Stadtoberhauptes und der gesamten Bevölkerung der gastlichen Weserstadt. In herzlicher Dankbarkeit gedenken wir der kameradschaftlichen und großzügigen Unterstützung unseres Turnfestes durch alle Stellen des Reichsheeres. Unser Dank gilt ferner den Kameraden der SA und SS für ihre Beteiligung an den Aufmärschen und für den in Gemeinschaft mit der Mindener Polizei vorbildlich geleisteten Ordnungsdienst! Wir danken Rundfunk, Film und Presse für ihre hervorragende Mitarbeit und vergessen nicht, der stillen, opferbereiten Hilfe der Aerzte und Sanitätsmannschaften zu gedenken. Unser herzlicher Dank gilt namentlich auch euch, liebe Turnschwestern und Turnbrüder, die ihr als Turnwarte in Gau, Bezirken, Kreisen, Ringen und Vereinen, als Obleute, Kampfrichter und Riegenführer, als Vorturner und Turner und Turnerin unserer Vereine durch treue, unermüdliche Arbeit und turnerisches Verhalten auf dem Fest zu dem guten Gelingen des großen Werkes beigetragen habt. Allen, die an der Vorbereitung, Gestaltung und Abwickelung des Festes geholfen und mitgeschaffen haben, danke ich namens des Gauführerstabes von ganzem Herzen. Freudig und dankbar haben wir die große Anteilnahme unserer Gäste, insbesondere der zahlreichen Ehrengäste an dem großen Erleben unseres Landesturnfestes wahrnehmen dürfen. Wir wissen, daß es uns gelungen ist, nicht nur Verständnis, sondern auch Liebe für unsere Deutsche Turnerschaft zu wecken. In tiefer Dankbarkeit und mit freudigem Stolz gedenken wir der so warmen und herzlichen Anerkennung unserer turnerschaftlichen Arbeit durch den Wehrkreiskommandeur, Herrn Generalleutnant v. Fleck.„Die gleichen Ziele bewegen Turner und Soldaten.“ Wir werden das in uns gesetzte Vertrauen nicht enttäuschen! Wir versprechen, getreu dem Vermächtnis Friedrich Ludwig Jahns und der Geschichte unserer stolzen Turnerschaft unablässig und unbeirrt Volk und Vaterland zu dienen und uns in der Liebe zu unserem Volk und seinem Führer von niemanden übertreffen zu lassen! Aus unserer Arbeit werden aufwachsen die Wälle der Vaterlandsliebe und die Ströme der Kraft, die„schirmend die heilige Grenzmark des Vaterlandes“ umgeben werden! Gut Heil! Heil Hitler! Euer J. Reiff, Gauführer Tour de France. Vietto abermals in Front. Digne, 12. Juli. Hohe Anforderungen stellte auch die 9. Etappe der Sonnenfahrt von Gap nach Digne über 227 km an die Fahrer der Tour de France, da diesmal Steigungen bis über 2000 m zu überwinden waren. Der Col de Vars und Col d'Alles waren mit 2115 bezw. 2350 m die höchsten Gipfeln. Der junge Südfranzose Vietto war der beste Bergekletterer und gab erneut einen Beweis seiner großen Klasse. Bereits auf dem ersten Teil der Strecke war er immer in der Spitzengruppe zu finden und erreichte, nachdem er die Spanier Ezquerra und Trueba endgültig abgeschüttelt hatte, in 8:08:44,2 unter stürmischer Begrüßung allein das Ziel in Digne vor Molinar und Trueba in 8:11:07, denen mit weiteren vier Minuten im Rückstand in 8:15:12 das Hauptfeld mit Speicher, Morelli und Martano folgte. Bester Deutscher war wiederum Geyer. der sich in 8:22:42 als 15. in die Liste eintrug. Er verlor allerdings 14 Minuten, was offenbar auf die großen Anstrengungen des Tages vorher zurückzuführen ist, als Geyer trotz zweier Reifendefekte noch als Fünfter in Gap eintraf. Der Etappensieger Vietto konnte sich im Gesamtergebnis auf den fünften Platz vorschieben. Mit Ausnahme von Geyer fielen die übrigen deutschen Teilnehmer durchaus weit zurück und büßten zum Teil mehr als eine Fahrzeit von 30 Minuten ein, erreichten aber alle rechtzeitig das Ziel. Buse als 38. vor Stöpel, Risch als 45. vor Kutschbach. Ergebnisse: 9. Etappe: 1. Vietto 8:05:44, Molinar 8:11:07 3. Trueba dichtauf, 4. Speicher 8:15:12, 5. Morelli, 6. Martano, 7. Cazzulani, 8. Carnado, 9. Verwaecke, 10. Magne, 11. Ezquerra alle dichtauf, 15. Geyer 8:22:42, 38. Buse 8:43:00, 39. Stöpel 8:44:28, 41. Risch 8:57:32, 42. Kutschbach dichtauf. Einzelklassement: 1. Magne 63:23:09, 2. Martano 63:29:22, 3. Morelli 63:53:34, 4. Verwaecke 63:54:59, 5. Vietto 63:55:18, 11. Geyer 64:08:35, 16. Buse 64:35:00, 23. Stöpel 64:51:50. Nationen: 1. Frankreich 191:19:09, 2. SpanienSchweiz 192:31:26, 3. Italien 192:48:41, 4. Deutschland 193:35:25, 5. Belgien 194:43:07. Neusel will Schmeling k. o. schlagen Für 50 000 Mark Karten schon abgesetzt. Hamburg, 12. Juli. Walter Neusel weilte in Hamburg und äußerte sich sehr zuversichtlich über seine Aussichten. Neusel überschätzt den Exweltmeister keineswegs und hält ihn für weitaus gefährlicher als Tommy Loughran. Dennoch hofft Neusel entscheidend gewinnen zu können und den Kampf vor Ablauf der vereinbarten zwölf Runden zu beenden, um dann in USA mit Max Baer um den Titel zu kämpfen. Bezüglich der Distanz einigten sich beide Gegner auf die„goldene Mitte", nachdem Neusel zehn, Schmeling aber fünfzehn Runden vorgeschlagen hatte. Neusel gilt in Amerika als Favorit, während bei uns die Meinungen hierüber sehr verschieden sind. In Amerika rechnet man fest mit Neusels Sieg, und ebenso in Paris, wo der Westfale in den nächsten Tagen ein intensives Training beginnt. Als Sparringspartner stehen ihm der schlagstarke Spanier Gastanaga, der am gleichen Tage mit Hans Schönrath durch vie Seile klettert, ferner der frühere schwedische Europameister John Anderssen und Frankreichs Exmeister Maurice Griselle zur Verfügung. Als Chefsekundant wird in Hamburg in Neusels Ecke der Amerikaner Jimmy Bronson tätig sein, der schon seinerzeit Tunney in seinem Kampf gegen Jack Dempsey betreute. 19 4 1 Aus Zeit und Leben. Die katholische Kirche in Syrien. Neuer Aufbau nach furchtbaren Leiden. Von unserem römischen Korrespondenten. A Rom, 10. Juli. Wenn bei dem feierlichen Hochamt des Papstes in St. Peter Epistel und Evangelium in lateinischer und griechischer Sprache gelesen werden, wird der Abendländer daran erinnert, daß zur katholischen Weltkirche auch morgenländische Kirchen gehören, die das Schisma überwunden haben und mit Rom verbunden sind. Die unierten morgenländischen oder orientalischen Kirchen stehen unter der Leitung eines Patriarchen und haben nicht wie das Abendland den lateinischen Ritus, sondern den Ritus ihrer Landessprache. Man unterscheidet vier Hauptgruppen von nichtlateinischen Riten: den armenischen, den koptischen, den griechischen und den syrischen Ritus. Fast jeder hat wieder seine Unterabteilungen. Der griechische Ritus zum Beispiel umschließt seinerseits fünf verschiedene Riten: den rein griechischen Ritus in altgriechischer Sprache, den griechisch-rumänischen Ritus in rumänischer Sprache, den griechisch=ruthenischen Ritus in altslawischer Sprache, den griechisch=bulgarischen Ritus ebenfalls in altslawischer Sprache und schließlich den griechisch=melchitischen Ritus in arabischer Sprache. Der syrische Ritus wird in syrischer, in chaldäischer und in altsyrischer Sprache gefeiert. Die orientalischen Kirchen unterstanden bis 1917 der allgemeinen obersten kirchlichen Missionsbehörde, der Kongregation der Glaubensverbreitung(Propaganda Fide). Benedikt XV. hat hier eine große Reform durchgeführt. Er errichtete am 1. Dezember 1917 als selbständige Behörde die Kongregation für die Orientalische Kirche, der alle Kirchen des Morgenlandes unterstellt sind. Alle anderen Kongregationen — mit der Ausnahme der obersten Ueberwachungsbehörde in Glaubens= und Sittenfragen, der Kongregation des hl. Offiziums— haben mit den Angelegenheiten der morgenländischen Kirchen nichts mehr zu tun. Die Einräumung einer so selbständigen Stellung für die unierten Kirchen des Orients soll die Annäherung an die orientalischen Glaubensgemeinschaften erleichtern, die noch im Schisma leben. Diese Absicht wird noch dadurch unterstrichen, daß der Papst selbst die Kongregation für die Orientalische Kirche leitet. Fast gleichzeitig mit dieser neuen Kongregation hat Benedikt XV. das Orientalische Institut in Rom gegründet, das sogar schismatischen Orientalen offensteht und in dem in Forschung und Lehre die Fragen des Orients studiert werden. An der Spitze dieses Instituts steht heute mit P. Emil Herman, ein deutscher Jesuitenpater. Dies alles war vorauszuschicken, um das Verständnis für einen neuerdings vorliegenden Bericht über die Lage der katholischen Kirche in Syrien zu erleichtern. Der Patriarch von Antiochien, der seinen Amtssitz in Beirut hat, Ignatius Gabriel Tappouni, weilte dieser Tage zusammen mit den Erzbischöfen von Aleppo und Damaskus in Rom, um dem Papste den alle fünf Jahre vorgeschriebenen persönlichen Besuch und Bericht zu erstatten. Ein Vertreter des„Össervatore Romano“ hatte Gelegenheit, sich mehrere Stunden mit dem Patriarchen zu unterhalten. Aus dem Inhalt dieser Unterredung sei hier in Kürze das Wichtigste mitgeteilt: Der Patriarch ist erst 55 Jahre alt, aber sein langer Bart ist schon völlig weiß, und in seinem Gesicht sind die Spuren der unerhörten Leiden eingegraben, die die Kirche in Syrien bis zum Abschluß des Weltkrieges durchzumachen hatte. Seit dem 17. Jahrhundert, in dem die syrische Kirche sich mit der Abendländischen Kirche vereinigte, gab es kaum einen syrischen Patriarchen, der nicht unter dem Regiment der türkischen Sultane schwerste Verfolgungen, Verbannung, Kerker und gewaltsamen Tod zu erleiden hatte. Seit 1783 konnte der Patriarchenstuhl wegen dieser Verfolgungen 81 Jahre lang nicht besetzt werden. Die syrischen Bischöfe mußten sich in den unzugänglichen Bergen des Libanon verborgen halten. Nach 1819 wurde der Patriarch Simon Zora mit einem Strick um den Hals sechs Stunden am Boden herumgeschleift und dann erhängt. Sein Nachfolger entkam zwar einer Verfolgung der Drusen, wurde aber in der Kirche von Aleppo von Muselmanen ergriffen, am Bart auf die Straße gezerrt und mit Säbelhieben so schwer verwundet, daß er bald darauf starb. Er war 74 Jahre alt. Sein Tod machte so starken Eindruck, daß acht schismatische Jakobitenbischöfe sich mit Rom aussöhnten. Zwei davon starben als Martyrer. Auch der Patriarch Arkus, der am Vatikanischen Konzil teilgenommen und sich mit seinen Bischöfen stark für das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit eingesetzt hatte, mußte nach der Rückkehr in die Heimat als Martyrer sterben. Der Vorgänger des gegenwärtigen Patriarchen wurde auf offener Straße mit Fußtritten so furchtbar mißhandelt, daß die Wunden in seinem ganzen Leben nicht mehr heilten. Der Weltkrieg brachte noch eine Verschärfung der Verfolgungen. Der gegenwärtige Patriarch war damals 33 Jahre alt und gerade Bischof geworden. Er mußte ein schreckliches Gemetzel erleben, das fünf Diözesen und 15 blühende Missionsstationen vernichtete. In einer Diözese wurde ein Bischof mit dem gesamten Klerus ermordet. Er selbst wurde unter militärischer Bewachung nach Aleppo geschleppt, vor ein Kriegsgericht gestellt und mit gemeinen Verbrechern eingekerkert. Erst gegen Ende des Krieges, mit der Besetzung Syriens durch die Alliierten, kam er wieder auf freien Fuß. Ein Schatten tiefer Traurigkeit fiel auf das Gesicht des Patriarchen, als er von den Schrecken und Verwüstungen dieser Leidenszeit erzählte: der Bischof von Gezirah wurde am Fronleichnamstag des Jahres 1915 mit seinem Klerus im Gefängnis hingerichtet, ganze Familien ausgerottet. „Es ist ein wahres Wunder“, fügte der Patriarch hinzu,„daß es dort noch Christen gibt.“ In den letzten zehn Jahren, seit Syrien unter französischer Verwaltung ein Mandatsgebiet des Völkerbundes geworden ist, konnte mit dem Wiederaufbau begonnen werden. Im Jahre 1929, als Mons. Tappouni Patriarch geworden war, wurde der Sitz des Patriarchates endgültig nach Beirut verlegt. Zu dem Patriarchat gehören die Diözesen Beirut, Aleppo, Damaskus, Homs, Bagdad, Mossul, Mardin und das zerstörte Gezireh, außerdem die Patriarchalvikariate der syrischen Kirche von Aegypten und Palästina, mit insgesamt 80 000 Gläubigen. Pius XI. hat dem Patriarchen ein würdiges Amtsgebäude gestiftet. Die wichtigste Sorge gilt dem Priesterseminar. Die Bekehrung der schismatischen Jakobiten macht dauernde Fortschritte. Sie hängen sehr an der Marienverehrung, und eben dies ist die große Hoffnung für die Mission der syrischen Kirche. Ungarische Jugend besucht Deutschland. . Als Gegenbesuch für die im vorigen Jahr stattgefundene Reise der HI in Ungarn trafen am Montag in München, als der ersten Etappe, 50 Mitglieder der ungarischen Levente=Jugend ein, die am Kriegerdenkmal und am Mahnmal der Feldherrnhalle Kränze niederlegten.— Die ungarischen Gäste vor der Feldherrnhalle in München. Vorbeimarsch der Hitlerjugend. Harte Eine Erinnerung von Ernst W. Freißler. Zwei Jahre lang hatten wir es immer so gehalten, daß wir von dem kleinen Bauerngütchen nur das nackte Leben verlangten, das nötige Bargeld aber von meiner Kopfarbeit. Aber im Herbst 1921 war es ja nun soweit, daß mit der Kopfarbeit wenig mehr auszurichten war; bis der Geldbriefträger das Honorar brachte, konnte man es ihm gerne als Trinkgeld lassen Bares Geld mußte also auf irgendeine andere Weise her. Manche gingen auf Tagelohn, aber auch damit hatte es seinen Haken. Das Dorf war nicht reich, für das bißchen Lohnarbeit gab es Bewerber genug, ganz arme darunter, denen man gewiß nichts wegnehmen durfte. Da war es der Völk Franzl, der einen Ausweg fand. Sie nannten ihn Bolger Franzl, weil sein Haus„beim Bolger“ hieß, so wie das unsre„beim Zischt“. Er hatte etwas mehr Land, aber ich hatte einen dreipferdigen Motor mit Kreissäge voraus; im Vorjahre hatte ich die Lederbände aus meinem Bücherschrank abgestoßen— Lederband und Vorkriegspapier mußte es sein, alles andere Nebensache— und davon die Anlage angeschafft. Nun kam der Bolger und meinte, im Staatsforst drüben seien jetzt die Stämme vom letzten Windbruch aufgearbeitet, da könnte man die Stubben billig einsteigern— solche Trümmer, zeigte er mit weiten Armen; manche Das brennende Unversitütsgebände in Freiburg. gäben wohl einen guten Raummeter Holz, auch noch mehr. Von den Leuten im Dorf traue sich keiner dran, weil ein einzelner sich ja wirklich zum Krüppel arbeiten könne an dem schiechen Zeug. Aber wenn zweie sich zusammentun und die Sache anpacken wollten? Ha? Wo doch in der Stadt drin die Leute nach Brennholz nur so jammerten? „Und net amal ausgraben brauchts, san ja lauter Windbrüch, die mehrern stehn mit de Wurzeln in d' Höh', und de, wo zurückgefallen sein, sitzen aa nimmer fest— i mein' alleweil, des sollt ma net auslass'n? Ha?“ Und wir ließen es nicht aus. Wir kauften den ganzen Schlag, der Förster war kein Unmensch, und gab uns sechs Wochen Ziel und schätzte überdies auch die Stubben recht großzügig ab. Für ihn war es ja gefundenes Geld, er bekam den Schlag frei und konnte im Frühjahr gleich anpflanzen. An einem Sonnabend bekamen wir den Zuschlag, der Franzl und ich, und gingen nachmittags in den Wald, um die Sache nochmals genau anzusehen und auszumachen, wo wir am Montag anfangen wollten. Es waren wirklich Trümmer, ein Meter und mehr im Durchmesser, und ein bis anderthalb Meter hoch, dazu Wurzeln wie die Roßschenkel.„Herrgottsa— gibt's dös a?“ fragte der Franzl einmal ums andre, und ich konnte nicht Nein sagen. Dann legten wir die Arbeit genau fest. Manche von den Stubben waren glatt gewachsen, die konnten mit Keilen leicht geviertelt werden; aber andern sah man es gleich an, daß die Maserung ganz verquer lief:„Verwimmerte Hund san des“, meinte Franzl,„da kannst Di tappig schlagen und die spalten doch net, die Malefizkramp'n!“ Diese also wollten wir mit einem zweizölligen Bohrer anbohren und mit Sprengpulver laden. Dann mußte das ganze Zeug zu mir nach Hause gefahren gesägt, gespalten, zum Messen geschichtet und verladen werden.„Zeitlang wern ma net hab'n, die nächsten Wochen!“ meinte Franzl. Und er behielt recht: es wurde eine harte, harte Arbeit, manchmal schielten wir einander von der Seite an, als wüßten wir nicht mehr, wie wir auf die Kateridee hatten kommen können. Aber dann packte uns wieder die Verbissenheit, eine richtige Wut, den„verwimmerten Hunden“ nicht Recht zu lassen, nein, nein, wir mußten sie zwingen! Die Windwürfe, die mit den Wurzeln in die Höhe dastanden, waren ja deswegen noch lange nicht geviertelt und aufgeladen. Zuerst hatten wir ihnen vertraut und ohne weiteres daran herumhantiert, aber dann klappte doch einer, es war der dritte oder vierte, unversehens herunter, in sein altes Bett zurück, richtig heimtückisch, man sah, wie gerne er einen von uns erwischt und breitgequetscht hätte. Von da ab mußten wir sie immer mit Stricken sichern, bis wir sie ganz abgelöst hatten und auf die Schnittfläche umstürzen konnten. Aber auch da hieß es aufpassen wie auf Raubtiere— manche Wurzeln lagen eingezwängt, schnellten plötzlich hoch und konnten einen„ganz g'spassig“ treffen. Aber die hochstehenden waren eben doch noch eine Spielerei gegen die andern, die wieder im Boden saßenHeraussprengen durften wir sie nicht, es war Kiesboden, und die Steinchen wären wie Schrot herumgespritzt. Da hieß es, mit Hebebäume anlupfen, untersetzen, anlupfen, untersetzen— bis der Bursche langsam hochkam und wir ihn ganz umkippen konnten. Da gab es dann öfters den kitzligen Augenblick, wo wir uns alle beide mit den Schultern gegen das Wurzelgeflecht stemmten und nicht ganz genau wußten, würden wir den Stock umkippen oder er uns. Die Augen standen uns aus dem Kopf, die Halsadern waren dick aufgeschwollen, reden konnten wir nicht, nur mit einem Gurgeln machten wir uns Mut— öh... öh... öööh! Da lag er schließlich, und wir standen— es hätte umgekehrt sein können. Aber wir standen, und während wir die Innereien, die aus dem Lot geraten waren, langsam zurechtschüttelten, spuckten wir auf den Besiegten. Wenn wir drei oder vier Kerle auf dem Kopf stehen hatten, bohrten wir sie hinterwendig an und sahen zu, wie ihnen das Pulver die Sitzfläche auseinanderteufelte. Manchmal flogen die Sprengtrümmer verdächtig nahe über unsere Deckung— was wir eben so Deckung nannten: einen Holzhaufen, einen Stubben oder eine Mulde. Nach zwei Tagen Ausgraben und Sprengen spannten wir jeder unseren Ochsen ein und holten die Trümmer nach Hause. Da waren solche drunter, daß wir sie zu zweit auf den Rolltisch der Kreissäge heben mußten; einmal paßten wir dabei nicht auf, und der ganze Rolltisch klapste hoch, aber er fiel glatt zurück, daß das Sägeblatt sauber durch seinen Schlitz kam, sonst hätten wir was erleben können, die Säge lief auf gleichen Touren wie der Motor. Dann fraß sich das Blatt durch das Holz, hui... hui . hui— manchmal war Erde zwischen den Wurzeln eingewachsen, auch ein Stein gelegentlich, dann tat es einen Schlag, die Säge schnirt nicht mehr und mußte neu gefeilt werden, ein Zahn nach links, einer nach rechts. Es dauerte eine Viertelstunde, bis man um das große Blatt herum war; und wenn man dann den Motor neu anließ, und sofort wieder auf einen Stein traf, da fielen einem seltene Worte ein, aber es war ja nie Zeit zum Aufschreiben. Unter den gesägten Stücken, und wenn sie noch so kurz geschnitten waren, gab es doch noch manchen, die sich durchaus nicht spalten lassen wollten— dann vackte den Franzl die Wut, er schmetterte sie zwölf, fünfzehn, zwanzigmal auf den Hackklotz nieder und rief dazwischen:„Brechen muß was!“ Es brach auch immer was, wenn nicht anders, der Hackenstiel oder die Schneide, denen wurde dann keine schöne Nachrede gehalten. Bis zum Freitag abend hatten wir immer sechs Raummeter fertig gespalten, da konnten wir gerade unsre zwei Einspännerwagen volladen; darüber wurde es meistens dunkle Nacht. Und am nächsten Tag in aller Frühe kam der Franzl mit seinem Ochsen herüber, wir spannten zusammen und fuhren die aneinandergehängten Wagen dem Städtchen zu. Es waren zwölf Kilometer bis dahin, halbwegs war ein kleiner Berg: Dort hängten wir einen Wagen ab, fuhren den ersten bis auf die Höhe, gingen mit den Ochsen zurück und holten den zweiten, dann hängten wir wieder zusammen und fuhren weiter. Im Städtchen fuhren wir zuerst bei unserem Einkehrwirt vor und erfragten die Holzpreise. An Nachfrage fehlte es nicht, die Leute riefen uns aus den Fenstern an. Am liebsten war es uns, wenn sie einen ganzen Wagen voll kauften, das waren gemessene drei Meter. Sonst mußten wir einen Haufen abladen, schichten und neu ausmessen. Gold und Seide konnten wir nicht spinnen bei dem Geschäft, die Spanne war gering. Aber wir konnten doch jeder unsere Sachen bezahlen und behielten immer noch soviel übrig, daß wir uns an jedem Verkaufstag ein Maß Bier, oder drei, kaufen konnten, damit uns bei der Heimfahrt nicht fror. Dann saßen wir und sangen zum Rattern der leeren Wagen; „San mer unser zwei— san mer unser drei, San mer unser zwei oder drei.. Eine Biographie als Erziehungsbuch deutscher Jugend. Wenn unser Schrifttum sich heute mit den heldischen Charakteren der Vergangenheit befaßt, so kommt ein solches Unterfangen in erster Linie unserer Jugend zu statten. Denn, hat sie einmal ihre Vorbilder erkannt, erstrebt sie Aehnlichkeit mit ihnen. Zu jenen unmittelbar wirkenden Büchern gehört zweifellos auch die Biographie des Kolonialpioniers Dr. Carl Peters.(„Dr. Carl Peters, Der Weg eines Patrioten“, Berlin, KeilVerlag, 197 S. Preis 3.50 M.) In klarer, lebendiger Form schildert der Verfasser, Dr. Richard Wichterich, die bewegten Schicksale dieses großen Patrioten, dem das Deutschland seiner Zeit, insofern es dem linksgerichteten Parlament unterstand, seinen Dank verweigerte. Gegenwärtig aber, wo eine andere Generation sich auf die Interessen des Volkes und Vaterlandes besinnt, wird sie mit Dankbarkeit von dem Leben jenes Menschen hören, der unter Einsetzung seiner ganzen Person, seiner intellektuellen und physischen Kräfte, sich so unerhört um Deutschland mühte. Das Buch Wichterichs verliert sich nicht in das Abenteuerliche dieses seltsamen Lebensweges, sondern gibt eine präzise Durchführung der politischen Idee. Wohl vibriert etwas von der spannenden Erregung der erlebnisreichen Expeditionen durch die einzelnen Kapitel: Der Verlauf der aufreibenden Pionierarbeiten des kühnen Eroberers von Deutsch=Ostafrika und die in der ganzen Welt Aufsehen erregende Emin PaschaExpedition finden in knapper, fesselnder Form ihre Schilderung. Aber all dies bleibt mehr Ornamentik, erläuterndes Beiwerk. Selbst die Entwicklung des jugendlichen Carl Peters, dessen Handlungen noch von keiner generellen Bedeutung sind, streben einem einheitlichen Ziele zu: Die Gesinnung eines Patrioten darzustellen. Zweimal versuchte ihn das Schicksal zur Untreue gegen sein Deutschtum. Dem in Armut groß gewordenen Studenten wurde von einem englischen Verwandten unter Aufgabe seiner deutschen Nationalität eine glänzende Laufbahn in England versprochen. Aber Carl Peters blieb Deutscher, Und auch dann noch, als nach dem zähen Sturz seines meteorhaften Aufstiegs die Briten um seine Mitarbeit in den kolonialen Unternehmungen warben, hielt er seinem Vaterland die Treue, das ihn statt des berechtigten Dankes nach einem dreitägigen auf unwahrem Material aufgebauten Prozeß seiner Stellung als Reichskommissar entsetzte und seine wertvolle schöpferische Tätigkeit abwies. Somit gilt es in diesem Buche, nicht nur die durch feindliche Machenschaften, Prozeß= und Skandalaffären verzerrte Gestalt jenes deutschen Patrioten wahrheitsgemäß zu deuten, sondern auch der unwissenden jungen Generation einen vorbildlichen Deutschen zu zeigen, den man bisher ungekannt sein ließ. Ihm, dem Verfasser der Biographie muß auch ähnliches im Sinn gelegen haben, als er die Einführungsworte schrieb:„Kennt die heutige Jugend von den vielen Aufgaben und Leistungen Peters auch nur diese wenigen? Er wurde vergessen, ja, was schlimmer ist totgeschwiegen. Die Schuld daran trägt aber nicht die Jugend selbst, sondern jene, die ihr diese bedeutende Persönlichkeit der neueren deutschen Geschichte vorenthalten haben.“ H. Cardauns. IUIININNIINIUUMMm Deutsche Männer und Frauen! Sorgt für die Gesundheit unserer Jugend! Jeder Pfennig bringt Euch reiche Zinsen! Spendet für das Hilfswerk„Mutter und Kind". Handel und Wirtschaft. Berliner Börse. X Berlin, 12. Juli. In Ermangelung nennenswerter Orders von Seiten der Bankenkundschaft und einer dadurch aufgelegten Zurückhaltung der Kulisse blieb es zu Beginn der Börse sehr still. Die Entwicklung muß vor allem mit der Reisezeit in Verbindung gebracht werden, die größere Teile des an der Börse interessierten Publikums von den Effektenmärkten fernhält. Es muß aber festgestellt werden, daß Abgaben nur im normalen Ausmaß erfolgen und das Publikum an seinem Aktienbesitz festhält, zumal die aus der Wirtschaft eintreffenden Nachrichten stimmungsmäßig einen durchaus freundlichen Grundton erzeugen. Von letzteren ist u. a. der Bericht der Adlerwerke von 1933 zu erwähnen, der eine stark gebesserte Liquidität und eine Umsatzsteigerung um 50 Proz. verzeichnet. Einige Maschinenfabriken berichten über größere Auslandsaufträge, auch die bereits gestern gemeldeten höheren Produktionsziffern im Stahlverband finden Beachtung. Am Geldmarkt trat eine unwesentliche Versteifung ein. Blankotagesgeld erforderte 4 bezw. 4¼ Proz., do war nicht mehr darunter anzukommen. Dollar und Pfunde zeigten keine Veränderung. Die Molkereien und Käsereien im Nährstand Vom Reichsnährstand wird mitgeteilt, daß er die alleinige Standes= und Berufsvertretung der Privatmolkereien und-käsereien ist. Organisatorisch werden die Molkereien und Käsereien innerhalb des Reichsnährstandes zu einer Reichsfachschaft zusammengeschlossen deutscher Mo sen. Die Ueberleitung des Reichsverbandes deutscher Molkereiund Käsereibesitzer und=pächter e. V. in den Reichsnährstand ist in Angriff genommen. Die Erfassung der örtlichen Vereine und Verbände der Privatmolkereien und=käsereien durch die Landeshauptabteilung IV wird, soweit dies nicht bereits geschehen ist, vorbereitet und nach sorgfältiger Prüfung der Sachlage durchgeführt werden. Bis zur Beendigung dieser Aufbauarbeit ersucht der Reichshauptabteilungsleiter IV alle Vorsitzenden und Mitglieder der Untervereine und=verbände des Reichsverbandes deutscher Molkerei= und Käsereibesitzer und=pächter e. V., größte Zurückhaltung zu üben, die Einberufung von Versammlungen zu unterlassen, sowie Maßnahmen zu vermeiden, die geeignet sind, die Wirtschaft und den Aufbau des Reichsnährstandes zu beunruhigen. Verstärkte Nachfrage nach Grundstücken. Auswirkung der neuen Steuerreform auf den Grundstücksmarkt. Die von Staatssekretär Reinhardt in der Vollsitzung der Akademie für Deutsches Recht kürzlich verkündete Steuerreform hat eine ganz besonders schnelle Wirkung auf den Grundstücksmarkt ausgeübt. Wenn auch schon vorher Ansätze zu einer Belebung des Marktes und eine Vermehrung der Nachfrage nach günstigen Miethausobjekten unverkennbar waren, so verstärkte sich während der letzten Wochen diese Tendenz doch recht deutlich. Offenbar tritt das gesunde Mietzinsgrundstück wieder mehr und mehr in den Vordergrund des Interesses des Sparerpublikums, insbesondere einer gerade für den Erwerb von Grundbesitz von jeher vorzugsweise in Betracht kommenden Mittelschicht. Als Erwerber von Zinshäusern treten heute wieder, wie schon vor dem Kriege, Kleinrentner und mittlere Gewerbetreibende auf, die für ein Kapital in mäßiger Höhe eine günstige Verzinsung suchen. Die Idee des Die landwirtschaftliche Schuldenregelung. In der nächsten Nummer des Reichsgesetzblattes erscheint die 6. Verordnung zur Durchführung der landwirtschaftlichen Schuldenregelung, die vor allem aus zwei Gründen von erheblicher Bedeutung ist. Sie verlängert einmal die Frist, innerhalb der die Eröffnung des Entschuldungsverfahrens beim zuständigen Entschuldungsgericht beantragt werden kann und paßt ferner die durch das Gesetz zur Regelung der landwirtschaftlichen Schuldverhältnisse vom 1. Juni 1933 und das Reichserbhofgesetz vom 29. September 1933 entstandenen Rechtsverhältnisse einander so an, daß nunmehr auch bei Erbhöfen die Schuldenregelung nach dem Gesetz vom 1. Juni 1933 erfolgen kann. Darüber hinaus enthält die Verordnung eine große Zahl von Bestimmungen, die eine beschleunigte Durchführung der landwirtschaftlichen Schuldenregelung ermöglichen werden. Die Frist, innerhalb der die Eröffnung des Entschuldungsverfahrens beim zuständigen Entschuldungsgericht beantragt werden kann, war am 30. Juni 1934 abgelaufen. Sie wird nunmehr durch die neue Verordnung bis zum Ablauf des 30. September 1934 verlängert. Mit einer weiteren Fristverlängerung kann nicht gerechnet werden. Die Verordnung bestimmt ferner, daß die Ablehnung eines Antrages auf Eröffnung des Entschuldungsverfahrens der Stellung eines erneuten Antrages bis zum Ablauf des 30. September 1934 nicht entgegensteht. Das gleiche gilt in den Fällen, in denen das Schuldenregelungsverfahren ohne Bestätigung des Entschuldungsplanes oder Vergleichsvorschlages rechtskräftig aufgehoben oder eingestellt ist. Ist ein landwirtschaftlicher Betrieb Erbhof, so ist die Ablehnung der Eröffnung des Entschuldungsverfahrens oder der Erklärung des Betriebes zum Entschuldungsbetriebe(Selbstentschuldung) aus den Gründen des § 3 Abs. 1 Nr. 4 des Gesetzes(Sanierungswürdigkeit) nicht zulässig, wenn der Kreisbauernführer erklärt, daß er keinen Anlaß hat, eine Entscheidung des Anerbengerichts über die Bauernfähigkeit des Betriebsinhabers herbeizuführen. Ein für einen Bauern anhängiges Schuldenregelungsverfahren kann nicht wegen Entschuldungsunfähigkeit aufgehoben werden. Wird in einem Amtliche Devisenkurse. Berlin, den 12. Juli 1934. Telegrafische Auszahlung Aegypten 1 ägypt. Pfd. Argentinien 1Pap.-Peso Belgien Brasilien Bulgarien Canada 1 Dänemark Danzig England Estland Finnland Frankreich 100 Belga 1 Milreis 100 Leva kanad.Doll. 100 Kron 100 Guld. 1 Pfund 100 estn. Kr. 100 finnl.M. 100 Frcs. Griechenland 100Drach. Holland 100 Gulden Island 100 isl. Kr. Italien Japan Jugoslawien Lettland Litauen Norwegen Oesterreich Polen Portugal Rumänien Schweden Schweiz Spanien 100 Lire 1 Yen 100 Dinar 100 Latts 100 Litas 100 Kronen 100 Schill. 100 Zloty 100 Escudo 100 Lei 100 Kron. 100 Franken 100 Peseten Tschechoslowakei 100Kr Türkei 1 türk. Pfd. Ungarn 100 Pengö Uruguay 1 Gold-Peso V.St.v. Amerika 1 Doll. für einen Bauern eröffneten Schuldenregelungsverfahren der Vergleichsvorschlag abgelehnt, so kann ihn das Entschuldungsgericht, wenn es ihn nicht für unbillig hält, auf Antrag der Entschuldungsstelle bestätigen. Zu der im Gesetz vorgesehenen Eintragung der Aenderung mündelsicherer Rechte ist nach der neuen Verordnung soweit es sich um einen Erbhof handelt, die Genehmigung des Anerbengerichts nicht erforderlich. Bemerkenswert ist ferner aus der Verordnung noch die Bestimmung, daß das Entschuldungsverfahren, auch wenn die Persönlichkeit oder die Wirtschaftsweise des Betriebsinhabers nicht die Gewähr für eine erfolgreiche Durchführung des Verfahrens bietet, eröffnet werden muß, wenn der Betriebsinhaber sich gegenüber der Entschuldungsstelle schriftlich verpflichtet, den gesamten Betrieb nach Durchführung des Schuldenregelungsverfahrens zu einem die verbleibenden Schulden nicht übersteigenden Preis der Siedlung zur Verfügung zu stellen. Die neue Verordnung, die fünfzig Artikel enthält, von denen hier nur die wichtigsten erwähnt wurden, tritt mit Wirkung vom 1. Juli in Kraft. Sachwertes und der Sicherheit des monatlichen Mieteinganges spielt dabei zweifellos mit eine Rolle. Die jüngste Bewegung am Grundstücksmarkt und die seit einigen Wochen dringender gewordene Nachfrage ist aber offenbar hauptsächlich beeinflußt von den Erwartungen auf steuerliche Entlastung, die durch die Verkündung des neuen Steuerprogramms in den beteiligten Kreisen geweckt worden sind. In der Tat erscheint das Zinshaus als Kapitalanlage in der nächsten Zukunft insofern besonders aussichtsvoll, als die gegenwärtigen Grundstückslasten nach dem Steuerprogramm der Reichsregierung eine nachhaltige Senkung und durchgreifende Umgestaltung im Sinn einer Steuererleichterung erfahren werden. Grunderwerbssteuer und Wertzuwachssteuer sollen von ihren bisherigen Unzuträglichkeiten befreit und vereinheitlicht werden. Angestrebt wird für beide Steuern eine Ermäßigung, die vor allem, was die Wertzuwachssteuer angeht, eine unmittelbare Erleichterung des Grundstücksumsatzes zur Folge haben muß. Von besonderer Bedeutung ist, daß die allmähliche Senkung der Hauszinssteuer bis zu ihrem völligen Verschwinden im Jahre 1940 nunmehr nochmals bestätigt worden ist. Der Abbau dieser Steuer war bereits in der Vierten Notverordnung vom 31. Dezember 1931 festgelegt worden. Das Steuerprogramm der Regierung nimmt die damals getroffene Regelung auf, so daß die nächste Senkung der Hauszinssteuer, und zwar um 25 Prozent, bereits am 1. April 1935 zu erwarten steht. Eine weitere Senkung um den gleichen Betrag wird mit Wirkung vom 1. April 1937 ab zugesagt und das gänzliche Verschwinden der Steuer ist für den 1. April 1940 fest beschlossen. Mit diesem zum Teil bereits so nahe bevorstehenden Steuerabbau wird einer der dringendsten Wünsche des Haus= und Grundbesitzes erfüllt. Die Bedeutung der bereits am 1. April nächsten Jahres eintretenden weiteren Entlastung um 25 Prozent der Hauszinssteuer ist für den Ertrag der Mietzinshäuser von großer Bedeutung. Rechnete man bisher, daß rund 50 Prozent der Roheinnahmen aus Mieten und Steuern, Abgaben und Gebühren zu verrechnen waren, so wird sich in Zukunft durch die Minderung des Hauptpostens der Steuern die Rechnung für den Hausbesitzer entsprechend günstiger stellen. Allerdings muß der Vollständigkeit halber hinzugefügt werden, daß die Tendenz zum Absinken der Mieten Berliner Getreidegroßmarkt vom 12. Juli 1934. Weizen Märk. Weizen Durchschnittequal. Futterweizen märkischer Sommerweizen märkischer Roggen Gewicht kg pro hl Märk. Roggen Durchschnittsqual. Gerste Braugerste, feinste neue Braugerste, gute Sommergerste. mittl Art u Güte Wintergerste zweizeil. Wintergerste vierzeilig ewicht kg pro hl 7877 80/81 72/73 für 1000 kg in Reichsmark Frei Berlin heute Vortag Durchschnittsqual. gesetzl. Erzeugerpr. Preisgebiet W II Preisgebiet W III Preisgebiet W 1V frei Berlin“ a.„ab Station“ Ab Station Frei Berlin heute Vortag für 1000 kg in Reichsmark„frei Berlin“ u.„ab Station“ Ab Station Durchschnittsqual. gesetzl. Erzeugerpt. Preisgebiet RII Preisgebiet R III Preisgebiet RIV Frei Berlin für 1000 kg in Reichsmark„frei Berlin“ Ab märk, Station Haler und Weizenmehl (Basis Type 790) Preisgebiet II Preisgebiet III Preisgebiet IV m. 15% Ausldsw. m. 30% Ausldsw Weizen-Nachmehl in RM f. 100 kg brutto einschl. Sack frei Berlin Bezirksstelle X der W. V. Berlin heute 26.50 26.95 27.25 0.75 1.50 Vortag 26.50 26.95 21.25 0.75 1.50 und 0.30 RM. Frachtausgleich RM. Aufgeld RM. Aufgeld ab märk Station Frei Berlin Märkischer Hafer Durchschnittsqual. Kleie heute 193—199 Vortag 192-198 Ab Station heute 184—190 Vortag 183-189 in RM für 100 kg brutto einschl. Sack Weizenkleie heute 12.90 Vortag 12.90Roggenkleie heute 13 Vortag 13 Roggenmehi (Basis Type 815) Preisgebiet Il Preisgebiet III Preisgebiet IV InRM f. 100 kg brutto einschl. Sack frei Berlin Bezirksstelle X der W. V. Berlin heute 22.65 23.10 23.40 Vortas 22.65 23.10 23.40 Preise in RM, Oelsaaten per 1000 kg. die Notierungen von Viktoriaerbs en bis einschl. Kartoffelflocken freie Ware werden per 50 kg gehandelt. Raps...... 315 Leinkuchen, Basis 37% ab Weizen-Exportscheine.. per Juli. 191½ Geld ps Leinsaat Viktoriaerbsen Kleine Speiseerbsen Futtererbsen Peluschken Ackerbohnen. Wicken Lupinen, blaue.. Lupinen, gelbe.. Seradella, alte.. Seradella. neue Weizen-Exportscheine Weizen-Exportscheine Weizen-Exportscheine Roggen-Exportscheine Roggen-Exportscheine Roggen-Exportscheine per Juli per Aug. per Sept. per Juli per Aug. per Sept. 128 128¼ Brief Geld Berliner Kartoffel- und Rauhfutterpreise. Etne and Rannrutterpreise. Die Preise bleiben bis auf eite s für geschlossene Anbaugebiet bei Abgabe des Erzeugers Gruppe A 6,30, Gruppe B 3,25; Berlin neres Gebiet Gruppe A 6,50, Gruppe B 3,50. Für nicht gesch lossene Anbaugebiete bei Abgabe des Erzeugers Gruppe A 5,94, Gruppe B de in inneres Gebiet Gruppe A 6.14, Gruppe B 314. Die Preise für Frühkartoffeln dürten nicht überschritten für gewisse Wohnungsklassen noch anhält und auch wohl noch einige Zeit ihren Fortgang nehmen wird. Dadurch wird ein Teil der durch die Hauszinssteuersenkung eintretenden steuerlichen Entlastung wohl wieder absorbiert werden. Aber die Zinssenkungstendenz gilt nur für größere und für gewisse Mittelwohnungen; für die Mehrzahl der Wohnungen, das sind die kleineren Mittel= und die Kleinwohnungen, halten sich die Mieten ungefähr stabil. Alles in allem hat der Hausbesitz also aus der Senkung der Hauszinssteuer eine als sicher anzusehende Ertragssteigerung zu erwarten, deren Ausmaß allerdings noch nicht feststeht. Von außerordentlicher Bedeutung für die wirtschaftliche Zukunft des im Haus= und Grundbesitz angelegten Vermögens ist ferner die im Steuerprogramm der Reichsregierung angekündigte neue Einheitsbewertung der Grundstücke. Diese soll für den 1. Januar 1935 vorgenommen werden. Die letzte Einheitsbewertung, die auf den Termin des 1. Januar 1931 erfolgt ist, hat bekanntlich durch die inzwischen eingetretene Entwicklung sehr stark an Wirklichkeitswert verloren. Die damals festgesetzten Grundstückseinheitswerte sind ja inzwischen auch für steuerliche Zwecke generell um 20 Prozent gesenkt worden. Diese allgemeine Abwertung der Grundstückseinheitswerte stellt aber angesichts der Vielfältigkeit der Wertentwicklung am Grundstücksmarkt durchaus keine befriedigende Lösung dar. Zu hohe Einheitswerte führen also automatisch zu entsprechend hohen Steuersätzen, während die Anpassung der Grundstückseinheitswerte an den wirklichen Marktwert der Grundstücke eine entsprechend gerechtere Festsetzung der auf den Einheitswerten beruhenden Reichssteuern zur Folge hat. Alle diese Erwägungen haben offenbar dazu beigetragen, die Neigung des anlagesuchenden Publikums, zinstragenden Grundbesitz zu erwerben, zu steigern. Mürkte. Metalle. Berlin, 12. Juli. Elektrolytkupfer(Wirebars) 43,25 RM. für 100 kg netto cif Hamburg, Bremen oder Rotterdam. Aluminium 98=99 kg Bl. 160, Aluminium i. Walz. o. Dr. 164, Reinnickel 98=99 kg 270, Antimon=Regulus 46 bis 49, Silber in Barren 900 t 39—42. Hamburger Schlachtviehmarkt. X Hamburg, 12. Juli. Auftrieb: Ochsen 554, Färsen 451,, Bullen 161, Kühe 728, Fresser 172, Schafe 1457. Es kosteten: Ochsen: a) 28—31, b) 25—27, c) 21—24, d) 10 bis 18; Färsen: a) 29—31, b) 26—28, c) 22—24, d) 10 bis 20; Bullen: a) 23—26, b) 20—23, c) 16—19, d) 10 bis 15; Kühe: a) 24—26, b) 20—24, c) 15—19, d) 5—14; Weidemastschafe: a) 34—36, b) 32—34, c) 25—30, d) 25 bis 28, e) 20—23, f) 5—10. Marktverlauf: Rinder sehr langsam, voraussichtlich bleibt Ueberstand. Bremen: Baumwolle 1oeo Juli Oktober Dezember Jannar Mära Mai vendens. sem Stetik Liverpool: Baumwolle loco Juli August September Oktober November Dezember Jannar Februar Tendens: kaum stetig bezahlt 14.24 14.57 14.68 14.83 14.94 11. 7. 6.68 6.68 6.68 6.67 6.67 6.63 6.63 6.64 6.64 12. 7. 500 11. 7. 5000 l'agesimport. Liverpool: Östindische Baumwolle Loco Surtee F. G. " Broach F. G(Good Staple) „ M. G. Punjab/American F. G. „ Centr. Provinces Oomra Nr. 1 „ Bengal F G....*»» „ Bengal Supertine..»» o» „ Sind F. G.....»»» " Sind Superfine Liverpool: Notierungen für Sakellaridis u. Upper F. G. F. Jull Oktober November Dezember Januar MärMar Loco Tendenz: willig New Orleans: Baumwolle Upper F. G.F. 7.07 7.09 7.12 7.18 7.18 7.23 7.28 7.12 11. 7. 13.16 13.24 13.32 11. 7. 13.19-20 13.27—28 13.56-57 Geschätzte Totalzufuhren— Baumwollzufuhr in Atlantischen Häfen. 1000 Baumwollzufuhr in Golf-Häfen. 1000 Zufuhren in Pacific-Häfen.— Export nach England.. 8000 Export nach dem übrigen Kontinent. 11000 Export nach Japan und China...— Fracht n. Liverpool f. starkgepr. Ballen— Fracht für Standard....— Export nach Kanada und Mexihe. 4000 Der Herr hat es gegeben, Der Herr hat es genommen, Der Name des Herrn sei gebenedeit. Gott dem Allmächtigen hat es in seinem unerforschlichen Ratschlusse gefallen, heute morgen, 7,15 Uhr. unser innigstgeliebtes Söhnchen und Brüderchen Heinz nach kurzer, schwerer Krankheit, im zarten Alter von fast 9 Monaten, wieder zu sich in den Himmel zu nehmen. Dies zeigen tiefbetrübt an Bernhard Rickert und Frau Maria, geb. Dunker Coesfeld, den 11. Juli 1934. Die Beerdigung findet statt am Samstag, den 14. Juli 1934, morgens 8.45 Uhr, vom Sterbehause, Münsterstraße 26, aus. gleich daraut in der St.Jakobikirche ein Seelenamt für die Verstorbenen der Familie(3828 II. Sonderzug v. 28. 7. bis 3. 8. 34 Preis der schönen Bayernlahrt(mit Bes. v. Heidelberg Kloster Ettal, Partnachklamm, Garmisch-Partenkirch., München, Nürnberg sowie Gelegenh. z. Bes. der bayr Königsschlöss.), einschl.Bahnl. III. Kl., Unterk. u. Verpil Führ. 84.50 RM. Weitere Reisen n. Lourdes, Rom, Schweiz kondon, Borkum, Norderney. Timmendorfor Strand, Bodensee, Garmisch, Rhein, Hhr. Mosel usw. Prosp. u. Hnmeldg. F Vondel Sm. Münster I. W., beim Reisebüro Salzstraße 9. Telephon 258 85. (3837 Kriecherschnecken Kaufe ohne Unterbrechung bis Ende Oktoker große und mittlere Schnecken. Bezahle die allerhöchsten Preise und immer mehr als jede Konkurrenz, mag sie heißen wie sie will. 13239 Jul. Morin, Postf.34. Kehl(Baden). Kleiner Kotten od. Ähnliches zum Herbst od. 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Vor seinem Hause bog er von der rechten auf die linke Straßenseite. Dabei wurde er von einem hinter ihm herkommenden Personenkraftwagen erfaßt und gegen die Windschutzscheibe des Autos geschleudert. Eine sofortige Ueberführung ins Krankenhaus war notwendig. Dort wurden ein schwerer Schädelbruch, gefahrliche Kopfwunden und die Verletzung der Schlagader am Halse festgestellt. Der Verunglückte hat sehr viel Blut verloren und liegt in lebensgefährlichem Zustande darnieder. Er ist 54 Jahre alt und Vater von fünf erwachsenen Kindern. Für ein Kind in den Tod. Ennigerloh. 12. Juli. Auf der Neubeckumer Straße wurde heute nachmittag die 61 Jahre alte Elisabeth Senger, als sie ein Kind vor einem herankommenden Auto zurückreißen wollte, zu Boden geschleudert und sofort getötet. Fräulein Elisabeth Senger saß in einem Hofe und sah dem kleinen Dortelmann, einem zwei Jahre alten Jungen, beim Spielen zu. Dem Kleinen lief ein Ball über die Straße, und der Junge wollte hinterher. Da sah seine Tante, daß ein Auto aus der Richtung Neubeckum in starkem Tempo herankam, sie rannte auf die Straße und wollte den Jungen retten. Dieser war aber schon von einer Spielkameradin von der Straße zurückgerissen. Frl. Senger aber wurde von dem Auto erfaßt, zu Boden geschleudert und auf der Stelle getötet. Riesenkundgebung der Deutschen Arbeitsfront in Münster. Münster, 12. Juli. Am Samstag, den 14. Juli, veranstaltet die Deutsche Arbeitsfront auf dem Domplatz eine Kundgebung unter dem Motto„Kampf um den deutschen Sozialismus". Sämtliche Betriebe Münsters werden mit ihren Gefolgschaften unter Anführung der Betriebsführer aufmarschieren und sich hinter den Fahnen der Deutschen Arbeitsfront zu diesem Losungswort bekennen. Münster erlebt an diesem Tage eine gewaltige Demonstration, da die Deutsche Arbeitsfront durch den Aufmarsch aller Betriebsgemeinschaften unter Anführung der neuen Fahnen erstmalig das lebendige Spiegelbild einer nach den Gesetzen der Volksgemeinschaft geformten Riesenorganisation politischer Menschenführung zeigt. Der neuernannte Gauamtsleiter der NSBO., Pg. Ferdi Schürmann. wird zu dem Thema„Kampf um den deutschen Sozialismus“, Pg. Rudolf Zilkens=Berlin zu dem Thema„Die politische Lage in Deutschland“ sprechen. Außerdem wird der Gauleiter der NSDAP. Wien das Wort nehmen. Internationale Rassehundausstellung in Münster. + Münster, 12. Juli. Für die erste Gau=Ausstellung des Gaues Westfalen des Reichsverbandes für das deutsche Hundewesen zu Münster i. W., am 5. August, die in eigener Verwaltung des Gaues Westfalen durchgeführt wird, liegt das sehr umfangreiche Programm nunmehr vor. Es haben rund 20 Fachschaften der Rassepuchtvereine Gau=Sonderausstellungen angeschlossen wodurch mit einer recht großen Meldezahl gerechnet werden kann. Die Sonder=Ausstellungen und deren Richter sind: für Deutsch=Kurzhaar: Ernst Ruschen, EssenBredeney. Deutsch=Langhaar: Provinzialförster Wiesmann, Vreden, Eduard Petersilie sen., Osnabrück, Hauptmann a. D. Hinkel, Chemnitz. für große schwarz=weiße Münsterländer: Herm. Oehler, Gelsenkirchen=Horst, für Deutsch=Drahthaar: G. Richter, Stettin, für Dachshunde: Emil Fandreyer, Aachen, für Foxterrier: Georg Hahn, Hamburg, für Hetzhunde Joh. Rickmeyer, Nürnberg. für deutsche Schaferhunde: Th. Bömelburg, Dortmund. Fr. Müller, Barmen, A. Meerboth. Soest, für Dobermannpinscher: W. Baumann, Köln, für Rauhaarige Terrier: Paul Wallraf, Rheydt, Heinrich Kaeuffer, Kelsterbach, für Rottweiler: Hans Glockner, Deisenhofen bei München, für Boxer: A. E. Hoppe, Hagen=Kabel, für Schnauzer und Pinscher: Josef Best, Wehrheim(Taunus), für St.=Bernhardshunde; Hans Glockner=Deisenhofen b. München, für Deutsche Doggen: Richard Staadt, Wiesbaden=Erbenheim, für Pudel: O. Grabbert Witten, für Spitze: A. Kampmann, Bochum, für JapanChin, Peking=Palasthunde und Zwergspaniel: K. Kaufmann, Eisleben. Die übrigen Jagdhundrassen richtet Arnold Metzler, Siegen, und die weiteren nicht genannten Rassen die Herren Hans Glockner, Deisenhofen b. München und Gustav Alisch. Hannover. Daß auf dieser Gau=Ausstellung das Internationale Schönheits=Champinat der Federation Cynoligique Internationale vergeben wird, hat eine besondere Bedeutung nicht nur im Inland. sondern auch in Holland hervorgerufen, so daß, um den Wünschen unserer holländischen Sportsfreunde entgegenzukommen, in Holland eine Meldestelle eingerichtet ist. Von den sonstigen Ehrenpreisen seien genannt der des Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg, die Staats= und Landwirtschaftskammerpreise, Gau= und Fachschaftspreise, sowie der große Preis des Herrn Jägermeisters der Provinz Westflen Frhr. v. Schorlemer, für die Jagdhundrassen. Unsere Heimat im Rundfunk. In der nächsten Woche bringt der Reichssender Köln wiederum mehrere Uebertragungen aus unserer engeren Heimat. Am Sonntag, den 15. Juli, hören wir um 19 Uhr eine Sendung„Aus dem Emsland; Haus, Tracht und Tans“. Am 16. Juli wird um 21,15 Uhr ein Hörspiel in münsterländischer Mundart gesendet, das dem Reichssender Köln von einem bisher völlig unbekannten Verfasser namens Otto Dinkhoff zuging.„Jösken up de Himmelsreis"“ heißt das heitere Spiel, in dem ein Bauer seine Abenteuer von einer Traumreise zum Himmel zum Besten gibt. Die Leitung der Sendung hat Wilhelm Wahl. Die Aufführung findet in der Sendestelle zu Münster statt. Am 18. Juli hören wir um 19,40 Uhr einen Funkbericht von Dr. Ernst über„Erdölbohrung in Westfalen“(Aufnahme aus Ochtrup). Am 20. Juli, 17,45 Uhr: Wanderungen in Rheinland und Westfalen. Erich Bockemühl: Uraltes Heimatland am Niederrhein. * + Münster, 12. Juli. Bischof Clemens August im Dekanat Ibbenbüren. Der hochw. Herr Bischof Clemens August Graf von Galen hat am Mittwoch Münster verlassen und eine Firmungsreise durch die verschiedenen Pfarreien des Dekanats Ibbenbüren angetreten. A Münster, 12. Juli. Das Bezirksverwaltungsgericht tagt. Heute und Freitag wird das Bezirksverwaltungsgericht zu einer zweitägigen Sitzung zusammentreten, für die 23 Verwaltungsstreitsachen mit mündlicher Verhandlung anstehen. 15 für Donnerstag und 8 für Freitag. Nach der Tagesordnung handelt es sich dabei nicht um Entscheidungen von besonderer Bedeutung, vielmehr sind es Entscheidungen über Versagung des Wandergewerbescheines, Stuerangelegenheiten, Fragen der Schankund Handelserlaubnis mit alkoholischen und alkoholfreien Getränken, Handelserlaubnis, Straßenbau= und -reinigungskosten usw. Münster, 12. Juli. Personalveränderungen bei der Reichspostdierektion. Ernannt zum Postamtmann: die Oberpostinspektoren Breitenbach aus Oldenburg (Oldbg.) in Bottrop und Heckmann aus Frankfurt (Main) in Rheine. Versetzt: Postrat von Hamm von Rheine nach Burgsteinfurt, die Postamtmänner Golz von Bottrop nach Wurzen und Dietrich von Glaovea nach Dortmund. Oberpostmeister Koch von Roßla(Harz) nach Gladbeck, die Postmeister Leding von Olfen(Kr. Lüdinghausen) nach Billerbeck und Kortüm von Anholt(Bez. Münster) nach Raovod(Bez. Münster). In den Ruhestand versetzt: Münster, 12. Juli. Der Reichsgerichtsdienst des NDB. berichtet: In der Nacht zum 22. März vorigen Jahres ereignete sich auf dem Marktplatz in Haltern ein furchtbares Unglück, das fünf blühende Menschenleben zum Opfer forderte. An der Ecke des Rathauses stießen zwei aus Düsseldorf kommende Fernlastzüge zusammen. Trotz der späten Nachtstunde fanden sich sofort an der Unglücksstelle mehrere Neugierige ein, die ohne Aufforderung den bei dem Zusammenprall in Brand geratenen Anhänger des einen Lastzuges vom Motorwagen abkuppeln wollten. Die abgesprungenen Kraftwagenführer riefen:„Zurück, Explosionsgefahr“ und forderten nachdrücklichst und dringend die Zuschauer auf, sich sofort von dem Wagen zu entfernen, da ein mit 150 Liter Benzin füllter Reservetank noch nicht explodiert war und außerdem die für Hamburg bestimmte Ladung mehrere Oelfässer enthielt. Trotz der Warnungen rollten einige Männer die Oelfässer von dem gefährdeten Wagen. Plötzlich explodierte der Reservetank mit einem furchtbaren Knall, eine Stichflamme schoß bis zur Höhe des Rathausturmes empor, und die Umstehenden rannten als brennende Fackeln umher oder blieben bewußtlos brennend liegen. Von den 20 ins Krankenhaus eingelieferten Schwerverletzten starben fünf an den erlittenen Brandwunden nach qualvollem Leiden. Heessen, 12. Juli. Der Aufsichtsrat der Mansseld=AG. für Bergbau und Hüttenbetrieb hat einem Vergleich mit der Firma Otto Wolff zugestimmt, der die Besitzverhältnisse der Gewerkschaft„Sachsen“ in Heessen bereinigt. Auf Grund eines im Jahre 1924 abgeschlossenen Vertrages hat die Firma Otto Wolff von 1000 Kuxen der Gewerkschaft„Sachsen“ 500 erworben. Dabei hatte sich die Mansfeld=AG. verpflichten müssen, der Gruppe Otto Wolff im Syndikat das Selbstverbraucherrecht für Sachsenkohlen zu verschaffen. Da Mansfeld=AG. diese Bedingungen nicht erfüllen konnte, entstand ein Rechtsstreit zwischen Otto Wolff und der Mansfeld=AG. über die Erfüllung des Vertrages. Zur Beilegung des Prozesses, bei dem es sich um ein Objekt von mindestens 12 Millionen Rm. handelt, ist in Aussicht genommen, daß die Firma Otto Wolff ihre 500 Kuxe an die Mansfeld=AG. zurückliefert und als Gegenwert einen in Raten zahlbaren Betrag von 3 Millionen Rm. erhält, sowie das durch einen kleinen Zukauf von nominell Münster, 12. Juli. Bei verhältnismäßig gutem Besuch fand am heutigen Donnerstag in der Halle Münsterland die 37. Zuchtschweineversteigerung der Herdbuchgesellschaft für das veredelte westfälische Landschwein(Abteilung Münsterland) statt, nachdem bereits am Mittwoch nachmittag die übliche Prämiierung voraufgegangen war. Zur Versteigerung hatte sich in Anbetracht der Sommerzeit immerhin noch eine recht ansehnliche Besucherzahl eingefunden, die jedoch vornehmlich Kaufinteresse für Eber zeigten, während für Sauen das Kaufinteresse ganz auffallend gering war. Von den 66 Ebern konnten 61 ihren Besitzer wechseln, und zwar zum Durchschnittspreise von 120 Mark. Fünf Tiere blieben unverkauft. Der Höchstpreis betrug 420 Mark, der niedrigste 75 Mark. Der die Postmeister Jütting in Radbod(Bez. Münster) und Hülsbusch in Bork(Kr. Lüdinghausen). / Münster, 12. Juli. Aus dem Westfälischen Kunstverein. Die diesjährige Generalversammlung des Westfälischen Kunstvereins brachte einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit des Vereins in den letzten beiden Jahren, den Prof. Dr. Martin Wackernagel erstattete. Die Kassenverhältnisse wurden als befriedigend befunden. Hervorgehoben zu werden verdient, daß die meisten Ausgaben zur Unterstützung junger Künstler verbucht werden konnten. Eingangs der Sitzung hielt der Wereinsassistent Dr. Harald Seiler einen instruktiven Lichtbildervortrag über die Sammlungen des Vereins. Zur Angleichung der Satzungen des Vereins an die Richtlinien des Bundes deutscher Kunstvereine legte Prof. Wackernagel, der den Verein zwölf Jahre lang führte, sein Amt nieder um eine Neuwahl im Sinne des Führerprinzips zu ermöglichen. Unter allgemeinem Beifall der Versammlung wurde der langjährige verdienstvolle Vorsitzende wiedergewählt. A Münster, 12. Juli. Glänzender Erfolg des neuen Aasee=Bades. Wie sehr das seit einigen Tagen von der Stadt am Aasee eingerichtete Freiluftbad den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht wird, beweist wohl am besten die Tatsache, daß gleich am ersten Tage 908 Karten und am zweiten Tage rund 1000 Eintrittskarten verkauft wurden. Münster, 12. Juli. Ein halbes Jahr Gefängnis für einen Wohlfahrtsschwindler. Friedrich We. hatte es auf Wohlfahrtsbetrügereien abgesehen. Als alter Unterstützungsempfänger war er mit allen Einrichtungen vertraut, die es bei der Wohlfahrt gab, und doch erwischte man eines Tages We., als er sich in zwei Städten, in Dortmund und in Witten, die Wohlfahrtsunterstützung auszahlen lassen wollte. Er erhielt dafür seine Strafe und kam schließlich nach Münster, um hier sein Glück zu versuchen. Während der Zeit, in der er eine laufende Unterstützung bezog, arbeitete er voll und hatte auch vollen Verdienst. Die Beamten des Wohlfahrtsamtes erfuhren davon und erstatteten gegen den alten Sünder Anzeige. We. erschien heute vor Das Landgericht Münster i. W. sprach die beiden Lastzugführer, Bierhake aus Versmold und Kloft aus Düsseldorf, am 16. Juni 1933 von der Anklage der fahrlässigen Tötung frei, da den Fahrern nicht nachzuweisen war, daß sie den Zusammenstoß fahrlässig herbeigeführt hatten. Für den tragischen Irrtum der Getöteten, die offenbar die Größe der Gefahr nicht übersehen konnten, wären die Angeklagten nicht verantwortlich zu machen. Sie wurden lediglich wegen Vergehens gegen das Kraftfahrzeuggesetz zu je 120 Rm. Geldstrafe verurteilt. Auf die Revision der örtlichen Staatsanwaltschaft und eines Nebenklägers hob das Reichsgericht am Mittwoch indeß dieses Urteil gegen den Antrag des Reichsanwaltes auf und wies die Sache zur nochmaligen Verhandlung und anderweitiger Entscheidung an die Vorinstanz zurück. Entscheidend war nicht das Verhalten der Angeklagten nach dem Zusammenstoß— so betonte das Reichsgericht in seinen Urteilsgründen— sondern vor dem Zusammenstoß. Die Lastwagenführer haben fahrlässig geyandelt und mußten voraussehen, daß es bei einem Zusammenstoß zu einer Explosion kommen konnte, wobei Menschen verletzt oder getötet werden konnten. 4 Millionen Rm. abgerundete Paket Stolberger Zinkaktien der Mansfeld=AG. Die Mansfeld=AG. hat unter bestimmten Voraussetzungen das Recht, von der Firma Otto Wolff zu verlangen, daß diese entweder von ihrer zunächst auf drei Jahre gestundeten und später in Raten rückzahlbaren Gesamtforderung an die Gewerkschaft Sachsen in Höhe von 2,8 Millionen Rm. einen Teilbetrag von 1 Million Rm. kostenlos an die Mansfeld=AG. abtritt, oder daß sie nominell 2 Millionen Stolberger Zinkaktien der Mansfeld=AG. zurücknimmt. Der Aufsichtsrat der Mansfeld=AG. beschloß einstimmig, diesen Vergleich, der unter maßgeblicher Mitwirkung eines auf Empfehlung des Reichswirtschaftsministeriums bestellten Schlichters zustande gekommen ist, der Hauptversammlung zur Annahme zu empfehlen. Die Verwaltung ist überzeugt, daß die Wiedervereinigung der gesamten Sachsen=Kuxe im Besitz der Mansfeld=AG. sich sowohl betrieblich wie auch wirtschaftlich günstig auswirken wird. mit dem 1e=Preis prämiierte Rollersohn(Bes. B. Föcking=Althofes, Rhedebrügge) erzielte den besten Preis mit 420 Mark, den zweitbesten von 300 Mark der mit dem 2e=Preis prämiierte Serenissimus=Sohn von Ww. Tyrell, Telgte, während der Siegerbulle(Herwegsohn) des Besitzers Dr. Holtmeier, Lienen, keinen Käufer fand. Von den 38 Sauen blieben nicht weniger wie 30 unverkauft. Die 8 verkauften Sauen erbrachten einen Durchschnittspreis von 147 Mark. Den höchsten Preis mit 210 Mark erhielt die mit dem 1c=Preis prämiierte Sau (Vater: Roller, Mutter: Lampe) der Besitzers B. Weddeling=Gerding, Ramsdorf. Auch hier fand die Siegersau keinen Käufer. Allerdings gelang es nach Abschluß der öffentlichen Versteigerung, eine Reihe der unverkauft gebliebenen Tiere noch unterhändig an den Mann zu bringen. Erklärung. + Münster, 12. Juli. Unter Berufung auf das Pressegesetz werden wir um Aufnahme der nachfolgenden Erklärung gebeten: „In der Angelegenheit des Ausfalls der Domfeier am Vorabend der Großen Prozession sieht sich die Pfarrgeistlichkeit Münsters zu der folgenden Erklärung verpflichtet: Der für die Verhandlungen mit der Stadtverwaltung bestellte Geistliche hat entsprechende Zeit vorher der Polizeiverwaltung der Stadt von der beabsichtigten Domfeier schriftliche Mitteilung gemacht und um den üblichen polizeilichen Schutz gebeten. In den nachher mit dem Herrn Oberbürgermeister persönlich gepflogenen mündlichen Verhandlungen hat der Herr Oberbürgemeister, der schon seine Bedenken gegen die geplante Domfeier geäußert hatte, nachdem ihm inzwischen die Anordnung der Staatspolizeistelle für den Regierungsbezirk Münster in Recklinghausen vom 28. Juni 1934 überreicht worden war. erklärt, er glaube nunmehr die Feier nicht mehr gestatten zu können. Wenn demnach auch seitens des Herrn Oberbürgermeisters„weder ein schriftliches noch ein mündliches Verbot ergangen ist“, so steht doch fest, daß derselbe erklärt hat, er glaube die Domfeier in der vorgesehenen Weise nicht gestatten zu können. Nur deshalb ist die Domfeier ausgefallen. Der Ausweg, die Feier in den Dom zu verlegen, war nach der Art der Feier nicht gangbar. Die von dem Unterhändler erbetene schriftliche Stellungnahme der Stadtverwaltung wurde nicht gegeben. Für die Kath. Pfarrgeistlichkeit der Stadt Münster Beelert. Dechant.“ dem Richter und erklärte, er sei seit dem Kriege nervenleidend, aber völlig unschuldig an der Straftat, die ihm jetzt zur Last gelegt werde. Er machte dem Gericht eine Rechnung auf, nach der er angeblich noch bei seiner Arbeit Zuschüsse geleistet habe. Aber weder das Gericht noch der Verteidiger Weis konnten die Unschuld des Angeklagten bestätigen. Und da We. wegen Betruges im Rückfall bestraft werden mußte, kam für den Angeklagten eine Gefängnisstrafe von einem halben Jahr heraus. A Coesfeld, 12. Juli. Ein Coesfelder zum Professor ernannt. Privatdozent Dr. Hermann Ellinghaus, ein geborener Coesfelder, der an der Technischen Hochschule in Hannover als Privatdozent für Volkswirtschafts= und Betriebswirtschaftslehre tätig ist. ist zum außerordentlichen Professor ernannt worden. Im Jahre 1929 hatte er dort die venia legendi erhalten, nachdem er nach seiner Teilnahme am Weltkriege als Assistent am Staatswissenschaftlichen Institut der westfälischen Landesuniversität tätig gewesen war. 4 Stadtlohn, 12. Juli. Dem Ulk wurde die Krone aufgesetzt. Es war am Montag dieser Woche. Kirmestrubel und Kreistierschaufest hielt Alt und Jung in richtigem Kontakt. Die späteren Nachmittagstunden waren schon bald dahin. Da kamen einige seuchte Stadttouristen auf einen fidelen Einfall. Ein Junge kam mit einer Kuh angezogen. Nachdem dieser über das Vorhaben aufgeklärt war, nahm man die Kuh und führte sie in ein Hotel bis vor die Theke. Alles lachte über den bunten Gast. Vielleicht hatte er Durst: die Hitze des Tages war auch fast erdrückend. Und siehe da....! Der Kuh schien es nicht zu behagen. Und während die Thekenvorsteher noch nicht daran dachten, das Rindvieh an die Luft zu setzen, holte es zu einem wohlgezielten Schlage aus. Rrrrr...! Gläser lagen zerschmettert am Boden. Doch damit war es noch nicht genug. Zum Vergnügen der Gäste und zum Entsetzen des Hoteliers wurde das Tier„hinterlistig“ und machte eine unverschämte Bescherung! Und das vor der Theke! Der Spaß war beendet, der Ernst begann! Die Kuh wurde auf die Straße gesetzt und die wahre Geschichte ist aus. pwn. Beckum, 12. Juli. 3000 Mütter des Kreises Beckum fahren nach Heessen zur Waldbühne. Die Kreisamtsleitung der NSV. des Kreises Beckum veranstaltet am Mittwoch, den 18. Juli, auf der Waldbühne Heessen eine Sondervorstellung des Freilichtspiels„Genoveva“ von Friedrich Hebbel, zu der aus allen Ortsgruppen des Kreises Beckum Mütter geschickt werden sollen. Aus allen Richtungen und aus den zwanzig Ortsgruppen werden die Mütter mit Omnibussen und Sonderzügen nach Heessen gebracht, wo sie erst mal alle gemütlich Kaffee trinken und sich dann das Freilichtspiel ansehen werden, das gerade die Mütter am meisten angeht. Dieses Spiel der Liebe von„Mutter und Kind“. != Wettringen, 13. Juli. Fischsterben in der Vechte. In letzter Zeit häufen sich die Fälle, in denen das Wasser in der Vechte vergiftet ist. Man kann dann leider nur zu oft die Feststellung machen, daß die Fische in Massen vergiftet auf dem Wasser schwimmen. Ob es sich um böswillige Vergehen handelt oder ob Farbbestände, die in den Klärungsanlagen nicht ganz dem Wasser entzogen wurden, die Unheilstifter sind, steht zur Zeit noch nicht fest. -md= Dortmund, 12. Juli. Zwei Bergleute tödlich verunglückt. Auf der Zeche„Adolf von Hansemann" in Mengede verunglückten zwei Bergleute tödlich. Bei Benutzung der Fördereinrichtung fiel ein schwerer Gegenstand, vermutlich ein losgelöster Bolzen, auf den Förderkorb und traf den darauf stehenden Schlepper Schywi so schwer am Kopf, daß dieser sofort tot war und in den Sumpf fiel. Bei dieser Gelegenheit wurde der Hauer Enkelmann ebenfalls mitgerissen. Er starb auf dem Wege zum Krankenhaus. Wenn Jhr zur Ekolung neist, denkt on die Badürstigen, die zu Kause Gleiben! Darum Cöst eine Spendenkarte Rür„Mutter und Rind! Das Halterner Anglück erneut vor Gericht. Die Entscheidung des Reichsgerichts. 37. Zuchtschweineversteigerung in der Halle Münsterland. Ein Mäüchen au Eine romanhafte Repo V Copyright b 13)(Nachdruck verboten.) Gloria reichte ihm die Hand.„Nein, Clive, gewiß nicht. Wenn es in meiner Macht steht, Ihnen einen Wunsch zu erfüllen.. Er küßte die Hand, seine grauen Augen leuchteten wie in Phospharglanz. Gloria wußte nicht, ob es dieser Blick war, der sie schaudern machte, oder die frische Brise, die von der See her wehte... Sie mußte auch später, als sie allein war, noch an diesen seltsamen Blick denken, und es beschlich sie ein unerklärliches, unangenehmes Gefühl wie eine Warnung vor etwas Unerforschlichem. Sie versuchte, es niederzukämpfen mit dem Gedanken an ihre Liebe zu Clive, aber dann war es gerade wieder dieser Gedanke, der ihr Unbehagen einflößte. Sie prüfte sich sehr ernstlich, ob es nicht vielleicht die Unaufrichtigkeit wäre, die zwischen ihr und dem jungen Manne stand, aus der solche Bedrückungen der Seele kämen; sie fragte sich, ob sie nicht doch die Pflicht habe, ihm die Wahrheit zu gestehen, nämlich daß sie wisse, wer er sei: Harold Refiner. Vor diesem Geständnis aber scheute sie sich, teils aus einem uneingestandenen romantischen Gefühl heraus, teils aber auch deshalb, weil in ihrem Unterbewußtsein noch immer die Furcht schlummerte, als Besiegte heimzukehren— erst wenn sie vor ihrem Vater stände, wollte sie den Triumph auskosten, das Spiel längst durchschaut zu haben. So lange mußte eben Clive Blackburn für sie Clive Blackburn bleiben, und wenn sie alles genau bedachte, so hatte sich, außer einer gelegentlichen vertraulichen Anrede oder einem freundschaftlichen Händedruck, an ihrem Verhältnis seit der Dampferfahrt äußerlich nicht viel geändert: Gloria tat sich etwas auf ihre Zurückhaltung Clive gegenüber zugute und glaubte, so gut wie nichts von ihren wahren Empfindungen verraten zu haben, glaubte es um so eher, als der junge Mann— wie ein echter Gentleman— ihr auch noch mit keinem Wort zu erkennen gegeben hatte, daß er durchschaute, wie es um sie stand. Er benahm sich tadellos und überschritt die gesellschaftlichen Grenzen nicht. Gloria war damit zufrieden, so sehr es sie im Herzen auch nach den Zärtlichkeiten des Mannes verlangte— aber auch sie beschloß, die Schranken, die sie sich selbst gesetzt hatte, vorläufig noch nicht zu überschreiten. Sie war glücklich, das war ihr jetzt die Hauptsache, und dafür wollte sie Clive Blackburn dankbar sein. Die Wolken ahnungsschwerer Stimmungen, die dieses Glück zu beschatten drohten, verflogen wieder ebenso unbemerkt, wie sie gekommen waren, und Clive Blackburns graue Augen strahlten treuherzig in Glorias nächtliche Träume. Am anderen Tag kam Clive auf den Wunsch zurück, den ihm Gloria erfüllen sollte und wollte. Er machte den Vorschlag, den Aufenthalt in Rapallo abzubrechen und auf dem nächsten Dampfer, der von Genua nach Amerika ging, alsbald heimzureisen. Er wollte zu diesem Zweck nach Genua fahren, um alles Notwendige vorzubereiten und zu erledigen, so daß ihrer Abreise nichts mehr im Wege stände. Er habe Gelegenheit, hier in Rapallo ein Motorrad mieten zu können, und das wäre ihm eine ganz besondere Freude, daß er die Fahrt nicht mit der Bahn zu machen brauche. Gloria schlug das Herz bis zum Hals hinauf vor Freude, daß sie in so kurzer Zeit schon wieder heimreisen sollte, aber sie ließ sich davon nichts anmerken. Sie fragte Blackburn ganz geschäftlich, ob sie ihm die Summe, die er für die Schiffskarte brauche, aushändigen dürfe, und fand es durchaus in der Ordnung, daß er das Angebot annahm. Sie besprachen alles eingehend, auf welche Weise sie zusammen reisen wollten, Clive übernahm es auch, ein Kabel an Ben W. Harrop zu besorgen, und schließlich wurde festgesetzt, daß er schon am nächstn Tag nach Genua fahren und alles erledigen sollte. Als Gloria abends Jessie mitteilte, daß sie in wenigen Tagen schon wieder auf dem Ozean schwimmen würden, küßte die alte, treue Dienerin die Hände des jungen Mädchens unter einem Strom' freudiger Tränen, Dreizehntes Kapitel. Sensationen in New Orleans. Seit der Abreise der Tochter lebte der alte Harrow in beständiger nervöser Unruhe. Er beklagte es nun doch, daß er nicht selbst das junge Mädchen nach Europa begleitet hatte; nicht, daß er für ihre Sicherheit irgend etwas gefürchtet hätte— dazu war kein Anlaß, denn Clive Blackburn überwachte sie ja, und Glorias Telegramme aus Europa hatten bis jetzt Ben W. Harrow vollkommen befriedigt!— nein, es war etwas ihm Fremdes und Unerklärliches, das den alten Herrn innerlich beunruhigte, nachdem der Versuch Harold Refiners, Gloria in Newyork zu treffen, mißglückt war. Das war eine sehr unangenehme Nachricht für Ben Harrow gewesen, als ihm der junge Refiner, der zwei Tage nach der Abreise Glorias in der Victory Avenue eingetroffen und, nach einer langen ernsten Unterredung mit Harrow, alsbald mit dem Flugzeug nach Newyork geeilt war, dem Rat und den Bitten des alten Herrn nachgebend, als jener ihm telegraphiert hatte, Gloria wäre in dem angegebenen Hotel nicht mehr anwesend, und man wüßte nicht, wohin sie sich begeben hätte. Es war sehr auffallend, daß sie nur ein paar Stunden in dem Hotel zugebracht hatte. Der alte Herr schalt sich selbst, daß er zu voreilig gewesen wäre, ihr zu drahten, daß Harold nach Newyork käme. Er hätte Gloria doch kennen müssen, daß sie davon aufs äußerste betroffen werden würde! Sicherlich hatte diese Nachricht sie zu einem unbesonnenen Schritt veranlaßt— das war damals Ben W. Harrows erster Gedanke gewesen. Als aber eine Anfrage bei Tante Mary in Bronx dahin beantwortet wurde, daß Gloria bei den Verwandten gewesen sei, und als die Schiffsgesellschaft ebenfalls bestätigt hatte, daß Miß Harrow mit dem fahrplanmäßigen Dampfer abgereist sei, da war Ben W. Harrow freilich zunächst beruhigt gewesen, daß Gloria nichts Unbedachtes getan hatte— die Nachricht über die glückliche Regelung der Geschäfte mit Woods u. Co. hatte dann die Befriedigung noch erhöht—, immerhin blieb die für ihn beschämende Tatsache bestehen, daß seine Tochter vor dem jungen Refiner geflohen war und damit nun die Pläne des Vaters, die er doch noch zu verwirklichen gehofft hatte, indem er die Tochter in letzter Stunde überlistete, ein für allemal zunichte gemacht hatte. Harold Refiner war seitdem in Newyork geblieben, weil er für den Vater verschiedene Geschäfte abzuwickeln hatte, und Ben W. Harrow hatte inzwischen so gut wie nichts von ihm gehört; sicherlich hatte das brüske Benehmen Glorias den jungen Mann empfindlich gekränkt, und der alte Herr konnte ihm das nicht einmal übelnehmen. Daß von Gloria gar keine Briefe kamen, sondern immer nur kurze Telegramme, war dem alten Herrn nicht weiter erstaunlich, und er fand sich damit ab, zumal da er immerhin auf diese Weise die Möglichkeit hatte, den Reiseweg Glorias zu verfolgen. Das gleiche ersah er ja auch aus den Telegrammen Blackburns, die bei seinem Büro einliefen, und wenn er sich auch damit zufrieden gab, konnte er doch nicht unterlassen, dem Direktor gelegentlich unter die Nase zu reiben, daß ihm diese Art des Detektivs, Aufträge auszuführen, nicht ganz passend erscheine; es wäre ausdrücklich ausgemacht worden, daß Blackburn schriftliche Berichte senden sollte — und nun machte er es sich so leicht mit den Telegrammen! Nun, er, Ben W. Harrow, würde es sich dann eben auch leicht machen, wenn es so weit war, das Honorar zu zahlen. Dem Direktor war diese Rüge außerordentlich peinlich, denn er hatte Clive Blackburn sehr angepriesen und hatte bis jetzt auch große Stücke auf ihn gehalten. Er begriff die Nachlässigkeit, die der der Flucht Karl B Friedrich Proetheus-Verlag Dr.Eichacker, Gröbenzell b. München Detektiv zeigte, ganz und gar nicht und hätte ihm gern einen recht groben Brief nach Europa gefeuert, wenn ... nun, wenn er seine Adresse gewußt hätte. Aber Blackburn war so unglaublich vergeßlich, daß er niemals mittelegraphierte, wo ihn Briefe erreichen könnten, und bei Ben W. Harrow anzufragen, wo sich Miß Gloria gerade aufhielt, das dünkte dem Herrn Direktor denn doch zu blamabel. So blieb er denn wochenlang ohne Verbindung mit seinem Angestellten, war wütend auf ihn und war fest entschlossen, ihn sofort hinauszuwerfen, wenn er erst wieder in New Orleans wäre. Jedesmal, wenn Ben W. Harrow sich danach erkundigte, ob denn immer noch kein schriftlicher Bericht von Clive Blackburn eingelaufen sei, stieg der Zorn des Direktors auf den Detektiv bis zu den höchsten Graden. Ben W. Harrow, der die Sache anfangs mit Humor aufgenommen hatte, fing an, sich zu beunruhigen, aber wenn man ihn gefragt hätte, warum er in Unruhe sei, hätte er wohl kaum eine präzise Antwort geben können. Das mysteriöse Telephongespräch an dem Tage, an dem die Reise Glorias sozusagen beschlossen worden war, und das er fast schon vergessen hatte, quälte ihn manchmal im Traum und gaukelte ihm Schreckensbilder von Entführung und Beraubung vor. Der Direktor des Detektivinstituts, dem er seine Befürchtungen vortrug, suchte ihn immer wieder zu beruhigen: man habe die Augen offen, und bis heute habe sich durchaus nichts Verdächtiges feststellen lassen, es werde doch wohl schon so sein, daß Herr Harrow einer Frozzelei aus dem Klub zum Opfer gefallen sei. Im Klub aber, wo Harrow vorsichtig nach dem Urheber des Telephonates tastete, war es auch nicht möglich, etwas Positives herauszubekommen. Dazu kam endlich, daß ihm Gloria auch bei manchen geschäftlichen Dingen fehlte, so daß also die schlechte Laune Ben W. Harrows leicht zu erklären war. Etwa fünf Wochen nachdem Gloria Amerika verlassen hatte, las Ben W. Harrow im„Morning Leader“ eine kleine Lokalnotiz, über die er lachen mußte. Unter der Ueberschrift„Dem Alkoholteufel verfallen“ wurde da berichtet, daß ein Polizist am hellichten Vormittag mitten auf der Esplanade einen sinnlos betrunkenen Mann aufgegriffen habe, der kaum noch hätte reden können und auch nicht gewußt habe, wo er hingehöre; da man keinerlei Ausweispapiere bei ihm gefunden habe, habe man den Mann ins Krankenhaus gebracht. Kurios sei, daß der Betrunkene unter seiner Weste das Abzeichen eines Detektivs getragen habe. Diese letzte Bemerkung war es, die Ben W. Harrow zum Lachen reizte, und er konnte es sich nicht versagen, den Direktor seines Detektivinstituts anzuklingeln und ihn auf diese zeitungsnotiz aufmerksam zu machen. Direktor Ward sagte, daß er die Nachricht bereits gelesen habe und im Begriff sei, sich ins Krankenhaus zu begeben, um gegebenenfalls den pflichtvergessenen Detektiv zu identifizieren; von den Leuten seines Büros sei es jedenfalls keiner, das könne er jetzt schon versichern. In der nächsten Nummer des„Morning Leader“ fand sich nichts mehr über diesen Fall, aber in der folgenden stieß Ben W. Harrow auf eine Schlagzeile, die ihn brutal anschrie:„Drei Wochen von Bootlegger gefangen gehalten! Clive Blackburn erzählt!“ und darunter:„Ein Alkoholschmugglernest ausgehoben! Auf der Spur einer Erpresserbande!“ Und Ben W. Harrow las: „Der scheinbar sinnlos betrunkene Mann mit dem Detektivabzeichen, den der Polizist York O'Brien vorgestern vormittag auf der Esplanade aufgegriffen und ins Krankenhaus gebracht hat, ist der bei Direktor Ward in der Hauptstraße angestellte Detektiv Clive Blackburn, ein Bursche, dem sein Direktor das beste Zeugnis ausstellt. Der junge Mann, der ohne jeden verwandtschaftlichen Anhang in unserer Stadt ist, lebt ziemlich zurückgezogen für sich und ist als sehr solide bekannt. Er ging ganz in seinem Beruf auf und war ein Schrecken für viele Verbrecher. Vor kurzem erst war ihm ein ehrenvoller und einträglicher Auftrag zuteil geworden, der ihn sogar nach Europa führen sollte. Das erzählte Direktor Ward, der seinen Angestellten nunmehr im Krankenhaus identifizieren konnte. Blackburn war, als er eingeliefert wurde, vollkommen erinnerungslos und stand gänzlich unter der Einwirkung ungewöhnlicher Mengen Whiskys und anderer Betäubungsmittel. Die Aerzte wandten alles an, um die schwere Alkoholvergiftung zu beseitigen. Sie sagen, wenn das Herz des jungen Mannes nicht so ausgezeichnet wäre, hätte er die Attacke wohl kaum überstehen können. Es war einer der schlimmsten Fälle, die hier seit Jahren bekannt geworden sind. Alsbald nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus verlor Blackburn völlig das Bewußtsein. Dank der sorgfältigen Pflege der Schwestern ging die Ohnmacht in einen festen Schlaf über, aus dem der junge Mann erst nach vierundzwanzig Stunden erwachte. Er wußte natürlich nicht, wo er war und erkannte niemanden, auch Mr. Ward nicht, der zufällig anwesend war. Der Direktor erklärte, es dürften keine Mittel gescheut werden, um den rätselhaften Fall aufzuklären. Nachdem Mr. Blackburn einige Zeit bei voller Besinnung war und etwas zu sich genommen hatte, begann man höchst vorsichtig, ihn auszufragen. Er war sehr erstaunt zu hören, daß er sich im Krankenhaus befinde und erkundigte sich nach seinem Freunde Ridley. Dann sagte er, er müsse sofort abreisen, das Schiff nach Europa ginge schon übermorgen und es täte ihm leid, daß er sich von Ridley habe verleiten lassen, so viel zu trinken. Aber Ridley habe ihm immer wieder eingeschenkt, und er könne sich durchaus nicht mehr besinnen, wie er nach Hause und wie er hierher gekommen sei. Er erinnere sich nur noch, daß er mit Ridley in dessen Haus in der Esplanade gefahren sei, weil sein eigener Wagen eine Panne erlitten gehabt hatte, und daß man dort, gewissermaßen um seinen Abschied von Amerika zu feiern, ein paar Glas Whisky getrunken habe. Ridley sei ein smarter junger Mann, der sich sehr nett benommen habe. Das alles müsse gestern nachmittag gewesen sein, denn er wisse noch ganz genau, wie er Ridley gebeten habe, ihn nach Hause zu fahren, was dieser auch versprochen habe. Da man Blackburn nicht weiter aufregen und ihm vor allem nicht sagen wollte, daß bereits mehr als fünf Wochen verstrichen seien, seit sein Dampfer nach Europa abgefahren sei, richtete man zunächst keine Fragen meyr an ihn, dagegen vernahm man den Polizisten O'Brien, der bestätigte, daß er Blackburn ziemlich verwahrlost und sinnlos betrunken in der Esplanade aufgefunden habe; es sei ziemlich schwierig gewesen, den kräftigen Mann ins Krankenhaus zu schaffen. Im Anschluß an die Festnahme Blackburns sei er, O'Brien, dann noch einmal durch die Esplanade gegangen, und da sei ihm aufgefallen, daß vor einem Hause, das er näher beschrieb, ein farbiger Diener mit allen Anzeichen großer Angst um sich geschaut habe, als suche er jemanden. Er, O'Brien, sei unauffällig näher gekommen und habe sich so hinter den Farbigen gestellt, daß der nicht mehr in das Haus hätte entschlüpfen können. Er habe ihn gefragt, ob etwas passiert sei, ob er bestohlen worden wäre oder etwas verloren habe... da sei aber der Mann völlig verwirrt worden und habe versucht, ins Haus zu gelangen. Da sei er, O'Brien, denn nicht von seiner Seite gewichen, obwohl der Farbige immerzu versucht habe, ihn abzudrängen. Vorher jedoch habe er noch rasch ein paar Kollegen herbeigepfiffen, die später auch in das Haus gekommen seien. Außer dem Farbigen seien keine Leute dort gewesen. Man habe alles gründlich durchsucht und ein Zimmer entdeckt, in dem offenbar ein Mensch längere Zeit gewohnt habe: es sei unbeschreiblich unordentlich und beschmutzt gewesen, die Fenster seien vergittert, und der ganze Raum habe den Eindruck eines Gefängnisses gemacht. In dem Keller habe man dann ein beträchtliches Lager von Whisky und Rum entdeckt. Das Haus sei versiegelt worden, der farbige Diener sitze nun im Gefängnis. So weit der Bericht des„Morning Leader“. Ben W. Harrow zitterte vor Aufregung und klingelte nach Jim. Aber es dauerte lange, bis jemand kam, und dann war es nicht Jim. Der Boy sagte, Jim sei nicht im Hause, aber er wisse nicht, wohin er gegangen sei. Harrow befahl. sofort das Auto vorzufahren, und der Boy trollte ab. Ben W. Harrow hatte die Empfindung, daß er vor furchtbaren Enthüllungen stünde. In wenigen Minuten stand das Auto vor der Tür der Villa, und Ben W. Harrow ließ sich zu Direktor Ward in der Hauptstraße fahren. „Ich war im Begriff, Sie aufzusuchen," erklärte Ward, als der alte Herr in sein Büro trat.„Sie haben das— er deutete auf den„Morning Leader“, der auf seinem Schreibtisch lag— wahrscheinlich gelesen. Ja, das ist eine tolle Geschichte! Blackburn ist fürchterlich reingelegt worden, aber wir sind den Burschen auf der Spur, ja wir haben den Matador schon so gut wie sicher, denn er ist ja... Er verstummte plötzlich und biß sich auf die Lippen. Nein, das Letzte konnte er dem alten Herrn nicht so mir nichts dir nichts ins Gesicht sagen, da mußte erst noch etwas dazwischengelegt werden... Und er begann noch einmal:„Ja, eine tolle Geschichte! Sie wird noch allerlei Folgen haben. Das Bootleggernest hätten wir ja glücklich ausgehoben. Blackburn ist ja Gott sei Dank nun auch so weit, daß er sein Abenteuer genau beschreiben konnte. Ein sauberes Abenteuer, wahrhaftig! Mein bestes Pferd im Stall so lahmzulegen!“ und er erzählte dem ungeduldigen alten Herrn, wie sich, nach einer Meldung, die Sache mit Blackburn zugetragen habe:„Sie war offenbar von langer Hand vorbereitet, und vielleicht gibt es da einen Mitwisser in Ihrem Hause, Mr. Harrow.(Jim— schoß es diesem durch den Kopf.) Jedenfalls wurde der Plan an dem Tage ausgeführt, als Sie Blackburn wegen der Europareise Ihrer Tochter empfingen. Als er von Ihnen wegfuhr, wurde seine Car von einer anderen angefahren und unbrauchbar gemacht. Der Besitzer des Unglückswagens, der sich Henry Ridley nannte und in ungefähr gleichem Alter mit Blackburn steht, zeigte sich sehr hilfsbereit und stellte seinen Wagen dem Detektiv zur Verfügung. Nachdem Blackburn dann bei mir auf dem Büro gewesen war und seine Papiere und was er sonst noch für die Reise brauchte, geholt hatte, waren die beiden jungen Leute in Ridleys Wohnung an der Esplanade gefahren, wo ein Schluck Whisky getrunken werden sollte. Ridley habe erklärt, der Whisky stamme von seinem Bruder in Kanada. Blackburn versichert, der Stoff sei vorzüglich gewesen. Nun, es scheint nicht bei dem„Schluck“ geblieben zu sein. Es war damals sehr heiß, und Blackburn wurde müde, bat deshalb Ridley, ihn nach Hause zu fahren, was dieser auch sofort zusagte. Von da an also hat Blackburn keine Erinnerung mehr; er nimmt nun an, daß Ridley ihm ein Betäubungsmittel in den Whisky geschüttet habe oder daß die Zigaretten, die er geraucht habe, mit Opium getränkt waren. Jedenfalls ist er in dem Hause nicht wieder zum Bewußtsein seiner selbst gekommen. Dunkel weiß er noch, daß ein Farbiger dann und wann zu ihm gekommen ist und ihm Essen gebracht hat; auch hat er immer wieder Whisky getrunken, obwohl er einen Ekel davor gehabt habe, aber er hat eben keinen Willen mehr gehabt und stand gänzlich unter dem Einfluß der Narkotika. Vorgestern nun hat er, wie er selbst sich ausdrückt, einen lichten Moment gehabt. Die Tür zu dem Zimmer, in dem er gefangen gehalten worden war, war einen Augenblick nicht verschlossen gewesen, wahrscheinlich infolge eines Versehens des farbigen Dieners. An diesem Morgen hatte Blackburn nicht so viel getrunken wie sonst, so daß er wenigstens die Herrschaft über seine Glieder besaß. Ohne recht zu wissen, was er tat, verließ er Stube und Haus. Kein Mensch merkte etwas davon. Er kam auf die Straße, wußte aber nicht, wo er war. Er ging aufs Geratewohl voran, in seinem Inneren war ein verzweifeltes Suchen. Er sah erbarmungswürdig aus, sagte O'Brien, der ihn gefunden hat. Die Kleider beschmutzt und zerrissen, oyne Hemdkragen, ohne Hut, ohne Schuhe und Strümpfe, das Gesicht aufgequollen und rotgedunsen, ohne Ausdruck und stumpf, die Augen blutunterlaufen, blicklos und doch von einer namenlosen Angst erfüllt... So taumelte Clive Blackburn, dieser flotte, energische junge Mensch, hilflos wie ein Wrack über die lange Esplanade. Kinder liefen hinter ihm drein und verhöhnten ihn, Erwachsene wandten sich angeekelt ab, ohne ihm zu helfen. Es muß schrecklich gewesen sein, einen so verwüsteten Menschen zu sehen. O'Brien sagt, er habe sofort gefühlt, daß da etwas nicht stimmte, daß hinter diesem Rausch ein Geheimnis stecke. Und als Blackburn dann im Krankenhaus war und in einem sauberen Bett lag, brach er völlig zusammen...“ Ben W. Harrow winkte ab. Der Bericht des Direktors wurde ihm zu dramatisch. Und was er jetzt noch zu sagen hatte, das wußte Harrow ja schon. Viel wichtiger war ihm in diesem Augenblick, zu erfahren, auf welche Weise man seine Tochter aus den Händen des Verbrechers befreien könnte, der sich für Clive Blackburn ausgegeben hatte und der aller Wahrscheinlichkeit nach Schlimmes im Schilde führte. Er fragte den Direktor um Rat, aber Mr. Ward mußte gestehen, daß er selber noch nicht recht wisse, welches die beste Art und Weise sei, um Miß Gloria nicht ängstlich zu machen und um des Verbrechers auch wirklich habhaft werden zu können. Er bat Ben W. Harrow um die Erlaubnis, ihn morgen früh aufsuchen zu dürfen, um ihm dann einen endgültigen Feldzugsplan gegen Henry Ridley vorzulegen. Inzwischen möge Mr. Harrow zu keinem Menschen über diese Dinge sprechen, damit ein etwaiger Mitwisser in seinem Hause nicht doch noch eine Warnung nach Europa schicken könne. Harrow war mit diesem Vorschlag einverstanden. Kaum war er zu Hause, erwartete ihn eine neue Sensation: der Brief, den Gloria in Venedig geschrieben hatte, war angekommen, und Ben W. Harrow las zu seinem Entsetzen, welche Verwirrung die Vermutung, Henry Ridley wäre Harold Refiner, in der Seele seines Kindes angerichtet hatte. Die Vorwürfe, die Gloria dem Vater wegen seines scheinbar hinterhältigen Verhaltens machte, berührten ihn nicht, denn mit einem einzigen Worte würde er sich rechtfertigen können, aber geradezu erschüttert war er von dem Eingeständnis Glorias— das sie zwar nicht klar aussprach, das aber aus jeder Zeile zu lesen war—, daß sie den Mann, der sich Clive Blackburn nannte und den sie für Harold Refiner hielt, mit der ganzen Glut ihres unberührten Herzens liebe. Wenn Ben W. Harrow sie recht verstand, hatte sie dem jungen Manne bis jetzt noch nicht zu verstehen gegeben, für wen sie ihn hielt und ihm damit wahrscheinlich doch auch noch nichts von ihrer Liebe verraten, aber gleichviel: die Sache stand schlimm, und Ben W. Harrow stöhnte laut, als er den verhängnisvollen Brief endlich zusammenfaltete. Während einer schlaflosen Nacht stellte er sich sein behütetes, geliebtes Kind vor, tief gedemütigt in ihrem Stolze, zerschlagen vor Enttäuschung und Schmerz, gelähmt in ihrem hochsinnigen Willen, ausgeliefert der Willkür und den Lügen eines gewissenlosen Schurken, ja vielleicht sogar in ihrem Leben bedroht, gefoltert von der Sorge um den Vater, gemartert von der Ungewißheit ihres Schicksals und zerbrochen von der Unwürdigkeit ihrer ersten großen Liebe. Diese letzte Ueberlegung wuchs schließlich über alle anderen Bedenken und Sorgen Ben W. Harrows hinaus, denn er wußte, daß hier die Wurzel der Seele seines Kindes getroffen war. Sich an einen Unwürdigen verschwendet zu haben, mußte für sie, die sich so viel Würdigen versagt hatte, unaussprechlich erniedrigend vor sich selbst sein. Der Glaube an das Gute im Menschen, das bis jetzt einen Teil der Stärke ihres Charakters ausgemacht hatte, mußte nun vernichtet und zertrümmert sein. Oh, daß er sie jetzt hier hätte, sie in die väterliche Arme nehmen könnte, um ihr Trost zuzusprechen und ihr Hoffnungen auf neue Lebenslust zu erwecken. Er wollte so zart und behutsam mit ihr sein, daß ihre Seele sich bald wieder aufrichten könnte und daß die Wunden, die diese unglückselige Reise ihr geschlagen hatte, ganz und ohne Nachschmerzen verheilen könnten. Ben W. Harrow mußte die Zähne fest aufeinanderbeißen, um die Rührung, die in ihm bei dem Gedanken an sein Kind aufstiegen, zu unterdrücken. Unter seiner Post fand er am Morgen nach dieser qualvollen Nacht das Telegramm aus Mailand, das „Deine glückliche Gloria“ unterzeichnet war. Der Alp. den die Morgensonne verscheucht hatte, legte sich mit verstärkter Wucht auf die Seele Ben W. Harrows, und er fühlte sich in dieser einen Nacht um Jahre gealtert. Der Butler sagte ihm, Jim sei die Nacht nicht zu Hause gewesen— aber Ben W. Harrow hatte dafür nur ein Kopfsütteln. Was lag schon an dem Neger Jim! Es ging hier um das Seelenheil eines Menschen! Doch plötzlich schoß der Gedanke durch sein Hirn: der Mitwisser! Iim war es gewesen, der den Verbrecher über alles, was sich im Hause Harrow ereignete, Bericht erstattet hatte, so daß sie, wenn sie nur ein wenig Kombinationsgabe besaßen, genau wußten, wie die Dinge standen und was beabsichtigt war! Iim stand sicherlich auch irgendwie mit dem verdächtigen Telephonanruf von damals in Verbindung! Wo war Jim? Es mußte um jeden Preis verhindert werden, daß er seinen Komplizen zu warnen vermochte. Ben W. Harrow schnellte vom Frühstückstisch auf und trug dem Butler auf, sofort Mr. Ward herzubitten und ferner die Polizei von dem Verschwinden Jims zu benachrichtigen; es läge ihm sehr oaran, daß die eifrigsten Nachforschungen nach dem Verbleib des Negers angestellt würden. Es dauerte keine Viertelstunde mehr, bis Direktor Ward vor Ben W. Harrow saß. „Die Dinge haben sich seit unsrer gestrigen Unterredung geändert. Meine Tochter ist in höchster Gefahr. Es muß sofort etwas geschehen, um Verbindung mit ihr zu bekommen. Außerdem muß ich Ihnen mitteilen, Mr. Ward, daß mein Diener Jim seit gestern verschwunden ist, und ich vermute, in ihm den Mitwisser des Verbrechens entdeckt zu haben.“ „Ah, das ist ausgezeichnet, Mr. Harrow“, sagte der Direktor mit vor Berufsfreude leuchtenden Augen,„da werden wir sofort unsre Nachforschungen anstellen, und wir...“ „Nein, Mr. Ward,“ fiel ihm Harrow ins Wort,„ich möchte, daß Sie sich nicht mit dieser Sache befassen, ich habe bereits die Polizei benachrichtigen lassen. Es scheint mir besser, wenn diese Angelegenheit ganz offiziell betrieben wird. Aber ihre Hilfe brauche ich trotzdem“, setzte er rasch hinzu, als er bemerkte, wie sich das Gesicht des Detektivs enttäuscht verzog,„nämlich in meiner privaten Angelegenheit. Sie haben sie angefangen, nun mögen Sie die Sache auch zu Ende führen und hoffentlich glücklicher, als der Anfang war.“ „Es war nicht unsere Schuld, Mr. Harrow, daß die Sache so schief gegangen ist,“ warf Mr. Ward überzeugt hin, aber Ben W. Harrow wehrte ab. Seine Handbewegung besagte deutlich, daß Mr. Blackburn eben doch hätte vorsichtiger sein sollen. „Wir wollen nicht mehr über geschehene Dinge reden, mein lieber Ward,“ beschwichtigte er den Direktor,„wir müssen überlegen, was zu tun ist. Wir müssen, ohne weiter zu zögern, handeln. Jede Minute ist kostbar. Ich habe mich entschlossen, mit dem nächsten deutschen Schnelldampfer nach Europa zu fahren, das dauert vier, fünf Tage... Ich hoffe, dann immer noch rechtzeitig zu kommen, um meine Tochter vor dem Aeußersten bewahren zu können.“ „Ich habe Aehnliches überlegt, Mr. Harrow, aber ich bin doch der Meinung, daß auf diese Weise zu viel Zeit verloren wird. Das Schiff, das Sie brauchen könnten, verläßt bereits übermorgen Newyork. Sie müßten also schon das Flugzeug dorthin benutzen. Sagen wir dann fünf Tage bis Bremen... ja, dann sind Sie noch nicht in Italien bei Ihrer Tochter! Das erfordert, denke ich, noch einmal zwei Tage Eisenbahnfahrt, es sei denn, daß Sie auch dort fliegen wollten. Immerhin wären das, von heute ab gerechnet, im günstigsten Fall acht Tage. Wir müssen immerhin damit rechnen, daß in dieser Zeit Ridley von hier aus gewarnt werden kann, also wäre für Ihr Fräulein Tochter nichts gewonnen, im Gegenteil...“ Er sprach den Satz nicht zu Ende. Ben W. Harrow schritt erregt im Zimmer auf und ab. „Ja, ja, ja, Sie haben recht, aber es ist unmöglich, rascher nach Europa zu kommen...“ „Verzeihung, Mr. Harrow, ich wüßte schon eine Möglichkeit...“ „Mensch, so spannen Sie mich doch nicht auf die Folter! Was haben Sie für Vorschläge? Alles, was ich habe, steht zur Verfügung, nur muß meinem Kinde rasch geholfen werden.“ „Ich weiß, daß der bekannte Flieger Donald Lloyd beabsichtigt, dieser Tage nach Europa zu fliegen. Vielleicht wäre es möglich, wenn man ihm eine namhafte finanzielle Unterstützung zusagte, einen unserer Leute als Mitfahrer bei ihm unterzubringen, ja, ich erkläre mich bereit, selbst das Wagnis auf mich zu nehmen, denn ich habe an dem Fall viel gut zu machen.“ Ben W. Harrow hielt in seinem Hinundherrennen jäh inne. Man sah seinen energischen Zügen an, wie es in seinem Kopf arbeitete, wie er alle Möglichkeiten dieses phantastischen Planes erwog, verwarf, annahm, bezweifelte und schließlich doch guthieß. Er streckte Mr. Ward die Hand hin und rief:„Wahrhaftig, das ist ein glänzender Vorschlag! Ich danke Ihnen, Direktor, wenn das glückt, haben Sie sich glänzend rehabilitiert. Aber... nein, nicht Sie werden mit nach Europa fliegen, sondern ich selbst...“ „Pardon, Mr. Harrow“, fiel ihm Ward ins Wort, „aber Sie unterschätzen die Strapazen eines solchen Unternehmens. Ihre Jahre... nun, auch abgesehen davon: es kann immerhin etwas passieren, das Flugzeug kann verunglücken.. Dann können Sie Ihrem Fräulein Tochter nicht mehr helfen, dann würde sie ganz allein in der Welt stehen und vielleicht dem Verbrecher, der sich an sie herangemacht hat, erst recht ausgeliefert sein...“ Ben W. Harrow faßte sich an die Stirn.„Direktor, Sie haben noch einmal recht. Ich muß hier auf dem Posten bleiben. Daß Sie selbst die gefährliche Fahrt machen wollen, ist tapfer von Ihnen... aber... ich möchte Ihr Angebot dennoch nicht annehmen... Ich habe... ich denke da...“ Er zögerte einen Augenblick, dann vollendete er, wie als Schluß einer langen Ueberlegung, rasch:„Ich habe einen sehr zuverlässigen Mann, den ich mitfliegen lassen möchte, wenn es Mr. Lloyd überhaupt gestattet, einen Bekannten von mir, der weit jünger ist als Sie oder ich, und der den Strapazen, von denen Sie gesprochen haben, in jeder Hinsicht gewachsen sein wird, mitzunehmen. Ich werde sofort versuchen, mit Mr. Lloyd Verbindung zu bekommen. (Fortsetzung folgt.) Neues in Kürze. Das siamesische Königspaar hat am Mitt woch das Zeißwerk in Jena besichtigt und ist am Donnerstag in Nürnberg eingetroffen. Nach einem Besuch des Rathauses ist es zur Besichtigung der Bleistiftfabrik A. W. Faber Castell nach Stein bei Nürnberg weitergefahren. Am Donnerstag abend hat sich der englische Ministerpräsident. Mac Donald, an Bord des Dampfers „Herzogin von Richmond“ nach Canada eingeschifft, wo er den größten Teil des dreimonatigen Erholungsurlaubs verbringen wird. Der Schah von Persien kehrte am Mittwoch abend von seinem Besuch beim türkischen Staatspräsidenten nach Teheran zurück. Er wurde von der Bevölkerung begeistert begrüßt. Die ganze Stadt war mit Flaggen und Lampions geschmückt. Lynchjustiz im Staate Louisiana. DNB Neuyork, 10. Juli. In der Stadt Bastroz im Staate Louisiana ereignete sich ein neuer Fall von Lynchjustiz. Eine erregte Menschenmenge drang in das dortige Stadtgefängnis ein und bemächtigte sich eines jungen Negers, der sich an einem weißen Mädchen vergriffen hatte. Der Neger wurde in den Gefängnishof geschleppt und an einem Ast einer Eiche aufgeknüpft.